Indiana Tribüne, Volume 6, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1883 — Page 3

Aer Eindringling.

Von Karl 2 c Um a n n. .N' Morgen ! .N' Morgen, Herr Direktor!" : Diese stereotype Begrüßungssormel, unveränderlich seststehend. erklang, wie allmorgendlich. Schlag halb zehn Uhr in dem Comptoir des sperrn SilviuZ Pelzlein, nur mit dem Unterschiede, daß der .gute Morgen" des Personals ' mit einem gewissen ehrfurchtsvollen Tonsall gesprochen wurde, indeß der Gruß der .Firma" kühler, geschältsmaßiger sich anhörte. ' i . Zugleich begannen die vier Federnder vier anlesenden Comvtoiristen. mit ver doppelter Eilfertigkeit und Hörbarkeit in Hauptbuch, Kladde. Journal und in der Correspondenz zu arbeiten augenschein lich, um dem eben erschienenen Chef be greiflich zu machen, daß man bemüht sei, die durch die Begrüßung eingebüßte Zit wieder einzuholen. - ;Scheinbar völlig achtlos, aber zu gleicher Zeit das ver gessene Tüpfelchen auf dem i des Lehr, lings bemerkend,' schritt Herr Silvius Pelzlein, Cylinder und Stock auf dem Rücken bergend, langsam durch das Lo kal zwischen den fünf mit grünemKöper kattun umschimmerten Pulten hindurch der Thüre seines mit .Privatcompioir" in Gold aus Porzellan bezeichneten Ministerium des Innern zu, wie sein Per sonal es respektvoll zu nennen pflegte. Schon war der .Alte vom Pulte", wie er im Volksmunde hieß, im Begriff, mit langsam abgemessenem Schritt im Hin tergrunde zu verschwinden, schon dient sie" der Eilzug der 'ratzenden Federn, da plötzlich drehte die .Firma mit kur zer Wendung sich um, räusperte sich und sprach mit einer begleitenden Handbeme gung, wobei man die sämmtlichen geplatzten Nälhe seiner .GlaceeS zu be wundern Gelegenheit hatte : .Die durch den Tod unseres Herrn Pünktlich vakant gewordene Stelle ist besetzt. Ich habe mich veranlaßt gesehen, sie einer jungen Dame, im Buchhalten sehr erfahren, zu übertragen. Sie wird morgen ihre Stelle antreten. Dort, Pult Nummer fünf." Sprays und verschwand in seinem .privatissimum". Da saßen wir nun, denn auch ich war unter den angenehm Ueberraschten, und starrten uns an in wortloser Fassungslosigkeit.' Reden, heulen oder zShne klappern dursten wir vor der Hand nicht, denn hinter gar dünner Tapetenthür wußten wir zwei Ohren, die an Schärfe denen des die Prairie durchschmeifznden Indianers gleichkainen. Dafür entwickelte sich aber ein um so leidenschaft licheres Minenspiel unter den Insassen des Comptoirs. Hinter seinem Pulte hervor schoß der lange Schmidt. Hochuf wie eine Giraffe im Zorne bäumte sich sein Schwanenhals, seine. Nüstern öffneten sich, und laut snaubend blickte er zweimal rings im Zimmer umher. Augustin, der auswärtige Correspondent, , der lyrische Tenor mit dem einmal ge strichenen A 8c$U so nannten wir ihn.Z weil er stet seinen mächtigen Federhal ter winters Ohr steckie, rang in stummer Verzweiflung frei nach Rigoletto" die leganten weisen Hände mit demSiegel ringe auf dem tlemen Finge?. Mäcker ling, der Lehrling, grinste höhnisch vcn der Copirprefse herüber, und ich ver suchte meinen Ingrimm an der unschuZ digen Feder uszulaffen, d ich mit Hcs tigkeit aufs Pult schleuöerte. Nur unser .vierter Maan" (Mackrr. ling zählte nicht mit), ein gewisser Otto Florp'g, den wir Alle wegen seines ein gebildeten, fad:n und dlesirten Wescns nicht leiden konnten, setzte seine niederträchtigste, gleichaultigste Miene cuf, ahmte den freien gantet" nach, indem er von seinem F)rekstuhle bis mitten in den Gang spi? und kaun merklich die Achsel zuckte, mehr in Verachtung unse rer an den Tag gelegten Trostlosigkeit, als aus M'ßhrülgung des Engagements eines weiblicher: .jungen Tcannes". Schon war ich im Begriffe, meinem Unmulh: über den Einfall des errn Pelzlein schriftlich Worte zu verleihen, schon hatte ich cinen fleir.en Zettel mit den Worten : Lieber Schmidt, der'Alte ist ein beschrieben, !s bereits die verhängnißvolle Tapetenthür abermals ihr bekanntes Knarren bören ließ und der ffdes sich wieder entfernte, moicfla tisch das it rillen Atmrsphären'arbeirende Personal drchschrer:end. Nun ndr erdraulte, ..ein Regenfirom auS Felsenriffen" eine ,sxluth vo er leichternde Warten drchs Zinmer. Eine Frauensperson bsingt uns .der Mensch ms Haus ! toble der lange Schmidt. Eine Frauensperson isoll unserer Gemüthlchleit auf immerhin 'schmachvolles Endc bereiten. So kann man alfo den Mund nicht mehr auschun 3 einem gesudeuSchSichwerenotC, ,oder zu einem oft unumgüngtich noch wendigen .Dosnerwctter So soll man sich von früh neun Tlr bis Äbenös sechs inlder insamste Weöse ennuviren, geniren und menagiren, blas weil dos schwache Geschlecht tt brüten an dem Derf!u?ten Pulte unsres Herrn Punkt lich, Gott habe ihn iftcig, .vcrtreten sein wird." Und ach seufzte &cr lyrische Tenor, Herr Auaustin, .mein sich .eten entwi (kelndesOrgan soll oerumme verkümera sür ewig " Und mit aufs Falteremd gepreßten drei MittetZi -gern beaana er Ülloima'S Arm. Geopferte l" mit hinrßendem Ausdruck zu Gehör zu bringen. Was dem alten Hagestolz zu diesem ungemüthlichul Arrangement dewogen haben mag. ift mir völlig unbegreiflich warf ich ein. Mir nicht in Mindesten b'merkte, weise wie immer, unser Herr Otto Flappig überlegen lächelnd von der Höhe seines DrehstuhZ.c4 herab, Er Bill Salair sparen und zahlt einer Dame die Halste von dem, rvtä Pünktlich bezog. Der Fall fleht nicht Iereinzelt da. In vielen der bedeutendste Häuser, in denen ich conditionirte, und ich conditionirte nur in bedeutenden Firmen .Natürlich unterbrachen mir ihn einstimmig. .Also, wie ich bemerkte, in vielen gro ßen Geschäften arbeiten jetzt Da.men sür die Hälfte dcs Salairs, daS eineBuch Halter gezahlt wird

-'3ch sehe auch aar nickt n - w,

Mäckerling, der Lehrling, einzuwenden, der sich bei der Geschichte ohne Zweifel am besten stand, da man ihn von nun ab aus Rücksicht auf die Dame inspe" voraussichtlich weniger grob dehan dein mußte, ich sehe auch gar nicht ein...." -. Sie wollen überhaupt etwas einse hen, Sie äußerst blätterfärbiger junger Mann von der Copirpresie?" -fuhr der lange Schmidt den jugendlichen Hand lungsbefliffenen an. - Hier, tragen Sie mal diefe beiden Briefe zur Post; ein schreiben !" Halb ingrimmig, halb still vergnügt über ein in Aussicht stehendes milderes Zeitalter nahm der Stift" Hut und Briessch.sten und trat seinen Geschäftsgang an, diesmal ohne die ge wödnllche Mahnung des langenSchmidt. nicht bis in die Pechhütte" auszublei ben, denn wir konnten seine Ohren jetzt wohl entbehren. .So muß also auch uns das Schicksal so einen weiblichen Eindringling in die Bade schneien suhr Augustin fort.Nicht genug, daß dieses' Geschlecht sich i's Schulsach. ins Telegraphensach, ins Postfach und Gott weiß noch, wo hinein drängt, jungen verdienstvollen Männern das Brod schmälert und die Suppe ver .' dünnt, nein, auch ins Hauptbuch und in die Kasse stecken sie 'ihre blaustrümpsigen Nasen. ' Westen Geistes Kind nur unsre zukünftige Collegin sein mag? Natürlich bepackt mit den brillantesten Zeugnissen von irgend einer weiblichen Handels akademie ; behängt mit tellergroßer, goldener Preismedaille .für außergewöhnli che Leistungen im Addiren und Multipliciren, befähigt, einen Adam Riese zu überwinden, wie David den Goliath, und so weiter und so weiter. Da heißt's denn natürlich, wie im Markt zu Rich mond : Sich kann nähen, ich kann stri cken, ich kann flicken, sticken :c Vergebens suchte ich den in Flotow'schen Lauten sich austobenden Augustin zu bewegen, mit seiner musikalischen Gabe haushälterischer umzugehen; er sang ruhig bis zu Ende und bat mich dann höflich, fortzufahren. Und ich that also und sprach: Warum kommen uns diese Eindringlinge in unser Ge hege? Warumhauen sie nicht Bilder, warum malen sie nicht Oel, warum zeich nen sie nicht Kreide oder Feder, warum stechen sie nicht Kupfer, schneiden Holz oder thun, was sie wollen bei sich zu Hause? Nein, ich srage einfach : War um herrathet so eine Person nicht, son de.-n pfuscht uns lieber ins Handwerk?" So heirathe Da sie doch schrie der lang? Schmidt dazwischen, .und mache Dich verdient um die Menschheit im All gemeinen und Deine Leidensgefährten in Firma Silvius Pelzlein im Befondern Mittlerweile war Mäckerling, der Lehrling, zurückgekehrt und brachte nebst den beiden Pvstjcheinen die angenehme Nachricht, daß .der Alte mit einem fremden Herrn in einer Droschke irgend ! wodln g'sähren fer. Dann gehe ich in bett blauen Ochsen i zum Frühschoppen," oemerkte unfe? Pultältester,'der lange Schmidt. .Und lch denke fuhr er -sert, .die anderen Herren schließen stch an, damit wir die fen tragischen Fall werter besprechen. Mäckerling. Pasten Ste gut aus und amüsiren Sie sich nebenbei mit Collationiren dieser Fakturen Anschließ n vill ich mich schon sagte unser Herr Otto Ftappig und beschaule sich im Handspiegel, .aber über den Fall noch ein Welteres-zu reden, scheint mir nicht der Mühe werth. Ein Seidel Echtes auf den Tod aller dieser Ein dringlinge getrunken, kann nicht sch den.Wir aber nahmen die Hüte- von de Kleiderhaken, schlössen unsere Bücher weg und eilten hinaus unter den Kläaen von Augustins : .Das ,st das edle Porterbier, das ist des Lebens Eiixlr." Am andern Morgen um neun Uhr saßen wir, pünktlich und eifrig, wie es den jungen LZlen aus de Hause Sil' vius Pelzlein iemt, an unseren Pntten und erarteten gespannt das Erscheinen des Eindrinalings. Noch war .der Alle" icht crfthienen. und ir im besten Zuge, unser Lieblingsthema über die Anmaßung der Frauen zu eentiliren. als die Glaslhür des Lokales sich au'that und cie junge Dame eintrat, deren Aeußerecn wir sofort den weiblichen .clerfc" ansaien. Da ich der Tkör zunächst saß, so schritt sie ei wenig zag hast auf meinen Platz zu und bat ich, ihr behilflich $c sein, das sür sie be stimmte Pult aufzusinden Ihre Sliine klang leise und scheu; ich lieÄe diese sei sen, scheuen Stimmen. Einen Auzen blick mußerte ich von der Hähe meines Drehstutzles aus unser Opfer. Ich g stehe. em.Üliö war mehr ein wenig unver cymt, als gerade hifllch oder theilnehmmd. 'Natürlich kam ich ihrer Bitte nach undjshrte sie zu dem leeren Pulte. Dort schaute ich sie noch einmal an, .kühl bis Rs Herz hinan Sie erwiderte einen Blick, sie hielt ihn aus, wenngleich erröthend, furchtlos zwar. doch lelnesvegs chcraussordernd. Als ich a rin Pult iurückkehrte. zsing.ich eme Anzahl furchtbarer Grl Massen, begleitet von anzüglichen m's!" a.uf, die mee fliegen unter dem Schutze ihrer amuen Köpergardinc mir wiÄmeten. Was läee nun wohl nähe.'. alö sich mlt dem Äinalement un-leres Eindringlings zu beschäftigen ? Ni?n, die Personaibeschreibung jsiel L.t j t rw ver oci mir, noq meinen iS.0uecen günstig aus. Das Zunge MSochen, denn eit über achtzehn Jahre konnte sie unserer Ermessen nach nicht wohl sein, war keineswegs schön, nicht einmal, was man hübsch nennt. Groß und hager, hatte sie t-i. fliegende, grs Augen, eine auffallend tzohe Stirnoie durch ein un vortheilhasteS Arrangement ihrer Haare noch kahler erschien, eine scharf geformte Nafe. jedoch einen zarten, niedlichen Mund. Sie erröthete leicht und anmu thig, und klassisch an ihr waren die schneeweißen Alabastersinger der elegan ten Hand. Wenn sie schrieb, so schien die Muse der Geschichte, wie sie darge stellt wird, den Griffel zu führen. Ihr Name war. wie wir ein wenig später erfuhren. Stell Klage. Wie es denn stets im Leben geht, es danerte nicht all zu lange, da war .das Neue- von der Sache dos gewöhnliche, und der Strom

des Alltaglebens rauschte auch über die sen in ihn geschleuderten Stein des An stoßks hinweg. Fräulein Stella war auch gar nicht die Perlon, welche , die aufgeregten Kreise, die ihr Erscheinen bei uns verursacht lange in Schmin gungen. gehalten hätte. Man merkte unsäglich wenig von, ihr. Sie kam, zing und arbeitete lautlos, unbekümmert um Alles im Comptoir, was sie nicht an ging. - Und wenn der Vergleich nicht gar so klotzig wäre, so würde ich sagen (aber ich sage es nicht), es ging uns, wie den Fröschen in der Fabel, zwischen die Pipa Zeus einen Klotz geworfen. Wir waren wohl,. wie jene, einen und den andern Tag still, aber bald, sehr bald vergaßen wir, Pardon, den Klotz und quaklen und sangen und lachten und schmatzten, gerade, wie vorher, das heißt. Alles in Ehren und nur, wenn unser Zeus, genannt Silvius Pelzlein, nicht anwesend war. Nur ein Umstand erregte unser Aller Interesse und Neugier. Es war, nach englischer Weise, Sitte in unserm Ge schüft, um Mittag eine Frühstückspause zu machen, dann aber gegen .sechs Uhr definitiv zu schließen, um alsdann das (liniier" einzunehmen. Diese Früh stückspause benutzten ir Alle, mit Aus nähme des Wachthabenden, dem be reits vorgeführten blauen Ochsen" unsern Besuch zu machen, um in ihm das Stammfrühstück einzunehmen. Un sere" Stella ging nie zum Innen-, ob gleich eine gute Konditorei in der Nähe war. Sie blieb, nahm aus einem Pa

piere ein Etwas, woran sie eine kurze Zeit lang knabberte, trank darauf ein Glas .ungegypsten" Wassers und füllte die übrige Zeit der Pause mit Lesen in einem Buche aus. . . ! Kinder sagte eines TageS der lange Schmidt, als Fräulein Stella nicht anwesend'war. j-tzt habe ich heraus, was sie zum Frühstück verzehrt!" Eme saure Gurke !" rieth der vor' laute Mäckerling. Zu grün ! bemerkte der Lange tro cken. ; , Kandiszucker !" meinte Flappig wegwerfend. Zu läppisch war die Antwort. : Wild, Geflügel, Fisch! , ! L eser im Gemisch !" recitirte unser lyrischer Tenor Augustm aus den tzuge notten. Ja, von Pappe, wie aus der Bühne," bötznte Schmidt. Nein, ich will es Euch sagen, eine trockne Semmel verspeist sie, nicht mehr und nicht minder Ich habe es gestern durch ein kleines Loch m meiner Ga.dine genau beob achtet.Am folgenden Morgen war ich zufäl lig es passirte nicht est der erste im Comptoir, und als ich an Fräulein stellas Pult vorubcrschritt, bemerkte ich, dß auf 'demselben ein zierliches Körbchen mit Erdbeeren stand, garnirt mit Wetnblattern. Bald nach mir schien auch sie. Ihr Blick siel mit äugen schetnllcher erwuirderung aus die nverhüte dftige Gabe. Sie setzte das Fruchlkörbchen vorsichtig bei Sene; doch hcttt ich d GenZthuung. zu sehen. d& lie zur Fruhstuckjzkit Die Purprrfrüchte hervornahm und mit vielem Appetite zu der trockenen Semmel verspeiste, rsas die Götter ihr augenscheinlich gesandt. Und seltsam, wunderseltsam-, wie Desde mona'sagt, sie fragte nicht, wccher, für wen .: sie aß. .a, noch mehr alS das; sie war fortan in der Lage, allmorgendlich, 'ss lange der fruchtreifende Sommer währte, ein ähnliches syeiseopser-, bestehend in Erdbeeren, Himbeeren, Kir schen, Pflaumen, zarten, rothwangigen Birnen oder schwellenden Tkauden aus ihrem Tischlein deck' Dich- zu finden und in ihrem bereits als niedlich sianallsirten Mäulchen verschwinden zulassen. Wrr dieser fruchtbringende Äade" war. das hatten wir. wie ir meinten, längst entdrckr. Diese Fruchlkörbchen war n aus Veranlassung des Älten dorthin gesetzt worden, denn daß F öulein Stell irgend eine arme Anverwandte unseres gestrengen Chess war, darüber herrschte unter uns kein Zweifel mehr. ' Das kühle, ja pespanntt Verhältnis in dem das männliche Personal der Fir ma Silvius Pelzlein de weiblichev Eindringling anfangs gegenüber qestan den hatte, begann allgemach ein freundfchaftlicheres zu werden. Stellas rüh rende Bescheidenheit, ihr mildes, echt eibliches Wesen, ihr Brenenfl uns ihre gediegene-! Leistungen entroass reten nach und nach unsere erzumpanzerten Herzen, Sogar der in weiten Kreisen berüchtigte lange Schmidt gestand, da es einzig und allein Schade wäre um die kräsijgen .Donnzrmetter" nd Schock schwerenöthe-, die man bei ;so veränderter Sachlage nicht verwenden dürfe, sonst äre die Gegenwart eines weiblichen WeserrL schließlich nicht Zar so naus ehlich. wieder vordem gedacht. Ja 1a. die Zeiten ändern . sich und nir sar.t, unseren Anschauungen und Neigungen in ihnen, und ach Ablauf eines stacken halben Jahres wäre es nch meiner Ansicht nicht mehr un löblich gewesen, das Einer oder der Ändere ode? gar Mehrere axf einmal ein zartes Äerhältnik mit dem Erbfeinde angeknüpft hätten, wenn, ja wenn sie nur in weig hübscher gewesen wäre. Nn sügle es eines Tages er Zufall oder auch irgend eine bekannte nächtige GStti der alten Griechen, die rich nicht nenne will, daß meine verhvirathete einige Schmester, die in der Stadt wohnte, mir in dem Bu.'eau einenBesuch machte, tun mir eine wichtige Fanulien. Nachricht zu übermitteln. Zugleich sah sie unsere Compöoiristin, wurde ibr vor gestellt und wechselte mit ihr einige er' öindliche Worte. Kaum war ich am ächsten Sonntage wie gewöhnlich in der Wohnung memes Schwagers erschiene, als meine Schue,? mich mit Vorwürfen überhäufte, dahm gehend, da ich ibr gröbliche Unwahrheiten mitgetheilt habe, wenn ich ihr früher ßets von der häk lichkeit unserer neuen Eollegin adfchre efende Skizzen geliefert habe. Was Ihr anspruchevollen jungen Männer heutzutage für Anforderungen an die äutzere Erscheinung eines jungen Mädchens stellt, das mögen die Götter an Euch strafen l" rief sie mir entgegen. Du verwöhiiter Herr Bruder, singst mir schon lange ein Klagelied über die Dir so unsylnpathische Erscheinung

Fräulein Stella?. Solange ich diesen Stern- nicht selber beobachtet halte, konnte ich Dich allerdings nur bedauern, wena ich nach Deinen Schilderungen urtheilen sollte. Jetzt aber, nachdem ich sie gesehen, beneide ich Dich fast. Ihr Federfuchser seid nicht werth, einer so freundlichen Fee Gefährten zu sein. Ein guter Geist nehme Dir, nehme euch Allen die Binde von den Augen, daß Ihr sehet, was ich sah, was jeder Unparteiische sehen muö. Niedliches Köpfchen, eine reine, schön gewölbte Stirn, freundliche graue Augen, lange' dunkle Wimpern, kleiner Mund, charakteristische Nase - Du willst sagen, häßlicher Giebel!" Nichts will ich sagen. Du Blaubart zankte die Schwester, aber ich glaube, sie ist ein wenig dumm." Ja, das ist sie !" erlaubte ich mir zur Beruhigung meines mahnenden GewissenS zu bekräftigen. : Und von diefer Stunde an ging ich in mich. Sollte ich, sollten wir Alle uns durch unsr Vorurtheil haben blenden lassen ? Es wäre ja unverantwortlich gegen nun, gegen den guten Geschmack, gegen die Aesthetik gewesen, weiter nichts.. Ab und zu machte ich mir von nun an in der Nähe von Stellas Pult zu schaffen und bemühte mich durch eingehende Begleichung meiner, der Schwester frü her gelieferten Skizze mit dem Original die in ersterer vorhandenen Zeichenfehler unparteiisch zu erforschen und im Geiste roth anzustreichen. Und zu meiner Beschämung und Freude mußte ich geste hen, daß die Zeichnung mit dem Örigi nale an vielen Stellen nicht mehr über einstimmte. Aber , Stellas Aeußeres hatte sich wirklich auch seit ihremEintritte in unser Geschäft vortheilhaft verändert. Ihre Wangen hatten sich gerundet, die krankhafte Blässe der Haut war einem beständigen und gesunden Roth geroi chen, ihre Augen schienen nicht mehr ein gesunken, und die eilst so kahle Stirn war von zierlichen, wenn auch künstlich gebrannten Locken, eingerahmt. Auch der müde Zug um den hübschen Mund war mit der Zeit gewichen. Beim Olymp und allen seinen Göttern, meine Schwester hatte Recht, 'und von diesem Tage an begann ich mich ernstlich sür Fräulein Stella zu interes siren, ja sie allen Ernstes zu lieben. Ich

erwies ihr. wo ich nur konnte, alle möglichen kleinen' Gefälligkeiten, half ihr bei schmierigen Sachen in der ihr zugewie jenen Buchführung, ich reichte ihr Hut und Mantel, wenn sie ging, lieh -ihr, was ich an unterhaltenden oder belehrenden Büchern besaß und ar.derHwo erlangen konnte. Ja, ich r'skirte sogar hin und wieder, einen bescheidenen Blumenstrauß aus ihr Piklt zu legen und genoß dafür den Vorzg, ein freundliches Lächeln, einen dankenden Blick, einige beglückende Wirte einzutauschen. Und ehe ich mir dessen bewußt wurde, ehe ich mich dessen versah, weblen aus Blicken und Worten und geliehenen Büchern sich die Fesseln wirklicher Zuneigung. Ja wahrlich, ich hatte rnem Herz an sie verloren ! Mir blühte das Leben lieiZicher wie -je, mir schie unser finsteres Comptoir ein son nendurchleuchtetes Paradies. Statt kal ter Zahlen huschten .glühende Verse aus meiner Feder. Mne Covrespondenzen an die Geschäslsfreunde und Kunden nahmen einen ungeahnten lyrischen Schwung an. Es war an eine trüben Herbsttage. Wir arbeiteten an unser? Pulten und nur Herr Flappig weilte im Privatcabinet des Alten". Da kam es mit einem Male so gar eigen, so ger gewaltig und zwingend über mich. Ich schaute hin "über zu meinem Stem, (was anders hieß denn SteLa" ?) und sab, wie ihre weiße Hand so ring arbeitete, sah, wie ihr liebes Anllch so versunken in kalten Additionen über den Seiten des Haupt buches hing, O SteLa, dachte ich, so soll es. so kann es weder mit Dir, noch mit mir ewig bleiben. Nicht solle so holde Reiie uber Soll und Haben" lie neleer dahinwelken. Jetzt oder ie ! Heut ist der Taa, und heute machc ich Ultimo-öcgulirung. Ich räuspcrte mich, stand auf und nä herte mich Stellas Pultt. Sie hielt inne mit Schreiben. und blickte mich'sra gend an. Ich trat ganz dicht zu ihr heran. Mein Herz schlug mächtig. Ich neigte mich f ans i zu ihr hinüber. Sie legte ihre Feder weg und ließ mich Hau nend gewähren. Stell flüsterte ich, meine bliebe theure Stell, Sie 'sind ein Weib und haben sicherlich mit dem jedem Weibe eigenen prophetischen Blicke längst er kannt. daß ich . ' . Aufgehört habe, Fräulein Klagesals einen Störensried, inm Eindringling anzusehen I scholl, Vie auS dem. Nichts hervor, schrecklich und niederschmetternd .lappigs schnarrende, b5asirte Stimme letzt hinter mir. Wie vo ß Donner ge rüort stand ich a. Mein College aber, der in dem verhängmßoollen Augenblicke ruS dem Privatissimum des Chefs gttre ten war, faßte SteLas Aladasterbände, küßte sie, küßte sie" auf ' den Mund, lochte unbändig .über meine ' grenienl-ose Verwirrung und rief riumphlrend, doch ohne Bitterkeit: .Sie tsmmen ein weig PQLb fostum mit Zhr Gratulation zu Fräulein Älella. I cht Tagen m chen wir Hochzeit, alter Freund. Ich haderen Alten auch soeben dazu einge laden. Und nun, mein Krnd, nimm Hut uo Schirm, gieb dem Herrn Colle gen ein Händchen und bitte ihn. zu un lerer Hechzeit nicht auch post festum zu kommen." 'Frug" oder Fragte"? Die ziemlich überflüssige Frage, welche dieser beide Formen die richtige sei, st in den letzten Wochen in zahlreichen Ge dichten, die in verschiedenen deutschen Blättern erschienen, discutirt werden. Da beide Formen richtig und gebräuch lich find, haben wir von dem ganzen Streit bisher venig Notiz genommen und wollen nur ein launiges Epigramu WauruS Jokai's mittheilen, welches den Streit hoffentlich gütlich beilegen wird. Es lautet: Ob .srug" das Imperfectum sei von fragen". Das zu beweisen bin ich wohl auch klug; Heißt's denn nicht Kragen" und dann . nicht auch Krug"? Und Kcuz" ist wohl ein jmperfecter .Kragen".

HypnotlömuS. Von Dr. Euchen Vierte.

. Zur Erzeugung hypnotischer Erschei nungen ist keinesmegt die Einwirkung aus . die Sehnerven beim sixiren - eines Gegenstandes die - alleinige und aus schließliche Ursache der Hypnose, sondern es genügt überhaupt, jede angespannte Hinlenkung derAusmerksamkeit auf einen Punkt zu ihrer Hervorrufung, mag die selbe nun -durch das Gebor oder das Gefühl - oder das Geficht sixirt werden. Braid sowohl wie alle neueren Ersor scher des Gegenstandes erwähnen Fälle, in denen schon ein eintöniges Geräusch zu diesem Zwecke genügte, zvmal bei solchen Personen, die schon früher ein mal in der. Hypnose gewesen waren, deren Empfänglichkeit sich in örolge dessen bei Wiederholung geste'gert hatte. Denn es ist eine sich bei Allen bestätigende Thatsache, daß sie um so leichter in den Schlaf versetzt werden, je öfter sie dies Experiment an sich wiederholen lassen. Weinhold berichtet in seiner Schrist über die hypnotischen Versuche, daß schon das Kratzen mit dem Fingernagel an einer Streichholzschachtel Hypnose herbeiführte Rühlman erzählt in einem höchst instruc. tiven Aussatz in den Wesermann'schen Monatsheften (Januar und Februar 1882), daß bei hochgradig Empfindlichen es schon genüge, wenn man sie fest und scharf ansehe; andere werden durch das Ticken der Uhr, durch Pfeifen, den langgezogenen Ton der chemischen Harmo nika, oder die Schwingungen einer Stimmgabel, Einzelne sogar durch den bloßen Gtzdanken,- daß sie bypnotisirt werden sollen, in den gedachten Zustand versetzt. Bei noch Anderen genügt schon die Anwesenheit des Experimentators, sei es auch in einem benachbarten Zimmer, um die Hypnose zu erneuern; ja, Braid sowohl wie auch Rühlmann erwähnen Fülle, in denen ein Zuruf des selben sofort diese Wirkung Hervorries, eine Beobachtung, die übrigens auch schon früher bei Anwendung des sogen, mesmerischen Verfahrens oft gemacht worden ist. Uedrigens macht Braid hierbei die sehr treffende Anmerkung, daß Vieles dabei auch auf die Nace. Eigen thümlichkeiten und damit zusammenhän gende größere Empfindlichkeit des Ner vensystems ankomme, da in England die Hekvorbringung der Hypnose aus dem angegeben:n Wege schwerlich so ost ge lingen dürfte. Was übrigens ihre Ver wendbarkeit bei chirurgischen Operario nen anbelangt, so macht Rühlmann die sehr begründeten Bedenken dagegen geltend, daß sie nicht immer von der er wünschten Dauer sei, und daß die Ge fahr ihres Aushörens während der Operation den Arzt veranlaffen müffe, dem weit sicheren Anästheticon Clorosorm hen Vorzug zu geben. . Nur bei ganz kurzen und leichten chirurgischen Eingriffen mag die Hypnose! empsehlenßwerth sein, weil sie weniger umständlich ist. ' - Emes der interessantesten Phänomen ist die Hervorrufung der MSkelstarre während der Hypnose. Auch hiersür ist die DispoNtion sehr verschieden.' Hansen erklärte solche Personen, welche viel mit den Muskeln zu arbeit n gewohnt sind. für die geeignetsten. Rühlmann befta tigte dieses unter der Einschränkung, daß dle letzteren rorzugscoetse zur Her vorrusung von Krampfzuftänden in den Muskeln zu verwenden seien, mährend die eigenthümliche Starrheit der Mus sein, in welcher vt Glieder in nrem der Lähmung ähnlichen Zuftande verharrten, dabei aber leicht biegsam bliebe, besser an Personen schwächlicher Costilution 1 beobachtet wurde. i Braid beschreibt verschiedene Versuche, in denen er Personen zuerst mine leichte j Hypnose verjeZte, in der de: Bemüht i. it v v ?; j. . lein vlieoen, oann aoer ourm Vlreiazen g.wiffer Mu-skelpartien part-'.elle Kata lepsie an ihnen hervorrief. Undere Er primentatoren brachten die nämlichen Erscheinungen hervor, nachdem sie die Versuchspersonen jn die tiefe Hypnose versetzt hatten. Uebrigens ist es eine, wie es scheint, regelmäßig eintretende Wirkung dieser Manipulatisnen, dak die Starre sich bei -längerer Daer der Hypnose allmählich dem ganzen Körper mit theilt, wenn sie nicht durch entsprechende Einwirkung des Experimentators dort aufgehoben utd. Während Einige ihr Bewußtsein theilweise behalten, versallen Andere sofort in vollständige. Bewußt losigkeit, in welcher sie jeglichen WahnVorstellungen, die in ihnen durch ent sprechend zugeraunte Bemerkungen h.r vorgerufen Gerden, zugänglich sind. Die wundersamsten Beobachtungen beweisen dies unumstößlich .sicher. Ste können jetzt den Arm nicht heben, die Augen nicht öffnen, den Stock nicht halten, die Hand nicht schließen, die Finger nicht ausstrecken- diese Zurufe genügen schon, um den vsrausgeietzten Effect in der That zu erzielen. . Braid suhlt an, dak er durch Verabreichung eines Schluckes kalten Wsffers, mit der Versicherung daß es ein Brechmittel sei. Er. brechen hervorgerusen habe.. Preyer berichtet, daß er eine ekelerregende, widerlich schmeckende Salzlösung einem Hypnotischen in einem Glase in dieHand hielt. Derselbe nahm dieses und trank mehrere Schlucke davon schnell nacheinander, nachdem Preyer zu ihm gesagt hatte: Trinken Sie etwas Zucker waffer." Ohne Zweifel würde er das ganze Glas geleert haben, wenn man es ihm nicht fortgenommen hätte. Auf die Frage : Das schmeckt gut, nicht wahr V lsolgle starkes Kopfnicken. Nach Aushebung des Schlafes war der Betrefferde n cht im Stande, auch nur eiren Tropfen der Lösung im Munde zu behalten : so widerlich schmeckte sie. Pro feffor Weinhold berichtet von einer Per. son, daß sie eine Chininlösunz sür Was. ser gehalten habe, und von einer ande ren, daß sie eine Zwiebel verspeiste, nach dem man sie aufgiforert hatte, den schönen Apfel zu gehießen. Hansen hat mit dems'lben Erfolge Hypnotische ver anlaßt, eine rohe Kartoffel zu effen, in dem er ihnen die Vorstellung erweckte, daß sie eine Birne im Munde hätten. Bei vollständiger Hypnose führen diese Experimente mit noch drastischeren Stos fen zu denselben staunentzwerthen Ergebnissen. Indessen giebt es auch hier Personen, die nicht völlig den Geschmack embüßen, selbst wenn sie den Geruch, bereils verloren haben, und eben so sin-

det auch das Umgekebrte statt. Von der Schärfe des Geruchsvermögens bei beginnender Hypnose giebt Braid einige überraschende Belege, indem er erwähnt, dak eme Person im Stande war. sofort eine bestimmte andere Person am Geru che zu erkennen, ja, daß dieselbe auf die nämliche Art den Besitzer eines Hand schuhes ausstndig zu machen wußte, daß aber dieses Vermögen sogleich aushörte. als man ihr die Nasenlöcher verstopfte. Auch die Sehschärfe nahm nach Braid's Feststellungen bei einigen ' Hypnotischen in erheblicher Weise zu. So gelang es z. B. einem,'in einem dämurerigen Nau me, in welchem ein gewöhnliches '.Auge nicht mehr hinreichend zu .'.erkennen ver mochte, Schrist zu lesen, was übrigens trotz der scheinbar geschaffenen Augenlider Hypnotischer nur deshalb möglich ist. weil in Wirklichkeit .bei Vielen noch ein kleiner Spalt offen bleibt, durch den sie wahrnehmen. '. Indessen' scheint diese Eigenschaft doch zu den selteneren Erscheinungen zu zählen, da sie in den neu eren Untersuchungen nicht erwähnt wird. Dagegen stimmen die letzteren durch aus mit Braid überein in der Hervor Hebung einer außerordentlichen Empsind lichkeit sür Temperaturunterschiede. Braid erklärt durch diese Sensibilät die an sich mysteriös erscheinende Wahrneh mung, daß Hypnotische mit verbundenen Augen im Zimmer umherzugehen im Stande sind, ohne die Gegenstände zu berühren, weil sie eine , außerordentliche Feinsühligteit sür die kältere Tempora tur der Möbel :c'. haben. . Aus gleiche Weise. wird auch die noch überraschender wirkende Mittheilung erklärt, daß Hyp nolische einen Würfel und ein Pi lyeder von einander unterscheiden konnten, die man ihnen in die Nackengegend hielt

Wie außerordentlich diese Empfindung verschärst ist, z-igt überdies auch die von Braid verbürgte Thatsache, daß Hypno tische noch aus die Distanz von hundert Fuß die durch Hervorrufung eines leisen Lustzuges bewirkte Abkühluig wahr nahmen, eine Beobachtung, welche es auch erklärt, daß leia tes Anblasen, mehr aber noch Kälteempsindung, sofort die Hypnose beendit. Haidenhain begrün de: dieses ihm überraschend erscheinende Factum physiologisch durch' die Annah me, daß eine bedeutende Anzahl periphe rischer Nerven zu gleicher Zeit asficirt wird. Eine andere nicht minder erstaunliche Fähigkeit beweisen 5)YPnotische in den mittleren Stadien mitunter in Foige der außerordentlichen Schärsung ihresMus' kelgesühls. Braid erzählt, er habe es wahrgenommen, daß die betreffenden Personen auffallend richtig zu schreiben vermochten, selbst wenn man ihnen ein breites Buch zwischen die Augen und die Hand legte und sie so am Sehen hinderte, ja er versichert, daß sie sogar die i richtig mit dem Querstrich versehen und die i- Tüpsel vollkommen richtig gemacht, ia soaar Correcturen an den passenden Stellen vorgenommen hätten. Versnob man jedoch, das Blatt, so brachten sie dietelden an den der früheren Lage ent sprechenden ' Stellen an, auch schrieben sie so, als ob das Blatt unberührt geblieben' wäre. Ja, bei einem Paiienten ging diese Fähigkeit, sich durch dasMus kelaesühl. den Tastsinn zu orientiren. so gar so w it, daß-er auch nach ersolgter Verschiedung sich vermittelst Fuhlens von der linken oberen Ecke des Bogens zu rechtzusinden im Stande war und dann die Correcturen an den ae'lgneten stel len anbrachte. Braid fugt jedoch zur Bestätigung ferner Erklärung dieses Um standes durch verfeinertes Tostgrfah hinzu, er habe trotzdem' niemals eine Person gesehen, w!lche im Stande ge wesen wäre, in der Hypnose ebenso gu u schreiben, is sietneS achend gckonn hätte. Noch frappirender wirkk übri gens die nicht nur. von Braid, sondern auch von Rühlmann und Anderer, wahr genommene Fähigkeit, vermittelst des Ger.örs wahrgenommene Slnnesern drücke mit üb'rraschender Präcision wiederzugeben. Hier grenzen die Lelstun gen Hypnotischer mitunter ans Fabelhaste. Braio erzählt, da eine Patien tin, die im wachen Zustande nicht einmal die Grammatik ihrer eigenen Sprache konnte und sehr wenig von Musik mußte. im Stande war, die berühmte Sänaerir, Jenny lno, die ihn vetuazle, velm Wl.l gen von Liedern in verschiedenen Spra chen zu begleiten, indem sie 'Töne und Worte auffallend richtig ..nachahmte. Zwei Zuhörer im Zimmerhatten an fangs nicht glauben mögen, dak sie zwei Stimmen vernähmen, so correct sei das Ensemble gewesen. Mit eben dem glei chen rsolge sang die Hypnotische eine von der genannten Künstlerin extempo rirte, lange und außerordentlich schwie rige chromatische Uebung nach. Profeffor Rühlmann versichert uns analoge Erfahrungen : Jch habe ost Leute so berichtet er welche vorher bei klarem Bewußtsein nicht im Stande waren, auch nur zwei Worte in der ih nea fremden Sprache bohne.Verwechse Iungen und Jncorrectheiten zu wieder holen, lange Sätze in englischer, griechi scher und polnischer Sprache ohne An stoß laut,deutlich und correct nachsprechen hören. Jedrs sinnlose Geplärr copiren die Hypnotischen 7 mit aroßer Treue." Aber nicht nur eine Hebung der Sinnes functionen. sondern häusiz auch eine sol che der geistigen Kraft wird durch den Hyvnotismus hervorgerufen, so daß nach Braids Versicherungen manche in leich ker Hypnose befindliche Personen im Stande sind, bei gewiffen Gedanken reihen ein weit schärferes Schlußfolge rungsvermözen zu docamentiren, als im normalen Zustande, eine Elscheinung.die übrigens auch in Vereinzellen Fällen während des natürlichen Schlafes sich einstellt. Schreiber dieses kann solches aus eigener Erfahrung berichten. Ge wiffe schwierige Fragen, bei denen es aus die Entscheidung vermittelst derUrlheilskrast ankam, gewiffe stilistische Probleme fanden eine leichte Lösung im Traume, die sich nach dem Erwachen als durchaus genügend erwies, wenn es gelang, ihre Einzelheiten in der Erinnerung wieder aufzufrischen. Preyer erklärt in seiner Schrrst: Die Entdeckung des Hypno tlsmus" den hypnotischen Zustand durch den Eintritt chemischer Veränderungen m den Gehirnzellen (und zwar derGroß. gehirnlinde). welche die Ausscheidung von Stoffen zur Folge hätten, die sich

mit dem den Gehirntbeilen durch daS circulirende Blut, zugesührten Sauerstoffe verbänden und auf diese Weise die Slstirung der belreffenden Gehirnfunc lionen, die eben durch die Anwesenheit des Sauerstoffes bedingt seren.bewirkten. Während dieser partiellen Herabsetzung der Functionen würden aber diejenigen der nicht beeinflußten Gehirnpartien um ' so energischer und erklärten die außergewöhnlichen Leistungen. Es ist schade, daß die Angaben darüber fehlen,ob diese Hypothese experimentell geprüft wurde. Wäre sir richtig,; so würde der Eintritt der Hypnose durch reichere Zuführung von Sauerstoff in die Gehirnzellen der bindert werden : eineProbe. die sich durch Einathmen dieseöGases solcherPersonen, welche sich zur Hypnose besonders fcis ponirr erwiesen haben während des Fix! rens und während der Hypnose,die dann alsbald aufhören müßte, leicht anstellen ließe. Andere halten trotz des WidersprucheS von Haidenhain eineVerengung der nach dem Hirn führenden Blutge fäße für die wahrscheinlichere Ursache der Hypnose, und ugch den von Tv Rumpf rn der Deu'schcn medic. Wochenschrift" über dieses Thema veröffentlichten Mit lheilungen scheint es in der That, als ob der von Haidenhain versuchte Ausichlie ßungsbeweis nicht hinreicht. Ueberdies

wird diese Erklärung durch dleThatsache in nicht geringem Maße unterstützt, daß grade blutarme Personen vorzugsweise zur Hervorrufung der hypnotischen Erchernungen geeignet befunden werden. Wie seltsam und wunderbar aber auch diese Leistungen des menschlichen Orga nismus m gewissen Phasen der Hypnose dem Uneingeweihten erscheinen mögen. niemals sind von - den Erperlmendlrenden Erscheinungen beobachtet worden. welche an das Vorhandensein emer übernatürlichen, inspiratorischen oder durch höhere Intuition veranlaßten Fähigkeit glauben lasten könnten. Alle Legenden und Wunderbrnchte von den Leistungen der Somnambulen, die in älteren Ver öffentlichungen zu finden sind, beruhen entweder aus fehlerhafte Beobachtungen, oder auf Bet. oder aus Selbsttau lchuna. tn so weit u sich nicht tn die Erscheinunsreihen Hypnotismus ein ügcn lassen. Denn Somnambulismus st nichts anderes als spontane Hypnose. Vor Allem mag dies gegenüber den viel fachen Verqaickungsv rsuchen des zürn - .i-. . i.... r.;..f s ommen (ötiDUDiiiuge neigenoen yauj (eine von Mystikern und Schwärmern betont sein, welche die geheimnisvollen Erscheinungen des hypnotischen Zustan des auf das Conto einer anderen Welt setzen und damit ihre mediumistischen Phantasmagorien begründen wollen. Am länasten behält das Gehör bei Hypnotischen im Stadium von mittlerer Tiese seine Empfindlichkeit, die mitunter ebenfalls außerordentlich geschärst wird. So lange die Hypnotischen sich nicht im tiefen Schisse befinden, also noch hören und sehen können, haben sie das tevyaile Bestreben, den ihnen vorgemachten Be megungen und Lauten nachzuahmen. So folgen sie dem Experimentator, wenn derselbe mit vernehmlichen Schrillen um herzugehzn beginnt, wie willenlos, und alle an ihm beobachteten Bewegungen werden gewiffermaßen automatisch von ihnen wiederholt. Läßt man sie i: einer Attitüde beharren, so behalten sie diesetbe mitunter Stunden larg bei. ohne irgend welche Abspannung oder Anstrengung zu empfinden. Berger erzählt, daß ern zehnjähriges Mädchen mit erhobenen Händen sieben Stunden unbeweglich da gestanden habe, und Andere wissen von ähnlichen Leistungen zu berichten. Wie lange die tiefe Hypnose andauert, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden, weil man bei den Veischspersonen, die sür dieselbe besonders d'sponirt sind, aus begreiflichen Gründen Selbpbeschrän kung walten lalt, um rncyi H.f h:en hervorzurufen. Denn obshon die Mei nungen selbst erfahrener Aerzte über die letzteren bis jetzt noch widersprechend sind, scheint nicht bestatten zu werden, daß . tni Personen, hie an Herzfehlern leiden, d.: Möglichkeit einer Herzlähmung bei tiefer und langdauerndrr Hypnose vor liegt, wie auch bei solchen nd viduen, die mit Seelen und Nervenleiden be bastet sind. Nachtheile sür deren Gesund' Z heit bejürchtlt werden müffen, vennLaien an ihnen expenmentiren. Aebrlaüsltzer S nodvrhuvbiH. 1. Meine Ahle ewig brummt, Doaß mersch er men Kudde summt; Heeßt doas cbr, brummt se nich Fehlt mer o woas sicherlich. 2. Su schlecht wie inse Urgl Giingt Kantersch seine Gurgl; Singt schlecht schun inse Kantr, ; Dr Bostr no meschantr. 3. n' Bostr seine Brädigt " Die woar euch nu drtädigt; Doch, do a Amen soat Dr Kantr schlosn doat. Ein .studirer Farmer erklärte in einer Wirthschaft in Ohia seinen Fachaenoffen, daß die Zeit an verschieder.enOrtei' verschieden sei. Meh reren wollte dies nicht einleuchten, bis Einer rief : .Na, wenn Ihr auf den Wagen sitzt und auf einen Anderen war ttt, der im Saloon ist. so wird Euch die Zeit doch länger, als wenn Ihr im Sa toon seid und der Andere wartet drau ßen.Von dern Rück en einer Eor respondenzkarte. Besten Dank sür d! nfm Du mir -n Deinem letzten Bliese uderschickt hast ! Du hast seit einigen Jahren außerordentlich zugenommen, so das ich für Deine Photographie svqac strasporto hab' zahlen müssen, weil sie zu schwer war! Nächstens mehr von Deinem ausrichtigen Freund Anastasius. An Karo l in a. Preip ich so Manches auch an Dir, Nie 'ann ich Deine Zäh.-.e preisen. Aeil ich nicht wünsche, daß Du mir Dieselben jemals möchtest weisen !