Indiana Tribüne, Volume 6, Number 228, Indianapolis, Marion County, 6 May 1883 — Page 3

Neid Anderer zuziehen, und doch sollte man nicht vergessen, baß sie nur einen gerechten, ja einen , bescheidenen Entgelt siir große Opfer bilden. Von keinem anderen Stande ird von Amts wegen verlangt, daß er sein Leben herzugeben jederzeit bereit sein soll. Der treffliche Decken hat sich über das Verhältniß des Ossicier-CorpS ZmStaate schon vor achtzig Jahren sehr klar aus gesprochen. .Der Egoismus hat sich von einzelnen Menschen auf ganze Stände übertra gen sagt er. Ein Stand schätzt den andern nur nach dem Verhältniße der Vortheile, die er von ihm ziehen: kann, aber insosern er eine Ähnlichkeit in der Form und ein unmittelbares gemein schastliches Streben zu einem und dem nämlichen Ziele wahrnimmt. Der Re gent in einemTmonarchischen Staate be günstigt den Adel, weil er aus dessen nä here Unterstützung rechnen kann.' In einem handelnden Staate ist der Kaufmann vorzüglich geachtet, und dieser hält die Schiffsahrt, nächst den seinigen, für die ehrenvollste Beschäftigung. Persönliches Interesse, nach den verschiede tun Bedürfnissen zugeschnitten, ist der Maßstab, nach welchem die Geschäfte und die Bestimmungen eines Standes in den Augen der andern einen Werth behalten. Der Gelehrte haßt das Kriegswesen, weil die Musen unter dem Getöse der Waffen entfliehen. Der Staatsmann erschrickt, wenn er die großen Kosten, die der Militärstand veranlaßt, überrechnet. Die Civil . Obrigkeit ist auf den Theil öer Macht, den sie den Militär - Obern abtreten muß, eifersüchtig und behandelt die Soldaten ost als Bürger, die zu einem andern Staate gehören. Der Moralist ärgert sich über die lustige Le densart der Officiere, während der Stu her ihm die schöne Kleidung und den De gen beneidet : und der Landmann kann e5 dem Soldaten nicht verzeihen, daß er seine Söhne und Knechte anwirbt. .Ist aber Jemand erst einmal so im glücklich gewesen, unser Mißfallen auf sich zu ziehen, so sind wir gemeiniglich sehr geneigt, alle Fehler, selbst die kleinsten, die vorher nicht unsereAusmerksamkeit erregt hätte, zu bemerken und da gegen seine Verdienste gänzlich zu über sehen. Haben wir erst einmal eine Ab neigung gegen einen Stand gesaßt, so ist jede Veranlassung, die uns in diesem Gesühle bestärkt, als hinzukommendes Gewässer anzusehen, wodurch der Bach erkdlich zu einem unermcßlichen Strome anschwillt. .Wenn sich nun vollends während ei nes langen Friedens das Andenken an die geleisteten Dienste verliert, und keine Aussicht zum Kriege ist, so werden die Bürger immer mehr und mehr auf die Beschwerden, die mit der Unterhaltung einer Armee verbunden sind, aufmerksam und suchen sich von der Unnützlichkeit dieser Einrichtung zu überzeugen, wozu es auch nicht an vielen anscheinenden Veweisen mangelt." Die heutige Zeit ist, wenigstens in Deutschland, sür den Ossicierstand eine in dieser Hinsicht günstige. Große glück liche Kriege haben sein Ansehen gehoben, die Mißgunst der andern gemildert. Aber es werden auch einmal Seiten langen Friedens kommen, in denen es wie der nothwendig sein kann, daran zu er innern, daß äußere Bevorzugungen dem Soldaten- zumal dem Ossicierstande ohne Schaden gewährt werden dürfen, ja sogar großen Nutzen bringen. Ein in seiner sozialen Position gedrücktes OssicierCorps kann treffliche, friedfertige und fleißige Bürger liesern, aber es wird arm an unternehmungslustigen und küh nen Soldaten sein. Ohne gesellschast liche Vorrechte müßte, der Stand noth wendigerweise bald aus ein sehr unschein bares Niveau herabsinken: denn im bür gerlichcn Leben regelt im Wesentlichen der Besitz die Abstusungen, und unsere Ossiciere sind Gott sei'S gedankt der großen Mehrzahl nach noch arm wie die Kirchenmäuse. Dem Ossicicr soll ferner bis in ein verhältnißmäßig hohes Alter hinein ju gendliche Frische eigen bleiben. Sein Amt ist es, im Kriege auf unsichere Chancen hin Wohl und Wehe, Leben und Ruf zu wagen. Dazu gehört neben den

militärischen Eigenschasttn ein leichter Sinn, der gern hofft und die Dinge nicht allzu tragisch mmr.ii. Den aber wird sich schwerlich erhalten, wer in einem langen Leben von Muhe und Sorgen schon gebeugt worden ist. Dem Ossi cier eine sorgenfreie Existenz zu schaffen nicht mehr erscheint als eine Pflicht, die der Staat im eigenen Jntereffe üben muß. Mit Ossicieren, welche sich im Verborgenen kümmerlich durchschlagen und dem Augenblick entgegensehen, wo sie, der Last eines glänzenden Elends ledig, von mäßiger Pension in irgend einem stillen Winkel leben können, ist dem Heere und demZaterlande nicht ge dient. Woher sollte diesen Leuten der frische und muthige Trieb kommen der dem Führer im Streite unerläßlich ist ! Auch die Erhaltung körperlicher Rüstigkeit kommt in Betracht. - Es helfe! nicht tot nig von einem Manne und Familienva ter von fünfzig bis sechs.na Jahren ver langen, wenn man ihm zumuthet, an der hspiZe seiner über Hecken und. Gra den hinwegbrausenden Schwadrvnen, die Gewehre des Hemdes vor sich, ohne Be sinnen dahinzustürmen. Man stelle diese Forderung einmal an unsere wohl beleibten Kausherrn, behäbig situirten Besitzer, Fabrikanten und Rentiers von gleichem Alter, und man wird wenige finden, welche dieselbe nicht als eine Jh. ren Jahren durchaus unangemeffene Tollheit zurückweisen möchten. Gewährt das Vaterland seinem Ossi' cierstande eine angesehene und auskömm liche Stellung, so ersüllt es ein Gebot der Klugheit und Selbsterhaltung. Von der Thatkraft und Tüchtigkeit dieses Standes hängt mehr als von der eines andern ab, nämlich die Ehre und Frei heit eines ganzes Volks. Wichtigkeit sür alle großen europäi schen Heere gewinnt in der Gegenwart auch die Klaffe der Ossiziere des Beurlaubtenstandes, welche ihren bürgerlichen Beruf nur verlaffen, wenn der Krieg sie zu den Fahnen ruft, oder UebungSzwecke ihre .Thätigkeit erfordern. Der Name

ist in den einzelnen Armeen verschieden.

daS Wesen der Sache das nämliche. il Kein Staat ist reich genug, um im Frieden ein Linien'OffizierkorpS zu un terhalten, welches so zahlreich iß; dak es im liege sür die ganze, durch die Mo' bilmachung um das dreifache und mehr vergrößerte Armee genügt. In Deutsch land wurde sich noch die Schwierigkeit herausstellen, daß die Grenzen- der Stände und Berufsklassen überschütten werden müßten, welche geeignet sind, den Ersatz sür unser Ossizierkorps zu liefern. Nicht einmal die eigentliche Feldarmee kann ganz mit LinienOfsizieren besetzt werden. Die Bildung vieler im mobilen Verhältnis nothwendig werdender neuer Stäbe absorbirt ausschließlich wirkliche Berufsofficiere. ES ist nicht zu ver meiden, daß schon nach den ersten bluti gen Schlachten.- viele Compagnien der Linie sich in den Händen von Reserve Omeiettn befinden. Am Ende deZ Krieges 1870- 71 gelangten sogarVice feldwebel mehrfach zur Führung der Compagnien. Schon rm Dezember 1870 war eine der baierischen JnsanterieDi' Visionen durch die großen Verluste so u duzirt, daß sie in der Front nur noch ei nen einzigen Hauptmann ! der Linie oe saß. Unwillkürlich sragt man sich, was daraus geworden wäre, wenn der Krieg sich noch über ein oder zwei Jahre weiter hingeschleppt hätte ? Die Ueberzeugung drängt sich auf, daß bei ähnlichen Ver Hältnissen in der Zukunft ein Moment eintreten muß, in welchem fast nur noch die höhere Führung in Händen der Be russossiciere liegt, die niedere aber im Allgemeinen an Reserve und Landwehr ossiciere übergegangen u Nun kann aber im Verlaufe eines großen Krieges sehr wohl die Nothwen digkeit eintreten, neue Truppenkörper aufzustellen, um Verluste zu ersetzen oder ein Uebergewicht des Gegners an Zahl auszugleichen. Der Vorrath anLinien Ossicieren wird in Zeiten solcher äußer sten Anstrengungen längst erschöpft sein. Nur der Beurlaubtenstand vermag noch dieFührer zu stellen. Von seinerBrauch barkeit hängt dann der Ersolg ab; denn nur wer noch tüchtige Führer hat, sindet auch gute Soldaten. Die Wichtigkeit des Instituts unter liegt also keinem Zweifel. Doch ist es auch nothwendig, die Ueberzeugung da von allgemein zu verbreiten. Nicht Jedermann hat Neigung und Anlage, im Frieden Berufsossicier zu werden. Jeder tüchtige Mann, der der guten Gesellschast angehört, sollte es aber als Pflicht auffassen, sich so vorzu bereiten, daß er, wenn es nöthig wird, !? vollgiltigerErsatz für die mangelnden Beiufsofficiere eintreten kann. JmKriege gestalten sich alle dienstlichenVerhältnisse einfacher. Die Obltegenhetten dcsFeld ossiciers vermag bis auf wenige Ausnahmen sicherlich jeder Gebildete, der noch gesund und kräftig ist, auszufüllen, sobald er den festen Willen dazu hat. Dieser wird vorhanden sein, wenn die Bedeutung der Sache richtig erkannt ist. Die Erlangung der Ossicierscharge im Beurlaubtenstande darf nicht als einAkt aufgefaßt werden, welcher honoris causa geschehen müsse. Die praktische Wichtigkeit des Schrittes und auch der ideale Gehalt verdienen in den Vorder gründ gestellt zu werden. Es möchte wie eine Ungerechtigkeit erscheinen, wenn wir für Unterofsiziere und Soldaten nicht gleiche Vorrechte und Fürsorge verlangen, wie für den Ossi zier. Aber es ergiebt sich ein wesentlicher Unterschied daraus, daß sie nur vorübergehend dem Heere angehören. Ihr 'militärisches Verhältniß ist ihnen nicht, wie dem Ossizier,ihr Eine und Al IeS. Auch verrichten sie den Dienst in jungen Jahren, wo dem Manne die Sorge ohnehin noch fern bleibt. Die Hoffnung auf Erwerb, auf eine gesicherte Zukunft winkt dem Soldaten imbürger lichen Leben, nach Ableistung der kurzen Dienstzeit bei der Fahne. Der Unter offizier rechnet darauf, durch seinen Dienst im Heere die Aussicht auf eineLe bensstellung zu gewinnen, welche ihm sonst verschlonen gewesen wäre. Eine reichliche Versorgung wird frei lich auch dem Soldatcnstande vonNutzen sein. Er darf keine Noth leiden und bei emem Vergleiche seiner Lage mit der von Seinesgleichen im Volke kein uncünsti ges Facit ziehen. Zufriedenheit ist ein nicht unwichtiger Bestandtheil- für die innere Tüchtigkeit eines Heeres. Sie wird erzeugt durch das richtige Maß von Arbeit und Versorgung. Verwöhnte Pratorianer werden ebenso schlechte Dienste leisten als jetne von Arbeit über bürdete und hungernde Truppe. Stolz aus seinen Stand, Lust und Liebe zur Sache muß auch dem Soldaten aus der Art, wie er gehalten und behandelt wird. zufließen. - Vor Allem soll er wissen, daß er im Falle von Verwundung und Krankheit Nlcht der Noth verfällt, dan sur die Sel nen, deren Ernährer er gewesen ist, ge sorgt .Jird, wenn der Tod ihn imDienfle ereilt.' Daraus entspringt da5 Gefühl von Sicherheit, aus dem Muth und Fritche hervorgehen. i:- - Unteroffiziere und Soldaten wechseln im Volksheere in kurzer Frist:' Da8 OwZlerScorps allem bildet den dauern den Bestandtheil. Es pflanzt die Tra dltion fort. - Wurch seme Hand aeht all jährlich eine neue Altersklasse vonWehr Pflichtigen. Das ganze Volk in Waffen unterliegt seiner Einwirkung. '. Was große Geister, grope Zeiten im Heere gefördert yaven, kann nur durch dle Of fiziere auf die nachwachsenden Geschlech ter übertragu: werden. Wie dieOssiziere sind, wird die Armee sein. Mehr als zur Zeit, da eö gkjproazen ward, ist Nü djd'J Wort heute wahr.- Der Geist, der das Ossiziercorps beseelt, ist der Geist des Heeres-. (Berl. Tagbl.) Aufklärung. Marie : .Liebe Mina, eben waren Deine beiden Brüder bei mir Und erklärten, daß sie unmöglich Beide morgen auf den Ball kommen könnten, der Eine oder der Andere müsse aus daS Vergnü gen verzichten, mit mir zu tanzen. Kannst Vu mir m dieser Sache keine Aufkla rung verschaffen?- Mina: .O ja! das ist ganz einfach. Beide zusammen haben eben nur einen Fnurr

? Aer Suöftttut. - i 'i ,A'.i'.mmmmmm"- ( Mr. Whisfles der ehrenwerthe Va

ler unseres Helden, Mr. AdolphuS Whis' sleS warein reicher.Berkshlre Farmer, oer, bevor er sich vom Geschäfte zurück zog und dasselbe seinem Sohne über!!?), meinte, das ein Besuch in der Metropole den Geist dieses liebenswürdigen Jung lings schärfen würde, waS diesem jungen Herrn sehr nöthig war. . Der Sohn, fprana der dieser Absicht vor Freude in die Lüfte, besonders als er hörte, daß er sich allein auf die Reife machen sollte. - : t.) v.: i--. Mlt dem väterlicher' Segen und reich gefüllter Börse langte Mr.! Whisfles, jr. in London an und installirte sich dort in einer dilligen Wohnung in der Savoy straße. . ' :. : " . : : ' Natürlich nahmen die Theater Mr. Whisfles'.Ausmttksamkeit ganz besonders in Anspruch und die Nähe der, verschiede nen Theater und Concerthäuser gewährte ihm große Befriedigung. " Der Anblick der .Berufsmäßigen, in ihrem Alltags costüm flößte ihm großes Interesse ein, und feine Freude überschritt alle Grenzen, als er die Bekanntschaft emes hervorra aendenOrchesterMitaliedeS vom Royal DashTheater machte.' 6 In-der ersten Viertelstunde ihrer Bekanntschaft gelobte er demselben ewige Freundschast und von Zeit zu Zelt bekrüsttgte er ihr Bündmß damit, daß er seinen neuen Bekannten zu einem ausgewählt feinen Diner lud. ' - Unsere Erzählung beginnt,- als Mr.' Whisfles Und sein Gefährte Namens Mr. O'Leary feit sechs. Wochen fast unzertrennliche Freunde waren. - Mit Betrübniß hatteMr. Whi fleS feit Kurzem den Ausdruck tiefer Melancholie auf Mr. O'Leary'Z ausdruckvollen Zu gen wahrgenommen, und er war fest ent schlössen, -den Grund dieser Schwermuth zu erforschen. .Smd Sie krank?" fragte unser eld eines Abends, nachdem sie im Hotel fein soupirt hatten und zur besseren Verdau ung em paar heiße Whiskeys schlurften. Mr. O'Leary seufzte,schüttelte traurig den Kopf und leerte sein Glas als Ant wort.' . .Das Abendessen ist Ihnen wohl nicht bekommen, Sie haben vielleicht zu viel gegessen fährt Mr. Whisfles theilneh. mend sort. .O, nicht das Abendessen ist es, das mich plagt bemerkt sein Gefährte, .son dern der Substitut." Mr. Whisfles verstand diese mysteriöse Antwort nicht. Er dachte lange und ernst darüber nach, schließlich aber gab er das Bemühen, den Srnn von femes Freundes Worten zu begreifen, auf und bat um eine Erklärung. Mr. O'Leary that ein paar tiefe Züge aus feiner Cigarre und klarte dann Mr. Whisfles über' seine geheimnißvollen Worte auf. AuSMr. O'Leary's Erzählung erfuhr Mr. Whisfles, daß es im Royal Dash Theater Sitte war, daß einzelne Orche sterMitg!ieder sich bei stattfindenden Eonzerten hm und wieder von ihrem Po sten absentiren durften unter der Bedin gung, daß sie einen tüchtigen Substituten stellten, der die Stelle des Abwesenden genügend vertreten konnte. Für gewöhnlich mangelte es nicht an derartigenSubstituten,aber Mr.O'Learv gestand, daß er trotz allem Bemühen und Suchen unbegreiflicherweile keinen finden konnte, der willig oder fähig gewesen wäre, ihn am solgenden Abend im Thea ter zu vertreten, während er einem profi tablen Engagement folgte, das er sür ein elegantes Westend Conzert ange nommen hatte. Ohne sich auch nur einen Moment zu bedenken, warf Mr. WHUfleS sich in'S Mittel und bot seine Dienste an. Thorheit lerwiderte O'Leary barsch. .was verstehen Sle von Musik r Darauf wußte Wr. WhiffleZ freilich Nichts zu antworten. Was er nicht ver stand, das hätte er wohl sagen können ; davor aber hütete er sich wohlweisllch. Es entstand eine peinliche Stille. Mr. O'Leary rauchte schweigend einige Zeit weiter, wahrend er hin und wieder einen forschenden Blick aus das besorgte Ge sicht von Mr. WhisfleS warf, wie wenn er irgend emen großen Plan m seinem Tieflnnersten erwägte, aber noch gar kei. nenRath wußte,wie er denselben ausfüh ren könne. Plötzlich rief er : Ich Hab'S ! Ich danke Ihnen, mein lieber Whrnus. Ich nehme Ihr groß müthiges Anerbieten an. Ja, Siesollen mem ubstltut sem. Zu sagen, Mr. Whisfles wäre entzückt darüber gewesen, wäre nur ein schwacher Ausdruck seiner Gemüthsstimmung. Er ergriff Mr. O'Leary's Hand und drückte sie mmg. Ja.er sah seine stolzestenHon nungen in Erfüllung gehen. Er würde Zutritt hinter den Coulissen emeö Thea terS haben. ES giebt nicht Worte, um seine Empfindungen nur einigermaßen auszuoruaen, als er fernem Freunde ein williges Ohr lieh, welcher fortfuhr, ihm oit nöthigen Instruktionen zu mben. ErZens erklärte Mr.O'Leary.daßdaS Orchester des Royal Dash Theaters zwei Possunenbläser habe, von denen er selbst der eine sei, und zur genauen Richt schnür, machte er Mr. WhisfleS darauf aufmerksam, da,wenn der Vorhang auf geht, die zwei Posaunen den Helden-deS Stuckes ankündigten. -Immerhin machte seine (Mr. O'Lea ry's) Erfahrung ihn glauben, daß bei einer zahlreichen Zuhörerschaft eine Po saune vermuthlich eben soviel Lärm ma chen würde, wie Zwei, und daß Mr. Whisfles Nichts weiter zu thun hätte, als, nachdem er sich als Mr. O'Leary's Sub stituten gemeldet, ruhig seinen Plak im Orchester einzunehmen, und sobald der Vorhang ausgehe, genau ' daraus zu ach ten waS der andere Posaunenbläser thue. und eine jede von dessen Bewegungen nachzuahmen : so, daß zwar nur aus einer Posaune au' der Lärm käme, wahrend in Wahrheit doch zwei Posaunen aebla sen würden. Schließlich legte er Mr. WhisfleS noch ans Herz, ja vorsichtig zu sem, da mit dem Dirigenten Nicht zu fpas sen wäre. . Bald daraus brachen die zwei Freunde auf und schlugen ihre verschiedenen Heim wege ein, während Mr. WhisfleS schon halb bereute, sich so schnell m em so ge fährliches Unternehmen eingelassen zu haben.

. Schon hüllten die dunklen Schatten des Zwielichts die Straßen Londons wie in ein Grabtuch, als man Mr. WhisfleS mit seines greundesPosaune in derHand, ängstlichen. Schnittes durch den Bezirk von Drmy Lane gehen', und nach dem

Emgang zur Buhne des Noval Dash Theater suchen sehen konnte. Vor der Elttgangsthur standen' mehrere berren und rauchten ihre Cigarre, hin und. wie der ging cm Herr oder eme Dame tu lendö hinein, offenbar besorgt, ' daS sie schon zu spät kommen' könnten, aber ein Blick nach der Uhr. im Corridore schien sie sogleich zu beruhigen und langsam schritten sie den betreffenden Garderoben zu. . - . - ,. ' . . . Mr. WMeS zog eine Uhr zu Rathe und blieb noch einige Augenblicke vor der Thur stehen, vls em halbwüchsiger. Bur sche ihn am Arme saßte und sagte: ' .Sie thäten gut. sich zu beenen, eS wird gleich läuten." Da erst gewahrte Mr. Whi stes, daß er fast allein war.' . . . i Mechanisch folgte tt dem hingen Men schen einen dunklen Gang entlang, dann stolperte er ein paar Stufen Hinab und befand sich auf der Bühne.' j Er hatte kaum Zeit, lemen flüchtigen Blick auf die ihm neue, um nicht - zu. sa gen, trübselige Umgebung zu wersen,'als, ein älteres Individuum mit weißemBart und offenbar stark mit Schnupstabak ge sprenkelten: Vorhemd dem jungen Bur schen einen Wink gab. I Tom , sprach er, Muse in daS Mu sikzimmer und laß Dir von Mr. Lovejoy meine Copie von der heutigen Auffüh rung geben . ,.. ! Sehr richtig vermuthend, daß sich m dem Musikzimmer die Musiker versammelten, ehe sie im Orchester ihre Plätze einnehmen, folgte Mr. WhiffleZ dem Burschen mit Gefahr, sich Hals und Beine zu brechen, ein Dutzend fehr ge brechlicher Stufen hinab in einen duftig ausgestatteten vtaum, der dicht unter der Bühne lag, in welchem mehrere Her ren gemächtlich ihre Instrumente stimm ten. - Als Mr. WhisfleS Mr. Lovejoy als Dirigenten anreden hörte, stellte er sich diesen ängstlich als Mr. O'Leary's Sub. stitut vor. .Schon", versetzte Mr. Lovejoy, .er hat Sie doch auch mit Allem bekannt ge macht?" Mr. Whiffleö verneigte sich zustimmend und warf nach allen Seiten hm einen forschenden Blick nach dem andern Posaunenbläser. Entsetzlich! Er war nicht da ! Der Mann, aus den er sich ganz verließ, war nicht zugegen. Was war da zu thun ? Sich zurückziehen, da von konnte nicht die Rede sein ; da, während ihm der Gedanke an die Flucht kam, erscholl eine kleine Glocke, und die Musiker nahmen ihre Plätze im Orchester ein. Mr. Whiffles, noch mit der verhängnisvollen Posaune in der Hand, folgte voll Verzweiflung und befand sich bald Angesichts des Publikums. Die Neuheit verwirrte ihn so, daß er sich einen Moment aus Mr. Lovejoy's Platz setzte und von den Zuhörern, die ihn sür den beliebten Dirigenten hielten, mit lautem Beifall begrüßt wurde. Dieser Irrthum wurde bald durch das Erscheinen des wirtlichen Dirigenten aufgeklärt, der etwas sür unseren Helden keineswegs Schmeichelhaftes in den Bart murmelte und diesen ärgerlich aus den gewöhnlich von Mr. O'Leary eingenommenen Plah wies. Als das Publikum seinen Irrthum e wahrte, machte es seiner Meinung über Mr. Whisfles in sehr unzweideutigen Worten Luft. Nachdem der Arme sich bemüht hatte, aus seinem Pulte unter den Noten etwas Ordnung zu schaffen,.hatte er Muth ge nug wieder gewonnen, um sich umzu blicken. DaS Theater war vom Parterre bis zur obersten , Gallerie mit ' einer dichten Menschenmenge angefüllt ein Jeder war voll athemloser Spannung. Es klingelte ein zweites Mal. Mr. Lovezoy klopste aus sein Pult erhob den Taktstock. blickte nach rechts, blickte nach links hielt inne. Er flüsterte der ersten Violine etwas zu, dann verließ er feinen Platz und das Orchester. Mr. Whiffles fragte seinen Nachbar, was das zu bedeuten habe, und erhielt zur Ant wort, daß Puffler, der andere Posaunen bläser, noch fehle. Geht es denn nicht ohne ihn?" fragte Mr. Whiffleö in seinem Tiesinnersten sehnlichst hoffend, daß dies unmöglich sei. Natürlich nicht", lautete die Ant wort. ,Würde denn die Trommel nicht ge nügen?' fragte Mr. Whiffles. Sein Nachbar sah ihn überrascht an, lächelte und versetzte: ' .Wie wäre daS möglich? . Wissen Sie denn nicht, dak Sie und er in dem Moment, wo der Vorhang ausgeht, be ginnen? - Da erscheint der alte, schwer fällige Nufsett auf der Buhne, geht lang sam oben auf den Bergen aus und ab und tritt erst dann ;o?; währenddessen muß er zu Ihrer Musik Alles mit Gesten und Pantomimen ausdrücken.-' ' Bei diesen Worten verschwand Mr. Whiffleö alle Hoffnung und im Stillen bedachte er die' Gesahren, denen er sich aussetzte, wenn er in eine der Logen, von da in's Parterre sprang und sich dann seinen Weg aus dem Theater erkämpfte, als der Dirigent zurückkehrte mit finstern, gerunzelter Stirn, gefolgt von einem kleinen, dicken, blaffen Mann, der eine Posaune unter dem linken Arm trug. O Wonne ! Mr. Whiffles fühlte sich wieder Mann ! Das war also Puffler! Mr. WhiffleZ erinnerte sich plötzlich der empfangenen Instruktionen .und beobachtete aufmerksam den Neuangekomme nen, der ihn, wie es schien, mit höchster Verachtung ansah. . Mr. Whiffles drehte zusällig seinePosaune um, Mr. Puffler that desglei chen. Mr. Whiffles -griff nach seiner Taschenuhr Mr. Puffler folgte seinem Beispiele. Alles dies schien sehr mysteriös, und Mr. Whiffles war in Staunen und Verwunderung versunken, als die Ouvertüre begann. Glücklicherweise kamen die Posaunen erst mit .Beginn des Dramas in Thätigkeit. Die Ouvertüre war zu Ende. Jetzt aufgepaßt bemerkte Mr. Whiffleö' Nachbar, .Sie kommen jetzt d'ran

Mechanisch führte Mr.'WchiffleS das

Instrument an die Lippen,' 'währtnd 'er genau Acht hatte, waS Mr.' Puffler thun würde der seinerseits Mt.'WhiffleS ganz bedenklich anstarrte. ' l Mr. Lovkloy blickte sich um, - und als er. sah, daß die : Posaunen völlig bereit waren, erwartete er - daS Aufrollen des Vorhangs.' - - .., , ES war em qualvoller Moment. Die tiefe Stille war geradezu beängstigend. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.' Wieder ertönte die lleineGlocke, Mr. Lovejoy klopfte auf sein Pult und langsam ging der Vorhang aus in feierlicher Stille ! - ' - Mr. Lovejoy sing an den Takt zu schlagen und hatte schon mehrereStreiche mit dem Taktstocke gethan ehe er sich der tiefen Stille bewußt war. ' ' Als er sich umfchsute, um zu sehen, was dieser außergewöhnliche Umstand zu bedeuten habe, kann mansch seine Verwunderung . und' Bestürzung - vorstellen, als er die beiden Posaunenbläser in eifrigster Thätigkeit erblickte, indem dieselben ihre Backen aufbliesen, soweit dies überhaupt 'möglich war ihre Instrumente tüchtig bearbeiteten und keinen Tön hervorbrachten!' i-- ' : . : Und das Unerklärliche dabei war, daß sie die Augen keine Sekunde von einander abwendeten.-- 1 DaS.ift sehr wunderbar, dachte Mr. Whiffleö, wann der Menfch nur endlich anfangen, wird. ' ' - . , Die kleine Klingel ertönte wieder und wieder.'- - 3.,. ; ; Mr. Ruffett, der Schauspieler trat mit ziemlicher Würde auf, .verschwand aber wieder ohne die gerinstge'.Würde,' unter demMndruck, daß er etwas 'zu .'früh gekommen.'. Der Direktor, 'ein hestige: leidenschaftlicher Herr der selbst eine der Hauptrollen Stücke." spielte, stürzte aus .'seinem Zimmer die 'gebrechliche Treppe hinab, erschien in 'der Thür, die zum Orchester führte, und fragte in wenig gewählten Ausdrücken, was zumTeufel denn Mr. Lovejoy sich denke, warum die verwünschte Spielerei noch nicht vorwärts gehe? ' . : . Mr. Lovejoy war zu bestürzt, um antworten zu. können; er vermochte nur in sprachlosem Staunen auf die beiden Po saunenbläser zu deuten. Da saßen die Zwei hestig pustend und blasend ohne Ersolg. - Der Theaterdirektor gestikulirte heftig. Das Publikum, das sich nicht erklären konnte, was vor seinen Augen vor sich ging, zischte laut und schließlich siel der Vorhang. Da endlich gab Mr. Lovejoy seinen Gefühlen freien Lauf. Er sprang von seinem Stuhle auf und lief auf Mr. Whiffles zu, der, nach der ungewohntenAnstrengung hestig pustend, sich den Schweiß vom Gesicht wischte, und dachte, was in aller Welt nun wohl werden würde. Sobald er jedoch den zornigen Dirigenten auf sich zukommen fah, stürzte er mit dem instinktiven Gefühle, daß irgend etwas Unangenehmes bevorstehe, durch die kleine Thür und suchte Schutz unter der Bühne; heftig verfolgt von Mr. Lovejoy, der zufällig dem anderen Posaunenbläser in den Weg lief, welcher sich heimlich davonschleichen wollte; und da dieser ein sehr cholerisches Herrlein war, kam er mit Mr. Lovejoy in ein heftiges Handgemenge. - Plötzlich packte jener auch den erstaunten Whiffles vermuthlich um diesen dem Dirigenten zur Bestrafung zuzuführen und sich inzwischen au? dem Staube zu machen aber dieser Plan mißlang. Der Angreifer ." glitt au?, Mr. Whiffles fiel über ihn und plötzlich waren die beiden Posaunenblä ser verschwunden. Sie waren in eine unbenutzte Versenkung gefallen. Glücklicherweise hatten sie kein Glied gebrochen und wurden unversehrt wieder hervorgeholt. Kurz nachdem sie eine ziemlich ausgeregte Unterredung mit dem Direktor gehabt hat ten, wurde ihnen gestattet, sich zu entfernen. Am folgenden Morgen wurde O'Leary pflichtschuldigst mit dem Urtheil bekannt gemacht. .Er verlor seine Stellung. . Dasselbe Schicksal erfuhr der unglückliche Puffler, der, wie sich bei genauer Erkundigung herausstellte, wirklich an einer heftigen Erkältung litt, hie ihn an das Bett fesselte; und da er natürlicherweise seines SalairS nicht verlustig wer den wollte, stellte er einen Substituten, der, wie Mr. Whiffles, ebensalls nicht blasen konnte und dem er in der That dieselben Instruktionen gege ben, wie sie unser Held von Mr.O'Leary erhalten hatte. Mr. Whiffles kehrte als ernsterer und klügerer Mann in das Haus seiner Vorfahrenzurück. T, : i Er ist seit jener Zeit nie wieder in ei nem Theater gewesen, und nur mit Schaudern denkt er an das schreckliche Abenteuer der beiden Posaunenblaser. Der modele Nelseverkeyr VonPaul Dehn. . WaS gemeinhin Verkehr genannt wird, unchtbar wie die Luft und ungreifbar wie da? Waffer, ist gleich Lust und Was ser unentbehrlich sür das Dasein der Menschheit. Verkehr ,st Bewegung und Leben und ohne Verkehr. kein Fortschritt! Erst der entwickeltere Güterverkehr.gab dem Menschen mit.' seiner gesicherten wirthschastlichen Grundlage die Möglichkeit. sich höheren Aufgaben zuzuwenden. Aus dem Nachrichtenverlehr beruht das Gedächtniß der Menschheit, d. i. das traditionelle Anknüpfen an die Errungen schasten vorangegangener Geschlechter und hiermit die Culturentwicklung auf der Erde überhaupt, aüf welche die vorgeschrittenen Völker in Peru und Mexiko, wie sie bei der Entdeckung Amerika's an aetroffen wurden, nicht die geringste Ein Wirkung geübt haben, weil sie außer jedem Nachrichtenverkehr mit der übrigen Welt standen. Schafft der Güterverkehr durch den Handel neue Werthe und un ermeßlichen Nutzen, indem er die Waaren dorthin sührt, wo sie den höchsten Preis, also auch wohl die. beste Verwendung sinden, verwandelt der Nachrichtenverkehr die weite Welt in einen "großen Sprech saal, wo Jedermann sich überAlleS)waS da vorgeht, unterrichten kann, ohne auch nur einen Schritt von der Scholle in

weichen, so hat der' Personenverkehr die

Aufgabe, die. Menschen von Körper zu Körper vollends zusammen und in alle Lande zu sühren. . ' Welche großen und erstaunlichen Fort schrille da? neunzehnte Jahrhundert aus dem Gebiete des gesammten Verkehrs wesenS gemacht hat, steht sn aller Erin nerung und Anschauung.- Es gelang der modernen Technik, die .ehedem unüber windlich scheinenden Verkehrshindernisse, die räumlichen durch Krastentsaltug, die zeitlichen durch Betriebsorganisation,' die materiellen durch Massenbeförderung in hohem Grade zu beseitigen, vor .Allem imPersonenverkehr, welcher Jahrtausende hindurch nur , kümmerlich, nur als. - ein nothwendiges Uebel unterhalten wurde, bis die Ersindung der Dampfkrast ihm ungeahnten Ausschwung brachte. Wa gen und Schiffe kannten schon die alten Aegypter und Wagen, und Schiffe waren und bliebkn bis zu.-Beginn dieses Jahrhunderts die einzigen Personenverkehrs Mittel, -ungenügend,, zeitraubend und kostspielig.-.. Wer mochte da gern auf Reisen gehen? Nur die Nothwendigkeit konnte dazu Wngen. himmlischer Vater, so auteteinGebet aus einem Reisebuche desz vorigen Jahrhunderts, .du weißt, daß ich diese. meine Reise nicht aus Leichtsertigkeit Fürwitz -oder: Geiz, sondern aus dringender Noth und Ersorderung meines Beruss aus mich genommen;; darum bitte ich dich, bewahre mich auf den Straßen? sür Räubern, , böser Gesellschaft, Vergiftung und dergleichen Gefährten. .Jtem sür ungeschlachtenen Wettern, gefährlichen Ungewittern. und ür Verirrung und gar dunklen Nächten. Hieneben beschirme mich auch in allen Herbergen und Wirthshäusern sür Dieben und. schalkhastigen Wirthen, bösen Geruch und allen auffallenden Seuchen, auf daß ich meinen angesetzten Ort mit Glück und Leibesgesundheit erreichen möge Blinden Auges durchreiste man ehedem zu Wagen die Welt. Wie einst der alles beobachtende Cäsar, so fand noch im vorigen Jahrhundert der große Kunsthistoriker Winckelmann die Alpen abscheulich und ihre Wege und Stege widerlich. Albrecht Dürer hat über seine sommerliche Rheinreise vom Jahr 1520 ein genaues Tagebuch geführt, doch von den landschaftlichen Schönheiten derselben kein Wort gesagt. Selbst ein Mann wie Georg Forster zeigte sich vom Rheinstrom unbefriedigt, bemängelte die Nackt heit des verengten Rheinusers unterhalb BingenS, erklärte die Berge zu beiden Seiten des Stromes sür einförmig und fand die Lage der Rheinstädtchen zwischen den senkrechten Wänden des Schiesergebirges und dem Bette des furchtbaren Fluffes sür melancholisch, ja schauderhaft. , Zwischen dieser und der modernen Anschauung vom Reisen und Wandern liegt eine zu großeKlust, als daß sie auch durch die weiteste Lerbkfferung der Personen-' Verkehrsmittel hatte ausgefüllt werden können. Diese Kluft überbrückte recht zeitig daS aus dem Gebiete der geistigen Arbeit so große achtzehnte Jahrhundert. In dem seltsam-genialen Schweizer Uhrmachersohn erzeugte es den Mann, welcher der Menschheit die Augen öffnete und indem er auf seine Zeit, auf ihre Epigonen und bis zur Stunde auf jeden Einzelnen einwirkt, auf's Neue bewies, daß, was es auch immer Gewaltiges gibt auf der Erde, doch nichts gewaltiger ist als der Gedanke. Wenn wir inniger und sinniger die Natur aufzufassen vermögen als frühere Zeiten, so haben wir dies Jean Jacques Rousseau zu danken. Aus allen Gebieten des menschlichen Lebens und Strebens begann er einen Kamps gegen Unnatur und Künstelei. Alles ist gut sprach Rousseau, so wie es aus den Händen des Schöpfers der .Dinge hervorgeht; Alles entartet unter den Händen des Menschen." Und indem er diesen Wahrspruch seinen Resormgedan ken sür Staat, Erziehung, Geselligkeit zu Grunde legte, begeisterte er seine Zeitgenossen zunächst für Einfachheit und Natürlichkeit in Lebensweise und Klei dung, besreite er ihre Köpse von den druckenden Perrucken und pries zuerst, wie ein deutscher Gelehrter gesagt hat, die Herrlichkeit himmelanstarrender beeister Bergzacken und tosenderWaffersälle, nebelumwobener Flchtenhöhen und duf tiar Fernen, schwärmte er für Sonnen glitzern und Vogklzwitschern im thauigen Gebüsch, für Wipfel und Wolken über sich, für des Sees ausrauschende Wellen zu seinen Füßen. . Rousseau hatte ausgesprochen, was das Jahrhundert empfand. In Deutschland verlieh zuerst Goethe, der größte und .innigste Poet der Natur, diesem Empfinden die herrlichsten Worte und mit Stolz konnte Alexander von Humboldt in seinem Weltwerke fragen : .Wo ist das südlichere Volk, welches uns nicht den großen . Meister der Dichtung beneiden sollte, deffen Werke alle em tiefes Gefühl der Natur durchdringt : in den Leiden des .jungen Werthers wie in den Erinnerungen an Italien,, in der Metamorphose der Gewächse wie m ser nen vermischten Gedichten ! Wer bat beredter seine Zeitgenossen angeregt, des Weltalls heilige Räthsel zu lösen das Bündniß zu erneuern, welches im Jugendalter,' der Men chheit, Philo o phie, Physik und iDichtung mit einem Bande umschlang?Von jener innerlichen subjektiven Auf fassung der Natur, wie sie Rousseau be gründet, von dem Naturgesühl, wie es Humboldt genannt, hatte man m frühe ren Zeiten keine Ahnung., Wer möchte nicht einstimmen, wenn, der Psalmist die Macht Gottes preist und zum Beleg da sür die Wunder der Schöpfung aufführt, den Himmel und das Erdreich, die Berge und die Brunnen, Sonne und Mond: Herr,- wie sind dein.? Werke so groß und viel. . :, . Du haft sie alle weislich geordnet Und die Erde ist voll deiner Güter.. , Das Meex, das so groß und weit ist. Da wimmelt es ohne Zahl, Beide arone und kleine Tbiere Der Herr hat Wohlgefallen unfeinen - ' Werken. - Wie anders ? empfindet der moderne Dichter, wie -menschlicher wendet sich VoetyeMult zum rögelst :, Gabst mir die herrliche Natur zum Kö rx. " . nigreicy, Kraft, sie zu sühlen, zu genießen. Nicht

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i . Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust, r ' ? - C.tt ti n'- llt W.e in oen uzen eine u" ' - schauen. . : m wc Amt fcr riaiur bewunderrk wir eben nicht uur die Majestät ihs Schöpfers, wie der loblingenoe v,' to frfifffcm nir nickt nur die Annahm ' - - V - IM i I lf fy W www-w - . lichkeit und Behaglichkeiten deS Land-. lebens, wie die Jeitgenoffen oes vvtw kr,il,n wir nZckt mir das Hweckmäßlkt und Reichhaltige oder das Idyllische und m - & m M . 1a Zierliche, wie die kleinen Poeien'vo unserer klassischen Literaturepocyc, ondern wir lieben die Natur, als wäre siv. ein Stück von uns selbst und- legen m ihre Schöpsungen hinein, maS unser Herz bewegt. Freude und Leid. Philister'S Frühlingöseier. DeS Nachbars Wachtel grüßt herein Zu mir mit hellem Schlage, Der Fruhlmg muv gekommen sein An diesem Nachmittage. DaS Volk eilt vor das Thor hinaus. DaS Eilen ist nicht schicklich ; Ich schreit' mit Anstand aus dem Hau? Und bin nicht minder glücklich. Doch halt .'Vergessen hätt' ich fast. Zu sragen den Barometer, (Man sollte meiden j:de Hast !) Muß sehen erst, wie steht er. Bedürfniß ist'S, nach ihm zu seh'n. So gut. wie Trank und Speise : Wer möchte denn spazieren geh'n Ganz unverbürgter Weise? Nun ja, er zeigt sür Stadt und Land Beruhigende Kunde, Und selbst der Hygrometerstand Ist günstig mir zur Stunde. Auch nachgeschaut am Schlüsselloch Des SchrankeS und der Kasse ! Damit ich nicht am Ende noch Den Schlüssel stecken lasse. Hinaus nun auf den Frühlingspsad Qtifx fhirr fi rtitA fsmtr JU f 4 V V W UUU lkUWi Bei einem gewissen Wärmegrad Bleibt Freiheit stets mir theuer. DieBäume stehn' der Straß' entlang In adäquaten Blüthen; Nur macht der viele Staub mir bang. Vor dem soll man sich hüten. Ich wandle durch die Wiesenflur, Der Weg ist praktisch gehbar. So wird das Walten der Natur Mir heute recht verstehbar. Ich sinde allerdings den Lenz Nicht ohne Grund erfreulich. Es regt sich meine Existenz Gewissermaßen mailich. Vergnügt schau' ich des Himmels Plan Vergnügt der Erde Wunder ! Gern steck' ich meine Pfeife an. Doch sehlt es mir -an Zunder. Der Winter schuf uns Noth und Erau'a Durch manchen herben Qualtag; Jetzt hält die Güte Gottes, traun ! Wahrhast reellen Zahltag. Es grünt das Erdreich um und um Oft.Xl a. l( V . X mtaii lvoerisioeriq unu Ivaaer, Zumal der Klee Trifbliuni Gedeiht aus diesem Acker. Auch den notorisch kühlen Wald Mit seiner Wipsel Hoheit Schatz' ich als holden Ausenthalt, Sonst litte ich an Rohheit. - ' Behaglich unterm Schattendach Läßt sich zum Ruhen nieder und respectiv am Erlenbach Mein sämmtliches Geglieder. Nun tönet aus der Ferne gar Ein sanstes Flötenblasen, So schön, als wir eS sonst fürwahr Im Almanach nur lasen. O konnt' ich jkho meiner Braut In's liebe Antlitz schauen ! Ich habe ihr schon längst getraut ; Bald lassen wir unS trauen. Denn für des Lebens Hochstoss war Ich nie ganz unempsänglich, Und ihr fatales Augenpaar Ist allzu überfchwänglich. Wir fanden vnS im Dorfrevier Dort in des Thales Niebrung : Auf Liebesfrage gab sie mir Bejahende Eewiedrung. Ich habe manchen Tag erlebt. Sogar fchon manches Lustrum, So aber hat mir'S nie gebebt Wie damals in der Brust 'rum. Der Blumen zartste bring' ich ihr, ' ' Sobald sie sich entwickeln : . Gelbveigelein, des Gartens Zier, . Und fammtene Aurikeln. ' Dem Strauße süß wie Honigseim Soll auch ein Lied nicht mangeln, Gottlob,' ich darf nach einem Reim Nicht eben lange angeln. Zum .Blüthen" paßt das .Glühen MZl'st, Und auf des Herzens .Triebe" Reimt sich, auch ohne Dichtergeist, Von selber schon die Liebe.- ' So hab' ich wieder kühn g'schwärmt, Entsernt von meinen Acten, Und kehr' zurück, doS Herz erwärmt. Zum Schreibtisch, dem vertrackten. , Und sage mit gehobner Brust Dann Alles meinem Collega, Was ich gesühlt in Frühlingslust Vom Alpha bis Omega. Wir zwei versteh' uns sür und sür. Nicht blos bei Wein und Schinken, Und morgen früh beginnen wir DaS Sauerwassertrinken. Triftiger Grund. Gast: Kellner, bringen Sie mir eln Beefsteak, aber ein recht große! Jq I seh' nicht gut.