Indiana Tribüne, Volume 6, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1883 — Page 6
DeS Sultans Nrauenwahl wirb in einem inte"esianten Feuilleton des .N. 23. Tgbl." folgendermaßen geschildert: .ES ist meines WissenS im westlichen Europa nur Wenigen, die sich eingehender mit dem Orient, seinen Sitten und Gebräuchen beschäftigen, bekannt, daß der Sultan gezwungen ist, viele Frauen, wenn auch gegen seinen Willen, zu heirathzn,,-und dennochist dies der Fall, und zwar mindestens' eine in jedem Jahre. Ob er jung oder alt, krank oder gesund ist, das Gesetz des Landes verpflichtet ihn alljährlich zu einer neuen Heirath. Alljährlich wählt der Sultan in der Geburtsnacht des Propheten, welche die Türken Kedir e gessi nennen, sich eine neue Frau. Die ursprüngliche Sitte war, daß in dieser NaÄt Mädchen aus allen Klassen Gelegenheit finden sollten, den Sultan zu jehen und von ihm gesehen zu werden; gegenwärtig aber bedars es sehr großen Einflusses, politischen wie finanziellen, daö die Palastbeamien ein Mädchen wählten, das mit vielen Andern auf die Liste kommt, und die ärmeren Klassen sind damit so gut wie ganz ausgeschiossen. Die Beamten empfangen Be stechungen und Geschenke von Eltern und Vormündern, und machen sich jedesJahr zur Zeit der Wahl ein ganz hübsches Vermögen. Gegen den Schluß der Re. gierung des Sultans Abdul Medschid weigerte sich dieser in einer Geburtsnacht des Propheten, eine Frau unter jenen auszuwählen, welche ihm vorgestellt urden. Er durchbrach den Kreis und wählte ein armes Mädchen. daS unter der Menge stand und Blumen verkaufte, zum Erstaunen der anwesenden Beys und Paschas. Nach, diesem Ereignis thaten die Beamten durch mehrere Jahre ge roissenhast ihre Pflicht, indem sie' die hübschesten Mädchen auswählten, ohne sich um die Stellungen oder den Einfluß ihrer. Eltern zu kümmern. Jetzt aber gelten die Bestechungen wieder im voll sten Maße. Die Zahl der kompetenten Schönen ist Hundertundeins, und ist die Liste fertig, dann erhalten sie Einladungen oder kaiserliche Befehle, zu erscheinen, und die Palastbeamten geben ihre Jnstluktionen. wie sie sich zu kleiden haben. Das Kleid besteht aus einem lan gen weißen Leinengewande, nach römi scher Art über die Schultern geworfen; dazu tragen sie Sandalen an den Fü ßen. Die Toilette kann also die Blicke des Sultans nicht bestechen und verwirren. Alle Mädchen müssen sich gleich kleiden; das Haar muß aufgelöst über die Schultern wallen. Schmucksachen sind untersagt. In der Nacht der Cere monie begibt sich der Sultan zu Pferde tiach der SuleimaniehMoschce auf der Stambulfeite am Goldenen Horn", gleitet von allen hohen Palastbeamten,' Ministern und Paschas, Alle in GalaUniform, und umgeben von seinen Ad' jutanten in ihren malerischen Kostümen, roelche die verschiedenen Nationaliläten repräsentiren, über welche der Sultan als höchster Gebieter herrscht. Die Straßen, welche er passirt. sind von Soldaten'Spalieren eingefaßt, die uuf ihren Bojonneten chinesische Laternen tragen und Militär-Musikkorps spielen den Sultansmarsch längs des Weges. Nach der Ankunft in der Suleiman.eh Moschee wird der Sultan zu dem heiligen Tevpich geführt, woraus er während des Gottesdienstcs steht, und wo er den Sermon oder vielmehr den Rathschlag hört, den der Scheich-ul-Jslam piedigt. in dem er ermahnt wird, ein guter und treuer Muselmann zu bleiben, und sich warnen zu lassen durch das Unglück seines Vorfahren Selim, der nur e i n Weib nahm. Der Sultan verweilt un gefähr eine halbe Stunde in derMoschee. worauf er sich nach dem Platze vor der selben begibt, wo große Vorbereitungen für seinen Empfang gemacht sind. Aus einer Estrade sind alle Würdenträger des Staates versammelt ; der Klerus der Jmans, Mollahs und Hawagcs nimmt die Ehrenplätze ein. Im Centrum befindet sich ein Pavillon von scharlach rothem Sammt mit Gold gestickt, mit der Tourah, oder dem Monogramm des Sultans, welches immer das osfi zielle Zeichen der Türkei ist, und an jider Ecke des Pav'llons hängt. Dieser letz tere wird von vier silbernen Säulen ge stützt, welche die Seiten offen lassen Im Pavillon sind der Schlich-ul'Jslam und der Thronerbe, während ringsum die hundertundein Mädchen in einem ge schlossenen Kreise stehen, jedes mit dem weißen Leinengemand und ein Handtuch haltend, bezüglich dessen keine Einshrän kung besteht, so daß diese in Farbe. Zeichnung und Qualität variiren. Nach einem kurzen ' Gebete nähert sich der Thronerbe 'dem Souverän und bietet ihsi knieend zwei Tauben, mit der Bitte, sie dem Allmächtigen zu opfern und des sen Beistand anzurufen zur Wahl unter den umstehenden Mädchen, damit die . Gewählte ein getreues Weibeine lie; lenbe Mutter, eine Zierde der Krone und ein Beispiel für andere Frauen " werde. Der . Sultan nimmt dann ein Messer von seinem Gürtel und opfert knieend die Tauben, die Hilfe des Pro! pheten anrufend. Dann erhebt er sich und wäscht seine Hände in einer goldenen Schüssel, die der Scheich ul'Jslam hält. Seine Majestät hat aber gewöhn, llch keine große Eile, diese Waschung zu beenden. Im .Gegentheile geht er dabei außerordentlich langsam vor. indem er dle hübschen Mädchen aufmerksam be. trachtet, die den Pavillon umgeben. Die Entscheidung kann nicht leicht sein, da alle Kompeiirenden sehr schön und an muthig sind, und manches kleine Herz mag hkslig schlagen, während die Rundschau vor sich geht. Von manchen Ka lifen wird erzählt, daß sie eine ganze Stunde lang ihre Hände wuschen, wäh rend andere in wenig Minuten ihreWah'. trafen. Für gewöhnlich gilt, dnß der Sultan um so eher mit demHände waschen fertig wird, je jünger er ist. In Jahren vorgeschritten, ist er schwieriger und läßt sicb Zeit. Hat er seinen Entschluß gefaßt, dann verläßt er den Pavillon und geht geradenwegs zu der wählten, aus deren Händen er das Handtuch nimmt und sich abtrocknet. Sofort wird das arme, zitternde Ge schöpf, weiches durch die en' Akt die Frau des Höchsten im Land g:r??rden, von einem balden Duzend Eunuchen ergrif Jen, die einen dichten Schleier über sie
werfen und sie nach einem bereitstehenden Wagen bringen, dessen' Fenster von dunklem Glase sind und der nach' dem Paläste. jagt. Die Militärmusiken spielen, .die- Kanonen -donnern, das Volk schreit, , die Beamten gratuliren Seiner Majestät zu seiner weisen Wahl, und der Sultan selber sieht' meist sehr zufrieden aus. '.Der Schatzmeister des Palastes wirst dann kleine Münzen Gunter 'die Menge äuö und der -Kalif reitet nach dem Serail zurück. Die Chancen der neuen Gattin sind, daß oft viele Monate vergehen, ehe der Sultan sich ihrer erinnert, und sie führt ein Leben desLuxs und Müssiggangs. im Harem und sieht Niemand als ihre Genossinnen und , die dienenden Eunuchen..
Die nachfolgende romantisch tragische Geschichte glaubt der V. C " verbürgen zu können. Ein preußischer Offizier Graf V., einem Kavallerie Regiment angehörend, machte den Krieg in Frankreich mit und blieb mit seiner Truppe nach Beendigung des' selben der Occupations'Armee beigesellt. ' Er lernte in Frankreich ein Madchen kennen und lieben, das auch seiner seits ihm sein Herz schenkte. Indeß kam damals eineVerbindung nicht zustande, weil die Eltern des Mädchens sich einer solchen mit dem verhaßten .Prussien" widersetzten. Erst nach dem Kriege folgte die junge Dame Dem der sich im Stil len mit ihr verlobt hatte, nach Deutsch land ; dort fand die Hochzeit statt und die Eltern machten nun gute Miene' zum j bösen Spiel und versöhnten sich mit! ihrer Tochter und ihrem' Schmiegersodn, Mehrere Jahre war das Ehepaar ver bunden, als gelegentlich eines Manövers der Gatte auf längere Zeit die ehemalige Residenz, und jetzige Provinzial'Haupt stadt, welche eine Garnison bildete, verlassen mußte. Während dieser Zeit hat ten sich die Eltern seiner Frau zum Be such anmelden lassen. Ec e hielt dann während seiner Abwesenheit die Nach richt von der Erkrankung seiner Gattin, wobei ihm indeß mitgetheilt wurde, daß kie Krankheit ganz unbedenklich sei. Seine Schwiegereltern ersuchten ihn in deß, ihre Tochter mit in die Heimath nehmen zu dürfen, damit sie dort ihre Genefung abwarten könne. Der Graf stimmte dem bei und war nicht wenig erschreckt, als ihm nach , einiger Zeit die Mittheilung' wurde, daß die Erkrankung seinerFrau eine gefährliche und ernstliche Wendung angenommen höbe. Er säumte nach Erledigung seiner dringendsten dienstlichen Obliegenheiten nicht, um einen Urlaub nachzusuchen', und reiste so schnell als möglich zu seinen Schwieger eitern nach Frankreich, erhielt aber bei seiner Ankunft die Schreckenskunde von dem bereits vor mehreren Tagen erfolg' ten Tode seiner Frau und von ihrer am Tage vor seiner Ankunft erfolgten Be erdigung. Erst der Zeit gelang es, die Verzweiflung, welche der Graf über den frühen Tod seiner Gattin empfand, zu lindern. Er vermählte sich, nachdem er längere Zeit seine erste Frau betrauert hatle, zum zweiten Male und führte auch mit seiner zweiten Frau eine überaus glückliche Ehe. Da wird ihm eines Ta ges von dem Bedienten gemeldet, daß eine barmherzige Schwester ihn zu spre chen wünsche. Erdefand sich, als diese Meldung stattsand, in Gesellschaft seiner Frau und halte kein Bedenken, die sich Meldende in . deren Gegenwart zu tm pfangen. Wer ober vermag seine Em pfindungen zu beschreiben, als er in der, mit ausgebreiteten Armen auf ihn zustürzenden barmherzigen Schwester seine erste todtgeglaubte Frau erkennen muß! Die Alisklärung erfolgte dahin, daß die selbe durch ihre Eltern gewaltsam von ihrem Gatten getrennt und in ein Kio ster gebracht worden war, aus dem sie trotz allen' hierauf gerichteten SinncnS und Trachtens erst jetzt hatte entfliehen können. Si' hatte nach ihrer Flucht die Reife nach Deutschland angetreten und die Mittel zu ihrem Foetkommen von mildthätigen Menschen erhalten. Graf B. setzte sofort von dem Voifall. seinen Vorgesetzten in Kenntniß, der in dieser Sache keinerlei Entscheidung treffen mochte und dieserhalb an das Kaiserliche Mklitär-Kabinet berichtet h t. Wie die Dinge liegen, muß natürlich die, zweite Ebe sür.ungiltig erklärt und die erste wieder hergestellt werden. In welcher W ise die Rechte der zweiten Frau gewahrt werden und die ganze Angelegen heit zum endgiltigen Austrag gelangen wird, das kann in diesem Augenblicke noch Niemand sagen. - , i - . ...... m m. : Ueber eine gelehrte nnd beredte vrahrnintsche Dame '. ' i ; ' ' bringen angloindische und eingeborene Zeitungen interesiante. Berichte.' Pan dita Ramabai hat eine Tour durch das Land angetreten; ihr Ziel ist, durchVor lesungen die intellecluelle, moralische und sociale. Lage ihres Geschlechtes zu heben., . Sie ist eine Wittwe obschon kaum fünfundzwanzig Jahre alt, und unter den Eingeborenen wegen ihrer tiefe Kenntniß des Sanscrit. und der heiligen Bücher wohl bekannt. Die Ge fchichle ihrer Familie und ihrer Erzie hung ist höchst sonderbar. -Ihr Vater, ein sehr gelehrter Mann, zog sich in die ! Wildniß (jungte) zurück, begleitet von seiner Familie, um in der Einsamkeit seine Tage zuzubringen und der' Erzie hung seiner Kinder sich zu widmen. Von diesem Vater erhielt Pandita ihre außer ordentliche Inspiration. Nach dem Hin scheiden ihrer Eltern unternahm sie mit ihrem Bruder eine Reise durch Indien; später, mit H ntansetzung der Vorur theile ihrer Kaste, wählte sie ihren Gat. ten selbst aus unter mehreren Bewer bern. Es war der Bengalese Batu, ein ausgezeichneter Gelehrter und Graduirter der Universität von Calcutta. We nige Monite nach der Hochiit starb der Gatte, und von diesem Ereigniß datirt ihr Entschluß, ihr ganzes Leben dem obengenannten Werke zu widmen. Um diesen Entschluß auszuführen, hat sie in schneller Folge in vie'en Städten und Orlschaslen Reden gehalten; überall strömten die' ZuhZrer zahlreich herbei, melstentheils eingeborene Weiber. Kürzlich bei einer Versammlung in Punah. wo der Honorable L. R. Alhburne den 1 Vorfit) führte, erklärte Pandita Rama
bai. Diejenigen hätten durchaus Un recht, welche behaupten, daß in früheren Zeiten die Fruuenerziehung vernächlässigt worden sei; die Thatsachen der Ge schichte seien gegen eine ' solche , Behaüp lung," und sie bewies dies dadurch, daß sie die Namen vieler Hindufraüen an führte, welche sich . in früheren. Tagen durch ihre'Gelehrsamkeit "und' ihre Tugenden ausgezeichnet hatten. In unseren Zeilen jedoch erweiterte diel größere Er--zieh'ung und, bessere "Ausbildung des männlichen Geschlechtes die -Klust zw! schen Männern und Frauen ; aber, diese Kluft müsse überbrückt und' das weiblich? Geschlecht zu seiner gebührenden 'Stelle im intellektuellen Leben' gehoben', wer ! den." Die Rednerin r schloßhre Anspräche mit einem ' vepifterten Aufrufe i an die Eingeborenen, ihr.Bestes zu thun, , um die Lage der Frauen zu bessern zum ,Wohle des gemeinsamen Vaterlandis, besten Hebung ohne eine solche' Reform nicht geschehen kann. Die Dame spricht ohne Irgend welche Notizen, mit einer klaren musikalischen Stimme,, und ihr Vortrag in der Hindusprache ist sehr 'fl.eßend und eindrucksvoll. Bisher hat .Pandita Ramabai hauptsächlich zu Ver sammlungen gesprochen,' welche aus HindU'Mahretten zusammengesetzt waren. ' Ihr Auftreten in Punah zeigt daHer den Ansang einer weiteren Ausdeh nung ihrer Wirksamkeit an 'Die Unko sten der Tour sollen vom Nawab (ftüist) von Junagsur bestritten werden. ,Wäh rend auf der einen Seite ihre Popülari tät unter dem gemeinen Volke zunimmt, ist die orthodoxe Gesellschaft der Hindu 7vn!) diese ist ebenso zahlreich' als mäch. tig von dem kühnen Auftreten diefer Brahminin sehr scandalisirt worden. Erstens trägt sie keine Wlttwenkleider, obschon sie .nur eine Wittwe" ist; ferner hat sie ihr Haar nicht, abgeschnitten und sührt nicht ein Leben voll Elend und Verzweiflung, wie der Gebrauch und die Ueberlieferung verlangen ; Daher ist viel Kopfschütteln und Achselzucken in der orthodoxen Gesellschaft und es wird be hauptet, daß es ein Ende mit Schrecken nehmen müsse, wenn man einer Frau erlaubedie Traditionen, der guten alten Zeit bei Seite zu schieben und mit ihren verderbenbringenden Lehren die eingeborene Gesellschaft zu durchsäuern.1
Ein eigenthümliches Ntlseabenteuer erzählt d?e' Wiener N; Fr. Pr." : Die Weihnachtstage. in welchen eine erkleckliche Anzahl Reisender einges hneit. und auf verschiedenen Bahnhöfen internirt wurde, ' und ' die ' Neujhrs-Feiertage, welche allerwärts Hochwasse'r und Regen güsie brachten, werden Manchem lange im Gedächtnisse bleiben, .der ! zu dieser Zeit auf Reisen gegangen " war. - Mit Schrecken 'aber wird ihrer "eine Wiener Dame' gedenken, deren Abenteuer das Maß alltäglichen Reise.Unglücks weit überschritten. ' Die Gattin eines hier edenden angesehenen Norddeutschen wollte den Sylvester-Abend in der Fa mille ihrer in Pommern verheirathettn Tochter zubringen und trat äm 30. v.M. ihre Reise an.. Sie hatte nur bis Bres lau eine Karte genommen und war daher genöthigt, ' daselbst ein Billet für die Weiterfahrt zu lösen. Als sie eben in d'N Waggon steigen wollte,' nahten sich ihr zwei Gendarmen und theilten ihr mit, daß sie verhastet sei. Man kann sich den Schrecken und die ' Verwunde rung der Dame denken. Auf ihre Frage um die Ulsache dieser plötzlichen'Arreti rung theilte man ihr mit, daß sie einem Passagier bei der Billettenkaste das Por. temonnaie entwendet habe, . und ein Bahnbedienfleter bestätigte, den Dieb stjhl mit eigenen Augen 'beobachtet zu haben. Die Dame griff in die-Tasche, und siehe da, sie zog drer Portemonnaies aus derselben, und das eine war in der Tlat dasjenige des Reisenden. Die Dame hatte das Portemonnaie, welches dem ihrigen ganz ähnlich' und von dem Nachbar aus den Kassentisch gelegt wor den war, für das ihrige gehalten und eingesteckt. Der Reisende gab sich denn auch zufrieden als sich die erschreckte Dame entschuldigte, und selbst die zwei Gendarmen zeigten keine Lust, die Frau sestjunkhmen, als ein dritter Gendarm dazukam. Diesem siel es auf. daß die Dame zwei Portemonnaies bei sich trug; sie mußte eine Taschendiedin sein. Ver gebtich war die Versicherung der Däm'e, daß sie zwei Portemonnaies nur darum genommen, um in dem einen das öfter reichische,- in dem' andern das deutsche Geld auszubemahre'nvergeblich ihr Bit ten, sie nach Wien an ihren Mann tele graphiren zu lasten.'.Sie wurde ver. hsflet und in einen Arrest geführt. Als Grund, warum ihr selbst das .elegra phiren an ihren Gatten ' verweigert wur' de,.gab man ihr an; daß sie selbst kein Geld besitze, denn das gestohlene" Geld müsse den Eigenthümern zurückerstattet werden. So brachte . die Dame den Sylvesterabend statt bei ' Tochter und Enkeln im'Buslauer Arreste zu. Erst nach 28 Stunden gestattete .man der Verhasteten, ein Telegramm nach. Wien abzasenden. Die Ueberraschung des Gatten kann man ' sich denken. Mit Briefen der deutschenBotschast und einem Packet von Dokumentenund Zeugnissen versehen, machte er sich sofort auf die Reise und seinen Bemühungen gelang es denn auch, die Freilassung der ver zweifelnden Frau zu erwirken. Ein pünktlicher Mann. .Wat soll ick denn mit den Zettel? Um elfen bin ick hierher bestellt, um zwölfen komme ick erst rin! Steht det Versahren etwa hier uff den Wisch?" Mit diesen lärmenden Worten schiebt sich der Arbeiter August Grunom aus die Anklagebank des Schöffengerichts in Berlin, indem er krampshast seinen Terminzettel hoch hielt und seine Frage durch Ausrufe seiner Entrüstung unterstützt: Denken Se, ick habe meine Zeit gestoh len. un meine Frau kann mit de Früh kartosseln so lange warten, bis et Jdnen jefällig is, mir hier abzumurksen? Nee, davon nach Reune! Präs : Angeklag. ter, Sie scheinen z vergesten, daß Sie hier vor Gericht stchen. Sie haben sich hier durchaus anstindig zu betragen. Angell.: Wat soll ick mit den Wisch hier? Mein Name ist August Friedrich Wilhelm Grunow, versteh St, wie
können , Se mir da draußen so lange warten lasten, versteh Se ?. Präs.: Haben Sie heule schon ' gefrühstückt ? Angekl.: Vorläufig noch ich. Präs.: Aber getrunken haben Sie wohl ? An gekl.: Na, -rs denn det en Verbrechen? Ick stehe doch nich wejen Schnapsens unter PolZzeiaussicht ? Jewiß nehme ick allemal uff nüchternen Macn'en'Sei lenstärker," denn bin ick jlelch' e'n andrer Mensch,' un weil 'denn der andre Mensch ooch einen-haben will, dann werden's merschtendehls . zmee. Präs.: Herr Staatsänmalt wir werden- den'Ange klagten,' der sich unpastend beträgt, gleich auf vieründzwaNgig Stunden, nach hinten schicken müssen. Angekl.: Schani ren St sich nich ! Ick ziehe ooch jar nich weg, ick bleibe nu 'jleich' hier.' Präs.: Schweigen'-Sie jetzt; Sie bestnden sich in kinem Zustande, in welchem eine Verhandlung mit Ihnen: unmöglich ist. Angekl.:. . Wenn.ick mir . nich darf aus.sprechen, na denn laß ick scheen jrießen ! Wozu-halten wirn uns denn de Richter, denn brauchen wir doch keene Jerichte nich ! Un denn jeden Se mir noch diesen Wisch? Ick möchte nk aber doch mal misten Wal soll ick mit den Zettel? Präs.: Bote sühren ie den Menschen auf einige Zeit hinaus. -- Angekl.: So ist't recht ! Eist lootfen Se mir rin, un denn schmeißen Se mir raus. Un darum baut man nu det scheene' jroße Zel lenhotel ? Präs.: Sie..follen . endlich schweigen ! Angekl.: . Wenn . de Herren so fleißig sind, det Se mir nu nich mehr hören wollen, denn will ick ooch nich der Geblaßmeierte sind, sondern verlange 'n andern Entlastungstermin. Präs.: Der Genchtshof beschließt, Sie wegen Unge' bühr vor Gericht zu einer sofort zu voll streckenden Haftstrase von 24 Stunden zu ver'urtheilen. Angekl.: Bong, ick bleibe nu ooch jleich hier. Mein Name iS August Friedrich Wilhelm Grunow; ick' jehe mit Verachtung in't Loch und bitte blos um meine Frühkartoffeln. Der Angeklagte schien den Gerichtshof noch mit .einer längeren Rede beglücken zu wollen, wurde jedoch .schließlich' von dem Gerichtsboten aus dem Saale, ent fernt. i
....... . ' , :! ) : Der Zufall als Ankläger. ". .- ' :. v . .' j Vor ewigen Wochen erschien bei der Wittwe eines , kurz zuvor verstorbenen Wiener Großhändlers ein seingekleide ter, äußerst distinguirt aussehender ölt licher Herr, welcher der Dame sich als ein Baron mit wohlklingendem Namen vorstellte. Der Fremde drückte .den Wunsch aus, mit ihrem Gatten zu spre chen, den er als seinen , alten, lieben Freund bezeichnete. Als er auS dem Munde der Willwe erfuhr, daß der Ge suchte todt sei, that er sehr traurig und rückte schließlich mit' der Geschichte her aus, daß er und der Verstsrbene vor Jahren sehr intim befreundet waren, so intim, daß er, nämlich oer Baron, sich eines Tages vor elf Jahren verpflichtet sah, seinem Freunde, der damals in Pa US weilte uns dort in Verlegenheit ge rieth, mit 600 Gulden beizusoringen: Nun habe er dieser Angelegenheit ie mals Erwähnung gethan, und auch jetzt noch würde er die Sache als Freundes dienst, also gewissermaßen als Schen kung betrachten, wenn ihn nicht momen tan etwas zerrüttete Verhältnisse an diese Kleinigkeit erinnerten. Bei diesem Anlaß präsentirte er eine Schuldverschrei bung, die das bezeichnete Datum trug Die Däme erkannte mit Bestimmtheit in der Handschrift des DocumentZ die ih res verstorbenen Gatten, sie überlas die Schuldverschreibung, welche besagte, daß ihr Gatte im Januar 1871, zu welcher Zeit er thatsächlich in Paris weilte, die ermähnten C00 Gulden vorgestreckt erhielt. Qbzwar sie nun aus dem Munde des Verstorbenen weder : von diesem Freunde, noch auch von einer S l uld an denselben je gehört,' zahlte? sie dennoch ohne Weiteres die 600 Gulden an den so äußerst distingi'irt aussehenden, ver trauenerweckenden Mann aus und über sandte die Schuldverschreibung an ihlen Rechtsbeistand. Sie dachte schon gar nicht mehr an die Angelegenheit, als ihr Advokat mit der Erklärung .vor ihr er schien, daß sie einem ' Schwindler zum Opfer . gefallen. Die Schuldverschrei bung erwies sich nämlich als 'ein äußerst gelungenes Falsisicat. und daß die ganze Sache ein Betrug war, bewies ein ein sacher Umstand. Das Papier, auf welchem die Schuldverschreidung stand, trug im Wasserdruck das Zeichen einer- Ja, brik, die erst im Jahre 1878 errichtet morden, während die Urkunde bereits anno 1871, also 7 Jahre vor. Fabrizi rung,des betreffenden Papiers, ausgestellt erschien. .Diesen Umstand, ohne welchen der Schwindel, sicherlich , unentj deckt geblieben, wäre, hat der saubere Herr Baron offenbar nichts vorgesehen. Neber neue Hochstapeleien schreibt man aus London : ES scheint sich hier eine neue schwarze Bande gebil det zu haben, die, es sich zur Aufgabe macht,! auswärtige Künstler.: um ihre Werke zu bringen.. Die Bande welche aus Franzosen zu ' bestehen scheint, geht dabei folgendermaßen zu Werke: Sowie irgend em. fremder. Künstler für' seine Gemälde, Bilder tc. auf einer. Ausstel lung einen Preis erhalten hat, kommt ihm von London aus eine Anfrage zu, ob er wohl geneigt wäre, sein Werk zu verkaufen und welchen Preis er dafür verlangen würde. Dies sührt zu einer Eorrespondenz, im Laufe welcher dem betreffenden Agenten sein Werk zumVer kauf anvertrauen wolle. Gewöhnlich geht der Künstler auf den Leim, schickt sein Werk herüber und sieht dann natür lich weder dieses je wieder, nach erkält er die in Aussicht gestellten Rimeffen, die Werke aber werden hier sofort ver stlbert oder nach dem Onkel getragen, d. d. versttzt, der Agent verduftet aus der Nachbarschaft und setzt unter anderem Namen und anderer Aoreffe seinGeschäft fort, der Künstler aber hat gewöhnlich das Nachsehen, denn hier klagbar zu werden, ist mit selchen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, daß er ge wöhnlich vorzieht, den ersten Verlust stillschweigend über sich ergehen zu las sen, anstatt sich noch weitere Kosten und unnütze Scherereien zu machen. In folge vielfacher Klagen ist nun die Po-
lizei aus das Treiben. dieser Bande auf merlsqm geworden 'und dies führte zu der Verhaftung dreier Franzosen, Leroy. Merney.und Marken, sow e einer Fran zosin. Julie Denes, die im Bowstreet. Polizeigericht angeklagt wurden, drei bel ischen Malern, Oliver, Hansart und NissulGemälde im . Werthe von refv. z2y.und.140 in oben beschriebener Weise abgeschwindelt ?u : haben.;;: Die Angeklagten wusden in . dem . Btdford Head Hotel, Tott'enham , Court' Road, attrapirt. als Marten eben seinen. Com plicen die Gemälde' zeigte.- Beim. An blicke. derjPolizei ergriffen sie die Flucht, wurden aber eingeholt und'-na kurzem Widerstande, verhastet. Die VerHand. lung'N 'wurden nach Feststellung der Thatsachen behufs weiterer Beweiserhe bung vertagt. , - . . . ,
Nlesenklage an den Mond. ' ; ' ' ' .(Mlzisch.) ' ; . ' . . . , Wandl Ich - WinderowendS durch de .; ; . Schtroße. . Seh ich als die junge Päärlinikose . : An de .Dhüre, drunne, beim Laderne- " - : i ; . schein; Fnne Glaceherren lorgneddire, , Blaffe Modedämcher coqueddire Seh ich in de owwre Schlöck durchs , ; i: ' . Jenschter nein. i i..; c' . ' : Un in Dhräne mögt ich schier verfließe. Daß ich's seh un kann's nit aach genieße. Daß uf Liewesglück ich so verzichde muß. Wohl e Schätze!, drowwe hinnerm Gidder Uffem Dhorn, war mein', doch, o wie ; : . bidder ! Droht un Eise war zu eng for jeden , , ; - " ; Kuß. Ich bin Widder glumme, mit der Cidher, Haw e Kloglied gsunge durch ihr G'dder, Haw aach 'nein gewischpert manches süße : Wort; , brummt un raffelt us'me Schtroh band hinne. Ach, mein Liebche war nimmehr zu sinne, '& war schtatt ihr e Bare-Kerl in Kedde dort! : Un im Schtrombett, in de naffe Welle, Wo ich denk, es sin die diesschte Schtelle. Such ich, sieweskrank de kalde Wasser . dodt ; Ach l ich schpreng doch nie mein' Lewens ' bände, ... Schtröm un Bääm. mächt halt mein' . . . ....... Läng zu Schande, Zum Versäufe un zum Henke gibt's keen . . Rodh!. Als Soldat hätt ich wol möZe schterwe, Als Soldat wollt ich mich loste werwe. Doch mar hol mich sortgschickt wege mei 1 " ner Größ; . - Uf meim Kopp licht noch der Schnee ' . wann drunne Blume schütt im Freie werre gfünne, Nor im. Herz drin is's Johr aus Johr . ein so heeß! s, O du Silmermond am blooe Himmel! Nemm dich an doch um'mich große Lüm i '. . mel Als mein alder guder Freund un Noch barsmann; Sag'm Orion un de arnre Herre : Ich wollt Himmels-Hausknecht drowwe . . werre. Weil ich doch uf dere Erd nix werre kann. Mach's bekannt, o Mond, ich könnt ra stre. Euern Bäre südre und de Wage schmiere ; Sag, ich wollt die Milchschtroß kehre jeden Dag, -Wollt, wie's hier schun brave Haus knecht müsse, Aach. die Dam vum Haus, die Venus, küsse ; - Mond! dann hoscht aa Ruh vor meiner Liewesklag! . K. G. Nadlcr. Ei n S o n n e t t d er K ön i g in von Rumänien. Die Neujahrsnummer des Magazin für Literatur des In und Auslandes" bringt folgendes Ge dicht 'von Carmen Sulva: iDieFrauen. Uns Frauen ward zum Tragen Kraft '"'-' gegeben. Da schwere Sorgen uns und Weh be ' ' lasten. Da leiden, die' mit Sorgen nimmer : " rasten. Mit Dornen stets durchwinden unser . ; ' . Leben. . ; Dem Manne ward Genuß, , erreichtes - 4 . . Streben, ' - . ' Derweil wir ruhmlos, ruhlos, freudlos ' ,.:r :r: ; " fasten; Er schlägt darein, derweil wir zaghast tasten. Ihn lockt der Sturm, vor dem wir scheu erbeben. - , Doch scheinbar ' nur - ward ' uns - das ' - Schlichte, Kleine, Was dunkel ihm, das können wir durch ' - schauen, " Mit leichter Hand vollbringen wir das Feine; Wir sind's, die zart und stark das Nest' . . chen bauen, '. Wir sind für ihn das ewig Hohe. Reine; Dies unser Lorbeer, dies das Glück der Frauen. Eine Moden'Revolution. Wie der Voltaire meldet, ist in Paris seit Beginn der Saison eine wichtige Neuerung eingetreten. Nach dieser gilt es für mauvais geurs, wenn Herren oder Damen in Theater mit Handschu hen erscheinen; selbst bei Bällen und Soireen lassen die eleganten Pariser und Pariserinnen die Handschuhe im Vor zimmer. Die Damen stnd zur Erkennt niß gelangt, daß es unlogisch ist. Arme und Schultern zu zeigen und die Händ chen in eine lederne Umhüllung zu fte cken. Die Herren haben doppelten Ge winn durch die nei.e Mode. Sie ersparen es, ein unbequemes Kleidungsstück zu tragen, und können ohne jegliches Hinderniß die Hand der schönen Tänze ' rin drücken.
VanditenSalater!en. Der deutsche Reiseschriststeller Kott erzählt ein Erlebniß, das ihm auf der Reise von. Großwardein nach Klausen bürg zustieß, welches dazu angethan ist. den ritterlichen Character des ungari schen Banditen ins hellst! L'cht zu stel len. - Al5 sich, erzählt ,'r,' mein Wagen auf dem Kiralyhago . d:m berüchtigten Feketa To (schwarzer- See) näherte, sprengte. auS'. einer Waldeslichtung ein Reiter heran,. dessen Aeußeres wenig ver trauenerweckend war. Hart am Wagen schlag lüftete er sodann seinen Hut mit der Frage.:.-:. ; . . - ' I . Hoden's Cigarren A meine bejahende Antwort fuhr er fort : - v ' - Jovan (gut), nachher geben' her !" und war im nächsten Augenblick wie aus Sturmeflügeln sammt meinem. Cigar renetui verschwunden. ' .-i Einige -Minuten später' war er abl.r schon wieder am .Wagenschlag mit dcn Worten ' : . Hob' ich Ihnen in der Ell' alle.Ci garren genommen. Do hoben's. sechs Stück wieder, daß können's bis Klausen bürg rauchen." . . - Slrach's und.verschwand. Die Banditen'Galanteri'e .steht nicht vereinzelt da. Zuw.ilen ist der Räuber Uebermuth sogar humoristisch ' ange baucht, wie nachfolgende wahrhafte ,Ge schichte beweist : In den dreißiger Iah ren, Blüthezeit des nordungarischen Stegreifritters Schodry. reNdirte in Erlau ein alsGeizhals verschrieener Erz bischof. Eines Tages beka: Seine Emi nenz einen von Lemberg datirten Brief, daß der päpstliche Nuntius Monsignore Lambertucci in Erlau vorsprechen würde, um. die Dekasterialkasse zu renidiren. Die Dienstleute des Erzb?schofs von Erlau wußten gar nicht, wie' il nen ge schah, als ste den Auslrag erhielten, ein reichliches Mahl vorzubereiten. Wie es der Brief angezeigt hatte, fuhr zur be stimmten Stunde ein von Panduren es cortrter Reisemag'en in den Hof des erz bischöflichen Palastes. An der Frei treppe, wo Seine Eminenz mit seinem kirchlichen Hosstaat zur Begrüßung des päpstlichen Legaten ausgestellt war, ver ließ ein kräftiger, von der Sonne ge bräunte? Mann den Wagen und stellte sich in fließendem Latein als Nuntius Lambertucci vor. Er trug eine violette Soutane mit der Würde eines Kirchen fürsten, nur das Auge blitzte zuweilen etwas allzu weltlich uf. Von allen Diözesanangelegenheiten auffallend gut unterrichtet, verlangte er nach dem Gast mahl die Revision der Dikasterialkasse, die ihm der Erlauer Erzbischof um so weniger vorenthielt, als sie gegenwärtig ausnehmend gut gespickt war. Als die beiden Männer in der Schatzkammer al lein waren, deren Inhalt sich auf rund sechziqtausend Gulden herausstellte, sagte der Nuntius plötzlich im reinsten Magy arisch : ' 7 .Eminenz, ich befehle Ihnen, sofort die Kasse nach meinem Reisemagen brin gen zu lassen und mich nach Füzes Abony zu begleiten." .Und mit welchem Recht V .Mit dem des Räuberhauptmanns Schodry. der mit zwanzig als Panduren verkleideten Leuten seiner Bande Ihr Palais besetzt hält." Abe? wo ist der Uebelthäter, der 'es wagt, einen Mann meiner Stellung an zugreifen?" .Er steht vor Ihnen." .Wenn ich mich aber weigere, das Geld auszuliefern? ' .So jage ich Ihnen eine Kugel durch den Kopf und besorge das Geldgeschäft alleii'." Dabei zog Schobry ein Pistol auS'der Tasche der Soutane heraus und zielte auf den erschrockenen Erzbischof. .Nun denn in Himmelsnamen ! Ich weiche der Gewalt. Aber weßhalb soll ich Sie nch Füzes Abony begleiten V .Dami: Sie nicht die Garnison von Erlau auf meine Fährte Hetzen. Ich habe mit den Herren vom Militär nicht gern zu thun. Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, so führen Sie meine Befehle auS. Ich folge Ihnen wie ein Schatten und sende Sie in das Reich derSchatten, wenn Sie nur ein Wort mit Ihrer Die ! nerschast zu viel reden. Und jetzt wollen wir zur Gesellschast zurück, um die Ver dauunq des Mittagessens durch eine Tasse Kaffee zu befördern." Die Gäste des Erzbischofs waren nicht wenig erstaunt, als derselbe den Befehl gab, zwei ' schwere Geldkisten in den Reisewagen des päpstlichen Abgesandten zu schaffen, und nach eingenommenem Kaffee selbst mit demselben fortfuhr. t In Füzes Abony verabschiedete ' sich der Räuderhauptmann in leutseligster Weise von dem Erzbischof und händigte ihm hundert Gulden für seine und seiner Leute Bewirthung ein. Eine dritte Geschichte, die sich vor nicht lang? Zeit in Makedonien zugetragen hat, liefert den 'Beweis, daß auch die modernen Räuber einen Börsencoup mit Anstand auszuführen wissen und daß die Banditen. Galanterie auch m unseren Tagen ausgeübt wird. -' ' ' ; : -( ' Derselbe Oberst Synge, der nach der Niederwerfung der militärischen Revolu tion in Egypten zum Chef der Gensdar merie auselsehen ist. bat sich nach dem ! letzten orientalischen Kriege, den er als freiwilliger Combattant in türkischen Diensten mitgemacht hatte, in Macedo nien niedergelassen. Russische Zeitun gen behaupten, t: hätte sich aus Kosten der englischen Regierung als Agitator dort niedergelassen, und englische Zei tungen behaupteten, die russische Regie rung hätte ihm die Banditen des Olym Pos aus den Hals gehetzt. Welches von den Parteiorganen Recht hat, haben wir hier nicht zu entscheiden, sondern nur die Thatsache festzustellen, daß der Oberst, ols er eines Tages mit der .Times" in der Hand in seinem Zimmer saß, die Fenster von Flintenkugeln durchlöchert krachen hörte, und als er trotzdem uner schrockea mit der Flinte ans Fenster eil'e, um Gemalt mit Gewalt zu vertrei den, zu seinem Leidwesen sehen mußte, daß jeder Widerstand vergeblich war, weil eine Horde von Wegelagerern Holz und Strov um sein H,us zusammen scharrte, um es mit teuflischer Bosheit in Brand zu stecken Solchen Thatsachen gegenüber muß selbst. der unerschrockenste
Held capituliren, und so hat sich auch Oberst Synge auf Gnade und Ungnade ergeben. Von dem Augenblick an, seit er in der Gewalt der Rauber war, behandelten sie ihn wie ein roheö Ei. Man setzte ihn auf ein Pferd. Der Führer der Bande, NamenS Niko, bestieg ein anderes Pferd und die Truppe schlug, den Weg nach dem OlympoZ'Gebirge ein. Man wetteiferte ordentlich inder Banditen-Ga lanterie. Der Gefangene wurde mit allen in der komischen Oper a la Fra Diavolo gebräuchlichen Rücksichlen be handelt, nicht als ein Feind, sondern als ein guter Fang, als die Haussespeculation eine Börsencoup. Die Cultur, die sich auf Alles streckt, hat auch die ma dänischen RSub:r beleckt. Bcor. man aufbrach, hatte der Oberst selbst anbe sohlen, daß man ihn nicht etwa verfolge, den7. er wußte, daß sein Leben auf dem ; Spiele stand, und als der englische Con su! in Sosia davon erfuhr, hütete er sich auch vor jeder feindlichen Maßregel. Nunmehr begann eine' förmliche parla mentansche Verhandlung, die von den Räubern mit einer, . Umsicht geführt wurde, die sich manche Parteiführer des culturbeleckten Theiles von Europa zum Vorbild nehmen könnten. Der Oberst, in eine Höhle gebrächt, wo er übrigens die Nahrung seiner neurn .Freunde", Brod, Ziegenfleisch, Wein, Kaffee, theilte und als Gentleman behandelt wurde, mußte seinem Consul schreiben, daß sein Lö'egeld auf 320.000 Francs in runder Ziffer sixirt sei, wozu dann noch gezogene Martini Karabiner, Uhren, goldene Ringe, Cigarrenspitzen und Rosenkränze von Bernstein, ein Feldtelescop und etwa 15 Trompeten zu fügen wären. Sollte binnen fünf Tagen keine Antwort eintreffen, so würde man zuerst seineOhren, in acht Tagen seine Nase, in zehn Tagen seinen Kopf ' schicken. Sie verlangten Rosenkränze, diese braven Menschen jäger, und der Oberst erzählt, daß sie sich vor und nach der Mahlzeit regel mäßig bekreuzten ; es besand sich sogar ein Mönch vom Berge Athos unter i nen. Man muzte zum bölen Spiel gute Miene machen. Der Consul konnte glücklicherweise die, Summe aufbringen und schickte sie durch einen Boten. DaS war eine förmliche Vergnügungspartie; man setzte sich im Walde in die Runde, die Geldsäckc wurden geöffnet und jedes Stück geprüft, ob es nicht ein verrathe rischeß Abzeichen trüge; dann, als Alles ganz in Ordnung war, gaben sie dem Oberst, ihrer Sitte gemäß, eine Tasse Wasser,' erstatteten ihm einhundertFlancs zurück, die ste zuvor von ihm geliehen hatten, und setzten ih'i wieder inFreiheit. Was diese liebenswürdigen Räuber vor Allem fürchlelen, war nicht etw. vom Militär oder der Polizei verfolgt, sondern vonCollegen angegriffen zu werden, denn, wie es 'scheint, fehlt es im Rho dopegebirge nicht an Concurrenz. Daher hatte auch Niko, der Räuderchef, als klu ger und umsichtiger Mann überall das Gerücht verbreitet, er hätte nur 40.000 Francs verengt ; er wußte nämlich, daß ein anderer Hauptmann von solchen ga lanten Spitzbuben sich mit dem Plane trug, ihn selbst auszuplündern. Solche Ucberraschungen der Räuber durch Räuder gehören im klassischen Makedonien gar nicht zu den 'Seltenheiten und er leichtern der Justiz die Amtsführung.
' Ein gefälliger Mensch. Am Abend des NeujahrstageS besän den sich in einem Wiener Gasthause drei Landleute in arger Verlegenheit. Sie wollten (Seid per Post nach Hause sen den. Geld, Geldbricfcouvert und Schreibzeug waren aus dem Tische, e fehlte nichts als die Adresse, aber eben daran wollte sich keiner de? Bauern wagen. Der Eine fand seine Hand zum schreiben viel zu schwer, der Andere fürchtete, einen Fehler in der Adresse zu machen, und der Dritte schwur, daß er sonst wie gestochen schrieb, nur jetzt seit einiger Zeit habe er das Schreiben ganz verlrrnt. Nun war guter Rath theuer. Die drei Weisen krauten sich hinter den Ohren, endlich einigten sie sich dahin, den Zahlkellner man saß nämlich in einem Gasthause der Leopoldstadt we gen Schreibens der Adresse zu ersuchen. Dazu war der Kellner sehr gern bereit, nur momentan konnte er nicht, späte? wollte er schon kommen. Leid.r aber wollte das später" kein Ende nehmen, und der .Zeiger rückte immer näher an die Abendstunde heran, und Dahamwarteten sie aus Geld. Diese Verlegen heit hatte ein an einem Nebentische sitzen der junger, feiner Herr den Bauern wohl schon längst abgesehen, und j,tzt bot er sich ohne Umstände als R.ttungSengel an, worüber die Bauern sehr erfreut va ren. Die Adresse wurde geschrieben, daS Geld, 01 Gulden, wure rasch in da5 Couvert gesteckt, und rasch lief der gefäl lige Herr mit dem Gelde und den Brie fen in das, vordere Lokal zum Wirth, um sich von 'diesem'! Siegellack und .Pet schierstöckl" auszuleihen z'mit versiegeltem Btitfe kehrte er zurück, und nun ging'S flugs auf da Postamts Wie schnell aber auch der Bauer lief, er kam dennoch schon zu fpät ; diesen Abend konnte der Brief nicht mehr aufgegeben werden. Bis gegen Mitternacht blieben die Bauern beim Wi th sitzen, da kam der Moment des Zahlens, und da fand sich, daß alle Drei zusammen nicht soviel Geld bei sich hatten, als die Zeche betrug. Nun mußte der Bries mit dem Gelde wieder heran, vorsichtig wurde er entsiegelt. Der Nüchternste unter den Dreien steckte zwei seiner Finger in das Couvert hinein, um eine Zehnerbanknote herauszunehmen. Welcher Schrecken! Von den 61 Guiden war nirgends eine Spur zu entdecken. Dort, wo das Geld hätte liegen sollen, fand sich Nichts vor. als ein zusammen gelegtes Zeitungspapier. Der gefällige, feine junge Herr, der die Adresse schrieb, hatte unterwegs, als er in das vordere Lokal behufs Siegelung des Briefes schritt, das Geld mit dem Zeitnngtzpa "ier vertauscht. Die drei Bauern waren einem Schwindler in die Hände gesal len. ES sche'nt eines der Privilegien deS Alters, Rath zu ertheilen, dem Niemand folgen will, und von Elsahrungen zu sprechen, denen Keiner Glauben schenkt.
