Indiana Tribüne, Volume 6, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1883 — Page 2

Nach uns Die Sündfluth. Fernen von kwld gnft önt.

(9. Fortsetzung!) Hegst Du noch immer Furcht?" .Aufrichtig gesagt, ja! Von seiner Verwegenheit wird dieser John Carlsen trotz seiner grauen Haare noch nichts ein gebüßt haben, und mir könnte c5 am Ende doch nicht gleich sein, rotra mir ein kaltes Cisen zwischen die Rippen gestoßen ürde. Darauf hast Duä auch hinge deutet, als Du mich warntest, mir ohne Noth einen unversöhnlichen Feind zu schaffen." .So Laß die Dinge ihren Gang gehen ricth Tnte Lorchen. .Vergiß das Ver gange, Carlsen wird Dich gewiß nicht daran erinnern." .Schwerlich, aber mein Gedächtniß er innert mich daran, so oft ich diesen Mann sehe. Und eZ gefällt mir durchaus nicht, daß der Amerikaner sich nun meiner bei den Kinder bemächtigt und ihnen gegen über den Liebenswürdigen spielt." .Mir scheint das mehr auf Zufall als auf Absicht zu beruhen !" .Es mag sein, -aber er würde diesen Zusall nicht benutzt haben, wenn er nicht eine bestimmte Absicht gehegt hätte." Der Doktor war bei den letzten Wor ten in der Mltte des Zimmers stehen ac blieben und hatte horchend das Haupt erhoben, sein Blick, ruhte erwartungsvoll aus der Thüre, durch die gleich darauf teuaut und Hedwiq eintraten. Ihre heitere Stimmung schien ihn zu veruhlgen, weit entfernt, ihnen cmen Vorwurf zu machen, bat er sie, sich niedern: lassen, und ihre Erlebnisse in der Villa zu berichten. Bei der Schilderung Ellen's umwölkte sich seine Stirne wider, er mußte ja aus ihren Aeußerungen erkennen, daß die schöne Tochter des Amerikaners seinem Sohne nicht mehr gleichgültig war, aber gleichwohl konnte er nch Nicht entschließen, ihnen sein Geheimniß zu ent hüllen. Eugen brachte selbst endlich die Rede daraus hin, indem er die Ansicht äußerte. er halte la?ue:i keiner schlechten Hand lung fähig, der Vater müsse sich entweder in der Person irren, oder damals rn der Sache geirrt haben. Der Doktor schrack aus seinem Brüten empor, wie Jemand, derplöklich aus el nein angstvollen Traume erwacht, er fuhr ir.it der Hand über Stirn und Augen und rcaym geräuschvoll eine Priie. .Keines von beiden," erwiderte er, .hier ist weder in der Person noch in der Sache ein Irrthum denkbar, ich habe meinen Mann mit Sicherheit wiedercr kannt, und was die Sache betrifft, so lag sie zu klar am Tage, als daß ich mich hätte irren können. Es mag sein, daß er damals, als ich ihm rn schwerer Stun de Hülse leistete, mich nicht erkannt, und daß man auch später ihm meinen Namen nicht genannt hat, in diesem Falle weiß er nicht, daß ich seine Vergangenheit ken ne. Ich muß das annehmen, denn wenn er wüßte, daß ich in seine Geheimniffe eingeweiht bin, würde er sicherlich so klug sein, iede Berührung mit mir und mel nen Angehörigen zu vermeiden, ja, ich darf wohl vermuthen, daß er in diesem Falle seine Villa wieder verkaufen und die Stadt vertanen wurde. .So schlimm sind die Handlungen, die er begangen hat?- fragte Eugen. .Aber wenn auch, vor dem (sssetz sind sie vcr jährt " .Ich denke auch nicht daran, ihn vor den Schranken des Gerichts zur Verant wortung zu ziehen," fuhr der Doktor fort, .aber Euch beide möchte ich ernst und dringend vor jedem vertraulichen Verkehr mit ihm warnen. .Willst Du uns das nicht naher er klären?" fragte Eugen mit gepreßter Stimme. .Was yat iener Acann ver drochen ? Und in welcher Weise kamst du in Berührung mit ihm? Wenn wir dies wissen, dann sind wir im Stande, uns selbst ein Urtheil zu bilden, und ist er wirklich ein fluchwürdiger Verbrecher, so darsst Du auch darauf vertrauen, daß wir sein Haus nicht mehr betreten werden." .Meine Warnung muß euch genügen, erwiderte der Doktor. .Doch nickt, wir müssen einen triftigen Grund angeben können, wenn er uns fragt, weshalb wir seiner Einladung nicht mehr Folge leisten. Ueberdies weißt du auch, dem ich tn geschäftlicher Verbm dung mit ihm stehe, und auch hier müßte der Bruch mohvirt werden. .Und du würdest ihm den Grund offen nennen r .Sicher, ich würde kein Blatt vor den Mund nehmen, ich würde dann auch seine Vertheidigung hören..Und an die Gefahr, in die Du mich dadurch bringen konntest, denkst Du Nicht?" .Ich sehe hier keine Gefahr, ist der Amerikaner schuldig, so wird er, der Ein zelne, nicht wagen, dich anzugreisen, es bleibt ihm dann nichts Anderes übrig. als die Stadt zu verlernen !" .Nein," sagte der Doktor, .darauf lasse ich mich nicht ein. Ich halte es für rathsamer, das gefährliche Geheimniß zu wahren, zumal ich keine Möglichkeit Zehe, Bewege beizubringen, wenn diese gesor dert werden sollten. .Ich glaube, daß er mit seiner Tochter rn den nächzten Tagen uns besuchen wird, sagte Hedwig. "Ich zweifle daran so lange, bis ich ihn hier sehe, aber wenn er auch kommen soll 1c, mein Urtheil über ihn würde dadurch nicht geändert. Und nun genug davon, wir wollen zur Ruhe gehen, es ist spät genug geworden. Beherzigt meine War nuna, ne stutzt sich aus gute wrunde .Aber diese Gründe müßten wir doch erst erfahren," wandte' Eugen noch einmal cm. .Ihr sollt sie erfahren, wenn ich es für rathsam finde, mein Schweigen zu brechen und damit basta ! Damit war die Unterredung abgebro chen, gegen dieses .Basta" des alten Herrn durste lein Einwand mehr erhoben werden. 0 Zweiter 55 and. Erstes Kapitel. 3i -t Ztoli d Urmuth. Am Morgen nach jenem Sonntagabend Zaß Earlscn mit seiner schönen Tochter

auf der Veranda beim Frühstück, als El

len die Nede auf Hedwig Ladenburg und v. 1 . r. - er - ' " . - Li.r. (v . uic acjjnung auzzerie, oan vikie okuhoschaft dauernd sein möae. .Sollte dieser Wunsch nicht mehr dem Bruder als der Schwester gelten?" fragte Carlsen in einem scherzenden Tone. Die Wangen Ellen's färbten sich bims ler, aber sie gehörte nicht zu den Naturen. die sich leicht in Verlegenheit bringen las 1en .Und wenn es so wäre, würde es dich unangenehm berühren?" erwiderte lt. Min, mein Kind, und ick bin dir dankbar dasür, daß deine Offenheit eö mir erlauot, nun auch offen Mit Dir zu reoen, jagte er, indem er eine Cigarre anzündete und sich in seinen Sessel zurück lehnte. Du weint, dak ick in meiner Heimath zu bleiben wünsche, auf die Er l.'Zss... v:.r.a im r i r ' Iuug uiqcd iüunjcncä ooer oars lll) nur dann mit Sicherheit rechnenden es auch dir gefällt. Und gefallen wird es dir schon, -sobald em liebendea und geliebter Gatte dich hier an die Schwelle fesselt. Von diesem Gesichtspunkte aus kann ich also nur deine baldige Verlobung wünschen, womit natürlich nicht ausgesprochen tst, daß ich dem erstell besten Bewerber deine Hand zusagen würde. Nun sah ich den Eindruck, den dein erstes Erscheinen auf den jungen Nechtsanwalt machte, ich sah auch, da du au ihm Gefallen fandest, und ich leugne nicht, daß er auch meine Gunst und mein Vertrauen sich rn der ersten Stunde zu erwerben wußte. Die Erkundigungen, die ich über ihn einzog. bestätigten mein Urtheil, er ist ein Ehren mann in des Wortes vollster Bedeutung, und vor ihm liegt eine gesicherte Zukunft. So beschloß ich denn, die Dinge ihren Gang gehen zu lassen, und kommt es. wie ich wünsche und hoffe, so werde ich Eurem Herzensbund freudig meinen Se gen geben. Mit einem leisen Freudenrus hatte Ellen sich erhoben, sie neigte sich über das braune Antlik ihres Vaters und küßte ihn auf die Stirne. .Du guter, lieber Papa!" nibelte sie. .Nur nicht so ungestüm !" scherzte er. seinen Arm um sie schlingend und ihr mit einem Blick voll inniger Liebe tn die dunk len, freudestrahlenden -Augen schaute. Wir sind so weit noch nicht, und eS ist immerhin noch srcglich, - ob es so weit überhaupt kommen wird." Ja, freilich erwiderte Ellen mtt ei nem leisen Seufzer ; .ich kann doch nicht den ersten Schritt thun, und er hat vielleicht nicht den Muth." .Er wird den Muth schon finden, wenn er in deinen Auaen lies't, daß Du seine Liebe erwiderst. Und Du darsst auch jetzt noch keine Erklärung erwarten. sie würde zu rasch kommen. Alles will seine Zeit haben, liebes Kind, darum aed!de dich. Wir werden nun dem Herrn Doktor Ladenburg einen Besuch machen musjen, die Regeln der Höflichkeit machen uns das zur Pflicht .Jfl es dir unangenehm, Papa?' .Ehrlich gesagt, ja. Ich mache nicht gerne solche Anstandsvinten, und hat man einmal damit angefangen, so weiß man nicht, wo man die Grenze ziehen soll. Man kann es auch beim besten Willen nicht verhindern, daß man eine oder mehrere Familien übergeht, die darin na türlich eine Absicht entdecken und die Bc leidigung niemals verzeihen." .Aber wenn wir den Doktor Laden bürg besuchen, so muß das doch jeder na türlich finden, da wir ja mit feinen Kin dern verkehren," sagte Ellen, die auf ih rcn Sitz zurückgekehrt war und sinnend auf die Bluthenpracht des Gartens hm ausschaute. . .Die Leute, die es erfahren, werden trotz allcdem ihre Bemerkungen darüber machen," erwiderte ihr Vater achselzu ckend. .Doch, mögen sie es thun, wir sind nicht abhängig von ihnen und brau chcn uns nicht nach ihrem Urtheil zu rich ten. Und große Gesellschaft suchen wir ja nicht, wir geben keine großen Feste, ich will Ruhe haben." Und ich theile diesen Wunsch." nickte Ellen, .in diesem schonen Helm entbehre ich die rauschenden Vergnügungen nicht. an denen ich ohnedies kem Gefallen finde. Die Jreundschast Hedwig's genügt mir vollkommen, und vlellelchtqindest Du an ihrem Vater ebenfalls einen Freund .Wir wollen keine Pläne schmieden," unterbrach er sie. Die Stickerin wird heute Morgen kommen, du erinnerst dich, Onkel Schlichter empfahl sie uns, denke einmal nach, welche Aufträge wir ihr wohl geben konnten'" .Nur nicht zu viel auf einmal," sagte Ellen, fangen wlr mtt dem Gartensalon an. lis wurde yumd) ausieyen, wenn wir den Divan und die Sessel mit farbi gen Stickereien überziehen ließen, aber ich habe keine Ahnung von dem Preis, den wir dafür zahlen mußten !" .Wir lassen sie fordern und feilschen Nicht." .Sie wird zu wenig fordern, um sich die Arbeit zu sichern !" .Nun, soviel verstehen wir Beide am Ende auch davon, daß wir das schon he raussinden werdenscherzte Earlsen, .und dann ist es uns unbenommen, selbst den Preis zu bestimmen. Er'rpurde durch das Erscheinen Bobs unterbrochen, der ein junges Mädchen an meldete, das den Herrn des Hauses zu prcchen wünsche. .Führe sie in den Gartensalon und bitte ne, emen Augenblick zu warten," be fahl Earlsen, dann legte er mit einem lei sen Seufzer die Cigarre hin. .Ich hatte sie so früh noch nicht erwartet." wandte er sich zu Ellen, .aber freilich, bei den ar men Leuten beginnt der Tag früher, und jede Stunde müssen sie benützen." .Drum wollen wir sie auch nicht lange warten lassen," erwiderte Ellen, sich erhebend, und Arm in Arm traten Vater und Tochter in den Salon. Sie stutzten beide, als sie Helene sahen, die sa)uchtern, mit emem kleincl Packete in der Hand an der Korridorthüre stand. .Welch' schönes Mädchen!" flüsterte Ellen unwillkürlich. .Welch' fchmerzlich'e Erinnerung !" seufzte Earlsen. .Fräulein Helene Neuder, nicht wahr r wandte er sich zu dem Mädchen. .Ja." erwiderte Helene mit stockender Stimme, .Herr Heinrich Schlichter sagte

mir, Sie wünschten meine Stickereien zu Men."

.Ich bin Herrn Schlichter dankbar, das 1 er tote mir empfohlen hat. Bitte, nehmen fllfnb - w yiuy Ellen suhrte Helene an den Tisch und nöthigte sie, sich aus einen Stuhl niederzulassen, sie sah nicht, daß der Blick ihres Vaters wie gebannt ans dem schönen Aniii& ruyte. viuü) Helene bemerkte es ;ucht, denn sie hielt die Wimpern ae enlt. während sie ihr Packet öffnete und die Stickereien auf dem Tisch ausbreilele. Die Schönheit dieser Arbeiten fesselten bald die ganze Aufmerksamkeit des alten Herrn und seiner Tochter; bescheiden nahm Helene das Lob hin, das ihr gespendet wurde. Ellen wünschte die sämmtlichen Stickercien zu kaufen, Helene machte kein Hehl aus ihrer Freude, aber der Preis, den t nannte, war so niedrig, daß selbst der Amerikaner sein mißbilligendes Erstaunen darüber äußerte. .Es m derselbe Preis, der mir von dem Kaufmann gezahlt wurde, für den ich früher arbeitete," fagte sie.' .Sehr wvhl, aber lch bin kem Kaufmann, der mit diesen Stickereien handeln will," erwiderte der alte Herr scherzend. Sie werden mir erlauben müssen, daß ich Ihnen das Doppelte des geforderten Betrages zahle." .Das ist zu viel," ncf Helene über rasch t. .Keineswegs, wir zahlen den Werth, den diese Arbeiten sür uns haben, und Sie waren thöricht, wenn Sie mem ebot zurückweisen wollten. Sodann wünschen wir Stickereien für dieses Zimmer, wollen Sie die Güte haben, sie anzufertigen. .Sehr gern," antwortete Helene, der die helle Freude aus den Augen leuchtete. ,ch werde mich bemühen, Ihr ehrendes Vertrauen zu rechtfertigen." .Ellen, sei so gut und berathe das Nöthige mit dem Fräulein," wandte Carlien sich zu feiner Tochter: dann verließ er den isalon, um das Geld zu holen. In seinem Kabmet wanderte er auf dem reichen pcrflschen Teppich eme gerau me Weile auf und nieder. .Die Aehnllchkeit ist da, aber es liegt doch auch etwas fremdes tn den Zügen," iftftt V Yt? nil Sv K1 rtttlirt V. blV, IIUl UIV lilUlltl 1.1111 nertc mich an Therese und jene schöne. schmerzliche Zeit, die niemals aus meinem Gedächtniß schwinden wird. Vorbei ! fuhr er seufzend fort, indem er mit der Hand langsam über seine Augen strich. öle Jugend kehrt nicht mehr zurück, und das Alter darf keine Forderungen mehr stellen. Wenn ich damals festgestanden hätte, so wären jene Träume vielleicht in Erfüllung gegangen. Vielleicht wer kann es wissen ! und wie sagt der Dich ter? Was man von der Minute ausge schlagen, bringt lerne Ewigkeit zu rück ! Das ist vorbei vorbei für immer. Er blieb am Fenster stehen und ver schränkte die Arme auf der Brust, sinnend blickte er hinaus aus den Garten, der in der Sonnengluth vor ihnen lag. .Ob ich sie frage V nahm er nach einer Pause sem Selbstgewräch wieder auf. .Es wäre ja möglich, daß diefe Aehnlichkeit ihre natürliche Erklärung fände, und dann aber nein, in solchem Elend mochte ich These Nicht wieder sehen. Warten wir, bis die steigen und ge schickten Hände des Mädchens die Noth gebannt haben, und wenn dann meine Ahnung begründet ist, wollen wir uns in Ruhe der vergangenen Tage erinnern. Die Fragen könnten heute noch befrem den und verletzen und vielleicht zur Folge haben, daß cutter und Tochier scheu sich zurückzogen, um einem Wiedenehen aus zuweichen. Warten wir, es ist besser 0!' Er fuhr noch einmal mit der Hand über die Stirne und trat an seinenSchrcibtisch, aus dessen Schublade er einige Goldstücke nahm, dann lehrte er rn den Gartensalon zurucr. Helene zögerte lange, das Geld anzu nehmen, sie erhob noch einmal den Ein wurf, daß ihre Arbeiten d:esen Werth nicht hätten, aber Ellen machte kurzen Prozeß, mit heiterem Lachen wickelte sie die Goldstücke :n ein Papier und schob sie dem errathenden Madchen m die Tasche. .Sie müssen viele trübe Tage erlebt haben," sagte E. voll herzlicher Thcilnah me, .ich hoffe, ein gütiges Geschick wird sie nun enlicyaoigen. .So hätte ich es nur Ihnen zu verdan ken," erwiderte Helene, in deren Augen Thränen schimmerten. .Kommen Sie recht oft zu mir, wollen Sie ? Sie haben gewin, dann und warn ein Stündchen, das Sie gerne verplau dern möchten, und Sie dürfen auch nicht jeden Tag unausgesetzt arbeiten, wenn tote Ihre Gesundheit nicht rmrnren wol len." Helene hatte sich erhoben, ein wehmü thigcr Zug umzuckte ihre Lippen. .Ich arbeite gern, und was man freu dig thut, das kann der Gesundheit sicher lich nicht schaden," erwiderte sie lächelnd. indem sie mit einem warmen Händedruck von Ellen Abschied nahm, .aber ich wer de mich doch wohl Ihrer gütigen Erlaub niß erinnern und dann auch so frei sein. von ihr Gebrauch zu machen. Leben Sie wohl, und Gott vergelte Ihnen all' das Gute, was Sie an uns gethan haben." Als sie die Villa verließ, blieb ein Zun ger, elegant gekleideter Stutzer, der eben vorbeischreiten wollte, stehen und warf durch sein Monocle einen erstaunten Blick auf das Acadchen. Im nächsten Augenblick war er an ih rer Seite, er lachte spöttisch, als sie in sichtbarer Bestürzung stehen blieb. .Ich werde Sie eine Strecke begleiten sagte er lakonisch, und es lag etwas Be sehlenöes tn seinem Ä,one. .Wollen Sie noch immer nicht Vernunft annehmen, Helene? Ihr Eigensinn wird Sie und Ihre Mutter zu Grunde richten. Sie bereuen dann zu fpät, daß Sie meinen Vorschlag nicht angenommen haben." Die Gluth der Entrüstung übergoß das Antlitz des Mädchens, ein Zornes blitz traf ihn aus ihren dunklen Augen. .Wollen Sie wirklich so nnverschäm sein, diesen Vorschlag zu wiederholen? fragte sie' mit bebender Stimme. .Pah, ich finde darin nichts Unver-

schamtes," erwiderte cr achselzuckcnd. .Nehmen Ste doch die Verhältnisse, wie

sie sind ! Ich liebe Sie. ich will Ihr Sklave sem, Ste sollen Alles haben, was Sie beaehren, eine Loge im Theater, Eauipaae, eine schöne Wohnung, wir haben's ja, meine Mittel erlauben mir diese Ausaaben." .Wollen Sie mich zwinaen, die Leute, die uns begegnen, um Schutz gegen Sie zu bitten?" .Thun Sie es nicht, denn es ist keine Ursache zu dieser Bitte vorhanden, die Leute würden sie merkwürdig finden und darüber spotten. Ich wurde Ihnen emach sagen, lch habe Sie auf emerUntreue ertappt und mache Ihnen nun Vorwürfe darüber, dann wollen wir abwarten, wem die Leute Glauben schenken." tote sind em Elender!" .Bewahre, mein schönes Kind, ich will Sie ja reich und glücklich machen und mich zugleich Ihrer kranken, darbenden Mutter annehmen. Ich bm nun emmal vemarrt in Sie. und ich habe Ihnen schon ost gesagt, da ich Ihre Bedenken und Ihren hartnäckigen Eigensinn nicht begreifen kann. Ste haben metne Briefe unerbrochen zurückgehen lassen, und ich würde Sie langst besucht haben,, wenn ich Ihre neue Wohnung hätte erfahren können, deshalb segne ich den Zufall, der Sie mir heute tn den Weg führt. Ich vermuthe. Vle sind ausgegangen, um Arbeit zu fu chen, indessen scheinen Sie in jener Villa kein Glück gehabt zu haben. Lieber Himmel, weshalb wollen Sie sich immer noch neuen Demüthigungen aussetzen? Weshalb die schönen Augen mit der häßlichen Arbeit verderben ? .Mein Herr, Sie sind ein Schurke !" fiel sie ihm abermals in die Rede, und wenn ihr Blick eine vernichtende Kraft beicssen hätte, so wurde er den Stutzer niedergeschmettcrt und getodtet haben. Wenn Sie keine Achtung vor sich selbst haben, so nehmen Sie wenigstens Ruck sicht auf die Ehre eines unbescholtenen. wehrlosenMadchens.das Sie tn der nied rigsten Weise beschimpfen." .Pah, Sie nehmen das Alles zu tra gisch," erwiderte er mit unerschütterlichem Glelchmuth, Sie können den Lauf der Dinge nicht ändern, liebes Kind. Wenn Sie von Nuckuchten reden wollen, so mache ich Sie darauf ausmetksam, dan auch Sie Rücknchten zu nehmen haben und zwar auf die kümmerlichen Verhältnisse, m denen Ihre Mutter sich befindet." Diese kümmerlichen Verhältnisse be stehen nun nicht mehr," sagte sie mit scharfer Betonung. .Herr John Carl sen, der Besitzer jener Villa, hat mir Ar beit genug gegeben, daß ich der Zukunft ohne Sorge entgegenschauen kann. Und nun ersuche ich Sie, mich zu verlassen. wenn Ste mich nicht zwingen wol len " In diesem Moment fiel der Blick Hele ne's auf den Doktor Ladenburg, der eben m kurzer Entfernung vor ihnen um eine Straßenecke bog und in seiner gewohnten lebhasten Weise mit raschen Schritten weiter gehen wollte. Ihr Rus bewog ihn, stehen zu bleiben. der tunge Stutzer, dem eine Begegnung mit diesem Herrn wohl nicht angenehm sem mochte, wandte sich hastig um. .Sieh da, sieh da," sagte der Doktor erstaunt, als Helene sich an seiner Seite befand' .was haben Sie denn mit dem jungen Vlumbach noch zu schassen?" .Der ehrlose Mensch verfolgt mich noch immer," erwiderte sie mit angstvoller Stimme ; .ich glaube, er will nur erfor schen, wo ich wohne, und es sollte mich Nicht wundern, wenn er seiner Nieder trächtigkcit die Krone aussetzte und mich nun auch bei Herrn Earlsen vcrleumdete." .Sie waren bei diesem Herrn V fragte der Doktor rasch, ohne sich nach dem Stutzer umzusehen, der m geringer Entsernung hinter ihnen stehen geblieben war und ihnen nun wieder folgte. WaZ habcn Sie dort außgerlchtet ?" .Alle, was ich nur wünschen konnte. antwortete sie, ihn mit einem leuchtendem Blick auschauend, .ich habe Geld und Arbeit, viel Arbeit, und ich kann Ihnen nicht sagen, wie gut und edclherzig dieser reiche Herr und seine Tochter sind." Dem Doktor schien diese Antwort nicht zu gefallen, er schüttelte das Haupt und ein Schatten des Unwillens glitt über sein Antlitz. .Na, na, Sie werden die Sklavin diescr reichen Leute sein," brummte er, .Geld und Arbeit ! Sie brauchen sich nicht mehr sür andere Leute abzumühen." .Das verstehe ich nicht." .Sie werden es sofort verstehen, wenn ich Innen sage, daß ein sehr ehrenhaster und vermögender Mann Sie zur Gattin begehrt." Helene blieb unwillkürlich stehen, mit wachsendem Befremden ruhte ihr Blick auf dem Antlitz des alten Herrn, der ihr lebhaft zunickte, als ob er sagen wolle, es sei die volle Wahrheit, was er ihr berichtet habe. .Nein, auch jetzt noch sind Ihre Worte mir ein Räthsel," erwiderte sie. Ich kenne keinen Mann, der meine Hand begehren könnte." .Haben Sie den Provisor in der AdlerApotheke schon vergessen?" .Der hat Ihnen gesagt " .Daß er Sie liebe und daß Ihr Ja wort ihn glücklich machen würde," nickte der Doktor. .Nun, was sagen Sie dazu ? Er ist jung, leidlich hübsch und durch und durch ehrenhaft, er hat ein schönes Vermögen und will die Adler-Apotheke kaufen, Sie können schon bald als Hausfrau in dem schönen, großen Hause schalten, und es versteht sich ganz von selbst, daß Ihre Frau Mutter Sie dahin bcgleiten wird." .Und was bewegt den jungen Herrn dazu, mir diese.! Vorschlag machen zu lssen?' fragte Helene gedankenvoll." .Oder hat er Sie beauftragt, mir das Alles zu sagen V. Er weiß, daß ich es Ihnen saaen will, und ich kann nur wiederholen, daß cr Sie liebt. Was sagen Sie dazu?" .NZchts," erwiderte Helene ruhig, .ich kann diesen Antrag nicht annehmen." Weil Sie die Liebe des jungen Herrn nicht erwidern V .Das wäre der erste Grund, aber ich habe noch andere, die nicht minder triftig sind. Ich will nicht sagen, daß es mir unmöglich scheine, seine Liebe zu erwidern, denn ich schätze ihn hoch des Dienstes we gen, den er mir geleistet hat, und ich halte

ihn auch für einen tüchtigen, ehrenwerthen Charakter. Aber nehmen Sie eS mir! nicht übel, Herr Doktor, ich glaube, daß

er etwas exaltirt ist, und daß er nun sich eingeredet hat, er thue ein gutes Werk, wenn er mir seine Hand anbiete und damit metner Noth em Ende mache, sagt fich vielleicht, die Dankbarkeit werde mich dann an ihn fesseln " .Ach was, daS sind nnnüke Zweifel und Bedenken," unterbrach der Doktor sie ärgerlich. .Glauben Sie nur getröst an die Aufrichtigkeit femer Liebe und nehmen Sie. seinen Antrag an." .Ich kann es nicht, Herr Doktor. Es wäre mir furchtbar, wenn tl mir später einmal meine Armuth vorwerfen wollte. Ich habe ja nichts, gar nichts, als die ärmlichen Kleidungsstücke, die ich trage." .Er hat genug " Das eben fchreckt mich zurück, ich würde aus seinen Handen die Aussteuer annehmen müssen, die auch die ärmste Braut in die Ehe mitbringt." . .Und ich bürge Ihnen dafür, dan er niemals daran denken wird, Ihnen einen Vorwurf daraus zu machen. Sie können nur dann ablehnen, wenn Sie bereits einen Andern lieben, und das glaube ich nicht." .Nein, mein Herz ist noch frei," sagte Helene mit einem tiefen Athemzuge, und !. . r, tcy verrenne auq nicyr, oa zyre oroerung eine gewisse Berechtigung hat. Aber so lange ich in dem großen Haus wohne. m dem alle Blicke auf mich gerichtet sind, darf ich solche Besuche nicht empsangen" .So ziehen Sie aus !" .Es wird geschehen, sobald ich es möglich machen kann, denn ich selbst sehne mich aus dieser Kaserne hinaus. Lassen Sie mir Zeit, ich werde jetzt Geld verdienen, dann dars ich das Haupt wieder erheben " Mein liebes Kind, der Provisor kann nicht lange warten, er muß die Apotheke schon bald kaufen, und er will sie nur dann übernehmen, wenn cr sofort eme Frau ins Haus bringen kann. Könnten Sie denn nicht an einem andern Orte mit ihm zufammentrenen?" Ich wüßte nicht, wo es geschehen könnte." .Hm, wenn ich oder Fräulein Masson Sie zu einer Tasse Kasse einlüde, würden Sie kommen?" .Ich muß arbeiten, und dann läge ja auch eine . verstimmende Absicht in diesem scheinbar zufalligen Zusammen treffen." .Sappermcnt, wollen Sie mich ernst lich böse machen ?" .Nein, gewiß nicht." Na, dann vertrauen Sie meinem Nathe, Sie müssen doch wissen, daß ich es gut mtt Ihnen meine !" Ja das weiß ich, und ich danke Ihnen herzlich dasur " .Schön, dann vertraueich auch darauf, daß Sie unserer Einladung Folge leisten, nickte der Doktor, indem er skhen blieb. .Wir müssen freilich warten, bis der Herr Provisor wieder einen freien Tag hat, Sie sollen ihn kennen lernen, und dann ist mtr nicht bange, daß Sie Ihre Beden ken fallen lassen werden." Er wandte sich hastig um und trat den Rückweg an. Nachdem er eine kurze Strecke zurückgelegt hatte, sah er sich dem jungen Stutzer gegenüber, der Helene verfolgte. Sein mühsam verhaltener Groll über die vielen Bedenken Helene's loderten beim Anblick dieses Mannes jäh aus, er ermnerle sich sofort der schweren An klage, die das Mädchen gegen ihn erho ben hatte. .Ein Wort, mein Herr!" sagte er barsch, mdem er ihm den Weg vertrat. Ich kenne Ihre Absichten, und ich hoffe. es wird Ihnen genügen, wenn ich Ihnen erkläre, daß Fräulein Helene Neuber un ter meinem Schutze steht." .Diese Erklärung interessirt mich durchaus nicht," erwiderte der Stutzer, indeß er das Monocle ms Auge klemmte und den alten Herrn mit einem spöttischen Blick musterte. .Wenn Fräulein Neuber eines Beschützers bedarf, so wird sie mich stets bereit finden, diese Rolle zu übernehmen .Versuchen Sie nicht mir auszuweichen, Herr Blumbach," fiel der Doktor ihm zornig in die Rede. . .S:e verstehen meine Worte wohl, zwingen Sie mich nicht. sie vor dem Strasrichter Ihnen deutlicher zu erklären. Und dies wird geschehen. wenn Sie Ihre Verfolgungen fortsetzen ; ich gebe Ihnen mein Wort daraus." Alfred Blumbach blickte zwar mit höhnischcm Lächeln, aber doch auch betroffen dem alten Herrn nach, der mit dem Hut in der Hand rasch von dannen ging. .Na, warte, ich werde dir beweisen. daß ich mich nicht einschüchtern lasse. brummte er, .Euch Allen zum Trotz, mache ich diese schone Spröde doch noch zahm." Er wollte die Verfolgung Helene's wieder ausnehmen, aber die kurze Unterredung mit dem Doktor hatte genügt, das Mädchen seinem Blick entschwinden zu lassen. Zornig stampfte er mit dem Fuß auf das Pflaster, er ließ das Monocle aus dem Auge fallen und fchlug den selben Weg ein, den der Doktor genom men hatte. .Ich werde mich im Polizeiburcau nach ihrer Wohnung erkundigen," murmelte cr, ich hätte das längst thun sollen, aber ich würde sie vielleicht vergessen haben. wenn sie mir nicht wieder begegnet wäre." Eine halbe Stunde später trat er in ein Haus, das auf jedem seiner vier Schaufenster die Firma ; .Jsidor Blumbach und Sohn" in großer goldener Schrift zeigte. Im Erdgeschoß befand sich das große Ladengeschäft, die Familicnräume lagen im oberen Stockwerk, in das der junge Mann träge hinaus stieg. ' Jsidor Blumbach, ein gebeugter Greis und sein hagerer, knochig?? Sohn Wer ner, der ebenfalls schon graues Haar hatte, saßen beim Entritt des Sohnes und Enkels vor einem mit alten Alten, Brie sen und anderen Papieren bedeckten Tisch, r , rr ci s.:. rr iiti7i"..t. ... emsig oescuailigl, uic vsiyniuiue zu sen und zu ordnen. .Sie müssen doch vorhanden sein. sagte der Greis erregt mit seiner dünnen, scharfen Stimme, wärend seine zitternden - j -r. . ri . ? yanoc in nervoier pai im zuiaiiimeiigrschilürtes Bündel Papiere herbeizogen .ich weiß ganz genau, daß ich sie nich

vernichtet habe. Aber ist es auch sicher, daß er alle Schulden seines Vaters bezahlen will?" , .Sammt den Zinsen," nickte Werner Blumbach, ohne feine Beschäftigung zu nnterbrechen; .ich weiß es von einem Gläubiger, der sein Geld bereits empfangen hat. Das Bankhaus Schlichter zahlt die Beträge aus, die der Rechtsanwalt

Ladenburg anweisen muß." Eine schone Summe!1 trmmphlrte ein Vater. .Zinsen von vierzig Jahren! Wir werden auch die Zinseszinsen fordern." Dazu haben wir ke'.ne Berechti gung. . . .Wir wollen sehen, Werner, wollen ehen ! Was hat denn unser Alfredchen ?" uhr er mit einem forschenden Blick aus das zornglühende Antlitz seines Enkels r . " r . V . m i. .' . flIXa (Wa-I so?l. .yal ölt Aemano em sllZiries wvu gesagt? Mußt es nicht so scharf nehmen, mein Jünaelchen, mußt darüber lachen. bist ja ein reicher Mann, kannst die ganze Bandenach detner Pfeife tanzen lassen, wenn du Lust dazu hast !" Zkann ich das wirklich V fragte AI red scharf. .Ich glaube, wenn ich ihr zum Tanze ausspielen wollte, wurde sie mich auslachen. Dte tunge Neuber macht dir jetzt Eoncurrenz, Vater, weißt du es schon?" Dummes Zeug !" erwiderte der Hagere Mann achfelzuckend. .Woher sollte sie die Mittel nehmen, um ein Geschäft zu gründen r Daran denkt sie auch nicht, aber sie geht in die Häuser der ZZeichen und verkaust ihre Stickereien, das ist auch eine eoncurrenz, und ich meine, angenehm könne sie dir nicht sein. Ich sah sie aus der Villa Huaedorn kommen. 5ornt Earlsen heißt der jetzige Bcsiker, und das Mädchen sagte mir, dieser Mann habe ihr so viel gegeben, dan sie ruhig tn die Zukunft schauen könne. Und hat sie erst diesen Zkunden, wird sie auch bald an dere erhalten. Einer empfiehlt sie dem Andern, und wir verlieren dadurch die besten Häuser. .So schlimm ist das auch noch nicht. spottete sein Vater, der lbensowenig wie der Greis sich tn seiner Arbeit stören lien, .im Uebrigen tragen wir selbst die Schuld daran, wir hatten der'flelmqen und ae schickten Arbeiterin die Thüre nicht zeigen ourren. .Wir dursten sie auch nicht mehr beschaftlgen, sie wiegelte die anderen Ar batermnen gegen uns auf, und die Damen nahmen Anstoß an dem Lebens Wandel " .Na, na, ob das Alles Wahrheit ist, was damals gesagt wurde, weiß ich auch noch nicht. In dem Briefe, den sie an mm) jcuncD, nagle ne oicy an Das war eine woblfeile Art, sich selbst zu rechtfertigen ! Mit dieser Unver r. r iC r t. cyamtyell ram ne mau ourcu, uno man müßte ihr auch jetzt das Handwerk legen. Die reichen Leute werden sie nicht länger beschäftigen, wenn sie erfahren, wer sie tst." .Wir wollen sehen, was geschehen kann," nickte Werner Blumbach ; .die Leute, die wir beschastigen, werden ja auch wünschen müssen, daß diese Eoncurrenz r 1 l ve elllgi wiro. uno nun ta&' uns m Ruhe, wir sind hier mit wichtigen Dingen beschäftigt. .Gesunden !" rief der Greis, während er hastig emige vergilbte Papiere entral tete, .ich wußte es ja, das ich sie aufbe wa.zrt hatte, sey, r:bcycn, ach, wir haben jetzt keine Zeit, wir sind damit beschäftigt, dein einstiges Erbe zu ver myeren. .Nur immer zu, das lasse ich mir gerne gefallen !" lachte der junge Herr, der nun ohne Zogern das Zimmer verließ. Vier Wechsel, jeder von fünftausend f. 4u St.. iuZo I vrr. .:x Thaler sagte der Greis, in dessen zit ternden Händen die Papiere raschelten, ausgestellt von mir auf Adam Earlsen und von diesem acceptirt. Sie wurden damals protestirt, aber zur Klage kam es nicht, weil Adam Earlsen sofort Bänkerott machte und sich erschoß, dem schlcch ten Geld wollten die Gläubiger kein gu tes nachwerfen und aus der Fallitmasse ist auch nicht viel herausgekommen." Werner Blumbach hatte unterdessen die Papiere einer sorgfältigen Prüfung unterzogen ; die Habgier funkelte aus seinen stechenden Augen. .Die Wechsel sind echt?" fragte er mit einem lauernden Blick auf das gelbe, magere Gesicht seines Vaters. .So echt, wie das Sonnenlicht," nickte der Greis lebhaft. .Und wie sind sie wieder in deine Hände gekommen?.Na, damals als der Bankerott ausbrach, war ich in London ; wenn ich hier geblieben wäre, hätte man natürlich dkn Betrag der Wechsel von mir gefordert und ich würde dadurch an den Bettelstab gekommen fein. Man muß sich immer zu helfen wissen ! Du weißt, nach zehn Iahren kehrten wir mit einem hübschen Vermögen hierher zurück, und ich hatte kaum mein Geschäft hier eröffnet, als mir diese Wechsel mit der höflichen Frage voraettcgt wurden, ob ich vielleicht geneigt sei. meinen Verbindlichkeiten jetzt noch nach zukommen. Die Geschichte war verjährt, Klage konnte nicht mehr erhobeil werden, iudcssen, es war dennoch möglich, daß mir Aergernisse daraus erwuchsen, die ich als klugerGeschäftsmann vermeiden muß te. Nach lanqem Hin- und Herbandeln bot fünf Prozent für die Wechfel, und die angebotenen tausend Thaler wurden mit Vergnügen angenommen." (Fortsetzung solgt.) Im Cafe. Fremder : Kennen Sie den Herrn dort ? Ein intelligenter Kopf; dieses schwärmerisch emporgerichtete Auge, der sinnige Ernst auf seiner Stirne ! Er ist gewiß ein Dichter und denkt gerade über ein neues Werk nach. Gast: Der? Das ist ein hiesiger Schneidermeister, dem erst kürzlich ein Hut gestohlen wurde; nun paßt er auf, daß ihm nicht auch noch der neue weg kommt. Galgenhumor. Von zwei Dieben wurde einmal in der guten alten Zeit der eine gehenkt, der andere unter dem Galgen mit Ruthen gestrichen. .Du," sagte der letztere zum ersteren, .was soll ich zu HauS Deinen Leuten ausrichten i .Er, viele Gruße von mir und ich sei enes Seilers Tochter angetraut worden: Du selber habest auf meiner Hochzeit getnm I 4UIIJ

x

DaS Concert. Ein Concert ist ein Genuß, Den man manchmal haben muß! Denn von Bildung abgesey n, . Kann man'S bäusig mcht um,gey n . Kommt ein großer Virtuos, Oder ist just sonst 'was los Dak man oft ein Tbalerstück AuSgiebt Unfach für Musik ! Wenn man. em Billet zu lausen. Schon sich muß zur Kasse raufen. Dann sich zur Garderobe drängen, Und durch Stuhl un) Banre zwangen. Bis man, halb von Schweiß durchweicht Enr ich semen Plak erreicht. Fragt man freilich : Was man hött, Ist'S auch solche Opser werth ? I Doch, es tst nun emmal'Brauch, Und die Andern thun's ja auch. Dafür sebt, laujx sind wir da. Hört man schon ein leises a ; Alsbald stimmt ein Dutzend Hände Jetzt die Saiteninstrumente, Und uns wird, als ob man zöge Aus der Violinen Stege UnS als Saiten Haar um Haar Ein Gesühl, daS sonderbar ! Alsdann stimmen auch die Flöten, Die Posaunen und Trompeten, Hörner, Pau?en, Harse, Aa Dieß mockt Manmem großen Spaß. So zum Tonschmanß,SchrittfürSchritt) Reizt man unser'n Appetit. Das Gequick kein Ende nimmt Doch 's ist nöthig, döß man stimmt. Horch ! Jetzt klovst eS an das Pult, Und, das laut voll Ungeduld Plauderte, daS Publikum, Wird mit einem Schlags stumm. Weit aus holt der Dirigent, Mit dem Taktflock ein Moment Und mit forte, riesengroß. Bricht jetzt das Orchester loö. Wie daS rauschet, brauset, zischt! Fugenartiges Gewirr In den Lüste:,, welch' Geschwirr ! Dirigent kommt in Extase, Schwingt den Stab, als ob er rase. Alles blaset, schlägt und streicht. Bis der Höhepunkt erreicht, 1 Und zum Piano, mild und weich Nun mit Stock und 5and zugleich Wieder zähmt der Dirigent ; Das erregte Element. ' Hüpfend jetzt mit leichtem Sinn Tanzt die Melodie dahin. Doch nicht lang denn schwer und voll Geht es über jetzt in Moll, Steigert dann sich zur Potenz Weiter, bis die Schwßcadenz Wa sich wie ein Bandwurm spürt Wird fünf-, sechsmal rcpetirt. Mächtig schallet der ÄpplauS Gott sei Dank! da? Stück ist aus. Doch schon naht der Pianist, Der am Haarwuchs kenntlich ist. Seine Finger muß rr.an seh'n. Ach, wie wird es unb ergeh'n ! Still ergeben hurrer. wir Sieh ! Er sitzt schon am Klavier, Und nun fängt er an zu rasen Auf und ab in allen Phasen, Bis uns ist, als ob er klopfe Wild auf unserm eig'nen Kopse, UnS mit seinen langen Fingern Das Bewußtsein zu verringern! Trille, Läuser, Sprung. Triolen, Ach,' es ist zum Teufel holen. Wie das prikelt, quirlt und quickt. Bis das Publikum entzückt Kommt der gute Mann zum Schluß Wieder Beifall klatschen muß. Des Kutschers Anfrage. .Fahren Sie heut' zu Fuß aus, gnä diger Herr, oder soll ich einspannen Ein grober Wirth. ßlntt intrüNkt sierr Mirts. ! hnfi sint ja eine saubere Wirthschaft in i . . . 1 ' ' Ihrer Küche zu sem finde ich da eben tn ver Suppe dtesen Fetzen von etnem alten Scheuertuch. Wirth : Na, Sie unverschämter Kerl wollen wohl in einer Suppe für 25 Pf. auch noch eine echte Smmtmaiiüe oder einen neuen Frack finden so blau. Wie erzielt ma.iin we rügen Tagen vollständig Iroene Wände und einen vollständig trockenen Keller ? Man befestige ungefähr 12 bis 15 Cen timeter von der nassen Mauer entfernt eine Bretterwand und fülle den Raum zwischen Mauer und Bretterwand mit ungelöschtem Kalk vollständig aus. Der Kalk nimmt nach wenigen Stunden die Feuchtigkeit, welche die Mauer enthält, in sich auf: durch die Hitze, welcher der Kalk, sobald er die Feuchtigkeit in sich ausgenommen hat, entwickelt, trocknet er die Winde aus. Den Boden bestreue man ungefähr 10 Centimeter dick mit Kalk. Diese Methode wiederhole man innerhalb drei Tagen dreimal, verwende aber jedesmal frischen Kalk dazu; den schon gebrauchten alten Kalk verwende man als Dünger. Am vierten Tage, nachdem derKalk aus dem Keller entfernt ist, kann man denselben wieder voll ständig benutz:. Obige Methode läßt sich auch mit Cement durchführen, doch ist dieselbe bei Anwendung des letzteren um etwa 3. bis 400 pCt. theurer." Illuminationen. Im Kriege zwischen Frankreich und England während der Regierung der britischen Königin Anna (170214) veranstalte ten die Pariser stets Illuminationen und Feuerwerk, so ost Nachricht von einer Schlacht eintraf, gleichviel, ob die Fran zosen gewonnen oder verloren hatten. Als sie wieder einmal den Kürzeren ge zogen und illuminirten, sagte ein Marschall von Frankreich mit treffendem Spotte: .Die Leute unserer Nation sind wie die Feuersteine, je mehr man sie schlagt, desto mehr Jener machen sie." AusdenErlebnissendeS Herrn Oh l. Herr Ohl hatte einen Franzosen auf Besuch, mit welchem er Sonntag Nachmittags einer Concert' Reunion der Militärkapelle im Casino Saale beiwohnte. Die Musik spielte unter Anderem die Ouvertüre zu .die vier Menschenalter" von Franz Lachner. Nach dieser Reunion lud Herr Ohk seinen (Zast ein, zu Hause noch emeTasse. Thee mit ihm zu trinken. Frau Ohl servirte denThee und fragte den Franzosen, wie ihm die Musik gefallen, und was dieselbe gespielt habe, worauf der Franzose antwortete : Sehr gut tst es gewesen, ganz neu roaren mir die vier Menscher. '