Indiana Tribüne, Volume 6, Number 256, Indianapolis, Marion County, 3 June 1883 — Page 3

Forschung und hygienischen Zusammen Wirkens gewährt werde. In dem Pavillon des kaiserlichen Ge sunheitsamteS sind Karten aufgehängt, auf denen die 'Ursachen der Sterblichkeit, Wie Schmindsucht, Diphtheritis. Schar lach, Typhus u. s. w. graphisch dargestellt sind, und die. für verschiedene Di strikte gar gewaltige Unterschiede erge den. ES ist nun die Aufgabe, welche die Hygiene stellt, die Ulfachen dieser Ver schiedenheiten zu ermitteln, denn nur wenn dieselben richtig erkannt sein wer den, ist an rationelle Abhülfe zu denken Bis jetzt sind dte Ursachen verborgen, ober sie müssen ermittelt werden und zu nächst zwar auf dem Wege der Verglei chunz. Deshalb sind die Schwankun gen der Temperalur. des Lustdrucks und deS Grundwassers jener Distrikte eben falls aufgezeichnet und -in Gestalt von übersichtlichen Kurven den graphischen Darstellungen der Moralität hmzuge fügt, in der Hoffnung, daß eS einst mög lich sein wnd, einen Zusammendang zwischen den meteorologischen Erscheinungen und dem Auftreten der Krank heiten zu ermitteln. In welcher Weise die Schwankungen der Temperatur, des Lusldrucks, der Windrichtung, deS Grundwassers selbst thätig registrirt werden, das sehen wir an den Apparaten des meteorologischen Pavillon?, an den Negenmesiern und den Instrumenten, welche zur Beobachtung der Vorgänge in derAtmosphäre dienen.. So sinden wir, wie jne Karten in innigstem Zusammenhange mit den sinn reichen Instrumenten stehen, welche zur genauen Feststellung physikalischer Er scheinungen in der Natur ersonnen wurden, und sehen, wie die stat stachen Er Hebungen der Aerzte mit den meteorolo' gischen Aufzeichnungen zusammengeführt werden, bis entweder ein Zusammenhang erzielt, oder die Ueberzeugung gesonnen wird, da die Ursachen von Epidemien anderweitig zu suchen sind. - Vergegenwärtigen wir uns, welch un geheures Material erst gesammelt werden mußte, ehe jene Karten angefertigt wer den konnten, welche Denkarbeit und welche technische Geschicklichkeit ersorderlich war, damit jene Instrumente die möglichste Vollkommenheit erreichten, so können wir uns ungefähr einen Begrisf von der kolossalen Arbeit machen, welch die ganze Ausstellung reprüsentirt, aus deren reichem Schatz wir nur ein einziges Beispiel herausgriffen. Es ist die Arbeit der civilisirten Welt auf demGebiete der praktisch: Humanität, und daß die A'sten der Nationen derselben ihre Kräfte widmen, möge denen gesagt sein, welche die Meinung zu verbreiten suchen, die Welt ginge moralisch zu Grunde. Im Gegrnttzeil, die HygieneAusstellung zeigt, wie wir vorwärts schreiten. Und träre diese Ueberzeugung der einzige Gewinn, den der Besucher der Ausstellung erwirbt, so kann er nicht hoch genug angeschlagen werden; denn was könnte erhebender sein, als das Ge suhl, einer Zeit anzugehören, in der die helfende Liebe Leben gewinnt, wie nie zuvor? ! Wer auf den Kern der Ausstellung zu dringen gesonnen ist, der sinvet ein fast überreiches Material, an dem sich die Humanität manifestirt, und diejenigen, welche gewohnt sind, dem Ernst des Le bens aus dem Wege zu gehen, sinden in dem äußeren Schmuck der Ausstellung ernt d,. aewünschle Zerstreuung, sei cs nun, daß sie das köstliche Panorama von Professor Hertel besuchen oder durch die Strll.kohlengrube wandern, den Tauchcrn zusehen oöer den Maschinen, welche das elektrische Licht liescrn, die Ventila' tion in Tdätizkeit sehen, sich in dem Gebäude für Feuerbestattung leicht angraulen, in den. Volks- und Militär lüchen von den Speisen kosten, MineralWasser, Chokolade und Kasfcesurrogate prodiren und nach all diesen Anstrcngungen sich im Freien erholen, indem sie den Musikkapellen l tuschen, bis bei ein tretender Dunkelheit die Ausstellungsstadt im Zauber künstlicher Beleuchtung erstrahlt. Etwas ist für Jeden Vorban den, da die Auöstellungs'Eommission Sorge trug, den ernsten und der Natur der Sache entsprechend mitunter trüben Einzelheiten Fröhliches und Erfreuendes zur Seite zu stellen, wie ja auch draußen tn der großen Weit Leid und Lust dicht neben einander wohnen. (Berliner Montagsbl.)

LiterarischeS. Die berühmte Mrs. Pott, welche die Entdeckung gemacht hat, daß Shake speareZ sämmliche Werke von Bacon herrühren, machen wir darauf 'aufmerk, sam, daß auch in Deutschland in der Art noch viel zu entdecken ist. Wer bat z. B. Goethe's Werke ge schrieben? Diese Frage muß immer noch als unaufgeklärt gelten, falls man nicht, vozu man doch von Niemand gezwungen werden kann, annehmen will, daßGoethe selbst es gewesen. Offenbar war Goethe viel zu sehr beschäftigt, als daß er auf so zeitraubende Unternehmungen, wie das Schreiben seiner.sämmtlichen Werke eine ist, sich einlasien konnte. Ohne Mrs. Potts Scharssinn vorgreifen zu wollen bemerken wir, daß einiger Verdacht auf Eckermann ruht. Es kommen wenigstens Aehnlichkeiten Beider vor, die nicht auf bloßem Zufall beruhen sönnen. Dazu gehört der häusige Gebrauch' des.Wörtchens Und". s Und wie sieht eS mit Schiller? . Wer hat Schiller's Werke verfaßt ? Er selbst sagt nichts darüber. Fände sich gar lein Anderer dazu, so hätte immerhin die Annahme ctoas für sie), daß sie von Goethe herrühren. Möchte Mrs Pott doch recht bald diesen Verhältnissen ihre Aufmerksamkeit zusenden und uns das so nöthige und erwünschte Licht über dieselben anzünden! Auf dem. Schießstand in Bayern. Soldat: Mordsacra, wieder g'sehlt. Nu möcht' i doch wissen, aas an rnci'rn G'lliehr is; t halt allemal genau in's Centrum, un allemal fehl i d' Scheiben. Lieutenant: Wlsien's, Jhne Ihr Ge wehr hat zuviel Centrifugalkraft.

Iie gefrorene SkoQe.

HuOrtlkvore xlix. In einem kleinen mitteldeutlaenStädt chen besteht feit einer langen Nähe von Jahren die in weiteren Kreisen wohlbe kannte Privatschule deS Dr. G., welche von durchschnittlich 5060 Schülern U sucht wird. Ltere wohnen mit Aus nähme einiger, aus der Stadt selbst ge bürtiger, junger Leute in der Anstalt 'elbst im Internat ; und eS läßt sich den ken, daß beim Zusammenleben so vieler der verschiedenartigsten Elemente in ei' nem Hause manch lustiger Streich und Schabernack ausgeführt wird, der nicht allein für die daran Betheiligten eine angenehme Erinnerung an die sonst ein lönige Pensionszeit bedeutet, sondern auch weitere Kreise interessiren kann. Es war im. Januar 1873. Den lauen Tagen väyrend der Weihnachtsferien war eine bitterliche Kälte gefolgt, so daß das Thermometer im Anstaltshofe 12 Grad R. zeigte. Trotzdem war die Luft so trübe und nebelig, daß bei dem um acht Uhr beginnenden Morgenunterricht die Dämmerung kaum dem Tage zu weichen schien, und der sehr kurzsichtige .Herr Direktor" in der Secunda mit sei nem Cicero dicht an das Fenster rücken mußte, um die verschnörkelten Buchstaben seines schlveinSledernen Codex erkennen zu können. Kaum war die Lection be gönnen, als die Thür sich öffnete und mit einen Packen Bücher unter dem Arm ein Nachzügler eintrat, der mit einem verle uenen Blick auf den docirenden Lehrer öch hs!ig auf seinen Platz begab, ohne die etwas schadensroh aus ihn gerichteten Blicke einzelner Commilitonen zu bemer ken, die in Erwartung der nun folgenden Strafpredigt und über die dadurch ent stehende Unterbrechung deS Unterrichtes sichtlich nichts weniger als ungehalten, ihre Aufmerksamkeit schnell dem Cicero entzogen hatten. ,un natürlich wieder der Neumann ! polterte ärgerlich der gestrenge Magister, seine Brille in die HSde schiedend. n bin wohl wieder Nasenbluten gehabt oder sonst plötzl ch ein Bedürfniß bekom wen? He, nichts von dem? Oder haben Sre heute erne ganz neue Entschuldigung in Petto ? Ich kann cö mir schon denken will gar nichts hören weiß den Grund ganz genau. DaS Kleeblatt Neumann und Genossen wird gestern Abend wieder biZ tief in die Nacht hinein Scat gespielt haben, wie neulich, anstatt Cicero zu präpariren nun vir werden's ja gleich sehen. Freund Behrens hat sich heute Morgen auch wieder krank ge meldet, um allen Unannehmlichkeiten zu entgehen eine saubere Gesellschaft schämen Sie sich !" Neumann, der einen Augenblick Lust zu haben schien, sich mit Gott weiß wel cher Ausrede zu entschuldigen, hielt es jedoch nachträglich wahrscheinlich für das Klügste, stillzuschweigen und trug gesenk ten Hauptes eine Armensündermiene zur Schau, welche den erzürnten Director seinen Redeschwall verhültnißmäßig sehr schnell unterbrechen ließ. Als begabtem Schüler und mit Hilfe seiner Nachbarn gelang eS ihm auch, einen Abschnitt des behandelten Klassiker ziemlich zufrieden stellend zu üderseken, so daß er für dies Mal noch mit einem blauen Auge davon kam. Kaum war jedoch die Stunde be endigt und die Thür hinter dem lanabe stockten alten Herrn geschlossen, so likß er auch seinem verhaltenen Uninuth freien Lauf: Saubere Gesellschaft?! Na, das wollen wir ihm fchon zeigen. .Ist das eine Art und Weise, einen anständigen Menschen wegen einer lumpigen Minute Verspätunz so anzufahren ? Ochsen muß man die halbe Nacht durch und sich schin den wie ein Packesel, und Morgens soll man schon wieder, ehe e5 noch Tag wird, hie? in der kalten Bude hocken, um sich von dem alten pedantischen Brummbären auch noch dazu anschnauzen zu lassen wie ein dummer Junge. Warte Alter, die saubere Gesellschaft, Kleeblatt Neümann und Genossen, wird Dir das schon an streichen !" Als am Mittag die Zöglinge unserer Anstalt alle im Speisezimmer vttsam melt waren, trat vor Beginn der Mahl zeit der Herr Director ein, und indem er Neumann fest in'3 Auge faßte, begann er langsam und jedes Wort scharf bcto nend: .Es sind in den legten Tagen so viele Verspätungen beim Morgenunterrichte vorgekommen, daß sich auch die übrigen Herren Lehrer bei mir über diese Störungen bitter beklagt haben. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, eh? sirenge ge gen die eingerissene Bummelei . einzu schreiten. Ich werde selbst von iebt an den Schlassaal rcvidiren, wenn es zum viuZitehen gelautet hat. und derzenige, den ick dann noch im Bette finde, erhält ohne Gnade zwtt Slunden Carcer. Ver standen ? Ich will den Schlafmühen schon Pünktlichkeit beibringen." Von der Wirksamkeit der in Aussicht gestellten Maßregel überzeugt und zuver sichtlich mit dem Kopse nickend, entfernte sich der Alte. Es ist in der Abenddämmerung. Der größte Theil der Schüler ist noch auf V . . . T r m r i i oer lzoayn tm sazio5gar:en uuo tummelt sich munter aus der prächtigen Flä che. Nur einzelne Muttersöhnchen, welche die starke Kälte abaeschreckt hatte, hin auszugehen, scheu auf ihren Stuben beim warmen Ofen und treiben allerhand Al lotria in der freien Zeit bis zu der Punkt -JS beginnenden Arbeit-stunde. ' Frohli lyes Lachen und Singen tönt hier und dort aus den Zimmern; nur im großen Schlassaal gebt eZ still und geräuschlos her, obwohl gerade hier drei der au-ge lasiensten und muthwilligsten Secunda ner beisammen waren unser Kleeblatt, die saubere Gesellschaft, wie sie der Herr Director zum großen Verdruß der Be theiligten zu nennen beliebt hatte. Neumann sitzt am Bette des kranken Behrens und daneben als Dritte? im Bunde Aifeed Wendel oder Wenzel, wie er von seinen Commilitonen genannt wird, theils wegen seiner vielbewunder ten Fertigkeit im Scatspiel, theils auch wohl wegen seines ähnlich klingenden Namens. Neuman führt das Wort, und nachdem er eine Zeit lang mit gedämpfter Stimme zu seinen, beifällig und vergändnißinniz nickenden, Freun den gesprochen, reibt er sich triumphirend

lächelnd die Hände und mit den Wor ten : Also abgemacht und reinen Mund gehalten!- erhebt er sich, um mit Wen zel in die Arbeitsstunde zu gehen, deren Beginn soeben die kräftigen Schläge der draußen aufgehängten Glocke angezeigt hat. Nach der Arbeitsstunde geht es zum Abendessen, und nach diesem begeben sich die jungen Leute aus ihre Stuben, in de nen die jüngeren zu vier bis sechs, die älteren zu zwei oder drei zusammenwoh nen. In No. 9, einem geräumigen, nach dem Hof zu belegenen Zimmer des ersten Stockwerkes finden wir Neuma-.n und Wenzel, als um zehn Uhr bei feinem Rundgange der revidirende L hrer ein tritt, eifrig über ihren Cicero gebeugt, der jedoch nach Etfernung des Lehrers schnell wieder mit einer soeben untnbro chenen interessanten Lectüre vertauscht wird. Schon ist eine weitere Stunde verflossen, und nach und nach sind in den übrigen Stuben die Lichter erloschen. Seit geraume? Zeit hat sich vom Corci do? he? kein Schritt mehr vernehmen lassen, und tiefe Stille herrscht in dem noch vor wenig Stunden so geräuschvol len Gebäude. Neumann blickt nach sei ner Uhr und flüstert : So, Wenzel, jetzt wird eS Zeit sein; sieh aber erst genau nach, ob die Lust auch rein ist." Der Angeredete verläßt sogleich, leise und behutsam die Thür, öffnend, das Zimmer und verschwindet auf dem dunk len Gange. Es vergeben einige Minuten in lautloser Stille plötzlich klirrt eine Fenster scheibe wie von einem dagegen geworse nen Steinchen, Neumann össnet' das Fenster und zieht gleich darauf einen langen, schweren Gegenstand indasZim mer, der sich uns beim Schein der Lampe als eine ziemlich lange Leiter entpuppt. Bild erscheint auch Wenzel vieeer und mit der einen Hand das eine Ende der Leiter ergreifend, während Neumann das andere trägt, mit der andern Hand die auf dem Tisch stehende Wasserflasche fassend, ziehen beide so leise als möglich zur Thür hinaus und den. nach dem Schlaf saal sührenden Corridor hinunter, an dessen Ende Halt gemacht wird. Schnell ist eine kleine Wachskerze angezündet und die Leiter an den Balken angelehnt, un ter welchem die große Anstaltsglocke hängt. Neumann steigt langsam die Sprossen hinauf, und behutsam den Kiöpsel der Glocke erfassend, dreht er nicht ohne Mühe die letztere so herum, daß die Ocsfaunz derselben nach oben gerichtet ist und zwängt dann zwischen Wand und Glocke ein starkes Liueal ein, welches ihm sein Begleiter reicht, und das dazu bestimmt ist, das Zurückfallen der schweren Metallmasse zu verhindern. Den Klöpsel mittelst eines Bindfadens aufrecht befestigen, den Inhalt der Was setflasche in die Höhlung der Glocke gie ßen, bis dcese etwa bis zum Drittel ge füllt ist, und mit der Leiter wieder in No. 9 verschwinden, ist das Werk eines Augenblicks. So, nun laß Dir die Zeit nicht lang werden, Wenzel," sagt Neumann, indem er seine Lampe böherschraubt und näher an sich heranrückt, meine Geschichte wird so interessant, daß ich dies nicht zu befürchten brauche." Vom Stadtthurm dröhnen soeben dumpf die Schläge herüber, welche die zweite Morgenstunde verkünden, als Neumann sein Buch zuklappt und in den Tischkasten schiebt. Nun muß doch bei der Kälte das Wasicr schon ganz gehörig gefroren sein ; meinst Du nicht auch. Wenzel?" Ja," antwortet, fröstelnd die Hände reibend, der Angeredete, ganz gewiß; jetzt können wir den alten Kessel ruhig wieder umkehren, ohne daß etwas 'raus fällt." Mit diesen Worten setzt sich wie das erste Mal unser P2ar mit der Leiter wie

der in Bewegung zu der so schnöde zu threm Beruf untauglich gemachten Glo cke ; und nachdem sich Neumann zu seiner großen Genugthuung davon überzeugt hat, daß alles Wasser in derselben in einen festen, compacten Elsklumpen ver wandelt ist, bringt er die Glocke wieder tn ihre alte Lage. Der alte Steffen wird sich Morgen schön wundern, wenn er seine Bimmelei in's Werk setzen will." flüstert er. die Spione hcravflelgeno, schade, daß tch dann sein überhaupt nicht gerade geist reiches Gesicht nicht sehen kann, welches er dazu schneiden wird." Die Leiter wird darauf auf dem be kannten Wege, den sie gekommen, durch daS Fenster und unten von Wenzel wei ter expedirt ; und dann begeben sich beide Freunde, höchst befriedigt über die glücklich: Au-führung ihres Streiches, aber auch höchst gespannt aus die Ereignisse des folgenden Morgen?, als die Letzten im Hause unbemerkt in den Schlassaal, wo auch sie wenige Minuten später sünst in Morpheus Armen ruhen. Noch deckt dunkle Nacht Straßen und Plätze, aber schon taucht hier und da ein. Lichtschimme? auf hinter den stark gefrorenen Fensterscheiben als Anzeichen des wicdererwachenden Lebens und Verkehrs im Städtchen. Auch in der Anstalt be ginnt es, sich zu Q'en Steffen ist es, der alte, gemüthliche Sachse, der schon manches Jahr seinen schweren Beruf als yausdlencr treu und gewissenhaft er füllt, der schon manchem .ibermithigen Birschchen" mit dem rasselndenSchlüssel bunde zu de? stillen Klause des Carcers gefolgt ist, der aber auch schon manches schöne Geldstück von den .jungen Herrn, welche die Anstalt verließen, schmunzelnd entgegen genommen. - Ec ist MorgeuS der erste, der seinTa gewerk beginnt, denn schon Mancherlei muß besorgt sein, wenn die übrigen Be wohner des großen Gebäudes sich anschi' cken, die warmen Federn zu verlassen Da müssen die Mägde zur rechten Zeit geweckt und angetrieben werden, damit die Stuben gereinigt, die Oefen geheizt werden, die große Menge von Schuhzeug sich wieder in tadellosem Glänze präsen tirt. damit vor allen derdustende Mor genkassee vor Beginn der Arbeit die dur stenden Seelen erquickt kurz, der alte Steffen hat viel zu besorgen und im Auge zu halten, ist sich aber auch der Verantwortlichkeit seiner Stellung wohl bewußt. Wieder lassen sich seine schlürfenden

Tr'tte im Corridor vernehmen gerade

zeiat seine alte Spindeluhr auf sieben und pünktlich auf die Minute, wie im mer, ergreift er den Glockenstrana, um in gewohnter Weise den Schläfern da drinnen das Zeichen zum Ausstehen zu geben. Schon schwingt die Glocke kräf Ug htn und her. aber ketn Ton ent ährt dem metallnen Munde. .Was heeßt denn nur das ?" murrt der Alte, noch stärker anziehend, so daß quickend und rumpelnd die schwere Me tallmasse an ihrem Aushängungsbalken hin und herfliegt; 8 kann mer doch unmeeglich derKlepfel'nauSgesallen seinund mit d?r Linken das düster flackernde Talgllcht hoch emporhebend, blickt er aufmerksam nach der schwinaenden Glo cke. in deren Innern cr jedoch die Um risse des KSpfels bald deutlich zu erken nen vermemr. Is mer werklich 'ne komische Ge sch'chte na, der Sache wollen mer bald auf den Grund kommen." : Nachdem er sein Licht niedergesetzt, eilt er im Selbstgespräch über diesen uner klärlichen Fall in den Hof, um die Leiter zu holen und die widerspenstige Glocke einmal in der Näbe zu betrachten. Doch wo zum Teufel steckt denn nur wieder daS Ding 1" flacht der Alte, als er dieselbe an ihrem gewohnten Platze, wo er sie noch gestern Abend gesehen zu haben glaubte, nicht vorsindet. Sollte sie doch noch auf dem Boden sein?- und die Treppe hinauf geht es zum Boden, wo jedoch auch alle Nach' sorschungen nach dem schmerzlich g'such ten Gegenstände sich erfolglos erweisen. Als Steffen endlich, ärgerlich den Kopf schüttelnd, die Treppe wieder heeunte? kommt, tönt ihm schon die Stimme des Herrn Directors entgegen, der im Ne gligce aus dem von ihm bewohtten Sei tenflügel hervortretend, dem Diener zu ruft: .Steffen, eS hat schon lange 7 'Uhr geschlagen, Sie müssen läuten.Nu üben. Herr Director, das hätte ich auch schon läigst gethan, aber die verfli;te Glocke scheint mir verhext zu sein. Es ist Sie weeß Gott nichts mit dem Dinge anzufangen. Mer sollte beinahe glauben, daß die Teene dadrinne feite gefroren sind, wie dazumalen in Minchhausen seinem Posthorn." .Unsinn", polterte der Director, wird voyl weniger an der Glocke als an Jh nen li'gen" und dem verdutzt drein schauenden Steffen voraneilend, ergreift er selbst den Glockenstrang natürlich mit eben so wenig Ersolg als jener. .Holen Sie mir mal die Leiter, aber schnell !" Ja Heeren S. Herr Director, die hab' ich Sie auch s hon gesucht", wandte Steffen schüchtern ein, aber wer weeß, wo die nur wieder hingerathen ist Wo die nur wieder hingerathen ist wiederholte aufbrausend der erstere, dem dieGeduld riß, ich habe sie nicht qehabt. W ssen Sache ist es denn, diese Geräth? in Ordnung zu halten und dafür zu sor gen, daß sie zur Stelle sind, wenn man sie gebraucht? Solche Bummelei! Marsch, schnell die Leiter herbeigeholt, sonst " Die weiteren Worte des davoneilen den Herrn waren dem armen, so unschul dig gekränkten, Steffen nicht mehr ver ständlich, der nun mit zusammengebisse nen Zähnen und mit einem wüthenden Blick auf die ebenso unschuldige Glocke hinterhertrippelte, um sein begonnenes Suchen nach der Leiter fortzusetzen. Sorgfältig ging er noch einmal den qan zen Hof ad, durchstöberte dann denHalz stall und vergaß auch nicht, die Retirade auf seiner Forschungsreise zu besuchen aber nirgends zeigte sich von der Leiter eine Spur. Schon wollte er mißmuthig zum zweiten Male seinen Rückzug antre ten, als sein Blick auf die nur angelehnte Gartenthür siel. Sollte sie denn vielleicht dorten ge braucht fein V murmelt er und richtig. sowie er tn den Garten eintrat, da lag die Leiter an der Mauer so friedlich als ob nichts passirt wre. Wer nur daö Ding daher geschleppt bat?- memte er kopfschüttelnd, und so schnell es seine alten Beine erlaubten, machte er sich mit der nicht leichten Last aus den Weg. Auf dem Corridor traf er schon wieder den gestrengen Herrn, der inzwischen seine Toilette beendigt hatte und ihn Mit den Worten em pnna: Na, da ist ja die Leiter endlich, nun wollen wir schon sehen, woran es gele gen hat Steffen hatte schnell die Leiter an den Balken gelehnt, stieg, mit dem Licht in der Hand, hinauf und beleuchtete das widerspenstige Instrument, in dessen Hohluna er sofort EiS entdeckte. Da schlag doch eencr lang hin, die Glocke tö Sie za gefroren, Herr Wlrec tor !" schallte eS von oben. Gefroren! Stcsfen? wie kan denn nur dte Glocke gefrieren V ES iZ Sie werklich so, Herr Director; es sitzt ja dickes Eis dadrtnne." I, das möchte ich doch mal sehn er widerte ungläubig der Director, nahm dem inzwischen herabgestiegenen Steffen daS Licht aus der Hand und stieg selber vorsichtig die Sproffen hman. Oben angekommen und das Licht erhebend. überzeugte er sich bald von dem ihm vor läusia noch unerklärlichen Tbatbestande. Dabei kam jedoch kurzsichtige alte Herr unversehens mit seinem Lichte dem Eis so nahe, daß dieses an einer Stelle w schmelttn begann. Mehrere Tropfen sielen zur Erde ein Zischen ertönte und dunkle Nacht umzao den Herrn und den Diener. Steffen, machen Sie mal wieder Licht rief ängstlich der Director cus f.; c . . r?!i . j inner geiler, yaucn oic icine voiicicy hölrr?" Stkssen durchsuchte hastig seine Westen'aschen, die ihm gewöhnlich zur Aus bewahruna derselben dienten : Nein, Herr Director, ich habe Sie merklich keene bei mir." Dann holen Sie doch schnell wel che !" Eilsertta will Steffen, durch die beuti gen Vorgänge und vor allem durch die unverdienten Vorwürfe seines Herrn ziemlich consuS geworden, den Befehl ausführen da etn Straucheln, ein Fall, ein Schurren der Leiter, ein Schrei und ein Krach Steffen hegt llnks, der Herr Director rechlö und zwischen beiden

dle Letter.

Ob weh, Steffen, mein Bein, mein

Bein!" O dies Maleer, der Herr Director haben doch keen Bein gebrochen?" jam mert der Alte zu demselben hintastend : tch werde schnell Licht holen. Sche nt Gottlob diesmal noch ziemlich gut abgegangen zu sein," erwidert stöh nend der Gefragte, sich mühsam ausrich tend, hierher ! fassen Sie mich nur un ter den Arm!" und von seinem Diener gestützt h impelt er den Gang entlang nach seiner Wohnung zu. Inzwischen war es auch im Schlafiaal lebendig geworden, und obwohl sich aus demjelben Nicht der leiseste Ton verneh men ließ, waren doch alle in demselben befindlichen jungen Leute wach. Schon als Steffen den ersten Läuteversuch un ternahm, war Behrenö von dem Gecum pel und G.quitsch aufgewacht, hatte schnell seine neben ihm ruhenden Freunde Wenzel 'tnd Neumann geweckt und auf jenes, ihien leicht erklärliche Geräusch, aufmerksam gemacht. Sie mußten sich bei den vergeblichen Anstrengungen des alten Dienerö auf die Zunge beißen, um nicht mit Lachen loszuplatzen. Jht Gau dium steigerte sich noch, als sie die Stim me des Direktors vernahmen und das Zwiegespräch zwischen ihm und Stef fen. Bei den Worten des Letzteren je doch : Da schlag doch eener lang hin. dte Glocke ts Ste za gesroren, Herr Dt rector", mußten alle drei schnell ihren ttops tn dte Kiffen drucken, um sich Nicht zu verrathen. Plötzlich erfolgte der Krach der umfallenden Letter ; mehrere andere Schuler fahren auf. Was war das? WaS war das für ein Krach? rief man von verschiedenen Seiten. Draußen ist wahrscheinlich eine Lei ter umgefallen antwortete der .kranke" BehrenS, der am wenigsten in Gefahr war, in die Sache verwickelt zu werden. tch hörte vorhin Steffen draußen mit Jemand darüber sprechen, daß die Glocke kaput sei." Dte Glocke kaput ? DaS ist ja fa moS warf jetzt ein Anderer ein, dann können wir ja einmal' ordentlich au' schlafen." Bleibt nur lle fest ltegen. btS es zum Ausstehen läutet eher brauchen wir uns aus gar nichts etnzulaffen," meinte ein Dritter, besten Logik auch schnell die Uebngen beistimmten. Mehrere, die aufgestanden waren, um auf den Corridor hinaus zu sehen, kro chen behaglich wieder tn die warmen Fe dern zurück. Geh'n Sie schnell tn den Schlassaal und wecken Sie dort, eö ist die höchste Zeit," befahl der Herr Director, als er auf seinem Zimmer angekommen, sich auf das Sopha gelegt hatte; und Stef fen eilte, laut vor sich hin schimpfend auf die Glocke, die Leiter, das Licht, seine Ungeschicklichkeit und wer weiß was noch, wieder dorthin zurück. Er riß die Thür deS SchlafsaaleS auf und rief hinein: Se miffen fchnell auf stehen, es ist schon bereits halb acht Uhr Heeren Se." Keine Antwort. Er vernahm nur das Schnarchen und die regelmäßigenAtbem zöge der ansch:inend noch fest Schlafen den. .Se missen werklich rk aufstehen," wiederholte er noch lauter und trat an das nächste Bett hinan, um den darin Liegenden heftig zu rütteln. Was soll denn das ?" rief dieser un willig und die Augen kaum ösf.iend. So Heeren Se doch, Se missen auf stehen," wiederholte der Alte zum dritten Mal. .Hat es denn schon geläutet?" fragte der Gerüttelte gähnend und noch immer mit geschlossenen Augen daliegend. .Ne, die Glocke...." .Na, dann lassen Sie mich doch zusrie den, ich bin noch müde." Svrach's und warf sich auf die andere Seite, dem Alten jetzt den Rücken zukeh rend. ES wird Sie ja aber schon gleich hell". wandte sich Steffen jetzt zu einem Zwei ten, der aber ebensowenig reagirte wie sein Borganger. Nachdem Steffen noch einen Dritten und Alerten zum Aufstehen zu veranlas fen versucht hatte und die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen eingesehen, wandte er sich mit den Worten zum Gehen : .Wenn Se denn merklich nich ausste hen wollen, muß ich es dem Herrn Di rector melden. Als Steffen dem Letzteren MeMelduna von dem Vorgefallenen überbrachte, fuhr dieser auf, wie von emer Natter gesto chen, sank aber bald wieder aus sein La ger zurück: Da hört doch aber alles, auf ! War tet, ich will Euch ungehorsamen Bursch chen schon moreg beibringen! Ach, wenn tch doch nur selbst hingehen könnte! Lausen Sie schnell zu Herrn Doctor Hempel und sagen Sie ihm, er möchte die Schlingel auö den Betten bringen. Ater Stunden Carcer sollte er jedem die tiren, der nicht auf der Stelle Ordre pa rirt." Steffen richtete pflichtschuldigst dem Doctor Hempel, der auch in der Anstalt leine Wohnung hatte, den Austrag auö ; und dieser begab sich sofort in den Schlag saal, wo noch alle wie vorhin in tiefem Schlummer lagen. .Bier Stunden Carcer jedem, der nicht sofort aus dem Bette springt! rief er, die Thur ottnend. Wie ern elektri scher Schlag traf die wohlbekannteStim me des Mathematiklehrers, der, wie man genugsam erfahren, leinen Spaß ver stand, alle Schläier und eins, zwei. drei, waren alle Betten leer. Die Thurm uhr schlug gerade acht. Als dann eine halbe Stunde später die Sccunda ;n ihrem Klassenzimmer versammelt war, kam die Nachricht, die Stunde müsse ausfallen, da der Herr Director unpäßlich sei und noch vierzehn Tage lang brauchte die Secunda keinen Cicero zu präpariren. Die in Betreff der gefrorenen Glocke und der versteckten Leiter eingeleiteteUn tersuchung blieb ohne Erfolg. . W i e Salat angemacht wird. Einem spanischen Sprüchworte zufolge sind vier Personen nothwendig, um einen guten Salat zu machen. Ein Verschwender für Oel, ein Geiz'ger für Essig, ein Advokat für Salz und ein Wahnsinniger, um Alles durch einander zu rühren.

ffürahlköpft

Aus einem Aussatz der neuesten Num mer von Reclam'S Gesundheit" entneh men wir folgende Stellen: .Bereinigt man die Beobachtungen zu einem allge meinen Schlüsse, so gelangt man dahin : dak eS dielmehr der hervorgerufene Schmeib bet gleichzeitigem Mangel an sorgfältiger Hautpflege und Reinigung ist, wag die Haare ausfallen läkt. Na mentlich wird dies durch das Tragen ei ner erhitzenden Kopfbedeckung, wie sie der Helm des Kriegers, die lederne Kopf bedeckung der Post.llione und Kutscher, die wattirte Mütze deS alternden Bon vivant sind, hervorgerufen. Aus der Luft ist Staub, Ruß auf den Kopf ge langt und hat sich dicht um dte Haare gelegt, da wo die Haut verlossm ; die kleineren TalgdruSchen und Schweißdru fen mischen hierzu etwas Flüssigkeit und daS Ganze gestaltet sich yd kleinen win zigen Ansammlungen eines feuchten Breies dicht um die Haarwurzel. Wenn während der Tageszeit oder zur Nacht diese Materie trocknet, so bildet sie eine harte Kruste, die wie ein fest aufliegender Deckel die Mündung der Haarwurzel umgibt. Hierdurch und infolge dessen geht da8 Haar aus. Dauert die er wähnte Einwirkung fort, so verödet die kleineHöhlung, in welcher dasHaar wächst und stirbt endlich ganz ab, so daß sie, von benachbarten Blutgefäßen aufgeso gen, aus der Haut verschwindet. Etsolgt dies nun bei einem Theile der Haare, so wiid der Haarwuchs dünner; sinket der Vorgang aber in größerer Ausdeh nung statt, so fehlt der Haarwuchs ganz und die Haut bildet eine rbene,spiegelnde Platte. DieS ist, wie schon erwähnt, der häusizste Grund der Kahlköpsigkeit. Er läßt sich unschädlich machen durch Kürzen der Haare, Waschen deS Kopfes am Morgen und Abend mit nachfolgendem, sehr sorgfältigem Trockenreiben und flei ßigem Kämmen deS ' Kopfes mit einem Staubkamme. Die zweite Ursache besteht in kleinen mikroskopischen Faden pi?zen. welche sich in Haar und Haarwurzeln ansiedeln und dann daS Haar an seiner unteren Fläche spröde, und zum Ausfallen geneigt machen. Ist dies auf einem größer Theile deS Scheitels de: Sall, so sühlt sich die Platte nicht glatt, sondern rauh wie eine feine, weiche, sehr kurze Büist: an, oder wie ein grober kurzgeschorener Sammet. Hier sind die selben VorbeugungSmittel am Platze, müssen aber unterstützt werden durch nachfolgendes Einreiden einer dreipro zentigen KarbolfäurelSfung in Wasser oder Oel, oder einer karbolfäurehaltigen Pommade. Auch Salicylsäure leistet hier gute Dienste, nnd muß wie die vo rigen Mittel auf die Haut eingerieben werden. Gewöhnlich macht diese Art der Kahlköpfigkeit nicht große Strecken, sondern einzelne umschriebene runde Stellen von der Größe eines ffünfpsen nigstückis, bis zur Größe cinesZweimarkstückes kahlköpfig, was dann dem Haupte ein seltsam aetiqertes Ansehen giebt. Diese Art derKahiköpsigkcit kommt übri gens nicht erst in den höheren Lebens jähren vor, sondern wurde von uns schon von Knaben und Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren mehrfach beobachtet. Hieran reiht sich nun eine dritte Kahlköpfigkeit mit umschriebenen Stellen, bei welcher man vergeblich mit dem Mikroskop nach Pilzsäden und Pilz sparen sucht, und bei welcher auch die an gegebenen Mittel, keine Heilung bewir ken wollen. Professor Wilhelm Ebstein in Göttingen berichtet über einen Fall dieses Leidens, den er bei einer 22jähri' gen Dienstmagd im vorigen Jahre in seiner Klinik beobachtete. Das Mädchen hatte 5 bis 0 Wochen vorher eine mäßig große Borke auf dem Scheitel bemerkt, die nach 14 Tagen etwa entfernt wurde, weil sie das lästige Gefühl des Kitzelns und Juckens auf der betreffenden Stelle empfand. Unter der Borke war ein wenig Eiter. In der Nachbarschaft d-rsel ben- entwickelten sich noch mehr kleinere Borken und bald darauf steigerte sich der juckende Schmerz, während zugleich Na senwurzel und Wangen etwas anschwol len. Schließlich waren die Schmerzen aus Scheitel und in der oberen Stirngegend sp stark, daß sie keine Arbeit zu verrichten vermochte und das Bett hütete. Nun wurde sie mit Hausmitteln von ihrer Umgebung behandelt; man legte Umschläge von Kamillenthee auf den Kopf, und die betreffenden Stellen singen an stärker zu eitern und zu bluten ; die Anschwellungen im Gesicht nahmen zu, und eine Woche daraus hatten sich neue Borken gebildet, die sich beim Kämmen ablösten, zugleich aber auch die Haare an der betreffenden Hautstelle entfernten. Die wenige Tage später ganz haarlose Stelle war geröthet und zeigte zahlreiche Eiterbläschen. Nun suchte sie die Hülse der Klinik an Stelle der Hausmittelchen auf, und fand, daß nicht nur am Gesicht, sondern auch an den Ohren und auf dem Nacken ein Ausschlag mit starkem Abschuppen der Haut vorhanden war. Eine verordnete Salbe minderte An. schwellung und Schmerzen am Scheitel, ohne jedoch da? Grundübel zu heben. Die kahle Stelle war 8 Ctm. lang,eiför mig, gerade in der Mittellinie und haar scharf umschrieben. Die Hzut war glatt, nur sehr wenig angeschwollen, aber nicht schmerzhast beim Druck und vollständig haarlos, während in der nächsten Umge bung der Haarwuchs reichlich und gesund erschien. Die kahle Stelle war ein we nig entzündet, was stch durch Anwendung eir:eS VaselineMullv!rbandes so besserte, daß die Kranke das Hospital verließ. In dem Eiter der Pusteln hatte man mit dem Mikroskop keine Pilze sinden kön nen; ebensowenig in den benachbarten Haaren. Nach etwa fünf Wochen stellte sich daS Mädchen wieder ein. Die lallt Stelle war kaum noch geröthet,aber voll ständig glatt und ohne Haare. In die fern Falle war allem Anschein nach der juckende und näffende BläZchenausschlag aus Nacken, Ohren und Stirn der ei gentliche Ansang. Zu ihm trat die Ent zündung einer Stelle der Kopshaut und deS UnterhauptbindegemebeS, welche nun ihrerseits da? Ausfallen und Absterben der Haare bewirkte. Wäre die Kranke von Anfanq an richtig behandelt gewor den, statt sich durch warme Umfch'Sge von Kamillenlhee die Entzündung noch zu steigern, so wäre ihr wahrscheinlich die Mine Tonsur erspart geblieben, welche sie

nun für ihr ganzes L:ben tragen dürfte. Sie hätte sich mit der' in jeder Apotheke

kölschen und in solchen auen o nus lichtn Tbeerseife waschen sollen, halte

statt der heißen Umschlage luyte oorr zte. nur kurze Zeit andauernde und öfters wiederholte Umschläge -ous reinen Wasser machen müsien und bätte sich zur . Aseitiauna deö lülliaen Juckens von .

Zeit zu Zeit mit einer- Mischung von Wasier und Spiritus zu gleichen Thellen die b testenden Hautstellen befeuch- .

ten mussei; dann wäre wayrsyeinuc? mit einer Ruhestatt von einer Woche da? , Qnhm hnnnrtnhirt htUhi ,t. die 0unb

(t'j w - heit hergestellt gewesen und der Kahl

köpsigkett gründlich vorgebeugt voroen. Man erkennt, daß die Kahlköpsikeit, so geringfügig daS Leiden in vieler Bezie hung erscheint, der ärztlichen Hülfe zu . ihrer sichern Bekämpfung b'darf, und , daS durch Pfuschkuren von Laien mit Hausmitteln eher Nachtheile, als Hülse gebracht wird. Unter die nachtheiligerr Einflüsse gehört aber besonders daS Tragen langer Haare, wie eS namentlich, beim weiblichen Geschlechte Gebrauch ist.', -Kurzschneidendes Haares und töglicheS ' Säubern des Kopfes mit Wasier sind und bleiben die ersten Hülfsmittel, um die Kopfhaut gesund zu erhalten, und-ist. ' diese gesund, so ist es auch daS Haar ; ist aber einmal daS Haar auSgesallen und die Haarwurzel zerstört, so vermag kein ' , Geheimmittel, und würde eö noch so sehr in öffentlichen Blättern angepriesen, das bereits vorhandene Uebel wirksam z bekämpfen. . Llttf die ZZsrm kommt cS an. Einst zur Nachtzeit lag und fchlief Harun Rafchid der Chalif, , Und ihm träumte mancherlei. Aber von den Träumen allen - ' Gab ihm einer viel zu soraen,. Als er früh erwacht am Morgen, - ' . Denn cS waren ihm dabei . . V Alle Zähne ausgefallen. Als der Zeichendeuter kam ' Und des Traumes Art vernahm, Sprache?: .Gott beschuhe dich! Also wird es dir ergehen: Die sich deines Blutes nannten, . Deine lieben Anverwandten

Wirst, o Fürst, du sicherlich - Alle vor dir sterben sehen ! - Ob der bösen Deutung Art Wühlte sich in seinem Bart Der Chalif und rief in Wuth : Fort, hinaus mit diesem Naben! Kann er nichts als Unheil krähen, , Mag cr seinen Lohn besehen : Hundert Streiche voll und gut Soll er auf die Sohlen habend . Einen and'ren rief man dann. Dieser war ein kluger Mann, - - ' Und cr sprach, al er gefragt : Allah wolle Gnade qebcn. Langes Leben nach Gefallen Deinen Anverwandten Allen,. ' Aber dieser Traum besagt: Du wirst alle überlebend ' . Diese Äcutung sagte zu, ' ' ":i Und der Mann erhielt im Nu Hundert Eolddukaten bar, Weil er wußte, wie man lautet. ' Denn im Grunde sagten beide Gleiches nur. in anderem Kleide. Hieran zeigt sich sonnenklar. Was die richt'ge Form beoeutet ! Hcinrjch Seidel. , Der Negimentsbock., Wie . berichteten unlängst von einer. Negi mentsgans", die dreiundzvanzig Jahre ' lang die treue Gesahrtin der Stuttgar ter Ublanen gewesen ist. Ein Freund des Dtsch. Tgbl." theilt demselben nun mit, daß die in Berlin stationirte fünfte Garde Batterie eien unvergleichlichen Ziegenbock ihr eigen genannt habe. Der brave Bock war bereits 1SG1 eingetreten,' bei der Mobilmachung zum Bombardier -und nach dem ersten Gefecht zum Unter ossizier aöancirt. Bei Königinhof er kletterte er stolz ein Fuhrwerk der eisten Wagenstaffel der Batterie ; als ihn Ge sangene des österreichischen Regiments Eoronini dort tonen sahen, riefen sie : , Nun, da sollen wir nicht geschlagen werden, wenn Ihr den Teusel in derPer son mit Euch führt l" Zur Erinnerung -an seine bewiesene Tapferkeit erhielt er denn auch eine Verdienst Medaille au? einem alten Kochkessel deS -Regiments Eoronini. In der Kaserne war.er eine angesehene Persönlichkeit; er verschmähte ' durchaus nicht ein GlaS Bier, und von Tabak und Cigarren war er ein so gry- -. ßcr Freund, daß er sie überall," wo er sie fand, auffraß. Wegen einiger Conflicte, in die er solcher Neigungen halber! ge rieth, trat er zur .ZahlmeisterCarriereüber und hatte bereits die Charge eine? Zahlmeistcr-Aspirantet: erreicht, als ihn das Loos alles Vergänglichen traf. Die ' Original'Todesanzeige n der Vosst. v schen Zeitung" vom 20. November 1868 lautete: Kameraden der fünften vier pfündigen Garde Batterie von 1L6S! Am 17. dL., Abends um halb c Uhr, verschied an einem Gehirnleiden unser braver, vielgenannter KriegSgefährte .Schneider". Den Kinbern ein gehör" ter Schrecken, den Freunden ein stets erheiternder Gisährte, bleibt sein Anden ken unvergeßlich!" D e r G e i st e r b e s ch ö r e r. Ein Geistlicher in der Näh: von Kassel . stand in dem Rufe, daß er Geiste? citiren ' köne. Als einst der Landgraf Friedrich auf einer Jagd an dem Vfarrhause vor. überrii! und den Mann am Fenster stehen sah, hielt er an und winkte hinaus. Augenblicklich eilte der Geistliche auf die Straße, um nach dem Begehr des hohen sperrn zu sragen. Man sagt sprach Jrledrlch, daß Sie Geister citiren können; ist das wahr 3" . .Ja. Durchlaucht," versetzte der Pfarrer, sie kommen aber nicht.Verhängniß. Einemerkaur d:ge Thatsache ist eS, daß fast feit 250 Jahren keinem französischen Mnig sem Sohn auf dem Thron gefolgt ist. Auf '' Ludwia XIV. folgte sein Urenkel Lud. .... roig XV. Auf Ludwig XV. sein Enkel Ludwig XVI. Aus Ludwig XVI. hrx Napoleon I. Napoleon I. folgte Luv N mig XVIII. und diesem sein Bruder Karl X. Dann kam Louis Philipp und diesem folgte nicht fein Sohn, sondernNapoleon.IIl.,. dessen Sohn wiederum. . für die Nachfolge verloren ist. .Vi;'