Indiana Tribüne, Volume 6, Number 193, Indianapolis, Marion County, 1 April 1883 — Page 3
WmtersüSrt durH Srun- . öündten.
Don Nlfd Meißner. Ueber dem" Bodenseegeblete liegt der Nebel weiß, eintönig und verhüllt dem Blicke die mächtige Sentiökette. Selbst die Appenzeller Vorberge sehen nur wie durch einen Schleier herüber, kaum daß man erkennen kann, was Wald, was Wiesenabhang. Sckon seit Wochen dringt die Sonne selbst in den Mittagsstunden nicht durch diesen Vorhang und ist nur w'e ein O-.lflick auf einem weißen Bogen Papier zu sehen. Das ist nun einmal die unselige Eigenschast des Winters in der Nähe großer, ausaedehn jer Wasserflächen. Bis in das Rhein thal dringt da? Nebelmeer. Das alte schwarze Feldkirch in seiner Felsenge ist ganz in einer wüsten Dunstschicht ver funken; wie ein Felsenriff aus einem Binnensee taucht die alte Montsort'sche Schaltenburg empor und entzieht sich so fort dem Bllcke. Naßkalte dringt durch die dicksten K.eidcr und mißmuthig schaut der Neisende auZ der Coupe'Elje auf die einförmige Fläche, die ihn rechts und links mit tannenbewaldeten mächtigen Bergen einschließt. In Bnchs ist man in einem weiten, weiten Bogen auf die Schweizer Seite gekommen. Es hellt sich ein wenig auf. Das uralte Städtchen Werdenberg und der mächtige Würfel dabei, das Stamm schloß der ehemaligen Grasen dieses Na mens, blickt von der Höhe herab; hier saß der Sage nach'jener Graf von Wer denberg, der die Prinzessin von Portu gal beirathete. Immer großartiger wird die Gegend. Man besindet sich in einer weiten Thalebene, die von zwei ringe heurcn Höhenzügen, der Alvierkette eincrseits, den drei Schwestern anderer seils eingeschlossen ist. Vaduz mit sei nem Schlosse erscheint, über das ganze Jürstenthum Liechtenstein geht der !8l:cf. Ragaz mit seinen großartigen Neubau ten liegt verwaist da. kaum ein paar Personen in den im Sommer so besuch ten Curorte. Man erkennt den Felsanschnitt der Tamina. an dessen Ende das wunderbare Bad Pfäsfers liegt. Heller und h-ller wird es, die Boden secnebel werden dünner, je Höhe? man den Lihein lz.nauskommt,und so gelangt man gegen Zehn bei Sonnenschein nach Landguert, daS, nur eine kurze Strecke von der alten BisLossstadt Ehur int feint, in einer suim-fucn Ebene daliegt. Hi:r beginnt unsere Reise. Solange es anging, ist der Wagen benützt wor den, jetzt hat man den sechssitzigenKutsch kästen auf die Kufen eines starken Schlittens ges:ht. Vier Pferde werden vorgespannt. Ändere gewöhnliche schift ten ersetzen die Beiwagen. Der Con ductkuc'ist ein Füns.iger, sein wetterge bräuntcs Gesicht ist das eines alten Condottiere. Beim ersten Blick traut man ihm Besonnenheit und Muth zu. Anstrengungen und Gefahren sind ihm wohlbekannte Dinge. Er ordnet vor sichtig das teuere Gepäck auf der Höhe des KutschkasienS und bringt das schwe rere aus c:n:m Schlitten unter, der dem HauptZchlitten angehängt wird. Wiewohl der Reisende im leichten offenen Schlitten weniger Gefahr läuft, strebt doch Älles, in dem großen Kulschkosten zu kommen. Der Eine schlüpst in seinen Fußsack, der Andere zieht seine Fausthandschuhe und Pclzstiesel an. Der Kutscher si!tt schon auf dem hohen Bocke, der Condu'cteur schwingt sich ihm nach, und fort geht es. Die Kufen knirsch: auf dem noch spärlichen Schnee. Die schnurgerade Straße führt vorerst durch ein ödes, verwüstetes, mit Geröll und magerem Gebüsch bedecktes Gelände, man gelangt nach Grüsch. Die Landschast, bisher sast schneefrei, erhält hier ihr weißes K.cid. Hohe Felstcr rasten steigen empor, bier und dort klebt das letzte Trümmerslück einer Burg am Felsen. Die Straße tritt zwischen enge Fels wände ein. Ein Wasierfall, der über eine ungeheure Wand platt herabgeht, ist ganz erglast. Ueber deren schwarz braune Felsen hangt ein ungeheurer Mantel durchsichtigen Krystalls, von dem Diamant - Fransen herabhängen. Sie blitzen in der Mittagssonne. Einzelne Wellen haben sich in klafterlange Glas säulen verwandelt, die von Wurzeln und niederhängenden Baumasten umrankt sind und jetzt triefen und sunkeln. Je höher'wir steigen, desto höher liegt der Schnee. Die Straße ist bensinderungswürdiz. ein früherer Maulthierund Saumroßstcig, doch und gefahrvoll über Wildbäche und Felsabstürz? ge zogen, ist jetzt zur Kunstttraße geworden, auf der Ammen obne Hinderniß marschiren könnten. Wie lange isi's doch her, daß Albrecht v. Haller schrieb: Ueber die Alpen geht kein Rad l" Un fern Jenatsch begegnet uns die von Da-, vos kommende Post wir können im vollen Laufe aneinander vorüberfahren. Kloster, ein ansehnliches Dors, der Hauptort des Prättigau, wird gegen 4 Uhr erreicht. Wie es doch Menschen gibt, die es in solcher Gegend, wo der Winter fast drei Viertel des Jahres währt, aushalten ! 'Die mit Schindeln .bekleideten Häuser drängen sich aneinan der. wie um es wärmer zu haben, aber wie sollen die kleinen Fenster, die dem Manne an der ArbeitSbank Licht geben wollen, ihren Zweck erfüllen ? Im Som mer allerdings, wenn ringsum Alles grün ist und das Vieh auf den Matten weidet, mag es hier schön sein doch wie lange währt der Sommer ! Jetzt ist Alles weiß; dräuend blicken die schwarzen Fclsgrate auf den weiten Thalgrund nieder von der Ferne schauen die Vermundgletscher in kalter Majestät herüber. Vor dem Gastbause, das zugleich Post ist, halten die Schlitten. Die Pferde rauchen förmlich, der Poflknecht wirft ihnen die Decke über und führt sie in den Stall. Kein Hausknecht erscheint, der Wirth begrüßt uns, man muß sich selbst aus dem Wagen helfen. Außer ein paar Sperlingen, die auf demBrunnen saßen, der eine merkwürdige Stakaktitenbildung zeigt, und die jetzt heranflatt?rn, einige ä. r . ' . m O . orner aulzupiaen, oie aus einem oui terscck gefallen, ist kein Bewohner von Klosters auf der Stre. Wir treten in die niedrigen Gastzim wer ein, von denen das eine zugleich als
Wohnstube dient. Die Wände sind mit dem Holze des Arvenbaumes getäfelt. Der gewaltige Ofen ftFahlt eine freundliche Wärme aus; wir treten sofort an ihn heran, um uns vom Froste einigermaßen zu erholen. Es duftet nach Brat wursten ; auch K.iffee und Warmbier, Wachholder und Cognac kann man ha ben. An einem langen Tische, der fast die ganze Breite der Stube einnimmt, sitzen mehrere Gäste. Einer derselben erzählt von einem Unglücke, das sich auf der Paßhöhe gegen das Schlapinatthal hin zugetragen. Dort, wo der Weg eine plötzlicheWendung macht und ein schwär, zcr Steinhaufen aus dem Schnee hervor ragt, wurden die armenWeiver mit Körben auf dem Rücken erfroren gefunden. Sie wollten mit Schmuggelmaaren nach Gaschuren in'S Oesterreichische. Die Sache erweckt werng Interesse, und der Erzähler stopft sich eine frische Pfeife. Nun ist wieder eingespannt. Welch wackere Pferde. Ihre Augen sind so lebhast, sie bewegen die Obren und ha ben die Nüstern weit geöffnet. Sie wissen, daß sie ein hartes Stück Weges zu bewältigen haben. Und so ist's in der That. J-tzt in gewaltigen Windungen, jcht in kurzem Zickzack geht die St.'aße die Klosterser Stütz hinan, den waldigen Guwwall, welcher Prättigau vom Davos trennt. Endlich, endlich ist man auf der Höhe. Es dunkelt bereits, aber der Mond ist aufgegangen. Ein ungeheurer Thal kessel, um den herum raube, graue, zerrissene Bergriesen einen Wall bilden, liegt vor uns. Manche dieser Bergrie sen sind breit und wuchtig, andere, wie das Jacob-horn, phantastisch zugespitzt. Auf dem untern Theil der Berge liegen
Wälder mit mächtigen Einrissen. Dle Tannen dort haben einen ewigen Kampf mit den Elementen zu bestehen, sie be wahren noch ihre starke Haltung, aber ihre .Neihen sind gelichtet. Manche Wände bieten das trostlose Bild völliger Verheerung. Am Eingange liegt ein See, der neun Monate im Jahre, sage neun Monate zugefroren ist. . Weit, weit zerstreut, wohl auf eine halbe Stunde Wege, liegen die Häuser von Davos. Palastartige Hotels glän zen mit hundert erleuchteten Fenstern. Hier bringt eine Krankencolonie, die vlellezcht mehr als tausend Personen zählt, den Winter zu und hofft von der Hochgebirgsluft Besserung. Schreckli cher Jrtthum, von gewissenloser N clame genährt ! Man behauptet, die dünne Luft erleichtere den Akhmungs Prozeß, in Wahrheit zeigt sich das G: genlheil. Die Lange muß in diesen Siegtonen, um die gleiche Menge Sauer stoss zu erhalten, schneller athmen, als in den tiefen Regionen, und das greift die geschwächte Lunge verderblich an. Doch genug von diesem entsetzlichen Orte, über den gelassen zu schreiben ich nicht im Stande wäre. . .. Wieder im Kutschkasten der auf Schlittenkufen ruht, geht es an andern Morgen weiter. Nur eine alte Frau, mit der ich jedoch nicht reden kann, weil sie nur Romanisch versteht, macht die Neise mit, aber Frachtstücke gibt es voll auf, denn Fleisch und Gemüse und noch hundert andere Dinge müssenden Orten hier von serne zugeführt werden. Eine Utt 1867 dem Verkehr vergebene Post straße führt durch das Fuela- oder F;Ö giathal, in diese lenken wir ein. Man fährt um Sieben ab, es dämmert kaum. sofort erlebt man ein wunderbar präch tiges Schauspiel. Der Scheitel cineö mächtigen Schneebergs ist plötzlich wie mit einem Strom von Nosa Übergossen. Im nächsten Momente flammt ein zwei ter auf, ein dritter und, vierter; zehn mächlige Dome erglühen, rosafarbene Lichtströme scheinen die Bergwände her abzufl.cßen. Es dauert nur einige Mi nuten. Der Tag tritt ein, die sanstro sigen Wellen verschwinden ; starr, todt und kalt, in wciße Grablücher gehüllt, stehen die Bergriesen wieder da, die einen wie Silber leuchtend, die anderen im stumpfen Weiß der Kreide. Hier, Reisender, blick' umher! Hier herrscht der Winter, der Bruder des To des, in unbestrittener Macht. Es ist, als wolle er mit seiner Schnceschaufel alle Klüfte aussüllen, aber das gelingt ihm doch nicht. Verschwunden sind Matten und Flur. Rings das furchtbarste Schweigen ! Kein Vogel nimmt seinen Flug über die weiß: Fläche, kein Thier erscheint am Saume des blaugrünen Forstes. Jedes Geräusch ist todt : das schweigen der Natur wechselt nur mit furchtbarem Donner, wenn die Lawinen niedergehen. In diesen Gegenden war noch vor ei nigen Jahrzehnten der Bär zu Hause; cs ist noch nicht so lange her, daß mau von der Ralhhausmauer in den größeren Ortschasien die Bären- und Wolssköpfe, die dort angenagelt waren, zu entfernen angefangen hat. H:ute noch wird hier viel erzählt von kühnen Jägern, die es besonders auf den brummenden Mutz abgesehen. Einer der küh, U ach. ich habe seinen Namen vergessen saß unfern von SilsMaria. Eines Tageö beschlich er mit mehreren Freunden ein Bärenlagcr, wo es junge Brüt gab er hatte sie einem Bärenlan;meister aus dem Veltlin versprochen. Die Begleiter stellten sich am Fuße des kaum ersteig, baren Felsens auf; er, seiner oft erprob ten Büchse trauend, klettert hinein. Schon am Eingang der Höhle stürzt sich die ergrimmte Wöchnerin aus den Schützen. Er schießt er fehlt. Um die Barin in Schreck zu erhalten, bleibt er im Anschlag liegen die Bärin ent reißt ihm sein Gewehr und saßt seinen rechten Arm. Was bleibt dem Schützen zu tbun übrig ? Nur das Desperateste ! Er schwingt sich auf di'. Bestie, sattelt sich fest an ihrem zottigen Rücken und tractirte sie wie ein Roß. Er ergreift beide Ohren des Thieres und beißt sie mit den Zähnen. Das Thier, entsetzt über den ungewohnten Reiter, jagt in Schrecken und Raserei davon, den Ab hang herunter. Je wilder es dahin fährt, um so fester sitzt der Reiter. Die Leute unten, die ihren Führer aus der braunen Bestie dahinjagen sa hen, folgen ihm mit den Augen. Helfen kann ihm Niemand. Aber ist er eS auch? Ist das nicht ein 'Hexenmeister, der in der angenommenen Gestalt dahin fährt?
Wilde, entsetzliche Jag'd, die Schluch ten hinab und wieder hinauf, bald grad aus, bald quer durch Busch nd Tann, Eine rothe Fährte ist auf dM Schnee gezeichnet. Die Barin .wird endlich müde, aber der Bärenreiter ist es' auch,
Sein Entsetzen wächst, als das ittjicr gerade auf einen Abgrund loZsahrt ; er sieht sein Ende unausweichlich vor sich, Er läßt sich nach hinten ausgleiten die scheue Bärin braust weiter. Der Jäger rafft sich auf, kehrt aber noch um zur Bärenhöhle. Da spielen die Kleinen ganz ausgelassen in Ab . - - " Wesenheit der strengen Mama. Ä)cr irter nimm fr- frisll davon. 6? kehrt zu seinen Freunden Zurück, deren Schrecken der Freude weicht. Seine Wunde heilt ; er heißt seitdem der Bä renreiter. Der Bärentanzmeister hat die Kleinen aus seine ßimfimi m taknoM' I w wwwww w w- - - - mm w .w.zn.-.n., ZN man in .7,.: 7' Z. n ür I1MHUIIU; U11V wvjj.. r jt t . cn : Lawinen, die von den benachbarten Pi schagletschern herabzugehen pflegen, ge fährlichen Tbale. Wenn es bald nach r A i. i,a.h.7 tnnn mnnfcprt ,u ctk. sc ;n v viiv vbii uw t tivvw ü 1' MM' ..n!, .,,5 Zk.. "Mumw wwuu IUVUVUIV3 wf",,v l nWuiiitn ,rts Q"f,ffrth t-,.njA nnn gleichzeitig das Tiefland vielleicht ganz im Nebel steckt. Deutlicher als im Som mer heben sich alle Umrisse der Berg spitzen ab, denn Alles ist weiß. Der Schnee aber scheint Leben empfangen zu haben. Er glitzert in Milliarden und uiiniii ii uutuivkii ' TOiniArh. fTminW ßtAn hnn man zeitweilig, vom Glänze geblendet, s,;.?.. ani, n. UllMlHIWhM luuiviiivtt VV.iWV-, u I U UI1IV nVIl lilUQ llll VMI delt aus weißem, grellblink.ndem Marit.x J : cr.r.f, ttti, wiu ii tuuiui utiyuiuiu. mwy mit das Thermomettr teils Era ' iialte, jetzt gegen Mittag Hat die Sonne ganz gewaltig Kraft gewonnen, das f?" ha rrrt rtni r niRi-fit isfct (? fctv m rt ( f fii 3
fünfzehn Grad Wärme ien. Wo das lroh der! besiegten Gefahren zum AbendSonnenlicht auf feste Körper trifft, I, "ledernen, steigt die Temperatur noch böher. Ge ilener N. Fr, Presse.)
steigt die Temperatur noch böh gen die schindilgepanzerte Wand ein s Hauses gestellt, kann man sich förmlich mitten im Schnee braten lassen. Die Paßhöhe, 7400 Fuß hoch gelegen. ist erreicht. Dort steht ein Schutz haus zwischen, zwei kleinen gefrorenen Seen. Eine prachtvolle Aussicht auf das 9G93 Fuß hohe Schwarzhorn bietet sich dar, Nun hmab. Die Sonne hat gewirkt; die Pferde sinken dann und wann bis ans if nie in den Schnee, die Gefahr des Gleitens ist sehr groß. Die Thiere sind schwerfällig aber sicher, auch ist's ein Guck, dan sie denselben Weg so oft wiederholen. Dennoch liegt ein Unglück ' ... . . cv . t I immer nsye. . vin einem Aagei, an el nem Holze hängt des Menschen Leben, Welche Gelegenheiten, den als zu brechen, den man doch noch eine Zeit lang aur oen scyuuern zu tragen wünscht ! Man befindet sich immer aus der Hohe eines dritten Stockmerkes, dann und wann auch aus der Höhe eines sechsten oder siebenten. Der Schlitten t i. r? jt e ? v . n. a i . ti. I oewegl silu aus einem minoeuens liaier bohen, schraz abfallenden Schneedamme, Nur die angespannteste Aufmerksamkeit des Kutschers, seme Zkr.ast und G:woh nung der iöetayr rönnen uns oa vo.' überhelfen. Verlöre er einen Augenblick den Kops, wäre Alles verloren. Eine unaebeur: Tiefe aabnt uns an. o rutscht man, den Kpf gesenkt, gefaßt und gelassen, an den wunderbarsten Naturschönheiten vorüber und sieht sich die chluchten an, in denen man jedni Au genblick begraben sein kann. Kehre um Kehre wird im scharfen Trab genom 4 VI men. ic waaeren vteroe suaren waore Seiltänzerstückchen aus.... Seit einiger Zeit zeigt der Conducleur eine gewisse Unruhe. Er lugt mit ge spannt Aufmerksamkeit au?. Bald errathen wir die Ursache. Unten in der Tiefe liegt auf der Straße eine lange schwarze Masse : es ist ein dicht zusam i tr . w mengeorangier Jug von Vcuiliien, oie bergan wollen. Wie will man auf dem schmalen Fahrdamm aneinander vor überfahren? Dem in derlei Dingen Unerfahrenen scheint es geradezu un thunl'lch. Dessenungeachtet geht es vor wärls. SU angemessener Entfernung vor dem Beltliner Schlittenzug wird Halt gemacht. Die Italiener, die ihn führen, schmarzbraune Gesellen, denen die große grüne Schneebrille, die lie Alle . . r. . !.... c ? . iragen,ln nocy wioeres Ausieyen ver leiht, schreien und geberden sich ganz c 1 r . er v..,. ..: i auygctegi. uncc viuuuuticuc uiciui tu fr fXt Sah ftti.A .ft M? giy. vi;yui uiu -üia ZU ii uut iiu buchtunq, sie wird durch Ausschaufeln erweitert, eben weit genug, daß unser Postwagen hineinfahren kann unsere Schlitten binden zurua. und nun wird durch eine Reihe von klugen Schachzügen der U,bergang bewerkstelligt. Zuerst haben die Schlitten aus dem Velllin am Postwagen vorüberzufahren. bis über die Einbuchtung hinaus, so daß die Köpfe ihres ersten Pferdepaares dicht an denen un erer zurucraevuevenen Schlitten stehen. So wird der voranfshrende Postwa gen frei. Nun haben dl.' Beltliner Sch Uten zu rückiuweichcn. dan unser erster Beiichlit ten in die Einbuchtung fahren kann, tv v P . " . , . 4. i ri Vei oie,em urucilreien, oas oen Pser den ohnehin unangenehm ist. bäumt sich einer der VeltlinerGSule, roh in'S Maul gerissen, versinkt und gelangt bis an die Brust in den Schnee. Er ist aber klug genug, sich ganz ruhig zu verhalten, er weiß, daß er bei jeder Bewegung tieser Mtlft MttvH CTDH MAi-flt (M uciuucii luuiut. Miuii uiuiyi iii spannt ihn aus und bringt ihn nieder auf die Füße. Abermals rücken die Beltliner Schlitten vor, und unser erper Beischlitten wird frei. Noch einmal wird danelbe Manöver wiederholt, und unsere drei Gefährte können nun wieder die Thalfahrt fort setzen, während die Männer aus Beltlin langsam der Höbe entqegenziehen. Aber noch manches Älaledetto ist von der Höhe zu hören. Allmalig vertanen wir die Bergwu le, die Klüfte verschwinden, die Wälder tre ten zurück, wir erblicken eine wirthlichere Gegend und menschliche Wohnstötten. rv -s - n.i.: .. r jr. .:. ZM uaz zuvm uunmüfi eine iiiyc stattlicher, großer, mitunter palsstähnli euer yauicr. zur jyuijiucu ii wciti oder rosenroth angestrichen, der FrieS . . r - o c -t m bunt bemalt, die zahlreichen kleinen Jen
ster haben vergoldetes Gittnwerk. Auch Gartenanlagen mit allerding! nur ru thenähnlichen Gestläuchen sind zu sehen, und Lauben aus Latlenwerk, hellgrün angestrichen, die im vommer einen dürftigen Ueberzug von Vegetation haben
möge. W,e Eigenthümer dieser groZen, vogelhausähnlichen Bauten und abgecirkelten Gärten sind lauter ehemalige Zuckerbäcker, denn seltsam, m diesem weltenttegenen ladinischen Winkel lebt ganzes Geschlecht, das den Beruf in stch fühlr, angenehme Getränke zu berei ten. Fruchte in Zucker zu sieden, kurz, Sk . u . . C! PsY -c. V . n . uvtil 'JJunn oas eocn zuocr l"lcn ! Knaben, die daheim lN ihren Bergen nie ein Zuc?erbrod gekostet oder sußeS Ets gesehen, wandern aus nach Norddeutschland, Polen, Rußland, nach Italien, Spanien Portugal, jz bis über vas vetlmeer uno ireien' m onono 9 9 relen em. Nachdem sie rahrelang rn ih "n Schürzen und weißen Mützen den Gronsiädten Leckereien seroirt. grün den sie selbst Zuckerbäckereien und CfeS. Alle bewahren in der fremden Umgebung die Anhänglichkeit an ihre Berge. Als S"U Mänmr khn pe tount , Wy B W "wucn vermögen u y. IUU,U i matb zurück. Die in aller Welt bekann 'N Namen: Js,y. St.h.I. Gin,i Sparj,navan, slammkn auS dikstr Sf .X C.. 4, IX. aM-iA t Qcnd. Auch ich könnte hier oder ganz in der Nähe einen alten Bekannten aus dieser ehrsamen Zunft finden : einen ehemaligen Zuckerbäcker und Caseiier aus Prag. Er ist jetzt holzhändler geworden, sührl jedoch in seiner Gemeinde v rj . rtt r cn --v . den stolzen Namen : .Herr Pralident rr. t , , .1 V uar langien wir oro nungsmaöig in SchnlS an, dem Haupt , . fy , t , g orte des UnterEngadlN malerisch am wilden Jnn und am Ausgange des i ü , cm , . Clz,,dkls gklegen. Man ht wun r Mlrtritr rchAnin t - Im Aruyling. Lsn Eutzöe'a.paNant. Wenn die eisten schonen Tage kommen und die vom Schlummer erwachte Erde wieder grün, der Balsam laulicher Lnst unsere Haut lleb'ost und uns tief in die Bruit dringt, da regen sich in unseren Herz?n geheimnißvolle Wünsche eines leise geahnten Glückes; es ergreift uns die Lust zu tpringen, ins Blaue hinein zu wandere, Abenteuer zu suchen, einen Trunk Frühling hinunterzulchlursen. .Der Winter war vergangenes Jahr 7 w . r . ? . r w leyr yarr gewelen, uno o empsano icy das Gesühl des Ausblühens wie eine schwere Trunkenheit, wie den unwlderstehlichen Trieb übe'g ellendn Saftes. mes corqens meiste veim rwa chen mein Bnck über die Nach!-ardächer hin; das blaue yimmelsgemölde war ganz von Sonnenlicht durchglüht; die Zeljige in den Fer.flerkasigen lärmten . v . r unermuollcy; in zeoem Vivuroell a:i qen die Dienstmädchen; ein frohes Gerausch stieg von der Straße herauf, und ich ging aus rn echter Festtagsstimmung. Wohin k Das wute ich nicht. Alle Leute, denen man begegnete, lä chelten: ein Hauch von Glück wogte all' überall in der warmen Llchttulle des wiedergekehrten Frühlings; es schien. als ob sich über die Stadt eine Weile von Liebesdust aelage.t hätte. Die jungen Mädchen, welche im Morgen' anzug vorbeihuschten, trugen in ihren Blicken eine versteckte Zärtlichkeit und ... . t sT eine welcaere Linmutv in lyrem isang : lauter Dinge, die mein Herz mit süßer Unruhe erfüllten. Ohne zu wissen, wie oder warum, war ich am Seineuser ang;lang. Dampf schisse eilten Suresnes zu, und cs über kam mich plötzlich eine maßlose Lust, den Wald zu durchstreifen. u . t cw . rr. Was Äerdell oer'icuae war vou von Pasiagieren; denn der eiste Sonnen strabl zieht Einen ja, man mag wollen oder nicht, aus dem Hause, und alle Welt rührt sich, gebt und kommt und plaudert mit dem Nachbar. Ich hatte nun nerade eine .Nachbarin : eine kleine Arbeiterin ohne Zweifel, von jener An mutb. wie sie nur Paris kennt, ein rei z?ndes Köpschen mit blonden Haaren, die sich an den Schläfen lockten; gleich .. - . . ..,.-. t 4 . r;. v iräuielnden lSliiraylen liefen oie Haare über das Ohr, liefen im Winde " . m . . c : c v v - lanzeno zum viaacn ywiuu uuu iuuiuui I 1 1 i ! . s w. i ( ,i 1 1. t melier unien zu rittem iuuuz v u zart, so blond, daß man ihn kaum un terschied, aber ein unwiderstehliches Verlangen empfand, ihn mit einer Jluth von Küssen zu bedeck n. In Folge meines beharrlichen An schauens drehte sie ihren Kopf nach mei ner Seite: dann fchlug ne rasch die Augen nieder, während eine leichle Falte aleick einem entstehenden Lächeln, sich ein wenig on ihrem Mundwinkel eingrub und so auck dort tenen neuen, lcioiacn I F C 55 kaum bernortreten lies, welchen die Sonne leicht vergoldete. Der rubioe ftiuii wurde breiter. Ein warmer Friede lag in der Laft, und w:e ein Murmeln der schassenden Natur tönte es durch den Raum. Meine Nach I c barin hob die Augen wuoer uno, wie icy sie unablässig anschaute, lächelte sie diesmal wirklich. Sie war bezaubernd, und in ihrem ausweichenden Btick las ich tausend Dinge, die ich vorher nie ge wukt. ?in iom sah ich unbekannte Tie sen, den vollen Reiz des Kosens, all die I Oft . " V . ! . m st V.l l Pvene, von oer lOlz iiuuuicu, uu uu9 Glück das wir ohn' Ende suchen ; und mich ergriff der tolle Wunsch, meine Arme zu öffnen, sie mit mir sortzutra n, ihr die süße Musik her Liebesworte in's Odr siu flüstern. Ich wollte den Mund öffnen und sie anreden, da rührte Jemand an meine Schulter. Erstaunt drehte ich mich um und aemabrte einen Menschen von ganz alltäglichem Aussehen, nicht jung, nicht alt, der mich mit trauriger Miene an schaute. .Ich möchte mit Ihnen sprechen. sagte er. 3ch schnitt ein Gencht, dessen Bedeutung er jedenfalls erkannte; denn I r. rr. : n .c.rm:. i er sllgie yinzu : Vvs9 i VN glvprivtu tigkeit I nii . . r. v e .t -i. c v. . zq eryoo inicd uno (Oigic lym an uaa andere Ende des Schiffes. .Sehen Sie.- fuhr e, fort, .wenn der Winter
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rnu(Mici ulÜliCU iirycii uiiu Schnee nabt, mahnt Sie Ihr Arzt tag täglich : Halten Sie Ihre Füße - gut warm, nehmen Sie sich vor Erkältun gen in Achs, vor Schnupfen, HalSent zündung und Hexenschuß. Sie treffen dann unzählig Vorsichtsmaßregeln, tragen ein'Flamll'leibchen, dicken Ueberrock, DoppelsohTrn und trotz alledem bringen Sie zwei Monate im Bett zu. Wenn aber der Frühling wiederkehrt mit seinen Blättern und Blüthen, seinen kauenv schmeichelnden Lüften, mit seinen dampfenden Feldern, die ein unbestimm teö Sehnen in Ihn wecken, da er scheint Niemand, der 'Sie warnte : Mein Herr, nehmen S":e sich vor der Liebe in Acht? Ueberall stockt sie im Hinterhalt, a allen Ecken lauert sie Ih nen auf; all ihre Netze sind gespannt, ihre Waffen sind geschärft, ihre List und Falschheit sind bereit ! Nehmen Sie sich vor der Lieb? in Acht! Sie ist ge jährlicher als Schnupfen, Halsentzündung und Hexenschuß. Sie gibt keinen Pardon und verleitet alle Welt zu Thorheiten, die nicht wieder gut zu ma chen sind. Ja, mein Herr, ich be bsupte. die Regierung sollte jedes Jahr an die Mauern große Plakate folgenden Inhalts anschlagen lasten: Wieder kehr des Frühlings. Bürger Frank reichst nehmt Euch in Acht vor der Liebe !" gerade wie man auf die HausthH ren schreibt: Achtung! frisch angestrichen. Nun, da es du Regierung nicht thut. trete ich an ihre Stelle und sage Ihnen : Nehmen Sie sich vor der Liebem Acht; sie hat Sie schon am Ncckjipsel,. und ich habe die Pflicht, Sie zu warnen, gerade wie man in Rußland JeZianden warnt, dessen Nase erfrieren will. Ich war ganz verdutzt bei diejer seit saniert Ansprache und nahm eine sehr ernsthaste Miere an: Nun, mein Herr, Sie scheinen nch da in Dinge zu milchen. die Sie kaum etwas angehen dürften." Er fuhr rasch auf und antwortete: O bitte,, bitte, wenn ich sehe, daß ein Mensch im Begriffe ist, an einem ge fährlichen Ort zu ertrinken, muß ich ihn da umkommen lasten ? Gestatten Sie, daß ich Ihnen meine Geschichte- erzähle. und Äle werden begreisen, warum ich so mit Ihnen zu sprechen wage." Es war im lekten Jahre, so unge fähr um dieselbe Zeit. . . . ich muß Ih nen nämlich zuvor bemerken, daß ich im Marlnemlnitterlum angestellt bin, wo die Eommisiäre, unsere Chefs, mit ihren Ossizierstreffen protzen, die Federsuch ser : um uns wie gemeine Matrosen zu behandeln. Ja, wenn alle Chess höfliche Leute wären!.... Aber ich fahre fort. Also von meinem Bureau aus bemerkte ich ein Stuck blauen Hlmmels, wo die Schwalben flogen, und ich verspürte sofort große Lust, mitten unter meinen schweren Aclenfasclkeln zu tan zen. Mem Freiheitsgelust wurde immer stärker, so daß ich, wenn auch mit Wi derstreben, aufstand, um zu unserem Alten zu gehen. Es war ein krittllcher Knirps, immer voll Gift. Ich meldete mich unwohl. Er starrte mir in's Ge sieht und schrie mich an: Glaub's nicht, glaub's nicht. Nun, machen Sie, daß Sie fortkommen ! Meinen Sie vielleicht, mit solchen Arbeitern käme ein Bureau vom Fleck?" Aber ich war schon fort und ging der Seine zu. Es war ein Wetter wie heute und ich benützte die Mücke", um nach t. Cloud zu fahren. Ach Gott ! Hätte mir doch mein Chef die Erlaubniß verweigert. Mir schien, als dehnte sich meine Brust in der Sonne. Alles kam mir so schön vor, das Schiff, der Strom, die Bäume, die Häuser, meine Nachbarn, Alles. Ich hatte Lust, etwas zu umar men, einerlei was . das war die Liebe, welche ihre Falle stellte ! Beim Trocadero stieg plötzlich em junges Madchen mit einem kleinen Pack. t in derHand ein und setzte sich mir gegenüber. Sie war hübsch, das steht fest; aber es ist eigenthümlich, wie die Frauen im mer netter aussehen, wenn es schönes Wetter ist, besonders im Frühling; sie haben dann so etwas Einnehmendes, eincn'gewiffen Reiz, ein ganz besonderes ich weiß nicht Was. S'ist gerade wie mit dem Weine, den man auf. den Käse trinkt. Ich sah sie an, und sie schaute nach mir, aber nur von Zeit zu Zeit, gerade so wie die Ihrige jetzt da drüben. Nachdem wir uns nun so eine Weile betrachtet, schien mir', als ob wir hin reichende Bekanntschaft gemacht hätten, um eine Unterhaltung anzuknüpfen, und ich sprach sie an. Sie antwortete. Sie war reizend, ganz gewiß, wie überhaupt All:; sie bezauberte mich, auf Ehren wort! In Saint-Cloud stieg sie auS und ich folgte ihr. Sie. hatte eine Bestellung abzuliefern, und als sie damit fertig war. hatte sich das DamphchlN bereits ent fernt. Ich ging nun an ihrer Seite und die laue Luft -entlockte uns Beiden viele Seuszer. .Jetzt müßte es schön im Walde sein sagte ich nach einer Weile. O ja!" entgegnete sie. .Wenn wir einen Spaziergang dahin machten; wollen Sie, mein Fräulein V Sie sah mich mit einem raschen Sei tenblick an, wie um zu ermessen, meß Geistes Kind ich wäre, und nahm nach einigem Zögern an. Und auf einmal waren wir mitten unter den Bäumen, deren Kronen sich schon leicht belaubten. Das hohe saftige GraS, von leuchten dem Grün wie übersirnißt, schwamm in Sonnenglanz, und unzahliges kleines Volk, das sich auch lieb hatte, regte sich darin. Ueberall hörte man den Sang der Vögel. Da begann meine Geführ tin zu springen, zu büpfen, trunken von der Lust und den Düften der Flur. Und ich lief hinter ihr drein und tollte wie sie. Wie man doch manchmal verrückt sein kann, nicht wahr? Dann sang sie in einem fort tausend erlei Dinge, Overnmelodien, das Lied vom Dudelsack. Das Dudelsacklied! Wie poetisch schien es mir damals ! Fast kamen mir die Thränen. Ja, ja, mit solchen Posten wird uns der Kopf ver dreht. Glauben Sie mir, nehmen Sie niemals eine Frau, die im Freien singt, besonders wenn sie das Dudelsacklied stnat.
Bald wurde sie müde und fefcie stA
af einen grünen Nain. Ich ließ mich zu ihren Füßen niedn und ergriff ihre ar?,e, ryre rieknen von Nadelspitzen zer 1 w "g 1 Tt . . . ' oer woll, was war das für w-nRAf f Wissen S5e, waA diese heiligen Spuren Ver Arbeit in Wirklichkeit bedeuten? Sie erzähle? von all' der Klatfcherei in dm Magaz'en, von den schlechten Spaßen, vo,i den unschuldigen Seelen, die-durch schmvZige Geschichten vndor. ben wrden, von verlorener Züchrigkeit, von dem Elend der täglichen Zwangs arbeit, von dunrmem Ehrabschneiden, kurz ven- den beschränkten Anschauungen des untersten Standes, welche all'' die Weiber völlig beherrschen, so an ihren Fingerspin die heiligen Spuren der Arbeit tragen. Dann' hsben wir vn5 lange in die ugen gescyaui. O dieses Weiberauge, welche Gestalt liegt in ihm i Wie es verwirrt, anzieht, besticht, beherrscht! Wie scheint eS so ugen gescyaur. liegt oeiilaz!, vederrzcdt! W e scheint e s tles. so voll Versprechungen, so uner gründlich. Man nennt das in die Seele schauen: Welch' ein Unsinn,. mein Bester ! Wenn man hineinsehen kö .nte in die Seele, man-wäre vernünftiger, weiß Gott!' p Kurzum, ich war außer mir, toll.-- Ich wollte sie in meine Arme schließen. Sie aber sagte: Wrg. da mit den Patschen!' Da kniete ich vor ihr nieder und off nete ihr mein 5erz;.auf ihre Knie sie. len die Thränen nieder, die mich zuer' sticken 'drohten. Sie schien über diese Aenderung meines Benehmens sehr erstaunt und betrachtete ir ich mit einem Seitenblick, als ob sie sich sagten Aha! so muß man's mit Dir anfangen, mein Lieber ;!nun wir wollen sehen ! Im Kapitel der Liebe, mein Herr, sind wir stets die Dummen und die Wer. der die Durchtriebenen. s Sie wäre mein gewesen, ganz sicher,später habe ich meine Thorheiten einge sehen; aber was ich damals suchte, war v:. r - r js l ... . . . ' vie Juriiluileil ein oeai. Ich habe Gesühl gesimpelt, während ich meine Zeit hätte besser ausnützen sollen.' Nachdem sie meine Erklärungen satt bekommen, erhob sie sich und wir kehrten nach st.-Eloud zurück. Erst in Paris trennte ich mich von ihr. Seit unserer Nücklehr sah sie so traurig'aus, daß , ich sie darüber befragte. Steantwortete :. Ich denke daran, wie man nur wenigen so schönen Tagen im Leben begegnet." Mein Herz schlug mir in der Brust zum Zerspringen. Ich sah sie kommenden Sonntag wieder und auch den Sonn tag darauf und alle folgenden Sonn läge. Ich führte sie nach Bougival, SaintGermain, Maisons Lafitte, P'oisiy, überall hin, wo sich die icbcsgeschich. ten der Stadt abspielen. Der kleine Schlaukopf machte nun seinerseits in Gefühl. Schließlich verlor ich den Kopf ganz und gar, und drei Monate nachher war sie meine Frau. . Was wollen Sie, mein Bester, man ist angestellt, allein, ohne Familie, ohne Nath ! man sagt sich, das Leben wäre süß mit einer Frau, und man heirathet dann die Frau. Dann keist sie vom Morgen bis zum Abend, versteht nichts, plappert den ganzen Tag, singt auf Mord und Brand das Dudelzccklied o das Dudelsack lied, welche Rätsche ! zankt sich mit dem Kohlenhändler, erzählt der Hausmeisterin die intimsten Dinge ihres Haushalt?, vertraut der Magd von der tieben Frau Nachbarin die Gcheimniste des Alkovens an, bringt ihren Mann bei den Lieferanten in Mißcredit, und hat den Kopf so voll von dummen Ge schichten, Aberglauben, verrückten A sichten und unfaßlichen Borurtheilen,daß ich jedesmal vorKleinmuth weine, l möch te, mein Bester, sobald ich nur mit ihr zu sprechen anfange," Er schwieg, ein wenig erbiht und sehr bewegt. Ich betrachtete voll Mitleid den armen Teufel und wollte ihm gerade et was antworten, als das Schiff anlegte. Man war bei Saint Cloud angckommen. Die Kleine, welche mir's angethan hatte, erhob sich, um auszusteigen. Sie ging nahe an mir vorbei und warf mir dabei einen Seitenblick zu mit einem verstohlenen Lächeln, einem Lächeln,. daö Einen toll machen konnte ;, dann sprang sie auf die Landunsbrücke. Ich schnellte auf, ihr zu folgen ; aber mein Nachbar ergr.ff mich am Aermel. Mit rascher Bewegung machte ich mich los; er packte mich fest an beiden Rock flügeln und zog mich zurück, indem ei fortwährend mit sehr lauter Stimme schrie : Sie werden nicht gehn, Sie werden nicht gehn," bis alle Leute sich umdrehten. Ein Lachen lief durch.die Reihen, und ich blieb stehen, wüthend, aber ohne Muth, gegen die Lächerlichkeit und den Skanoal anzukämpfen. Und das Schiff ging weiter. Die Kleine war auf der Brücke ge blieben und sah mit getäuschter Miene, wie ich mich mehr und mehr entfernte, während mein Verfolger sich die Hände rieb und mir in'S Ohr flüsterte : .Ich habe Ihnen da einen rauhen Liebesdienst erwiesen, nicht wahr V. . . Der Falsche. A (aus der Jagd): .Nun.Herr Mcyer, haben Sie schon viel geschossen 1" B : Ach, den ganzen Tag hatte ich keinen Anlauf, und da kommen mit einem Mal zwei Hasen und setzen sich Beide auf dreißig Schritte vor mich bin. Da wußt' ich wahrhastig uicht, auf welchen ich zielen sollte.A : .Auf welchen haben Sie dann schließlich geschaffen ?' B : .Na, richtig aus den falschen !" DerschlimmeRittmeister. Dame des Hauses (zum Dienstmäd chen, als der zum Besuche anwesende Rittlnelfler sich verabschieden will): .Be - ß M .. IM . gleite den yerrn.Ntttme,stcr bis zum Thor; (das Dienstmädchen will aeben): aber so nimm doch ein Ächt mit!" Auguste 5 O, das ist nicht nöthig, gnS dige Frau, der Herr Rittmeister bläst eS drauken doch gleich wieder auS ! i'
Ueber einen spreÄenden ttanarieu vogel
'berioltet Dr. Karl Nuß i,. seiner Zeit. voael 3ii Aräulein Vautt. der Liebling des Kaste ler PublikuJis,. ließ mir durch meinen Schwiegersot,n nne Nachmittagsstunde bestimmen, in der ich ihre Kanarienvogel sprechen hören sollte. Um drei Uhr traten wir im Wohrnimmer der freundlichen Dome ein. Der Jogel flog, auS seinen? Käsig .?ntlassc, frei im Zimmer umher n?ld sa'.'g eben sein sehr gewöhnliches, tief unter NiveU'des harzer Gesanges stdhend'es Liedchn:. Unsere AnWesenheit störte den an fremde Erscheinungen gMShnten Bog?!' nichts im Geringsten. .Wir waren ih völliz gleichgillig. Nu? seiner litbenswürdigen Pflegerin galten seine Verträge, seine Werbungen und kleine Wänderflüge. Mit innigem Jerfländniß nah e? die Liebkosungen der Herrin aus,' und ihr Zuspräche wurde bald belohnt durch den plötzlichen Uedergang vom Gesang- zum Sprechen. Genau so, wie di Ahrrneisterin kosend sie vorsprach, gab' er die Worte wieder: Wo ist er denn, der liebe, kleine, süße Bljou, wo ist er denn ? Was willst Du denn? So singe' doch. Du kleiner, süßer' Bljou ! Rasche ging jedoch das Sprechen wieder in den gewöhnlichen Gesang über. Dann erfolgte abermals ein kleiner Flug vom Käsig, znm Fenster, von da auf den Zeigisinger der Dame. Mehrmals erfreute er unser Ohr durch die erwähnten Worte,, aber er schien zur späteren Nachmittags- , stunde nicht sondel lllö zum Sprechen auf gelegt zu sein. Nach Angabe der Be siZerin spricht er des Morgens und in den ersten Nachmittagsstundeu sehr ifrig, oft lange ununierdrochen. Urn' Uhr aber ist's mit dem Sprechen täglich völlia zu Er.de. Ich glaude jedoch, da. mit der Zeit auch die Vorträge des. Bögclchens sich in die spätereil Nachmittagsstunden ausdehnen werden. Vor Allem dürste cs interesiant sein,. Kenntniß vor der Art und Weise diesesSprechens zu erlangen. Es verhält sich' damit folgendermaßen: Während der Papagei, der Rabe und der Staar dieihnen vorgesprochenen Worte und . Sätze wirklich in svrechendem Tone wiedergeden und dabei sich wenig oder nicht von dem lehrenden Borbilde unterscheiden, so dav man mit eller Bestimmtheit und vollem Recht sagen kann : sie sprechen tritt die Leistung des Kanarienvogels nur als sprachähnlicher Gesang aus. Trotzdem der Bortrag eine Zwischen stellung einnimmt, in welcher Singen und Sprechen in wunderbarerVerschmel zung erscheinen, hört man deutlich jede Silbe heraus, und man erlennt sofort -in der Wiedergabe das Charakteristische des Vorbilds. Betonung. Zärtlichleitö Ausdruck und Tempo der vorbildlichen Sprache ist in dcr Darstellung nicht zu verkennen. Es erscheint das Elgenthüm liche nur insofern ander, als das feine ' unzureichende Organ des Vogels gleich sam Alles im kleinsten Maßstabe wiedergibt. Der Eindruck ist ein urkomischer und doch wieder em so bewunderungswürdiger, daß man darüber nicht lachen möchte. Der kleine Redner reckt sich empor, bläht mächtig die Kehle auf, so daß die Halsadern als Krause abstehen und vollbringt nach seinerÄrt eineGroßthat. Ein Beweis von Klugheit und guter Unterscheidungsgabe ist derUmstand,Vaß, wenn seine Lchrcrin ihm den Anfang der erlernten Satze vorspricht, er da fort jährt, wo sie aufgehört hat. Und ebenso wie er weiß, daß Leckcrblsien ihm gewi. sind, wenn er folgsam sich gezeigt hat,, versteht er cs auch, wenn die Herrin ihn tadelt. Memorirt Fräulein Pauli ihre Rolle und bricht dann plötzlich ab. oder ist dieselbe zu Ende, so fliegt der Vogel zu ihr hin und gibt ihr durch Picken an die Lippen zu cerstehen, daß er die Fort setzung wünscht. Für gewlsie Personen äußert er Zuneigung, gegen andere Ab neigung. Auf welche Weise .Bijou" sprechen gelernt hat, vernahm ich aus demMunde seiner Lehrerin. Der Vogel war etwa ein Jahr alt, als er täglich in obiger Weise angeredet wurde. Im vorigen Sommer überraschte er in Wiesbaden, wohin er seine Gebieterin begleitet hatte. eines Tages deren Ge,ahrtrn durch treue W'edergabe der schmcichelhastenAnreden, und dieje verkündigte Fräul. Pauli das Wunder voller Freude. Viedermaier'S ir. Lenz,Lied. Weil nun-der holde Frühling naht Mit seinem Frühlingssonnenschein. Ergießt sich in des Menschen Hcrz Ein wunderbarer Wonnenschein. Es hüpft das Hauslhicr,.ja im SUll Da hüpfen froh die Kälber auch. Es hüpst mein Weiblein und mein Kind. Am Ende hüpf' ich selber auch t Die Lerche steigt hoch in dieüust Und alle Vögel singen nun. Wie könnte ich die Poesie In meiner Brust bezwingen nun?. Es sprießen Blumen, Früchte nun In blüthenreichen Auen auch. Da kann man riechen mit Genuß, Mit Wohlgefallen schauen auch. D'rum sing' ich hier ein srohes Lied, Das ich dir, Lenz, verehren kann ; Ich bin ein Bürger, dem man dies Auf keinen Fall verwehren kann. , Von selber so. .Sag' mir eZnmal. Fritzchen : Weißt Du auch, wer Dich erschaffen hat? .Der liebe Gott, Herr Pfarrer, aber nachher bin ich van selber c nrofc ne ' .m . ' . " " l ö K Oworden ! D ichter-Rache. Ein Dichter hat ein Trauerspiel ge schrieben, welches bei der ersten Aufsührung völlig ausgelacht wurde. Wüthend über diesen Erfolg, sagt er entrüstet zum Direktor: . .Das Publikum hat mein Trauer spie! ausgelacht gut! Jetzt werde ich aber ein Lustspiel schreiben, daß den Leu ten daö Lachen schon vergehen soll!"
