Indiana Tribüne, Volume 6, Number 221, Indianapolis, Marion County, 29 April 1883 — Page 6

Der feine Zimmerherr. 0i!,eSllnr Schichte ooSes Ilurasch td, . Meine Wirthin macht aus dem 53 miethen lein Geschäft. Eigentlick hätte sie eS überhaupt nicht nöthig, Zimmer abzugeben. Sie könnte ja ihre MeubleS verkaufen und eine kleinere Wohnung uehmen. Aber es würde ihr schwer werden, sich von dem alten HauSrath zu trennen. fcen sie ihrem Seligen, dem verstorbenen Herrn Pimke mit in die Ehe gebracht hat. lind dann bieten diese Meudles-Sändler" auch gar zu wenig, da? unverschämte CorpZ ! Zwei Thaler für eine Mahagoni-Commode und zwölf Mark für .Pimken seine joldeneTaschen. uhr! Ist das nicht ein Scandal ? Na, den hat Frau Pimke auch schöneken" an die Luft gesetzt, den frechen Patron. Win ! Da behält sie ihre Sachen lieber selbst. Sie könnte ja auch zu ihren Cousinen nach der Sebastianstraße ziehen, wo sie eine gleich große Wohnung für dreihun dert, anstatt für fünfhundert Thaler bälte. Aber sie wird doch nicht aus der Nähe der Linden fortjehen ! Nein, au? der guten Gegend bringen Frau Pimke keine zehn Pferde. Sebaflianstraße ! Bewahre ! Warum nicht gleich nach der Reetzenjasse?! , Nein, die Wittwe Pimke bleibt lieber am SchissZbauerdamm wohnen, behält Meubles und ihre schönen. groöen,hellen Räumlichkeiten und giebt einige Zimmer an einzelne Herren ab, ohne übrigens aus dem Vermiethen ein Geschäft zu machen. Frau Pimke hängt weder Zettel vor die Thür, noch biet sie ihre freien Zim. mer in der Zeitung au?. Sie giebt bochflens eine Off:rte ab, wenn ein so lider junger Beamter oder ein angehen. der Kafmann aus anständiger Familie ein Zimmer in der Nahe der Linden sucht. Studenten nimmt Frau Pimke gar nicht. Das sollte ihr fehlen ! Leute, die den ganzen Tag zu Hause sitzen und lange Pfeifen rauchen. Oder Menschen, die betrunken nach Hause kommen, die Möbel verunsäubern, und ihr womöglich hi abpumpen. Das sollte ihr gerade fehlen! Auch Ausländer nimmt sie nicht mehr. Da hat sie noch genug von dem Ameri kaner von anno '70, der mit dem fetti genHaar auf der einen Sophalehne lüm melle und seine langenThranpiefeln hoch auf die andere legte. Nein, Frau Pimke sucht sich junge Kaufleut: oder Beamte aus, die in der Nahe dcr Linden wohnen wollen und keine srvaraten Eingänge verlangen. Denn das kennt man! Frau Pimpke'6 Zimmer haben sepa rate Eingänge. Sie münden jedes für sich auf einen gemeinsamen Corridor und kein Herr braucht den andern zu stören beim Kommen ode? Gehen. Ader Leu ten, welche den Separateingang zur Be dingung machen, sendet Frau Pimpke ihre Adresse erst gar nicht zu. Solche Herren, da dankt sie süc l" Nein, ruhige und solide Miether oder gar keine. Lie der soll einmal ein Zimmer einen Mo nat über leer stehen, ehe ihr ein Bruder Lüdlich die ganze Hausordnung stört. Das braucht sie sich nicht bieten zu las sen. Da? hat die Pimken nicht nöthig. Merkwürdig blieb es ihr jedoch im merhin, daß eine Piece, wie das große, graue Mittelzimmer mit. den braunen Rip-meubleS neben meinem Salon volle drei Monate unbesetzt bleiben könne. Ich hatte es mir allwöchentlich einmal ansehen müssen, um ihr ganz offen zu sagen, ob an diesem Zimmer wohl etwas auszusetzen sei? Ob man sich eine besier erhaltene Tapete denken könne, ob da Sepha etwa nicht gut ausgepolstert sei, und ob die .Aussicht auf den belekten Strom und das ehrwürdige Gemäuer drüben womit Frau Pimke die Spree mit ihren Kohlenkähnen und einige Stallgebäude und. Lohschuppen am jenseitigen Ufer meinte . nicht wahrhast malerisch wäre? Das hätte ja auch der Architekt gefunden, der das Zimmer gegen Ende des ersten Monats desichtizt, auch mit dem Preise einverstanden gewesen wäre,' sich aber schließ lich gestellt hätte, als müsse er ein Zim mer mit Nordlicht haben, worauf sie ihm denn freilich mit der Frage heimgeleuchtet habe, ob eZ ein Nordlicht mit oder ohn: magnetische Erdströnrnngen- sein müsse und ob sie das erwa für zedn Thals: den Monat mitliefern solle? Dem Esel, d:rn k itlich muß ja doch die Welt einmal Vernunft annehmen," sagte Frau

Pimie. als sie mir am Ende des dritten Monats anvertraute, nun habe sie einen, wie ihr scheine, sehr geeigneten Miether g'sunden. Der neue Herr sei schon in reiferen Jahren, aber wenn ihm der Kopf auch schon ein Enbetfen" durch die Haare gewachsen sei, so trage er ei' nen um so machtigeren dunklen Voll, bart, bat man jleich an de Marlitten denken raufe, und wenn seine Augen auch ein klein wenig blöde wären, so sähe er doch sehr treuherzig daraus hervor und sei überhaupt ein sehr netter Mann.. Er hätte auch gar nicht gehandelt, als sie zwölf Thaler exklusive Be dltnung, Kaffee und Heizung verlangte, und es thäte ihr fast sehr leid. deL letzten Vorfalls wcqen um zwei Thaler vorgeschlagen zu haben, aber sie würde ihm das cin so billig berechnen, wie ihren ölteren Freunden und es auch bei Herrn PMse? auf ein paar Briquettes mehr oder weniger nicht ansehen, wenn das Wetter sthr kalt werden sollte. .Er beißt nämlich PfksZer," erklärte meine WlrihZn, .und iZ Oder Entspekter Ui der Internationale Unfall . Ver sichcrung. Compagnie und een Mann von viel Lebens2rt. Er hat sich jleich erkundkgt ob's in meiner Häuslichkeit Styl ist, den Herren Nachbarn eine Visite zumachen? Sie könnten den Besuch annehmen, dacht ick. Er iZ nämlich jeborner Sachsennd een Sachse, den de Jemüthlichkeit ordentlich auö't Jesichte leucht't und Mitglied vom Conferven Cluö. - .Vom Eonserven-Club?" " .Na woll! ES steht ja dcch auf seiner arle daraus, abjekürzt wenigstens! Da seben Sie : Gatthold Vleffer. Nicefeld. webel'Aspirant, Mitglied der conserv. luM. tzsoi! er Ihnen besuchen V

.Ich verstehe nichts von Conserven, Frau Pimke. Vertrauen Sie dem Herrn gelegentlich an. daß ich mitunter sür ju dische Blätter schreibe, dann wird dieser Kelch wohlan mir vorübergehen." .Ach.Sie sein ja komisch l" sagte meine Wirthin und verließ mich in ersichtlich ungnädiger Stimmung. Am zweiten srüh berichtete mir Frau Pimke, der neue Herr sei am Abend vorher angezogen, vorläufig nur mit einem kleinen Handköfferchen, einem Revolver und einem Dolche bewaffnet. Die Was. sen habe er über dem Beit ausgehängt, das Köfferchen seines Inhaltes, einer Eigarrenkifle mit Bürsten und Kämmen, einer Sommerhose und einer Anzahl von Hemdenkragen.Manschetten, riesigen Shlkpsen entleert und es sich dann gleich aus dem Sopha recht bequem gemacht. Seine übrigen Sachen kämen erst nach, was ihm sehr unangenehm sei. Er ha beimOderhemd schlafen müssen, auch srüh die Wäsche nicht wechseln können und stark darüber gewüthet, das; ihm so et was Passiren müsse. Ob ich auch nicht in meinem Morgenschlummer gestört worden wäre? Ich verneinte. Ich rapportirte, daß mich Herr Pfeffer bereits nach Mittcr nacht besucht habe, daß er im Nachtge wände, mit einem Licht und einer etwas zerknitterten Nummer des NeichSboten wohl irrthümlich in mein Arbeitszim mer gerathen sei, wo ich zufällig noch ge lesen hätte, was ich aber nicht übel neh men könne, da er eS wahrscheinlich auf eine andere Localität abgesehen habe und anscheinend etwas bekneipt gewesen wäre. .Vekneipt?' sagte Frau Pimke. .Wie S.e man so wat jlauben könn'n. I Jott bewahre ! .Verlassen Sie sich drauf, FrauPrimke. Er sprach von einer feudalen, aber etwas schweren Sitzung im Club. Ich habe ihn zurecht und später nach seinem Zim mer gewiesen, sonst hätte er Ihnen viel leicht auch noch eine nächtliche Antrittsvisite gemacht.

.Mich eene Nachtvinte? Frau Pimke rief es in Heller Entrüstung. .Wat denken Sie denn von mich? Mir sollten Se doch besser kenn'n! Aber Sie sein ja komisch!" Am nächsten Morgen hörte ich nur, der neue Herr habe total vergessen, seinen großen Koffer holen zu lasten, wolle ihn aber jetzt herbeischaffen. .E.n sehr angenehmer Miether, wenn er so bleibt sagte meine Wirthin. .Früh vor achten fort und vor Abend 10 Uhr r.ich zu Hause .Nein ! Leider kommt er später nach Hause, Freu Pimke. Gestern tobte er erst gegen 2 Uhr Nacht? und daZmal hat er mich wirklich gestört, da er den Cor ridorschlüssel vergessen hatte und klingelte .Er hat noch keenen begütigte Frau Pimke. gestern habt' ick'n mein'n je borcht. Ick muß erst zum Wirth .Wenn der Mensch Pech haben soll leitete Frau Pimke ihren nächsten Mor genSermon bedeutungsvoll ein. .Was ist Ihnen denn pa irr, Frau Pimke V .Mir nischt ! Aber denken Se mal. mie'S dem neuen Herrn gegangen hat ! Wie er nämlich seine Koffern aus die alte Wohnung holen lassen will, denken Se wohl, dat se det P ck von WirthS' leute rausjeschmiffen hat? Er hätte erst nach'n fünfzehnten jelündigt, haben se sagen lassen, und müßte noch sür'n jan zen nächsten Monat Mieth? bezahlen. Wie er jestern selber h'n is, haben se'n so gut wie rausseschmisien. Nu hat er se allerdings uff NauSjabe von seine Sa chen verklaacht und jeminnt och. Aber hinziehen kann sich die Sache, wer weeß wie lange und vorläufig muß er sich mit Papierwäsche behelfen. Det Ekltchste iZ aber, dat er sein Jeld ooch im jroßen Koffer flecken hat und nu jetzt nich ran kann .Da hat Ihnen der neue Herr wohl noch gar keine Miethe bezahlt?" Pränumerando ? ! Jott bewahre .Daß Sie nur keinen Reinsall erle ben, Frau Pimke ! .Wat Se ooch jleich wieder denken! Aei so einem seinen Mann ! Das ist ja doch einfach komisch und lächerlich ! Mit Jhn'n iS aber ooch wirklich keeu vernüns ngeS Wort zu reden! .Frau Pimke mußte sehr verstimmt sein. Sie ignorirte mich am nächsten Tage vollständig, allein am dritten Tage Abends traf ich sie wieder in meinem Arbeitszimmer. .Entschuldigen Sie, wenn ick so frei Ikwesen bin, mir m Ihren Salong nn zu setzen, wenn auch mit meine eijene Lampe. Denn ick wer' Jhn'n doch nich Ihr Petroleum usbrenn's ! Nee. da sei Jott vor ! Aber sprechen hab ick Jhn'n heute unbedingt noch gemußt !" .Was ist denn los, Frau Pimke? .Sie müssen mir den Lmp raus schmeißen, den jemeinen Kerl! Nec, so wat soll mich in meine Wohnung passiren !" .Ja, von wem sprechen Sie denn?" .Na, Heeren Se denn hx nischt ! Der neue Herr ! Ach wat. Herr ! Der Vice jesreite nebenan. Da ! . jetzt red er ! Und nu kichert sie ! Wamenbesuch hat er bei sich, der Bedrujer ! .Wer vttv. ob er sie betrügt? .Wen meinen Sie V .Ich meine, er wird doch nicht so gemein sein l" Wenn ick's Jhn'n aber sage ! Und man erkennt' ja doch an de Stimmlage. Kloppen Sie doch blos mal j.jzn die Wand und bittenlch Nuhe aus ! Nich? Na, dann bummer ick! Vor so einem jemeinen Menschen da schenir' ick mer jar nich! Empfängt Damen in meine Wohnung und sor mein Jeld!" .ES kann ja doch ein Kamerad bei ihm sein, der den Hausschlüsiel vergessen bat .Schöner Kamerad ! Wobl ooch en Kürassier, mit so ne Piepstimme ? Und die Kicherei ! Wer sein'n Hausschlüssel versessen hat, lacht überhaupt nich ! Ick bumme? selber an. Ich verbitt mir das !" .Aber bedenken Sie doch.FrauPimke! In nachtschlasender Zeit von meinem Zimmer her! Wenn Herr Pfeffer aus das Klopsen herüberkäme und Sie zu T. ? i . ...v- ..; m oiejer öiunoe yier cci mir. . . . .Da hat er viel zu'n schlechtes Jewis sen dazu, der Lumpenkerl. Nein, so ein

Schwindler ! Jestern Morjen fraacht er mer noch, ob ick'en nich de Ehre jeden möchte, nächsten Sonnabend Abend mit 'en in konservativen Klub zu jehn zu 'ne musikalisch'deklamatorische Adendunter Haltung ? Ick sage also, .S wird mich viel Verjiiejen machen. Ick frage noch, .wird denn ooch gedanzt?" und er saacht, 'na ollemal und ick ders doch jleich um erschien Eontre jebeten haben ? und ick sage : .Ei, daS versteht sich und er sagt: EZ wird janz nett. Aber ich ders mich j:tzt beurlauben? und zieht los. Ick dringe also de Wohnung in Ordnung und dann setz' ick mer hin und denk, wat wirfte nu Sonnabend anziehn und denke, i, da mußte schon det schmarz seidene nehm'.... aber Sie schlafen doch nich etwa in V .Gott bewahre, Frau Pimke ! In Jhur Gesellschast ! ..... und denn denk' jrade, ja aber wat wird denn der Herr Pfeffer anzie hen ; da kommt 'en Dienstmann und sraacht nach Herrn Pfeffer und bringt en feinen schwarzen Jesel!schastSAnzug und een janzet neues Oberhemde, so'n recht unpraktisches mit feste Manschetten und Kragen dran.... Aber Sie hören doch zu?.Ich bin natürlich ganz Ohr, Frau Pimke.Ick will also die Sachen eben im Spinde hänge, da klingelt'S wie doll und kaum, dat det Mädchen kann uffj?macht haben, kloppt's janz barsch an de Thüre und wie ick noch jar nich herein jerufen habe, steht uff eenmal en Mann drin und sagt: .Ick bin der Jerichtsvollzie her Happe! Hier Hecht ja wohl en je isser Jotthold Pfeffer in Schlafstelle?" .Det stimmt und det stimmt ooch nich-, sage ick. .WaS soll daS heißen?" .Nu sage ick, .in Schlafstelle lischt hier überhaupt Keener und dieses Zim. mer bewohnt keen jewisser Pfeffer, fon dern der Herr OberEntspekler Pfeffer von. der internationalen UmfallVersi cherungS Compagnie, wenn Se nischt

daien haben." .Nee sagt er, ,da bad ick jar nischt dajejen, denn den p. P'esser such' ick eben und dabei sieht er sich wie'n Luchs m't tanzen Zimmer um. .Na in Dischkasten sticht er nich sage lck, .ser Herr Ober-Entspekter fern aukj?jangen "Ja, det sein meine Kunden jemöhniklich sagt er. .Wollen Sre viellercht für den HerrnObennspector 17 Mark 30 Pfennige auslkjkn? .Nee sage ick. .Da thun Se ooch. jloob ick fehr jescheit dran sagt er. .Det sem wohl hier Herrn Pfeffer seine SonntagSnachmlttagsburen ? Der Anzug jenügt übrijenS und da brauche ich Sie nicht werter zu belästigen Und wat ick ooch sage und bitte, er möchte doch Herrn Pseffer abwarten, der Jerichtsvollzieher läßt sich uff jar nischt in und nimmt den janzen JeleuschastsaN' zug mit. viu venren sie blos oie chznde ! In mem Haus soll een Exe cutor komm ! So wat sollte mein Seli ger jeahnt haben!.... Sie schnarch? doch nicht etwa 1" .Ich hüstelte nur, Frau Plmke .Aber nich jenuch der Schande !" fuhr meine Wirthin fort. .Wie ick Pfeffern am andern Morjen Bescheid sage, lachte er noch und sagt : Die Frechheit giht doch zu weit ! Behält diese Bande meine Sachen ein und läßt obendrein ein Zah lungsmandat gegen mich los, das fällig wird, weil ich den Widerspruch zu erheben versäumt habe. Da muß ich doch einmal mit meinem Rechtsanwalt sprechen! Aber zuerst muß ich wohl die Sachen zurückholen, die einem Freunde gehören. Gcben Sie mir doch schnell 'mal vierzig bis sechzig Mark, verehrte Frau Pimke, nur bis heute Nachmittag. Ich sehe, ich muß doch die Tante Aurelie anbohren, es ist nun mal unvermeidlich ! .Und Sie gaben ihm die vierzig Mark ? .Sechzig habe ick ihm hinjezählt. Drei jroße Joldstücker, so hat mir der Mensch mit seine, Rederei jeimponirt. Und nu soll ick ruhig anhören, wie er mein ehrlich jespartes Jeld in so ne jemeine Jesellschast verlumptund in meine vier Wände? Raus mit dem Kerl !" Aber dir Nachtscandal wird Ihnen nichts nühen ! Kündigen Sie ihm mor gen aus Knall und Fall, aber. . . . Und die janze Nacht soll ick det mit anhören. Det ist ja Haussrevel, det iS ja doch jemein !" .Wer sagt, daß Sie eö anhören sollen. Gehen Sie zu Bett und ziehen Sie die Decke über die Ohren oder hören Sie meine neueste Elegie an .Eiacomo, der unschuldig Verdächtigte-. Wer weiß, ob nicht die Tante Aurelie bei ihm ist und er eben seine Pumpversuche bei der lieben Goldmuhme macht?" .Schiene Tante das, mit so'n freches Jelächter ! Jute Nacht übrigens. Hülfe sind't man bei Jhn'n ja doch niemals !" Am nächsten Morgen eröffnete mir Frau Pimke, nun würde sie mir beweisen, was ich sür ein Schlauberger wäre. .So?" sagte ich. .Ja !" sagte sie. .Kommen Se man m'a ! Sie führte mich in das Zimmer des Herrn Pfeffer, wies dort auf einen auf der Kommode lieg:nden goldenen Aussteckkamm und frug : .I? det ne Briefdasche? Oder een Ziehjaretten-Etewi oder ne Ziehjarrnspihe? Oder een Sprungriem ?" .Nein sagte ich, .das ist ohne allen Zweifel ein goldener Weiberkamm .Jolden? Echt?' .Ich glaube wohl." Ja seufUe Frau Pimke. .das Laster kann'saln ! Jckgloob's immer !" .Jch auÄ! Sehr schwer! Heben Sie nur einmal ! .Ick det Ding anfassen?" brauste Frau Pimke auf. .Und det soll ne olle Tan'.e verjkssen oder'n Club-Freind? Wenn der keen Frauenzimmer nich zehö rcn dhut, denn .Dann könnte er doch auch nur der Lorelei gehören, oder emem ähnlichen Fabelwesen wollte ich begütigen, kam aber schlecht an. .Sie sind ein abscheulicher Heuchle? ! sr e Frau Piinke. .Sie sind ja schon j:r nich mehr komisch ! Sie sind ja m a t l !' Am Sonntaa Moraen brachte das Mädchen den Kaffee und sagte, Frau Plmke läge noch im Bett.. Wie dodt! Sie wäre eben auch erst nach vier Uh mit Herrn Pseffer vom Ball zurückge kommen.

.Mit wem? .Na,' mit dem neuen Herrn von nebenan. Er bat sie j, doch schon die janze Woche injeladen jehatt." .Ich lasse Frau Vimke aute Besseruna

wünschen sagte ich und lächelte. .Ach, krank iS de Madamm ich wkiter erwiderte das Mädchen, daS meine BoSbeit nickt verstand. .Man blos hundemüde. Haben Sie sonst noch einen Befehl. Herr ? .Nein, danke bestens Ich trank meinen Kaffee und versuchte zu arbeiten. Aber eS ging nicht recht. Ich mußte an Frau P:mke und Herrn Pfeffer denken, der nebenan schnarchte, daß ich eS durch die Wnd hindurch hörte. Er muhte eine großartige Suade haben, ein kleinkr Gloster sein. Ich schlug meinen Shakespeare auf und las die zweite Scene aus Rickard III. mit vieler Aufmerksamkeit. .Is not Um causer aa blarneiul as the executioner?" .Ist, wer verursacht den zu frühen Tod . . So tadelnLwerth als der Vollzieher nicht?" So weit kam ich. Aber bei dem .sxscutiolior" kam mir der Vollziehuk.gs beamte vom Freitag in den Sinn, auch zum Lesen war die Stimmung hin. So ging ich denn aus und kam erst gegen Abend zurück. Mein Shakespeare lag aufgeschlagen neben der Lampe. Ich las also weiter. Als ich aber bis zu den Versen gekommen war : .Teach not thy lip such scorn ; sor it was rnado For kissing, lady, not sor such contcrnpt." Nein, lehr' nicht Deinen Lippen solchen Hohn: Zum Kuö geschaffen, Herrin, sind sie ja. ließ mich Frau Pimke fragen, ob ich wohl ein Viertelstündchen sür sie übrig hätte. . .Warum aus einmal so gar förmlich und seierlich V rief ich der Wirthin ent gegen. .Pimken, Pimken ! WaS iS mich dat mit Sie?.Bitte, janz auf meiner Seite' erwiderte die Vortreffliche. .Ja, wat ich noch sagen wollte, dem Herrn Pfeffer hab' ick doch sehr Unrecht jethan !" .So?- entgegnete ich. .Hat er be rappt V .Baar und blanke zwölf Dahler Miethe uff en Disch !" .Allerhand Achtung ! Und Ihr Dar. lehn?" .Darüber schweijen wir wohl sagte Frau Pimke erröthend. .Det bleibt vorlöusiz 'ne kleine Ehrensache, die jlatt je macht wird, bis die Tante Aurelle zurück ist. Die is nämlich auf en Tagen achte nach Dresden .Also war doch nicht sie .Nein ein Freund von ihm war bei ihm ! Ick hab' en aus dem Club - Ball kennen zzlernt. Ein sehr netter kleiner Mensch und wirklich mit so einer pie pigen Stimme. Er bat mir jleick um Entschuldigung, daß er schon eme Nacht unbekannter Weise bei unZ logirt hat te.... .Sie waren also im Club 1 .Ja ! und eZ war reizend schon ! Concert und Reden und .Heil Dir im Sie-jrkranz-im Stehn und mit benjal'sche Flamm'. Und misten Se, in bevjal'sche Beleuchtung macht q Pseffer janz wunderbar ! .Sie sind also völlig versöhnt ? .Ja. Er hat mich noch jest:rn Mittag de Miethe jeschickt und ein Villetchen, dak er mir Abends um achten abholen würde." .Und da zogen Sie das schwarzseidene an?.Na wohl. Und um achten kam Pfef fer und zooch sich in keene fünf Minuten um und denn trat er in Jalla an mit een reizend schönes kleeneS Vouquetchen. Und mit den Kamm hat er mer ooch en Jeschenk machen w'llln. Dem sollt ick so zu sasen als Zmsen betrachen. Aber ick hab'en adjelehnt, denn er würde mir doch an einen sehr unwürdigen Ver dacht erinnern und da hai'en Jotthold hente jkjen en Medalljang mit ZZudine umiedauscht. Da! Is et nich 'ne Pracht V .Aber....!' .Wundern Se sich nich! Und wenn Se kann', komm' Se heut Abend aus en Stündchen nach hinten. Jotthold is wirklich sehr nett und sein Freind kommt ooch, der mit de.pleplge Stlm me und eö w.rd ja wobl recht nett wer den. Psiffer wird 'ne kleine Bowle an setzen." .Wenn Sie Ihnen nur gut bekommt, Frau Pimke." .Man denkt ja doch. ES soll ja dcch 'ne VerlobungS-Bowle sind. .Was Sie " .Pfkffer und ich !" sagte sie. .Er is Jhn'n eine Seele von einem Menschen ! Wir haben uns jestern janz ausjespro chen und wie die Stimmung schon ein Bivken heiterer war. da hab' ick en frei rauö jcstanden, wat ick vorjeflern Abend von ihm jedacht hätte und det ick Jhn'n schon jebeten jedabt hätte, zwischen zu fahren, weil Sie n doch schon über zehn Jahre bei mich wohn'n und wir so jut efreu7.det sind !" Und da saacht er blos: Hören Se, Frau Pimken, ich will iejen so'n anhänglichen Miether nischt sagen. Aber wenn ick an seine Stelle jemesen wäre, wo der Schein so j?jen mir sprach, ick hätt' mir rausjeschmls. sen und zwar Mit vurray .' Nee, ilau ten Se mir. theuerste Frau Bertha, Freundschaft beweecht de Welt nich. Aus . v.i r v . iuve 13 i? ikzrunoer.m ecuiuern ,aaqr. Und dabei hat er mich de 5)and j:drückt, det ick hatt janz laut .Au- schrein mö jen und mer mit en Blick anjesehn ! Mit en Blick ! Und da macht ick schließlich de Oojen zu und da war's mich als wenn ick Pimken oben in Himmel lachen sah und 'n sagen hörte: .MeinLwejen, Bertha ! Ick hab nischt jkjen ! Und da hab ick denn jesaacht : .Jotthold ! Wenn Sie 'S ehrlich mein's, denn könnt ick Jhn'n wohl jut sind. Und da saacht er: .Bertha, Du machst mir selig. Morjen feiern wer Verlobung und in acht Tagen' ist die Hochzeit .Aber haben Sie sich daS auch wohl überlegt, liebe Freundin? .Dem jricbelnden Verstand jieb nimmer j'inj Dir hin sagte Frau Pimke. .Uebriz hat er ja nischt, aber er hat sein

juteS AuZkomm' Und seine feste Anstel

lunq. Und wenn mer zusamm' jehn und vielleicht doch in de Sebastianstraße ziehn . ... Denn wtffen Se, mit det ZiM' merabjeben, det hab' ick doch recht satt ! Herren wie Jhn'n sind't man doch selten. Det becßt, heite tünd'je ick Jhn'n noch nich. Bis zum fünfzehnten hab' ick ja so w,e 'o Zeit uns heute l3 erst der lfte. Und en Zefchast hab' ick ja so Nie drauS jemachl. .Ich wkllz, tch welk! 'Also meinen herzlichsten Glückwunsch, Frau. . .ja wie nun?" .Nee, wat Sie komisch sein. Aber heute zank ich mer nich. Also Frau Bertha oder ooch Frau PfeNer, verwlttwet lewesene Pimke sagte sie und lächelte unter Fceudenthränen. Walfischfang. Der Walsischsana war in früheren Jahrhunderten ein wesentlich anderer als jetzt. Man machte damals ausschllekllcd Jagd aus den eigentlichen großen Wal' sisch, der in den Geroässern von Grön land und Spitzbergen lebte und reiche Ausbeute lieferte. Die Jagd auf den großen Walsisch hat inzwischen längst aufgehört, ergiebig zu sein; er ist durch allzu hestige Ver solgung von den Gestaden Spitzbergens und Grönlands vertrieben und die seltenen noch vorhandenen Exemplare seiner Gattung, welche bald auch ganz ausge rottet sein werden, haben sich in die Eis regionen der Davisstraße .und des Po larmeeres zurückgezogen. Dagegen wird jetzt in größerem Um fange den kleineren und geringeren Ar ten deS WalS nachgestellt, welche früher vernachlässigt wurden, weil sie weniger Thran und ein sehr minderwertbiges Fischbein liesern. Diese kleineren Fische kommen an den norwegischen Küsten noch sehr häufig vor und verirren sich mitunter sogar in die Nordsee und den Atlantischen Ocean. Auch die Art des FischsangZ ist eine andere geworden; der Harpunier schleudert nicht mehr das scharfe Eisen dem mächtigen Coloß in die Seite, aus die Gefahr hin. daß sein leichte? Fahrzeug durch einen Schlag der riesigen Schmanzfloffe kentert oder durch den davonschießenden Fisch weithinauZ ins offene Meer geriffen wird, sondern man tödtet jetzt den Waisisch auZ der Ferne durch ExplosionSgeschosse, und wenn die Jagd aus denselben noch man che Ausregung bieten mag, so ist sie sür die betheiligten Personen doch nicht mehr mit LebenSgefahc verbunden. Zum Fangen der Fische bedient man sich kleiner Dampfer von 20 bis 25 Me ter Länge und circa 30 Pferdekräften, deren Bemannung mit Einschlug des Maschinisten auS sechs bis sieben Köpfen besteht. Ein kurzes Kanonenrohr mit einer Seelenweite von acht Cenlimeter ruht aus einer drehbaren Lasfette und ist mit Vorrichtungen versehen, um leicht gerichtet werden zu können. Die Har pune, welche aus diesem Rohre geschaffen wird, besteht aus zwei Theilen. Eine hohle Eisinstange endigt an einem Ende in einem massiven Cylinder und an dem anderen in einem Kettengliede. Der massive Cyl'nder wird in die Seele des Geschützes eingeführt und auf ihn wirkt direkt die Pulverladung. Ein Ning, an dem die Wulsleine befestigt ist, bewegt sich frei auf dieser Eisenstange. Das eigentliche Projektil besteht aus einer Grunate von cylindrisch-ozivaler Form, welche vorn in die Gestalt einer Lanzen spitze auskauft und am anderen Ende in ein Kettenglied, welches mit demjenigen des zuerst ermähnten Eisenschafts wie zur Kette verbunden ist. AuS dem hin teren Theil der Granate springen vier Arme vor, welche nach Art der Anker in Widerhaken endigen. Dieselben bewe gen sich in Scharnieren zu einem Abstand von 45 Grad an dem Geschoß. Wenn der Apparat fertig zum Feuern ist, liegen diese Anker fzstgedrückt am Geschoß und verbinden über die beiden Kettenglieder hinweg den Eisenschast und die Granate m emem zusammenhangenden Ganzen. Wenn die letztere in den Körper des Thieres eindringt, springen bei dessen heftigen Bewegungen die Anker auf und entzünden die etwa ein Kilogramm Pul ve? haltende Ladung derselben, die Ket tenalieder beweacn sich wieder srei und verhindern ein Verbiegen des Projektils, mag daS verwundete Thier sich drehen und wenden wie es will. Die Wurs leine ist 120 Millimeter stark und 3Z0 bis 400 Meter lang. Sobald der Wal seine Nähe durch den in die Höhe getriebenen Wasserstrahl unter einem Geräusch ankündigt, welches man aus U Kilometer hört, beginnt die Jagd. DaS Geschütz wird geladen, die Harpune eingesetzt und die Leine in Bereilschast gehalten. Aus 30 bis 40 ce tcr Ealfernuna vom Wal wird das Ge schoß entsendet, da das Gewicht desselben und die Leine den Schuß auf weitere Entfernung verbietet. In den meisten FZllen virendet der getroffene Fisch sofort mit dem Planen der Granate, ist er aber nur verwundet. so schießt er vorwärts und reißt den il et nen Damvsz? mit größter Geschwindia keit hinter sich her. In einem bestimm ten Falle des vergangenen Jahres ist man genöthigt gewesen, nach 24flündiger anhaltender Fahrt die Leute zu kappen. um nicht zu weit vertchlagen zu werden. Man erkennt den verendeten Fisch daran, daö sich der Cadaver dreht und aus dem Rücken schwimmt, bugsirt ihn länasseit des Schiffs und befestigt ihn an demselben mittelst Ketten, welche durch die Nasengegend und durch eiqe Floffe aezraen werden. DaS Etabliffement des Herrn Foyn liegt aus der kleinen Insel Badsö, welche nur durch einen schmalen Meeresarm von der Stadt gleichen Namens getrennt ist. Mit der Fluth wird der todte Co Ion, den Kops voran, bis dicht an oaS selbe herangebracht und mit eintretender Ebbe beginnen die Arbeiter ihr Werk, indem sie mit langen und breiten Me) sern in die Speckschicht des Fisches nach der ganzen Länge deffelben Längsschnitte machen, ine in Haken auslaufenoe Kette wird am knde ernes solchen fc?p?a streifens befestigt und derselbe dann mi Hülse einer Winde abgezogen. Auf dem Boden schneidet man den Spkck in Stücke und besördert ihn aus den Karren eines SchienengeleiseS m die eigentliche Fa

brik, wo die AuSkochug und die Tlnm gcwinvung vor sich geht. Nachdem baun

die beiden Knochen des Unterkiefers und die Barten, daS Fischbein, loSgeöft sind. wird der Nest des Kadaver auf eine schiefe vdene geyiht, die ihn nach einem weiten Schuppen befördert. Hier geht die ne'tere Zerlegung vor sich, da Fleisch wird zur Thrangewin.luog be nutzt und die Knochen zu Guano ver brannt. DaS Fischbein wird durch eschickte Arbeiter in Querstreifen gespalten, von Frauen mittelst Kochens im siedenden Waffer. von den anhaftenden Fettparti kelchen gereinigt und dann nach England und Deutschland versendet. Em solcher Wal giebt im Durchschnitt 7 bis 10 Tonnen Thran und 500 bis 600 Kilogramm Fischbein, so daß man den Reingewinn aus ttdem Fange, wenn der ganze Flsch. wie dies in Badsö der Fall, verwerthet wird, aus ungefähr 3200 bis 4000 Mark veranschlagen kann. Wie man in Meriko den Hof macht. Die Nolle, die ein Mann spielt, wenn er einer Dame in Mexico den Hof macht, wird dort liaccr el 030" oder tn unserer Sprache .den Bären machen" genannt. In Mexiko ist eö gang und gäbe zu sagen: .Ich mache dem Fraulein Soundso den Bären! oderein Madchen sagen zu hören .dieser junge Mann macht mir den Bären." liacer el eso bkstebt einfach darin, in der Straße, wo der Gegendstand der Be wunderung wohnt, zwischen fünf und acht UhrAdendö zu promeniren und dabei die Augen auf den Balkon gehestet zu halten, wo die Angebetete in der Reael steht, falls sie ihn oder auch irgend einen Anderen oso m ermutbiaen wünscht. Der Aar kann seine Promenade zu Fuß oder zu Pserd machen, allein llktere Position ist die wirksamere ; auch ist er dem Balkon näber. Der Bär geht ser ner in dieselbe Kirche, zur selbigen Messe wie sie und blickt sie unverwandt an, so lange sie betet. Wenn er sie im Th:ater sieht, so läßt er seinen Blick nicht von ihrem Gesichte und ist sür alle Vorgänge aus der Bühne vollständig unaufmerksam Auf der Straße geht er hinter ihr, wenn sie, von einer älteren Dame begleitet, ihre Kommissionen besorgt, kurz, ein Bar folgt dem Gegenstande seiner vul digung auf Schritt und Tritt, ebne je cm - . . un nzorr an iyn zu rlazien, es wäre venn. daß er das Glück hat, auf einem Balle mit ihm zu tanzen. Den Bären zu ma chen-, erfordert einen nesigen Aufwand von Geduld, tin besonderes Studium im Gebrauche der Augen und sehr viel Selbstverleugnung, wenn man seine Rolle anständig durchsühren will. Die Geduld wird aus d e Probe gestellt, wenn der Bar oft Stundenlang in irgend ei ner Thoreinfahrt zu stehen bat, ; die Augen müssen im Stande sein, auf be trächtliche Entfernung alles Mögliche auszudrücken, und Selbstverleugnung wird zu den Fensterpromenaden in Sonne und R g:n erfordert,denn kein Wetterist zu schlecht, daß es einem richtigen oso als Entschuldiguug dienen könn. ., seinen Posten zu vernachlässigen. Wenn ein Mann das Herz einer mexikanischen Schönen erobern will, so muß er seinen ganzen Muth zusammenraffen und die sen schwierigen Weg betreten, denn eö ist unmöglich, ihre Neigung zu gewinnen, ohne .den Bären zu machen. Während des Aukstan des in Kairo im veraanaenen fXuIi war auch der achtjährige Sohn desSektionZ. chess im egyptischen Handelsministerium, George Bey, plötzlich abhanden gekom men und blieben alle Versuche, eine Spur deS Verschwundenen zu entdccken, ersolzloS. Wie groß war nun dieFreude der Eltern, als ihnen vor einigen Tagen ein Freund auS Alexandrien den verlo renen Sohn zurückbrachte. Dec Knabe war im Juli mit einer Schaar flüchtiger Europäer auf den Bahnhof in Kairo ge rathen, wo ihn ein Condukteur zvider feinen WiÜen in ein Coupe schob und so nach Port'Said expedirte. Hier er barmte sich nun ein griechischer Schiffs capitän des trostlos in den Straßen um herirrenden Kleinen und nahm ihn mit sich auf fein Fahrzeug. Der Kleine machte so mehrere Seereisen mit, aus denen er die Türkei, Griechenland u. s. w. besuchte und traf vor einigen Tagen in Alrxandria ein. Der Capitan ge stattete ihm hier, die Stadt zu besuchen, und als der Knabe erfuhr, daß dieselbe Alexandria hkiße, da erinnerte er sich so aleich an einen daselbst wohnenden Freund seines Vaters, der ihn auch auf daS Gastfreundlichste aufnahm. Ein in seiner Art ganz neuer Theatereffeckt wird in einem Sen sationsstück eines Pariser Theaters letz ten Ranges in Szene gesetzt. Paul und Gaston kamen vor so und so viel Jahren nach Paris. Sie waren arme Jungen und wurden zur Sraßenbette lei abgerichtet. Durch Schuld des Ael teren gerie.'h Paul, der schwächliche kranke Bruder eines TageS in fremde Hände, er dlieb seither veischollen. Gaston, der damals daS siebende Jahr erreicht hatte, kam durch GlückZzustänbe in günstigere Verhältnisse, wir sehen ihn im 3. Akt der betr. Comödie als reZchen Mann wie der. Sein Glück wird nur' durch den Gedanken getrübt, daß seine Unachtsam keit an dem vermutlichen elendcnGeschicke Pauls oder gar an dessen Tod Schuld sei .Wie soll ich ihn aber sinden in dem großen Paris jammert er o Bruder, was würde ich darum geben, dürfte ich Dich noch einmal an mein Herz drücken, dürste ich AlleS gut machen, was Du erlitten hast! Der arme kränkliche Paul! Ich seh' ihn vor mir. durch das offene Hemde erblickt man da? souZ große Muttermahl auf seinem Arm. In diesem Augenblick rust jemand von der Galerie : .Auf dem rechten Arm V Der Schauspieler auf der Bühne reißt die Augen auf und nickt wie in Bestür zung. .Gerade oberhalb deS Ellbo genS ? brüllt der Mann von der Gale rie herab. DerSchaufpieler hat dieHand an das Ohr gelegt, er ist förmlich entgeis tert : .Ja, ja, ja !" jubelt er, .und das ist seine Stimme, Paul !" Aus der Galerie entsteht eine Bewegung, ein Mann verläßt tumultuarisch seinen Platz, um auf die Bühne zu eilen, es ist der Dar steller des uiedergesundenen Bruders. Die Geschwister stürzen sich in die Arme .Paul i .Gaston l Aktschluß

Vom Olymp.

ZeuS : Verehrte College k Ich habe euch zu einer Berathung eingeladen, weil ich der Meinung bin, daß endlich einmal etwas gegen dieMenschen geschehen muß, die von Tag zu Tag trotziger und ver messener werden. Nirgends wollen sie mehr die Schranken anerkenne, die wir ihnen gezogen haben. Meere, die durch breite Landstrecken geschieden sind, ver binden sie miteinander, und Legenden, die seit Erschaffung d'i Welt trocken lugen, wollen sie in Meere verwandeln. Jetzt sind sie sozsr dem NcrMicht, mit dem wir sie so lc.nge vexlrt haben, aus die Spur gekommen und fangen an, eZ selbst herzustellen. Ich meine, das kann nicht so weiter gehen, und frage euch, ob ihr meine Ansicht darübe? theilt. Helios : Auch ich, hoher GLttcrvater, habe gerechten Grund, mich in bescher ren. Da haben die Menschen ein be scnderes Licht erfunden, das sie daS elek frische nennen, und mit dem sie meinem altbewährtenWelterleuchtungssyflem seit einiger Zeit Concurrenz machen. Wenn daS so fortgeht, wird schließlich die Nacht vollständig verschwinden, und Niemand wird sich mehr darum kümmern, ob ich morgens präcise mit meinern Sonnen wagen antrete, oder mein Gespann ru hig im Stalle lasse. Komme ich einmal nicht, so laßt man einfach das elektrische Licht weiterbrennen und vermißt mich kaum. JriS: Ich gönne ebensallS den Men schen eine kleine Züchtigung so recht von Herzen. Einst war ich alS Botin der Götter wegen meiner Schnelligkeit be rühmt; heute würden mich die Sterbli chen auslachen, die ihre Botsqasten an einem elenden Draht in emem Augen blick über den ganzen Erdball senden. Hermeö : Ich schließe mich der geehr ten Vorrednerin und Kollegin aus gan zer Seele an. Einst konnlen die Dich ter nicht Worte genug zum Lobe meiner Flügelschuhe finden, heute erscheint mein Flug alS Schildkrötengang, und nicht der kleinste Krämer würde mich in seinen Dienst nehmen, wenn ich auch vom Morgen bis zum Abend für ihn lausen wollte. Poseidon : Ich kann kaum noch eine Inspektionsreise in meinem feuchten Re vier unternehmen, ohne mit meinem Ge spann an eines der Kabel anzurennen, welche die Verwegenen dutzendweise in Meer versenkt haben. Und hat man in seinem Aerger mit dem Dreizack die Verkehrsstörungen beseitigt, so fischen die Menschlein die Enden wieder us, und nach ein paar Tagen ist der Weg wieder zugesperrt. Das muß anders werden!. hephästuS : Jetzt fangen sie sogar an, mir ins Handwerk zu pfuschen. Bisher hatte ich doch aus die Veranstaltung von Erdbeben, von den kleinsten bis zu den größten Sorten, das unbestritten: Monopol; jetzt aber baö'n die Erd.'nsöhne einen so explodirenden Stoff erfunden, der qanze Ortschaften in einem Augen blick in Trümmer verwandelt und einen Spectakel macht, als ob ich selbst in der Tiese thätig wäre. Sie nennen ihn Dynamit, wie sie überhaupt gern mit einzelnen Brocken unserer schönen Grie chensprache großthun, und sein Ver brauch nimmt mit jedem Tage zu. Ares : Ich bitte, gleichfalls meine Meinung vortragen zu dürfen, wenn sie auch zu dem, was die übrigen Redner geäußert haben, in schroffem Gegensatze steht. Ich wüßte wahrhastig nicht, vaS ich an der heutigen Menschheit auSzu setzen hätte. Wenn auch überall von steigender Cultur und fortschreitender Humanität geredet und gedruckt wird, zu welcher Zeit haben so blutige Kriege ge wüthet wie in den letzten Decennien s Alle Völker rüsten um die Wette, wer nicht lahm oder blind ist, wird zum Kriegsdienst erzogen, und immer rassi nirter werden die Waffen, welche die Streiter schon auS weiter Ferne zu Tau senden niederschmettern. Wenn eS in den letzten Jahren ver hältnißmäßig ruhig gewesen ist, so wird eS hoffentlich bald um so kräftiger loS gehen. Deshalb bin ich dafür, daß man die lieben Menschen ruhig .gewähren lat ; man amustrt ,enuz, wenn man ihnen von ferne - . ... Zeus : D:; .cinst doch mit Deer Ansicht aller, zu stehen, alle Anderen halten em Einschreiten für nöthig, damit es den übermüthigen Menschlein einmal wieder in Erinnerung gebracht wird, daß die allen Götter noch leben und sich nicht verspotten lassen. Aber wer soll die Execution übernehmen ? Hephüstus : Ich bitte, mich damit zu betrauen, und verspreche, etwas recht Tüchtig's zu leisten, zceine Cyklopen in der Aetnaschmiede klagen schon seit längerer Zeit, daß der Abzug wieder ver stopft ist und sie es unten vor Rauch und Hitze lautn aushalten können. So will ich denn zum Zweck einer gründlichen Schornsteinreinigung eine ordentliche Eruption mit obligatem Erdbeben an setzen un damit zugleich den verwegenen Sterbliche,, eine hellsame Mrt geben. Was meint ihr da;u ? Alle: Bravo! Vortrefflich: HephästuS : Dem Volk, das sich im mer unverschämter auf dem Berge ein nistet, sollen d:e Häuser über den rath losen Köpfen zufammenstürzen ! Mit glühenden Lavaströmen will ich sie in Trab bringen, daß sie nicht 'Athem schöpfen sollen, bis sie unten am Meere angelangt sind ! Alle: Bravo: Ausgezeichnet: Schlauheit ist lein Beweis von Klugheit, sondern von Mangel an der selben. Wenn wir gescheidt genug wä ren, einen Fuchs durch Argumente zu sangen, dann brauchten wir ihm keine Falle zu stellen. L o u i s e. Als neulich der NeichstagSabgeordnete Herr v. Vollmar in Mannheim war, be suchte denselben eine Frau LouiseSchaub. Dieselbe wurde, als sie das Hotel ver ließ, unter dem Verdacht, Louise Michel zu sein, verhastet. In Folge dessen sollen viele andere Damen, nelche gleichfalls Louise heißen, um ihre persönliche Sicherheit besorgt sein. Namentlich sollen Louise von Voß und Louise Miller, die Braut des Ma jors v. Walter, sich selbst in den Bücher, 'chränken nicht mehr sicher fühlen vor dem polizeilichen Unsinn.