Indiana Tribüne, Volume 6, Number 172, Indianapolis, Marion County, 11 March 1883 — Page 4
Gegen DhSpep Ne, Vnstopfiheit. bUlöscSKopsvek, chronische 2!, hoe, Gelbsucht, Unreinheit dcS Blutes, QCiüiUU fifl&M fl7JTT MundaLedurchtS. 7 ig una be fie&tr. Särm und Niere vernrsachte Leiden. ChAptome einer erkrantten Leber. Uebl i$n ; SSmer, In d Seite, zuweile unter Uvx EchutteriKUe und wird dann mit Rheuma tümvi wechselt: allgemeiner Axxetitverlust : ae Lhnltch Zerftors:heit, zuweilen abwechselnd mit OssenlttSizkeit: ter exs eu Echmerzea beUstizt, nobei ieträchtlub Verlust teS ErinueruvaSverraö. aen: ,ueileu '., i schwacher, trockener Hujte und da Gesicht oa Ncthe aberflogea, roas oft für Etwtatsucht g:bcste wird; der Patient llazt über Müdizkeit und Schwach; ist vervcs: Kälte oder brea ?nde Gefühl i den üßen, zuwelleu eine stechende Lmxstndnng: die Lebensgeister ietergeschlagev, und ennzleich a udjgt ist, fcafc Leibesbemeznvz beUsam are, so kann man sich kaum dazu aufraffen, ja. man rmfciwjit jedem Heilmittel. Verschiedene der rbtze E?Vtorn iezleitea die Krankheit; aber ei sind Falle vorzekoviinen, tn denen nur wenige do arf; doch hat die Untersuchung nach lern Tode ein: beträchtliche Störung der Lebe, vech. Lkwicsea. . StaS ZTlittel sollte von allen Personen, Jung und Alt, gebraucht werden, sobald sich eineA der obigen Symptome zeigt. Wer aus eisen ist oder in ungesunde? Oegcnd wohnt, teirb durch gelegentliches Ginnet). tnen t.ntt Do,.S, ttnt die Leder in gesunde? Thätig. M IA , V T f M'l l r t . m ti 1 "4 .. . ... ... " V " rSf. vKUa)cnot erranr. j W:unman etwas schwer Verdauliches e Sessen hat, rder N.-.chis nicht schlafen kann, nehme man eine TvsiZ und die Erleichterung wird eintreten.' Sowohl Zeit wie Toktorrechnungen werde erspart, xo:nn man den Regulator stets voerüthig i: Hause hält ! Tenn gsciviel welch-S Leiden sich einstellt, ei tnrcha'z fiScre, abfirendes, Säsie derbes sernicS und stärkendes Mittel wird nie unrecht anzebrccht txi. Dc Mittel ist unqefalzrttch und k,!ni?ach!gt wcder die eschastStiziitigkeit ncC) das Vergnügen. C ist t!n vegetabilisch und lil diegan-e iinft undirksa.i:ll.'it von Calsnel et(ihin:a cbr.t irgend eine der schädlichen Nach irkunzc derZclbcu. 5Ze6nlfz von einem Gouverneur. Eiini?nS:i?erR!zulakizt eii tänzererAeit kei u:c:?r Faniilie tn Gebrauch, nd ich bin üvcr ,s'.,!;t,dß c?eieBer-;che?unz l:x Arzneiwisiknsck-aft lilttt. I. lÄill Ohorter. C'oaerneur von Llä. Hiu. Sllcander H. Otepizcnö ren Sesrzia fci: Cetfcit&rsv.ä tr.i rGtrunce Sie RezuZa, Ui i? vt r rcc$l t::caraca uu) ich r-ünsche tn ketcrjsr2scn. ?aS EZised.-.? nZen,a5Z Linderung versagt.- Ich Yae vieittkl geae:, T.yZxex'ia, tcbcr::l,:erb Cchi e :l-raut, aber ue tiici efu..den daZ knik ss nchl rckgmmen ist nie Sfcn mfjj Uret Zezulctor. Ich habe rez Mir.nes:ta lis(.'ccrg!adaäc:ch geschickt r:?.d niöchie einer sclchen ZNedizin eqen n:ch rociter sch:en ; ach möchte ich 2? ühul-ch Lcienren onra:hen ti nit diesem dii.vt f i rrf::chen, da eZ dZ einzige zu sein schciu!, lii ui'mcl L'57?7UNZ rerfa.it. 'I1:. I a n e y, CJinrecr. o!t3, Min?. 2?. .t. DZ. !-.sk'n fa:,t: Turch I;aisic5:ich Cruirunj ta t;:tr.rai-e vcn iminon vrjcc ffj--' rre?.!r!ü? ren'.-.':iat uns ch v.'roreivs ihn a!Z er:tt n'a.1 iii :.:.iuu -. :r,i3 i.h vsn seine?. ?: s ? ' 1 .1 4jf Tsr f t . t? vTan , ;? nur d:a echten, der stitZ die Tßtfc: Z Ssnd.l4ms?ke und tu ainenöuntcrfi:i;: I. 5o. c.u dem U.nschl: fciit. et allen lpothekernzuhade. mmwm?mm hat sich stets als sicheres tturmittel für Nieren straukyetten de&UUi:. Beweist ?lknen ein lahmer N5ckct o:c. schlechter llnn daß Sie der kru!teit rv. Orker gefallen sind? Tann zggera Tie nickt Z gebrauchen Sle Nlcren Xraut (ii!:rv . ' ,otort(aue AVotöerer eNei::: t?; Ano werden dierank!,ett',cyneuuvcrZt:'.c,c,: c..: Zkr System wird wieder beratcl.: ,cer?k .:. Andie Dameu! Fürdie Ihre Eeschlc m ?,gettthümiichen Krankheiten, roie ?. v ZchNterZ UNS Vmaqe, Vtll rue'.r ;.rn:; IüJiKy Wort) atz Heilmittet unübe.!?,. liez: a. kurirt schnell und sicher. Bei bc,?::: Geschlechtern WelchenUnenthaltsateir. i? sch zieser Medien. Preis!. BeiN?otketcrn. KWiAMVMZZ nicht, daS Leb? eht schnell vorüber. $66 P't Woche, Ausstattung $5 03 unent geltlich. kein Risiko, Kaxital nicht nothwendig. Wir lie fern AllrS. Viele machen inVermSgen. Frauen szwohl wie Männer. Kna den und Märche. Ätan wende sich an H. Halle tt & Co.. Zliortland, Haine. rS S S H A VAK A L" ISI V.Vi K'r : irat. : ! v- iA'il 1 : i.rt üi.s MhWU JXZl t-ux-sZ-t Aä" lZij I Jy 7,i . f fvv 4 i .r r m kw -..-v ji '..''Ü' SrK ; i: ii L's"4K m vr 5tJ-0 Miiip V -1- a r ? ? ,,i v n-t, h 3? tim w i v ' m , rsK Svn - ' ! VÄS5 i Z t T!; raaclino i? erwiallr aärid to tdsn? -f r.V3Mi:K3e:.l STOCK 1 'EEDEK3. itiscai-a-Ve es sh.?lür or.l grinding tventy bnsiiels per 1 oer, wiiii fonr ta fit horÄ-iowcr, ani can lo rnu Ly water, ttcaia or toree-power. Tlia irir, ling p' -itei are of rrystallized iron, and tX)st $1.00 a ptLir. Z'.zi. tt CL'äLt giri feil iKrijtia. ST. JOSEPH GITG CO., rSSSHAWAKA, IND. 5 THE UULL VAPOR COOKSTOVEA im CLDCST AND O.NLY REL1ÄBLE, IS the only df ice cf its kiiid j 1h.it has stcod; THE TEST OF YEARS, anJcar.'ied uni versal iiullic coniincndatiOD. Docs' erery loscription of Cookinc, WashIng, lroning, -,' -H '--truit Uanning, ECjfjy oroiherdorucs-f-;- ' '-s tic work heretoforo dane by theorlinarycook fctove, and witbout its insulfer:iWf lieat, Boot, ashrs. etc. FOR SUMMER L'SETHEY ABE INDISPENSABLE. CJT Kcliai.le AgeoU waotcd in uuoccupieü territory. AcMres, UULL VAPOR STOVE CO., Seneca Street, cor. 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NilJardWagner.
Ln Vaul zudau. Siebzig Jahre ist er alt geworden. Ein halbes Jahrhundert lang hat er rastlos geschaffen. , Er hat das grobartige Wort Goetlzes zur Wahrheit gemacht, er hat Freiheit und Leben durch täglichen Kampf sich verdient, er hat mit der Göttlichkeit gerungen, wie Jakob mit dem Engel : .Ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn !" In siebzig Jahren hat sich die Kraft dieses so vollen, so reichen Lebens verzehrt ist's 'zu ver wundern? Das Leben deö Menschen wävret siebzig JahreDer Tod ist rasch an ihn herangetre ten, und kein Vorbote hat ihm das Ende verkündigt. Das körperliche Siechthum, das der Mehrzahl seiner Altersgenossen das Dasein vergällt, die noch grausamer plagende Erkenntniß der Abnahme der genügen Kräfte ihm ist es erspart geblieben. Er hat den tiefen Gram des alternden Künstlers, der es erleben muß, wie er andern jünger zu weichen hat und wie man ihn beiseile schiebt, nicht gekannt. Er ist aufgestiegen, ohne zu straucheln, von Wer! zu Werk, und auf der höchsten Höhe seines Könnens mit den Meistersingern, Tristan. den Nibelungen undParsifal , erreicht von keinem seinesgleichen, aus dem Gipfel seines Ruhmes ist er dahingesunken, einsam und bewundert. Einsam wie si-.ts die wahre Größe. Und die wahre Größe dieses Künstlers erkennt man erst, wenn man den Versuch macht, sein Einzelbild in die Gesammt heit unserer neuen Kunstleistung einzu fügen. Es nimmt gradezu erdrückende Verhältnisse an. Es rückt seine ganze Umgebung in bescheidenes Halbdunkel und tiefen Schatten,' es verschlingt alles Licht und strahlt allein das Licht aus. DieOper des neunzehntenJahrhunderts, die deutsche Op:r, ist Richard Wagner, ist das von ihm geschaffene MusiKrama. Der große Stil der dramatischen Musik hatte seit dessen Begründer Gluck eine Erweiterung nicht erfahren auch nicht von den größten musikalischen Ge nies, die die Sonne gesehen, auch nicht von Mozart und Beethoven. Der edle, im vornehmsten Sinne volkstümliche Weber hatte sich von dem Wege, den die großen Vorgänger ihm gewiesen, nicht einen Schritt weit entfernt, Spohr und Marschner, die niemals die rechte Volksthümlichkeit bösesten, waren diesem ge treulich gefolgt. Bei aller willigen Anerkennung und bei aller freudigen Wür digung der Tüchtigkeit dieser begabten Männer ließ sich doch nicht verkennen, daß der Pfad, aus dem diese rüstig daherschritten, merklich bergab führte, und daß wir der Höhe, zu der Gluck die dramatische Musik erhoben hatte, beträchtlich entrückt waren. .Was zu dumm ist, um gesagt zu werden, das singt man hatte schon Beau marchais gesagt, und man hatte seitdem noch erhebliche Fortschritte gemacht: denn das an sich Gescheite wurde oft schon dadurch dumm, daß es gesungen, da& es in die festen, melodischen und rythmischen Formen eingezwängt wurde. In diesen festen Formen glaubte Richard Wagner den Sitz des Uebels zu erkennen, in der Beibehaltung derselben die Ursache des Stillstandes und des Rückganges der dramatischen Musik. Die Wiedervereinigung von Wort und Ton, die einander gleichgültig geworden waren, die sich entfremdet und sogar in unverträglichem Widerspruch zueinander gestellt hatten, die Wieder.Herstellung der nöthigen Eintracht zwischen der sinnlichenBedeutung der Dich tung und dem musikalischen Ausdruck das war der Gedanke, der ihn in seinem lunstlerlschen Schassen fortan beherrschte und dem er, allen Ueberlieferungen zum Trotz, Geltung verschaffen wollte. Er war sich wohl bewußt, daß er da gewaltsam vorgehen müsse. Er wußte. dak er festgewurzelte Auflassungen un barmherzig ausrotten, daß er zunächst kaum verstanden, erbitterte Feindschaften entfesseln würde. Aber er war von der Richtigkeit seiner künstlerischen Mittel und Ziele so vollkommen durchdrungen, daß iyn nichts an sich irre zu machen vermochte nnd daß er rn der klaren Vor Hersicht eines endlichen gewissen Sieges die Mühsal des Kampfes nicht scheute. Wu Sieglmde angesichts allen Jam mers, der wider sie heranrückt, in begei stertes Frohlocken ausbricht, als sie vernimmt, daß ihr einWälsung im Schooße wächst, so jubelte auch der Dlchlercom ponist hell auf, als es ihm zur Erkenntniß kam, daß seinem mächtigen Schädel, wie der Stirn des Zeus die gepanzerte Athene, das .Kunstwerk der Zukunft", das Musikdrama' entspringen wurde. Elend und Noth, Verkennung und Ver folgung schreckten ihn nicht. . Mit Keulenschlägen zerschlug er jene Formen, die er für das Verderben un serer dramatischen Musik hielt. Er zer trümmerte die alte Oper mit ihren Arien, Romanzen, Duetten, Terzetten, Eniemblesanen, kurz, den ganzen statt lichen, weise gegliederten Bau; das Buch den .Text", das .Libretto", jenes armselige Ding, dem man sich geschämt hatte-einen ehrlichen deutschen Namen zu aeben ließ er verächtlich m der dun keln Ecke liegen, in die es geworfen war. Er stellte sich die Aufgabe und machte den Anspruch, em wahrhaft dichterisches Werk zu schassen, das seme stolze Selbst ständigkeit bewahrt, das wohl der Musik die Mitherrschaft neben sich einräumt. iedoch nur unter der Voraussetzung, eine redliche, mächtige Bundesgenossin in ihr zu finden, das sich aber keineswegs ne ben der glänzenden singenden Schwester zur dienstbaren Unterwurstgkelt Aschen brödels erniedrigen läßt. Und wer würde sich anmaßen, heute ein abschließendes Urtheil über Wagr.er und die Waanerfche Kunst zu fällen? hat tt recht gehabt, hat tt gesehlt? Die Zukunft allem, für vte Wagner ge sjrieöen. vird eö ent cheioen. Wlr ste den dem Schöpser dieser Werke noch zu nahe, um deren richtiges Verhältniß zur aroten Kunst ,m allgemeinen ganz er fasten zu können. Wir stehen ihnen zu nahe, um nicht gewisse Eigenthümliche leiten wahrzunehmen, über die die ferne Zukunft achtlos hinwegblickt ; wir stehen ihnen zu nahe, um nicht von der Großartigkeit der Verhältnisse verwirrt zu werden. Wir haben nur das bestimmte
Gefühl : hier ist etwas Gewaltiges, das
dem Sturm der Zeiten trotzt und in späesten Tagen aere perennius die Kunst lnferes Jahrhunderts verkünden wird. .Der Meister kann die Form zerbrechen...." Der Meister, ja! Und auf den Trümmern hat er seinen weittragenden Bau errichtet, der die Bemunderung des mitlebenden Geschlechtes erregt hat. Wie aber werden sich nun jene andern chaffenden Künstler, die eben nicht der Meister sind, ohne die Formen, deren Scherben den Boden bedecken, behelfen? haben sie von ihm gelernt, daß das, was er zertrümmert hat, bis zur Un brauchbarkeit sich abgenutzt hatte, so haben sie eö ihm doch nicht abgesehen, wie er sich aus snnem Eigensten heraus für seine künstlerischen Zwecke seine eigenen Mittel geschossen hat. Nachahmer hmterläßt Wagner wohl, Schüler hat er nicht gebildet. Mit Wagner ist die Schule, auf die sich unsere ganze moderne. dramatische Mustl stutzt, zusammengebrochen. Die Ueberlebenden können nicht mehr im Stile dtt alten Oper schreiben, sie kön nen nicht im Stile Wagners schreiben. Sie sind ratblos. Richard Wagner war der geborene Revolutionär und Reformator. Er be saß die unerschütterliche Ueberzeugungs treue, die glühende Begeisterung, die unermüdliche Arbeltskratt, dte uner schrockene Kühnheit und volle Rücksichtslosigkeit das Genie mit einem Worte. Seine Vielseitigkeit ist erstaunlich. Das Wort .Dichter-Eomponist, das unsere Sprache eigens für ihn erfunden hat. erschöpft seine Thätigkeit, noch lange nicht. Er war Kunstphilosoph und Aesthetlkcr, Kritiker, Bühnentechnik, Regisseur und alles in hervorragender Weise. Seine Polemik war von schneidiger Scharfe. Wenn er zustach, verletzte er tödtlich den einzelnen Men chen, Elasten, Völker, Rasten. Und alles hat man ihm verziehen ! Er hat Sturme herausbeschworen, von denen man glauben durste, daß sie wenn auch nicht ihn selbst und seine Werke, so doch seine Beliebtheit, die Verehrung so mancher seiner ergebensten Freunde hinwegfegen würde. Aber er fürchtete sich nicht .und wenn die Welt voll Teusel wär!" Er wußte, daß cr die wunderthätigeLeur des Orpheus zu meistern verstand. Die zwingende Macht des Genies hat sich niemals glänzender gezeigt. Und die jenigen, denen er einen Stich ins Herz gegeben und die er zu Boden gestreckt hatte, waren die ersten, die sich ausrast ten, um ihm zuzujubeln, wenn seine Stimme erklang. Ist auch der Morgen und Mittag seines Daseins unfreundlich, trübe und stürmisch gewesen ein herrlicherer Le bensabend lstkaum einem Sterblichen je beschicken gewesen. Er hat sich als das Haupt einer starken Gemeinde gesühlt, die ihn mit frommer Inbrunst wie einen Heiligen vergöttert; er hat Steuern erhoben wie em Monarch; er hat semen spateren Kunstwerken eine eigene Stätte errichtet; er hat sie zur Aussührung brmgcn könncn von der aus allen deut schen Landen geworbenen auserlesensten Schaar unserer Kunulcr, vor einem Publikum, das von allen Richtungen der Windrose her aus sein Gebot zu emem kleinen, von der großen Straße abgelegenen frankischen stad!chen herber strömte in Bayreuth, wo er mit Recht wie ein wohlthätiger, gnädiger Herr und Fürst geehrt wurde und das durch ihn em bedeutungsvoller Name in der Kunst geschichte aller Zeiten geworden ist ; er hat einen treuen Freund und opserfrew digen Gönner auf der Menschheit Höhen, er hat ein verständ'nißvolles, liebendes und geliebtes Weib gefunden. Mit Rührung hat er in seinem Kinde sein Ebenbild gesehen. War er auch den Jahren nach im Greisenalter, seine künstlerische Kcaft, sein Ruhm, die Freuden seines Daseins waren m ihrer Mittagshöhe. Und plötz lich, wie durch eine elementare Umwäl zung, ist die Sonne in ihrem Zenlth er loschen. .Nun, dächt' ich, müßt' ein groö Verfinstern seln " Ein Tod von ergreifender Tragik ! Eriazutternd, gewaltsam und schön. So stirbt ein Held, so stirbt. . . . Und immer n..iL v . cnifv a . raicüfc uigi uu9 onv legllteos vor uns aus. Und wir vernehmen die wuch tlgen, rythmischen Stöße, die den wun derbaren Trauermarsch in der .Götter dämmerung" einleiten, und dieweil wir die Mannen die Leiche des Erschlagenen über ded Bergkamm tragen sehen,. klm gen uns alle in dem Trauermarsche kunstvoll verwobenen Weisen, die uns das Leben und Wirken eines starken Helden noch einmal vor die Sinne fuh ren, in den Ohren vom schmettern den SchAertruse bis zu der uun so weh müthigen, rührenden Klage des Horns, das dereinst so übermüthig froh und lu siig unter den rauschenden Bäumen deö Waldes erklang. Er ist gefallen zu gleich ein Dichter und ein Held. Und wenn ihr die sterbliche Hülle zu Grabe tragt, so begrabt ihn unter den Klängen, die Siegfried auf seinem letzten Wege begleiteten. (Köln. Ztg.) Die Kurischcn Könige und die ttreewingen. Unter den heutigen Bewohnern Kur landS haben sich noch aus fernen Jahr Hunderten die Ueberreste von zwei merk würdigen Völkerschaften, die Kurischen Könige und die Kreewingen, erhalten,die sowohl wegen dieser Beziehung als we gen der Treue, mit der sie sich noch zum Theil ihre alten Sitten, Gebräuche und bedeutenden Vorrechte vor der übrigen Bevölkerung dieses Gouvernements zu bewahren wußten, gewiß eme merkwur diae Erscheinung sind. Dr. A. Berg baus theilt darüber im .Ausland" das Folqendc mit : Die Kurischen Könige, KurZka, Ko mng, Kurschkönige, lettisch Kohpini, sind noch letzt rn dem Goloingen'fchen Be zirke Kurlands im gleichnamigen Kirch spiele zu Hause, woselbst sie sieben Dör ser oder Gesinde, d.h. zerstreute Bauern böse bewohnen. Schon von alten Zeiten her sind diese aeaenwärtig auS 25 bis 30 Familien bestehenden Bauern lettischer Abkunft in ganz Kurland unter dem Namen der tturischen Könige bekannt. Noch jetzt
sind sie im Besitz seltener und großer Vorrechte, die fast den Privilegien des Adels gleichkommen und die sie sich zur Zeit der Ordensregierung seit demJahre 1320 zu verschaffen gewußt. haben. Der Name .Kurische Könige" kommt zuerst
m emer Urkunde des Ordensmeisters Plettenberg vor, in der man einem An dreas Penneke diesen Titel zuerst beige legt findet. Die übrigen sogenannten Kurischen Könige waren ihm in der Verwaltung des Landes als Räthe und Unterbeamte untergeordnet und legten ibm in ihren Anreden den Namen Pan (Herr) bei. Den unter dem Völkchen erhaltenen Traditionen zufolge sollen seine Vorfahren bei Ankunft der Deutschen die Regenten von Kurland gewesen sein, . r. c. an rouyct jciii yeuuger yiamc aogeieiier wird. Ueber die wahre Bedeutung des Letzteren, sowie über seinen .Ursprung schweigt die Geschichte. Ihre Sprache r, r e r t . . . - ' ili ein icuiecnier Jargon ves zkurijchen. Obgleich sie vor ihren übrigen Mitbrüdern manche physische und bürgerliche Vorzüge voraus haben, erreichen sie diese doch in Hinsicht der geistigen Ent- . tr . wtamng Nilyr. &it ueyen unter dem Oberhauptmann von Goldingen, wel chem sie auch zu einigen geringen Diensten verpflichtet sind. Jedes Dorf wählt aus den Eingesestenen seinen Vorsteher, der eheoem Bürgermeister genannt wurde. Sie leben in strenger Abgeschiedenheit von den anderen Nationalen, von denen sie sich auch durch ihre eigenen, noch von den Vorfahren her erhaltenen ! 1 1 . u ...v n.c a ' r . , r vsiiicn unv eoensweiie unl:riazeloen ; auch in ihrem höheren Wüchse, ihren breiten Schultern und ihrem bockblon den Haare findet man merkwürdige Un terzchiede zwischen beiden Volksracen. In ihrem Benehmen sind sie stolzer und ehrgeiziger, als die übrigen lettischen Bauern, eingedenk ihres Namens. Sie gehen mit ihnen keine ehelichen Verbindüngen ein, sondern verheirathen sich nur unter einander. In ihrem Hausstande sind sie wohlhabender, als bas übrige lurlandlsche Landvolk, vornehmlich hat sie der Segen Gottes mit Vieh, Psttden, Getreide und anderen Dingen beglückt ; sie führen daher auch ein besseres Leben als jene. Ihre Jahres yauptsefle: Weihnachten, Ostern, Psingsten, begehen sie besonders prachtvoll ; an diesen sieht man die alten Gebräuche ihrer Vorsahren noä) besonders vorHerrschen. Eines der bedeutendsten alten Vorrechte ist, daß sie seit undenklichen Zeiten und für immer unbeschränkte Erbherren des Grund und Bodens sind, auf dem sie sich angesiedelt haben. Derselbe acht schon seit Langem erblich vom Vater aus den Sohn über, fammt dem Wohnhause und allem Uebrigen, was darauf ist. wozu es des Eonsenses des Grundherrn nicht bedürfte. In ihrer Pfarrkirche befinden sich noch jetzt ihre Wappen aufgestellt ; sie stellen emen Kurischen iSnig als Reit:r zu Pserde dar, mit der Feder auf dem Hute, einen Degen an der Seite, ein paar Pistolen im Sattel, einer ausgebreiteten Standarte mit der Umschrift : .Wappen der Kunschen Könige" und der Jahreszahl 16G4. Die einzige bei dieser Kirche befindlicheGlocke haben ihre Vorfahren derselben unter der Bedingung geschenkt, daß sie und ihre Nachkommen sür immer freies Gelaute von derselben bei ihren Leichenbegängnissen haben sollten. Seit dem Jahre 1708 haben sie aber dieses Vorrecht verloren und müssen jetzt gleich den übrigen Landgemeinden ftu's Geläut bezahlen. Aus dem Umfange dieser Glocke sieht man' die öturischen Könige. auf der Jagd begriffen, dargestellt, wie sie Hasen und Wö!fe verfolgen. Sie sind in tlrer gewöhnlichen Kleidung zu Pferde, halten in der Linken ihre 5unde an der Leine und in der Rechten Wurf spieße. Der Festtagsstaat der jungen Leute, wenn sie gur Kirche oder zu einem Gelage gehen, besteht rn einem blautuchenen Ueberrocke von ziemlich seinem Tuche, das ste selbst zu versertigen pflegen. Der Rock reicht eine Handbreit unter die Waden und wird vorn durch messingene Kk'.öpse zusammengehalten. Die älteren Männer tragen ihn von grobem grauen Tuche; damit er feiner anschließt, um spannen sie ihn mitten am Leibe mit einem breiten gelbledernen Gürtel, vermittelst einer großen messingenen Spanne. Dieser breite Gürtel das wesentlichste Unterscheidungszeichen in ihrer Kleidung von der des übrigen Landvolkes. Als gewöhnliche KopsW deckung tragen sie einen unausgelrämpten Hut; von einem Halstuche wissen sie nichts; ebenso wenig von -eigentlichen Strümpfen und Stiefeln; statt der ersteren haben sie Socken, statt der letzteren Basteln, d. .h. Sandalen. Die Frauenzimmer umhüllen sich den Kops mit sehr seinaewebten Tüchern, die oft so dicht um das Gesicht gezogen sind, daß man bei mancher nur die Augen und die Nase sieht. Dabei tragen sie kurze Mieder, die nicht länger als eincSpanne unter die Brust reichen, gröktentheils von röthlichem Tuche. Hierüber haben sie einen aus vielen kleinen messingenen Gliedern zusammengesetzten Gürtel, an dem bei verheiratheten Frauen aus der einen Seite in einer Bucht die Schlüstel der Haushaltung hangen. Ihr Ober kleid besteht zu jeder Jahreszeit in einem schwarzen Ueverroa oder vielmehr Kittel, den sie selbst versertigen und färben. Die Wohlhabenden hängen über ihn gemeiniglich noch eme seine weißeSchur ze; alle haben, gleich den Männern, Basteln an den Füßen. Ueber dem Oberkleid tragen sie noch ein großes Umschlaaetuch ; wenn die reicheren Frauen in ihrem größten Staate sind, werfen sie noch Shawls um, gewöhnlich aus ttemwollenem Zeuge mit bunten Borten besetzt. Die Umschlagtücher haben sie aus der Brust mit silbernen Breetzen (Agraffen) von verschiedenarti ger Gröe befestigt. In diesen Breetzen besteht ihre größte Pracht ; manche von ihnen haben mehr als 120 Mark an Werth. Unten am Rock herum hängt eine Menge von Schellen, die, sobald die Trägerin in Bewegung ist, ein solches Geläute machen, deß man sie, ohne sie zu sehen, schon aus der Ferne hören kann. Die Kreemmgen finden sich noch in dem Distrikte Bauöke im gleichnamigen
Kirchspiele zu Hause. Ihre Sprache stammt von derjenigen der alten Liven ab und man hält sie mit diesen von glei cher Nationalabstammung. Wie sie aber nach Kurland gerathen oder auch hier, getrennt von ihrem Volke, mitten unter den Letten zurückgeblieben sein mögen, darüber schweigt die Geschichte. Ihre Lebensweise, ihr sittlicher Charakter
stimmen mit den übrigen Nationalen Kurlands, den Letten, ganz uberem; nur möchten sie sich durch größeren Hang zum Cynismus von den letzleren, freilich nicht sehr zu ihrem Vortheil, unterscheiden. Die Kleidung ist sonst auch wie die der Letten, nur daß sie den Halskragen des Hemdes mit farbiger Wolle gesticki tragen. Die Tracht der Frauen ist ein loses Gewand von blauem Tuch, mit Korallen besetzt, über eine Schulter ge legt. Ihr Kopsputz besteht aus einem Schleier, von klarem Zeuge angefertigt, mit Borten besetzt, welcher mit einer großen silbernen Nadel an den Haaren befestigt ist. Die Mädchen tragen den Kops unbedeckt oder nach der Weise, der Letten einen Kranz. (Rundschau.) Et geplagter Grocer. tTexa SiftingS.) Ein jeder Stand bat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine Last ! Da beneidet oft Einer den Andern und denkt : Was der es doch gut hat; wie muß ich mich da anders quälen und komme nicht vorwärts.". Wie oft findet sich wohl ein armer Arbeiter veranlaßt, mit emem gewiffen Mißbehagen den .Grocer" im nächsten Block" zu betrachten, den er sur weniger durch die Sorgen deö Lebens geplagt hält als die meisten anderen Sterblichen. Wenn die Frau des .Grocers" erklärt, daß ihr Kaffee zu Ende gegangen, so braucht der gluckliche Mann nur zum Kaffee-Faffe zu gehen, um ih ren Vorrath sofort zu erneuern. Bitten ihn die Kmder um Zuckerwerk, so läßt er ie an den .Candy"Kasten herantreten und sich nach Belieben selbst bedienen, ohne daß er deshalb nöthig hat, in seiner Tasche nach Centen zu suchen. Zwar muß der Grocer rm nächsten Block seme Waaren auch bezahlen, aber wenn seine Ausgaben cmmal etwas größer werden, so kann er die Sache schon dadurch aus gleichen, das er leichtes Gewicht anschafft und den Kindern, welche von ihren Eltern zu ihm gesandt worden, um Ein käuse zu machen, etwas wenrger Geld zurückgiebt, als dies eigentlich der Fall sein sollte ; es ist hierbei wenig Gefahr, die Kleinen können ja leicht einen Theil des Geldes auf dem Heimwege verloren haben. Aber auch der kleine Grocer hat seine Last. Vor einigen Tagen saß Peter Cogier, ein Groceriewaarenhandler in Austin, vor seiner Thür und machte ein .äußerst trübseliges Gchcht. Was fehlt Ihnen, Sie ritterlicher Kausherr? fragte ihn ein Zeitungsmensch, indem er ihn mit seinem goldbeknopsten Stock ein wenig in der Seite kitzelte. .Ich suhle mich nicht ganz wohl heute Morgen, lautete die Antwort. .Ich habe Hummer aus em paar Kannen ge gesien, die nicht ganz dicht gewesen und deren Inhalt am obern Ende etwas ge litten hatte und das Zeug ist mir nicht qut bekommen. Ich muß einen. Eom pagnon anschaffen, der Mir hilft die un verkäuflichen Waaren aufzuessen. .Welch' lacherliche Idee! Warum werfen Sie die verdorbenen Sachen nicht aus die Straße Y Das bade ich im vergangenen Som mer zu? Zeit der Wassermelonen gethan. aber ich wurde mit emer solch' bedeuten den Geldstrafe belegt; daß mein Nutzen an Waffermelonen während der ganzen Saison daraus ging. Nun effe ich die übrig bleibenden Melonen selbst aus und zu aewlsien Zeiten habe ich daran am Abend, ehe ich zu Bette gehe, davon dret bis zwöls zu verzehren ; meiner Leber ist die Sache freilich nicht besonders gut be kommen und der Arzt hat mir verboten. wieder rohes Obst zu effen. ".Warum halten Sie sich denn kem Schwein, das die Ueberbleidsel verzehren kann r .Ich hatte mir auch jüngst einmal ein Schwein zugelegt, -aber es existirt eine Verordnung gegen das Halten von Schweinen im Innern der Stadt; ich habe dies erst erfahren als man mich vor die Polizei vorlud und mir eine Buße auserlegte. Es sieht so aus, als ob die Behörde mich entweder aus der Stadt treiben will oder ich mit verdorbenem Gemüse überladen werden soll." Ja, ich glaube, Sie haben ein hartes Loos." .Ein verd hartes." .Weshalb verschenken Sie denn aber die dem Verderben so nahen Waaren nicht?.Auch das versuchte ich, aber ich werde es nicht wieder thun. Ich glaubte mir Dank erwerben zu können und populär bei den armen Arbeitern zu werden, wenn ich ihnen gab, was mir nicht mehr nützen konnte. Ich dachte schon daran. daß man mich sur em politisches Amt auserählen werde, daß ich das Ver trauen des Volk.'s durch alten Limburger und zweifelhaft riechende Fische erwerben sollte ; aber die Sache ging wieder schief. Eine Kanne mit faulen Austern, die ich der Frau emes Arbeiters schenkte, kostete Mich 573, welche lch sur eme Doctorrech nung bezahlen mußte. Ich sage Ihnen, das Leben eines Grocers hat mehr Schattenseiten als Lichtseiten. Ach, da kommt der Doktor, der mir den veroor denen Magen heilen soll, den ich mir holte, als ich eine Partie Schweinssüße zu verzehren mich bemühte." Der alte Herr verschwand hierauf in sememLaden und fern Zuhörer hielt ihn sortan Nicht mehr sur ganz glücklich. Die Lenkbarkett deö Luftschiffes ist naH Angabe des Zsurnal des D'e bai" kein unlösbares Problem mehr. Bei Windstille oder ganz germgcm Luft zug ist der Ballon bereits lenkbar ; so ost die Triebkraft des Ball?ns stärker ist alS die des Windes, wird der Ballon sich m der gewünschten Richtung fortbewe gen. Es kommt nun darauf an, eine Kraft zu finden, welche auch über den Wind die Oberhand behalten könnte und die einerseits doch so wenig wiegt. daß sie daS Erheben des Ballons nicht hinderte, andererseits nicht unterwegs an
Gewicht verliert, wie eine Dampfma-
schine durch dieVerdrennung der Kohlen. Herr Gaston Tiffandier beschäftigt sich seit Langem mit der Losung dieser Auf gäbe und hat jetzt in seinem Atelier in Auteuil emen kleinen Motor constrmrt. den. wir soeben angesehen' haben und der sehr interessante Erfolge erzielt. Die bewegende Mafchme ist ein dynamoelektrischer Apparat von Siemens, der nicht mehr als 65 Kilogramm wiegt; beinahe ein Spielzeug, mit dem man aber nicht spaßen darf. Diese Maschine bewegt eine Schraube, welche aus zwei spi ralsörmigen Flügeln von 2.55 M. Durchmesser besteht, constrmrt nacy den Plänen von Herrn Viktor Tatin.' Maschine und Schraube sind in Erwartung ihrer desinitiven Installation in der Gondel emes längllchrn Lustschiffes vor läufig an einer Deckenbalke des Laboratoriums aufgehängt. Die Batterie (aus 24 Elementen mit doppelchromsaurem Kali bestehend) steht im Hinter gründe des Zimmers, und man kann durch angebrachte SyphonS 'eine Gruppe von Elementen füllen oder leeren und dadurch den Strom, der z?rm Motor läuft, vermmdern oder vermehren. Man kann die 24 Elemente auf 18 reducuen, w:nn man Chromsäure in die Lösung gießt, und in diesem Falle beträgt das ganze, dem Luftschiff mitgegebene Maschinengewicht (da daS Element 7 Kilo gramm wiegt) statt 168 nur 125 Kilogramm. Die Maschine funktionirt selbstverständlich nur so lange, als die Elemente arbeiten, waS im vorliegenden Falle zwei Stunden Zeit beträgt. Läßt man sie mit voller Kraft arbeiten, so macht die Schraube 150 Umdrehungen in der Minute. Dies ist eine derartige Geschwindigkeit, daß man ihr mit d:m Auge nicht folgen kann, und daß die dem Experimente beiwohnenden Personen ei nem wahrhasten Sturmwinde ausgesetzt waren, von d?m Mancher einen Schnupsen davontragen wird. Alle Möbel und Gerätschaften des Zimmers gerie ten mS Schütteln. Kurz gesagt : dieser neue Motor, der nicht mehr wiegt als drei Menschen, leistet die Arbeit von 12 bis 15, nämlich 75 bis 100 Kilogramm. Wird man also zwei oder drei Reisende durch die Lust führen wollen, so wird man emen seidener. Wafferstoss-Ballon von nur 900 Kubikmeter Inhalt brauchen, was auf einen Durchmesser von 9 Metern 27 Meter Länge bedeutet. Dieser Ballon würde bei ruhiger Luft mit einer Geschwindigkeit von 4 Metern in der Sekunde oder 15 Kilometern tn der Stunde in der gewünschten Richtung fliegen, was, da de mittlere Schnellzugsgeschwindigkeit einen Kilometer in der Minute beträgt, noch nicht sehr viel, aber für den Anfang genug ist. In emer Stunde wurde der Ballon des Herrn Tiffandier bei ruhiger Luft über ganz Parts bmweguehen: Man wird dann nicht mehr fortwährend fragen. ob die Lenkbarkeit des Luftschiffes überHaupt möglich ist." Daß jeder Mensch einen geyelzten Ofen" in sich umherträgt, dürfte nicht Vielen bekannt sein. DaS verhält sich nämlich wie folgt: So lange das Leben dauert, besitzt unser Körper eine Vlutwärme von 28 Grad Reaumur oder 37 Grad Celnus, die sich den verschiedensten AuiLentemperaturen gegenüber vollkommen gleich hält, so daß das Blut der Tropeubewohner um nichts wärmer ist, als das der Polarmenschen. Im. gesunden Zustande erleidet diese Blutwärme nur sehr germge Schwankungen, ,ede grö ßere Abweichung bedeutet schon eine Störung des Wohlbefindens; anhal tende Steigerung der Blutwärme heißt Fieber, dauernde Abkühlung kommt nur im Zustande großer Erschöpfung, nach schweren Krankheiten u. dergl. vor. Diese unsere Blut- oder Lebenswärme wird innerhalb unseres Organismus er zeugt durch chemische Vorgänge, nämlich durch die Verbindung und Verbrennung von Körperbestandtheilen mit dem aus der Luft eingeathmeten Sauerstoff, Kohlenstoff und Wafferstoff, die Grundbe standtheile der meisten Stoffe, auch der Nahrungsstoffe, verbrennen mit Sauer floff zu Kohlensäure und Waffer, wobei Wärme erzeugt wird. Es ist nachgewiesen, daß durch solche Verbrennunasvorgänge innerhalb des Körpers genau ebenso viel Wärme erzeugt wird, als wenn dieselben Elemente außerhalb de Körpers verbrannt werden. Wir heizen also gewiffe.-maßen unsern Körper mit Brennstoffen, die als Nahrung emge nommen und durch die Verdauung in Beflanothette des lutes verwandelt werden. Mit dem Blute kreisen sie in den Adern und durch die verschiedenen Organk, in denen die wärmebildenden Verbrennungßprocesse vor sich gehen; das also erwärmte Blut kreist weiter und vertheilt die Wärme gleichmäßig durch den ganzen Körper, wober dasienlge. was an der Oberfläche des Körpers an die kältere. Umgebung verloren geht, durch die im Innern fortwährend neu gebildete Wärme ersetzt wird. Durch geeignete Speisung .unseres Ofens" bei entsprechender SauerstoffZufuhr kann bald mehr, bald weniger Warme erzeugt werden ; die nothmen dige Regulirung erfolgt durch Wärme abgäbe an unsere Umgebung, namentlich die Lust, und durch Verdunstung deö ucverfcyustes vurch Haut und Lungen. So verdunstet beispielsweise cm Erwachsener an einem Ruhetage 900 Gramm Waffer, dagegen an einem Tage an strengender Arbeit 2000 Gramm, d. h. vier Plund Waster. Da ferner jeder warme Körper durch Wärmeabgabe an die Umgebung sich nach und nach abküh len muß, wenn ihm nicht neue Wärme zugeführt wird; da wir überdies viel kalte Speisen und Getränke in unserm Innern erwärmen und beimAthmen sehr Viel kalte Luft als warmen öauö au rückgeben, so ist es begreiflich, dak die Warme Erzeugung rn unserm Körper sehr reichlich und unablässig ersolgen MUß. IN der ?hat ,st durch genaue Versuche ermittelt, daß em Erwachsener ohne besondere Körperarbeit ' täglich durchschnittlich so viel Wärme an seine Umgebung abgiebt, also auch in sich er zeugt, als ersolderlich ist, um 2j Mil Honen v&rojnin Waffer um 1 Grad Cel sius zu erwarmen. Da man die Wärmemenge, die nöthig ist, ein Gramm
Waffer um 1 Grad CelnuS zu erwärmen, eine .Wärme Einheit" oder .Eolorie" nennt, so werden also von dem erwach jenen Menschen täglich im Durchschnitt 2z Millionen Colorien entwickelt. Bei körperlicher Arbeit wird noch bedeutend mehr Wärme erzeugt bezw. abgegeben. Der so seltsam klingende Ausspruch, daß jeder Mensch seinen eigenen Ofen in sich selbst umherträgt, hat also seine volle Berechtigung.
T ie Trichine in der Zwiebel. Auch die Zwiebel ha! jetzt ihre Trichine und fordert damit die übrigen Gat tungen des Pflanzenreiches auf, sich so bald als möglich gleichfalls einenSchma rotzer des Thierreichs als menschenver derbenden Jnsaffen anzuschaffen. Der Entdecker der Trichine in der Zwiebel ist kein Geringerer, als der Leibarzt deS Czaren Alexander III. Dr. Bctkm, gleichzeitig Profeffor in der Pathologie und Therapie in Petersburg, und den Ausweis über die Entdeckung giebt die Petersburger clmlsche Wochenschrift , selbstverständlich eine durchaus ernst zu nehmende Fachschrift. Dr. Botkin wurde in ein HauS zum Consilium gerufen, in welchem die aus drei Mitgliedern beste hende Familie unter sehr schweren typhösen Erscheinungen erkrankt war. Anamnestisch konnte mit der größten Sicherheit festgestellt werden, daß bet sämmtlichen Patienten .die KranlheitS erschemungen zu gleicher Zelt sich eingestellt hatten. Beiläufig vier tunden nach eingenommenem Male hatten sich nämlich bei Vater, Mutter und deren 15 Iah altem Sohne heftiges Erbrechen eingestellt, dem bei allen Dreien ein intensiver circa eine halbe Stunde dauern der Schüttelfrost mit confccntivemHitz gefuhle und vermehrtem Durst nach folgte. Nach wenigen Stunden war auch das Bewußtsem getrübt, was sich durch lebhaste Hallucinationen und Delirien kundgab und die Patienten boten sür den oberflächlichen Beobachter ganz das Bild von in schwerem TyphuS ' darniederliegenden Kranken. Proseffor Dr. Botkin, dem sogleich die ganz gleichen Krankheitsbilder aussielen, konnte sich der Möglichkeit nicht verschließen, daß eS sich in den vorliegenden Fällen vielleicht doch um eine Vergiftung handle und stellte er nach dieser Richtung sogleich seine mikroskopisch-chemischen Untersu chungen an. Und merkwürdigerweise, sowohl in den erbrochenen Masten als auch in den auf physiologischem Wege auS dem Organismus eliminirten Sudstanzen konnte er ganze Hausen von theils abgestorbenen, theils aber in lebhasten aktiven Schwingungen sich befin denden, also lebenden Trichinen wahr nehmen, deren Existenz bislang den Zoologen und Pathologen vollständig un bekannt war. Der gelehrte Profeffor ging nun daran, diese Thicrchen, die er wegen der großen Ähnlichkeit, die sie mit den Trichinen der Schweine haben, mit dem Namen .Trichine contorta belegte, in einer geeigneten Nährflüssig keit zu züchten und ganze Zuchtcolonieen von ihnen anzustellen. Mit diesenThier chen experimentirte er und merkwürdig, alle Hunde, Katzen und Kaninchen, in deren Inneres er auch nur ein einziges der von ihm entdeckten Schmarotzerthier chen hineinbrachte, wurden ohne Ausnähme nach kurzer.Zeit von den schwer stenKranlheitserschemungen heimgesucht. Bezüglich der Provenienz des mikrosko pischen Thierchens konnte Botkin durch eine Reihe sorgfältiger Untersuchungen den Nachweis liesern, daß die Schmarot zer ursprünglich in den zum Küchenbe darfe verwendeten Zwiebeln (AUium Cepa) vorhanden gewesen seien, mit diesen in die Speisen übergingen, wo viele von ihnen selbst der höheren Temperatur Widerstand leisteten und von den Patienten genoffen wurden. Durch die eisrigen Bemühungen des Klinikers ist es gelungen, die auf so ergenthümli che Art Erkrankten wieder gänzlich herzustellen. Unweit Besangon, in dem kleinen Dorfe Moncey, Frankreich, ist ein haarsträubendes, kannibalisches Ver brechen vorgekommen. Bei einer dort wochenlang lagernden Zigeunerbande besand sich eine Frau Namens Jerma. Sie war mit einen zur Bande gehören den Zigeuner Murano verheirathet und hatte mit ihm ein Kind von drei Monaten. Murano glaubte seit einiger Zeit bemerkt zu haben, daß seine Frau die Huldigungen eines jungen ZlgeunerS nicht ungünstig ausnehme. Als die Bande sich zum Ausbruch vorbereitete, erging sich Murano in hestigen Vorwürfen ge gen seine Frau und gerieth dabei in eine ungewöhnliche Wuth. Ehe Vma ihr Kind vertheidigen konnte, hatte er ihr daffelbe entriffen und warf das KnSbchen auf den glühenden Kohlenherd in der Nähe. Schnell bedeckte e: dabei sein unglückliches Kind mit einem Bund Stroh. Das Kind schrie sürchterlich. aber der unmenschliche Vater drückte mit semem Stiefel daS Stroh nur um so fester auf daffelbe und schürte die Kohlen. Die Mutter schrie entsetzlich, fiel ihren Mann an und eS gelang rhr, denselben mittelst mehreren gegen das Gesicht geschleuderten Steinen von der Stelle zu bringen. Sie zog ihr schreiendes Kind hervor, bedeckte besten Brandwunden mit ihren Thränen. Jedoch der .wilde Mu rano, das Gesicht mit Blut bedeckt, wurde noch wüthender. Er entriß nochmals seiner Frau das Kind und warf daffelbe den drei Bären vor, welche die Truppe mit sich sührle. Zwei Personen aus Moncey, welche aus einiger Entfernung den schrecklichen Vorfall zugesehen, erzählten denselben. Ehe jedoch die nächste Gendarmericstation benachrichtigt war und Leute ausgeschickt hatte, waren die Zigeuner aus der Gegend verschwunden. E:st einige Tage nachher wurden dieselben bei CramanS dingfest gemacht und Mit ihren drei Bären in's Gtsüngniß nach Besangon abgeführt. Amerikanische Baumwolle stand im Preise am niedrigsten im Jahre 1842, wo sie in New York mit 4 EentS Psund, am höchsten im Jahre 1864, wo sie mit '41.90 und seit dem Kriege am niedrigen im December 1878, wo sie mit 1.7$ Cents bezahlt wUlde. Diese Ptt-je gelten von Waare mittlerer Qua litä'.
