Indiana Tribüne, Volume 6, Number 290, Indianapolis, Marion County, 8 July 1883 — Page 2

Zwei Elcvcn Worth

S. Cine NoveLe von Ernst Vssque. (5. Fortsetzung.) Zuerst verfügte er ßch in eine BuchIiandlung und erstund eines jener prächtigenBücher, welch'e, für den ersten' und Ansckauungs-Unterricht eine Kindes gedacht, durch ihre Ausstattung und den Reichthum ihres 'Bilderschmucks Prachtwerke genannt werden können. . Mit diesein nothwendigen Untenichtsmaterial war er der Kleinen doppelt willkommen und ihr freudiges Drängen ließ ihm nicht viel Zeit, vorher wie auch während dieser ersten Lehrstunde mit der'Mam'a'und der Tante zu verkehren. Und Herr Werner fügte sich gern, die Beschäftigung mit dem hübschen lieben Kinde, schien ihm ein un gekanntes und wirkliches Vergnügen zu bereiten. Er vertiefte sich so in die Er klärung der schonen, alphabetisch geordneten und künstte:isch. ausgeführten Jflü strationen, daß er 'weder der Zeit achtete, noch wasum ihn vorging.'. Doch wenn die Kleine auch aufmerksam horchte, so waren seine bald sinnigen, bald begttsterten Schilderungen doch mehr für große Zuhörer geeignet undversehlten auch, aus diese ihre Wirkung nicht. So kam.es denn, damals er plötzlich auf und um sich schaute, er'Fraü von Goldner' und Frausein Constantia dicht hinter sich erblickte und überrascht von dem Eindruck war, den seine Worte besonders aus die junge Frau gemacht hatten. Ihr schönes lm war lebhast geröthet und mit strahlenden Augen hatte sie auf den Lehrer ihres Kindes niedergeschaut. Doch jetzt, von seinem Blick getroffen, senkte sie verlegen den ihrigen und' überließ es der Tante, ihrem .Entzücken in mehr oder minder volltonen "den Äiedensarten Ausdruck zu geben. , So verging die Zeit, weil unbeachtet, Pfeilschnell, und als der Freiherr sich endlich dennoch ihrer erinnerte, da war 52it tag längst vorüber und'aus einer Stunde waren der -Stunden zwei geworden. Jetzt mußte er eilen fortzukommen, wollte er sich nicht verrathen und noch im Stan de sein, den Besuch bei der Gräsin Hollberg zu machen. Er brach auf, und wie die Tante ihn nach seinem Klingeln.an der offenen Zimmerthür empfangen, so geleiteten ihn jetzt beide Frauen mit dem Kinde und wichen nicht eher, zum großienAerder kleinen Zofe Lina, als bis die Glasthür sich hinter dem angenehmen Besuch zzeschloffen batte. Wohl schlug der Freiherr nun rasch tan Weg nach dem Haufe ein, doch wurde sein Schritt immer langsamer ; er mußte i: reits fühlen, daß ein solcher Besuch ihm nicht mehr möglich sein würde. So war es auch. Die lieblich schöne Erscheinung der jungen Frau hatte das Bild der pol, zen Gräsin vollständig -verdrängt und herrschte wieder allein in seinem..Herzen. Abermals schritt er dem offenen Eingang vorüber, und wenn er sich auch ob seiner 'Unentjchloffenheit zürnte, so' sagte er sich doch zu seiner Rechtfertigung : Ich kaun nicht anders! Wenn ich auch immer noch nicht begreife, wie, es möglich gewör den. Ihr Besitz dünkt mir in ihrer Einfachhcit mehr werth als alle Schätze der Welt, weil ich sie liebe weil ich zum ersten Mal liebe ! Ohne das gräflick) Hyllbergsch? Palais betreten zu haben, schritt Herr von. Holbott auch am folgendenTage zur gewöhnten Stunde dem Hause Wilhelmsträße 3A zu. Doch diesmal wurde er nur von der 'Zofe empfangen, die ihn mit ihrem gefall ligsten Lächeln grüßte. Mit größter.Bechendigkeit schloß sie die Glasthür.de5ldorPlatzes hmterlhmein tiefes Aufathmen .folgte, und nun sprudelte es nur so aus ihrem hübschen Mündchen hervsr : Endlich endlich bin ich Ihrer habHast geworden, Herr Meunier, und kann ungestört mit Ihnen plaudern ! Des jgnädige Fräulein und die gnädige Frau machen Besuche bei entfernten Verwandten bei der reichen Gräfin von Hollberg, weiter nisten in unserer Straße Ah! unterbrach der Freiherr freudig Überrascht den Redefluß Linas. So sind !die beiden Familien also doch miteinander verwandt? ' l Sie denken wohl schon wieder an eine neue Kundschaft, Herr Meunier ? ' Doch ldavon kann jetzt keine Rede fein, denn mir müssen Sie endlich meine Fragen beant norten. Und Zeit und Ruhe haben wir dazu, denn erst vor einer halben Stunde sind sie fortgegangen das gnädige Frau lein hat vorgestern einen Brief an die Zirau Gräsin abgeschickt, ich habe ihn in den Briefkasten geworfen, und gestern ist Antwort von dort gekommen, deshalb sind sie heute hin.' - O, ich weiß alles alles, was hier vorgeht, und es ist ein Glück, 5aß Sie es nicht . wissen, wie das nlte Fräulein den'ganzen Tag nur von Ihnen x. :xi v in.ii. . v . ' lüiiuji uiiu jiams vleueimr . o.ar . von dem schonen Herrn Meunier" träumt haha Z und wie die junge gnädige Frau nichts dazu sagt, doch ganz bestimmt desto mehr darüber nachdenkt denn ükten Sie dies alles, so würden Sie noch viel viel eitler.und stolzer werden als Sie es schon zu sein scheinen. ; Ich bitte, Mademoiselle, bei Ihren Fragen zu bleiben, über das Thntt uud Lassen Ihrer Herrschaft will und darf ick nichts hören! Also, unterbrach Herr Werner die Zofe abermals, und zwar sehr rnst. Doch Lina ließ sich dadurch nicht stören, sie lachte laut auf und blickte dabei den vermeintlichen Herrn Meunier recht verschmitzt und verständnißvoll an. Dann zuhr n ln einem Athem wieder fort : Ich sage Ihnen dies alles nur7um Ib nen zu zeigen, daß wir Zeit haben, denn wenn das alte Fräulein Besuche macht und ins Plaudern kommt, so steht und ört sie vor einer Stunde nicht wiederauf. Uff ! Doch nun zu meinen Fragen, es sind ihrer wohl , ein. DuKend. und der 5stto, nach müssen Sie sie mir beantwnrt-n wahrhaft und ruhig. Also ! Paris ist Wohl eme fehr große Stadt? I - verr von halbott, der wobl -in-n ?s, Lenblick über die schwatzhafte Zofe erzürnt YrtnMtr tflrtr fnnni sii ' - r 7 J vu maji iiuinin zu lächeln. Hatte ihre Jndiscretion ihm doch, ohne sein Veranlassen, et:vas ent hüllt, das sein Herz höher schlagen mach te. Deshalb fand er sich bereit, die ae wünschte Auskunft zu geben, und erwiderte heiter wie früher : ; Allerdings ist Paris groß, Wohl noch :mmal so groß wie die hiesige Residenz. Das wäre?! Dann gibt es wohl auch mit Schneider darinnen als hier?'

Aller Wahrscheinlichkeit nach.. Sie werden sie natürlich nicht alle kennen wohl aber ganz bestimmt die Damcnschneider? ' Das wäre eine Unmöglichkeit ! rief der Freiherr lächelnv. Aber einen werden Sie doch kennen und vielleicht ist es gerade der rechte? . Nun, und wie heißt denn der eine, der Ihnen so am Herzen zu liegen scheint ? Karl Müller. Es wäre eine Kunst all die Müller, Fischer, Becker, Schneider und Schulze, die sich unter den deutschen Schneidern in Paris befinden werden, zu sichten und Jhren rechten Karl Müller herauszufinden; geben Sie diesen Gedanken nur auf, mein Siebes Kind. Wenn 'Ihr Karl Müller nicht von selbst wieder zu Ihnen kommt und Sie leine, andere Anhaltspunlte für sein Auffinden haben, als nur seinen Namen, so sehen Sie ihn nimmer wieder. Das wäre schade! meinte Lina niedergeschlagen und sinnend, um schon im folgenden Augenblick wieder in früherer hei terer Weise fortzufahren. - Sehen. Sie, Herr Meunier, er war aus meinem Dorfe daheim und schon ein stattlicher Bursche, als ich erst vierzehn Jahre zählte, doch sah ich ihn damals schon gern, 'denn er war hübsch' und hatte ganz andere . Manieren als die übrigen Burschen des Dorfes. Dann ging er nach Pari?, und ich vergaß ihn. Erst alsSie zu uns kamen, und ich an Ihnen sah, was alles aus einem deutschen

Schneider in Paris werden kann :j ein eleqanter,' schöner, berühmter 'und' auch rci-' i , Z ' ' . . r V. T cyer Acann, da erzl entsann, ioj micg seiner wieder und das ich ihn schon als vierzehnjähriges Mädchen geliebt habe und haß ich ihn jetzt erst recht,'ja, lvahrhast ungeheuer liebe! Das ist ja ein wahres Glück für,! diesen Karl Müller! Nicht wahr? . O, und ich kernn lieben wenn Sie es nur wüßten ! Glückltcherwelie für Herrn Werner wurde dieses Gespräch, welches eine gefährli che Wendung zu nehmen drohte. Noch zur rechten Zeit durch das plötzliche Oeffnen einer Thür unterbrochen, in der die kleine Lucie erschien, welche nun halb freudig. halb schmollend rief : ..,. " . Da vlfldu ia?!i Ich mannte dich an deiner Stimme. " Warum bist du nicht gleich zu mir gekommen ? Da5 ist nicht hübsch von dir, und ich bin dir nicht mehr gut! ' ; Herr von yalbott beruhtate das Klnd, daß sich auch gern von ihm beruhigen ließ. dann trat sie mit ihm in das Wohnum mer, hier die uelmkehr der beide Damen zu erwarten 'Es steht m den Sternen geschrieben. daß ich nicht zwischen Thür.und Angel mit ihm plaudern soll, sagte sich Lina mit dem melodramatischen Ton einer tiesaekränk ten Dulderm. Es wird mchts anderes übrig bleiben, als eine panende. Gelegen- . . . i Ct. ' r . ' yeir aozuwaricn uno oem monen, nur et was zu spröden Herrn Charles Meunier in seiner Wohnung, und in seinem elcganten Salon eine Binte abzustatten. Wenn m 9 . m r er mir recyr lucven mm, to nnoen wir aanz bestimmt meinen Karl Müller, oder aus alle Falle einen Ersatz für ihn. Etwa eine halbe Stunde hat sich Herr von albott - mit dem Kinde - bescdaftiat. als die Klingel ertönte, die Glasthur ge onner wurde und gleicy daraus man von Gojdner ins Zimmer trat. . Sie raar al lein, und unwillkürlich, mit einem fast ehr furchtsvollen Staunen mußte der Frei Herr sich erheben. kr. hatte die zunge Frau bisheran. nur. in ihrem ' einfachen Uauslleioe gesehen, nun stand sie m ele aantcr 'BesuchS-Toilette vor ihm." Die dunkle Seidenrobe, welche sich eng an ih ren oerlörver an Ämieate. dielen bis zum Halse umschloß, ließ die vollen und doch so geschmeidigen Formen überrascheno günstig hervortreten; der qe schmackvolle Hut umrahmte im Verein mit dem schönen reichen Haar das Oval des Gesichtchens so vortheilhaft,' verlieh der ganzen Gestalt zugleich eine solche edle Vornehmheit, daß' Herr von Halbott im ersten Augenblick glaubte, eine ganz andere vor sich zu sehen als die still bescheidene junge Mutter. Wie ein Blitz durchfuhr ihn der Gedanke : sie ist nicht allein von einer lieblichern Schönheit als die stolze Gräsin Paula, sondern auch von einem wirklich imponirenden und dennoch bezaubernden Adel. Erst als Frau Marie mit ihrem freundlichen Lächeln und der bescheidenen, herzgewinnenden . Redeweise Herrn Meunier um Entschuldigung wegen ihres langen Ausbleibens bat, da vermochte, er die junge Mutter durch Versicherung zu beruhigen, daß er die Zeit eben so nützlich wie angenehm mit ber kleinen Lucie zugebracht habe. Nun erschien auch aus einem Nebenraume die Tante in einer fast allzureichen Toilette, in ihr nicht wenig stolz sich gebührend uud hoch das bebänderte Haupt tragend. Sie hatte draußen die Visite abgelegt, wohl um sich Herrn Meunier so vortheilhaft als möglich zu Präsentiren und ganz bestimmt ein Compliment über ihre geschmackvolle Toilette erwartet. Doch dieser grüßte sie nur mit einer tiefen, respectvollen Verbeugung, und da dem guten alten Fräulein das Herz voll war, so mußte ihr dafür der Mund überfließen. . Ich habe Ihnen Angenehmes, Hochwichtiges mitzutheilen, Herr Meunier, sagte sie noch freundlicher als gewöhnlich. Wir kehren von einer Staatsvisite zurück, die wir unserer erst vor kurzem in derRe sideoz eingezogenen Verwandten, der verwittweten Frau Gräfin von Hollberg, und deren Tochter und Erbin abgestattet haben. In kaum vierzehn Tagen wird die Frau Gräfin ihre erste Fete geben es ist allerdings noch ein wenig früh, doch die unge Gräsin Paula will eö nun einmal so. Cercle, Concert, Souper und Ball, sowie andere Ueberraschunaen wird es ae den und derHof vertreten sein, O, es muß gianzeno, menveno chon werden ! Auch wir sind jetzt schon geladen und ich freue mich deffen, Sie dürfen eö mir sckon alau ben, Herr Meunier, fast in erster Linie für vsle: Zu gütig, meine Gnädige ! warf Herr von Halbott unter einer Verbeugung lächelnd ein, als.Fräulcin Constantia Pause machen -mußte,' um Athem zu schöpfen. Dann aber fuhr sie mit frischen Krägen fort: - . Sie begreisen doch die ganze Tragweite dieses freudigen- EreiqnisieS, Herr Meumer? Wird meine Nichte nicht dem großen Feste, von dem der Hof, die ganze Stadt und alleZeitungen reden werden, in

der von Ixbtten creirten wundervollenToi- l

lette beiwohnen und in ihr ganz bestimmt das größieÄufsehen erregen, gewiß die al- - r .. m r 4 fi 4 ä I lcrdeste und ichonuempseyiungyrcs geschädlichen Unternehmens ! O, ich kann w . f , r : . t . (rn... . Isanen Ulcur laacn, inri iicucc jcit -uicu , liier, wie sehr mich dUs freut für Sie, für uns,-daß wir dadurch in Stand gefetzt werden, Ihnen dienen, Ihre groiLe Freundlichkeit aeaen uns und unsere nebe Lucie in etwas vergelten zu können. ' Wäre ich nicht bereits fest überzeugt von Ihrem freundlichenWohlwollen, mein anadiaes Fräulein, entgegnete Heir von Halbott mit 'seiner-ganzen vornehmen Saltuna. doch, auch, mit einer offenen 52erülchkelt, zualelch die and der alten Dame ergreifend und .drückend, Ihre so eben aesprochenen Worte müßte, mir dasür den. schönsten Beweis liefern.' Ich' danke Ihnen dafür ! Fräulein Constantia stutzte. Wenn auch die Antwort, stimmte, so war sie doch in einer Weise erfolgt,' als, ob sie keinen Bezug auf den eigentlichen Smn ihrer Nede gehabt hätte. . ?luch mußten tt c r t - 1. L '..ii! Wallung uuo eoaroen oes vermemiii chen Herrn Meunier ihr w überraschender Weise imponirt haben, und die gute alte Dame verstummte unwillkürlich. - Eben so hatte Frau von Goldner recht erstaunt

auf den Sprecher geschaut, doch nahm sie und besonders in öem Kind siegreiche Verjetzt unbefangen als ob nichts Ausfallen- bündete erhielt. Nyck wurde verabredet.

des gesagt 'worden wäre, das Wort' und wußte mit glücklichem Tact das Gespräch bald wieder in ;dir gewohnten ruhigen Bahnen u lenken. ' . I

5 ' Heute dürfte. Herr von . Halbott nicht Nutzung der Angaben des Maler, herzutanne trmtUn. die ezm-n hetihn ifi stellen. Auch damit erklärte Gräsin. Pau-

Toiletten zu wechseln, und Geschäfte vor-, sckükend. tmtiaU er si. imnl aber verliek er das faus mit fetten Entickilüs. sen. Norerst aab er den Reiuck bei der Gräfin von Hollbergwenn auch nur vor. dtthand,auf. Wirkunaslos hatte sich die an ibr beranaetretene Bersuckuna erwiesen': l Frau vonGoldner dünkte ibm iSönex, begehrenswerther als je, wenn er sie auch Nicht Heiner liebte noch zu neben ver mochte als bisher. . . Sodann beschloß er. bei. der nächsten Gelegenheit seiner Rolle des Charles Meunier ein Ende zu machen. Sie sing denn doch an, ihm recht behag lich'zu, werden und war wohl auch nicht lange durchzuführen. Unter seinem wah ren Namen wollte er um seine Liebe wer ben, und er. glaubte seines Sieges gewiß zu sein. Doch was dann ? . .. Dies war eine Fra ge, die er sich noch nicht vorzulegen ge wagt, weil er fürchten mußte, keine genü gende Antwort darauf finden zu können. ' VI. Der Adel der Arbeit. Im Hollbergschen Palais hatten die Gränn Mutter und Paula tm paar Ta ge aus den angekündigten Besuch des jün gern Freiherrn von halbott gewartet und auch vier und da davon aeredet. dock als SflIf ?Af frtrnrn! tnrtfM ' s!av Vt. derselbe nicht kommen wollte, seiner ver gessen. Zum wenigsten war dies bei der Hingen Grann der Fall, die mit ihrem Fe ste, ihren Toiletten und Besuchen so viel zu thun hatte daß ihr dadurch schon sür nichts anderes mehr Zeit blieb und sie sich er : xtan man mit elwas, uns sei es nur in Gedanken, beschädigen konnte, das im Grunde nicht einmal für sie vorhanden war. Der Bruder ihres Verlobten, ihr neuer Bemerber. war erkindert wnrfi,n zu kommen, so sagte sie sich; im Grunde sei dies ja ganz gut; komme er später dennoch, so wurde das auch nichts an der Sachlage .ändern. . Damit war dieser Zwischenfall für sie abgethan. Dic(öräsin dachte wyhl noch immer im stillen darüber nach, doch ihre an und für sich schon geringe Thatkraft war sür den Augenblick dermaßen in Anspruch genommen, daß sie r r ! , rv r sicy nla)l einmal zu einem Vnes an oen alten Freund ihres Hauses, den Freiherrn Hemz von yalbott, hatte ausrasten lön nen. Der Hauptmann hatte nach seiner Garnison in Westfalen abreisen müssen, sich jedoch einen neuen Urlaub erwirkt, um dem Feste der gräflichen Familie beiwoh nen zu können. . Dieser war dem talentvollen Ossiclcr von hoher Seite mit dem vielZaaenden Bemerken ertbeilt worden, dan man bon'e. ibn reckt bald sür immer in der Residenz zu sehen. Auch diese Trennung von dem Geliebten batte Krä. finPaula in ihrer rastlosenThätigkeit nicht ' r . ' . ' . . ' allzu scymerziicy empzunoen, und da sie zu aleicker Äeit Nck eine neue, liebe. ftrnrn, din erwarb, so war sie auch überraschend schnell wieder das frühere, fast " , . i r . . iyi t. i 'ii uoermuiyig oellere caocyen geworV... C'.-Zf.l.. 0f"..v? ucu. juvliv) uic ricuajc viniunoigung eines Besuches hatten , Mutter und Tochter erfahren, daß sie entfernte Ver wandte m der Residenz besaßen, die bei Lebzeiten des Grasen von diesem nie erwähnt worden waren oder die Grä sin Mutter mußte folche Mittheilungen ? V!JC 4. . . TT i ganzilll) vergessen yaoen, was ttlneswegs im Bereich der Unmöglichkeit lag. Durch den Besuch selbst lernten sii zwei durchaus liebenswerthe Frauen kennen, und Gräsin Alcxandria wie Paula freuten sich ausrichtig dieser neuenentdeckten Verwandten. Fräulein Constantia hatte sofort die ZuNeigung der etwas phlegmatischen Gräsin Mutter gewonnen und die leicht erregbare Paula war entzückt von' der- löblichen Schönheit, dem sinnigen Wesen der jun gen Frau von Goldner. Dieser erste Besuch hatte bereits zwischen den ältern und jüngern Paaren ein inniges Verhältniß hergestellt, das man wohl jetzt schon einen Freundschastsbund. hätte nennen dürfen, Selbstverständlich erfolgte auch eine Einladung zu dem ersten großen Feste des Hauses, die vonSeiten des altenFräuleinö sehr rasch und enthusiasttisch, von Seiten der Frau von Goldner zögernd, doch nach heiterm Drängen und Bitten Paulas gern angenommen wurde... :. Eben so selbstverständlich war die Zusage der Mutter und Tochter, den Besuch der neugewonnenen Verwandten, die ja in derselben Straße wohnten,, so bald als nur möglich zu erwidern. 4 )ri) Doch dazu kam eö m den nächsten Ta- ' 3 cw Kiu ro.ni.r k.,- " X i, h : bewrockenen Toiletten besorat, ob von Vfcivuv vrnwv . ' - - Paris, mochte die hohe Clientin selbst errathen, und .nun ging es ans - Probiren. Täglich erschien jetzt derKleiderkünstler mit seinen riesigen Cartons in dem Hollbergschen Palais und Gräfin Paula hatte insgebeim mit ihrer Kammerfau, dann mit Herrn Meunier so viel zu thun und zu besprechen, daß zu dem versprochenen freundund verwandtschaftlichen Besuch nie die rechte Stunde gefunden werden konnte.

Dafür erhielt Frau von Goldner nachein

ander mehrere recht yubiche und lu mg zu lesende Brieflein der lebensfrohen jungen M I l uomiqie, weiche das Daumen oer zcr wandten erklärten, Frau Marie erhcitcr i... v v.:. o- i . ich uno uic -iaiue ocruuiaicji. Endlich erfolgte denn auch ein ersterGegenbesuch der beiden Gräfinnen, jedoch an emem Nachmittage, und das freundchaft Ilche Verhältnis der beiden verwandten Familien erhielt dadurch neue' Festigung. Am folgenden Nachmittaae erschien Gräsin Paula ganz unerwartet wieder, doch galt ihr , Kommen diesmal keinem forwellen ' Besuch' sondern einer Bitte. Von ihrem Feste, den lebenden Bildem plauderte sie, und dan der Ma ler, ein berühmter Professor der Akade mie,.dcr jene zu stellen übernommen, dem zweiten Bilde noch eine weitere Person zugefügt habe und zwar der Frau Venus einen kleinen Amor. Dieser hübsche Gedanke war. von Paula mit Begeiste rung aufgenommen 'worden und da sie am Tage vorher die allerliebste kleine Lu cie kennen gelernt hatte, so bestimmteste Iv.a s' . c r r r 5 .-w oas scino auaz ooxi zu lyrem vimor. viun gav es ein lange yln- und Yerre den, Frau von Goldner sträubte sich ge gen dieses Ansinnen, mußte' aber endlich doch nachgeben, da Paula m der Tante dafc Fräulein von yollberq die kleine Lu cie zur Probe des Bildes führen sollte. wogegen die Mutter sich 'ernstlich vorbe hielt, die Gewandung, wenn auch mit Be la' sich einverstanden, war sie doch froh, in der Hauptlache ihr Ziel erreicht ZU haben nd ihren Toiletten-Künstler, der so schon mehr wie genug mit ihr und ihren Lau nen ZU thun hatte, nicht weiter behelligen zu dürfen. Ihre naturliche Helterkelt und lhr ltevenswurdiges We,en gewannen vollends das 5)erz der jungen rau'und wie zwei einander, ergänzende Schwestern schieden sie. Herr Charles Meurner hatte sich in der That eine rrastlosenThätigkeit hingegeben. um seine drei admirablen Crcatlonen, die seinen Rus, sein Glück begründen mußten. der. Vollendung entgegenzusühren. Er hatte im übrigen, trotz seiner, pompösen Anzeige, trotz der gespannten Neugierde der Damenwelt, doch bereits die Ersah rung gemacht, daß die deutsche Hauptstadt kein Paris ; dan die'hieuae Sitten und Gewohnheiten denn doch nicht ganz denen der Seinestadt alicken. Man scdien die ersten Erfolge des deutschpariser Eleven des großen Werth, abzuwarten und der hochelegante, genau nach Worth emgerlch lete alon blieb vorderband leer. Man war eben in der deutichcn Rest denz noch nicht an folche ReunionS in dem Salon eines Damen.Confcctioneurs,6e . v "unicr ocmcrue oicä an sangs mit einem gelinden Schrecken, denn er hatte wohl den beträchtlichsten Theil r n . ??. . v r. t?. seiner aiicc riparnijze in ciiic oeul sche Einrichtung aesteat. Doch bald trö stete cr stch wieder, denn er war schlau und sagte sich ganz richtig : Auch mein großer Meister hat nicht sogleich mit einem An tichamhre-Salon begonnen, indem er sei ne hohen Clientinnen warten ließ, bis die Reihe an sie gekommen. Zuerst muß ich einen arvLen v.onp ausluoren, oas ,tttt der Gräsin Hollberg und meine Toiletten müssen Wunder wirken. Dann wird die aucug? soiyyt svn von ,eiozi 10m men, und die Gräsinnen, Herzoginnen und Prinzessinnen, die mir nicht entgegen kommen, dürfen sich auf hübsche Nechnungen, ganz a la Worth, gefaßt machen. So dachte, so hottte Herr Meunier, setzte sich über seinen leeren Salon hinwea und bekümmerte sich gar nicht mehr um die übnge Damenwelt der Residenz, deren Zu rückhaltung er seinen ganzen Künstlerflolz : f- i.!.H.!li f.! V'rn - ' rim Sterzen vleuelcyi seine volle Äerachtung entgegensetzte. - Charles Meunier der andere oder vielmehr besten erste Arbeiterin, Frau Seehos, arbeitete ihrerseits an dem Gesell schasts- und Ballanzug verjüngen Frau von Goldner, zowie an dem der Tante ruhig weiter. Auch sie erschien an Nach Mittagen in der Wohnung der letztern, zu Probiren und zu ändern, und mit dem vermeintlichen Herrn Meunier wurde nur I . .-v.a rrs'r . , . r "uuv bcuei. dieser yane sei e Morgen- und Unterrichtsbesuche re gelmäßig sortgesetzt und würde dabei auch ost genug Gelegenheit gefunden haben, . ' . iCfX-.... So cm: n i ri i v ! rr . . inuiuiiij uct lpvcrlnvnlsses yerI fiAtiiifttftävt ' fC IsiA vtli 0T 9 i muiui., y iiui. tue halb ? Das wußte er sich im Grunde fei ber nicht recht zu sagen. War es rticht geschehen, weil er noch immer im Stande gewesen, eine genügende Antwort auf das verhängnißvolle WaS dann?" zu finden? Oder hatte das Geheimniß, mit dem sein I Qlt MA AM4a SM M4 t AMMAs M X. J M A M "''vunttv m uci luiu'ciyiu Uttiicyiitvlllei! Rolle ejnes Lehrers sich das Vertrauen und die Liebe der kleinen Familie zu erwerben? Allerdings war in diesem Falle sein Verdienst größer, als wenn er stch als Freiherr eingeführt hätte. Und dann wer weiß, ob ihm überhaupt als solcher so rasche Erfolge geworden wären wie jetzt? Es war fast, als ob er dem Zufall die Entscheidung, welche nun einmal nicht ausbleiben konnte, hätte anheimgeben wollen, und dieser kam ihm denn auch im geeigneten Augenblick zu Hülse, Es war bei Beginn einer der Vormit tagsstunden, die mit Herrn Werners Hülfe sich das Kind wie für die' beiden Damen so angenehm und zugleich immer vertraulicher gestaltet hatten ; Unterricht und Plaudern hatten kaum begonnen, als Fräulein Constantia durch Lina abgerusen wurde und bald daraus in einer geschäftigen Aufregung und der Mittheilung wieder in die Wohnstube zurückkehrte, daß unten die Equipage der Gräsin Hollberg wartete, um sie sofort in deren Palais zu führen und zwar mit Lucie. . Es handelte sich um deren Milwirkunin .dem zweiten lebenden Bilde,:wozu die Mutter ja ihre Zustimmung gegeben ,habe. Herr von kalbott wollte sich IN dlscreter Wel e entfernen, doch die Tante bestand so hart i P i uXVia t itrttTT nüdia auf seinem Bleiben, da sie m mit der Meinen in höchstens einem Viertelsiündcken wieder zurück sei und lieber gar nicht weggehen, die, junge Gräfin und jhr - .' i r .1 t. ' lebendes Vliomilsammr oem oeruymren Herr Mller im Stiche' lassen würdedaß der vermeintliche Lehrer nach einem fraenden Bllck auf Frau von Goldner mit einer Verbeugung sich fügte. Diese hatle zwar keinerlei Aeußerung gethan, weder für noch gegen aö Ansinnen der Tante,l

doch, gerade dieses Schweigen konnte

nur im Sinne der letztern ausgelegt werden. Auch nahm die Kleine bereits unter Hellem Jubel Abschied von der Mama und dem lieben Lehrer, wobei sie rn ihrer herzigen Unschuld meinte, daß dieser ja nicht weggehen dürfe, bis sie wieder käme, und beider Mama bleiben müsse, damit sie sich nicht langweile. Dann verließ sie mit der Tante das Wohnzim mer und oerr ferner uno rau von Goldncr waren allein. Diese" legte ihre Handarbeit" beiseite. denn wie immer war sie auch jetzt mit einer solchen beschäftigt gewesen, als ob sie von nün an einzig 'und allein nur an die Unterhaltung des Gastes denken dürfe. Währeiid i dieses 'Thuns sagte 'Herr von Yalbotl unwillkürlich : ' Ich bewundere Ihren Fleiß, gnädige Frau. So oft ich das Vergnügen hatte, Sie zu sehen, finde ich .die feinen, Finger emsig beschäftigt.' U Die Lust zur' Arbeit muß Ihnen angeboren sün. . Angeboren ? Wer könnte das sagen ? Anerzogen dürste richtiger sein. Eine dieser Erzieherinnen ist allerdings die, welche Sie genannt haben : die Lust an der Arbeit. Dann muß sie gleich einer freundlichen Fee an Ihrer Wiege gestanden haben. .. Wiederum . gefehlt! $ rief Frau von Doldner lächelnd. Erst die zweite der Erzieherinnen, weit ernster als ihre freundm -I m iiaje scywksler, suyrle diese m,r zu oder weckte sie doch in meinem Herzen. j Und diese zweite Urheberin Ihres Jlei ßes heißt ? Die Nothwendigkeit ! entaeqnete die junge Frau ruhig und mit gewohnter Unbefangenheit doch auch mit einem tiefen Ernst. , . . Die Nothwendigkeit! wiederholte Herr vonHalbott überrascht. Ich kann doch nicht wohl annehmen, daß Ihnen diese Mutter der quälenden.. Sorge und des Kummers je im Leben nayegetreten sei ? 'Nehmen Sie. immerhin an 'und Sie werden' der Wahrheit näher kommen. Wenn auch nicht in ihrer schrecklichsten Gestalt, so begleitete sie mich doch sast durch mein ganzes Leben von dem Augen blick an, wo ich selbstständig zu denken und zu handeln vermochte, his ich mich hier .bet Fräulein von Hollberg, die meine gu tige Tante meine zweite Mutter wur de, von ihr erlöst fand. 7 Doch beruhigen Sie sich, suhr sie wieder nnt ihrem sreund lichen Lächeln fortals sie sah, daß ihre Worte einen ganz ungewöhnlichen Em druck auf ihren Zuhörer gemach? hatten. Beruhigen Sie sich, Herr.Meunier!. Die Schwester der harten Nothwendigkeit, die Lust zur Arbeit machte mir das Geleit der n ? r ? je ; v ? . ' n. . erlern eriragilcy, miioerle lyre june ganz und aar. ' ' ' - "l Sie setzen mich in .Erstaunen, gnädige Frau! rief der Freiherr, der durch das Unerwartete, was er da hatte hören mus sen, seinen Gleichmuth noch nicht wieder zufinden vermochte. WasSie. mir da e 1 l , ' ' rt ' c ge agl, ,ounll mir cm ytairnei, nno ich Necht habe ich, auch. nur den Versuch zu seiner Losung zu machen.-. .;',:',- Aber ich habe das Necht dazu, und da meine Mittheilung Sie so aufsal lend zu be5ühren scheint, wohl auch die Pflicht, es Ihnen zu lösen, sprach nun Frau von Goldner mit einem edlen Stolz, zugleich sich hoch ausrichtend. Doch schon im folgenden Augenblick fuhr sie bereits wieder in ihrer sanften Weise mit ihrem herzgewinnenden Lächeln fort: ?: Soll tch darf ich es zhnen losen Herr Meu nier? . Es wäre indiscret, wollte ich Sie da rum bitten, antwortete dieser verlegen. Durchaus nicht ! Es ist keineswegs ein düsteres oder gar schreckliches Geheimniß, das ich zu enthüllen habe, sondern nur ei ne einfache, vielleicht alltägliche Geschichte, die ich dem Lehrer meines Zkindes crzah len werde. Wollen Sie sie vernehmen. Herr Meunier, so hören Sie mir zu. ' O, gnädige Frau, wie habe ich - solch neues Vertrauen verdient? rief Herr Wer ner, von dem. Zauber, den das liebliche Wesen der jungen - Frau ausstrahlte, ergriffen und hingerissen.. Ob die Theilnahme, die Sie jetzt schon kundgeben, gerechtfertigt ist, dies mögen Sie am Schluß 'meiner Mittheilung entfcheiden. Hören Sie! ' - Mein Vater war Ofsicier und von Adel, also begann Frau von Goldner in ihrer schlichten und gerade deshalb so eindringlichen Redeweise , meine Mutter eine Bürgerliche und ebensowenig mit Glücksgütern gesegnet. Er hieß Ölten -ttonrad von Ölten Ölten Konrad von Ölten? unterbrach der Freiherr die Erzählerin plötzlich mit einem Ton größten Staunens. Warum befremdet Sie dies? Was haben Sie? fragte Frau Marie leicht erregt und die großen Augen forschend zu ihm aulschlagend. Nichts, nichts, gnädige Frau. Ich meinte nur den Namen schon gehört zu haben. Bitte, fahren Sie fort. ' . -Noch sür einen Augenblick blieb das Auge der jungen Frau auf ihrem Zuhörer hasten, dann fuhr sie in früherer Weise, als ob keine Unterbrechung stattgefunden hätte, in ihre." Erzählung fort. Bei feiner Verheiratung -hatte mein Vater 'den Adel abgelegt, und nun arbeitete er. gleich meiner Mutter, den nöthigen .Un-, terhalt z-r gewinnen. ' Beide lebten ein Leben der Arbeit und der Liebe, glücklich und zufrieden bis zum letzten Augenblick, der leider nur viel zu früh für mich, ihr einziges Kind, herankam. - Sie starben fast zu selben Zeit, 'blieben also auch im Tode vereint. Ich zählte damals vierzehn Jahre, hatte von der Mutter ' und durch das Beispiel, welches sie und der Vater mir gaben nicht allein arbeiten gelernt, sondern auch wahre Lust und Liebe dasür empfangen. Sobald der Schmerz über den fast allzu schweren Verlust es mir gestattete, nahm. ich die. Thätigkeit der Mutter auf und verdiente mir so jut es .gehen wollte, mein tägliches Brot. In meiner Arbeit allein fand ich Trost und endlich auch die nothwendige innere Zusriedenheit ; ich würde mich auch glücklich gefunden haben ohne die Einsamkeit, in der ich lebte, denn nur eine alte Dienerin, die schon. bii meinen Eltern gleichsam das Gnadenbrot genossen hatte, war um mich. Doch da kam bald Hülfe, die rechte Hülfe, wie ich sie me erwartet hätte und wohl auch nicht verdiente. Wir wohnten hier in diesem Hause viele Treppen hoch und fast unter dem Dache; es war eine kleine, doch überaus freundliche Wohnung -.nit

der Aussicht weithin vUt die Dächer der

Häusermassen, aus .enen hier und da, deutlich erkennbar, as freundliche Grün der Platze und ar:tn hervorlugte. Noch heute freut und aihrt mich der Gedanke an meinen Aösenthalt in der Kinderzeit dem Himmcl so nahe ; er dünkt mir, nnd ch mun es als Undankbarkeit bezeichnen. fast noch schöner als die prächtigen, doch rnch düstern Zimmer dieserzweiten Etage. cun hier wohnte Fräulein von ollberg, die meinen Eltern wohlgewollt, der guten Mutter Arbeit gegeben und verschasst hatte und nun auch in gleicher, nein, j . . r . notg vlki eifriger veise sur Mich zu s.orgen" begann. Dies dauerte kaumein Jahr, da ging auch die alte Gertrud sür immer von mir. nnb ; nun stand ick. ein kaum fünfzehnjähriges Mädchen, aani allein in der Welt da. - Als ich schier verzweifeln. .wollte,, da nahm Fräulein von vollverg mich bei der öand. führte mick hieher in ihr Zimmer und sagte : Tröste ' r rw t. M - . ' olll), ncarle, du zollst von nun an bei mir wohnen und in mir deinz zweite Mutter gefunden haben, . Ich konnte der Guten nur: durch Thränen danken und in einem ttune ihr sagen, daß ich ibr durch Geborsam und Liebe bis an mein Ende vergcl ten werde, was sik an mir, der Einsamen, m: CV . f. . r ,? - , t' U"1U". ioicr Zllyre oiieo es ai 0 ; hier t.Ci. : jt- r r ' r ' . me iaj cm sorg.'nsreles even, ohne t doch einer geregelten Thätigkeit zu entsagen. Da verheiratete mich Fräulein von Hollberg mit ihremNessenHerrn vonGoldner, der uns oft, in der letzten Zeit täglich besucht hatte, und nun wurde meineWohl thäterin meine wirkliche Verwandte. Heinrich von Goldner war Qsficier, ein wackerer Mensch und edler Charakter, der meine ganze Liebe verdient hätte. Doch mein Herz war bei der Verbindung nicht gefragt worden : der Vater meines Kindas siel in den entsetzlichen Kämpfen um Metz; kaum zwanzig Jahre alt. war ich zugleich Mutter und Wittwe geworden. Alle Liebe, die meinem Herzen entkeimt warwurde nun meinem 5kinde und zweiten Mutter zutheil. Nun kennen Sie meine einfachen Lebensschicksale. Mit diesen Worten schloß Frau von Goldner ihre Erzählung. Wenn- ich Ihnen sage, daß Sie mich gerührt tief ergriffen haben und daß ich Sie in Ihrem Denken und Sandeln bewundere, so werden Sie gewiß von der Wahrheit meiner Worte überzeugt sein, sprach nach einer kleinen Vauie der VixtU Herr, dir Hand auf dem Herzen und den Blick mit inniaem. bewunderndem Aus. druck auf die junge Frau gerichtet, die ihm in ihrer schlichten Einfalt fast wie eine Heilige erscheinen wollte. Ich glaube Ihnen, entgegnete diese in früherer Weise. Doch Besonderes habe ich nicht gethan und nichts weniger als Bewunderung verdient. Es war ja ganz natürlich, mußte so sein. Und haben Sie denn nie daran gedacht, daß dieses schöne Verhältniß; denen, die Ihnen bis jetzt allein lieb und theuer sind. dennoch eines Tages eine Veränderung erleiden könnte ? Sie sind doch immer nur erst im Mädchenalter angelangt. Die Tante spricht mir schon seit längerer Zeit davon und kehrt, wie ablehnend ich mich auch verhalten mag, immer wieder darauf zurück, entgegnete Frau von Goldner unbefangen, um dann ernster und selbstbewußter hinzuzusetzen : doch einmal habe ich, aller Erfahrung bar, ohne eigenen Willen mich ruhig dem ihrigen ge fügt, heute vermöchte ich dles nicht mehl trotz der Liebe und Dankbarkeit, die ich für sie empfinde. Und wenn nun eines Tages, fuhr der Freiherr ernster und unmerklich dringender fort, Jhr Herz dennoch eine Lücke empsinden und sprechen sollte ? Dann wenn mein Herz mich wirklich zu jemanden zöge, der außerhalb des kleinen Kreises der Meinigen stände, wenn es für ihn empfinden sollte, ein Gefühl für ihn darinnen aufloderte, wie es schon einmal in ihm erwachte, um sofort wieder zu vergehen in Weh und Trauer zu vergehen dann Nun und dann ? Dann würde ich meinem Herzen folgen vorausgesetzt, daß der Mann meiner Wahl würdig wäre. Doch daran wäre nicht mehr zu zweifeln, ohne diese Gewißheit würde mein Herz nie für ihn gesprocyen haben. Ihre bisherige Unbefangenheit war einer plötzlichen und he tiaen Aufwallung gewichen : ihre Wangen rötheten sich und ihre Augensterne strahlen ahnungsvoll in die Weite. Dennoch beherrschte sie sich und wandte das Antlitz nicht weg. Schwerer wurde dies dem Fre.herrn ; er fühlte, daß die Entscheidung, ein Wendepunkt in seinem Leben herannahte. Den Blick nicht von Frau Marie gewandt. nur das vcgeyrenswerthe, herrliche Ziel im Auge, setzte er jede Vorsicht beiseite, und nach einem tiefen, aus seiner Brust hervortönenden Freudenlaut fragte er luyn: Und wenn dieser Mann dieser Glückliche und Beneidenswerthe, dem es gelun gen wäre, hr Herz sich zuzuwenden wenn dieser Mann, keineswegs mitGlückS gutem gesegnet, gezwungen wäre, seinen Lebensunterhalt für sich und die Seinigen durch Arbeit durch seiner Hände Arbeit zu erwerben, würden Sie dann noch immer bei Ihrem frühern Ausspruch bleiben? . Frau von Goldner sah den stürmisch Erregten mit einem so milden Blick an, daß der Aufruhr in seinem Innern sich wie durch einen Zauber legte, die heißen Blutwellen linder zu fließen begannen. Dann sagte sie in ihrer schlichten Weise : - ' Ich habe Ihnen doch gesagt, daß, wenn der Mann meiner Liebe würdig wäre, ich nicht zogern würde, meine Hand in' die seinige zu legen, nicht zögern würde, ihm mein Lebenöglück und das meines Kindes anzuvertrauen. ' Ob er ein Edelmann mit glänzendem Namen und Reichthum oder ein schlichter Arbeiter' wäre, das gälte mir und meiner Liebe gleich. ' ' ' (Fortsetzung folgt.) ' ' Logische Studien. Vater : .Mein Kind, ich habe Dir schon ost gesagt hüte Dich vor den Männern, sie sind falsch wie die Schlaggen !" Tochter : .Du bist aber doch auch ein Mann, Papa Vater : Ein Mann allerdings, aber mir' kannst Du vertrauen, denn ich liebe Dich zärtlich. Tochter : .Also, ver ich zärtlich liebt, dem darf ich doch vertrauen, wenn eZ auch ein Mann ist

DaS Pafslonöspiel in Vrlrlcgg.

In nsb ruck, 12. Juni. Brixlegg ist ein Dors mit ca. 1200 . Einwohnern und liegt etwa in der Mitte des UnterinnthaleS. Es ist Station der Südbahnstrecke Kusstein-Jnnsbruck und von Ersterem in einstündiger Fahrt, -von der Landeshauptstadt in neunzig Minuten zu erreichen. Von Jenbach, der Station zum Achensee, ist Arixlegg sieben Kilometer entfernt, und zum Ein gang m's Zillerthal hat man auf der prächtigen Thalstraße eine kleine Stunde Gehens. Brixlegg selbst liegt an derMündung des AlpbaSthale? in'S- Jnn--thal, ihm gegenüber öffnet sich das reizende Brandenbergerthal. So erfreut sich Brixlegg einer sür den Verkehr , äußerst günstigen Lage. Darum ist tS aber auch Touristenstation ersten Ran ges ! Seine ungemein freundliche Lage Brixlegg gilt als der schönste Punkt des Unterinnthales und der. gute Ruf seiner beiden Mineralbäder", , Mehre und Aubad, haben das Dorf zu einem sehr besuchten Sommeraufenthaltsort der Fremden gemacht. Auch die Jndu strie ist in einigen Zweigen in Brixlegg vertreten. Hier werden die in der Umgebung geförderten Silber-und Kupfererze verarbeitet. Eine Schmelzhütte, ern Kupferhammer, und em Walzwerk machenie industriellen Etablissements von ' Bnxlcgg aus. Brixlegg. daö alte .Prißlea" entbehrt , auch mcht reicher' historischer Erinnerungen. Schon der Burgenreichthum semerUmgebung spricht dasür. Wer Vieles bringt, wird jedem Etwas bringen" und so darf Brixlegg hoffen, keinen Besucher unblfriedigt von '. bannen gehen zu sehen. Von dem Bahnhose zum Theater ist ' eine Viertelstunde Wegs. Dasselbe liegt unmittelbar hinter dem Postgcbäude in einem Garten. Hochstämmige Bäume : sorgen für reichlichen Schatt:n,der läng5 des Gartens dahinbrausende Alpbach sorgt des Weiteren für Kühlung. Wer im Oberammergauer Theater einen lan gen Tag im Schweiße seines Angesichts hat aushalten wüsten, weiß die günstigere Lage des Brixlegger Hauses recht wohl zu schätzen. An Großartigkeit der Anlage kann sich dieses mit dem Oberammergauer Theater. nicht entfernt mefsen. Es gibt nur sür circa 1800 Zuschauer Platz, während in Oberammergau 5000 Platz finden können. Aber hier ist die innere Einrichtung besser, als dort. Die Bühne ist der. Oberammer- . gauer ziemlich ähnlich eingerichtet. Rechts haben wir das haus des Pilatus, links das des Annas. Von die sem (der Mitte zu) führen Thore in die Straßen Jerusalems. Ueber dem rechts seitigen pnrngt das Römerwappen mit der Legende 8. P. Q. R. (Senatus Populusque Kornanus), über dem . linksseitigen der Löwe von Juda mit der Legende Jehova. Zwischen den Tho. ren, resp. Straßen liegt die. eigentliche.. Bühne, durch einen Vorhang, (Jerusalem darstellend) gegen den Zuschauerräum abgeschlosien. ' , . .t Auf dieser Bühne kommen alle Ta , bleaux und alle Ereignisie, die in ge schlossenen Räumen spielen, wie die " Sitzungen des hohen Rathes, daöAbendmahl, dann dieOchlbergscene,Kreuzigung -:c. zur Darstellung. Die Mittelbühne schließt nach oben in einem Giebelselde , t ad, dessen Scheitel ' den Pelikan, das ; , Symbol der Selbstopscrung. trägt. Das Feld selbst ist mit den Genien der drei ' . göttlichen Tugenden geschmückt. Die s ganze Bühne ist beiläufig IG Meter breit, 10 Meter tief und faßt an200 Personen. Bei den letzten Aufführungen 1868 und 1873 war die ganze Bühne vor dem ' Proscenium durch einen zweiten Vor hang abgeschlosien. ' Dieser stellte Brixlegg dar, und um dem Zuschauer ja . recht in Erinnerung zu halten, daß dieses '. Bahnstation sei, zeigte da Bild im Hin tergrunde zwei lustig, in die Welt dam pfende Eisenbahnzüge. Dieser Vorhang ist Heuer vernünstigerweise in die Rum pelkammer" gewandert,' obzwar er dieß' Schicksal wegen seiner vorzüglichen Au?' ' sührung eigentlich nicht verdiente. An das (jetzt offen liegende) Proscenium schließt sich das Orchester an, wo der Chor Platz sinket,' an dieses der' Zu schauerraum. Dieser besteht hier auL ' zwei Etaqen Parterre und Gallerie. Diese Eintheilung verdient darum Lob,' , weil man von jedem Platze Alles sehen und auch ganz wohl hören. kann, was in Oberammergau wegen der riesigen Län genausdehnung des Hauses wenigstens. -was das Hören betrifft nicht der Fall' ist. ' - y ' . - ' ' Das Brixlegger HauS ist ganz über dacht. Für Bühne und HauS hat man . dadurch am günstigsten ' Licht geschafft, - daß man daS Dach der Bühne das dc5 ,' Zuschauerraumes um ein Bedeutendes überhöhen ließ und die hierdurch ent standen? Oeffnung durch eine Glaswand ausfüllte. So ist stets genügend Licht, ohne daß mit ihm Wind und WetterEinlaß finden. - - Die ganze Passion umfaßt 16 Scenen. oder, wie man sie hier nennt, .Vor stellunaen. " Drei Böllerschüsse .geben.. das Zeichen m fr em a zum Ansang, me ?in uverlure nimmt die letzten Töne der Unruhe auS dem Zuschauerraume, in sich auf ; dann lautlose Stille. Ge enlten Hauptes, die Hände andächtig über die Brust gekreuzt, . erscheinen 16 Scdutzgeister, in Brixlegg . weißgekleidete Mädchen, vom Prologs sten geführt, auf dem Proscenium. NaH , emer ernsten Verbeugung spricht dieser ; den Prolog. ' Der Chor fällt bei dessen Schluß singend ein, die Schutzgelster ne hen sich nach rechts und links zurück, und der Vorhang öffnet sich, um uns das Einleitungstableau erblicken zu lasten: ' Die erste Sünde, die Strase und die Verheißung-. Einer der Schutzgeister spricht die auf das Bild Bezug habenden Worte auS der heiligen Schrist. Nach dem Fallen des Vorhanges kehren Pro logist und Schutzgeister in den 'Bühnen'' räum zurück. Vor ieder Scene erfchei--nen sie wieder. ' .'': Jeder Scene geht ein Vorbild vor aus, melcheö dem alten Testament ent nommen ist und in engerem Zusammen hang mit der folgenden Haupthandlung steht. So geht z. B. dem Einzüge Jesu in Jerusalem der Triumphzug des Da vid voraus, dem heiligen Abendmahle &er Mannaregen in der Wüste, der

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