Indiana Tribüne, Volume 6, Number 207, Indianapolis, Marion County, 15 April 1883 — Page 6

' Der Aauöttparaft. . (t.nt GfW c J Saröijclx.) In jtbtr älteren Stadt befindet sich, , oft in dunkler Gasse, oft auf lichtem Markte, ein geheimnisvolles Haus, ver wittert, groß, palastähnlich, welches den Zungen der einheimischen Fraudasen keine Ruhe gönnt. Mit wonnigem Grusein erzählen die Leute von den schauer lichtn Dingen, die da drinnen vorgehen, und aus den festverfchloflenen Thüren und Fenstern, den roohlverstopstenSpal ten und Fugen dringt kein. Laut, der den emsig fabulirenden Stadtklatsch Lu gen strafen könnte. Unsichtbare Schild achen stehen vor dem hohen Einfahrt? zhore und lassen Niemanden über die Schvelle. Man könnte das hau für leblos halten, sahe man .nicht bisweilen, wie hinter den trüben Scheiben ein Schatten vorüberhuscht oder zwischen den Vorhängen hindurch etwas Mensch liches mit scheuem Auge gen Himmel lugt. Im Uebrigen sieht das Haus so still und todt auS, als ob nur Räthsel darin wohnten, nur Gespenster darin umgingen. ' ' Ein solches Geheimniß aus Stein und Marmor roar der Palast der Familie Verospi zu Mailand, welcher vor einigen Jahrzehnten niedergerissen wurde. Daals, im Anfange des achtzehntenJahr Hunderts, stand er noch ziemlich lebenSkräftig in einem der schönsten Theile der Stadt und wurde von dem Marchese Verospi, dem Letzten seines Geschlechtes, bewohnt. Der Marchese war in früher Jugend au Rom nach Mailand über gesiedelt, um den großen, ihm befreunde ten Instrumentenmachern seiner Zeit 4ch räumlich näher zu kommen, denn er hatte von seinem Vater und Großvater nicht blos deren großes Vermögen, fon dern auch ihre musikalischen und musik wissenschaftlichen Liebhabereien geerbt. So hatte er sich eine Sammlung von Baßgeigen angelegt, in welcher die edel sten und größten Exemplare zu sehen varen oder vielmehr zu sehen gewesen ären,wenn sie der Marchese hätte sehen lassen. Er ließ aber höchstens manchmal inen durchreisenden Verwandten ins HauS. Dem zeigte er dann nicht im Herne seine Schätze, und wenn derselbe musikalisch war, griff er auch wohl nach einem seiner Lieb!ingSJnstrumente und gab dem Gaste eineProbe seiner erstaun lichen Virtuosität. Dem Marchese war ja seine Sammlung kein todter Kram, sondern ein lebendiges Revier, in das er nach Wunsch und Willen Klang, Bewe gung, Rhythmus brachte; und wenn man den baumstarken Mann, einen an gehenden Fünfziger, der von derCyPresie den schlanken Wuchs und die vornehme Düsterheit hotte, hinter einer der gewaltigen, hochragenden Geigen sah, ihm zu hörte, wie er das Ungethüm bändigte, wie er darauf brauste, toste, donnerte, dann wieder in wunderschönem Schmerze aufjauchzte und auS dem Instrumente Töne zauberte, wovon die Welt draußen keine Ahnung hatte wenn man den Sonderling in solchen Stunden sah und hörte, dann begriff man seine Vorliebe für die unwirsche Baßgeige, diese Liebe eines Riesen zu einem Riesen. Mann und Geige erschienen als etwas Zusammengehörendes, Zusammengewachsenes, als ein Brüderpaar. Ern Ehepaar," pflegte der junge Graf Tizzoni zu ver bessern, ein Neffe des Marchese und einer der Wenigen, welche in dem Hause Zutritt fanden. Der Marchese fand den Vergleich höchst albern und hörte ihn nicht gerne, denn er gemahnte ihn daran, daß ihm die schöne Theresa, seine junge Frau, vor sünfzehn Jahren nach kurzer Ehe an d:r Geburt eines Töchterchens gestorben war. Und ach, sie hatte eine so herrliche Stimme gehabt .wEinen brei ten wohligen Alt, der bequem bis zum kleinen e hinabstieg ! Seit dem Tnde seiner Frau hatte sich der Marchese in die Einsamkeit zurück gezogen, lcbte nur seiner Kunst, seinen Studien, seinen Experimenten, geigte, cou?ponirte, hing allerhand wunderlichen Problemen nach und verschloß sein HauS der Neugierde und dem Vorwitz, die sich dafür um so eifriger mit dem Hause be schüstigten und hinter den geheimnißvol len Mauern stets neue Gespenster witter ten. Daß eS in dem Palazzo Verospi spukte, das war klar. In der Nacht brauste, toste, donnerte es bisweilen von seltsam dumpfen Tönen, dann hörte man wieder ein Ausjauchzen und Aus seufzen, daß man nicht recht sagen konn te, ob ein Mensch gefoltert wurde oder vor Wsnne verging. Und daS war das Wenigste. Wenn erst die Leute gewußt hätten, wie es bei Hellem Tage in dem alten Palaste zuging ! Ja, von Außen schien er still und todt dazuliegen, sah er aus wie t'r in tiefsten Schlaf versunke neS Gebäude; doch wenn man über die Schwelle kam und die schwere Thür hin ter Einem ins Schloß siel, wurde man alsbald von einem tonreichen Gespensterleben umfangen. Aus allen Ecken sang und klang c5 wie aus hundert un sichtbaren Orgelpfeifen. Man trat in ein Gemach, hörte plötzlich hart neben sich eine liebliche Frauenstimme, schaute sich nach der Sängerin um und erblickte 7- Niemand. Kopfschüttelnd ging man ins Nebenzimmer und prallte erschrocker. rück, denn eine Fluth der derbsten Schlmpssörter ergoß sich von der Decke herab: .Hund... Tagedieb... Räu. ber. . . Höllenbrut !" Doch wieder sah man keinen Menschen. Rasch eilte man werter und wurde im fa!anden lRemack

von der wunderbarsten Musik begrüßt, die unbegreiflich, Qj5 ggn die Engel 1 Vl". uver vem Haupte deS er staunten Besuchers schwebte. So ging .eS fort von Saal zu Saal. Da5 stumme HauS tonte, wo man den Fuß hinsetzte. Man wandelte in einer kiinaknd-nMun. derwelt zwischen Himmel und Hölle, und die Verblüffung steigerte sich von Schritt zu Schritt, und wenn man gar die Treppe hinauf, in den marmornen Vor saal kam. da lief man Gefabr. sein fci. chen Verstand einzubüßen. Dieser Raum lag dem großen Garten zu, weit ab von der Straße, sa daß man bätte alauben sollen, kein unberufener Laut könne in dieses Heiligthum dringen. Vlöklick aber kam, Gott weiß wie, woher, all der verworrene Lärm des Markte hereinge tobt. Peitschen knallten, Fuhrleute zankten sich, Wagen rasselten, sa daß

man unwillkürlich auf die Seite sprang, um auszuweichen. Die Nachbarn plau derten und lachten von einer Thür zur andern, Hökerweiier haderten mit ein ander, Straßensänge? plärrten, Hauprer riefen ihre Waare auS, eine Compagnie Soldaten zog unter Trompetengtschmet ter vorüber, und man hörte den Marsch tritt gleichmäßig aus dem Pflaster auf klappen, hörte sogar die Dirnen, die am Brunnen Wasser holten und den schmu cken Füsilieren ihre Glossen nachsendeten, hörte jedes Wort, jeden Ton, jedes Ge räusch, die ganze bunte wirre Sympho nie des Straßenlebens, hörte Alles ganz deutlich und sah nichts, gar nichts. Offenbar waren es Gespenster, die sich in solchen Scherzen gefielen und mit dem tollen Spuk den Fremdling äfften. Daß eS nicht mit richtigen Dingen zuging, daran ließ sich nun und nimmermehr zweifeln. Der Hausherr aber lächelte, wenn er das verdutzte Gesicht seiner so seltenen Gäste sah, und bemühte sich, denselben auseinanderzusetzen, inwiefern er nichts weniger, als ein Schwarzkünstler sei, sondern nur ein mit der Wisfenschast vom Schalle wohlvertrauter Mann.' :j Mittelst sinnreich construirter Schall röhre trug er den Ton meilenweit, baute RiesenJnstrumente. deren Klang einer ganzen Armee zumSignale dienen sollte, entwarf den Plan zu.'Zauberpalästen, wo jeder Laut von geheimen . Trichtern aufgefangen wurde und in vermauerten Cylindern durchs Haus lies, so daß man in dem einen Zimmer hörte, waS man in dem andern sang oder sagte, jede Wand ein Ohr, jeder Plafond einen Mund be kam und der StraßenlSrm mit allen sei nen hundertfältigen Rufen in beliebiger Weife hereingeleitet werden konnte. Wer das nicht wußte, der staunte freilich, wenn in einem menschenleeren Gemache plötzlich die liebliche Stimme Theresa's, die fast so schön sang, als die verstorbene Mutter, oder die Engelsklänge eines Streichquartetts oder die sehr irdischen Flüche des Hausherrn, der seine beiden alten Dienstboten bisweilen etwas jäh zornig anfuhr, hart neben ihm ertönten. Allein dies Alles beruhte aus natürlicher Geheimkunst", wie der Marchese zu sagen pflegte, und um es zu bewerkstelli gen, um seinen Palast in ein wundersam klingendes HauS zu verwandeln, hatte er nicht mit dem Teufel, nur mit dem jun gen Marco Bianchi einen Bund schließen brauchen, einem ausgezeichneten Baumeister jener Zeit, der nicht blos daS taube Gestein zu beherrschen wußte, son dern auch in der Welt der Töne wohl zu Hause war. Gleich den großen Künst lern der Renaissance, gleich einem Leo nardo da Vinci, Venvenuto Cellini, Giorgione, Tiziano, betrieb er neben Malerei und Architektur eifrigst die gött liche Musik, und es gab fast kein Jnstru ment. daS er nicht mit einer gewissen Meisterschaft gespielt hätte. Kein Wun der, wenn ihn der Marchese lieb ae

wann. Marco Bianchi und Graf Tu zoni waren nahezu die einzigen Men tchen, welche über die Schwelle deö Pa lastes Verospi gelassen wurden und die darin ausgestapelten Schätze betrachten ourften. Man wird es aber nur zu na türlich finden, wenn den jungen Leuten weniger die ungewöhnlichen Baßgeigen uttö ähnlichen Raritäten in die Augen stachen, als vielmehr eine rosenrothe jugendsrische Merkwürdigkeit, auch ein Unlcum in ihrer Art, nämllch du fünf zehnjährige Theresa, eines jener echten Mallander ttlnder mit dem schmalen. edel profilirten Gesichte, wie sieLeonardo und Luml für die Unsterblichkeit malten. zart, fein. Alles scharf und deutlich um rissen, und doch Alles voll anmuthiger Fülle. Theresa sang, Theresa geigte, Theresa war ein ganzer Musikus blS in die Fingerspitze, war vor Allem eine prächt:oe Tochter, die sich mit ewig gct terem Gemüth in die manchmal wunder lichen Launen ihres Vaters schickte. Wie glücklich war Marco, wenn The resa mit ihm plauderte. Wahrlich,' ihm gmg die Sonne zweimal täglich auf das erstemal des Morgens, wenn er zu früher Arbeit aus dem Bette sprang. und oeZAvenoZ, wenn er nach vollbrach tern Tagewerk in den Palast Verospi eilte und bic immer schöner erblühende Theresa lhm entgegenlächelte. Ueber diesen Himmel flogen einige Wolken, als dann später Graf Tizzoni mS auS kam und mit allen Vortheilen eines nahen Verwandten und geübten Weltmannes sich darin festsetzte. Der verstand eS, in daS unerfahrene Herz sich einzuschmeicheln und darlnGesuhle wach zurufen, die es vielleicht dem schüchternen Baumeister dargebracht hatte, wäre der selbe weniger respectvoll gewesen. The resa lebte zu einsam, zu weit abseits vom Menschenverkehre, als daß sie nicht in Gefahr gerathen wäre, ihre erste Liebe an emen Unwürdigen zu verschwenden. Unwürdig, ein harte Wort ! Der Vet ter war im Grunde ein reizenderMensch, gleichfalls ein auter Musiker, sehr ersind sam, sehr lustig und unterhaltend, trotz seiner Jugend schon ziemlich weit in der Welt herumgekommen, und gewiß toa: er auch der schönen Base sehr zugethan, wobei eS nur zweifelhaft blieb, ob er mehr m sie oder in ihren Reichthum ver liebt war. Der letztere hatte jedenfalls ein Recht aus seine Hochachtung und bald, wie er hoffte, auf seine Dankbar keit, denn er gedachte sein durch aller Hand leichtsinnige Streiche zerrüttetes Vermögen damit auszubessern. Und da er ein Mann war, der die Gelegenheit beim Schöpfe zu ergrenen verstand, so hielt er eines Tages schlankweg um die Hand der schönen Theresa an, und sie wurde ihm auch zugesagt, freilich nur t. , r. rr -a nx it oeoingungsroriie. Zvus lugie aj joi gendermaßen : Der Marchese hatte eines Abends, als die beiden Nebenbuhler zugegen waren. wie gewöhnlich sein TSchterlein in der Baßgeige versteckt, auS welcher ihre Stimme hervorklang, um den Neffen mit den Scherze zu foppen. Dieser aber wußte um das Geheimniß, hatte es sich vielleicht von Theresa verrathen lassen, und lobte daS Terzett über die Maßen, namentlich die herrliche Baßpartie. Schade, meinte er, daß der' Marchese dieselbe aus einer . so kleinen Violine spiele. Einer . kleinen ! Und der Mar chese glaubte den zweitgrößten Contra baß der Welt zu besitzen. Nur ein säck sischer Prinz, der in Merseburg wohnte

ud eine berrliöe Sammln vonÄaß

geigen angelegt hatte,' war seines ' Wis seng ,m Besitze emeS noch größeren Baf ses. Man brauchte emen Tritt von sie ben Stufen, um diesem Riesen an den Hals zu kommen. Sie täuschen sich, lieber Oyeim," versetzte der Gras; aus meiner Reise durch England habe ich eine noch größere Baßgeige gesehen. DaS Monstrum sullte. mit semem Leibe em großes Zim mer,; und der Hals trieb seinen Wirbel kästen durch die Decke lnS andere Stock werk hinauf, so daß daS Instrument thatsachlich m dem Zimmer über dem Spieler gestimmt werden mußte, wor über ich Ihnen gedruckte Berichte vorle gen kann. . . Der Marchese stand sprachlos. Em solches Wunder gab cö in der Welt und er, wußte nichts davon, besaß eS nicht! Auf, au nach England ! Der Baß mußte um jede Preis in seinen Besitz kom men. .WaS geben Sie mir, liebe? Oheim, wenn ich Ihnen denselben verschaffe?' .Was Du willst ! .Nun, so verlange ich dafür daS In strument, das Sie gerade zwischen den Armen halten und daß mir vortrefflich gefällt..Nlmm'S, nimm'S! Du rannst eS gleich haben, ich will nur.. . .Halt! ES darf Nichts daran verän dert werden. Ich will daS Instrument ganz so, wie eS in diesem Augenblicke ist."Mit seinem Inhalte, Vermessener?. . . Du weißt ja nicht. . Mit semem vollen Inhalte, ueber Oheim." Ich kann sie ja aber doch nicht zwm gen r . Wen ? sie ? . . . Sie memen wohl die Baßgeige . . . Nun, die können wir ja um ihren Willen befragen." Uno Gras Tizzonl nahm das Jnstru ment sachte auS den Armen des Mar chese, lehnte es zärtlich an seine Brust und fragte im süßesten Tone, dessen er sahig .war, zu den .-Löchern hmem : .Willst Du mein gehören V Und da keine. Antwort erfolgte, so fragte er nochmals, worauf dann eine silberhelle Stimme erwiderte : Wenn der Papa es wünscht. . . Bitte aber mich zetzt herauszulassen." Theresa sprang aus dem vlbrirenden Verließ. Der Vetter wollte sie frech in seine Arme schließen, daS Madchen wich aber, plötzlich erschreckend, znrück, und auch der Papa meinte, die Sache sei denn doch zu ernst, als daß man sie wie em leichtsinniges Spül abthun könne. Nicht wahr, Marco V sagte er zu dem Architekten, um ihn, der während des ganzen Ausrittes ein grimmiges Still schweigen bewahrte, ins Gespräch zu zie hen. Der arme Mensch lechzte danach. seinem Unwillen Luft zu machen. Er hatte dem Grafen widersprochen, und wurde dieser die sonnenklarsten Dmge vorgebracht haben. Gewi!-antwortete er dem Mar cbese. Umsomehr, als eS sich nicht der Muhe lohnt, wegen eines so zwerghas ten Instrumentes so viel Aufhebens zu machen. Ich kenne eine. Baßgeige, in der man bequem spazieren kann.'., einige tausend Leute finden dann Platz. Dann gehört. . . Freudig auffahrend, wollte der Mar chese sagen, seine Tochter gehöre dann ihm, dem Architekten, wenn er lhm die seS Weltmirakel verschaffe, nur den An blick desselben vermittle. Rechtzeitig aber hielt er inne, denn er merkte, daß eS sich nur um einen bitteren Scherz handeln könne. Zum erstenmale erkannte der kurzsichtige Vater in seinen jungen Freunden Nebenbuhler, die 'einander trotzig zu überbieten suchten, und zum erstenmale erblickte er sein Töchterlein in einem neuen Lichte, sah er, daß die Na tur eines ihrer größten Wunder das Heranreifen eines Mädchens zur Jung frau an dem Kinde zu vollziehen im Begriffe war. Ein trüber Gedanke glitt über seine Stirne : er dachte an das Schicksal der Eltern, denen die Liebe ihr Liebstes zu rauben pflegt, tröstete sich aber mit der Erwägung, daß di: Sache jedenfalls Zeit habe, und daß er die zarte Kleine unter keinen Umständen vor Ablauf zweier Jahre werde heirathen laffen. . Um aber der ganzen Angelegen heit eine spaßhafte Wendung zu geben, sagte er lachend: Nun ja, der von euch Beiden kriegt sie, der die größere Baßgeige zur Stelle schafft Ein Mann, ein Wort ! rief der Neffe. Abgemacht! Ich verschachere .dich um einen Contrabaß, Theresa was meinst Du zu dem Rabenvater Bitte sehr, lieber Oheim, Sie sagen dies Alles nicht ernsthaft genug Und der schlaue Neffe wußte denPapa derart in die Enge zu. treiben, daß dieser zuletzt im Ernste, wenn auch recht ärger lich bestätigte, was er anfangs imScherze gemeint hatte. Es sei, Theresa gegen eine Baßgeige ! Der Oheim gab dem Neffen die Hand darauf : nur dürse der Wettkamps nicht vor zwei Jahren zum AuStrag gebracht werden. Ein Wettkamps !" murmelte Marco verächtlich vor sich hm. Der Steinmetz thut wohl nicht mit ? fragte Graf Tizzoni in übermüthigem, höhnischem Tone. -.Gewiß nicht!" Theresa zuckte zusammen bei dieser kühlen, schroffen Verneinung. Stolz regte sich in ihr, ein ihr ganz neues Ge sühl. Wie? Hielt man sie, Theresa Verospi, etwa keines Kampfes werth? Ein strafender Blick war die Antwort auf tritt schnöde Wort, allein er kreuzte sich mit einem Blicke Marco'S, einem so innigen, auS den Tiefen der Seele auf leuchtenden Blicke, daß Theresa auf ein mal das Wort ganz anders deutete. Ob er sie eines Kampfes werth hielt ! Sein Leben hätte er für sie gegeben ! Nur das frivole Würfeln um ihren Besitz war ihm ins Herz zuwider : Liebe durfte man nur gegen Liebe ausspielen, Theresa Vero spi stand zu hoch, um als Einsatz einer leichtfertigen Wette mißbraucht zu wer den. DieS Alles sagte ihr der einzige Blick. In einem Nu sühlte sie sich um viele Jahre älter, und eS ging ihr eine ganz andere, schönere, aber auch minder harmlose Welt auf, als die war, die sie bisher im verschlossenen Palaste des Va

te gesehen. Sie wußte jetzt, daß diese

Welt eine Dopp,lmaSke trögt, n gute und in böse Menschen sich' intheilt; daß man ein Mädchen um seiner schönen Augen oder um seiner goldenen Ducaten willen lieben kann; daß der gleißende Schern trügt und die reizendsten Man ner oft die verächtlichsten sind.' Ach, was wußte sie nicht mit Einem male, waS lehrte ihr nicht der erwachende zungfräu liche Instinct, der da weiser' ist, als alle Weisheit der Weisen ! Si glaubte so gar zu ahnen, daß ihr Herz lange Zeit in einem unbegreiflichen Wahne befan gen gewesen, daß nicht der Vetter, daß der schüchterne Künstler in Wahrheit der liebenswürdigere Mann war... doch nein, das ahnte sie nicht. daS wußte sie ganz gewiß : Theresa Verospi liebte den Baumeister Marco Bianchi. - ...ES vergingen Monate um Mo nate, eS vergingen fast.zwei Jahre. Von Außen blieb daS geheimnißvolle HauS still und todt, und im Innern trieben die Gespenster nach wie vor ihren lusti gen Spuk? nur unter den Bewohnern war Einiges anders geworden. Graf Tizzoni hatte sich, vom Oheim reichlich mir Geld versehen, nach England bege ben, Marco und Theresa. aber waren Braut und Bräutigam geworden. In kurzer Zeit sollte Hochzeit sein. Sobald Marco mit seiner Kirche San France?co di Paola, an welcher' er seit Jahren baute, fertig geworden, wollte er daran gehen, die hintersten Gartenzimmer des Palazzo für sich und feine Zukünftige herzurichten, die einzigen, die noch nicht verzaubert waren. Da kam eines Mor genS der Marchese mit verstörtem Ge sichte zu ihm in die Bauhütte. 'Schon lange, sehr lange hatte der Sonderling HauS und Garten nicht mehr verlassen. Es mußte etwas ganz Besonderes vor gegangen sein, daß' er sich über die Straße wagte. Etwas ganz Äesondereg und etwas sehr Unangenehmes da zu? Der Neffe war zurückgekommen, und den Riesenbaß hatte er wahrhaftig mitgebracht. In Rotterdam war ein eigener Lastwagen sür das Ungethüm gebaut worden. Eine dumme, eme ver wünschte Geschichte! Der Marchese Hütte Wort und Hand gegeben, Marco wußte eS ja, und wie sollte er nun den Kops aus ver Schlinge ziehen? Uebrigens schien der Baß nach der Schilderung des Neffen ein prachtvolles Instrument zu fem. Ausgepackt war er noch nicht. Den Klagen des wackern Herrn ge genüber blieb der Baumeister befremdlich ruhig und sagte blos, die Sache werde wohl nicht 0 gefährlich sein, der Mar chese brauche sein Wort nicht zu brechen. allem die zwei Jahre seien erst m vier zehn Tagen um, und Gott habe in einer Woche die Welt erschaffen, und der Mensch, sem Ebenbild werde hoffentlich in zwei Wochen wenigstens eine Baß geige zuwege bringen, noch gröeer als alle englischen Coloffe: der Marchese möge ihm nur erlauben, au? seiner Sammlung so viel Modelle zu entleh nen, als er nöthig habe. Das sagte dieser gerne zu und entfernte sich dann, indem er sich kopsschüttelnd zwischen den vielen Gerüsten, welche die Kirche verstellten, und den fröhlich arbeitenden Malern, Stuccatoren und Steinmetzen hmdurchdrangte. m curloses Bau werk," murmelte er, vor dem Hinaus gehen das Wirrsal nochmals überschauend. Die vierzehn Tage waren für ihn eine qualvolle Zeit. Ec dachte an die Wun dergeige, die noch in 'ihrer Riesenkiste schlummerte, und dachte an seine Theresa, die um ihr Glück besorgt, vor ihm trauerte, und der Vater und der Kunst ler in ihm kämpften gegen einander sürchterliche Kämpfe. Marco und der Neffe dagegen trugenBelde eme erstaun liche Zuversicht zur Schau. Marco zu mal. Diese? war so siegeSgeviß. daß er am Tage, wo die Wette endlich entfchie den werden sollte und Alle zum Besuche der in einem Magazine lagernden Baß geige sich anschickien, hochmüthig sagte, den Gang könne man sich ersparen, man Möge nur gleich mit ihm nach SanFrancesco kommen, da werde er den Herr schasten eine Geige vorstellen, so unge heuer groß, daß sie zu spielen hundert Männer kaum hinreichten. . . Die Kirche prangte in ihrem frischen Schmucke. Die Gerüste waren entfernt, der Marmor glänzte, die Vergoldungen funkelten, die bunten Malereien jubelten. Welch eine Lust, in diesem sür eine frohlockende An dacht gebauten Gotteshause zu wandeln! Aber seltsam sah. es aus, und die Freunde wußten sich nicht gleich in den so bekannten und doch so fremden For men zurechtzufinden. Richtig, jktzt brach ten sie'S heraus : Marco hatte seiner Kirche die Form einer Baßgeige gege ben! Der große Kirchenraum stellte den Resonanzkörper vor, die schön gebogenen und geschwungenen Wände rings um waren die Zargen, der lange, schmale Chor bildete Hals und Wirbelkasten. Eine regelrechte Baßgeige ! Eines jener architektonischen Kunststücke, wie sie die Barockzeit so gerne hervorbrachte ! Als Baumeister war ja Marco Bianchi ein treuer Sohn seiner Zeit, haßte die gerade Linie wie Gift und hatte seine Freude an den Curven, Schnörkeln, Schwingungen, Brechungen, Wellenformen und Schneckenlinien, an dem steinernen Wulst und Schwall, der mar mornen Tischlerarbeiten, worin die Ar chitekten jener Tage ihr Ideal erkann ten. Seit jenem Abend, wo Theresa zum Kampfpreis eines Wettbewerbes er niedrigt wurde, war eS ihm zwar nie in den Sinn gekommen, auf den schnöden Zweikamps sich einzulassen ; allein die Idee einer riesengroßen Baßgeige hatte sich unversehens seines Geistes bemäch. Ugt und, fast ihm selber unbewußt, zu einem architektonischen Plane entwickelt. Gab eS ein Modell mit weicher geschlön gelten, harmonischer wallenden Linien, als sie die Geigenform bot? Marco wunderte sich nur, daß vor ihm kein Baumeister auf den Einfall gekommen. . .Groß ist die Geige sagte der Neffe; .groß, daß man darin Hochzeit halten könnte setzte er unfreundlicher hinzu. .Allein sie giebt keinen Ton von sich." Marco winkte. Augenblicks ging . ein Donner durch die Kirche, als ob eine Armee von Contrabässen im gewaltigsten Fortissimo einsetzte. Und so war eS auch. Droben auf der Orgelbühne geig l ten lundert Musiker, die der Baumeister

unter seinen Freunden und Werkleuten aufgetrieben hatte, und bearbeiteten mit

heiligem Furor die prächtigen Jnstru mente des Marchese, eine seiner wunder lichen' Composilionen spielend, in wel chen leine Vorliebe für Baßgeigen, sür starken musikalischen Vollklang sich auS sprach. ' Wie daS brauste, tosten wogte, stürmte ! Und wenn der Ocean schmieg, sangen die 'Rieseninstrumente einzrln nach einander und man hörte die Stimme der seltensten Bässe, solcher mit acht Saiten, mit zwölf Saiten mit zwanzig Saiten, hört den Violone, den Contraviolone, den Accordo, die Lyra, den Iiirons perfetto, arco violyra, die arclriviola, viola bastarca, yiola di bardone,. viola pomposa, viola da gamba, tromba marina; und all die Donnerstimmen hallten dann wieder in 'einander, und auS den Tiefen erhoben sich allmälig. von Violintönen getragen, höhere Melodien und schweb ten wie verklärte Geister über den Was fern, und so wogte und fluthete eS hin auf, hinab, von einem Pole zum andern, ein Meer . erschütternder, beseligender Stimmen.' Alle sühlten sich ergriffen. Gras Tizzoni hatte sich still entfernt. Der Marchese war in einen Kirchenstuhl gesunken und träumte mit dem Kopfe in der Hand, träumte von einer zukünftigen Zeit, welcher die engbrüstigen, lungen schwachen Instrumente der Gegenwart, die Spinette, Sordinen, Sordinellen, Violetten. Pocchetten, Kebecchini, altvä terischer Trödel waren und deren must kalischeS Denken und Trachten nach.un erhörter Klangstärke rang ; träumte von der Allgewalt seiner herrlichen Baßco lasse : Basso, ba8i5, Grundlage jedes Tongebäudes, fester Grund, von dem der klingende Gedanke sich in den Aether emporschwingt,' mächtiger Erdensohn, Atlas, der daS Firmament trägt ! Der Himmel deS Gesanges, stürzt zusammen ohne deine Stütze, und ohne dich bleibt die schönste Melodie eine unstet irrende Seele, die ihren Körper sucht ! Indeß der Vater träumte, waren Marco und Theresa vor dem Altare aus die Knie gesunken' und beteten, wenn auch ein Gebet wosür sie keine Worte fanden. Die Kirche war vom Priester noch nicht eingesegnet, aber die Liebe, die fromm in ihrem Herzen sang, gab dem Gotteshause die schönste, heiligste Weih?. Bald darauf geriethen die Klatsche sen der Nachbarschaft außer sich. DaS Thor deS geheimnißvollen Hauses wurde wagenweit geöffnet, einmal um den eng lischen Baß einzulassen, den der Mar chese um schweres Geld seinem Ntffen abgekauft hatte, dann um einen Hoch zeitSzug auf die Straße zu lassen. Und Wunder über Wunder ! Nach der Trauung wollte sich daS Thor noch immer nicht schließen, sondern beide Flügel blie ben offen stehen. Die Freude und die Freundschaft schritten unbehindert über die Schwelle, und fast täglich bewirthete der gründlich umgestimmte Marchese die fröhlichste Gesellschaft in. seinem lustig fortklingenden, aber vom Räthselhasten erlösten Palaste. Marco und Theresa lebten lange und zufrieden. Von ihrem Glücke zeugt heute nur noch die Kirche San Franceöco di Paola in der Via Alleandro Manzont zu Mailand, noch immer die größte Baßgeige des Welt allZ. (Wiener N. Fr. Presse.) Ein Tambour. Nach dem FranjSsische. Der brave Joseph Tapin kehrte, als er sieben Jahre unter den Fahnen zuqe bracht hatte, in sein heimisches Dörfchen zurück und heirathete die kleine, hübsche und dabei resoluteouije, m cic er sterd lich verliebt war. Tapin verfügte über, keine Reichthü mer, im Gegentheil, dafür hatte er aber Etwas, das auch einem Gut gleichkommt und das man den Schatz der Armuth nennen könnte Gesundheit. Frohsinn, Ve.stand und ein gutes Herz. Dann besaß er außerdem noch seine Trommel er war Tambour gewesen ! eine Trommel, die er ganz ausgezeichnet schlug und die ihm den Weg zur Stelle eine? Dorftambours und öffentlichen Ausrufers ebnete. ES ist dieS Amt, wie man weiß, nach demjenigen des kalre'S, dessen Versügungen der AuSruser ver kündet, aus dem Lande weitaus das an aesebenste. Joseph war aber auch ein Meister auf seinem Instrumente, es wohnte seinen Schlägeln eine wunderbare Feinheit mne. Sem .rrran, rrran" vot. way rend eS mächtig anschwoll, alle Nüancen der Kraft, und sein .Plan, plan, rata vfoiV klang so energi ch wie das Kom mando des Obersten. Als er auf Frei ersfüßen ging, trug er auf der Eselshaut seiner Angebeteten öfter eine Nummer vor. welche er die .Schlacht bei Solse rino- nannte. Zuerst hörte man die verschiedenen Batterien, die Signale zum Ausheben deS Lagers, dann den scharf mr r . jr r? j rnariirirn lucaiia?, weisen piojuiaj ein scharfer, kurz abgebrochener Ton, der ein Achtung 1" bedeutete, unterbrach. Ein vildeS Durcheinander von .rran. rran. ratavlan zeigte an, daß man dreWaffen zr Attake fertig mache; dann folgte das Zeichen zum Feuern und in der Ferne begann jetzt die Aktion ein dumpfes Rollen wie die Salven der PeletonS und dazwischen in unregelmaklgen Jnterval len Kanonenschüsse. Da gab eS ferner Ueberfälle auS dem Hinterhalt, Ueber cumpelungen; man vernahm daS Knat tern der Mitrailleufe und aus dem Ge töfe des wogenden Kampfes heraus schallte immer wieder daS hastige, un heimliche Signal zum Feuern. Dann schloß er mit einem Siegeösang und ein dröhnender Marsch, mit einer rast ge schlagen, als seien eS zwanzig Mann, verkündete den Triumph. Die Zuhörer waren hingerissen und Louise belohnte den Künstler mit jenem verbeißenden süßen Lächeln, welches einen Verliebten m Feuer und Flammen versetzt. Joseph heirathete also seine Louise. Die Ehe war eine sonnige und nach ei nem Jahre erschien ein gesunder Junge, welcher daS Band zwischen den beiden Gatten noch befestigte. DaS Häuschen war nun vollständig besetzt, denn mit dem Bubchen war auch das Gluck eingezogen. Louise war früh und spät an der Arbeit, pflegte ihr Kind auf's Zärtlichste und

käm der'Mann von seinen amtlichen Gängen heim, strahlte er vrr Lust beim

Anblick der schönen Mutter und deS .ge funden Knaben, mit dem erden Rest des Tag5 über spielte, so daß Louise ost mit reuendem Schmollen auch ihren Antheil t sif!JI t-l ' ' an leiner Zarüi leli lorverie. Der ttleme gedieh vortrenlich. Mit vier Jahren war er einer jener, kleinen Teufel, welche die Mutter ,yre kleinen Engel nennen. Der Vater schenkte ihm eine Trommel und gab ihm Stunden wie ein Prosessor. Nichts komischer als diese beiden Tambouren, welche der ihren Uebungen emen das ganze Dorf ersul lenden Heidenlärm anrichteten. Louise verbarg zuweilen die Kindertrommel, aber Joseph bat so inständsg, ihm die selbe herauszugeben, daß sie nicht lange widerstand und dann ging'S wieder los. daß die Fenster zitterten. ... Wozu sind wir auf der Erde. waS ist unsere Bestimmung und warum schwin det die Freude, aus die wir Recht zu ha ben wähnen, stets so rasch?.... Der kleine Knabe erkrankte.' Der väterliche Trommelwirbel verstummte, die Mutter saß jetzt neben dem Bettchen und sang ! ic, rf Mll roeomuiosvouer llmme oen ieo ling in Schlummer. "Stundenlang be trachteten dieEltern in stummemSchmerz II C , . r I im. lyr Nina. Sie tayen, wie veffen rüste schwanden und jede Hoffnung entfloh. Keines wagte das Andere zu trösten. . - t rr e- - , & . 'ines zages teucyrere moeen ,00a) noch ein Hoffnungsstrahl auf. Das Kind schien aufzuleben. eS verlangte fein Spielzeug und feine Trommel. Aber ach, seine mageren Händchen waren zu schwach, um sie aufzuheben. Da schob es dieselben dem Vater zu, indem es lispelte : Spul ffiu auf l" Und der Vater faßte mit seinen breiten Händen die Kindertrommel, nahm sie zwischen die icnie und schlug ganz leise, leise alle die Stücke, die der Kleine bereits er lernt hatte. Der junge Patient lächelte, seine vom Fieber erweiterten Augen schienen noch größer zu werden. Der Vater aber führte in seiner stillen Glückseligkeit, daß sein Kind, sein einziges Kind ihm wieder gesunde, den Schlägel immer wuchtiger ; immer lauter erscholl der Ton, der alte Tambour schlug die Retraite wie in seinen besten Tagen. Dieser militärische Marsch hatte all mälig seine GarnisonS Erinnerungen wieder aufgeweckt, der Zustand feines KindeS war vergessen ! Er sah sich wie träumend inmitten der kleinen Provin zialstadt, wo er sieben volle Jahre zu gebracht; es war acht Uhr Abends, die Tambouren traten in Reih und Glied, sie marschirten zur Runde ; die Bürger standen unter den Hausthüren, die Bu ben schritten vor dem Tambourmajor her, die Gesellen liefen hinterdrein, die Soldaten eilten nach der Kaserne. vcrrran, rrran, rrrataplan; r-ran Jetzt schritt auch er durch das Kasernen thor, der letzte Schlag verhallte, man legte sich zur Ruhe. Wie Joseph aufhörte, verschwand die Vision, er sah die schreckliche Wirklich, keit vor sich. DaS Kind lag noch immer da mit offenen Augen, aber sie waren gebrochen, ein Lächeln schwebte auf seinen Lippen, aber sie waren blaß. Es war todt, das arme kleine Wesen, eS war gestorben, der Vater hatte die Re traile geschlagen und eS gleichsam nach jenem Quartier geführt, - wo eS keine Rückkehr mehr giebt. Das Leid der Eltern schildert keine Feder; nur die wissen es zu ermessen, die selber ein theures Kind verloren. Die Kindertrommel wurde in einem Schrank untergebracht, den man nur von Zeit zu Zeit ausschloß, um die Reliquie zu sehen und zu weinen. Als der Kriegsminister Farre in der Armee die Tambouren abschaffte, sagte Joseph bit ter: Da hat er Recht gehabt." Und als der General Billot sie jüngst ein sührte, murmelte er mißgestimmt und traurig : .Wozu auch ? Mein Kind ist ja todt !" Der Tabaksverbrauch der Welt. Ein Amerikaner hat folgende Berechnung angestellt: Wenn man aus dem Tabak, der jährlich als Rauch, Schnupf oder Kautabak verbraucht wird, ein Tau von 2 Zoll Dicke machte, würde dasselbe lang genug sein, um die Erde am Aequator dreißig Mal zu um spannen. Würde die ganze Masse in Kautabak verwandelt, so könnte man eine Pyramide von der Höhe der egyp tischen davon errichten, und endlich würde dieselbe Menge Schnupftabak genügen, um eine Stadt mittlerer Größe zu ver schütten, wie einst Herculanum und Pompeji unter der Asche des Vesuv. Der Amerikaner hätte seiner Rechnung noch Folgendes hinzufügen können : Wenn man all diesen Tabak verbrennt und aus seiner Asche sämmtliche Pottasche extrahiert, so würde die. daraus zu gewinnende riesige Menge noch nicht hin reichen, die Menschheit von allen ihren Fehlern im Allgemeinen und dem des TabakconsumS im Besonderen , zu säu. bern. ' m ' Die Elephanten ilch. Bei mangelnder Muttermilch verwenden wir zur Ernährung der Kleinen Kuh und Ziegenmilch. Aber auch, wenn un glücklicherweise die HauSlhiere einmal fehlen sollten, würden wir nicht rathloö fein, falls wie uns nur Elephantenmilch verschaffen können. Dr. DoremuS macht über die Analyse derselben folgende Mittheilung : .Ich war nicht überrascht, daß die Elephanten so groß und stark werden, nachdem ich mich überzeugt hatte, daß die Milch, mit der sie genährt wer den, die reichhaltigste ist, die ich jemals zu untersuchen hatte. Sie enthält we niger Wasser und mehr Butter und Zu cker als irgend eine andere, sie hat ein angenehmes Aussehen und einen köstli chen Geruch. Die daraus gewonnene Butter ist reichhaltiger und süßer als die anderer Thiere und .kann es mit der Sahne aufnahmen; das Oel, welches der Elephant producirt, ist klar wie das Provencer'Olivenöl. WaS ist ist der That alles Mögliche ; indessen dürfte für die künstliche SSugung dies edle Mate rial etwas schwer zu erlangen sein ! Wfc schön leuchtet der Morgenstern sagte die Frau Teiteles. Da sah sie dcn Herrn Eommerzienrath .Morgenstern mit sämmtlichen Orden.

wmmkmmkmimm4 Oiedermei alS oupletsünger. FremdmSrter.5 oplet. Gar viele Leute sprechen gern AlS sei'n sie seh? gelehrte Herr-n. Wo irgend eS geschehen kann Da bringen sie ein Fremdwort an. Und daß ihr wißt, wie dieS geschieht Sing' ich davon euch diese Lied ! DaS Oberhaupt von einer Stadt Sonst Bürgermeister geheißen hat Doch hier zu Land genirt das sehr

Und der Beamte nennt sich Mayor. Bald ist auch das nicht gut genug, D'rum singt man, wenn man mal in Zug: L Ein Mayor ist eine stadtverwaltende un umschrankt schaltende Polizisten ernen nende sie entlassen könnende strengeblik kende botschaftschickende peddlerleicensi rende ordinanzdurchsübrende die Stadt weilvetoverübende hohe municipale Respektsperson! Manch' junger Mann ist sehr galant. Und. ist als Jtfash6r d'rum bekannt. Die Mädels lieben ihn so sehr. Er hat davon ein ganzes Heer Doch das Wort .Ilsisker klingt nicht fein. Viel schöner würd' wie solgt eS sein : Ein Mashtt" ist ein schnurbartwichsen deS sichnobelaufsirendeS frauenbesiegen deS liebeSbriefkriegendeS pomadisirteS. etwas geziertes lackstiefeltragendeS viel blödsinnsagendeS augenglssführendeS gernkokettirendeS als Schneiderfchild dienendes sich manches erkühnendes ei garrettenrauchendeS zunichtszugebrau chendes nachmoschusriechendeS langsam hinsiechendes schwindsüchtiges modejour nalistisch donjuanistisches Jammerge stell! Den Mann, der einschenkt uns das Bier Nannt' man sonst einen Kellner hier. Doch jetzt wird, wie euch ja bekannt Er nur ein Barkeeper" genannt. Macht ihn ein schöner Name sroh. So schlag' ich vor, man nennt ihn so : Ein Barkeeper ist ein counlerwische deS lunchauftischendes durstigetränkendeS bierausschenkendeS seltenbeweibteS nie malsbekneipteS cocktailersinnendes wein verdünnendes sasseransteckendeS rnÜ&tleichtzuerschreckendes gläserwaschendes nickelhaschendes tischeabreibendes dop peltaufschreibendeS wirthunterstützendes busennadelblitzendes kotzenjammerheilen des schnellumhereilendes den Gästen ge fälliges sehr anstellizes barroomschmük kendes freundlichblickendes unentbehrli ches stelssehrehrlicheS gästebedienendes Perpetuum Mobile! ' Wenn mal ein Mann gemüthlich kneipt, Kommt'S vor, daß er nicht nüchtern bleibt. Am nächsten Tag 0 welche Pein! Stellt sich dann Katzenfammer ein. Doch da dies Wort sehr haßlich klingt. Das folgende mich besser dünkt: Ka.enjammer ist ein vomtrinkensom mender niemandemfrommender häring begehrender durstvermehrender zecherosi quälender montagsniefehlender nur den Deutschen bekannter auch Kater genann ter vor Kopsschmerz ächzender nach Sau rem lechzender Zustand allgemeiner be jammecnswerther Ucberknciptheit ! Ein Doktor ist ein weiser Mnn, Den man nicht gut entbehren kann; Kurirt er uns, wenn mir mal krank. So wissen wir' ihm ewig Dank. Drum gaben wir zu seiner Zier Ihm diesen neuen Namen hier: Ein Doktor ist ein hochgeehrter sehr ge lehrter pillendrehender vielverstehender pulsfühlender nach der Zunge schielen der patientenknrirender herumkulschiren der recepieschreibender krankheitvertrei b?nder brillentragender wenigsagender heilvermögender beinabsägender pump vermeidender stechen und schneidender todbesiegender viel Geld kriegender pul vereinwickelnder leichenzerstückelnder zum Coroner wählbarer ganz unfehlbarer den Apothekern bcgehrlicher den Todtengräbern unentbehrlicher alter durchfludirter Professor der Medizin und Heilkund: ! Manch' Zeitungsschreiber eitel ist, Und nennt sich gerne Jeurnalist, Den Titel führt so mancher Mann Der nicht einmal gut schreiben kann. Drum hab' ich (doch nur nicht erschreckt!) Nen neuen Namen ausgeheckt: Ein Zeitungsschreiber ist ein volkSbe lehrender vielesentbehrender dem Publi kum nutzender nie Geld besitzender pa pierverjchmierender weiberpoussirender viel Bleistist brauchender Galgenknaster rauchender am' Freilunch sich labendet immer Durst habender niemals zu hitzi ger geistreich witziger nach JtemS jagen der Notizbuchtragender temperenzfeind licher den Wirthen freundlicher viel Schulden habender an Bockbier labender Lokales schreibender die Zeit euch vertreibender oft sehr - schön dichtender muckervernichtender neuigkeitöjagender Sandwiches-nagender niemals je lügen der Dummheit bekriegender gottbegna Veter und allgemein beliebter und ver hätschelte? Apostel der Ausklärung und Freiheit ! (Erie Sonntagsgast.) Fräulein von Grävenitz. In der Geschichte Württembergs spielt em Fräulein von Grävenitz eine unheil volle Rolle. Herzog Eberhard Ludwig halte sich mit ihr, trotzdem er bereits ver heirathet war. zur Unken Hand trauen lassen, löste indessen aus Befehl des Kai serS diese Ehe wieder und verheirathete die Grävenitz mit einem Grasen von Würben. Trotzdem blieb sie die Günft lingin deS Herzogs und beherrschte die sen dergestalt, daß zuletzt keine der em täglicheren Stellen ohne ihren Willen besetzt werden konnte. Sie baute eme Menge kostspieliger Lustschlösser, darun ! k NnkwiaSbura. und vervvus uyv w'"'"0-" " kaufte die höchsten Staatsämter an den Meistbietenden. Ihr Hochmuth ging so weit, daß sie befahl, ihren Namen in daö sonntägliche Kirchengebet einzuschließen. Leider gehorchten die Prediger und nur einer, der Prälat Osiander, hatte den Muth, dieses Ansinnen zurückzuweisen, indem er erklärte : der Grävenitz werde bereits in der Bitte des Vaterunsers : .Erlöse uns von dem Uebel gedacht. -