Indiana Tribüne, Volume 6, Number 193, Indianapolis, Marion County, 1 April 1883 — Page 7
Komische Lertte.
(Ctlniitarj8tiUet von Siegmund Ha)er.) Aber wie können Sie es nur in einer solchen Wohnung aushalten ? Diese schmale Straße, diese kleinen, unsreund lichen Zimmer, diese niedrigen Fenster, dieser Mangel an jeglichem Komfort das ist ja um melancholisch zu werden! Ein wohlhabender Mann, wie Sie, darf stch doch nach dieser Richtung hin etwas anthun! Ja, ich möch:e soiar sagen, Sie müssen bcsse? wohnen. Ilichesso obligG!" .Das ist Alles ganz richtig, was Sie da anführen, ich w:rde aber trotzdem hier nicht ausziehend Und warum?" Weil ich einen so schönen Pferdestall, wie in diefem Hause nie wiederbekomme." Ah, Sie haben Equipage?" Nein, aber ein Pferd." Sie reiten also?" Auch nicht. Ich habe nur ein Pferd Aber für dieses ist mir lein Pferdestall der Welt gut genug." Das muß ja ein wahres Wunder thier fein!" Ganz und gar nicht. Es ist ein alter, lendenlahmer Klepper, der sich kaum noch als Aöeraaul seinen Hafer verdienen könnte. Ich bin ihm aber zu gro ßem Dank verpflichtet." Wie so." .Hören Sie zu! JÄ war, wie Sie wissen, ehe ich mich als Rentier etablirte, Fleischermeister. Das Geschäft ging anfangs sehr gut. Jeden Morgen spann te wein Kutscher das Pferd eben jene besagte Liese draußen vor den Ar beitsmagen und fuhr zu den größeren Kunden, denen er den täglichen Fleisch bedarf überbrachte. Der Umsatz, den ich mach:?, wurde vsn Tag zu Tag gröttr, mein Verdienst natürlich ebenfalls. Ich träumte mich schon als reichen Mann und lebte auch . dementsprech.nd. Warum sollte ich mir nicht im Kreise guter Be .kannten taglich mein Fläschchen Roth spohn bewilligen? Ich hatte es ja dazu. Das ging so" ein paar Jahre hindurch ganz flott. Im Laden brauchte ich nicht zu stehen; mein Werkzührer, ein Kerl, der, wie man zn sagen pflegt, in die Welt paßt, besorgte Alles ganz brillant. Mit Buchführung gab ich mich nicht groß ab. Wozu auch? Ich war ja kein Kaufmann. Was einzukaufen war, bezahlte ich baar. und was am Ende des Monats nach Abzug aller Unkosten übrig blieb, war verdient. Darin bestand meine ganze Kalkulation." Allerdings äußerst einfach und klar." Da bemerkte ich eines Tages,daß in der Kasse ein weit geringerer Ueberschuß vorhanden war, als sonst. Ich fragte den Geschäsissöhiek, woher das käme. Es sei in dilsemPZonat schwächer gegangen als im früheren, meinte er. Ich beruhigte mich dabei. Als aber die Ein nahmen immer kleiner und kleiner wur den, bekam ich doch Angst. Meine Leute lachten zwar dalüber und behaupteten, da sei Zufall und werde sich schon wie der ändern, aber mir wrde doch sehr be sorgt zu Muthe. Ich ging zuvörderst au allen meinen mir wohlbkkannten Kirn den, um zu hören, was denn eigentlich los sei. Uederall wnrde mir gesagt, daß sie nach wie vor ihr Fleisch von mir be zögen und in den gewohnten Fristen bezahlten. Da ward mir plötzlich klar, das ich bestohlen werde. Selbstverständlich paßte ich nun nach Möglichkeit auf. Aber ich konnte nicht dahinter kommen.die Expedition mußte bei dem großen Kreise von Abnehmern, die täglich befriedigen waren, schnell vor sich gehen, und meine Leute hatten sich im Abwiegender einzel nen Flelschstüz eine Fixigkeit angeeig. net, daß ich kaum zu foigen vermochte. Ich stand so zu sagen mit sehenden Au gen blind dabei. Eines Morgens hielt, wie gewöhnlich, mein Wagen vor der Thür. Er war schwer mit Fleisch beladen. Der Geselle wollte sich eben aus den Bock schwingen, um abzufahren. Ich trat an die Liese heran und klopfte sie freundlich auf den Hals. Da kam's mir aus einmal so vor, als ob mir das Thier mit den Augen w kiy Ja, ja, lachen Sie nur dar üb. Ich weiß dock, was ich weiß! Ich habe auch den Wink sofort verstanden. Und wie wenn plötzlich eine Eingebung über mich gekommen wäre, sagte ich zu dem Gesellen: .Ich werde mitfahren." Nanu?" antwortete er mit einem et was verdutzten Gesicht. Ich erwiederte ihm aber weiter gar nichts, sondern setzte mich zu ihm auf den Wagen. Fortging's. Wir fuhren zum ersten Kunden, einem reichen Fabrikbesitzer, der einen großen Hausstand hatte und einer meiner besten Kunden war. Der Geselle that das für ihn bestimmte Quantum in die Mulde, nahm das Kon tobuch, worin Alles notirt war. und trug das Fleifch in die Küche. Wahrend er im Haufe war, trat ich wieder zur Liefe, um sie zu streicheln. Ader, weiß der Ku kuk, was dem Thiere einfiel, kurz es ließ sich von mir jetzt nicht berühren. Es schüttelte heftig den Kopf, bog ibn zur Seite und stampf:e wild mit den Füßen. Wetter noch einmal, dachte ich bei mir, das hat was zu bedeuten! Als der Ge seile zuröökam und wir uns wieder aus den Aok gesetzt hatten, sagte ich: Laß ich mal Kutschiren!" Na, das wäre noch schöner!" entgegnete er mir ärgerlich, dann zog er die Zügel an. schnalzte mit der Zunge und wollte losfahren. Ich nahm ihm aber ganz ruhig die Leine aus der Hand und rief: "Hüh, Liese!" .Da hätten Sie mal hören sollen, was daL Thier für ein Jubelgewieher ausstieß! Zugleich setzte eS sich in Trab. Ich ließ die Zügel hangen ; ich wollte doch sehen, wohin es der taglichen Ge wohnheit nach, seines Lauf nehmen würde. Räch ein paar Minuten hielt die Liese vor einem kleinen udikerkeller -an. Das ist doch kein Kunde von uns ?" fragte ich den Gesellen. Rein", antwortete er ganz verlegen, .ich trinke hier nur manchmal eine kleine Weiöe." . So? Manchmal? Und doch weiß das Pferd ganz genau, daß es hier an zuhalten hat? Ra, dann vollen wir jetzt mal zusammen eine trinken !"
Der Geselle wurde blaß wie dieWand. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Wir traten in den Keller. Den Gesellen sixirte ich scharf. Ich bemerkte dabei, daß er dem Budiker ein Zeichen machen wollte. , Ich komme heut mal selbst, Herr Lehmann", sagte ich rasch und in ganz unverfänglichem Tone. Wieviel werden Sie denn brauchen V Ra. wie gewöhnlich, fünf Pfund war die unbefangene Antwort. Hole es mal' rein!" sagte ich zu dem zitternd dastehenden Gesellen. Wir traten alle drei hinaus an den Wagen. Der Budiker traf persönlich und zwar mit einer Sicherheit, die aus lange Uebung schließen ließ, seine Auswahl. Dann bezahlte er. Aber natürlich nicht den Preis, den das Fleisch sonst bei mir kostet, sondern etwa zwei Drittel dcssel ben. Soll ich morgen wieder kommen ?" fragte ich. Natürlich ! Ich bin ja dochStammkünde bei Ihnen! Liefern Sie mir nur weiter so gute Waare zn so billigen Preisen, dann können Sie immer sicher auf mich rechnen." Der Mann handelt? offenbar in gutem Glauben. .Wie verließen den Keller. Nun, Franz", sagte ich, als wir draußen waren, zu dem ganz geknickt dastehenden Gesellen, das ist ja eine saubere Geschichte !" Ja, ich wech nicht", stotterte der arme Sünder, ich lieferte das Geld immer richtig an den Werlsührer ab, aber der Werk " Was soll ich Ihnen weiter erzählen? Das Uebrige können Sie sich ja denken. Wir setzten uns zunächst wieder auf den Wagen und führten unsere Tour weiter aus. Die Liese trabte, sich selbst über lassen, aus freien Stücken dahin, wohin gelenkt zn werden sie sntJ ihren gewöhnt war. Aus diese Weise entdeckte ich, daß auf jeden Kw.den, der mir als solcher bekannt war, mindestens noch einer kam, von dem ich Nichts wußte und an wclchen mein Mosjeh Wertführer im EinVerständniß mit dem übrigen Personal meine Waare geliefert hatte, wofür er das Geld natürlich in seine und seiner Helfershelfer Taschen siedle. Niemand anders als meine Liese hatte es an den Tag gebracht. Selbstverständlich zwang ich die Spitzbubenbande, mir meinen Schaden, zum größten Theil wenigstens, zu ersetzen Aber ohne die Liese wäre ich vielleicht ein Bett!:r. Sehen Sie es nun ein, daß ich bei meiner Wohnung Haupt sächlich auf einen ausgezeichneten Pferdestall zu achten hade? Diese Liese hat's wahrhoflig redlich um mich verdient." Von der Zeit an besuchte ich den alten Herrn nie wieder, ohne der Liese ein Stück Zucker mitzunehmen.
Daö anatomische Examen. HumoreSle vsn Dt.J. vZus?. Jetzt mußte sie in den Lichtkreis der Straßenlaterne treten. Erhalte du'.en Moment geschickt ausgenützt und :oar entschloss'n, bei der ersten günstigen raingetegenheit ihr Arm und Geleit?" anzutragen. Das Kappchen, da? er trug, ließ sie mit Schrecken einen Studenten in ihm erkennen und benahm ihr voll:nds jede Hoffnung'aus Befreiung von ihm, denn auch ibr Weg führte in's Studentenvier tel. Immer mehr beschleunigte sie ihre Schritte, doch iarmer näher kam ihr der Verfolger. Jetzt glaubte er den richtigen Moment gekommen und trat rasch vor. Eilen Sie doch nicht so, schönes Kind." Fast atheml's stürmte sie weiter, und als er nun gar die Kühnheit hatte, ihre 5)and zu ergreifen, schrie sie laut auf. In diesem Momente trat aus einem Quergäßchen'ein Mann. Die hohe Ge stalt umhüllte ein altmodischer Rad mantel, ihren Kopf bedeckte ein nicht mehr im Jugendalter stehender Cyinderhut, und ihre Füße staken in Schuhen, die mehr kleinen Nachen als einer Fußbekleidung ähnlich sahen. , Der Neuhinzugekommene hatte die Situation rasch erkannt und beruhigte a$ Mädchen, das sich unwillkürlich wie hilfesuchend zu ihm gewendet hatte. Sind Sie ruNg. liebes Kind ! Der junge Herr thut Ihnen nichts sehen Sie. er geht schon fort Wirklich hatte der Verfolger beim An blick der sonderbaren Gestalt rasch Reiß aus genommen. ' Das Mädcken athmete auf und dankte in bewegten Worten ihrem unbekannten Retter. Gar so groß war Ihre Gefahr nicht," lächelte er, doch jetzt sagen Sie mir, wobin 'Sie gehen, vielleicht habe ich noch Zeit genug, Sie an Ihren Bestimmungs ort zu bringen." Ich gehe in die alte Gewehrfabrik," antwortete das Mädchen nach einigem Zögern. Er blieb überrascht stehen. In die alte Gewehrfabrick? Da haben wir ja den gleichen Weg ! Sie wagen sich ja direkt in die Löwenhöhle." Wie meinen Sie das?" . In der Gewehrfabrik befindet sich ein Theil der medicinischen Hörfäle und da treffen Sie zu jeder Zeit solche böse Studenten, wie den von vorhin !" Ich suche dort auch einen Stuben ten." Ah!" Der Alte war enttäuscht. Sollte er dem einen Studenten nur das Abenteuer verdorben haben, um einem andern das Schätzchen sicher zum Ren dezvous zu geleiten. Sie mochte dieses Ah!" verstanden haben, denn rasch fuhr sie fort : Bitte, denken Sie nichts Schlimmes von mir; mein B.äutigam hat heute in der Gewihcfabrik seine Prüfungen und da will ich die Erste sein, um ihm zu gra tulircn." Das Gesicht des Alten klärte sich auf. Sind Sie seines Erfolges so sicher V fragte er. Gewiß! Mein Otto ist der bravste und tüchtigste Student und wenn er kein Malheur hat, so wird sein Examen ge wiß ein glänzendes sein." Malheur? Wj3 kann es da für Malheur geben, wenn man gut vorbe reitet ist?" Was für Malheur?" lachte sie im Tone des Besserwiffen, da kennen Sie
die Profefsoren schlecht, sind die nicht gut gelaunt, da nützt alles Wissen nichts !" WaS Sie nicht sagen !" Da ist besor-derS der Professor Hyrtl ; als Lehrer vergöttern ihn die Studenten, aber als Prüfer fürchten sie ihn wie den leibhaftigen Satan !" So-o!" Der gibt den Studenten zuweilen Fragen, die gar nicht im Buche vorkom men, die sie ganz pzrplex machen; dann stehen sie da, wie Die Ochsen," lachte der Alte. Das Mädchen warf ihm einen ver nichtenden Blick zu suhr aber fort : ' Mein Otto würde dem Allen ruhig entgegensehen, wenn nicht gar so viel für uns auf dem Spiele stund?." Wie denn das, mein Kind ?" Otto, der meine Brüder unterricbtet, ist arm, und mein Vater hat seine Em willigung zu unserer Verbindung nur unter der Bedingung gegeben, daß O'to seine Prüfungen glänzend besteht Jetzt denken Sie, wenn unser ganzes Lebens glück durch die schlechte Laune eines Profcssors in Frage gestellt würde." Unter diesem Gespräche hatten sie die Gewehrfabrik erreichtund der Alte, der im Hause Bescheid wußte, zeigte dem Mädchen, jeden Dank lächelnd abweh rend, die Thür, aus der der Prüfung? candidat herauskommen müsse. Er selbst verschwand durch einen Seitengang des weitläufigen Gebäudes. Unterdessen hatte Otto Reinmann aus den meisten Prüfungsgegenständen seine Thesen in glänzender Weise erledigt und sah nun mit ziemlicher Ruhe der Prü fung aus dem letzten Gegenstande ent gegen. I tzt erschien Prostssor Hyrtl im
Saale, und fem Blick traf den Eandt' daten. Otto fühlte, wie alle seine Zu versicht unter der Einwirkung dieser stahlscharfen Augen schmolz. In diesem Augenblicke wäre ihm sein ganzes ana tomisches Wissen um einen Spottpreis feil gewesen. Hyrll nahnl.seinen Platz ein und blickte in das vor ihm liegende Prüsungsproto coll. Hm, hm," brummte er. Sie haben ja recht gute Noten, Herr Candidat. die Professoren scheinen mit Ihnen recht gnädig gewesen zu sein." . Das Blut schoß dem Studenten in's Gcsicht. er sah sich verloren. Eine G: genrede auf diese hämische Bemerkung konnte Alles nur verschlimmern. Ade Zukunft, ade Louise, dachte er, während der Schweiß ihm auf die Stirne trat. Der Professor begann : Sagen Sie mir, Herr Candidat hier legte sich sein Gcsicht in tiefernste Falten , wenn Sie unverhofft eine Jznen seh? theure Person, eine Mutter, eine Schwester eine Braut treffen und sie in ihrer Freude recht herzlich lösten, welche Muskeln setzen Sie dabei in Be wegung?" Es war nichts Seltenes, daß Hyrtl derlei Fragen stellte, und so machte sich O:t oohne Erstaunen an die Beantwortung der Frage. Einen Gesichtsmuskelnach dem andern der ben Kusse in Action tretenden nannte er, dock immer weniger zufrieden zeigte sich der Prüfer. Nun wußte er keinen mehr, doch der Prüfer drängt: Kennen Sie keinen mehr den Sie bei der genannten Action inBewe?unq setzen können? Keinen!" gab Otto mit tonloser Stimme zurück. . Das bedaure ich, Herr Candidat ; ich laste Ihnen jedoch bis morgen Be denkzeit, finden Sie die Antwort nicht. so stnd Sre gefallen." Also sprechend erhob sich der Prosestor und verließ den Saal. Wankenden Schrittes trat Otto in den Vorsaal. Er überdachte seine Situation. Louise ist sür mich verloren," war sein erster, sein einziger Gedanke. Er trat hinaus in den Corridor, da stand ste mit dem Ausdruck der höchsten Spannung im holden Antlitz. Seiner nicht mächtig, schlug Otto seine Arme um sie und drückte einen heißen, langen Kl.ß aus ihre Lippen, vlellercht den letzten. Otto, du erdrückst mich schier, und da kommt Jemand," wehrte sie rhm. Otto fuhr auf Profestor Hyrtl stand vor lbm. nur mit Mühe em Lächeln un terdrückend. Herr Candidat, fragen Sie doch das Fräulern, welche Muskeln Sie außer den Gesichtsmuskeln bei Ihrem Kusse noch in Bewegung gesetzt haben !" Otto's Augen leuchteten hell aus : Die Armmuskeln. Herr Professor ! Na, versteht sich!" schmunzelte der .Prosestor. Mein Bealeiter," stammelte Louise, indem helle Nöthe ihr Gesicht überflog. Ja, Ihr Begleiter," erwiderte Hyrtl, ihrdie Hand reichend, den Sie jetzt nicht mehr brauchen, da Sie nun für einen alten Prosestor einen jungen Doctor zur Begleitung haben." Einige Monate später war Hochzeit, und obenan oerm Hochzeltömahle saß der Prosestor der Anatomie. DaS Sttsemädchkn. (Iu8 dem Französischen.) Die kleine Jacqueline war eine Waise. Ihr Vater war Pferdeknecht gewesen bei Bmcent Jacotot; eines Tages fuhr ihm ein Wagen über die Brust und er starb daran. Auch dte Mutter, die arme kranke Frau, die der harte Vincent in strengster Kalte vor die Thür gesetzt, weil sie ihren . ZinS nicht mehr zahlen konnte, war elend zu Grunde gegangen, denn sie starb im wahren Sinne des Wortes auf der Straße, in den Armen mitleidiger Bauern, die sie bei sich auf nehmen wollten. So war das kleine Mädchen eine Waise geworden, und Vincent that, weil Alles im Dorfe ge gen ihn aufgebracht war, ein gutes Werk und nahm das Kmd zu sich in5 HauS. Sie mußte die Gänse hüten, und darum heißt die Geschichte: Das Gansemäd. chen. Die Kleine hatte es nicht gut bei dem bösen Manne. Doch es war noch der Alte im Hause, Vincent's greiser Vater, ein hilfloser, uralter Mann, der dem Sohne seine ganze Habe gegeben hatte, und nun, da er immer noch nicht sterben wollte, gesüttert werden mußte. Der arme Alte ward der Freund der Kleinen, denn sie alleinnahm sich seiner an, machte
ihm seine Suppe, wenn sie mit ihren '
Gänsen heimgekommen, und während er aß, hockte sie vor ihm, Knie an Knie, hielt ihm die Schüstel und plauderte. O, er hatte sie neb, und ost, wenn Bin cent das kleine Mädchen schlagen wollte, stürzte der Alte hervor, wurde einenMoment wieder der riesenstarke Bauer, der den Sohn einst mit eiserner Faust zum Gehorsam gezwungen hatte, und dann kroch er wieder zurück in seinen Winkel und lallte xon ein Kind, der arme, alte Mann ! Die kleine Jacqueline hatte noch einen anderen Freunds doch der war jung, wie sie selbst; aber nicht so arm. Es war Pierre, der Sohn des reichen Müllers Modin. Emes Tages, da Pierre, aus dem Religionsunterrichte stürmend, die Kleine, die in einer Ecke des Kirchhofes bei zerfallenen Gräbern kniete, fast um gerannt, rief sie dem lärmenden Buden zu : Sei ruhig, dort schlafen sie," und sie deutete aus di Grabhügel, unter welchen ihre Eltern ruhten. Der Anblick des kleinen Gänsemäd'chenS mit den roth gemeinten Augen und den wund ge schlagenen Aermchen, das da so allein in seinem Winkel hockte und für die tobten Eltern betete, rührte Pierre, der ein braver Junge war, und an jenem Tage wurden sie gute Kameraden mite'man der. Ostmals, wenn er sie trostlos sand, sagteer: Komm zu uns. Du wirst es besser haben !" Aber Jacqueline mochte nicht zu dem reichen Müller gehen, der Pierre's Vater war; und dann, wer hätte dem Alten seine Suppe gemacht und sein Lager bergerichiet? Nein, sie durste den alten Mann nicht verlassen ! Oh, wenn ich groß sein werde." rief Pierre, dann werde ich Dich vertheidigen u Und er wurde groß. Als er zurückkam aus derMusterfarm, wo er di: Landwirthschaft erlernt, war er bereits ein Mann. Aber Jacqueline drückte sich, als sie ihn, der so gar nicht wie die anderen Bauern aussah, zum ersten Male wiedersah, verschämt zur Seite. Die Arme ! Sie war wohl ein hübsches Mädchen geworden, aber ste war so sehr arm ! Und der stolze Müller wollte eine der reichen Töchter deS Bür gcrmeisters zur Schwiegertochter. Jacqueline, eine Bettlerin, nimmer mehr!" rief er laut scheltend seinem Sohne zu; er wußte nicht, daß das arme Mädchen ihn horte. Und seitdem mied Jacqueline ihren Jugendfreund, und nirgends fand er sie und ob er ihr auch nachstellte und sie suchte, sie wußte ihm inmer zu entkom men. Doch eines Tages, da konnte sie ihm nicht mehr entrinnen, und Pierre stand vor ihr und hielt ihre Hand und fragte, was mit ihr sei? Ob, nichts ist mit mir ! Und er wollte wissen, ob sie ihn noch liebe denn er liebte sie sehr, der brave Junge und ob sie sein Weib werden wolle ? Und er neigle sich zu ihr und sast berührten ihre Lippen einander. Sein Weib !" es durchrieselte sie. .Dann wand sie sich los : es war ja nicht möglich ! Warum nicht möglich? Liebte sie einen Andern? Er drängte und fragte und bat. Vielleicht ja!" Mit dem jähen Wort zerriß sie den Traum dieser unseligen Liebe, die ihr so viel Herzleid gemacht. Pierre, der arme Junge, stürzte davon. Aber er wollte keine Andere; das Madchen ging ihm nicht aus dem Kopf. Da mann nimmt es mit so einem armen Ding nicht gar zu genau wird das Gerücht ausaesprengt, sie sei Bincent's Geliebte. Pierre erfährt es aus dem Mund des eigenen Vaters. Es war um die Zeit, da der Krieg begann, die Burschen zogen in's Feld. Sie umwachte ihn ängstlich, verfolgte ihn auf Schritt und Tritt ; endlich, ob er auch dieBegegnung vermieden, wie er gekonnt endlich, nahe der Kirchhossmauer überraschle sie ihn : Ob er auch fortziehen wolle ? Er solle doch bleiben ! Was machi's denn ihr !" entgegnete er finster, da ja der bleibt, den ste liebt." Sie weiß nicht, wovon er spricht, weiß nicht, warum er ihr gar so rauh begeg net. Oh, es klingt hart, wie er, auf die Gräber deutend, ruft: Dort schlafen sie. Du weißt es. Soll ich ihr Kind an ihrem Grabe erröthen machen?" E5 brachen ihnen fast die Herzen, wie ste sich einander die bitteren Worte sag ten. Jedes von heimlicher Liebe ver zehrt und doch voll Groll die Brust. Er, weil er ste mit schmachvoller Schuld beladen wähnte, und sie, weil er gar so hart mit ihr sein konnte und gar so erbarmungsloS. So quälten ste sich, und ihre Herzen bluteten, und ihre Seelen suchten einander und fanden sich nicht. Vincent, der vorüber fährt, findet, daß die Fama, die ihm das schöne Mädchen angedichtet, eigentlich mehr Geschmack gehabt, wie er, und er trachtet. das Versäumte nachzuholen. Doch, wie er emst, des Weines voll, die lerne bezwingen will, tritt der Alte wie ein Gespenst dazwischen. Jacqueline ist gerettet. Sie verläßt das HauS. Und der Feind dringt in's Land und beseht das Dorf. Alles greift zu den Waffen. Es war eine legitime Gegenwehr, aber es war kein regelrechterKrieg. den diese Francs-Tireurs führten, und der Feind war streng mit den zerstreuten Haufen, die ihn neckten und ihm aus heimlichen Hinterhalt manchen Soldaten abschosten. Wo sind sie?" riefen die erzürnten Sieger und drohten, das Dorf - - rv r zu zeruoren. und rncenr, um seinen Nebenbuhler Pierre zu verderben und sein Haus zu retten, verräth den kleinen Trupp, der sich abseits in den Bergen verst:ckt hält. Doch die Liebe sollte sie retten. Der alte Jacot.ot verständigt Jacqueline, sie schleicht zum Geliebten, und nie sie spä ter in's Dorf zurückkommt, so hat der CV -!v 5 sv t n . Oino Mit Allem auq oie cuyie zrruorr, Pierre ist ebenso arm, wie seme Braut, das Gänsemädchen, und sie darf ihn lieben, ohne zu erröthen. Ernst Ziegler. Das Gähnen. Der Act des Gähnens hat von jeher die Aufmerkfamkelt der Phynologen er regt. Er ist jedoch ein so complicirter Vorgang, daß man bisher Nicht wett
über die Beobachtung der begleitenden Erscheinungen hinausgekommen ist. Auch die nachfolgenden Betrachtungen erheben
keinen höheren Anspruch, als Einiges zum Verstandn'ß des Vorganges beizu tragen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit mit großer Spannung auf irgend etwas rich ten, nach etwas hinhorchen, so halten wir unwillkürlich den Athem an oder athmen wenigstens flacher; ist die Spannung vorüber, so tritt gleich darauf eine tiefe Inspiration em. Dasselbe ist der Fall, wenn wir den Athem absichtlich anhalten, wenn wir imWaffer untektauchen, wenn wir m einem Zuge eme grökere Menge Flüßigkeit trinken : nach dem Absetzen des Trinkaefänes athmen wir nicht in dem früheren Tempo, sondern tief aus voller Lunge, weil wir während des Trinkens nicht athmen konnten. In den angeführten Beispielen war es die Lunge allein, welche vorübergehend außer Action gesetzt war, und darum zeigt sie allein eine erhöhte Thätigkeit ; die Muskeln hingegen hatten wayrcnd dieser Zeit geruht, haben also auch nichts nachzuholen. Wenn wir uns aber in einer Gesellschaft langweilen, d. h. wenn wir uns durch längere Zeit geistig und körperlich still verhalten, so stellt sich eine verlangsamte Blutcirculation ein, wir athmen allmälig seltener und flacher ; die Muskeln, die Weise, die anderen Muskeln ruhen fast ganz, und bei ungestörter Ruhe würden wir einschlafen. Wenn das aber nicht derFall ist. sondcrn gleichsam Momente des Aufrasfens stch einstellen,so werden in solchen die genannten Organe si5) ihrer Unthatigteit bewußt und sind nun bestrebt, daö Ver säumte durch rasche und erhöhte Thätigseit zu ersetzen, das heißt,wir machen eine tiefe Inspiration und eine dieser entsprechende Exspiration. Daß hier im Gegensatze zu den früheren Beispielen zu gleicher Zeit auch der Mund ad maxi rnuiri geöffnet wird und die Gesichtsmuskeln sich contrahiren, geschieht nicht blos der leichteren I ispiration wegen, denn zu einer solchen JnspirationsAnstrengung liegt ja absolut keine Beran laffung vor. sondern w:il auch die Muskeln dasselbe Bedürfniß der Thätigkeit nach längerer Nuhe haben. Dem entsprechend sehen wir auch, daß mit dem Mahnen, wenn es nicht behindert durch gesellschaftliche Rücksichten, sondern recht 0011 nrriors ausgeführt wird, einRecken und Strecken des ganzen Körpers, d. h. eine Thätigkeit aller in Ruhe gewesenen Muskeln mit einhergeht. Nach einem länger andauernden erquickenden Schlafe treten alle, diese Erscheinungcn ebenfalls auf, und das kann gewiß als Vorweis dafür angeführt werden, daß das Gähnen keineErschlaffungS Erscheinung ist. Während des Schlafes gähnen wir nicht, weil das Bedürfniß danach uns nicht zumBewußtfein kommt; dasselbe ist auch nicht so intensiv, daß es im Stande wäre, uns aus dem Schlaf zu erwecken. Erst im Moment des ErWachens fühlen, wir es und kommen ihm nach. Die Ruhe der Muskeln, die mit derfelbeu inVerbindung stehende und durchdieselbe theilweise bedingte Verlangsamung der Blutcirculation, die ungenügende Thätigkeit der Lungen geben zum Gähnen Veranlassung. Die Versuche von Vierord haben gezeigt, daffdU Ausscheidung der Kohlensaure stnkt, je länger sich die Lust in den Lungen aushält und je mehr Kohlensäure dieselbe schon früher empfangen hat. . Es sindet also bei verlangsamter Blutcirculation, bei flachen und seltenen Athemzügen (Momente, die. wie bemerkt, dem Gähnen vorangehen) eine relative Anhäufung von Kohlensäure statt. Da aber diese bekanntlich ungeeignet ist, das Athmen zu unterhalten, vom Blute begierig auf genommen wird und die Umwandlung desselben zu einer die Theile belebenden und ernährenden Flüstigkeit hindert, so kann man das Gähnen auffasten alö- den sichtbaren Ausdruck für das Bestreben des Organismus, sich der Kohlensäure zu erwehren. Zwischen derAnstrengung. die der Körper macht bei der Erstickung, und zwischen dem Gähnen, ist wohl ein immenser gradueller, aber - kein wesent licher Unterschied. Verschieden von diesem Gähnen ist jeneS, welches sich einstellt, wenn man Jemanden gähnen sieht, vom Gähnen sprechen hört oder einen Aufsatz über das selbe liest. Ein analoges reflcctorischeS Verhalten findet man auch bei anderen Organen und ist bei allen auf direkten Nerveneinfluß zurückzuführen. Bemerkenswerth ist, daß ein bestimmt ausgesprochenes Gähnen nicht allen Thieren höherer Ordnung eigen zu sein scheint. Bei einigen Fleischfressern (Hund, Katze, LSme.Tiger) kann man es sehr häustz wahrnehmen ; bei Pflanzenfrestern sieht man wohl auch manchmal einStrecken des Halses mit gleichzeitigen Oeffaen des Mundes, was als Gähnen gedeutet werden kann, aber so ausgpragt daß eine andere Deutung nicht möglich wäre, ist es nicht. Dr. J. öl. L. Der ttasseepilz. WaS da gemeldet ist worden. Mit Grauen und Sch. ecken erfüllt's : Auf Ceylon und Java erschienen Ist plötzlich der Kaffeepilz. 0 Der hat zu den Fidschi-Jnseln Den Weg zu gut nur gekannt, Dort hat man. um ihn zu vernichten. Mit ihm die Felder verbrannt. Es hätten wohl alle Plantagen Die Plage sich ausgesackt. Hätt' man nicht gewistermaßen Den Pilz bei den Hörnern gepackt. Ibr Kaffeeschwestern und Brüder, Stoßt an mit den Tasten vergnügt. Es scheint die Gefahr vorüber. Der Moccapilz ist besiegt. Doch ach, eS drohen noch immer Die schlimmeren Feinde, o weh ! ' Nicht Pilze sind es, doch Menschen, Die kochen den Blümchenkaffee. Dem Vergißmeinnicht der Liebe entspricht daö Vergiß D i ch nicht deS
Verstandes.
Zwei Worte.
Im Saale schwirrt und wallt der Gäste Menge, Gespräch, Geplauder, Witze, Scherz und vpiel. Noch sind der letzten Polka Hüpfeklänge Im Ohre nicht verrauscht, noch fast zu viel Für strenge Mutter Augen wogt die Enge Der zarten Mieder, die, das allerletzte Ziel, Der Gardedamen Sitzplatz, noch imWeiten. An ihrer Tänzer Arm im Saale schrei ten. Wer ist'S, derdorten,so gedankenschwan6, Einsam, wie ein betrunkener Comet, Und mit dem Antlitz kühn und wieder banger. Bald taumelt, bald den Ofen stützend leylk Ist'S ein Poet, und sinnet Heldensang er Und ist's Begeisterung, die ihn u.nweht? Ja wohl, die Muse zählt ihn zu den Ihren, Er sann und sinnt, wie heute zu toastie ren. Schon hat er, was er braucht, um hie: zu glänzen. Nur niederschreiben muß er's vor dem Mahl, Denn leicht kann heute sein Gedächtniß schwänzen Wie er geschwänzet neun und neunzig mal. Und anstatt Jubelrufs und Lorbeerkränzen Sein Pech bereiten ihm ein Funeral: Er weiß und werthei's wie ein wahrer Weiser Und wandelt jetzo pomphaft wie ein Kaiser Hin durch den Saal, bis er des Hauses Tochter Für einen Augenblick allein erspäht. Ach ! was er für sie fühlte, nie vermocht' er Es noch zu sagen, doch er hofft, sie geht Ihm leicht in's Netz. Aus feine Gaben pocht er. Aus Phöbus' Geist, dft strahlend ihn umweht. Und heute vor den versentzückten Leuten Mit Einem Schlag ihr Herz ihm soll erbeuten. . . . Er tritt vor sie so tritt zur Heroine Der Held im Trauerspiel und spricht sie an : Zwei Worte nur, die er mit Göttermiene In diesem Augenblicke lispeln kann, -Zwei Worte spricht er nur zu der Blon dine, Sie sagen Alles, was sein Geist jetzt sann. Den einz'gen Wunsch, den jetzo kühlt sein Herze ; Die Worte lauten: Schnell Papier und Kerze !" Er sprach c5 aus des Mädchens Augen starren Auf unsern Ritter von dem Pegasus, Als hielt er schon nach dem Palast der Narren Im Bügel seines Hippogryphs den Fuß. Doch läßt sie ihn umsonst der Antwort harren ; Mit feuerrothen Wangen, ohne Gruß Und lautlos flüchtet sie die Saalespforte Hinaus all ein der Heros bleibt am Orte. Und sieh ! ein Diener kömmt, und seinem Winke, Der voll Bedeutung, folgt der Held und geht ; Der Diener drückt an einer. Thüre Klinke Und holt dort eine Kerze. .Sie versteht, Sie fühlt's", so rust derMusensohn, ich trinke AuS HippokrenenS Quell sie weiß, es weht Um mich ein Hauch auS überirdischen Landen Sie schickt den Diener, sie hat mich ver' standen. Der Diener geht und trägt voran die Helle; Ein süßer Leitstern, ihm von ihr gesandt. Führt er den Guten zur verborgnen - Schwelle: Hier wird er dichten, hinter dieserWand! Der Diener öffnet, reicht das Licht und schnelle Verschwindet er kein Zeuge sei zur Hand ! Denn, wo das war, verschweig: die Geschichte Doch aller Traum und Hoffnung ward zunichte. Auf der Suche nach der wirksamsten Reklame gerieht ein reich gewordener Fincnzler auf den Gedanken, seine Wohnung elektrisch beleuchten zn lasten und bei dieser neuen glänzenden Beleuchtung einen großen Ball in den zahlreichen, prächtigen Räumen seines Hauses zu geben. Die Ausführung des Gedankens kostete 20,000 Gulden. Der Bankier wohnt zwar in einer Stadt, die deutsch ist, aber dort herrscht doch die Gulden-Währung. Der Kostenpunkt genirte indeß nicht, er erreichte sein Ziel, die ganze Residenz sprach einen ganzen Tag lang von der elektrisch beleuchteten Privatwohnung desHerrn M., und selbst die Journale berichten darüber und übe, den glänzenden Ball. Allein mit des Geschickes Mächten :c, Herr M., mußte zu seinem Entsetzen in einem Zeitungsbericht über seinen großen Ball U' sen : In dem taghell be.euchteten Speisesalon standen auf der reichen Tafel beim Souper Salzfässer von Parvenuto Cellini, und den ebenfalls crschienenen weltberühmten Millionär R. em psing Herr M. in seinem pumpjani'
schen Gemach. Gutsbesitzerin : .Auf diesen hohen Bergen wächst so herrliches Getreide, und doch haben wir hier kein anderes Vieh als Ziegen noch gesehen; wie schafft Ihr denn da den Dünger hinaus V Führer: .Du.ch'Z Blasröhrl
Zwei Könige. Berliner Blätter frischen folgende
Anekdote auS dem Leben Friedrichs des Großen auf: Friedrich der Große pflegte in den früheren Jahren seiner Regie. rungSzcit während des Carnevals fast jedesmal die sogenannten Redouten zu besuchen. Es wurden dann daselbst aus seine Kosten knehrere Tafeln servirt, eine sür ihn selbst ,,nd die königliche Familie; eine sü." vornehme Personen und dann noch einige sür die geringeren sianoe. s war aber Vorschrift, daß sich jeder an diesen Tafeln entlarven mußte, damit sich nicht ein Unberufener einschliche. Auf einer dieser Rcdouten, erzählt der Bär", wurde der König an seiner Tafel einen Mann gewahr, der einen rothen Domino trug. Neugierig geworden, ließ der Monarcb den wachthabenden Offizier rufen und trug ihm auf, sich zu erkundigen, wer der Fremde sei. Der Ossizier näherte sich dem Unbekannten und fragte: .Mein . r - ' . " . verr, wer nno öu r .Und wer stnd Sie V entgegnete der Fremde. .Ich bin Va Q!...i. cn m n. - un icuicnuiii v. jUslNN vln lä) mehr als Sie." Der Ossizier meldete sich bei dem Könige und erzählte den Vorgang, pikier tcdlckte nun seinen Adjutanten, einen Mojor, mit derselben raat ab. Aber auch dieser erbielt die selbe Antwort. Der Major meldete, ehe er zum König ging, dies dem Gou verneur. Nun ging dieser hin und t agle: .wagen Sie mir, wer Sie sind .Sagen Sie mir erst, wer Sie sind?" .Ich bin der Gouverneur von Berlin." .So bin ich mehr als Sie." Dies hörte der Prinz von Preußen,
der nicht wett davon entfernt stand, und sagte zu dem Gouverneur: .Lassen Sie mich mal hingehen, hoffentlich wird der unverschämte Mensch mir doch Rede ste hen." Gesagt, gethan; der Prinz ging bin und fragte : .Hören Sie mal, mein Herr, ich will jetzt wissen, wer Sie stnd." .Und ich will erst wissen, wer Sie stnd." .Ich bin der Prinz von Preu ßen." .Sfcbm ich auch mehr als Ew. Königliche Hoheit." Der rinz meldete dies dem Könige. Friedrich erhob sich, sah den Räthselhasten mit seinen Flam mencrugen an und fragte in scharfem Ton: .Wer ist E,?" -.Ew. Majestät halten zu Gnaden, ich bin der Schützen könig von Bernou." Bei dieser drolli gen Antwort verzog stch Friedrichs Miene zu einem leichten Lächeln und, indem er nch wieder niedersekte, winkte er dem Schützenkönige, der sich nun schleunigst aus dem Staube machen wollte, freundlich mit der Hand und rief ihm zu : .Bleib Er hier und eß Er sich erst satt!" Ein seltsamer Eyeschcidungöprozeb schwebt schon seit längerer Zeit zwischen Pa:is und Madrid, ein Prozeß, welcher, eine der ersten und angesehensten Fami lien Spaniens, nämlich diejenige des Marschalls Serrano, Herzog de laTorre betreffend, neuerdings um so größeres Aufsehen erregt, als die kürzlich darüber veröffentlichten Enthüllungen sehr heikler Naiur sind. Nachstehend nur einige Mittheilungen nach spanischen Blättern, welche dieser sensationellen Affaire täglich mehrere Spillen widmen. Der Marschall Serrano hat einen Sohn und eine Tochter. Letztere war mit einem jungen Kubaner, Namens Martinez Campos verlobt und ihr Bruder San Antonio sollte, wie es scheint, nach dem Wunsche der Familie Serrano, die Schwester von Martinez Campos, Don na Mercedes, heirathen. Die jungen Leute lernten sich bei einem gemeinschastliehen Ausenthalt beider Familien in Biarritz kennen. Obschon nun Donna Mercedes, ein schönes junges Madchen und Erbin von circa sünf Millionen Franken, für ihren nachmaligen Gatten durchaus keine Zuneigung fühlte, fand ihre eheliche Verbindung mit Graf San Antonio balo darauf (1880) in Paris, dem Domizil der Braut, statt laut Mittheilungen einerseits lediglich in Folge einer Pression durch die Familie Secrano, welche ihre Zustimmung zu der einen Ehe nur geben wollte, wenn auch die andere zu Stande käme, eine Be hauptung, die jedoch von betheiligter Seile bepritten wird. Nach einiger Zeit nun trennte sich Donna Mercedes von ihrem Gatten und stellte den Antrag auf Ehescheidung, weil Gras San Antonio eines je5.er Wesen sei, die keinem Ge schlecht angehören. Der Prozeß zog sich in die Länge, denn die Familie Serrauo versuche begreiflicherweise die Angelegen heit im Guten auszugleichen und jedes öffentliche Aussehen zu vermeiden. Für ihren Lebensunterhalt waren der jungen Frau zuerst monatlich 3000 Franken, dann aber, als man sah, daß sie bestän dig von geldgierigen Leuten umgeben war, nur 2 ö00 Frunken ausgesetzt. In zwischen hat sich das französische Tribunal für inccmpelent erklärt, über den Fall zu enifcheiden, und die Klägerin zur Tragung der Prozeßkosten, verur theilt. Die Angelegenheit dürfte mithin vor die spanischen Gerichte kommen. Die umfangreichen und zum Theil sehr un erquicklichen Enthüllungen sind zunächst in einer von D. Luis Carreräs verfaßten Broschür? rcröffentlicht worden. Darauf erschien eine Gegenschrift von Gras San Antonio und D. Juan Chinchilla, in welcher die Genannten versuchen, die Anschuldigungen zu widerlegen. m i Heira ths-Bermit tlung. .Aaron,ich weiß sür Dich e' Parthie. Bevor ich aber ste Dir rekommandir', möcht' ich wissen, was für Vorzüg' daS Mädel besitzen muß m&a$ Erste: scheu muß sie sein !" .Und dann .Hübsch und musikalisch muß sie sein l" .Sonst nix?' .Wie haißt sonst nix? Reich muß sie sein !" .Dann is se ver rückt, wenn se Dich heirath'!" Ver rückt.dars se seln!" Einspruch. Da liest man immer : .Der oderJener war das Kind armer aber ehrlicher El lern." Das versteht sich ja von selbst; denn eben weil sie ehrlich waren, sind sie arm geblieben; nie hade ich aber gelesen: .Es war ein Kind reicher aber ehrlicher Eltern", und da wär's doch viel noth wendiger, denn da versteht's sich nicht immer von selbst. Ein arme? Familienvater.
