Indiana Tribüne, Volume 6, Number 256, Indianapolis, Marion County, 3 June 1883 — Page 7

einen so groben Umfang gehabt, daß sie den ganzen Raum ausfüllte, in welchem jetzt auch der entfernteste Planet kreist. Sle machte hierbei eine drehende Beme gung um die Ach?e und verdichtete sich zuglerch durch ihre Anziehungskraft. Hierdurch flachte sie sich zu einer Scheibe von mächtigem Umfang ab, in fceren Mitte die Hauptmasse eine Verdichtung bildete und in deren Umfang die lockeren Theile sie umkreisten. Im fortschreitenden Proß der Verdichtung der Mitte und des Umlaufs des Randes der mächtigen Scheibe sonderten sich festerePunkte des äußersten Umfanges zu einzelnen Ringen ab und umgaben zuerst die Sonne mit einem Kranz von Ringen, wie wir noch gegenwärtig einen verein' zelten Plannen, den Saturn, mit einem solchen Ringqebllde ausgestattet seben. Nach vielen Jahrmilllonen dieses Zu standes vereinigten sich die weit zerstreuten Massen des äußetsten Ringes durch Anziehung ihres dichtesten Tdeiles zu tu nem eigenen Himmelskörper, der fort fuhr, die Sonne zu umkreisen. Dersel' be Bildunsprozeh wiederholte sich in nunmehr verkleinertem Umfmg der rotirenden Sonnenscheibe und gab den An Iq zu der Entstehung der anderen Pla netenkugeln. Der Prozeß der Verdich tung der in der Mltte der Ringe sich be findenden Masse der Sonne setzte sich fort, bis endlich die Sor.nenscheibe sich in eine Kugel verwandelte, die sich noch immer um' ihre Achse dreht. Um sie herum aber bewegen sich fortdauernd die aus ihrer hemaligen Masse entstände nen kleinen Kugelgestalten, die wir als Planeten vor uns sehen. In dieser Theorie der Entstehung enl zog sich der Menschengeist in sehr mächtigern Grade jeder ferneren Glaubens auschzuung über einen Schc'psangoakt eines GöttermillenS und setzt an dessen Stelle die Wirkung von Naturgesetzen ein, deren Yx stenz jedem Zweifel entzo gen ist. Die Theorie selbst ist noch kei neswegs frei von jeder wisienschaftlichen Anfechtung. In neuerer Zeil sind über die Entstehung von Planeten auch noch andere Möglichkeiten aufgestellt morden, welche von der vor einem Jahrhundert entwickelten Lehre wesentlich abweichen. Aber auf dem ganzen Gebiet der Frage ist und bleibt er, für allemal j.de Vor flellung alter Zeiten dichterischen lau bens verbannt. Das Gesetz wird er forscht und als unbedingt herrschend an erkannt. Im Himmelsraum, der dereinst das Heimathsgebiet des dichtenden Glaubens war, ist j tzt schon wider fpruchslos die Herrschast von Naturge fetzen festgestellt. In diesen Kreis der wissenschaftlichen Errungenschaft wird fortan niemals mehr der Glaubensdich tung der Eintritt gestattet werden, so lange es nicht gelingt, den Geist der Menschheit umzukehren, um ihn wieder in Kindereinfalt einzuwiegen. Ist somit dikEitstehungsgeschichtevor dem Einbruch von Glaudensmärchen einer Götterregierung seit einem Jahr hundert gewahrt, so ist die Frage des Vergehens e'st in neuerer Zeit in die Tagesordnung der Wissenschaft einge treten.

Die Ironie der Weltg'scdichte. Pianos aus zweitausendjahrigemHolze sind gegenwärtig in einer Pianofortefa brik in Berlin zur Besichtigung ausge stellt. Der Industrielle hat eine Anzahl von Eichnämmen, welche anläßlich eine Brückenbaues über den Rhein, in der Rahe von Mainz auS dem Strombette gegraben wurden und zweifellos Ueber reste der von Cäsar (de bello gallico) erwähnten Brücke des Drusus darstellen, käuflich an sich gebracht. Die riesigen Pfayle, zu welchen nur der Kern von ganz alten, schon damals vielhundert jährigen Eichen verwendet worden, zeig ten, nachdem die verkohlte Auenschicht beseitigt war. die natürliche Irische und K'rniakeit "es Eichenholzes und außer dem wohl verursacht durch daS zweitaujendjage Lagern im Strombett eine Härte und Undurchdringlichkeit des Gesüges, die zum Bau von Planokör pern als besonders geeignet erscheinen liefen. Diese Ansicht findet sich bestä tigt : die beiden bis jetzt auS diesen Höl zern dargestellten Pianinos zeichnen sich durch besondere , Klangfülle und Stetig keil des Tones aus, und was ihr Erte rieur betrifft, so überbieten sie an Frische und natürlichem Glanz Des Holzes alle auS neuerem Eichenholze gefertigten In sirumente. Die letzteren bedürfen erst einer künstlichen Beize, um auch nur an' nähernd den Glanz und lichten Farben ton des Holzes zu erlangen, der den Ja drikten aus diesen tausendjährigen Stammen als Naturfarbe eigen ist. Da bei sind die einzelnen Arten de? Eichen, wie sie die angekauften Stämme reprä sentiren, an ihren Farbenschattirungen leicht auSeinanderzuholten. Bei den Einlagen, Füllungen und DekorationS stücken der Kiavierlörper sind diefe Far bennuancen in wlrktamster Zusammen stellung verwendet. So ist hier die modernste Technik mit dem denkbar ältesten Rohmaterial eine Verbindung emgegan gen, wie sie paradoxer und zugleich wirk sanier von keinem Märchendlchter erfun den werden könnte. Ein römische? Feld Herr rammt in vorchrifliicherZeit hölzerne Brücke, Pfeiler in den Hauplst?om eines von ihm zu unterjochenden wilden Bot kes, und zweitausend Jahre später sabriz,rt die bochen, wickelte Technik eben die seS Volkes Musikinstrumente aus dem yolje dieser wied,? ausgehobenen Pfel ,1er! Das ist die Ironie der Weltge schichte ! Tröstlich. Vater (zu seinem von der Universität zurückkehrenden fcoi : .Na, Du hast dock keine Schulden Sohn : .Drei tausend Mark!" Vater: .Was? drei' tausend Mark?- Sohn: .Run, bist Du nicht stolz, daß Dein Sohn einen so 1 W l). großen vrevii yar z Bissig. Strau: Nanette. nach Zeder Kaffee sellschost siehst Du allemal ordentlich noch, ob keine von den Damen etwas verloren bat r " Nanelte (allein) : .Na, da wtrd sich Madame wodl brennen, für bei bischen schlechten Kaffee werden die DacienZ ooch noch was verlieren!-

ZZusstslLcttSnunqsgesHiHten.

Für den' gemeinen Russen hat die Krönung des Zaren eine höhere Bedeu tung als für jene jugendlich naive Eh rendame der verstorbenen Kaiserin Ma ria, welche auf die Frage Alsxander II , ob sie durch die Pracht deS KrönungSzugeS befriedigt fei, 'antwortete, sie fei von demselben so entzückt, daß sie bald wieder eineKrönung erleben möchte. Der gemeine Nüsse glaubt, daß der Zar.wenn er im Uspendkl Ssobor (der Himmel fahrts'Kathedrale) hinter der Wand des Hochaltars (Ikonostas) verschwindet, göttliche Gb n empjängt, welche ihn als Regenten unfehlbar machen. , Die Ceremonie der Krönung ist in Rußland. so alt wie da Christenthum, denn die Rachkommen deö heiligen Wla dimir betrachteten sich als die Nachfolger der byzantinischen Kaiser, indessen wurde diese Feier doch erst unter Iwan III.. welcher die russischen Lande zu einem Ganzen vereinige und den letztenSpröß . ling des rechtgläubigen Kaiserhauses von Byzanz heirathete, mit einem gewissen Pompe begangen, indem der genannte Zar im Jahre 1438 seinen Enkel Dimitri mit der angeblich von den griechischen Kaisern berstammenden Krone und dem kleinen Schultermante! schmückte. Iwan IV.. der Schreckliche, ließ sich zuerst im Kreml krönen und er war es auch, welcher die Salbung und den Empfang d Abendmahles feiten des soeben gek.ön ten Herrschers einführte. Seitdem sind diese drei Ceremonien stets verbunden gewesen, wie auch seit dem Jahre 1425 alle Krönungen in Moskau stattgefunden haben. Bis Peter I dem .Großen", war tZ die Geistlichkeit, welche bei den Kiönungen die Hauptrolle spielte; der Metropolit oder der Patriarch saß an erhkhkem Platze neben dem Zaren, hl kleidete denselben mit den Zeichen der zarischen Würde und setzte ihm die Krone aus. Peter L. machte sich selbst zum Oberhaupte der Kirche, diese aber zur Dienerin des Staate; und demgemäß änderte sich auch die Stellung der Geistlichkeit bei den Krönungen. Dle erste ngen'llche Kaiserkrönung nach heutigen Begriffen wurde aber nicht an Peter selbst, sondern an seiner Ge mahlin Katharina, der ehemaligen liv ländischen Bauerndirne und Geliebten so vieler Herren, vollzogen. Wireinst der Kaiser Basiliscus, hieß eS in dem Man! feste PetttS vom 15. November 1723, s ine Gattin Siuowja, Justinian seine Ljupizia, Heraklius seine Martini und Leo der Weise seine Maria gehont hät ten, so wolle auch er die Genossin seiner Mühsale und Siege mit der Kaiserkrone schmücken. Das KrönungSgemand wurde in Paris bestellt und auch die Krone Katharina's nach europäischem Muster verfertigt. Dieses kostbare Machwerk wird noch heule im Dlamantensaale des Kreml ausbemahrt. Die Klone Kalha nna' enlbält 2564 Steme, darunter einen Rubin von der Größe, eines Tau beneieS, welcher auf Befehl deS' Zaren Alexe: Michallowilsch in Petmg ange laust worden war und nach damaligem Gelde 0.000 Rubel gekostet halte. Pe ter ließ sogar eine bedeutende Anzahl Diamanten auS semem Scepter ausbre chen, um damit die aus reinem Golde, nach dem Muster der letzten byzantini schen Kaiserkronen verfertigte Krone sei. ner Gattin zu fchmücken. Die K'ö.iung fand am 7. Mai 172 i statt und das bei dieser Gelegenheit ausgearbeitete Cere moniell ist im Großen und Ganzen bis aus den heutigen Tag von allen Herr schern beibehalten worden. Sehr be zeichnend sür die Beziehunaen zwischen dem Reformator Peter und seinem Volk ist es jedoch, daß Ersterer nicht die ge ringsten, bei solchen Gelegenheiten üdli chen Gnadenbezeugungen ertheilte und daß die Masie des Volkes an der Feier lichkeit überhaupt keinen Antheil nahm. mit einziger Ausnahme derjenigen MoS kowiter, welche ein Stück von den beiden gebratenen Ochsen erwischten oder einen Schluck von dem aus zwei Fontainen zpruoelnden Branntwein machen konn ten. Selbst die bei der Ceremonie be theiligte Geistlichkeit ging leer aus. Ob gleich nun im Volle starke Zweifel über die Berechtigung und Weisheit. PeterS, eine Frau zu krönen, herrschten der tV wt. . . einzige Praceoenzs.au veiras den falschen DemetriuS, welcher noch vor seiner Ver heirathung trnijManna Mnischek dersel den die Krone aufgesetzt hatte so un terliegt es doch keinem Zweifel, daß nur diese Krönung es Katharina I. möglich machte, den Thron ihres Gatten nach besten Tode zu besteigen. Denn zur selben Stunde, als Peter der .Groß seinen Geist aufgab, fand in einem der Säle des Palastes eine Berathung über die Nachfolge auf dem Throne statt und die Partei, welche für den Großfürsten Peter, den Sohn des so schmählich von seinem eigenen .Vater hingemordeten Älexei eintrat, hätte wahrscheinlich ge siegt, wenn die Gegner nicht aus die vor hergegangene Krönung Katharinas hät ten Hinmeisen können. Ihr Nachfolger, Peter II., wurde am 25. Februar 1723 gekrönt, obgleich er noch mindeijährig war. Der geheime Raih, welcher die Vormundschaft führte, überschüttete die nächste Umgebung deö Thrones mit Vergünstigungen, vergaß sich selbst aber auch nicht. Nach zwei Jahren bestieg wieder ein Weib den russischen Thron Anna, die Tochter Iwan II. und frühere Herzogin von Kurland Sieben Tage lang dauerten die Krö nungsfeierlichkeiten im pril deS Jahres 1730, im Ganzn den vorhergegangenen ähnlich, nur etwas kostspieliger sür daS Volk aber sie! nichts ab. Dagegen war den die ' Vertreter der. fremden Mächte bereits zu den Festen .herangezözcn und zum Dank dafür schrieb der spanische Gesandte Duca de Liria nach Madrid, das der russische Hof durch seinen LuxvS und durch seine Pracht , dii ersten Höfe übertresfeweisdort olle? reicher sei als selbst in Paris. Nach dem Tode Anna'S hatte die Regentschaft. BironS keine Dauer, und den ruisischen Thron bestieg am 1. Januar 1742 Elisabeth, die fräst strotzende Tochter des .großen Pter. Bei ihren Einzüge in . Moskau" empfing sie der Erzbischof von Nowgorod Am drosius, in dem Uspenski Ssobor mit einer hochpatriotilchen Rede, in welcher er die frühere .schwere Herrschast" der Deutschen drastisch schilderte und den

durch - Elisabeths 'Thronbesteigung ge

kennzeichneten Beginn emer remen na tional'ruittschen Aera prieS. Trotz ih r 1 i " k? . . rrt iri nnierwulsizietl unier- oie' wiuiajmi setzte sich übrigecS Elisabeth doch selbst die Krone auf und legte sich selbst den Kaisermantel um. Zahlreiche Medaillen wurden vertheilt, viele Münzen unter das Volk gevotfen, und Elisabeth selbst trat vor und nach dem feierlichen Essen in der Granowitaja Palata (dem Dia mantenlaaie) mehrmals an die . Fenster, um goldene und silberne Denkmünzen in die versammelte Menge zu schleudern. chon vor threr K öiura datte die Kal serin die Todesstrafe abgesch isft und bald nach derselben erschien ein UkaS, welcher vielen unter der .vorigen Reaieru'ng nach Ätbirien Verbannten freie Ruckkezr nach Rußland gestattete. Ueberhaupt zeich nete sich Elisabeth dadurch vor ihrem Vater vortheilhast, aus, daß sie . ihre Thronbesteigung durch bedeutende Be gunstlgungen auch weiteren reisen der Bevölkerung genehm zu machen suckte. Ihr Ncsse und Nachfolger, Peter III:, ist der einzige russische Kaiser, welcher nicht gekrönt worden ist und zwar blos deshalb nicht, weil seine berrschsüchtige Gemahlin ihm nicht die Zeit dazu ließ. Peter, welcher als Sohn Karl Friedrichs von Holstein Gottorp, des Gemahls der Zarentochter Anna, in der lutherischen Kirche erzogen worden war, hatte zwar aus den Wunsch seiner Tante den ane chischorthodoxen Glauben angenommen, allein er stand den Gebräuchen der StaatLkirche doch ste!3 fremd gegenüber. Deshalb auch sahen die echten Russen ne Thronbesteigung nur ungern und Friedrich II. von Preußen, zu dessen großen ereyrern velanntircy oer neue Kaiser gehörte, suchte letzteren zu bere den, sich so bald als möglich m krönen. .Diese Ceremonie," schrieb Friedrich, .zwingt da Volk zur Verehrung und es hat sich daran gewöhnt,- seine Herrscher geklönt zu sehen. Jede andere Nation würde dem Himmel danken, wenn er ihm einen Herrscher mit so außerordentlichen und bewunderungswürdigen Eigenschaf. ten, vie si? Eo. kaiserliche Majestät be sitzen, schenken würde. Allein diese Ruf sen, empfinden sie ihr Glück? .Wnd nicht der verdammte Blutdurst irgend Je mandes ihm Gelegenheit bieten, seinen Vortheil in einer Verschwörung oder Erregung deS Landes zu Gunsten des 'raunschweigischen Prinzen zu finden ? Erinnern Sie i' ch, Kaijerl'che Majestät. was bei der ersten Abwesenheit Peter I geschah, als seine leibliche Schwester ge gen ihn eine Verschwörung anzettelte !' Peter antwortete sehr selbstbewußt: '.Ew. Majestät schreiben, daß ich nach Ihrer Meinung mich krönen soll, ehe ich in' Feld.ziehe, namentlich wegen der Beue hungen zum Volke. Allem ich muv Ih nen sagen, daß ich, da der Krieg bereltZ begonnen hat, keine Möglichkeit sehe. mich vorher zu krönen und zwar gerade wegen des Volke?; ; die Krönung muß nach altem G.draucke prächtig se n und es ilt Mir Nicht möalich, eine glän;ende Klönung zu vkranstalten, da ich hier da zu nichts schnell finden kann Was Iwan (oni eingesperrten Thronprätendenten) betrifft, so halte ich ihn unter strenger Aussicht, und wenn vie Russen mir Böseö zufügen wollten, so hätten sie das ängst lhun können, da ich, wie sie sehen, gar keine Votsichtsmaßregeln ergreife , und unbesorgt durch 'die Straßen wandere. Ich kann Sie versichern, daß wenn man mit denselben umzugehen versteht, man ihretwegen ruhig sein kann." Wenige Monate darauf wurde Peter III. ent thront und umgebracht. Der Preußen fönig hatte R cht. der Zar Unrecht sein e genes Volt kümmerte sich nicht im Geringsten um ihn. ' ; . Allein gekrönt wurde er doch, wenn auch- in ungewöhnlicher Weise. Als nämlich nach dem Tode Katharina II. ihr Sohn Paul den Thron bestieg, ließ dieser sofort den Leichnam seines ermor detenVaterS im Alexander Newskikloster auSgraben, in, einen neuen prächtigen Sarg legen und in der Klosterkirche ausstellen, wo den Gebeinen feines Vaters genau dieselben Ehren zu Theil . wurden wie der Leiche seiner Mu?ter im Winter palaiS. Die KrönuvgSinsiqnien wurden tn feierlichem Aufzuge um 7 Uhr Abends tm December.bei20Gr. Ktlte! nach dem Newskikloster übergeführt; mehr alS 30 Trauerwagen befanden sich im Zuge und in jedem Wagen faß ein in tiefe Trauer gekleideter Kavalier, welcher em ?tucr, oer egalien hielt! Wann wurde der. 'Sarg .mit den .Ueberresten PeterS, auf welchen der Kaiser sclbst eine Krone gelegt hatte, in' feierlicher Pro zession nach dem Winterpalais gebracht und dort neben dem Sarge der gatten mörderischen Katharina niedergelezt. Graf Alexei Orlom, einer der Hauptmörder Peter III. mußte auf Befehl Pauls am Sarge des vor 35 Jahre Er mordeten Wache halten und bei der Be erdigung hinter dem Sarge' die Krone tragen. Bei der Uebeführung der Lei chen aus dem Winierpalais nach der PeterPaul-kstilng wurde der Sarg mit den sterblich. Ueberresten Peters vor demjenigen mit dem Leichname der Kai ferin getragen. So rächte Paul feinen Erzeuger an seiner Mutter. Vor der Nachwelt hat diese späteRache deS Sohnes doch ein milderes Urtheil gefunden, als die Heuchelei der Gattin Katharina 11 . welche schon acht Tage nach, lhrer . Thronbesteigung in einem Manisksl den Tod ihreZ Mannes in lüg tierischer Weise darstellte und noch am selben Tage die Krönung für den 22. Sevkember 1762 ankündigte. So eilig hat es kein russischer Herrscher gehabt, aber man begreift diese Eile, wenn man erwägt, daß Katharina wahrscheinlich, wie Herr 2& Shmakin in einem. Artikel der .Rußkaja Starina über Krönungen russischer Kaiser .hervorhebt, den Blies Friedrich 11. in dem Nachlässe ihresMannei gesunden und gelesen hat. Der Ein; zug Katharina's auS dem bei-Moskau gelegenen kaiserlichen Schlosse Petrowski in Moskau und die Krönung erfolgte in der üblichen Weiset Weiblicher Eitelkeit war, natürlich nichts zu theuer. Katharina lieh sich für 2 Millionen Rubel eine neue. Krone von dem Genfer Juwelier Pauzie anfertigen sie Ment beute voch, wenn auch ein wenig verändert, al Kai . serkrone. Dieselbe ist mit 63 großen und 4873 kleinen Brillanten, sowie, mit 7S großen matten Perlen besetzt, wiegt fünf

Pfund und ist gegen 30 Centimeter hoch,

während die im Jahre 1855 von dem Juwelier N'chollS verfertigte Krone der Kaiserin kaum die halbe Höhe hat. W:e die nachträgliche Krönung Peter III.. welche der eisiaderische Geist deS Kaisers Paul in Scene setzte, so zeichnete sich auch die.Krunung des Letzteren selbst am 5. April 1797 durch manche Abson derllchrelten aus. Am feierlichen Aufzuge mußten alle bei Hofe anaestellten Personen. Kammerherren und Kammer junker tbeiinehmen. und da diese sich wohl auf dem Parket zu bewegen, aber nicht auf dem Pferde z't sitzen verstanden, so herrschte im Zuge die komischeste Un Ordnung, welche noch durch einen schar f.n Frost gesteizert wurde. Beider Krönung begnügte Paul sich nicht blos mit den bisher üblichen Jn'ignien, son tern er zog auch noch ein Kleid an, wie eZ die alten Zaren bei solchen Gelegen heiten gebraucht hatten, und darüber warf er den Purpur. Nachdem Paul sich die Krone aufgesetzt, ließ er sich' auf den Tbron nieder, legte die Regalien aus ein K ssen und rief die Kaiserin zu sich; die selbe ließ sich vor ihm auf die Knie nie de? und Paul nahm seine Krone vom Haupte, berührte damit das .Haizpt sei ner Gemahlin und setzte sie sich wieder auf. Dann schmückte er die Kaiserin mit einer kleineren Krone, dem Andreas Orden und dem kaiserlichen Mantel. Paul bezeichnete sich bei Verlesung der Akte über dieThronfolge zum ersten Mal ossiziell als das Haupt der Kirche und reichte sich daher auch selbst dos Abend mahl. Reben diesen Neuerungen der Doppelkrönung und dem Empfang des Abendmahls begegnen wir noch einem anderen ungewöhnlichen Umstande.näm lich der Verleihung von Orden an die Geistlichkeit. Uebrigens verschenkte Paul bei seiner Krönung nicht weniger als 82,000 Bauern ! Allerdings haben.diese ihm auch eine Wohlthat zu danken, denn er beschränkte in einem UkaS, welcher vom KrönungStage datirt ist, die Arbeit, welche die Bauern den Gutsbesitzern zu leisten hatten, auf drei Taae in der Woche, und verbot den GutSbesitzern.die Lauern an Sonntagen zur A'rdelt zu zwingen. Alexander I . dessen K önung am 15 September 1801 erfolgte, dürste der ein zige russische Kaiser gewesen sein, welcher sich ganz ungernrt unter den Volksmas sen bewegte und dessei Thronbesteigung mit unverhohlener Freude von allen leiten begrüßt wurde. AuS dem Aus lande waren Griechen. Grusinier, Eng länder, Franzosen, Deutsche und Hol länder nach. Moskau gekommen, um Zeugen der Festlichkeiten zu sein und der gemeine Nasse zeigte bei mehr alS einer Gelegenheit eine wahrhast hündischeVer ebrung sür den neuen Her, scher, dessen NegierungZantritt ja allerdings nach dem schreckenSregimente Pauls alß die Mor genröthe einer besseren Zeit erscheinen mußte. Der junge Zar überschüttete denn auch seine Uterttzanen mit Gna denbezeugungen, unter denen die Bcsrei ' ung der zahlreichen Eingekerkerten und Verbannten den besten Eindruck machte. ' Sein Nachfolger hatte erst einen Auf stand niederzuwerfen und die unglückli chen Urheber desselben hangen zu lassen, ehe er an die Krönung denken konnte. Am 22. August 182 setzte Nikolaus I. sich die Krone auj's H lupt und die Hos bistoriograph'n melden, daß die Begeisterung deS Volkes keine Grenzen mehr gekannt habe, als der Kaiser, mit allen Regalien versehen, nach der Krönung auS der Himmelfahttsklrche die Nöthe Treppe hinaufstieg, auf der obersten Stufe sich umdrehte und -mit einer drei malizen Neigung des KopfeS feine ge treuen Unterthanen grüste ! Dem Volks feste auf dem ausgedehnten Dewitschje Felde, an welchem 200,000 Menschen theilgenommen haben sollen, sah j doch der vorsichtige Mann mit den. beiden Kaiserinn von einem P villon zu. Die Reihe der Festlichkeiten auch die Ge sandten Frankreich? und Englands ver anstalteten zu Ehren des Kaisers zwei g'änzende Bälle schlok mit einem Balle der sehr reichen u b sehr frommen Grä sin Orlow (der Gemahlin deS Siegers von Tscheöme). welcher durch seinePracht alle anderen übertraf. Auch Erleichte rungen glaubte Nikolaus wie seine Vor fahren bei ähnlichen Gelegenheiten sei nem Volke verschaffen zu müssen. Selbst einigen Dekabristen wurden solche zu Theil. Allen Personen, jedoch mit Ausnahme der Juden, welche i l das AuS land geflüchtet waren, wurde straffreie Rückkehr gewährt. Eingedenk der ge wallfamen Art, in welch r er selbst auf den Thron gelangt war. erließ Nikolaus I. noch am Tage der Krönung ein G.setz wegen der Thronfolge. Das Schicksal hat ihn aber lünge genug leben l ,ssen, um noch selbst den Zusammenbruch sei nes Systems zu sehen. Erst ein Jahr.nach seiner Tbronbeste! gung. d. h. nach dem Abschlüsse des Pa rlser Friedens, durste Al xander 11 an seine Krönung dekln und dieselbe fand deshalb erst am 26. August 1856 statt. Wie heute, so stiegen auch damals die Vreise in Moskau in's . Fabelhafte und Alexander 11 . welcher von dem Werth des Ge des nie einen rechien Begriff' ge habt hat, versäumte nichts, um die Feier zu einer außerordentlich ' glänzenden zu machen. Die Krönung selbst vollzog sich nach dem üdli hen Ceremoniell. nur daß aus dem. in der Mitte der Kathedrale ausgebauten Throne drei TbronMl ousgest?llt waren: der Thron Iwan 111. für den Kaiser, detjenige des Zaren Mi chael sür die regierende und derjenige deS Zaren Alexei sür die vermittmete Kaise rin. Zur KrS ung Alexander 11 wur den auch schon Gemeindeälteste der Do mänenbuern und' Kolonisten, je einer auS j?dem Gouvernement des europäi schen Rußland, als Vertreter der damals allein freien Bauernsbast nach Moskau berufen. ' ' DaS Vo lssest wurde auf dem Chodynskischen Felde abgeha'ten und statt" an den üblichen zwei Fontänen konnten die Moskowiter sich an wenig' UenS. sechSjkhn' Fontänen mit weitem und rothem Wein satt' und volltrinken. Wre bei der Krönung Alexander 1' wuden auch diesmal d.e mit Speisen' bela denen Tische von der Masse vollständig geplündert, noch ehe . der Kaiser gekommen war,- angeblich weil dasGlockenzeichen zum Beginn der Speisung aus Versehen zu stüy gegeben wurde. Als

die beste Gabe, welche der Zar bei dieser

Velegenhett seinem Bolle darbrachte. sind ohne Zweifel die Erlasse anzusehen, durch welche auf vier Jahre die Rekru tenauShebungen emgestellt und sammt liche noch am Leben befindlichen Dekabri sten und Thcilnehmer deS polnischen AusstandeS der Freiheit wieder gegeben wurden. Ein UkaS hob die besondere Steuer für Auslandspässe auf und ein anderer schaffte die unsinnige Bestim mung wegen Aufnahme minderjähriger Jltden als Rekruten, sowie die Rekruten forderung von den jüdischen Gemeinden als Strafe für Steuerrückitände ab und stellte die Juden überhaupt unter das selbe Rekrutirungsgesetz, welches für alle anderen Russen Gellung hatte. ' Alexan der 11. begann seine Regierung mit einer Anzahl lobenswerther Reformen, denn der neue Kaiser war, wie er damals er klärte, der Ansicht, daß eS besser sei, ein Uebel von oben herab zu zerstören, als bis zu der Zeit zu warten, wo dasselbe ansängt, sich selbst von unten her zu ver nichten." Sollte der dritte Alexander noch immer nicht begriffen haben,' wie viel Wahre? in ' diesen Worten seines Vaters liegt? : , . . - Sefiiyrliche .Begegnung. j ' Ein ASenteu:r im tonischen Unvald. Von Friede. ch Jimmeeman. Unter den kleinen Andenken und Merk Würdigkeiten, die ich von meinem ameri konischen Streifzuge mit heimgebracht, befindet sich auch die Rassel einer Klap' perschlange.' Ich betrachte sie zuweilen gern und erinnere mich jener Z:it, wo ich aus reiner Lust an Abenteuern, Stra patzen und Mühseligkeiten aller Art frei willig ertrug und mehr als einmal mein Leben leichtsinnig in die Schanze schlug Roch jetzt sind mir jene unvergeßlichen Minuten starrer Todesangst lebendig ge genwartsg, die mich zum erstenmale mit erner Klapperschlange in nähere Beruh rung brachten und mir zu der oben er wähnten Trophäe verhallen. Die Klapperschlange, eine der gefährltchstenGiftschlanoen Nordamerika'S, sin det sich daselbst südlich vom 45. Grad sehr zahlreich, und alljährlich fallen ihr eine Anzahl Menschen zum Opfer. Die tSdtlicheWikkung deS Bisse S tritt so sch c0 ein, daß bei dem Mangel arr ärztlicher Hülfe der Gebigene fast niemals zu retkennst. ' Alle jene interessanten Gesch?ch ten'von wunderbaren Heilungen lind größtentheilS in das Gebiet der Reise schriftstellerPhantasieen zu verweisen. Mir ist niemals emMensch begegnender einmal von einer Klapperschlange gedis sen, mit dem Leben davongekommen wäre, dagegen hat man mir Dutzende von Fällen zur Warnung erzahlt, m de nen der Tod nach wenigen Stunden den Unglücklichen ereilte. Die große amerikanische Klapper schlänge (rattls Lliake) ist ausgewach sen 6 bis 8 Fuß lang und von enormer Dicke, wie ia überhaupt sämmtliche Glst schlangen sich von den ungesährlichen tchon äußerlich durch den mit ihrer Länqe verglichen, unverhaltn,kmak,gen Um - fang auszeichnen. Dieser Umstand und die Thalfache, daß das Repiil selten un gereizt angreist, verbürgen dem Reisen den, besonders unglückliche Zufälle abge rechnet, eine verhältnißmäßige Sicher Hut. Es liegt auf der Hand, daß man bei einiger Vorsicht im Stande ist, einer -Begegnung auszuweichen, denn die Gro ße des Thieres und die lebendigen Far den des beschuppten LeibeS erregen die Aufmerksamkeit des Jägers, der die Ur Wälder durchstreift, schon auf eine gehS rioe Entfernung. Man müßte gerade zu blind fein, wollte man auf- eme Klapperfchlange treten, wie es so bäusiz bei oer kleinen und deßhalb gefurchteren Mozassinschlange vorkommt, dle glucklt cherweise viel seltener ist. DaS warnende Rasseln der Schwanznnge hört man da gegen nicht immer, besonders nicht bei feuchtem Wetter, und man thut daher gut, sich mehr auf seine Augen, als aus seine Ohren zu verlassen, was ich überhaupt jedem anrathen möchte, der gleich mir einmal in die Lage kommen sollte, sich Wochen, a Monate lang im Urwald he rumzutreiben. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen will ich zu schildern versuchen, auf welche Weise ich die persönliche Bekanntschaft des alftigen ReptllS machte. Wir meine JagdgenosZen und ich waren schon einige Wochen den Red Rl ver auswärts gewandert, ohne von ge fährlicheren Bestien, als etwa Mosqui tos. belästigt zu werden. Von der K.ap perschlange hatten wir zwar viel gehört. denn kein Farmer, bet dem wir elnspra chen, unterließ, unS warnen und die üb lichen Schauergeschichten zu erzählen. aber niemals war uns noch das Reptil selbst zu Gesicht gekommen. Wir sinaen an lässiger zu werden, und die Gefahr gering zu schätzen, denn nichts stumpft so sehr gegen wirkliche Fähilichkeiten ab. als täglich darüber zu sprechen, ohne ih nen jemals zu begegnen. Man fängt dann nach einer kurzen Pcnode ubertrie bener Aengstlichkeit leicht in den entge gengesetzten Fehler. Alles für thörichtes Geschwätz zu halten, die Sache von der leichtsinnigen Seite zu nehmen und jede Vorn t zu verachten. In den letzten Tagen waren wir, in dem wir unö nach Süden zum Flusse abwendeten, in ei schönes hügeliges Waldland gekommen, wo es uns aus nehmend gefiel, denn die Sumpfnieder ung deS Reo River ist ein nichls weni ger als angenehmer Aufenthalt. Wir hatten einmal wieder anstatt des schwan kenden BodenS festen Grund unter den Faßen, freier athmete die Lunge als in oer dul steschwanertem Alhmosphäre jene? Striches, und das :Auge .ergötzte iich an den. wechselnden Scenerien von Berg und Thal. , . ;r An einen reizenden, Abhang, bei e'mem kleinen, aber kiystallenen Quell machten mir an jenem Tage Rast, indem wir be schlössen, trotzdem es noch Nicht Mittag war, nicht Weiler zu gehen. Die Pferde wurden abgesattelt, angepflöckt, das Mit tagbrod. . destihind.aus in der Pfanne ,k!rstgeb.-ae',en Maisorod, etwas trocke nem Büffetfleisb und einen Becher dun nen Kasfees auf einem schnell angezündeten Feuer bereitet, und dann streckten wir uns behaglich am Boden aus. setzten die Pfeifen in Brand und plauderten.

Die frohe Sorglosigkeit eines solchen

WaldlebenS lst mtt ntcht zu vergleichen. Sie allem entschädigt für dle Strapazen und Entbehrungen, die es unvermeidlich mit sich bringt. Obgleich mir elgentllch em Tag ,ser Erholung sehr nothwendig war, ließ mir d iS Jagdsieber doch keine Ruhe. Kaum war die größte Sonnenhitze vordn, als ich aussprang, die Buchse ergrrn nnc An stalten zu einem Pürschgang traf ; wir waren feit drer Tagen odne frisches Fleisch, und deßhalb em Braten sehr er wünscht. Ich wendete Mich dem Lause des Ba ches nach, der unstreitig in eine ThalNiederung sühren mußte, deren D dichte. wie ich aus Erfahrung wußte, stets iliMiö in Menge bargen. E mußte noch früh, nach dem Stande der Sonne etwa vier Uhr Nachmittags sein. Meme Taschen uhr konnte ich leider nicht um Rath fra gen, da tch bereits seit emer Woche ver gesien,sie aufzuziehen Eme Uhr imWalde ist in derThat ein so unnützes Möbel, wie et Spiegel oder em Stiefelknecht. Man glaubt gar nicht, wie bald sich der Mensch civilisirter Bedürfnisse ent wöhnt. Ich hatte noch - mehrere Stunden bis zumAnbruch der Dunkelheit und brauchte oaher nicht zu eilen. Behaglich schien derte ich die Büchse unterem Arm, in ei ner herrlichen Thalsohle dahm. Dem Eindruck, den eine großartige, mich um gebende Natur auf mich ausübt, habe ich mich nie gänzlich entziehen können niemals und unter keinen Verhaltntsjen. Es mag wohl sein, daß mir der rechte Iägersinn abgeht, denn selbst inNomenten der Erregung, auf dem Anstand oder r . i"v . . . w vn 'fv.o i. 1 iaus oer üayrle oes liors lonnie tu, nicht unterlassen, die Augen vom Boden fort und aus die Waldscenerie zu lenken. Gerade so erging es mir auch dies mal. Den eigentlichen Zweck meines Ganges, sowie jede 'Vorsicht vergaß ich über dem bewundernden Anschauen der herrlichen Vegetation, und so schlenderte ich fast träumend dahin. Da schreckte mich ein eigenthümlicher Ton auf er klang ähnlich dem Gerausch, welches Kinder hervorzubringen pflegen, indem sie Erbsen in einer getrcck ueten Gansegurgel schütteln. ES hatte etwas Unheimliches, etwas AlarmirendeS an sich und folgte in kurzen Piufen mehrmals auseinander. Unwillkürlich blieb ich stehen und spähte um mich, wäh rend ich die Büchse schußfertig machte. Nichts war zu sehen. Entweder hatte ich Mich getäuscht, oder irgend ein Vo gel, vielleicht ein Specht, war der Ur Heber. Ich entschloß mich daher, meinen Weg fortzusetzen, aber kaum hatte ich einige Schritte gemacht, als daS eigenthümli che Rasseln schärfer und deutlicher er tönte. Meine Augen flogen blitzschnell nach der Richtung des Schalles, und da bemerke ich denn die Gesahr, der ich mich ahnunatzlos genähert. Eine ungeheure Klapperschlange lag zusammengerollt fast unmittelbar vor ml?, am ufce eine Naulbeerbaum'S, die Ringe sprungfer tig straff gezogen, die Rasse! kerzengerade aufgerlchlet und den glaiien, tchuppenge vanzerten Kopf etwa aus der Mitte der , i. AZlndung eryoven. "AJit stlanzenoen Augen des Reptils waren funkelnd und glühend auf mich erichlet und die lange, gespalteneZange ging hin u.wieder . alles die uoersay ich mit einem Blick. Daß ich überrascht und erschreckt, ja etwas fassungslos war, darf ich frei zu aeitehen. Der Anblick einer großen Schlange hat etwas mechanischErstarren des die tückischen glänzenden Augen, der glatte Leib. daS Bemuktsein der tödt lichen Wirkung ihres Bifies erregen ein Gefühl, das zwischen Furcht, Wider willen und Grauen schwankt. Es war der Tod in seiner widerlichen .Gcstalt, der uns angrinst. Heftig trat ich nach rückwärt, indem ich zugleich instinktiv den Hahn des Schroitlaufes meinet Äuchsstmle spann te, ohne mir eigentlich Rechenschaft über mein Thun zu geben. Unglücklicher weise verwickelte ich mich dabei mit dem Fuße in einer am Boden dahinkriechen den Wurzel, stolpere und stürze rücklings zur Erde. Von dem Entsetzen, daS in diesem Moment mein Herz mit eiskalter Hand packte, vermag ich dem Leser keinen Be griff zu geben. Ich hielt mich für ver loren, überzeugt, daß die gereizte Schlange meinen .Sturz alS das Sig nal zum Angriff ansehen und auf mich losfahren würde. Schon glaubte ich den Glftz?hn des R'PtilS in meinem Fleische und mich von ihren erstickenden Windungen umringelt zu fühlen. Mein Denk und .Empfindungsvermögen war einige Sekunden vollständig paralysirt daS Herz fetzte geradezu seine Schläge auS nnd der Athem stand mir still. Ich hielt meinen Tod für gewiß. Dann schoß mir das Blut wild in die Schläfen und ich erhielt die Besin nung wieder.' Noch war ich nicht gebif sen, noch war Rettung möglich. Ich wurde mit einem Male ruhig und v:r mochte klar über meine Lage nachzudenken. .Nur keine heftige Bewegung !" rief ich mir selbst zu, '.um'S Himmclswillen, Besonnenheit.. Langsam wagte ich endlich den Kopf zu beben. Die Schlange lag noch aus dem alten Fleck, nur die Ringel hatke sie straffer zusammengezogen, den Hals hoch emporgercckk, wodl einen Fuß schwankte er über bem gräulichen Knäuel des Leibes, der Kops war zurückgebogen, der Rachen geöffnet so zischte sie mich angriffzderell an. Wir starrten einander eine Zeit lang regUNgöloS an, jeder den Angriff,, des Anderen erwartend.. Ich wußte, daß die geringste Bewegung meinerseits die Schlange zum Sprunge reizen konnte und wagte daher nicht, mich zu rühren. Mein ganzes Sinnen und Denken war darauf gerichtet, einen AuSmeg auS meiner fürchterlichen Lage zu finden. Die Gedanken, kreuzten in meinem Gehirn, und wie ich mich ganz deutlich erinnere, klar und sicher. So konnte eS.nkcht bleiben ich muß' te einen Entschluß fassen. Aufspringen und.fliehen wäre Wahnsinn gewesen ebenso, zu verweilen, in der Hoffnung, die Schlange werde ihrerseits den Rück zug antreten. Langsam,' die Augen

starr meiner Gegnerin zugewendet, zog ich die Büchse an mich und sing dann vorsichtig an, den Oberkörper zuheben. Die Schlange beobachtete mich ausmerksam, der HalS schwankte hin und her, die Windungen de5 Leibes zogen sich U0 ster und fester und höher reckte sich der Kops. Was ich in jenen qualoollenAu-. gendlicken ausgestanden, was mir AlleS für Gedanken kamen, läßt sich nicht wievergeben. Mein ganzes vergangenes

eden zog noch emmal blitzschnell an meinem Geiste in bunten Bildern vcru ber, die Gestalten meiner Llkden, die ich im Vaterlande zrückaelasien, traten vor meine Aucen und sahen mich traurig an. Und ich sollte hier im wilden Wald, fern von ihnen, eines so elenden TodeS ster ben ? Nem," schrie es in mir, eS kann nicht sein ! Nur Ruhe und Besonnen heit, noch ist ja Aussicht auf Rettung !" Ati'.tlerweile hatte ich michLinie fürLmie aufgerichtet, bis ich in eine sitzende Position gelangte, und sing an behutsanr meine Buckse m die richtige Lage zu d tt . , j . oringen. 2) wühle, dafe sie meine lexle Hoffnung war. Der Schrotschuk muß te auf diese geringe Entsernung von zer schmetternder Wirkung sein. Nicht zu athmen wagte ich während meines Be ginnens. Noch etwas höher den Lauf. ES gelang der Kolben lag an meiner 'zange. Ich bin sicher, daß ich weder Korn noch Visir sah,denn vor meinen Augen begann es grun und roth zu flimmern. Mit ge waltsamerAnstrengung suchte ich daS er regte Blut zu zwingen. Noch ein Blick über den Lauf, der gerade auf den Kopf der Schlange gerichtet war, welcher ja den gefürchteten Giftzahn barg, den zu vernichten mein einziseSBestreden dann Machte der Schuß. Zugleich schnellte ich ohne mich von semer Wirkung zu überzeugen, empor und rannte, vie von Fu--rien gehetzt einige hundert Schritte in den Wald hinein. Ich war außer aller Gefabr dem Tode entronnen. Wer das Gefühl noch nicht an sich erfahren hat,dem ist es nicht klar x machen. Wie eine Ohnmacht besiel eS mich, und erst nach geraumer Zeit vermochte ich, mit zitternden Händen den flbgefchofv senen Lauf zu laden, woraus ich mich vorsichtig dem verlassenen Orte wieder näherte. Der Schrotschuß hatte gut getroffen der K;,'pf derSchlange war vollständig zerfetzt rnid vom Rumpfe getrennt. Mit einer seltsamen gemischten Empfindung von Freude und Grauen setzte ich mich in einiger Entfernung nieder und beobachtete den schwäch?? werdendenTodeskampf W . fV r t ' oes nepll 5,ols nur noch l tc Zuaungerr verriethen, oaß cs einst Leben bellsjen habe. Dann trat ich hinzu und schnll! vie. Schwanzrasiel, deren Warnung ich meine Rettung verdankte, als Siegeszeichen ab. Sie zählte dreizehn Hornringe, ein Beweis, daß die Schlange von der 2Ue-' sten i n) stärksten Art war. Mit Bewunderung betrachtete ich die C&Xia 0!m.m K O ! c . a v Cs....-J-,,"a J VtVl9, 11(1 l UUII' lichgrau und unten am Bauche hellgelb gesärbt war. Aus den Rücken befanden sich achtzehn schöne dunkle, gelb, geränderte Flecke, die Schwanzkpitz: war schwarz und lies in die oft erwähnte Klapper auS. Die überstandene Angst und Aufregung batten mich dermaßen abgespannt, daß ich unfähig war, meinen Vorsatz, der Jagd obzuliegen, auszuführen. So schlang ich einen Riemen nm den Leib des Reptils rnic kehrte, ihn hinter mir herschleifend, noch unseren Lagerplatz zurück, wo mich meine Freunde mit nicht geringem Erstaunen empfingen. - Die Haut der Klapperschlange verarbeiteten wir später zu zwei schönen Schrotbeuteln, die leider verloren gegangen, die Rassel aber bewahre ich noch heute zum Andenken an meine Abenteuer im texanischen Urwald und an jene unvergeßlichen Minuten entsetzlicher Todesangst, Aug' in Auge mit einer Klapperschlange. I m O p e r n h a u s e von Bury spielte sich unlängst eine äußerst ausregende Scene ab. Während der Aufführung von Onkel Tom'S Hülle kamen in der ffluchlscene deS George Harris, welche Rolle der Schauspieler Hermann inne hatte, drei große Bluthunde auf die Bühne. Durch ein Versehen hatte man es unterlafftn, den machllgen Thieren die Maulkörbe anzulegen, und die Doggen stürzten sich nun in vollem Ernste auf Mr. Hermann, der, sofort zu Boden gerissen, aus vielen Wunden blutete und in großer Gesahr stand, zerriffen iiu werden. Ein kräftiger Neger Namens Edwards, der in dem Stücke mitwirkte, und der Theaterdircctor Purcel warfen sich muthig auf die ganz wild gewordenen Bestien und überwältigten sie nach einem heißen Kampfe. Im Publikum herrschte, wie leicht denkbar, die größte Ausregung. Der Vorhang fiel. Nach einer halben Stunde erschien Mr. Hermann, besten nicht unbedeutende Wunden inzwischen verbunden worden waren, wieder auf der Bühne und spielte mit bewundernSwerther Kaltblütigkeit seine Rolle zu Ende, wobei der Kampf mit den Bluthunden, die jetzt aber nicht wieder ohne Maullörbe ersqienen, wiederholt wurde. Ein vielbeschäftigter Arzt hatte unter seinen Patienten eine Dame, die in einem von seiner eigenen Behausung sehr entfernten Stadttheile wohnte. Eines Tageö sprach dieselbe ihr Bedauern darüber aus, daß sie dem C. k? f i f.! !S. f. ! cr f t . yinu ;uiiüi icuct CinCC HHC)C einen so weiten Weg zumuihen müffe. .Bitte, bitte, meine Gnädige !" antwortete derselbe mit eisiger Eomplaisc.ncr .Sie brauchen deßwegen keinerlei Be denken zu b:gen. Ich habe ohnehin ganz ia J'zrer Rähe noch eine andere Patientin und schlage demnach zwei Fliegen auf einmal todt!" A löeinbilligeSJergnügen an regnerischen Sonntagen pflegt ein Ehepaar ein kleines Kartenspiel zu Zweien vorzunehmen. Dabei enlspinnt sich einmal folgende Unterhaltung: Sie: .Um was wollen wir spielen? Er: .Um was Du willst.- Sie: .Spielen wir um einen Sammetmantek, Männchen! Wenn Du verlierst, such' ich ihn aus, wenn ich verliere, fuchst Du ijs aus.