Indiana Tribüne, Volume 6, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1883 — Page 3

Aie Zukunft dcs Deutschtyums in Amerika.

Von CarlToisrS.'eu. Schon vielfach ist in den letzten Iah ren die Frage besprochen worden, ob der Strom deutscher Einwanderung auch in Zukunft sich in genügender Stärke den Vereinigten Staaten zuwenden werde, um den Fortbestand deutscher Sprache und deutscher Sitte in diesem Lande zu sichern. Da der Fortbestand der deutschen Sprache in Amerika ausschließlich von immer neu eintreffendem Nachschub di rekter Einwanderung au dem alten Vaterlande abhängt, dürste als ausge macht betrachtet werden, denn alle Er fahrung lehrt, daß die hierzulande ge borenen Kinder deutsche? Eltern selbst bei der sorgfältigsten Erziehung und Uederwachung nur zu ungern deutsch sprechen, lesen und schreiben und sich dieser Sprache nur irr Umgang mit ihren El lern und Lehrern bedienen, wahrend sie unter sich selbst stets nur englisch reden. Dies die Regel ; die Zahl der AuZnah men ist betrübend gering. Sehen wir nun den Fall, daß die deutsche Einwan derung plötzlich und für immer aufhörte, waZ wäre die Folge? DaLLild, das die Beantwortung die ser Frage uns vor Augen führt, ist kein erfreuliches. In weniger als zwei Iah? zehnten waren die meisten der jetzt in den Vereinigten Staaten erscheinenden deut schen Zeitungen eingegangen, während die übrigen unter englischen Namen, in englischer Sprache und für ein nur eng lisch lesendes Publikum erscheinen würden. Die vielen deutschen Schulen, die theilweise jetzt schon ein kümmerliches Dasein fristen, würden schon in wenigen Jahren ihre Thüren schließen, oder aber sich in englische Lehranstalten verwan dein müsien, in denen daöDeutsche HSch stens als allgemeines Bildungsmittel gelehrt werden würde, wie in ahnlichen Anstalten Deutschlands das Franzosische oder Englische. Die deutschen Predi ger, die des Englischen nicht hinreichend machtig sind, um ihre Gemeinde in der Landessprache zu 'bedienen, würden gar bald genöthigt sein, sich nach einem an deren ErwerbZzweig umzusehen, oder aber nach Deutschland zurückzukehren. Die zahlreichen deutschen Vereine und Gesellschaften würden mit dem allmäli gen Aussterben ihrer Mitglieder mehr oder minoer rasch dahinsiechen, um in nicht seiner Zukunst gänzlich einzugehen, oder sich in englischredende Clubs zu verwandeln. DaZ deutsche Lied, dessen Pflege sich seit der Gründung des ersten deutschen Gesangvereins in diesem Lande (Philadelphia Männerchor. 1835) als ein so mächtiger Hebel zur Förderung deutscher Sitte und Gemüthlichkeit er wiesen hat, würde verstummen und ans den der Geselligkeit und dem Frohsinn yeweihten Hallen zöge bald als letzter Sänger der letzte Deutsche hinaus." Für immer dahin wäre es in kurzer Zeit mit der Aufführung deutscher Bühnenstücke, und die Abhaltung deutscher Sänger-, Schützen, Turner- und Volksfeste, Leh rettage u. s. w. gehörte gar bald zu den gewesenen Dingen. Kurzum, in wemger als drei Jahrzehnten wäre Alles, was an deutsches Leben und deutsche Sitte erirn:rt, so vollständig aus diesem Lande verschwunden, als ob cS niemals ein starkes deutsches Bevölkerungselement hier gegeben hätte. Manchem Leser wird dieses Bild vielleicht gar zu düster, gar zu schwarz aus gemalt erscheinen. Gewönnen wir unsere Kinder nicht an den Gebrauch der deutschen Sprache? wird man sagen, ehalten wir sie nicht zum Besuch deutscher Schulen an? Wohnen sie nicht mit uns dem Gottesdienst in deutschen Kirchen bei? Wie wäre da ein gänzli lichis Ausflerbin der deutschen Sprache in Amerika zu befürchten V Man gebe sich keinen Täuschungen hin. Von den hierzulande geborenen Kindern deutscher Eltern ist. wie schon oben bemerkt, nicht das Mindeste für die Pflege deutscher Sprache und Sitte zu hoffen,' denn die Erfahrung lehrt, daß sie sich fast durchgängig nur mit Widerwil len der deutschen Sprache bedienen, und daß sie, kaum den Kinderschuhen entwachsen, nicht selten die Abkömmlinge angelsächsischer Eltern an bornirtem Fremdenhaß auszustechen suchen. Wer hatte nicht schon vielfach Gelegenheit, die Träger deutscher Namen sich alle Mühe geben zu sehen, englischer als die Eng lischen" zu sein, um die vermeintliche Schmach ihrer deutschen Herkunst in Vergeffenheit zu bringen? Und wer fühlte sich nicht schon sattsam angeekelt von der Unsitte des Englisirens ehrlicher deutscher Namen eine Unsitte, der leider nur zu viele eingewanderte Deutsche huldigen ? Wir wiederholen es, von den hier ge borenen Kindern deutscher Eltern ist trotz der sorgfältigsten häuslichen Erziehung, trotz der redlichsten Bemühungen seitens der Schule, der Kirche, der Presse und anderer wirkenden Faktoren durchaus nichts für die Erhaltung des DeutschthumS zu erwarten, und nichts als ein beständiger und in genügender Stärke herbeiströmender Nachschub vom alter Vaterlande vermag demAussterben deut scher Sprache nnd Sitte in diesem Lande vorzubeugen. Auf der fortdauernden Einwanderung allein beruhen unsere Hoffnungen. Allein," wird man uns einwenden, die deutsche Sprache hat sich zwei JahrHunderte lang in gewiffen TheilenPennsylvaniens erhalten und der englischen gegenüber ihreSelbstständigkeit gewahrt. Warum sollte sie nicht im Stande sein, dies fernerhin nicht nur in Pennsylvamen, sondern allerwärts, wo das deutsche Element in genügender Stärke vor Handen ist. zu thun V Diese Frage ist leicht zu beantworten. Vor zweihundert Jahren, als der Osten Pennsylvaniens durch Pfälzer und an dere Deutsche besiedelt wurde, wußte man noch nichts von Dampf, Electricität und anderen, den Verkehr so außerordentlich erleichternden und fördernden Faktoren, die heutzutage selbst die größ ten räumlichen Entfernungen auf ein Minimum zusammenschrumpfen lasten und die Bewohner aller Theile eines Landes mit einander inBerührung brin

gen. Waren diese Faktoren damals schon vorhanden gewesen, so hätte das Englische längst schon das Deutsche in jenen ursprünglich von Deutschen beste delten TH.'ilenPennsylvaniens verdrängt, wie es dies jetzt unaufhaltsam thut. Wie hartnäckig es auch von Einzelnen geleug net erden mag, so steht es unumstößlich fest, daß die pennsylvanisch'deutsche Mundart im AuSsterben begriffen ist. Vor dreißig Jahren noch hörte man in Allentown, Reading und anderen Städten Ost'Pennfylvaniens die Kinder auf den Straßen nur deutsch sprechen. Wie anders ist es seitdem geworden ! Und doch ist nichts natürlicher als das. In unserem regen Zeitalter und ganz besonders in unserem fieberhast regen Lande ist es eine Unmöglichkeit, daß ir gend eine besondere Klasse der Jevölke rung in strenger Abgeschloffenheit verharre; und wo dieser Damm einmal durchbrochen ist, wo sich englische Elemente unter den deutschen festgesetzt haben, da trägt die herrschende Landesspräche den Sieg davon. So lange vie Kinder der deutsch pennsylvanischen Bürger nie oder nur selten mit englischredenden Kindern in Berührung kamen, sprachen sie deutsch ; sobald aber diese Abgeschloffenheit aufhörte, mußte das Deutsche im Kindermund dem Englischen weichen, und ehe die gegenwärtige Generation Deutsch Pennsyloanier .zu Grabe getragen ist, wird auch der deutsch-pennsylvanische Dialekt, als sol cher. aufgehört haben zu cxistircn. Je nach dem größeren oder geringeren Strom deutscher Einwanderer wird man auch ferner mehr oder weniger Deutsch in jenem Theile des Staates vernehmen; allein es wird ein vom jetzgen Pennsyl-vanisch-Deutsch sehr verjchieoenesDeutsch sein und vor Allem nie wieder dem Eng tischen die Oberherrschaft streitig zu ma chen vermögen. Aehnlichen Verhältniffen begegnen wir übrigens auch in anderen Theilen desLandes, in denen größere, ausschließIich deutsche Colonien der deutschen Sprach: eine dauernde Heimstätte gestchert zu haben schienen, (so z. B. inWiZ consin, Michigan, Minnesota, Missouri und TexaS), bis endlich das Eindringen des Englischen den schönen Traum zerstörte, indem es die Kinder der Deutschen für die englische Sprache gewann. Und so wird es jederzeit und allenthalben sein. So lange sich eine deutsche Colonie in strenger Abgeschlossenheit zu halten und namentlich die Kinde? vor dem Umgang mit den englischredenden Kindern "zu bewahren vermag, so lange und nicht länger wird die deutsche Sprache die herrschende sein. Doch wie bereits oben gezeigt wurde, ist eine solche Abgeschloffenheit f-r die Dauer in unserem Lande und in unserem Jahrhundert undenkbar, und darum müßte die deutsche Sprache, und mit ihr deutsche Sitte und deutsches Leben in Amerika, in nicht ferner Zukunft aussterben, wenn ihre Erhaltung nicht durch fortdauernde EinWanderung aus dem alten Vaterlande gesichert würde. Auf der Einwa: d:rung, und nur auf der Einwanderung, beruhen unsere Hoffnungen sür die Erhaltung des Deutschthums in dies:m Lande. Werden diese Hoffnungen in Ersül lung gehen? Gar ost wurde im letzten Jahrzehnt diese Frage aufgestellt, und nicht gering war die Zahl der ängstlichen Gemüther, welche das gänzliche Versiegen der Ein Wanderung sür ausgemacht hielten und damit die deutsche Sprache auf den

Aussterbe-Etat gesetzt wähnten. Wthr ist e, daß die Einwanderung von 1874 an in höchst auffallender Weise abnahm, bis sie 1877 auf ein Minimum herabsank, das die schlimmsten Befürchtungen für die Zukunft entschuldbar erscheinen ließ. Wir halten es sür überflüssig, die Ursachen dieser erstaunlichen Abnahme hier auseinander zu setzen, da dieselben jedem intelligenten Leser zur Genüge bekannt sind. Allein schon zu jener Zeit der Ebbe wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die der Einwanderung zu Grunde liegenden Motive im Allgemei nen heute noch dieselben sind, die sie vor zwei Jahrhunderten waren, und daß sie es voraussichtlich noch lange bleiben werden. Wird auch heutzutage Niemand mehr durch religiöseAerfslgung gezwun gen, dem Lande seiner Geburt denRücken zu kehren, wie es in früheren Zeiten der Fall war den Judenhetzen der neuesten Zeit liegen Motive zu Gründe, die mit Religion nichts zu thun haben so werden die in der alten Welt stets zunehmende Uebervölkerung und die in Folge derselben sich steigernde Mißlich keit der mirthschastlichen Verhältniffe, sowie die häusigen, Gut und Blut verschlingenden Kriege und der dadurch bedingte stramme Militarismus Uebelstände, unter denen Deutschland vorzugswels: zu leiden hat uns immer und immer wieder Schaaren von EinWanderern zuführen, um die durch das Aussterben der Früdergekommenen verursachten Lücken zu süllen, und aus dieser Quelle werden auch die sich lichten den' Reihen der Deutschen in diesem Lande sich beständig rekrutiren. Wir dürfen daher getrost der Zukunft entge genschen; das Fortbestehen des Deutsch thumS in Amerika ist, auf lange Jahre wenigstens, als gesichert zu betrachten, und mag auch hin und wieder tiefe Ebbe in der Zahl der neuen Ankömmlinge eintreten, die Fluth wird stets wiederkehren, wie sie nach der Ebbe der fünf Jahre von 18731878 gewaltig wiederkehrte. Amerika und Australien bieten den über zähligen Millionen Europa's noch auf O.I f. ini2 in nJ49 iin Ins. lUllv jli 111" vn iwiinw uuu ivi nendes Feld für ibre Thätigkeit, und weder d'ie temporären Gefchäftskrisen, von denen wir belmgesucht werden, noch andere Hinderniffe, wie z. B. verschärfte Auswanderunasgesetze, werden der Eml gration dauernd Schranken zu setzen rermöaer; die große Maffe der Europa müden aber wird nach wie vor, zum Aerger Bismarcks und der deutschen Ne gierungen, nach den Vereinigten Staa ten gravitiren, wo reichlicher als anders wo die Grundbedingungen zur Errei chung einer menschenwürdigen Existenz gegrben sind. Was nun die im Jahre 1874 eingetretene Abnahme in der uns von Europa, namentlich von Deutschland zuge führte Einwanderung anbetrifft, die bis 187 anhielt, so mag es uns zum Troste

gereichen, auS statistischen Quellen die Thatsache zu verzeichnen', daß ein ahnlicher Tiefstand in den letzten fünfzig Iah' ren wiederholt eintrat, stets aber einen

um so erfreulicheren Aufschwuug im Ge folge hatte. So belies sich im Jahre IKK?. V.5 sitfiTttwif irtftT hr efnripmrtnhfr S Sm V fr4V M v w ten Deutschen, Oesterreicher undSchweizer auf 3,444, ini darauffolgenden Jahre nur aus 911, im Jahre 1830 dagegen wieder aus 2.083 und 1832 aus 10,323 Seelen. Im Jahre 1814 stieg die deutsche Einwanderung auf 19.073. um schon im nächsten Jahre ans 8,859 Köpfe herabzusinken, wohingegen sie 1836 aus 21,152 und 1837 aus auf 24,123 an schwoll. Aebnllchen Schwankungen be gegnen wir von jener Zeit an bis auf unsere Tage. So kamen im Jahre 1847 nicht weniger als 74.472 Deutsche nach Amerika, im Jahre 1818 nur 58 784. Im Jahre 1834 stieg die EmWanderung auf 222.962, im darauffolgenden Jahre sank sie auf 76,351. Von 1855 bls 1866erretchte sie m keinem Jahre die Ziffer von hunderttausend Köpfen; im Jahre 1862 war sie sogar auf 28,276 aefunken. Erst nach Beendigung des Bürgerkrieges schwoll sie wieder an, bis sie 1872 die Ziffer von 155,695 erreichte eine Zahl, die nur hinter der von 1854 zurückblieb. Mit dem Eintreten der geschästlichen und wirthschaftlichen Krisis, die vom Herbst 1873 bls zum Jahr 1879 so schwer aus diesem Lande lastete und sämmtliche Zweige der Industrie lähmte, nahm auch die Einwanderung, namentlich die deutsche, in solchem Maße ab) daß sich ängstliche Gemüther bereits den schlimmsten Befürchtungen für den Fsrtbestand des Deutschthums Hingaben. Doch kaum waren die sieben mageren Jahre zu Ende, kaum hatte der erneuerte Wohlstand des Landes angefangen, sich be merkbar zu machen, so nahm auch die Einwanderung wieder zu, und zwar in nie dagewesener Stücke, bis sie in den beiden letzten Jahren ganz enormeZiffern ausmres. Man gebe sich indeffen nicht dem Wahne hin, daß der Strom der Ein Wanderung auch fernerhin beständig in gleicher oder zunehmender Stärke fließen werde. Reue Geschästskrisen und diese sind im Leben einer Nation unver weidlich werden denselben wieder auf ein Minimum beschränken, doch nur zeit weilig, denn immer und immer wieder wrrd er mit der ruckkehrenden Wrederbelebung des Handels und der Industrie stärker anschwellen. Noch harren viele Mlllwnen Acker des herrlichsten und fruchtbarsten Landes der Urbarmachung und verheißen dem Fleiße des deutschen Landmannes Wohlstand und Unabhän gtglert. Von Jahr zu Jahr werden amerikanische Broostoffe in Eu ropa einen ausgedehnteren Markt sinden, während die amerikanische Jndustrie, über deren Größe und Bedeutung der alten Welt aus der EentennialAus stellung die Augen" aus so unangenehme Welse geöffnet wurden, die europäische nicht nur mehr und mehr aus diesem iianse verorangen, onoern letzterer wgar aus ihrem eigenen Gebiete gesährliche Eoncurrenz machen wird, wie sie es bereits mit manchen Judustrieerzeugnissen (Uhren, Stahlwaaren, Maschinen aller Art, Pianos u. s. w.) schon gethan hat. Noch ungleich rascher rndeffen, als die wirthschastlichen und industriellen VerHältnisse in den Vereinigten Staaten sich heben, sind dieselben im alten Vater lande in der Verschlimmerung begriffen. Der glanendeAufjchwung, den Gewerbe und Industrie nach dem lehtenfranzösi schen Kriege nahmen, war durch künstliche Stimulation herbeiaesührt und daher nur von sehr kurzem Bestände; denn nach dem Platzen des Grundungöschmln dels und anderer Seifenblasen trat eine Stockung ein, welche sich noch wert fühlbarer machte als die, unter welcher wir in den Jahren 18731879 zu leiden hatten eine Stockung, deren Ende noch nicht gekommen, a nicht einmal ab zusehen lst. Rechnen wir zu biesenMiB ständen wiederholte schlechte Ernten mit ihren unausbleiblichen Folgen (Theuerung, Hungersnoth), sowie die furcht baren Überschwemmungen, von denen ein großer Theil Deutschlands und Qesterreichs unlängst heimgesucht wurden ; ferner das durch die politischen Zustände Europa und die nie endenden Kriegsbesorgnisse erzeugte Gefühl der Unsicherheit; die so schwer auf demVolke ruhenden Steuerlasten ; die unabweisbare Nothwendigkeit eines das Mark des Volks verzehrenden ungeheuren stehenden Heeres; die immer mehr um sich greisende Abneigung yegen den Militär dienst, sowie gegen Bismarcks drückende wirthschastliche Politik; sowie endlich die immer drohender ihr Haupt erhe bende Reaktion und die immer größer werdende Beschränkung der politischen und persönlichen Freiheit, für welche kein Gefühl nationaler Größe Erhitz zu bieten vermag so haben wir wahrlich der Ursachen genug, die zu einer Fortdauer der massenhaften Einwanderung, sei dieselbe auch noch so großen Schwankunzen untermorsen, Anlaß geben müssen. Die deutsche Regierung kann nur mit Besorgniß auf eine Bewegung bli cken, die ihr so viele der besten Kräste enlzieht, und sie wird daher zu allen möglichen Mitteln greisen, um die Aus -wanoerung zu erschweren. Ihre Be mühungen werden indeffen fruchtlos bleiben, denn die Maffe der Vaterlandsmüden wird sicherlich Mittel und Wege finden, allen Hinderniffen zum Trotze, zum Ziel ihrer Wünsche zu gelangen, und Amerika wird die anruckenden Schaaren fleißiger deutscher Landleute und Arbeite? freudig bewillkommnen. Wir wiederholen, der Strom der Ein Wanderung wird, wie in der Vergangen heit. so auch in der Zukunst seine Schwankungen haben ganz versie gen wird er nie, und darum darf uns auch um den Fortbestand der deutschen Sprache nicht bangen. Nach wie vor wird die deutsche Presse den erngewan derten Landsleuten Belehrung, Ausklä rung und Unterhaltung spenden: nach wie vor werden deutsche Schulen bemüht fern, den Kindern der Erngemanderten die Kenntniß der deutschen Sprache zu erhalten, wenn es ihnen auch nie gehn ' gen wird, denselben wirkliche Liebe sür die Sprache ihrer Eltern einzuflößen ;

auch fernerhin werde:? die Lehren und Tröstungen der Religii?? in den deutschen Kirchen und in de. Äscher Sprache zu vernehmen sein ; deutsch Frohsinn, deutsche Gesellschaft werden auch künftighin in den Hallen unser Vereine und Gesellschaslen gepflegt we?den,wäh-

rend deutscher Gesang und deutsche Feste in die Eintönigkeit des amerikanischen Geschastslebens willkommene Abwechslung bringen werden. Viel ist vim allen diesen Faktoren bereits gethan werden, um dem Deutschthum eine bleibende Stätte in diesem Lande zu schaffen ; al lein noch unendlich viel bleibt uns zu thun übrig. Redlich waren die Presse, Schulen, die Kirchen und die Vereine bemüht, die eingewanberten Deutschen in geistiger, sittlicher und geselliger Hmsicht zu heben und das Gefühl der Zu sammcngehörigkeit, da5 allein dem am:rikanischen Nativismus gegenüber ihnen Achtung erringen kann, zu nähren und zu starken, und erfreulich waren die Erfolge dieser Bemühungen ; allem noch größere Anstrengungen sind vonnöthen, wenn das Errungene für die Dauer erhalten, gekräftigt und erweitert werden so?. Zwei Dinge sind vor allem nothwendig, um im Verein mit den stets nachrückenden Einwanderungsfluthen da? Fortbestehen deutscher Sprache und Sitte zu sichern, nämlich - ConcentraNon und vereinte Thätigkeit einerseits und vereinte und rüstige Propaganda unter der amerikanischen Bevölkerung andererseits. Nur durch Eoncentration und' vereinte Thätigkeit kann für die Hebung und Förderung des Deutschthums Ersprießliches geleistet werden,und darum könnte sich die deutsche Preffe dieses Landes kein größeres Verdienst erwerben, als wenn sie mit all' ihr zu Gebote stehender Macht für die Gründung deutscher Gesellschasten in allen Orten in den Ver. Staaten wirkte, in denen sich Deutsche in hinlänglicher Zahl befinden. Jede größere oder kleinere Stadt sollte ihre deutsche Gesellschaft haben, nicht nur um, wie die von New Z)ork, Baltimore, Chicago u. s. w., die Einwanderer mit Rath und That zu unterstützen, sondern auch, um nach dem Muster der deutschen Gesellschast von Pennsylvanien in Phi ladelphia einen Kern zu bilden, um den sich das ganze intellektnelle und sociale Streben der Deutschen schaaren könnte, und jeder Deutsche sollte es sich zur Ehre anrechnen, Mitglied derselben .zu sein. Solche Gesellschasten wurden, wenn die Belprechung politischer und religiöser Streitsragen streng aus geschloffen blieben, den vortrefflichsten Boden zur Förderung und Erhaltung deutscher Sprache und Sitte, zur Ver edlung deutschen Wesens und zur Wah rung allgemeiner deutscher Jntercffen abgeben und sich als mächtiger Hebel deutscher Gesinnung erweisen. Sie müßten in allen d;e Förderung des Deutsch thums betreffenden Fragen und Bewegungen die Leitung übernehmen; ihre Stellung als Mittelpunkte des deutschen Lebens würde ihnen zu einem Ansehen verhelsen, das sich in vielen Fallen cmem bornrrten Nativismus gegenüber suhlbar inachen dürste. Allein auch unter der eingeborenen Bevölkerung müssen wir auf jede mög liche Weife für deutsche Sprache und Sitte Propaganda zu machen suchen. Es gab eine Zeit, da der Amerikaner mit vornehmer Geringschätzung aus unsere Sprache herabblickte, während er das Französische als vorzügliches BildungSmittet betrachtete. Nun, die Zeiten haben sich geändert. und für jeden Amerikaner, der dasFrunzöttfche studirt, giebt es heute zehn,' die sich der Erlernung der deutschen Sprache befleißigen. Mit anderen Worten: Das Deutsche ist bei den Amerikanern fashionabel geworden, und dieser Umstand sollte nach Kräften ausgebeutet werden, um das Studium der deutschen Sprache immer mehr unter den Eingeborenen zu verbreiten. In welcherWeise nun dies auch geschehen mag, die RückWirkung auf die in diesem Lande geborenen Kinder deutscher Eltern kann nur eine sehr wohlthätige sein : denn wenn der Amerikaner angelsächsischer oder kektischer Abkunst aushört, daS Dutch- zu verhöhnen, im Gegentheil Jntereffe und Neigung sür das Deutsche zeigt, so werden auch die Nachkommen der eingewanderten Deutschen sich der Sprache ihrer Eltern nicht länger schämen.sondern derselben ein wärmeres Jntereffe entgegen bringen. Nur durch die angloamerikanische Bevölkerung können wir auf unsere Jugend deutscher Abkunft wirken, und schon deshalb sollte Nichts unversucht bleiben, was eine wohlthätige Wirkung aus letztere verspricht. Man nehme daher jede Gelegenheit wahr, die Amerikaner sür deutsche Sprache, Sitte, Kunst, Wiffenschast und Literatur zu inleresstren ; die segensreichen Resultate werden nicht ausbleiben und noch künf tige Generationen deutscher Einwanderer werden die 'Früchte unseres Wirkens ernten. Zum Schluffe mag es am Platze sein, noch einen Blick in die ferne Zukunft zu werfen und die Frage zu stellen : ,WaS wird das Schicksal des Deutschthums in den Ver.Siaaten sein, wenn dieses Land erst selbst an Uebervölkerung leidet, wie jetzt das alte Vaterland und Europa im Allgemeinen?" Manchem mag diese Frage verfrüht erscheinen ; bei reiferem Nachdenken wird man sich jedoch gestehen müffen, daß sie dies keineswegs ist. Vor einem Jahrhundert betrug die Bevölkerung der Ver. Staaten weniger als vier Millionen Seelen; jetzt ist dieselbe auf mehr als zweiundfünfzig Millionen gestiegen, hat sich also mehr als verdreizehnsacht. Sollte die Zunahme durch natürliche Vermehrung und Einwanderung in demselben Verhältniß fortschreiten, so würde das Land in ungesabr sechzig Jahren über 400 Millionen Einwohner haben, also mehr als Europa jetzt hat. Da nun die Ausdehnung der Ver.Staaten etwas geringer ist, als die von Europa, so sehen wir, daß die Uebervölkerung schon in weniger als fünfzig Iah ren hier ebenso fühlbar sein würde, wie sie es jetzt schon in Europa ist, und daß letzteres daher seine überschüssigen Millionen nach anderen Theilen der Erde entsenden müßte, die noch Raum genug sür dieselben hätten. Mit dem Aushö-

ren der Einwanderung ober würde das zu Eingang dieses Artikels entworfene Bild vom gänzlichen Aussterben des Deutschthums in diesem Lande zur buchstäblichen Wahrheit werden, und zwar, da die Erhaltung der deutschen Sprache und Sitte nur osn der Einwanderung abhängt, in weniger- als siebzig Jahren. Wir sehen also, da die oben gestellte Frage keineswegs verfrüht kommt, und daß die Möglichkeiten, die uns dieselbe schauen läßt, für uns Deutsche nichts Angenehmes haben, wenn' wir nicht etwa in völliger Gleichgültigkeit- für denFortbestand des DtutschthumS' dahin leben. Ob die Zunahme der Bevölkerung dieses Landes in demselben Verhältniß, wie bisher, fortschreiten wird ist natürlich eine schwer zu beantworter Frage. Die Wahrscheinlichkeit spricht gegen eine solche Annahme. Die Statistik beweist, daß die seitherige Zunahme abgesehen von der Einwanderung hauptsächlich der größeren Fruchtbarkeit der Eingevanderten zuzuschreiben ist, während die Zahl der Geburten unter den Eingeborenen i gewiffen Landestheilen kaum genügend war, die durch die Sterblichkeib verursachten Ausfalle zu decken. Da nun? aber die Kinder der Eingewanderten' in sede? Beziehung als Amerikaner zu betrachten find und mit der Lebensweise derselben auch größtentheils deren Abneigung gegen großen Kindersegen erben, so erscheint es kaum annehmbar, daß die Zunahme der Bevölkerung durch natürliche Vermehrung in demselben Verhältniß', fortschreiten wird wie bisher, und schon aus diesem Grunde dürste die Frist, binnen deren eine Bevölkerung von 400 Vttllionen zu erwarten ist, weiter hinaus zu rucken sein, etwa auf hundert Jahre. Innerhalb dieser Zeit können verheerende Kriege, wie unser Bürgerkrieg, die Zunahme der Bevölkerung zeitweilig hemmen, ganz abgesehen von andern Ursachen,wie z. B. ungeheure Epidemien, die einen lähmenden Einfluß auf dieselbe ausüben mögen. Und wer bürgt uns dafür, daß sich unter der eingeborenen Bevölkerung nicht wieder einmal eine den Ausschluß, aller Fremden bezweckende Bewegung erheben mag, die den Congreß zu einem Vrbot oder wenigstens zu einer Beschränkung der europäischen Einwanderung zwange? Wäre es undenkbar,daß bei herannahender Uebervölkerung die Jntereffen der eingeborenen Arbeiter, Handwerker und Landwirthe durch die europäische EinWanderung ebenso sehr geschädigt würden, wie die Jntereffen der arbeitenden Weißen der Pacific-Küste jetzt schon durch mongolische Einwanderung geschädigt werden und daher ebenso gut Schutz verlangen, wie letztere ihn verlangen ? Verschli-ßen wir unsere Augen der Thatsache nicht, daß der Zeitpunkt, wenn bei eintretender Uebervölkerung die.EinWanderung von selbst aushört, früher oder später kommen muß, und daß dies geschehen wird, ehe ein Jahrhundert verflössen ist, wenn die Grenzen der Ver. Staaten dann noch dieselben sind wie heute. Dieses We;m" aber verändert die ganze Sachlage und stellt der europäischen Einwanderung eine noch vieleJahrHunderte lange Zukunst in Aussicht. Kein vernünftige? Mensch kann daran zwei feln, daß, sobald sich Anzeichen von Uebervölkerung einstellen, die Grenzen der Vkr. Staaten sich nach Norden und Süden hin ausdehnen werden. Der Anschluß Canadas und des gesammten britischen Nordamerikas ist überhaupt nur eine Frage der Zeit, und die friedliche Annektirung Mexikos ist durch den in Angriff genommenen Bau einer New York mit der alten Hauptstadt der Azteken verbindenden Eisenbahn bereits eingefädelt. DaS britische Nordamerika und Mexiko aber werden den bewohnbaren und kulturföhigen Flächenraum der Ver. Staaten um nahezu das Doppelte vermehren und für etliche hundert weitere Millionen Raum schaffen. Und dann sind noch Central und Südame rika da, deren Regeneration nur durch angelsächsische und deutsche Thatkraft zu bewerkstelligen ist und die für weitere Hunderte von Millionen Raum bieten. Daß in ' näherer oder fernerer Zukunst das Sternenbanner über ganz Nordund Südamerika wehen wird, ist kaum zu bezweifeln, und daher erscheint uns die vielgeschmähte und verspotteteBlaine 'sche Idee als eines großen Staatsman nes würdig, wenn sie vielleicht auch verscüht kam. Auf alle Fälle aber brauchen wir um die Fortdauer der Einwanderung und denFortbestand desDeutschthums in Amerika nicht besorgt zu sein. Aus viele Jahrhunderte hinaus ist der deutschen Sprache und Sitte eine Heimstatte auf amerikanischemBoden gesichert, selbst wenn die Nachkommen der eingewanderten Deutschen für das Deutschthum so gut wie verloren sind.

List gegen Betrttg. Unter diesem Titel wird der Lib. Ztg." aus dem lithauischen Städtchen Schaden folgendes hübsche Geschichtchen berichtet, das, wie der Correspondent versichert, vor manchen anderen Geschichtchen den Vorzug besitzt, wahr zu sein. Auf seinem Gute in Polen lebte ein Guibesitzer allein ; seine Frau war längst gestorben, seine einzige Tochter war, fern von ihm, an einen Beamten verheirathet. Eine Wirthin stand den häuslichen Geschästen des alten Herrn vor. Da starb derselbe, und die Wirthin verschwand, bevor die vom Dahinscheiden des Vaters benachrichtigte Tochter von ihrem fernen Aufenthaltsorte herbeigeeilt war. Endlich kam die Tochter, um dem geliebten Todten die letzte Ehre zu erweisen. Nach einigen Taa,e stiller Trauer geht sie an die QrdnuV der Hinterlaffenschaft und sieht zu ihrem nicht geringen Schreck, daß alle Werthpapiere verschwunden sind. Unschwer wird dieser Umstand mit dem plötzlichen Verduften der Wirthin in Verbindung gebracht. Die auf solche Weise um ihr Eigenthum betrogene resolute E.bin weiß sich aber -zu helfen. Wir finden sie in der Stadt Telsch wieder, wo sie ein Kleidermagazin aussucht, um nach einer Stunde daffelbe alsDandy, nach der neuesten Mode gekleidet, zu ver lassen. Auch der schöne Haarwuchs der Dame war yeldenmuthig dem Rachewerk aeopsert worden. So unkenntlich ge I macht, eilt unsere Heldin nach der Neu

stadt, weil sie in Erfahrung gebracht hatte, daß die Wirthin sich mit ihrem Raube nach dort gewandt habe. Bald ist die Wohnung der diebischen Wirthin gefunden, und die Comödie beginnt. t Unser Dandy, der sich bei derWirthin als polnischer Gutsbesitzer eingeführt, weiß sich durch Galanterie und LiebensWürdigkeit in da5 Herz der Schonen einAnschleichen. Immer inniger, immer zärtlicher wird sein Benehmen, nd nach Verlauf von sechs Wochen steht. das Herz der nichts Böses ahnenden Diebin in vollen Flammen. Aber nicht gen?g damit. Der elegante,' liebenswürdige An beter sucht nicht nur süßer Liebe Sznel. Er hat auch reelle Absichten. Mit dem

glühendsten Geständnisse feiner unver gänglichen Liebe bittet erseme Dulcmm um ihre Hand und erhält die Zusage. Paradiesisch heiter vergehen die erstenTage nach der Verlobung da bewölkt sich die Stirn des Bräutigams und mit ihr der Lebenshimmel des' Pärchens. Die zärtliche Braut forscht ach dem Kummer des Geliebten, und er gesteht ihr, daß eine augenblickliche Geldverlegenheit ihn so bedrücke. Einig? tausend Rubel könnten seine Stirn glätten, die düsteren Nebel zerstreuen. Die nichts Böses ahnende glückliche Braut ist stolz darauf ihrem Angebeteten aus großer Verlegenheit helfen zu können und übergiebt ihm etwa 15,000 Rubel in Werthpapieren, die der Pfeudo Bräutigam als die seinigen erkennt. Sofort eilt unsere Heldin zur Behörde und zeigt nH geschehener Legitimiruna den Diebstahl an. Vorbei sind für die Wirthin die Träume von Liebes- und Eheglück, sie wird verhaftet, ihr Bräutigam läßt sie sitzen. .. . r- . ' uno wie !ükl er sie siZen ! Aus den Wanderungen von Edwin Booty. Der große amerikanische Traaöde. welche? jetzt in Berlin ein Gastspiel unter großem Erfolge absolvirt. tischt seinen dortigen Freunden folgendes lustige Märchen auf, welches das Berl. Taabl. reproduzirt: In den Tagen seiner ersten Kämpfe war der berühmte amerikanische tzschampieler Mitglied einer amsrlkantschen Wandertruppe, die sich zur Zeit, in der nachstehendcGeschichte spielt, in Lee's Landing, einem Orte in Virginia, befand. Das improvisirte Theater war in einem Tabakswaarenhaus aufgeschlagen, uno vie Pstanzer und Jäger der ganzen Umgebung bildeten das Publikum. Booty und seine Gefährten hatten es so arrangirt, daß sie unmittelbar nach der letzten Vorstellung den Wochendampser benutzen konnten, der spät in der Nacht erwartet wurde, wesüalb sie während der Zwischenakte eisrig packten. Gegeben wurde De? Kaufmann von Venedig-, und sie waren eben an die Ger,chtsscz:tt gelangt, als sie das Vsei sen des Dampfers hörten, und der Di rektor athemlos mit der Meldung hereinstürzte, der Dampser sei angekommen und werde in 10 Minuten fabrcn. Wenn sie ihn versäumten, so wären sie gezwungen gewesen, eine Woche in dem Neste zu verbleiben; die Verlegenheit. war daher lerne geringe. Wenn wir dieSache lang erklären," meinte der Direktor, .so wird sich daslAuditorium nichtsdestoweniger sür betrogen halten, und es kann zu einem Handgemenge kommen, bei dem wir den Kürzeren zieben. Das Einzige, was uns rctten kann. ist, daß Ihr, Jungens, ein natürliches Ende des Stuckes improvlnrt und dann so rasch als möglich den Vorhang fallen lastet. Vorwärts, meine Herren und Damen, und laffen Sie sich nur inAllem von Ned hier leiten !" Mit diesen Worten eilte er davon, um das Gepäck an Bord zu schaffen. Ned- war kein An derer als Booth, der den königlichen Kaufmann spielte, und der im Vertrauen aus die Ignoranz der damaligen Virgi nier sich leicht aus der Affaire zu ziehen hoffte. Als daher George RuggleS, der den Shylock gab fein Meffer an der Sohle zu wetzen begann, ging Booth geradeweg? auf ihn zu und sagte feierlich zu ihm: .Du bestehst also darauf, das Fleisch zu haben V Ich will Dein Leben! antwortete Ruggles-Shylock. Nun denn, ich will Dir noch einen Antrag stellen fuhr Booth fort; nebst diefem großen Beutel voll Dukaten geb ich Dir noch zwei Fäßchen Whisky, ein Schießgewehr und ein Paar der besten Schweißhunde im ganzen Staat." Ge' benkt will ich sein, wenn ich es nicht thue," antwortete der mit einem Male besänftigte Shylock unter allgemeiner Zustimmung ' des Publikums, welches, wie schon erwähnt, ans Tabakpflanzern und Jägern bestand, die für ein derart!ges verlockendes Angebot das nöthige Verständniß hatten. Zum Beweise der vollständigen Versöhnung wollen wir noch einen Virginia-Tanz aufführen !" waren. die Worte, mit denen Bosth seine Shakespeare-Bearbeitung schloß. Der Tanz wurde exekutirt und unter rau schendem Beifall des entzückten Audito riums siel rechtzeitig der Vorhang. Diegrößte Pastete. Wohl nie und nirgends ist eine Pastete gebacken worden, die einen Vergleich an Umfang aushielte mit jener, die im Jahre 1770 in Berwlck für den Baronet Grey nach London eingeschifft ward. Zu dem Teig waren 40 Pfund Mehl und 20 Pfund Butter verbraucht. Die Fülluna bestand aus vier astrachischen Gänfen, 2 welschen Hähnen, 2 Hasen, 4 wildenEnten, 2 Wald- und 12 Niedschnepfen, 4 Rebhühnern, 2 Kalbszungen, 6 Krammetsvögeln und 6 Tauben. Unten maß die Pastete 6 Fuß, und das ganze Back werk mußte auf vier Rädern an's Schiff und aus demselben transportirt werden. Ob der Geschmack der Maffe entsprach, darüber schweigt der Chronist. Narrenliste. Der Khalis Aron Erechid fragte seinen Hofnarren Bahaloul, wie viele Narren es in Bag' dad gäbe, und trug ihm aus, mit aller Genauigkeit eine Liste derselben anzusertlgen. Bahaloul entgeznete aber: Das Verzeichniß würde zu umfangreich wer den, und da mein Gebieter weiß, welch ein Feind der Arbeit ich bin, so will ich lieber eine Liste der Klugen ausseken : die wird wahrhastig kurz genug, werden, V ' f-- T - 4 . t. - . .' uno mein err errayri oaraus doch, wie viel Narren Bagdad umfaßt.-

Lluösprüche eines Don Juan. Das mundet l sprach er zum ersten Mal. Da hatte die muntere Nosa munda ihm daS Rosenmündchen zum Kuffe gereicht. 6? griff sie an und siegte nicht, und kam gepanscht nach HauS!"' sprach er, höhnisch lächelnd, zum zweiten Mal. Dameinte er den StudiosuS Halbhuber, der bei SchwanenwirthZ Dorothea sich einen kläglichen Korb geholt hatte. prahlt nur mit Karl und Eduard, mit Friedrich, Ludwig !" sprach er voll Selbstbewußtsein zum dritten Mal. Da sehte e? den Töchtern feiner Hauöwirthin auseinander, daß er aLein mehr werth sei, als die Genannten zusammengenom-' men. Sie 55mmt. sie kZinmt, des MÄtagS stolze Flotte!" sprach er zum vierten Mal. Da meinte er die flotte SicilZanerin, die er zum NendezvouS in der Laube bestellt hatte. Vlick' hin und chne' deines Ruhme? Fall !" sprach er zum fügten Mal. Dfr cnistatirte er, daß die sttame Karolinen seinen LorgniTN-Bemühuen unzwei deutige Gederden der Geringschätzung, und der Antipathie entgegensetzte. r kömmt aus dem kindlichen Alter der Welt, wo die Volker sich jugendlich freuten !" sprach er z.zm sechsten Mal. Da meinte er den harmlos-nawen Lehramtscandidaten, den es glückse!iz.machte, jeden Sonntag Nachmittag anr Fenster seiner abwesenden Braut vorüber zu. wandeln. Und der eitle, der üppige Reiz entwich, der die frohe Jugendwelt zierte !" sprach er zum siebenten Mal. Da einte er die sechsunddreißsahrige Familienmutter, die er vor sünszehn Jahren gekannt hatte. Nur wenn er glühet, labet derQuell sprach er zum achten Mal. Da ' drückte er dem Blumenmädchen, deffen sonst so bleiches Antlitz .von der Galoppade lebhast geröthet war, die Lippen auf die brennenden Wangen. Dies Alles ist mir unterthänig m sprach er zum neunten Mal. Da wies er von der Höhe der Gallerie auf eine Damengruppe des Ballsaals.

Auch eine Consultation. Der Herr Bechtelmcier, der in der Donau badet, sieht auf einmal seinen Rechtsanwalt Lämmlein neben sich auftauchen und sagt zu ihm: So, Sie hier, Herr Doktor ! Haben Sie die Vollmacht für mich ausgestellt Ist besorgt!" erwidert dieser, l?gt stch auf den Rücken und schwimmt davcn. Nach ein paar Tagen bekommt Bechtelmeier seine Rech nung vom Herrn Doktor und findet zu seinem großen Erstaunen darin einen Posten, der lautet: Item, eine Consultat:on m dc: Donau, macht 1 Mark. ' Kitzliche Frage. A. : Kennen Sie den Unterschied zwi schcn Mein und Dein ? B .: Nein. A. : Nicht ? dann sind Sie ia ein Spitzbub: ! B o m K r i c g s s ch a u p l a tz. .Das'aefällt mir eben doÄ nickt. ' Herr Pascha, daß ihr Muselmänner alle - Christen Glaurs nennt, denn das beißt doch wohl Christenhunde- !" 0 Herr Correspondent, das hat nicht mehr zu besagen, als wenn ihr Christen eure Hunde Sultan" nennt r Eigenhüm liche Anschau ung, ilne biedere tfamuie, die ich durch Stehlen schlecht und recht durch die Welt zu bringen sucht, sitzt Abends bei' sammen. Der Vater theilt die Beute aus und giebt ein goldene? Medaillon seinem ältesten Sohne. Halt !" rust da der Jüngste, das gehört mir, denn das hab' ich gestohlen ! Gelungene Rache. Nein. . es ist zu schändlich von dem Bürgermeister! Mich nicht einmal zu seiner Soi- -ree einzuladen ! Aber ich weiß, was ich . thu'! Nächste Woche geb' ich auch eineSoiree, und da lad' ich keinen Menschen dazu ein " Fürst und Arbeiter. Ein Fürst liebte es, i.r seiner Residenz um herzugehen und incognito an die wirklich Bedürftigen Wohlthaten zu spenden. So ist er auch im Begriff, dem sich als besonders arm hinstellenden Arbeiter Kunze eine Unterstützung zu geben. Vorher sragt er jedoch : Kennen Sie mich? Nein, Durchlaucht, war die Antwort des in diesem Augenblick nur an dos Geld Denkenden. Einem Lügner gebe ich nichts, sagte darauf der Fürst, uud kehrte dem Ver blufften ohne Weiteres den Rücken. . Im Hotel. Kellner : Entschul digen Sie, haben Sie ein Bad genom men ? Gast (erschrocken):. Warum? Feblt: eins ? !strf Rfrnn nn 8 . st n T ! I - -(f--jj- t Karl: Albert, du bist doch ein großerFn,mk5k Albcrt : Und du bist noch em weid r i - größerer ! Nater smelKer ZusaNZ Zn' N , !j I, IUMM.VL tritt und die Streitenden beruhigen will): Aber Kinder, so seid doch ruhig. :r. : t rn.xi , yi yuui u uuc uciuc jicui : siiltf TTsnttrnr NN.-.N. v Sieh mal, Schmul, da sitzt Einer von er Ci im C v cw w m vsmc ücui au ozz Nliageoanr : Sckmul : Nii was i 2 cnf Yfi - "i - - - ruwt f Christen si denn allein gepachtet ? VomRauchen. Unterosstzier: Rambe. was Mlin htr CZnVni fhnn. w ' m " -mr 9 " 9 wenn er mit der Cigarre in der Hausi&r,- n.ti ..v. . : m r i , . l iyut uuu eist OOrgcjCRllT I0MMI vorüber. Rambe : Dann legt der Soldat die Cigarre weg, tritt einen Schritt vor und mutui uic Honneurs. Unterossizier : Und was thut der Soldat, wenn, er mit der Cigarre am Jenster steht? Rambe : Dann tritt er einen Schritt., zurück und raucht weiter. I m A q u a r i u m. A: Warum mag sich wohl die Boa so in einen Knoten zusammengerollt haben V Vermuthlich will sie sich an Etwas innern !