Indiana Tribüne, Volume 6, Number 160, Indianapolis, Marion County, 27 February 1883 — Page 2

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VlIU ivVIIVV WMv w' w ' FögliHe- und SoN:agsausgttö5. Ofssce: Dclawarc Str. Indianapolis, Ind., 27. Februar 1883. Calif05Nken'S WeizcnkSnig. Wie der Telegraph, gemeldet hlt, wurde am 10. d. M. Dr. Hugh I. Glenn von seinem früheren Buchhalter Henry Miller erschossen, den er wegen Unzuverlässtgkeit entlassen hatte. Miller widersetzte sich seiner Verhaftung und dieselbe konnte erst bewerkstelligt werden, nachdem er von dem Ober-Jnspectorder Farm, R. M. Cochrane, in den Oberschenke! geschossen worden war. Dr. Glenn wurde in Virginien geboren, in Missouri erzoqen und betrieb in seiner Jugend das Geschäft eines Noßkammes. Er hat es bis zum Besitzer der größten Weizenfarm in Californien gebracht. Dieselbe liegt in Colusa County und umfaßt 60,000 Acker Land. Von diesem Areale wurden bisher alljährlich 40.000 'bis 50,000 Acker ausschließlich mit Weizen bestellt. Seit Jahren hat der Acker 20 bis 25 Bushel getragen und die Durchschnitts - Ernten betrugen über 1.000,000 Vushel. Es leuchtet ein, daß eine Wirthschaft, die den Ackerbau in solchem Umfange betreibt, über colossale Hilssmittel verfügen muß. Das Capital allein, welches m Maschinen angelegt ist, repräsentirt ein stattliches Vermögen. Zur Erntezeit arbeiteten über 500 Man ner auf der Farm. Dr. Glenn führte über den ganzen Betrieb nicht blos die Oberaufsicht, sondern leitete den Ansang der Bestellungsarbeiten und der Ernten aus den verschiedenen Komplexen. Die Farm ist in 9 Sektionen eingetheilt, de ren jede unter der speciellen Aussicht emes Inspektors steht. Jede Sechon enthält di: Wohnungen, Scheunen, Schmiedewerkstätten und sonst ersorder licken Baulichkeiten. Als dauernd en ttmiii uuutiuiviiui. wuuutiw ingagirlk Arbetttt sind 1K 5zusschmidk. U . ...... ..,.' Zu.'.,, r. .- StlUUtUUIl4. UI4V .lllitUkltilUil, ß JJVlschinisten. szilsZmaschinisten und Feuer, leute. K Buchhalter und Clerks und zahlreiche Köche angestellt. Die übrigen Arbeiter sind in Seetionen eingetheilt ,,k n. .ii. t., a, MliV IVI.tVVil UU uuvn vnti verwendet erfordert Pferden der Abwartung der Gespanne, zu denen unter Anderem 180 Wagen gehören, be schäftigt, 6 reinigen die Stallungen, 100 sind an den Eggen in Arbeit, 18 beltrnt X9 25 si (iS!ttH St fTN-fiJs-uiuvu vuj wu(ii. v uiuiiiiiii uit yi.ui1 ' I Maschinen, die Dampfmaschinen.- Die . kleineren Ackerbaugeräthe, d e vorhanden RnS ,.,.s! V,. sind, kann man beinahe als unzählig bc zeichnen. Ueber 1000 Arbeitspferde und Maulthiere, die täglich auf der Farm beschädigt sind, werden auf dieser gezüchtet; einige Hengste und 1000 Stuten sind zu diesemZwkcke vorhanden; die jungen Thiere werden erst in einem höheren Alter zur Arbeit verwendet, als dies sonst in Amerika Sitte ist. Auf Verbesierung der Rassen wird besondere Sorgsalt nicht verwendet; die eingeführte Rasse liefert meist starke Zugthiere. Die Pferde, deren Dr.Glenw zu fernem und semer Familie Gebrau bedurste, wurden aus den vorhandene Fohlen ausgesucht, und es fanden si unier denselben stets so schöne und schnelle Thiere, daß seine Wagen- und Reitpferde für die besten in jenem ganzen , Theile von Californien galten. Rinder wurden nur gehalten, um denVedars der Farm an Milchprodukten zu decken, Schweine, um das erforderliche Fleisch zu liefern. Ferner besinden sich auf der Farm 32 sehr geräumige Wohnhäuser, 27 'Scheuern, Vorrathshäuser und Schuppen, sodaß die Gesammtzahl der Gebäude über 100 beträgt. Die Ma schinen haben einenWerth von 125,000, die Arbeitspferde und Maulthiere von 140,000, die Hengste, Stuten, Fohlen und Füllen von 90,000, die Gebäude von 120.000. Das Dorf Jacinto gehört zur Farm; in demselben besinden sich außer den angeführten Baulichkeiten I Hotel.l Laden, der mit den verschiedensten Waaren so reichlich, wie nur irqend ein Country Store im Lande, assortirt ist, große Waarenhäuser und Wohngebaude. Alle Ansiedlungen in der Nachbarschaft sind neu, nur Colusa bestand schon vor der Central-Pacisicbahn. Die Straßen auf der Farm selbst sind im besten Zustande, werden aber außerhalb derselben schlecht unterhalten. Die nicht auf Dauer angestellten Arbeiter, die durchschnittlich aus 300, zur Erntezeit aus mehr als 500 Mann bestehen, bilden eine außer ordentlich fluctuirende Bevölkerung. Wöchentliche oder monatliche Zahltage existiren nicht, sondern die Leute bekomwen ihr verdientes Geld, sobald sie es . . . r j. r- . c.". v.:. lr":t wuniqen. Tramps, iur ine ja uauiut men nocy immer oas ano i,i, ui vem f i Milch und Honig stiegt, arbeiten oft nur einen halben Tag und lassen sich dann ihr Geld geben. Glenn hat sich viele Mühe gegeben.sich eine seßhafte ArbeiterBevölkerung heranzuziehen, es ist ihm aber nicht gelungen. Die verhcirathcten .Arbeiter sind außerordentlich selten, ihre brauen rönnen, wenn ne es wunmien, ' jeder Zeit Beschäftigung aus der Farm Mven. vDicnii yai oie ou,uuu naer, oic tr ylnierlayl, iiaoj unv nuuj juuiuuuu i v ? r. i. -i .. fc u i gekauft ; seine Farm hat ein bedeutendes Steigen der Bodenpreise in der 'Nachbarschaft veranlaßt. Der Werth der Farm wird zur Zeit auf mindestens Z2,500,000 geschätzt. Aus alten Zeiten. Der ZeitungSmensch der Ver. Staaten, der wahrscheinlich am längsten diesem Berufe angehört, ist Herr W. S. MiSkey in Media, Pa. Im Qctober 1836 fungirte derselbe als Reporter an der "United Ltat.es Gazette" in Philadelphia. Durch eine höchst geschickte und energische Leistung erwarb er

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iiui eines ungewoynilq urautyosren richterstatters. Kanals trenne einerseits noch kein Telegraph und fanden andererseits die Präsidentenwahlen noch nickt an einem und demselben Taae in allen Staaten statt; ,n vitva Vjon wur de z. 53. einen Tag später als in New Jersey gewählt. Die Whig? hofften, daß der von ihnen aufgestellte Vrüsidentschaftscandidat HarriZon im Staate New Versen und namentllÄ in den Countie Cape May, Cumberland und Salem eine große Anzahl Stimmen erhalten werde. Da man im Allgemeinen erwartete, daß die Wahlen eine annähernd gleiche Anzahl von Stimmen für die Candidaten Harrison und Van Buren ergeben würden, so war es von Interesse, die Resultate der Stimmenzählungen in den genannten Counties so frühzeitig zu erfahren und zu ver öffentlichen, daß harrison's gute Aussichten in New Jersey noch von Einfluß auf die New Yorker Wahlen sein sonnten. Miskey wurde beaustrgt, die Nachrichten aus den drei genannten Counties so schnell als möglich herbeizu schaffen. Er ließ durch einen Leihstallbesitze? in Camden an der Straße zwi schen May's Landing und Haddonsield die besten Pferde als Relais bereit halten und engagirte berittene Voten, die ihm die Resultate von den Stimmplätzcn nach Haddonsield zu bringen hatten. Der letzte Bote traf früh um 1 Uhr ein. Die Nacht war trübe und nebelig, eine echte Novembernacht, und Miskey jagte, gänzlich auf die Sicherheit der Pferde vertrauend, in solcher Eile nach Camden, daß er den früh 6 Uhr nach New 9)ctf abgehenden Zug erreichte. Die Whigs veranstalteten ihm damals eine Festlich seit, an der sich die ganze Presse von Philadelphia bethätigte. Ermahnung zur Auswanderung. Woran liegt es, daß englische Spra che. enalische-Sitten und Anschauungen sich über die ganze Erde verbreiten,überall Fuß fasten und sogar bald vorHerr ! schen ? Lediglich daran, daß der Englänv , tv-. cii .". t. . vt r- . . Ss l Wehklagen ut Hundert. tausende anstimmt, die lahrlich dem 53a . , . , s V : 'nde .verloren gehen' sondern ,m g d Ausmande r als we b'nauSgtreck,t Wurzeln betrachte, d ,mm" Wg B ''lotende Stamme aus der Ferne rast und Le nern treibenden Kräste zu befreien, statt sie durch Einengung zu gewaltthätigcn Aeußerungen zu zwingen, beweist unter Anderme ein Artikel der Londoner Times" über den Nutzen der neuerdings . . . rr - v. o . AlMMtaAMHAH lkmAhlrt1lttA l 6 M Uml ' 3 lu9. u-rf"1''" Diese betragen letzt nur $2, und das Blatt erwartet in Folge dessen eine Zunähme der Auswanderung. Es klagt aber darüber nicht, sondern sagt im Gegentheile ungefähr Folgendes: In der alten Welt, das Verhältnißmäßig gut gestellte England nicht aus genommen, wird es immer schwieriger, erfordert es nicht nur Gesundheit, Fleiß und Ehrlichkeit, sondern thatsächlich bereits ungewöhnliche Anlagen, um einen standesgemäßen Lebensunterhalt zu gewinnen. Der Landbesitz ist in festen Händen und der Masse verschlossen. Nur auf Arbeit, Dienstleistungen und niedrige Anstellungen kann die Mehrzahl rechnen, und dann ist sie fortwährend vom Glückswechsel abhängig. Entweder fallen die Preise, oder die Abhängigcn verlieren aus ngeno weicyem Grunde ihre Beschäftigung und fallen zu Boden, wie dürre Aeste. Reichthü mer giebt es genug, aber sie sind nichZ i vertheilt, nicht verfügbar für die Ma& und höchstens dazu geeignet, die Nicht besitzenden ihre Armuth noch bitterer empfinden zu lassen. Was man auch sagen möge, die Thatsache bleibt bestehen, daß die weitaus Meisten, von Glanz und Uebersluß umringt, unglücklich, hilflos und verachtet sind. Man kann ihnen nicht rathen, daheim zu bleiben und diesen kleinen Streit auszusechten. Wenige werden gewinnen, und dann wird es sich noch fragen, ob der endliche Triumph das Opfer eines glücklichen Lebens werth war. Nach einer a Undings sehr übertriebenen Schilderung der Gelegenheiten, die sich hierzulande namentlich dem Farmer und Viehzüchter bieten, schließt das Weltblatt mit folgcnder Mahnung an seine nichtbcsitzen den Landsleute: Wenn sie noch jung und stark sind und sähig, sich .irgend einer ihnen zusagenden Lebensweise anzupassen, mögen sie dahin xehen, wo es Raum sür sie und Arbeit giebt, Meister, welche Gehilfen brauchen und Schisse, Eisenbahnen und eine neue Welt, die Passagiere und Kunden einladen." Selbstverständlich ist dieser Rath vom i Eigennutze eingegeben. Dem englischen ! nr 1 4 w c . Ct ! Bürgerthum werden die Proletarier un- ' .. behaglich, die sich fortwährend vermeh- , ren und hin und wieder zu wünjchcn ' wissen, warum von dem colossal anwach senden Nationalreichthum so wenig aus sie entfällt. Darum sendet man die Unbequemen mit Vorliebe über' Meer. Das ist vom Standpunkte der Besitzenden aus sicherlich klüger als entgegengesetzte Verfahren der deutschen Macktkaber. nd ken Nicktbenkenken bietet sich doch thatsächlich in der neuen ( Welt ein besserer Erwerb dar. B.rändertcrTepcschendlcnst. Nach langerm Zögern hat sich die Western Union Telegraphengesellschaft endlich entschlossen, zunächst in der Stadt Nework die Versendung von Depeschen mittels pneumatischer Röhren zu besorgen. Ihr Hauptgebäude steht an der Ecke von Broadway und Dey Str., also in der sogenannten unteren Stadt, in der sich der Geschäftsverkehr zusammendrängt. Von hier aus erstrecken sich Hunderte von Drähten nach allen Gegcnven des Landes hin und nach dreißig Zmcigämtern in der Stadt. Alle Depeschen von auswärts laufen in dem

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Riesensaale ein, der daß ganze siebente Stockwerk umfaßt und werden dann nochmals an diejenigen Zwcigamter telcgraphirt, die der auf der Adresse ange gedener. Straße am nächsten liegen. Häusiz werden nun die Drähte durch Stürme, Lis u. s. w. unbrauchbar ge macht, oder die Menge der Depeschen ist so groß, daß die Arbeitslast unmöglich bewältigt werden kann. Der GeneralVorsteher der Gesellschaft, Herr T. T. r '

uam, oegao ncy caaer lon vor medrcren Jahren nach London, um daselbst das System der pneumatischen Nöüren zu studiren. Er fand es ausgezeichnet, aber trotzdem wurde in New 'tyorl zu nächst nur die Actien- mit d?r Baum wollbörfe durch diese Lustdruck Rühren verbunden. Auch hier war mart mit der Einrichtung sehr zufrieden, denn die Depeschen konnten billiger und schneller befördert werden und gewannen an Zu verlässigkeit, weil sie nicht zweimal telegrophirt zu werden brauchten. Hierauf lcgie die Gesellschast Röhren nach den RedactionZzimmern derjenigen Zeitun gen, welche die Associirte Presse bil den und jetzt endlich soll daZ System aus den allgemeinen Stadtverkehr angewendet werden. Zu diesem Zwecke ist, un gesähr drei Meilen in gerader Richtung vom Hauptamte entfernt, an der Ecke der Fünften Avenue und der 23. Straße cinGcbäude gemiethet worden, das durch zwei Röhren mit dem Hauptamte in Verbindung gesetzt werden wird. Die Röhren werden drei Zoll im Durchmesser halten, sodaß die durchlaufenden Kasten ziemlich viel Depischen aufnch men können. Eine Röhre soll für die ankommenden, die andere sur die abge hcnden Depeschen dienen, und die Besörderung crsolgt sowohl mittels Lustdruckes als auch mittels Aufsaugung. Zunächst sollen von der Fünften Avenue auö alle 'Zweigämter in der oberen Stadt bedient werden, später aber wird jedes Zmeignmt seine direkte pneumati )che Verbindung mit eine? der beiden Hauptsiationen erhalten. Die ncne P!arr.ltt?l'pS5. Die Revision der Pharmcopöedes Dispensatoriums oder Algeneibcreitungsbuches der Vcr. Staaten, welche von dem nordamerikanischen ApothekerVereine öeschlosien worden ist, wurde soeben im Drucke vollendet. Derselben ergebt es ähnlich wie der revidirten Bi-j bcl-Ucbcrsctzuna. wie letztere von zahl-! iiai fi nl n.nn niS Xtofi Hrttt Yifirt

Eommisnon wird zunächst der Vorwuls em beträchtliches Steigen der Preise ge gemacht, daß ihrWerk die Apotheker und schlössen. Bei der Auction im Juli vor. idirect das Publikum in größere Ab- I. betrug der Marktvorrath 72z Tonhangigkeit von den chemischen Fabriken nen, und zwar , .W T. ostindischcs, 6? und von den Großhändlern in Droguen T. egyptijches, 6 T. vom Eap der. guten bringt. Dies ist dadurch o.eschchen, da , Hossnuna, 10Z T. von der Westküste von

da3 neue Werk eine ganze Anzahl von Vorschriften zur Vereitung gewisser Droguen und Arzeneistoffe nicht enthält, welche in der früheren Pharmacopöe Ausnahme gefunden hatten. Dies-gilt z. B. von verschiedenen Natron- und Sodasalzen. Mehrere der letzteren können von den Apothekern in gereinigtem Zustande für 5 Cent daL Psund herzestellt werden. Die desfallsigen Vorschriften fehlen aber in dem neuen Buche und der Apotheker ist daher gezwungen, gereinigtes sagen wir doppeltkohlensaures Natron von dem Großhändler für 40 Cents pro Psund zu beziehen und zu einem entsprechenden Preise pro Unze im Kleinhandel abzugeben. Jeder Apothe ker ist nämlich allerdings im Stande, sich diese Salze nach wie vor selbst herzustellen, wird sich bei dem Mangel der betreffenden Formeln in der Pharmacopöe aber hüten, dies zu thun. Die letztere deckt den Pharmaceuten unter allen Umständen ; hat er irgrnd ein Medicament ihren Vorschriften gemäß bereitet, so ist er außer Verantwortung. Thut er dies dagegen, ohne daß sein Versahren durch die Pharmacopöe gewissermaßen legalisirt ist, so setzt er sich eventuell Untersuchungen und Schadenersatzansprüchen aus. Ein vernünstiger Grund zur Beseitigung dieser Formeln ist nicht erfichtlich und so liegt der Verdacht nahe, daß die Revision in dieser Beziehung von den Großhändlern in Droguen beeinflußt worden ist. Ein weiterer Vorwurs trisft das revidirte Werk aus dem Grunde, daß es das Gewicht an Stelle des Hohlmaßes setzt. :n oen meisten fallen war es als ein Fortschritt zu bezeichnen, daß man da, früher allgemein übliche Hohlmaß auf gegeben und demselben das Gewicht sub stitulrt hat. Bei der Bereitung von Medicineu kann die Neuerung leicht zu den bedenklichsten Folgen führen. Den Patienten gegenüber verordnen die Aerzte, daß die flüssigen Arzneien zu den bestimmten Zeiten eß- oder theelössel weise genommen werden. Dieses Ver fahren ist uralt und dürfte sich durch ein praktischeres kaum ersetzen lassen. Dem Apotheker schreiben dieAerzte vor. welche Gewlchtstheile einzelner Stosse er zu einem Medicamente verwenden soll. Nun hält aber eine Gewichtsunze Wasser durchschnittlich 8, eine Unze Syrup Gg eine Unze Alcohol etwas über 10 The? löffel. Werden nun zu einem bestimmten Gewichte Wasser, Syrup oder Alco hol bestimmte Gewichtstheile stark wirkender Alcaloide Atropin, Digital!, Morphin, Ricotin oder Ergotin, (der wirksame Bestandtheil dcZ Mutterkorns) verschrieben, so leuchtet ein, daß der Kranke diese energisch eingreisendenMit lel in verschiedenen ozen cryaii, yt nachdem dieselben in der einen oder anderen der erwähnten Flüssigkeiten gegeben werden. Die Aerzte können dem natürlich dadurch vorbeugen, daß sie ihre Vcrcronungen dem Gewichte der Flüssigkeiten anpassen, aber die Neuerung schasst eine neue Gefahr, ohne den geringsten Vortheil zu bieten. Elfenbein. Das Elfenbein gehört zu denjenigen Stoffen, welche in immer ausgedehnterem Maßstabe Verwendung finden, und welche die Natur immer spärlicher liefert. Weder die Zähne anderer Thiere, wie des Walrostes, noch das gegrabene aus

den Ueberresten des ammuth bestei y v

bende, noch das vegetabilische, von den in Südamerika wachsenden ElfenbeinNüssen gewonnene, noch das künstliche Elfenbein können die Stoßzähne des Elephanten ersetzen. Die letzteren haben daher einen su hohen Preis erreicht,, wie nie zuvor. Selbst ein so bemittelter Mann wie König Salomo würde Heu!zutage Bedenken tragen, sich einen Thron aus Elfenbein anfertigen zu lassen und aus solchem eine massive goldene S'i vlalte anzubringen, und wer einen vollkommenen Ersatz sür das natürliche Elfenbein entdeckte, wäre schneller ein sehr reicher Mann, als hätte er den Stein der Weisen gesunden. In der Verwendung des Eisenbeins waren uns die Alten nur insofern voraus, als sie die Kunst besaßen, dasselbe zu spalten und zu biegen, sodaß es möalich war, Vlatten von 12 bis 20 Zoll Breite zu gewinnen ; so brachten sie es fertig, die nackten Theile des Olympischen Zeus aus Elsenben berzusiellen, während wir dasselbe in der Kunst nur zu kleineren Figuren, in ausgedehntester Weise ab?r zur Schmuck und unzählige sonstige Zwecke verwenden. Schon der Transport des Elfenbeins hat von jeher bewirkt, daß dasselbe hoch im Preise stand. In den afrikanischen und indischen Wäldern müssen die Elephantenjäger unter den größten Gefah ren die Zähne gewinnen und solche dann auf ihren Schultern durch wasserleere Wüsten, durch Osen, die von wilden und räuberischen Stämmen bewohnt sind, unter der Gluth einer tropischen Sonne an die Küste befördern. Ein Zahn, der kürzlich in Liverpool anlangte, wog 110 Pfund und war von einem Äf rikaner Hunderte von Meilen weit geschleppt worden. In Egypten werden noch dann und wann Elephanten-Zähne ans demSande gegraben ; im Inneren von Afrika und I Ostindien lebt der Leviathan der Wälder noch in großer Anzahl und, wenn der Bedarf an Elfenbein nicht schneller wüchse, 'als die Zahne der Elephanten, so würde an einen Mangel noch für lange Zeit nicht zu denken sein, während ein solcher jetzt schon factisch eingetreten ist. In Liverpool kostet jetzt die Tonne Elephantenzähne von Angola und Gaboon 1,200, das Elfenbein vom Niger nicht viel weniger. In den letzten drei Jahren hat sich der Preis verdoppelt, da aus allen englischen Märkten die Tonne Zabne bester Qualität im Jhre 1879 000 kostete. Gegenwärtig finden die nrilHn W i ? nrt t t lintl sfsiiTi rt n i i ? .X f r tn iikiiiiii wi v t y y i! ii 4 v II II w U 0N statt und es wird aus den vorhandenen Vorräihen aus Afrika, kleine und Walroßzähne5 Ton nen. 'ayreno oer leen rj ayre kamen bei den Londoner Juli-Auctionen durchschnittlich 136 Tonnen Elfenbein W r C i . -a Xi r zum Verkaufe; der größte Verkauf fand im Juli 1878 statt, welcher 203 Ton nen umfaßte, der Verkauf während der Juli.Auction in 1882 ist der ichwachste, der je vorgekommen ist, wird aber von der Februar-Auction dies. I. nicht erreicht werden. London und Liverpool waren biSber die Elfenbcin-Märlte für die ganz-' Welt, jetzt beginnt ihnen Aii' terdam fconcurrenj zu machen. Vom ttlande. Ex-Gvuverneur 5) o r a t i Seymour empfiehlt, den Evacuations Tag (26. November, an welchem die britischen Truppen New Vork räumen mußten) zu einem Nationaiseiertage zu machen und durch Anpjlanzen von Baumen zu begehen, weil die Baume Regu latoren des atmosphärischen Nieder scklags sind. Wir sind sür mehr als das. Wir sind dasür. dak in allen Straßen aller Städte und an allenLand straßen zwei Reihen Bäume stehen, daß alle kahlen nöy:n, Wa er- und Wetter scheiden .dicht bewaldet sein sollten, und für andere Maßregeln derselben Art. Kein Baum sollte gesällt werden, ohne an geeigneter Stelle dafür einen anderen zu pflanzen. Inzwischen aber begrüßen wir Seymour's Rath als em War nungszeichen. Die Nw JerseyLegislatur hat den Fahrpreis nach New York au allen Eisenbahnen im Staate aus 1 Een die Meile herabgesetzt für alle Bewohn ner des Staates, welche weniger als 18 Meilen von New yott entfernt wohnen. Das schließt Paterson und Euabety nu ein. Das Kanin chen-County der Ver. Staaten ist Eaton County im Mitt leren Michigan. Von Eaton Rapids in jenem County wurden in diesem Winter 7000 Kaninchen versandt ; ebenso viele wurden dort verspeist und es soll noch Hundcrttausende solcher Thiere in jener Gegend geben. Die Farmer von Butt i Californien klagen über die ungeheuere Verheerung, welche wilde Enten ihren Saaten zusügen. Die Vogel kommen in ungeheuren Schaaren, und die Fel der, aus denen sie sich einmal niedergelasten haben, sind bei ihrem Scheiden vollständig kahl gesressen. In ?Zew Vork wurde dieser Tage unter dem Vorsitze des Richter Q'Gorman eine Anklage verhandelt. Nach geschlossener Bewcisuufnahme und dem JZcsume des Richters theilte ein Geschworener dem letzteren mit, er sei bei der Handlung, welche die Anklage veranlaßte, zum Theil anwesend gewesen und ein Zeuge habe die Umstände an ders angegeben, als solche von ihm dem Geschworenen beobachtet worden seien. Der Geschworene knüpfte hieran die Frage, ob er sich bei seinem Urtheile nach seiner Wissenschaft, oder nach den Aussagen des Zeugen zu richten habe. Der Richter erwiderte, der Geschworene habe nach dem beschworenen Zeugnisse und nicht nach dem, was er selbst von der Sache besser wisse, zu urtheilen. Diese Jnstruction ist nicht nur vernunstwidrig, sondern nach dem Wortlaute des

t Gesetzes nur scheinbar richtig. Die Ge j ifVMAva((.AV! ZI ! i. i. V Cn 1 C

schworenen haben die Pflicht, den Werth eines jeden Zeugnisses zu prüfen und abzuwägen ; findet ein Geschworener aus ner Augenzeugenschast ein Zeugniß x?ZHtig,.so hat er demselben keine Beöz;'cL!?aft beizulegen, sondern nach seinem eigenen, besseren Wissen zu urtheilen. Die Katastrophe in der Kohlengrube bei Braidwood, Jll., stellt sich ' mehr und mehr als die Folge schlimmster Pflichtvernachlässigung seitcnZ der Compagnie heraus. Große Strecken der Stollen, welche vom Hauptschachte ausliesen, lagen, während dieser 100 Fuß tief war. bis zu 20 Fuß nahe der Oberfläche. Durch Ausbeutung der Kohlen waren große hohle Räume entstanden, in welche die darübe? liegende Bodenschicht einsank. An der Oberfläche entstanden ausgedehnte Vertiesungen, m denen sich nach jedem Regenwette? förmliche Seen bildeten. Au hnen sickerte Wasser in die Grube, und ederBergbau-Verständige mußte wissen. daß ein größerer Durchbruch desWassers nur eine Frage der Zeit war. Trotzdem hat man nicht die geringsten Vorkehrun gen zur Sicherung der Gruben-Mann chaften getroffen. Nach den neullchen angen Regengüssen durfte man, wenn man oas Waner nicht ableiten konnte. die Mannschaften absolut nicht einfahren asten. Aber was sind Menschenleben, wenn es iS) darum handelt, Geld zu machen : JnBanderaCounty, Ter. schätzt man den Verlust anSchafen durch die Kälte auf 20 Procent der Heerden. In emer Heerde von 2,000 Schafen star ben 00, in emer anderen von 1.900 200, ln emer dritten von 6,000 800 Thiere. ZahlrelcheNeger rm Süden glauben, daß ihre Seelen nach dem Tode eine Zeit lang in die Hasen fahren und etztere zu verzehren wird dem Cannlbaismus gleich geachtet. Elmer Sperry inCortland, N. hat eine electrische Maschine er funden, für die ihm von Chicagoer. Ca pitalisten .Z1.000,000 geboten worden ist. Näheres wird der Oesfentlichkeit zur Zeit vorenthalten. In W i l l i a m s b u r g. V a., weden zur Zeit zwei neue Holzhäuser gebaut; neue Hauser wurden seit Jahren nicht in der ehemaligen Staatshauptstadt errichtet. Das Capital ist Versallen, daZ William & Mary College ver lassen. Ein Maiskolben in Hun tington Co., Pa.,der im vorigen Herbste gcerntet wurde, zählt 1.960 völlig ausgebildete Körner; ein Kolben von ahnlicher G öße cxistirt - nicht zum zweiten Male. Der größte Sprachenkenncr in den Ver. Staaten ist der deutsche Professor Rührig an der Cornell - Univerptät im Staate New Vork. Ueber ihn theilt ein Blatt im Osten Folgendes mit: Keine (?) der Sprachen Asiens und Europa's ist ihm fremd, ja er beherrscht dieselben wie seine Muttersprache, das Deutsche. Erhält das Staatsdepartement in Washington Schriftstücke in einer Sprache, die Niemand versteht. so werden dieselben an Profestor Röhrig gesandt, der sie mit Leichtigkeit übersetzt. Mindestens vierzig verschiedene Sprachen und Dialekte sind ihm geläusig. Vor 34 Jahren war ein junger Japa nese, der an der Cornell-Universität studirte, nicht wenig überrascht, als ihnProf. Rührig nicht nur japanljch, sondern sogar m seinem heimathlichen Dialekte anredete. Röhrig hat, während er seine letzten Ferien in Philadelphia verbrachte, manche chinesische Waschanstalt besucht und nch zum Erstaunen der Söhne de himmlischen Reiches mit denselben in ih rcr Muttersprache unterhalten. Vor mehreren Jahren unternahm er eine Ferienreile nacy oem fernen Wenen, um nach der Heimkehr ein Werk Ueber die Sprache der Sioux und Dakotas" zu schreroen, rn welchem dre Verwandt schast dieser Sprachen mit den Dialec ten einiger mittelasiatischen Stämme nachgewiesen wird. Vor Jahren gab er ein Buch heraus über Die türkischen Idiome", das in der Gelehrtenwelt das grönte Aussehen erregte. Von geS Jahr schickte Jemand mit Inschriften bedeckte Stei.-.iafeln, die unter altegyptischen Ruinen gefunden wurden, an Pro sessor Withney vom Jale College zur Entzifferung, und letzterer, ebenfalls ein berühmter Gelehrter, sandte die Tafeln zurück mit dem Bemerken, daß wahrscheinlich Professor Röhrig der einzige Gelehrte in Amerika sei, der dieJnschris. ten zu übersetzen vermöge. Die Tafeln wurden nun an Röhrig geschickt und er las die Hieroglyphen so leicht, wie sich eine gewöhnliche Person durch dieDruck fehler einer Morgenzeitung hindurch arbeitet Vom Auslande. Papicrne Bettdecken sind die neuesten Errungenschasten unsere nicht mit Unrecht das papierne" g nannten Zeitalters. Die bekannte Eigenschast des Papiers, ein schlechter Wärmeleiter zu sein, d. h. eine allzu rasche Fortleitung der Wärme zu ver hinoern, hat einen Herrn Sluter in Manchester aus die ingeniöse Idee ge bracht, statt der Federbettdecken oder Wollendecken solche aus Papier anzusertigen. Diese papiernen Bettdecken bestehen au3 zwei äußeren Papierlagen, zwischen denen eine Schicht karbolisirter Watte sich befindet. Zur Sicherung der Ventilation sind dieselben durchlöchert und sollen gleichwohl doppelt so warm halten, wie eine gewöhnliche wollene Decke. Außerdem sollen die Papierdecken außerordentlich leicht und billig sein, wodurch sie sich namentlich sür die ärmeren Volksklassen empfehlen. In der That haben die Papierdecken auch bereits in der Londoner Anstalt zurAusbildung von Krankenwärtern in ausgedehntem Maßstabe Verwendung gefun den, doch verlautet noch nicht, mit welchem Erfolge. Endlich soll ein weiterer Vorzug dieser Papierdecken darin bestehen, daß sie nicht gereinigt zu werden brauchen, sondern, wenn man sie beispielsweise einen Winter hindurch ge-

braucht hat, sortgeworsen werden können. n . rn . . .

Letzterer Vorzug will uns als der her' vorragendste erscheinen, der in den meisten Fällen schon nach einmaligem Ge brauche in Betracht zu ziehen sein dürfte. Der Graf von Chamb o rd. der bekanntlich in Oesterreich seinen ständigen Wohnsitz hat und sich augenblick lich in Görz aushält, beobachtet angesichtS der realistischen Bewegung in Frankreich gegenwartig eine bemertenswerthe Reserve. Die Tnester Zeltung" publizirt einen Brief deS Grafen Chambord en den General kharctte, worm Ersterer entschieden viderräth, den inr.eren Frieden Frankreichs durch ein militärisches Pronunclamento zu Gunsten der Legitimität zu stören. Auch die römische Kurie hat es direkt abgelehnt, in die Agitation einzugreifen, worüber die französischen Legitimisten sehr verstimmt und niedergeschlagen sind. Ein furchtbares Verbrechen ist dieser Tage in Kasan entdeckt worden. Der Polizei wurde die Anzeige gemacht, daß im Hause des Bauern Waissow drei Knaben in einem unterirdischen Gemach verborgen gehalten werden. Die sosort angestellten Nachforschungen führten einen Polizeibeamten vor die verschlossene Thür einer in die Erde gegrabenen Badestube. Auf die Frage, wo der Schlüssel zu dieser Thür sich bksinde, wurde dem Beamten gesagt, der Schlüssei ist nicht da, und hinter der Thüre sitzen die Bösen" verschlossen. Nun wurde die Thür erbrochen und man erblickte einen niedrigen, scuchlen Raum, in welchem sich drei Knaben befanden, die aus die an sie gestellten Fragen nur Mit ganz schwacher, krankhafter Stimme zu antworten vermochten ; stehen und gehen konnten sie kaum und mußten daher auf Händen hinausgetragen werden. Die weitere Untersuchung ergab, daß diese Bauernkinder sind, welche Waissow zur Erziehung anvertraut waren. Was den letzteren bewogen hat, die Knaben so grausam zu behandeln, ist noch mcht bekannt. Die Unglücklichen hatten schon ?9 Tage lang in der Gesangenschast ge sessen, als sie endlich befreit wurden. Alle drei mußten ins Hospital gebracht werden, da der eine sich die Füße abge froren hatte, der andere am Schorf und der dritte an der Wassersucht litt. Die schauerliche Fahrt, welche auf der Zahnradbahn der Salgoer Gruben in Ungarn am G. Februar ein Personenzug rückwärts in die Tiefe machte, wird von Pester Journalen wie folgt geschildert : Am Nachmittag 2; Uhr setzte sich em aus 12 leeren Zkohlen wagen bestehender Zug bergauf in Bewegung. Auf dem Zuge befanden sich außer dem Maschinisten Egg mehrere Frauen und Kinder von der Bcrgkolonie, die ins Thal gekommen waren, um ihre Feiertags - Andacht zu verrichten. Bei einer der kühnen Kurven, mittelst welcher die steile Trace dort die Höhe erklimmt, hörte der Maschinist ein verdächtiges Krachen unter der Lokomotiv.'. Bald nahm er zu seinem Entsetzen wahr, daß der Zug, trotzdem er volle Dampfkraft anwendete, nicht von der Stelle kam und bald ward es ihm klar, daß die Zähne des Zahnrades, mittels welchen die Lokomotive sich auf der gezähnten Schiene erhält, ausgebrochen sein mußten. Rasch entschlossen gab er mit der Dampspfeise das Nothsignal, damit die Frauen noch zur Zeit abspringen sollten. Aber schon war es zu spät, denn der Zug, der sich anfangs langsam in Bewegung gesetzt hatte, jagte nun mit rasender Geschwindigkeit an den Abgründen vorbei, an deren Rande die Trace sich hinzieht. Drei der Verwegensten wagten den Todessprung und dieselben kamen auch mit leichten Verletzungen davon, aber die übrigen Personen wurden von dem Zuge begraben, der bei der nächsten Krümmung sammt und sonders in die Ticse stürzte. Nur sechs der Unglücklichen wurden in schwerverletztem Zustande in' Fabrik-Lazareth gebracht, wo ihnen ärztliche Hilfe zu Theil wurde. Unter den Schmcrverwundetea befand sich auch der Maschinist. Eineinternationale Ausstellung von Eisenbahn - Sicherheitsmitteln soll im Lause dieses JahreS in Paris stattsinden. Ein berühmter Geologe in Wien ließ sich vor einigen Tagen aus verschiedenen Orten Über ein in der Provinz vorgekommenes Erdbeben brieflich berichten. Er erhielt sehr corrccte, aber auch mitunter recht drollige Zuschriften. So schrieb em Advokat aus einer klemen Stadt : Wir saßen gerade bei Tische und purzelten Alle übereinander, als der Stoß kam, meine Schwiegermutter siel mir zum ersten Male um den Hals." Aus einer anderen Provinzstadt lief die Notiz ein: .Wir haben nichts gespürt; in unserem gottverlassenen Städtchen passirt so wenig,daß wir nicht einmal ein kleines Erdbeben zusammenbringen." Ein Dritter schrieb : ,Wir spielten gerade Tarock, als ein hestiger Stoß erfolgte, der Sküß flog nach Nordwest!" In der Sitzung derCom Mission des deutschen Reichstages zur Vorberathung des Antrags Phillip'Z (Entschädigung für erlittene Straf- und Untersuchungshaft) gab zunächst der Commissär des Neichsjustizamts eine Uebersicht der in Preußen seit dem 1. Oktober 1S79 im Wiederaufnahmeverfahren stattgehabten Freisprechungen früherer Aburtheilten. ES sind darnach 188 Fälle vorgekommen, wovon in 7 Fällen die Strasverbüßung theilweise erfolgt ist. Die aufgehobenen Verurtheilungen sind in 8 Fällen vonSchwurgeeichten, in 70 von Strafkammern, in 72 von Schöffengerichten der neuen GerichtZverfassung, in 38 von den Gerichten der früheren Gerichtsordnung auSgesprachen worden. ES wurde beschlossen, die Entschädigung auf die wirthschastlich erwachsen Schäden m Erwerb, Forttom men oder an Gesundheit zu beschränken, und weder ein Maximum noch ein Minimura für dieselbe im Gesetz: festzustellen. Fernerhin wurde da Versahren dahin geregelt : die Entschädigung kann nur auf Antrag des Angeschuldigten de willigt werden.