Indiana Tribüne, Volume 6, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1883 — Page 6
: - Der ArSeilskogn. (2tn Drama auZ fce 23tcnct Srbeiter.Lebtn.) Samstag Abend. Vor dem Thore des veitlausizen FabriksgebäudeS steht eine dichtgedränate Menge und harrt des erlösenden Psiff. welcher den Feierabend verkündet. Es sind die Angehörigen und Gläubiger der Arbeiter.welche nuf.den karaen Wochenlohn warten, der tausend Bedürfnisse befriedigen, tausend Ansprü che genügen soll. Aermliche Weiber mit ihren Kindern, welche, sich nur dürftig gegen die schneidende Käkte zu schützen wußten, Geschäftsleute, G.'eiZler, Holzund Kohlenhändler, welche den einzigen Augenblick ausnützen, um zu eincmTheile ihrer Forderung zu gelangen, endlich jene Wohlthäter der Menschheit von ihren Schützlingen aber .Vampyre" genannt welche blos für drei Kreutzer per Gulden und Woche Geld vorstrecken und den Unglücklichen so lange auösaugen, verfolgen und Hetzen, bis er zusammen bricht oder im Trunke seine Erlösung sucht...... Ein schrilles Pfeifen der Maschine verkündet die siebente Stunde. Wenige Minuten später kommen einzelne Arbci ter zum Vorschein, ermüdet und rauch geschwärzt, den sauer verdienten Wochen lohn in den schwielige-, Händen haltend oder in der schmutz und settstarrenden Blouse bergend. Nach wochenlangem, hartem Ringen in schwerer Jrohn, nach der eintönigen, erschöpfenden Hantirung in dumpfen Werkstätten, in Hitze und Qualm und in dem betäubenden Lärm der Cyklopenarbeit halten die zweibeini gen Maschinen endlich wieder den Talis man in den Händen, der ilnen ermögli' chen würde, einen Tag lang Mensch zu sein. Die Woche über sind sie nach dem kargen Abendbrod und einem mürrischen,
die Sorgen desTageö erörternden Zwie-. gesprach mit den Ihrigen schlaftrunken aus' Lager gesunken, um Früh vor Ta g:sanbruch wieder bei der Arbeit zu sein, denn der Tyrann.Konkurrenz,spannt die letzte Krastfase? seiner Sklaven an. Alle ihre Ansprüche auf Freude, Behaglichkeit und heiteren Lebensgenuß haben sie auf diesen einen Tag vertröstet. Nun ist die stürmische Forderung ihres Le bensdranges fällig, nun halten sie die Mittel zu alledem, was nach ihren Begriffen das Leben versüßt in den Händen. Was soll sie abhalten, denTag in Freu de und Geselligkeit zu verbringen oder zu verjubeln, zu vertollen? Hungert nicht jeder ihrer Sinne nach Freude, schreit nicht jeder Nerv, jede Faser nach ihrem Antheil an Lebenslust und Behagen? Aber da unten stehen Die,welche ihm bis jetzt dasLeben erträglich gemacht; sein Weib seine Kind:r, die Genossen seiner Noth und Entbehrungen, die treuen Gehülsen in Krankheit und Arbeitslosigkeit; die mit ihm gedarbt, gespart und gerun gen und die kärglichen Brosamen der Freude redlich mit ihm getheilt. Mit Bangen harren sie ihres Erlösers. Wird er keinen Abzug haben? Wird die Arbeit nicht reduzirt? Denn jeder Kreuzer hatte schon im voraus seinen Herrn gefunden, der g,ö')te Theil des Lohnes muß zur Ausgleichung von Forderungen benützt werden, um wieder Credit zu schassen für die nächste Woch?. Und so drückt er seinen Lieben vor dem Thore schweigend die Hände, nimmt das Kleinste aus seinen Arm, übergiebt seiner Ehehälste den Arbeitslohn, mit Ausnahme einiger Kreuzer für Tabak und Schnaps, nnd be spricht mit ihr auf dem Heimwege das wenig trostreiche Finanz Expose. Die Fa milienbande sind stärker als die Sucht na) Freude. Nicht Jeder beugt seinen Nacken so geduldi.z vor der Nothwendigkeit, das zeigt Samstag Abend am deutlichsten. Eine Cchiar von ihnen sällt gleich in die nächste Schänke, deren Wirth zwar eine dop pelte, aber auch geduldige Kreide hat. Hier schleicht Einer still um die Ecke, um durch eine geschickte Schwenkung in die finstere Nebengasse den lauernden Blicken skinksManichaers zu entrinnen; dort entwindet sich einer den nicht allzu zärtlichen Umarmungen seiner besorgten Ehehälste, die ihm vergeblich die Ncize des Feierabends im trauten Familien kreise mit glühenden Farben schildert. Eine Gruppe von jüngeren Arbeitern bespricht eine Hetz", die Samstag. Sonntag und vielleicht auch Montag dauern, eine Rundreise, die über sämmtliche Tschecheiln. Tingl Tangls, Spelunken undwöacht. CaseS des Bezirkes sich erstre cken soll. mit . den einzelnen Kapiteln: Wein. Weib. Gesang. Rausch, Raufen, Bestohleriwerden katzerjämmerlichstes Erwachen. Manchen erscheint der Plan nicht geheuer, und er schleicht sich still aus ihremKreise.dieSeinigen aussuchend, oder ein stilleres Vergnügen pflegend, vielleicht auch snnem Bildungsdrangedie paar Feierstunden opfernd. Freilich tönten ihm Spott und Stickelreden in's Ohr, aber er bleibt seinen Vorsätzen getreu und läßt sich lieber Philisterschimpfen, als daß er die Genüsse seiner seschen Kumpane theilte, welche mit eimm leeren Beuttl, eiem schweren Kopfe und einem erschöpften Körper ihren montäglichen Abschluß sinden. An jener Straßenecke steht ein junge, hübsches Weib, auf den Armen ein Kind von einigen Monaten, zwei größere hängen sich an die Kleider. Ihr Mann, ein junger Arbeiter, ist eben aus der Fabrik gekommen; er nimmt ihr das Kind vom Arm. schäkert mit ihm, herzt es und hört nur fluchtig aus das Lamento seiner Ge sährtin : I waß'S net, wia i dösmal auskum na wir'. Beim Greiler san'S schon allan 4 fl. 72 kr., wir hab'ns ja döWoch'n Al leS bei ihm g'numma. Der Schuasta hat m'r schon d vorige Woch'n an1 Spektakel g'macht, weil i n' Rest net zahlt' hab'. Beim Milliweib. beim Kauf, mann, beim Oelerer, überall häng' i." .Na ja. wann der Bau'r heunt' mit an' Wagen voll Geld kummat, so bät'st morgen wieder n'x, erwiderte der Gat te ärgerlich. ,3 kenn mi mit deiner Wirtschaft net auS Ab Franz erwiederte das Weib vorwurfsvoll, .du hast m'r ja d' vergan- . gene Wochen nur fünf Guld'n gegeb'n, dö bab'n net amal auf d' Schuld'n n'lanat. Wie datt'n wir denn leb'n kön na, wann i net dreimal i'ns Waschen ganan vSc' und die Todtenwach' beim
Kind von der Frau v. Tangl . g'habt hätt'." .Wannst' net so.boppadatfch wärst, könnt'st jetzt dö schönste Bedienung ha b'n. - . . .Zum Herrn Fuchs geh', i net, er iS fö a grauslicher, zudringlicher Mensch" Jchas. Jessas, er hätt' di net gesres. s'n und dö acht Guld'n bätt'n uns wohl
gethan. Uebrigens thu, a, waS d' willst. I geh' jetzt zum .blauen Rock , und kauf m'r a Seit! Wem. Es ist dort a klan'S Valedi, der. Schuster-Ferdl iö von Bosnien kumma und geht morg'n wieder in sein' Werbbezirk " Erhalte bei diesen hsstig hervorgestoßenen Wo? ten vermieden, den Blicken seines Weibe zu begegnen. " ' .So gib m'r wenigstens döS Gelo, was i zum Schuldenzahl'n brauch' ,J hab' jetzt nir G'ewechselt'S, wirst eS do' not versama, mit Deiner Greislerin erwidert der Mann, hoppst das Kind in seinem Arm in die Höhe und hätschelte?. Magst a Bi chgotterl, Franzik Da hast a Kreuzer!!' Die Frau wird blaß und stammelt: Du wirst mi do' nit ohne Geld z'Haus yeh'n lasi'n! Da trau i mi gar nöt ham. Kumm mit, Franz, fei g'scheidt, mir knin men sunst no' als die ärgste Bagasch in's G'ichra. .Mach ml nöt schiach, Weib, jetzt hab' i's versprochen und i muaß mei Wort halten. Soll i mi no als Simzndl aus schreien lasi'n? Schau hin, wia's lachen und ihnen, Spolt treib'.-, mit mir . .Was gengan d; dö Lumpen an? Dö san nur guat' Freund, wannst ihnen was z'sausen zahlst oder Deine sauer verdienten Kreuzer verspielst. IS g'schcidter, dö Saufbrüdern lachen, als die Leut' nennen Di an Patikenmacher, der seine Schulden nöt zahlt. Geh', Franz, geh' mit Dein' Weib, denk' an Deine Kird r 'Der Mann zögerte und schielte ver legen nach der Gruppe seiner Kamera den. .3 last' Di nöt aus, dö soll'a hingch'n wo's woll'n. Du bleibst bei Dein' Wem." Sie versuchte es, ihn mit sanf ter Gewalt hinwegzuziehen. Jetzt lachen die drüben ou? voller Kehle und der gefürchtete Spottvogel schreit herüber : .Wann er 'leicht zu ung'stam is, so leich' i Jhna a Schnürl, Frau Nachbarin, daß'n anbinden kön nen r Eine allgemeine Lachsalve der Kameraden lohnte diesen köstlichen Ein fall d.s Spötters. Der Mann wurde kirschroth im Gesicht, und dasein Weib ihn mit sich fort ziehen will, hebt er drohend die geballte n v rw . r w tfauu uno iqreu: .Ausia in Mio, sunst kunt was g'scheh'n, was mi später reu'n thät. Da hast Dcini Bambuletsch und jetzt verschwind'. I möcht seg'n, od i net der Herr bin" Und ohne sich umzusehen, schreitet er zu seinen Kameraden, die ihn od seiner Resch n" hochlich bewundern. Die Kinder fangen zu weinen an, die Frau aber schreit ihm mit vor Zorn er tickte? Stimme nach : .Geh' zum Teu ei. Du Asam (Ablchaum) von derhölllchen Rindsupp'n." Hieraus steht ste einige Augenblicke athlos, fassungslos da. Die Kinder sehen ihre Mutter weinen und heulen nun noch ärger. Eine halbe Stunde später steht sie Mit ihrem Körbchen zögernd vor dem Greislerladcn. Die Kinder haben junger ; sie muß den Versuch wagen. Aber sie will warten, bis ich die übrigen Kunden entfernt haben. Endlich ist es leer geworden im Laden; ,e önnet d:e Thur ; der schrille Ton der Klingel erschreckt sie. Die gefürchtet? GreiZlerin, eine energische, robuste Frau, kommt aus dem Wohnzimmer und fragt le freundlich um ihr Begehr. Sie verangt schüchtern einen Laib Brod und zehn Deka Butter. .Soll ,'s zu der alten Rechnung schreib', oder wollen es auf d' nächste Woch'n lasj'n, Frau Nachbarin? .Schreib' '3 zu der alten Rechnung." Die Greislerin giebt ihr das Vef langte, nimmt dann ihr Aufjchrcibbuch zur Hand und rechnet. Die J-au birgt ihren Einkauf im Körbchen und denkt nach, wie sie die gefährliche Klippe am besten umschisszn kann; sie ringt - nach Fassung, ihr Herz Hopst so . heftig, dan sie die Schläge in den Schläfen ver spürt. So, Frauen, 4 fl. 97 fr. macht's aus. rechnen Sie nur nach, denn ich will Nie mand Letrüag'n" .Is eh recht, is eh recht, Frau Greis. lerin ja, was i sag'n wollt', mei Mann hat an wichtigen Gang g'habt; er ,s no nöt z'Ha s kumma wie er kummt.'wir' i glei zahl'n. Sau's not bös, Frau Greislerln Sie will mit dieser Entschuloigung hinaushuschen, denn es ha den sich inzwischen schon neue Kunden in dem Laden angesammelt. .Was, SS können nöt zahl'n und woll'n neue Patiken mach'n? Aha, so was wird bei mir net ausg'suhrt, her mit dö Sach'n. I hab' Jhna auf Jhna ,rlich's G'jlcht und aus Jhna Ver sprech'n, am Samstag zu zaht'n, 'borgt. I lass' mir nur amat anschmir'n Sie reißt ihr den Ko'b aus der Hand und nimmt die Waare wieder zurück. Betäubt, vernichtet schleicht die Arme sich aus dem Laden. .So a G'sindel, Bogaschi, Filou!" tönt es ihr nach zum Abschied in tut Oh ren. Mitternacht ist längst vorüber, der Mann noch immer nlcht heimgekehrt. Die Frau hat, nachdem sie nach Hause gekommen, noch einige Besuche empfan gen: den Schuster, den Brudermann. den Lemwandmann, den .velerer", und die Worte der mit ihren Forderungen Vertrösteten klingen nicht viel schmelchel hafter als die der Greislerin. Zuletzt ist Herr JuchS gekommen, vorsichtig und schleichend wie das Thier, von dem er den Namen trug. Er hat den Leuten eine Summe. gegen Wuerzlnsen vorae streckt und kommt nun jeden Samstag als quälender Mahner, und macht, wenn er die junge Frau allein trifft, dieser verblümte Antrage und .gutgemeinte Vorschläge, wie sie es bester haben könnte. Heute bemerkt er an ibrem ver störten Wefen und an ihrer Niederge schlagenheit, daß das Feld für seine Pläne günstig sei, und er stellt ,hr wie der mit dem lüsternen FaunSlächeln den Antrag als Bedienerin, ver ihm emzu
treten.. Sie antwortet ihm, daß sie ihm morgen früh ihren Entschluß mittheilen will. Das ist schon etwas, und Herr Fuchs verabschiedet sich so freundlich und süßlich wie immer. ' . Mit .Mühe ist es ihr gelungen, die hungernden Kinder zu beruhigen, sie auf die Heimkunft des VaterS zu trösten und sie endlich zum Schlafen zu bringen. Sie selbst sitzt bei der kleinen Petroleum lampe, flickt an den Kleidchen der Kinder herum und wartet eine Stunde nach der anderen auf die Heimkehr ihres Mannes.' Endlich um halb 2,UhrMor genS hört sie schlürfende Schritte im Gang, dann ein Schimpfen und Fluchen und Herumtasten nach der Thürklinke.
Sie. össnkt die Thür. ' Da steht ihr Mann, cm die Mauer gelehnt; die Haare hängen ihm wirr in's Gesicht, die Augen sehen stier, und' auf den .Lippen liegt jenes blöde Grinfen, welches das höchste Stadium des Rausches begleitet. Er ist offenbar mehrere Male gefallen; denn feine Kleider sind vom Straßenkoth . be schmutzt und der linke Aermel ist bis zum Elbzgen gufgeriffen. .Um Gotteswillen, wie schaust denn du aus V ruft ihm die bestürzte Frau entgegen, und macht ihn ans die zerrissenen Kleiderund auf die sehlende Kops bedeckung aufmerksam. .Alles aus gröhlt der Mann, All's versessen vor sein' End, is a richtig's Testament." Damit greift er in seine Westentasche und wirft mit einer über-' müthigen Handbewegung eine Anzahl Silber- und Kupfermünzen auf den Tisch, die traurigen Reste des Wochenlohnes. Das Uebrige ist verspielt, ver trunken, vertollt. ' .Alte, schneid kane G'sichter i i bin jetzt im Himmel, da braucht man ka G'wand, juchhe " Er zwinkert ihr verliebt zu und versucht, ihre Wangen zu streicheln. Die Frau, welche das Trostlose ihrer Lage ahnt, macht mit dem Trunkenbolde wenig Umstände; sie drückt ihn auf einen Stuhl nieder und untersucht hzstig seine Taschen. Zu Hils'. Patrouille, Patrouille !" kreischt der Sinnlose und sängt mit seinem Weibe zu ringen an. Diese stößt ihn mit Ekel von sich : .Halt's Maul, Saufaus, weck' m'r dö Kinder net auf ' .Halts'n auf, halts'n auf !" schreit der Betrunkene, noch immer in dem Wahne, beraubt worden zu sein. Er taumelt noch einige 'Schritte, carambo llrt unt dem eisernen Oeschen, stöt es um nnd stürzt dnn selbst mit einem schweren Falle zu Boden. Die Kinder erwachen und streikn jämmerlich. - Elender Lump," knirscht daö Weib und tritt mit dem Fuße nach dem auf dem Boden Liegenden. Schluchzend sinkt sie sodann aus einen Stuhl und denkt über ihre verzweifelte Lage nach. Was soll aus ihr, was soll aus ihren Kmdern werden? Sie mufcte ja, wie es kommen würde, borgen, wenn er seinen Rausch ausgeschlafen, ist er wieder der beste Mann mit den red llchsten Vorsätzen. Er wird wieder arbei:en, und wenn die Versuchung kommt, wird er wieder erliegen. Da ist Selbst hilse dringend geboten ; aber was kann die Frau erwerben? Mit Nähen und stricken und Flicken tst nicht zu errat fen. Sie erwägt alle Möglichkeiten, sich und die Ihrigen vor dem Hunger zu schützen. Und der Kreis der Möglichkeit en iDiio immer enger und enger, und im Mittelpunkte dieses Kreises steht der Usterne Schleicher aus dem ersten Stock, wie die Kreuzspinne, welches im Netze aus ihr Opfer lauert. Es schüttelt sie vor Ekel und Grauen. Und, doch es muß sein. Ich Mann schnarcht auf dem Fußboden ; sie schleppt ihn mitleidig z?:m Bett und legt lyn angekleidet auf das Lager Am andern Tage Früh, nachdem sie von den paar Kreuzern, die ihr Mann vom Wochcnlohn nach Hause gebracht ein Frühstück . zusammengetragen hat, macht sie sich auf den Weg, um dem Herrn Fuchs einen bejahenden Bescheid zu bringen. ; Mühsam schleppte sie sich über die Stiege ; hinaus. . Sie ficht im Geiste das triuinphirende Grinsen der verhaßten Menschen alle Stimmen in ihr rufen ihr ein warnendes .Halt !" zu. Aber es muß sein.. Sie saßt den - Glockenzüg; noch einmal sieht ste sich um. als ob Hilse kommen muls:. . .Muata.rres es vzn der Stiege, und der blonde Lockenkovf ihrer kleinen Rest wurde sichtbar, a schöne.noblicheFrau is unten. Du sollst kumma weg'n anec Ar bett." : Die Frau stürzt aus die kleine Glücksbotin zu, nimmt sie wie einen schützenden Talisman m rhre Arme und bedeckt ne mit Küsten. Für diesesmal ist sie, gerettet. Was es auch sei: schwere Frohn oder launen doste Weiberdespotle, es ist doch ehrliche Arbeit. Sie braucht vor ihren Kindern nicht zu erröthen. Mit freudiiem Ge süzle eilt sie hinunter. Der Herr Fuchs mute seme Mim? arbeit von Neuem beginnen. B. Cbtavacc i. Näub er, N om antik in Serbien. Nach einer Mittheilung aus Belgrad ist der in Serbien äußerst ge' fürchtete Näuberchef Despcc.auf welchen die serbischen Behörden lange resultatlos sahndetei', gelegentlich eines glücklichen Uebersalls im Kreise Rudnik geködtet worden. Der unter dem Namen .Harambaschi in Serbien weit und breit bekannte Defpic vereinigte in seiner Person mit der Eigenschaft eines als unverwundbar geltenden Ntnaldo Nl naldini noch die eines unwiderstehlichen Don Juan. Zahlreiche Liedesabenteuer sitzen ihn l.n die Lage, über eine Elite schaar von Kundschaftern zu verfügen und von allen seitens der Polizei gegen ihn geplanten Schritten jedesmal recht zeitig Kenntniß zu erhalten. Seine Un erschrockenheit, Tollkühnheit und enorme Körperkrast ftößtenJedermann die größte Scheu vor ihm em, so dak man wieder holt stärkere Erpeditionen gegen ihn ausrüsten mußte, die er jedoch ost, wie erst unlängst im Han" bei uv, theils überlistete, theil, in die Flucht schlug. eine Unverwundbarleit' wurde all mählich zur populären Legende, und die Regierung sah sich schließlich veranlaßt, einen Spezialcommissär in der Person deS Senatols Nikola Christics gegen den Nauoeryauptmann zu entsenden.
Ein unangeneymer Fraum. Graf Dagobert M. war ?in vollende ter Cavalier vom ScheUel bis zurSohl?. Damit ist freilich noch nicht gefagt' daß er neben seinen vielen brillanten Eigenschasten keine Fehler besessen hätte im Gegentheil ! . AuS aristokratischem Geschlecht, in allen ritterlichen Künsten erfahren, ja selbst als scharsfinnigerPoli tiker bekannt, war der Graf doch ein'Le? bemann im vollsten Sinne des Wortes, dem der Genuß das höchste Ziel des LebenS und Streben? schien. - -!' Seit etwa zwölf Jahren mit'einer schö nen und liebenswürdigen Frau vermählt.
die ihm orer reizende Kinder, emen Kna den und zwei Mädchen geschenkt hatte, war er- dennoch kein allzuhäusiger Gast am häuslichen Herde. Sein Verhältniß zu seiner Frau hatte sich im Laufe der Zeit so gestaltet, wie man es in der grotzen Welt nicht selten findet. Nachdem die erste Leidenschaft verglommen, war sein Benehmen gegen sie halb chevalereske Aufmerksamkeit, halb Gleichgültigkeit ; im Grunde liebte er sie noch immer, aber aus seine Weise. Die Gräfin, die beste der Fronen und zärtlichste derMütter, hatte sich anfangs in diefesVerhältniß nicht zu finden vermocht. AIS it aber einmal begriffen, daß ihre stillen Kämpfe und heimlichen Thränen Nichts fruchteten und daß ste ihren Gat ten nehmen mußte, wollte sie' ihn nicht ganz verlieren, begegnete sie ihm mit tu ner sich stets gleich bleibendenSanftmuth. Badet hatte ihr Wesen eme Hohe, eine Würde angenommen, die dem Grafen Respect einflößten, ohne sein Herz zu erwärmen. - - Er sing an, sich einzubilden, er - fühle sich unglücklich in seiner Ehe, um so mehr. als seine leicht entzündliche Phantasie neuerlich von der blendenden Erschei nung einer eleganten und koketten Amerikanerin, die seit dem Beginn der Wintersaison in den Salons der Ncsideuz Triumphe feierte, in F'ammen gefetzt worden war. Der Gedanke an eine Scheidung von seiner Frau tauchte vor seinem Geiste auf. War es nicht das Beste, da ihre Charaktere so venig zu einander paßten? Und durste er, der die Vierzig noch nicht überschritten, nicht noch ein volles Glück vom Leben for dern? Dennoch zögerte er, der Grasin ge genüber diesen Punkt zu berühren. Der Gegenstand war so delicat, und dann. . . würde sie sich entschließen, in eine Tren nung zu willigen ? Seinen Name aber in einem gerichtlichen Scheidungsprozeß durch alle Zeitungen gezerrt zu sehen, wäre ihm im höchsten Grade odiös gewesen. Ein öffentlicher Scandal mußte um jeden Preis vermieden werden. Bei der erstenAndeutung, die er machte. blickte die Gräsin zwar überrascht auf. antwortete aber einfach : Mein Freund, ich habe schon längst daran gedacht Gras Dagobert fühlte sich tles verletzt. Wie.... sein eigener Wunsch war schon vorher in ihrem Herzen aufgestiegen ? Und wenn em Mann sich auch gar Nichts aus seiner Frau macht, so erwartct er noch immerhin, daß sie sich etwas auS ihm mache. Seine Eigenliebe ver trägt das Gegentheil nicht. Es trat einen Moment lang Schwel gen em. Wann naym ver war, nacy dem er die bittere Pille verschluckt, wie der da? Wort und schlug vor, die beab sichtigte Trennung aus der Stelle und gültig zu regeln. Dies war bald geschehen. Wie Gattcn kamen überein, daß die Gräfin ihre Töchter behalten solle, welche noch zu jung waren, um von der Mutter getrennt zu werden, während der Sohn beim Vater blieb. Als Alles geordnet war, setzte man sich zu Tische, und Abends führte der Graf seine Gemahlin in die Oper. Er blieb die ganze Zeit neben ihr in ihrer Loge und war voll liebenswürdiger Aufmerksamkeit. Zwischen Leuten von Welt und Erziehung pflegt eben Alles glatt abzugehen. ' : Darüber war nun'einiae Zeit verstrichen. . Die Scheidung war vollzogen. und der Gras hatte stcy veranlagt gele hen. seinen' Sohn einem Pensionat an zuverirauen, da der öknaoe mql ven Händen der Domestiken überlassen werden durste. '. Die Abwesenheit der Haus frau machte sich also bereits in dieser Hinsicht bemerkbar. Gras Dagobert redete flch dennoch em, dan er im Beük der wiedererlangten Freiheit der glücklichste Mensch unter der Sonne sei. ' r war . auavenolla) tm Theater oder in Gesellschaft, brachte halbe Nächte im Club zu, stürzte sich mit Leidenschaft in den Sport, und trotzdem passirte es ihm öfter, als sonst, daß er sich verstimmt und gelangweilt fühlte, obwohl er eö sich selbst nicht eingestehen mochte. '., ' Eine Tages begegnete ihm feineFrau auf der Straße, und es machte . ihm wirklich Freude, sie wiederzusehend Sie sprachen mit einander wie alte Bekannte, reichten sich auch die Hand, doch dieGrä sin zog die ihrige schnell wieder. Da er ihre Gesellschaft nicht sogleich wieder verlieren wollte, schlug Graf Dagobert eine gemeinsame Spazierfahrt vor. Wo denken .Sie hin, Herr Gras?" entgegnete fie ablehnend. .Das würde mich compromittircn". Er biß sich auf die Lippen, und sie trennten sich mit küh lem Gruße. Aus die Dauer wurde die Oede in sei nem, Palais ihm unendlich drückend. Er wars sich vor, ,daß er seine Freiheit nicht genug genieße, und beschloß, aus Reisen zu gehen. , Gesagt, gethan. Er sah Florenz, Rom, Neapel und die blaue Grotte von Capri, liebte die schönen Italienerinnen, lauste einige mmelmäßige Kunstwerke und kehrte nach Ablauf eines JahreS auS dem gelobten Lande ernüchtert in die Heimath zurück. Wen sah er bei den ersten Schritten, die er in die Residenz machte? Die Grä sin am Arme seines intimsten Freundes, des Barons von C. .Meine Frau!" tief er. . , .Mein Mann ! stammelte die Gräfin. .Pardon, meine HerrschastenSie ha ben alle Beide den Kops verloren sagte der Baron mit mühsam unterdrücktem Aerger. .Ich bin Ihr -Gatte, meine Gnädige, nachdem wir vor vier Wochen
die Ringe gewechselt haben. Und Sie. lieber Gras, würden mich verbinden.wenn Sie von meiner Frau nicht mehr als der Ihrigen sprechen wolllen. Vergessen Sie nicht, daß Sie geschieden sind. .Güten Tag, Papa, riefen in diesem Augenblick zwei allerliebste Blondköpf chen, die ihrer Bonne entwifcht waren und sich dem Barone an den Hals hin Ven. ' ' ' i : .Guten Tag, meine lieben Kinder sagte diese?, indem er ihre Liebkosungen erwiderte' ..... -; ; .Verwünscht!? rief der Graf erbittert. .Ich verbiete Dir,. Gabriele, den Herrn Baron Papa-, zu nennen. Du haft keinen anderen Papa, als mich." - - : Doch,.Papa entgegnete Gabriele .eifrig, .er ist auch mein Papa, denn er hat uns sehr lieb und die Mama auch." Der Graf zuckte schmerzlich 'getroffen zusammen. In diesem Moment sagte eine wohllautende Stimme neben ihm: .Was ist Dir, mein Freund? Mir wurde bange, weil Du heute gar nicht
erwachen zu wollen scheinst, und dle Kln der brennen doch schon vor Ungeduld, Dir Neujahrswünsche - zu sagen Ja, ja, das kommt davon, wenn man die Sylvesternacht im Kreise flotter Jungge sellen durchschwärmt !" fügte die Gräfin scherzend hinzu. , ; Graf Dagobert fuhr aus. Gott Lob, er hatte nur geträumt ! Ja, jetzt fiel ihm Alles wieder ein. Er hatte mit etlichen anderenCavalicren, unter denen sich auch Baron von' C. be funden, den Sulvesterabend bei derdäm psenden Punschbowle in der gothischen Trmlfluve temes tkluvS gefeiert auch von der schönen Amerikanerin war dabei die Rede gewesen und sich dann, als er spät in der Nacht nach Hause kam, um Niemand zu stören, aus den bequemen Divan in seinem Toilettezimmer ausge streckt. ' .Welches Gluck, daß es nurernTraum war l" seufzte er aus tiefster Seele und drückte einen langen Kuß aus die Hand der Gräsin. ' .Was war das für em Traum V forschte sie. Er erzählte ihr die Vision, derenSchil. derung die Leser im Vorangehenden er halten haben. .Und siehst Du", fügte er hinzu, ich könnte den Gedanken, Dich als Weib ei neö Anderen zu wisten, nicht ertragen, er machte mich rasend " Die Gräsin erröthete und sah ihm lies in die Augen. Wosür dars man denn dies Geständ niß am Neujahrsmorgen nehmen, mein Herr? Für eine.... Laune oder.... als eine glückliche Vorbedeutung für die Zukunft? Sie sagte es mit schalkhaftem Lächeln, aber ihre Stimme zitterte vor innerer Bewegung. Statt aller Antwort schloß, der Gras die ihm gewisiermaßen neugeschenkte Gattin in inniger Umarmung an seine Brust. . DaS Concert. Ein Quartett ist immer schön. Weil man, kommt 's Andante d'ran,, Wenigstens doch schlafen kann; -, Aber der Violinist Ahnt wohl solche Hinterlist Und mit seinem Tremolo Kielt er die Nerven so. Da wir still zum Himmel flehn : Last' es doch zu Ende geh'n ! Da erscheint, daS Leid zu end'gen. Eine Diva, in den Händchen Ein Bouquet, groß wie ein Rad, Und in ausgewähltem Staat. Wa3 sie singt ist einerlei. Ob es Lied, ob's Arie sei, Ist sie nur hübsch anzusehen, ttal.ii man Alles übersteh'n. Anfangs halt sie das Bouquet Leicht, graziös und wundernelt. Aber ach es ist zu schwer. Und d'rum senkt sie's immer mehr,. Daß uns Angst im Herzen preßt: Wenn ste's nur nicht fallen läßt! . Endtich schnauft man frisch und srei. Denn die Nummer ist vorbei . ; Und'die Diva die man rief, . . Neigt sich ungeheuer tief. Nach so schwerer Brustbeklemmung ; Und des Blutumlaufes Hemmung, Eine Symphonie in Moll Sehr wohlthätig wirken soll. Anssngs int'resnrt's uns noch, Ist das Tonmerk klassisch doch, . Aber alsbald wird uns bang. Denn das Ding ist viel zu lang.' Aechte Musikkenner nur Lesen mit die Partitur, Aber wir kann's anders sein ? Nicken ganz allmählig ein. ' t. ' Doch im Paukenkessel kauert Das Verderben, und es lauert Bis wir eingeschlafen sind, . Dann erhebt es sich geschwind ; . Die Trompeten schmettern hell, ' Platzen möcht' daS Trommelfell Das Finale scheint zu nah'n. Doch da sängt's von vorne an ! Staumelnd fahren wir empor. Schmerz im Schädel, Schmerz im. Ohr, Und es treibt uns aus dem Haus, Doch Gottlob jetzt ist es aus. Jubelnd applaudirt die Menge, Selbst der Kritiker, der strenge, Ist vom Ganzen so entzückt, - . Daß er an die Wand uns drückt Und noch unter'm Ausgangsthor Uns ein .Bravo" brüllt in's Ohr; Und an Wem vorbei wir geh'n. Alles sagt : .'S war wunderschön l Daß wir glauben gar zuletzt Selbst es hätte uns ergötzt, Denn er will am End' allem Auch so ungebildet sein. Zu gesteh', daß eine Qual Ihm eö war? Das nächstemal Wieder in's Concert darurn Gcht dasselbe Publikum, Denn eS bleibt halt ein Genuß, Den man manchmal haben muß. Di e Hühneraugenopera teurin. Erst stach sie mir die Augen auS, Und kaum war dieses Werk vollendet. Da hat daS holde Kind, o Graus, Durch ihre Schönheit mich auch noch ge - blendet.
Volkbverstand' und Bolköspraöie.
Von Dr. Friedrich Stehler t. Der Verstand, das Organ des Den kenS. nimmt im geistigen Organismus die oberste Stelle ein. .. Durch ihn schützt der Mensch sein. Dasein gegen die über mächtigen Kräfte der" Natur, trotzten pvysijch ' ihm überlegenen. Thieren der Wlldniß seln Herrscherrecht ab, unter wirft sich die Elemente und beugt sich wie aehorsame Knechte seinem souveränen Willen. 'Von den winzigen Anfängen der Urzeit, bis. Zu ihrer gegenwärtigen Größe'entwickelte sich die . Kultur durch den Verstand, welcher den Menschen zum Herrn des Erdballs. machte.. Durch ihn behauptet aber auch eln Volk einem an deren gegenüber seine Obergewalt.' Nicht durch die rohe physische Kraft wird eine Nation zur Herrin der anderen, sondern drch die überlegene Jnlelligenz. Aus diesem geschichtlich e:wiesenen Umstand ergibt. sich die öerschiedenartige, Bega bung der einzelnen Nationen dem Grade nach, welche Thatsache ihre Parallele in der Verschiedenheit, der Begabung der Individuen ,. hat.' Die Behauptung b'eibt selbst wahr bei der Annahme, daß die Nationen. aller Rasten, die am tiefsten stehenden vielleicht ausgenommen, ur sprünglich in der Beanlogung ihres Denkorganismus gleich waren: es können lokale und klimatische Einflüsse aus' die Nation schon in ihrem embryonalen Zustande so.ungünstige gewesen sein.daß ste nur eine'gew'sse Stufe der Entwicke lung erreichen konnten und gebannt,wie in einen Zaubcrkreis, auf dieser für ewi g? Zeiten beharrten. Je geringer aber vie Entwickelung des VerstandeZvermögens, desto geringer die nationale Kul tur, desto größer aber jene dunkelen Re gungen des Gemüthes, welche sich dem regelrecht denkenden Verstände widerse tzen und ein ruhiges, harmonisches Ge stalten durch denselben nicht ermöglichen. Völker, welche diesen geistigen Zustand ausweisen, werden eine Beute der Verstandesvölker. welche zu einer höheren Kultur sich entwickelten und .denen bei Bekäwpfnng ihrer minder civilisirten Gegner eben diese höhere Kultur zum Siege verhilst. Es fragt sich nun, an welchen Merk malen wir erkennen, daß eine Nation höher begabt ist als eine andere. Fol gende beiden Gesichtspunkte sind hier mab'oebknd: 1. daß eine Nation entwickelungs und fortschrittssähig ist, daß sie sich aus sich selbst heraus proteusartig immer von Neuem zu gestalten vermag, nicht ur plötzlich in ihrer Entwickelung stehen bleibt und zu einem die Jahrhunderte überoauerndem nationalen Petrefakten wird: 2. daß eine Nation ersindungsfahig ist, daß sie auf dem Gebiete der reinen Wissenschaft Entdeckungen macht, die, praktisch verwerthet, ein Fortschreiten der Weltkultür bewirken (Dampskrast, Elektromagnetismus), daß sie auf: dem Gebiete des praktischen Lebens Neues, der Menschheit Nützliches schasst (Kompaß, Pulver, Papier, Buchdruckerkunst, Schnellpresse), dap sie serner aus philo sophisch religiösem Gebiete Maximen ersinnt, welche die Menschheit geistig he den, der Leistungen im Gebiete der Kunst nicht zu gedenken, welche nicht minoer als Kulturerrungenschasten anzusehen sind. Nur diejenigen Völker, welche die genannten Merkmale voll und ganz aufweisen, dürfen nach dem Baue chrcsVerstanocs als Die vollkommensten betrachtet werden. Em Volk kann, in der Aneig nung fremder Kulturerrungenfchaften eine gewisse Genialität entwickeln, noch hat es aber darum kein Recht, sich den Vertretern dieser Kultur gleichzustellen. Nach diesen Vorerörtcrungcn nun zum Gegenstand dieses Kapitels selbst ! Wie offenbart sich also der Volksverstand in der Sprache? Die glößere oder geringere Verstandes-Entwickelung einer Na tion offenbart sich . ' . I.' i n d e r S P r a ch f o r m, d. h. in der Sprache nach ihrem Bau (vor nehmlich Flexin, Syntax), wobei sich als Gesetz ergibl : Je entwickelter dasDenk vermögen einer , Natron, desto entWickel ter ist auch ihr Sprachbau;" : II i n d e m S p ra ch i n b a l t, dem Wortschatz der Sprache. Hier .lautet das Gesetz: Je größer. und manmgsal tiger der Wortschatz einer Sprache, desto entwickelter ist das Denkvermögen des Volkes, welches sie spricht." '. Das erste der hier ausgestellten Gesetze geht von der. Annahme aus, daß die ge sammten Sprachen des Erdballs .nicht nur stofflich, sondern auch, nach dem Grade ihrer Vollkommenheit sehr ver schieden sind. Man erkennt den Voll kommenheitsgrad einer Sprache aus dem Verhältniß, in welchem in derselben die Bedeutungs'Elemente zu den Bezu hungz. Elementen stehen. Danach hat man drei große Sprachengruppen aus gestellt, nämlich die isolirenden, die ag alutinirenden (an welche man gewöhn lich die polysynthe:ischen indianischen Sprachen anschließt) und die flektirendcn Sprachen. Die genannten drei Gruppen, unter sich verglichen, zeigen in der von uns ausgestellten Reihensolge. ein Fortschreiten von der unvollkommeneren zur vollkommeneren Form. In den isolirenden Sprachen stehen die beiden sprachbiidenden Elemente noch nebenein ander, beide noch wurzelhast, odne daß der Versuch einer harmonischen Verbin dung gemacht wäre. In den aggluiini renden Sprachen nähern sich beiöe Ele mente, suchen erne gegenseitige Verbin dung einzugehen, aber diese Verbindung ist eine nur mechanische. Eine chemische zeigen erst die flektirenden Sprachen,und dieseDurchd.'ingung der beiden Elemente hat in den Sprachen dieser Gruppe jene harmonischen Bildungen erzeugt, in de nen die menschliche Sprache überhaupt ihre höchste Erscheinungsform gefunden. Ein Entwicklungsmoment innerhalb der .flektirenden Sprachen ist das Auf saugen der Beziehungs durch die Be deutungselemente. wodurch die ersteren verschwinden und einen Ersatz durch Präpositionen und Pronomina nöthig machen. Dadurch wird eine synthetische Sprache eme analytische, die sich schem bar wieder der isolirenden Form nähert. Indeß wäre es unrichtig, eine aus einer synthetischen entwickelte analytischeSpra
ehe für minder vollkommen als die erstere zu halten. Gerade weil eine Sprache analytisch geworden ist. wird sie fähig, einer Menge Feinheiten des Gedankens zum Ausdruck zu dienen für welche sich eine synthetische minder eignen würde.
Betrachten'wir nun die Völker, welche sich der Sprache nach in die genannten Gruppen vertheilen. ES ergreut sich. daß zur dritten Gruppe die Sprachen derjenigen Nationen gehören, welche sich durch ihre am höchsten stehende Bildung als die geistig begabtesten, demVerstande nach am meisten entwickelten erweisen (Arier und Semiten), zu den beiden er sten Gruppen dagegen die Völker, an denen die Merkmale der höchstbegadten Nationen entweder, gar nicht oder nur unvollständig anzutreffen sind. Zu den letzteren gehören rn Europa und Asien vornehmlich die finnisch - mongolischen Stamme (die Nomaden Sibiriens, die Chinesen, die Tataren, die Finnen, die Esthen, die Osmannen, die Magyaren). 7 ivinvninh Prtn i fe.vifit.V..,. Ckl v.tiiviiw, l.up iu Vll UllU(llC UIC" er Nationen europäl che Cultur mit Erfolg aneigneten und darum wohl eine günstigere Beurtheilung verdienten, ist früher schon durch die Bemerkung ,urückgewiesen worden, daß bloße Emi je. i. v m:vr . m psangi'.cyleil uno iioiainicii eine Nation noch nicht als eine höchst begabte charakterisire. Man halte darum auch meiner Behauptung nicht die Ungarn entgegen, daraus hinweisend, wie diese vor etwa tausend Jahren als wildes Steppenvolk in die Donaunicderung kamenund durch Annahme westlündi scher Gesittung sich im Lause der Jahr Hunderte eine Stellung in der politischen Welt Europas errangen. Mit größerem Rechte durste durchnrnweis auf die Chinesen ein Einwand gegen meire Behauptung gemacht werden. Bekanntlich besitzt ja dieses der gelben Rasse angehorlge Volk eine eigene, wahrscheinlich selbflerzeugte Cultur. Den Kompaß, den Druck und das Pulver kannten die Chinesen früher als die Europäer. Sie sind tüchtig?, umsichtige Ackerbauer und wissen durch rationelle Bewirthschzstung dem ' übervölkerten Lande die nöthige Nahrung abzuringen. Gewandt crls Geschäftsleute, qezchlckt alS Arbeiler. machen sie dem weißen Mann in den Westgebieten der Ver. Staaten bedenkliche Concurrenz. Die Oberflache ihres Landes gibt Zeug.iiß von der hohen Kultur des Volkeö. Em Netz von Straßen und Knälen überzieht dasselbe; wodlgepflegte Reisfelder bedecke.: die Flächen. Ein geregelter Waldt.au verhütet das Planlose Niederhauen der Holzungen. Dabei regiert dieses Land ein vom Kaiser bis zum geringsten Mandarinen wohlgegliedertes Beamtenheer, und, damit kem Merkmal vorgeschrittener Civuna tion fehle, hat China auch eine reichhaltige wissenschaftliche und uvterhaltungsliteratur hervorgebracht. Mit dieier hohen Kultur bildet aber die chinesische Sprache einen auffallenden Kontrast. Beraegenwartiaen wir uns zunächst die Hauptcharakterzüze dieser Sprache. Es wird dann zu untersuchen sein, wie diese, trotz seiner hohen Kultur, dennoch ein Abbild der geistigen Bega bung der Chinesen ist. Das Chinesische gehört der Gruppe der isolirenden oder einsilbigen Sprachen zu. Wie daS Siamesische, von den ein silbigen Idiomen das am niedrigsten organisirte, macht es Gebrauch von der Betonung, um lautlich ganz gleiche, der Bedeutung nach aber verschiedene Wörter zu unterscheiden. Streng genommen kann man überhaupt nicht einmal von Wörtern im Chinesischen reden, denn seine Sprachentwickelung ist nicht bis zur Wortbildung, sondern nur bis zur Wur zelbildnng gelangt. Flcxion in unserem Sinne kennt das Chinesische nicht. ebensowenig dcn Unterschied zwischen Haupt- und Zeitwort. Beide müssen aus dem Sinn erkannt werden. Gewisse Wurzeln verwendet man zur Andeutung der Beziehungen. Außer dem Tone haben die Chinesen noch ein anderes, ziem lich mechanisches Mittel, um Woriverwcchelungen zu vermeiden. Die Wurzel t8cheu hat gegen fünfzig verschie denc Bedeutungen, die unter sich in gar keinem Zusammenhange stehen, z. B. Vogelaezwilscher, Wasserbecken, Antwort, Zank, Insel, Umschließen, ein mylhologischcs Pferd, Eselin, eine Weinart :c. Braucht nun der Chinese tsclieu in der Bedeutung Wasserbecken, so muß er daS Wort für Wasser hinzufügen, wie er in seiner Schrift dem Zeichen für tsclieu daS Zeichen für Wasser beizusetzen hat. Aus allem dem erkennen wir das U.igelenke des Chinesischen verglichen mit den formvollen Sprachen des indogermanischen Stamme?. Wie löst sich nun der sonderbare Wi dersprüch zwischen der chinesischen Kultur und dieser n:edrigentwic!elten Sprache, einer Sprache, deren Form vie'.ieicht den Idiomen jener vorhistorischen Natio nen eigen war, von deren noch sehr geringen Kultur die Funde in den Pfahldaustationen '. und Kjoelkenmocrdinger Kunde geben ? ' Die chinesische Gesittung blieb seit Jahrhunderten audem gleichen Stand-, punkte stehen und zeigte keine Fähigkeit zur Fortentwicklung. Da aber die Kul tur eines Volles sein Werk ist und es an ihm selbst liegt, wcnn dicselbe nicht fortschreitet, so schließen wir, daß dem Chinesen jene geistige Geschmeidigkeit und Entwickelungssähigkeit abgeht, welche wir als das Merkmal der höchstbegabtenNalionen erkannten, diesen einenFortschritt beinahe in's Uubearenzte ermöglicht, mindestens aber ein PetrisiurlN aus ein mal erreichter Stufe verhindert. Seit Jahrhunderten bannte also geistige Ungelenkheit den Chinesen in die enggezogenen Grenzen seiner einmal erreichten Gesittung. Bedais es noch weiterer Be weise seiner geistigen Beschränktheit, so bemerke ich, daß seine zahlreichen reli gions philosophischen Schriften jedes höheren Schwunges entbehren und sich kaum über den Standpunkt einer ziemlich hausbackenen Moral erheben. Ferner kannte der Chinese die Magnetnadel zwar früher als die Europäer, aber er verstand nicht, wie diese, ste zur Entdeckung neur Lül'der jenseits des Welt meerS und zur Begründung des WeltHandels, zu verwerthen. DaS Pulver war ihm scüher als den Nationen ur.se res ErdlheilS bekannt, aber erst feine
