Indiana Tribüne, Volume 6, Number 221, Indianapolis, Marion County, 29 April 1883 — Page 3
Bosnisch es. 2 uKer Um Haufe. Ton SttAttft. Wenn ein Fremder mit dem Einwoh er mohammedanischer lkonsession etwas u thun hat, so kann er ihn niemals in leiaer Wohnung aufsuchen, sondern stets jcx KaychauZ. Em ctjfjchaus giebt es inx kleinsten Dorfe, und spielt dasselbe auS dem ermähnten Grunde auch eine Nichtige Rolle, hier kommen Jäinmili che Einwohner der Ortschaft mohammedänischer Konfession zusammen und hal ten sich da mit geringen Unterbrechungen vom Morgen bis zum Abend auf. Solch ein Gast ist im Stande, zehn bis fünf zehn KaseZ nach einander zu trinken : e5 ist wahr, daß man denselben in winzigen, singerhulförmigen Schalen verkaust, aber wenn wir bedenken, daß sie denselbe ohneZucker, bitter trinken, dann müssen wir uohl gestehen, daß es genug sei. Aber vie schauen die boSnischenttaffee. Häuser aus ? Wir haben ganz andere Äe griffe von den Kaffeehäusern und sind gewöhnt, große venetianische Spiegel, Marmortische, ein Heer gleich dem Rohr sich biegender Diener zu finden, was alles nur zu unserer Bequemlichkeit und Annehmlichkeit dient, ja in neuester Zeit wetteifern bei unZ , ein Kaffeehaus mit dem andern auch hinsichtlich der Kassier innen, indem Jeder eine möglichst schöne, vornehme für sein Kaffeehaus acquirirt
und sie m den Sessel bmeinsekt. der eher einem reich vergoldeten Altar oder Throne gleicht, als einem Seffel. 63 sol len nur einmal dieseHerren, die an solche Kaneehauier gewöhnt und, nach Bosnien Hinunterkommen, und ich weiß, daß sie nie wieder das KafseeyauS aufm chen werden. Das ttaffehauS besteht zumeist auS schmutzigen sinsteren und niedrigen Stuben,- in der Holzwand overyald der iljurc ist em freier Feuer Herd angebracht, wo der Hausherr, zu meist auch Eigenthümer dcs HauseS, Holzhauer und Kellner in einer Person ist, den Kaffee bereitet. DaS Mobiliar der Kaffeehäuser besteht auS einer Bank. welche das ganzeZimmer umfaßt und mit Strodmstten bedeckt ist. Etwas Ande & . res lil oa nicy: zu eroimen, und vcni auch etwas dawäre, so könnte' man es vordem großen Rauche, der -dort fort während herrscht, nicht sehen, denn die versammelten Gäste thun hier nicht? an dereS, als rauchen undKaffee trinken, und zwar ohne Unterlan. Wahrbaft bewunderungswürdig und m . ernauniicy tt oas eneymen der Mo hammedaner imKuffchause. Schonzeit lich Morgens nimm: er seinen Weg da hin, legt dort seine gewohnten Pantoffeln ab, sitzt er an einer Stelle unbeweglich vrel bis vier stunden lang, eine Cigar reue nam ocr anoern tcymaucyeno, eine Taffe Käsft nach der andern leerend, ohne daß er zu Jemanden auch nur ein Wort sprechen würde. Er sitzt dort stumm, jchweigsam. starr vor sich hinblickend, sich vollständig dem üolce iar niento hm gebend, und di,se ltnthätigkeit ist für ihn der angenehmste Genuß. Er fühlt sich unendlich wohl inmitten des Schmutzes, die stinkende Luft des Kaneehauses einalhmend. Er bält seinen Kopf stolz aufrecht und dünkt sich c . : r .t rrt.t . . öci oioiii vDcicgcngcu cm ungemem großer Herr zu sein und nimmt es übel. wenn man ihn aus seinem stummen Hin starren aufschreckt. ES giebt solche, die tagelang neben einander sitzen.mit einan der nicht mehr reden, als der eine fragt : bzaat bir, iki dir," (Wie viel Uhr iu7s 5), woraus der Andere kur, erwie dert : Szaat kacsda du ! (Ein Uhr, zwei Uhr), dann schwelgen sie und reden an diesem Tage sein Wort mehr zu ein ander. Kako ste yiV (Wie geht's?), Dobrd, fala (Danke, gut). Oder er empfängt seinen hereintretenden Nach bar mit der Frage: Ilara naszii" (Wie ist das Wetter ?) worauf Jener kurz antwortet: DumalidiV (Neblich). dann setzen ste sich hin und schweigen wie ein Grab. Die meisten treten herein, führen die Hand zur Stirne, setzen sich, bleiben mehrere Stunden da, flehen auf, führen die Hand abermals zur Stirne, und ohne auch nur einen Laut von sich gegeben zu haben, entfernen sie sich, um Tag daraus schon zeitig MbrgenS ihren regelmäßigen Platz zu olkupiren. Wenn jemand in das Hals eines Türken hineingeht, so erscheint schon am Thore ein Herr, der nicht gerade mit groß!? Höstichkeit. am allerwenig. sten aber in zarter Weise auf einen zu kommt und, ein verdächtiges Gesicht schneidend, fragt: .Was suchst Du?" Und wenn Du sagst : Den Hausherrn ! ss hat er Dir schon die Thüre vor der Nase zugeschlagen, ob Jener zu Hause ist oder nicht, und nur durch daS Gitter läßt er sich mit Dir in der romantischsten Weise in ein Gespräch ein. Diesen Herrn nennt man die Lauer. In jeder großen Familie bleibt zu diesem Zwecke jemand zu Hause; ist daS betreffende Haus reich, so halt eS einen Diener zu dieser anständigen Beschäftigung. Der Zweck dieser Lauer ist eigentlich für den aushrrn die Frau zu . bewachen. Er bewacht sie nicht deßhalb, damit man sie nicht verführe oder entführe; seine Spur, ist ja in den meisten Füllen die Frau schon alt und häßlich, und würde so ein Narr in der ganzen Welt nicht zu siiden sein, der ein sechzig bis siebenzigjähriges Weib aus Liebe entsührte, selbst wenn es ein türkisches Weib ist. Aber die Lauer steht deshalb dort, damit der Fremde, ' der die Schwelle seinesHausthores, über schreitet, nicht zusälliz etwa daS Antlitz der Gattin oder erwachsenen Tochter erblicke. Von großer Wichtigkeit sind bei den Mohammedanern die nächtlichen Besu ehe. In jedem vzrnmen Hause desin det sich ein größeres Zimmer, zumeist auf die Gaffe hinausgehend, welches dazu dient, daß alle mannlichenMitglieder der Familie sich in demselben mit den hervorragendsten Nachbarn und guten Freunden versammeln. Der Fußboden dieses Zimmers ist stets außerordentlich rein, fast glanzend gerieben : in der ei nen Ecke deffelben bcsindet sich das Nar gila (Wasserpfeife), das Tuetuendfichli (Tabakbehälier) und das Cibuk ci (Pfeifenstopfer), im anderen Winkel besindet sich, wenn es gerade Winterzeit ist. die große rothe Kpferschüffel mit glühenden Kohlen. Jeder Einzelne hat feinen Platz aus der daS Zimmer umfaf
senden Holzbank. Der Hausherr nimmt in der Mitte Platz. Die Uebrigen setzen sich nach dun Alter rechts oder links von
lbm oder weiter hin. Jeder Eintretende zieht seine Schuhe aus und tritt entw der in Strümpfen odu in sehr dünnen, aus veichemLeder veifertigten Pantoffeln ein. Wenn er seinen SKafe okkupirt hat. zieht er aus der Tasche seinen Tabaksbeute! heraus, und ohne daß er sich auch nur ,m geringsten für etwas interefsiren würde, was bisher um ihn geschah, geht er an die Elgarrettensabrikation. he seine Cigarrette fertig ist, sieht er die versammelte Geiellschast gar nicht an. Wenn seine Elzarrette, fo wie sie sein muß, fertig ist, da erscheint vor ihm der Elbuker und halt mittelst einer klemen Feuerzange eine Kohle, vx die Cigar. rette anzuzünden. Dieser Cibukei ver solgt mit außerordentlicher Aufmerksam seit die Versammelten, und da sie die Cigarretten in riesiger Anzahl kons.umi ren, erscheint er bald vor dem Einen, bald vor dem Anderen mit seiner Kohle. Kaum verläßt Einen der Cibukei, so ist auch schon der Kavedzi mit seinem, mit einem kleinen Messingthurme ver sehenen Gesäße da und leert denSchwar zen in eine singerhutgroße Porzellan' taffe, die wieder in einer andern Kupfer schale sich besindet, gleichsam eine Unter taffe bildend. Die Fremden erhalten auch Zucker dazu, die Mohamedaner trinken ihn ohne denselben. Jeder sitzt auf seinem Platze wie ein kleiner König. Sie sprechen so, wie wenn geschickte Schauspieler ihre wohl memonrten Rollen hersagen wurden. Einer spricht nach dem Andern, nicht wie bei uns, wo eS öfters geschieht, daß Je der seine eigene Rede für das Wichtigste hält und siq vordrängt, und es fo nicht selten geschieht, daß in ein und derselben kleioen,Gesellschast auch Zwei, Drei aus einmal Anekdoten erzählen und einander zu überschreien trachten. Bet den Mo hamedanern spricht der Aelteste zuerst und so welter, und es geHort nicht zu den Seltenheiten, dan der Jüngste von der Gesellschaft an der ganzen Konversation nur insoweit theilnimmt, daß er mit dem Kopse Ja oder Nein schüttelt. Ein bemerkenöwerther Satz folgt dem andern, ein zutreffendes Sprüchwort dem andern, wie wenn sie dieselben aus einer Sammlung herauslesen würden. Im Kaffeehause sind sie Alle auffallend und beinahe bis zur Lächerlichkeit schweig sam, aber bei Gelegenheit solcher nächt lichen Besuche sagen sie einander Alles, was im Hause, in der Stadt, und even tuell. wenn Jemand von einer Reise nach Hause kommt, was dort, wo er sich ge rade aushielt, geschah. Der Moha medaner velschweigt dem Mohameda ner nichts, denn er ist überzeugt, daß der Andere zu ihm die ausrichtigste und hm gebendste Freundschaft hegt. Sie be nützen zwar jede Gelegenheit, um den Fremden mit ihren Kniffen d'ranzukrie gen, zu betrügen und zu schädigen, aber unter ihnen geschieht niemals eine Un gerechtigkeit ; so halten sie zusammen, so stimmen sie üderein, daß eine Zänkerei dort nie entstehen kann. Wenn sie strei ten, so geschieht die? immer mit eine Andersgläubigen. Einen Andersgläu bigen zu betrügen, zu schädigen, halten sie für kein Verbrechen oder Vergehen, ja sie erachten es für ihre Pflicht. Und dieser Glaube ist ihnen bereits so sehr iVs Blut gedrungen, daß die gesammte Civilisation der Welt nicht im Stande wäre, dies wegzuwaschen. Bei Gelegenheit dieser nächtlichen Be suche planen und entscheiden sie in den wichtigsten Saen, und was dann der Rath der Weisen beschlossen hat. daS ist heilig, das halten sie, dafür verbürgt sich Jeder mit feinem Leben. Hier schließen sie nach vorhergegangener Verabredung Verträge in größerem Style.Abmachun gen, zu welchen sie dann zumeist auch den Mudir (Bürgermeister) zuziehen. Nachdem die beiden kontrahirenden Per teien den Vertrag geschrieben, genehmigt und unterschrieben haben, überreichen sie denselben dem Mudir, der gleichsam z'ir Beglaubigung einen EndpaffuS zum Schluffe des Vertrages hinschreibt und sein großes Siegel darauf drückt. Na türlich gebührt ihm für diese seineOperztion ein Bakschisch (Trinkgeld), un) der betreffende, hoh?itsvoll thronende Mudir nimmt eS nicht übel, wenn man ihm die kleinste Kleinigkeit in die Hand drückt ; darum bleiben Einem Mund und Augen offen vor Verwunderung, wenn rr auZ seinen weiten Beinkleidern sein Kisze" (Geldbeutel) berauszieht, so sehr ist daS' selbe vollgevfrovft mit den glänzenden .Sari-Medjedien'. Vei den Mo hamedanern kann eben ohne Bakschisch nichts geschehen. Die Dauer solcher nächtlicher Besuche hängt von den Umständen ab. Wenn sie über LandeSangelegenbeiten berathen, dann sitzen sie in den meisten Fällen bis zum Morgengrauen beisammen und b: rathen, so zwar, daß nach einem solchen Besuche, auf welchen jedoch bester die Bezeichnung Sitzung paßte. Alle in die Dzamia sich begeben, denn mit Tages andruch stimmt der Muezz'n fchon die schönsten heiligen Lieder an, mit welchen er die Gläubigen auffordert, zum Mor gengebete zu eilen. Ehe die Gesellschaft auseinander geht, bringt man eine tie sige große Kupserscküssel mit Krägen herein, um, ehe man fih zu dem geheilig ten Ort begiebt, das Avdes" (Wa schung) verrichten zu können. Wenn sie jedoch nicht wegen Landes angelegenheiten sich versammeln und be rathen, dann währen die Besuche regel mäßig bis Punkt zehn Uhr. um welche Zeit denn auch Alles wie auf ein gege beneS Zeichen von seinem Platze auf springt, die Hand an die Stirne führt und nach Hause eilt. Die größte Zu friedenheit spielt sich im Angestchte eines Jeden ab. wie wenn er seine Angelegenheit in beste Ordnung gebracht hätte und mit den Mühseligkeiten des Tages-in der erfolgreichsten Weise gekämpst häite. Nach Entfernung der Gaste lö'cht der Hausherr die Lampen aus und zieht sich in seine Hofmohnung, daS ist in seinen Harem, zurück. Wenn der Hausherr in seinen Harem sich zurückzieht, so ist dies immer ein Zeichen, daß er jede Art Be schästigung zu untkibrechen wünscht, und ob er sich nun bei Tag oder bei Nacht in seinem Harem aushält, so hat doch Niemand das Recht, ihn dort zu stören
oder von dort herauszurufen. Dies hält
man strenge m Bosnien. Wenn Je mand bei einem Mohamedaner eine Rechnung einzutreiben wünfcht und die Dienstboten antworten. da& der Herr in seinem Harem sich befinde, so bedeutet dies so viel, als daß Jener, ohne ein Wort zu verlieren, fortgehen kann. Eine Maus im ViagfU. Die Fragnerszattin Elisabeth Klein müller in Wien hatte seit mehreren Ta gen an ihrem achtzehn Monate alten Kinde das Gesühl des heftigsten Ekels gegen alle dem Kinde gereichten Spei sen und Getränke wahrgenommen, und hatte sich dieses Ekelgesüht bis zum wirk lichen Erbrechen gesteigert. Jn der allge meinen Poliklinik wurde durch Befragen der Mutter erhoben, daß das sonst im mer ruhige K,nd in der Nacht vom 13. auf den 14. März v. I. plötzlich mit ei nem heftigen Aufschrei erwacht sei und daß seit ener Zeit durch beiläufig vierzig Stunden es sich unruhig herumgewälzt hat. Ta kein Magenleiden als Ursache der bei dem. Kinde wahrgenommenen KrankheitS Erscheinungen nachgewiesen werden konnte, entschlossen sich die Pro fefforen endlich dazu, mittelst des von Professor Dr. Mtkulicz erfundenen GastroskopS daS Innere der Magenhöhle auf elektrischem Wege zu beleuchten und zu untersuchen. DaS Bild, das sich den untersuchenden Aerzten nun darbot, war ein höchst merkwürdiges : In einer seit lichen Nische der Magenhöhle, etwas nach rechts von der Ausgangspsorte des Magens lag, in Schleimmassen einge bettet, ein vier Centimeter langer weiß lichgra? durchschimmernder Körper, der als trc emer MauS erkannt wurde. Nun handelte eS sich darum, das Kind von die sem -ästigen Mageninhalt zu befreien. Zu diesem Behufe wurde em an seinem unteren Ende hakensörmig gekrümmter Draht durch die Röhre des GastroskopS m den Magen eingeführt, doch erwies sich hierbei, daß die Lichtung der Röhre viel zu eng war. um die ganze MauS durchziehen zu können. ES mußte dqher zu einem andern Au'hulssmittel gearif fen werden, und zwar wurde die Röhre deS GastroskopS auS der Magenhöhle herausgezogen und ein nach Art'eines ärztlichen MünzenfängerS- gebildetes Instrument eingeführt, mittelst dessen auch zum größten Elstaunen der anwesenden Aerzte binnen' wenigen Minuten die Maus herausgezogen wurde. Doch zeigte eS sich, daß das Schwänzende der U)cauS sich vom übrigen ikörper abge trennt hatte. Es wurde daher nochmals die Röhre des Gastrofkops in den Ma gen des Kindes eingeführt, der Sitz des tzschwanziragments aufgefunden und her ausgezogen. Die vollständige Gene sung des kleinen Kranken ist in sicherer Aussicht. Die MauF selbst ist jedenfalls in jenerNacht, als das Kind schlief, durch den Mund und Schlund desselben in den Magen gelangt. Nutzen und Schadendes Schattens. Der Schatten ist vortheilhast und un entbehrlich zum Keimen des Samen wie auch zur Entwicklung und den Aufwuchs der iunaen Pflanzen,' österauch für die Triebe der Pflanzen, indem er es ver hindert, daß ihre Rinde nicht zu schnell hart wird, was ihre Entwicklung aushal ten würde. Der Schatten istnöthiq für Pflanzen, denen wir ihr snscheS Grun erhalten, deren Blüthe und Frische wir längere Zeit genießen wollen; auch für Pflanzen, welche erst ver ekt oder deren Töpfe wegen ihrer Vegetation geändert wurden. Der Schatten ist zur Bewur zeluna der Stecklinge vortheilhaft, die schwer wurzeln, sowie nöthig für Pflan zen, welche aus dem Dunklen an das volle Licht gebracht werden sollen. Er ist nöthig für kranke Pflanzen und solche. die zugedeckt waren. Dies zeigt sich selbst V . ' ' du Vielllingen, oie, unier Vias gezogen, dem vollen Lichte ausgesetzt waren ; sie ertragen das direkte Liebt der Sonne nicht. Der Schatten ist nicht unent behrlich zum Anwachsen der Pfropfreiser oder Augen, kann aber entbehrt w?rden bei dem Pfropfen, Oculiren oder Stop sen krautartlger Pflanzen und Cacteen. Wenn wir nun auch die schädlichen Wickungen des Schattens betrachten, so finden wir, daL alle rm Schotten gezoge nen Hölzer nicht so hart sind, der Fäul niß mehr unterworfen sind und von den Jnsecten mehr angegriffen werden, als in der Sonne gewachsene. Er ist den Früchten häufig schädlich, indem er das Verwandeln der Fruchtsäure in Frucht zucker verhindert. Auch verhindert der Schatten das Festwerden des Pflanzen gewebes, verlängert die Vegetationszeit und die noch weiche Pflanze kann der Kälte und Hitze nicht widerstehen, wie auch nicht der Trockenheit des Sommers. Anhaltender Schatten macht die jungen Pflanzen faulen, entblättert dieselben und sie sterben dann ab ; auch zieht der Schatten viele Jnsccten herzu, welche die Pflanzen zerstören. In voller dunkel heit wachsen höchstens einige Flechten und der Champignon. ' Polizei.ttunststttc?e. Eine amüsante, aber nur nicht recht glaubliche Anecdote auS dem Leben des verstorbenen Fürsten Gortschakow finden wir in demPariser Journal .Eoenement." Es war vor einigen Jahren in Peters bürg, und der Fürst kehrte gerade von ei nem Diner zurück. Auf dem Heimwege erinnerte er sich, daß er ein Portefeuille mit 30.000 Rubeln in Bankbillets in die Seitentasche seines Ueberziehers gesteckt hatte, und um sich zu vergewissern, ob daS Porteseuill: noch da sei, griff er in die Tasche. Unangenehme Überraschung : vom Portefeuille sammt Inhalt keine Spur ; es war gestohlen. Am nächsten Tage ließ der Kanzler, den Petersburger Polizeimeister holen, um ihm von dem Diebstahle Mittheilung zu machen. Der Chef des hauptstädtischen Sicherheitswe sens beruhigte den Fürsten ; binnen vier zehn Tagen, so versicherte er mit Be stlmmtheit, solle der Kanzler wieder in tn .rn. f . : . a sf i( oen Bentz elnes laenthumZ aelanat sein. Wirklich übertraf er noch seine Verheißungen, denn nach kaum einer Woche, erschien der Polizeimeister mit freudestrahlendem Angesichte und eröffnete, er fei glücklich, dem Fürsten die ge-
stohlene Summe, die der Dieb kaum an. gegriffen hätte, wieder zustellen zu kön nen. Das Portefeuille freilich konnte er nicht überZeichen, das hatte der Dieb nach
femem eigenen Geständnisse sogleich fort geworfen. Den Fürsten Gorlschakow 1- .tu l. 5. ? ? i oeiummerie oieier iimnano menia. er hatte seinGeld wieder und beglückwünsch te den Volinichcf lebbaft seiner Ge. schicklichkeit. Aber was geschieht einige Tage fyäter ? Der Reichskanzler greif! zufällig in eine andere Tasche, und was findet er da ? DaS vermißte Portefeuille Mir fernem unverkürzten Inhalte, et cheS niemals entwendet worden war. D Polheichef Hatte, um seineGewandt Heit ins L'cht zu stellen, das Märchen von dem ergrlssenen Diebe crionnen, und die 30.000 Rubel, die er dem Fürsten Gort schakow übergab, dem Dispositionsfonds entnommen. Der Heimath Grub n den LrikZ'Iitisendkn Herrn Wißmnn. Der erste Gruß auf heimathlicher Erde. Aus vollem Herzen sei er Dir gebracht. Wem Wand'rer, dem nach langen Weg'S Be chwerde Der frohe Tag der Heimkebr wieder lacht. Kehrst Du zurück doch zu der Väter Herde, So wie em Sieger kehret nach der Schlacht, Ver iürang ai und Geiabren viel er litten Und reichen Ruhm für sich und uns er stritten. Nicht Feindes List und nicht des Fiebers Schrecken, DaS aus der Sümpfe heißem Moder quillt. Nicht Felsenkämme, die sich endlos stre cken. Der Strom nicht, der ausriefen Schlün den brüllt. Verwehrten Dir, den Vorhang aufzu decken. Der jenen schwarzen Kontinent verhüllt. Sa trugst von einem Du zum anderen Meere DeS deutschen Namens Ruhm und hohe Ehre. Wie Viele ruh'n, verscharrt im heißen Grunde. Von Deutschlands kühnsten Forscher Helden dort ! Kein Windhauch trug die thränenreiche Kunde Von ihrem Grab zur Heimathküste fort. Den letzten Seufzer ihrer Todesstunde Verschlang die Oede. und ihr letztes Wort. Sei doppelt d'rum begrüßt ! Und Dank gespendet Sei auch dem Glück, das Dich zurück gesendet! (Ulk.) Schnavahüpfetu. Der Bua, der sei' Diendle Beim Tanz'n nit halst, Kimmt mer vor wie die Väurin, Dö die Nudel net schmalzt. Diendl mueßt w;g'n an Rausch Nit so stark aufbegehr'n. Da sieg (fehe) i di doppelt. Und das han i gern. 4 Wann de Kirchthurm a Maßkrug oar. Und war' voll Bier, Und ast (dann) trinket' mar oan Maß Und nit drei und vier. . Und rai freut so nix mehr Als mei kohlschwarzer Huat, Daß i auffetz'n kann. Wann d' Sunn scheinen thuat. 5 Und lustig, ihr Bueds, Tyroler Hand (haben) Kröpf, Sie tragid's (tragen sie) über d' AchSla, Wie d' Bettler die Säck. Und 'Z Diendl hat Zahnl'n, Da lacht'Z wo! damit, .Und sie kunnt' oan a' beiß'n, ' DaS thuet'S aber nit. A bisil sikrisch. a bistl sakrisch. A bissl vornehm mueß ma thuan. Die großen Thaler mueß ma sech'n (se hen) lass'n, Ab'r. hergeben muß ma koan. . D' appenzeller Maioeli, wie machen sie de Käs ? Sie thuent'n in as Ehübeli (Kübel) Und druckent mit dem Füßeli, Drum ist der KäS so räß (pikant). O himmlischer Vater Verschaff' mer an Mann, Jede Katz bat an Kaker, Jede Henn' hat an Hahn. Zwa Leabe (Verlieble) in oan Hau?, Das iS unvermesi'n. Können 's Füßele nit g'rath'n Beim Suppenesj'n. Lebhafter Träumer. c? ums Himmelswillen Mann was treibst denn? Ich glaub gar. Du trinkst Schnaps wo Dir'S der Doktor jo streng verboten hat !" - .Ja, weißt Marie! Mir Hat'S grad' so lebhast geträumt, ich hatt' was Fettes gegesien sonst war's mir schlecht ge worden!N e b e r f ü h r t. .Ihre Papiere sind in Ordnung", sagte der Polizeioiener zu einem Hand werksbucschen, .aber wohin gehen Sie zunächst?.Das weiß ich selbst noch nicht und bedaure also !" .Wie, was, ist das auch eine Ay.t vort?" Sie sind arretirt und gehen mit mir aus's Amt V .Da kann ich auch nicht machen, aber jetzt sehen Sie selbst, daß ich R?cht hatte ; und nicht wußte, wohin ich zunächst gehen (.... würde l" Da hat der Polizeidiener lachen müssen und hat znm Handwerksburschen ge sagt: .Ei, so gehen Sie in Kuckucks namen wohin Sie. wollen! Sie sind ein Schlaukopf -
Mprphiumesser.
von Julia Ltinbe. Er war auS dem französischen Kriege n die veimath zuruagereyrr. Jwar war es ihm im sremden Lande nicht zum besten ergangen, denn mährend der Be aaeruna von Mek hatte Kälte undia e ihm so lange zugesetzt, bis schmerzhafier Gelenkrheumatismus seine uedersuhrung in ein Lazareth nothwendig macht , dos er jedoch verließ, als die Aerzte ihn für transportfähig erklärten, vlun ging er seinem Beruse wieder in gewohnterWeise nach, arbeitete auf dem Gericht, dem er als Assessor angehörte, ebenso wie die ihm Nahestehenden, der Hoffnung, daß der Nest des im Dienste des Vaterlandes erworbenen Leidens von femer Jugend kraft allmählich überwunden werde. Der Asiesior klaate n.e über die Schmerzen, welche ihn von Zeit zu Zeit heimsuchten.. Er war der heiterste Ge sellfchaster, den man sich denken konnte, arbeitete mit außerordentlichemEifer und galt in maßgebenden Kreisen für einen Mann, dem sich eine glänzende Carriere eröffnen müffe. Der Assessor war mit T!idni''ivXiAtn , CCirn ClilCl IKlKilSIVUtUtlil JUIIllt 4(uk verlobt, und sobald die erwartete Be förderung stattgefunden haben wurde. sollte die Hochzeit sein. Trotz aller dieser Aeußerlichkeiten, die dem flüchtigen Auge wohl als ungetrüb tes Glück erscheinen mochten, kamen Au aenblicke vor. in denen der Affeffor von einer unerklärlichen Melancholie befallen wurde. Dann klagte er, an einen Be ruf gefesselt zu sein, der ihm kein Intereffe mehr einflöße, und vafe er gezwun aen sei. zu arbeiten, um das Wort ein zulösen.das er gegeben habe. In solchen . . p-, . . . . Momenten ou lerer uno verzagrcr um mung machte er den Eindruck eines nicht nur geistig, fondern auch lorperucy vin gegriffenen, dessen Leiden bedenklicher " r .In ri--v crn war, als er setvi.1 eingejiano. wenige Stunden darauf konnte man ihn dage gen wieder in der besten Laune antreffen, voller Hoffnung auf die Zukunft, ener gifch in seinem Amte und im Besitze der vollsten Gesundheit, die fast unvereinbar mit der fortschreitenden Abmagerung zu sem schien,.die von Woche zu Woche be merkbarer wurde. Nack etwa drei Jabren erkrankte der Affeffor an Fieberanfällen, deren Ursache er dem Arzte nicht verhehlen konnte. Der Affeffor war Morphmmeffer. In dem lazareth war er zur BekäM' pfung der rheumatischen Schmerzen mit Morphium behandelt worden. Do-t hatte er die kleine Spritze kennen gelernt. mit welcher das schmerzstillende Gift. daS die 6hemi: aus dem Mohnsaste zu gewinnen lehrte, unter die Haut gebrach wird, das den Patienten in einen unbe schreiblichen Zustand des Wohlbehagen! setzt, in welchem die physischen . Leiden nicht mehr empfunden werden, die Sor gen verschwinden und die Gedanken den blumensuchenoen qmetterilngen gieia) nur bei angenehmen Dingen verweilen bis der Schlaf sie umsangt uno zum Traume gestaltet. Die Morvbiumsvrike bealeitete den Affeffor in die Heimath. Anfangs diente sie ihm nur zur Bekampsung der rheu matifchen Anfälle, als jedoch diese ver. schwunden waren, vermochte er des Gif tes nicht mehr zu entbehren, sondern war ihm mit Leib und Seele verfallen. Auch ihm erging es, wie zahllosen Anderen, welche längere Zeit hindurch sich an Morphiumeinspritzungen gewöhnt haben, er konnte nicht ohne dieselben le den. Versuchte er, sich ihrer zu enthal ten. so überkam ihn Verzagtheit. Nie dergeschlagenheit und eine Energielosig . 'i v... e e " ..r .!.t leii, 0ik lyn in oer AUSluyrung oerinca testen Arbeiten hinderte. Nur eine Do siL Morphium setzte ihn in den Stand, den Pflichten seines Berufes nachzukom men. Nur die Morphiumeinspritzung erweckte seine gute Laune und machte ihn zu dem Heitersten der Gesellschaft. Der blendende Witz, der Scharsblick des Geistes, die Lust am Leben waren, ihm nur zu eigen, so lange das Gift seine Wir kung ausübte. Erlosch diese, dann wich auch das künstlich erzeugte Wohlbehagen von ihm, denen jene entsproffen, und die Hinfälligkeit des Körpers verursachte ihm im Verein mit der Verzagtheit deS Geistes Stunden entsetzlichen Leidens. Aber er hatte das Mittet bei der Hand, diesem Zustande körperlichen und geisti gen Elends ein Ende zu machen die Morphiumspritze und daö Wohlbehagen bringende ist. Was lag ihm daran, daß Arme und Brust wie von Dornen zerriffen waren, und die Wunden, welche die nadelseine Mündung der Spritze machten, oft in schme zhaste Eiterung übergingen, da er den Schmerz leicht beseitigen konnte. Freilich mußte die . Gabe des Mor phiams vergrößert werden, wenn die ge wohnte Wirkung sich zeigen sollte, und es traten bedenkliche Symptome ein,. die auf eine Vergiftung des Organismus hindeuteten ; abr je weiterer in dem Gebrauche des Morphiums vorgeschritten war, um so weniger vermochte er ihm zu entsagen ; seine Willenskraft reichte nicht mehr aus, , den Zustand zu ertragen, welchem er körperlich und geistig verfiel, sobald er das Gist aussetzte; er mußte nach demselben greifen. ' Zuletzt aber erlag der- Organismus dem Morphium. Verdauungsbeschwerden, Schlaflosigkeit, Unlust zur Arbeit, Doppelsehen und daS Morphiumvergif tungen kennzeichnende Fieber wirkten mit vereinten Kräften auf den Patienten ein,.dem die Mediziner in der Spritze ein Werkzeug gegeben hatten, besten Gefährlichkeit erst gekannt wurde, nach dem ihr bereits zahlreiche Opfer gefal len waren. Die Begeisterung, die durch die imponirende Wirkung der Morphiumeinspritzungen unter die Haut sich der Laien bemächtigte, nahm in dem Maße zu, als sie wahrnahmen, doß denselben auch der seelische Schmerz weicht, und so kam eS. daß den Aerzten ein Mittel aus der Hand entriffen wurde, deffen unheilbringende Folgen erst erkannt wurden, als die Morphiumsüchtigen in großer Anzahl Heilung von ihren Uebeln verlangten. Erst seit dem Jahre 1866 wurden die Morphiumeinspritzungen in Deutschland populär; ihre schnelle, wundergleiche Wirkung gegen den Schmerz, die Ruhe, welche ste Schwerverwundcten und Er
krankten brachte, bahnte ihnen rasch den Weg. Die Kranken befanden sich in ihrem Morphiumtaumel wohl, und an die Folgen wurde nicht gedacht, weil die
elben unbekannt waren. Als jeoocy das Morphium sich als ein Dämon ent arvte, der die ihm Verfallenen oft erst nach langjähriger Frist an den Nand des Verderbens bringt, suchte man dem Un wesen zu steuern und den Opfern des Giftes Heilung zu bringen. Letztere beruht m der langsamen oder plötzlichen Entziehung des gewohnten Giftes. Die langsame Entziehung ist eine lang sortgesetzte Qual für den Pa lenten; die plötzliche eme kurze, aber bald zum Ziele führende Tortur. Der vor kurzem verstorbene Sanitatsrath Dr. Eduard Levinstein, in deffen zu Schöneberg bei Berlin gelegenen .Mai son de Sante bereits viele Morphium süchtige dem bürgerlichen Leben wieder gegeben worden sind, zieht in seiner Schrift Die Morphlumfucht" die plötz liche Entziehung, wenn nicht besondere Gründe mitsprechen, der langsamen vor. weil der Organismus rm allgemeinen plötzlicher energische Eingriffe leichter überwindet, als langsam . sich vollzle ende. Auch der Affeffor muß!e in die Anstalt gebracht werden, da es unmöglich ist, die Patienten ln der Prlvatproxis genugend zu überwachen. Mit dem erdenklichsten Rafsinement wisien dieselben sich Morphium zu verschaffen, und selbst in der Alai8on de Kante kam es vor, daß Morphium eingeschmuggelt wurde, das in einem ''Lesezeichen, in Eigarrenspitzen und den Sohlen der Panteffeln verbor gen war. Zu betonen ist die moralische schwache der Patienten, welche mit der Absicht, sich heilen zu lasten, in die An statt gehen und trotzdem das geliebte Gi t heimlich bei sich iihren. Die Furcht vor der Entbehrung des Morphiums ist größer, als die Kraft, den Leiden, welche die Entziehungskur begleiten, muthig ins Auge zu fehen. Schon dieser ine Zug genügt, um den furchtbaren Bann zu kennzeichnen, unter dem der Morphium effer steht. Sobald der Kranke sich mit der Beschränkung seiner persönlichen Freiheit einverstanden erklärt hat und die ürzt liche Behandlung beginnen soll, wird er in die zum Ausenthalte von acht bis vier gehn Tagen bestimmten Räume gesührt, in denen jede Gelegenheit zu Selbst Mordversuchen beseitigt sein muß. Die Thuren und Fenster dürfen Nicht in An geln, sondern nur in Scharnierbändern gehen; sie dürfen weder Klinken noch Niegel haben und müssen so eingerichtet sein, daß sie von den Kranken selbst we der geöffnet noch geschloffen werden kön nen. Spiegel, Kleider und Gardi neN'Haken sind zu entfernen. Während der ersten vier bis sünfTage der Kur müssen stets zwei Pflegerinnen um den Patienten sein. Wärter eignen sich nicht zur Uebrnvachung Morphium süchtiger, da sie in der Regel der Beste chung leichter zugänglich, unzuoerläjsi ger und einer selbstlosen Handlung we Niger sä'lg sind. Das Personal wechselt alle zwölf stunden, da der Dienst kör perliche Frische erfordert und aufreibend ist. Schon drei bis vier Slunden nach der letzten MorphlumEinfpritzung stellen sich oft die ersten Zeichen der Entziehungskur ein, welche in ihrem Verlaufe ziemlich dieselben Erscheinungen darbietet, wie eine Morphiumvergiftunq nach großen Mengen des Giftes. Es melden sich Unbehagllchkert, Gähnen, Ziehen rn den Gliedern, denen sich Kopfschmerzen. Ue belkeit und Erbrechen nach und nach zu gesellen. Die Aufgabe des Arztes es, mit geeigneten Medicamenten, Wein, Kaffee, kallen Uebergießungen u. s. w. diesen Anzeichen zu begegnen. In den ersten Tagen bleibt dttSchla aus. Eine allgemeine Schwäche 'über fällt den Körper, der Geist befindet sich in dem höchsten Grade der Verzagtheit. Ost stellen sich Delmen ein; die Patien ten glauben Gespenster zu sehen. Glie verschmerzen, rümpfe, Ohnmachten, dazu Todesgedanken und furchtbare Angstzustande bringen den Patienten fast zur Verzweiflung. Sie bitten um Mor phium, werfen sich aus die Erde und be gehren Morphium, sie rasen und heulen nach Morphium, das ihnen jedoch ver sagt bleibt, wenn nicht bedenklicheSymptome eine schwache Einspritzung erfsrder lich machen. Es ist vorgekommen, daß ein Patient sich die Pulsader aufzubei ß'n versuchte, als ihm die Qualen der Entziehungskur ganz unerträglich wur den. Allmahlich legen sich die stürmischen Erscheinungen unter der sorgfältigen ärztlichen Behandlung, und der Patient geht dann seiner Genesung entgegen, bis er völlig geheilt die Anstalt verlassen kann. Geheilt aber aus wie lange? ' Nur zu häufiz kommt es, daß die Morphiumsüchtigen wieder rücksällig werden und sich der Leidenschaft des Morphiumkssens denn es wechselt häu fig das Einnehmen des Giftes mit dem Einspritzen wieder ergeben. E ne trü be Stunde, eine Mißmuth bringende Enttäuschung, körperlicher Schm:rz, oft auch das diabolische Zuraunender Erinnerung drückt ihnen das Gist wieder in die Hand. In ähnlicher Weise erging es dem As sessor, der die Anstalt wohl und neuge kräftigt verließ. Als er feine alte Woh nung wieder betrat und den Schreibtisch erblickte, in dessen Fächern er das Gist aafzubewahren Pflegte, wurde er von dem heftigsten Verlangen nach Morphi um überfallen. Er ließ sich versetzen, um durch nichts mehr an frühere Zelten er innert und zum Morpbiumgebrauche verleitet zu werden. Die juttge Dame, gegen die er nm so kälter wurde, je mehr die Leidenschaft zum Morphium sich stetgerte, ist jetzt seine Gattin. In ihr besitzt er den neuesten Wächter, dessen auch die Geheilten noch lange Zeit bedürfen. Und wohl nichts auf Erden ist im Stande, die Willenskraft mehr zu festigen, als das Bewußtsein, daß eine Rückkehr zur alten Leidenschaft ein Herz, das nur von Liebe und Vertrauen weiß, mit schwerem Weh erfüllen würde. Es zeigt sich eine eigenthümliche-Be ziehung der Morphiumzucht zur Trunk fucht, daß sowohl männliche wie weibliche j Morphiumsüchtige nicht selten dem
Trunke ergeben sind' " Em The l der Morphiumesser nimmt den Alkohol, um sich in Spannung zu ''alten, wenn die Wirkung des Morphiums nachzulassen beginnt; andere behaupten alkohomqe Getränke nöthig zu haben.well dannvas Bedürfniß nach Morphium geringer fei , ein dritter Theil braucht den Alkohol, um den Versuch zu machen, sich ganz uno gar von dem Morphium zu entwöhnen, ein Versuch, der stets mißlingt. Selbst von der Morphiumsucht Genesene haben große Neigung, ein sogar gesteigertes Bedürfniß nach Alkohol. Sie ttkbrauchen denselben ost übermäßig. und wenn ste zur Einsicht kommen, daß diese neue Leidenschaft noch bedenklicher für ihre gesellschaftliche Stellung ist, als die Morphiumsucht, so suchen ste sich von derselben zu entwöhnen, und zwar durch Morphium. Damit verfallen sie dann wieder ihren früheren Leiden. Der hohe Preis des Morphium?, die . Schwierigkeit, dasselbe in ausreichenden Mengen zu erlangen, sind Ursache da von, daß Morphiumesser nur in den hö heren Kreilen gefunden werden. Na mentlich stellen Aerzte, Qfstzlere,NentierS . rw . . w CYY
oas gropie iö,onllngenl oer lorvqiuui ffer, soweit das Material in Betracht ommt, welches die Listen der Heilansta! en licfern. Sanitätsrath Dr. Lcvin t?in sagt, doß ihm eine Reihe von Peronen bekannt sei, die in hohem Gradc morphiumsüchtig sind, und trotzdem sich nicht nur im ungestörten Besi ihrer nnftkrtfti ftraft fiffinden. fnndern als r '" t " - i - - , i - hellleuchtende Sterne am wiffenschast ichen Horizont glänzten und glänzen. Männer der Kclegskunde. Künstler, Amte, Chirurgen, Namen vom besten Klänge, sind dieser Leidenschaft unter warfen. Und doch kann die Stunde Nicht auS' bleiben, in der sie dem Gifte unterlie gen.' Wie ein grauenhaftes Zeichen der Zelt erscheint diese durch Morphiumgift ge tteigerte Thätigkeit solcher Sterne , die Leid und Seele dem Dämon Morphium verschrieben haben, um in dem tobenden Gewoge des heutigen Lebens obenauf zu bleiben und zu glänzen. Ein Besucher des etna?luö vrucheS schildert unterm 2t. v. M. seine Aben teuer solaendermaßen : Gegen 5 Uhr Abends verließen wir Catania auf einem schauderhaften Gefähr. Je mehr wir uns Nicolosi näherten, fanden wir die Staße mit größeren Zügen von flücht! gen Leuten bedeckt, die ihre Habe mit sich führten. Auf Karren mit Matratzen. Kissen, Decken lagen Frauen, Kinder, Alte, wie man sich denken kann, in klag licher Verfassung. Diese Leute hatten zu sürchten, ihre Häuser zerstört, ihre mühsam gepflegten Felder vernichtet zu sehen. Alle Ortschasten, die wir durch wanderten, Gravlna, Maßcaluccio.Torre Griso, waren mit diesem verzweiselnden Volke angefüllt. Nach drei Stunden holperiger Fahrt waren wir in Nicolosi. Wie traurig sah es dort aus. Alle Häu ser waren geschlossen mit Ausnahme eines Cafes und einiger Herbergen. Der Ort würde ganz ausqestorben gewesen sein, wäre nicht ein Park von WogZn jeglicher Art auf dem Platz aufgestellt gewesen, welche die Au?bruchS'B::mmler hierhin gebracht hätten. Die wenigen Bauern, die nicht geflohen waren, chlie sen im Freien oder schlichen gintj Ge spenstern umh?r, blöde auf die zahlrei chen Patrouillen von Kendarmcn und Bersaglieri blickend, die den Ort bewach a iy r - b v - r. iirn. :jian lugie uns, uaß njit einen Fährer am oberen Ende des Ortes sin den würden bci der Capelle, in di: man di: beiden Patrone des Orts, Sank' Antonio und Sani' Antonino, aufge stellt hatte. Zum feurigen Splt aber müsse man dort noch drillhalb Stunden durch Asche und erstarrte Lava gehen. Wir machten uns, mit tüchtigen Alpen stöcken versehen, auf den Weg. Bis zur Capelle ging es steil durch tiefe Asche hinauf. . Die Statuen der beiden Heilt gen standen, mit Gold und Perlen be deckt, im Glänze von vielen hundert Kerzen in der ärmlichen Capelle ; eine Menge Leute lag vor ihnen auf den Knieen und jammerte um Gnade. Wir stiegen nun in Gesellschaft von zwei Führern eine Stunde lang höher hinauf uizd vernahmen ,s der Ferne .lauter und lauter daS örüllen des VergeS. Plötzlich stand, kei einer Wendung um einen Felsen, )as schaurig prächtige Schauspiel vor tnS. Eine unermeßliche geuerläule, vo.. riesigen Rauchwolken umgeben, brach . mit unbeschreiblichem ozeräusche aus der E.de h'rvor. Tau sende von Steinen, weiß und roth glü X tM !tt lM J M X A t L. l. ijcuu, uMiutiicii ijuuf lii u:c jul UNO häuften sich am Ranoe d:s Kraters auf, neue Hügel bild:nd; dabei zischten Dämpse und zerplatzten feurige Massen. Das Echo in der Runde verdopprlte das G;drüll de? unterirdisch?n Mächte, die ganze Lut war mit Schwefe'dampfen geshwängert. Es war 2 Uhr nach Mit ternacht und wir standen noch immer, trotz Kälte, Rauch, Schweselgcruch und Regen in stummer Bewunderung des großartigen Schauspiels. Der ausge ristenc Theil des Berges besindet sich in der Höhe von 1050m zwischen Serra Pizzuta und Conciliedo. verschie denen Oeffnungen erschienen zu verschie denen Zeiten nacheinander. Im Ganzen sind es ihrer elf auf einer Linie von un gefähr zwei Kilometern von Osten nach Westen. Um diese Linie her ist über eine Fläche von etwa zwölf Kilometern der Boden überall gerissen und gespa! ten, und aus den Spalten wirbelt viel fach weixer Rauch auf. Viele Lawa ist noch nicht hervorgebrochen, im andern Falle würde Catania in großer Gefahr schweben, da die flüssigen Massen bis zu jener Stadt gar kein Hinderniß finden würden. Herr Ulerich von Lichten st ein, Herr Ulerich von Lichtenstein, Ein heller Stern der Minne, Trank 's Wasser, da gewaschen drein Sich seine Königinn?. Das galt für seiner Liebe Krast -So viel als Brief und Siegel, ' Er war sammt seiner Ritterschaft Doch nur ein SchweineJzel.
