Indiana Tribüne, Volume 6, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1883 — Page 3
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Ein Kkas Kkühwein. ErzZhlunz von Ludwig Habicht. Gutsbesitzer HartmannSdorf war nach der Hauptstadt gekommen, um einen be deutenden Betrag Aktien in baareS Geld umzusetzen, dessen er am nächsten Tage zur Anzahlung auf sein erkauftes Ritter, gut bedürfte. AlZ er eben bei seinem Banker eintreten wollte, sie! sein Blick aus einen Mann, der vor dem Fenster des zur ebenen Erde befindlichen Geschäftslokales stand und mit unruhig funkelnden Augen die dort zur, Schau ausgelegten Werthpapiere und Gold münzen betrachtete. So vielhartmannS darf flüchtig beobachten konnte, war der Mann nicht mehr jung, sein großer Voll dart war schon etwas ergraut und seine Kleidung verrieth, daß seine Glücksumstände nicht die besten sein konnten. .Ein armer Schlucker dachte Hart raannSdorf, .der sich hier an dem An blick des Geldes ergötzt, oder den eS schmerzt, daß ihn eine starke Spiegel scheide von diesen Schätzen trennt, und der vielleicht darüber brütet, ob er die selbe nicht einschlagen soll." Das Geschäft dauerte weit länger, ehe cs abgewickelt roar, als der Gutsbesitzer erwartet hatte, denn die Kursberechnung der verschiedenen Aktien konnte nicht so rasch erfolgen und auch die Aufzahlung und Nachrechnung des Geldes nahm viel Zeit in Anspruch. Den größten Theil der Summe ließ sich Hartmannsdors in Banknoten auszahlen und er baz nur um einige Tausend Mark in Gold, über die er zur Fortführung des eigenen Haus halteö verfügen wollte. Als er das Lo kal verließ, brannten draußen schon die Gasflammen, und seltsam . genug, vor dem großen Schausenfler des Bankiers stand noch immer derselbe schlechtgeklei dete, graubärtige Mann und starrte unverwandt cuf die dort so verlockend aus gestellten Münzsoiten und Werthpa Piere. War es nur ein Müßiggänger ? Oder verband der Mensch mit seinem hartnäckigen Verbleiben einen schlechten Znicck? Hartmannsdorf hatte nicht Zeit, dar über weiter nachzugrübeln, da er eilen mußte, um noch zur rechten Zeit zur kö ninlichen Oper zu kommen, in welcher er einen berühmten gastirendenSänger hö ren wollte. Vorher begab er sich jedoch noch in sein nahes Hotel, schlcß das ein gewechselte Geld in seine Kassette und übergab dieie dem Hotelwirlh selbst zur Ausbewahrung. Ais er, von der genußreichen Vorstellung zurückgekehrt, eben in sein Hotel treten wollte, glaubte er wieder diese! den unruhigen, stechenden Augen zu be merken, die so lange auf die ausgelegten Schatze des Bankiers gestarrt hatten. Nein, er täuschte sich nicht, das war die
selbe lange, magere Gestalt, die hier ebenso unbeweglich verharrte, nur daß der graubärtlge Mann jetzt auf das Portal blickte, als wolle er Jeden mu stern, der aus dem Hotel ein und aus ging. Was wollte der Müßiggänger ? Lun gerte er nur hier herum, in der Absicht einen arglosen Reisenden zu bcstehlen ? Hartmannsdors hatte nicht Zeit, im Hotel nach dem Menschen da draußen sich zu erkundigen und auf sein Treiben aufmerksam zu machen; aber er beschloß, bei der Abfahrt gegen den Strolch auf der Hut zu sein. Die Reise fachen waren schnell herbei gebracht, und seine Jeanette fest in der Hand haltend, bestieg der Gutöbcsttzer die herbeigerufene Droschke. Von dem langbärligen Strolche war jetzt nichts zu bemerken: er mußte eidlich auch hier seinen Aeobach tungsposten aufgegeben haben. Hartmannsdors hatte Alles so rasch betrieben, daß er noch zehn Minuten vor dem Abgange des Exvreßzuges auf dem Bahnhofe ankam. Er löste ein Billet erster Klass?, und dem Schaffner ein Dreimarkstück reichend, sagte er : Bitte, bringen Sie mir bei der nächsten Sta tion ein Glas Glühwein und behalten Sie den Nest ; aber sorgen Sie wo mög Iich dalür, daß Niemand weiter in mein Coupe hinein kommt." Der erfreute Schaffner versprach das Glas Glühwein pünktlich zu besorgen, und auch den zweiten Wunsch zu ersül len, soweit es der vorhandene Raum irgend zuließ. Kaum aber hatte der Schaffner sich entfernt und die Coupe thüre geschlossen, da riß sie ein junger Mensch wieder auf und wollte herein dringen. .Mein Herr, daZ Coupe ist Besetzt, wollte ihn Hartmannsdors abwehren; aber der Reisende ließ sich nicht sogleich abweisen, sondern entgegnete spitz : Ich sehe nur einen einzigen Passagier, und wenn Sie mir nicht nachweisen können, daß Sie das Coupe gan; allein bezahlt baben, dann werden Sie mir schon ge statten müssen, daß ich hierPlatz nehme Wenden Sie sich doch an den Schaff. ner, es gibt ja noch in den anderen Wa gen Platz genug", mit diesen Worten suchte der Gutsbesitzer noch immer sein Coupe zu vertbeidigen, doch dieser Aersuch wurde noch energischer abgewiesen. .Ich brauche Ihre Rathschläge nicht, und wenn Sie sich noch länger erlauben, mir den Eingang zu wehren, werde ich ihn mir zu erzwingen wisien und mich schlimmsten Falls an den Betriebsdirek tor wenden." Die Entgegnung wurde so heftig und drohend hervorgestoßen und der Fremde zeigte in seinem ganzen Wesen so viel Ungeschliffenheit, daß Hartmannsdors seinen weiteren Widerstand aufgab und sich mißmuthig in einen Winkel des Coupe's zurückzog, ohne den Eindring ling eines Blickes zu würdigen, obwohl er ihn heimlich beobachtete. Der junge Bursche gefiel ihm gar nicht, er hatte weder in seiner äußeren Erscheinung, noch in seinem ganzen Wesen etwas Vorneh me, und der Gutsbesitzer begriff nicht, wie dieser freche, rothhaarige Mensch, der eher einem heruntergekommenen Hand lungscommis als einem Gentleman ähn lich sah, sich in ein Coupe erster Klasse verirrt hatte. Gewiß war es die Eitel keit giwesen, die den unreifen Burschen verlockt, für seine Reise einen sol h' be vorzugten theuren Platz zu wählen. Der unverschämte Patron schien mit seinem erfochtenen Siege fehr zufrieden; er blickte bald triumphirend auf Hart mannLdorf, bald wieder zum Fenster
hinaus. Die Signalglocke hatte schon
zum zweiten Male geläutet, da mußte der junge Mensch plötzlich einen Bekannten entdeckt haben, denn lebhast mit den Händen Zeichen gebend, schrie er sehr laut hinaus : hierher, lieber Baron, hier ist noch Platz !" und im nächsten Augenblick wurde die Thüre wieder aus gerissen und ein dritter Reisender stürzte herein. . Hartmannsdors wollte seinen . Augen nicht trauen der neue Ankömmling war der graubärtige Mann, den er schon vor dem Fenster des Bankiers und dann vor dem Hotesbemerkt hatte. War das ein bloßer Zusall? Oder verbarg sich da hinter eine schlimme Absicht ? War daS plötzliche Eindringen der Beiden ein ab gckarteteS Spiel und war das Ganze auf einen Raubanfall berechnet ? Der Gutsbesitzer mußte jedoch im nächsten Augenblicke übzr seine erregte Phantasie selbst lächeln. . Der alte Herr, den der Rothhaarige mit Herr Baron" angeredet, sah jetzt gar nicht so reducirt auS, als eSihm 'vor dem Fenster des Bankers in der Dämmerung vorgekom men war. . Nach seiner Kleidung sowohl wie nach seiner ganzen Haltung gehörte er zweifellos den besseren Ständen an, die vornehme Zurückhaltung, mit der er den jungen Burschen behandelte, bewies, daß er sich seinem Mitreisenden überlegen sühlte. Als sich der Zuq in Bewegung setzte, erschien der Schaffner noch einmal, um von den beiden hinzugekommenen Passa gieren die Billets abzufordern. .Ich konnte es leider nicht hindern," flüsterte er Hartmannsdorf zu, und dieser ent gegnete : Dann kalten Sie wenigstens mit dem. Anderen Wort." Ganz gewiß." versicherte der Schaffner und er verschwand wieder vom Fenster. Bald war die Lokomotive aus dem Schienengemirr des Bahnhofes hinaus gekommen und nun dampfte sie mit jrner Schnelligkeit vorwärts, wie sie eben nur ein Expreßzug entwickeln darf. Der junge Bursche mußte seinemReise begleite? erzählt haben, auf welche Weise er sich seinen Platz erobert, denn der alte Herr hatte mehrmals mißbilligend mit dem Kopfe geschüttelt und plötzlich wandteer sich an Hartmannsdors mit den höflichen Worten : Verzeihen Sie, mein Herr, daß mein junger Freund hier fast gewaltsam eingedrungen ist; aber wenn Sie unsere Gesellschaft im Minde sten belästigt, dann werden wir auf dem nächsten Anhaltepunkt ein anderesCoupe aussuchen Diese artige Entschuldigung, die den Mann von Welt verrieth, nahm Hart mannsdorf vollends für den alten Herrn ein und er entgegnete verbindlich : Sie sind sehr liebenswürdig, ich gestehe Jh nen offen, daß ich eigentlich versuchen wollte, ob ich ein wenia schlafen könnte ; aber ich ziehe jctzt eine Unterhaltung mit Ihnen vor." Legen Sie sich keinen Zwang auf, mein Herr, mein junger Freund, Regie rungsr?ferendar v. Drecher, wird neben mir Platz nehmen und dann haben Sie Ihre Bank völlig zur Verfügung." Der alte Herr gab dabei schon seinem Reise geführten ein Zeichen und dieser kam wirklich der Aufforderung augenblicklich nach. Und nun, mein Herr, machen Sie sich's bequem", fuhr der Alte in dersel ben höflichen, freundlichen Weise fort. Sie sind zuerst gekommen und haben deshalb ein Anrecht auf die beste Seite. Für uns Beide bleibt noch immer Raum genug." Ich danke Ihnen und werde mir die Freiheit gestatten, die Sie mir so liebens würdig einräumen; vielleicht solgen Sie meinem Beispiel, sagt Hartmannsdors; er schob seine Kassette noch mehr in den Winkel, breitete seine Reisedeckesorgfäl tig darüber und legte dann auf diesen so bereiteten Pfühl den Kopf. Sein Schatz war also damit gesichert und zum Ueber fluß war er sest entschlossen, munter zu bleiben und seine Reisegefährten ganz verstohlen zu beobachten, denn ein letzter Rest von Mißtrauen gegen den alten freundlichen Herrn war ihm doch gebhe bcn. Es war doch zu sonderbar, daß sich der Mann hier im Coupe wieder einfand und diesmal äußerlich völlig verwandelt. Zuweilen, glaubte Hartmannsdorf, sich überhaupt getäuscht zu haben. War es denn wirklich derselbe Mann, der mit so gierigen Blicken das Schaufenster des BanklerS gemustert hatte? Der sah nicht auS, als ob er das hohe Fahrgeld erster Klasse bezahlen könnte. Und doch. waren es dieselben duntten unruhigen Augen, daS etwa schmale Gesicht, das von dem grauen Vollbart völlig verdeckt wurde. Wie flüchtig er bei den vorigen Begegnungen auch denMcnschen betrach tete, er hatte sich seine eigenthümlichen Züge sehr scharf eingeprägt. Täuschte er sich aber nicht, dann lag vermuthlich dem Eindringen der Beiden ein gegen ihn gerichteter schlimmer Plan zu Grunde und er hatte alle Ursache, aus seiner Huth zu sein. Gestatten Sie mir eine Cigarre zu rauchen?" begann der alle Herr von Neuem, während s:in Reisegefährte sich ganz schwelgend verhielt. Sehr gern," entgegnete der Gutsbe sitzer, und der Andere machte sogleich von dieser Erlaubn, n Gebrauch und be gann eine, wie Jener gestehen mußte. höchst seine Havana zu dampfen, deren Rauch bald den kleinen Raum erfüllte. denn das Fenster war bereits geschlossen worden. Vom Rauch belästigt, schloß jetzt Hartmannsdors wirklich die Auaen. und wie er sich auch cegen den Schlaf wehrte, ,5 lag ihm plötzlich wie Blei in den Lidern, er konnte sie nicht mehr öffnen, ihm war es, als ob sich der junge Mensch über ihn beuge und ihm ein Tuch vor den Mund halle und dann verlor er vol lends das Bewußtsein. Aber mitten im Schlaf glaubte er plötzlich eine lebhaste Unterhaltung zu hören ; seine beiden Nelzegefahrten stritten miteinander. Springen wir hmau, eö ist hier gar keme Gefahr. Ich kenne die Gegend ganz genau und es ist am sichersten,wenn wir unö sofort aus demvtaube machen. E- war die harte scharfe Stimme des jungen Mannes, die dem Gutsbesitzer gleich beider erlten Begegnung sounan genehm ln's Ohr geklungen hatte. Unsinn",' entgegnete der Andere, des sen sonores Organ an den alten Herrn
erinnerte. Ich trage kein Verlangen, Ha!S und Beine zu brechen. In einer Viertelstunde hält der Zug, dann stei gen wir ganz gemüthlich auS und der
schwinden mit unserer Beute, das ist der bcquemste und sicherste Weg, ich habe nicht Lust, meine Knochen zu riskiren." .Wenn der Mann aber noch eher er wacht und merkt, daß sein Kopfkissen niedriger geworden ist .Smd wir nicht zwei?" rief der Alle, dann machen wir. ihn einfach unschäd lich r .Ach. mit einem Mord maa lch trnö) nicht befassen. Du hast mir ja verspro chen, daß eS em ganz leichtes Gefqall sein sollte." Warum hast Du die Kassette zu z tig hervorgezogen? Aber die Jugend rann einmal nichts erwarten," lachte der Alte. Wenn wir uns beim Ausstelgen des Dinges bemächtigten, wär es noch immer Zeit genug.". . Dann will ich wenigstens die Ka nette hinauswerfen und ihr sogleich nachsprin gen, sagte oer junge Mensq und rip schon in fieberhafter Unruhe das Fenster auf. Das Verlangen, sich und seinen Raub in Sicherheit zu bringen, war grö her als die Furcht, bei seinem kühnen Wagniß das Leben einzuernten. Vlel leicht konnte er sich bei diesem Versuch aus seine körperliche Gewandtheit ver lassen. Du rannst immer hlnausspnngen, aber die Kassette bleibt hier" erklärte der Alle sehr entschieden. Wenn ich Mich mit der Kassette schon vorher aus dem Staube mache, dann hast Du ja beim Aussteigen gar Nichts zu fürchten." meinte der Andere. Fallt mir nicht ein, damit Du Mich betrügst. Das Geld bleibt hier und da mit Punktum Es wäre aber doch weit sicherer," suchte der Jüngere zu entgegnen, aber sein sauberer College fuhr sogleich da zwischen. Nichts da ! Es bleibt dabei, wie ich gesagt. Sobald der Zug in den Bahnhos einsähet, steigen wir aus ad ehe unser guter Freund aus dem Schlafe erwacht, sind wir über alle Berge. Hartmannsdors hatte Alles gehört und doch war es ihm unmöglich gewesen, die Augen zu öffnen. Eme förmliche Lah mung hatte sich seiner bemächtigt und hinderte ihn an der leisesten Bewegung. Durch den kühlen Luststrom, der jetzt vom geöffneten Fenster über seine Stirn hinweg wehte, erwachte er jedoch aus sei ner Erstarrung und er schlug unwilllür lich die Augen auf. Da hast Du die Bescheerung !" rief der junge Mensch erschrocken mit ge dämpster Stimme.' Er ist schon mun ter geworden. Nun thue ich doch nach meinem Kopf," und er wollte die Kassette hinauswerfen, um ihr im nächsten Au genblick zu folgen; aber der Alte zog schnell das Coupefenster herauf und stellte sich drohend davor hin : Du rührst mir das Ding nicht an !" und er legte aus den Schatz seine linse Hand. Während dieses Streites der Beiden hatte sich HartmannSdorf aufgerichtet. Ohne sich zu besinnen, obne klar zu überlegen, was hier das Beste sei. stürzte er sogleich, nur von dem Gedanken beseelt, sich wieder seines Eigenthums zu bemäch tigen, aus den alten Mann mit den Worten zu: Elender Schurke. Ihnen soll Ihr heimtückischer Streich doch nicht glücken," und er wollte ihm die Kassette rasch wieder entreißen. Ein heftiges Nmgen entstand, und wenn auch der Alte den energischesten Widerstand leistete, der Zorn und die Entrüstung gaben dem Gutsbesitzer Nie senkräste und eS wäre ihm gelungen, sei nen Gegner zu besiegen, wenn nicht jetzt der junge Mensch seinem Kameraden zu Hilse gekommen wäre. Er hatte einen Augenblick dem Kampse müßig zugesehen und schien zu schwanken, was sür ihn das Klügste sei eine Parteinahme oder eine rasche Flucht aus dem Fenster ? Aber das letzte Wagniß bot ihm jrtzt nicht den mindesten Vortheil, denn der Alte hielt nocb immer mit seiner linken Hand die Kassette sest und suchte nur mit seiner Rechten den Gegner abzuwehren. Wenn Du mir nicht hilsst, dann sind wir Beide verloren !" rief der Alte und nun durste der junge Bursche vollends nicht länger swanken ; er stürzte sich mit solcher Heftigkeit auf Hartmannsdorf und entfaltete bei seinem unerwarteten Angriff eine solche Krast, daß dieser zu Boden sank, obwohl eS ihm dabei noch gelang, den Alten mit sich niederzureißen und mit verzweiselter Gewalt festzuhal ten. Gebrauch' daS Messer! Nur rasch! Stech ihn nieder ! Sonst ist all unsere Mühe umsonst.". Der Andere zögerte noch einen Augen blick, vielleicht würde er der furchtbaren Aufforderung gar nicht Folge geleistet haben, denn er schien noch nicht verderbt genug, um nicht wenigstens vor einem Morde - zurückzuschrecken, aber er war schon zu weit gegangen, um noch zurück zu können. Wäre es ihm möglich gewe sen sich jetzt des lang ersehnten Schatzes zu bemächtigen, dann würde er gewiß eine rasche Flucht vorgezogen haben. doch die beiden Gegner bedeckten die Kassette mit ihren Körpern, und sollte nicht alle List und Anstrengung umsonst gewesen sein, .dann mußte auf jeden Fall der Fremde beseitigt werden. Zum Ueber fluß drängte sein alter Kamerad von Neuem: Mach kurzen Prozeß mit ihm ! Hörst Du denn nicht daS Pseifen der Lo komotive? Wir halken hier an. Also stich ihn rasch nieder, wenn Du nicht wie der Alles verderben willst !" Wenn auch ein letzter Rest von Menschlichkeit in der Brust deS jungen Burschen lebte, er durste nicht länger zögern und rnii&te der Aufforderung sei nes schonungslosen College Folge lei sten. Er zog das Messer aus der Ta sche. Die an der Decke hängende Lampe verbreitete so viel Licht, daß fiart mannSdorf deutlich die Mordwaffe vor seinen Augen blinken sah und er hatte keine Hand srel, um sie von sich abzulen ken ; er war wehrlos diesen Ungeheuern überlasten. Vergeblich suchte er mit letz ter ersterbenden Krast sich noch einmal emporzuarbeiten; der Alte hielt ihm mit eiserner Gewalt die Arme fest und knirschte wüthend dem jungen Burschen zu : 'Vorwärts ! Stich ihn in den Kopf, der Zug halt ja schon still !" Die beiden
Gegner hatten sich so fest, umschlungen, daß sie wie ein Knäuel am Boden lagen. Hartmannsdors fühlte im nächsten Augenblick einen Schmerz und er stieß einen verzweifelten Hilfeschrei auS. Der Elende hatte bereits von seiner Waffe Gebrauch gemacht,' und wenn er noch einmal sein Messer handhabte, dann ahnte der junge Gutsbesitzer, daß er sein Leben unter MSrderhänden aushauchen müsse. Da wurde hastig die Thüre aufgerif sen, nachdem der Zug schon einige Au genblicke gehalten hatte. Hier, mein Herr, ist daS Glas Glühwein ! Bitte, schnell!" Roch ehe der Schaffner, der aus dem Trittbrett stehen geblieben war, daS Entsetzliche klar erkennen konnte, das hier im Coupe vorging, war ihm schon das Glas aus der Hand geschlagen und ein Mensch drängte sich an ihm vorbei und stürzte in wilder Hast auf den Per ron. Schon wollte der Schaffner dem selt samen Flüchtling nacheilen, da wurde er durch den Ruf Hartmannßdors's zurück gehalten: Zu Hilse, man ermordet mich!" Wohl wußten die beiden Schurken, daß hier der Zug anhielt, aber sie hatten natürlich keine Ahnung davon gehabt.
da& sich ihr Ncljegeszhrte sur diese Sta tion ein Glas Glühwem bestellt habe, was seine Rettung werden sollte. Nach ihrer Berechnung konnten sie trotz dem Anyauen des juges vor jeder Ent deckung sicher sein. Bei Expreßzügen wurden aus den Zwischenstationen die Coupethuren derienlaen Reisenden aar nicht erst geöffnet, die noch ein weites Ziel hatten, und sie hofften daher, daß eö ihnen gelingen wurde, das Coupe völlig unbemerkt zu .verlassen und zu verschwinden, ehe ihre That entdeckt wurde. DaS bestellte GlaS Glühwein sollte ihnen einen Strich durch ihre schändliche Rechnung machen und ihre nichtswürdi gen Pläne im entscheidenden Augenblick noch vereiteln. Kaum hatte der Alte das Erscheinen deS Schaffners und die seige Flucht seineS College bemerkt, als er sich auch mit aller Gewalt von der Umarmung deS Gutsbesitzers losreißen wollte, um we nigstens seine Person in Sicherheit zu bringen, wenn es ihm nicht mehr glücken sollte, mit der schönen Beute sortzukom men. ES gelang ihm auch, sich von Hartmannsdorf, der bereits durch das Ringen und den Schreck entkräftet war, zu befreien, und sich aufrichtend, sagte er schnell besonnen zu dem Schaffner: Wir müssen den Mörder versolgen, der uns Beide im Schlase überfallen !" er griff dabei nach der Kassette, sprang aus dem Coupe und wollte nun eiligst hinweg stürzm ; aber der Schaffner hielt ihn fest. Nlcht von der Stelle, bis hier Alles aufgeklärt ist !" Und wie auch der Alte jetzt mit vornehmer Sicherheit den Ent rüsteten spielte, der Beamte ließ sich da von nicht irre machen, er ries Hilfe her bei, und wahrend Einige den Verdächti' gen bewachten, drang der Schaffner in's Coupe. Ein entsetzlicher Anblick bot sich ihm dar. Der junge Gutsbesitzer lag mit blutüberströmtem Gesicht am Boden und konnte nur noch mühsam flüstern : Sie haben mich Beide überfallen und wollten mich berauben, meine Kassette" dann verlor er das Bewußtsein. Der Zug mußte so lange halten, bis der Verwundete aus dem Wagen und in das Bahnhos-gebSude geschafft wurde, wo ihm derJnjpektor sogleich die nöthige Hilfe und Pflege angcdeihen ließ. Mit ten in der Nacht wurde nach dem näch sten Arzt geschickt, der auch auf der Stelle herbeieilte und zum Glück dieKopfwunde nicht für allzu gefährlich hielt. Für den alteu Schurken war in einem kleinen Ge wölbe des Bahnhofes ein vorübergehen des sicheres Gefängniß gefchaffen wor den sein Genosse war glücklich ent kommen. Der Alte wurde nach der Hauptstadt zurück transportirt und entpupple sich hier als einer der geriebensten Verdre ch:r. Oskar Ulbrich, wie sein Name lautete, war der Sohn eines wohlhaben den Gutsbesitzers, hatte einst die Mili tärcarriere eingeschlagen und es auch wirklich bis zum Lieutenant gebracht, aber als sein Vater seine ungeheuren Schulden nicht mehr decken konnte, den Abschied uehmen müssen, worauf er durch liederlichen Lebenswandel von Stufe zu Stufe gesunken war, bis er die Lauf bahn des Verbrechers einschlug. Als Ulbrich an jenem Tage,aus irgend eine Beute lauernd, an dem Schausen ster des Bankiers stand, hatte er beob achten können.daß Hartmannsdorf Geld Papiere umwechselte, und aus der langen Zeit, die der Gutsbesitzer dort geblieben, so wie aus dem dickeu Packet, das der selb: beim Heraustreten in seiner Brust tasche trug, geschlossen, daß hier eine sehr reiche Beute zu machen sei. Sein in der Nähe lauernder Spießgeselle mußte sich an die Fersen deS Fremden hesten, weil Ulbrich sürchtete dessen Ver dacht zu erregen, wenn er selbst ihm noch Weiler nachging. Der junge Bursche war nichts weiter als ein ehemaliger HandlungscommiS Namens Fritz Drecher, der seit längerer Zeit brodlos geworden und, erst durch Ulbrich verleitet, die eigentliche Verbre cherlausbahn betreten hatte. Im Hotel hatte Fritz von einem dort dienenden Kellner, mit dem er von früher befreun det war, erfahren, daß der Herr mit dem Elpreßzuge in seine. Heimath fahren werde, und seine Kassette dem Wirth übergeben hatte. Jetzt eilte Fritz zu seinem Freunde zu rück und der verschlagene Alte entwarf sogleich seinen kühnen Plan, demReisen den sosort zu folgen, sich in sein Coupe zu drängen, ihn dort, wenn er allein in dimselben sei, durch einnarkotischesMit tel zu betäuben und zu berauben. So war dieser rassinirte Plan denn auch wirklich mit großem Geschicke durchgeführt worden, nur hatte der in solchen Manipulationen noch unbewanderte jun ge Gauner dem Gutsbesitzer das mit Chlorosorm getränkte Taschentuch nicht lange genug vor Mund und Nase gehal ten, um ihn dauernd und gänzlich un schädlich zu machen. Trotzdem wäre HartmannSdorf ohne die Dazwischen kunft des Schaffners unzweifelhast ver loren gewesen.
Ulbrich war empört über die Unge schicklichkeit und Feigheit seine'! jüngeren College und zögerte deshalb nicht, ihn zu verrathen. Er nannte den Namen seines Kameraden und bald saß Fritz Drecher ebensalls hinter Kerkermauern und beide Verbrecher erhielten eine zehn jährige Zuchthausstrafe. . ' Der Ausspruch des Arztes sollte sich völlig bewähren ; nach einigen Tagen war HartmannSdorf so weit hergestellt, daß er in seine Helmath reisen konnte und zum Glück hatte die Verwundung keine üblen Folgen für seine Gesundheit; aber wenn er aus seinem hübschen Schloß in kalten Winterabenden ein GlaS Glüh wein an die Lippen führte, mußte er un willkürlich jedesmal daran denken, daß er durch ein GlaS Glühmein, das ihm freilich in jener Nacht verloren gegangen, dennoch glücklich gerettet worden.
Die Färbung des nördlichen CIS . meereS. Schon in früherer Zeit hat die Fär bung einzelner Theile des Eismeeres, die sich merkwürdig von dem gewöhnlichen Blau oder Hellgrün in anderen Theilen der Weltmeere unterscheidet und ganz unabhängig ist von irgend einer optischen Täuschung, wie sie von Licht oder Schatten, Wolken - Tiese, Seichtigkeit oder der Beschaffenheit deS Meeresdo dens verursacht wird, die Neugierde und Beachtung der Seefahrer erregt, und ist wohl bis heute ein intereffanter Gegen stand für die Besucher dieser abgelegenen Theile der Welt. Als John Davis seine berühmte Reise mit dem "Lunsinne" und "Moonskine" machte, bemerkte er, daß in der Straße, die jetzt seinen Namen trägt, das Waffer schwarz und stinkend war, wie in einer stehenden Pfütze.- Dieser merkwürdigen Erschei nung haben nochmals auch andere Po larreisende ihre Beachtung geschenkt, und so ist man denn nach langen und gründ lichen Studien zu solgenden Resultaten gelangt : Die Farbe des grönländischen MeereS wechselt bon Ullramarinblau bis zum Olivengrun, von der reinsten Durchstch tiakeit fast bis zur Dintensckwärze. und diese Veränderungen sind nicht etwa vorübergehend, sondern beständig, sco resby, der während seiner Walfischsahr ten das Polarmeer gründlich kennen lernte, meinte, daß :n dem grönlandl schen Meer dieses aesärbte Waffer viel leicht ein Viertel der Meeresfläche zwi schen dem 74 Grad und 80 Grad n. Br. einnebme. ES ,ft. wie bemerkt, in seinen Lagen Veränderungen unterworsen durch die Wirkungen der Strömungen, aoer eS tritt nahe an gewiffey Orten jedes Jahr wieder uf. Ost bildet es Streifen oder Ströme, die von Nord nach Süd oder von Nordost noch Südwest liegen, die aber von sehr verschiedener Ausdehnung sind, mitunter 2 bis 3 Breitengrade lang -ms X : i r uno 015 zu 10 eemeilen oren. Jll weilen ist der Ueberaana vom arünen zum blauen Waffer allmählich, indem er durch die Mittelsarben m einen Naum von 3 bis 4 Seemeilen eintritt ; ein an deres Mal ist er so plötzlich, daß man die Grenze deutlich sehen kann nnd die bei den verschieden gefärbten Gewässer Bleiben augenscheinlich so scharf getrennt,wie das Waffer eines großen, schlammigen Stromes beim ersten Austreten in die See. Die Undurchsichtigkeit des Was serS ist an einigen Stellen so beträcht lich, daß Eisschollen oder andere Gegen stände nur einige Fuß unter der Ober flache schlechterdings nicht gesehen wer den können. Diese blecken färbten Wassers wer den von ungeheuren Schwärmen kleiner Th'.crchen belebt, von welchen der Qtojjc giönländische Walisisch allein sich nährt. Diese Tbatsacheist den WaUsischsängern wohl bekannt, deshalb sie das schwarze Waffer eisrig aussuchen, es enthält die Nahrung des Wildes, dem sie nächste! len mithin wird auch dieses hier am häusigsten zu sinden sein. Kapitän Sco resby schrieb zuerst die dunk'e Färbung des MeereS ungeheuren Masten vonMe dusen zu, und seine Erklärung fand den Beifall aller Naturforscher. Im Jahre 18G0 stellte Nobert Drown genaue Un terfuchungen des grönländischen Meer waffers an u. fand, daß die verschiedenen Flecken ungeheuren Schwärmen organi schen Lebens zuzuschreiben sind, jedoch nicht etwa Geschöpfen von der Größe der Medusen, sondern winzig kleinen pflanz lichen Organismen, einem verschieden gesärbten. glänzenden Diatom. Moch ten die Medusen untersinken, das obere Wasser blieb doch gesärbt. DaS Dia tom gleicht einer winzigen Halsperlen schnür von ungesähr 1J400 Zoll im Durchmesser. Die Glieder sind 1 bis mal so lang als breit und enthalten tut bräunlick arüne Substanz, welche der ganzen Pflanze und dadurch wieder dem Meere, worm man t )o masjenyast findet, die ffärbuna aibt. Das Dia tom wechselt in der Länge von einem bloßen Punkt blS zu 1110 Zoll und sckeint Ncb selbst unbearernt in die Län ge ausdehnen zu können dadurch, daß eS weitere perlenartlge Glieder aus streckt. In der Bassinsbai, der Davisstraße. in dem grönländischen Meer, überall mackte Brown die Beobachtung, dak da. wo grünes Waffer vorkommt, die See diatomaclsches Leben im Ue)erstuv be herbergte, wogegen dasselbe im blauen Wasser fehlte. Diese Wlatomschwarme scheinen keine allugroße Tiefe zu crrei chen. denn im Wasser auS 200 Faden Tiefe fanden sie sich nur noch sehr spä? lich. Sie scheinen auch von physikali schen Verhältnissen beeinflußt zu werden, denn manchmal waren an Stellen, wo noch vor wenigen Stunden das Wasser von ihnen wimmelte, , wenig oder gar keine von ihnen zu sinden. Diese win zigen Organismen scheinen inzwischen im Haushalt der arktischen Meere, noch eine andere Rolle zu spielen. Im Juni 1830 beobachtete Brown, während der eisenbeschlagcne Bug des DampserS, an dessen Bord er war, sich krachend seinen Weg durch $e ausbrechenden Eisflächen der BasfinSbai zwischen den Wannen inseln bahnte, daß das auf beiden Sei ten aufgeworfene Eis braun gestreift war und fand vei der Untersuchung, daß diese färbende Substanz fast ganz aus dem kieselhaltigen, perlenschnursörmigen Diatom bestand, welches die Färbung
des eisfreien Theiles des Meeres ver.'
ursacht. Während des langen Winters hatten sich die Diatomaceen unter dem El e m solcher Masse aufgehäuft, daß sie, gestört durch den bahnbrechenden Bug des ersten Walsischfahrers, wie braune Schlelmstreifen im Meere erschienen, was Veranlassung gab, daß sie mehr als ein mal für die wogenden Wedel von Laminaria longicruris, den gewöhnlichen Tang der arktischen Meere, gehal ten wurden. - Beim Untersuchen der unteren Fläche der umgekehrten EiSmassen fand Brown dieselben löcher'g und im Grunde dieser Höhlungen ungeheuere Mengen von Diatomaceen, was zu dem fast unver meidlichen Schluß führt, daß eine ae wisse Erwärmung durch die massenhafte Anhäufung Dteer klemen Organismen erzeugt werden muß, welche so die riesi gcn, in ihrer Majestät verhängnisvollen Eisfelder zu zerbrechlichen Schollen un terwühlen. Wenn auch daö perlen fchnurartlge Diatom vorherrscht, so lom men doch ungeheure Mengen verschiede ner anderer SpezieS, selbst Polyzoa in begriffen, vor. DaS nirgends so massenhaft, wie in diesen gefärbten Stellen vorkommende thierische Leben besteht auS verschiedenen Spezies Leroiäas und anderer Medusen, Lritttmostraoa, besonders .rpncticiZ8 Knrnii und clielifer ; dann Cetochilus septeratrionalis ; end lich Pleropoden-MolluZken, deren Haupt. sächlichste die wohlbekannte Clio bo realis, auch Wallstichfraß genannt, obwodl nach Brown'Z Beobachtung liest SpezieS den Wallfischen keineswegZ so vorzugsweise zur Nahrung dient, wie man behauptet bat. Die gefärbten Stellen deS MeereS nehmen mitunter eine förmlich dicke Be schaffenheit an durch die sie belebenden Schwärme aller dieser Thiere, und wenn der Wallsischfänger eine solche Stelle er reicht hat, peiß er, daß nun auch seine Beute nicht fern ; ' denn von diesen, den niedrigsten Thiergattungen angehören den Geschöpfen lebt vorzugsweise das riesigste aller bekannten Thiere. Als Brown den Darmkanal jener Medusen und Mollusken untersuchte, fand er, daß derselbe vorzugsweise mit Diatomaceen angefüllt war, welche dem Polormeer den düsteren Anstrich verleihen, während an dererseitS die Diatome sich von den fast nur mikroskopischen Polyzoen zu nähren scheinen. Im seltsamen Kreislauf der Natur stnd mithin die größten Seege schöpfe auf das Vorhandensein der klein. sten angewiesen, die sich gegenseitig aus zehren. Eine Beobachtung Brown'S scheint darauf hinzudeuten, daß diese winziaen Organismen en rnasse einen gewissen Grad Wärme abgeben, die bei den In dividuen durch unsere feinsten Jnstru mente nicht meßbar ist. Eines Abends sand man im 67 Grad 2 Fuß n. Br. das Meer so voll animalischen und dia tomacischen Lebens, daß in wenigen Mi nuten mehr als eine Pinte Entomastra ceen, Medusen und Pteropoden das Schleppnetz süllten. Die Meerestempe ratur fand man mit den feinsten Jnstru menten 32 Grad 5 Fuß F., und den nächsten Morgen war, obgleich die Lust dieselbe Temperatur hatte, kein Eis in der Nähe, wiewohl das Schiff fast die selbe Stelle, wie am vorhergehenden Abend, inne hatte; doch die Tempera tur der Meeresoberfläche war aus 27 Grad 5 Fuß gesunken. Vergeblich sah man sich im Waffer nach Spureu von Leben um; im Zeitraum einer halben Stunde hatte das Schleppnetz nicht ein einziges Exemplar der am Abend vor her so häufigen Thiere aufzuweisen. Man beobachtete, daß die Schwämme mit Ebbe und Fluth gingen und kamen. Wallfische wurden an den Küsten am häufigsten zur Fluthzeit gefangen, weil ste da mit ihren Weideplätzen zugleich ankamen. Diese Maffe winzigen Lebens steigt besonders in den ruhigen Polarnachten, wenn die Sonne während des langen Sommers nahe an den Horizont kommt, an die Oderfläche. Von 30 Exempla ren des großen WallsischeS (Lalaena iny8ticetu3), deren Fang Brown 1L60 beiwohnte, wurde der viert: Theil zwi' schen 10 Uhr Abends und 6 Uhr Mor gens gelödtet, da sie um diese Zeit aus dem Eise hervor, wo sie ihre Siesta zu zu halten pflegen, auf die Wallgründe' gekommen waren, um sich von den Thie ren zu nähren, von denen die Oberfläche des Wassers wimmelte und die ihrerseits wieder von den Diatomaceen lebten, von denen ungeheure Massen dieselben Ge genden süllten. Gegen die Annahme, daß die Wallsischnahrung wandere, und daß die merk würdigen Züge des Walls nach 'Norden und wieder westlich und südlich von sei nem Suchen nach dem Lebensunterhalte herrühre, legt Brown Protest ein. Die Nahrung der Walle, behauptet er, finde sich überall auf dem Wandergrunde der Mysticeten, und oller Wahrscheinlichkeit nach gehe daS Thier im Sommer, getrieben durch einen natürlichen Instinkt, weiter nördlich, um sich in der Nähe der schwimmenden, während dieser Jahres zeit in niedrigeren Breiten weggeschmol zenen Eisselber zu halten. Darauf gehe es zu demselben Zweck westlich und schließlich, beim Herannahen des Win terö, südlich, aber wohin, wisse Niemand zu Zzgen. Schließlich macht Brown daraus aufmerksam, wie merk würdige Beispiele daS Vorkommen re präsentativer Spezies in verschiedenen und weitgetrennten Gegenden yewähre. Im arktischen Ozean ist der Balaena rnysticetus da? große Jagdobject, und in den antarktischen und südlichen Mee ren verfolgt der Wallsischfahrer eine ver wandte SpezieS. B. australis. Der nördliche Wallfisch nährt sich von Wo I)Oroali3 und Cetochilu3 seplern trionalis. Der südliche Wall lebt von der entsprechenden Spezies, Olio australis und Cetochilus australis, welche den südlichen Ozean aus weite Strecken Hochroth färben. Der nördli' ehe Ozean ist durch ein Diatom, von welchem die ElioneS und Cetochili leben, dunkel gesäibt, wohingegen in den südli chen Gewäffern auch die - Diatomen von Heller, gelblichröthlicher oder selbst pur purrother Färbung sind. m m m DaS Gewiss en ist unser Privat Sekretär.
Opfer des orfets.
Zlu rnisZn Lk,?.Uaarn ird geschrieben: Die zwanzigjährige Tochter tf-WtA - .a. m. P A . Marre des gräflich ZamozS!i''a)enoerMeisters E. Bilowitzky, ein bildhübsches, starke nd frfiftin MZdcken. beaab sich mit ihrem Vater in bester Gesundheit aus einem rn Felsö-cotencs, oem Wohnsitz der gräflich ZamojSki'schen Familie, stattsindendrn Ball. WSbrend des ormen Nundtanze5 fühlte ihr Tanzer einen plötzlichen krampfhaften Druck in seiner rechten Hand und bemerkte gleichzeitig, daß seine Tänzerin daS Gleichgewicht verlor; überrascht blickte er ihr in's Gesicht und sah, daß sie lei chenblaß, den Mund geöffnet und mit starren Augen in seinen Armen log. Schnell trug er sie in's Nebenzimmer auf ein Sofa, wo man sie von den beengen den Kleidern und namentlich von der seh? ena Ziusammenae,oaenen Scknür brüst befreite, und über ein' Stunde alle erdenklichen Belebungsverfucke. zedocy leider ohne allen Erfolg, anstellte. Als endlich der auS der Stadt herbeigehslte Arzt ankam, konnte er nur den bereits erfolgten Tod constäliren, der nach fei ner Ansicht durch einen in Folge zu star ken SchnürenS herbeigeführten Herz schlag erfolgt war. Der plötzliche Tod des in allen Kreisen gern gesehenen und lebenslustigen Mädchens übte aus die vor wenigen Augenblicken noch so sröh liche Gesellschaft einen so deprimirenden Eindruck, daß sofort jede weitere Untr. Haltung abgebrochen'und allseitig der Heimweg a.gelreten wurde. AusSalz bürg wild ein ähnlicher Fall gemeldet : Die 5lassirerin eines dortigen Schnitt waarengeschästs besuchte ein Tanzkränz chen. In sreudigstcr Stimmung war sie zu ihrem ersten diesjährigen Ballsest ge kommen, und als die erst'n Klänge deS ersten Walzers ertönten, eilte sie am Arm ihres Tänzers in den Ballsaal. Kaum hatte sie aber drei oder viermal herumgetanzt, als sie. von einem hefti gen Unwohlsein befallen, ohnmächtig zu sammensank. Ihr Begleiter brachte sie in ein Zimmer, wo ihre Kleider geöffnet wurde und gleichzeitig nach einem Arzt geschickt wurde. Obwohl derselbe nach wenigen Minuten erschien, erwies sich doch jede Hülse seinerseits als machtlos. der Tod hatte das in der Bollkrast ihrer Jugend stehende Mädchen ereilt, und auch hier war das übermäßige Schnüren in erster Linie die Todesursache. Zweimal gcstohlctte Waare. Täglich zwischen 3 und 4 Uhr Nach mittags trug Heinrich Dostal, ein Ge hülse deS in der inneren Stadt Wien etablirten Bäckermeisters Nowak, frisches Gebäck an verschiedeneKunden aus, dar unter auch an einen, der im vierten Stockwerk eines Hauses am Schottenring wohnte. Um die Butte mit dem Gebäck nicht bis in das vierte Stockwerk tragen zu müssen, ließ er sie im Stiegen hause des ersten Stockmerkes stehen und nahm in das vierte Stockwerk nur so viel Gebäck mit, als er dort abzuliesern halte. So that er seit Monaten, und die Butte fand sich immer auf ihrem. Plal); vor ein paar Tagen aber, als er vom vierten Stockrserk zurückkehrte, war die Butte mit dem Gebäck 700 bis 800 Stück feines ZweikreuzerGebäck verschwul.den, und weder der Portier des Hauses, noch sonst Jemand wußten anzugeben, wohin die vielen Semmeln ue kommen wären. Bon der Bürde erlerch tert, aber desto schwereren Herzens ging Dostal nach Hause. Doch kaum, datz er seinem Herrn das Malheur berichtet hatte, trat bei Nowak hastig ein Wirth aus der Nachbarschaft mit der erfreulichen Kunde ein, daß ihm soeben ein ver dächtiger Mensch eine Butte mit Klein gebäck zum Kauf angeboten habe. Schon einmal, erzählte der Wirth, habe er die sem Menschen emige hundert Stück vemme'..i abgekauft, doch diesmal sei ihm die auf einer der Buttensprossen an gebrachte kleine Blechtafel mit der Firma Nowak's aufgefallen, und da wolle er sich zuerst überzeugen, ob dieses Gebäck nicht vielleicht von einem Diebstahl her rühre. Daraushin eilten der Wirth, der Bäckermeister und dessen Gehilse in das Wirthshaus des Ersteren. Der Wirth hatte dem Manne, um bei diesem keinen Verdacht zu erregen, ein Gulyas und Bier vorsetzen lassen und ihm gesagt, daß er gl?lch zurückkehren und danndreSem meln abzählen werde. Und so glaubte er sicher, ihn bei sich anzutreffen. Aber beim Eintritt in das Wirthshaus war vom SemmelverkSufer nichts mehr zu sehen. G'rad' j'jjt ist er fortgegangen sagte die Wirthin zu ihrem Manne. .Wie ich Dich hab' so schnell hinausgehen g'sehen, bin ich auS der Küche herem. Der Mann hat g'sagt. Du hättest ihm die Semmeln abgelaust und besohlen, daß ich ihm das Geld da sür auszahlen soll. Nun, so hab' ich ihr die sieben Gulden gegeben.- .Und wo ist die Butt'n mit den Semmeln?Ich hab' ihm g'sagt, daß er sie in der Küche abgeben soll." Der Wirth und der Bäckermeister begaben sich ,n die Küche. Wo sind die Semmeln ?" Was sür Semmeln?" Na, die der Mann g'rad' zetzt Herfracht hat." Die iiöchinnen machten die größten Au gen. G'rad' jetzt sagten sie, ist der Mann mit den Semmeln fort. Er hat hier nach der Frau g'sragt, und wie wir lbm g'sagt haben, daß sie vor'n im Schank sitze und daß er, da er auS dem Gastzimmer komme, sie dort habe sehen müssen, meißle er : Na, diesmal kaust sie mir wohl doch nichts ab und darauf ging er ruhig mit seinerButte vollSem meln dort zur Hoslhür hinaus. Muß wohl noch irgendwo in der Nahe sein Der über den Verlust seiner sieben Gul den ergrimmte Wirth, der Bäckermeister und Dostal liefen fortan in alle Wind richtungen nach dem Semmelmann, ohne aber von diesem mehr eiue Spur zu sin den. Ueberraschung. Vater : Ich gratulire, Bertha, so eben hab' ich Dich verlobt !" Bertha : Mit Wem, Papa?' Vater: Stille, roaö gehi'S Dich an ? ! Werwird so neu gierig fragen! DaS ist Geschäftige, heimniß.
