Indiana Tribüne, Volume 6, Number 231, Indianapolis, Marion County, 9 May 1883 — Page 2
Indiana Hriöime.
FSgkiche- und SonntagsausgaSk. Office: DelawareStr. Indianapolis, Ind., ! Mai 1883. Die Chinesen in San Franclöeo. . Man hatte erwartet, daß die Ein Ischränkung der chinesischen Einwände!rung durch daö bekannte ChinesenGesetz sich schon nach kurzer Zeit in der chinesischen Colonie in San Francisco bemerk bar machen werde. Bis jetzt ist dies nicht nurnicht der Fall gewesen, sondern auf !ven Straßen der Stadt sieht man mehr Söhne des Reiches der Mitte, als zu der lZeit, da kein Dampfer der Oriental Eo." im Hasen vor Anker ging, ohne 500 bis 800 Kulis an Bord zu haben. Da nun zweifelsohne die Einwanderung aus China selbst wesentlich schwächer ge worden ist und werden mußte, so kann jene Erscheinung nur darin ihren Grund yaben, daß sich die Chinesen mehr als früher in San Francisco zusammen drängen und daß sie in dieser Stadt mehr und mehr anBedeutung gewinnen. DaS letztere ist ganz zweifellos der Fall. Um mit der Beschäftigung zu beginnen, welcher sich früher die neuen Ankömmlinge aus China zunächst zuwandten, der Aushilfe im Haushalte, so hat man in San Francisco längst erkannt, daß die Chinesen nichts weniger als tounschenswerthe Dienstboten sind. Im Anfang mit geringem Lohn zufrieden und kriechend höflich, verwandelt sich der servile Orientale in dem Augenblicke in einen frechen und unverschämten Gesellen, in dem er glaubt, daß er demHaus halte wirklich nützlich, oder, wie er es nennt, unentbehrlich geworden ist. So müssen chinesische Dienstleistungen häusiz ganz ansehnlich über ihren wirklichen Werth bezahlt werden. Dazu kommt, daß de: Chinese als Dienstbote nur zu viel Gelegenheit hat, seinen diebischen Gelüsten zu fröhnen. Er führt seine kleinen aber zahlreichen Diebstähle mit solcher Verschlagenheit aus, daß diese!-' den meist erst entdeckt werden, wenn er das Haus verlassen hat und daß es einer unausgesetzten Spionage bedürfen würde, denselben vorzubeugen. Aber keine Stadt ist eben in Betreff der Dienstboten so schlecht bestellt, wie San Francisco; das ungeschickteste und imbrauchbarste frisch eingewanderte irische Dienstmädchen, das in New Bork sroh sein würde, nur überhaupt Arbeit und einen geringen Lohn zu erhalten, denkt in San Francisco nicht daran, selbst m Ansang mit einem geringeren Lohne als $2a monatlich zufrieden zu sein. Sind in diesem Zweige des gesellschastlichen Lebens die Chinesen in Folge der vorherrschenden, eigenthümlichen Aerhältne unentbehrlich, so haben ne es in anderen Berufen durch ihr Stre den, alle BeWstigunaen, die sie ergrei fen, für sich zu monopolisiren und ihre Geschlckllchkett, mit der sie dies thun, zu einer gewissermaßen hervorragenden Stellung gebracht. Dies gilt nicht etwa blos von dem Betriebe der Wäsche reien, sondern es ist den Chinesen gelungen, zwischen den Schweinezüchtern und den Schlächtern eine vermittelnde Stel lung einzunehmen, daß man sagen kann, es werde in San Francisco, kein Pfund Schweinefleisch verkaust, ohne daß ein Chinese nicht seinen verhältnißmäßigen Antheil daran hätte. Wollte der Besitzer einer Schweinehecrde dieselbe direkt verkaufen, so würden sämmtliche Chine sen, die von dem erwähnten Zwischenge schaste leben, ihm in künftigen Füllen seinen ganzen Geschäftsbetrieb ruiniren. Dasselbe gilt, und fast in demselben Grade, von der Cigarrenfabrikation. Auch diese Industrie wird bereits von den Chinesen controlirt, und ihr maßge bender Einfluß ist in der Schuh und Stieselsabrikation, in der Anfertigung von Besen, Wäsche, Unter und Ober kleid, den sogenannten Overalls im Steigen begriffen. Es scheinen diese Erwerbszweige einen verhältnißmaßig geringen Theil der Produktion einer Stadt wie San Francisco auszumachen, doch muß man bei Beurtheilung der ge werblichen Bedeutung der letzteren einen ganz anderen Maßstab anlegen, als an die Industrie einer östlichen Stadt von gleicher Größe. Die Handelskammer in San Francisco hat kürzlich die Ansicht ausgesprochen, daß schon jetzt die volle Hälfte des gesummten Fabrik-.undHand-werksbetriebs in jener Stadt von chinefischen Arbeitern für chinesischeGeschäftsteilte verrichtet wird. Der chinesische Einfluß in San Iran cisco ist sonach trotz der Abnahme der chinesischen Einwanderung in schneller Zunahme begriffen. Au3 welchen Grün den dies für diese Stadt und für biegtsammte Pacisicküste kein Segen ist, wurde schon häusig und erschöpfend dargelegt, in San Francisco machen sich aber zur Zeit neue Befürchtungen geltend, die mit der wahnsinnigenZunahme der chinesischen Einwanderung auf den hawaiischen Inseln zusammenhängen. In der letzten Märzwoche und im April wurden bekanntlich über 7,200 KuliS in Honolulu gelandet, und weitere Schiffe mit derartiger Menschenfracht sind unterwegs, während noch weitere Massen chinesischer Auswanderer nur auf Schiffsgelegenheit warten. Die Kana ken müssen im Kampfe um ihren Unter halt diesen zahlreichen Mongolen gegen über unterliegen, und wenn die Regie ' rung von Hawaii nicht die energischsten Maßregeln gegen diese Ueberfluthung ihrer Inseln ergreift, so sind Verwickelungen unausbleiblich, deren Folgen auch an der pacisischen Küste von Nord amerika gespürt werden mögen. Erdbeben in den Anden. Neuere Nachrichten'auS Panama mel den, daß die Erdstöße, welche im März an vielen Orten von Mittel-Amerika verspürt worden sind, größeren Schaden angerichtet haben, als telegraphisch be
richtet wurde. . Das lirDDeven am . März hatte die weiteste Ausdehnung; in Hürde am Fluffe Magdalena dau erte eine ununterbrochene Erschütterung eine volle Minute, im ganzen ' . - . i
Staate Antioqma sino viele yaufer eingestürzt, nur die Hauptstadt Medellin ist wenia von dem Phänomen- betroffen worden. In der Stadt Antioquia wur de die Faaoe der jandeoraie arg oesckiädiat. .5ln Santa Rosa war noch Ansang vor. Mon. eine ganze Straße unbewohnbar, und m.arumal wuroen das Gefängniß und 35 Häuser gänzlich zerstört. In der Umgebung des Dorfes Pmagana wuroen namemucy die Palmenwälder arg verwüstet. Indianer, welche den District Taya bewohnen, erzählen, daß aus südöstlicher Richtung ein ununlervro ckienes Dröbnen lunb Donnern aus der Erde zu kommen scheine, doch hat es noch Niemand gewagt, rne urjacye oies Geräusches zu erforschen. Von den to pographischen Veränderungen, welche die verschiedenen Erdbeben verursacht haben, ist das Verschwinden einer umfangreichen Insel in -der Mündung des Atrato die bedeutendste und interessanteste. Diese Insel wurde im Jahre 1862 von dem Vereinigten Staaten Dampfer Firn brand" vermeffen. Am 27. März, Abends 8 Uhr 35 Minuten, wurde der letzte Erdstoß wahrgenommen. Gleichzeitig mit einem der Erdbeben in der Zwischenzeit ersolgte eine mächtige Eruption .des Vulcan von Ometepe im See Nicaragua ; es ist der erste Aus bruch dieses Vulcans, der sür erloschen galt, innerhalb historischer Zeit; in vorgeschichtlichen Perioden muß der Berg häufige und bedeutende Ausbrüche ge habt haben, denn eö geht dies aus den mächtigen Lavabetten hervor, die sich an seinen Abhängen hinziehen. Glücköspicle. Es ist eine Eigenthümlichkeit neuer Gemeinwesen, die eine hohe CulturentWicklung und Blüthe erlangt haben, daß sie seit Jahrtausenden bestehende mensch liche Fehler mit besonderem Eifer auf dem Wege der Gesetzgebung zu bekam pfen versuchen. Alle politischen, mora lischen und gesellschaftlichen Fragen, mit deren Lösung sich alte und wohleinge richtete Gemeinden seit undenklichen Zeiten vergeßlich abgemüht haben, glauben die jugendfrischen neuen" Länder mit Leichtigkeit durch Statuten aus der Welt schaffen zu können. Ihr Selbst, vertrauen, ist naturgemäß größer, als das der alten Staaten, ihre Erfahrung aber wesentlich geringer und es leuchtet ihnen nie ein, daß sie denselben Grundbedingungen untermorsen sind, wie die älteren Länder. Wenn wir so viel erreicht, die längst bestehenden Culturstaatm in so vielen Punkten überflügelt haben, mei nen sie, dann muß eS uns auch leicht werden, ei viel größeres moralisches Durchjchnittsmaß herbeizufuhren. In Australien tritt diese Erscheinung gerade so zu Tage, wie in den Ver. Staaten, nur beschäftigt man sich dort, weniger mit der Temperenz- als mit der Gambier- Frage. Das Glücksspiel schemt sich in den Colornen emer außer ordentlichen Beliebtheit zu erfreuen, die Spulsucht scheint die vorherrschende Leidenschaft zu sein. Philosophische Beobachter führen dies aus den eigenthumlichen Entwicklungsgang des Landes zu-! rück. Die ersten Ansiedler waren bevor tirte Verbrecher, die in dem gänzlich un civilisirten, keinerlei geistige Zerstreuung bietenden Lande einer fürchterlichen Spielwuth verfielen. Ihnen folgten die Goldsucher, die aus- allen Theilen der Erde ihre Lieblings-Spiele und Wett Methoden mitbrachten und als Abenteurer natürlich stets geneigt waren, das Glück zu'versuchen. Wer keine Schätze n der Erde fand, suchte sie durch die Karten zu gewinnen, und wer als Gold gröber besonders erfolgreich gewesen war, sehnte sich nach einem recht ausregenden Vergnügen, wie es eben nur das Spiel bot. Und nicht viel besser erging es den Schaf und Rinderhirten, die nach den Sträflingen und Goldsuchern in's Land kamen. Auch sie lebten m kleinen Gruppen aus ungeheuren, tröst", los einförmigen Strecken. Sie hatten viel freie Zeit, empfingen selten Besuche, noch seltener Bücher und Zeitungen und verfielen somit ganz naturgemäß aus da Würfel- und Kartenspiel. Allen diesen Claffen und ihren Nachkommen verblieb jene Leidenschaft, als die Verhältnis sich längst geändert hatten. Die jetzige Bevölkerung Australien braucht den Vergleich mit den civilisirte, sten Nationen nicht zu scheuen. Kirchen, und Schulen sind zahlreich und gut, oie' Presse, und zwar die tägliche sowohl alL die periodische, bleibt selbst hinter der amerikanischen kaum zurück, wissenschask liche und Kunstanstalten flehen aus einer hohen Stufe, und die Gesetzgebung ver räth äußerst fortschrittlicheAnschauungen. Unter diesen Umständen verdrießt es na türlich die Australier, daß die Spielwuth unter ihnen noch gerade so vorherrscht, wie vordem unter denSträflingen, Aben teurem und Hirten. Sie wollen dieses Nationallaster unterdrücken, wie sie die. Rechtsunsicherheit und Uncultur auSge rottet haben, und selbstverständlich versuchen sie es mit Statuten. Jede ein zelne Colonie hat bereits zahlreiche Gesetze zu diesem Zwecke erlassen, aber ge holsen haben dieselben bis jetzt nicht. Gelingt es der Wachsamkeit der Behör den, eine Form des Spiels zu unterdrücken, so taucht flugs eine andere auf, gerade wie die trinklustigen Leute in Maine noch immer die Spitzel der Prohibitionisten überlistet und ihren Durst gestillt haben. Dabei ist es auffallend, daß, wie das Victorian Magazine" hervorhebt, in Australien gerade diejenige -Form des Spiels verabscheut wird, die in den Ver. Staaten sür äußerst achtbar gilt. Man wettet auf Karten, Würfel, Pferde, Hähne und sogar Fliegen, resp, auf ein bestimmtes Stück Zucker, auf dem die erste Fliege sich niederlassen werde, (lly poker), aber die hierzulande blühende .Speculation" mit Actien und LebensMitteln kennt man nicht. Genau dasselbe gilt merkwürdiger Weise von Cuba,
wo man im Uebrigen leidenschastlich Lotterie spielt und nicht nur Geld, sondern auch Plantagen und Sklaven verwettet. Mit dem .Spiele zugleich den Cornerschwinde! und die Vertheuerung von Gegenständen zu verbinden, deren die groe Masse unbedingt bedarf, das fällt den australischen und kubanischen Sündern nicht ein, das überlassen sie den srommen und gerechten Kirchenmitgliedern an der New Borker Wallstreet und dem Chicaaoer Board of Trade.
Doch diese Thatsache ist zugleich allgemein lehrreich. Die gemeinen" Formen des Spiels wenigstens aus der Oeffentlichkcit zu verbannen, sällt amerikanischen Behörden im Allgemeinen nicht schwer, wenn sie nur wachsam sind. Eine stetig wachsende Abneigung der großen Volksmasse gegen gewöhnliche Gambier" kommt ihnen dabei-zu Hilfe, wiewohl natürlich in geschlossenen Gesellschasten allerorts genug Poker gespielt wird. Dagegen hat sich erst kürzlich ein Ausschuß Ler New Yorker Staatsgesetzgebung außer Stande erklärt, irgend welche Vorschläge zur Ein schränkung selbst des notorisch schwinde!haften Börsenfpiels zu machen. Dasfelbe verbirgt sich hinter den Formen der vollkommen gesetzlichen und nothwendigen Speculation, muß also mit dieser stehen und fallen. Ferner gilt es selbst Leuten für durchaus achtungswerth, die unter keinen Umständen ein Spielhaus betreten würden. Gelehrte, Farmer und selbst Geistliche wetten unbedenklich aus das Steigen und Fallen von Produkten. Aus diesem Grunde ist diese Form des Glücksspiels in den Ver. Staaten gesctzlich nicht zu unterdrücken, während sie in Australien durch Gesetze gar nicht bekämpst zu werden braucht. Das moraliscke Bewußtsein des Volkes ist die einzige Schutzwehr gegen nationale Laster, nicht aber der todte' Buchstabe. Kein Gesetz wird geachtet, wenn es nicht der Ausdruck der wirklichen öffentlichen Meinung ist, die Anschauung der überwiegenden Mehrheit widerspiegelt. Glück im Unglück. Dem Deutschen wird seine eigenthumliche Auffaffung vernichtender Katastrophen ost mit Recht zum Vorwurfe gemacht. In der That ist es specisisch deutsch, wenn wir von einem Menschen, der den Hals gebrochen hat, versichern, derselbe habe immer noch Glück gehabt, sonst wäre ihm jedes einzelne Glied im Leibe zerschmettert worden. Ausnahme weise jedoch sind die Paffagiere und Beamten eines EisenbahnzugeZ vom Glücke im Unglück zu sprechen berechtig!, welcher Ende vor. Mon. in offener Prairie dem Wüthen des aus den telegraphischen Mittheilungen bekannten Orkans ausgesetzt war. Der zwischen Denver und dem Südparke von Colorado, sahrende Eisenbahnzug wurde, nachdem er die Station Gerends kaum verlassen hatte. von dem aus südwestlicher Richtung kom menden, ungewöhnlich heftigen Orkane betroffen ; von dort bis (iomo fuhrt nur eine kurze Strecke durch den offeenPark, Mit welcher Bezeichnung man bekanntlich im Westen verschiedene Theile derPrärie belegt. Der Sturm wüthete stoßweise ; der Zug mußte versuchen, eine einigermaßen geschützte Stelle zu erreichen und der Locomotivsührer ließ daher die Maschine mit voller Kraft dem Sturme entgegenarbeiten. Er hatte das Gefühl, als ob eine Riefenhand die Locomotive und denZug zurückdrücke, und dieWagen ächzten und krachten in allen Fugen. Dabei herrschte ein ununterbrochenes dumpses Brausen in der Lust, das dennoch von den schrillen Diskantklängen der schwingenden Telegraphendrähte unheimlich übertönt wurde. Während die Waggons zitternd und von einem Geleise auf das andere fpringend, oft geraume Strecken nur aus den Rädern der einen Seite zurücklegend, der stöhnenden Lokomotive folgten, hatte der Conducteur Geistesgegenwart genug, die in den Oesen brennenden Kohlen durch die Closets von dem Zuge zu entfernen. Die Paffagiere, die sich an den Sitzen festklammerten, suchte er durch die Ver sicherung zu beruhigen, daß der Zug in kürzester Frist eme geschützte Stelle erreichen werde, fugte aber hinzu, daß die selben, möge geschehen, was da wolle. sich an den Bänken festhalten möchten. Die Bremser hielten sich mit Aufbietung aller Kräfte auf ihren Plätzen auf den Platsormen der Wagen fest. Feiner Sandstaub drang durch die geschlossenen Fenster und machte das Sehen unmög lich. Da machte der Zug eine Biegung, mittels der er den Durchstich durch eine wellige Boden - Erhöhung nach Zurücklegung einer Meile erreicht haben würde. In Folge der veränderten Richtung traf der Orkan nicht mehr die Spitze des Zu ges, sondern faßte denselben halb von der Seite, und ein besonders heftiger Stoß warf erst den Rauchwagen dann den anderen Paffagierwaggon und schließlich den Gepäckwagen von dem Geleise quer über den Bahndamm. Knirschend und praffelnd schleppte die Locomotive die wüste Masse noch ein paar Schritte über die Schwellen dahin, bis endlich der Zug stand. Der Sturm hatte gerade sür einen Moment nachgelaffen und bei dem Anblick, den die um gestürzten Wagen boten, mußte man Erwarten, entsetzlichen Scenen und Silbern im Innern derselben zu begegnen. Doch da begannen auch schon die Paffagiere durch die Fenster aus den Wagen zu klettern, kein einziger war beschädigt, und nur von dem Gesichte eines Knaben rannen einige Tropsen Blut ; die Glassplitter eines zerbrochenen Fensters hatten denselben ganz leicht verletzt. Aus der Kabuse kletterte der beleibte Packmeister heraus, dem in Folge einer leichten Contusion die Nase blutete. Das kaltblütige Benehmen des Conducteurs hatte sicherlich viel dazu beigetragen, ernsten Folgen des Unglücks vorzubeugen, wäre aber der Umsturz der Wagen kurze Zeit früher oder später erfolgt, so würden diese nicht auf ebenen Boden gefallen, sondern von dem Bahndämme ungefähr 30 Fuß in die Tiefe gestürzt sein. Zwei Damen und ein kleines Mädchen, die sich auf dem Zuge befanden, nahm der Locomotivenführer
auf die Maschine und in seine besondecr Obhut. Die übrigen Paffagiere mußten mehrere Stunden warten, bis sie-der ihnen entgegen geschickte Zug erreichte. Gegen den von Zeit zu Zeit immer wieder losbrechenden Orkan fanden sie in den umgestürzten Wagen nothdürstigen Schutz, und von den Früchten, Nüssen, Eandy'Vorräthen, die in der Kiste des auf dem Zuge angestellten "train boy" ungewöhnlich reichlich vorhanden waren, ist nicht da Geringste übriggeblieben.
(5ln Stück Nomantik. Ungefähr zwei Meilen von dem Städtchen Fairbury in Nebraska lebt ein Greis,' deffen Alter auf hoch in die. Siebenzig geschätzt wird, seit 16 Jahren das Leben eines Einsiedlers. Der Mann kommt wöchentlich mehrere Male in das Städtchen, kauft seine einfachen Lebensbedürfnisse für baares Geld und hält an jedem Sonntage in der Sonntagsschule einen Vortrag, den kein Einwohner außer aus zwingenden Gründen versäumt. Aus diesen Vorträgen, welche die verschiedensten Tbemen behandeln und ein vielseitiges Wissen verrathen, spricht der Geist reinster Menschenliebe und vorurtheilssreiz Klarheit in der Beurtheilung religiöser Fragen. Seinem oft ausgesprochenem Wunsche gemäß wird der allgemein verehrte Mann niemals in seiner einsamen Wohnung im Walde aufgesucht. Vor Kurzem war er einer Woche hindurch nicht im Städtchen erschienen; da seine Abwesenheit sich auch über den Sonntag ausdehnte, so fürchtete man, der Alte sei erkrankt und mehrere Männer suchten ihn am Montage aus. Sie fanden in dem bewaldeten Abhsnge eines Hügels eine künstlich ausgearbeitete Höhle ungefähr ö Fuß im Quadrate, in welche eine Röhre von 20 Zoll Länge und 15 Zoll Durchmeffer hineinführte.' Um durch letztere zu gelangen, mußten die Männer die Bcwegungen eines Hundes nachahmen, der sich unter einem dicht auf den Boden herabreichenden Stakete durchwindet; der Eingang zur Röhre war durch eine eiferne Platte verschlossen, die offenbar von einem alten Kochofen herrührte. In der Höhle befanden sich 2 Hühner mit einem Vorrathe von Mais und Wasser, und eine roh gezimmerte Bettstatt, auf welcher Tannennadeln, .ein Büffelfell und eine indianische Decke lagen. Von dem Bewohner zeigte sich keine Spur. Als die Männer in das Stäbchen zurücttehrten, ersuhren sie. daß der Eremit, der einen weiteren Ausflug gemacht batte, inzwischen daselbst erschiene!? sei. Der alte Mann wirkte früher als Seelsorger in verschiedenen Städten von Maffachusetts und zog vor 16 Jahren zu seinem einzigen Sohne in Lincoln,' Nebr., der dort' in glücklichster Ehe lebte. Der Sohn starb plötzlich nach kurzer Krankheit, und zu dem Kummer des Vaters gesellte sich der durch nichts gerechtsertigte Verdacht, seine Schwiegertochter habe seinen Sohn vergiftet und trachte auch ibm nach dem Leben. Er wählte sich die Umgebung von Fairbury zu seinem ein samen Aufenthaltsorte. Der Einsiedler ist, wie schon erwähnt, durch Klarheil des Geistes ausgezeichnet, durch ein kleines Vermögen in den Stand gesetzt, in mitten der Gesellschast sorgenfrei zu lcben, hält aber an dem Wahne, den seine durch den Schmerz verdüsterte Seele ge' fat hat, auch nach so langer Zeit noch fest. Vom Jnitinse. Als d i'e muthmaßlichen Mörder des Jakob Zumsteg, Insassen der Soldaten-Heimath bei Milwaukee, Wisc., dessen Leichnam, wie unsern Le sern bereits bekannt. Sonntag früh in einer Krippe eines alten Stalles in einer Vorstadt Milwaukee's vorgefunden worden ist. sind ein verrufenes Frauenzimmcr. Namens Mai Stevens, der SteinHauer Fritz Leonhard, der Tischler Johann Gleißner und Nikolaus Knöpfle verhaftet worden, mit denen Zumsteg Samstag Abend eine Orgie gefeiert. Der Unglückliche schemt erwürgt worden zusein. Die Gefangenen, von denen keiner Vertrauen verdient, behaupten, Zumsteg sei in einen Bach gefallen, und sie hätten ihn als Leiche daraus hervorgezogen. Zumsteg war 45 Jahre alt und stammte aus der Schweiz. In Georgiascheint eine förmliche Epidemie unter die Hunde gefahren zu sein, welche sich nicht als Toll wuth, wohl aber als eine höchst auffallende Bissigkeit äußert. . Die Farbigen besitzen tausend: von Hunden und andere taufende lausen herrenlos umher. Menschen, Rinder, Schweine, Schafe werden ungewöhnlich häufig und ost gefährlich gebissen, das Geflügel wird mebr als dccimirt. Das Uebel fcheint die Dimenfronen einer Landplage angenommen zu haben, und überall werden Petitionen mit Unterschriften bedeckt, welche die Legislatur um Erlaß eine Gesetzes angehen, das die Tödtung aller Hunde, für welche die Hundesteuer nicht bezahlt ist, anordnet. Ein Gerichtshof in Ohio bat das Versahren einer Telephon-Co. als gesetzlich anerkannt, welche einem ihrer Kunden die Weiterbenutzung des Apparate? verweigerte, weil dieser dasselbe trotz wiederholter Warnung zum ordinärsten Fluchen und Schwören miß braucht. Nicht blos ganz in der Ordnung, sondern gerade so selbstverständlich, wie das Verfahren der Post, neläze Postkarten obscönen Inhalts ebenfalls nicht befördert. Nachträglich wird von der Vanderbilt'schen Maskerade berichtet, daß die Frau vom Hause ihre Gäste sitzend empfangen habe, und daß mehrere Angehörige alter Knickerbocker-Familien hierüber fo indignirt waren, daß sie das Haus sofort verlassen haben würden, wenn sie nicht ihren Ehehälften zu Liebe geblieben wären; diese wollten sich nicht Stunden lang inStaat geworfen haben, ohne zu sehen, welche Garderoben von den übrigen Damen zu? Schau gestellt würden. Der letzte B ericht der BinnensteuerBehörde weist eine Zunahme der Steuer auf Ale und eine gegen die
Vorjahre verminderte Zunahme der'
Steuer auf Lagerbier nach. Prof. George P. Fisher v'om Yale.College weist nach, daß die Bildung freireligiöser und prononcirt ungläubiger Secten sich in den schwach besiedelten Grenzdistricten viel häufiger vollziehe, als in den Mittelpunkten der Bevölkerung. DerExport vonRind fleisch, welches an der Lust, theils mit theils ohne Anwendung von Salz getrocknet ist, beginnt in Südamerika große DU mensionen anzunehmen. Tausende von Tonnen werden jährlich von Montevidco, Rosario, und anderen Theilen von Uruguay und der argentinischen Republick exportirt. In einzelnen Schlächtereien Laiadros werden täglich über 1,000 Rinder gefödtet, zertheilt und ge- j trocknet. Derartiges Fleisch und Bohnen bilden das hauptsächlichste Nah rungsmitel sür die Bewohner der Küsten von Süd- und Centralamerica. Amerikanisches Bier scheint nach dem Berichte unseres Consuls in Lüttich den Herren Belgiern vortrefflich zu munden. Er erwähnt die Jmportation von Bier aus Cinclnnati und Milwaukee. Aus dem Jahresbericht der New Jorker Handelskammer geht hervor, daß im lausenden Fiskaljahr 943. 000 Tonnen Zucker, d. h. 24.5C0 mehr als lSSi, in New Z)ork importirt wurden, und daß Louisiana eine größere Ernte lieferte, wie jemals seit Beend!gung des Krieges gegen den Süden, nämlich 230,000 .Oxhost' An Kaffee fand eine Ueberproduction statt, obwohl der Eonsum zugenommen hat; die Gesammteinfuhr an Kaffee betrug 222.000 Tonnen, gegen 203,000 Tonnen im Jahre 1881. Die TheeEinsuhr betrug 15.000,000 Vsund. Die Baumwollenernte betrug 3,435,845 Ballen, eine Ahnahme von 1.153,484 gegen 1881; 3,595,031 Ballen wurden exportirt, 2,311,790 davon nach Liverpool. Der Ertrag sür den Export von Brodstoffen bat sich um $8,000,000 vermindert. An Petroleum 492,409,097 Gallonen exportirt, gegen 507,310,506 in 1831. Gold und Silber wurden importirt zum Be trage .von $767,111,904 gegen $753,240,125 im Jahre 1881. Der Gesammlwerth des Exports $770.920,003, gegen $898.152,891 im Vorjahr. Die Handelsbilanz während der letzten 5 Jahre weist ein Guthaben von $928,117.895 für die Ver. Staaten auf, dabei ist aber der Austausch von Gold und Silber nicht mit inbegriffen. Man erwartet, das Jahr 1883 werde cinbedeutend günstigeres Resultat als 1882 aufweisen. Die Denv?r Nio Grande Eisenbahngesellschaft steht im Begriffe, das sog. Black Eanyon", die schwarze Schlucht, des GunisonfluffeS erforschen zu lassen. Der Fluß fließt dort eine lange Strecke zwischen senkrechten, 3009 Fuß.hohen Wänden von Syenit. ' Auf eine Strecke von 1800 Fuß schließen sich die Felsen über dem Flusse, und dieser fließt unterirdisch. Die Strömung ist außerordentlich reißend. Der Plan zu: Erforschung dieser Schlucht geht dahin-, ein festgebautes Boot, das mit LebensMitteln und allem andern Nothwendigen ausgerüstet ist, an Stricken befestigt, mit der Strömung den Fluß hinabtreiben zu laffen. Das Sündenregister der Chinesen in New Vork ist , wiederum bedenklich vermehrt worden. Die 18jährige Emma Pool hatte die Frau des Ehinesen Cbing King, welcher in Mattstraße eine Opiumhöhle betreibt, wegen Neal-Jnjurien verklagt. Bei der VerHandlung stellte sich heraus, daß Emma Pool bereits eine eingefleischte OpiumNaucherin ist und daß King und seine Frau eine Anzahl Mädchen, meist nicht über 14 Jährt alt, in ihre höhle gelockt, zum Opiumgenub verleitet und an solchen gewöhnt, sodann zu grauenhafter Unzucht mit anderenChinesen mißbraucht haben. Die Angelegenheit wurde der Kinderschutz-Gesellschaft überwiesen und diese hat bereits die Verhaftung mehrerer der chinesischen Verbrecher veranlaßt. Es wird versichert, daß die Chinesen, um die Kinder an das Opium zu gewöhnen, denselben im Ansänge Zuckerwerk gaben, welches mit Opium imprägnirt ist. Durch das Arbeitsbureau im Castle lHarden fanden im Laufe des vergangenen MonateZ 2712 Männer und 710 Mädchen und Frauen Beschäftigung. Der 'deutsche Generalconsul überreichte der Gesellschast $300, zu welcher Summe derKönig vonBayern $200 vnd der Senat der Stadt Bremen $100 beisteuerte. Laut Bericht deö Schatzmeisters beliefen sich die Einnahmen im Monat April au? 88665.83 und die Ausgaben aus $1028.46 ; der Kassenbestznd am 30.April betrug Sl3.091.11. JSom ZNuSlattöe. Der Generalgouverneur von Odessa hat bekanntiich in einer Eingabe an oie Nkgierung aus die angebliche Ueberfüllung der mittleren Lehranstalten mit Kindern jüdischer Eltern hingewiesen. Die Ssowremennuja JZwestija" haben sich nun der Mühe unterzogen, diese Behauptung des Generalgouverneurs durch Zahlen zu beweisen. Im Moskau'schen Lehrdezirk, so schreibt das judenseindliche Blatt, betrug die Anzahl der jüdischen Gymnasiasten im Jahre 1870 nicht mehr als 14 ; 1881 306; im Charkow'schen, 32; 1831.248; im Petersburger wuchs die Zahl von 34 bis zu 331; im Kiew'schen wuchs sie von 198 bis auf 854; im Wilna'schen von 903 bis auf!363 ; endlich imOdeffa'schen von 647 auf 2468. Aber dort, wo die Zahl der jüdischen Schulsugend sich verdoppelt habe, (im Warschauer Bezirk), sei die Gesammtschülerzahl nur um ijo gewachsen; im Kiem'schen Bezirk habe sich die Zahl der jüdischen Schüler vervierfacht, die Gesammtzahl der Schüler, aber kaum ver doppelt; ebenso habe sich die Gesammtzahl der- SSzuler auch im Odeffa'schen und Wilna'scken Bezirk nicht verdoppelt, während die Zahl der jüdischen Schüler sich dort verdreifacht hätte. Selbst im Dorpat'schen Beznk habe sich die Ge-
sammtzahl der Schüler kaum etwas mehr als verdoppelt, die Zahl der jüdischen Schüler aber sei von 60 aus 435 gestiegen. Wir. sind nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Zahlen zu bestätigen oder zu bestreiten, unter allen Umständen sind sie eher ein Beweis mehr dasür, daß die Juden eben lernbegieriger, strebsamer und intelligenter als die Nuffen sind. Der H erzog von So merset lenkte die Aufmerksamkeit des englischen Oberhauses vor Kurzem auf einen Umstand hin, welcher mit der ColonialPolitik bisher stets sehr eng verknüpft gewesen ist: nämlich auf das Verhalten der Missionäre gegenüber den Eingeborenen. Die Agenten der Mission?gesellschast, so erzählte der Herzog, ließen sich in West-Asrika die größten Grausamkei- ' ten gegen die Eingeborenen zu Schulden kommen. Die Agenten hielten Sklaven, folterten sie und verursachten nicht selten deren aualvollen Tod. Der Red-
ner bezeichnete dies als eine Schmach für die Kirche und das Christenthum und sprach die Ansicht au, diese Mislionäre verdienten, vor ihren Bethäusern aufgeknüpft zu weroen. ir fragte an, welche Schritte die Regierung einzuleiten gedenke, um diesen schändlichen Vorkomm nisten zu steuern, und ob sie nicht einen Bekebl erlösten wolle, daß die Missionäre sich nicht außerhalb der Jurisdictionsbezirle niederlaffen sollen, damit man ihre Haltung überwachen könne. Der Erzbischos von Canterbury vertheidigte die Mifsionsgefellschaft; die Grausamkeiten, die verübt wurden, seien nicht vou Missionären, sondern, von bloßen Missionsagenten begangen worden, die bestrast worden seien. Die Frage der-Nützlich-keit des eisernen Vorhangs und der Imprägnirung der Holz und Leinwandtheile auf der Bühne ist durch denBrand des Berliner Nationaltheaters wieder in den Vordergrund deS Jntereffes gerückt worden. Hierüber schreibt ein Fachmann folgendes : Der Brand des Berliner Nationaltheaters hat in de? gesummten Preffe leider der Ansicht Raum und scheinbare Berechtigung gegeben, daß weder der eiserne Vorhang noch das Jmprägniren die richtigen Mitte! seien, welche einem Theater und dem Publikum im Falle der Feuersgefahr Schutz und Sicherheit gewahren könnten. ES steht zweifellos fest, daß das Feuer us dem Schnürboden auskam, alfo aus dem gefährlichsten Punkte des Theater?. Wer jemals die Wirkung gefehen, welche größere Gluthmaffen auf eiserne Konstruktionen auszuüben pflegen, wird einer verhältnißmäßig sehr schwachen Blechdicke ca 1 mm ! , umfangreichen und niemals so recht dicht abschließenden Eisen- oder Stahlblechwand nie und nimmer die Fähigkeit zuschreiben wollen, langer als höchstens zehn bis fünfzehn Minuten der intensiven Gluth eines Bühnenbrandes zu widerstehen. .Wer mehr vom eisernen Vorhang verlangt, begehrt einfach Unmögliches und soll überhaupt ja durch denselben nur so viel Zeit gewonnen werden, um den etwa im Zuschauerraum besindlichenPersonen den Rückzug zu decken. Dort, wo eine solide Brandmauer zwischen Bühne und Zuschauerraum vorhanden, ist jedenfalls dem eisernen Vorhang eine größere Widerstandskrast beizumeffen, man möge aber bedenken,dß es in den älterenTheatern damit herzlich schlecht bestellt ist. Der eiserne Vorhang des Berliner Nationaltheaters war außerdem zweitheilig gebaut, eine Construction, die weniger solid ist wie die des eintheiligen und zudem muö allem Anscheine nach die in ihm befindliche Noththüre geöffnet geve sen sein. Wäre übrigens das Feuer während einer Vorstellung zum Aus bruch gekommen, so würde trotzdem kaum eine Katastrophe zu besürchten gewesen sein, wie sie der Wiener Ringtheaterbrand in so schrecklichem Maßstabe im Gesolge gehabt. Zehn bis zwölf Minuten lang hätte wohl sicher der eiserne Vorhang das Publikum geschützt, die giftigen Rauchgase waren der vorhanden gewesenen Rauchab;ugsklappen wegen weit weniger zu furcylen. -r- Ein tragischer Vorfall hat sich neulich im Spitale zu Brescia zugetragen. In den weiten Sälen desselben lag zu? Nachtzeit Alles im tiefsten Schlafe, als sich aus einmal gegen 1 Uhr ein furchtbares Geschrei erhob. Jm Beobachtungksaale war ein mit der Fallsucht Behafteter plötzlich von einem Anfalle von Mordwuth ergriffen worden, sprang von seinem Bette herab und hieb mit einem Brett wie rasend aus die neben ihm liegenden Schläfer los. In einem Augenblick batte er zwei erschlagen und drei andere tödtlich verletzt, wovon einer bereits gestorben ist: Aus den hierdurch entstandenen Lärm eilten die KrankenWärter hinzu, und es entspann sich ein furchtbarer Kampf zwischen ihnen und dem Wahnsinnigen, der nun mit größier Muhe gebändigt, gebunden und in eine abgesonderte Kammer gesperrt wurde. Der Unglückliche war früher Kranken Wärter gewesen. Er heißt Battista Fer rari und schrie während scinesDeliriumS beständig, daß ihm Jesus erschienen sei und ihm befohlen habe, alle Kranken zu tödten. Die heilige Jungfrau habe ihm beigestanden und er bedauere nur, daß er nicht mehr habe thun können. Die KrönungS Jnfignien sind Mitte April bereits in Moskau angekommen, die mit Gold überladenen Krönungswagen sind unterwegs, und in St. Petersburg wie in Moskau ist kaum von etwas Anderem die Rede, als von den Vorbereitungen sür die Czarenkrönung, von der neuen, prachtvollenReichöfahne, von den Heroldcostümen, den Geschenken sür die Soldaten und das Volk. Die Wohnungspreise steigen bereits in's Lächerliche. Ferner müffen wieder freiwillige Sicherheitscorps gebildet werden, wozu man vielfach Leute vom Lande nimmt, ähnlich, wie beim vorigen Besuche des Hofes zum Schluß der Ausstellung in Moskau. Diese Bauern werden in Baracken einquartirt, aber ihr Unterhalt kostet Geld und sie sind auch nicht billig zu bekommen. Ge rade diese Garde wird wieder die erste Reihe des jubelnden Volkes" darzusteU len haben und sie muß unbedingt zuver lässig sein.
