Indiana Tribüne, Volume 6, Number 179, Indianapolis, Marion County, 18 March 1883 — Page 6
ataion (Plattensee.) Sine ngarisöe VottSsag?, til$W Ott . Fadrteiuz. vs Inmitten der unabsehbaren FlSch: liegt eine kleine Tanya. DaS mit Rohr überdachte Wohnhaus ist von einem schönen Gemüsegarten umgeben, an wei chem sich einige Schober Heu undStrob, dann der Stall für Rinder und Schafe anschließen. Alles tragt Zeichen einir sorgsamen Pflege. Ringsumher begrenzen die Tanya üppige Akhrenselder, abwechselnd mit hügeligen Wiesen, aus denen dieHeerden reichliche Nahrung finden. E5 ist daZ Eigenthum des weithin be kannten,megen seiner Strenge und Hart berzigkeit gesürchteten alten Bauern 93alat. Hier lebt er mit seiner Tochter Jo' lanka, der man allgemein den Beinamen szcp beilegte, und zwar mit vollem Rechle, denn Jolanka ist wirklich ein Bild echter ungarischer Landschönheit. DaZ runde, sonnengebräunte Gesichtchen mit den leuchtenden, schwärmerischen Augen besitzt einen Reiz, einen Zauber, der unfehlbar bestrickend aus die Umge bung wirkt. Alle Tugenden, die der Vater enl behrte, vereinigten sich in diesem Kinde. Sie war gleichsam der Schutzengel sür Haus und Gesinde. Was das'roye und herrischeWesen ihres Vaters verschuldete, wußte sie durch ihre Güte und Milde zu schlichten und zu heilen. Die Arbeiter und Knecht: verehrten und liebten sie alle am meisten aber Geza, der Roßhirte, ja man sagte sogar von ihm, er betete Jolanka an wie man die heilige Maria anbetet. Selten nur ist es Geza vergönnt ge wesen, seine Geliebte zu sprechen, denn er war drei Stunden entfernt auf eine? Pußta zu Hause, und wenn er auch hie und da des Abends kam, konnte er nur wenige Worte mit ihr wechseln, denn Vater Balat sah ihn ungern auf der Tanyz. Ebedem war dies wohl anders. Vor zweiJahren noch stand er imDienste bei Jolanta's Vater, er wurde aber ent lassen, als der Alte die Neigung seiner Tochter zu dem bettelarmen Knecht ge wahrte. Die Trennung der jungen Leute hatte indeß nicht das von Balat erwartete Ne sultat. ' Die einmal erwachten Gefühle schlummerten nicht wieder ein, nein, sie wuchsen allmShlig zu unbezwingbarer Leidenschaft heran. Still und schweigsam erfüllte seither Jolanka ihre Tagesarbeit, keine Klage, m . i cm :ii cm tt'm Miktan kam nwS ifirrn TOiinh i duldeik in 5,? fn&fn slnffrntnn hn& einst die Zeit kommen werde, die sie mit ihrem Geliebten vereinigen würde der Himmel ist ja gerecht gegen alle guten Menschen. . I Wirfst fft niM mih ?ssi-n .,,5.. Geza sein Schicksal. Anfangs wohl,aber als Monde als ein Jahr ja als . . ' schon das zweite sich fernem Ende nahte. übermannte ihn die Leidenschaft und er besuchte Jolanka öfter, als es sich mit dem Sinne des alten Balat vertrug, ja er kam sogar bei Nacht verstohlen. Doppeltes Leid mußte nun das Mäd chen ousstehen, denn es gab stets Sturm und Wetter, wenn der Vater die Anwe senheit Geza'S erfuhr. Mit den bittersten Vorwürfen und Drohungen wurde sie überschüttet, daß ihr jeder Augenblick des Glücks, den sie an des Geliebten Seite nenok. 111 einer G.mnteit fion final" w?, ffrt hrf innX S? ittruf vu.w. vk ufivuiiv v.v Stichs tranri 3 Es war Abend. Mürrisch trat der alte Bauer in die Stube und rief in nvhrm 5nn, . ni " Währt, trtt&fs Zn einer c?5?e sa und betete, erbob sick. leate den Ra. senkranz auf den Tisch und fragte: Was besiehst mein Vater V Ich sah soeben einen Reiter über den Hotter jagen, ich erkannte sein Pferd es ist Geza !" DaZ Mädchen fuhr erschreckt zusamMin. O mein Vater ! Seid nicht hart Hegen Eure.Tochter, seid milde und gut, laßt mich nur heute noch mit Geza zu sammen sein. Ach, meine selige Mutter hätte mir gewiß auch diese Ai'.te gewährt ! .Nichtswürdige !" fluchte der Alte, faßte sie an den Haaren und schleudert! WTvis an die Thüre. Jesus Maria ! schrie das arme Kind. ' .Hinaus, Dirne ! Ich befehle Dir, sag: dem Belyar, nenn ihm sein Leben lieb, wage er sich ' nicht über meine cheue !
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Kaum 'halle dkr Me auZzesprochkn. Ziube, pralltt ab mm zurück -Z di,Äküre ös?a,t mmd.und Gem. Z'Z W ' N ?!?''? "
als . m . . ; sr. . . i er yiORairt, mit den AZorlen : vciooi mm CbristuZ!' ei,ral, . vuiui iwuii viucu iuuivfc"u " i i den Ankömmling und herrschte ihm zor- : ..:...s. w. Mnftiat W 1 1 fT t I " ittcUi . tjuii uuj, ...vvr,v, Nederl cher Bur che.DuLandflrelcher. oder mein Foaos soll Dir den Schädel svalten 4iuiii ncmic, lt ch vifl - er konnte nichi aus prechen, Balat schwang den FokoS zum Hred. Ge chickt sing Geza den öieb mit seinem eigenen okoS aus un ri6 h,m Alten daS ftamnttUW m 8 ,Mf& f & ,nr entgegengesetzten Seitt der Stube flog nnhhflSAnl ffi..i üb,r tnUn1tr& s;;.; ;.r;:r::"a' i z:: Buuai,,, uuu u w. Eine unheimliche Stille trat ein. Geza :. ti.K.cT.- cs ..x 'Ä.?,di Stube. Auch Balat ging bald oauM , omm. ..x in "iimv uiiw lllrt vui kW vtt.vfc . . Mädchen allein. 5-nn v:.f.m mnrtnir tnm a uii.iui -j iu mu. i StUtet ai.dtt. doch di,zmNachtz. (in dak jemand nur.r Union fcanon langsam. Hell leuchteten seine Augen und ein Gesicht umspielte ein fröhlicher Äug. Unzählige Male strrichelte er die' wallende Mähne seines PserdeS. er lieb irtfl 3 als verstände das Thier die "I" . . O. , r. sich erfüllt. ES war zur Wirklichkeit ge.
tzukte. Lange prachen sie miteinander " me 2 V i i graute bereits der Morgen, als Halde saß, zog sich e m drohendes Geza nach seiner Pußta zurückkehrte. ew.tter zusammen. Scbwar e Wo ken
Er ritt trotz der chneidenden Kälte ver,rrrien oinvinn
fillOC seines yerrn. za, eza war zum auien zu unngcn, unv vvt miu Ytob und glücklich, denn die tiessten, ge. fiel schon in großen Tropfen. Mit hoch. l.irn,n ?günsae seiner Seele hatten geschwungener Geißel hikb er.auf die ge.
morden, toiS r in bangen Nächten er träumt und erhofft. Der Vorsatz, seine Geliebte aus ihrer schweren Lage zu befreien, . sie zur Flucht zu überreden, war ibm gelungen, nach langen Bitten und Schwüren, denn Jolanka hing an ihrem Vater trotz seiner Harte und Nohheit mit ganzer Hingebung einer Kinderseele. Aber die Liebe kennt kein Gebot, entfesselt durchbricht sie alle Schranken gleich dem Elemente. In der Nacht versprach Geza zu kam men, um sie abzuholen. Auf seiner Pußta, in der kleinen Hütte, wird ihr ein neues, seliges Dasem erblühen, alle Wonnen des Lebens wird sie genießen an der Brust des Geliebten. Genau wurde die Flucht besprochen. Damit des Weges Kommende sie nicht erkennen, und auch Geza'Z Kameraden, an denen sie vorbei müssen, keine Verräther sein können, versprach er. Kleider von sich zu bringen. Seinen schönsten Sonntags staat, die beste Mente soll sie bekommen. Als Mann verkleidet, wird sie vor jeder Gefahr sicher sein. Eine Eniigkeit schien den Wenden die Zeit bis zur Nacht. (Zndlich war sie da. """ . Mit keiner Miene verrieth Jolanka dem Vater ihr Vorhaben. Die Angst, die sie bisher ersüllte, wich endlich auö ihrer Brust, da immer mehr und mehr des Geliebten Bild das ihres Vaters aus der Seele verdrängte. Sie wußte nun, daß sie ohne Geza nicht zu leben vermöchte und rüstete sich mit wahrem Hcloenmuthe zu ihrer Befreiung. Es war eine stürmische, kalte Nacht. In dichter Menge siel der Schnee und der Wind heulte unheimlich über die Ebene. Der Himmel schien ihre Flucht zu begünstigen, denn bis zum Morgen waren die Spuren, der Tritte gewiß längst wieder verschneit. Ungestüm pochenden Herzens erwartete das Mädchen den Augenblick ihrer Erlösung. Früher als vielleicht nöthig, machte sich Geza auf den Weg. Als die Tanya erreicht war, stieg er ab und band die Pferde an die Gartenhecke. Es waren seine schnellsten und b.'sten Ttliere. Ruhig, als ahnten sie die Gefahr ihres Herrn, standen sie da und spitzten die Ohren. Behutsam schlich, der Roßhirt zum Wohnhaus. Er klopfte leise an das
Fenster. Einen AugenbUck später öffnete Jolanka. .Hier sind die Klerder ich warte an der Hecke, bei den Rossen mache rasch, mein Liebchen !" flüsterte der Bursche und reichte ihr ein Bündel durch das Fenster. .Ich komme bald, mem Geza !" ant' mottete das Mädchen und beaann sich hast'g umzukleiden. PlStzllch hielt sie lnne der Athem stockte m lhrer Kehle, es schun rhr, als hatte.rm Hofe derHund 8ocm neu , c iyui uiu uiic luir, oder ein Eulenruf. Die Hände zitterten dm armen Kinde, sie dachte .an den Augenblick, da sie durch die k erne Küche v n . i . I v A an oer ammer vorim antuen weroe. wo der Vater schläft ein matter Schrei entrang sich ihren Lippen, eö war ihr. als hörte sie die Thüre öffnen. Nach einer Weile, da Alles still blieb, fuhr sie wieder fort, sich hastig in Mannesae wänder zu hüllen. Das unglückliche Wesen, hatte es ah nen können, da der Vater nicht schlief. daß er den Anschlag des Hundes bester hörte als sie und daß er sich aufragte und leise hinausschlich, um zu erspähen. ob nicht vrellercht em Bityar Schafe oder Rindtt stiehlt ... r- , , Endllch war sie angkklerdet und ath mete glückselig auf. als sie die Thüre binter sich schloß und durch den Garten sÄrtt, denselben Weg. den vor einigen Minuten ihr Geliebter und gleich nach ihm ihr Vater gmg. Der alte Bala5 trat eben auS dem Stalle, als Jolanka an der Thür detyl ben vorderhuschte. Er sah ihr nach - das Schneelicht ließ ihn den Anzug Ge erkennen. Von überschäumendem Zorn erfaßt, taumelte er einige Schritte wruck. Dann prang er. so rasch ,hn seine Beine trugen, hinterher und hieb mit dem Hammerbeil aus voller Krast auf den Kopf des verhakten Opfers. Ein gellender Schrei durchdrang die Nacht Jolanka lag zu seinen Füßen. Schusr ! Nun wrrst Du mein Haus in Ruhe lasten !" kreischte der Alte und eine in yuua. Als der Morgen anbrach und die Be res in den Rmderstall wollten, fand man Jolanka's Leichnam. Mit lautem Geheul und Angstrufen weckten die Knechte undMSgde den alten Bauer. Fluchend öffnete dieser die V ; r y nn lPinrr irinr nirn ii II ur ziiiciijZ.lilil" I' n -J v u viv m r xi e ' . .m . v er c Bauern, kern Knecht feine Magd blttb m seinem Solde. Es fand sich kern ein - m;r.;N ifm f.tu v. i w h ?e hawn ..n u1"" VUI9Z uozi cin jajuiuociauc I s ..fi.- rci t . ! e.z ;-9n 2 SCÄT I t v a- . , . . anc t aus der Tanya em geächtetes Leben sn . s ... 0rtnv Der Früh ng war wleder ,nS Land S'aogrn, uuaa Hu. uy überall vttemlgten sich die enfchen.um die dankbare Erde zu pp UslUfN. 'JtUt OlUl Hl tMtn nd allein. A frühen Mr ." r.:.. k.. X. " uu u i V"" trieb sie Abends wieder helm.eS wardaS H . -c I tt Unkraut überwuchern. I , t n. t V V I .m , i v.,K um tlrth n I M , .uo r1' ganze schöne Tanya einer verödeten. i - , , , f;x, "5' .. innH,n..i B . vmrm rauue uoer oas an., luchend erhob sich Balat , und trieb we Heerde an, um noch rechtzeitig dem Wetter zu entgehen. Nur allmälig gelang eS ihm,d!eThiere ängstigten Lämmer sie liefen noch
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immer nicht xal) genug. SUin Fluchen u. kein Schlagen half.derBauer griff im Zorne nach kleinen, spitzen Steinen.dann nach immer größeren, aber trotzdem,
datz manches der unschuldigen, fliehenden Thiere vermundet wurde, schien ihm die Heerde doch noch zu langsam. Zündende Blitze und furchtbarerDon. ner machten die Erde erbeben. Der alte Bauer bückte sich abermals nach einem Steine,doch wie festgewurzelt im schwarzen Erdreiche, lieb er sich nicht ausheben. Dies reizte nur noch seine Wuth. Er kniete nieder und grub mit beiden Hän den, bis diese blutig wurden. Der Stein ward auch allmälig ge lockert und endlich mit dem Ausmande aller Krast herausgerissen. Aber im selben Augenblicke schos au? der Oesf nung ein schäumender Wasselstcahl, der den entsetzt Fliehenden gleich einer zi schenden Schlange mit weiten Sprün gen verfolgte. Vergebens versuchte Balat denWasserwogen zu entkommen, sie-hatten ihn bald erreicht, ergriffen und in den tosenden Sprudel hineingezogen. Unerschöpflich quollen die Wellen nach und wirbelten und rollten auf und nie der. bis der alte Bauer das Bewußtsein und schließlich das Leben verlor. Die einmal entfesselten Wasser ub:r breiteten sich aus und überschwemmten, so weit das Auge reicht, all' das schöne Land. So entstand ein großer, mächtiger See. Vom Bauer Balat aber blieb weiter nichts zurück als sein Name, mit dem dieser See Balaton" benannt wurde. Allabendlich hört man noch Angstund Klagetöne vom tiefblauen Wasser herübcrtönen, und wenn man länger die bewegte Fläche des Balaton betrachtet, dann gewahrt man auch die weiß:n Köpfe der Hzcrde über die Wellen her vorragen und im hinstreifenden Nebel den gespenstigen Alten, der rmmer noch, in seine dunkele Bunda gehüllt, bei Un weiter die Heerde vor sich herlreiden mu, als Strafe sür sein böses, herz loses Wesen. m ichard Wagner und die c Mustk. Der große Künstler, den sie jeh! zu Bayreuth in die (Ärust gesenkt haben, war ein aufrichtiger Mann. S.'in Herz hat er immer auf der Zunge getragen, und Liebe wie Hiß hat er hinausgesandt in die We!t mit unzweideutigen Worten. Das Höchste war ihm die Kunst, und da er an seinen bevorzugten Künstlerberuf glaubte mit der Festiakeit gestählten Selbstbewußtseins, so war ihm das Höchste Richard Wagner's Kunst. Die Geschichte schnitzt aus solchem Holze ihre Fortentwickler. Sie vermag die Selbst bezweifle? an keine entscheidenden Plöt): zu stellen. Aber sie schirmt ihre Auserlesenen nicht vor Irrthum. Zuweilen sogar scheint es, als ob sie gerade ihnen das Buch ihrer Lehrer fest verschlösse,um dem Irrthum als dem Erzeuger der Ec kenntniß Vorschub zu leisten. WarJrrthum im Wirken unseres grßenTodten? Wer wollte dies jetzt zu entscheiden wa gen? Versuchen wir aber, uns über Wag ner'S Wirken Rechenschast abzulegen mit der Ausrichtigkeit, welche er unS gelehtt und die ihm gegenüber zu vernachlässi gen das Schmählichste wäre, was seinem Andenken zugefügt werden könnte. Die Aufrichtigkeit ist die Ehrfurcht vor den Königen des Geistes. Seine mildeste Miene hat der uner biltliche Meister Tod dem Dichter Eom ponisten gewiesen, als er ihm zuwinkte : s ist Zeit !" Ein wehevoller Augen blick, und Alles war aus. Ach, er hat sein Wort gehalten ! Wir werden lein Werk mehr aus dieseryand empfangen - C " ii - rt - t il Schmerierfullt müssen wir uns beschei den. Wirklich abgeschlossen ! Abgeschlossen freilich mit der Punkt lichkeit eines Begnadeten. Denn auch vollendet hat uns Waaner die Summe feines Schaffens gelassen: und wer im Denken über ihn ausgewachsen, wem die Betrachtuna seines Princivs und seiner Schöpfungen seit Jahren fortwährend geiitige Nahrung zugeführt. der mag wohl willen, wle er au ihm steht und darf eö sagen wäre es auch nur, um sich selber zur Erkenntnis durch zuarbeiten, falls er selber dem Irrthume anheimgefallen. Wagner's Bedeutung ist nicht zu schätzen.wenn man ihn nicht zunächst und zumeist als Musiker m'S Auge faßt. Wie eigenthümlich, daß gerade so wenige Musiler sich ZU dieser einfachsten Elfaf. sungsart entschließen können! In wei ten Kreisen Umschweifen ihre Blicke den Kern, um diesen nie anders zu betrachten als durch einen Schleier. Stellen wir unö . kurz vor, wie die Musik ihren Weg bis zu unseren Tagen, soweit sich's vrsolgen läßt, gemacht hat. Sie war im Anfange nichts als eine Dienerin des öffentlichen und privaten Lebens, und zwar die willigste, die nütz lichfle, die wohlfellfle. Sie weihte den Gottesdienst: sie vertiefte die Trauer; sie erhöhte die Lust; sie ermuthigte zum Krieg; sie entflammte zum Reigen; sie unterhielt die Könige und entschädigte die Bettler; sie warb für die Liebenden und klagte sür die Leidenden Sie half Allen und half überall aber sie be schränkte sich auf das Hilfen; sie blieb ganz einfach eine Dienerin. Danach wurden die Musiker geschätzt von ihren Mitmenschen und von sich selber. Ein Sänger, ein Spielmann wurde gerufen, wenn man seiner Dienste bedurste. wie ein Arzt, oder ein Lejchenbitter, oder ein Hosnarr. Gleichwohl war der Spiel mann und der Sänger ein Künstler.auch in fernen eigenen Augen, und nament lich. wenn er eigene Weisen zu finden wußte. WaS aber Künstler betreiben. ist Kunst, und eine Kunst wird nicht ae pflegt.ohne daß sie sich, gut oder schlimm. fortentwickelt. Die Dienerin Musik bildete sich weiter in ihrer Eigenschaft als KirchenDienerin. Man braucht nur den Namen Bach zu nennen, um zu zeigen, wie weit sie in diesem Dienst zu gedeihen vermachte. Ihre Fortschritte macht sich dann auch das Theater zu Nutze, immer ausgiebiger, immer wirk l samer, bis in Italien das Theaterstück
entstand, weiches sich als Oper in der
Welt eingebürgert hat. Mit ihrem Einzüge in'ZTHeater über schritt die Musik ihre Stellung als Die nerin, indem sie hier nicht allein zu Hilfe gerufen wurde, sondern bald genug Die jenigen anrief, von denen sie um ihrer selbst willen bewundert sein wollte. Zu diesem ersten schüchternen Austreten als Sonderkunit. welche sich selbst Zweck ist, stimmte es sirner, daß sie hernach auch das Trxtwort, dem sie zuerst doch eben falls dienen sollte, zu beherrschen ansing. Sie begann die Macht ihrer geheimniß vollen Einwirkung aus die menschlichen Nerven bestimmt zu erkennen und säumte nicht, ihren Lortheil zu nützen. Immerhin emancipirte die Musik auch im Theater sich noch nicht völlig von ih rer dienenden Stellung; genug blieb, was sie darin festhielt. Erst die Neigung, es mit der Jnstru mentalmusik als mit einer ihre Bewun derer anrufenden Sonderkunst zu versuchen, hobdieMiisik völlig auf die Höhe einer dienstbefreiten Muse. Es kamen die Haydn, Mozart, Beethoven, welche oie Instrumentalmusik im Verfolg von Bach's grundlegenden Satzungen zu unvergleichlichen Siegen führten, stolz und befriedigt in dem Bewußtsein, als Manker gestrebt und vollendet zu haben. Wie viel die Gesüblsästbetiker auch von den außermusikalischen Idealen eines Beet hoven träumen mögen : wir wissen doch, daß dieser Riese seine ganze Kcast mit vollem Bewußtsein einsetzte, um die reine Kunst der Instrumentalmusik als solche und als nichts Anderes zu vervollkomm nen. So sicher zog Beethoven seine Straße, daß er sich die Einsicht eroberte, ein concreter Gedanke sei mit Musik nur durch die Hilfe des eindeutigen Wortes unzweideutig auszudrücken. Deß zum Zeugniste hat er uns seine neunte Sym phonie hinterlassen. Die Instrumentalmusik in ihrer mm mehrigen Herrschast und Ausdehnung zu begreisen, stellte sich als Nothwendig keit dar, zugleich aber als eine Schwie rigkeit, welcher h:ute noch äußerst wenige Mustker gewachsen stnd und welcher da mals die allermeisten einfach erlagen. Philosophen, die stch abmühten im Den ken über das Wesen der Musik, führten. immer w'.eder Klage und bis aus unsere Zeit . daß Niemand wenigerAns kunft über seine Kunst zu geben vermöge. als ein Musiker. Solches erklärt sich. Die berufsmäßige Befchäftigung mit der Ukechnit der Munk vetschlang meist schon die Zeit des K.iaben so völlig, daß an eine regelrechte allgemeine Schulung seines Geistes nicht zu denken war. Selbst große bevorzugte Talente blieben angewiejen aus eine äußerst luaenyafte Erwerbung von allgemeinen Kennlnisien und demzufolge aus eine allu sprung haste Schulung ihres Denkvermögens. Nebelhaftigkeit oder eine ungezügelte Sprunghastlgkeit des Denkens ward ern charakteristisches Merkmal des Musikers. Nichts hielt ihn ab, im Fluge zu ver wechseln Ursache und Wirkung, Veran astuna und Ursache, individuelles Mel nen und allgemeines Gelten was Alles ein schöpferisches Genie keinesfalls am Schassen verhindern konnte, was aber rasch zu grundsätzlichenMißverständnisten über System und Wirkung der Jnstru mentalmusik und hiermit direkt zu be lanareichen Fehlgriffen im Schaffen sühren mußte. Und es vollzog fch dre merlaiürdlgfle Wandlung in der Geschichte unserer Kunst: Mit gigantischen Griffen ward der Versuch gemacht, sie von der eben ge monnenen Stellung erner souveränen Herrschttin zurückzudrängen in den Stand der Dlenerm. Bon rar.krelch her kam der Hauptfloß, nachdem in Deutschland leichtere Veriuche vorherge gangen waren. Hector Bcrlioz war der Mann des Änaritts. freilich glaubte er mit Ueberzeugung, dab er die Jnstru mentalmusik nicht nur nicht entthronen. sondern für den Besitz des ThroneS auf unerhörte Weise krafligen wolle. In hm haben wir die er ie voll ausgebildete Type des Musikerthums, welches über die Grundbegriffe der eignen Kunst bei imperalorischer Beherrlchung ihrer tech Nischen Mittel völlig !m Unklaren ist. WaS wollte denn Berlioz? EtmaS nach seiner Vorstellung ganz Einfaches. Er wollte mittels der Instrumentalmusik ohne Hilfe desWortes in unzweideutiger e . r r . f . i. O X x 1 . lüjciie jeric uoerjegen, -.iuyuuicu um dichten, Gemälde nachmalen und der gleichen schlichte Drnge mehr. Und wre konnte er zu solchem Ävryaoen gelangt sein? Wahrlich nicht im geregelten Denken, sondern rm ungezügelten und willkürlichen. So nämlich. Die alte Thatsache, daß Musik unsere Nerven in völlig aeheimnißvoller Weise beeinflußt erschütternd, versöhnend, erheiternd. ermuthigend u. s. w. hat so genau beodacdtet werden können, daß man bis zur sickeren Vorausberechnung der Wir runa einer ve irmmren eivlnvung von . f. CT ! V Tönen aelanat ist. Hieraus beruht im Hauptsächlihen da Wesen der musika. Utn Kiirnnoulion. uno von vier aus bildeten sicg die unterschiedlichen Com positionöfly'.e. Nicht also etwa der re liaiöie oder der GesühZZ'Jnhall eines Andante z. B. stimmt unS ernst, sondern 3 .t. r die Stylart der Tonvervinoung ii es was so eiaentbümlich auf uns wirkt. Das Andante (vieMusik) hat gar keinen anderen Inhalt als die Töne; nur diese können auk un? wirken. Mit der rein musikalischen Wirkung auf die Nerven. oder auf das Gemüth, wenn man wru, kann sick nun die Wirkung eines äußermusikalischen EinfluffeS etwa vielleicht einer persönlichen Erinnerung, oder der Schönheit eines Raumes oder eines Je NeS vereiniaen. so daß in mir beim Anhören deS Stückes eine ganz fremve Gedankenreihe wachgerufen werden mag m meinem Nachbar nakuriicy eme völlig andere.im nächsten Nachbar wieder . . M . eine andere, und so forr. e reifer ai lerdingS der künstliche Genuß an dem Tongebilde selbst ist. desto seltener und matter werden sich dem Anhören außer musikalische Gedanken affocmen, aber die Fähigkeit, eine Instrumentalmusik als freies Kunstgebilde rein auszusaffen und zu aenießen. heischt sicheres Vcr trautsein mitMechanik und Geist unserer Kunst und ist daher selbst unter foge nannten Fachleuten sa selten, daß die Meisten' den Genuß einer Symphonie oder einer Sonate sich gar nicht anders
vorstellen können, als daß man stch tU was Außermusikalisches .dabei denken
mun. Tiefer kann derMusik.enuß kaum sinken. Das, was die Instrumental musik vor allen anderen Künsten so vor nehm auszeichnet : die freie Eisindung nämlich ohne em Vorbild auö der sJfa tur das wird durch jene Art des Ge. nuffeS aus dem Auge gelassen, unter schätzt, verkannt. Und zwar mit der festen Ueberzeugung: so erst gerade dringe man ein m den tiefen Geist der Musik, in den Zauber ihrer Sprache-! Aus- dem aunermusikallschen Punkte der Jdeen-Affociation nun setzte B rlioz seine Hebel an. Von hier aus wollte er gleichsam als nichtmusikalischer Musiker der Instrumentalmusik neue, ungeahnte Gelflesgeblete" erschließen. Die Beob achtung der ihm selbst beim.Hören jegli CVW M . n l nf mt qer 'jjcuni enistanoenennevenvorjleuun gen wühlte seine Phantasie mächtig auf und häufte darin an eine Welt von Weltplänen: er wollte der Menschheit in Jnstrumental'Symphonieen die er schütterndsten Mittheilungen machen von tragischen Erlebnissen und historischen Erelgnmen.mlt der Unzweldeutlgkeit et wa des Goethe'schen oder Shakespeare' schen Dichtermortes. Denn und hier vollzog sich in ihm der unheilvoll ent scheidende Gedankensprung : eö galt ihm sür so ziemlich ausgemacht, daß. so bald e r eine musikalische Melodie für seine Einbindung als concreten Aus druck etwa der Worte: Sei vttflucht und stirb" festgestellt habe. Niemand un ter allen seinen intelligenlen" Hörern diese Melodie anders .verstehen- könne oder dürfe, obendrein, wenn er seiner Symphonie als Erklärung ein Pro gramm' voraussende. Nach Beethoven haben auch Schumann undMendelsfohn ihre Phantasie zum Schaffen von In strumentalwerken anregen lasten- durch Naturbetrachtungen, durch Dichtwerke. historische Ereignilie u.s.w. Diese aber hütete iyre intime Vertrautheit mit dem Material ihrer Kunst vor einer Ueber schätz ing ihrer Macht und vor einerVergewaltigung des Materials. Sie ließen sich eben zuweilen nur anregen von einem außzrmusikalischen Gedanken, blieben aber weit entfernt, daraus zählen zu wollen, daß ihre Tonstücke dann densel ben aukermujikallschen Gedanken auch bei'den Hörern unbedingt erwecken müß ten. Sie zahlten aus nichts als aus die rein musikalische Wirkung ihrer Stücke und überließen eZ im Uebrigen Jedem, so viele und so verschiedenartige Ideen affociationen beim Hören zu pflegen, als Jedem blqnem und sinnig dünken moch te. Und als eine Erniedrigung hätte eS Mendelssohn gegolten, würde Einer aus seiner schottischen Symphonie" etwa den bizarren Reiz der schottischen Berge wieder erkannt, aber das herrliche thema tische Material und den symmetrischen Ausbau des Werkes außer acht gelassen haben. Fühlung mit dem eigentlichen Vermö gen derTöne und mit ihrer Gestaltungs sählgkeit muß auch bei Berlioz daZ sieht man aus vielen seiner gelungenen stücke vorhanden gewesen sein. Aber mächtiger als sie waltete m ihm eben zügellos jener Gedankensprung, daß die außermusikalische Anregung des Com ponisten dem Hörer unzweideutig auf aehen muffe. Und nicht mehr von oem Wesen des Materials seinerKunst machte m & 9 C i . .er die rstnoung ferner nurumenrar sätze abhängig, sondern von dem Wesen seiner außermusikalischen Anregung. Mir fällt hierbei ein Euriosum aus der Archi tektur ein, das ich einst im Westen von Amerika gesehen. Eine Kirche aus Herr lichen Steinen hatte an ba rechten Seite des Giebels einen sehr hohen schlanken Thurm, an der linken Seite ein ThurmStümpfchen, klein und verschämt. Der Geistliche, von. mir befragt, warum man die Kirche so wunderlich gebaut habe, antwortete mir: .Ach, das ist die Ver körperuna eines ausgezeichneten alteng tischen Gkdich:s ! Aus der einen Seite die Erhabenheit Gottes auf der anderen Seite duNlchilgkert desMenschen." Das Gedicht ist schön, die Kirche häßlich. Mir einem langen und mrt einem kurzen Thurme sind die meisten Programm Symphonieen auf die Welt gekommen. Und das alles, weil man die Jistrumen talmusik, in dem G auben.sie zu fördern. gewaltsam zurückstoßen wollte rn die Stellung emer Magd ! Sie sollte durch. aus wieder dienen oer Poeue, oer Malerei, der Weltgeschichte; sie sollte Alles, nur nicht wieder berrschen. . i t r i enc . ri IN oer multtamazen ipgunrauc iir oer Urivruna alles Werdens Cbaos. AuS dem chaotischen Klingen lösen sich die Töne zur Aneinanderreihung ab durch . 's i m crr v . Intuition uno cncsion. xyiro oie letztere unterdrückt und ist obendrein die r. . n . . .rv :r j. r erjlere nicui liau mrivui,u, uiiijciyu, ju muß in dieserPhuntasie eine Verwirrung entstehen, wie sie in derlenigen keines anderen Künstlers möglich ist. Meilenspränge werden die gewöhnlichen Schrrt w cv. ic. Vas uuregeimaylve iouo zum ac gelmäßigen, daS Unnatürliche zum Na türlichen erhoben. So konnte es nicht schien, daß Berlioz, einmal durchdrun gen von fernem ersten Jrrlyum.vaio auch die Einwirkung der Musik aus die Ner ven. sagen wir also : auf die Gemüths und SlimmungZwelt des Menschen, mit einer direkten Ernwukung auf die er gründbare Gedankenwelt des Menschen verroechselte. Und von hier auS hatte seine Phantasie nur einen kleinenSchritt bis zu dem Glauben, daß die Musik eine bei Weitem eindringlichere, bei Weitem klarere, ia unsagbar klare.Sprache rede . Alles, was je Philosophenköpse mühselig auSaesonnen. was le Dichter schmerz und sreuderküllt gesungen. waS ie die Geschichte gelehrt: AlleS daS sei ein Musikstück ,m Stande, während derzeit dauer von etlichen Minuten unmißver ständlick dem Hörer klarzulegen. Die Musik sei die Alles sagende, Alles erlö sende Sprache der Welt. Diese blindgläubige, märchenhaste. tragikomische Ueberschä'tzusg der Jnstru mentalmusik geboren aus denSprün aen undJrraänaen einer vom Material verstände nicht controlirten musikalischen Phantasie stellt sich dar als der Ro manticismuZ dcrMufik.und zwar Haupt sächlich, inssfern romantisch zu identifi ziren ist mit unwirklich. Nicht als eine Folge des ElnflusteS romantischer Dicht werke ist der musikalischeRomanticismuS in die Welt gekommen, wie Viele irr
thümlich annehmen, sondern eben als eine unmittelbar musikalische Bewegung; von den dichtenden Romantikern hat er nicht seine Eristenz abgeleitet, sondern er hat sie als seinen Zielen genehm auf gesucht. War dies schon der Fall bei Berlioz, so trat eS noch deutlicher zu Tage durch Richard Wagner, der lirekt auS seiner musikalischen Phantasie her auS alle außermusikalischen Elemente, welche seinen Zielen dienen mochten, sich zusammenwählte und Unterthan machte. In solchem Sinne zunächst ist Wagner ein musikalischer Romantiker wieBerlioz, welcher vor noch weniger als einem hal ben Menschenalter als Wagner'S keines vegS aussichtsloser Eoncurrent um die musikalische Weltherrschast gerade in den Kreisen der jetzigen bedingungslosen Wagnerianer gegolten hat. Bezeichnend ist ja, daß Wagner an den Werken Ber lioz' solche Fehler entdeckte, als dieKcitik zuweilen an Wagner's Werken tadelte und umgekehrt. So echt .musikalischromantisch sah eS in Wagner's Phantasie auS, daß er der reinen Instrumentalmusik nicht um ein Jota weniger Vermögen zutraute als sein Vorsahr und Feind Berlioz. Trotz' dem fand er es für seine Ziele ungeeig net, mit der Instrumentalmusik allein zu operiren. Er rief das Wort zu Hülse und hatte den ersten entscheidenden Vortheil über seinen Rivalen errungen. MaxGoldstein. Sprüche deö Vlityagoraö. Bis ins 6. Jahrhundert vor Christo wurden von den Griechen alle Männer, die sich durch tugendhasles Leben aus zeichneten, Weise genannt. ErstPytha goras, drffen Blülhkzeit von 510-500 reichte, fand den Titel eines' Wei fen für sich zu stolz, und legte sich den bescheideneren : .Liebhaber der Weisheit" bei. Er war der Erfle, der die Lehre der Scelenwanderung erdachte, die ihn einerseits zu den tiefsinnigsten Betrachtungen leitete, andererseits aber zu wunderlichen Träumereien verführte.
z. B. dazz er selbst ehemals Kethalides geheimen und ein ö?ohn des Hermes ge wesen, später als Eaphorbius gelebt, der vor Troja von MenelauZ verwundet worden, worauf seine Seele in den Kör per des Hrmotimos, aus diesem in den Leib eines Fischers und von dort in sei nen nunmehrigen Py'chagoras'Korper übergegangen sei. Abgesehen von die en Einbildungen war er em höchst klarer Geist und scharssinriger Mathema hiker, wie j:der Schuler aus dem nach hm .Pythagoräischen Lehrsatz" weiß : .DaS Quadrat der Hypotenuse eines rechtwinklichen Dreiecks ist den Quadra en der beiden Katheten zusammenge lammen oleich." Aber auch in seinen philosophisch: Vortrügen vor Schülern treute er Gedanken aus, d:e noch heute als Goldlörner erscheinen. Wir wollen einige dersilben m Sprochsorm mitlhei en : 1) DaS Schauspiel der Welt gleicht den olympischen Spielen, wo einige in Buden fellhalten und nur aus ihren Pro fit denken. Andere ihre Klüfte anwenden. um Ehre zu erlangen, und noch Andere Nichts thun, als daß sie d?m Spiel zu fehen. 2) Man darf seinen Post:n ohne den Willen des Commandanten nicht ver lasten, der Posten drö Menschen aber ist das Leben. 3) Mäßigkeit macht die Seele stark. Selbstbeherrschung erleuchtet .ste. E't haltsamkeit besitzen, heißt reich und mäch tig sein. 4) Der Mensch ist todt, wenn er sich in Wein betrinkt; er ist rasend, wenn ihn die Liebe trunken macht. 5) Der Mensch ist nirgend sicher, als unter dem Cch lde der Weisheit, und er ist nie glücklich, außer wenn er sicher ist. L) Wir musten nicht gestalten, oak oer Seele unseres Freundes eine Wunde ge schlagen werde, und dies vermeiden wir wenn wir ihm zu rechter Zeit nachzuge den misten. 7) Der Jüngere mu stets dem Ael leren nachgeben. 8) Die Treue.die man seinem Freunde schuldet, ist eine geheiligte Sache, mit der sich nicht einmal der Scherz verträgt. 9) Der Mensch ist ein Abrik der gan zen Welt: er hat eine Vernunft, vr mittelst deren er sich der Gottheit nähert: er hat ein Vermögen, zu wachsen und sich fortpflanzen, durch welches er den Thieren adniich wird ; er hat endlich eine träge Mäste des Körpers, die ihm mit der Erde gemein ist. 10) Der Philosoph sucht entweder Wahrheilen zu entdecken, oder er übt die schon gefundenen auö; seine Wissen' schaft ist also theoretisch und praktisch. II) Man muß mtt der Ausübung der Tugenden den Ansang machen; das Handeln muß dem Spekuliren voraus gehen. Ein heiterer Zwischen fall ereignete sich dieser Tage bei einer GerichiS Verhandlung rn Wien. Der Niähriae, wiederholt wegen Diebstahlö abgestrafte Tagarbeiter August Michel war neuerdings zweier Diebflähle ange klagt, der eine begangen während der Haft an einem Zellengenosten, der zweite am Tage der Haftentlastuug. Den Vorsitz führte Hosrath Ritter v. Limbeck, die Vertheidigung führte Dr. Schiller. Der Vertheidiger fragte den Ange klagten : Warum wurden Sie daS erste Mal verurtheilt? Angekl: Weil ich meinem Meister 1 st. gestohlen habe. Vertheidiger : Und daS zweite Mal ? Angekl.: Weil ich einen Rock gestohlen habe. Vertheidiger: Wo denn? Angekl.: In Leitmeritz. Vertheidiger: Bei wem? Angekl.: Beim Dr. Schiller. Vertheidiger : Bei mir ? Der Angeklagte nickt zustimmend. Das offene Geständniß des Angeklag ten, seinen Vertlzeiöiger bestohlen zu ha ben erregte allgemeine Heiterkeit, ve! cher sich nicht einmal der GerichtLho' entziehen konnte. Der Angeklagte ward zu fünf Jahren schweren Kerkers und Verhalten zur Zwangsarbeit nach über ftandener Hast vcrurtheilt. DaS Liebenswürdigste auf Erde, ist ein Weib ; das Verehrungswürdiastl aber ist eine Mutter, die kein Weib ist.
Der DieveS-Vcrscycucykr. In PsriS kursirt eine Geschichte. welche so amüsant ist, daß man wünscht, sie wäre wahr. Man erzählt, daß, als em bekannter Schriftsteller eines Tages auf dem Pflaster auögeglitten, ein bra ver Mann ihn aufgehoben und nach Haufe geführt, sich überdies im Laufe der Woche nach seinem Befinden erkundigt habe, sv daß er sich veranlaßt sah, den Wackern zu fragen, ob er ihm nicht in irgend einer Weise gefällig sein könne. Der Mann verlangte nichts, als die ab gelegten Hüte: Ich bin DiebesVer. scheucher,- sagte er. daS ist mein Berufs Ihd dazu brauchen Sie alte Hüte ? .Allerdings, und da? ist sehr einfach. Sie müsten nämlich wissen, daß die Diebe eine Polizei haben, welche die Ausgabe hat, ihnen u sagen, wo am besten Gelegenheit zu einem guten Hand streiche ist. Unter diesen Diebespolizi sten sind einige, die bauviZZii, nt
Leute oder alleinstehende Frauen überwachen. Haben sie eine solche Person entdeckt und wisten sie, daß sie etwas Geld liegen hat, so zeigen sie sie irgend einem schlechten Kerl an. der fähig ist. Alles zu unternehmen. Diese Kcrle ver scheuche ich. Mit alten Hüten?" Ja, mit alten Hüten. Denken Sie sich, Sie wären ein altes alleinwohnen deö Fräulein; so komme ich zu Ihnen, erkläre Ihnen, welcher Gefahr Sie aus gefttzt sind und abonnire Sie sür einen Franc monatlich, d. h. ich verpflichte mich, in Ihrem Vorzimmer beständig ei nenMännerhut hängen zu lassen, der den Dieb entfernt." .Wie das?' .Der Kerl läutet; Sie öffnen die Thüre;. mit einem Blicke sieht er Alles, was im Vorzimmer ist Er bemerkt den Hut, und da er Lälm vermeiden will, denkt er sich: Schade, ich bin umsonst dagewesen; die Al:e hat Besuch; ich muß ein andermal wiederkommen. Un ter irgend einem Vorwande entfernt er sich. Uebermorgen dasselbe Resultat. Nächste Woche wieder. Zum Teufel, denkt er, diese A.'te hat zu viel Besuch. Und da er nicht auffallen will, bleibt er gänzlich aus." Sehr klug; aber kann denn das alleinstehende alte Fräulein nicht einen Hut kaufen, der ihr ein für alle Mal dient ?- Oh nein ! entschuldigen Sie. Erstens muß er jeden Tag sauber gebürstet und von einer Männcrhand an den Nagel gehängt werken, denn ein Mann hängt einen Hut anders auf, als eine Frau eS thut. Zweitens darf er nicht aus der Mode sem. Und schließlich darf eS nicht immer ein und derselbe sein. Sonst hat der Kerl den Kniff bald herauSbekom men und die Sache wirkt nicht mehr." Sie haben Zecht." Während ich den Hut täglich auswechsle ! Gegenwärtig habe ich 20S Kundschaften und 24l Hüte. Keine meiner Kundschaften bat .wei Taae bin rer ernanoer oenieroen ajur. yeuie m. w r . f- . es em weicher, morgen ein runder Hut, übermorgen ein Cylinder, dann ein vreltlramplger yoyrr l'Zyut u. f. w. Manchma'. wenn ich erfadre. dak eine Kundschast bedroht ist, laste ich zwei Hute zurück. Das nenn' ich vorsichtig r .Sie müsten eben bedenken. !n wel chen Mißkredit ich käme, wenn eine mei ner Kunden umgebracht würde." .Und verdienen Sie 5Xbr Brod mit diesem Handwerk ?" Nun. rch kann sagen, dan eS aebt. Das ist übrigens leicht auszurechnen. Ich habe 209 Kundschaften zu einem Franc monatlich, das macht 2ö00!?rancS im Jahr, und damit läßt sich, wenn man reine Sprunge macht, rrnmerhm auskommen. Ueber einen eiqentbüm lichen Ehescheidungs Prozeß wird auS Paris, 14. Februar gemeldet : Estelle Kitty Wrighl ist in Cincinnati 1855 ge boren. Ihr Wuchs ist prachtvoll, sie tragt den schönen Kops mit den Himmel blauen Augen wie eine Königin; ihre Bewegungen sind frei und ungezwungen. wie ne rm Allgemeinen der amerikanr schen Damen zu sehen sind. Mit 14 Jahren beirathete sie einen Amerikaner, und ein Jahr späte? wurde diese Ehe in Folge Ehebruchs von Serie der Gattin gerichtlich gelöst. Ein reicher Amerika ner, Herr Hatt, sührte sie darauf nach Paris, wo sie jahrelang in einem Pracht vollen Palais der Straße Jena sried ltch und gluckllch lebten. 1L31 machten sie eine Reise über den Canal und kamen als Ehegatten nach Paris zurück. Merk . -tv: : r . . t . urvigerroelie versqwieg yerr yatt diese eheliche Verbindung, und die schöne junge Frau wmde von ihren Bekannten immer so behandelt, als ob sie die Geliebte, nicht die Frau ihres Gatten wäre.. Dazu kam nun. daß Herr Hart feine Gewohnheiten änderte, die Nachte im amerikanischen Club oder sonstmo zubrachte und sein Weib gänz Nch vernachlaljigte. Em Portugiese, Herr Magelhaens, machte jetzt die Be kanntschast der jungen Frau, ein Liebes Verhältniß entspann sich, der Gatte wies seine EhehSlslc aus dem Hause, versagte ihr jeden Unterhalt und die bei den Verliebten bezogen eine gemein same Wohnung. Der Polizei gelang eZ bald daraus, die Beweise für den Ehe bruch zu erhalten und sie stellt daS Paar vor das Zuchlpolizeigericht. Herr Ma oelhaenS behauptete, die Dame als die Geliebte, nicht als die Frau deS Herrn Hart gekannt zu haben. Frau Hart entschuldigte ihren Fehltritt mit der Nolhlage, in die sie von ihrem Gatten gestoßen wurde. Du Vertheidiger thaten im Interesse der Angeklagten ihr bestes, aber der Gerichtshof, schloß sich den Aussührungen der Vertreter deS Herrn Hart an und verurtheilte beide Angeklagte zu je 3 Monaten Gefängniß. Herrn MagelhaenS außerdem zu 100 Francs Geldbuße. Zw eideutigkeit. Gras. WaS macht meine Emilie sür Fortschritte im Grsang. Herr Lehrer, und vie finden Sie ihre Stimme V Lehrer. Oh. die a'rät lkräht) gan, ihrer Mamma nach, Excellenz!'
