Indiana Tribüne, Volume 6, Number 172, Indianapolis, Marion County, 11 March 1883 — Page 6
Aer letzte AeiHtvater der Kö- , nigin Maria Luisa. Nach dem Sxanischen von Hdwlg ToyM. Das spanische Volk hatte voll heroischen Muthes die Franzosen aus dem Lande vertrieben. Nach der Abdankung Karls IV.. der siÄ mit seiner Gemahlin Maria Luisa nach Nom zurückzog, griff Ferdinand VII. die Zügel der Regierung. Am 2. Januar 1819 verschied Maria Luisa nach einer, wie alle Histo liker übereinstimmend melden, überaus zügellosen Lebensführung. In ihrem Testament hatte sie dem König Ferdinand eine Anzahl Legate für verschiedene religiöse Körpcrschasten und Stistungln an's Herz gelegt. Der undankbare Sohn ließ die frommen Wünsche seiner Mutter berücksichtigt. Hatte er doch ihre Pension bei ihren Lebzeiten so karg bemessen, daß sie kaum zur Bestreitung ihres Haushaltes ausreichte. Unter denen, die in ibrem Testament bedacht waren, befand sich ihr Äkichtvatcr, der Pater Alrnara,. dem sie ein Legat von 4000 Duros (Thalern) ausgesetzt hatte. Nach ihrem Ableben sie! der Pater, der sich an die Bequemlichkeit und den Luxus des Hoflebens gewöhnt hatte, der Vrstigkcit anheim und sah sich zur Fristung seiner Existenz fast aus schließlic!) auf da? Almosen der Messe angewiesen. Er forderte vom König die Erfüllung der Testamenttclausel, aber sowohl Djese, als verschiedene andere Re clamationen, die er an das Ministerium der Gnade und Justiz richtete,, blieben ohne jede Antwort. Nach Ablauf von sieben Jahren kam der Bruder des Königs, der Jnfant Don Francisco, nach Rom. Almaraz suchte ihn auf und bat ihn inständig um seine Fürsprache bei dem König. Der Infam sagte sie ihm zu, aber weder die Bemühungen des Prinzen, noch die wiederbolten Bittgeslichz des Paters hatten bin geringsten Erfolg. Nun änderte Almaraz seine Taktik. In einem entschlossenen und drohenden Ton schrieb er direkt an den König, ein Mittel, das insofern seinen Zweck erreichte, als es die Seele des Königs bis auf den Grund erschütterte und weder die Rathschläge seiner Günstlinge, noch sein unzweifelhaftes Necht an der Krone Spaniens seine Gemüthsruhe wieder herzustellen vermochten. Jedermann in Rom wußte, daß der Pater Almaraz die letzte Beichte der Königin Maria Luisa entgegengenommen hatte; und' nun wagte es der alte Mönch, an den König zu schreiben, daß die Sterbende ihn autorisirt habe, den Inhalt ihrer Beichte zu veröffentlichen, einer Beichte, in der sie bekannte, dan keiner ihrer Söhne der Sohn Karls IV. sei. Damit wäre der Zweig der Bourbonen in Spanien erloschen gerne sen. Der Beichtvater bereitete Ferdinand darauf vor, daß er zur Entlastung seines Gewissens vor dem vers mmelten diplomatischen Corps das . Geheimniß seiner Geburt offenbaren würde. Nur die Anhänglichkeit an das königliche Haus habe ihn bis jetzt von diesem Schritt zurückgehalten, aber Angesichts der Unbill, die ihm der König zugefügt, sei er jetzt entschlossen, seine Pflicht zu thun. Vergebens suchte man den König mit der weisen Negel zu beruhigen : der Beweis für die Legitimität der Söhne liegt in der ununterbrochenen Ehe der Eltern, ein Satz, dessen Geltung selbst eine Ec klärung des wahren Vaters nicht im Stande sein würde aufzuheben. Mit Necht sah der König in der ku uen Drohung des Mönches einen Scan dal für ganz Europa und emen gelege r.en Vorwand zum Ausstand für de seincr Dynastie feindlichen Parteien. Pater Almaraz lebte fern von Spa nien, außerhalb des Bereich? der könig lichen Macht. Seine Vcrschwieknzeit mit Gold zu erkaufen, war g'sährlich; er konnte in ZuknKft seine Forderungen steigern und schließlich die Drohung denr.?ch ausführen. Unter den intimen Rathgebern des Königs fehlte es nicht an Männern, die zum Meuchelmord riethen. Ferdinand mies ein solches Ansinnen zurück. Er beschloß, sich der Person des Beichtvaters setnerMutter zu bemächtigen und berieth darüber mit seinem Günstling Don Juan Erijzlv. -Wie dieser unglaubliche und roman haste Plan in's Werk gesetzt wurde, wollcn wir berichten. Am 14. Octobe? 182 hielt sich der Hof im königlichen Lustschloß Pardo auf. Der Monarch hatte zwei Stunden im Arbeit-cabinet seines Vertrauten, des Juan Grijalva zugebracht. Dieser, ein treuer, erprobter Freund des Königs, war weder Minister, noch versah er ir gend ein anderes ossizielles Amt; seine Funktion im Palast war die eines Se cretärs der Kupferstichsammlung. Er war verschlossen in seinem Wesen, dem Studium ergeben, und von einem so überaus bescheidenen Aeußern, daß er keine Feinde und Widersacher am Hofe hatte. Seine ganze Person war das Vorbild eines vollendeten Jesuiten. Sobald der König das Cabinet seines Vertrauten verlassen hatte, rief Grijalva einen der Thürsteher zu sich und gab ihm einen Brief mit dem Befehl, denselben sofort durch einen reitenden Courier an seine Adresse befördern zu lassen. Eine
tetunce spater erhielt Von Joje Perez Ncvarro, ein Beamter im Sekretariat der Macine, das Schreiben. Grijaloa war der Prstector NarWros, und seiner Vermittlung verdankte dieser die Anfiel lung im Marine.Zecretariat. Navarro war vom Scheitel bis zur Sohle Anda lusier, heiter und mit all' dem Stolz, der die Leute des Südens auszeichnet. Er gewann schnell die Sympathien seiner Umgebung und in der Marine galt er für einen Mann von Muth und Ent schlossenheit. Der Brief forderte ihn auf, sich unverzüglich nach dem Lustschloß Pardo zu begeben, in Begleitung eines Freundes oder einer Vertrauenöperson, gleichtue! wef; Standes. - Unmittelbar nach Empfang des Brie fes machte sich Navarro auf 'den 23eg. In der Person eines anda'.usischen Seemanne, der ihm auf allen seinen Felc züen treu gedient, hatte cr einen zuver lä'sizcn Lcilsen gesunden.
In Pardo. angekommen, wurde er sogleich in das Cabinet GrijalvsS geführt, .der ihn herzlich wie immer empsing. ie sehen, verehrter Freund, ich habe den Wagen bestiegen, -sodalö ich Ihren Brief gelesen habe." Ich kenne Ihren loyalen und ehren basten Eharakter.Navarro. und ich weiß, daß ich die subtile Mission, um die es sich handelt, keinen besseren Händen anvertrauen konnte, als den Ihren." Das meine ich auch. Was habe ich zuthun?" Sie werden es in Paris erfahren, durch eine Ordre des Königs." Gut: Ich eile nach Madrid, um meine Neisevorbereitungen zu treffen." Unnütz, Sie werden sofort abre! sen." Aber, lieber Freund " " .Kein Aber; Sie haben den Beglciter zur Hand ?" .Er ist da." Also auf den Weg." ' Sie gestatten, daß ich noch einmal in mein Haus zurückkehre. Ich muß meine? Mutter, die meinen Haushalt führt, eine Summe Geldes einhändigen und mich mit Reisemitteln und Kleidungsstücken versehen." Nicht nöthig. Der König und ich, wir werden für Ihre Mutter Sorge tragen. Ihre Garderobe können Sie in Frankreich vervollständigen. In Paris werden Sie aus den Händen unferes Gesandten, des Grafen von Ofalia, ein Schriftstück empfangen, das Sie von dem, was Ihnen zu thun obliegt, in Kenntniß setzen wird. Beweisen Sie Ihre Intelligenz und Ihren Scharssinn
durch die exakte Ausführung der darin enthaltenen Instruktionen." Ohne Navarro ein Wort der Entgegnung zu gestatten, verließ Grijalva sein B-ireau und stieg, von Navarro gefolgt, die Treppe des Palastes hinunter. Vor dem Portal stand ein Postwagen. Er hieß Navarro und seinen Begleiter einsteigen, übergab ihm 2000 Duro für die Ausgaben der Reise bis nach Paris, wo man ihm die weiteren Mittel, die sein Unternehmen erheischte, zur Versüzung stellen würde. Und nun gute Reise und gutes Glück," und damit drückte er ihm die Hand. Die Pferde zogen an, und fort ging es in gestrecktem Galopp auf der Heerstraß: nach Frankreich. Navarro fand im Wagen schützende Kleidungsstücke, vortreffliche Lebensmittel und einen reichen Vorrath an Cigarren. Es war eine eilige und geheimnißvolle Reise, und seltsame und mannichfaltige Gedanken mochten die Seele des unerschrockenen Seemannes bewegen. Kaum in Paris angekommen, stellte er sich, dem spanischen Gesandten, dem Grasen von Ofalia, vor. Derselbe handigte ihm ein umfangreiches Schriftstück ein. Neben detaillirten Instruktionen enthielt daffelbe zwei eigenhändig vom König geschriebene Briefe, von denen er nöthigen Falls i&raiich machen durfte. Der Zweck des Unternehmens war, sich im Geheimen der Person des FrayIuan de Almaraz, des Beichtvaters der Körngin Maria Luisa, zu bemächtigen und ihn nach Spanien überzusühren. Es war die Aufgabe Navarro's, bei dem Raub jedes Aufsehen zu vermeiden ; dazu sollten ihm die Briefe des Königs behilflich sein, von denen de? eine an den Papst Leo XII. gerichtet war, der andere an Don Juan Francisco Marco Catalan, Gouverneur von Rom und einer der zwölf Richter des römischen geistlichen Tribunals' sür die Königreiche von Arragon. Die Geschicklichkeit und Verschlagenheit Navarro's machte die Benutzung des Briefes an den Papst unnütz; dieser Brief würde den heiligen Vater in große Bedrängniß gebracht haben, da ein Grund für die Auslieferung des PaterS absolut nicht vorhanden war; wollte man ihn eines Verbrechens beschuldig?, so. wäre ein großer Scandal die Folge, davon gewesen. Sobald Navarro in Rom mir seinem treuen Helfershelfer angekommen war, nahm er in einem der ersten Hotels der Stadt Quartier und lebte ganz in der Art und Weise jener zahlreichen und üppigen Müßiggänger, wie sie zu allen Zeiten die heilige Stadt überflnthet haben, um in ihren Naturund Kunstschätzen eine Zeit lang zu schwelgen. . Zu derselben Zeit, in der Navarro in Rom ankam, verkündeten zwölf Salut schüsse, daß die spanische Kriegsfregatte Manzanares im Hafen von Civita Vec chia Anker geworfen hatte. Ihr Be fehlshaber halte keine andere Ordre er halten, als den Befehlen des Don Jose Perez Navarro blindlings zu gehorchen. Letzterer hatte sich inzwischen mit Marco Catalan, dem er durch seine Ver Mittelung den Cardinalshut versprach, verständigt, und sie waren über die Art und Weise, wie der Raub an dem Pa ter zu bewerkstelligen sei, übereingekom men. Dieser lebte arm und bescAiden in einem kleinen Hause der Straße' Condotti, und da er in einer so großen Entfernung von seinem Vaterlande sich sicher glaubte, ging er zuweilen Abends aus, kehrte, aber stets vor neun Uhr nach Hause zurück. An einem kalten, regnerischen und dunklen Abend des Monats October waren die dürftigen Laternen der Straße Condotti nicht angezündet worden, ob zufällig, ob absichtlich, bleibe dahinge stellt. Es schlug eben neun Uhr, als der arme Geistliche, auf seinen Krückstock ge.stützt, sich tappend einem Hause der ge nannten Straße zuwandte. Potz Element," murmelte er zwischen den Zähnen, indem er strauchel.te und das Terrain mit dem Stock untersuchte, es scheint, daß die römische Polizei gerade in einer der dunkelsten Nachte für gut befunden hat, die Beleuchtung zu sparen. Gott sei Dank, daß ich mein Haus gesunden habe." Damit schickte er sich an, einzutreten, als vier Männer über ihn hersi:len und ihm den Mund zuhielten, ohne ihm ein weiteres Leid zuzusüzen. Sie ließen ihn die Treppe zu seiner Wohnung hinauf steigen, durchsuchten dieselbe, rollten Al lcs, was sie an Papieren, Kleidern und Geld vorfanden, zusammen und sührten ihn dann aus die Straße zurück, bis auf die Piazza de Epana, auf welche die
Straße bei Condctu mündet. Dort stand eine vornehme Postkutsche mit etli chen Pfetdcn. Sie bestiegen sie mit ih rem unglücklichen Opfer. Der Geraubte, der sich inzwischen von seiner Bestürzung einigermaßen erholt hatte, sing an zu schreien und rief um Hilfe. Die weni gen Personen, welche sich in dieser spä ten Stunde aus dem Platze befanden, näherten sich der Postkutsche. Senores, zu Hilfe ! zu Hilfe ! man raubt mich, man bringt mich um," schrie der Pater Almaraz. Bedauert den Aermsten," wandte sich Navarro zu den Leuten ; er ist wahn sinnig, ein Herzog, ein Grande Spa nienS, der sich einbildet, ein armer Geist licher zu sein. Ich bin sein Haushosmeiste? und beaustragt, ihn zu seiner Familie zurückzuführen." Wie traurig," meinten die Neugieri gen und zerstreuten sich. Nuhe,Ruhe, Euer Gnaden, bald wer det Ihr daheim sein, in den Armen der Eurigen." Was Herzog, was Teufel," schrie der verzweiselte Mönch. Schurken seid Ihr, Meuchelmörder seid Ihr !" Navarro gab den Postillionen einZei chen und fort ging es in sausender Eile, Civita Vccchia zu. Auf dem Wege wiederholten sich mehr als ein Mal dieselben Scenen. Auf der letzten Station aber erregte das Geschrei des Paters die Aufmerksamkeit der Gcnsdarmcrie. Sie hielt den Postwagen an und erkundigte sich nach dem Insassen. Rettung! Hilfe! Hilfe! Mörder! Räuber !" schrie Pater Juan mit der ganzen Krast seiner Lungen. Navarro beschwichtigte die Gensdarmen in der früheren Weise. Lüge! Lüge!" schrie der Pater, glaubt Ihnen nickt, SenoreS, ich Irrn kein Grande Spaniens, nichts bin ich, nichts, als ein armer Geistlicher. Sie haben mich zu Boden geworfen, als ich mein Haus betreten wollte, sie schleppen mich, ich weiß nicht wohin, sie tödten mich, ich weiß nicht warum. Um Gotteswillen, gewährt mir Euren Schutz! Erbarmen! Erbarmen!" Ihre Papiere !" sagte der Sergeant der Gcnsdarmerie. Navarro reichte sie hin. Der Paß war in vollkommener Ordnung für Se. Excellenz den Herzog Medina und seinen Intendanten Don Juan Perez Navarro ausgestellt. E ne halbe Stunde später langten sie in Civita Vecchia an. Hier wartete ihrer die Fregatte Manzanares. Im Gasthause servirte man dem Un glücklichen ein üppiges Frühstück, das er, ungeachtet der wiederholten Bitten Navarro's, nicht berührte. Neue und noch verzweifeltere, wildere Hilferufe stieß der Aermste aus', als man ihn in den Kahn sieigen hieß, der ihn zur Fregatte bringen sollte. Immer wieder aber überzeugten Navarros ruhige Auseinandersetzungen die herbeieilende Menge davon, daß hier ein höchst merkwürdi-ger-Fall von Verfolgungswahn vorliege, in dem ein Herzog, ein Grande von Spanien, sich einbilde, ein armer Mönch zu sein, den man umbringen wolle. Als der Pater die Fregatte betrat, empfing ihn die Mannschaft mit all' den Ehrenbezeugungen, die einem Granden von Spanien gebühren. Die Kanonen wurden gelöst. Eine halbe Stunde später verließ der Manzanares" den Hafen, und er hatte noch nicht die Küe von Civita Vecchia aus den Augen verloren, als die Scene sich völlig veränderte. Pater Almaraz wurde in eine Cajüte eingeschloffen. Er durste mit Niemandem verkehren, mit Niemandem ein Wort wechseln. Es be
gann für ihn eine vollständige Jsolirung Die wahrend feines ganzen Lebens dauern sollte. Unter den furchtbaren Erschütterngen, die der Unglückliche erflihr, wurd.e er halb wahnsinnig, und eine schwere Krankheit brachte ihn auf der Uebersahrt an den Nano des Grabes. Die Fregatte landete in Barcelona, wo sich damals gerade der König um oes calalonljchen Ausstandes willen be fand. Navarro begab sich sofort zu seinem Monarchen und etzte lhn von der glück lichen Aussührung des Unternehmens in Kenntniß. Ferdinand zeigte sich hoch erfreut und gab Befehl, den Pater noch an demselben Tage aus d:e FestungPen niscola abzuführen. Die bei dem Raub Betheiligten belohnte er in freigebigster Weise. Navarro erhielt eine Erhöhung im Rang und die Capitänschast des Hafens von Habana. Marco Catalan wurde im Jahre 1828 auf Empfehlung des Königs unter die Zahl der Cardinäle aufgenommen. Der Gouverneur der Festung, Don.LuiS Gerzabal, wurde angewiesen, den Gefangenen in den höchsten Thurm einzukerkern; Niemand sollte mit ihm sprechen dürfen, selbst der Gouverneur nicht. Die Speisen sollten ihm vermittelst einer Drehscheibe, und die Gesäße durch ein Loch im Faßboden, welches de? Gesängnißwärter zu öffnen und zu schließen hatte dargereicht werden. . Für den Unterhalt des Gesängenen wurden täglich zwanzig Realen ausgesetzt; in keinem Register, in keinem amtlichen Bericht sollte jemals' sein Name genannt werden, als wäre er ein aus den Reihen der Lebendigen Geschieoener. Don Francisco Longa, der Generalcapitän von Valencia, wurde für die strenge Ausführung dieser Befehle verantwortllch gemacht, und er rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen. Drei Jahre waren verstrichen, ohne daß Almaraz in seinem lebendigen Grabe mit einem menschlichen Wesen ein Wort gewechselt hätte ; aber noch immer hafteten im Gedächtniß des Königs jene Drohungen, die der Mönch von Rom aus gegen ihn geschleudert hatte. Es war im Sommer 1830. Auf dem damals vacanten erzbischöflichen Stuhl von Valencia saß als Verwalter der Erz blschof von Mexiko, den die mexikanischen Insurgenten aus seiner Diöcese vertrieben hatten, und der sich gezwungen sah, in Spanien ein Asyl zu suchen. Dieser Prälat war ein kluger und tugendhaster Mann und ein naher Verwandte? des Justizmirnsters Don Francisco Tadeo Calomarde. Letzterer Um-
stand bewog den König, sich des Erz bischosö zu bedienen, um von dem Pater Almaraz einen Widerruf, die letzte Con-
fefston der Maria Luisa betreffend, zu erpreffen. Der Prälat erhalt von dem Justizminister die nöthigen Ausschlüsse über den Gefangenen von Penniscola. Eine vorgegebene Untersuchung der Festung sollte ihm zum Vorwand dienen, um in seine Nahe zu gelangen. An den Gouverneur des Kasteüs war der Befehl crgangen, dem Erzbischos sceiesten Verkehr mit dem Gefangenen zu gestatten. Darauf hin öffneten sich die Thüren des Ge fängniffes vor ihm.. Als er den Kerker betrat, erblickte er einen Menschen, der wie ein Halbwilder aussah. Seine Haare waren lang und verwildert, sein wcißcr Bart reichte bis auf den Gürtel; mit schweren, schlürfenden Schritten nä herte er sich dem Eintretenden, und nur in stammelnden, unarticulirten Lauten vermochteer zu sprechen, so sehr hatte das lange Schweigen ibn im Gebrauch seiner Sprachwerkzeuge beeinträchtig'.. Schluchzend warf er sich dem Erzbischos zu Füßen. Dieser versuchte ihn zu trösten; er ermähnte ihn. seine Schuld offen zu bekennen und stellte ihm vor, daß das einzige Mittel, die Verzeihung des Königs ;u erlangen, ein schriftlicher Widerruf der Verleumdungen fei, mit denen er das Andenken der Königin Maria Luisa beschmutzt habe. 't Der Pater Almaraz beichtete demErz bischof und schrieb und untersiegelte einen vollständigen Widerttlf, in dem er die tiefste Reue ausfprach und den König demüthig um Verzeihung bat. Der Erzbischof versprach ihm darauf, seinen und des Ministers ganzen Einfluß aufzubieten, um ihn aus dem Kerker, in dem er selbst des Trostes der heiligen Sakramente beraubt war, zu befreien. Sobald König Ferdinand den Widerruf des Beichtvaters seiner Mutter in Händen hatte, fühlte er sich in seinem Gewissen vollkommen ruhig, und jede Beängstigung verschwand aus suner Seele. - Es vergingen Wochen und Monate, und die ganze Angelegenheit schien der Vergessenheit verfallen. ' Almaraz blieb in seinem Kastell vergraben, und so oft der Prälat es versuchte, bei dem Gouverneur Erkundigungen über den Eingekerkerren einzuziehen, blieb er ohne Antwort. Er wandte sich darauf an Calomarde und bat ihn inständig, den König an das Versprechen zu mahnen, das er in seinem Namen dem unglücklichen Geistlichen gegeben hatte, und um das Gnadengesuch eindringlicher zu machen, betonte der Erzbischof die Belastung seines Gewissens, er sei das Werkzeug gewesen, dessen der König sich bedient habe, um ein für ihn unschätzbares Dokument zu erlangen. Am Tage nach diesem Bittgesuch rief Calomarde seinen Verwandten in sein Cabinet und theilte ihm mit, daß der König das Gesuch mit allerhöchstem Unwillen entgegengenommen habe. Er, der Erzbischof, habe Alle?, was sich auf jenen Vorfall beziehe, auZ seinem Ge dächtniß auszutilgen, als wäre es nie gewesen, widrigenfalls er einen vernich. tenden Beweis der Ungnade Sr. Majestät zu gewärtigen habe. Der tugendhafte Prälat, ein alter Mann von schüchternem und demüthigem Charakter, wurde durch die Drohung dermapen erschreckt, daß er niemals wieder des Gefangenen Erwähnung that. Nach abermals drei Jihren, 1833 starb König Ferdinand VII. Unter der Regentschaft ihrer Mutter, Donna Ma ria Christina Borbon, folgte ihm seine Tochter Jsabel auf den Thron. An die -Stelle des absoluten Regi-ments-unter den letzten Regierungsjahren ihres Vaters trat eine liberale, politische Strömung, und am 16. Jznuar 1834: erfolgte unter dem Präsidenten des Ministerraths D. Francisco Martinez de la Rosa für alle politischen Verbrecher eine umsaffende Amnestie, die denOpsern, welche der Absolutismus in die Verbannung getrieben hatte, die Thore desVaterlandes öffnete. Dazumal gescha?) es, daß der oberste Beamte des Srcretariats der Justiz, D. Jose Munoz Maloonado, Graf von Fabraauer, der in seiner amtlichen Eigenschast Mitwisser jenes mysteriösen Vorfalls geworden war, dem Präsidenten Martinez de la Rosa von der Existenz jenes Gefangenen im Kastell P?nniscola, deffen Namen sich in keinem Register fand, ln Kenntnis setzte. M. de la Rosa berieth den Fall mit der Königin, die Nicht das Geringste da von wußte. Der Festungscommandant erhielt den Beseht, den unglücklichen Mönch, der ohne gerichtliches Versahren, au einen Machtspruch des absoluten Herrschers hin, eingekerkert worden war, in Freiheit zu setzen. Noch existiren, wenigstens zum qrößeren Theil, in den Archiven des Mlnifte riums der Gnade und der Justiz die Dokumente, die sich auf diesen merkwürdiaen Fall beziehen, darunter der autoaravhische Brief des Königs Ferdinand VII. an den Papst Leo XII. Einen Monat nach seiner Entlastung aus dem Gefängniß starb der PaterJuan Almaraz im Wahnsinn. Die grausame Kerkerhaft hatte dem ungluallchenBeicht vater der Königin Maria Luisa den Ver stand geraubt. Der Ansstessttngs - Kccht. Einer wahren Vcgekenhtit nacherzählt zn Iu.luS iiv. .Meine Herren,' es muß ganz etwas GroßartiaeS werden, oder gar nichts. Blamiren dürsen wir uns nicht. Das ist 1 A (YD 4M (IM A ' fr AM stÜ it ft-M !. meint y-acuiuuy wu3 wit, uiciu: Herren ?" .Schultze hat Recht!" nahm Hilmers vom Hotel Imverial das Wort. Entweder oder, oder wir betheiligen uns in keiner Hlnstcht. durchaus oerleibenAnsicht waren auch die Uebrigen. .)at is all ganz good," bemerkte nackträalick Dreier vom .aoldenen Pflug-. Aw Kinners, wo krigt wi wat Großartiges her?, Dat is licht ae seggt förn Penning Kecs awer wat sör'n Nummer r
.Meine Herren." erarisf Scdulke wie-
der das Wort. .5ick bad: die Edre. der Präsident des Gastwirths-VereinS un serer Stadt yt sein und als solcher kann ich Ihnen nur sagen, wenn wir uns , blamiren, ist die ganze Stadt blamirt. Aber blamiren wir uns nicht auch, wenn wir die Kochkunst-Ausstellung in Leipzig ? n j. i. r ? n . y . w . . in reiner ajiniigi nccgiaen ? AueViaoie sind vertreten. Was soll man von uns denken, wenn wir zurückbleibzn ? Nein. meine Herren, wir muffen ausstellen, wir müssen wenigstens eine goldene Medaille erringen. Meine Herren, well der Verein in corpore ausstellt, bat hernach Jeder von uns gut an der goldenen r- u t i r Meoaiue. uno wenn ez vios verfremden wegen märe, meine Herren-! Wohl nie wurde die Notwendigkeit des Ausstellens eindringlicher empsunden, als ln Dieser Sitzung des ast wirthvereins zu Ff." Wir bezeichnen die Stadt mit ff", weil sie eine sehr seine Stadt ist, da die Nennung ihres wirklichen Namens eme Verletzung der mir auserlegten Discretion wäre. Nachdem nun die Beschickung der Ausstellung unmittelbar ausgemacht worden war, wandte die DiScussion sich dem sachli chen Theile der Angelegenheit zu, und die verschiedensten Vorschläae unterlagen der eingehendsten Prüfung. Schließllch fand der Antrag Herrn Wreiers vom goldenen Pflug" den meisten Beifall. Meine Herren sagte Dreier, warum hätte die Natur es eingerichtet, daß der Fluß an unsere Stadt vorbeiflösse ? Wegen die großen Fische, die sie nirgends in die Welt so haben, wie bei uns. Wenn wr nu so'n grooten s)q nachLeipzig schicken dähden, denn wörden se mal kieken. Awer groot mutt he sin, heelgroot!" ES wurde hierauf ei AusZchu von drei Herren gewählter mit dem Stadt schisser in Unterhandlung treten sollte. Der Stadtschiffer war auch erbötig, auf den Fang auszuziehen, aber da er nicht wußte, wie oft er die Netze auswerfen mußte, um einen Mustersisch zu erwi schen, machte er zur Bedingung, daß der Verein ihm auch die nutzlosen Bemühungen bezahle. Da der Verein einen Fisch um jeden Preis haben mußte,wurden die Extravergütungen bewilligt und der Stadtschiffer zog mit seinen Knechten Tag sür Tag auf den Fluß hinaus, damit er einen des Verein?, der Stadt und der Leipziger Kochkunstausstellung würdigen Bewohner der Fluthen ergattere. Nach vierzehn Tagen brachte sein Netz endlich den ersehnten Fisch : eZ war ein Hecht von siebenunddreißig Pfund. Darob Frohlocken im Verein, der sofort eine Sitzung abhielt, in welcher die Zubereitung des Niesenhechts berathen wurde. Man einigte, sich dahin, daß der Hecht gekocht und in einer Hülle von glasklarem Aspic ausgestellt werde. So würde er den besten Effekt machen. Es ist am Ende keine Kunst, einen Hecht zu kochen, aber wenn der betrefsende Hecht siebenunddreißiz Pfund wiegt, stellen sich dem Kochkünstler dennoch außerordentliche Schwierigkeiten entgegen. In ganz Ff." war nämlich kein Kessel vorhanden, in dem dieser Riese von Hecht der Länge nach Platz gesunden hätte. Und lang mußte er servirt werden. Schon in der Länge allein lag die sichere Gewähr für die goldene Medaille. Zur Erledigung der Kesselfrage ward Herr Schutze nach Berlin designirr, denn wenn irgendwo extraordinäre Fischkessel gebraucht würden, so konnte dies irgendwo" natürlich nur Berlin sein. So emsig Herr Schultze auch in der ReichsHauptstadt forschte, gelang es ihm dennoch nicht, ein Kochgesäß für den Siebenunddreißigpfünder zu ermitteln. Berlin mußte zu seiner Schmach gestehen, daß es aus solche Niesensische nicht eingerichtet sei. Um so besser sagte sich Schultze, denn wenn sie in Berlin nicht einmal einen Kessel sür einen solchen Fisch haben, wie werden die Leipziger erst staunen, wenn der gekochte Fisch in Aspic leibhastig vor ihnen steht. Die goldene Medaille kann nicht fehlen." Und in der frohen Hoffnung auf die sichere Auszeichnung ließ Herr Schultze Kessel Kessel sein, noch einen Tag zuzugeben und in Berlin eben diese Hoffnung mit edlen Tropfen aus bestaubten Fla schen und mit guten Münchener Bieren fleißig zu begießen. In dieser Hinsicht versäumte er keine Ge.egenheit; der Hecht entschuldigte Alles. .. In Ff." wartete man mit Schmerzen aus den Keffel und Herrn Schultze. Der Hecht befand sich wohl in seinem Fischkästen, der mit zwei Schlöffern versehen war. Täglich begaben sich zwei AuSschußmitglieder an den Fluß, öffneten das Gesängniß des Hechtes und fütterten ihn mit nahrhaftenSachen, denn es galt, die Leibesfälle des Medaillengewinners zu erhalten. Der Hecht gedieh wunderdar und ließ sich die sorgfältig aus Fleisch, Reis und Fett bereiteten Klöschen trefflich schmecken. Einen zweiten Fisch wie diesen gab es nicht auf dem ganzen Erdenrund. Sclbst der crsahrene Herr Dreier meinte: De Fisch, da! is'n Fisch. Herrn Schultz:sKesselexpedition wurde im Verein allerdings einer Kritik unterworsen, aber die Befriedigung darüber, daß Berlin der Stadt F. in Kesseln durchaus nicht über sei. stimmte auch die Strengsten versöhnlich. Man ertheilte daher Herrn schultze Wecharge, buchte die durch die Kesselsuche veranlaßten Ausgaben auf das dem Hecht, eingeränmte Conto und sprach von der Armseliakeit Berlins in Fischfessel und von der goldenen Medaille, die so sicher sei. w:e zweimal zwei vier. Einem metallkundigen Manne ward nun der Austrag gegeben, einen Kessel für den Hecht zu bauen. Da der Kessel gleichzeitig zum Transport des gekochten Tisches dienen sollte, ca'o der Metallmann, auf den die kunstgewerblichen Strömungen der Jetztzeit nicht ohneEinfluß geblieben waren, demselben auch eine aekälliae Gestalt, die iedock der unumgänglich nothwendigen Länge und der eleganten Handhaben wegen nur. allzu deutlich auf das Vorbild eines Saraes hinwies. Trotzdem konnte der Kessel . . orr 4.:. 4 i. fcyon 013 ein ZUZunoerwecr gellen, uno nun erst der Fisch ! Auch dessen Stunde schlua Endlich und nach wochenlanger Hast wanderte er m den arg, um über gelindem Feuer
in würziger Brühe der kulinarischenVoll endung entgegenzugehen, deren Wohlge lingen so viel war, als Ehre und Ruhm in Form einer mindest goldenenMedaille. Desgleichen wurde eine ausreichende Quantität von Aspic bereitet. Ein
Aspic, so klar wie Berg-Krystall, von Geschmack die Wonne der Kenner, von Consistenz ein Meisterwerk. Allein schon der Asp:c war eme Medaille werth. Zwei große Töpfe füllte derselbe mit seinem zartbebenden Wesen an. Man sprach in Ff. nur von dem Niesenhecht. dem Aspic und der goldenen Medaille. Dann kam der Tag der letzten Fahrt für den Hecht. Aus Gründen hatte der Verein beichloffen, da& die Eortege des HcchteS Berlin nicht berühren, sondern lieber einen Umweg sagen wir user Sorau Gauben machen solle, damit die Anlnnst des Hechtes in Leipzig nicht durch reichshauptstädtliche Ablenkungen verhindert' werde. Herr Schultze fugte sich der Majorität ohne Widerspruch. Man benutzte den Nachtzuq. Schon der Transport des Hechtes durch die Strafen Ff. machte auneraewöhnltche Maßnahmen nöthig. Zwei Herren vom Verein eröffneten den Zug mit Laternen. Dann kamen zwei, die den Sara mit Hecht trugen, dann je zwei Herren mit den Aspictöpfen und dann wieder eine Laterne. Die Laternen waren unerlaß' llcy. Man denke, wenn einer der Träger auf dem bösen Pflaster gestolpert wäre. Als der Zug von dannen rollte, aewährte das Kupee, in welchem die Hechtoclegirten Platz genommen hatten, einen wundersamen Anblick. Auf einer Bank saßen Herr Schultze und Herr Hilmers, oen Hechtjarg vor sich aus den Knieen. Ihnen gegenüber saß der alte Dreier wie der Laokoon mit seinen Söhnen, ehe die Schlangen kamen, nur mit dem Unterschiede, daß er statt der beiden Jünglinge die zwei Aspictöpfe fest umschlungen hielt. Um nicht einzu schlafen, sprachen die Deleairten oern und viel von der goldenen Medaille und ließen des öfteren eme Flasche mit munterhaltender Essenz kreisen. Es war aber noch eine weite Strecke bis Leipzig und die Nacht lang. Kin ner sagte alt Dreier, slapt rnch to. Wenn de Fisch dahlsallt, is he Grütt, un de Großartigkeit het en Enn. Langt mi leewer mal den Buddel her !" Das Einschlafen wurde des Weiteren auch durch die Anschlüsse der Bahn inhibitt. Viermal waren unsere Reisenden schon in die peinliche Situation versetzt worden, mit dem Hecht und den beiden Aspictöpfen umzusteigen. Viermal war der Waggonwechsel glücklich abgelaufen. Beim fünften Male aber entglitt Herrn Dreier der eine der beiden Aspictöpfe. Er zerschellte und sein bibbernder Inhalt floß auf die gefühllosen Schienen. Herr Schultze aber erhob sich und rief: Ist der eine Topf beim Teufel, kann uns der andere auch nichts nützen und schleuderte, wie einst Herakles den Lichas, den zweiten Aspictopf in heftigem Zorn aus dem Fenster. .Nu hemm' wi blos noch den Fisch ! sagte alt Dreier restgnirt. Das fortwährende Achtgeben auf das gekochte Schooßkind, die muntermachende Essenz, die Umsteigeschoppen auf den Stationen, der Gram über das Ende des Aspics mochte wohl auf Herrn Schultze'S Nerven gewirkt,haben, denn sonst ist es nicht erklärlich, wie er bei dem letzten Umsteigen aus dem Bahnhofe Eylenbnrg dem sragenden Inspektor zur Antwort geben konnte : In der. Blechsarge sei eine Leiche." Dann müssen Sie zurückbleiben, Leichen dürfen nicht in Personenwagen transportirt werden !" Mit Mühe gelang es Herrn Schultze und seinen Gefährten, dem Bahnhofs-Jnspek-tor den wahren Sachverhalt darzulegen und so ward ihnen erst die Erlaubniß zur Weiterfahrt, als das letzte Signal bereits gegeben war. Rafch, rafch, meine Herren!" rief der Condukteur. Die Eile aber besiegte das Geschick des Hechtes. Der Kessel siel beim hastigen Umladen um, und wenn er auch nicht gerade Grütze geworden war, so bot der Hecht doch einen jammervollen Anblick dar, als der Deckel von seinem Sarge entfernt wurde. Dahin war die stolze Schönheit, zerbrochen der prangendeLeid, ein trauriges Opfer der Sorau'Gubener Bahn. Mithilfe eines Bäckers, der demHccht ein künstliches Eingeweide aus Te'g construirte, gelang es, den Zertrümmerten zu flicken und, von einer neubereitcten Aspichülle umgeben, konnte er an der Conkurrcnz tbeilnehmen. Ihm ward aber die erhoffte Medaille nicht; die Jury hatte zu jcharse Augen, sie erkannte durch den Ai?pic die Spuren des Flick Werkes. Aber noch eine Hoffnung blühte. Die Majestäten halten den Besuch de? Kochkunst - Ausstellung in Aussicht gestellt. König Albert und KöniginCarola durchwanderten die Säle, rem Präsidenten der Ausstellung, dem ykademischen" Müller aus Berlin, begleitet. Herr Schultze denkt Jetzt oder nie" und stellt sich mitten in die Passage, verzweifelnd mit der rechten Hand auf den Hecht deu tend. Der Präsident winkt ihm mit den Augen, gefälligst zur Seite zu treten. Die hohen Herrschaften rauschen vorbei ohne den Hecht zu bewundern. Schultze ist starr. Was war das ? Warum hatte Müller meinen Hecht . Er hätte mich vorstellen müffen," seufzte Schultze, und Müller und Schultze" wäre doch wohl in dieser Hinsicht nicht gegangen." Hier ist die Geschichte von dem Aus-stellungS-Hecht zu Ende, dessen Conto schließlich bis auf siebenhundert Mark angewachsen war. Hauptposten sind: der Fischer mit seinen Knechten; vierwöchentliche Pflege des Hechtes : Herrn Schultze's Expedition nach Berlin ; der neue kunstgewerbliche Kessel ; zwei Töpfe Aspic; die Reise der Delegirten nach Leipzig; noch zwei Töpse Äöpic; der Bäcker für das Flicken des Hechtes und sonstige Spesen. Einem Gerüchte zu Folge soll Herr Schultze sich noch unter wegs in Berlin aushalten und nur sehr geringe Sehnsucht nach .Ff.- versvüren. Alt Dreier soll bei seiner Heimkehr gejagt haben : Kinners, et kummt aar nich darop an, datt cn Utstellunashäk groot ls, nee garnich awer ganz muir oe wezen i" (Berl. Altgsbl.)
Im Emigrantenzuge nach Caltsor-nien.
Von E. W iedemann. Als ich letzten Sommer meine Ncisc nach San Francisco antrat, nahm ich von Council Bluffs, Ja., den Emigrantenzug. Ich hatte noch nie eine Fahrt in einem solchen Zuge gemscht und hatte auch keine Ahnung von der Einrichtung der Waggons. Unbegreiflichcrmeise dachte ich auch gar nicht, darüber nach und bekam von Niemandem Aufklärung, wie so ein Waggon, der mir sür ca. S Tage durch den canzen amerikanischen Continent als Wohnung dienen sollte, beschaffen sei und mit was man sich vorzusehen HZtte. Ich sah mich auch mit fast gar nichts vor, nur ctwaS Cognac und Wurst hatte ich in meinem Handkoffcr und auch Cigarren, sowie etwas Medizin gegen .Diarrhöe; ich brauchte sie nicht, kurirte aber dasür einen Ehinejcn und zwei Jrlünder damit, welche mir nicht Dankes genug wußten. Ich hptic keine Kissen, Polster oder selbst emen Plaid, nur einen Düster" über meine Kleider zum Schutze gegen Staub und Schmutz. Ich hatte meinen Sitz im Waggon eingenommen, mir gegenüber ein ganz respektabler Jrländer, dessen Ziel ebenfalls San Francisco war. Wir kamen bald überein, uns in Freud und Leid während der Reise beizustehen und wir hielten redlich Wort. Auch er hatte sich nur mit eiwas Wurst, Wein und Ei garren verseheu und hatte ebensowenig eine weiche Decke oder dergleichen aus Unkenntniß mitgenommen. Bald bereuen wir unsere Sorglosigkeit. Die Schlasllellen in demUeberland-Emigran-enzua sind ähnlich wie die in denPullman Sleepina Eark; die Sitze werden zusam mengeschoben, daß sie nur eine Fläche biloen, und txr obereTheil wird niederge assen,so dag unten und oben sur ie Zwel Platz zum Schlafen ist. Die Sitze sind edoch mcht gepolstert und auch leine Vorhänge verdecken den Schlafenden, ondern es i Alles nur rauhes Holz. Die erste Nacht brach herein; mein Nock, den ich anzog, diente mir als Kopspolster und mein Duster als Decke, während mein lrischer College nur cm paar alte Hemden und seinen Hut unter ein Haupt legte. Es war em unbequemes Lager und den andern Morgen hatte ich so eme Art Turnsieber rn allen Gliedern. Mir schauderte vor dem Gedanken, daß ich sieben Nächte aus solcher Lagerstatt zubringen sollte, doch der Men ch gewöhnt sich chllevllch an Alles und ich schlief jede Nacht besser und ru ,. . -cn'r t:.i. Ti. : j: ylger uno mein eiegrsaurir muie nuej oft wecken, wenn meine Zehen in etwas zu nahe Berührung mit seiner Nase ka men, denn der Bequemlichkeit halber - hatte der eme die Fue, wo de? Ande:e den Kops hatte. Freilich, als unser Zug bei Sherman 7000 Fuß hoch über der Meeresfläche dahmsauste, ln Wyommg und hoch oben in der Sierra, wo in nächster Nähe Schnee lag, da schüttelte uns der Frost gewaltig, und eZ gab m Folge dessen einige ziemlich schlaflose Nächte. Am Tage war wieder warmer Sonnenschein und man holte ein, was man in der Nacht versäumt. Wohl be neideten wir die drei Chinesen uns ge genüber, welche sich :mit Matratzen, Kopfpolster und einem warmen Teppich versehen hatten und wie kleine Berg männchen zusammengekauert auf weichem Lager ruhten, aber schließlich kamen wir doch alle gleich munter und wohlbehalten an unserem Ziele an. Daß wlr weler keine Nahrungsmittel bei uns führ ten, durften wir nicht bereuen. Fast auf jeder Station, wo länger angehalten wurde, und das geschah den Tag über. kamen Frauen oder Mädchen in die Car mit Milch, Eiern, Kaffee, Butter.Fleisch, und was man nur immer haben wollte. und sehr billig. Ein Quart Milch für 10 Cents und wenn der Zug bald abfuhr, sür 5 Cents. Antilopenfleisch, gekocht, das Psund 5 Cents und so alles im Verhältniß billig. Einzelne Familien koch:en sich jeden Morgen in der C Cussee oder Thee, denn es steht ein Ösen- da und Kohlen zur Versügung. Eiswaffer bekommt man jeden Tag frisches und sür Waschgelegenhelt ist aus's Beste gesorgt. 'Jcach und nach werden die Mitreisenden näher mit einander bekannt und man theilt unter sich, was man eben hat. Jedem, der mit dem Emigrantenzug reist, würde ich den Rath geben, weiter nichts als ein paar gute wollene Decken, gutenSchnaps und Toback und Cigarren, sowie etyas Medizin gegen Diarrhöe mitzunehmen. Nahrungsmittel bekommt man so viel als man will, gut und billig und an der Unterhaltung fehlt es auch nicht, wenn man sich nicht griesgrämig von den Mit reisenden abschließt. Wer mit dem Em:qrantenzua vom Osten hierher reist, hat weit mehr Genuß. wenn er die Bequemlichkeiten, die eln Zug erster Klaffe bietet, berechnet, als ein Reisender, der mit einem Expreß Train dahinsaust. Man kann mit Muße dieGegend, durch die man fährt, betrach ten, und selbst an vielen lnterejzanten Plätzen, wo ost bis zu zwei Stunden Aufenthalt ist, Umschau .halten. Ich habe z, B. auf meiner Reise hiehcr in den acht ca. 80 Skizzen zu Papier aebracht und Zeichnen bildete meinehauptUnterhaltung aus der ganzen Rn e. Wir hatten Zeit, auf unserer Jabrt durch
Utay uno ))levaoa einzelne IndianerAnsiedelungen zu besuchen, kleine Ausflüge in nächster Umgebung zu machen. Im Expreßmg hat man kaum Zeit, auf einzelnen Stationen seine Mahlzeit einzunehmen. Schade, daß von Westen nach Osten keine Emigrantenzü?e abgelasten werden, ich würde mich sonst auf eine zweite Fahrt im Emigrantenzuge sreuen. Gelungene Täuschung. Student (im Gasthaus zum Ochsen" schreibend : .Lieber Vater ! Ich bin hier sehr gerne und komme aus dem Ochsen ar nicht heraus. Bitte um Geld. Dein Sohn - Karl. - S ' . , Vater (nachdem er den Brief gelesen): .Lieber Sohn ! Anbei sende ich' Dir 200 Mark. Es freut mich, daß Du tüchtig arbeitest, oder wie Du Dich ausdrückst, ochste. Mache auch ferner Freude Deinem Vater
