Indiana Tribüne, Volume 6, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1883 — Page 7
Die natürliche Meridlan.Shlung.
- DZeraae nack der Wahl des NulleridianS ist wieder einmal in den Vor V . i. . . f i . El ! X .... (Cm I oergruno oer Diiieniajajmmui v.rungen getreten ; das Veoursnig nccg srr' v r CTO.... 4. m Xt nslln I Mlgung in oictßi 4)unut ii um Kulturvölkern vorhanden. Die Län genzählung nach dem Greenwicher Me V f .1 Ri. VlM IiUn T I ttotan tjai lim i "9"" überwiegende Geltung verschasZt und dominirt unbestritten auf allen oceanischen Karten, welche zumeist auf Grundlage der Originalkarten der. britischen Admi ralität entwor en Und. Wer ZettstrS mung folgend, hat Stieler's Schulatlas, der im abgelaufenen Jahre ferne 61. Auflage erlebt hat, diese Zählung aus
allen Kärtchen einheitlich ourchgefuyrt. am Ostrande der tibehschen BodenanEines ist sicher : der Meridian von sckwelluna und BirmaS vorbei zu der
Ferro hat sich überlebt, er gehört bereits der Geschichte an. Er ist ein Reflex der Traditionen des Alterthums ' gewesen, das in den .Säulen des Herakles" und später m den .glücklichen Inseln" (den Canarren) die äußersten Marken der Erde gegen Sonnenuntergang erblickt datte. Für uns büdet der atlantlfche Ocean keine Schranke, im Gegentheil, r . w V i.tl..ti k! nti ÄNwenonng oer ampslra,i uu, me Schisssahrt ist diese verhültnißmäßig schmale Fahrstraße eine Fahrzeit von wr j-W A nit...UAAl W nur zer,n iagen irennl Llvrivvt u NeN)Hork der Tummelplatz des Verkehrs zwischen vem Svenen oer amn uno dem Osten der neuen wtix geworoen. und niemals wird der Atlantic seinen hohen verkehrsgeographischen Rang an einen anderen ajeean verlieren, eoaravbische Wlssenschast muß daraus bedacht sein, diese wichtige Fahrstraße in Zbrer aanzen Ausdehnung von Oii nuch West mit Hauptmerwianen (0 Vrav und 90 Grad) zu begrenzen. Der Nullme. ridian von Greenwich ersüllt diefe Auf. gäbe nicht genau, er fazeloer oie noro fee, die alS offenes Meer ein wesentliches yT' V V.B 0Y4t.il (.IfX.i AM X.M. . . . . rr- t I VDiieo ors ziiimiut uuuu, uuu u.ui iv ßen Ganzen ad und weijl Die yauplauZ. gangspunkte des atlantischen Verkehrs für Mittel'Europa, Hamburg, Bremen und Antwerpen oem sflen zu. as stolze Alvlon rann zu einer geringsugr. gen Concefsion an die Wissenschaft die r r v:. 11 i:t;.uex .ki Hand bieten. Der Meridian von Green wich, einmal und mit Recht in allen nau tischen Karten eingebürgert, werde imrnerhin als Basis der geometrischen Lan geneintheilung der Erdoberfläche beide kalten ; einzig die Verschiebung der Zis fernreihe um zehn Grade nach Osten rnöae Vlak greifen, weil sie sich bei ob ieknver Erwägung der Configurations' Verhältnisse der oceanischen und terrest' rischen Räume als nothwendig heraus stellt. Wenn wir unseren Blick auf den pa cisischen Ocean richten, so gewahren wir m . r. f . r v c rr logietaj otc .gaijacne, oap oie vstgen Hälfte des Rullmeridlans von!Greenw:ch, der Grad 180, das Wrangell-Land und die Tschuktfchen-Jnseln, unwesentliche Theile des asiatischen Continents, durchickneidet. wäbrend wir es dock a Drincivi lieber sehen würden, daß diese wichtige Marklinie durch die Behringsstrafte striche und die Kontinente Asien und Amerika auss aenaueste schiede. Dieser natürliche Wunsch wird sofort erfüllt, wenn wir um zeön Grade ost wärts rücken und den 180. Längengrad an stelle oes vr-yerigkn 7U. weuilcyer Länae von Greenwich setzen. Wie leicht prägt sich dann dem Gedächtniß der Satz ein : der 180. Langengrad berührt da Ostcap (den äußersten Punkt Asiens im Osten), durchschneidet die Behringsflrae und LawrenceJnsel, berührt die Sa moagruppe (den historischen Ausgangs Punkt aller polynesischen Stämme) und theilt den pacisischen Ocean in zwei ttUi&t .äliten. 3 rf-l I Wenn wir dann Amerika betrachten, so 90 Scheidegrenze bilde und fü Südamerika das Werk der durch die pbysikalischen Verhältnisse gebotenen Ab irennung in zwei Continente vollziehe. Der heutige 90. Grad streicht durch in dinerente Gebiete, durch Aucatan und Guatemala. Wenn wir ihn aber zehn Grade ostwärts rücken, so berührt er den Hafen von Colon (Asvinwall) auf der Landenae von Panama und ersüllt voll 14 44 I VIV K I l (1 W WVIliUUllu ff4Jvv wtv ,e sich den Satz liichtl wW. Grad estlich Länge scheide, die Bai Hudson in idrer südlÄstin und tiefsten Einbuch. auf die gesetzte Bedingung. Jeder Laie tung. hieraus in der Nähe der NiagaraMe den Eritsee. geh. überPittsdurg nach dem atlantischen Hafen Eharleston, bestreicht Florida im Osten, schneidet ff, f. , ft mm im Wmt.2 Cuba und trennt mitten im Isthmus von Panama den nordamerikanischen vom südamerikanischenContinent ab. Die Häfen von Peru und Chilr lägen dann ostwärts, die von Central'Amerika, Me xico und Caiifornien westwärts von die ser natürlichen Grenzlinie. Diese würde zwar den wesentlich binnenmeerähnlichen Golf von Merrco vom Atlantic abschner den, dafür blieben ober die wichtigsten amerikanischen äsen, welche von euro päischen Schiffen besucht werden, sammt und sonderZ auf der rechten Seite dieser Grenzlinie, welche den wahren Westrand des atlantischen Längenstromes darstellt. on m?..:: hrh nt r r, un ,al,uu...v.wv uii.V4 v. vuiviutt vvv.i. v eigentlich den Namen beö .amerikanischen" ' nS . y. fl, Kehren wir nach Europa zurück. Der iVltUfc4 CU(lC LUliU IU UIV VVi) UU9 VVl geschlagene Nullmerrdlan ( dem heutl gen 10. Grad östlicher Länge vonGreen wich) dem Eedächtnin einprägen? Der Nullmeridian trennt Spitzbergen von der Grönlandsee, das nördliche Eismeer vom atlantischen Ocean, betritt Nor wegen im Throndhjemford und verläßt es am Ausgange der Bucht von Chri stiania,durchschneidet denskagerrack und Jütland, ferner Schleswig und Ham dura. zertheilt Deutschland in eine West und Osthälfte (über Göttingen und Ulm), ebenso die Alpen im Berninastock - ! tm.n.. ..-St Ol."i X 1 1 fmtrlil , ,n eine ,'.u"'""" " Ende des l.gur schen ApennmS da, MUKl'. da ' em Ponenle und Levanle zertheilt, und in MS1 3 sen Sahraglbiet durch ihn in zwel aleiche uälften aeiaieden wird, uno erreicht in der Bucht von Biasra den inersten Winkel des Meerbusens von Guinea; die Westküste Südafrikas bleibt
wird in uns der Wunsch rege, daß der
. Grad westlicher Länge eine natürliche 5 "V. "'V : ' ..' '
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dann rechts liegen, wie denn Capetown
als Mittelstation nack Indien medr dem indischen als dem atlantiscken Gebiet angehört. Dieser .europaisch-afrikani i t M ..... 1 .l . . C . .. . jae - jaupimenotan ouoei oie roagrc Oflgrenze des Atlantic und erfüllt alle cv. v v. . . naiuiuajcn oroerungen, oie luir an nen Nullmeridian zu stellen berechtigt sind, weit besser als der von Greenwich, f"! - V .(Y..V! m.v 1. O . sur oen aueroings ot eoeurunA vttdons als der Weltmetropole ihr Macht wort einlegt. Wenn wir wiederum 0 Grade ostroäits rücken (also . zum heutigen 100. Grad östlich LSnae von Greenwlch). so stnden wir. daß der echte .asiatische-Me. ridian imTaimir-Golf anhebt. feibimn, den Altai und die Mongolei zertheilt. innersten Bucht von Siam gelangt und den Hals der Halbinsel Malakka, sowie Sumatra durchschneidet. Die Malakkafräße ist aber die wahre Grenze zwischen dem indischen Ocean und dem finnischen Meere. Zwischen dem Nullmerldran von Hamburg und diesem .asiatischen" Meridian liegt Osteuropa mtt seinem kontinentalen Klima, die Levante, serner Ä n swf C i.!. .n .llfl. ganz ajU'Vijrua uno oie anaumc .Zone derReligionöstister" mit den dicht bevölkerten indo-englischen Landen bis rv t. f. rf t C Pkgu uno .enasterrm, enoucg oer IN dische Ocean in seiner ganzen Ausdeh nung. Den Verlauf des 180. Längegrades haben wir bereits geschildert. Zwischen diesem und dem vorigen liegt das eigent Ostasten (Japan, die vunoa-Jn M Ebina). aan, AuüraNen mit Neu. seeland, Malanesten und die Westhälfte des vacisiicben Oceans und der arökte Theil des nordamerikaniichen Conti nentS. Wir können ihn darum den hacmtöen" Meridian nennen. - ' ' . ... Vorliegende Längenemtheilung hat sich uns all ein Resultat der Configura- . C 's l l! X. lion oer oceanizqen uno conilnenialcn Räume als Naturnothwendigkeit erge den; die von unS definirten vier Haupt meridiane nnden wir auf der Ecdoberfläche gleichsam vorgezeichnet. Für uns ist kein Grund vorhanden, an der geo . . . - . . . metrischen Langenklntyellung nach oer geographischen Lage der Sternwarte von Greenwich zu rütteln; die geringe Cor rectur, die wir als geographisches Postulat befürworten, besteht nur m der Zah lenverschiebung um 10 Grade. Unseres Erachtens ist e? sogar einerlei, ob zum AuSgang der Zählung der amerikanl sche , . der pacifische" der anatische' oder der der europäischasrlkamsche Meridian gewählt wird ; zu diesen vier natürlichen Meridianen aber wird die geographische Wissenschast, die nur ob iectlven Erwägurmen zu folgen hat, alle zeit zurückkehren. Selbst wenn sich die heutigen Macht und Culturverhältnisse grunottch andern follten, wenn ote neue Welt" in ihrer nördlichen, wie in ihrer südlichen Hälfte das alte Europa eben so überflügelt haben wird, wie Europa seit geraumer M die orientamche Wel überholt hat, wird die natürlich? Meri dianEintheilung zu Recht bestehen blei ben höchstens, daß dereinst die Frage Geltung gewinnen wird, ob nicht doch der amerikanische" Meridian zumRang oes'.'cullmeridlans erHoden werden sollte Dr. Wilhelm Tomaschek. Der Schaden der Polizeistunde. In einesM:u!sch en Residenz, was aber wohl richtiger norddeutsch heißen muß. ist jüngst dem oberstenLeiter der dortigen KcilmenHermandad ein Geschichtchen pas. sirt, welches in zahlreichen Kreisen Stoss zum acnen gegeoen oai. icner üIQOl yerriq! irncuicg iaui ves , ff, CT p l deren Genies zum Aerger erfunden zu sein scheint : denn bei einer den Inhaber der Gastwirthschast und zugleich die Gäste selbst treffendenGeldstrase muß das Lokal um die zweite Nachtstunde geräumt sein. Jüngst sitzt nun unser Polizei Präsident, ein gesellschaftlich überaus jovialer Mann, dem es im Traum nicht einfallen würde die Fourchambolts" zu verbieten, und dem man mit Recht eine , . . - c cvy fl Snz m,,me mw.,d '? ÄteSiSBtefc mL l'l u'hl'ch armenWmkel . '? ""S"n Ä"SSr;rleUÄ" l'S ? c X 1; 0 Z- V 3"wa" 0 Vff ßlB ?' r den dahin. Da plötzlich. .. .öffnen sich die Thuren und herein treten zwei Gendarmen, welche unter Hinweis aus die vierte Morgenstunde nicht allein den Wirth notnen, fondern auch die Namen sämmtlicher am Stammtisch noch zechen den Gäste ins Dienstbuch eintragen. Lauter sehr honette Leute! .Geheimer Ministerialrath A. , .Professor vB.-, ,Reichsrath Gras C. , Maror v. D. , da Allmächtiger, za, da sitzt ja auch... ..der Polizeipräsident ! Sprachloses Erstaunen Seitens der Un tergebenen, erstaunliche Sprachlosizkeit Seitens des Vorgesetzten omen f --x.. itr.L-v 1 rr?wcs vciaaiut auct um ikcuuc ; rr tt . n o Erllenz ,aber hatte l am nächsten Tage. mUl blonderer Belobigung der beiden Gensdarmen, welche pflichtgetreu den Herrn PolizeipräMnren dem HerrnPoPräsidenten anzeigten, derReichSmar. ken drei erlegt. Und die Moral von der Beschicht: Wenn Du nicht willst, daß Dir's geschicht.versüge keine Polizeistund nicht. Billige Freude. Oberst: Sagen Sie, Herr Hauptmann, in wel cher Weise haben Sie während Ihres Detachements den Konigstag gefeiert, da vergessen wurde, Ihnen die Zulage sür die Mannschast zuzusenden ?" Hauptmann : .Herr Oberst, ich habe die Compagnie Morgens von 811 Uhr ...... .!. exerciren laen roar avttqlnq unzu srieden und gab der ganzen CvApagnie Simmnanttf Um .2 Uhr lieb ich die Compagnie wieder antreten und schenkte st.m, ,., K U..-.. S.rase'w.über grobe Freüd. herrschte. . A n d er Theaterkasse. Herr Kassirer, wir möchten zwei Steh plätze aber ja unmittelbar nebenein ander!"
. x zei lunvr, lütiiyt umn amv'
Der letzte Hexenprozek in England.
Der berühmte enalische Jurist, Sir John Holt, im Jahre 1709 Lord Ober richter an dem Gerichtshose Kings Bench ,n London, hatte in ferner Jugeno ais Student manchen tollen Streich gemacht und unter anderen einst mit mehreren gleichgesinnten Freunden einen Ausflug unternommen, bei dem sie ihr ganzes Geld ausgaben, so das sie sich zuletzt trennen mußten, um stö einzeln, so gut eS eben gehen wollte, nach der Hauptstadt durchzuschlagen. Holt kam in einDorf , r .rjL!WMA0 wiklysyaus, oefttllle ycy em oeqeivknr Abendessen nnd ein Bett und trat dann in das Gastzimmer,in welchem die in die Nebenstube führende Thüre offen stand. Dort lag em kleines Mädchen lm Bett, und als der junge Mann näher trat, er zählte ihm die Wirthin aus seine Frage, daß das Kind seit'Monaten das Fieber habe und dieses aller SrztlichenKunst zum Trotze nicht weichen wollie. Der vmdent schüttelte mit wichtiger Miene das . . . 1 . - f 4 : t. : yaupl uno fagle, man möge flcy oeruyi gen, er werde das Kind heilen. Er schrieb einige unsinnige Worte auf emPerga mentstückchen. rollte dasselbe zusammen und befahl, es dem Kinde an das Hand uCICHI HU uinOCIT. JCr 'SUiaU IUlc ..v " r ff f.!.! a o I Oslfe das Fieber wirklich weablieb, und die Eltern des Kmdes gaben ihrer Dankbar keit aeaen den vermeintlicken Retter des selben dadurch Ausdruck, daß sie ihn mit dem Besten, was,das HauS bot, bewir tdeten und nöthigten, noch ewige Tage zu bleiben. AIS er endllS obre ien und deavten . . m - m mm m - m mT wollte, erschöpften sie sich auss Neue in Dankiaaunaen und nahmen keinen Pfennig an. Vergnügt, bei seinemGeldmanael so glücklich davongekommen zu sein, wanderte der Bruder Studio der Seimath ni. Viele Jahre veraingen;Holt war Richter geworden und hatte als sol cqer in ÄMlLgeicyailen oie gcgcno zu vc p v ' r! . vv s. n 2.' I r. ... v v ... I sucyen, wo er eiNfl zenen ugcnourei ausaesübrt batte. Es war Geriütstaa im Orte, und unter anderen Verbrechern wurde ihm auch eine alte Frau vorgeführt die der Hexerei beschuldigt war. Meh rere Zeugen schworen, die Angeklagte be sitze ein Zaubermittel, mit dem sie kran kes Vieh gesund und gesundes krank machen könne; man habe sie bei der AnWendung dieses Zaubermittels ergrissen und dasselbe könne vorgelegt werden. Der Richter verlangte dieses Zaubermit tel m Ubtn und man brachte einen schmutzigen, mit B'mdsaden umwickelten, aus Lumpen bestehenden Bau herein, Man nahm ihn vorsichtig auseinander und entdeckte rn der Mitte em Stuckchen N?rnnm?nt. dS ftolt sofort als dasie niae erkannte, welckes er einst derWirtbin als Mittel gegen das Fieber übergeben "a" ' ' . ' hatte. Elnige Minuten schwieg er bestürzt, liZ. m mm Vx. S. On(iXn uunii iic et ucti v?uui vuu um uijuuni räumen und bat die Geschworenen, ihm kurzesGehör zu schenken. Ich muß Jh NBN pin flfi,' Qfrlfhmh. nn meinem P.e ..... .... ........ M ' ben erzählen, meine 5)erren," begann er; AS m r r " . . : : .1.1 f. i -11 schwinden, wenn es sich darum handelt. . s.,rm fZnu em unschuldigesMenschenleben vorschwe rer Strafe, vielleicht gar vom Tode zu retten. Die Schriftzüge auf dlefem Pa piere sind einst in iugendlichemUeberrr.u lhe von meiner Hand geschrieben worden, und das Stückchen Pergament ist nichts weniger als em Zaubermittel. Er er zählte nun den Vorfall der Wahrheit ge rna. uno lein löeriar rnacnic einen 101 chen Eindruck, daß zumStaunen desVolkes nicht nur die vermeintliche Hexe fre gesprochen, sondern in Folge diesesVor' falls auch fortan Niemand mehr in Eng land der Zauberei beschuldigt und ange klagt wurde. Kmmt ein Vogel. .:n..,?s m.s .ffliil lUU9 Ull VWy VJVWJJVit Viel Meilen überS Meer, Der batt' keinen Zettel im Schnabel. . Und dock war der Scbnabel Nickt leer Zu einem Mädchen, das träumend An einem Fensterlein saß. Flog eilend der luft'ge Geselle Und uberbracht' lhr den Späh. . . . Von deinem Schatz so sprach er Deß Wünsche ich bestens besorg'. Bring' ich dir dieses Kindlein : Mein Name ist Freiherr von Storch ! Des Mägdleins Sinne schwanden. Vergehend in Sorge und Gram Derweil zn 'ner andern Dame Ein klemes Vogelchen kam. Das hatt' von derselben Adresse Im Schnabel em rosiges Blatt, Daraus war deutlich geschrieben. Wie innig lieb er sie hat. Sie war des Herrn Teiteles Tochter, Alt, häßlich, krumm und schief, Doch reich an blanken Dukaten : Ihr galt der Liebesbrief. Gedankensp ahne. Mehr ist so will's mich bedünken Mehr ist, als Weiber, der Wem. Wein kann man lieben und trinken, Weiber nur lieben allein. Der Pessimist glaubt, was er fürchtet. Der Optimist glaubt, was er hofft. vn mrt 1 Cf n - W'M Ar " Ver nugen b. li jiiyiiuytii ClUC ilUlll. Im Wasser schließt den späten Lauf Die Sonn', steht früh im Wasser auf. Ging sie einmal im Weine unter, Sie würd: 's ganze Jahr nicht munter. u viel verlangt. .Aber. Hirschderg, Du wirst doch nicht wollen schlafen im Concert?" Warum nicht? Hab' ich doch bezahlt die Loge mit zwan in Mark, soll ick auck noch überwinden den Scklaf für den wobltbätiaen.Vkck?" 5m Restaurant. A.: Wie. mein Herr. Sie geben noch Trinkgeld ? Haben Sie denn nicht Professor Jhe ring's Aufsatz über das Trinkgeld gele en ? B. (guthmüthig): Nun, der Jhering war auch fem Lebtag mc&t ellner.
Der Onyx von Schasshausen. Eine der werthvollsten und interes santesten kunstantiquarischen Kleinodien in der Schweiz ist der Onyx, welchen die Stadt Schafshausen besitzt. Derselbe gehört zu den prächtigen Beutestückender Schweizer nach Ihrem Siege über den Herzog Karl den Kühnen von Burgund bei Granson im Jahre 1475. Dieser Onyx ist eine antike Camee. Bei Gele genheit der fünfzigjährigen StistungS seier der historischarchäologischenGesellschaft in Schafshausen ist diese antike Onyx Camee aus dem Besitz des Her zogs Karl des Kühnen vonBurgund zum Gegenstand einer gelehrten, vorzüglich illustrirten Abhandlung erwählt worden, aus welcher, als das Wichtigste, Folgen des zu entnehmen ist: Diese Camee zeigt eine weibliche Gestalt mit einer Krone ; in der rechten Hand ein Füll Horn, in der linken den Caduceus oder Schlangenstab des Merkur; mithin eine Pax. Diefe röm'scheCamee ist geschnit ten worden am Schlüsse des erstenJahr
Hunderts christlicher Zeitrechnung, und zwar ohne Zweifel zum Gedächtnisse der Umbildung oder Reorganisation deSKar serreiches unter Vespastan, nach Nieder.f 4 ja4IamaTm Uif kIIam wt, uuu uu uuuuiiuku yicuuiuuuii in Gallien, in Germanien und Judäa. Es lassen sich mitym ganz genau die Jahre 60 bis 82 nach Cristo angeben. Die Fassung ist mittelalterlich und von höch stem Kunstwerthe. Diejenigen, welche sie so prächtig fa en neken, erkannten onen bar den hohen Werth des Steines. Der ms m. IV1 W W. T . V aoioene wtw ve ley! zunaco l in einem dreifachen Lorbeerkranze und ist desWer leren mn goloenen Löwen unvAvlern ge schmückt, zwischen denen bunte Edelsteine und Perlen mit goldenen Blattornamenten angebracht sind. Aus der Rückseite dieses kostbarenSchmuckstuckes ist em sil bernes vergoldetes Plättchen, in welches (o:it. t:i :ri cyrx:ci nu iimu ymum ii u o!11! . (X. t.r-.i. v.o v:r.3 cn.t:.i(.. loetie vcsllg!, va PlrttvjUllz, wahr cvelnll als Meoaillon an einer goldenen Halskette zu tragen, dem Gra fen Ludwig Frohsburg gehört habe. Während der französischen Besitznahme Schaffhausens imJahre 1793 wurde die sesKleinod von demberühmtenGeschichtS sPreiberJohanne', v. Muller, dem Thu kydides der Schweiz, sorglichst verbor gen. Johannes v. Müller schreibt dar über an seinen Bruder : Die burgun dische Reliquie ruht sicher in meinem Pulte." Nun befindet sich dieselbe mit allen anderen kommunalen Kostbarkeiten m oem islaolyaufe von scyaffyaufen. Kathederviütyen Die Bauern waren so arm, daß r. fjti .? , it m . its. Ci . v 1 nicji einaiai ryre oiyvurir osuw gen lonnien. Wann haben wir heut' wieder die 1 XJsZt- dt.nV 9 Qifi Afftiifi TNtM i uuui wtuu i juj vjtuuvv, civ stag. Die Maiskuchen sind schon ein al I rrtw,s I VfViUUUS. n,, n5Anf Mal Naömittaa 1 , u sinst" wird, so können Sie es mir früh Morgens sagen. Ihre Buchstaben lassen sich hören. 2i Das Bett des Cicero war w ein gerichtet, daß er am Morgen ruhig dar auf liegen bleiben konnte. Wissen Sie nicht, dak Sie dazu da sind, sich alles Gute und Boje anzueig nen ? Wie ich vor siebzehn Jahren hierhe? kam, waren m Secunda lauter bar tige, breitschulterige Leute, die jeden Au genblick Hoffnung hatten, Familienväter zu weroen. Cäsar behing sich mit Salben und anderem Krame. Die Alten waren lange nicht so romantisch wie wir ; wenn wir an alten Burgen vorübergehen, so denken wir un willkürlich an das Ritterwesen im Mit telalter und führen uns jene Zeiten vdr mm I. w f . den smn. seven le, an oas Aues . r, . . M .y. dachten die Alten nicht. Auf dem Lande hat man die An nedmlichleit. alle sorgen vie sonne auf und niedergehen zu seyen. Das bei den Protestanten regel mäßig gefeierte ErnteDankfest tritt uns in seiner jetzigen Gestalt zuerst im Jahre 1494 entgegen. Der einzige Mann, der bei dem Ausstand des Nika den Kops oben be hielt, war die Kaiserin Theodors. Haben wir von der allemannischen Sprache ueoerrefie uno warum mcai t jmmm. . m fI t Dies ist zwar selten, kommt aber doch häufig vor. Demosthenes hatte blos den einen Fehler, in zu später Zeit geboren zu sein. Maximilian führte die Vormund schast über seinen verstorbenen Sohn. Klopstock hatte ein Begräbnitz, wie sich dessen wenige Könige rühmen kön nen. Sie begehen ja durch diese Satz bildung einen Selbstmord an der latei Nischen Sprache. Luther starb, nachdem er in der selben Stadt geboren worden war. AweiBaumriesen. Eine aewaltiae Fichte steht im Affenthal, Re vier Rapperszell bei Eichstätt. der etwas ovale Stamm hat über 2 Meter Durch meffer und kann nur von 4 Erwachsener umspannt werden. Er mag noch 50 Me ter hoch sein, obwohl der Blitz einen gro ßen Theil des früher thurmhohen Riesen VUUU3 UVU11UIIUHVII .-i v... j. , u5.!nZmig.n haben sich. baumes abgeschlagen hat. Aus den ge wie Lichter auf einem Weihnachtsbaume wieder jungeFichten angesetzt, die so dem Urbilde vonKrast eine selteneVollendung geben. Em anderer Riese derart wurdk vir einiaen Taaen aefällt, es war eine Eiche in der Wärter tzschlott Les Reviers Schottenbof bei Kelheim. die vielleich noch die ZeitenKarls desGroßen geseher hat. Dieselbe hatte einen Stockumfano von 8 Meter und einen mittleren Wurch memr von 2 Meter. Em Abschnitt von 6 Meter Lanae enhielt 14 Cubikmete, Nutzholz und hat einen Werth von 5(K bis 00 Mark, ein einzelner Ast gab 10 Ster Brennholz. Im Ganzen ergib der Baum 02 Ster Brenn- und Nutzholz Die Holzhauer mußten, um den liegen den Stamm verarbeiten zu können, au'. einem Holzstoß sich ausstellen.
Sustave Dore.
Die Zeit ist noch nicht weit hinter uns, wo man behauptete, .wie die Nachtigal len hungern mußten, um ihre schönsten Melodien hören zu lassen, wie der Schlag das Eisen stähle und dem Stahl den Funken entlocke, so bringe ein Dich ter, ein Künstler erst unter den zermalmenden Hieben des Elends die entzücken den Meisterwerke des freien Genius hervor." Unsere zum Widerspruch geneigte Zeit hat den alten Ammensatz, daß .die reichen Leute die gescheidlesten Kinder haben wohl zuweilen in seinGegentheil umzukehren versucht, aber der wohlthätige Blitz des heiligen Feuers fährt bald in Paläste, bald in Hütten, um den Funken der Kunst in Herz und Auge ei nes Säuglings zu senken. Und so fiel denn die köstliche Gabe der Feen, die Gabe, Alles was geschieht und geschehen ist, lebendig vor sich zusehen und zu erfassen, dem jungen Gustave Dore schon bei seiner Geburt am 6. Januar 1832 zu und verlieh ihm die Anwartschaft auf so großen Ruhm, daß ihn heute Groß undKlein von Pol zu Pol kennt und daß sein Name noch aus dem Munde der Kinder dankbar ertönen wird, wenn so manche andere Berühmtheit des Tages längst vergessen sein wird. Die Eltern Dore's waren wohlhabende Leute. Sein Vater war Ingenieur in Straßburg und gab ihm unter den Augen der liebevollen Mutter den ersten Unterricht im Zeichnen. Als Dore's Eltern nach'Bourg übersiedelten, besuchte er dort und später in Paris die höheren Schulen. Schon im Alter von 11 Jahren veröffentlichte er Lithographien, welche Szenen desVolks. lebens und der afrikanischen Feldzüge darstellten. Beim Geschichtsunterricht m Panier Lyceum Charlemagne bat hn der Lehrer öfters, die eben voraetra gene Episode durch ein Bild den Mit chulern zu veranschaulichen, welcher Aufforderung das gutmüthige heitere Kind stetszum großen Gaudium der Klasse nachkam. 1848 finden wir den 18jährigen Jungen als Mitarbeiter des llustnrtcn Witzblattes Journal pour ire- und yerausgeber einiger vielbe achteten, heute mit Gold aufgewogenen loums". Und nun beamnt die pro digiöse Reihe von Zeichnungen, mit wel chen Wore, ohne emen Tag semem höheren Kunststreben untreu zu werden. die Meisterwerke der Dichter aller Na tlonen ..illustrlrte" das Wort im schön sten Sinne genommen, nämlich erleuch tete V Niemals so zuvor hat der darstellende Künstler dem Dichter so mit dem Grmel gleichsam die Worte, die Situationen abgelauscht, niemals so ihren Ideen eine sich tief einprägende charaktenstl rne Form gegeben. . Shakespeare, Goethe, Dante, Balzac, Rhabelais, Ariost, Lafontaine, Moliere, Montaigne, Mllton, Colendge wenn sie sehen könnten, wie Dore ihren Schö psungen Leben eingehaucht, wie würden sie ihm als Mitarbeiter, als Mitstreiter Dank und Gruß bieten ! Und hätte cr sie so treu zu lnterpretlren vermocht.wenn er nicht seinen Geist ganz in ihre Werke c ? 1 1 . .r.u 2 r yimc ueicmen Ivnnen, seinen eigen thümlichen Geist, der doch wieder all' diesen Illustrationen seinen Stempel ausdruckte. Und Du, weiser und guter, trauriger Ritter von der Mancha, wer hat Dich und Demen prosaisch kluaen Knappen Sancho Pansa besser verstanden, wer Eure denkwürdigen Abenteuer mehr verherrlicht, als Dore ! Und erst Dornröschen und Aschenbrödel und die holden gütigen Feen! Sie sind die Meisterwerke semes Stifts, und gewiß waren es die Mutter und die Gode" in Straßburg, die Perraultö Märchenaestalten vielleicht in deutscher Mundart semer kindischen Phantasie so lebhast vorführten, daß .ein Kind, das sie einmal in Dores Bildern gesehen, sich keme anoere Vorstellung mehr von ihnen machen kann. Ein gleiches mag von semen großartigen BibelJllustrationen angenommen werden, die das heilige Buch in verschiedenen Ausgaben schmü cken. Der Raum eines Feuilletons würde nicht ausreichen, um die Jllustra tionen, durch die sich Dore populär gemacht hat, auch nur mit den bloßen Ti teln aufzuzählen. Außer einer Unmasse von Sammelwerken, Reisebeschreibun gen, Albums u. s. w., die er mit Zeich nungen ausgestattet, brachten auch fortwährend die illustrirten Blätter Euro pas und Amerikas Produkte seiner genialen Hand. Und alles das spielend, leicht, gefällig erzeugt! Und der Mensch dabei, stets heiter, innig, naiv, gastfrei, fröhlich mit den Fröhlichen theilnehmend an allem Menschlichen! Und dazwischen immer wieder an sich selbst, an seiner höheren Kunstaufgabe arbeitend! DaS war Dore'S Leben ! Es versteht sich von selbst, daß Dore trotz seiner außerordentlichen Leichtigkeit im Zeichnen und seines unermüdlichen Fleißes doch bei Weitem nicht alle die Tausende und aber Tausende von Holzfchnitten und Aquarellen, die seinen Namen tragen, ganz allein gezeichnet, resp aemalt vat. Ein Methusalemalter würde dazu nicht ausgereicht haben. Um den Austrägen, welche von Verlegern illustrikter Werke aus aller Ländecn Europas, aus allen Welttheilen auf ihn eindrnnaen. gereckt werden zu können, hatte er sich mit zahlreichen Mitarbeitern umgeben, durch die er anfangen", d. h. den Hintergrund und die Nebenpartien zeichnen, resp, malen ließ, sich die Hineinsetzung der Hauptfiguren und dieVollen..uiig vorbehaltend. Bald hatte er sich einen Stab von Mitarbeitern herange schult, denen er eine schon etwas selbst' standigereThätigkeit anvertrauen konnte, so daß ihm, wenn er ihnen die Skizzen tworfen. nur noch übrig blieb, dem fertigen Werke den letzten Schliff zu ge ben. Schließlich war auch das kaum mehr nöthig, und Dore brauchte fast nur noch semen Namenszug auf den Motz oder Karton zu setzen. So rühren zahlreiche Aquarellen des Ariost, der Ge chichte der Kreuzzüge u. s. v. von Moy net, Clerget, Bourdelin und nicht wenige ser trefflichsten Holzschnitte, die Dore's Zignatur tragen, von Regamey Und anderen Zeichnern her. Das ist nun Einmal das Lehrgeld, welches, seit Kunst zeubt wird, alle Gesellen ihren Meistern zahlen muffen. Und der Meister ist ge
nöthigt, diesen Tribut von seinen Jün
gern einzuziehen, will er nicht einseitig sich selbst copiren und aushören, das Ideal zu suchen. Während zahlreiche, hervorragende Geister, insbesondere diejenigen unserer belesenen Epoche, wo Jedermann sich eine kompetente Kritik über so ziemlich Alles zutraut, in der verschiedensten Weise beurtheilt wurden, hat Gustave Wore das Glück oder das Unglück gehabt, einstimmig als ein Phänomen der Kunst betrachtet zu werden ; aber als ein Phänomen, dem etwas fehlt. Was dieses Ftwas" ist, darüber herrscht heute noch große Uneinigkeit unter den Kunstfreunden. Niemand kann Dore eine erstaunliche Productivität bestrelten, wie man feit nuvens Zelten lerne foiqe erlebt hat. Niemand wagt es, ihm eine Kühnheit der Imagination abzusprechen, wie sie nur wenige andere Maler unseres Jahrhunderts besaßen. Alle Welt muß seine Vielseitigkeit bewundern, denn kein Gebiet der bildenden Kunst blieb ihm fremd,- von der Illustration, Gravüre. Aquarell-, Landschafts-, Genre-Malerei, bis zu? Historienmalerei und Bildhauerei. Jeder Sachkundige, oder wer auch nur mit einigem Gesmack von der Na tur begabt wurde, muß ihm eine Eompositionsgabe einräumen, wie sie nur den hervorragendsten Kunstgenies eign gewesen ist. Dreist wäre aber auch Derjenlge, welcher bei ihm den Sinn für Farbe, für Harmonie der Farben vermissen wollte. Namentlich viele der Landschaften, welche Dore in den letzten Jahren erzeugte, sind wahre Wundergebilde von stimmungsvoller Tonalität, und die Farbe ist ja fast Alles in der Landschaft! Was ist also das Fehlende? Dore war von emem bösen Geiste ver folgt, von der Ruhmsucht, und hatte kein Glück dabei; er suhlte Feldherrntalent in ncv. verlor aver Die erste arone Schlacht. Einmal geschlagen auf dem Felde der großen Kunst, in der Histo rienmalerel, semem Ideal, war keine Rettung mehr : die Kunstkritik der Ta gesprcsse, die selten ermuthigt, aber dafür um so häufiger schon manches Streben im Keime erstickt hat, sprach Gustave Dore, als er mit seinen ersten räumlich großen historischen Eomposilionen vor die Oeffentllchkett trat, die freilich m co loristischerBeziehung noch vieles zu wün schen übrig ließen, fchroff jeden Sinn sür Eoloristik ab, das Wort in seiner modernen Bedeutung genommen. Mit Recht oder Unrecht glaubte sich systematisch angefeindet und verfiel der Entmuthigung, ja der Verzweiflung, als seine unbestreitbaren Forlschritte keine Würdigung mehr fanden und das große Publikum allerwarts den Satz nachbe tete : Dore ist kein Maler !" Was unter der BezeichnungEolorist eigentlich zu verstehen ist, darüber sind sich die Gelehrten" kaum einig, und wird man auch wohl nie ganz darüber werden. Tizian, Rembrandt und De lacroix galten für große Eoloristen,allein die Malerei emes jeden derselben ist ge miß himmelweit von der des andern ver schieden. Auch hat der Satz allgemein Geltung erlangt, daß man in sehr ver schledener Weise Eolonst iem kann. Was Tizian betrint, so ist dieser in Bezug aus Farbengebung unnachahm bar geblieben, und wir gehen nicht wci ter daraus ein.ob daS Warme" Bren nende", Interessante, das sür unsere Augen überaus Reizende seines Colorits eine ursprüngliche und rnnereElgenschast semer Malwelse ist, oder ob das hohe Alter der Tizianischen Bilder das Vergelben des Firniß, wodurch ganz eigenthümliche, technisch unnachahmbare Farbentöne entstehen, zu dieser Erscheinung beitragt, oder ob die Harmonie des Gan zen, an seinen Portraits z. B. Vorzugsweise durch das malerisch vortheilhafce Costüm auS jener Zeit hervorgebracht wurde, oder endlich, ob nicht die große Ehrfurcht, mit welcher Generationen bindurch der Name Tizian von aller Welt ausgesprochen wurde, in unseren Köpfen eine Stimmung hervorruft, welche theilweise der Reflex gerade dieser Tradition ist. Bei der Nachahmung des Rem brandt'schen Kolorits ist man womöglich noch viel weiter hinter dem Original zurückgeblieben, als betreffs der' Tizian'schen Bilder. In der Londoner Nationalgallerie z. B. hängt das Portrait einer alten Frau, gezeichnet: Rembrandt 1634, an welchem sich mehrere der ge schicktesten Portraitisten der Neuzeit vergeblich abgemüht haben, um auch nur eine annähernd genaue Copie zu Stande zu bringen. Nembrandt's Farbengebung ist so durchaus einzig in ihrer Art, daß sie zur Kennzeichnung der coloristi' schen Richtung überhaupt keinen Maßstab mehr liefert. Was nun die Manier des Hauptsachlichen Stifters des neuesten koloristischen Genres, Delacroix, anbelangt, so ist dieselbe in der mannigfachsten Weife und mit den verschiedensten, technischen Mitteln nachgeahmt, modisicirt oder verschlechtes worden. Von diesem jetzt vielbeliebten Behandlungsmodus hätte Dore sich inspiziren lassen müssen, wollte er oie Kritik für sich gewinnen, welche heutzutage in der ganzen französischen Presse das große Wort sührt, die Kritik, wel cher auch das reiche Albion, wo der in dem geldgierigen Paris enttäuschte Künstler nicht das Echo deS systemati schen Tadels wiederzufinden glaubte; die Engländer priesen zwar aus voller Brust seine historischen Schöpfungen, und lobten sie aus der permanentenAusstellung. der Dore Gallery- in Old Bond Street, kauften sie aber nicht. Kurz, die koloristische Schul: macht sich im Großen und Ganzen zur Aufgabe, vorwiegend durch das Farbenspiel den Geist anzuregen, resp, alle Monotonie der Farben zu vermeiden und dadurch unterhaltend zu wirken, während die andere Richtung sich. wasFarbe anbelangt, insbesondere durch Langweiligkeit auszeichnet und nebenbei meistensnoch mehr oder weniger jede Erinnerung an die Nrtur verscheucht, den Kunstbegriss über Alles stellt, aber von oer,arbenharmo nie, wie sie die natürliche Erscheinung zeigt, so gut wie nichts wiederzugeben vermag. Gustav Dore muß trotz seiner hohen luafllerijchen Begabung rn die letztere Zkategorle eingeschrieben werden, soweit er aus der "gnmcle peinture" seine Lebensausgabe gemacht hat und seinen
oloristischen Sinn, den er unstreitig bei äumlich kleineren Arbeiten oft kundgab.
nicht auf den riesengroßen Oberflächen seiner historischen Gemälde anuwenden vermochte. Beruhte dieser Mißerfolg auf einem angeborenen Mangel seines Auges, das sich vor großen Oberflächen täuschte? Oder hatte er sich die alten Fresko-Maler zum Vorbild genommen, die man heute noch ungeachtet der Ein 's - - m lonlgieil lyrer Farbengebung vewun dert? War es ihm unbewußt, daß der moderne Geschmack viel eher mangel haste Zeichnung, flache Vorwürfe lnud Auffassung, ungeschickte Eomposttion Alles verzeiht, wenn nur die Farbe reizt . . . " uno !u,llg vor oem Auge des Beschauers .tanzt" ? Jedenfalls zögern wir nicht zu behaupten, daß Dore'S Kunstsinn groß artig genug angelegt war, um auch diese letzte Schwierigkeit zu bemeistern, wenn er nicht das Unglück gehabt hätte, auf dem Wege zur höchsten Stuse der Male n . .'rr . - - 1 rn ly,lemaii,2) entmuthigt zu werden. Die Kritik hat sein Gsnie oetödtet. Sie rief ihm mit cynischer Härte immer und - Sk m . f C mm. luiuiti uiiiut. ju i juu oiii em oeruym ter Illustrator; bleib' bei deinem Leisten. Du wirst nie ein Maler sein !" und protestlttno legte er Pinsel und Palette me-. der, um zu sterben. Wie der Tlivwl aus der Valz 'n Berliner Daschedieb Hot ei' gehe' lasse'. Ich sag' Jhne', ich bin nit usf de'Kopv g'falle, aber so 'was Schlaues und Gewandtes, wie en' Berliner Daschedieb, gibt's uff der Welt nit mehr! Des macht ebe' die Großstadt. Aber Een' hab' ich ei'gehe lasse', so was is noch nit dagewese', so lang die Welt steht un' die steht schun lang. Wie ich also in Berlin war, da bm ich gleich am erschte' Awend in's Dealer gcgange', natürlich parterr', denn ich bin e' Freund von der Bihn', weil s: merklich ein's von dene menschliche nschtltute ,3, die. wie ke' annercs, überall Bildung un Poesie bis in die weiteste Schichte der Bevölkerung hineintrache' und verbreite. Im Par terr' war's gestoppt voll un' e scheußliche Hitz'. Wie also der Mann mit die Erfrischulkge' gekumme' is, hon ich mir t9 Gefrornes genomme; aber wie ich'S zahle will, Dunnerwetter do hon ich ke' Geld. Ich such' in alle Dasche 'S Portmonneh war wech rein wech. Stiwwel", denk ich, des hat dir e Da, schedieb g'schtohle'- un' richtig so war'S aach. Sie kenne' sich mei' Verlecheheit denke'. Ich hab' des Gesrorne gleich Widder zurückgegebe', und dem Mann gesacht: ' thät wer leid, aber ich wollt' liebere' andermal e' Gesrornes esse';aber der Mann mit die Süssichkeite' Hot mer serchterliche Grobheite' gemacht, un es Hot nit viel gefehlt, so wär' ich 'nausgeschmisse wore. Am zweete' Tach geh ich wieder in's Dealer, oder nicht m'S Parterr, sundern in's Parkett. Wie ich zwischen dem erschte un' zweete Akt nach meiner Geldbörs' such' wech wor se ! Zum Glück hab' ich die Gewohnheit, nie mei' Geld uff e'mal mit mir zu nehme', sondern immer nor en' Theel, un' Por temonnehs un Geldbörse hon ich aach genuch, mer kriecht ja so Dinger alsfort geschenkt. Aber die Geschicht' war mer doch zu dumm ! So toujour in amsort bestohle' zu werde' is ke' Schpaß! Na wart'-, hon ich mir gedenkt, .den unverschämte' Taschedieb loßte emol gehörich eingehe." Am dritten Tag hon ich mer a Loschebillet gekaast un in mei' Vortemonneh lauter Pfennigsticke 'nei getha'. Die Losch' war zum Erdrlcke voll. Ich sitz' wieder e' Weilche' richtig, da schpür' ich, wie's an meiner Hosentasche zuppt un zuppt. Zuvp nor zu denk ich mer, diesmal gehte '!" Wie lch in die Hosedasch' lang', mT . 9m t 1 fl . . . war richtig mei lLelooor fort. li' gegange!- hon ich mer gedenkt. Da kommt ubcr e' Weilche' de Loschediener un kloppt mer uff die Achsel und sacht : Sie möchte' e' wenig 'naus komme' es isch e' Herr drauße, der Sie spreche will." Ich geh' natürlich gleich 'naus um zu sehe', wer's is da steht e' baumlanger Karl do, der haut mer e' Ohrfeich an de' ikopp, oaß rch gemcent hob, ich hob keen' mehr, un' secht: So, dees wer' sür de' Betruch!" Eh' ich mich aber besunne hob, was for e? Betruch er meent, war er verschwunne und ich hob 'n nimmer gcsehe grod, als wenn 'n e' heilig Du::nerwetter in de Erdbode nei verslache hätt'. De Kopp Hot mer gebrummt, aber ich hob mich doch ge freut, daß ich den Karl so sche' hob ei' gehe lasse, denn der Herr war offenbar der Dasch?dieb, un mit de' Betruch Hot. er die Pscn'.uch' gemeint, die er in mei ner Geldbörs' g'funne Hot!" Wohlthätcr.rcudcn. Das nenn' ich für die Menschheit sor gen! Das nenn' ich eine Opferthat! Ich spielte kürzlich bis zum Morgen Den großen Ueberschwemmung? Skat. Ich ließ mich fragen", lies', mich rei zen . Ob auch die Gattin mich vermißt: Wer wird auch mit der Stunde geizen, Wenn's sür die Ueberschwemmten ist ? Und auf dem Herren-Abend wieder Bewährte sich mein Opfersinn : Ich hörte Scherze, hörte Lieder Bis fast zur ersten Dämm'rung hin. Ich ließ in's Glas mir willig schenken DaS braunste Bier, den kältsten Wein: Wer wird auch an's Nachhausgeh'n den ken? Es gilt ja sür den deutschen Rhein ! Und eh' sich nicht die Fluthen dämmten. Wird auch mein Opfermuth nicht leck: Heut' t a n z' ich für die Ueberschemm ten Und morgen e s s' ich für sie Z w e ck. Was man verlangt, ich trag's ergeben.... Und brimlich nur gesteh' ich ein : , Kein schönerer Genuß aus Erden Als Bummler sür die Armen sein ! . (Ulk.)
