Indiana Tribüne, Volume 6, Number 200, Indianapolis, Marion County, 8 April 1883 — Page 4

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Ne, Werskopsthei, ittSfcSK-pfwtY. TZrr:f chronische 2ta ? rho,, Gelbsucht, J&Viy? Unreinheit dcs -''4, 4. ter,mm Ashyts (.' i MN "i ,t . i y s utufc kM?Zsl?iunÄsll,iurchEtS. gtunj d-r Leber, ASrme uS Nieren verursachte Leisen. EyAptsRt einer erkrankten Leber. Vtiltt L!ik ; EcSmerj in der Gelte, juirtiT? unter ttvx euu;tnMatte und ird tann mit Rheuu: tUxav tenrfitMl; allzemewer Vpxttitvkrlust ; gk wöhiUich Verstoxslheit, zuteilen abwechselnd mit Offen!k'.!i.-?ci?: der Sorf sn Echmerzea ieliftUt, Bcict tctr::i' Dcrlnst tti orinneronqSvermö ?: tr.S; S'jwciwo e.a yanaam, trecken er Huste und 2 GcfiAl rca Röche tidergogen. iraä oft für echwmrsusr gfccue nm; eer ipattent klazt aber 2.ütiaffit nnb EchaKS,-. ist nervöS: Ällte et trtn ntnUS Vefühl in den Füße, zuweilen eine stecheuie Smxsindung: die LkbenSgeifte, niederqkschlazcu, und ennzleich nan Lberzzt W, daß Lkibesbee?uvz Jicilfarn ttire, foTaun n ja sich kaum d,u auftaffeu, ,can mlßtriVjkdem Heilmittel. Lerschietene der rtkzen Eym?!?me begleiten die Srankheit; aber e sid K!lle rerakkomme, tn denen nur wenige davon tcrntcn rcn; d?ch ijot die Untersuchung nach dem Tode t:r.e dettächlliche Etöruz der Leier na gcsicse. SsS Nittel sollte von all, Versonen, Jung und Alt, gebraucht werd,, sobald sich eineS der obigen eyJ,pome ieigt. ?Zer aus Reisen ist oder in unaesnnVer Ecgcnd ohnt, wrrd durch gelegentliches Sinneh mtn e:nkr TctJ, un, die Leber in gksunder Tbitiz, Kit zu bsUcn. alle Vtalaxie, allig, ttnfaBe, TAm, Uebclkcit, Riednzeschlageuheit . s. w. abwcuden. TaS Mittel wird wie ei la Wei frlf tiz?n.ist aber kei berauschendeA Uetränk. LIcnn man etwas schwer erdanliche e gessen hat. rder Nachts nicht schlafen kann, nehme aa eine Tcs:Z und die Erleichterung wird eintreten. Lowolzl Zeit wie Toktorrcchnungen werben erspart, w?n man den Regulator stets vorrathiz t Hause halt ! Tmrt ptcifriel rsclch-l Leiden sich einlieft, ein durchaus sichrrcZ, adfnhrendes, Safte verbes serndeS rnv stärkendes Mittel wird nie unrecht aufbrecht s?in. Das Mittel ist ungefährlich und beeinträchtigt weder die eschstSthätigkeit och daS Berguüge. G3 ist rel vegetabilisch und Ist die ganze Kraft und Wirksamkeit rvn Galen! derLhinin ebne irgend eine der schädlichen Nach wirkunzeu derscttcs. 2 bei t uuzk, daß er sine ScrclAcranj der ArzeiisskvstaZt tu:. 'j. oimaoorier, coare raenr ren an. ISo. Ztlersnder H. Stephens von Seorgia aji: Der Lorauch von Simmons Li?e? Regula or ist mir wohl beklumea nd ich wünsche ihn weiter zu prüfen - las Vinige da? niemals Linderung versazt.- Zch habe riele Mittel gegen TvSxexsta, Lcber!kl:en und Schale arbraucht, aber nie iu?S gcfunden tai mit so wohl bekomme ist wie msnS Liver Regulator. Ich hük'S ren Mwnefeta tiZ i?ee?g;a danach gks5iikt und i..öchte eier solch Medizin weqea noch weiter schicken ; auch möitte ich Oe Khnlich icisentea anrathen tl mit diesem Mittel zu versiZ en, da eS daS einzige zu sein scheint, dsZ nimÄZ Liderung versagt. P. N. Janaey, MinneavoliI. Minn 2r. LS. Zttason sagt : Durch tbatfaeMU Erfahrung im Eebre.tche den EimmonS Vt?;t Wezulz in neine? Pra?i5 bin ich von seiner Wendung befriedigt und ich verordne ihn als ei Abf2Sruqs-Arznei. , grg- Man nebine nur den echten, der stets die tothe z Handelsmarke und die ?:amensunterlchrikt I. H. Aeilin & So. auf dem Umschlage ti&st. Ber allen Apothekern zuhaben. bet sich stetS als sicherstes urmittel Zur Nieren 5irankheit?n beieir Aeweis 5ib'.:en ein lahmer Lücken n y ' -! I, m u z nerve.! iicttr:i)cits3n:Uü&vr!i.uii:f ::i av.: v. j:)r2n;tti-r?irb:r;eberi)er(ifitciltjnftrci:. . c;. ctjicnttini.io-.cn ..r jt'::;;tf it, n'0 j. li .1" 5;)n:cr,; ;tfc cro ictie, ttii vatixu urs. Kulnry 'o:t) a'Ä ivitnittcl n:' crt.ö rci v f c!.; l c o; t c i n w c : iü c u U n e n t ly a 1 1 h t a l : ; t . , i -a. c t-.trirt so?? eunitstcr. Dei v.-.c?. '"--! ruilöaltur.9ie3iu:n-j,!ic5einanii;;;c.cr,r.:-; ."6fiibruiit, und nanqenehme evrsni-i .:ier?en schnitt tr der heilenden .Hic-t dieser 1'kedi,in. 'i'rtUft. tfftrirotfctr:'. K5 nicht, daS Ztttn geht schnell vorüber. ZL6 vtx Woche, Ausst-ittung 55 KZ unent geltlich, kein Risiko, .kapital nicht nothiveneie. Wir Ire fern Alles. L:ele lacht inZZermSqen. F.auen fzwohl ne Männer, na den und Tlifcf. Tlvr aenU sich en H. H a l l tt ft Ce-., ortland. i'iaine. SVH3HAVAKA AMKR rh. xlLjA TgÖ Ä-vr f.? 5? -sy ?? - --jJfrizi 13 s T: !s mir hin t? epecially adapted to the nse x es t AUalLIIa ar.4 STOCK FtEDEIIS. Itis capa-l-Io cf sb:tliiij: eri'l grinding tvrenty bnsbela rr honr, vritii sour to gx tiorae-po-vrer, anl can ba rr.n ty -wator, steani or horse-power. Tha frrinLr.-? platcs are cf rrystallized iron, and ccst $ i.co a i-ir. 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Nordamerika's Recht Geschenke ad zuweisen. lAu der Berliner B:lksjeitung.) Die Thatsache, irnfc von Nordamerika her die Aussorderung nach Deutschland gelangt ist, man möge hier keineSammlungen für die Ueberschwemmten in Amerika veranstalten, weil die Amerikaner nicht geneigt sind, Geschenke anzuneh men, ist um so auffallender und über raschender, als ganz kurz vorher reiche Spenden au Amerika zu uns für die Ueberschwemmten deutschen Gebietes ge langten. Es giebt uns diese Thatsache eine sehr ernste Veranlassung einen Ver gleich über die Verhältnisse beider Län der anzustellen un!über die Ursachen des Unterschiedes näher nachzudenken. Der Grundgedanke scheint uns in der wichtigen Thatsache zu liegen: Ame rika braucht Menschen und nicht Gelder auS Europa ! . Dieser Grundgedanke verdient eine ernste Betrachtung. Man nennt Nordamerika die neue Welt. ES ist eine solche. Es steht die. ses Reich wie in Jugendfrische und Ju' gendkraft unS gegenüber da. Eine Zeit lang schien eS, als ob eS blos in mate rieller Beziehung vom Glück begünstigt sei, aber die Thatsache ist mehr, und mehr erkennbar geworden, daß eS auch mit dem gehobenen Wohlstand in geifti ger Beziehung iu hohem Wachsthum be griffen ist. Die Astronomie, die edelste und selbstloseste aller Wiffenschasten, feiert dort herrliche Triumphe. Die Geologie bewegt sich dort auf einem ergebnißreichen Boden. Allen wissen schaftlichen Expeditionen in fremden Welttheilen bringt Amerika sehr reiche Opfer. In den MeereS Untersuchungen gebührt ihm ein namhafterVorrang. In die Medizin hat es uns den Segen des Chloroforms gelehrt. In der ZahnHeilkunde steht es unübertroffen da. Wie es unser Lehrmeister in der Telegraphie, im Fernsprechen, in der Phonograph!?, im Photophon, in der elektrischen Be leuchtung und in allen Fächern der An wendng der Naturlräste im Dienste der Menschheit ist, daS zeigt uns die Gegen wart in auffallender Deutlichkeit. Die neue Welt erfreut sich des Vor zugeS, daß sie keines Kampfes gegen ver altete Zustande bedurft hat. Sie hat keinen Feudalismus hinter sich. Sie wird nicht vom Militärismus ausgebeu

tet. Sie hat die Errungenschaften der europäischen Kultur im vorigen Jahrhundert sofort bei der Begründung ihrer Staaten als Erbschaft aufgenommen, ohne beengt zu fein von den Schranken, in welchen Europa selber stand. Aver wahr ist es, diese neue Welt blieb nicht in der Erbschaft, die sie aus Europa mit genommen, stehen, sondern hat sich rege Weiterentwickelung zum Prinzip gemacht. Und m diesem Prinnp bediente sie sich deö einen Banners, das den Sieg mit sich bringt, des Banners der elbstständigkeit , und der Freiheit, wonach die europäischen Volker noch immer zu nn gen haben. Die Selbstsucht der Menschennatur verleugnet sich in Nordamerika freilich nicht ; aber es benkt Nicht die Institute, in welchen die Hcrrschaftszelüste des enzchen über den Nebenmenschen verkörprt sind. Es bcsikt kein herrschendes Psasfenwesen, das mit der Autorität einer Behördenmacht ausgestattet ist, und doch bewahrt die Bevölkerung in voller Freiheit einen ernsten religiösen Sinn. Es hat keinen Adel, der sich gebcrdet, als ob er zu? Hcrrschaft gcbo:cn sei. Die Sklaverei, welche ein trauriges Erbstück der Vergangenheit war, wurde durch anen mächtlqeil Krieg vernichtet, tn wel chem die Freiheit ihren vollen Triumph über dle Selbstsucht der isklavenhalter feierte. Nordamerika hat keine Regierung, welche von oben her befiehlt, was in den Schulen gelehrt, in den Kirchen gebetet werden soll, und doch gedeiht daselbst der Jugendunterricht und die Exi stenz der Gotteshäuser. Von Militär hat Nordamerika solch ein Minimum, womit sich selbst die kleinen Staaten Europa's nicht behelfen zu können meinen, und gleichwohl war der Krieg in den sechziger Jahren ein so großartiger, daß er die vollste Aufmerksamkeit der europäischen militärischen Autoritäten in Anspruch nahm. Die ständige Marine ist sehr gering an Zahl, und gleichwohl sind die Torpedos und die Monitors aus Amerika die Originalmuster der europäi schen Staaten. Die Staatsschulden sind durch den Krieg außerordentlich gestiegen, aber alljährlich werden sie in so großem Maßstab getilgt, wie es in kei nem Staate Europa's der Fall ist, wo man die Schulden nicht bezahlt, sondern festhält, so zu sagen konsolidirt. Und das Volk, das so energisch im Geldpunkte ist, will auch von seinen Gönnern im Auslande nichts geschenkt nehmen. Es ist leicht zu sagen, daß der gewal tige Landbesitz Nordamerika's der Grund des Gedeihens dieser neuen Welt sei. Aber man erwäge wohl, daß in demselben Welttheil auch ebenso große Länder gebiete cxistiren, die nach Klima und Naturprodukten bei Weitem megr begünstigt sind. Mexico, Peru, Chili, Brasilien bieten ihren Völkern reichere Gelegenheit zur Kulturentwickelung als Nordamerika. Warum stehen diese Länder tief unter der Kultur und demWohl stand des Landes, welches man als die neue Welt bezeichnet ? Diese.Antvort bietet die Geschichte in sehr ausreichendem Grade. Es fehlt diesen Ländern das eigentliche Ferment, welches der Boden der Entwicklung ist. Es fehlt dort die Freiheit und Selbst. ständigkeit des Volkslebens. Und ist es noch nöthig, einen Vergleich unserer europäischen Zustände mit denen der neuen Welt anzustellen? Wir kön nen dies in einem kurzen Ausspruch darlegen. Die Kämpfe, in welchen Europa seit Beginn de5 jetzigen Jahrhunderts sich befindet, sind in Wahrheit durch die nordamerikaliischeFreiheit angeregt wor den. Diese war es, welche in Frankreich zündete und zum Ausbruch der großen Revolution führte. Aber der alte Bo den der alten Welt war zur Zeit nicht geeignet zur Anpflanzung emer neuen Kultur. Der Feudalismus wurde zwar in blutiger Leldenschastlichkeit vernichtet, aber die Wurzeln der Herrschaft blieben in diesem Boden und sproffen in Knegs und Eroberungsgelüsten aus. DaS eu'opälfche Festland wurde m semem Be

stände erschüttert und mußte durch einen Befreiungskrieg erst wiederum seine Selbständigkeit erobern. Doch die wirklichen Kultursaaten fielen auf einen empfänglichen Boden, und nach Jahrzehnten erfolgten dennoch die Bewegungen, welche die Völker und die Staaten wesentlich umgestaltet haben. Während Nordamerika im Vollbesitz seiner Freiheit, im reichen Segen seiner Arbeit und seines rastlosen Fleißes lebt, steht ihm Europa noch immer mitten im Kampfe um diese Bedingungen seiner Existenz gegenüber. Es werden noch Jahrzehnte dahingehen, bevor dieHemmniffe beseitigt sein werden, welche Nordamerika im vorigen Jahrhundert vvn sich abgeschüttelt hat. Was ihm Europa bieten kann, ist in der That nichts andereö als die Einwanderung, welche bcreitS in großem Maßstabe vor sich geht und sich noch weiter entwickeln wird, wenn Feudalismus und Militarismus sich noch zu verstärken sucht. Nordamerika hat ein bcneidenswerthes Recht darauf, sich seiner Freiheit und Selbftständigkut zu erfreuen und Geschenke von Europa, selbst die wohlgemeinten, von sich abzuweisen. Zu Nafael'S vierhundtrtjährigem eburtStage am 2 März 1883. ?on Karl Wei.

Zwei Mal, so weit wir die Geschichte überblicken, war es der bildenden Kunst vergönnt, der absolut höchste künstlerische Ausdruck der idealen Bestrebungen der Menschheit zu werden : einmal zur Zeit des PerikleS, wo in den Skulpturen des Phidias jene griechischen Göttergestalten ihren verklärten Ausdruck fanden,welcher die ganze Nachwelt gebannt hält ; dann unter JuliuS II., wo es der italienischen Kunst beschieden war, alle geistigen und religiösen Bestrebungen der Zeit in jener höchsten, künstlerisch vollendeten Form darzustellen, auf welche wir heute als auf etwas Unerreichbares zurücksehen können. Beinahe zwei Jahrtausende liegen zwi schen diesen beiden Erscheinungsformen klassischer Monumentalität zweier großer Geschichtsepochen, welche die künstlerische Apotheose der höchstenJdeale derMenschheit sind. Mit einander gemein haben beideEntWicklungen der bildenden Kunst, daß nirgends ein Sprung, ein gewaltsames Vordrängen zu bemerken ist. Jede Generation steht auf den Schultern der vorhergehenden und führt das ihrUeberlieferte stetig und folgerichtig weiter, bis ein absolutes Höchstes erreicht ist, von dem aus nach kurzer Blüthe nur noch Verflachung und das Herabsteigen zum Verfall möglich ist. Welcher Weg. welches unablässige Ringen und Kämpsen von den ältesten uns bekannten Werken griechischer Plastik bis zu den äginetischen, und von diesen wieder bis zu den ParihenonSkulp turen! Und in Italien: Wenn wir Giotto sagen, Masaccio, Rafael, so bezeichnen wir zugleich fortschreitende EntWicklungsstufen italienischer Malerei, von welcher jeder Das gelang, was die vorhergehende anstrebte. Rafael Sanzio wurde geboren am 28. Marz 1483 in .Urbino und erhielt seine ersten Eindrücke am humanistisch gesinnten Hose Federigo's. Sein Vater war Maler, der über 'die Mehrzahl seiner Kunstgenoffen weit hinausragte. Wer den jungen Rafael nach des Vaters Tode (1494) in der Malerei weiter unterwies, wissen wir nicht. Aber im Jahre 1500 arbeitet er in der Werkstatt? Perugino's zu Perugia, mit welchem er in seyr engen Vezieyungen gestanoen haben muß. Es existiren Blätter, deren eine Seite Rafael, deren andere Perugino mit Zeichnungen gefüllt hat. Wir kennen Handzelchnungen Perugino's, dle Rafael in Farbe ausgeführt hat, oder Skizzen Rafael'S, dle sich auf Gemälde Perugino's beziehen. Ueberall fehlt noch das Naturstudium ; die Köpfe besonders sind nach feststehendem Typus gezeichnet; aber in den mit Silberstift zart gezogenen Umrissen langt bereits der reine Wohllaut an, welcher alle Rafael'schen Schöpfungen begleitet. Zwei Jahre bleibt Rafael in Perugia, dann nimmt er seinen ständigen Ausenthalt in Flo renz, wo er auch noch lange von Perugmo abhängig bleibt, so-dag Vasari beHäupten konnte, die Arbeiten, Beider ließen sich nicht unterscheiden. Und in der That weicht die materielle Beschreibung der Maria beispielsweise, oder der Krönung der Maria bei Beiden kaum merklich ab. Aber doch : eine MeisterHand gleichsam umschreibt bei Rafael alle Linien noch einmal zarter und seiner; höheres Leben, tieferer Ausdruck, lautere Schönheit wird den einzelnen Gestalten, wie den Gruppen aufgeprägt. Der Uebertritt nach Florenz ist lso kein Sprung ; in Einzelnheiten bleibt er sei nem Lehrer immer noch treu ; aber seine technischen Mittel, sein Formensinn, physiologischer Blick und Beobachtung des Lebens gewinnen an Umfang und Tiefe. In Florenz ist er fast ausschließlich aus Taselbilder, und zwar ausMadonnen und belllge Famrnen beschränkt, ein von allen damaligen Künstlern häufig behandelter Wiofr. Florenz ist für Rafael eme ernste Schulzeit, n der er nch von dem be schränkten umbrischen Boden ablöst und das ganze Erbe des florentmer Quatrocento antritt. Aber Florenz verstand es nicht länger, die Künstler an sich zu fesseln, und mußte unthatig zusehen, wie gerade die größten derselben durch ihren Stern von der seitherigen Hauptstadt italienischer Kunst weggewiesen wurden. Michel Angelo und Leonardo hatten schon früher Flo renz verlassen, 1503 folgte ihnen auch Rafael. Er ging nach Rom, um dort einige Gemächer des VapsteS Julius II. ni malen. Die Zeit Julius II. ist die Heroenzeit der italienischen ttunst, welche, wenn auch nur für einige Jahre, den Traum der vollkommen harmonischen Durchdringung zweier Weltalter verwirklicht. und uns die Antike und das Christen thum zu einer wunderbaren Einheit ver schmolzen zeigt. WaS Goethe als Zu' kunftsideal im Euphorion symbolifir hat, ist hier bereit vollendete herr lichste Thatsache. ' Wie immer, wo daS Höchste erreich

wurde, mußten auch hier mit den rechten Kräften die rechten Männer zusammentreffen, solche Kräste zu verwenden und in die rechte Bahn zu bringen. Gewiß hätte sich der leidenschaftliche Wille Iulius II. ohnmächtig erwiesen, wären ihm nicht durch die Gunst des Schicksals die größten Künstler nicht blos seines JahrHunderts zugewiesen worden. Aber ebenso gewiß hätten Bramante, Michel Angelo und Rafael ihre Kräfte zersplittert, wenn nicht der großartige Sinn des Papstes alles Kleine und Spielende von ihnen ferngehalten. Bislang hatte Rafael fast nur Tafelbilder gemalt ; jetzt hatte er feine Kunst am Jresco zu erprobe.:, welches einen durchaus anderen Stil verlangt und erzeugt. Der Maler hat aus naffen Kalk zu malen (srosco, ital. frisch); er kann nicht ändern, bessern, tüsteln ; in großen Zügen hat er seine Gestalten hinznwer r m v . rt . t!jt

ien, um nermeioung aues Kieiniicucn und Nebensächlichen. Also schon durch das Darstellungsmaterial ist die Großheit des Frescostils bedingt, an welchem die große italienische Malerei herangewachsen ist, und mit besten Verfall auch der große historische Stil verfiel. In den vatlkanischenStanzenls anzat. tal. Zimmer) ist das Glaubensbekenntiiß eines ganzen großen Jahrhunderts niedergelegt, welches sich an dem srifchen Quell deS Alterthums neue Jugend gechöpft hatte ; die Ideale des HumanlSmuS, dieses herrlichsten historischenTraumes, sind in ihnen verkörpert. Schwerich wird iemals wieder die allgemeine Bildung einen Künstler so kräftig unterstutzen, aus sem Wirken so allseitig vorbereiten und eine so aünstiue Atmophäre ihm schaffen, wie es die Renaissance - Cultur Rasael gegenüber, that. Niemals ist das Bekenntniß einer Zeit in o schönen Farben und reichen Formen ausgesprochen worden ; niemals aber auch machte eine Zeit die Anwendung der schönen Farben und reichen Formen so leicht. Jac sind von der bildenden Kunst tiefere Ideen behandelt worden, und auch nie zuvor klarer und hoheitsvoller. Ebenbürtig neben den vollkommensten seiner Stanzenbilder,mit welchen zusammen sie uns den höchsten Begriff von seiner Künstlerschaft geben, stehen Rafael's Kartons zu den Teppichen der Sixtinifchen Kapelle. Das Leben der Apostel Paulus und Petrus lieferte den Stoff. Dle Teppich - Kartous sind das Größte aller Malerei. Mit Recht nennt sie A. Springer ,n semer klassischen DoppelBiographie Rafael und Michelangelo" die Parthenonskulpturen der neueren Kunst". Daß sie anders sein könnten. kommt uns gar nicht m den Smn. Die Natur selbst, so scheint es uns, hat sie geschaffen und ihnen das Gepräge unbedingter Naturnothwendigkeit verliehen. Nicht in dem sinne unserer Realisten" freilich, sondern im Sinne Thorwaldsen's, der einmal, entzückt von den Pferden der Parthmonskulpturen, das tiefbedeutsame Wort sprach : Freilich, in der Natur habe ich solche Pferde nie gesehen, aber so würde die Natur sie geschaffen haben, wenn sie in Marmor zu bilden hätte !" Das ist's ! Die Typen, welche Rafael in den Teppich - Kartons geschaffen hat, sind unvergänglich, wie die ideale Menschen-Natur selbst, deren Ausdeutung und Verklärung sie sind. Cornelius und Overbcck und Schnorr sind diesen großen Weg gegangen. Modernster Unpoesie ar es vorbehalten, an die Stelle des rein und ideal Menschlichen der biblischen .Gestalten das zeitlich und örtlich Beschränkte orientalischer Kostümbilder zu setzen, wie es Dore zum Beispiel m seiner Bilder Bibel gethan. Während Rafael an den gewaltigen Fresken-Cyklen der vatikanischen Stanzen arbeitete, übermannte ihn, so scheint es, dle Sehnsucht nach den alten emsachen Gegenständen der Darstellung, die nichts als Wohllaut und Wonne athmen, den Künstler beseligen und die Beschauer entzücken, die wenig zu sagen scheinen und doch das Tiesste bedeuten : er schuf die Madonna della Sedia. Auch hier, wie bei den Florentiner Madonnen: innigstes Zusammenleben von Mutter und Kind. Aber die Madonna della Sedia ist aus den Florentiner Formen in's Römische übertragen. Allen Gewinn des römischen Lebens setzte Rafael ein, um das liebgewordene Florentiner Traumbild der Madonna, welche still und selig das Mutterglück genießt, noch einmal zu velkörpern, durch die Anwendung großartiger Kunstmittel zu verklären. Durch nichts wird die hohe Vollendung des Bildes, so anschaullch gemacht, wie durch die Sage, welch: aus dem Kunstwerke entstanden ist. Rafael, so wird erzählt, sah eines Tages im vatikanischen Hofe eine Bäuerin mit ihrem Kinde in den Armen sitzen. Entzückt von der wunderbaren Schön heit des Weibes griff er nach dem ersten besten flachen Gegenstandeder sich ihm darbot, um Stellung und Zuge üt: Gruppe zu verewigen. Es war zufällig der Boden einer Tonne, und so kam un willkürlich die Rundform heraus, in wel cher die Madonna della Sedia sich zeigt. Nur der Zufall, meinte man, zeige so glückliche Inspirationen. Und doch ler nen wir aus den vorhandenen Entwür sen das Werden und Wachsen auch die ser Komposition kennen, welche eine all mälig gereiste Schöpfung der Phantasie ist, bei welcher auch weise Erwägungen mitwirkten. Nur bei dem Größten und herrlich sten, was er in dieser Art geschaffen hat. dem Wunderwerk der Madonna del Sl sto, scheint er ohne vorhergehende Ent würfe gearbeitet zu haben. Dies Bild ist in der That eine gotterfüllte Vision. Mit unbeirrbarer Sicherheit ist es so gleich auf den ersten Wurf gemalt, alü hend warm aus der Seele gequollen, es hat sich zu diesem Kunst-Mirakel noch keine Vorstudie gesunken. Rafael konnte dieser beständigen An spannung und Ueberreizung der Nerven und der Phantasie nicht lange widerste jm mr f S j . den. Im ruviayr lozv manne er an einem heftigen Fieber, welches er sich wahrscheinlich bei den Untersuchungen der Ruinen Rom'S zugezogen hatte. Bierzehn Tage währte die Krankheit, und am Charfreitag, demselben Tage, der ihn vor 37 Jahren der Welt geschenkt hatte, war daS reichste Kunstlerleben er loschen

Wie d?r Dr. Breym rein Deutsch

verstand. . Ja, wer die Historie so lustig erzählen könnte, wie sie sich wirklich zugetragen ! Kommt emmal der große Naturfor scher undWandervogel Brehm auf seinen Zügen durch Oesterreich in die Nähe eines uralten Landfladtchens. m! (denkt er bei sich) lebt mir denn nicht in dem Nest da drüben ein alter Fahrgenoffe von meinen Reisen am Nil und im lyblschen Wustenland? Mub doch den alten Schwaden heimsuchen!" Thars. Klopft an des Wackeren Thür; und wie es .Herein" ruft von drinnen und der Dr. Brebm die Tbür aufreißt von Draußen und sein Grüß Gott !" lustig heremru t, da ist ein recht lichter, warmer Sonnenstrahl gegangen durch die Stube und durch zwei kreuzbrave Herzen. Bald heben die Zei das Weinglas empor und das Erzählen fY tf ff J m m an. PioKiiy layl oer Gastfreund laut auf. .Na HöY, Brehm, thu' mir 'nen Gefallen." .Gern l" Hand draus !" Hier. Na was V .Du darfst hier kein Deutsch versteh'n!" Bist Du toll?" .Beileid. Hab' Deine Hand ; abgemacht. Du giltst hier als Araber.- .Aber Mensch !" Dixi ! Hab' Deine Hand darauf! Du bist mem Freund All ben Juffuf aus Egypterland, hast auf der Reise hierher höchstens einige Brocken Deutsch aufgeschnappt , im Uebrigen sprichst Du nur Aradl m." a. aber ,u was Ende?" Hör' mich an ! (und die Gläser klangen zusammen) wir haben hier im Ort einen Doktor, der renommirt ganz grausam mit seiner Kenntniß deS Arabischen, wiewohl er's darin kaum über's ABC hinausbrachte. Heut' Abend ist hier Concert. Ich sühr' Dich hin, stell' Dich vor aller Welt als genuinen Araber vor; Du eröffnest, während Alles gespannt zuhört, mit ihm ein arabisches Gespräch er versteht Dich nicht, wird verlegen gieb Acht, das giebt 'nen Jubel!" .Aber...." .Kein aber! ich hab' Deine Hand !" Als zur Concertstunde die Honorahoren des Städtchens im Saale sich zusammenfanden, ging die Nachricht von Mund zu Mund, daß Herr N mit einem befreundeten Araber, der aus Osten angekommen, das Concert besuchen werde. Gespannte Erwartung! Schon hatte sich der Herr Bürgermeister sammt Suite eingesunden. Eben schlug's sieben Uhr. Die Musiker des Orchesters stimmten ihre Instrumente ; da geht die Thür auf, und am Arm des Herrn N tritt Ali ben Juffuf (will sagen Dr. Brehm) feierlichen Schrittes m den Saal. Als hätte em unhörbares Commandowori die ganze Versammlung electrisirt, so wendeten sich mit emem Ruck sämmtliche Gesichter halb links. Wäre jeder Blick eine Revolverkugel gewesen, der Pseudo-Araber hätte wie ein Sieb durchlöchert, zu Boden stürzen muffen. So aber blieb er stramm ausrecht und musterte mit orienlallscher Ruhe die ihn anstarrende ConcertGemeinde. Der Gastfreund stellt den Fremdling mi (M m wle billig, zuerst dem Burgerches vor. Ali ben Juffuf grüßt mit arabischer Geste: und als der Vater der Stadt von Herrn N. erfahren, daß der Araber einige wenige Brocken Deutsch verstehe, schrie er ihn (als wäre der Sprachun kundige ein Taubstummer) mit Sten torstimme an : .G'fällt es Ihnen hier?" Ali ben Juffuf nickte, was der Bürgermeister als Zustimmung deutete, denn Fatinitza, damals noch ungeboren, hat nicht die entgegengesetzte Bedeutung des Nickens-der Orientalen klar gemacht. Von Herrn N. belehrt, der Araber deutete an, er habe die Frage nicht verstanden, drückte sich der Stadtvater populärer aus : .Ist's hier schön?" schne er mit wuchtiger Betonung jeder der drei Silben. DaS wirkte. Der Fremde antwortete kopsschüttelnd: .Schen is." Ein Lächeln des Triumphes flog über des Bürgerchefs Angesicht, und wie nach einer effektvoll durchgeführten Kunstleistung verneigte er sich leicht gegen das Publikum und sem Aug' überflog die Reihen der Getreuen, als wollte ec saaen : Na, vertritt euch euer Bürgermeister nicht glänzend dem arabischen Ausland gegenüber? ! Aber das Publikum achtete nicht darauf mit ihm beschäftigte man sich, dem lntereffanten Fremdling, und wahrend sein Auge starr, krampfhaft nach den Gelgen hmbllckte, vernahm sem Ohr die verschiedensten Bemerkungen, die rechts von ihm und hinter ihm ganz laut (er verstand ja kein Deutsch) über ihn gemacht wurden. .Du Kathl," sagte em rosenbacklger Backfisch rechts zu ihrer Freundin, ich habe mir die Araber immer braunhäutig und schwarzhaarig vorgestellt. aber der " .Ei, Fräulein Marie," siel der hinter dem Mädchen sitzende Schulmeister ein, wmen Sle denn rncht, daß die germa nischen Vandalen während der VölkerWanderung bis Nordafrika vordrangen, die Menschen mit blauem Auge und blondem Haar? Noch heute wird der germanische Typus zuweilen in jenen Ländern bis nach Arabien hin angetrofsen. Unser Gast stammt offenbar von den alten Germanen." .Gut geschienen, Mond !" dachte Dr. Brehm, ohne mit einer Wimper zu zucken. .Nein, ist der Mensch häklich 1" hörte er eine Mädchenstimme hinter sich. .Die Araber denkt man sich immer schön, wie ihre Pferde; der aber hat ja eine wahre Steinadler - Physiognomie ! Und diese tiefliegenden Augen ! als duckten sie sich zum Sprunge, um ihre Beute zu zerreißen !" .O, du Naseweis ! dachte Dr.Brehm und stierte die Geiger an. Die Ouvertüre war zu Ende. Der forschend ausschauende Gaftfreund hatte endlich den bewußten Doctor entdeckt, der sich heute in den tiefsten Hintergrund zurückgezogen, ganz gegen seine Gewöhn den. Nasch nimmt er den Araber am Arm und sührt ihn dem Doctor zu .hier, lieber Doctor, mein egyptischer Freund Ali Juffuf, mit dem Sie nach Herzenslust arabisch plaudern können r Trese Rothe flammte über die Stirne des Doktor hin. Ali ben Juffuf aber begann mit' der dem Dr. Brehm eigenen Zungengeläufigkeit im reinsten Arabisch

seiner Freude Ausdruck zu geben, aß er einen Freund seiner Muttersprache hier im fernen Westen finde und schüttelte über den armen Doktor eine Jluth arabischer Floskeln aus. Je verdutzter dieser dreinschaute, um so mächtiger wuchs der Redefluß. Citate aus arabischen Dichtern, ganze Suren aus dem Koran, schließlich sinnloses Tönegemengsel, Gegluckse, Geschnarre, Gegurre, das alles quoll, von leidenschaftlichen Gesten begleitet, aus dem Munde des Fremdlings hervor. Gespanntes Aufmerken links ; demDoktor standen die großen Tropfen auf der Stirne, offenbar hatte er keine Sylbe verstanden. Es klingelt zur zweiten Nummer. Der Gaftfreund führt den Araber auf seinen Stuhl zuiück. Als die zweite Nummer verklungen war, war auch der Doktor verdustet; angeblich mußte er noch einen Patienten besuchen. Was unberufene, aber kuffensmerthe Mädchen- und Frauenlippen im Laufe des Abends noch gegen den Fremdling gesündigt, in dem Wahne .hinter seinem Rücken", d. h. von ihm zu sprechen, das bleibe hier verschwiegen. In der Stube des Herrn N. aber lachten zur Mitternacht beim feurigen Ungarwein zwei Männer über die Vorkommniffe der letzten Stunden. Dann wurde der eine plötzlich ernst und rief: .Alles recht schön aber die Frauenzimmer mit ihren Gloffen nie wieder !" Des andern Tages, da der Zug herangebraust kam auf der Station des Städtchens, waren zahlreiche Neugierige im Bahnhofe versammelt, um den intercssanten Fremdling aus der egyptischen Wüste noch einmal zu sehen vor' seiner Absahrt. .Einsteigen !" rief der Schaffner. Ein herzhafter Handschlag frappant nach deutscher Art dem Gastsreund dargcreicht, dann schwang sich Ali ben Jussus in den Waggon empor. Der Schaffner schließt die Coupethür hinter ihm ; er aber beugt sich noch einmal weit hinaus, den nachstarrenden Neugierigen entgegen und ruft im reinsten Thüringer Deutsch : .Meine Damen und Herren ! Der Doktor Br;hm hat die Ehre, sich Ihnen ganz crebenst zu empfehlen !" Tableau ! Das Glockenzeichen schallt, die Pfeife schrillt, ein Ruck und bald ist der Zug im herbstlichen Nebel verschwunden. fflsche Meteorsteine.

Unlängst fiel in der Nähe von Jserlohn ein Meteorstein vom Himmel, welchen die Universität Göttingen für 150 M. ankaufte. Bald darauf hieß es, daß auch in Barmen Meteorsteine gefunden worden seien und alsbald berichtete die Redaktion der Barmer Stadtanzc:gers fast täglich von Meteorsteinen, die ihr von den Findern vorgezeigt worden seien. Dieser Tage erschien nun plötzlich ein Herr Dr. Krantz auS Bonn und kaufte eme beträchtliche Anzahl dieser Steine für schweres Geld an; cr hatte für kleinere 15, für größere 120 M. bezahlt. Nachdem der Kauf abgeschloffen. waren Herrn Dr. Krantz schon Bedenken aufgestiegen, indem er äußerte, wenn ich nur nicht die Katz! im Sack Gekaust habe". So war es in der That. Kaum war Dr. K. nacy Bonn zurückgekehrt, als ihm Prof. Dr. C. Hintze erklärte. .daß die angeblichen Meteorsteine harmlose Knollen von thonigem Spaerosiderit seien, zum Theil mit etwas glänzendem Schwe elkles durch etzt, wie sie sich massenhaft, von Wallnußgröße bis zum Durchmesser von emem Meter rm Kohlenschieser eingebettet finden und namentlich in der Dortmunder Gegend jedem Bergmann bekannt sind". Dr. Krann fuhr nun schleunigst wieder mit seinen Steinen nach Barmen, um von semem Gelde zu retten, was noch zu retten war. Indeß gelang es ihm nur bei einem Verkäufer, den Handel gegen Reugeld rückgängig zu machen ; die anderen erklärten einfach : was verkauft ist, ist verkauft. Besonders mtereffant bei dieser Meteorsteingeschichte ist auch folgender Vorfall: Ein Knabe findet einen derartigen Stein, den ihm ein anderer Knabe wegnimmt. Der Vater des ersteren verklagt nun den Vater des letzteren Knaben aus Herausgabe des SteinZ. Schon sind Nicht unbedeutende Kosten m der Sache aufgelaufen, als sich in Folge der Erklärung des Pros. Hintze und anderer Sachverständigen plötzlich herausstellt, dak man emen streit um deZ Kaisers Bart sührt, um einen völlig wertylosen Gegenstand. So endete der Barmer Meteorsteintraum. Die Oase Merw. Seitdem das russische und daS analoindische Reich in Asien sich immer mehr näbern und die Zwischenstaaten gleichsam wie gigantische Mühlsteine an einander zerreiben, hat sich den Äöllerschasten Mittelasiens, über welche die Würfel geIm AuCaM m Ä m QCmIim uivljci! uciucii, luirnu uiiyb vu8 )uici" effe auch der gebildeten Laienwelt zugewendet. Ueber die Oase Merw und die Turkmenen, welche dieselbe bewohnen. kommen iekt auS der Tiiliser nen. graphischen Gesellschaft intereffante Mittyeilunzen. BewunoernZwerty, heißt eS, ist vor Allem die künstliche Bewäfferung der Oase durch ein Netzwerk von Wasserräderchen, das sich auS dem sie durchströmenden Fluffe Murchad abzweigt. Diese künstliche Bewäfferung ist um so nothwendiger, als in der Oase vom Mai bis September bei einer Hitze von 30 bis 45 Grad im Schatten kaum ein Tropfen Regen fällt. Auf dem bemalserten Terrain bringt Weizen 20sältige, Hirse dagegen 200fältige Frucht. Die Waffermenge, über welche jeder Einwohner zu verfügen hat, ist der MaßstahseineS Reichthums; mit Waffer belohnt man die Chne und andere Personen für ihre Verdienste. DaS Land ist dicht bevölkert und die oberste Gewalt in den Händen dreier Chane, welche übrigens nur ausübende Gewalt haben ; die be schließende Gewalt hat eine Art Senat, welcher nach Bedarf durch die Chane und die Priester, berufen wird. Ständige Abgaben werden nicht bezahlt, sie werden in jedem einzelnen Falle von den MedschliS bestimmt. Unter der Bevölkerung find viele Handwerker, besonders

geschickte Silberarbeiter und außerordentlich töchtige Waffenschmiede; die Frauen weben kunstreiche Teppiche und grobe Seidenzeuge. Eine fleißige Arbeiterin kann im Jahre zuiei bis drei Teppiche von fünf Ellen Breite und zehn Ellen Länge weben. Diese Teppiche werden in neuerer Zeit, besonders in der Türkei, viel höher geschätzt als die persischen und machen letzteren bedeutende Concurrenz. Die Frauen unterscheiden sich, wie überhaupt bei allen Turkmenen, in ihrer Kleidung wenig von den Mannern sie tragen ebenfalls inen Schlafrock, nur in etwaL grelleren Farben und mit einigen Stickereien verziert. Besondere Schönheit wird ihnen nicht nachgerühmt, dagegen stehen sie sehr hoch im Preise. Der .Kalim" für eine Braut beträgt 10 Lämmer, 2 Kameele und 200 Kran (! Kran--ca. 50 L0 Pfg.) Jede Frau bringt bei der Heirath ihre eigene Kibitke mit, in welcher sie getrennt von ihren Genossinnen lebt. Die Be wohner von Merw sind seh? gesräßig und naschhast. Süßigkeiten gehen ihnen übe? Alles. Den Hang zu Diebstahl und Räuberei, den sie unleugbar besiken, sollen sie übrigens nur gegen Fremde ausüben, untereinander aber durchaus

ehrlich sein und Diebstahl an Stammesgenoffen als das allervcrächtlichfle Ver brechen verpönen. Einige Erfahrungen, welche die Rüsten während des letzten Krieges mit den Achal-Telinzcn machten, die auch von Merw aus mit einem bedeutenden Heer unterstützt wurden, werfen in dieser Beziehung ein günstiges Licht auf die Turkmenen überhaupt. Als ein Turkmene, welcher eine große Lieferung von Kameelen für die Ruffen über nommen hatte, bei Auszahlung derKauffumme gegen 1000 Rubel zu viel bekam und solches, in die Steppe zurückgekehrt, bemerkte, machte cr den weiten Weg noch einmal, um den Uebcrschuß zurückzuge ben. Ein anderer Fall, der sich während der Belagerung von GeokTepe zutrug, spricht ebenfalls für die Ehrlichkeit des Volkes. Die Ruffen hatten vier Turkmenen gefangen; einer derselben wurde in die Festung geschickt, um diese zur Uebergabe zu bestimmen. Zugleich wurde eS zur Bedingung gemacht, daß seine drei Geführten crschoffen werden sollten, wenn er selbst nicht in zwei Wo chen zurück sei. Nach wenigen Tagen kam der Abgesandte mit der stolzen Ant wort zurück, daß die Festung nur derGe walt sich übergeben werde. WaS den Handel angeht, so finden am meisten Absatz von eurcpäischen Waaren Süßigleiten und billiges Consekt, auch Baum wollenzeuge, vorzüglich rothe. UebrigenS hofft man, daß der Handel sich in Merw bedeutend heben, sobald sich die Oase an Rußland anschließen würde. Alkohol und Tabak im Urtheil berühmter Zeitgenossen. Aus London wird geschrieben: In einem Zeitalter, wo Alles gesammelt wird, von einem kaiserlichen Autograph bis zu einer gestempelten Briefmarke, ist eine Sammlung von Aussprüchen her vorragender Männer nichts Neues. Neu dagegen ist der Gegenstand, über den ein Mr. A. A. Reade (in London) die Ansichten literarischer und wiffenschastlicher Celebritäten eingeholt hat. Er hat an dieselben das Ansuchen gestellt, ihm mitzutheilen, ob sie alkoholische Getränke genießen und rauchen, und was ihre Anschauung darüber ist. Einige dieser Meinungsäußerungen sind nicht uninte reffant, besonders, wenn man bedenkt, welche erbitterte Kreuzzüge in England (und Amerika) gegen den Gebrauch spirituöser Getränke und des Tabaks gesührt werden. Mr. Gladstone, z. B., verabscheut das Rauchen, aber trinkt regelmäßig ein Glaö oder zwei Bordeaux wein beim Lunchorn, und dasselbe beim Diner, obendrein ein GlaS leichten Portwein. UeberdieS findet er diesen Wein genuß in Zeiten großer intellektueller Anstrengung besonders nothwendig. Jules Simon verbarrikadirt sich hinter dm Gemeinplatz, daß zuviel Branntwein und Tabak schädlich ist. DaS hätte man wohl wissen können, ohne einen französischen Senator zu befragen. Mark Twain, der amerikanische Humorist, kann nach dem Weingenuß nicht schreiben, doch raucht er unmäßig seit achtunddreißig Jahren. Tourgenjew hält den Tabak im Allgemeinen für eir, schlechte Sache, Alcohol in kleinenQuantitälen dagegen nicht für schlecht, doch giebt cr zu, daß er sich von beidem ferne hält. Der kürzlich verstorbene Roman schriststeller Anthony Trollope hatte die Cigarre fortwährend im Munde. M. Taine findet Cigaretten nützlich zwischen zwei Gedanken, bevor er zum zweiten gekommen ist. Dr. Siemens ist dem Tabak ziemlich abgeneigt, dagegen dem Alcohol fchon günstiger. Mr. JameZ Payn raucht fortwährend, so lange er am Schreiben ist und thut das feit dreißig Jahren, er trinkt etwas Bordeaux und Champagner. Sir Erskine May (eine große Autorität über parlamentarische Gegenstände) hat herausgefunden, daß nlyaltung vom Wem ihn dvsvevt scd und dumm macht. Sir Theodor Mar tin, der Biograph des Prinzen Albert, erklärt Tabak geradezu für Gift, hält dagegen Wein für solche, die Gehirn ."i. ,... r aroeil verrlqien, sur woyllyueno. Der Geschichtsfchreiber E. A. Freeman kann nicht einsehen, warum die Leute rauchen, trinkt aber Wein wie andere Leute. Der verstorbene Charles Darwin trank ein Glas Wein, rauchte zwei Cigaretten und schnupfte täglich und war überzeugt, daß der Genuß von Schnupftabak ihm in seiu .r Arbeit große Dienste that. Mr. Matheö Arnold, der berühmte Kritiker und Philosoph, hat nie geraucht und im mer Wein getrunken. Daffelde ist der Fall mit Paul Bert, der die Argumente und psystologischen Fakten aus beiden Seiten mit großer Präzision summirt und folgendermaßen seine Ansicht auS spricht: .WaS mich betrifft, so rauche ich nie, weil ich den Tabak nicht gern habe ; dagegen trinke ich Wein bei allen meinen Mahlzeiten, weil ich ihn gern habe. Mr. F. W. Newman ist betrübt. da& eine so edle Frucht wie die Traube zur Produktion von Wein vergeudet wird. Englischer Tabak ärgert ihn und der. Rauch und die Hitze der Pfeife oder Ci garre beizt seine Augen. Da er weder Wein noch Tabak liebt, raucht er Mcht und trinkt nicht. "