Indiana Tribüne, Volume 6, Number 179, Indianapolis, Marion County, 18 March 1883 — Page 4

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Der Oberst Taylor hat unS eine Reihe von Erzählungen hinterlassen, die auS nahmSloS den Zweck haben, indische Anschauungen zu charakterisiren. Als Erzieher und Vormund eines jungen vaterlosen Radschah lebte er lange, abgeschlos sen von dem unmittelbaren Verkehr mit seinen englischen Landsleuten, mitten unter dem Volke und hatte stetig Gelegenheit, dessen Art genau zu beobachten, zumal er der Hindubevölkerung ein Vertrauen einflößte, wie es ein Fürst, so nannte man ihn, selten thut. Das ihm eigene seine Verständniß sür sremdlän discheS Sein kam seinen literarischen Ar beiten zu Gute. Eine der ersten Früchte dieser fleißigen Unischau war die Erzäh lung Tara, ein werthvolles Zeitbild aus dem 17. Jahrhundert, aus dessen In halt wir hiermit Folgendes mittheilen: Die Heldin des Romans ist Tara, eine junge Wittwe. Nach damaliger indischer Anschauung verdiente eine Frau nur als Gattin eines Mannes die Ach tung und Liebe ihrer Mitmenschen ; blieb sie unvermählt oder ward sie Wittwe, so behandelte man sie im 17. Jahrhundert, und mochte sie auch noch so gut und lie benserth sein, als ein unnützes Glied der Gesellschast, als ein Wesen, das kein Recht hatte, zu existiren. Die Sorg?, daß ein Mädchen unvermählt bleibe, er wachte bald nach seiner Geburt in den Herzen der Eltern. Eisrig suchten sie nach einem passenden, ebenbürtigen Manne, einem Manne, dessen Horoskop zu dem ihrer Tochter stimmte, und hatten sie einen gesunden, so veranstalteten sie alsbald die Hochzeit. Der Versasier läßt seine Heldin, und wir können sicher sein, daß er in dieser Beziehung mit wissenschastlicher Sachkenntniß verfährt, im siebenten Jahre heirathen, während er von einer anderen jungen Dame von brahmanischem Geblüt erzählt, daß sie vierzehn Jahre alt gewesen sei, aber von ihren Verwandten sür zwölfjährig aus gegeben wurde, weil sie sonst alle Hoffnung aus ihre Vermählung und somit jegliche Aussicht aus eine erträgliche Lebensstellung hätte fahren lassen müssen. Tara ward Wittwe, erzählt der Verfasser, aber noch immer trug sie ihre ge wöhnliche Kleidung, das kostbare, mit reicher Goldstickerei gezierte Savi und daZ seidene Mieder, dessen bis zum Ellbogen reichende Aermel vom Obergewände nicht bedeckt wurden. Ein Gür tel von Gold, schwere Spangen um Hand- und Fußgelenke kennzeichneten sie als die Tochter einis reichen Brahmanen und melodisch erklangen die kleinen Fußglöckchen bei jedem ihrer Schritte. Aber ihre Eltern wußten nur zu gut, daß sie ihr die Stunde nicht ersparen konnten, die sie dieser Zeichen einer geachteten Stellung entkleidete. Früher oder später mußten sie mit ihr in den Tempel irgend einer beiligen Stadt, Benares, Nassuk oder Pundschur gehen und ihr dort von Priestersband den entbehrenden Stempel der Wittwenschaft ausdrücken lassen. Ihr schönes Hzar, ihre vollen Flechten sielen dann unter der unbarmherzigen Scheere und wurden verbrannt. Ihre reizende Tracht, ihre Juwelen und ihr Goldschmuck wurden ihr genommen und man gab ihr dafür ein grobes weißes Tuch, in das sie ihre zarten Glieder zu hüllen hatte. Kein Wunder, daß die zärtlichen Eltern, die sich an TaraS Schönheit so ost mit Entzücken weideten, jene verhängnißvolle Ceremonie von Tag zu Tag hinausscho ben. Eine einzige Möglichkeit gab es, sie zu vermeiden : Tara konnte eine Murti, eine Priesterin wttden; aber war sie dann besser daran ? Wir werden sehen. , Jedenfalls gehörte dazu eine Art Berufung durch die Gottheit und diese trat ein. Taras Vater war ein Diener der Ge mahlin Sivas, der Göttin Durga, Kati, Bhowani oder Tuldscha genannt. Im Tempel zu Tuldschapur in Dekan, sei ner Heimathstadt, stand ihr Abbild aus schwarzem' Marmor mit Augen aus fun' kelnden Rubinen geziert, die in dem engen dunkeln, mit Lampen und Weihrauchdunst. erfüllten Raum ihres Heiligthums unheimlich leuchteten. Und diese Gestalt erschien de: jungfräulichen, un ablässig überihre traurige Zukunft nachgrübelnden Wittwe im Traum und ver hieß ihr, sich ihrer anzunehmen. . Sie war schön, sehr , schön", erzählte sie in großer Erregung ihrer Mutter; sie legte die Hand auf mein Haupt und sprach: Tara diene mir! In dieser Vision, die im naturlichen Zusammenhange mit dem Sinnen und Denken ihrer hüisesuchen den, kummerbelasteten Seele stand, sah sie. so wie ihre Eltern, ein außerordentliches Zeichen der heiligen Mutter-, so nannte man die Göttin. Der Glaub: an die Möglichkeit einer unmittelbaren Eigebung überirdischer Wesen war damals wie beute noch in allen Hindus mächtig, und so wanderte Tara, eine' Offenbarung erwartend, an der Seite ihrer Mutter zur geweihten Cist'rne, die aus dem Maule einer steinernen Kuh mit Wasser aus einem heiligen Quell gespeist, eine sündenreinigende Krast auf die Badenden ausübt. Und während ihr Vater, der Vyaö Schastri, sich dem Zuge der anderen Brahmanen und Prie ster anschloß, die barsüßig und mit nackter Brust unter Gesang, Cymbelnschäll und Flötentönen das Heiligthum. mit h:iligem Feuer und Opfergaben umgin gen, brachte Tora allen vier Theilen der Erde Wasserspenden dar. - - Der Sonne weihte sie drei Trankopfer und nach einer kurzen Hymne aus dem Veda betete sie zur Göttin Tuldscha : Heilige Mutter, thue mit mir nach Deinem'Willen, ziehe mich zu Dir oder lasse es ; gieb mir Aufgäben Dir zu Ehren ; nur verstoße mich nicht. Siehe, ich nahe mich Dir!- Dann stieg sie in das wun derthütige Wasser. Die 'Mutter ließ sie gewähren und bemühte sich,, als sie mit triefendem Gewände wieder zu ihr, trat, ihr die feuchten Enden ihres Saris, so gut es ging, auSzuringen. Staunend sah sie, daß jenes kühle Bad weder die Gluth ihrer Wangen, noch den fieberhaft leuchtenden Glanz ihrer Augen gemil derr hatte und freudigen Herzens nahm sie diese Zeichen eines stark überspannten Nervensystems sür einen Beweis hö herer Inspiration, und mit dem Jubelras : Dschey Kali, Sieg der Kali!' ergrrff sie ihre Tochter an der Hand und eilt; mit ihr der Prozession entgegen.

Sonst hatte sich Tara stets scheu und

ehrfurchtsvoll d?m Ende des Zuges an geschlossen ; heute stellte sie sich an dessen Spitze und fiel mit laute? melodischer Stimme und, in lebhafter Bewegung die Arme hebend und senkend, in den Gesang ein. Ihr Vater bemerkte die nassen Gewänder. Sie ist rein, sagte er, sie ist vorbereitet, dem Rufe der Göttin zu folgen. Sie wird von einer Macht getrieben, der wir nicht Einhalt zu bieten vermögen. Staunend sahen die Brahmanen, ohne ihre Prozession zu unterbrechen, Tara's Thun. Störet sie nicht, flüsterte der Vater ihnen zu, die Göttin erschien ihr heute Nacht.- Dies Wort genügte und alle ließen sie gewähren. Der Verfasse? erzählt nun, wie der Gedanke, daß Tara eine Auserwählte der Göttin sei, nach und nach die ganze Priesterschast und das gassende Volkergreift, und wie dadurch die vorher Verachtete zum Gegenstand allgemeinerAufmerksamkeit wird. Tara wurde eine Priesterin; aber dem Fluch der Wittwenschaft war sie dadurch noch nicht entgangen. Freilich war von einem Abscheeren der Haare und von dem Anlegen emeö unschönen TrauerkleideS nicht mehr die Rede. Der Tempeldienst erforderte, im Gegentheil eine prächtige, augenfällige Kleidung. Ewar fortan TaraS Pflicht, sich Tag für Tag festlich zu schmücken. Aber aus Rosen ward sie keineswegs gebettet. Ein indisches Sprichwort, das noch heute im Volksmunde lebt, sagt: Eine Frau wird in ihrer Kindheit von ihrem Vater, in ihrer Jugend .von ihrem Gatten, in ihrem Alter von ihrem Sohn beschützt ; aber das Weib, das ihren eigenen Weg wandelt, entbehrt jedes Schutzes Der Stand der Priesterinnen setzte sich zu der Zeit unsererErzählung zum größ ten Theil auS sogenannten Muriis oder Tänzerinnen zusammen, die in denTempeldienst getreten und sich der mystischen Ceremonie, die Verheirathunz an einen Dolch oder ein Schwert unterworfen hatten. Leide? berichtet uns Taylor nicht den Hergang einer solchen Vermählung. Er sagt nur, daß sie zwar als Symbol einer Vereinigung mit der Gottheit galt, aber dennoch befremdenderweise die betreffende Braut nicht in eine höhere, sondern in eine tiefere Stellung hinabdrückte. Die MurliS wurden allgemeie mit Geringschätzung behandelt, obwohl sie Dienerinnen der heiligen Mutter waren. Der Grund hiervon lag wohl darin, daß sie von vornherein mit dem Fluch der Gattenlosigkeit behastet waren, denn natürlich suchten nur solche Mädchen, und Frauen im Tempel Schutz, die keinen Mann besessen oder den ihrigen verloren hatten. Ihr neuer Berus, das Tanzen und Singen vor dem Gottesbilde, gab sie den Blicken der Mäanerwelt preis, verleitete sie, sich zu schmücken, und trieb sie nur zu ost der Sünde in die Arme. Siehst du die Murli?" sagte die erhabene Frau zu ihrer Tochter. Berühre ihr Gewand nicht, sie ist unrein Dann aber gab es vereinzelt andere Priesterinnen, die sich streng abgesondert hielten von der Schaar der Tänzerinnen, die aber, sobald sie zu ihnen herabsanken, ebenfalls an einen Dolch vermählt wurden und somit ihre Kaste verloren. Der Verfasser unserer Erzählung zeichnet uns mit scharfen Strichen den Untersch'ttd zwisqen reinen und unreinen Priesterinnen, indem er neben seine Helbin Tara die Murli Gnuga stellt, die voll Neid und glühendem Haß zu der nciierwählten Tempeldiknerin aufschaut und vor keiner Intrigue zurückschreckt, um ihren Ruf zu untergraben. Bei der heiligen Mutter! Sie soll nicht bleilei, was sie ist ! Sie eine Wittwe ! bildet sich ein, sich über uns erheben zu können Tara kam nach und nach zu der Ue berzeugung, daß sogar in der unmittelbaren Nähe der Göttin eine Frau, die ihren Gatten verloren habe, ungeschirmt sei. Es wurde ihr klar, daß man ihr die Vortheile einer geachteten Stellung nie gewähren werde, und so faßte sie in einem Augenblicke höchster Verzweiflung den Entschluß, ihrem Gatten in den Tod zu folgen. Sich an die Priesterschast wendeud, erklärt sie in der Angst ihres Herzens : Ich bin eine Waise und eine Wittwe; ich habe hier hinieden nicht rinen Menschen, der mich beschützen könnte ich stehe ganz allein. Und beständig diesen Anfechtungen ausgesetzt zu sein, ist schlimmer, als tausendfältiger Tod. Die heilige Mutter ruft mich zu sich ; ich kann sie mit meinem Gebet nicht mehr zu mir herabziehen ; sie steht mir fern, aber sie winkt mir; und ich folge ihr ! Laßt mich sterben im Feuer, auf daß ich endlich glücklich werde!" Die Priester vernahmen diesen Entschluß mit großem Beifall. Sie preisen ihn mit laut:n Lobsprüchen ; denn ein solches Sühnopser gilt als eine denGöttern wohlgefällige That. Befreit sie doch den verstorbenen Gatten aus der Hölle! Blumenguirlanden werden ge holt und Tara wird feierlich zur .Suti" gekrönt. Wann die Sitte der Wittwenverbrennung zuerst in Indien Eingang ge funden, ist nicht nachzuweisen. Das Gesetzbuch des Manu enthält nur einfache Vorschriften über diesen Fall; eS verlangt nicht jene übertriebene, qualvolle ASketik, die in späteren Jahrhunderten und auch noch zum Theil im 17. Jahrhundert stattfand. Nach dem Tode deS Mannes so heißt daS daselbst verzeichnete Gebot, lebe die Frau einfach und keusch unter der Vormund schast ihreS .ältesten Sohnes oder, des nächsten Verwandten ihres Mannes bis zu ihrem Tode.. Wenn sie wieder hei rathet, wird sie vom Himmel, in dem ihr erster Gatte lebt, ausgeschlossen. Auch die VedaS gebieten den Wittwen nicht dem Gatten in den Tod zu folgen. Nach Dunker geben die Griechen die ersten Andeutungen von dem Vorhandensein dieser grausamen indischen Sitte; sie erzählen, daß es bei den Rhattia und einigen anderen Stämmen sür die Wittwe ein Ehrenpunkt sei sich mit der Leiche deö Mannes zu verbrennen. ' Im 17. Jahrhundert hatte diese Sitte den, Stempel der Nothwendigkeit verloren; es wurde nicht von der Frau gefordert, ihr, Leben gewaltsam zubeschlie ßen, sobald .sie Wittwe geworden. That sie eS aber aus freiern Antriebe, so ward

sie als Heilige gefeiert und ihr Name

fortan mit abgöttischer Ehrfurcht genannt. Tara's Stellung wurde durch die Erklärung, daß sie zum Feueropfer, zum.Suti, bereit sei, mit einem Schlage umgewandelt. Weder bei der Einführung in ihren neuen -Beruf, noch im Verlauf der heiligstcn Handlung, bei der sie als Prle sterin fungirte, ward sie mit so vielen Ehrenbezeugungen überhäuft, wie jetzt. Sie ward mit Blumenguirlanden geschmückt, in Weihrauchwolken gehüllt, Brahmanen nahmen sie in ihre Mitte uno sangen Loblieder zu ihrem Preise. Die Tempelhöfe füllten sich mit Menschen, welche laut das Dschky Tuldscha Mata!" ihr zuriefen, ihr Blumen vor die Füße streuten, sie um ihren Segen baten und sich glücklich schätzten, wenn es ihnen gelang, den Saum ihres Gewandes mit ihren Händen zu berühren. In der Mitte eines breiten Sandbettes in der Nähe des Flusses errichteten geschästige Hände den Scheiterhaufen, Indem sie Baumstämme über einander legten und einen viereckigen Holzstoß bildeten, der an den Seiten durch schlanke Pfosten gestützt ward. Dann gössen sie Oel auf die Stämme und bedeckten sie mit orangksardigen, hochrothen und weißen Flaggen und Wimpeln, von allen Seiten kamen Hindus, Männer und Frauen,' herbei und schmückten das Ge rüst mit Tausenden von Blumenkränzen, auf daß auch sie bei dieser Gelegenheit das Wohlgefallen der an Opfergaben sich freuenden Götter erregten. Als Tara, in eine? Sänfte getragen, Bwmen ausstreuend, inmitten der Priester erschien, betete man zu ihr wie zu einer Göttin. Auch die Brahmanen neigten sich vor ihr, gössen Trankspenden vor ihr aus, bestrichen ihr die Stirn mit helliger Farbe und schmückten sie mit frischen Kränzen. Dann umwandelte sie mit ihnen, nach alter Sitte, dreimal den Holzstoß, ehe sie ihnen ihre Juwelen einhändigte, und dann schickte sie sich an, die roh behauenen Stusen zu ihrem Sterbelager emporzusteigen. Emporblickend sah sie oben auf der mit Weihrauchpulvcr bestreuten, ölgetränkten Holzplatte ein von farbigen Kissen und Decken aufgeschichtetes Bett, auf dem eine Puppe das ungeschickte Abbild eines Mannes lag, welches Taras verstorbenen Gatten darstellen sollte. ES war ein phantastisches, grauenerregendes Schr?ck.,iß, und im Angesicht des ihr in so grausamer Weise bereiteten Hochzeitslagers, auf dem sie zur letzten Äuhe gebettet und durch Feueröqual geläutert mit ihrem Gatten vereinigt werden sollte, erbebte die jugendliche Wittwe und brach ohnmächtig zusammen. Es war nicht die Absicht des Versassers, seine Heldin aus dem Scheiterhausen sterben zu lassen. Er gab der Ge schichte eine glückliche Wendung durch die rechtzeitige Einmischung eines moha medanischen Khans, der Tara dem Ein fliiß indischer Priesterschast entrückte und ihrer Wittwenbedrängniß durch seine Vermählung mit ihr ein freundlicheres Ende bereitete, als sie sonst genommen haben würde. (Rundschau.) Eine sensationelle Z5rtisprecyttng in N Klans. Großes Aussehen erregt gegenwärtig in der Hauptstadt des russischen Reiches die Frelsprechung einer Verbrecherin, der Tochter eines Stadtraths, welche ange klagt und überführt war, an einem armen Kutscherilnaen einen Raubmordversuch begangen zu haben. - Man ist verblüfft über dieses Urtheil, Erinnerungen an den ähnlichen Ausgang des Processes Wjera Sassulitsch tauchen aus und die näheren Umstände, die bei dem Verhör zur allge meinen Kenntniß kommen, geben zu trüben Betrachtungen Anlaß, die in einem Petersburger Berichterstatter einen beredten Interpreten finden. Julie Ostrowljema gehörte den besseren Ständen an und hat eine leidliche Erziehung im Hause ihrer Eltern genossen. Sie studirte an einem der bestehenden Gymnasien sür Mädchen und galt dort als eine sehr ehrgeizige und begabte Schule rin. Ein mißglücktcs Examen benahm ihr jede weitere Lust zum Studiren, sie trat in die Welt hinaus, wollte selbstständig sein und sich selbst ernähren. Sie wird zuerst Corrector sür eine Druckerei, findet aber dieseBeschästigung geisttödtend, wenig einträglich und greift dann zur weiblichen Handarbeit. Aber auch bei un? vermag das Nähen von Kleidern und Wäsche nur die bescheiden sten Bedürfnisse zu decken und so griff im - x. ? .. r w iSUlie lin Tucyen naaj einer uuiccgenocn und einträglichen Lebensbeschäftigung an Stelle der Nadel zum Peitschenstiel. Sie verschaffte sich ein Darlehen, kaufte Pferde. Schlitten und Droschken, mie thete Knechte und wurde selbst ein Jswoschtschik (Kutscher). Die Ostrowljema ist heute ein 29jährigeS Mädchen mit regelmäßigen GesichtSzügen, hübschen ausdrucksvollen Augen, die ab und zu des schmachtenden Ausdrucks nicht entbehren. Das Haar trägt sie wohl kurz geschoren, abec im Uebrigen zeigt sie ein, wenn auch entschiedenes, so doch bescheidenes Benehmen, daS am allerwe nigsteN' eine Raubmörderin vermuthen läßt. Ihr stark entwickelter Körper befähigt sie zu der schweren Arbeit, die sie so gern verrichtet. Sie. striegelt ihre Pferde, wäscht Schlitten und Droschken, kocht für ihre Knechte und Genossen das Mahl, besucht mit diesen die . schmutzig, sten Schänken, trinkt. Wodka mit .ihnen aus demselben Glase und ißt mit ihren Knechte auS derselben Schüssel. Als der Richter sie fragte, warum sie, das Mädchen auS gutem Haufe, ein solches Gewerbe ergriffen, antwortete sie stolz : Ist denn das ein Gewerbe ? Das ist ja nur ein Vergnügen Dieses Vergnügen betreibt sie natürlich in Männer kleidern. Sie geht, als JZnoschtschik gekleidet, im langen schmierigen Armjak, unten den Schaspelz, die,Pluderhosen in die rothen, mit Thran geschmierten Stiesel gesteckt, die settglanzende Pelzmütze 'auf dem kurzgeschnittenen Haarkurz Julie Ostrowljewa ist ein männlicher JSwoschtschik wie er leibt und lebt. Ihre Mußestunden füllt sie mit Lectüre und Musik aus. Sie ist bei Puschkin und Lermontow ebenso zu Hause, wie in der schmutzigen und bluttriefen den Roman Literatur, die hier eben

so blüht und vom Volke viel gelesen

wird, wie in anderen Residenzstädten. Julie liebt die Musik, und nicht nur jene, an der sich halb betrunkene Fuhrleute und verkommene Handwerker ergötzen, sie weiß auch die Concertmusik guter Sorte zu schätzen. Eine ihrer ehemaligen Freundinnen, die Hosschauspielerin Ogarewa, die bei Gericht als Zeugin vernommen wurde, schildert Julie Ostrowljewa als eine zwar sehr excenirische, aber doch auch charakterfeste und überaus geistreiche" Person. Sie sei auch im Gutthun excentrisch und im Stande, für einen Genossen oder eine Freundin große Opfer zu bringen ; doch sei auch ihre Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit stets unberechenbar gewesen. Ist Julie vielleicht eine Nihilistin? Es scheint nicht, denn sie hat sich niemals mit politischer oder socialer Propaganda beschäftigt, und alle bei Gericht vorgela denen Zeugen versichern, niemals dergleichen von ihr vernommen zu haben. Einige wollten Julie auch in Gesellschaft liederlicher Personen gesehen haben, doch sie selbst, darüber besragt, behauptet, daß dies sehr selten und nur dann der Fall gewesen sei, wenn sie Luft nach gutem Schnapps,' Champagner und Leckerbissen verspürt habe. Im Uebrigen habe sie an der Lebensweise dieser ver ächtlichen Personen niemals Antheil genommen. Die Richter gaben sich alle Mühe, die Motive aufzuhellen, welche die Ostrowljewa zum Raubmorde veranlaßt haben mochten. Die Lectüre der schaudererregenden Criminal - Romane mit den geheimnißvollen Mordthaten, welchcr Julie in der letzten Zeit huldigte, bot keine ausreichende Erklärung. Aus die Frage, ob sie sich nicht eines Ereignisses erinnere, das in ihrem Innern eine vollständige Umwälzung hervorrief erzählte sie, daß ein Knecht aus purer Bosheit einem ihrer Lieblingspferde die Hülste der Zunge abgeschnitten habe. Das habe sie zum tiefen Haß und zur unversöhnlichen Verachtung gegen die menschliche Natur gebracht. Schließlich zweifelte man schon an derZurechnungssähigkeit der Ostrowljewa und übergab sie dem Nikolaispital zur Beobachtung, aber die Aerzte erklärten, daß das Mädchen nicht wahnsinnig und jeder Handlung, die es begehe, vollkommen bewußt sei. Eben so seltsam wie diese Person ist auch der Thatbestand des Verbrechens, das sie im Verein mit einem ihrer Knechte begangen.... Am 29. August 1881 gegen 11 Uhr Abends stand der 22jahrige Jswotschtschik Sawin mit seiner Droschke an einer Ecke des Newsly' prospects. Julie Ostrowljewa und ihr Knecht Hudin traten an ihn heran und mietheten ihn für zwanzig Kopeken zu einer Fahrt bis zur Brücke Troizty. Dort angelangt, stiegen jedoch die Beiden nicht ab, sondern beredeten den Sawin, die Fahrt um einen Rubel bis nach Staraja-Derewnaja fortzusetzen. An diesem Orte eingetroffen, verlangten wieder Julie und Hudin, Sawin solle sie über Lachta nach dem Newsky'Profpect zurückführen, wofür sie ihm zwei Rubel fünfzig Kopeken zahlen wollten. Während der Fahrt hatte Hudin mehrfach Gespräche mit Sawin angeknüpft und ihn unter Anderem auch gefragt.wie viel Geld er heute schon verdient hätte. An einer menschenleeren Stelle angelangt, versetzte der Knecht Juliens dem Sawir: mit irgend einem stumpfen Instrument einen heftizen Schlag aus den Hinterkopf, in Folge dessen diesem die Mütze vom Hinterkops flog. Der nur halb betäubte Kutscher sprang vom Bock, Hudln ihm nach und es entspann sich zwischen ihnen ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kamps um ein paar Rubel, eine Schindmähre und eine schlechte Droschke. Und was that die Ostrowl jewa dabei ? Sie sah zuerst mit verschränkten Armen und kaltblütig dem Kampfe zu, so-lange sie meinte, daß ihr Knecht mit dem Burschen fertig würde. Erst als die Balgerei zweiselhaft wurde und Hudin seiner Herrin zurief : Was stehst Du da und gaffst ! Hilf mir doch den Kerl kalt machen!" ergriff sie Sawin bei den Haaren und dann erst gelang es, ihn unter sortgesetzten Kopshieben zum Fall zu bringen. Schlag ihn todt ! 5)au ihn bis zu Tode !" rief Julie einüber das andere mal.und alsSawin kein Lebenszeichen mehr von sich gab,sagte sie: Gott Lob, er ist verendet Hierauf entkleideten sie den Unglücklichen,nahmen ihm, was er hatte und schleppten ihn dann abseits vom Wege. Hudin und Julie setzten sich aus die Droschke und fuhren nach Hause. Doch Sawin war nicht todt, sondern nur betäubt. Alsbald erholte er sich von seiner Ohnmacht, machte die Anzeige und das wieder ausgefundene, mittlerweile verkaufte Gespann führte nach langem Suchen auf die Spur der Raubmörder. Beim ersten Verhör gestand Julie die That,aber alsbald verlegte sie sich aus's Läugnen. Ihr Knecht Hudin gab den Thatbestand zu, nur behauptete er, Sawin habe den Angriff begonnen und er habe daher nur auS Nothwehr das Seinige zur Selbst Vertheidigung gethan. Man berief eine ganze Reihe von Zeugen, deren Aussagen nachwiesen, daS Hudin und die Ostrowljewa daS Gesährt Sawin'S ver kaust haben und auS der Widerspruchsvollen Vertheidigung, der Angeklagten ergab sich ganz zweifellos das Vorhandensein , eines Verbrechen?. Trotzdem verneinten die Geschworenen die Thatsache deö RaubansalleS, wie - die direct gestellte Schuldsrage. Die Richter waren genöthigt. Beide freizusprechen und aus der Haft zu entlassen.... DaS Interesse, welches diefer Fall verdient, geht weit über die vorübergehende Ausregung hinaus, die der nächstbeste sensationelle Cnminalfall zu erzeugen pflegt. Oder regen nicht Charakter und Lebenslauf der Attentäterin zum trüben Nachdenken über den Zustand und die Zukunft der russischen Gesellschaff an ? Eltern auS den besten Gesellfchaflskreisen lassen ihr Kind so aus wachsen, daß dieses dem Hause und der Schule ohne Weiteres entläuft, dieEman cipation des Weibes nach eigenem Gutdünken versucht und schließlich ohne jede Nöthigung Droschkenkutsche? wird. Der ganze, Fall zeigt augenfällig, daß es sich hier weniger um eine Natur voll böser Jnstincte, als vielmehr um ein Geschöpf handelt, dessen Herz vernachlässigt und verdorben und dessen Hirn verbildet

wurde. Zur Erklärung solcher Erscheinungen genügt nicht mehr der Nachweis der individuellen Schuld, hier tritt schon die Gesellschast mit einem Schuldantheil zu Tage, zumal der. Fall der Ostrowljewa nicht vereinzelt dasteht, sondern in durchaus außer-nihilistischen Kreisen und in den verschiedensten Variationen seit einiger Zeit fortwährend wiederkehrt. Und wenn man selbst diesen Fall nicht sonderlich ernst nehmen möchte, so beweist doch der ganz unbegreifliche Freispruch der Geschworenen, wie krank das sociale und ethische Leben unseres Volkes ist. Solche Faustschkäge dem alltäglichsten Rechtsgefühl in's Gesicht wiederholen sich progressiv seit einigen Jahren und zeigen, daß unsere Bauern und Bürger den angeborenen Sinn für die einfachste Unterscheidung des Guten vom Bösen, des Rechtes vom Unrecht vielfach eingebüßt haben. Als Wjera Sassulitsch trotz be gangenen Mordversuchs freigesprochen wurde, applaudirtcN Hoch und Niedrig, besternte StaatZwürdenträger und goldbetreßte Generale dem Wahrspruch der Geschworenen. AlleS jubelte der russischen Charlotte Corday zu, die vor dem Gesetze doch nur eine zweifellose Atten täterin war; vereinzelte Warner in.der Gesellschast wie in der Presse wurden da mals verhöhnt u..d so brach man denn Bahn für die Zerstörung des allgemeinen Rechtsbewußtseins und ebnete die Wege für .rufsifche Sitteubildcr-, von denen das so eben, vorgesührte eines der markantesten ist.

Stöcker über Du Bokö-Neymond. Der Rcctor der Berliner Universität an der Spitze seine? Brüder so lautete das Thema,, welches sich der bekannte Berliner Hofprediger in einer Versammlung der christlich sozialen Partei in Berlin gestellt hatte. Er hatte schweres Aergerniß daran genommen, daß Du des Großen in der Akademie einen Vortrag gehalten, welcher Darwinsche Anschauungen verfolgt. Voller Miß muth über den geringen Anklang, welchen seine großen Worte in der VolksVertretung gesunden, kehrte er zu feinen anspruchsloseren Anhängern zurück, die sich nicht wenig geschmeichelt suhlten. Mit Herrn Stöcker zusammen über den Rector der Berliner Universität und über eln weitverbreitete wissenschaftliche An schauung zu Gericht zu sitzen. Stöcker erhob folgende Anklagen gegen den Rector der Berliner Universität: Herr Du Bois-Reymond hat am Geburtstage Friedrich'S deS Großen die übliche Aka-demie-Rede gehalten, und zwar über den Darwinismus, und hat sich nicht gescheut. Zweierlei auszusprechen : 1) die christliche Weltanschauung über die Schöpfung des Menschen sei unhaltbar. und 2) Darwin habe dem Menschen den ihm gebührenden Platz an der Spitze seiner Brüder angewiesen. ES gehört ein gewisser moralischer Muth dazu, am Geburtstage des großen Königs, vor er ner solchen Hörerschaft, in Gegenwart des CultuSministers eine solche Rede zu halten, in welcher man sich zu Darwin bekennt und den nacktesten Materialismus aussprlcht. (Bersall.) Diese verrückte Idee, daß der Mensch vom Thiere abstamme, ist stark m der Decadence, und kein Gelehrter von Ruf wagt eS mehr, sich offen dazu zu bekennen. Nur Herr Du Bois-Reymond wagt es, an einer solchen Stelle dem Menschen nach Darwin seinen Platz an der Seite seiner Brüder anzuweisen. (Sehr gut !) Wer sind seine Brüder? Sind es die Rectoren der Universitäten? Unter ihnen sind so. viele christliche Männer, daß man ihn nicht an ihre Spitze stellen kann. Nun hat ja die Universität Greifsmald uirte greiflicherweife sich das Glück verschafft, sich einen jüdischen Rector zu wählen. (Pfui!) Rufen Sie nicht pfui! Ich glaube, eS war nur eine Unbesonnenheit, und wird nicht wieder vorkommen! (Bravo !) Andernfalls müßte man Ge fetze schaffen, um solche Ungereimtheiten zu verhindern. Aber ein von Christen gewählter jüdische? Recto?, de? sich still verhält und seines Amtes waltet wie viel höhe? muß e? stehen gegenübe? einem Recto?, de? getaufte? Jude ist, alsoChrist ein soll, und so etwas iifflntlich aus pricht. (Stürm. Beifall.) Seine Brüder ind also die Thiere: Regenwürmcr,Mai !äfcr, Schlangen, Katzen und Hunde, welch letztere ja von Professoren, die Vi visection treiben, befonders hoch gehalten werden, Affen, Gorillas, OrangUtangs. (Größe Heiterkeit.) Die Wif senschast eines Darwin, Häckel, DuBois Reymond wird gewiß dereinst hochacht bar gehalten werden, aber man wird sich sagen : Wie verdreht müssen doch die Menschen deö neunzehnten JahrhundertS gewesen sein, daß die hervorra gendsten Geister de? Nation ihren größ ten Triumph darin suchten, die Affen x ihren Vorfahren zu machen (Heittrkeit.) Wäre eS wahr, daß Hunde und Katzen unsere Vorfahren sind, wäre eS wissenschaftlich erwiesen, dann würde ich der Erste sein, der, wenn auch mit schwerem Herzen, dem Wahne den Abschied gäbe, und in daS Lager der Wahrheit überginge. Ist der Mensch tKrklich ein entwickeltes Thier ? Ich halte den Da?winiane? fü? einen unentwickelten Menschen ; dem fehlt's hier (im Herzen) und hier (im Kopse). (Große Heiterkeit.) Während der Darwinianer sich mit dem Kunststücke abquält, auS der Mücke schließlich einen Elephanten zu machen, hat Häckel den Leuten die Geschichte vom Urschleim aufgebunden. Der Urschleim ist aber ein Urleim gewesen, auf welchen Häckel leichtgläubige Geschöpfe gelockt hat. (Stürmische Heiterkeit.) Häckel hat ähnlich wie Du Bois.Reymond die Naturwissenschast dazu benützt, um die Religion aus den Angeln zu heben. Der Darwinismus, wie wir ihn unter häckel in Deutschland haben aussprießen sehen, bedeutet für unsere Religion die Leugnung Gottes, sür unser Rechtsleben die Proclamirung deS Rechtes des Stärke' ren, für unser sociales Leben den Kampf um'ö Dasein. Wenn wirklich zu viel Creaturen producirt . werden, und . der Schwache dem Stärkeren unterliegen muß wer will eS da stärkeren Fäusten verwehren, auch den gelehrtesten. SchS del einzuschlagen ? (Heiterkeit.) Wer in den Hundeflällen und Affenkäfigen deS zoologischen Garten seine Vorfahren

sieht, de? ist nicht zu bewundern oder zu beneiden, sondern aus's lief sie zu bedauern. .Wenn die Herren Gelehrten ihre Weisheit sür sich behalten, mag's noch gehen, wenn sie aber damit das Volk irre machen, so sagt man : ES sind ge sährliche Gelehrte, sie versündigen sich am Besten der Nation und der Mensch heit ! (Beifall.) Der Schimmel von Le Vourget.

Ein heiße? Manövertag war vorüber, mild und freundlich befchien die herbstliche Abendsonne das Stoppelfeld, aus welchem die Truppen in dieser Nacht bivuakiren sollten. Bald hatte man sich im Lager eingerichtet, die Feuer begannen zu brennen und die heileren Gesänge der Mannschaften bekundeten, daß die Behaglichkeit an ihren Feuern eingekehrt war. Um ein Zelt im Bivouak des ersten Bataillons ?ines GardeRegimentS saßen, als es bereits stark zu dunkeln an fing, der Commandeur des Bataillon? mit seinem Adjutanten und einigen ülteren Hauptleuten und Lieutenants, die er zu heuteAbend zu einer Punsch-Bowle eingeladen hatte. Meine Herren, nahm der Major daS Wort, Sie kennen wohl alle meinen braven Schimmel, den ich beim BataillonsExerciren meist reite; aber wohl keiner von Ihnen meiß, aus welche merkwürdige Art und Weise ich zu dem Thier gekommen bin. So hören Sie denn ! Es war bei der Belagerung von Paris, als ich mit meiner Kompagnie auf Vorposten von Le Bourget lag; gerade gegenüber meiner Ausstellung war das von den Franzo sen wieder besetzte Dorf. Allein es war uns schon bekannt, daß am folgenden Morgen Le Bourget wieder genommen werden sollte. Beim ersten Morgengrauen begann das Feuer unserer Artillerie. Schlag auf Schlag sielen die preußischen Grana ten in das Dorf und richteten furchtbare Verheerung an. Bald kam auch der Befehl zu unserem Vorrücken. Ich bestieg meinen treuen Braunen, einen muthigen sechsjährigen Trakehner und wa? bald mit meine? Compagnie in das Feuergesecht verwickelt. Und immer weiter ging es vor im. Kugelregen. Da am Eingang des Dorfes kommt plötzlich eine französische Granate, welche dicht vor meinen Füßen krepirt. Mein Pferd bäumt sich hoch auf, steht aber bald wieder am ganzen Leibe zitternd. Ich fasse nach meinem Kops, ein Granatsplitter hatte mir den Helm her untergerissen. Doch jetzt war keine Zeit zu verlieren. Die Trommeln schlugen zum Avanciren und vorwärts gings ins brennende Dorf hinein. : Der Kampf war zu Ende, die Franzofen geworfen, und meine Compagnie bezog Quartier in einem Nachbardorfe. Aus dem Marsche dorthin begegnete mir unser Commandeur. Schon von weitem rief er mir zu: Ach, mein lieber Hauptmann, auch Ihr braver Hans hat daran glauben müssen ! Schade um das schöne Pferd' Ich verstand nicht was er wollte und sah erstaunt an meinem Pserde herunter. Aber was war das ? Ich traute meinen Augen kaum. Mein braver HanS war plötzlich zum Schimmel geworden. Die Angst, welche er ausgestanden, hatte seine Haare an einem Morgen gebleicht. An den Tod. Von Alfred Ttunso. Deutsch n Zr. scher. Sowie daS Eiland, rings vom Meer umgeben. Von einem Meteor wird jäh erhellt Mit einem Glanz, der in sein Nichts ze?- ' füllt Lang eh' das Mo?gen?oth bringt neues Leben: So jählings lischt auch uns'rer Ne?ven Kraft, Sie lodert auf, wir sind dahin ge rafft. O Mensch, bewahre Dir den stolzen Muth, Fühlst DuDich auch umtobt von tausend Stürmen, Laß um Dein Haupt sich nächt'gcWolken thürmen, Tag wird es wieder, und Dein Sorgen ruht. Der Himmel soll, die Hölle frei Dich ge den, DaS Schicksal nur spricht über Tod und . Leben. Ist diese Welt nicht alles Wissens Quelle. Giebt'S ein Empfinden, welches sie nicht weckt? Wer fühlte sich vom Tode nicht erschreckt. Wem wär' der Blick in'S Ungewisse helle. Wenn Alles, unser Wissen. Fühlen, Sehn, Muß Schemen gleich geheimnißvoll ver geh ! ES liegt des GrabeSMysterium dort ver borgen. Wo Alles fein wird, nur nicht die Gestatt: DaS Aug' nichts sieht, und nichts inSOHr mehr schallt. Vergeh muß Alles an dem großenMorgen. Und ungeahnte Wunder sollst Du schau en,Dem ew'gen Wechsel nur darfst Dn ver . trauen. - - Wer ist's, der unS vom stummen Tod erzählt ? Wer will der Zukunft dunklen Schleier lüften? Wer alt die Schatten, wie dort In den Grüften, In tiefen Höhlen sie die Hölle quält ?' Wer nimmt uns Furcht, giebt unö der , Hoffnung Walten, ' So lang das Ungewisse nur darf schalten? ! Traurig. ( Zahnarzt (einer Frau den vorletzten Zahn ziehend): Sie werde ich auch nicht jnehr lange zur Kundschaft haben !