Indiana Tribüne, Volume 6, Number 277, Indianapolis, Marion County, 24 June 1883 — Page 3

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Verrätherin. Wenn sie doch jetzt ver neinte ! Wenn sie doch dieses einzige Mal Vergebene Hoffen!,PrSziZ und knapp, dabei halb scheu, kam ihre Antwort : (53 ist ein Telegraph. Sie schicken untereinander Briefe !" . WaStbün wir ihr?" . Diese Frage drängte sich über die halbgeschZosjencn Lippen Fannies, als ir, wiederum eng im Kreise stehend, über die Mittagspause hinter Schloß und Riegel den vorläufigen Bescheid des Direktors abwarteten. : Schnur und Zettel lagen in den Händen Herrn PetermannS, der sie einzeln vor unsern Augen durchgelesen, um bei jedem entsetzlichen Bericht einen entrüste ten Blick über die Brille fort aus uns zu Versen, die wir deprimirt wie nie zuvor mit gesenkten Lidern dasaßen und den Au-gang der gefährlichen Sache mit klopfendem Herzen erwarteten. Vielleicht schlägt er mit dem Lineal! flüsterte Mattie leise zu Fannie hinüber, und Fannie warf mit einer verächtlichen Geberde den Kopf verneinend zurück.' Das wäre viel zu günstig sagte ihr tapferes Auge es wird schlimmer. Und schlimmer wurde es. Bedächtiger als noch je hatte Herr Petermann uns der Reihe nach betrachtet, bevor er das Klatschmaul zu sich heranwinkend zur Thüre schritt. Die Angelegenheit wird dem Herrn Direktor unterbreitet" lautete seine in feierlichem Strastone gesprochene Rede, vorderhand werdet ihr das Weitere abwarten !' Mit diesen Worten ver schwand er im Korridor, nachdem er den Schlüssel von außen herumgedreht. Fort waren sie Beide, er und Dora, das Klatschmaul! Aus der beklommenen Stille, welche ihrem Hinausschreiten folg te, erhob sich ein loderndes Gefühl von Haß undEntrüstung gegen die Angeben. Sie ist ein Teufel!" sagte Mißte, welche die Verfasserin der Tageschronik gewesen war, und 3ch könnte sie erwürgen meinte Annie, die kleinste und zarteste von uns Allen. Wir brauchen uns daS nicht bieten zu lassen!" schrie Mattie, geräuschvoll an den Stühlen vorbeischiebend. Nein, das brauchen wir nicht !" riefen nun Alle zusammen, und wie immer war es Fannies Stimme, die allein G:hör und Beachtung fand. Was thun wir ihr ?" hatte sie in halb leisem, entschlossenem Tone gefragt und Annies weinerliche Klage : Als. ob sie die Sache etwas ange gangen wäre !" bestimmte scheinbar Fan nie, den in ihr Führenden Entschluß zu offenbaren. Ich sage nur eins: Wenn die Strafe sehr hart ausfällt schlage ich sie braun und blau, und wenn sie

zehnmal des Direktors Tochter ist, das llatschige Ding, das ! Horch" Im Nu saßen wir aus unsern Plätzen. Der Schlüssel wurde im Schlosse umge dreht, die Thüre geöffnet : Herr Petermann ! Warum mußte er sich räuspern ? Gerade jetzt in diesem bangen Augen blick! Ah endlich beginnt er : Der Herr Direktor hat große Nachsich! mit.Euch gehabt," lauteten seine ernst gesagten Worte. DerKlasse wird keinerlei Strafe auferlegt. Da aber ein Exempel slatuirt werden muß, beschloß der Herr Direktor nur die Anstisterin der Sache zu bestrafen. Bis morgen früh wünscht der Herr Direktor den Namen erfahren zu haben. Die Strafe hecht Entlassung !" Im Schulraum ist es still. Fannys Antlitz scheint ganz plötzlich kreideweiß zu werden. Ein rascherBlick aus ihren dunklen Augen streift die Klasse, er senkt sich halb beruhigt. Aus allen Mienen spricht es deutlich : Wir geben Dich nicht an, hab' keine Angst!" Vier Uhr. Die Schule ist auS. Fannie geht gegen ihre Gewohnheit allein über die Wiese. Es ist ihr so eigen beängstigend zu Muthe. Fortdau ernd klingt ihr ein Wort in die Ohren und das Wort heißt : Entlassung ! Vergebens ruft.sie sich daS Gelöbniß der Freundinnen ins Gedächtniß vergebens sagt sie sich, daß ohneVerrath der Name verschwiegen bleiben muß dennoch sie fürchtet des Direktors Kon fequenz. Wird er dulden, daß die Sache todtgeschviegen wird? Entlassung! Entlassung! Sie hört es immerfort. - Der Klang ist schrecklich! AuZgestoßen! Entehrt ! Fannies Hände bedecken unwillkürlich das Gesicht und heiße Nöthe steigt ihr in die Wangen. Es ist ein Schamgefühl, das sie beschleicht, denn vor ihr steigt da? blaffe Mutterantlitz auf das . Mutterauge, da? sich tief bekümmert senken wird wenn es bekannt wird, dem . Entlassen ! Ausgestoßen! Fannie blickt ängstlich um sich sprach's Jemand hinter ihr oder war es das eigene scheueHerze. das immer und immer wie der 'quälte? Wie soll sie nur der Mutter sagen, was der nächste Tag für sie enthält ? Wie soll sie eS ertragen, daß sich die gute Mutter täglich, stündlich müht, um durch der HSndeArdeit das zu erwerben, was es kosten wird ihr Unterricht in wem anderen Institut zu geben, in dem man es nicht wie hier die Stunden gratis giebt. Bleischweren Herzens nähert sich i da ittno dem Heim, und immersort tönt es nngs um t her : Entlassen ! Entlassen !" Vor ihr liegt das HauS. Die Füße zögern. Verzagt lehnt sich da? Kind an einen Baumstamm, der den Weg durchkreuzt, und Plötzlich tönen wohlbe kannte Stimmen an ihr Ohr. , War's Mattie, die da sprach? Und jene andere. weinte wer ? Ah, Dora !" Ein rasch entflammtes Haßgefühl durchführt sie. Der Angstrus kam von dem nichtswürdigenKkatschmaul.von dem verrätherischen, und jenes. Klatschmaul hatte Schuld daran, daß sie die Schande traf; daS Klat chmaul war'S, das ihr das Herzweh zugesügt und jetzt iCU sie eS bunen : Mit einem tigerartigen Sprung eilt

sie voran und steht im nächsten Augen blick inmitten jener Mädchenorupp:. .Wie sich das feige Klatschmaul wehrt

da sie aezüchtiat werden soll i wie sie sich rauft und zerrt, um von den Mäd chen loszukommen die sie auf ihrem Heimweg abgelauert hatten, um sich für den schmählichen Verrath zu rächen.' Wild lodert Fannies Haßgefühl' em por. Sie wirft den Kops zurück, und ruft : Laßt mich heran !" s ; Der fraufe liebt zurück, nur zwei' der größten Kinder halten die sich sträubende BerrStherin. - j Von drei verschiedenen Seiten streckten sich der Neuangekommenen Riemen 'und Lineale entgegen. . . . .Schlag sie halb todt sie muckt auch noch das freche Ding !" ! .Laßt Alle los! Ich halte sie selbst!" Vor dem brennenden Auge vor der besehlenden Stimme weichen die Mädchen zurück. ! Fannies Linke umfaßt die Schulter Doras, Die Rechte schwingt den Riemen hoch zum Schlage. Du wirst noch einmal klatschen. Du Nichtswürdige und diesmal wirst Du verrathen, daß ich eS war, die Alles an gerichtet; ich,HSrstDu? Und jetzt versuche es, Dich mir zur Wehr zu setzen versuche.es, sag' ich " Die Augen Fannie's glühen unHeimlich. der nackte Arm hält feinen Riemen hochgeschwungen und Dora duckt sich ängstlich und biegt den Kopf, den Streich erwartend, zitternd vor. Und Fannie? Ist's das entsetzte Antlitz des erschreckten Opfers, das sie zö gernd innehalten läßt ist's das scheue bange Auqe, besten Blick sich furchtsam hebt ist's des Kindes eigenes Gewis. sen, das sich regt, da sie sich überlegen sühlt? , Die festgeballte Faust sinkt jäh herab. Die Hand, die Doras Arm gefaßt, löst sich mechanisch. Sprachlos stehen die Mädchen und blicken auf das dunkelroth gewordene Antlitz der erregten Freundin, die einen Augenblick starr vor sich auf die ängst liche Gestalt der kleinen Missethäterin sieht, sich plötzlich wendet und mit einem Aufschrei beide Hände vor das heiße Antlitz preßt. Du thust ihr nichts Fannie Du thust ihr nichts?" Die Mädchen fragen es erstaunt, entrüstet, und Fannie hält das Angesicht verhüllt und schluchzt als einzige Antwort hinter den Händen hervor: Sie hat ja solche Angst vor mir, das arme Ding !" Die große Schulhausglocke läutete die neunte Stunde, und von uns Allen, die wir banae des Dlrectors Zimmer um standen dachte sich wohl keine ' daß die so gefährliche isache günstig enden, daß das Klatschmaul, daS gehaßte, ver rätherische, so tapfer zu uns ui Fan nie halten würde. Mit welch' zöaernden Schritten hatten wir uns der verschlossenen Thüre des Conserenzzlmmers aenädert, .hinter der das Klatschmaul auf Herrn PetermannS Befehl verschwunden war. Sie sollte verhört werden, htezz es, und was anders als Verrath konnten ihre Aussagen ent halten ! Mlt bangem Herzklopfen sahen wir dem Kommen fannies entaeaen und endlich da sie kam, mit dem entschlossenen blassenGesichtchen unter uns stand, da fühlten wir uns weniger ängstlich als zuvor. Horchend umstanden wlr dte Thüre. Wie eine Heerde scheu verfolgter kleiner Diebe drückten wir uns aneinander. Seltsam ! Von innen drang nur des Directorö Frage zu uns und Dora's Antwort fehlte. . Wirst Du erzählen?" fvrach die Männerstimme und aleick darauf kam'S ängstlich unter Schluchzen : Ich kann nicht. Vater !" Du fürchtest Dich, zu reden drobt man Dir etwa?" Nein, nein !" Keine einzige Silbe als Antwort. Nicht -einmal Dora's Schluckten von vorhin. , In schweigender Erregtheit dränaten wir uns dichter an die Thüre. .Noch emmal saa' ick Dir. bafc ick den Namen zu erfahren wünsche hast Du verstanden Fannie, was willst Du thun?" Hinein will ich !" .Fannie, besinne Dick ! Wir bielten sie an beiden Armen fest doch drinnen wurde jetzt ein dumpfer Schlag geführt, dem nur ein unterdrückter Ausschrei folgte, und plötzlich riß sich Fannie wild wle eme atze von uns los und stürzte auf die Thüre zu hinein vor den Direktor : Hier bin ich. Herr Director ! Ich melde mich als die Anstifterin deö Teiegrapys Wir sahen durch die ausgebliebene Thüre, wie ein rascher weicher Blick des Dankes von Fannie's Aug'';u Dora flog, und aus Dora's Augen groß und glänzend aufgeschlagen schoß es rührend zärtlich zu der Retterin zurück. zwischen beiden Kindern stand der strenge Mann und sah die Madchen an bevor er langsam sich der Thüre näherte und sie vor unseren neugierig stutzenden e sichtern schloß. .Es dauerte nicht lange, bis die Sache drinnen ihren Abschluß fand. Als end lich die fatale Thür sich öffnete erblick ten wir, statt der betrübten ehrlos ent lasienen Freundin, ein leuchtend strah lendes Gesichtchen, daS sich uns jubelnd mit dem Ruf : Verziehen ! er hat verziehen !" entgegenwarf, und stürmisch, wie sie war, daS blonde Mädchen da ihr folgte resolut in unsere Mitte schob. Sie hat's gethin die Dora sie hat so etwas Rührendes erzählt ja doch das hast Du!" Wie wir sie plötzlich liebten dieses scheue blonde Ding daS fortan zu uns hielt und Dora hieß und nicht mehr das verhaßte Klatschmaul !" (Berliner Montagsbl.) Ueber'f lässig. Dame : Mon Dieu ! wozu nur die Leute noch so viele Kühe halten, während man doch jetzt überall condensirte Milch" bekommen kann!"

ßme Uacgt mit einem Säugling. . Meine verehrten Freunde (des stärke ren Geschlechts natürlich), habt ihr jemals .da Glück gehabt, die. Sorge . sür einen Säugling aus eine Stunde, oder sagen wir eine : halb so lange Zeit der Todesangst, überneh' men zu müssen ? . Wenn ihr dieses, Vergnügen gehabt habt. : dann könnt Ihr, im schwachen Maßstab freilich die See, lenangst begreisen, die mir. auszuhalten bestimmt war. Sabt Ihr es aber nicht gehabt, dann müßt Ihr Euch dieserFeu erprobe untkrziehen,,ehe 3fa auch' nur einen blaffen Schimmer von der' schreck lichen Verantwortlichkeit und Angst bekommt, die eine g a n z e N. a ich. t, zuge bracht in Gesellschaft eines merkwürdig lebhastenund keineswegs liebenswürdigen Exemplars der Gattung Säuglingeaus Euer Haupt häusen kann . Ich Johann Adam Friedleben 0 wie gut paßt mein Zunahme zu dieser schrecklichen Nacht .spreche ich in tiefer Empfindung und will unter dem frischen Eindruck meiner grausamen Erfahrung das folgende unfehlbare Neccpt zum Besten Aller, die es probiren wollen, ver öffentlichen; ja mehr noch, ich bin ; bereit, jedem Novizen gegenüber die schrist liche Garantie seiner Wirksamkeit zu neh men. ES ist das folgende : Wenni ihr kostenlos Haar und Bart dünn gemacht

.haben, oder wenn Ihr wohlbeleibt seid. und wollt ohne Bandlng'ttur in einer unglaublich kurzen Zeit mager wer den, so bringt eine Nacht mit einem Säugling zu, einem Säugling, der, kürz lich abgewöhnt, sich vor Unwillen unter der angethanen Beleidigung windet und eine nur zu lebhaste Erinnerung an jene glücklichen Tage des unschuldige ZechenS bewahrt hst, die nie wieder kommen sol len, mit einem Säugling noch dazu, der entschuldigt den Ausdruck, liebe . Le ser musikalisch ist, und dcsien Haupt sächlicher und schrcckenerregender Besitz in einer Simme von dem Ton einer Trompete besteht. " Ich bin keineswegs ein reicher . Mann, und es gehört zu meinen häuslichen Pflichten, gelegentlich unseren Engel, so nennt ihn nämlich seine Mutter, zu war ten. Wenn ich eS ware.ss. würde ich wahr scheinlich dem Wehe" jener Nacht ent gangen sein, und diese beunruhigende Erzählung hatte nie das Licht der Welt erblickt. Ah, Ihr lächelt, meineFreunde, über die anscheinend übertriebenen AuSdrücke, aber macht nur selbst die Ersah rung, und ich wette, waS Ihr wollt.Euer Nath Andern gegenüber wird auch lau ten : Laßt die Finger davon . Also, wenn auch nicht reich, fo bin ich doch in5erträglich:n Verhältnissen. Ich besitze ein kleinesHaus in dem zu gleicher Erde Wohn und Arbeitszimmer liegen, während das obere Stockwerk und mehr hat das Häuschen überhaupt nicht das Schlafzimmer enthält. Ich habe ein hübsches, kleines Frauchen und ein, halt, ich will dem Säugling lieber keinen Beinamen geben, denn ich muß gestehen, daß der väterliche Stolz in Gefahr ist , in einem Abgrund von Entset zen undUnwillen unterzugehen, wenn sich meine Gedanken auf dieses kahlköpfige und noch zahnlose, aber trotzdem schreckliche Wesen richten. Wir hatten ein jungeSDienstmädchen, das damals gerade an den Masern erkrankt und deshalb vorsichtshalber nach Hause geschickt worden war. Also, eines Abends kam ich müd und matt von meinem Bureau nach Hause, schlüpfte in meine Pantoffeln, genoß mit Behagen mein frugales Abendbrod und war geradc daran es mir mit meiner Pfcise und einem nuten Buche reck! be haglich $u machen, als eilig die Glocke gezogen wurde. Es war Herr Müller, der Vater meiner Frau. Frau Müller sei sehr krank, sagte er. und eS sei unbedingt nothwendig, daß Anna gleich mit ihm ginge. Meine Frau sprang er schreckt von ihrem Stuhl auf und eilte nach Mantel und Hut. WaS mich be trifft (ich glaube, es war ein Vorgefühl kommenden Unheils), so fühlte ich ein Frösteln über, meinen Nörper laufen. Anna," sagte ich um zagender Stimme, als sie zurückkam, nuin liebes Herz, und wie ist's mit dem Kinde. .Gott segne ihn," antwortete seine Mutter, während sie hastig ihre Hut bänder knüpste und dabei weder den Seuszer,der mur unwillkürlich entschlüpf te, bemerkte, noch den Ausdruck äußer sier Hilflosigkeit, der sich auf meinem länger gewordenen Gesicht abspiegelte. Das süße Geschöpf fuhr sie fort, .wie glücklich sich daö trifft, daß er abgewöhnt wurde und dan er so brav ist. Ich alau be nrchtsagte sie weiter, daß er vor seiner gewöhnlichen Zeit aufwachen wird (meine Frau unterließ es, den Zeitpunkt dieses erschreckenden Ereignisies näher zu beschreiben) aber wenn es doch der Fall sein sollte, wird er so lieb sein wie ein Engel, wenn du ihm sein Süppchen gibst; du weißt doch, wie es gemacht wird, nicht wahr, mein Schatz ? Vergiß aber nicht den neuen Topf zu nehmen. weißt du, den mit dem irdenen . Deckel. Adieu, Lieber, ich komme nach Hause.fo bald es mir möglich ist Memte sie es wirklich ernst?, Wahrhaftig, eS war ernst; rm nächsten Augenblick war meine Frau mit ihrem Vater verschwunden und ich unglücklicher Sterblicher stand, mit offenem Munde in der Hausflur, und zwickte mich, zwickte mich hestig in die Arme, um mir klar zu machen, daß eS wahr sei, daß ich nicht träumte, sondern wirklich wcch sei allein, allein im Hause mit vlesem schrecklichen Kinde. Brav, sagte ich, grimmig dleWorte mei ner Frau wiederholend, als ich auf den Zehenspitzen nach dem Wohnzimmer ging und mem Buch wieder vornahm. Aber eS war vergebens, daß ich mein aufge reales Gemüth zu beruhigen versuchte durch den Vcrsuch mich in mein Buch zu vertiefen. .Kommende Ereignisse sagt man, werfen ihren Schatten voraus, und o, wie nervös war ich schon geworden. Brav wahrhastig. iH möchte wissen, wo meine Frau ihr Gewissen hatte, als sie dieses Lob einem der eigensinnigstenSchreihälse, die je zur Welt, kamen, ertheilte. Und dies Lob auch noch in Gegenwart seines geplagten VaterS, der sich für den Glück Hauen ver vlttvllaen van, wenn er

in der Woche drei Mal einer ordentlichen Nachtruhe theilhaftig wird.

Nein, vom Lesen war entschieden ne Nede mehr, denn jederWindstoß drau en klang melncnOhren wie ein heraus fordernder Schrei von oben auS - dem Schlafzimmer. llnV wie die Int - vor rückte, drängten sich schreckliche Vorstel ungen meinem Gelst auf, i Krampte z. B., und ähnliche Schrecknisse. ' Freilich war meine Frau nur ein paar . Straßen von mir entfernt, aber sie hätte gexade o gut aus der anderen Seite der Erde sein können, so wenig Trsst gab mir die e ueberlegung. Bei alledem schleppte sich der Abend bleiern hm : bis jetzt war Alles noch sttll w:e oaS (Ärab und ich sing wirklich an, mich ein Bischen behaglich? zu füh en. 11 Uhr schlugs; es schlug 12 und eben 1. ' ' Die KukukSuhr aus demVorplak aa te mir jedesmal einen beillosen Schre cken ein, wenn sie die Stunden schlug, mit einem Ton, der an dteiem Abendor dentlich schmetternd klang, und ich nahm mich fest vor. dem nnsältigen hölzernen Kukuk, der jedesmal mit einem Spekta kel aus seinem Häuschen fuhr, hinreichend ein halbes Dutzend Kinder auszu wecken gleich am nächsten Morgen den Hals abzudrehen. yald Zwel! Äzelch' außerordentliche Geduld und Ausdauer muß dies Kind haben, denn ich kann mir doch nicht denken. daL er nur feme Zett abgepaßt und absichtlich wach liegt, um auf meine Ankunft zu warten, und um mich zu Sr gern! . - . . . Doch wie die Znt vorwärts .schritt. wurde es mir klar, daß Anna ihre Mut ter nicht verlassen konnte und so erleich tert suhlte ich mich nach und nach durch die fortgesetzte Bravheit meines Stamm Halters, daß ich wirklich ein Liedchen vor mich hlnpfiss, und allmällg kühner wer dend, eS sogar probirte, das Feuer zu schüren, welches, da ich bisher nicht : ge wagt hatte, diese Prozedur vorzunehmen außer in der denkbar zartesten und des halb völlig unwirksamen Weise, beinahe ausgegangen war.- . ! . Und dann auf emmal, als ob eö nel disch wäre auf meine ruhige Gemüths Verfassung, stahl sich ein kleines dünneS Stimmchen in mem Ohr, welches gehört sein wollte. Das Kind muß wahrhaftig erstickt sein schrecklicher Gedanke denn niemals, seit ich die zweifelhas te Ehre setner Bekanntschaft genieße, hat mein Sohn in dieser intensiven Weise geschlafen. Ich konnte diese Idee des .Erstickt seinS" nicht ertragen : sie brachte mich vollständig aus meinem geistigen Gleich' gewichte, welches ich m der letzten halben stunde mühsam errungen hatte. Ich be schloß zu Bett zu geHerr, schlich wie eine Katze die Treppe hinauf, die nie vorher so gekracht hatte, und verschwende fünf Minuten mit vergeblichen Versuchen, die chlafzimmerthur geräuschlos zu önnen. Als endlich die Klinke mit einem hellen Ton ausschnsppte, schlug mir mein Herz wie ein Schmiedehammer und ich schlich nach dem Vettchen. Da lag er und schnarchte , der kleme Nichtsnutz. Hurrab, fest wie ein Murmelthier," rief ich lustig und fchaute.vergnügt auf den Haufen von Kissen und Lein wand, in den er lag. Sein kindliches Schnarchen war nieste Musik für meine Ohren. Aber ich wußte . damals noch nicht, was ich j?tzt weiß, daß das eine List war und nur eine Nolle in dem klei nen Schäkerspiel, daß der junae Tau gemchts mlt mrr aussuhren wollte. Dieses E-eech barg in sich Schre cken, die ich gc:nz (und doch damals noch nicht ganz) begriff : es war das Grab geläute meiner Nachtruhe; eö war ein Sturmngnal. Ich lag wie eine Statue und wagte kaum zu athmen. Vielleicht schlaft er wieder ein.flüstertc ich voll stille? Hossnung,das aber stand nicht auf semem Programm sür dies Nachtvergnügen. Eeeh ! o, es war cm ohrzerreißen der Schrei. Es kam wieder und wieder und immer wieder ! Lauter, länger und stärker. Die Sache sing an, ernst zu werden. Eilig raffte ich meine geringen Kenntnis m der Kmde'rfprache zusammen und fing an, Heio, heio, schlaf dabei mit väterlicher Ermahnung i den Rucken meines SohneL klopfend. . !Da aber die letztere Procedur den Zorn des .theuernKin'deZin'SUngemesscne zu stei gern schien, stand ich davon ab, und ver suchte meine Stimme zu Fisteltönen dämpfend, dem kleinen Schlingel weiß zu machen, ich sei seine Mutter. Aber die Sache versing nicht ; Friedleben jun. hatte offenbar seinen Kopf ausgesetzt und ärgerlich begann ich nach den Streich Hölzchen zu greisen. Ich hätte einen Eid daraus ablegen können, daß ich sie auf den Leuchte? gelegt hatte, aber da waren sie nicht und mit einem verzwei selten Versuch zu pfeifen und die Sa che scherzhast zu nehmen, stolpere ich die Treppe hinunter, um sie zu holen. , Bis ich zurück kam, balle sich das Kind in die Farbe eines gesottenen . Krebses hineingebrüllt. Vergebens tänzelte ich, koste uud gab ihn Schmeichelnamen. Eshalf'AlleS nichlö.er fuhr fort zu schreiben mit allen Krästen seiner schauderhasten Stimme.indem er nur hie und da höchst bemerkenswerthe Variationen an brachte. Eine davon bestand darin, sich mit seinem Munde wild an meiner Nase V ... . . ' . UNO meinem lnn ZU rriven . eine an dere darin, grampshafte Griffe nach mer ner Nachtmütze zu thun. Gefunden,rief ich fröhlich auS, ja die Launen eines indes sind unberechenbar; willfahrn nahm ich daraus memenyaupt schmuck ab und hielt ihm denselben hin. Aber sturr vor Erstaunen sa ich, wie er zunächst ein gehöriges Ende der Nacht mütze in den Mund stopfte, wie er sie dann, wahrscheinlich. Weiler sie nicht ganz so schmackhaft fand, wie er gehofft hatte, hestig hinund herschwenkte und sie schließlich w:it von sich weg warf in einem Ausbruch von Zorn, der bei einem so Zungen Wesen geradezu überraschend war. Bei dieser erstaunlichen Wendung ging mir plötzlich ein Licht auf über seinen merkwürdigen EemulySMano. m türlich mukte daS arme Kind hungrig sein; ich hatte ja die Hauptsache ganz veraenen. Dabei kam mrr in böchn un erwünschter Weise in den Sinn, daß das Feuer im Wohnzimmer ' wahrscheinlich aus fern würde.

Nur nicht ängstlich, sagte ich und mit

einem zweiten verunglückten Versuch lu stig zu sein, faßte ich meinen Sohn und Erden und trug ihn die Treppe hmab. Und da ich nun den Grunv deZ.Ue bels gefunden hatte, so werdet Ihr na urllch annehmen, da ich am Ende mer ner Mühseligkeiten angelangt sei. O web, wie. seid Ihr im Irrthum; ich fand daß alles Vorangegangene nur die Einertung war. eine klemePosse vor dem ei gentlichen Lustspiel. ' Vielleicht bildet Ihr Euch em, daß öle seS schreckliche Kind, während ich das Feuer in Brand zu dringen suchte,. still gesessen hätte wie eS jedes ordentliche Kind, bei den Vorbereitungen zu seiner Mahlzeit zu thun pfligt ? Gott bewahre. und wenn Ihr Euch ein kleines Bild un serer. Verfassung machen wollt, so stellt Euch im Geiste die folgende Situation vor: Zeit: drei Uhr Nachts an einem bitterkalten Januarmorgen ; der Herr des HauseS' im Nachthemd und Pantoffeln vor emem eigensinnigen Feuer kmeend, der dem Versuch die schwachen Flämmchen anzublasen. - mit der einen Hand beschästigtHolzstuckchen aufzulegen, während die Andere auf Armeslänge ei nen kleinen Satan von Kind hielt, des senBeine bei dem fortwährenden Stram peln anZahl verzehnfacht schienen selbige; Kind brüllend, Familienhaupt brummend. Endlich, endlich, knurrte ich, als nach unzähligen verunglückten Versuchen daS Suppchen fertig war, und so schön auS sah, wie es ein vernünftiges Kind nur verlangen konnte. AlleL in Ordnung rief ich triumphirend aus, faßte jung Friedlcben um den Leib und probirte und blies daS Süppchen, wie ich es von seiner Mutter gesehen hatte. . Aber es war noch lange Nicht Alles in Ordnung," er wollte nichts davon. In die Höhe, gingen. Arme und Beine, und in die Höhe flog auch Schüssel und Löffel (unnöthig zu sagen, daß sie auf. mich fielen). Ich sah den jungen Tau genichts an und er gab den Blick mit Zinsen zurück. Ich glaube wahrhastig, er kicherte heimlich und wenn je ein Paar Augen sagten : .Nicht für Geld-, so tha tens die meines Sohnes. ES nutzt alles gar nichts, rief ich Sr gerlich auS ; es hat gar keinen Zweck es noch einmal zu versuchen. Ich thue jetzt garNichts mehr sür dich. Schrei' so lang du willst, nichtswürdiger, unzufriedener Wurm. Und daS that er auch. Ich muß gestehen, daß er in diesem einen Punkte stillten Gehorsam leistete. Wieder trollte ich die Treppe hinauf. begossen mit dem klebrigen Zeug, mit dem seine Mutter ihn zu futtern beliebte, und elend über alle Beschreibung. Und die nächsten zwer Stunden? Nie, nie werde ich diese schrecklichen zwei Stun den vergessen. Wie ich schaukelte und tänzelte und mit jung Friedleben rn der Stube herumlief, und alles umsonst. Wie trotz der kalten Witterung der Schweiß an meinem Gesichte herunterlief und wie inbrünstig ich nach Hilse flehte in der Gestalt von Tageslicht und mei ner Frau ! ' Ich möchte wohl wmen, wie oft ich dieses nichtsmürdige Kmd aus seinem Bette und wieder hinein that, wie oft ich mit ihm wie rasend die Stube auf- und ablief. Ich möchte wohl wissen, wie oft ich versuchte wenn eine augenblickliche Pause rm Sturm mir die Gelegenheit bot ihn definitiv zur Ruhe zu bringen durch die Erzählung vom Däumlmg oder vom Rothkäppchen. Umsonst, ich. fürchte. mem Sohn hat gar keine literarische Neigung, und war seine Laune vorher schon schrecklich, so wurde sie jetzt geradezu teuflisch und die Art, wie er mit den Kinnbacken knirschte, wle er seine rothen Fäuste ballte und versuchte die paar Härchen, die sein Kopf auswies. auszureißen, war wunderbar anzusehen. Ich hatte gesagt, ich wurde Nichts mehr thun, un seinen albernen und grundlo sen Aerger zu beschwichtigen, aber der Mensch denkt und em so kleiner Schrei hals lenkt; erinnert euch dieses Spruches, Ihr, meine harmlosen Freunde, die Ihr noch Junggesellen ferd.-. WaS, um aller Heiligen willen, willst du nun eigentlich?- schrie ich ihn an, als ich mich wieder einmal umwandte. und ihm den Haufen der verfchiedenar tigsten Gegenstände hinreichte, die ich nach und nach als Fnedensanerbieten aus sei nem Bett angehäuft hatte. - WaS, um Gotteswlllen, kannst du wollen ? uast du nicht die Kämme uud Bürsten und die Wasserflasche, deiner Mutter neuesten Ehlgnsn und die Stangenpomade und hier brach rch mitten rn meiner em vörten Standrede kurz ab : der Anblick des Lichtes hatte mich mit tödtllchem Schrecken erfüllt. ES war rm Begriff auszugehen. Der Docht lag in einem rinnen aigiurnpei oujics auj einer . V.f.l.t.f ..C .? Seite, flimmerte und flackerte bedenklich und warf häßliche Schatten über das Zimmer. Um GotteSwillen.geh' nicht auS; rief ich entfeht, als ich nach dem Leuchter sprang, und, nachdem ich vorsichtig den schon er löschenden Docht mit zwei Stecknadeln und einem abgebrochenen Schwefelholz aufgerichtet hatte (wobei ich mir gründlich die Finger verbrannte), das Stümpchen nach der Eommode trug, wo, wie ich wußte, die Schachtel mit Nachtlichtern ausdcwahrt wurde Und ich fand sie auch; aber auch nicht die Spur war darin! Und da Ihr mögt lachen, wenn Ihr wollt mußte lch nach meinem Taschen tuch greifen, um um nun um etwas aus meinem Auge zu wischen, denn bei dieser Krisis hätte auch rch meine Stim me erheben und heulen mögen wie das Kind. Bei dem letzten Aufflackern des Lichtes schielte ich nach meinem Sprößling hin über. Er saß, jede meiner Bewegungen verfolgend, Holzengerade im Bett, eifrig an einem Stück Stangepomade lutschend und folglich für den Augenblick ruhig, daS unmenschliche Geheul aber, das sei nem Munde en:floh, als das Licht nun wirklich ausging, spottet' jeder Beschrei bung. Ich zittere jetzt noch, wenn ich daran denke. So blieben wir in raben schwarzer Finsterniß, ich und daS Kind ! Solch' eine Katastrophe hatte ich nie sür möglich gehalten. Der Gipfel des Elends war jetzt' erreicht, denn ich wußte i ganz genau, daß, seit unser Wißbegier: geö Dienstmädchen dabei erwischt wor

den war, wie sie Schauerromane im Bette las, das Packet Lichter unfehlbar

verschlossen gehalten wurde, und daß der Schlunel sich wohlbehalten in meiner Frau ihrer Tasche befand. - Ich glaube, ich muß in der Tretmühle mit dir weitergehen, stöhnte ich, als ich mich über das Bett lehnte, um an mei nen Sohn zu kommen, und wenn er in dem Augenblick geantwortet hätte : Ich glaube wohl, du mußt, ich würde nicht erstaunt gewesen sein ; ich war auf alles vorbereitet. . Ich nahm, ihn auf unter einemyaufen von Gegenständen, die dabei auf den Boden fielen, aber ich gestehe, daß ich nicht genau weiß, wo sich Kopf und , Beine in meinen Armen befanden ; ich neige stark zu dem Glauben, daß ich ryn gelegentlich oberst zu unterst hielt Ich versuchte ihn, wie zuvor im Zimmer, herumzutragen, -aber ich weiß nicht, wie es kam, ich konnte mich nicht zurecht fiN' den die ganze Stube schien aus Thü ren und Bettpfosten zu bestehen, und ich konnte es nicht verhindern, daß er hie und da einen Puff abkriegte. So trieb ich es weiter.' nur mit dem Unterschied, daß ich zuweilen in memer Verzweiflung ver suchte, die gellenden Schreie zu'übertö' nen, indem ich mit aller Krast meiner Stimme das schöne Lied sang : O Tan nebaum, o Tannebaum.Die Uhr aus dem Vorplatz schlug drei Viertel aus Fünf; meiner Ansicht nach mußte es mindestens Sechs sein. Zur Beseitigung jeden Zweifels strich ich ein Schwefelholz an, um auf meine Uhr zu sehen ; dabei stieß meine Hand an eine Schachtel; es war eine Nachtlichter schachte! und ganz voll. Hurrah, jetzt kam Licht, wo die Noth am größten, ist die Hülse am nächsten. Und jetzt hörte ich eilige Fußtritte auf der Straße; Freude, -unaussprechliche Freude zog in mein Herz; sie nahten sich meinem Hause; ich kannte den will kommenen Tritt, es war meine Frau. Endlich, endlich war die Mutter dieses kleinen Schlingels nach Hause gekom men, .. . Ich schwang nun jung Friedleben auf sein Bett,, ich führte einen kurzen Krieg? tanz um ihn auf und redete ihn feierlich in gebrochenen Tönen an : Sohn deines Vaters, du hast triumphirt; ich erkenne es an, du hast gesiegt, ich bin geschlagen, aber, meinSohn, schreibe es dir in'S Herz, wenn du je wieder Gelegenheit hast, dich ln deinen müßigen Stunden mit uns zu amüsiren, möchte ich es dann wenigstens verdient haben. Ob er sprachlos blieb auS schierem Erstaunen über meine Kühnheit, ihn so un ceremoniell aus's Bett zu wersen oder ob seine Ruhe einem Unwillen . entsprang, der zu tief war, um sich zu äußern, ich weiß es nicht, sicher aber ist, daß er mei nem Zornesansbruch gegenüber eine großartige Gleichgültigkeit entwickelte, und, nachdem er mich ein paar Mal faul aber vertraulich angeblinzelt hatte, schloß er seine Augen mit einer Miene so auS gesuchter Ruhe, mit einem Blick der deutlich sage : 3ch habe meine Schuldigkeit gethan", daß ich ein paar Augenblicke völlig versteinert vor ihm stehen blieb und ihn staunend betrachtete. Dann schreckte mich Anna'S leiseS Klopfen aus. Ich flog die Treppe hinab, ich faßte meine erstaunte Frau bei der Hand und küßte sie stürmisch. Komm herauf, ries ich, komm' heraus zu diesem diesem (ich verschluckte glucklich daS Wort, das ich aus der Zunge hatte) zu diesem schrecklichen Kmde. Wie ein Reh flog meine Frau die Treppe hinauf. O Adam, schrie sie. um Gottesmillen, waS ist vassirt. Der Liebling, der Goldengel, daS Zucker püppchen. .Liebling, Goldengel, Zuckerpüpp chen !" Ich überlasse eö dem Leser, sich meine sprachlose Empörung vorzustellen. Und nun, ich verlange gar nicht, daß Ihr es glauben sollt, aber es ist eine Thatsache, als wrr mS Zimmer traten, war dieser Engel mit der süßen Stimme, der noch vor zwer Minuten die gellend sten Schreie auSgestoßen hatte, fest ein geschlafen ! Noch mehr, er lächelte, er lächelte wahrhastig, und sein heuchlerisch junges Gesicht trug den friedlichsten. unschuldigsten Ausdruck, den rch je ge sehen. Ich war starr; ein ganzes Wör terbuch hätte nicht hingereicht, mir die Worte zu liefern, um meine Gefühle aus zudrücken. Gott segne ihn, rief seine Mutter ha stig aus, ist er nicht brav ! O Adam, wie konntest du mich so erschrecken. Der liebe kleine ruhige Engel, ist er nicht brav ! Das war der letzte Tropfen und das Gesäß lies über. Brav, schrie ich, und ruhig ! Dieser n'lchtswürdlge, heuchlerische zunge Affe! Ich glaube gar nicht, daß er schläft. Friedleben, rief meine Frau vorwurfS voll, Friedleben, höhnte ich zurück und dann, mich auf den Nand BetteS setzend. der Knall einer Kanone würde zu der Zeit meinen Sohn nicht aufgeweckt haben. erzählte ich pathetisch die Angst, welche lch m dmer Nacht ausgestanden hatte. Und wie lachte meine Frau, ein schöner Grund zum Lachen, und am nächsten Abend, als wir zusammen saßen (jung Friedleben sah wie ein Heiliger aus). bemerkte sie mit emem komischen Blm zeln ihrerAugen : Ich setze den Fall, Je mand hätte dir Starke zu essen gegeben. wie dann? Stärke! Wahrhaftig es ist ein Wunder, daß lch rhm kem' Arsenik gab. Und jetzt meine Freunde, ist meine Erzählung zu Ende, und von nun an werde ich die Mühseligkeiten des Lebens mit einem Lachen tragen. Mit der heite ren Stirn eines Stoikers, vorausgesetzt, daß unter denselben nicht noch einmal eine Nacht mit emem Säugling vorkommt.) ) Frei nach bim Englischen der SJlift Julie Ehand lor. Despot und devot. Amtsdiener : Was will Er heute ? Esel' Pack' er -sich zum .... Weiß niift hifc TiMtt niifit WrntStrtft ift I Er er 0 9 w 23 l KreiSrath zum Amtsdiener : War nicht Jemand da V Ja, ein Bauer." .Jlt er lorlt .Ich yave lyn freund lich eingeladen, etwas später zu kommen, weil ich schon wußte, daß Ew. Gnaden Oft AM ff ! f 4a4M I M A A . 1 yuirnuuv uuvuiiiuiuii Xjiliut UVAUIÖII l sen pflegen."

JÜNsttuopz.rztg Zayrk Irrenhause. Baris. 1. 5hm. Ein mit großer

Spannung erwartetes . Urtheil wurde gestern von dem Gerichte zu Tarascon gesprochen, jedoch in einem Sinne, wel. cber die öffentliche Meinuna nicht befrie digt. Der Prozeß sührt unS iVS Iahe 1838 zurück. In den ersten Tagen deS' August zog ein Theil der Bevölkerung des Städtchens Tarascon einem elenden. Fuhrwerke entgegen, das von einem jun' gen, krank aussehenden Manne und einer bildschönen sremden Frau-besetzt war.' Man hatte gehört, Jean' Migral. der' Sohn des KrösuS von Tarascon, käme' wie ein Zigeuner mit seinem Weibe aus! Polen zurück, und theils Neugler, theils Mltgksühl loüte die Leute aus die Landstraße hinaus. Ja der Menge.' besand sich auch ein älterer Mann mit zwei be waffneten Knechten, der wilde Blicke um sich warf und besten ganze Haltung hes igen Zorn verrleth. Es war der Vater. Mistrals, und man flüsterte sich zu, man! werde Zeuge eines Austrittes sein. Die-, ser Austritt erfolgte in der That und-' übertraf alle Erwartungen; als Jean' Mistral semen Vater erkannte, übergab er die Zügel des lahmen Gauls seiner Frau und ging ihm mit offenen Armen entgegen.. Ter Alte aber herrschte feme Knechte an : .Packt ibn l" und dem Befehle wurde nach einigem Zögern will fahrt. Die junge Frau siel ohnmächtig auf dem Wege hin, als sie ihren Mann wegschleppen sah, und später sührten Unbekannte sie mit ihrem Wägelchen in die Stadt. Der Vater Mistral hatte r.: '- -. t . jr leinen minuciiaqngcn oqn jogictg ais geisteskrank einsperren lassen, und Wil helmine Dombrowska, die ihm asPosen gefolgt war, sollte ihn nicht wieder sehen. Die im fremden Lande geschlossene Ehe wurde in TaraScon aufgehoben, weil Jean Mistral sie vor seiner Mündigkeit ohne Erlaubniß des VaterS eingegangen war. Wilhelmine Dombrowska aber wie eine gemeine Landstreicherin behandelte Der Vater Mistral gab vor. Erkundig gungen über sie emgizogen zu haben, die. äußerst ungünstig aussielen und ihm als Entschuldigung sür sem barbarisches Verfahren gegen sie sowohl als seinen eigenen Sohn dienen sollten. Seit jener Zeit, also seit 45 Jahren, blieb Jean Mstral lm Irrenhause. Nachdem sem Vater gestorben und ihm ein großes Vermögen hinterlassen hatte, welches sich heute mit Zinsen und Zinseszinsen auf: etwa 40 Millionen belaufen soll, über nahm eö seinSchwagcr Be:nardMistral und nach dessen Tod sem Neffe Bernard Mistral i?., seine Sequesttirung zu ver antworten. Schon mehreremal hatte man es versucht, dem armen Eingesperr ten, der nach der Versicherung Vieler.dle ihn als jung gekannt, nicht wahnsinnig gewesen war, die Freiheit wieder zu ver schassen ; allein der Einfluß der reichen Familie war stärker als der Schrei der Gerechtigkeit. Vor einem Jahre strengte der Sohn eines ehemaligen Freundes Jean Mistral's, der Advokat Fournier, in Marseille einen neuen Prozeß gegen die Familie Bernard'Mistral an. Die Aerzte, Die er zu dem Gefangenen suhrte, gaben das Gutachten ab, er wäre aller dings nicht mehr als ein Vollsinnigcr anzusehen, da die lange Hast unter Gei steskranken auch einen krästigen Men schen hätte seelisch daniederversen nüs sen, umsomeh? aber Mistral, aus besten Briesen an seinen Vater, in welchen er diesen zu Gunsten Wilhelminens zu beu gen suchte, deutlich hervorgeht, daß er sicher erregbarer Gemüthsart und unae mein mystisch gestimmt war. Unter den Zeugen besand sich außer einem alten Manne, der jenem Auftritte zwischen Vater und Sohn auf der Landstraße bei gewohnt hatte und erzählte, daß damals Fernstehende über die Behandlung wein ten, welche dem aus der Fremde heim kehrenden Jean widerfuhr, auch Wil helmine Dombrowska, eine Greisin mit schneeweißem Yaar. Fourrner hatte sie in Posen aussindig gemacht, wo sie in eine zweite Ehe getreten war, nachdem der Vater Mistral ihr aus viele Anfragen hatte schreiben lassen, sein Sohn wäre im Irrenhause gestorben. Jean Mistral soll sie nicht wiedererkannt und ungläubig gelächelt haben, als sie' ihren l l ren nannte und Erinnerungen in ihm zu io:cken versuchte. .Wie der Staats anwalt, so erachtete auch das Gericht zu TaraScon, die Einsperrung deS Millio närs wäre gerechtfertigt, und verurtheilte den Kläger zu 10.000 Francs Schaden ersatz an den Vertreter der Familie Ber nard'Mistral und außer in die Proceß losten auch noch zur Einrückung des Ur thiles in zwanzig Blätter. Fournier wird eS aber schwerlich bei der ersten Jn stanz bewenden lassen, obwohl: er Alles gegen sich hat, was in solchen Fällen den Ausschlag geben kann,nur nicht daS Publikum, das in Jean Mistral ein Opfer langjährigere MißbräucheZ der JrrenhauSpraxiS erblickt. - - ' - . ;i Geistesgegenwart. Als der Gras d'Argenson unterLudvlgXIV. Chef der Polizei zu Paris war, entstand ein Volksauflaus : wegen Mangels an Brod, und man machte Ansialt sein Ho tel zu stürmen. Der Gras trat uner schrecken unter die ärgsten Schreier, er griff 'ein feistes Fischweib mit kupfer rothem Gesicht bei der Hand und ries mit lauter Stimme: .Du lieber G.tt ist da? nicht ein wahres Bild des Elends und der Hungersnoth ?" Das wirkte auf die leichtlebigen, jedem Witze zu gänglichen Franzosen so, daß Alles mit schallendem Gelächter auseinander ging. Nach eigener- Ueber. zeugung. In einem Dorfe war ein ?eu er TrSnktrog sür daS Rindvieh nae schafft und halb in die Mauer eingelas sen worden. Einige der Gemeindever valtung Uebelwollende behaupteten nun, der Trog stecke so tief in der Mau. er, daß das Vieh semen Kops nicht or. dentlich hmem brmgen und bequem lausen könne. Der Gemeindevorstehe? zur Berichterstattung ausoefordert nimmt gehörigen Auzenschein,! untersucht mit semem opse genau die Weite der Oeffnung m der Mauer und derich. tet sodann, daß nach der von ihm selbsi angestellten Untersuchung d,', n...:1: 2a58t56ttIRiVir7.