Indiana Tribüne, Volume 6, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1883 — Page 7

Wie die HKtsGer enlsseyen und vergehen.

Von O. Kaiser. Es war an einem sonnenglänzendzn Tage des Jabres 1862, alS ich zum er ften Male den Rosetsch-Gletscher beiPon tresina im OberEngadin erblickte. Wie eine aus Sapöir gebaute Mauer stieg er aus dem Schutt und Felsengewirr der Moräne empor, so klar, so durchsichtig, daß die verschi'denen Schichten, aus denen er gebildet war. sich deutlich abzeich tuten. Aus dem Eise quollen undsprudelten, vom warmen Strahle der Sonne hervorgelockt, unzählige Bache, die in krystallenem Bette hierhin und dorthin schössen, um plötzlich in gähnenderSpa'te zu verschminden. Ringsum stiegen, bis zum Gipset in ein weißes Kleid gehüllt, die Bergriesen empor, über alle ragend der gewaltige Piz Bernina. Von den Abhängen hüben und drüben tonten die schrillen Psisse der. Murmelthiere, jener scheuen Bewohner der Alpeneinsamkeit, durch die Lust. Damals war es keine leichte Sache und es bedürfte eines umsichtigen Führeis, um durch das Laby rinth der Gletscherspalten zu der Halbin sel, den Agagliuls, zu gelangen, welche die beiden Arme trennt, aus denen der Nosetsch -Gletscher entsteht. Von Pon' tresina führte mich das nächste Wanderziel in das Thal von St. Moritz hinüber. Welch' herrliche Landschaft hat dort die Natur mit den einfachsten Mitteln hervorgezaubert ! Nur drei Farben verwendete sie. Weiß sür die Gipfel, Grün für die Matten und den Kranz der Walder, Blau sür die im Grunde schlum .mernden Seen von Moritz und Silva plana. Fünfzehn Jahre spater kam ich dessel ben WegeS. Wie freute ich mich, die Stätten wieder zu schauen, derenBild in einer Seele unauslöschlich lebte ! Wie aber ward ich enttauscht! Erst nach lern gern Suchen gelang es mir, auf demRo setsch mich zurecht zu finden. Wo ist der Fußsteig, der durch Gebüsch den Alpen' rosen und Zirbeln mich vordem unmit telbar auf das Eis brachte ? Mindestens dreihundertundachtzig Meter ist er von dem Gletscher entfernt : so weit dieser zu rückgewichen, indem er fünf Frontmorä nen auf seiner Flucht zurückließ. An der Stelle, ws ich ehemals vom Ufer auf den Gletscher gestiegen, mußte ich hinabblicken, um denselben zu gewahren. Tief unten, wenigstens sechzig Meter tief, lag er zwischen die Seitenmoränen eingezwängt. Als ich hinabgeklommen war, fand ich Alles verändert. Nichts mehr von jener durchscheinenden fleckenlosen Saphirsarbe; die Oderfläche war mit Schlamm und häßlichem Schutt bedeckt. Nichts mehr von. den silberklaren pfeilschnellen Bächen ; auf dem zermürbten Eise stan den trübe Tümpel, unschlüssig, wohin sie sich wenden sollten, um auf den Grund zu gelangen. Die Spalten hatten sich geschlossen, der Schnee war verschwunden, grau und braun starrten die nackten Felsen empor. Auch das weiße Kleid des Piz Bernia war schadhast geworden. Als einziger Ersatz für den Verlust so viclerSchönheiten bot sich ein leichterZu' gang zu den AgagliulS. Während es früher einer ganzen Tageswanderung bedurste, konnte man dieselben jetzt im Laufe eines Nachmittags bequem und ohne Führer besuchen. Vor den Stint men der Menschen und dem Wiehernder Pferde hatten sich die Murmelthiere in emsamereGegenden zurückgezogen, indem Ä n Ä "A" sie den uum u,6uuci u,.. Ä..t v:.r ..st ..rx:. so neyi oer yioi m - 131 euer acuie uu3,unu raiiiuBiinu uue unumi - v : ic r;v - rr . v. . i schrieb die als Edelsteine durch die SSCJ l cZl x01 rÄ?a der Jugendschöne emgebubt. Wo, st das ffst.; .ki:.,..? xii'tAa d . V" Braun , st an seine Stelle aetreten. wel chks gar schlecht zu dem Blau und Grun ftrtfeK 1 " I t-m" ... . i 'y. r C 0 V t C XWoher, so fragen wir uns. dleie fo be z v.:.sr.:j.-:- 9 m,:. . uwatt um iKj daß das Mer de glace an yner Stelle, wo man es nach den prächtigen Nadel Holzwäldern, m welche eingezwängte die wundervollen Cascaden bildete, Mer de bois genannt hat. sich vollständig in die Schlucht des Montanvert zuruckge zogen hat. eine Strecke von neunhundertsunszig Me er ? Wie komm es.dab der Glacier de ArgenNere seit "."-Ä11? Smh 1 f? llch delbeBlld amMontBlan am St. . Gotthard w''dnhl ? Di urze, kttllich noch zu beweisendeAntw rt lautet : Wir stehen an Ende emer Eis . ;... tt.. . 8,. uriianb. sind mit b. .st6. . v.,t. (un rtfi.v nnint c si i itrnrtp . ' r . 1 5, II. ntG ... r.:- kF.:t überflüssig zu sein scheint. CCI HOC uuaj un " Da aber, wie bei vielen Dingen, die Ursachendes Vergehens der Gletscher ln der Art und Wei e ihres Entstehens berundet sind, so 0s staltet sich die Frage rolgeroermaßen : unv im , . "cm!. p..v v:. o..ri... enlllanOen uno rocsgaio vergeben ic ? . rt . v k . b m Tsn einer aewiffen Höhe über der Meercttäcke fä?.t selbst unter dem Aequator derNiederichlaa in sesterForm. das heißt, als Schnee. "Die Schneedecke der Ge biroe steint im Wlnter zur Ebene hmad UnO vCUi 1UJ UU suuiuici iuicuci ytccii die Gipsel zurück. Die untereGrenze des - r 4 A t! 1 Z A M M. 4MIXM M

C i 1 ; rtV i7. ; . . V und wird durchNegen und Schnee chmeldenken mlche zailttlch Thiere vornah. beschleunigt; 3. die Qbe.fläche eines men seit der Mensch als Herr der Erde k,.,ri7, r. r.r,., ms ,..

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jci , u. v. v " in kni ' ttlergruppe. .In dem ür Südtyrol o schichte unserer Erde, ln denen ,n Folge ungewöhnlich feuchten Sommer 1868 if Vorgäng eme gestei. sagt er, .geschah es, dan die Eismaffen gerte Etsdildung stat findet di s lange Ortele?alpen. deren Umgrenzung mir währt, wie jene meteorologischen Bedm ... ... c,f..5 5

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xzn . .,V u- 11 rfin &trnn nh fctbntstiihpr nnminn

ist nicht nur st. WÄÄI 04 sur d.n 8b UMcn : 0 Mnb ea m $ y fst , Unkennt ichki, solchkm Jnlkr,s!k. daß k'ne ErSkteru., nulrfl,lr U ,'. i.

Gebiete, welches auaz im vocynen üon oenn unsere wirriicu . voryanoene Gletmer mit Scönee bedeckt ist, heißt Schnee scherwelt arbeitet noch immer mit der sich

linie Dieselbe ist ln verschiedenen Geenden in verschiedener Höhe. D e Ursacken oer Äericuleoenyell nno

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in der Vertheikung der Wärme aus die verschiedenen Jahreszeiten, in demFeuchtiakeitsaebalte der Luft. derArt der Herrschenden Winde, sowie ln oer lenge oes fallenden SchneeS zu suchen. In den - ö . rtnrt A:pen liegt sie in 2700 Meter Höhe, auf Spitzbergen hingegen beginnt sie schon bei 460. in den üquatoria'.enAnden aber erst bei 4800 Meter, amKarakorum

in Hochasien bei 6820, ausden Hochebe nen Tibets bei 6100 Meter. Aus den Schneelagern der Gebirge nun, die sich in muldenförmigen Hochthälern ansammeln, und unter demDruck der Hunderte von Fuß hoh:n Auflage rungen, nehmen die Gletscher ihren lir sprung und gleiten als wirklicheEisströme langsam in die Ebene hinab, bis sie an ein Niveau kommen, wo die herrschende Temperatur sie in demselben Maß? ad. schmilzt, wie die oberen Massen nachrü cken. Die untere Grenze reicht viel tic fer als die Scheelinie; in den Alpen trifft man sie imMittel bei 1740 Meter an. Der am Tiessten herabreichende Gletscher der Schweiz ist der Krindeiwaldgletscher, welcher sich bis zu 983 Meter herabsenkt, wo die mittlere Jahrestemperatur schon 6j Gr. Celsius beträgt. Die Entste hung des Gletschereises haben wir uns in folgender Weise zu denken: Durch die Einwirkung der Sonnenwärme und der lauen Winde schmilzt der Schnee in den Regionen unter 40C0' Meter; das Wasser sickert in tiefere Lagen, wo eS käl teren Schnee findet und wieder gefriert. Hiedurch nimmt es die Gestalt von Körnern an, die mehr oder weniger zusammenhängen und den Firn (d. h. vrnjäh rigen Schnee) bilden. Der Firn folgt auch dem Gsktz der Schwere und drängt nach der Tiefe. Stürzt er nicht über steile Abhänge hinab, sondern sammelt er sich in ausgedehnten Mulden, immer nach unten drängend, so verwandelt er sich allmählich in festes Gletschereis. Gletscher ist also eine Gesammtheit"von Hochschnee, Firn und Eis; im engeren Sinne versteht man freilich darunter nur den auS dem Hochschnee und Firn ent standenenEisstrom. Die größeren Gletscher füllen bic von den Firnseldern abwärtsführenden Thäler in ihrer ganzen Breite und bis zu einer bedeutendenHöbe aus, indem sie den Windungen derselben folgen. Häufig stoßen mehrereEisströme zusammen, die dann zu. einem Haupt ströme verschmelzen. Die Glelscheroberfläche erscheint auf flachemBoden gewölbt, auf unregelmäßiger Fläche ist sie von vielfach verzweigten Spalten durchsetzt. In diesen Spalten ergießen sich die Schmelzwasser, und wenn die Spal ten sich schließen, so bleiben die vomWas ser ausgewaschenen kaminartigen Löcher zurück. Unter den Gletschern befinden sich die Kanäle, durch welche das Wasser sich einen Abfluß verschafft. Die Kanäle vereinigen sich am unterenEnde desGlet-

Ichers zu einem Bache, der gewöhnlich durch eine Wölbung, das Gletscherthor, hervorbricht. Der Schutt und die Felstrümmer, welche von den umgebenden Gebirgen auf die Gletscheroberfläche herabkürzen, ordnen sich längs der Wände zu langen Reihen, die Seitenmoränen genannt werden. Vereinigen sich zwei Gletscher, so bilden die Seitenmoränen der sich aneinanderschließenden Wände eine Mittelmoräne, während der am un teren Ende abgelagerte Schutt zur End moräne wird. Unter allen Gletschererscheinungen bat keine die Naturforscher so beschäftigt, wie dieBewegung. Durch genaue Beobachtung hat man gesunden, daß dieselbe bei raschem Vorschreiten 150 200 Meter im Jahre betragen kann. Der schottische Naturforscher Forbes stellte aus dem Mer de glace am Mont blanc zuerst genauere Untersuchungen über dieArt derBewegung an, welche später von Anderen bestätigt wurden. Es ergaben sich solaende Gesetze : 1. die abwartsgehende Bewegung ist beständig, im Sommer so gut wie im Winter, nie ruckeise ; 2. sie ist bei warmem Weiter, als im Smm!l strk, ls bti katt.m und iK1 ti rhrfi liammnt Reh JiinsIF Soden; die Mitte desselben schneller als r.; . ts-m . a m.f itmt vviuui V I i Md,n ftiufrr nfft nnf eneml ' Nach diesen für das Verständniß der nachfolgenden Erklärung des Gletscherr:nS nthin sn-m-r-nna fthnn ...V.. ....... Anfang un erer Darstellung zu. I I I I I . Zuerst machte soviel wir wissen 1 ... .f..iTt...iner iiaiieniimc u)eieorie toiDDDCini im Vlt Sf VIVf fMIII M cc.. f.,: lA,i,ns,:t q?nt? o"?- ' v...! forscherver ammlung zu St. Jean de Maurienne aus die Allgemeinheit jener Erscheinung aufmerksam? Seitdem widmttl derselben seine besondere Aus erksamkeit, indem er wiederholt die Gtscher der Alpen besuchte, zahlreiche Meffgen vornahm und nach denGründen der Erscheinung forschte. Gleichzeitig wurdenBeobachtnngen von den schwki. sch Gelehrten Dnsour und Forel, von dem durch seine Betheiligung an de österreichischen Nordpolarfabrt in den jzjsen bekannten Julius Pa. fc b angestellt. Payer be. 1.,, f.jnnwa hVtTr hin,. v.r... v ch g. I ' ' sifllkrta Sl1a1n1li4 i J'f ..s l.tk.:l. I ,,vk, ,,,ttt,. tu tiil. diesen Umstanden nickt hi Annnme nahe, dan unsere Eiswelt ihrem Ende v.rhaltnißmükiq rasch, d.h. mit besleuniater KesckmmdiakeZt rnw?aen ebt. nd dak die zunebmende Nnkirun., " 7 ' . Z " r-. 0tt lLietlcherdayn eine Hauptursache da. m " von bildet 5 Betrachtet man alle unsere Glet cher als augenblicklich nicht erifli rend. so erscheint wohl die Folgerung ac rechtfertigt, daß zwar eine Erneuerung der Eiswelt stattfinden wird, daß jedoch das von lyr dmnen einer Reche vonJah I lllit(A Y PA X 4 I M kM!l . . 4 . i tut litiiuyi 41 tuiiiiuiuiuu iucii uuici dem jetzigen Stande zurückbleiben muß ; lw t . , t. i. . . nur langsam vermmdernden Elbschast aus der sogenannten Eiszeit. Da3 ihr oaourcy aegeoene lemoerallve maae wicbt, von dem sie nur allmählich einbüßt, entspricht nicht mehr den allgemeinen Wärmeoerhältniffen in der Höhe. DemI om T . r r nacy neyi oie Avsoeynung ocr Vlel'cyer nicht mehr im Verhältniß zu dem heutigen Temperaturmoment. . me lutze erhält diese Ansicht in der Allgemeinheit der Erscheinung, welche sich nicht auf die Alpen befchränlt. Nach Mittheilungen

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des Direktors des russischen physikalischen Central Observatoriums Dr. Wild, so wie deS schwedischen Geologen Nyström sind auch die Gletscher des Kaukasus und Normegens in ständigemRückschreiten be griffen. Im Kaukasus hat dasselbe wie

ln oer Tchweiz gegen 1855 begonnen In Norwegen trat es ansang? nur veretnzelt aus : irfct ist es allaemem. Auch in Spitzbergen haben nach Nordenskiöld die Gletscher in den letzten Jahren mert (ich abgenommen ; ebenso ist dieses in Grönland beobachtet worden. Da die Pyrenäen dasselbe Verhalten zeigen, so ist wenigstens sur Die vler großen euro' päischen Gletschergruppen dieErscheinung unzmelselhast festgestellt : eme Thallache von der hervorragendsten Bedeutung für dle Geschichte unserer Erde. Rechnen wir die Gletscher von Spitzbergen und Grönland hinzu, so hat die Erschel' nung eine Verbreitung aus der nördli' chen Halbkugel über 100 Längengrade; ihre Ursachen können also nicht örtlicher, sie muffen allgemeinerArt sein. Ehe wir unsere Augen besonders auf die Alpen richten, wollen wir Dusour'S Ansichten über die allgemeinen Ursachen kennen ler nen, zu denen StoppaniS Beobachtun gen etne willkommene Ergänzung bieten. Jin Augenblicke, meint also der erst genannte Gelehrte, ist es schwierig, die Ursachen des Rückganges der Gletscher anzugeben ; denn was dieWetterverhält niste betrifft, so sind die letzten Jahre von den vohergeh:nden nicht' sehr verschieden gewesen. UebrigenS hängt das Vor schreiten und Zurückweichen eines Glet' schers von verschiedenen Umständen b : zuerst von der Hitze und Feuchtigkeit der Sommer und von der Häufigkeit und Stärke der warmen Winde. Was die Wärme und den Wind an geht, so liegen die Folgen ihrer Einwir kung aus der Hand ; aber auch de.- Ein sluß der Feuchtigkeit ist nicht zu bezwei seln. Wle durch Experimente bewiesen ist, verdichtet sich der Wafferdampf auf denGletschern, wie ersich imWinter auf der Innenseite der Fensterscheiben verdichtet; und dieses Verdichtungswaffer vermehrt in bedeutendem Mae die Menge der aus dem Gletscher entstehenden Flüssigkeit. Diese Verdichtung ist die Ursache, daß eine erheblicheMenge von latenterWärme frei wird, was Hinmieder das Schmelzen des Eises befördert. Aber Die Ausdehnung eines Gletschers hängt nicht blos von den Kräften ab, die ihn zu zerstören trachten, sondern auch von denen, die ihn ausbauen, d. h. von der Schneeanhäusung an der Stelle sei nes Ursprungs. Dieser Schnee aber ist das Ergebniß des Niederschlags einer Reihe von Jahren. Die ganze lang sam ln Eis sich verwandelnde Masse be wegt sich thalwärts und kommt erst nach Verlauf einer geraumen Zeit am Fuße desGletschers an, wo sie abschmilzt. Der Gletscher in seiner Gesammtheit ist also die Summe der meteorologischen Vor gänge während einer langen Reihe von Jahren. ES wäre also verfehlt, wenn man die Ursache d's Zurückmeichens der Gletscher einzig in den Verhältniffen der letzten Jahre suchen wollte : dieselben beginnen schon in derZeit ihres Entstehens selbst. Fasten wir nunmehr die Beobachtun gen des italienischen Geologen in'SAuge. Zu den am Rhonegletscher von Dufour und Forel ongestellten Meffungen fügt er ine Reihe von Ziffern hinzu, welche unser Staunen erregen müssen. Bei einzelnen der größeren Gletscher hat er ein Zurückweichen von 1000 Meter und ein Sinken von 50, 60, ja 100 Meter festgestellt, abgesehen von den Schnee und Eisfeldern, welche zu Hunderten vericywunoen nno. Uit)t Abnahme von Vielen Tausenden vonCubikmeter Schnee und EiS kann auf dii Dauer natürlich nicht ohne den verhängnißoollsten Ein fluß auf die Vorländer der Alpen blei. den, welche von ihnen bewässert werden. Wir stehen al,o am Ende einerEiszeit, und die Physik der Gletscher wird sortan die Ausgabe laben, das Zurückweichen der letzteren zu beobachten. Die Merk r 1L k, LLJ LII. U & LILllLil UUTIItlllC r 1 III I IIIIIII zeichen, an denen dasselbe erkannt wird, hat die Geologie schon lange festgestellt! cm r .t. c . t v... : ,n m??ö, w?n,ti in z,,nF,. . zuu ltacn nr. in iencn aoaerunoeienuu r" -k- r...r.., ... .1 wwiuw men und Riesen der polirten Felsen, in jenen ungeheuren Moränen, welche sich an den Usern des Mlnclg, desOgllo,der Gletscher erzählen, die sich Dutzende von Meilen weit zurucrzlehen mußten, als ihre Zeit gekommen war. Aber werden jene Elsstrome fliehen. bis sie völlig verschwunden sind, werden lie nie in ihre Betten zurückkehren ? Wir dürfen getrost antworten, daß wir in den Erscheinungen der Vergangenheit eme Bürgschaft für die Zukunft haben. Es ergiebt sich nämlich aus zahlreichen Doku menten, daß ln den Alpen von zeher ein stetes Kommen uud Gchen der Gletscher stattfand, wenigstens auf dem ungefähren Gebiete ihrer historischen Vlusdehnuna. Wir sind jetzt noch nicht aus dem Punkte angelangt, der im 11. bis 15. Jahrhundert erreicht war, als über das heute vom Alet,chgletscher bedeckte Gebiet die Kinder zur Tauskapelle getragen wurden, als man über den Paß des Monte Moro zu Pferde vzn Sars nach Macug naia gelangte, als da? Weißthor, wel ches noch vor wenigen Jahren nur von kühnsten Alpenzteigern begangen wurde, denPilgern einen beauemenWea vonZernatt nach Sion bot. Die Eisperiode, an deren Ausgang wir jetzt angelangt sind, scheint gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begon neu zu haben ; sie erreichte ihren HöhePunkt zwischen 1817 und 1820. Daraus blieb? die (slctscher ein? Zeit lang stationär, bis gegen 187)5 der Rückgang ein trat. Daß gesi:igerteGlelsch:rtbätlgkeit nicht mit einer allgemeinen Abkühlung der Temperatur zusammenhängt, gilt als ziemlich sicher. In der aeologischenEiszeit bedeckte eine üppigeFlora dieAbhänge, zwischen denen die Gletscher flössen, mit dichtem Urwalde, der von Elephan ten, Nhinozeronßen, Affen, Tigern und Hyänen bewohnt war; und das Geschiebe, welches die bis zum norditalischen Meeresufer reichenden Gletscher ablager ten, ist mit unzähligen Schalen vonWeich thieren vermischt, die heutzutage noch in den warmen Gewäffern des Mitlelmeeres vorkommen. ' Die Bedingunaen ei nes jeden Gletschers sind Kälte undWas ser, dieses als Stoff, jene als bildende

Kraft. Hieraus ergiebt sich, daß dieEiSzeit eher einen warmen als kalten Eba rakter haben muß, also eine Zeit der Regengüffe und dichten Nebel ist. Und wie eS in der geologischen Zeit war, muß es auch in der geschichtlichen sein. Die Kalte allein vermaa keinen FlockenSchnee zu schaffen ; bei hinreichender Feuchtig keit aber bedarf es nicht einmal der auf den Alpengipseln herrschenden Kälte, um diese mit einer weißenDecke zu umhüllen. So liegt der Gedanke nicht fern, daß Über Norditaliktt nur ein wärmeres Kli ma stch zu entwickeln braucht, welches reichlichere Feuchtigkeit an die Alpen ab' giebt, um die Gletscher wieder über die blühenden Gefilde herabzuziehen, wie ja beispielsweise in Neuseeland unter weit milderem Himmel die von einer tropischen Vegetation eingefaßten Gletscher bis fast an das Meer reichen. Da also in den beiden Faktoren, der Kälte, besonders aber der Feuchtigkeit die Ursache der Glelsch rschwankungen zu suchen ist, so wäre der richtige Weg, eine Erklärung zu finden, das sorgsältige Studium der Wetlerverhältniffe eines hinreichend langen Zeitraumes. Leider sind derartige Beobachtungen früher sehr ungenau aufgezeichnet worden. Es ist ein günstiger Zufall, daß gerade die Be obachtungen desObservatoriums inMai land über ein Jahrhundert, bis 1703, hinaufreichen. Noch günstiger erscheint dieser Umstand, wenn man die LageMai land's berücksichtigt, der Schlöffe aus die Klimatologie derAlpen wohl rechtfertigt Die Temperaturunterschiede in den 119 Jahren der Beobachtungen sind so ge ringfügig, daß sie gar keinen AnhaltsPunkt sür die Beantwortung unserer Frage geben. Anders steht es mit den Feuchtigkeitsverhältniffen. Nach den Zu. sammenstellungen von Professor Celoria in Mailand betrug die Zahl derSchnee tage daselbst während der ersten Periode des VorrückenS der Gletscher (1787 1800) 243, während der glelchlangenPeriode des Zurückmeichens (von 1875 187) aber nur 156. Die Differenz in je zwanzig Jahren des Vorschreitens und Zurückmeichens ist also 87;d.ch während des ersteren betrug die Zahl der Schneetage ein Drittel mehr als während des letzteren. Aus diesen vereinzelten Thatsachen entgültige Rückschlüsse auf die Natur der merkwürdigen Erscheinung zu ziehen, ist nicht möglich; dazu bedarf es noch einer bedeutenden Vermehrung der Beobach tungen. Diese wird gewiß ein neues Licht auf die Vorgänge in der Schnee welt der Alpen werfen und zugleich einen außerordentlich wichtigen, noch vielfach vom Dunkel umhüllten Zweig der Physik unserer Erde, die geologische Klimatolo gie, erheblich fördern.

Milder vom Amazonas. Ueber das Leben im nordlichen Brasi lien, speziell über das am Amazonas, veröffentlicht Dr. Baumgarten m seinem kürzlich erschienenenWerke : Abenteurer leben in Guyana und Amazonas" eine Nrihe recht interessanter Skizzen, die das Buch nicht allein zu einer belehrenden, sondern auch sehr unterhaltenden Er scheinung stempeln. Wir lassen in Nachstehendem nur einige Mittheilungen über das Sommerleden in jenen Ländern, die Regenzeit und die drei Monate dauernde Kirmeßzeit folgen. Der Verfasser schreibt dort : In dem brasilianischen Binnenlande ist dasLeben von dem unserigen so durch aus verschieden, daß mancher Leser ge neigt sein möchte, die Wahrheit der 6inJ zelnherten, die hier darüber mitgetheilt werden, zu bezweiseln. Ich gebe indes sen nur eine Photographie des von mir selbst Jahre lang Gesehenen und Er lebten. In Nord-Brasilien beherrscht die Na tur dergestalt die Existenz des Menschen, daß mit Eintritt des Sommers, nicht wie bei uns blos einzelne bevorzugte Leute, sondern ganze Bevölkerungen ihreWohn sitze wechseln und eine andereLedensweise sühren, und zwar die sorgenloseste und glücklichste, die man sich denken kann. Sobald der Regen nachlaßt und die Ströme fallen, scheint die Natur, wie bei uns mit den ersten Knospen des März, auszumachen. Es giebt allerdings seinen Frühling, weil kein Winter da ist. allein der Boden legt doch seine Decke von schmutzigem Waffer ad; in einer Woche treten Hunderte Meilen weite Landstrecken hervor, auf denen sich ebenfo schnell das reichste Thier und Pflan zenleben entfaltet. Der Wald wird laut von tausendfacken Tbierstimmen. der Strom und deffen User bevölkern sich mit bunten Vögeln-. Alsdann beainnt in den dorfahnlichen Städtchen, in Dörfern und Hütten ein Jeder seine Borberettungcn zu lrenen ; die Netze werden ausgebessert, die Boote kalfatert, die Töpfe geputzt, Maniok und andere Mundvorräthe bereit gemacht; Jeder siebt auf den Strom, der die Zeit der Abfahrt bestimmt. Kaum wird das benachbarte flache Ufer vom Waffer frei, so säbrt Alles um die Wette ab : alle Häuser und Hütten leeren sich, der Ama zonas und deffcn Ncbenflüffe wimmeln von Booten. ' An der Stelle des Ufers. die am besten gefällt, wird angelaufen und für den Sommer das Lager aufze schlagen. Selbst den kulturseindlichsten Jndia nern des Urwaldes ist diese Sommer Villeagiatur ein alljährlich wiederkebrcnde Bedürfniß geworden, obgleich sie oavei jedesmal von den Welken ausgcbeutet und gebrandschäkt werden. Für Reiche und Arme ist das Leben und Treiben ganz gleich, wie daö Haus, das darbet d. h. einige Stangen mit darüber gelegtem- Blätterdache. Die Möbel bestehen für Alle nur aus einigen Hängematten, Netzen, Kochgeschirreu und der unLermeidlichen Guitarre. Früh Morgens fliegt der männliche Theil der Colnie zur Jagd aus, theils mit Flinte oder Blasrohr, theils mitAn geln und Netzen, zu Fuß oder im Kahne. Bevor die Sonne hoch steigt, kehren sie schon zurück mit mehr Beute, als eine ganze Familie bedarf; ja Netze und Kähne sind oft so mit Fischen gesüllt, daß die Knaben sich damit spielend wer fen. Wahrend dieser Zeit haben dieFrauen das Ufer und die Hütte gehütet. Maniok,

das Brod für den Winter gepflanzt, ArX.ivt-x v. rr: .r.. x. l .

uyiiuiiuiuvc uuu vsici ucuaji, uui für den Herd gesammelt.. Gegen 8 oder 9 Uhr, je nach Beendigung der Jagd, wird die erste Mahlzeit hergerichtet. ES geschieht daS ziemlich rasch, denn vor jedr Hütte brennt Tag und Nacht ein Feuer, welches kurz vor dem Effen ge waltige Verhältnisse annimmt. Zwei große irdene tteffel sieden darauf, der eine mit Wildschwein-, Hirsch, Tapir und Affenstücken, ganzen Enten und Hol . v V .!X V. . .V. . i 10 uno oergleiMn, oer anoere mu ccn schmackhaftesten Fischen ; AlleS gewürzt mit verschledenartlgen Fruchten. Rings um beide Töpfe braten andere Stück. Wildpret oder Fische. So steht man, wenn' die Familie zahlreich oder Besuch da ist, nicht.selten ganze Eber oder Pira rukuS, Fische, sechsmal größer als unsere schwersten Hechte, über dem Feuer. . "j . . l rtr mm . . IN oen meinen Ullllen oienen Blatter als Teller, Muscheln als Löffel, die Fin ger als Gabel, der Boden als Tisch und ein gemeinsamer Wafferkrug zum Trin ken für Alle. Beichästigt stch die Fami lie mit Kautschulsammeln, so wird diese überreichliche Mahlzeit, welche gegen Abend in gleicher Weise wiederholt wird. durch Hlnzufugung ruropäischer Weine, L'gueure und Konserven noch verdeffert. Portugiesische und brasilianische Händler versorgen sie nämlich schon lange vor Beendigung derKautschukernte mit euro päischen Produkten, die sie, überall an legend, m lhren Bootm Hunderte von Stunden weit flußaufwärts bringen. So speist am Amazonas und deffen Ne benflüffen der ärmste Brasilianer oder Indianer jeden Tag zwei Mal. Nach diesem Frühstück Bad im Flusse; dann Siesta bis drei Uhr; hieraufKahn fahrt zum Fischen, wobei dieFrauen ru dern und die Männer lanabinaestreckt Cigarren rauchen; kurz vor Einbruch der Nacht Esten wie Morgens, Plätschern und Spielen un Fluffe und zumBeschluß Guitarrespiel mit Getang oder Tanz auf dem Userfande. Lange Monate hindurch dauert dies Schlaraffenleben, bis es einige Wochen vor Beginn der Regenzeit einer sieber haften Thätigkeit Platz macht: es gilt für diese Jahreszeit Vorrath an Maniok. Fruchten, Gewürzen, getrocknetem und gesalzenem Fleisch, an Fischen u. f. w. zusammenzubringen. Das ganze Usr gleicht emem ungeheuren Stapelplatze. Jede Nacht kommen Jaguare, Affen, Mukurras :c. bald heulend, bald schwei gend herangeschlichen und stehlen, was ne können. Beim Schein des Mondes oder der vor den Hütten brennenden Feuer sieht man hier und dort eines dieser Thiere auf dem Ufer, furchtsam aber beutegie rig, beim geringsten Geräusch verschwin den. Bor jeder bewohnten Uferstelle, vor jeder Hütte schwimmen wie große Baumstämme, die glotzenden Augen über dem Waffer, Morgens und Abends häß liche Kaimans, die nicht selten mehr als hundert an einer Stelle, wie eine Bett lerschaac vor einer Kirchthür, darauf warten, daß ihnen etwas zugeworfen wird oder in den Fluß fällt. Wird es finster, so steigen sie auch wohl an das Ufer, um Beute wegzuschleppen. Alle Thiere jedoch, Kaimans, Jaguare,Geier, fliehen, sobald der Mensch, ihr Gebieter, sich gegerl sie wendet. Nach dem ersten Regenguß, oft schon an demselben Tage, bedeckt sich der ganze Strom mit schwerbeladenen Booten, die nach den Städten, Dörfern und Hütten der Heimath zurückkehren. Eine Woche nachher ist vom Ufer Alles abaezogen. Mein ethnographischesGemälde würde nicht vollständig fein, wenn ich nicht auch in einigen Zügen das Winterleben in oen brasilianischen Ortschaften und Städtchen schilderte. Zuvor muß ich den Leser nochmals bitten, feine ganze Glaubenskraft zusammenzunehmen, da mit er nicht meine, ich erzähle ihm ein Kapitel aus Rabelais und keine That suche. Nach der Rückkehr von der Sommerreise treten zuerst einige Tage der Ruhe, gleichsam der Sammlung sür die kommenden Freudenanstrenaungen, ein. Die Frauen sind allein beschäftigt; sie bringen die Wohnung in Ordnung und pflanzen die nöthigen Gemüse und Ba nanen. Mit Ungeduld crmartet, kom men bald die Ubas undEgariten (Boote) der Tauschhandel den Strom herauf j oder herunter und bringen Waaren oder Produkte ausEuropa und Peru : Stoffe, Geräthe, Schmucksachen, Kleidungsstücke, besonders aber große Quantitäten von Weinen, Liqueuren und Conserven. Die Einwohnerholen ihre reichen Vorräthe an Oel, Fleisch, Fischen, Kautschuk, Jaguarfellen u. s. w. hervor und bald hat jedes Haus im Ueberstuß seinen Bedarf. Der Negocijo, d. h. das Amüsiren, die Festivität, kann losgehen. Der Brasilianer vergnügt sich jedoch nicht, wie andere Sterbliche, auj's Ge rathewohl hin, wie Zeit.Gelegenheit und Laune es bringen. Er treibt es gerois senhast, mit Ordnung und wohlüberlegt. Alles ist nach einem best'mmten Pro gramm geregelt, welche? sich genau so im nächsten Jahre wiederholt. Am Aqua tor nimmt aber Alles riesenhaste Ver hältniffe an : statt unserer Blindschlei chen hat man dort Schlangen von 40 Fuß Länge, statt unserer Frösche Kai mans, d c Flüffe sind sechsmal größer, die Thiere tausendmal zahlreicher als diunserigen. Es liegt daher ganz in der Ratur, daß das deutsche magere dreitägige Kirchweihsest in diesem üppigen Lande einer drei Monate ohne Unter brechung dauernden Kirm ß ausgewach s?n ist. Die tropische Sonne brütet ja noch andere Ungeheuerlichkeiten im Menschenleben aus, von denen man im zah men Norden keine Ahnung hat. Ich will nun, nach meinen Aufzeichnungen an Ort und Stelle erzählen, wie eS dabei zu Olivenza am oberen Amazonas zu geht. An dem feierlichen Tage, der Eröff nung begiebt sich die ganze weiße Bevöl kerung, wozu sich auch Nicht wenig röth liche und schwarzdraune Familien rech nen, in Festkleidern auf den größten Plak des Ortes und wählt zunächst die Fksthauser. d. h. die. in .welche an den besnmmten Tagen jeder Einwohner ohne Umstände eintritt, um nach Herzenslust Wein, L'gueure'und Speisen zu sich zu nehmen. Keiner schlägt diese kostspielige Ehre aus, welche natürlich die Wahlha

Abenden vorzugsweise genießen, hierauf ' v , e.n.v v.. rr r..

mir als seiioronenoes viornuc zur uc Ziiellen Leitung der Lustbarkeiten und Schmausereien eine Präsidentin mit, mehreren Assistentinnen gewühlt, welche den Namen .Richterinnen- führen. Nun wird eine Deputation an den Pfarrer, die selbst dem Bürgermeister oder Go bernador an Ansehen vorangehende Hauptperson des Ortes, gesandt, um den .Christo zu verlangen. Der.Padre mit ttüster und Chorknaben in vollem Ornate empsängt sie gnädig unter der Kirchtbüre. DaS große Cruz'fix wird geholt in Trommelschlag unter Glocken geläute mit Böllerschüffn nach dem Sammelplatze und von dort in Begleitung der ganzen Festgesellschaft, d. h. aller durstigen Kehlen des Ortes, nach dem ersten Festhauie getragen. Unter der Thüre wartet die Dame deS Hauses als eine der Richtermnen"; das Kreuz tritt ein und dahinter der Padre, der Küster, die Trommler, die Behörden und soviele Leute, als das Haus fasten kann. Jeder ißt und trinkt nach Belieben. Der Zug geht hieraus nach einander zu den übrigen Festhäusern der Liste, und wer aushalten kann, macht mit bis zum letzten. Gegen Abend wird das Kruzisix zur Kirche zurückgetragen, und man begiebt sich in das Haus des Pfarrers. Er giebt den ersten Kapitalschmaus und hat schon seit Wochen die besten Sachen dafür ge kaust oder als Geschenk erhalten. Das Haus ist daher auch bis zum letztenWinkel gefüllt, die Trinker und Schmauser sitzen sogar im Hof, in den Ställen im Garten, vor der Thüre, es ist eine wahre Hochzeit des Gargantua. Bei di'sem Festmahle werden nun die Vergnügun gen der kommenden Monate, Bälle, Hochzeiten, große und kleine Banquels, Spiel- und Trinkpartien u. dergl. sest gesetzt, ein vollständiger Arbeitsplan ent wörfen, um sich methodisch zu betrinken. denn Letzteres ist für die Brasilianer die Hauptsache. ES wird die ganze Nacht hindurch gegeffen und getrunken, auch musizirt und gesungen, aber niht ge tanzt. DaS Bisherige war die Einleitung, so zu sagen nur das Ausspülen der Kehlen, die Tonangebung zu dem langen wilden Feste, das mit dem nächsten Tage erst wirklich beginnt. Es findet zuerst wie der eine Prozession wie TagS vorher statt, aber feierlicher, mit Gesang vor der Thüre, wobei die Darce des Fest Hauses mit dem Weibrauchfaß begrüßt und ein großer, mit Blumenkrone und Bändern verzierter Mast (ganz der Kir meßbaum am Niederrhein und in Hol land) aufgepflanzt wird. Das HauS ist nun wenigstens eine Woche lang fürAlle, die eintreten wollen, Brasilianer.Fremde. Indianer, offen. Auf langen Tischen steht Kaffee, Thee, Chokolade, Tasia und Liqueure. AlleS.ist reichlich und in bester Qualität vorhanden, denn mit Ausnahme der europäischen Produkte hat jeder Hausbesitzer auf seinem Sitto (Waldlichtung mit Wohnung) Alles selbst gebaut. Jeder bedient sich selbst nach Belieben. Das Trinken geschieht nicht, ohne mit den stets anwesenden Damen ein Tänzchen, eine mit der spa nischen Cachucha verbundene Quadrille, zu machen, welches zuweilen bis zum Morgen fortgesetzt wird. Jedes neue Festhaus, welches an die Reihe kommt, wird auf dieselbe Weise eingeweiht und mit dem Festmaste bezeichnet. So dauert das Trinken und Tanzen drei Monate lang, ohne andere Unterbrechung als einige Stunden Schlaf. Den Beschluß macht ein Kar neval von 810 Tagen. Dann gehen alle HZuser und Hütten offen ; große und kleine Gesellschasten, Männer, Weiber. Kinder, ziehen in Verkleidungen mit Trommeln und Guitarren von Haus zu Haus. Ueberall wird Tasia und Li queure getrunken und, wenn Platz ist, getanzt. Eine allgemeine Trunkenheit, vom Greise bis jum Kinde, bildet das Finale am letzten Tage. Die Brasilianer behaupten, diese Ex ceffe seien zur Erhaltung der Gesundheit in ihrem Klima nöthig. Ich sehe darin eine Hauptursache der unter ihnen Herr schenden. Krankheiten. Mäßigkeit und Vorsicht schützen auch hier wie überall gegen die klimatischen Einflüsse. Man darf indessen diese Sitten nicht zu streng beurtheilen ; die erschlaffende Wärme der Aequatorialgeaenden fuhrt zu leicht. a f :st nothwendig zum Genusse anregender Getränke, und der der außerordentlichen Mangelhastlgkelt des öffentlichen Unter richts steht ein großer Theil des Volkes demunzutechnungöfähigenNaturzustande näher als der Civilisation. Geheime Arbeitskraft. Die in der Steinkohle aufgestapelte latente Arbeitskraft hat Profeffor Rogerö eingehenderen Untersuchungen unkerzo gen. Der dynamische Werth eines Pfun deS guter Steinkohle ist danach äquivalent der Tagesarbeit eines Mannes, drei Tonnen demnuch einer zwanziglähriaen harten Tagesarbeit, wobei das Jahr zu 300 Arbeitstagen angesrtzt ist. Nach üblicher Schätzung liefert nun ane .vierfüßige" Kohlenader auf jeden Morgen Landes ungefähr 5000 Tonnen guter Kohle. Jede Ouadratmeile enthielte fonacy an azuu.juu sonnen, wklcvc ln r tL n r r r ihrer totalen Le,stungssäigkeit für die Produktion von Arbeitskraft einer zman Cf 3 -. f i . ent jiyjuyuytü ugesaroeii von einer üjiti lion kräjtiger Albeiter entsprechen wür den. . Verdienst am Bier. Auf einem Bahnhof in Sachsen ließ stch un langst ein Reisender ein Seidel Bier ge ben, fand es aber ungenießbar und das Glas ungewöhnlich klein. Wieviel so stet das Seidels fragte er den Wirth, der am Ausschank stand. Zwanzig Mennige !" lautete der Bescheid. Und wieviel verdienen Sie daran?"' er kündigte sich der P.iffant weiter. Zwanzig Pfennige!" klang es abermals zurück, lener glaubte, nicht recht ge hört zu haben, indeß der Wirth wieder holte, was er behauptet. Wie geht denn das zu?- folschie der Fremde und erhielt sofort die Auskunst: Das will ich Sie sagen. Vor fünf Pfennige spritz' ich, um fünf Pfennige iö das Seidel kleener, als andre, fünf Pfennige krieg' ich für jedes vom Brauer, und vor fünf . . c rr m . Pfennige Bier lassen die Gäste ersck tentheelS stehen !"

(Zul tcr Ansiedler in Vl:onsin.") ZurSinwanderung Oedtldeter." Junge oder alte Kaufleu'e, Techniker, gewesene Osfi;!ere oder' Beamte, Lehrer, Forstleute, üd?rhau;t alle sogenannten Gebildeten-, sollten eS sich endlich ein mal aus dem Kopse schlagen, in denVer. Staaten von Nordamerika da? Land ihreö Heils zu erblicken. ES fällt in der Regel solchen Leuten, selbst wenn sie der englischen Sprache vollständig mächtig sind, und wenn sie die besten Empfehlung gen mitgebracht haben, gan ungeheuer et !- r . u j

schwer, nen tn un,eren Verhällmsten valo zu einer auch nur halbwegs blfriedigen - den Stellung in die $Me zu arbeiten; was sie hierzulande Alles durchmachen müssen, ehe sie auch nur Das erreichen, spottet jeder Beschreibung. Unter Hunderten gelingt e? höchstens einem, durch besonderes Talent, durch Thatkraft durch seltene Glückeumstände schnell ein besseres Lcos zu ziehen, zum ttvünschten Ziele zu gelangen, was aber aus den anderen wird, mag d.r Himmel wissen ! Unzählige Male hat das vorliegende Blatt diese Klasse Leute cindringlicdst ge warnt, nicht hierher zu kommen, lieber in der alten Heimath zu bleibe'.; AlleS vergebens. Jedes Schiff bringt eine Anzahl solcher Verblendeter, jeder zu rückkehrende Dampfer nimmt Dutzende von solchen Leuten als Getäuschte wieder mit nach der alten heimäth. Stets sinden sich jedoch neue Opser der Verblendung. Es sollte doch nun Jedermann in der alten Heimath wiffen und die Preffe der alten Welt sollte, anstatt fortwährend abgeschmackte Anekdoten über unser Land zu bringen, ihre vefer über die hiesigen Verhältniffe besser auskiären und hierdurch beitragen, Unheil zu verhüten. Wir brauchen keineEinsuhr solcher Leute, wir haben hier selten Verwendung für das, was man drüben .Bildung- zu nennen beliebt. Unsere Schulen sind gut genug, um junge Leute in Massen soweit heranzuziehen, daß sie Alles und Jedes mindestens ebenso gut, wenn nicht besser verrichten können, wozu man eben .gebildete- Leute braucht. Sie haben .azu noch den unermeßlich großen Vor theil, daß sie der Landessprache desEng lischen in Schrist und Wort meistens vollständig mächtig sind, und sind sie deutscher Abstammung, so sind sie in der Regel auch unserer Sprache mächtig. Welche Aussichten bieten sich also .Gebildeten" in Stellungen, die sie zu finden vermeine?, hier vorwärts zu kommen? So gut, wie keine. . Es wäre schließlich ganz dasselbe, als wenn Ame rikaner nach der alten Welt gingen, um dort ihr Glück zu machen, ohne such nur die Sprache des Landes zu kennen. DaS wird wohl keinem einzigen in den Sinn kommen. ES ist schlimm genug, wenn gebildeten Leuten in der alten Heimath durch die dort herrschenden Zustände dn? Verbleiben unmöglich gemacht wird, und wenn sich solche dann wohloder übel zur Auswanderung entschließen müssen. In der Regel schlagen solche Leute, weil sie keine andere Wahl mehr haben, git ein ; sie wissen, daß sie sich fügen müssen.- Sie sind von drüben aus an Entäuschungen, Unbequemlichkeiten und Ungemach aller Art gewohnt, und sie kommen, frei von Illusionen über die hiesigen. Zustände, in unser Land. Solchen Leuten kann man auch leichter helfen, nicht aber je nen, welche aus Ukbermuth gingen und die da glauben, daß hier zu L'nde ihnen, die gebratenen Vögel in den Mund ftie gen müssen. Es ist eine aulsauende Thatsache, daß die Deutschen zur Zahl der hier vorkommenden Selbstmorde den höchsten Pro' centsatz beitragen und es ließe sich hierauS der Schluß ziehen, daß es hier zu. Lande sehr viele Deutsche giebt, die sich' namenlos unglücklich fühlen. 'Man kann nicht behaupten, daß diese Folgerung richtig sei, wohl aber liegt die Erklärung nahe, daß es eine MengeDeulschkr giebt, die drüben unmöglich geworden sind, die thatsächlich gezwungen waren, dieses Land auszusuchen, und die mit dem Be treten unseres Landes den letztenTrumpf ausspielten. Finden sie nicht sofort, was sie ersehnt, so versallen sie nicht sel ten der Verzweiflung und machen dem ganzen Jammer durch einen schnellen Entschluß ein Ende. Man muß offen über diese Beziehun gen sprechen, well dies das einzige Mittel ist, ein noch größeres Unheil . zu ver hüten. Jeder, der in Amerika sein Heil, sucht, soll wiffen, daß man hierzulande ebenfalls nur durch bebarrliche Arbeit., durch unentwegtes Streben zum Ziele gelangen kann. Daß dieser Weg ein beschwerlicher, mühsamer, oftmals durch Enttäuschungen gefährlicher ist. Daß. kraft, Selbstvertrauen, Selbstverleug nung dazu gehört, sich in die hiestgen Beziehungen zu fügen. Daß Jahre da zu gehören, stch festen Fuß zu schaffen Wer das nicht kann, oder nicht will, werda glaubt, daß man hierzulande sein Ziel im ersten Ansturm nehmen könnte,, besindet sich in einem sehr großen Irr thum und muß auch sür diesen Irrthum, leiden. Was Wunder nun, wenn eine große Menge Leute, die drüben von der Un gunst der Verhältnisse halb ausgerieben an Muth und Selbstvertrauen tief geschädigt unser Land betreten, an Geist und Körper zusammenbrechen, ehe sie nur annähernd zum Ziele gelangen können? Nicht dieses Land ist Schvld an den z-ihllosen Mißerfolgen, sondern in der Regel Die selbst, welche unter i!,ntn erliegen.' Deshalb prüfe sich jeder .Ge rilocte-, der fortzuziehen gedenkt, damit er nicht später sich selbst Vcrwülse zu machen habe. Gefahrliche Aufforderung. Professor (zu einem Schüler): .Wie wird der Inhalt eines Dreiecks berech net?--Schüler (für sich murmelnd): .Ist der Profestor ein Schfskopf! Das soll Ich wissen!- Proftssor: .Wie? Sagen Sie's noch einmal vielleicht war'S richtig r Dämon und P h Z n t ! a s. Freund A : Du, heiralhcst Du nicht bald, ich möchte doch gar zu gern einmal eine Hochzeit mitmachen. Freund B..: Na. eigentlich wollte ich mich zwar überhaupt nich: verheirathen, aber in diesem Falle will ich es Dir zu Liebe thun.