Indiana Tribüne, Volume 6, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1883 — Page 4

Gegen ShSpep, sie, OerNopfthelt, bttlöseSKopfvh.

KmTV:M!TC7

OiJJXlArAAJr.A

chronische Xlax rhee, Gelbsucht. Unreinheit dcö OluteS, Lchüttel Hiher. -7?,rrk. aNedurchTtö. zr rg ex zever. ASrme und Nieren verursachte Leide. SyAptcme eine? erkrankte Leber. - Uettcr StZem ; Schmerz ta der Seite, uaell unter dea Schulterblatte und wlrd dann mit Rheuma ' tismuS verwechselt; allgemeine? Appetttverlust ; ae Shnltch Zerskorschetr, ,neilea abwechselnd mit OffeuleibizkeU: der Kops von Schmerzen beUstigt,. tretet kttröchlllcher Verlust Ui ErinnerungSvermö. aenS: zuweilen tut sck wacher, trockener Hüfte und tai Gesicht von Nöthe kder?Iogcn, was oft für Schwiniwcht g?ht?n wird-, der Patleat llagi Cd SHaMaleU und Guteiche; ist vervöS: alte oder bren eudei Gefühl in den ühea, zmvellen eine stechende (Jmrfntenng; die LetenSLeister ntederzeschlazcn, und trennglkich ma überjegi ist, daß LeibeSbeweznnz ?llfa wäre, so kann ma sich kaum dazu aufraffen, a, man mchtrant jedem Hettmittkt. Verschiedene der reizen Symptome begleite die Lrcmkhztt; aber e sind F!lle vorgekommen, ia denen nur wenige davo verhandelt icarni; doch hat die Untersuchung ach dem Tode eiae tetrachttiche Störung der Leber nach -fierrieseu. . SaS Mtttcl sollte von allen Bersone, Jung Alt, gebraucht werden, sobald stch elneS der obigen Sizmptome zeigt. Wer eus Meisen ist oder in ungesnnder Gegend ivsknt, isirb durch gclegeuttichej Eiuneh men e.nrr Zoii, um die Leber in gesunder Tbatta. keil zu 5.,. Malarie, aallige Ansälle, SEirre, Ubklleit, KikÖerzeschlcgenhett n. s. w. ab trennn. DaZ 7it!cl reite wie ein Gi&i Wein traf ii in a , w . l . w . ujrn, 1,1 anr n vr?au,cnenves irnanr. se gessen tnani Sowohl Seit wie Soktorrechnnngen werde r?l?aci, icnn na vcn v;egutntor et vorrüthrg tr z:t hs!t l en e-ck !vZel rocldcS Leiden f $ einslcCr, ! durchaus fu'vcr:?, abZbrenVeS. C5ft tocr&cfj ocd da -lgnüzen. ES ist rein vectabklls ud b.-.t t!egNze. hizjl undrlsam'cit venCasour;! cter Chinin e'e irzeud !e der schädlichen Stach. Vi:!u..zeil dcrjc.i. A?Snist von elntTt ?ouveru,ur. -C;u:ncu:t?rKe3i:Iü;cx"iit seit lnqerer Zeit sei mnntx Fzmilie tu 0e fcraucfi, und ich dtn uoer zeuit, di'p er eine Bereichen., dec Ssr.chsiiK'nPc! di::.t. I. Gtll Ohorter, ('.n?krner von AlZ.Hon. AleanVer Stspy?nA von (rgiä sazt: Der brauch d?., im.",cZ Li'cr Nezula tei i,l mir weht bcüisica iu.d ich nunsche ia weiter gsrüs?n. w2cA Cr!n',!r; dZ r.!:ntat3 L!de?u,?s brjr..t." fti tcCe iutiAilul f.ez?:i aipcpii.i, tctici;c n::c &luää.e ccauett, c; cr v e eiuei 9:Zu,,dknlzZ r.l: si? vcll tctvmmea ist w!ö m::.S irft9iv'salatjr. Ich hals ten Mii-.nkftka C'CTjia fcci-.34 gcu)i(J: ii'o iuii:e clnct ?,lu;f.i l'.'etiiii r'.ca n?ch u'e;;r schicken ; euch tici te ich cü.'a ührnch Lei.e.:?c!t aurctbkü eZ " rrit Urjea ffaiiel i.i t:vfu:.i, da 3 tei cmziz? ja scia speist, 5ai nin;aii Vind rung vers.t. J. SW. Iennev, CannC37itl3, Pwu. Ct. 5. NZcn fajt : Ck4 ltUe Crfarunj ia C:brau.-:'e von Siir.rnor.d Vbet Sicjulilct' in neiner xzx3 tii tlj von seiner tccntun3 tf;:i:tht u:i) L crertue ihn cli tu( 2lb;Jun'j5-,.,Jr;act. jf; o' Vizn. rci:'.:; nur teil eCiUu, der Jli'tJ die roihe Z özn7ietmcrks rnr lic ame?.Suntcrsrijt I. h. .:Ultt i Qo. slrf dem Umschlage fiiit. ) e i alle a Apothekern zu habe. 3 nicht. daS Leb'n geht schnell 8 vorüber. 66 per Woche, 'y 9 llr Luisttuug 45 OJ unent S fl fl 1 1 gkltltch. kein Risiko. Kapital -ich-S A'! nicht nothwendig. Wirkte sern Z!llrs. Diele machen ein LermSaen. Zrauen szn'ohl w-e Männer, Kna den und Härchen. "Statt wende sich an H. Haliett & Co.. 'lortland, Zttaine. piBlfeiEWCT hat sich stetZ als sicherstes ttnrmittel kür Nieren ttrankheiteu bewiese. Beweist Ihnen ein lahmer Rücken der schlechter Urin duft Sie der Krankheit ein Opser gefallen sind? Dann zögern Sie nicht: levraucyen sie Stieren raut (juumex wort) toiott ((tue Apotheker empfehlen esz uns &i wtxHn dieKranldettschneUuoermaitlaen um lIhrSystem wird wieder hergestellt werden. r - . -i:iX.r : -t r 1 . Note warnen: urokeyremeicu eiaentbümticSen Ärankbeiten, wie . B. schmerz und kcymache, stebt Nieren rau: ,litn?' Wort) aiS Heilmittel unübertroffen Geschlechtern welchenUnenthaltsamkeit, .ux. s rurrn tlvneu uns na)?r. et velven rückkaltuna des Urin s.zteaelählige oderzähe .ivkuyrung. nnv nangeneome zerrcnre Zcymerten schnell ver der heilenden rast ' r n . t f .1 a ia. ti-i cw r jicicr iHcor.iii. xrni. ei vvigriein lLUMiZ-MTKv EflISHAWAKA W ImM WM TUi3 tnachlno ia especially adapted to the nao et FAliHEia and STOCK FEEDERS. Iris capablo of shellin c and grinding twenty bnshela per tiour. witti foue to six liorae-Dower. nd caxi be nra by iratcr, etrarn or koree-pöwer. fh9 xrinöinz plitea are es rrystallized iron, and cost juwpur. fcr Circsiir grij tau aescr.p. ST. JOSEPH W'FG CO., WISHAWAKA, IND. THE HÜLL VAPOR COOK STOVE, TKS CLDEST A!CO ONLY RELIABLE, , is the only deice vk it kinti that has stood THE TEST OF YEARS, andesr.ieiuniTersal public couiiucnuation. Docs every lescTiption of Cookinsr, WasbInp, Ironing, Vc Fruit Ginning, ; orother doroestlc work herelofore dor.e bv fheordinary eook stove, andwithout its hisuffernbie licat, soot, asbs. er. FOR SUWfJER L'SETKEY AUE INDISPENSABLE. ß3 lU?lbble Agcnts wanteü ist unocciapied terrnorr. AJnress, HULL VAPOR STOVE CO., mJ Sencca Slreet, cor. Champlaia, Cleveland, Ohio. BLflHCHflRD CHURH Fire slzca rnade for Fanrily Dairie. FiTdBizes for Factory use. rerfoct stock and tho best -vrork. Streng, simple, efficient, conTenifntancldurabla. Tlicy continue to bo Ujr THE STANDARD CHURfi OF THE COUNTRY. TR Y OHEi Send for füll Descriptive Circulars to PORTER 1.LANCJIAFJVS SOXS, CONCORD, - N. H. xer Wache kann, wer fleißta u auft machen. D 5 b ste JSefdjü t. Kri al nicht nöthig. fl Mauner, naven, eauen un U WSdchen tö inen das eichSft Ji ausüb'n. Ste n nde:eS 3e fchäfk ke'ahlt so gut. Suöstattuna sre. ch.lell und ehrenhaft (Se d iu machin.- Man wende sich an Itue Ss $ Oa Sugusta, Name.

yCrf T-CS v&.A

,!lnaekK sJwer BervalieheS ae ,at, rder N.ichis ntt schlafe sann, ebme

tle -rciij L7.0 turZttchierunz vlrd eintreten.'

lernse? cn srkeuses iiwici rctic r'.e ssKCjt zeiraöt s-.l. Das Mittel iii nngesälnli, und beti'rÄtiattVcd?rdie Se!ckä,:stktiesit

il

GiöÄÄ? MWBy MMMs Gzz jiMWz rffejf', TfiKSwftS? ,. siLSV", 1 Ir K Vsl ßiW A ZWU M ft., : WK I i ' ? t w tIlJs-'vw; j '

I

I

It 'plil E y3n MSM.

i tmr

r?6)

rJiiötttntt Ürtöiine. Office : G2 Süd Dklavare Straße, Jrdianapoli, Ind.

rapotkin über dke russischen Gefängnisse. Während Fürst Krapotkin, anarchi scher Umtriebe in Frankreich angeklagt, vor dem Zuchtpolizeigericht in Lyon zu sechs MonatenGefängnißhast verurtheilt wurde, ist in der Januarnummer der Monatsschrift Tlie nineteenth Cen-turv-ein Aufsatz von ihm über den Zustand der westrussischen' Gefängnisse und die Behandlung ihrer Insassen erschienen. Es ist einer der vielen und seltsamen Widersprüche unserer . Zeit, daß derselbe Mann, der in Lyon sich als einen Todfeind der bestehenden Gesell sch'aftSordnung bekennt, auf der anderen Seite als der. Mitarbeiter einer höchst angesehenen, den englischen Regierungs Mitgliedern nahestehenden Zeitschrift erscheint, in einer Gesellschaft von Mitar heitern, zu welchen auch schon Gladstone gehörte. Wenn man Fürst Krapotkin's Aussatz über die Behandlung der politi schen Verbrecher in Rußland liest, begreift es sich, daß ein solcher Mann unter die nihilistischen Verschwörer ging; warum er aber auch der westeuropäischen Negierungsordnung einen Krieg erklärte, der vor der Anwendung von Dynamit nicht zurückschreckt, ist darum noch nicht motivirt. Krapotkin, der selber mehrere Jahre in russischen Gefängnissen zuge bracht hat, saßt die Anklage in Nußland in die Worte zusammen : Was dasselbe kennzeichnet, ist die unglaubliche Länge der Untersuchungshaft, die Massenan Häufung der Gefangenen in schmutzigen, engen Räumen, die sittliche Unzuläng lichkeit der Gesängnißbeamten, welche ihre Anbefohlenen um die paar Pfen nige, die der Staat für sie auswirft, zu betrügen suchen, der Mangel an Ve schäftigung und Allem, was zum sittlichen Wohl des Menschen beiträgt, die cynische Verachtung. allerMenschenwürde und das körperliche Verkommen der Ge fangenen." Krapotkin hat seinen Auf satz aus Anlaß der schönfärbenden Berichte neuerer Reisenden, z. B. des engIischen Missionars Landsell und des Amerikaners Kennau, welche beide die günstigsten Eindrücke von den russischen Gefangenenanstalten erhalten haben, veröffentlicht. Von Landsell's Urtheil haben wir seiner Zeit Notiz genommen ; es ist von Interesse und entspricht der Billigkeit, nach dem Spruch zu versah ren: Man muß sie hören Beide Landsell's Urtheilest nach Krapotkin'S Ansicht schon darum oberflächlich, weil derselbe mit mehr als postmäßiger Geschwindigkeit Rußland durchreiste. Kra Potkin macht auch darauf aufmerksam, daß fremde Besucher die Wahrheit nicht ersahren, man zeigt ihnen die Anstalt von der günstigsten Seite und die Gefangenen machen aus sehr triftigen Gründen auf Befragen die zufriedensten Aussagen über ihre Behandlung und Nahrung. In Petersburg besitzt die Regierung ein nach belgischem Muster eingerichtetes prachtvolles Gefängniß, aus dem ein Schaustück für Fremde gemacht wird. Den ganzen Tag wird dsrin gescheuert und geputzt, so daß es einen höchst sauberen und vortheilhasten Eindruck macht. Die Ventilation darin soll aber unerträglich fem, wie Krapotkin auZ Erfahrung weiß, auch soll das Gebäude das Doppelte von dem gekostet haben, was dasselbe in Belgien oder Deutschland gekostet haben würde. Krapotkin geht in seinem Aussatze da von aus, nachzuweisen, wie die liberale Justizgesetzgebung,welche1864 eingeführt wurde, in Wirklichkeit gehandhabt wird. , Nicht allein, daß die neuen Justizgesetze nur in 29 von 72 Provinzen zur Geltung gelangt find ; dieselben sind durch nach trägliche Aenderungen ihrer Wirkung zum großen Tbeil beraubt worden. Kra , votkin führt Beispiele an, wonach der Gouverneur einer Provinz einfach auf dem Wege der Verwaltungswillkür die neuerliche Verhaftung eines soeben vom Schwurgericht Freigesprochenen verfügt. well er mit seinem Urtheile mal einver standen ist. In vielen Fällen wird der Angeklagte dem öffentlichen Verfahren entzogen und im Geheimen abgeurtheilt. so die meisten politi chen Verdrecher oder religiösen Sektirer. Daß die Vera SassuUtsch vor.kln Schwurgericht kam, war eine Ausnayme uno icota iict ote Folge eines Comvetenzstreites zwischen der Polizeiprüsektur und dem Ministerium des Innern. Nachdem Krapotkin auf den gänzlichen Mangel , einer freien Berichterstattung über die Prozeßver Handlungen in der Presse hingewiesen, spricht er von der grausamen BeHandlung, welcher die politischen Verbrecher ausgesetzt sind. Seitdem der Nihilist RusZakow, als er zum Galgen geführt wurde, dem Volke seine Hände mit den deutlichen Spuren der Folter zeigte, werden die zum Tode Verurtheilten nicht mehr öffentlich hingerichtet. Krapotkin stellt die bestimmte Behauptung aus, daß ebenso wie der obige RusZakow auch der Nihilist Mikhailow gefoltert worden ist, und zwar Beide mit Anwendung von Electricität". Von den sibirischen GesängnisZen will der Versasser ein andermal erzählen, in dem gegenwartigenAuf satze beschränkt er sich hauptsächlich aus die sogenannten Centralgesängniffe des westlichen Rußland, in welchen die zur Zwangsarbeit in Sibirien Verurtheilten vorlausig bis zu ihrer Abführung in jenes Land gefangen' gehalten werden. Diese vorläusige Frist dauert oft meh rere Jzhre. Bei der großen Uebersüllung dieserGefängnissein den letztenJahren ist der Gesundheitszustand daselbst ein so schlechter, daß Viele schon dort sterben; den Ueberlebenden aber erscheint der Tag der Absührung nach Sibirien als - ein Tag des Glücks. Die Peitsche und andere grausame Strasmittel sind in oiesen .Gefangnlffen an der Tages ordnuna für die geringsten Vergehen. Krapotkin stützt sich, indem er Näheres über die Centralgefängniffe in Perm und Charkow berichtet, auf die glaubhaften Aussagen fluherer Gefangener daselbst In Charkow werden die politischen Ge fanaenen in Ketten in der Einzelhaft in feuchten, dunklen .Zellen, von 10 Fuß

Quadratraum gehältcn; häufig werden die Gefangenen wahnsinnig,, und im Sommer 1878 brachte die Unerträglich keit des Lebens daselbst mehrere Gesangene zum ! Entschluß, sich zu Tode zu hungern. Nachdem sie mehrere Tage nichts gegessen, ließ sie der Gouverneur vermittelst Injektion" gewaltsam süttern, was aber zu solchen Scenen führte, daß man vorzog, sie durch das Versprechen einer menschlicheren Behandlung zur freiwilligen Annahme deö Essens zu bewegen.? . ; Als den Gipselpunkt des GefangenenelendS schildert Krapotkin den Aufentholt der vom Czar zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigten politischen Ver breche? in den Kasematten der Peter Pauls-Festung zu St. Petersburg. Die Zellen find dort so dunkel, daß man 22 von 24 Stunden des Tages Licht brennen muß und die Wände find tropfnaß. Von drei solchermaßen Eingesperrten, deren Namen genannt werden, weiß Krapotkin zu erzählen, daß innerhalb Jahresfrist der eine schwindsüchtig, der zweite wahnsinnig, der dritte gelähmt worden ist. Eine Hauptklage Krapotkin's richtet sich gegen die Willkür der Verwaltungsbehörden. Eine Zuwiderhandlung ge gen die Paß- oder sonstigen Vorschriften genügt, um Jemand in die Untersu chungshaft zu bringen. Daherkommt es, daß nach Bericht' des russischen Justizministers von 1878 ca. 100,000 Per sonen als in Untcrsltchungshast besindlich aufgeführt wurden,, von welchen nur 37 Procent vor die Gerichte gestellt wer den konnten und von diesen wiederum nur der dritte Theil wirklich schuldig befunden wurde. Krapotkin, de: im Ganzen in einem sehr ruhigen, maßvollen Tone schreibt, sagt zum Schluß, es wäre Täuschung zu glauben, daß es unter dem bestehenden Regiment bester werden könne. Wiederholt hätten zwar RegierungscomMissionen die Mangelhaftigkeit der Ge sängnisse bestätigt, aber eine gründliche Besserung sei nie versucht worden. Was die Regierung noch mehr brauche als Geld, seien ehrliche und tüchtige Gesängnißbeamten. .Wohl giebt es deren, aber die Regierung kann und will sie nicht finden!" In diese? Beziehung sührt Krapotkin ein interessantes Bei spiel an. Der englische Reisende Land fell hatte besonders den russischen Oberst Kononowitsch als einen musterhasten Gesängnißdirektor in Kara gerühmt, der unermüdlich für die Besserung der Wohnung und Verpflegung der Gefangenen

besorgt sei. Dieses öffentliche Zeugniß genügte, um diesen Mann in den Augen der vorgesetzten Behörden unmöglich zu machen. Aus Mißtrauen wurde er entlassen und erhielt einen Nachfolger, der sich beeilte, den alten Zustand herbeizuführen. Darum schließt Krapotkin mit dem nihilistischen Bekenntniß : Unsere Gefängnisse spiegeln das ganze in Rußland herrschende Negierungssystem wie der; sie werden so lange bleiben, was und wie sie sind, his dieses System, so wie unser gesammtes Leben eine Erneuerung von Grund aus erfahren hat." Einiges Neue ttver das arabische Pferd. Ein Ehepaar, das stck auf die Reife nach Mesopotamien begiebt und mit allerlei Mühseligkeiten schlimmster Art wochenlang unverdrossen kämpft, nur um bei den Beduinen des ehemaligen Patriarchenlandes dieLuchtung des arablschen Pferdes kennen Zu lernen das ist uns Deutschen trotz aller neuerdings gepflegtenLiebe für den Sport doch wohl noch eine Curiositat. Das Ehepaar, von dem hier die Rede, stammt denn auch in der That aus der Heimath des Sports, aus England, und nennksich Lord und Lady Blunt. Sie haberr ihre Beobach tungen in einem gemeinschaftlich herausgegebenen Buche niedergelegt, dem so!gende kurze Mittheilungen entnommen sind. . . , .... . . Zerfällt das arabische Pferd in verschiedene Familien oder auch in mehrere Racen ? Diese Frage beschäftigte Herrn Blunt auf das Lebhafteste. Verschiedene englische Schriftstelle? nehmen an, daß in Nedsch, dem inneren Gelände der arabischen Halbinsel, eine besondereRace existire, und unser Naturforscher Brehm sagt, die vorzügllchstenPferde kamen aus jener Gegend. Beides ist nach Blunt unrichtig. Die in Nedsch gezüchteten Thiere find weder durch Schönheit ausgezeichnet, noch bilden sie eme eigene Race. Außer eine? kleinen zum Lasttragen verwendeten, plumpen Honnyart, welche von den Beduinen überhaupt nicht zum Pserdeg'eschlecht gerechnet wird, fanden unsere Berichterstatter bet allen Stämmen die nämliche Race mit den nämlichen Merkmalen und den, nämlichen Traditionen. Und so sehr sie auch forschten, überall erhielten sie 'd Antwort, daß die Gestüte von Nedsch durchAnasehPferde ergänzt zu werden pflegten, und daß diese,obmohl reinblütig, doch keineswegs besonders schätzenswerth ' seien. Und in der That eignet sich Nedsch ganz und gar nicht zur Pferdezucht, da es auf seinem, von Felse.i durchzogenen Hoch plateau in manchen Zeiten an WeidePlätzen fehlt und die Thiere mit Datteln und Kameelsmilch hingehalten werden müssen. Und wie es jetzt ist, so wird es auch früher gewesen sein. Herr Blunt erklärt daher, die wasserarme Halbinsel Arabiens sei nimmermehr das Stammland des Beduinenpferdes. Er bezeichnet uns Mesopotamien u&d die herrlichen Wiesenstriche am Euphrates, die ihn an die Pampas des Rio de laPlata, an das Paradies., der amerikanischen Cimaromers,. erinnerten, als die wahrscheinlicheUrheimath der arabischenRace. Dort könnten auch wilde Pferde ihren Lebensunterhalt finden, während sie in Nedsch ohne alle Frage verhungern müßten.. '.. ;. . . Das arabische Vollblutpferd, sagt Herr Blunt, mißt 14 15 Faust; seine Größe wird durch die Bodenbeschaffenheit seiner Hcimath und seine. Ernährung als Fohlen bedingt. . Seine Ähnlichkeit mit fernem Bastardvetter, dem englischen Renner, ist unverkennbar. Doch hat es sich gewisse Eigenthümlichkeiten bewahrt. Die Hauplunterschiede liegen im Kopf, der bei jeder Kreuzung etwas von seiner ursprüngliche Schönheit einbüßt. . So

besitzt z. B. jedes Pferd den schweren Kopf der spanischen Race, das, und sei es auch nu? zum sechszehnten Theil, einen Zusatz spanischen BluteS hat. Der Kopf des Arabers ist verhältnißmäßig größer, als der des englischen Pferdes. Die stark markirten Backen haben eine weit größere Tiefe . und der Raum zwifchen den beiden Backenknochen ist ungemein breit und gestattet der Luftröhre eine normale Entwickelung. Die Ohren sind schmal und schön geformt, aber meist sehr ku?z.' DäS Auge ist groß und mild, die Stirn vorstehend und das zierlich geschnittene Maul hat fast den Anschein, als sei es zusammengedrückt. : Am Charakteristischsten aber ist der Halsansatz, der leicht und frei erscheint, während die englischen Renner ihren Kopf halten, als beuge man sie durch den Reitzügel nieder. Die Schulter ist gut und der Widerrist hoch, obgleich das in Folge der größeren Höhe der Hüften nicht der Fall zu fein scheint. Ein Muster -von Kraft aber ist das Vorderbein, dessen Muskel außerordentlich weit hervortritt. Das Kreuz ist kürzer als bei den englischen Vollblutpferden und die Gruppe runder. Die Rippen sind normal angesetzt. Der Schweif ist hoch aufgesetzt, und die Äraber halten eS für ein Zeichen reiner Abstammung, wenn nicht nur das Fohlen, sondern auch das 'ausgewachsene Thier ihn beim Schritt, wie beim Galopp steif emporhält. Die Hüften, welche viel schmaler sind, als beim englischen Pferd, verrathen mehr Schnelligkeit als Kraft, der Bau derselben ist feiner, die Aktion freier und das Oberbein verhältnißmäßig lang. Die Sprunggelenke sind größer, zweckmäßiger geformt und weniger gerade, als die der englischen Racepferde. Die Sprungbeine am Hinterknie sind kürzer; besonders kräftig entwickelt sind die Beugeskhnen, daher stürzt ein arabisches Pserd selten oder nie. Die Knochen der Fesselgelenke sind sein, ja zuweilen zu fein, und die Fessel zuweiien so lang, daß sie schwach ist. Die Hufen sind rund und sehr hart. Als Rennpferd betrachtet hat es nur einen Fehler. Es ist zu klein. Bei einem Wettrennen von drei englischen Meilen, die festgesetzt zu werden pflegt,. kann der Araber sich nur gegen Pferde zweiten Ranqes behaupten. Bei einem Weg von fünf Meilen stellt sich die'Sache anders und bei einem Ritt von über zwanzig kann, nach der Ansicht unseres Be-

richterstatters, nur ein sehr auserwählter Renner" mit ihm wetteisern. Die ara bischen Pferde sind im Stande, weite Emstrnungen unter schwerer Last ohne Ermüdung ' zurückzulegen. Auch darf man ihnen, was die Dressur anbelangt, ungemein viel zumuthen. Auf der Reife kann man sie Tag für Tag als ReitPferd benutzen und sie nur mit Gras füt tern, und doch fallen sie nicht ad und sind stets nach dem längsten Tagemarsch noch zum Galoppiren bereit und verlieren'nie ihre Munterkeit. Reinblütige Pferde giebt es bei den Schammars und Anasehs zwar in Menge, aber schön gebaute sind selten. Herr Blunt sah auf der ganzen Reife nur einen einzigen Araber, der dem Jdealtypus der Race entsprach und dieses Prachtexemplar war ein Eigenthum des zu den Anaschbeduinen gehörenden Gomussastammes, der außerdem noch etwa 'höchstens zwanzig tadellose Pserde besitzt. Die Reisenden waren gerade zusälligerwcise in ihrem Lager, als es hieß, es nahe sich ein Feind. Die streitfahigen Männer machten sich alsbald kämpfbereit und so sah Herr Blunt sie, die lange Lanze in ihrer Hand, auf ihren Pferden den Angriff erwarten, der aber nicht stattfand. Er meint, in dem ganzen Trupp hark er Nicht fünfzig Exemplare gefunden, die er sein eigen hätte nennen mögen. Ein großer Nachtheil für die Pferde ist auch die stetig sich steigernde, die schädliche Inzucht . besördernde Abschließung der einzelnen. Stamme. Die Türken säen unablässig Zwietracht aus und verhindern dn freundschaftlichen Verkehr zwischen den Beduinenlagern, so daß nur noch selten ein Rossenaustausch stattfindet. Zudem reduzirt die unauf hörliche Fehde die Zahl der Pferde alljährlich vedeutend. Viele fallen und die lebend erbeuteten werden, oft mit starken Speerwunden, nach Aleppo gebracht und dort billig verkaust, damit nach einge treUnem Waffenstillstand der Eigenthümer fic nicht zurückfordern kann. Durch alle diese Mißstände sind die Stämme nicht mehr so wohlhabend wje eheoem, und so kann für ;200 Stuten nur ein einziger Hengst gehalten werden. Gar häufig ist das Verhältnis noch unvortheilhafler. Bei den zur Zucht ausgeWählten Pferden kommen Eigenschaften.' wl, Gröbe,.Korperschönheit, Schnemgke:t. Stärke u. f. w. mcht m Betracht, die Reinblütigkeit ist der einzige Punkt, au den die Araber Gewicht legen. . Die Reisenden sahen bei dem Aghedaatstamme 'einen Hengst, der &an den Beduinen in Folge feiner tadellosen Herkunft mit abgöttischer Verehrung behandeU ward und doch war er unansehnlich und. verkommen und nicht größer als ein Pony. Die Schnelligkeit ihrer Koste rühmen dir Araber gern; allein ein rechtes Mitteiv dieselbe zu prüsen, fehlt ihnen, da sie kewe Wettrennen haben und ihre Aufführungen oder Spiele ihnen nur Gelegenheit zur Entfaltung der Anmuth ihrer Thiere geben. Hunger, Durst, Kälte. Hitze und scharfe Winde müssen die Thiere ertragen. Freilich sind sie von Klein auf so erzogen, daß sie alle Unbilden des Wetters zu erduldea im Stande sind .und mit kargem Futter vorlieb nehmen. Andererseits hat die rauhe Erziebung einen hemmenden Einfluß aus ihr Wachsthum. DaS neugeborene Fohlen wird bald nach der .Geburt an einen Psahl in der Nähe des Zeltes angebunden, während die Mutter auf der Weide ist. , Das kleine Geschöpf wird dadurch früh zahm und gewöhnt sich ' von vorn herein an die Berührung der mit ihm spielenden Kinder. Sobald es angeht. laßt man es Kameelsmilch trinken, da mit es, wie die Beduinen sagen, die Ausdauer des Kameeles" erhält. Unter allen Umständen wird es schon nach dem Verlauf des ersten Monats entwöhnt. damit die Stute wieder voll benutzt wt? den kann. Krankheiten kommen unter den Pfer

den der Beduinen selten vor ; an LautiLlt.it. r. :i u n . . '' oy t . .

uiyuiiyuii iciucn lic ine. ver virtr sterben in Folge mangelhafter "Ernährung. da sie keinen Hafer bekommen und nur Kameelsmilch erhalten, wenn andereö Futter fehlt. Oft haben sie mehrere Tage hintereinander kern Wasser und stehen in den kältesten WinternSchten ohne Schutz draußen auf der Leeseite des Zeltes. Ihre ' Haarbekleidung wird dünn, lang und zerzaust, und sie ueder gekämmt, noch gebürstet werden, -bis das Frühjahr, anbricht, so sehen sie um diese Zeit hazerelend und verkommen aus. Im Sommer jedoch wird ihr Haar seidenweich und glänzend. Herr und Frau Blunt nahmen sechs arabische Stuten mit nach England und dieselben sühlten sich auf ihrem Gute äußerst wohl. ' (Rundfchau.) Sin Vesuch im Etaquartier Von Tokio. Miyanofhita, Japan, im Herbst '82. Jedes Volk der Erde. hat. wie . es scheint, aus einer gewissen Stufe der Entwickelung eine Bevölkerungsklasse in seiner Mitte aufzuweisen gehabt, welche der allgemeinen Verachtung versallen u. rechtlos betrachtet wurde. Mag eö sich dabei um heimathlose Flüchtlinge, wie die Zigeuner im Mittelalter in Ungarn, Deutschland und anderen europäischen Ländern, mag es sich um die unterjochten, ursprünglichen Einwohner und Besitzer des Landes, wie die Heloten im klassischen Griechenland oder die Paria in Indien, handeln, stets muß der schwächere Stamm diejenigen Arbeiten und Dienstleistungen übernehmen, die der stärkere selbst zu thun verschmäht, und stets wird aus ebendenselben aufgezwungenen Arbeiten und Verrichtungen für die Gehaßten ein neuer Vorwurf, eine neue Kette, ein neuer Grund dek Verabscheuung gemacht. So ist es auch bis vor Kurzem den Etas in Japan ergangen, einer BevölkerungSklasse oder, vielleicht richtiger gesagt, einem Volksstamm, von dessen Sitten, Lebensverhältnissen und Gebrauchen man nur wenig Sicheres weiß. Selbst über die Zahl derselben existiren nur Schätzungen und Vermuthungen. Während sie nämlich in früheren Zeiten als zu tief unter allen übrigen Menschen stehend angesehen wurden, um überhaupt . gezählt zu werden, hat man .sie nach der. Restauralion. des Mikado, die .ihnen, wie den japamschen Bauern,' die Befreiung und rechtliche Gleichstellung gebracht hat, nicht wehr besonders als Etas, sondern nur als Japaner gezählt.' Jedenfalls ist die von Mrs. Bird in ihrem kürzlich auch ins Deutsche übersetzten Buche: Unbeaten. Tracks in Japan", gemachte Angäbe, nach welcher drei Millionen Etas in Japan leben sollen,' in außerordentlicher Weise übertrieben. Mir wurde ihre Anzahl im ganzen Reiche von wohlunterrichteten japanischen Beamten schätzungsweise aus 080.000 angegeben, was der Wahrheit wohl ziemlich nahe kommen dürfte. Sie sollen nach der glaubhaftesten Version von koreanischen Kriegsgefangenen abstammen, die anfangs die Jagdfalken der Mikados füttern mußten, und denen nach und nach alle anderen, nach der buddhistischen Auffassung unreinen Arbeiten aufgebürdet wurden. Da seit der bürgerlichen Gleichstellung der Angehörigen dieses Stammes mit den übrigen Japanern erst 14 Jahre verflossen sind,' so ist eö nur zu erklärlich, daß das Vorurthcil des Volkes sich noch immer sehr stark gegen dieselben äußert. Selbst in der Landeshauptstadt werden sie dadurch gezwungen, bis auf den HeutigenTag ausschließlich in dem von ihnen seit zweiJahrhunderttn bewohntenStadttheil zu leben, welcher in derNähe vonVo shiwara, demSitz der unverschleierten und unverhüllten Demimonde von Tokio, gelegen ist und Ehincho genannt wird. Um die Etats und ihre heutigen LebensVerhältnisse au3 eigener Anschauung kennen zu lernen, - beschloß ich, dorthin eine kleine Erforschungsexpedition zu unternehmen. Herr Missaw,' ein junge?, intelligenter.Japaner, der aus der deutschen Gesandtschaft beschäftigt ist und recht gut Deutsch spricht, hatte ver sprachen, mich zu begleiten und mir als Dolmetscher zu dienen. Doch als ich ihn an einem . heißen Julinachmittage dieses Jahres nach Schluß, der Amtsstunden aus der Gesandtschaft in Tokio abholen wollte, ergab sich eine uverwartete Schwierigkeit. Meine beiden Renner", d. h. die Kulis, welche die Jmrikischa ) zogen, wurden plötzlich scheu, als sie hörten, daß Ehincho" der Wohnsitz der verachteten Etarace, unser Ziel sein sollte. Erst durch die Vermittlung Herrn Missawa'S und durch ein daS übliche überschreitenden Preisangebor gelang eö, zwei andere Mannskraft'Wagen" zu miethen, die von weniger vorurtheilsvollen KuliS gezogen wurden. Tokio ist nicht nur eine volkreiche, es ist auch eine nach europäischen Begriffen ungewöhnlich ausgedehnte Stadt, die Gärten, Felder, Parks und sogar einen kleinen See in ihrer Mitte einschließt. Da das Etaviertel in.einer de? entfernteren Vorstädte liegt, so stand uns daher eine weite Fahrt bevor. Anfang? ging dieselbe für eine Strecke von mehreren Kilometern an langen, kasernenähnlichen Holzgebäuden mit großen Portalen und an mächtigen Steinwällen vorüber, die von den hohen Stämmen der "inaclzu" der prächtigen japanischen Fichte, überragt wurden. Wir . kamen dabei durch mehrere festungsähnliche, aus colossalen Blöcken erbaute Thore und über breite Wassergraben, in denen gerade jetzt die weiße Lotusblüthe, das heilige Symbol der Buddhisten zwischen grünen. Riesenblättern hervorschaut. Dieses Gemisch von Gärten, Festungswällen und stillen Wasserspiegeln ist gerade das Centrum der japanischen Hauptstadt, die Stelle, an der sich bis zur großen Feuersbrunst ) In Japan giebt e bekanntlich ser roemge, von Pserd. n ge, gene Wagen. Als eforberung'mitte in den S üdlen lomol, ie auf den Landstraßen dient don, ud zAr neueidin fast aui chließich, die Jinr trscha lfpr D'chinrtkscha), derMannttraft iLagen, eine Ärt Lehnftuhl, der au , wer-hohen schmalen Ridern ruht U"d, mi der Slame befugt, von Menschen fortbewegt wir ."In Tokio all-m aiebt ei geen 20,(00 solcher 55 bikel. die, rote uvset Droschken, -n den -traßenecken hallen und von den uliS, die Ku'scher. Besitzer ur dugtziee in einer Peison darstellen, den ,u u gehenden Fremden mit lautem Sesrei angebot? zu werden x sie gen.

von 1872 daS historische Schloß des

ShogunS erhob, ler herrschte, von Hunderten von- DaimioS und vielen Tausenden, von' SamuraiS umgeben, ' der . Barbaren zermalmende große General" (Sei-! Tai Shogun), den die europäischen Diplomaten undGeschichtsschreibe? so lange sür den weltlichen Kaiser von Japan gehalten haben, de? jedoch niemals mehr war als ein Usurpator, ein mächtiger MajordomuS, wenn man will, dem das LoyalitStsgefühl des japanischen Volkes verbot, wie dem'Ka rolinger im alten Frankenreiche, den entscheidenden Gewaltstreich i'i wagen. Seine Gärten und Anlagen bilden jetzt den Garten des Mikado, den Fukiage", der an gewissen Tagen dem Publikum g.Sffnet lst, und die Yashiki". die alten Daimioschlösser, jene unansehnlichen, langen Holzgebäude, an denen wir vor-' übergefahren, find heute meist in Kasernen und Magazine verwandelt Der Anblick diese? ce'ntralen Theiles von Tokio, der bis zur Restauration des Mikado die Hauptburg des Feudalismus in Japan war, ist eine gute Vordere!tung für den Besuch des EtaquartierS, eines der letzten Reste 1eSselben. Doch bevor wir unser Ziel erreichen, müssen wir noch den verkehrsreichen und mit Tempeln angefüllten StadttheilAszkufa, der daS Palais Royal und den Wurstelprater der japanischen Hauptstadt gleichzeitig darstellt, seiner ganzen Länge nach durchführen und haben Gelegenheit, ein Volksleben zu beobachten, wie es fremdartiger, bunter und mannigfaltiger gar nicht gedacht werden kann. Endlich nach einer Fahrt von sechs bis sieben Kilometern haben wir den fchmalen Graben erreicht, der Asakusa von Ehincho trennt, und über den hier eine kleine Holzbrücke sührt. ' Im Laufschritt geht es über dieselbe hinüber, und wir befinden uns im Etaquartier. Dasselbe unterscheidet sich äußerlich in nichts von anderen abgelegeneren Theilen der japaNischen Hauptstadt ; hier wie dort trifft man dieselben engen Strafen, dieselben grauen, unansehnlichen Holzhäuser, dieselben zahlreichen, in die übliche japanische Tracht gekleideten Passanten an. Wenn mir ewaS in Ehincho auffällt, so ist es der Umstand, daß hier weniger dem Kleinhandel gewidmete Läden und wem ger Theehäuser zu finden find, als in den übrigen Straßen Tokios. Dafür find die Werkstätten um so zahlreicher vor banden, und.namcntllch ist e:t edle Zunft des Hans Sachs, sonst überall so verachtet in Japan, deren Handwerk hier eifrig betrieben wird. Die Ankunft unserer beiden Zwei spänner" hatte natürlich ein nicht geringes Aufsehen erregt ; wir waren daher bald von einer Menge von Kindern und Erwachsenen umringt, die uns mit unbeschreiblicher Neugierde anstarrten . und mir dadurch unbewußt Gelegenheit gaben, auch die Physiognomien der Race etwas näher zu studiren. Im Allgemei nen fand ich, daß die Etas den übrigen Landesangehörigen mehr, als ich erwar tet hatte, gleichen. Wenn fie sich dennoch ein wenig von jenen unterscheiden, so ist es nur zu ihrem Vortheil; denn solche Knopflöcheraugen" oder schräg zu einander gestellteSehorgane, wie man sie nicht selten bei den echten Japanern findet, habe ich hier . nur vergebens ge-sucht.,-Ganz auffallend ist dagegen dieFrische und Anmuth der jungen Mädchen dieses Stammes, eine Bemerkung, die schon vor langer Jeit von den einheimischen Novellisten gemacht wurde, wie die traurige, von Mitford in seinen l'ales of 01d Japan" mitgetheilte LiebeSgefchichte : Das Etamädchen und der Hatarnoto (Adelige)" beweist. Und wie die Frauen, so fand ich such die Kinder, Knaben und Mädchen in diesem Stadttheile frischer und gesunder aussehend, als die Jugend in anderen Straßen und Platzen von Tokio. In Chinchn befindet fich auch das Wohnhaus des ehemaligen Häuptlings der. Etas,. der bis 1L63 den ganzen Stamm nahezu unabhängig regierte und von seinen Unterthanen mit denselben Ehren, wie ein Daimio behandelt wurde. Sein Name ist Dan Naoki daS letzte Wort ist der Vorname, der bei den Japanefen nachgestellt wird , doch ist er besser unter .seinem früheren Herrscher namen Danzayemon bekannt. Die Vor fahren dieses Mannes find ursprünglich nicht dem Etastamme entsprossen; er kann vielmehr seinen Stammbaum vä terlicherseitS bis aus Minamoto no Joritomo, den beruhmtenHelden und ersten Begründer des ShogunotS, zurückführen. Während nämlich Porltomo (in der zweiten Hälfte. . des . zwölften JahrhundertS 'unserer Zeitrechnung) in der Verbannung unter den Lan'zteuten. der Halbinsel Jdzu lebte, hatte , er fich die Liebe eines hübschenBauernu?ädchenS ge wonnen, die er Japane? sollen in diese? Beziehung zuweilen vergeßlich sein sammt seinem Sprößling vergaß, als ihn später seine Heldenlausbahn zum Großfeldherrn und faktischen Beherrscher des japanischen Reiches gemacht hatte. Nach seinem Tode folgte ihm einer seiner legitimen Söhne als Shogun, der Bauernjunge aber wuchs mit seinen Stan desgenossen in Jdzu auf und wurde cin tüchtiger Landwirt!'?. Lange Zeit dar aus, nachdem des Haus Joritomos nach drei Generationen erloschen war, kam es nun einst am Hoft des Daimio Hojo, des damaligen Machthabers, zur Sprache, daß noch ein direkter Nachkomme des berühmten Shogun - in Armuth- und Niedrigkeit lebe.' Hojo ließ denselben, einen Urenkel jenes Sohnes der Liebe, zu fich bescheiden und theilte ihm dann mit, baß er ihn zum Samurai machen wolle. Zum Erstaunen des Daimio wies der Bauer diese Gnade jedoch zurück, indem cr erklärte, wenn man ihm nicht gestatten wolle, wie bisher als Bauer weiter zu leben, so wünsche er fich, ein Herr über Leute, mögen diese auch noch so niedrig sein, nicht aber der Vasall und Diener eines Mächtigen zu werden. Wie man ficht, steckle in dem Abkömmling Jorito mo's ein gutes Stück von der -rolzenGe-sinnung Cäsars, der auch lieber der erste Mann im ärmlichsten Alpendorfe, als der zweite in Rom sein wollte. Der erzürnte Hojo soll ihn aus diese Antwort hin zum Richter und Herrscher' der 'ver achteten Etas ernannt haben.' Soweit die Sage ;' Thatsache ist, daß bereits

1657. als bei einer großen FeuerSbrunst in ZZeddo Tausende von Menschen umgekommen waren, ein Danzayemon jenen Herrscherposten bekleidete und sür daö Begraben der VerbranntenSorge tragen mußte, was ein noch heute vorhandener Regierungserlaß bezeugt. Der Danzayemon hatte volle und ausschließliche Gerichtsbarkeit über seine Unterthanen, die, da ihre Dienste über all gebraucht wurden, . ziemlich gleichmäßig übe? daö ganze Reich vertheil! lebten und in abgesonderten Dörsern wohnten. Sogar Todeöurtheile durste er fällen; wenn ein Eta fich irgendwo ein Verbrechen zu Schulden kommen ließ, so wurde er von de? Polizei arretirt und an ihn. zur Aburtheilung auögeliefert. Die unter ihm stehenden Vorsteher der einzelnen .Dorfgemeinden wurden Koyagashira, Häupter der Hütten" genannt. Dieses sonderbare Herrscher thum war übrigen!, durchaus keine Anomalie im alten, feudalen Japan. Nicht blos die ElaS, sondern auch die Bettler, die Blinden, die Eremiten hatten ihre besonderen Klastenverdänd: die sich zum Theil, bis heute erhalten haben und ihre besonderen Regenten. Ja. diese Einrichtung wird im berühmten Gesetzbuche, welches der Thogun Jyeyasu, in der Form einer an seinen Sohn gerichteten Denkschrift, herausgab, sogar be sonders anerkannt, . indem eö dort im 3. Gesetze heißt : Alles wandernde Volk, die Zauberer, Wahrsagerinnen, Eremiten, Blinden, Bettler und Etaö, haben von Alters her ihre besonderen Herrscher gehabt. Zögere aber nicht, alle Die jenigen zu bestrafen, welche Anlaß zu Unruhen geben oder sonst die Grenzen ihrer eigenen Klzssen überschreiten und den bestehender. Gesetzen ungehorsam sind." Natürlich suchte ich bei meinem Besuche in Chincho auch das Wohnhz des letzten, depossedirteu Etaherrschers aus, der mir als ein intelligenter Mann von etwa 50 .Jahren geschildert worden war. Dasselbe besteht aus mehreren, ziemlich umfangreichen Gebäulichkeiten, die von der Straße durch einen Vorgarten ge trennt sind. Rechts vom Eingang bcfindet sich ein Comptoir; denn ich muß es nur gestehen derAbkömmling der Shogune und des Cäsar der Parias von Japan, ist heute Schuhfabrikant en gros und Armeelieferant geworden und beschäftigt in seiner Werkstätte mehr als fünfzig Gesellen. Sie transit gloria rnundi ! Doch scheint er im Wohlstand gewonnen m haben, was er an Würden einbüßte.; denn hinter dem Vorgebäude,

in welchem sich das erwähnte, naturlich ganz japanisch eingerichtete Comptoir, die geräumige Werkstatt und oie Küche befindet, zieht fich ein - großer, wohlge pflegte? Garten mit künslltchem Teich, wunderlich gekrümmten Bäumen und niedlichen Miniaturtempelchen hin. Hier erhebt fich das eigentliche, freistehende Wohnhaus. Leider traf ich den HauSHerrn selbst nicht zuHause an, dafür aber fand sich ein altes Faktotum, ein Eta, Z)ofhidaPataro vor, der, nachdem er vor erst nach zapanisch.rBegrüßungZweise ein paar Mal auf die Hände gefallen war, unter fortwährendem auf die Knie klat schen und li6-, lie ausrufen bereitwillig AlleS beantwortete, was ich durch meinen Dolmetscherfragen ließ. Nach seinen Angaben sind im Chincho etwa 400 Häuser mit 2000 Einwohnern vorhanden die größtenthcils das Schuhmacher- und Gerbergewerbe betreiben. Denn die neue Aera hat denselben nicht nur Befreiung, sie hat ihnen auch Verdienst und verhältnißmäßigen Wohlstand gebracht, indem durch Einführung derLeder-Fuß bekleidung bei Militär und Beamten eine ungewöhnlich starke Nachfrage räch einem Produkt entstanden ist, für welches die Etas in Folge des Widerwillens der übrigen Japaner gegen die Berührung ton Leder noch heute eine Art Monopol besitzen. In einem Lande wie Japan, dessen Bewohner ihre Fußbekleidung die hölzernen, ftelzenartlgen GemS" fast ausschließlich beim Tischler machen lassen, konnte natürlich in früheren Zeiten die Schuhmacherei auch nicht viel einbringen; die .Hauptbeschäftigung der Männer war daher damals die Ansertigung von Trommeln, Lederriemen und dergleichen. Außerdem lag ihnen das Abziehen und Vergraben gefallener Thiere und Beerdigung aller Hingerichteten, Verunglückten oder am öffentlichen Wege Verstorbenen ob, wofür lhnen Al ltö, was die 'Todten an sich trugen, zufiel. Bei Hinrichtungen hatten fieser ner gewisse als unehrlich" betrachtete Dienfileistungen da Kopfadfchlagen galt für ehrenhaft ! , wie das Binden der armen Sünder und beim Kreuzigen das Durchstechen der ans Kreuz Gefef selten mit Speeren zu vollziehen. Im alten Japan wurden nämlich die zu der letzteren Strafe Verurtheilten nicht mit Nägeln ans Kreuz befestigt, sondern da ran nur angebunden und dann durch Lanzenstiche getödtet. Der redselige Alte erzählte ferner, in welcher entwürdigenden Weise seine Stammesgenossei: früher behandelt wor den seien. Mit Anderen zusammc.'. zu essen, trinken, oder an demselben Feuer zu kochen, war ihnen verboten ; sie burften kein Haus, keinen Tempel betreten, sogr ein Trunk Wasser wurde ihnen, wenn sie darum baten, versagt. Selbst der biiiin", der Bettler, sah mit Stolz aus sie herab, und ihre Töchter, die mit dem dreisaitigen Shamisen. der japanischen Guitarre, als Balladensängerinnen das Land zu durchziehen pflegten,' mußten besondere Hüte tragen, damit nicht etwa, durch ihreSchönhett verführ:, ein stolzer Hatomoto oder Samurari eine Verbindung eingehen möchte, die feiner Standesehre so sehr zuwider war, und die ihn im Fall: der Entdeckung unfehlbar zum Harikiri genöthigt ha ben würde. Auch heute noch ist das Vorurtheil der doch sonst in Bezug auf Frauen so vorurtheilslofen Japaner fo stark, daß Verbindungen derselben mit den schönen Töchtern des Stammes fast nie vorkommen sollen. .. .Friedrich Kling ner. ' Die N. Y. Sun" ha t folgende Anzeige : Gesucht ein Lausjunge ; nur ein lebendiger onlyalive boy braucht fich zu melden. ' ,

' r