Indiana Tribüne, Volume 6, Number 235, Indianapolis, Marion County, 13 May 1883 — Page 6

Aas englische Mer.

S3r. . 0aln9. ' DaS Nationalgetränk der (Engländer ist das Bier; es wurde von den Angeln und Sachsen nach den britischen Inseln hinübergebracht. Die Völker, des Nordens sangen von der Walhalla, in wel. cher sie ihre Seligkeit immer von Neuem auZ den Becher schöpfen würden; nun ist England das Paradies, wo ihr Traun sich ersüllt. Ale war das Leben?, öl, welches die Glieder des britischen AolkskörperS in Regsamkeit erhielt. Was trinkst Du." fragt in einer alten Efjroriif der sachsische Hausherr den Nei. senden, und dieser antwortet ! .Ale, wenn ich es habe, Wasser, wenn ich kein Ale habe". DaS Vier mischte sich in die englische GemeindeverfasZung', es war die Quelle, auS w'lcher die Armen der Ge meinde ihre Unterstützungen schöpften. Bei den .Psingst.AleS (WhitsunAles) wurde das Bier, das von den Kirchenältesten aus dem von. den Wohl. habenden gelieferten Malz gedräut wor den war, in und vor der Kirche ausge. schänkt, die Jugend erging sich in Tusli gen Spielen, Tanz, Gesang und Bogenschießen, die Alten tranken ihr Bier mit feierlicher Würde; nach dem Feste wurde die Einnahme verrechnet, ein Theil zur Rkparatur der Kirche und sonstiger Bau lichkeiten ausgesetzt, ein anderer Theil für die Armen bestimmt. .AleVsaat daher John Tonlor insei nem Buche "Drinko and Welcorne" (1637), .Ale ist ein Wiederhersteller ver fallen Dorskirchen- und der Gedanke begeisterte ihn zu folgendem Lobe des NationalgetrünkeS : Ale ist das wärmste Futter für eine? nackten Mannes Rock, des Bettlers Freude und des Gefangenen Tröster, es macht den Verstand so scharf, daß eS den Frachtsuhrmann lehrt, Dinge 3 sagen, die über seinen Verstand hin. ausgehen, es giebt dem Dichter Reime ein, die alle Begriffe übersteigen, es ist so gut wie eine Brille, um deSGemeinde jchreibers Blick zu schärfen; selbst wenn mein Mund so groß wie daS Bischofs thor, meine Feder so lang wie ein Mai bäum, meine Tinte gleich einem Bache wäre, würde das doch nicht hinreichen, um den wahren Werth des Ale zu be schreibend Hopsen wurde um daZ Jahr 1524 zuerst auS Flandern nach England ein geführt, aber, noch lange nachher ver. klagte ein Bierwirth seinen Brauer, weil er ihm daS Ale durch Hinzufügung eines .gewissen Krautes, Hoppe genannt", verdorben habe. Das Bier hat mit dem englischen Volke die Kämpfe durchgemacht, denen Groß britannien seine Macht verdankt, und eS hat oft genug selber die Lanze eingelegt, um sich gegen auswärtige Mitbewerber zu vertheidigen. Wilhelm der Eroberer brachte den Wein von Frankreich nach England; während der Normannenherr schaft mußte das Ale demüthig vor dem Wein den Nacken beugm. Aber als der ausländische Adel sich in den Bürgerkrie gen geschwächt batte, erhielt auch daS Bier wieder die Oberhand. Gleichzeitig mit der Reformation triumphirt daS Ale; der Wein wird verdrängt, die von den Mönchen auf den Klostergütern angelegt ten Weinberge werden demolirt. Im nächsten Jahrhundert trägt das Bier zur Durchführung des Kampfes zwischen dem Parlament und Karl I. bei, denn im Jahre 1643 wird daS Malz mit einer Steuer belegt. Das Bier war fechtlustig, weil die StuartS den Wein begünstigten. Schon im Jahre 1630 hatte ein witziger Student von Cambridge, Thomas Ran dal, in einem Pamphlet : "Aristippiis or tlie jovial pZiilosoplier" die Blitze feines ZorneS gegen den sich eindrängen den Wein geschleudert. Ist dies", läßt er einen Schänkknecht ausrufen, .eine dernünstige Zeit, wo der gerechte Brauch der Gurgel so sehr vernachlässigt wird und starkes Getränk aufdemTodtenbette liegt? Da muß ja ein Brauerpferd toll werden, wenn eS siebt, wie die Gerste in Verachtung fällt. Q mein Bier, roth, näsige Philosophie, halt dir die Essig flasche vor.' Ich will am Galgen hän gen, we::n daS nicht eine List Spinola'S ist, um des Königs Unterthanen von ihrer Treue für starkes Bier wegzulocken Bei der Restauration kam wiederum der Wein mit den StuartS nach Eng' land.. Aber das Volk sang : .Unterwirf dich, o Traube, der Gerstenabr'. Nicht trage schwacher Wein den Loröeer mehr, Ale ist Cicero und Neptun zugleich, AleSchaum ist daS Meer, aus dem Ve nus steigt Wilhelm der Niederländer verpflanzte den Gin aus Holland nach Grofedritcm nien, daS Bier wurde von dem AnkSmmlmg schwer bedrängt. DaS Ale wäre . vielleicht unterlegen, wenn sich nicht der Porter, der braune Ritter, an seineSeite gestellt batte. Der Porter machte im Jahre 1730 seine Erscheinung. Bis da hin hatten Liebhaber mehrere, verschie. denartig gehopfte Alesorten gemischt, um einen neuen Geschmack zu erzeugen. Der Brauer Harword in London erkannte das Bedürfniß und stellte einBier her, welches sofort ganz mit dem ge wünschten Geschmack aus der Tonne her vorginq. Daher nannte er es Ganz bier, Entire. Da? Volk gab aber dem Biere einen anderen Namen. Die Aus träger (Porten), wenn sie mit der Kanne vor das Haus traten, kündigten ihre Anwesenheit durch den Ruf .Vorter" an, und die Benennung des 33rin gers ging auf das Getränk über. Von da an war der Porter in der That ein TrSaer der enaNicken straft. So oft das Nationalgefühl den Ge gensab zu anderen Völkern, besonders zu den Franzosen, hervorkehren wollte, i V CY1 ... malie es oen lerrrug. mit dem ittn derbraten daneben, aus sein? ftann. Hogarth machte im Jahre 1756 auf seinen beiden Kupferstichen: Frankreich ,md tZnaland" den UnteifAifh imifA n den beiden Ländern anschaulich, indem er die Tasel der englischen Soldaten mit Beef und Bier besetzte. Und Garrick dichtete dazu die Verse : .Sie langen nach unserem Fleisch und Blur, Alt.Enalands Beef und Bier. Doch bald soll'n die Prahler schau'n.

Daß Beef und Bier viel schärfer hau'n.

Als Supp' und Froscheskeulen Dabei schwenkte Hogarth den Griffel gegen den Gin. Aus seinem Bilde .Beer Street" herrscht Glückseligkeit, die Leute tno robust. trinken Bier aus ebenerErde, n allen Stockwerken und aus den DS chern, selbst die 2t! der Pfandleiher werden durch das Opfer eines "pot of beer" versöhnt. Aber im .Gin Lanetbi'& wust auS, Menschen und Vieh raufen sich um abgenagte Knochen, der Pfandleihe? und der Todtengräber hal tn rhre Ernte. Zur vollständigen Ritterlichkeit erhob ich das Bier während der Napoleoni schen Kriege. DaS Bier schaffte daS Geld zur Ausrüstung der Flotten und Armeen herbei, im Jahre 1802 wurde es besteuert, während bis dahin nur das Malz eine Taxe getragen hatte. Die Biersteuer dauerte bis 1830. Zu der elben Int, wo die Franzosen eine pollisch e Revolution machten, vollzogen die Engländer eine sociale. Die Bierbill vom Herbste 1820, welche. dem Bier die Steuer abnahm und die Formen, an die bis dahin der Verkauf des Bieres gebun den war, lockerte, war mehr noch als die Reformbill ein englisches Gegenbild zur Julirevolution. Im Jahre 1822 hat die Biersteuer gegen 66 Millionen Mark eingebracht, jedes Quart starken Bieres rüg eine Steuer von etwa acht PskNNl' gen, und es waren in jenem Jahre 1150 Millionen Quart Bier in England ge braut worden wovon- der überwiegend größere Theil star'eS Bier war. Aus dem schwachen Bier.lag eine Steuer von anderthalb Pfennigen. Diese Last hob man vom Blere ab. Kaum aber war das Bier befreit, so rückte wiederum der französische Wein, alS Nebenbuhler m daS Feld. Der Gedanke emer- Allianz mit Frankreich gewann seit den dreißiger Jahren immer mehr Anhänger und machte deS Wein zolles Luft. Endlich im Jahre 1860 schloß die britische Negierung einen Ver rag mit Frankreich ab, der eine Herab ekung des WeinzolleS mit sich führte. Der englische Schajkanzler brachte eine Bill ins Parlament, welche das Wein chänken regelt und erleichtert. Er er lärte zwar bei Begründung der Bill, daß .das Bier das große Nationalge rank des Landes sei und bleibe , und daß er nicht daS Bier,, sondern den Schnaps verdrängen möchte. Gleich wohl regte der Wechsel die Biermächte Englands, die Brauer und Schankwlr he, heftig auf und das englische Volk ist darauf angewiesen worden, auch durch den Bierkrug seinen historischen Charaker zu vertheidigen. Jetzt nt das Malz nur mit einer Konsumfleuer belegt; die selbe b e lies sich nach dem RechnungSab chluß für das Flnannahr vom 31. Bkarz 1831-82 auf 8.G9 Millionen Psd.Lstrl.. während durch die Licenz zum Verkaufe deS Malzes und BiereS, sowie für die, daS Brauereigewerbe betreiben zu dür fen, im Ganzen nur 215.057 Psd. Lstrl. in dem nämlichen Finanzjahre verein nahmt wurden, eine Gesammtsumme,die gering ist gegen die auS dem Zoll und der Accise für Wein und Spiritussen resultirenden 22,1 Millionen Pfund Lstrl. Zu dem auf den britischen Inseln sel ber konsumirten Biere steht das expor tirte Bier in minimem Verhältnisse, auch st eS denkbar, daß der Engländer mit Mißbehagen zusehen würde, wenn sein Bier und seine Art, zu brauen, sich gar zu stark über die Erde verbreitete. Er durste eS kaum verstehen, wenn die An legung deutscher Brauereien von gewls sen Patrioten als ein Sieg des Deutsch thumS betrachtet wird. Nach seiner An sicht ist daS Bier ein nationales Gut, welches man möglichst zu Hause verwer thet. ... . . Der ttunst des Brauen? haben die Engländer stets außerordentliche Auf merksamkeit geschenkt. Combrune, in seiner Schrift: Tlie Tlieory and practice of fcrewing" (Anfangs des 18. Jahrhunderts), zeigte zuerst die Wichtigkeit deS Thermometers sur die Brauer. Richardson in TIio tlieorotic liints of brewing" (1784) schildert den von ihm erfundenen Saecharometer, Bawerstock in Hydrometrical observations" (1785) die Anwendung des Hydrometers. William Alack leitete die Ausmerksamkeit der Brauer auf denEin flus der Elektrizität und auf die Noth uendigkeit einer guten Zsolirung der Gährtonnen. Whuoreao in onoon war der erste Brauer, der in seinem Ge schäfte, eine Dampfmaschine zu Hilse nahm. In neuerer Zeit hat Tizard durch wissenschaftliche Construetion der Apparate dem Brauprozeß eine größere Zuverlässigkeit zu geben versucht frei lich auf Kosten der Einfachheit, da er den Lehren der Chemie genügen wollte. indem er fast sur .jeden ZerietzungSart ein eigenes Gesäß herstelle. Als JustuS v. Liebig 1852 von den Alebrauern von Burton zum SchikdSrichter aufgerufen wurde, um über den rhnen durch Pro fessor Payen gemachten Vorwurf,.daß sie Stlychnm in ihr Bier mischten, zu entscheiden, schrieb er an den Brauer Allsov : Ich Mhe nicht an. zu sagen. das- England die größten Malzkünstler , -, . r - - rr. v-fc V-!. oenFi; weiß sur gewiß, vu uic yauptlächilHjlen Brauer von 'cuncyen ihre Lehrjahre in Burton durchgemacht haben." Burton mit semen achtzehn großen Brauereien produzirt mehr als ein Zwölstel des ganzen Bierbraues des vereinigten Königreiches; Baß & Co. allein versenden im Verlaufe der Bier saison S00.000 Fässer Bier und man wird nicht weit ab vom Ziele sein, wenn man die Höhe des von dieser Firma erzielten JahreSumsaheS auficht weniger als 2 Millionen Psd. St. oder 50 Mill. Mark schätzt. 'Der Leser möge berechnen, welch ungeheures Capital da zu gehört, um ein Geschäft von solchem Umfange zu suhren. (Tägl. Rundschau.) Auf d er Eisenbahn. .SerenSe. is Sie das een Wetter .Was sagen Sie? .Ich meente, eS wäre reckt schlechtes Wetter Ich kann irklich nichts verstehen." (Mit aller Krast brüllend): .ES ist recht schlechtes Wetter !" .Ach, wenn Sie weiter Nichts wissen wollen, das sey' ich selber.

ßin Lieöesdrama.

von Paul SchSntyan. Die Zeiten des .Werther' sind vor über. In der Statistik rangiren die Selbstmörder aus unglücklicher Liebe weit hinter den Weltunzusriedenen, die das Dasein unter den ihnen gebotenen materiellen Mißverhältnissen nicht ertra gen zu können glauben, und Laster und zerrüttete Vermögenöverhältnisse werben viel zahlreichere freiwillige Todescandi daten als die Bedrängnisse verliebterGe müther, und von den 111.000 Menschen, die in den letzten fünf Jahren in den zwanzig Ländern Europas die Bürde ihres Lebens freiwillig hingeworfen ha ben, entfallen nur drei Prozent auf un glückliche Liebe. Sogar die sogenannten ,Doppelselbstmorde- vonVerliebten. die, wie jene .KönigSkinder", nicht zusam menkommen konnten, weil einsichtsvolle Angehörige, .ein Segen, der allen Hei rathklufligen zu wünschen ä", natürlich höchst prosaische Bedenken trugen und ihre Einwilligung versagten, sogar diese SpezieS der Unsallchronik ist mehr und mehr auS der Mode gekommen. ES ist, als habe die Genugthuung wenig stenS .im Tode vereint" zu sein, viel von dem poetischen Reiz, welchen sie aus die krankhast erregten Gemütber ausgeübt hat, eingebüßt. Man kann da wirklich von einer Mode sprechen, denn ersah rungsgemSb wiederholen sich. solle Fälle, wenn erst der Ansang gemacht ist. in ziemlich rascher, keineswegs rein zusälli ger Aufeinanderfolge. Die häusigen .Reprisen" der Pariser Vitriol. Dramen beruhen auf dieser , al ten Erfahrung, und vielleicht besteht auch zwischen den tragischen Affairen Dal mont, Feighine, zu welchen sich auch in Berlin ein paar sehr ähnliche Fälle ge seilt haben, der geheimnißvolle Zusam menhang der Nachahmung, den man mit Rücksicht auf die ungefähre Uebereinstim mung der Verhältnisse, der raschen Auf einanderfolge der Fälle anzunehmen versuchte. Ueberall. hat sich die ver lassene Geliebte durch eine .Schreckens that", die sie an sich oder an den Treu losen vollführte, gerächt. Der Zufall hat mich zum Mitwisser eines Vorfalls gemacht, der sich unmittelbar ach Tage, nachdem di: Blätter den vielbesprochenen Selbstmord der franzönschen Schauspie erm im Park von OttenSheim melde en. in Berlin ereignet hat, der zu ienen LiebeSdramen in einer gewissen wenn gleich nur parodistischen Beziehung steht, sodaß ein Dramatiker sich versucht füh en Milk, den Stoss zu benutzen. Er würde nur den Vorwurf der Unwahr schemllchkelt aus sich laden, gegen den ich mich durch die Bürgschast für die Wahr heit verwahre. Rudol . der ytld die es .Dramas" hatte mehrere Jahre lang in Paris ge lebt, .gelebt" m weltmännischen Sinne, und als er, einer Etnberufungsordre sei nes Vaters folgend, nach Berlin zurück kehrte, fand er, daß die Flauen ferner Vaterstgdt in manchen Dingen, die sich vielleicht im oberflächlichen Verkehr gar nicht berausstellen, einen Vergleich mit den Pariserinnen nicht auszuhalten vermögen: vielleicht nahm auch seinherz auf dieses Urtheil Einflud, denn er hatte in Paris ein junges Mädchen zurückgelaf fen, welches lhm allerdings die Vorzüge der Pariserinnen im besten Lichte ge zeigt hatte. Das Mädchen hatte ihm eine Leiden schast eingeflößt, die jetzt, nachdem er durch den Rhein und viele Meilen von der kleinen Margot getrennt war,' erst recht in hellen Flammen ausschlug. Er schämte sich beinahe selber dieser verlieb ten Regungen, und um sich ein für alle mal davon zu betteien, schrieb er .der verlassenen Kleinen, sie möge nach Ber lm kommen, indem er sie gleichzeitig ver sicherte, daß er für das Prosperiren ih res Geschäfts sie ist eine äußerst ge tchickte Blumenmachenn fern Möglich peS thun werde. Margot wußte, daß sie daraus zahlen konnte, und acht Tage nach Empfang jenes Briefes erhielt Rudolf ein Tele. gramm, welches lhm die Ankunftszelt der kleinen Margot meldete. Sie war ue rade keine Schönheit, die aus den ersten Blick zur Bewunderung herausforderte, sie war der Typus eine? zierlichen Pari ferln: ein pikantes, jugendlich frisches Gesicht, ein tadelloser Teint und eine Manier, sich anzuziehen, wie man eö sel ten findet, daS waren ihre äußeren Vor züge, gar nicht zu reden von ihrem aus gelasienen Humor, ihrem Witz. Na türlich, er hat sie sich aus Paris kommen lasien !" meinten die Bekannten, wie man dos gewöhnlich von Handschuhen u. dgl. sagt. . Man lebte nicht gant so ungenirt, wie man in Paris, Rue Turbigo gewohnt hatte, aber Rudolf war zufrieden. Da trat em unerwartetes Erelgnig ein. Ru dolf stand, dem Wunsche seines Vaters folgend, rm Begriffe, eme Verbindung mit einem Mädchen auS einer der ersten Familien einzugehen; natürlich mußte er nun zunächst daran denken, die kleine Margot loS zu werden. In schonender Weise theilte er ihr sei nen Entschluß. daS Verhältniß zu lösen. mit, aus schriftlichem Wege, denn das ist der bequemste sur peinliche Angelegen heilen. ES widerstrebte ihm, Margot die wahren Grurde: feine bevorstehende Verlobung, einzugestehen, lieber log er eine plötzliche Wandlung seines Herzens, indem er ihr schrieb : . . ..Ich habe Sie einmal geliebt. als Sie noch in Rue Turbigo wobn ten, und ich glaubte Sie noch zu lie ben, als ich Ihnen vorschlug, nach Berlin zu kommen; aber ich kann nichts für das, was in meinem Herzen vorgeht. Ich kann Sie nicht mehr lieben, ich suhle, daß es zwischen uns aus ist. ... Die ehemalige Blumenmacherin ant worttte erst nach vierundzwanzig Stun den, indem sie Rudolf bat, zu einer be stimmten Zeit in ihrer Wohnung zu sein. Auf den Empfänger dieser trockenen Be stellung machte dies einen unheimlichen Eindruck: er bat seinen intimstenFreund, ihn zu begleiten und vor dem Hause zu warten. Margot bewohnte einige Jlm mer deS QofvarterreS. Auf wiederbol tes Klingeln blieb die Tbür verfchlosien, Rudolf griff in die Tasche und zog den .Schlüssel zu MargotS Wohnungsthür

heraus. .Sie wird noch nicht zu Hause sein, ich werde sie erwartend sagte er sich, aber seine Hand bebte, als er denSchlüs sel im Schloß herumdrehte, .zum letzten Mal!" In dem Wohnzimmer, wo man ibn sonst emvirna. fand er nur einen

Zettel auf dem Tisch, mit den Worten : .Lieber Rudolf! Ich habe Sie zu sehr atlitbt. um da? überleben au können. während Sie diese Zeilen lesen, liegt Ihre Margot in Todeszuckungen.Radolf sank aufweinen Stuhl nieder. Die Nachricht erschütterte ibn. besonders deshalb, weil sie ihm nicht Etwas mel bete, was geschehen ar, weil sich das Schreckliche eben jetzt in diesen Augenblicken zutragen mußte. .Margot", stöhnte er, .daS liebe We sen, die heitere Margot. und ich habe sie für leichtlebig gehalten !.'.. . V(r stutzte seinen Kops in die Hände und starrte den Zettel mit der schreckli j chen Botschaft an. Seine Phantasie! ftaa bort der Rue Turbiao. too er die reizende Margot kennen gelernt hatte. nacy oen uttn oer spree, aus oeren Fluthen man eine starre wohlbekannte Frauenleiche zog.... Plötzlich wurde er durch ein knarren deS Geräusch ausgeschreckt, die Thüre ei nes hohen SpiegelschrankS öffnete sich und Margot trat heraus; .sie hatte' of m ? err p lenoar Aue! ausgeicgr. .Rudolf !--sagte sie, .ich bade Sie beobachtet durck daS Schlüsselloch. Sie sind mir noch immer gut sagen Sie ja, v ix . k . v ' r. i-v! . m ir -l . : unu iu, ukic vieies vlng weg. uuauu öffnete sie iore kleine ftauft ein wenia. daß man ein weißes Papiersäckchen, wie man es tn oen Apotheken bekommt, je hen konnte, ttehren Sie zu mir zu rück. Rudolf...." - Der Angeredete war so überrascht, daß er erst Zeit brauchte, um sich zu sammeln. Ich rann nicht !' sagte er endlich ganz bestimmt .aber ich be schwöre Sie. Margot, lassen Sie ab von Ihrem schrecklichen Vorhaben ! !" Margot holte von einem kleinenTisch chen ein Wasserglas und stellte es vor sich hin. Rudolf suchte sich der Sand, welche daS sckreckliche Vulver bara. Ziu bemäch tigen, aber daS Mädchen war gewandt wie ein Eichhörnchen, ne entjchlupne lym immer wieder. in seiner Angst eilte er an da? geöffnete Fenster, um seinen Freund, der vor dem Hauie aus und av patrouillirte, zu rufen. In der nächsten Minute stand derselbe vor dem erregten Paar. ' ' - .helfen Sie mir diese Unglückliche an der Ausführung einer schrecklichen That verhindern, sie will nicht mehr leben ohne mich sie will Glst nehmen.Der freund ersakte die kleine Sand. die Faust leistete geringen Widerstand er entriß ihr das zusammengeballte Papierstuckchen und schleuderte es in die Ecke. In demselben Augenblicke fühlte er' sich von zwei weichen Armen um schlungen : .Mein Netter, wie jou l(g Ihnen danken?" Der Freund wußte nicht wie ihm ges schahaber die Umarmung konnte man sich gefallen lassen .Mein Fräulein" stotterte er .beruhigen Sie sich!- " w M l- 9 .Nennen öie mich 'cargor. nuoois, wie heißt Ihr Freund V .Albert!" Nennen Sie mich Margot, Monsieur Albert ich schulde Ihnen mein Leben küssen Sie mich, Monsieur vuoen, tote haben mich dem Leben wiedergegeben Moniieur Albert tbat wie ihm gehei ßen. DaS Leben kehrte auch in der That in Margot zurück, lhre Wangen zeigten wieder die blühende Farbe der Gesundheit und der Jugend; auf Al bert'S schwarzem Gehrock waren dagegen verschiedene mehlige Spuren zurückge blieben Rudolf wandte sich ab, wie Jemand, der hier gar nichts zu sagen hat, als Albert ein Rettunaswerk mit einem zweimaligen Koste beschloß. .So schön, so zung, sagre er, .uno an den Tod zu denken !" , ?lck kann nickt leben ohne Liebe flüsterte Margot, .und da er mich ver lasien hat Nudolk Nand nock immer mit abae wandt-m Gesicht da ; nach einer Pause von fünf Minuten horte er, oatz Aldert an ihn die Worte richtete: Das ist aber auch gar nicht fchön von Vlr:.... - 7nn spickte er fick Zlum Fortaeben an : .Margot, ich habe Alles geordnet, was zu ordnen war, versprechen Sie mir, von tollen Streichenein für allemal ab zustehen!" . . .Jch garantire Dir dafür !" sagte AI bert mit einem bedeutungsvollen Blick aus Margot, dann erhob er sich und er griff seinen Hut. - M,n 8 Monsieur Albert saat." sejlte Margot, den Blick entsprechend erwidernd, hinzu. Die beiden Manner empfahlen sich. ieder in seiner Weise. Rudolf hatte un bemerkt in der 5Zimmerecke das Vulver chen aufqehoben und es zu n geleckt, verNcktsbalber. edt. ais im 0 Thüre binter ihnen oeschlosien batte, sah er eS genauer an. er lächelte, denn es enthielt a t ' , ' ' , die Ausschrist : .Natron. : .Was stebt denn daraus?" sagte Al bert, der eS bemerkte. . llvankali erwiderte Rudolf. Auf der Treppe gab er seinem Freund einen Schluffel.. Und Margot. hat sie mit ihrerAuffas sung nicht Recht? Moderne Liebeserklärung. .Nachdem sich unsere beiderseitigen Väter über die nöthigen (Le'.oangelegen beiten verständig haben, wage ich eS, Ihnen zu gestehen, vag l sie unaus sprechllch serchterlich llede. Gegründeter Zweifel. Q. mein 5?rSulein. wie rasch flieat hi Ye,'t dabin in 5tfm beseliaenden TOfisi ; iinh-n werden zu Minuten " .Wie können Sie das wisien, Sie Haben ja nicht einmal eme uyr Höchster Grad von Enthn s i a s m u S. Mk, Tistt D!r denn die neue Oder , frin? AuSae,eicknet: das Dubli. kum war so ergrissen, oas es ncy an oer Musik mitbetbeiligt bat.- .Was hal'S . rrt . n . - a. . w f r denn gemacht k .wepnnen oar-s .

US dem Berliner SeriqtSsaale. S-n Oatkr der seinen Sohn, ab, r gegen seine Selb beutet xlaidirt.

Vorsikender lm einem aus den Auf ruf durch den Gerichtsdiener sich dem j Gerichtshof präfentirenden Herrn): Sie können doch unmöglich der . im Jahre im geborene Angeklagte WilhelmBock sein. Der also Angeredete: Ree, bin ick ooch nich, Willem is mein Sohn, ick bin der Olle. Lorsitzender: Ja, warum erscheint denn Ihr Sohn nicht persönlich ? Herr Bock : I, wo wird er denn ? Vor so'ne LaPpalie ! Ick werd' ihn doch von wejen die dumme Jefchichte nich die Schule schwänzen lassen, noch dazu, wo er heut KonsimationS'Unterricht je. nient. Vorsitzender (lächelnd): Run,wir kön nen allenfalls auch in Abwesenheit deS Angeklagten verhandelnd eS sich nur um eine Uebertretung handelt. Sind Sie Willens, für Ihren Sohn hier Erklä rungen abzugeben ? Herr Bock: Na ob! Wat kann denn überhaupt bei die janze Jeschichte her auskommen ? Vorsijender : Nun, da? müssen wir erst abwarten und jedenfalls auch den als Zeugen geladenen Schulmann hö' ren. Herr Bock : Na ja, hören Sie ihn man ! Wat kann da sind? Der Zeuge wird aufgerufen und sagt aus, daß Bock junior eines Abends auf einem Velociped die Straßen entlang gefahren fei, ohne daß dasselbe wie jedes andere Vehikel mit einer Laterne verse hen gewesen war. Vorsitzender : Nun, Herr Bock, aeben Sie im Namen Ihres Sohnes zu, daß die der Anklage zu Grunde liegende Thatsache richtig vorgetragen worden ist? verr Bock:Nu bitt' ick Jbnen aber blos, woher soll denn der Bengel wisien, daß een Volociped en Vehikel iS und Wagenlaternen haben muß ? det weeß lck ja kaum. Vorsitzender : Unlenntnik der Gesetze und Polizei-Verordnungen schützt vor Gericht nicyt. Herr Bock: Nich, na denn ooch tut, denn nehmen Sie ihn in Strafe, us een Paar Märker soll eö mir nich ankom men. So sirenge faßte aber weder derAmtS anmalt noch daS Schöffengericht die Sache auf, denn eS wurde, dem Antrage des Elfteren gemäß, nur auf einen Ver weiß erkannt. Nach Verkündigung des Urtheils schmunzelt Hr. Bock senior und begleitet sein &dem Gerichtshof gemachtes Ab' schiedscompliment mit den Worten : Na sorgen Sie sich man nich. meine Herren. ickwileS dem Bengel schon ordentlich besorgen; eenen Verweis soll er bekam men, der nrch von schlechte ältern sein wird. Vorsitzender : Sie besinden sich in ei nem Irrthum, Herr Bock; den Verweis, auf den wir soeben erkannt haben, hu. ich verpflichtet, zu ertheilen. Herr Bock: Na. deßwegen. Herr Pra sident. brauchen Sie sich nich zu uns zu bemühen ; es würde zwar meiner Olle äußerst anjenehm sind, uf die WeifeJhre werthe Bekanntschaft zu machen, aber wenn et Ihnen zu ville Muhe machen sollte na, Sie können sich uf mir ver lasien, ick besorge et dem Bengel janz jehörig und uf een Paar Katzenköppe vor meine ejene Rechnung soll et mir ooch nich ankommen. Vorsitzende?: Wir sind von Ihrem guten Willen und von Ihrer Zuverlas sigkeit vollkommen überzeugt, aber wir können Ihre Dienste m dieser Beziehung doch nicht acceptiren. Ihr Sohn muß hier erscheinen und an der Gerichtsstelle den Verweis von mir entgegennehmen, so schreibt es daS Gesetz vor. Herr Bock : Wat. hierher soll ick den Jungen schicken ? Nee det dhue ick nich. det würde ihn zuZiehrZdemoralisiren. Vorsitzender: Schwatzen Sie doch nich so ungereimtes Zeug ; bei uns wird Kei . M ner demoralisier, miaen &ie Jyren Sohn hierher, sonst sind wir tn die un angenehme Lage versetzt, denselben durch einen Schutzmann sistiren lassen zu müs sen. Herr Bock: Wat, Schuhmann na. det wäre eene schöne Jeschichte. Nee, Herr Präsident, det jeht nich. Wisien Sie, lck wl.ll Ihnen eenen des eren Borschlag machen. Verknacken Sie den Bengel zu eene Jeldstrafe und diebringe ick Ihnen selbst her; berappen muß ick ja doch vor den Jungen; uf so'ne 3o 40 Mark kommt et mir ich an. Vorsitzender: Wir glaubten gerade den Verhältnissen entsprechend zu erken nen, wenn wir Sie durch eine Geldstrafe nicht in Mitleidenschaft zogen und die mildeste Strafe über Ihren Sohn ver hängten ; hätten wir vor der Beschluß fasiung Jtzre Wunsche gekannt jetzt aber ist das Urtheil einmal gefallt und karn, gleichviel, ob eS Ihnen gefällt oder mißfällt, von uns nicht wieder aufgeho ben werden. Herr Bock : Na, mir iefällt et durch aus janz und jar nich. Vorntzender: Herr Bock, ich bedaure dies sehr, kann Jnen aber nicht helfen. Trösten Sie sich übrigens mit Anderen, es giebt nur Wenige, denen die in diesem Hause gesprochenen Urtheile gefallen. Jetzt halten Sie unö aber nicht länger auf, wir haben noch andere Geschäfte zu besorgen. Herr Bock: (beim Abgehen): Ver weis Schutzmann Sistiren Nee, da hört doch Allens uf. ick breche dem Ben gel die ttnochen im Lerbe und det lanze Velociped dazu kaput. Jut'n Morjen, meine Herren ! Militärische Instruktion. Mfnir ; ?tn her (tkiin föltinhp fnft ich von der Achtung gesprochen, die der " " i

Soldat seinem Vorgesktzten schuldig ist, ' ches zartere ' Gemüth verletzen könnte, und dem freundlichen Entgegenkommen, Weil aber das tertiuni companitic)womit dieser dem Soldaten gegenüber nis mit ungemeiner Deutlichkeit hervor

treten soll. Also was ist Er z. B. dem Herrn Lieutenant schuldig ? Soldat: Achtung! Osfilier: Und was ist der Herr Lieu tenant Ihm schuldig? Soldat: 4fl. 3 kr. Bedientenlohn vom vorigen Jahr.

LluS dem deutschen Dlchterwalde. Bekanntlich erwacht im deutschen Dichterwald in jedem Frühjahr ein fr!

sches Singen und Klingen. Diese Er fchemung macht sich fogar trotz des zöger lichen Tempos bemerklich, in welchem der ersebnte Lenz nabt. Der moderne Dich te?, der seinen Kalender im Kopfe hat, ist eben nicht mehr vom Thermometerstände und den Berich!en der Seewarte abhängig ; sowie der März erschienen ist, bewegt sich ein Maximum von Empsin düngen auf ihn zu, das mit Naturnotb wendigkeit sich .in heiteren oder weh müthigen Liedern entladen muß. So liegen uns zweiLiedersammlungen vor, die schon in nächster Zeit im Druck erscheinen werden, und aus denen wir heute rr.lt der gütigen Erlaubniß der Herren Verfasier den geneigten Lesern einige Proben mittheilen wollen. DaS erste Buch ist belllelt : Erstlinge. Em Musenopfer, dargebracht von Harald Laulenschläger." Un erDlchter zewt sich als em sn (fies, liebenswürdiges Talent, das besonders im Erwachen des Frühlings die Anre. gungen zu seinen ersten vielversprechend den Schöpfungen findet. Nur ein un billiger wird verlangen, daß ein Sänger unsererEpigonenzeit dem allmälig etwas abgesungenen Lenz ganz neue Seiten abgewinnen soll ; man wird zufrieden sem musien, wenn rm Einzelnen m Ge danken und Wendungen sich eine origi nelle Auffassung zeigt. Dak dies bei Lautenschläger der Fall ist,werden einige Proben zeigen. Lenzerwachen. Nun sprießt manch' frischer Blumen strauß A if sonngeküßter Aue, Der Dachs wischt sich die Augen auS Und steigt auS seinem Baue. Er lag in dumpser Winterz?it Dort schläfrig und verfettet. Zu neuer Lebensthätigkeit Hat lhn der Lenz entkettet. Mensch, nimm ein Beispiel dir am Dachs! DeS Winterschlafes ledig Durch Wiesen und durch Walder stracks Voll Lebenslust ergeh dich ! Welch' liebevolles Sichversenken ' in die Natur spricht sich in diesen Zeilen aus ! Der Sonnenschein, der denMen schen hmauslockt, der Morgenwind, der mit grünen Zweigen an sein :nsier klopst, sind allmälig etwas verbraucht, freudig degrüßt man an ihrer Stelle als gruhlingsmahner den wackeren Dachs, oen allerdings die meisten unserer groß 'adtischm D'chterlinge niemals persönlich zu Gesicht bekommen. Em anderes Fruhlmgslied, welches beginnt : Die wen'gen Vögel, die noch nicht Befestigt sind aus Damenhüten, Sie singen jeht, und gold'nes Licht Umzittert die verschämten Blüthen. beweist, daß der Dichter mitten in den Fragender Zeit steht, und daß seine sonst so milde und freundlich gestimmte Leier es auch versteht, wenn wir uns so aus drücken dürfen, beißende Saitenhiebe (sie!) gegen moderne Verirrungen zu führen. Lenz und Liebe sind nicht zu trennen, und so weiß Lautenschläger auch der Lust und dem Schmerz jener allbeherrschen den Empfindung ergreifenden Ausdruck zu verleihen. Man urtheile selbst. Erinnerung. (Viel.: DaS Meer erglZuzte nkt hinaS.) Lang' schön ist'S her, doch mit Deutlich keit Erinnerlich blieb mir der Vorgang : Wir standen in traulicher Abendzeit Umschlungen im dämmerigen Thorgang. Ich hab' ihr mit Küsten den Mund, be deckt In schmachtendem LiebeSgemunkel, Da kam, von dem Geräusch geweckt. Die Treppe herab ihr Onkel. Wir bedauern ausrichtig, daß diese so stimmungsvoll anhebende Strophe durch den entschieden unreinen Reim .Gemun ket Onkel- entstellt wird. Dem Uebelstande ließe sich vielleicht abhelfen, wenn der Vortrag des Liede einem Sänger übertragen wird, der an starken Gaumen und Nasaltönen leidet und so mit die Verschiedenheit der beiden Vocal.' in disereter Weise zu verschleiern weiß. Das ganze Gedicht hier mitzutheilen, verbietet uns der Raum. Wir verra then nur, daß die letzte Strophe mit ei ner grellen Diffonanz schließt, die hier allerdings das Verhältniß der Lieben den, nicht den Reim betrifft, denn dieser lautet in 'tadelloser Reinheit Liebe Hiebe". Im Gegensatz zu dem lebensfrischen Lautenschläger erscheint als eine ungleich ernstere Nctur Johannes aus'm Leim, der uns seine düsteren, oft von Verbitte rung zeugenden Poesien unter dem Ti tel Verlorene Tbränen aus dem Thrä nenkruge getäuschter Liebe" vorsetzt. Man höre: O diese Weiber. Ob'S falsch ein Weib, ob redlich meine, Erkennst du nicht auS ihrer Miene, ! So wenig, wie du je dem Schweine Von außen ansiehst die Trrchme. Erst wenn's zu spät ist, stehst im Harme Du da und in dem Drang der Schmer ' zen; Es wühlt der Haarwurm dir im Darme, Getauschte Liede dir im Herzen. Wir möchten der Einführung deZ in seiner Sphäre ji höchst nützlichen Bier füßlers, der mit Recht im Allgemeinen in der Lyrik nicht für parnaßsähig gilt, niüt unbedinat daZ Wort reden, wie auch der unverhüllte Hinweis auf den m t rrr , f T X 1. a dunklen Wirkungskreis derTrichine man tritt, möchten wir uns in diesem Falle doch auf die Seite deS Dichters stellen. Wollte er die Unzuverläsiigkeit deS weib lichen Geschlechts recht scharf hervorhe den, so hätte er vielleicht daS Schwein ausdrücklich als ein amerikanisches bezeichnen können, das bekanntlich sehr oft

trichinös ist und deshalb mit Recht an der deutschen ReichSgrenze jetzt unerbitt lich zurückgewiesen wird. Ein anderes Gedicht Zu spät !" über schrieben, welches anhebt: Wär' ich, als ich, da ich dich ' Sah, verweilte, fortgegangen. Nimmer, glaub' ich, hätte mich Jetzt der Täuschung Weh umsangen! spricht in ergreifender Schlichtheit daS schmerzliche Gefühl der Reue aus, die immer zu spät kommt. Wahrlich, eS muß unserm .auf'v, Leim" schlimm mitaespielt sein, denn alle seine Gedichte sprechen ein herbeS Ur theil über die Frauen aus. Wir grei fen noch einS heraus, welches nach unfe rer Ansicht in Bezug auf Inhalt und Form gleich vollendet ist. Der Ungetreue n. ES herrscht seil Tagen alt und grau In Englands Flotte diese Sitte: ES zieht sich durch ein jede? Tau, Ein rother Faden in der Mitte. So zieht sich durch der Lieder Ton, In welchem sich mein Herz entladen. (Zwei starke Bände sind eö schon .') Der Wehmuth blutigrolher Faden.Wenn du den rothen Faden schaust. Vergeht dir alle Lust zu scherzen. Du weißt, ich färbte ihn dir graust ! Ach, mit dem Blut auS meinem herzen i

Weilt die Angeredete unter den Le benden, und wir glauben eS, denn offen bar entnimmt auf'm Leim wie Goethe den Stoff femer Gedichte nur seinen eigenen Erlebnisien, so möchten wir sie nicht .um ihre Empfindungen bei der Lertüre dieser ergreifenden Lieder benei den. Wir schließen hiermit unsere Auszüge und hoffen, daß sie genügen werden, um den in wenigen Tagen erscheinenden Büchern einen weiten Leserkreis zu er schließen. Sollte es wirklich einmal einer con servativ'decimalen Majorität gelingen, alle Druckschristen mit Ausnahme solcher erbaulichen oder politischen Inhalts vom Colportagebuchhandel auszuschließen, so bitten wir, den Vertrieb dieser Dichtun gen in einem besonderen Paragraphen zu gestatten, ja ausdrücklich zu empseh len. Unsittliches enthalten sie nicht, wohl aber können sie zur Läuterung deS arg verdorbenen GkschmackeS in allen Kreisen unseres Volkes ein Bedeutendes beitragen. (Kladderadatsch.) Vom Marcuöthurme gestürzt. Aus Venedig wird dem Triest.Tgbl. geschrieben: .Ein junger, elegant ge kleideter Mann bestieg den MarcuS thurm. um. wie er sagte, das herrliche Panorama über die Lagunen nach Her zenölust genießen zu können. Von dem wschehaltenden Jeuerwehrmann erbat er sich das Fernrohr, er wolle sich über zeugen, ob es wahr sei, daß man vom Thurme auS das schöne Trieft erblicken könne. Der Feuerwehrmann willfahrte seinem Wunsche und ließ ihn allein nach dem Glockenftübchen hinansteigen. Nach dem jedoch bereits eine Viertelstunde verstrichen und der junge Mann noch nicht zurückgekehrt war, eilte er beun ruhigt hinauf, nach dem Unbekannten zu sehen; doch daS Glockenftübchen war leer, daS Fernrohr lag auf dem Boden und das Fenster geöffnet von dem Fremden keine Spur. Instinktiv blickte der Wächter auf den Platz hinab; un ten am Eingange zum Thurme, wo die verschiedenen Instrumente und Apparate angebracht sind, umstanden von einer großen erschrockenen Menschenmenge, lag eine blutige, formlose Masie eö war der Leichnam deS jungen Mannes. Wie Augenzeugen erzählen, soll die Wucht deS Falles aus einer Höhe von 10 Meter eine erschreckliche gewesen sein, der Schädel war-vollständig zertrümmert, die Knochen waren gebrochen und der Leichnam war nicht zu erkennen. Zuerst glaubte man die Leiche eines Engländers vor sich zu haben, doch ein Billet, das man nebst einer Baarschast von 20 Lire in der Brieftasche des Unglücklichen fand, ließ denselben erkennen. ES war der hier allgemein bekannte Gino Praga, welcher kaum 24 Jahre alt und derStvlz und die Freude einer reichen und ange sehenen Familie in Rovigo war. Seit Jahren schon befand sich der junge Mann hier in Venedig, wo er die Han delshochschule mit bestem Erfolge adsol virte und später bei einer der bedeutend sten Firmen einen hervorragenden Posten bekleidete. Was den beklagensverthen Jüngling zu einem so tragischen Ede sührte, ist nicht bekannt. Kein Schrei ben, keine Aeußerung des Unglücklichen gibt Ausschluß darüber, doch glaubt man, daß unglückliche Liebe in ihm diesen verzweifelten Entschluß zur Reise ge bracht. Gino Praga ist der Verfasser eines Dramas, das den Titel .Eros führt und in desjen letztem Akte sich der Held des Stückes entleiben will ; doch in dem Momente, als er den Revolver an setzt, um sein Dasein zu enden, fällt fein Blick auf das Bildniß seiner Mutter, die er so unendlich liebt und dennoch so überaus unglücklich zu machen im Be griffe ist. Hausmittel. Aber Kathi, was ist denn das für ein Mordfcandal bei Nnen? Sie mal traitiren Ihren kleinen Hund den ganzen Tag, das arme Thier heult ja zum Erbarmen !" Ja, sehen Sie.dicFrau Geheimräthin ist etwas schwerhörig und hört nicht, wenn ich weg gehe, ob eS klingelt; da muß ich denn jedesmal eine T M ,,- 1 t qnur vom iingeizug aus unserm Pinscher! an den Schwanz binden. Wenn nun Jemand außen zieht.so hebt'5 ihn hinten in die Höh' und er giebt kurch sein Geheul der Frau Geheimräthin zu verstehen, daß Jemand da ist !" Der beste Ausweg. Hausherr: .Jetzt sind Sie mir nun fast 2 Monate die Miethe schuldig. Ich will Ihnen 'was sagen, ich mag nun nimmer länger warten. Wenn Siekein Geld haben, um die Miethe zu bezahlen, dann kaufen Sie sich selbst ein HaüS ! VerstanoenZ-