Indiana Tribüne, Volume 6, Number 186, Indianapolis, Marion County, 25 March 1883 — Page 7
SU KespcnlZersurHt und da
zweite Kcsicht. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts entdeckten englische Neisende in Nordscbottland und auf den Orkneyinseln einiae Personen, welche Erschcinungen oder Visionen sahen, von denen die aewSdnlichen, nur mit einem Gesicht sinne begabten Menschen nichts bemerk7 . ten : n: legten innen oesyaio ein zwenes Gesicdt, second siht, zu. Als einmal der Name gesunden war, dem 1830 der Geheime Kirchenrath Dr. Horst inDarm stadt durch Uebersetzung in das griechische Deuteroskople einen wljlenZchastllcheren Anstrich gab. da fand man die Erjcher nung auch an anderen Orten, besonders m Schleswlg'volztem. Sie werden vielleicht dagegen geltend machen, verehrtester Leser, baß derartige Visionen doch gar nicht so auffällig sind. Abgesehen von denen, welche durch Fie ber. Delirium, Vergiftungen, z.B. durch Ovium und 5a,cki,ck. bervoraerufen werden, giebt es Visionen, welche durch eigenartig krankhafte Körverzustände er wirkt werden, bei denen die Menschen ibre volle eui&trhth bemakren. Aus der Literatur ,ft ihnen vielleicht ne. den Goethe, der einmal eine Vision ge dabt bat. am bekanntesten der unalücklicbe SckristsZeller an Ra,ko. und viel. leicht noch mehr der Vertreter des platte, Len Rationalismus aus dem vorigen Jahrhundert. Nicolai. die Beide andau. ernd von .Geiflererscheinungen- geplagt mmhtn Die Träger desselben sehen nicht beliebige Visionen, sondern sie sehen nur a 1 mL,,.a La xts ocer arelldnaenoes nuae immer einen beionderenAusdruck verleiht, bleibt plötzlich starr auf eine Stelle sehend sie den: zuweilen folgt er dann mit den Augen einem langsam schreitenden un sichtbaren Z"gei dann geht er auch wohl aus ein Haus zu und starrt in ein Jen ster hinein. Leider sind diese Leute meist wenig mlttyelljam; nur zuweilen lassen sie sich Uttti, tinern trauten dS zu zählen, nal sie gesehen haben. 1 ES ist nicht in ihr Belieben der ihre Wahl g.st'l,.. wag sie sehen sollen. Die Z S nS TiZ onen gellanden. werden ihnen stets nur solche Sachen offenbar,, die an' sich ge- ' w, rrtin?;; n.RAM4 ns . rade nicht ubermavlg tnteresiant sind, z. Er cke nuna dran, Rdi ihnen an!, und. 53., daß bei der Feier eines TauffisteS in einer Hütte eine Kutsche vorsäyrt, dak ein fremde? Mann in einem blauen Rocke aus der Straße krank und in ein Haus getragen wird, wie viele Begleiter einer Leiche folgen werden. Aber das ist es. ?, i mt : bi.f V.sionen ein gemeines In. teresie giebt: es ist eine unbestreitbare . Thaisache, dak AlleS, waS sie sehen, ge. nau so einws!.,, ' Von allen oen vielen Mitteln, die man von der ältesten Ze.t bis iekt ununter. ksten Zelt bis jetzt ununter auf den dunkeln und engen Kreis der Privatthätigkeit beschränkt blieben. Dies beweist klar und eindringlich, daß die Prophezeiungen das hellste Licht der Offenllichkklt und der wissenschastlichen Forschung nicht ertragen können. Die Macht der Astrologie wurde rasck ver ,k5l,t. alS fhrlirfu T?annpr hr Wifrni, Vr rnriTA " Tode eines biden!en Mannes r rnärts seink Erlebnisse au5 den l5nN,l. lationen zu construiren. - - " " " -------j -mmwwm W Ebenso leicht würde eS fein, jede an dere Art der Prophezeiung, vor Allem auch daS zweite Gesicht, als abergläubi ie .ooroeil zu erwei en, wenn man alle Verkündigungen dec Zukunft in dem Mie W wolile ;'r sich danr ergeben, dak von den Prophezeiungen genau nur der Pdocent atz in Erfüllung gebt, den man du.ch die Wahrscheinlichkeitsrechnung im Voraus ermitteln kann. Die sehr üdermiegende Zahl der nicht eingetroffenen Fälle vergißt man allmä ug. wayreno man ,yre rsuuung von der Zukunst erwartet; nur die wunder bar erscheinenden Ereign, sie hält daS GedSchtuib sest. Ganz ähnlich geh, .S mit den Wunderkuren der Pfu,cheröre : 11 11 will -i-c uiiwuiuini i s. i u u wiiui Alt . man erwähnt und rühmt nur die Fälle v.. c.;. n. it...: n.:iV . dem Dunkel verbo Vll qjiiiuiiu " uivtiui oilivi tu " . rboraen. in we chem d e .or sich gehen Im vor!! rt wandte ein Scdäfer in Pfuscherkuren v ntn 5ad?dundert wandte ein SAnf Schlesien ein Mittel gegen die Hunds, uib an. roelckes so duickareikenden Kr. folg zu haben schien und so sehr in ganz Europa gerühmt wurde, daß Friedrich der Große sich entschloß, dem Schäser daS Geheimniß um eine große Summe abzukaufen; aber im Lichte der Oeffent lichkeit und in den Händen der Aerzte erwies sich, das dasselbe völlig unwirksam war. DaS, was den Glauben an die pro phetische Kraft am meisten fördert und verstärkt, sind die nachträglich entstehen den Mnthenbildu- gen. Im eigenthüm lichen Ge ensatz gegen den feststehenden Glauben an dlk Möglichkeit des Weissagens steht, daß der Mensch sich eigent sich jedesmal insgeheim darüber wun dert, wenn eine Wahrsagung ia etwaS eingetroffen ist. und diese Verwunde rung erföllt ebenso sehr den Hörer mit einem angenehmen Grausen, als den Seher mit Stolz auf seine Leistung. Indem jeder Erzähler das Wunderbare in der Geschichte in das rechte Licht zu stellen bemüht ist, fügt er meist in aller Unschuld und ohne es selbst zu merken, eine Kleinigkeit hinzu, bis ein wirkliches Wunderwerk vorzuliegen scheint. Nur in den seltensten Fällen ist es möglich, den Ursprung der Mythen zu ermitteln. Ich kann demnach mir nicht versagen, einen altöerühmten Fall einer solchen Bildung hier anivführen. Als Georg I. von England 1727 in Osnabrück gestarben war, wurde bald überall erzählt, daß ein bestimmt bezeichneter Einwohner Osnabrücks in dem Augenblicke, wo der König starb, sämmtliche Glocken der Stadt, natürlich auf einem Spazier' aange außerhalb derselben, habe lauten hören. Ein vorurtheilSfreler, angejehe
VWW 11 -V K l iA - J m IUII IIU UllUlil 1, 2 . ZT. . - I f 1 f C " v. wird. In ihren Gesichtern liegt eine Art prophetische ttcast, die nur dadurch M ' " ' Z er Macht des zweiten zu erklären ist, daß sie mit übersinnlichen s alt ehr"SE e Wort.Vorspuk" anwenden oll n. Port stehen. Der Mann, dem sem ftie- hrf. hi, ß,fnmmtll,u n. WnL,;,
brochen angeaanl, hal, um d e Zutuns, ' r.. I. ' n,Txi ......i . I jtt ersabeen. sind nur m.i aus Ge- y l drauch qetommen: die Or,kel und die - Aprowaie. d,e beiden ein,,en. die nich. ?nk0k n Er ch.mung.n so ,.l
ner Mann .interviewte- daraufbin ienen
Einwohner und erfuhr von ihm, daß er allerdings Glockenläuten vernommen habe, aber etwa sieben Jahre vorher und in der Herrenhäuser Allee bel Hannover. r yade daraus geschloffen, vag man bald von einem Todesfalle in der könig liehen Familie Kören würde, und .das sei ja nun wirklich in Erfüllung gegan gen.Von manchen Seiten hört man noch . . . . . rooqi den Umwand : der und oer veoeu tende Mann glaubt auch daran, und so nach muß doch etwas daran sein. Lieber Leser, der weiseste Mann, der größte Philosoph sind doch immer M:nschen mit menschlichen Schwachheiten; und eS ge nugt irgend em seltsamer und unbegrelf licher Vorfall, um im Menschenherzen den angeborenen Wunderglauben zu entfes ln. So erzählt mir ein von mir sehr bochgeschatzter Mann. Professor H. in Göttingen : Zu einer wissenlchafttlchen Conferenz waren Gelehrte von verschie denen Stellen in einem angenehm gele enen Orte am Südharz zusammenge. fm?- ls sie nach gethaner Arbeit Nachmittags ,M Walde lagern, redet emer dersetben, von dem man schon sru her glaubte, daß er Vorahnungen- ha be,seinen Nachbar an : Ich kann es an vem Platze nicht mehr aushalten, vor Jen her weht Mir em unerträglicher LnchkNgeruch ZU. AlZ NUN der so An eredete bald darauf durch einen Boten benachrichtigt wird, daß ihm zu derselben Zelt plötzlich em Kmd geworben wäre, da wurden naturlich alle diese gelehrtenHer. ren, von denen wahrscheinlich kein einzi i' v" der Gichtmorchel ewS gehört j? C' , ?TQT?lZ gehen kann und die in Laubwaldern sammthcit aller aberaiäubi scher Erscheinungen . zusammenfaßt, die mit der Prütension 'austreten, ein zu künftiges Eceigniß verkünden zu sollen, mögen jene Erscheinungen wirklich un rennlllch.ren Ursprungs sein, möaen sie durch leicht erkennbare natürliche Ursachen hervorgerufen werden, durchSchreien der Käuzchen, Heulen der Hunde. Klov k"t,ZL?T7X' o ;X . x SfÄl'.,'" 2 "'" ft . 1 Ä Ä:"" ten der Todtenuhr, bekanntlich . O "i'' Äisi teber menschlichen Seele oder . .-.u.r. 7 e ffi&g?! a,uf "K besonders begabte Menschen glauben, d rX(h hnA lrir .llf J . n ooer an ne der sich doch für zu gut bält, an den Vor z . m m 9 lpul zu giauoen. Aver wo soll nan eine Grenze ziehen? Wahrscheinlich sind lene Vilionaie, von denen oben die Rede war, von allen anderen, denen man das zweite Gesicht zuschreibt, dadurch unter : 7: . o , E i?" VS1 "iiun iiuiiiu11 OtUl V(iUiUIIUC "ST y -i ' ,st wen.g nZ . da h .. Ik rfIn iinX .clAti.! C I v w m a KV) 1 j1 um v i . , er a T T 9 TÄ01 davon habe entdecken Gegenden? Ganz fehlen konnten sie doch nirgends; sie fanden sich wohl nur so selten, datz sich kein Aberglauben daran ankrystallisiren konnte. Eine Analogie dazu bietet Folgendes : Bei uns in Norddeutschland scheint die Ekscheinung v tauT.8 , uu, uop x.9 cxAtMii v cv . rr v.r. 3(inr) seme eigene Gestalt erblickte. KIW .Süden, u.w" ü",üut ü"r.un S'en hatte, dak der, welcher seinen Doppel ganger sahe, bald sterben musje; wie mancher Mensch mag wohl infolge davon durch Angst und Grauen sein Lebens ende beschleunigt haben ! Ich kenne ' .".'5 , V V" ZT olTu dlglster Ueberlieferung. In anderen t .iun cy.si xkk nr.4 c r senden kannte man diesen Aberglau'7. r.: m:n. T. fTut'i i" n?are pre.sgeben die fchon dadurch zwei, M tr!' auf ein so engeS ihltJ beschrankt waren, mag wohl ein rmwcno n. r 's. . lilT lWiltUU9f VUQ (9 UVUUU UilU JU allen Zeiten Menschen gegeben hat, die den Tod Anderer voraussahen, meistens c V n rr r . n r - . ''"'' t" , "'. E'".0? .IS "?': I c,,k. V. t rTha Iche dab uz ,&,. ,, elchem Ikne Erscheinuna ibrenUiIvrr , US rung i r , . ... , I n n tn r Imtrn ImiIk .( . O.I -"' "" '""" lhenzug hervorgegangen ist ! Wirklich tritt diese Art von Vision so oft und unter so besonderen Verhältnis sen ein, daß wirerne andere Erklärunas rt. suchen muffen. Wir wollen erst einiae allgemeine Bemerkungen voraus schicken. In Betreff der prophetischen Krast jener Visionen brauchen wir dem obenGesagten kaum etwas hinzuzufügen. Man erwartet ja das Eintreten eines Sterbefalles in einem so bezeichneten Hause nicht unmittelbar daraus ; es mö gen selbst Jahre darüber hingehen, wie ein unverdächtiger Zeuge, der Schloß' Prediger in Jburg, Kampsf, der Verfas ser des wunderbaren Todesboten", 1731. erzählt, daß das Leichenbegängniß feiner todtgeborenen Schwester schon mehrere Jabre vorher, also zu einerZeit, wo man noch nicht einmal an sie dachte, gesehen sei. Und was ist denn Wunderbareö daran, daß im Laufe der Zei ten einmal Jemand in einem Haufe stirbt : Wenn ferner diese Art der Visio. nen dem Menschen stet? die schreckhafte sten und grauenvollsten Bilder vorführt, so sind das nicht zu allen Zeiten Leichenzüge gewesen. Francisci in seinem höllischen Pro teus- (Ende deS 17. Jahrhunderts) und Goldschmid in seinem höllischen Mor pheus- (Anfang deS 18 Jahrhunderts) erwähnen die gespenstischen Leichenzüge kaum, abwohl sie alle ihnen erreichbaren Spukgeschichten ausgesucht und gesammelt haben und obgleich der letztere Pre diger im Schlesmigschen war. Im dreißigjährigen Kriege und den darauf folgenden Zeiten waren es herannahende feindliche oder kämpfende Heere, welche daS grögte Entsetzen einflößten, da ihr Herannahen Moro, Plünderung, Pesti lenz und allen nur denkbaren Greuel anzeigte. Damals also waren Visionen
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von Soldaten und Schlachten an der Tagesordnung, die jetzt ganz auS der Mode gekommen sind. Natürlich glaubte man aber auch an die prophetische Krast dieser Erscheinungen. Unsere Zeit kennt nicht? Grausigeres, als die gespenstischen Leichenzüge, und dem. der daran glaubt, läuft schon bei dem Gedanken daran ein Schauer den Rücken herunter. DaS Volk leitet den Ursprung der Erscheinungen verschieden
artig ab. Bekannt ist daS Gedicht von Claus Groth. ,n welchem er schildert. wie der Besitz emes Stockes diese pro pbetische Krast unter entschiedenstem Mißbehagen des Besitzers verleiht. Aber mögen sich die Menschen, welche von solchen Erscheinungen geplagt werden, auch noch so unglücklich suhlen, so suhlen sie doch meist einen gewiffen Stolz darauf, eine Gabe zu besitzen, die den meisten an deren Menschen fehlt, und es drängt sie oft em gewiffes grausiges Jntereffe dazu, sich diese Gabe zu verschaffen. Bei uns war die Meinung verbreitet, daß man sich das zweite Gesicht aneignen könnte, wenn man um Mitternacht fast nur um diese Zelt lasten sich jene gespenstischen rr r , , w v ! - iiqeinungen legen zemano uoer vie linke Schulter säh?, der eben einen Lei chenzug erblickt. Und das scheint mir durchaus wahrscheinlich, da der Urgrund jener gespenstischen Etscheinungen sicher in der Gespenstersurcht zu suchen sein wird. Die Gespenstersurcht ist eine eigenthümliche Erscheinung. Sie ist, so viel ich weiß, noch nie einer wissenschaftlichen Unlersuchung unterzogen, sondern stets als etwas Selbstverständliches hinge nommen. Und doch liegt die Frage so nah : warum sürchten sich die Menschen so sehr vor den Gespenstern ? Doch ncin, die Frage, ist offenbar falsch gestellt. Es gab nur zwei Perioden derWeltgeschichte, wo die Gespenstersurcht allgemein ver breitet war, wo alle Menschen mit sehr wenigen Ausnahmen sie kannten: die römische Kaiserzeit und die Zeit vom Ende deS Mittelalters bis ties in's vorige Jahrhundert hinein, wo der für athei stisch gehalten wurde, der nicht an Teu fel und Gespenster glaubte, weil auch Christi Jünger nach Eo. Marc. 6, 49 daran geglaubt haben. Jetzt müffen wir die Gespenstersurcht nur auf die wenigen Menschen beschränken, die an Spukerei noch glauben. Warum also werden die Gespenster gefürchtet? Ist man besorgt, daß sie die Menschen tödten oder krank machen? Vor Schreck und Angst sind wirklich Manche in schwere Krankheit verfallen; aber die spulhaften Erscheinungen an sich sind doch stets als ganz ungesährlich an gesehen, einige wenige Fälle ausgenom men, z. B. das Erblicken seines Doppel gängerö, wovon oben die Rede war. Und noch seltsamer ist, daß eine wirk liche reale Furcht die Gespenstersurcht gründlich auStreibt. Bet elnem Räu berüderfall etwa flüchtet sich das ängst lichste Ä5eib unbedenklich ouf den Boden, den sie sonst um keinen Preis der Welt NachtS betreten wurde. Die Anlage zur Gespenstersurcht ist so sehr in der menschlichen Natur begrün det, daß keme Zeit, kem Volk, je davon frei gewesen ist. Offenbar ist das Graulen bis u einem acw. en Grade eine angenehme Empfindung für den Men schen; es giebt eine Nervenerregung, die vielleicht unter bestimmten Verhältnissen emem Bedürfniß entspricht, das oem Be dürsmß, ein Nauschmittel zu gebrauchen. entweder analog oder sogar mit demsel den identisch sem mag. i&o seoe-l wir fchon die Neigung dazu bei den Kin'ern hervortreten : die Spiele, in denen An dere erschreckt werden oder die Spielen den sich gegenseitig Angst machen, sind überall sehr beliebt. AuS demselben Grunde drängen sich die Menschen gern hinzu, wenn es gilt. Hinrichtungen, Feuersdrunste und ahn tlche grausige Schauspiele anzusehen.und für den einmal von Gespenstersurcht an aeueaten 'i'cenia en grevr es räum eine angenehmere Beschästiguna, als Spuk geschichten anzuhören. Jene Gespen stcrsurcht muk wirklich eist förmlich er lernt werden; es wird ja bei der ange borenen Anlage dazu dem Menschen leicht; und je öfter man sich diefem Ge südle überläßt, um so leichter wird es in jedem einzelnen Falle erweckt, um so energischer und besiiger wird eS in seinen Wirkungen. Wir schließen daraus: die Gelpenstersurcht ist die. primäre Erschei nung, der Glaube an Geister Erschei nungen und daS Erblicken von Spukge stalten ist erst in jedem Falle durch jene Furcht hervorgerufen ; und genau ge nommen verwechselt der. welcher sich vor Gespenstern fürchtet. Ursache und Wir lunq. Es ist ein schon lange feststehen der Erfabrungssatz, daß nur ängstlichen und gläubigen Menschen Gespenster er scheinen; diejenigen, welche nichts davon wiffen, sehen diese Erscheinungen aber niemals. Die Nervenausregung, welche durch da? Grausen hervorgerufen wird, verhindert kzire und deutliche Wahrneh. munaen durch die Sinne, vor Allen durch das Gesicht ; dies letztere natürlich um so eher und um so leichter, weil die Gespenstersurcht in der Dunkelheit am stärksten entwickelt ist. Die grausigen Bilder, mit denen sich die Phantasie leb haft beschäftigt hat. drängen sich gewis sermaßen dem leiblichen Auge auf. Man cher der Leser mag eö an sich selbst er fahren haben, wie leicht ein unerwarteter Anblick ihm einen Gespensterschreck ein jagen kann, wenn er kurz vorher durch irgend eine grausige Geschichte aufgeregt gewesen ist und nun einsam irgend ein Zimmer betreten soll; wie etwa ein in der Kammer hängendes Handtuch sich ihm. wenn auch nur für einen Augen blick, leibhaftig als einen mit Gesicht, Armen und Beinen ordnungsmäßig aus gestatteten Geist darstellt. Völlig freie Gestaltungen der Pban taste, also wirkliche Visionen, sind hier von kaum .zu unterscheiden; eS genügt ja eine hellere Linie im dunkeln Hinter gründe, ja irgend ein Lichtschein im Äuge selbst, z. B. daS Nachbild, welches her vortritt, wenn das Auge 'durch daS An sehen eines leuchtenden oder farbigen Gegenstandes ermüdet ist, um solcherlei Visionen hervorzubringen. Indem ein solcher Anblick jedesmal daS Grauen und Entsetzen steigert, erwirkt er, daß diese Schreckdilder sich um so leichter wieder
bolen, je häufiger sie gesehen werden. Und natürlich sieht der Mensch stets, was er zu sehen erwartet : in der Kammer, aus der Treppe des Hauses sirht man (A-ister oder Gespenster, etwa einen Mann ohne Kopf; in den schaurig ein samen und dunkeln Straßen einer kleinen Stadt oder eines Dorfes am leichtesten Leichenzüge. Natürlich verhalten sich die Menschen diesen Visionen gegenüber sehr verschie denartigzder gebildete oder kühneMensch. der von der Gespensterfurcht gewiffer maßen nur leicht gestreift ist, faßt sich sehr bald und erkennt fast augenblicklich die Täuschung und ist meist auch in em selben Augenblick von aller Furcht frei; daS Kind, das schwachnervige Weib laufen entweder schreiend und die Augen zudrückend davon, oder fallen in Ohn macht; der von Gespensterfurcht uan'z und gar durchgraute Mann sieht sich die Visionen mit Wahrung der äußeren Rube an und weiß demnach auch allein Rechenschaft darüber abzulegen, waö er gesehen hat : dos ist der aewöhnlicheTy-
vuö der mit dem zweiten Gesicht begabten Menschen. Nun wird auch klar, we halb diese Erscheinung jetzt so selten qeworden ist; häufiger konnte sie nur sein in jener jetzt gottlob hinter unS liegenden Zeit, in welcher kein böhe-eS geistiges Jntereffe die Menschen beschäftigte, lein UnterhaltungSsloff an sie herantrat, als Hexen nnd Gespenstergeschichten; eS war zugleich die Zeit, in welcher das Leben der meisten Menschen sich so gleich sSrmig abspann, daß meistens auch die jungen Männer nicht lernten, über Fra gen und Angelegenheiten, die sie ernstli cher beschädigen konnten, ihre Gespen flersurcht zu vergessen. Jener englische Schriftsteller, der den Namen zweites Gesicht" erdacht hat, hat damit mahrlich der Menschheit seinen guten Dienst geleistet, denn die meisten Menschen denken, daß doch .auch em Begriff bei dem Worte sein muß-, und hallen demnach jenen Aberglauben sür etwas Andere?, als er wirklich ist. Denn selbst den Anspruch, prophetische Krast zu haben, besitzt jede andere Art von Spuk oder G.spenstererscheinunaen auch. Die Naivetät, mit welcher lene Präten sion sich meistens aeltend macht, tritt recht deutlich aus einer Erzählung Gold schmld's hervor. .Er hört 1678 oder 1679 in Husum in Gesellschast mit den Seinigen em elendes und miserables Gebeul und Wehklagen. Viele Jahre vei flössen und man sah nicht, was das Geschrei bedeuten sollte, biö endlich, da ich schon etliche Jadre Prediger bei mei ner mir anverlrauten Sterupschen Ge meinde gewesen war und hin nach Hl sum reisete mit meiner Liebsten, um meinen Herrn Vaterbruder nebst den Seinigen zu besuchen, ungefähr eine Stunde vor meiner Abreise dieses schon langst ge hörte Geheul erfüllet ward." Ein Kind war ertrunken, dS etwa sieben Jahre alt war, und die Mutter erhob em er bärmliches Geschrei, als sie es todt fand. und dies geschah am ö. October 1695 ! Wer unbefangen und ohne Vorurtbeil prust, erkennt leicht, daß wirklich der Be griff deS zweiten Gesichts durch keine Grenzlinie von dem gemeinsten Spukund GesPenstkrglaubn zu trennen ist; der braucht nicht, einmal auf die Viel deutigkeit jener Erscheinungen hinzuwei sen, noch welcher ein gespenstischer Lei cdenzug auch durch eine Hochzeit, eine Klndtaufe, die Wiederkehr eines Ange hörigen u. s. w. erfüllt wird", um den Anspruch des zweiten Gesichts lächerlich zu machen, es sei eine unbestreilbare Thatsache, daß Alles, waS die Visionäre sehen, ,n Erfüllung gehe. Dr. Ludw. Mejer. Matfiilde Seine. Siebenundzwanzig Jahre bat sie den Gatten überlebt, besten Andenken sie zwar bis an ihr Ende in pietätvoller, lie bender Erinnerung bewahrt, besten Be deutung und geistigen Gaben sie aber wohl niemals begriffen yaden mag. Denn wie sehr man auch bemüht war. die nicht einmal die Elemente des Wls senö in sich begreifenden Kenntniffe Ma thilde's zu e'gSnzen, so hat si dieses verspätete BUdungswerk als nahezu er folglos erwiese,.. Insbesondere war es . . 11 l . . c i p unmögilch aewe en, ne mir oer oeuiscuen Sprache bekannt zu machen, von der sie nur die Wendungen .Nehmen Sie Platz- und .Guten.Tag" ihremGedächt niste eingkpiägt hatte, die sie jedes Mal, wenn ern Deutscher kam, nii so papa aeienbaster Komik hersagte, daß der Hörer nur mit Mühe das Lachen zu ver halten vermochte. Wie Heine selber of mit fröhlichstem Lächeln seinen Freunden bemerkte, wir er der Ueberzeugung, daß Mathilde von semen Werken, von denen doch ein ansehnlicher Theil, und darunter t i ri , c..snrx. ct aucy die iLeolchie, in irunzvitirl pluche erschienen war, niemals eine Zeile aelesn habe. Heine lernte Mathilde im October 1834 in Paris kennen. Mathilde. Mirat, die Tochter normän nnmer Döltter. oatte ihre Jugend m ihrem ideimatbsorte verlebt und war nachdem sie den Eltern bis zu ihrem acht zehnten Jahre in der Besorgung des kleinen Ackerwesens wacker zur erte ge standen hatte, durch einen Zufall nach Paris gekommen. Hier batte sie Heine m emem jener zahlreichen Äergnugungs locale kennen gelernt, welche d-n Verei nigungspunlt für junge Leute besserer . iXJ l!iv flauen Mir iaNAiUiigcn ouunin uuurn deren einziges Streben daraus gerlchte ist. sich sür des Tages Mühen durch Z streuuna zu entschädigen. Ihre Schön heit, die einen Zug sür das Sinnliche verrieth, zog den damals 35 Jahre alten Dichter sofort m't magifcher Gewalt in ibre Netze, auS denen er sich nicht wieder tesktlen sollte. Denn kaum war er aus feiner ländlichen Einsiedelei nach Paris zurückgekehrt, so nahm er auch schon das sistirte Verhältniß wieder auf und ließ es sich dermaßen über den Kopf wachsen. daß er sogar einen gemeinsamen Haus balt mit Mathilde einrichtete. Sechs Jahre währte dieses Leben, als demselben ein Zufall eine entscheidende Wendung gab. Heine hatte sich über die Gattin des FranksurterS Dr. Salomon Strauß, der in Paris lebte, in seinem gegen Börne gerichteten Pamphlet eine anzügliche Be merkung erlaubt, durch welche diese, de ren frühere Beziehungen als Frau Wohl
zu Börne bekannt waren, in ihrer Ehre
dermaßen verletzt fühlte, daß ihr zweiter Gatte, Dr. Strauß, an Heine eine Her auSforderung ergehen ließ. Heine sah etzt die Nothwendigkeit em, seine Ge ährtin sür den Fall sicher zu stellen, daß er bet diesem Anlak gelöster weroen sollte, zumal Mathilde lebhast und mit Thränen rn den Augen m ihn drang. hre Verbindung mit ihm legalisiren zu asten. Er willsahr'e ihr also und schloß mit ihr nunmehr auch in den gesetzlichen Forme den Ehebund. Wenige Tige darauf eS geschah am 31. August 1841 fand in der Nähe von SaintGermain das Duell statt, in dem Heine eine leichte Verwundung am Arme davongetragen hat. Mathilde liebte ihren Gatten mit jener Aufrichtigkeit undTiefe, deren ein so ganz und gar sich an der Obelfläche des GemuthS haltendes Wesen überhaupt nur fähig war, und auch Heine hing an hr wie an einem gellebten ptelz ug. mit dem man sich die Grillen vertreibt und zu dem man immer wieder gern von Neuem greift, wenn man Zerstreuung und Erheiterung des Gemüths sucht. Ihre drollige Einfalt und ihr le'chter. stets zu. sorgloser Fröhlichkeit neigender Sinn waren die Eigenschasten, welche Heine an seiner Gattin vorzugsweise anzogen. Ihr harmloses Gevlauder, welches allerdings mit den Jahren in einen seltsamen Contrast zu ihrer lörver lichen Vorgeschrittenheit trat, ergötzten ihn ost mehr als dos geistreichelnde Ge kose vornehmer Salondamen, und bet all' ihrer Unwiffenheit, der selbst die zeitweilige Erzi hung in einem Pensio nat nicht hatte abhelfen können, amüsirte ihn dennoch Mathilde's Naivetät, mit der sie an ihn glaubte, ohne sich dieMuhe au nehmen, etwas von seinen Werken selber kennen zu lernen. Ist Henri wirklich ein solch' berühmter Mann, der so schöne Bücher geschrieben hat? Ich merke aber nichts davon und muß mich damit begnügen, es aus's Wort zu glau den !" pllcgte sie zu äußern, wenn man ihr von dem Ruhme ihres Gatten sprach. Man kann diese Arglosigkeit, die denn doch schon über d,e Grenze' emer erher ternden Kindlichkeit weit hinausgeht, nicht allein durch die geistige Jnseriorität erklären, die Mathilde nach den Zeug nisten aller Mitlebenden charsktermrt. Daß ein solche? Wesen einem nach geistigem Austausch und nach Verständ niß sür sich verlangenden Manne auf die Dauer nicht genügen konnte, vrrsteht sich von selbst. Trotzdem war die Ehe nicht eigentlich unglücklich. Im Gegentheil, wenigstens dem äußeren Anschein nach, denn alle Bekannten, die Gelegenheit hatten. Blicke in dieses häusliche S tll leben zu thun, versichern, daß Heine stets den heiter zufriedenen Gatten gezeigt und sich mit harmlosen Scherzen über die öster zu Tage tretenden geistigen und Gesühlsdlößm der stets fröhlichem Le bensgenuß nachjagenden Frau hinweg gesetzt habe, denn er betrachtete sie als ein ziind und behandelte sie auch so. Frau Mathilde, das große Kmd, war mdeffen leider keme von jenen großsmni gen grauen, die wie nget Frieden m kranke Herzen zu träufeln vermögen. Ihr war die tägliche AuLsahrt aus die voll belebten Boulevards in Gesellschaft de? treuen Pflegerin Heine's, Paulme, der Circus. die Champs Elvsees und das Flaniren im Sonnenschein ein Lebenöbe dürsniß, das ihre tägliche Gewohnheit bildete und auch dann mcht aufgegeben wurde, als der langsam dahinsiechende Sänger bereits Hülflos und von allen früheren Freunden verlosten auf dem Schmerzenslager sich in fchwermüthig gramvoller Reuanatlon verzehrte. Der Papagei Cocotte" war neben den täglichen Zerstreuungen die größteFreude Mathilde's, der daS Geschick die edleren der Mutter versagt hatte. An dem Pa pagei hing ihr ganzes Fühlen und um ihn drehten sich ihre Gedanken, denn sür die Wirthschaft zu sorgen und demHaus wesen vorzustehen, war ihr eine adsolu unverständliche Pflicht. Wo sollte sie auch Derartiges gelernt haben ? War sie doch von der Fabrikarbeit in den Salon, an die Seite eines eben so genialen als unwirthfchaftllchen Dichters versetzt wor den. DinerS und Soupers gab es beim Trarteur. Da sie den Werth des Ge! des nicht kannte, machte sie sich um die Bezahlung kein: Sorgen. Sehr bezeichnend sür die Leichtmü thigkeit Mathilde's sind ein paar Anek boten, in denen ihr Papagei eine her vorragend: Rolle spielt. In seinem nervös aufgeregten Zu stände, in dem er dem Argwohn der Ei fersucht zuzänglicher war als gewöhnlich plagten Hane mitunter udle Gedanken die in ihm heftige Unruhe hervorriefen .Ich war gestern." sagte er einmal zu einer Freunden, die ihn besuchte, ch unruhig, wirklich recht unruhig. Ma thilde war gegen Zwei mit ihrer Toilette fertig geworden und ausgesahren. Sie hatte versprochen, um 4 Uhr zurück zu sein. is wird junf. sie kommt nicht. Sechs, sie kommt nicht. Es wird Acht sie ist noch immer nicht da; meine Sorge wächst. Sollte sie, des kranken Mannes überdrüssig, mit tmcm schlauen Verfüh rer ourcygeganaen sem f In memer peinlichen Angst schicke ich die Wärter in thr Zimmer hinunter und laste fragen ob Eocotte noch da ist. Ja, Cocotte isi noch da. Da sällt mir ein Stein vom Herzen. Ohne Cocotte mitzunehmen. geht sie Mir gewiß nicht durch. , Als Heine eines Nachts von einem je ner schrecklichen Krämpse befallen wurde dle lhn jedesmal m Lebensgefahr versetz ten, eilte Frau Mathilde entsetzt an das Klankenlager, ergriff seine Hand, netzte ste mit ihren Thränen, streichelte sie und rief im Uebermaße ihres Schmerzes jam mernd: .Nein Henri, nein, das wirstDu nicht thun. Du wirst nicht sterben ; Du wirst Mitleid .haben. Ich habe schon heute früh meinen Papagei verloren; wenn Du nun auch noch sterben würdest, wäre ich zu unglücklich.- D8 war ein Befehl bemerkte Heine zu Mad. Jau bert, als er ihr diesen Zug erzählte, .und ich gehorchte; ich fuhr fort zu leben. Sie begreifen, liebe F7eundin, wenn man mir gute Gründe anführt. ..." So sehr Frau Mathilde auch dle Deutschen haßte, so mußte sie sich doch im Jahre 1842 zu einer Reise nach dem Vatcrlande ihres Gatten bequemen, der sie seiner Familie vorzustellen wünschte.
Noch vierzehntägiger Anwesenheit in
Hamburg wor sie indesien des dortigen Lebens im Kreise der reichenKausmanns amll e so uberbrusllg, daß sie cs nicht änger aushielt und nach Hause zurückzukehren verlangte, wobei sie als Vor. wand die schwer? Erkrankung ihrcrMut er angab. Heine mußte ihr willfahren und sie reisen lasten, bei seiner Eifcrfucht ein Entschluß, der ihm gewiß schwere Ueberwindung gekostet haben mochte. UedrigenS beruhte das Unbehagen auf Gegenseitigkeit. Sie halte den Ver wandten durch ihr freies, ein wenig gri settenhasteö Wesen mißfallen, und diese waren deshalb froh, als ste von ihr.be freit waren. Auf dieser Reise mußte Cocotte ihr Gefährte sem. AIS sie in Hamburg. an's Land stieg und die Mut te? Heine'S begrüßte, waren nach dem Zeugniß von Marie EmbdenHeine ihre ersten Worte an die Schwiegermutter : Ach, wenn Sie wußten, wie seekrank der arme Vogel und wie leidend er war?" An diese eigenthümlicheBegrüßungZscene reihte sich aber sofort eine noch weit dra stischere Episode an. Frau Mathilde bekümmerte sich um nichts. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf den Vogel gerichtet, der, in einem hölzernen Kasten eingeschlossen, ded Transportes harrte. Der Schwager Heine's wollte den Kasten übernehmen. stieß mit dieser höflichm Absicht jedoch aus den widerstand der Besitzerin. Als indesien der Wagen vorsuhr und Frau Mathilde denselben bestieg, muvte sie ihre Aufmerksamkeit von dem theuren Kleinod sür einen Augenblick abwenden, den der galante Schwager dazu benutzte, um sich des ZcastenS nunmehr hinterrücks zu bemächtigen, ohne jedoch seinen In halt zu kennen. Im nächsten Moment ergriff Cocotte bereits den Finger semeS Entführers und brn ihn so heftig, dak dieser den Kasten entsetzt fallen ließ und einen lauten Schmerzensschrer ansstleß. Man kann sich nun die Angst und die Bestürzung Mathilde's voistellen. .Das gellende Geschrei von Madame Heine, daS Gelächte? meines Orkels, das Schnattern des Papageis, die Ueberra schunz meines Vaters es war die so mischste Scene, die man sich nur denken kann," so schildert Marie Embden diesen ergötzliches, Austritt. Es ist ein rührender, mit manchen haß lichen Eigenschasten in Heine's Charak ter versöhnender Zug, daß der kranke Dichter dieser von Gemüth so seicht an gelegten und geistig so tief unter ihm stehenden Frau bis an sein Ende eine treue Zuneigung bewahrt hat, von der nicht nur verschiedene Stellen in seinen Briefen und Gedichten, sondern auch die Sorgen zeugen, mit denen er sich fort während trug, um -ihr nach seinem Tode eine sorgenfreie Existenz zusichern. Diese ist ihr denn auch bereitet worden. Mad. Heine bat von der Familie eine jährliche Nente von 6000 Frcs. und von der Fir ma Hoffmann & Campe in Hamburg, in deren Verlag Heine's Werke erschienen sind, ein lebenslängliches Jahreögehalt von 2550 Frcs. bezogen, außerdem er hielt sie für nachgelaffen' Schriften ihres Gatten von der ermähnten Verlaasbuch Handlung 10.000 FrcS. und von dem pariser Verleger Michel Levy 18 000 rcs. für die Ueberlaffuna des Ueber setzungsrechtes an einmaligem Honorar: Summen, die wahrlich mehr als hinrei chend gewesen sind, um Frau Maihilde ein behagliches Leben zu ermöglichen. In ihrem Alter war sie eine wunder liche und störrische Matrone geworden. die sich von der Welt abgeschloffen hielt und namentlich gegenüber den zahlreichen Versuchen unerbittlich ablehnend ver blieb, welche von Berufenen und Unbe rufenen unternommen wurden, um über ihren Galten und besten Schriften von ihr Auskunste zu erlangen. Mit pemlt cher, argwöhnischer Sorgfalt wachte sie bis an ihr Ende über die haadschkistlichen Reliquien, die sie noch von dem Verstor denen besaß, und verhinderte eS auf diese Weise auch, daß in den bekannten Streit um die Memoiren Heine'S Licht und Klarheit hineinkam. Da nach testamen tarischer Bestimmung Heine's nunmehr der handschristllche Besitz der Verstürbe nen in das Eigenthum deS Herrn von Embden, seines Neffen, übergeht, so wird es vielleicht mit besten Hülfe möa lich fein, über die Existenz uns den Ver bleib der Memoiren genaue Feststellung zu machen. W r. E. Sterke. Abgetrumpft. Ein Amerikaner, welchem ein enali scher Lord eine Gemäldegallerie zeigte, brach ausnahmlos bei jeoem Gemälde in die bewundernden Worte aus: ,8plenci. id, very nice indeeel, raot appro priately placed!" Der Lord, dem dieseö monoione Lob endlich langweilig wurde, flüsterte seinem Diener etwas rn's Ohr. Hieraus wurde der Ameri kaner in ein Gemach geführt, das man rn der Regel allein zu betreten pflegt. In oemseiven hing ein Bild Washmg tons. Splendid, very nice indeed, most appropriately placed ! rief der Amerikaner aus, nachdem er es auf merksam betrachtet hatte. Mein Herr." brach der Lord entrü stet los, .ich sehe, Sie verstehen von Ge mälden gar nichts; weshalb soll das Bild hier einen guten Platz haben?" . .Der Platz ist ausgezeichnet," entgeg nete der Amerikaner mit unerschütter licher Ruhe; .ich glaube, der Anblick dieses Bildes mus gerade b,er auf jeden fr sw-- V!. . r a- rm ngiunoer oie gewuriluzle Wirkung yer vordringen!" N u r s ch l a u. Ein Student hat an der Table d'hote während des ganzen Essens das große Wort geführt, da sagt endlich einer der Tischaenosien: .Ader mein Lieber, jetzt haben Sie unö lange genug von dem unterhalten, was Sie können, so daß wir gerne auch etwas hören möchten, was Sie nicht können !" .Gut ich bin bereit, wenn Sie es dann für mich thun wollen!" .DaS soll geschehen, wenn ich'3 im Vtanoe vin : .Ich nehme Sie beim Wort, Verehr tester. Ich kann meine Zeche nicht de zahlen und dals nun vielleicht Sie dar um ersuchen !"
Pariser ,,Recht"spre6,ung.
Paris, 1. März. Vorgestern und gestern wurden hier vor den Geschworenen zwei Processe mit ganz sonderbarem Ausgange verhandelt, die aus eine gewisse, gar nicht selten austretende Verwirrung des Denkvermögenö ein geradezu erschreckendes L'cht werfen. Der Sachverhalt beim ersten ist folgender: Vor einigen Wochen sasen in einem Wirthshause des Faubourg St. Denis mehrere Arbeiter zusammen, von denen der eine, Sousflet, em junger ZZjähriger Mensch, einen andern, Ast beimer, aufforderte, sür ihn die Zeche zu bezahlen. Alö Astheimer sich weigerte, kam eS zu Streitereien, in die sich auch der Wirth mit dem Bemerken einmischte, daß Sousflet ihm Geld sür frühere Ze chcn schuldig set, was Astheimer zu den Worten Veranlassung gab, .ein ordent licher Mensch müsse vor All?m seine Schulden bezahlen." Da Sousflet sich dieser Anschauung keineswegs anschlie ßen wollte, wulde er vom Wirth herausgeworfen. Er begab sich nun auf einen nahegelegenen Bauplatz, suchte sich dort eine große Holzlalte auö, lauerte oem Ästheimer auf und schlug ihn, a!L er ei nige Zeit daraus das Wirthshaus vertieß, mit der Latte so über den Kovf,daß er augenblicklich todt blieb. Vor Gericht sagte nun der Vertheidiger: Sousflet sei bekanntermaßen ein außerordentlich rachsüchtiger und jähzorniger Mensch, Astheimer hätte sich daher sagen müssen, daß man einen solchen Mann nicht durch Vorhallen unbezahlter Schulden reizen dürfe; wenn er es doch gethan habe, so sei das auf seine eigene Gefahr hin ge fchehen, nnd wenn Sousflet den Aflheimer todtgeschlagen habe, so trage Ast heimer daran die ausschließliche Schuld.. Diese Beweisführung leuchtete den Ge schworencn denn anch derartig ein, daß ste Sousflet ohne Weiteres freispra chen, und Astheimer kann von Glück sagen, daß lhn sousflet so gründlich todt geschlagen hat, da die Geschworenen der Seine ihn andcrnsalls, ja, wahrscheinlich zu einer harten Strafe (vielleicht wegen intellektueller Urheberschast an emem Morde!) verurlheilt haben würden. Der zweite Fall ist ebenso blödsinnig und noch empörender. Ein 23jähriger Student Margeritte, Sohn eines Advo katen in der Provinz, wohnte in demsel den Hause mit einer Frau Theil. Da er viele Schulden balle und hart gedrängt wurde, entschloß er' sich kurzweg zu eirem Radikalmittel, schlich sich wah rend der Abwesenheit der Frau Theil m deren Wohnung ein, erbrach unter An wendung von Gewaltmitteln einen Geldfchrank, m welchem er 80 Fr. baar und elwa 9000 Fr. in Papieren versand, die ihm bei einem Barquier zu versilbern gelang. Außerdem nahm er auch eine goldene Brofche mit, die er seiner Mailreste schenkte. Mit dem gestohlenen Gelde trat er nun in Begleitung seiner Geliebten Reihen an, bei denen das Geld bald genug drauf ging. Inzwischen kamen die beiden Dienstmädchen der Frau Theil in Verdacht, das Verbrechen verübt zu haben, und die eine mußte eine zweimonatliche Untersuchungshaft erleiden. Die andere wurde, als ihr Frau Theil Mitschuld am Diebstahl vorwarf, so aufgeregt, daß sie ausrief: .Ja, ja, ich bin es gewesen! Ja, werdet ihr jetzt zusricden sein ?" und sich mit diescnWorlen aus dem Fenster aus die Straße stürzte, wobei sie beide Beine brach. Solche Kleinigkeiten machten indessen auf Margerilte gar leinen Eindruck und er bequemte sich erst, sein Verbrechen einzugestehen, als seine großen Ausgaben die Aufmerksamkeit der Polizei auf ihn lenkten und seine Schuld durch verschiedene Beobachtungen erwiesen war. Der arme Vater kam nun aus der Provinz nach Pari, entschädigte Frau Theil sür das gestohlene Geld und bat die Geschworenen um Nachsicht. Der Vertheidiger aber machte s noch besser : er zeigte den Geschworenen, daß es .hartherzig und niederträchtig sei, die Lausbahn eines so hoffnungsvollen jungen Mannes durch eine Verurtheilung zu zerstören", er machte ste auf den Schm'rz aufmerksam, den sie dem ehrenvertben Vater bereiten würden und die Geschworenen' sprachen den Angeklagten frei ! Wenn diese wackern Geschworenen nun wenigstens logisch sein und beim Präsidenten der Republik eine Bittschrift einreichen wollten, eö möge ein Gesetz erlassen werden, wonach Verbrecher, die Söhne anständiger Eltern sind, fernerhin straffrei sein sollen. Die Staatsanwaltschast könnte ja auch angewiesen weiden, in Zukunst nur solche Verbrechen zu verfolgen, deren Urheber nachweislich Waisen sind. Und wenn solche Fälle noch vereinzelt wären! Aber die Gerichtschronik wimmelt von ihnen. ?!eu:ich wur e ein Mädchen freigesprochen, die aus ihren Liebhader mit einem Revolver geschossen und ibm eine schwere Verwundung beigebracht holte. Als da? sreisprechende Elkenntniß ersolgte. rief das Mädchen seinem Liebhaber, der auf der Zeugenbank saß, folgende tröstliche Worte zu: .Sehr gut ! Ich habe dich mit dem Revolver nicht tödten können, jetzt werde ich dir überall mit Vitriol auflauern. Ich werde dich schon sertig mach?n." Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, ob man diesem lledens würdigen Kinde Gendarmen zur Verfügung gestellt hat, um zu verhüten, daß eiwa unberufene Personen dasselbe in der Auisübrung seines offenbar ganz erlaubten, ja. sogar löblichen Vorsatzes bindern. Es wäre das eine einfache Forderung der Logik. Meistersang.' Lehrbua bin i' gewesen, Kreuzsapperlot ! 'Prügelt dad'n mi' d' G'sell'n Und d' Moaster hälb todt! G'sell bin i' word'n ! Vokelement ! 'Prüaelt hab' i' d' Lehrbuav'n Mit Jüß' und mit Händ' ! ?'M bi" Moaster, Sternsakradi ! V pruarl t' Lehrbuab'n, Mei' Wei' prügelt mi' !'
