Indiana Tribüne, Volume 6, Number 277, Indianapolis, Marion County, 24 June 1883 — Page 7
( -. Novelette von Vlat Tchsenan. .Bitte, hier herein, Herr Doktor! Das Zimmer ist ganz nach Ihren Wün schen, Sie haben von der Veranda aus einen freien Blick auf den Strand und die See." Der Kellner folgte dem vor anschreitenden Herrn in das Zimmer, eilte zum Fenster, zog die Vorhänge, zu?, rück und öffnete dann die Thür, welche auf die hölzerne Veranda hinausführte. .Es ist gut so, das Zimmer gefällt mir," sagte der Doktor, indem er seine kleine Reisetasche auf einen Stuhl legte, lassen Sie mir gleich meine Sachen von der Bühn holen." Der Kellner verschAand mit einer Verbeugung und Ri chard Stern trat auf die Veranda und athmete mit liefen Zügen den erfrischenden Hauch, der von der See zuihm hefc überwehte. . - v v-r Da lag sie wie.der vor 'ihm in ihrer blauen Unendlichkeit, seine geliebte Ostsee, die er seit zehn Jahren nicht gesehen und nach der er sich doch zurückqefebnt hatte all di Jahre lang. Er. stützte sich mit beiden Händen auf das hökzerneGeländer der Veranda und sah starr hin aus auf die weite - leichtbevegte Fläche, die in dem heißen Licht der Nachmittags-' sonne eines AugusttaeS' leise zu erzittern schien. Nach zehn Jahren wieder in der Heimath! 'Elnganze Welt von Erinnerungen zog im' Fluge durch die Seele des ernsten Mannesder nun wieder auf derselben Stelle stand, wo er vor langen Jahren als Knabe getollt und gelacht hatte, der wieder das Rauschen des Meeres hörte, an dem der.Jüngling einst geträumt und geliebt hatte und dessen wogende Rhythmen in seiner'.Brust schon damals einen Wiederhall in Form von gereimten Jamben geweckt hatten. Die Eltern Richard Stern's hatten in der nahe gelegenen großen Seestadt geinftf.nf btr tnfir pr Ni,fi,s,i7 nS V WVft V HHI -jttVMUf V hatte das Gymnasium besucht. Aber die schönsten Stunden und Tage' seine? Kindheit und Jugend hatte er hier draußen in dem kleinen' idyllischen Seebade verlebt, wo ein Onkcl von ihmder Arzt des Bades, eine Villa mit schönem Ausblick üb r die See bewohnte. Hier verbrachte Kichard . fast immer seine Fe nen, hier lag er aus den weißen 'Dünen und ließ seine Gedanken wandern über das weite Meer in ferne Zonen und Zeiten, hier war er oft mit seiner gleichal -irigen Cousine Anna hinausgefahren, während die kleine Ellen, Anna'sSchwester, zu?ückbleiben mußte und sehnsüchtig dem Boote nachschaute, auf em Anna mit dem großen Vetter hinausruderte weit in die See hinein. ' Zwischen der schlanken Anna und dem dunkeläugig? Richard hatte sich nach und nach ein zartes Verhältniß 'angeknüpft, das damit begann, daß der hoffnungsvolle Sekundaner ihr auf 'schaukelndem Boote-Hei ne's Nordseebilder vorlas, unter die er dann zuweilen auch die Erzeugnisse seiner eigenen Muse einzuschmuggeln wußte. Wie glücklich war Nlchard, wennCousine Anna auch die letzteren als Heinriche Verse bewunderte, mährend sie doch nicht recht begreifen, konnte, daß in diesen Versen bald eine .Agnes, bald eine Anna mit glühenden Reimen apostr'ophirt wurde. Endlich halte sich Richard ihr als Dichter bekannt und der erste Kuß belohnte den. inzwischen zum Primaner herangewachsenen Jüngling für sein lie bensmürdiges Talent. Dann schmoren sich Beide an einem schönen Sommer abend ewige Liebe und Treue, und bald darauf ging Richard auf die Universität, von wo aus einige Zeit lang noch ein sehr rcger Briefwechsel zwischen ihm und Anna unterhalten wlzrde.l Wie lange war das nun Alles schon vorbei! ' Als Richard ein Jahr studirt hatte, starben kurz hintereinander, seine beiden Eltern und, da sie kein Vermögen hinterlassen hatten, stand Richards mir kaum zwanzig Jahren ganz allein und 'ganz auf sich und seine Kraft gestellt in der Welt da. Jetzt mußte er unermüdlich arbeiten, um sich durch Stundenaeben die Mittel zur Fortsetzung seiner Studien zu verschaf fen, und nur sein Onkel unterstätzte ihn regelmäßig mit einer kleinen Summe. Ueber der h rten Irbeit desLebens hatte Richard die hübsche Cousine an 'der See zwar nicht vergessen, abet zum Schrei ben fand er nur noch'wenig Zeit und so wurde der briefliche, Verkehr zwischen Beiden immer unregelmäßiger, bis er sich schließlich auf. die Gratulationenzu Neujahr und den Geburtstagen be schränkte. Mehr ' und mehr verblaßte Anna's Bild in Richard's Seele und als er nach einigen Jahren von seinem Onkel eine Anzeige erhielt, die ihm Anna's Verlobung mit einem College ihres Vaters meldete, da fühlte er wohl noch ein leises, eifersücdtiaes ducken in seinkm , w w X " " - Herzen, aber er konnte: sich doch sofort . hinsetzen, und ziemlich ruhig einen wohl stilisirten Gratulationsbrief an die einst so geliebte Cousine schreiben. Von Änna' erhielt er 'darauf nur. e:ne ganz kurze Antwort: sie dankte ihm für seine guten - Wünsche und fügte kurz hinzu, daß sie . V - r . . . . ' ' - recyt giuailH iei. . isc yatte. ich damals Ü5er den kühlen Ton dieses Briefes .wohl etwas gewundert, aber da er bald darauf m r ? - "- als nelieoegttiier eines jungen lurlandischen Grasen ins Ausland ging, ver wischte sich über all den neuen und rnan' nigfaltigen Eindrücken, die er in sich ausnahm, jene Empsindung rasch genügt. . AIs Richard nach', zwei' Jahren, wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, ha billtirte er sich an einer süddeutschen Universität, und in den nächsten Jahren gelang es ihm. sich, durch: lein reiches Wissen eine schöne und geachtete Stellung zu erwerben. Jetzt endlich,-fast schon ein Dreißigjähriger, konnte 'ei ein bischen stillhalten und Athem schöpfen. Von seiner rastlosen Arbeit' konrtte-er endlich einmal ausruhen und so hatte er denn die UniversitätLfcrien zu einer Reise nach seiner Heimath benutzt. Während Richard übe? all diesen Erinnerungen in tiefes Sinnen versunken auf der Veranda stand, halte er nicht be merkt, wie hinter ihm der Hausdiener ins Zimmer getreten war und seine Kos. fer dort niedergesetzt hatte.' Jetzt end lich, als die Thüre' hinter dem Wegge senden wieder inö .Schloß siel, erwachte 4 Richard aus seinem Sinnen.' Traume' lisch lächelnd trat er ins Zimmer zurück und begann erst jetzt sich von den SpU'
Aie Jüngere
ren einer zvölsstündigcn Eisenbahnfahrt zu säubern und etwas Toilette zu machen. Im Garten des Kurhauses begann gerade Die Badecapelle zu spielen und der weit in die See hinaus gebaute breite hölzerne Steg, der die Hauplpromenade für die Kurgäste bildete, füllte sich mit ge putzten Menschen, deren Lachen und Plaudern deutlich bis in Richard's Zim mer hinaufschallte. Auch Richard wollt' sich.. unter diese Menge-mischen, unter der er zwar kaum hoffen durste, auf ein bekanntes Gesicht . zu stoßen. Vor Allem aber wollte er seinen alten Onkel aufsu chen und seine Cousinen, die, 'wie "er wußte, 'wieder beide bei dem , Vater wohnten. Anna's Gatte war nach kur? zer Ehe vor ungefähr zwei Jahren geTtoroen, das hatte ihm damals ein Brief des Onkels gemeldet, ebenso," "r daß die junge, kinderlose Wittwe wieder in das HauS des Vaters zurückgekehrt , sei, um gleichzeitig der jüngeren, nun auch schön herangewachsenen Schwester Schütz und Stütze zu sein. Während Richard langsam die Treppe hinab schritt, und durch den schattigenmcnschenbelebten Kurgarten dem-Strnde zuschlenderte, hatte er herauskzetcchn et daß. Ellen "jetzt gerade achtzehn Jahre alt sein müsse, und er
fragte sich im Stillen, wie sich das hüb' sche Klnv-wohl entwickelt haben möge ; dann tauchte Anna's.Bild vor ihm aus; die er sich noch gar nicht als Wittwe denken konnte. Theilnahmlos streifte sein Blick dabei über die Gcsichter der Vorübergehenden die .ihm alle fremd waren, bis er plötzlich an einem Tisch. chen an der Seite des vrelten Spazttrweg'es drei. Menschen , 'sitzen sah." die er sofort erkannte. Ja, das war, sein On kel Doktor" Zacharias S'tern, der. alte Herr da mit der grauen Perrücke und dem' wohlwollenden, behaglichen ' Lächeln in dem glattrasirten, runzeldurchfurckten Gesich:e. Und die schöne Frauengkstalt in Halbtrauer, die an seiner Seite saß und lächelnd zu einem ebenso schönen jungen ' Mädchen .hinüberschaute, d,s war ja Cousine Anna, jetzt verwittwete Frau Dr. Werner, während das schöne, schkank aufgeschossene Mädchen entschiedende kleine 'Ellen sein mußte. Ein uonmg' behaMches'Gesühl ' der Ruhi kam über Richard, als er da mitten unter all den fremden Menschen die drei lieben bekannten Gesichter erblickte. Rasch trat er ZU ihnen hin und mit einem lachenden .Guten Tag. Onkel klopfte er dem'erstaunt aufschauenden allen Herrn kräftig auf die Schulter. . . ' Das gab nun ein Fragens und Erzählen, als man in dem hochgewachsenen Manne mit dem braunen Vollbarte den Neffen und Vetter. .Richard wieder e. kannte. ' Es war für diesen doch ein eigenthümliches Gesuhl, als er letzt wie der in Anna'S dunkle Augen blickte, die ihm noch ebenso frisch und glänzend wie früher, aber doch auch weicher und tiefer entgegenschauten. ..Diesen Augen gegen über hatte er zum ersten Mal von Liebe gesprochen und er glaubte fast dasselbe Aufleuchten wie damals m ihnen zu se hen, als er ihr. jetzt nach so langer Tren nung wleder die Hand zum Gruße entgegenstreckte. ES überkam ihn sast wie scyeu vor emer zu rasch vergessenen Ver gangenheit, die ihm - aus diesen Auaen ungetrübt entgegenblickte. Und als er sich dann zu Ellen wandte,' da fand er dort wieder ganz dieselben Augen und ein . seltsames Naturspiel zeigte ihm in dem Gesicht und der ganzen Gestalt der jüngeren Schwester Zug um Zug das leibhaftigste Bild. Anna'S, wie sie ' damalS.vor ihm gestanden, als er den er sten Kuß auf ihre Lippen drückte und die im Mondlicht blinkenden. Wellen leise kichernd , zu ihnen, hinaufrauschten. Fast schien es, als wollte die Weraan genheit ihn nicht freigeben, während doch die Gegenwart schon ihre starken Rechte an ihn geltend zu machen begann. Der Onkel ließ ihm keine Ruhe, Richard mußte bis ins kleinste Detail ausführlich berichten, was . er brieflich immer nur kurz hatte - andeuten können. Während er erzählte, wanderte sem Auge von 'Anna zu Ellen, die ihm beide gespannt zuhör ten. Anna'S z Gestalt : war voller und reiser geworden, ihr Haar legte sich jetzt in frauenhaftem Scheite! um ihre Stirn und der fröhliche Uebermuth,, der einst aus ihren Augen geblitzt hatte, war auch gejchwunden, sie. blickte jetzt welch und milde. In Ellen aber fand Richard ganz die . Anna- früherer Tage wieder Aus ihrer Stirn. spielten noch jene krau sen kleinen Löckchen, in denen sich einst sein Herz gefangen hatte und in dem Spiegel dieser großen . Augen, die bald keck, bald scheu zu ihm herüberblickten. sah er den kurzen schönen Traum seiner ersten xitut emporbluhen und die Vergangenheit mit ihrem Zauber schlang wieder ihre verlockenden Arme. um ihn. ' So waren in Plaudern und Fragen ein paar Stünden vergangen, man hatte sich endlich wenigstens für den ersten Augenblick genugsam ausgesprochen' und Onkel Zzcharkas schlug nun vor daß ! ... ' ;' man nocy einen Ilelnkn paziergang.am Strande machen und dann nach Hause gehen1 möge um einenkMnen Imbiß einzunehmen: 'So brach man denn. auf -Der Onkel schritt mit Ellen voran,.'Rl chard' folgte mit Anna." Er' konnte ihr gegenüber zuerst nicht den' rechten un befangenenTon' : treffen, 'aber sie hals ihm üöer' serne' Verlegenheit rasch' 5jm, weg, indem sie, in-ihren gemeinschaftli chen 'Erinnerungen mehr von Ellen sprach,' als von sich und Richard. Sie baite'n damals Ihre liebe Noth mit dem Kinde,' und wer sie jetzt' so würdig mit ihren ' siebzehn Jahren dahinschreiten sieht,'der glaubt gar nicht, was für ein wildes Ding sie gewesen.' Erinnern Sie sich noch,. wie Ellen einst durchaus mit Ihnen hinausfahren wollte In die See, obwohl der Wind viel zu heftig wehte und wir alle- es -ihr wehrten ? ; Gewiß weiß ich 'S.' : DaZ Ding war schon ins Boot gesprungen und klam? merte -sich an der Ruderbank -fest; ich mußte ihre Handchen gewaltsam losmachen. und -sie auf meinem Arm ans Land tragen. Si heulte- dabei fürchterlich und hielt mich damals wahrscheinlich für den schleÄestin' Menschen, aus den die Sonne herabfcheink." ' .Clle haite seine lejten . Worte gehört und wandte sich lachend -zurück. SU haben Recht Vetter' Richard, daS that ich und. ich weiß wirklich noch nicht, ob
Si: sich. in der Zwischenzeit gebessert haben." ' .,. ::. -, '
Sie waren bet der Villa des Onkels angekommen und bald summte oben tn demLroßen Balkonzimmer ' der Theekessel sein leises Lied und Ellen .eilte geschäftig hin und her, um den Theetisch in .Ordnung zu bringen. ' Der Onkel war noch aus em Viertelstündchen in sein Arbeitszimmer gegangen. und so blieben Richard und Anna allein. Sie hatte sich draußen auf dem Balkon auf einen der bequemen langgestreckten Stühle gesetzt und schaute träumerisch, aus . die See, über die schon die röthlichen. Schatten der Abenddämmerung . gebreitet - lagen. Richard stand neben ihr und es war ihm. als muvte er jetzt eigentlich den . Schwur ewiger Liebe und'Treue wieberholen, den er einst nicht weit von diesem Balkon ge leistet, als waren zehn Jahre herauSge strichen aus seinem Leben und als könnte er.das Band gleich da wieder anknüpfen,wo er es damals , hatte '.fallen lassen. Aber dann schob sich vor das :23ild der neben ihm sitzenden Frau wieder jene andere Gestalt, die ihm Anna zu sein schien und die doch Ellen hieß, uno statt mit einem warmen Liebesmorte, daS ihm schon auf den Lippen geschwebt hatte. wandte er sich jetzt an die wirkliche Anna nur mit der freundschaftlich theilnehmen den Frage, wie es ihr denn ergangen sei m der verfloffenen Zelt. ' - Anna sah zu ihm aus und em fast trübes Lächeln spielte um ihre Lippen. Sie mmen ja. Ueber Freund, daß ich mich nnterdeffen verhcirathet habe und auch, seit zwei Jahren w'eder Wittwe bin; ' man lebt ja so rasch in unserer Zelt. Mehr wüßte tch Ihnen kaum von meinem Leben zu erzählen. Mein Mann liebte mich und ich war glucklich ansei ncr Seite, leider nicht lange genug, um meines Glückes voll und ganz bewußt zu werden. Nun bin ich wieder bei dem Vater und die vier Jahre meiner Ehe erscheinen mir fast wie ein Traum. Hier lebe ich wieder, wie ich als Mädchen ge lebt habe und ich könnte glauben, noch ebenso jung zu sein, wie damals, wenn mich mein Spiegel nicht jeden Morgen eines anderen belehrte Und dann habe ich Ellen, deren siebzehn Jahre mich im mer daran mahnen, daß ich dem kanoni schen Alte? nicht mehr sehe fern stehe. Sie ist mir wie ein Kind; ich erziehe sie und arbeite und lese mit ihr zusammen. Kürzlich habe ich ihr auch schon Heines Meljevlloer vorgelesen, fuhr Anna la chelnd fort, während Richard etwas un ruhig wurde Es ist bester, ich mache sie mit diesen Sachen bekannt, als ein anderer, der womöglich auch Neigung zelgt, den Heine zu salschen. -' ' - . - r w v mm Nlqaro vermocyte matt, aus oen un besangenen, humoristischen Ton einzu gehen, den Anna angeschlagen, und während er noch nach einer Antwort suchte, rief Ellen'S helle Stimme vom Zimmer aus zu Tische. Anna und R, chard mußten ihr . Gespräch abbrechen und sich wieder den Anderen anschlle ßen.i-' 'i'--Vierzehn Tage waren veraanaen. Ri chard hatte sich wieder völlig in die alten Verhältniffe" eingelebt.' Onkel Zacha rias behandelte ihn wie seinen Sohn, Anna verkehrte freundlich mit ihm, wie eine Schwester, und nur, mit Ellen wußte er sich nicht so recht zu stellen. . Ihm war es bald klar geworden, daß er das holde Kmd liebe, nicht mit jener raich auflo dernden Verliebtheit, mit der er einst als Knabe die Schwester angebetet, sondern mit jener echten und starken Leidenschaft, die nicht verlobt, die nicht vergißt und die nicht wieder läßt von dem, was sie erkoren. - Ellen schien seine Gefühle nicht zu erkennen und noch viel weniger sie zu theilen. . Anfangs hatte sie sich gern in seiner Nähe aufgehalten.-: Sie hörte ihm aufmerksam zu, wenn er von seinen Rei sen und seinen Forschungen erzählte, und ließ sich auch oft von ihm vorlesen. Nach einigen Tagen aber fing sie an, ihn zu meiden, aus den gemem chastllchen Spa ziergängen hielt sie sich meist zum Vater und Richard bildete dann immer mit Anna ein Paä? ' - ', Eines Nachmittags waren Onkel Za charias und Anna einiger Einkäufe we gen nach der Stadt gefahren und Ni chard, der einige Stunden auf seinem Zimmer gearbeitet hatte, wollte : einen kleinen Spaziergang, vielleicht auch eine kleme Bootfahrt unternehmen, um sich von der Hitze in der kühleren Luft des nahenden Abends etwas zu erholen. Er suchte nach Ellen, fand sie aber nicht und das Dienstmädchen konnte ihm nur sa aenvan vas rauleln. vor elwa emer Stunde an den Strand gegangen . sei Rlcharo maözle ich natürlich auch au den Weg nach dem Strands in der stillen Hoffnung, . das - geliebte - Mädchen viel leicht auf irgend einer . einsamen Düne zu treffen, und mit dem festen Entschluß ihr alsdann eme grundliche Liebeöerklä rung zu machen. Während er über die weißen, von hartem graugrünem Gra nur spärlich bewachsenen. Dünen dahin schritt)'suchte sem Aüge nach rechts und nach links, ob er nicht irgendwo Ellen'S schlanke Gestalt entdecken könne. . Aber et war. ganz allein auj der Düne, nur rtchtS in der5Fernewo der Steg" sich in die See hineinzog,-sah er die bunten Gesta-lten der Badegäste, die sich dort in der Näht' des .Kurorchesters zusammen schaarten) dessen rauschende Weisen gedämpft zu Richard herüberklangen. Dort brauchte '.tt.'v Ellen nicht zu suchen, er wußte, daß sie nie ohne Begleitung in den Kurgarten ging. . Zudem wollte er allein sein, er war erhitzt Und "etwas müde und die kühle Seeluft that ihm wohl. Er -schritt . zum , Strand ' hinab und löste eines der kleinen Ruderboote, die dort lägen, von der Kettet 'Langsam ruderte er am Strande'hln'um ein küh les Plätzchin im Schatten des.weiterhin etwas höher aufsteigenden'UferS aufzu suchen.' Nach einer'gutm halben Stunde war er in - der' kleinen, ziemlich abge schlossenen Bucht angelangt. Sowie er um den bewaldeten Vorsprung 'gerudert wär, der dieselbe nach der einenSeite hin abschloß, erblickte er. Ellen, die in einem anderen Boote saß, das auf der kaum bewegten Fläche des stillen Was sers fast still Zu stehen schien. ' Sie wen.' htte ihm dk? Rücken-zdie Arme um die Knie geschlungen saß sich versunken ha ; . eronnte nicht erkennen, ob -sie las oder nur träumerischen Gedanken nachhing. Richard bemühte sich, nun
möglichst leise sein Boot an die Seite des ihren zu bringen; geräuschlos senkte
und hob er die Ruder, bis er soweit in ihrer. Nähe war. daß . er den Rand des Bootes schon fast mit der Hand ergreifen onnte. Guttn Tag, Fraulem Ellen,ief er. lustig zu ihr hinüber. Erschreckt wandte sie sich um, eine dunkle Rölhe flog über ihr Gesicht und. rasch griff sie nach den Rudern. Nein,. nein, dies? mal entkommen Sie mir nicht," rief Richard, der seine Ruder schon eingezogen hatte. - Er erfaßte Ellen's Boot, das bei den heftigen Bewegungen seiner 'Jnsas sin stark ins Schwanken gerathen war und zog sich mit seinem tfjh dicht her nrrt rd t. an. Warum siucylen le oenn immer vor mir, Ellen," fragte er vorwurfsvoll, indem er ihr zärtlich in das liebe Gesicht blickte. ' . - 'Jch fliehe Sie nicht antwortete si" mit einem trotzigen Auswerfen der rosi gen Lippen, .aber ich liebe die Einsam keit und will Sie nicht gern der Gesell schaft Anna's entziehen." - Sie sind ein thörichtes Kind.- Ellen, ich Haie Ihre Schwester doch schon vor zehn Jahren gekannt, als Sie noch weit entfernt von dem hoffnungsvollen Alter eines Baasifches waren. ,-' Gewiß, Sie haben sie gekannt und haben ihr Heine's Gedichte vorgelesen und Ihre eigenen dazu. Und ich durfte me mit, wenn Sie des Abends in die See fuhren, ich mußte zu Hause bleiben. ich war ja noch viel zu klein. Ich; habe Sie damals Nicht gestört, ich will Sie auch jetzt nicht stören, aber laffen Sie auch mich allein!" Richard hatte mit erstauntem Lächeln den rasch' herausgesprudelten Worten zugehört, die ihm trotz ihres bösen In Halts höchlichst zu gefallen schienen. Da ihm daö Zusammenhalten beider Boote allmälig zu beschwerlich geworden war, schwang er sich jetzt rlsch in Ellen's Boot hinüber, gab dem farngen einen kräftigen Fußstoß, daß es dem Ufer zuflog, und setzte sich aus die schmale Bank neben Ellen, die erschreckt zur Seite gerückt war. ' Ich laste Dich aber nicht allein. Du tolles Mädchen, ich habe Dich ja gerade gesucht, um Wir zu sagen, daß ich Dich nie mehr allein laffen will, und Dich zu fragen, ob Du denn zu dem alten Vetter Richard so viel Liebe fasten kannst, um Dem zunges Leben für immer an das seine zu ketten." Sie sah ihn auf einmal voller Freude an und ihre Lippen fanden sich in stum mem Küste. : , Ja, aber bist Du denn nicht blos zu rückgekommen, um Dir Anna zur Frau zu holen r Deshalb hast Du mich geflohen, Ge liebte?" 'Deme Furcht war grundlos. Wohl wußte ich, daß Anna freigeworden war, wohl stieg bei dieser Nachricht-der Gedanke in mir aus, daß es nun noch Zeit sei, die zu gewinnen, der ich einst meine ersten Verse gewidmet. So kam ich hierher. . sobald ich konnte. . Wohl fand ich die Anna wieder, die ich geliebt hatte, aber diese Anna heißt Ellen. Wie ich mir das Bild jener Anna in der Seele bewahrt habe, so stehst Du jetzt vor mir und so mun ich Dich lieben, die wie ein Traum aus schöner . Jugendzeit mir nun zu-holder Wirklichkeit gewor'den. . , . . Er schloß sie in seine Arme und achtete dabei des SchaukelnS nicht, in das der gefühllose Holzkahn bei diesen Zärtlich leiten gerathen war. So saßen sie eine Zeit lang in stiller Umarmung und sa hen in die Sonne, die das Meer und das junge Glück der beiden Liebenden mit . Fluthen rosigen. Lichtes übergoß. Der Kahn tueo leise dahin, der unter gehenden Sonne und einem neuen Leben voll Gluck und Llebe entgegen.. Jas Museum des öerüymten Wanne s. Von Emil Kruse. Das Museum des berühmten Mannes ist eine Erfindung unserer Tage. Seine Vorgänger waren die zahlreichen Alter thumSsammlungen, die sich überall erho ben. . Denn da man einmal anfing, alte. nlcht mehr gebrauchte Gegenstände zur Schau aufzubewahren, was lag da näher,' als auch die Berühmtheit für den Anschauungsunterricht zu verwerthen, und die alleräußerlichsten Spuren ihrer Er dentage fein säuberlich hinter GlaS und Rahmen- auszustellen? Ein erhabener Gedanke, den großen Mann katalogisirt zu besitzen, sein Leben nach der Nummer studiren zu können l Erst daS Ende des neunzehnten Jahr Hunderts war aufgeklärt genug, diesen Gedanken zu fasten. Wo hätten frühere Zeiten den Muth hergenommen, den gro ben Männern nicht bloS geistkg.nein.auch körperlich nahe zu treten ? Die armen Thoren, sie sammelten berühmter Leute Werke, nicht ihre Kleider' Sie glaub ten Schiller zu kennen, wenn sie seine Poesie und seine Prosa studrrt, und hat ten nie den Leibrock gesehen, in dem er zu Hofe ging. Sie lasen die Wahlverwandz schasten und wußten kaum, welche Han schuhnummer der Olympier getragen. DieHemden waren selbst verschollen, die Klopstock während der Entstehung der Messtade durchschwitzt hatte. Ueberall herrschte die stumpsste Gleichgültigkeit gegen die Elementarbegriffe der ; historischen Bekleidungskunde. Doch auf an dere gewerblicheGebiete auch erstreckte sich die traurige Unwissenheit. Niemand mehr wüßte anzugeben, auf. 'welchem Stuhle Wieland den Aristipp", geschrie. ben und keiner war, welcher der deut, schen Literaturgeschichte über 'Zäumung und Sattelung des Schimmels, den Christian Fürchtegott Gellert im Rosenthal zureiten pflegte, einen einigermaßen genügendenAusschluß hätte geben können.' Die Wissenschaft stand solchen .Fragen rathloZgezenüber. '.: ' Die ' Gründung besonderer: Museen sür große Männer muß diesem ; Uebel stände abhelfen. - Wenn sich die weite Säle erst mit berühmten" 'hauSrath füllen,' wenn die Gekehrten damit sich be fchästigen werden, dem Mobiliar Nach laß einerZeitgröße ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, statt lange Kommentare zu seinen Werken zu schreiben, dann wird für die Beurtheilung unserer Geisteshel den eine neue Zeit gekommen, ein neuer Standpunkt gewonnen sein. Dann
wird man singen ; ES- soll. der Tröd'tc
? . mit dem Forscher geh'n. ' Nicht die Stu dirstube mehr, die Vendite wird die wich tgstenEntdrckunaen bringen. Eme wieder ausgefundene Schnupftabaksdose des al en Frik wird, mehr Aussehen . erregen. als es je ein neuer Brief seiner Hanh an Voltaire vermochte, und ein bisher un gekannt gebliebener Schlafrock Mozarts m Munter wichtiger, erscheinen, denn neuentdtckteVarianten einer Symphonie. Ja, Kleider machen Leute, und eö m das nicht zu unterschätzende Verdienst gewisser gelehrter Herren, diesem Grund, satze auch m der historischen Betrachtung zu seiner Geltung .verholfen zu haben. Erst, wenn man den äußern Menschen richtig erkennt, wird man den inneren zu schätzen wissen. . Die Biographie be rühmter Männer wird künftighin nicht mit einer Schilderung der Zeit, sondern der Einrichtung der Wohnstube zu begin nen haben, in der sie geboren wurden. Das Kostüm ist die Haupt ache, nicht der Mensch der d'rin steckt. . Diese Wahrheit.' in Der modernen Kunst längst heimisch, hat sich doch auf unserem Gebiete erst langsam Bahn ge brochen. Der Bildungsstätten, an denen man verstorbene Berühmtheiten so recht aus erster Hand studiren kann, sind nur erst wenige 'Doch auch hier wird der Fortschritt nicht auf sich warten las sen und dle Zeit ist-wohl nicht ferne, da jeder Dichterling in deutschen Landen sem eigenes Museum hat, und da tS eme Börse.für Hen Handel mit berühmten Reliquien giebt. Dann wird die Svm pathie des Volkes für diesen oder jenen. Mann in höheren Angeboten sich äußern. und derKurs seiner GebrauchSgegenstän de wird gleichbedeutend mit der Werth schätzung sein, die ihm die Nachwelt wid met. Der StaatSanwalt braucht selbst die Schristen eines mißliebigen Poeten nicht mehr zu verbiöten ; er genügt seiner Pflicht, wenn er die Möbel deö Verfolg ten konfiScirt. ! Statt zollfreier Gedanken zollbare Gegenstände, entspricht das nicht vortrefflich der neuesten WirthschastSPolitik? In jedem Falle befinden sich diese Be strebungen, auch den großen Mann aus s ine leiblichen Bedürfnisse ' und Eigen hellen zurückzuführen, mit einer ganzen und großen Richtung der zeitgenössischen Literatur im Einklang. Dieselbe Akri bie, die alt? SchneiderKorrespondenzen, Jahrhunderte lang unbezahlte Rechnun gen und ehrwürdige Waschezettel 'aus dem' Staube der Vergessenheit hervorwühlte, zeigt sich in dem nunmehr er achten Eifer, auch die gegenständlichen Belege dieser unendlich wichtigen Dokumente aufzuspüren. Ja, erst in derVer einigung beider, der archivalischen und der Denkmälerforschung liegt daS Heil modernerWissenschaft. Welche Per pek tiven aber eröffnen sich, wenn man an die möglichen Resultate solcher Kooperation auf dem Gebiete : der Berühmtheiten Kunde denkt ! Die einzelnen Stücke am Ende noch aufzufinden, die am 21. April 1784: Goethe seiner Wäscherin zum Rei niqen übergeben ! Die Rechnung viel leicht über den Hut zu entdecken, den sein Freund Schiller, ach, .in dem Winter trug, bevor er 'starb ! Wir können die Tragweite solcher Enthüllungen noch nicht ermessen, und nur eine bescheidene Vorahnung ist uns gestattet. Dann aber erscheint noch einmal der gesegnete Tag, da man m Fachschriften liest: Gra bbe Museum zu D e t mo l d. Gestern gelang es der Misicht des dienstvollen Leiters unserer Sammlung, in dem noch immer nicht genuzend ge sichtetenDepot des Museums einen klei nen Bleiknopf aufzufinden, der, wie der frühere Besitzer desselben vor sememTode zu Protokoll gegeben, an . den Bemklel dern des gefeierten Mannes befestigt ge wefen ist. Man vermuthet wohl nicht mit Unrecht, daß sich auf ihn eine gewisse Anspielung im Herzog Theodor von Gothland" beziehen dürfte. Zugleich hofft man,' mit Hilfe dieses wichtigen Fundes Näheres über den Schneider zu erfahren, der um die betreffende Zeit nach der Form des Knopfes zu schließen zwischen 1829 und 1831 sü? den gro ßen Dichter arbeitete. . Die diesbezugll chen Nachforschungen werden leider da durch erschwert daß in Folge eines un begreiflichenJrrthumSdaSKleidungSstück, zu welchem derDetmolderFund gehört,! das JmmermannMuseum zu Düsseldorf gelangt ist und dort noch immer als em JmmermannscheS - Original angesehen ttlrd. Hoffentllch veranlassen diese Zer len die Direktion, jener Anstalt, das fragliche Stück (Nr. 2071b, im zweiten Saale rechts) nochmals eingehend zu prüfen, und unFalle gunstlgenResultateS . , er". " " j oem wlrlticyen ixigcmgutxicr zuruazuer statten." Oder: ' . s ' Arch ivalisch e Ent'd eöüng. Schon seit geraumer Zeit erregten einige im Hauptsaale des Bach Museums zu Leipzig ausgestellte dickbäuchige GlaSfla schen das Aussehen ' des Publikums wie das Interesse der, Forscher.' Mangels urkundlicher Nachrichten nahm man bis? her an, daß ihr Inhalt Berliner Küm mel, ihr.. Konsument der , alte Thomas Kantor selbst gewesen '.Diese Ansicht hatte noch vor Kurzem Herr Dr. Hirse Horn in seiner Jnaugural-Dissertation : DaS Bach'Museum ;und die Keramik deS. 18. Jahrhunderts".. ausS Glänzend sie vertheidigt .Wie uns aber nun aus Berlin mitgetheilt wird, geht aus dort ausgifandenen Papieren Rechnungen eines DresdenerLiqttSr-Fabrikanten vom Jahre 1745 deutlich hervor, daß nicht Johann Sebostian, ' sondern Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784) es ge. wesen der sich des stärkenden. Getränks zur Hebung feiner geschwächten Gesundheit bedient hat. .Da Dr. Hirsekorn. aus seiner These blharrt und die Echtheit der sa plötzlich ans Tageslicht getretenen Pa pZere dezweifelt. sehen wir einer interes santen, Diskussion über die : angeregte Fragt entgegen."-, : - Solche Entdeckungen, wie gesagt, kön nen gar nicht ausbleiben, und , wenn sie nicht alle die Wichligkeit der vorstehenden erreichen sollkenso ist doch kein Zweisel daß durch sie für'die Biographien unserer berühmten Männer eineMenge des aus gezeichnetsten Materials beigebracht wird. Wie viele dunkle Stellen ihrer Werke werden durch solche Funde erst ins rechte Licht gesetzt, wie viele bisher verschleierte Motive zu besonderen Entschlüssen erst
, t , i mit ihrer Hilfe erkannt werden. Das
Celebrttäten'Museum' der Zukunst wird em' monumentales Büchlein, aus dem man. die Geschicke eeS großen Mannes abliest, dem es geweiht . ist und Alles, was er selbst und die Geschichte über ihn geschrieben, wird nur . den Werch eineS Kommentars zu diesem lapidaren Texte beanspruchen.' ", , . ' Mit emem Worte nur sei eS mir"ae stattet, hiernach den Einfluß zu berüh ren. den auch die JSger'ftie Riechtheorle auf die Entwickelung der neuen histori scheu Methode nehmen muß. Sie arbe! tet ker, letzteren geradezu in die Hand. Denn nicht allein, daß manche IiS dato unerklärte schwache, Stellen eines. Dra mas.' eine Klaviersonate auf den zur be tressenden Zeit von dem Autor mit Vor liebe getragenen Unluststoff wie Baum volle oder Lemwandzuruckzefuhrt wer den könnenwird die Kenntniß des In haltö eines KlerdersplndeS auch die schwieCT .il. je .- . r ... uyc iuumn mancyer sqopsungen er möglichen. .Die Beziehung' zwischen ei nem gelungenen Gedicht und einem Havelock aus reiner Kammwolle ist nicht zu bestreiken, und wenn wir" im Jahtt 76 von einem - überaus siaren Leinenver brauch HSren so werden' wir uns sosort erinnern, dav dien eme der sterilsten Pe rioden deS Dichter! war, deren Ursache freilich - vor , der Jagerscken Entdeckung ein 'Räthsel .blieb. - Auf kein anderes Motiv ist auch das Zaudern -eines sonst tapferen Generals vor einer Schlacht zurückzuleiten: sein Linnenhemd ließ ihn den Sieg vergessen.' ' Ich glaube, schon au8 dem Gesagten geht hervor, daß, entgegen dem Bibel wort, auch das Sammeln von Schätzen, welche Motten und Rost fressen, seinen idealen Lohn gewähren kann. . Mögen die Männer, denen das Reinhalten und Ordnen berühmter Nachlässe obliegt, in dem Gedanken ihre viele Mühen verwes sen, daß, wenn der. von ihnen gefeierte Geist ein Zeuge ihres. Wirkens wäre,' er ste gütig auf die Schulter klopfen und die annerkennensen Worte sprechen wur de : Zu"meinen Lebzeiten gingen die Dienstdolen lange nicht so gut mit mei nen. Sachen um, wie Sie!" v : . , Berliner Montagsbl.' - .-Falscher Feuer lärm im Wiener Stadttheater. . Das Wiener Stadttheater war während der Sonn tags Vorstellung am 20. Mai der Schauplatz emer äußerst erregten Scene. Im ersten Akte des Schwankes Rezept gegen Hausfreunde" entstand unter den Besuchern der brüten Gallme eine leb hafte Unruhe, welche im Nu die Auf merksamkeit des ganzen Hauses auf sich lenkte. Plötzlich erscholl der Schreckens ruf .Feuer!" und eine Panik sonder gleichen bemächtigte sich der zahlreichen Anwesenden im Parquet und auf den Gallerten. Die aus der Bühne beschäs tigten Schauspieler unterbrachen sofort das Spiel und suchten, obgleich sie selbst über die Ursache des Feuerrusens voll ständig im Unklaren waren, das Publl kum zu beruhigen und das fatale Hmausdrängen hintanzuhalten. Aber von der. dritten Gallerie tönten die Ruse Brandgeruch ! Es brandelt !" mit im mer intensiverer Heftigkeit herab, so daß V . w j V ... oas Puviiium in mlioer yar naaz oen Ausgangen zu gelangen suchte. Inder That machte sich auch ein Brandgeruch bemerkbar. Mittlermeile war der' auf der Bühne anwefende Stadtbauamts Ingenieur von dem auf der Gallerie postirten Feuerlöschmann verständigt worden, daß durchaus keme Gefahr vor Handen sei, welcheNachricht der genannte Funktionär dem Publikum vermittelte und dadurch die aufgeregten Gemüther ein wenig beruhigte. Als selbst nach der Erklärung des Ingenieurs die Ruhe nicht ganz wiederkehren wollte und die Stlm men einiger Zweifler laut wurden, trat Direktor BukovicS vor das Publikum und sprach : .Verehrtes Publikum! Aus der dritten Gallene ist. im Logengang eine Kerze der Nothbeleuchtung verlöscht und hat den Brandgeruch verbreitet. Es ist nicht die geringste Gesahr vorhanden. Gestatten Sie, laß wir wettersplelen ? Diese beruhigende Erklärung wurde mit lautem Beifall begrüßt, das Publikum nahm wieder seine Plätze ein . und die Vorstellung sollte ihren Fortgang , neh men. Während, die turbulente und trotz ihrer kurzen Dcuier schreckenSreiche Scene sich im Zuschauerraum abspielte, warder Funktionär an der Kurbel der Draht courtine jeden Augenblick bereit, die Buhne vom Zuschauerraum zu lsollren. Eine b öst Umarmung Jemand, der aus Liebhaberei sich einen wohl eingerichteten Huhnerhos hielt, be merkte einst, daß ihm nach dem Besuch eines Freundes, der stets großes Inte resse für den Hühnerhof an den Tsg legte und diesen bei jedem Besuch, den er dem Freunde machte, ebenfalls immer in Augenschein nahm, jedesmal Eier aus den Nestern verschwunden waren. Er beobachtete de Freund - und sah wie dieser verstohlen die Eier aus denNestern nahm und -in den Basttaschen seines NockeS verschwinden - ließ. ' Um . den Freund nicht zu beschämen, schwieg er, aber er umarme ihn beim Abschied- so kräftig, daß er ihm die Eier in den Ta schen zerdrückte. Der Freund war auf diese Weise v?n seiner Manie, anderer Leute Huhnernester auSzunehmen, ge heilt. - ' ' : - . . 4 1 . . 7 Edelmüthi ge. Selbstaus. öpserung.'''Vor einem .hohen, im Bau begriffenen Hause in Paris besano sich -das. übliche Gerüst, mit Menschen und Sinnen beladen. Zu schwach an gelegt, vermochte es aus die Dauer die Last nicht zu tragen, und urplötzlich brach es' zusammen. - Die -darauf' stehenden Menschen stürzten.sämmtliö) auf dieErde nieder, mit Ausnahme von nur zwei Pe?so?.en, ! einem Junglinoe und einem Manne in mittleren Jahren. . Beide klammerten sich -nämlich noch rechtzeitig anleine schmale Leiste, welche jedoch unter ihrem gemeinsamen Gewicht sich bog und r . X' l ' f rn ' ' rr . ' - augenimeiniicy im' jocgirn war, naqzu geben. - Peter rief der-Aeltere, .laß loSz'ich bitt Familienvater."Du hast Rechts sagte Peter, ließ die Leiste sofort fahren und :stürzte,zu Boden, um zer schmettert seinen Geist auszugeben. "Der die " Leiste festhaltende Familienvater wurde gerettet.
Die galVimQ der Fürsten.
i : i : t ' : Bei' Gelegenheit" ler Salbung deö Kaisers von Rußland, worüber die Zei tungen . ausführlich berichteten, dürste Vielen .eine nachträgliche Ausklärung über den Ursprung und die Bedeutung dieser Ceremonie willkommen sein. Sal büngen gehören von Alters her dem tropischen 'Orient an,' wo die trocknende . Hitze' neben den häusigen Waschungen auch wegen der'Sdrödlgkeit der Haut und des ausdünstenden Schweißes Sal bungen .mit wohlriechenden. Oelen und Verbrennen von angenehm duftendem Räucherwerk. .nothwendig und üblich machte..: Besonders' war dies in großen . Gesellschaften und bei Galtwäblern. wie auch' beim Empfang' von Fremden, die man eyrm vollteder Fall.- Man salbte den.aamen Korver. besonders 5iauvt. Bart, auch'die Füße. - Daneben gab eS aver auch eine heilige-Salbung und lauerung mit religiöser Ceremonie und Bedeutung.. Diese haben ihren Ur sprung im Judenthum und ainaen auf das Christenthum über. 'Das Verbren 'en von wohlriechendem Räucherwerk !ommt in der katholischen Kirck? nnck vor;..im Mischen Tempel wird dieser Zeremonie eme symbolische Bedeutung zugeschrieben, sie hatte aber wohl ur sprünglich den Zweck, ie unangenehmen Tf JT. . . . ' - . KDzzuyz vcmViule ver geopsertenThiere und von deren verbrannten Knochen und jctliyelien zu verdecken Die Salbung ndeß hat. einen ausscblikkliS snnibnli schen Charakter. Dieselbe .ist sür Prie ster und Könige vorgeschrieben, wie für die Tempelgeräthe, kam'auch bei Pro pheten und heiligen Steinen vor;, im Christenthum besteht sie für Kirchen, Kir chengeräthe, Kirchhöfe, Clerus und Ster bende :c., meistens mit Wasser, für Kö nige voru immer mit Äle Könige haben daher im Altertbum mh htni noch den Namen : die Gesalbten. -Das hebräische WortMasckiack (Wrf. sias), griechisch Cbristo. beikt her to. salbte-, weil der Messias als König auö !e. .k. . CTTt i .V -r n vuwiiuiu uuji- zur Zieoeryerttllung der rechtmäßigen Herrschaft in Israel behufs Befreiung von der drüSenden Fremdherrschast und zur Erlösunq von i.i.n... i. w ... j3 .. uen villierirukn uno moralischen Leiden oer Welt erwartet wurde. Auch JcsuS zr.i.-i- v v... kv .,.A' 1 luuc üuuer oen amen Christus und galt als solcher für denKönig derJuden. Welche Bedeutung legt man nun ders Ceremonie der Salbuna bei? Mn glaubte, daß hiermit der Geist Gottes V uver oen iLe;alblcn komme und dauernd auf ihm ruhe. Die Salbung war fak ) tisch eine Weihe für eine besondere Be Cft t etn p ' liiuimuiiy, ui sintn Yklilgen Vervs, UNO man glauvle IN Mge der Salbung an eine mystische Ausrüüuna mit bksnnk,r?n höheren und göttlichen Kräften, oder ma.i yosste wenigstens daraus, suchte den Gesalbten dazu anzuregen und 'durch Gebete bei. Gott eine solche Ausrüstung ittMivf4 CtTO ! r r. J nwirnii. zvvxin aozx NNO oicie re llglö en Bkilebunaen ,n der Salbuna begründet? Bekanntlich ruhen die alten Naturreligionen aus demDuali.smus, aus ver Annahme von zwei widerstrebenden Kräften : Licht und Finsterniß : man verehrte diese als Gott des Lichts und ais iLott ver V'nsterniß, die, gleichzeitig galten als Gott des Guten und alsGott des Bösen, wie da sind : Ormudn und Ahriman, OsiriS und Typhon und die sen entsprechend : Gott und Teufel. Darauf beruhte auch bei den alten Völkern' die At.betung des Lichts, der Sonnendienst, womit denn auch das heidnische Julsest, das Chanuka und die christlichen Weihnachten zur Zeit der Abnähme und zur Zeit.der Zunahme des Sonnerlichts ganz oder theilveise zu sammenhängen. ' Auch im Juden wie im Christenthum gilt das Licht daher als Symbol der Religion im' Tempelleuch ter, im ewigen Licht, in den Altarlich, tern, .den geweihten Kerzen, den Lichtmeßfesten u. s. w. Die geistige und relilziöse. Beziehung,' dabei ist folgende: Wie das natürliche Licht erleuchtet und erwärmt, so auch das geistige Licht der Religion : es erleuchtet den Geist und er wärmt das Herz. DaS Licht wurde ehemalS zu den Imponderabilien gezählt und sür nicht stofflich gehalten, es stand dadurch dem Geistigen und Göttlichen nahe; die Flamme strebt und zngt nach oben und weist dadurch auf Himmel und Gott hin. Daö Oel ist der Träger deS natürlichen Lichts, und der mit Oel Gesalbte sollte durch die Salbung ebenfalls als Träger deö göttlichen und religiösen LichtS bezeichnet,' dazu gestempelt und berusen, mit der Krast dazu mystisch oder symbolisch ausgerüstet werden. Zu diesen Trägern der Religion gehörten vor Allem die Hohenpriester und Könige. Letztere werden ausdrücklich als solche bezeichnet, denn eö wird ihnen aufgege ben, sich eine Abschrift der Eottesle'hre zu bereiten, sie zu lesen und zu befolgen. Für die Bereitung deS heiligen Salböls und besten Ingredienzien ha', die Bibel ebenfalls besondere Biftimm,:ngen. Nach jüdischer Sitte wurde , nu: Hauvt und Stirn gesalbt, nach christlicher, wie jetzt bei dem russischen Kaiser. Haupt und Brust (Geist und Herz), Augen (Sinn des Gesichts), Ohren (Sinn des Ge hörs), Mund (Lippe, Zunge als Organ des Geschmacks und der Rede), Nase (Sinn des Geruch), Hände (als Organ der -That und als Sitz des Gesühls). Es liegt darin der Sinn: Die ganze Thätigkeit der durch Salbung geheilig, ten Person soll Gott uud seinem Dienste geweiht sein, sie soll zGerechtigkeit und Liebe üben, wie Gott , sie übt und die Lehre der Rcligion es vorschreibt sie ist Gott mit .allem Denken,' Reden und Thun verantwortlich." ' ' ; Merkwürdig. Frau : Aber Caroline, Du bringst ja einen Hahn, und .Du solltest doch eine Gans bringen. , '. .:; ;.' Köchin :. Ja, .gnäd'ge'. Frau, es war heut auf dem ganzen , Wochenmarkt keine Ga 'zu sehen und da 'brachte ich eben stakt dessen den-Sah'.'.". W -Backfisch Anna Keine Gans auf dem ganzen Markte ?:!Äa,.ich weiß nicht, so oft ich mit .Dir Mama au dem Markte war, waren auch Gänse da, eS ist doch wunderbar, daß keine da sind, wen mir mal nicht selbst hingehen.
