Indiana Tribüne, Volume 6, Number 130, Indianapolis, Marion County, 28 January 1883 — Page 2

Nach uns die SKndfluth.

?Zoman on CFw1 ugnst König. (G. Fortsetzung.) Sechstes Kapitel. in benteuer. - Tante Lorchen hatte in früheren' Iahten im Hause des Doktors daZ.Regimcnt geführt, aber sobald Hedwig erwachsen war, übertrug , -sie ihr die Leitung des Hcnlsesens, damit, wie sie sagte auch das Mädchen sich in den Pflichten, der Hausfrau üben könne. Wer sich mit seinen Sorgen und seinem mmcr an sie wandte, der durfte au? t"-rt frrmiitfi?mtri 'itriH ntif mtt i 1 1 M,v - xy iih Wnh retnnen. sie war immer bereit ZU fiel - W V " ' ----w -v v v v v v fen, n?o sie nur helfen konnte. So hatte sie auch diesmal freudig' ge holfen, als derDoktor ihr das Elend der Wittwe Neuber schilderte, sie, selbst ,hatted:n Korb gepackt und das . Dienst mädchen damit, fortgeschickt, und als dies geschehen war, zog sie sich in gewohnter Zeise in ihr Zimmer zurück. . Sie hatte noch nicht lange ihren TrauTMrt tt r; ff rTmrt I.? XJ . ci"(it T!f 4.nt i.uMykvttibll, U19 ViV -Ciytit, 4fctb geöffnet wurde,, und der Doktor hereinblickte. .Komm nur, .ich bin allein sagte sie. ;3ch fürchtete' Hedwig hier zu sind! erwiderte er eintretend. , Hast Du wieder einmal etwas auf dem Herzen ?" fragte sie scherzend. Ja,, und. es ist eine recht schwere Last sogte.er, indem er neben ihr auf dem alttrthümlichen Sopha Platz nahm und seine silberne Dose, aus der Tasche holte. 'Du eri.nerst Dich 'natürlich noch des Billets, das Eugen heute Mittag empsing, und der Gespräche,, die sich .daran knüpf im?" Gewiß, nickte sie, und ein verstand -nißvolles. Lächeln glitt flüchtig über, ihr treuherzig Antlitz, .ich denke mir,' jenes Geheimniß ist nun so drückend für -Dich geworden, dttß.'Du allein den. Druck. nicht mehr tragen kannst : Es wurden heute Mittag Zweifel laut, ob dieser John Carlseu derselbe sei, auf den meine Vermuthungen sich bezogen. Ich selbst zweifelte nicht, denn es war nicht ur dersetbe Name, sondern, auch dasselbe. Siegel, .indessen' schaden konnte es nicht, wenn ich mir volle Gewißheit .berschaffte. Ich wußte, das Eugen gleich nach Tische hinging, und ich richtete es so ein, daß n:ein. Weg mich an der Villa Hagedorn vorbeisührte. ..Da 'habe ich denn eine Welle gewartet, und wie ich es mir dachte,' so kam's, der Amerikaner gab Eugen beim Abschied das Geleite .Du sahst ihn?' Und ich erkannte ihn? sofort )rotz)em dreißig Jahre verstrichen sind?"' Ja, trotzdem. Wer den Mann einmal gesehen hrt, vergißt .ihn nicht wieder, und wie. gesagt, ich erkannte ihn gleich wieder, trotzdem sein Haar grau geworden .ist. Was mich damals trieb, nach Amerika zu gehen, wirst Du noch .wisien. ..Vor allen Dingen war es der eigene Drang, die Welt zu sehen, aber es traten noch andere Gründe hinzu. Die Verhältnisse in Deutschland , waren recht unerquicklich, namentlich für die jungen Leute, die. eben von derUniversität kamen und .nun in die Nothwendigkeit versetzt wurden, sich nach einer ausreichenden Existenz umznsehen. lEs war freilich mein Wunsch, mich hier in meiner Vaterstadt z'.iederzulassen. .Aber so lange mein Vater noch rüstig war, wollte ich ihm hier keine Konkurrenz machen, und er selbst meinte, .es werde gut für mich sein, wenn ich mir noch einige. Jahre lang fremden Wind um die Nase wehen lasse. So reis'te ich denn auf gut Glück ab, im Nothfalle wollte der. Vater mir Geld für die Rückreise schicken, sobald ich darum schrieb, es War.also nicht zu befürchten,, daß ich darüber zu Gründe ging. In' New Zjork angelangt, wurde ich gleich mit dem Oberarzt .eines Hospitals bekannt, der einen geschickten Gehilsen suchte und auf meine Zeugnisse hin mich engagirte. Damit hatte ich denn aus dem. fremden Boden festen Fuß gefaßt, und mir war nun nicht mehr.bange. Wir hatten viel Arbeit, und ich. arbeitete gern, und. da unser Oberarzt .ein ziemlich bequemer Herr war, so lag. der größere Theil der Arbeit ans meinen Schultern. Dadurch wurde mein Name. bekannt, und namentlich aus dem Felde der Operation erzielte ich fo glänzende Erfolge, daß ich icohl stolz daraus fein durfte. Mein Lob wurde.von allen New-Vorker Zeitungen gefungen, es kann ja dart nichts geschehen, ohne daß die Zeitungen Notiz davon nehmen, man ärgert siä) anfangs über die derbe Lobhudelei, später wird man es gewohnt. Für mich hatte .sie das Gute, daß ich fast täglich Einladungen erhielt und .dadurch in gesellschaftliche Kreise kam, die mir, dem Fremden sonst wohl verschlosien geblieben wn,.und ich nahm die Einladungen gerne cn, weil es mich interessirte, Land und Leute auch außerhalb. der Mauern meines Hospitals kenneu zu lernen. In jenen Krrisen nun leinte ich John Carlsen kennen, er war ein .angenehmer Mann., immer höflich und gefällig, und er galt für vermögend. Es helle sich um ihn eine Gesellschaft junger Herien gebil det, deren Mittelpunkt er zu sein schien, und wie man mir fagte, zählen einige dieser Herren zu den vornehmsten Familien New Bert's. Mit mir hatte Carlen nur wenige Worte gewechselt, er beglückwünschte mich wegex meines Erfolges, damit war unser Gesprach beendet, und so oft wir uns später sahen, gingen wir mit einem höflichen Gruß eneinander vorbei. Er gesiel mir nicht, iÄ empfand von de; ersten Stunde .an eine Antipathie gegen ihn, über die ich mir selbst keine Rechenschast zu geben wußte. Es lag in inntm Auftreten, in seinem ganzen Wesen etwas, waö mich vermuthen ließ, daß er nicht war, was er scheinen wollt, aber eö wäre mir damals schwer -gefallen, zu sagen, was ich hinter Der warn vermuthete. Ich sah ihn ost am Spieltisch, er' spielte hock, und wie es mir schien, im mer glücklich,' indessen daraus liest sich noch kein Schluß ziehen, das Hazardzplel war in jenen Kreisen sehr beliebt. Wie gesagt, wir kannten unS und blieben doch einander fremd, daher erfuhren wtf auch glicht, daß wir in Deutschland eine und

dieselbe Vaterstadt hatten. Ich war schon länger als ein Jahr in New tyozt, als die Stadt durch verwegene Einbrüche und andere Verbrechen beunruhigt wurde. Man entdeckte bald, daß sich eine Bande organisirt haben mußte, die diese Verbrechen beging, .denn ein Einbruch glich genau dem andern. Auf einen Mord kam dabei den Verbrechern nickt an, und trotzaller Wachsamkeit- und Vorsichtsmaßregeln Seitens der. Behörde , mißlang ein solches. Verbrechen nie, -. wurde nie ein Theilnehm.er gefangen. . Sie zeigten sich dabei, mit allen. Verhältnissen vertraut, sie brachen nur dort ein, wo sie Schätze fanden, sei es in baarem Gelde oder in kostbaren Juwelen, sie kannten ganz genau die innere Einrichtung der betreffenden Gebäude und den Ort,, an dem das Geld lag, und sie nahmen nur Geld und Juwelen,.; alles Uebrige ließen sie liegen. Es war Methode und eine geradezu erschreckende Sicherheit in ihren Unternehmungen, und alle . Nachforschungen nach ihnen blieben durchaus erfolglos. Naiürlich bildeten dieseEinbrüche das Stadtgespräch, sie waren stehende Artikel in den Zeitungen geworden,.. und die Polizei mußte beißende Bemerkungen hören, ohne ihnen entgegentreten zu , können. Vielleicht wären dennoch . ihre. Bemühungen von Erfolg gekrönt worden, wenn nicht zu diesem Schrecken bald ein anderer sich gesellt hätte, der Alles lahm legte. Die Cholera brach plötzlich aus,: und beiden gänzlich ungenügenden Schutzmitteln, die man damals gegen diese. Klankheit besaß, wie .bei den völlig verkehrten Maßregeln, die man aus Uuwissenheit gegen, sie traf, wurde, sie bald zur verheerenden . Epidemie. . - .Von jener schrecklichen Zeit hast du früher schon erzählt nickte Tante Lärchen, .ich begreise es noch nicht, daß Dich die Krankheit verschonte, du Du doch täglich mit ihr in die nächste. Berührung kamst Auch mir war es unbegreiflich, aber offen gesagt, ich dachte auch nicht an die .Möglichkeit der Ansteckung. t Eines Abends wurde ich noch' spät an das Lager eines guten Freundes gerusen, ich:war todtmüde, aber ihm durfte ich die Hilfe nicht verweigern. . Ich schleppte mich hin, es war bereits zu spät, keine Hülse mehr möglich. Als ich ihm die Äugen zugedrückt hatte, war Mitternacht vorbei, ein Wagen nicht mehr zu finden, und ich mußte b?s zum Hospitale, in dem ich.wohnte, einen langen Weg i zurückle-

gen. neme es noch nicht erreicht, als ünechohe, in einen Mantel gehüllte Gestatt. mir in den Weg trat. ..Sie sind Doktor, Ladenburg, sagte der Mann, dessen Gesicht ich uicht sehen konnte. Ich bin?s, erwiderte ich, - aber wenn.Sie mich zu einem Kranken holen wollen, , so geben Sie, sich keine Mühe weiter, denn es ist mir .unmöglich, Ihrem Rufe folge zu.leisten. Weshalb unmöglich? sagte -er. Weil.ich. vor Müdigkeit zusammenbreche. Ich habe einen Wagen in der Nähe,. er wird Sie hin und wieder zurückbringen. Gleichviel, es ist mir unmöglich, antwortete ich. Ein Wagen war inzwischen näher gekommen, er hielt dicht neben uns. Sie werden nicht so grausam sein, ein Menschenleben zu opfern, wenn Sie es retten können; sagte der Unbekannte in dringendem Tone, zudem gebe ich Ihnen die Versicherung, daß Sie fürstlich belohnt werden sollen. Er hatte mir bei den letzten Worten eine schwere Goldrolle in die Hand gedrückt, und. offen gestanden, war ich gegen solche Argumente nicht unempfindlich. Wenn der Patient an der Cholera erkrankt und bis jetzt ohne ärztliche Hilfe geblieben ist, fo dürfte es bereits zu fpät sein, erwiderte ich noch immer zögernd. Nein, sagte er rasch, es betrifft einen andern Fall, wir fordern nur eine Operation von Ihnen. Dazu bin ich augenblicklich erst recht nicht im Stande, warten Sie bis morgen. Wir können nicht warten, und die Operation ist durchaus nicht schwierig. Was soll te ich machen ? Der Unbekannte hatte bei seiner letz'en Antwort einen drohenden Ton angeschlagen, ich mußte befürchten, daß er Gewalt gebrauchte, wenn ich nicht gutwillig mitging. U,:d schließlich hatte mich auch die Müdigkeit so überwältigt, daß mir Alles gleichgiltig war, ich gab nach, bedang mir aber aus, daß der Wagen mich auch zurückbringen sollte. . Ich sah nicht, baß eine andere Gestalt bereits im Wagen saß. Als ich einstieg, wurde mir ein Tuch über den Kops geworfen, der .Unbekannte drückte mich in eine Ecke nnd fetzte sich neben mich, und der Wa gen rollte mit Sturmeseile von bannen. Es geschieht Ihnen nichts, wenn Sie sich ruhig verhalten, sagte der Mann neben mir, triftige Gründe zwingen uns, Ihre Verschwiegenheit uns zusichern, die Sache ist für Sie ganz ungefährlich, und ich gebe.Jhnen noch einmal auf Ehrenwort die Versicherung, daß Sie Ihre Dienstleistung nicht bereuen sollen. Ich schwieg, was hätten Vorwürfe auch andern können ? Ich befand mich in der Gewalt dieser Menschen, sie konnten mich ermorden, ohne daß .ein Hahn nach mir gekräht hät te. Das spurlose Verschwinden eines Menschen gehört in New tyott keineswegs zu den Seltenheiien, und wenn man mir auch, wie ich wohl voraussetzen durste, aus's Eisrigste nachgeforscht hätte, so wäre ich dadurch doch nicht in's Leben zurückgerufen worden. Ich konnte also nichts Besseres. thun, als mich ruhig zu verhalten und das Weitere abzuwarten. Ich war zu müde, nm ülZer die Richtung nachzudenken, die der Wagen verfolgte, mir schien es aber, als ob diese Richtung mehrmals absichtlich gewechselt werde, denn wir fuhren mehrmals eine lange Strecke in derselben Richtung zurück, die wir kurz vorher verfolgt hatten. Endlich nahm mein Unbekannter wieder das steigen keinen Versuch, das Tuch zu entfernen. Wenn Sie es thun, so geschieht es auf Ihre eigene Gefahr, denn unser Geheimiiiß ist derart, daß wir keine Rüfc sieht nehmen dürsen. Ich verstehe, erwiderte ich, es handelt sich urn ein Verbrechen, das nicht an den Tag kommen darf. Mag sein, fuljr er fort, Sie dürfen keinen Aufschlug darüber von uns erwarten, und Sie werden auch nicht den Bersnch machen, unser (Ztheimniß zu erforschen, denn dieser Versuch würde Jh. nen u.nsehlbar das Leben kosten. Vertrauen Sie sich unserer Führung an, wir

Wort. Wir werden sogleich an Ort und Stelle sein. Doktor, Zagte er, ich ratlze Ihnen dringend, machen Sie beim Aus-

werden Ihnen sagen, wann Sie daZ Tuch abnehmen dürsen. Ich erklärte. mich zu Allem bereit, und wenn ich mich heute jener Stnnde erinnere, so begreife ich selbst nicht, daß ich damals so ruhig und gleichmüthig bleiben konnte. -Endlich hielt der Wagen, . ich stieg aus, meine' beiden ,Vegleiter führten mich durch .lange Gänge, Treppen hinauf und wieder hinunter, und obgleich die Kniee untkr mir .zusammenbrechen wollten und ich wohl ' erkannte, daß man absichtlich mich in die Irre, führte, wagte ich doch nicht, gegen diese nutzlose Wanderung zu protestiren. Endlich erlaubte man mir, das Tuch abzunehmen. Ich stand in einem großen, nur matt beleuchteten Zimmer, und ich war umringt von etwa sechs vermummten Gestalten, die schwarze Halbmaskeu trugen und in deren Händen ich Dolchklingen sunkeln sah. Die Wände des Zimmers waren ringsum mit schwarzen Tüchern behangen, ich konnte weder ein Fenster noch eine Thür entdecken, das Mobiliar bestand aueinem Tische und einem Dutzend l)vchlehniger Stühle. Aus dem Tische stan den Weinflaschen und Gläser', sowie einige Schüsseln mit Fleisch, Käse,--Brod und Butter. Man ließ mich das Alles in Ruhe betrachten. Sie sind müde und werden einer Erfrischung bedürfen, sagte mein Führer, den ich n der Stimme wiedererkannte, ruhen Sie sich einige Minuten aus und trinken ' Sie ein Glas Wein. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen, und ich erinnere mich noch, daß es ein vorzüglicher spanischer Wein war, der meine Kräfte im Nir wieder belebte. Mein Führer saß mir gegenüber, die übrigen Kerle standen stumm mit dem Dolche in der Hand hinter mir, es war wahrhastig keine angenehme Situatiou 'Sie sehen, daß Sie vollständig in in unserer Gewalt sind, sagte mein Jührer mit dergrößtenGemüthSrnhe,nachdem ich das erste Glas Wein getrunken hatte, Sie sind es nicht allein in dieser Stunde, Sie werden es auch bleiben, so lange Sie leben. Unser Geheimniß wird Ihnen nicht verborgen bleiben können,' denn es unterliegt keinem Zweifel, daß die Zeitungen morgen oder übermorgen darüber berichten, und Sie werdeu alsdann den Zusammenhang errathen. Aber Sie kennen die Personen nicht, Sie kennen dieses Haus und diese Straße nicht, und wir verbieten Ihnen, darauf bezügliche Nachforschungen anzustellen. Wenn Sie glauben, der Polizei Anzeige machen u muffen, so thun Sie es auf Ihre Gefahr hin, erwachsen uns irgendwelche Unannehmlichkeiten daraus, so sind Sie der Erste, den unsere Rache trifft. Ich zmeifle nicht daran, erwiderte ich, vor allen Dingen aber sagen Sie mir jetzt, was Sie von mir verlangen. Nun wohl, einer unserer Freunde ist durch einen Schuß verwundet, Sie sollen die Kugel herausziehen und uns sür die weitere BeHandlung der Wunde die nöthigen VerHaltungsregeln geben. Wenn Sie Ihr chirurgisches Besteck nicht bei sich führen, fo können wir Ihnen eins geben, wir sind mit Allem versehen. Ich nickte znstimmend, mein Führer erhob sich und öffnete an einer Seite des Zimmers den Vorhang. Ich trat in ein Kleines Gemach, die Vermummten folgten mir insgesammt. Auch in diesem Gemach waren die Wände verhangen und von einer Thür oder einem Fenster nich.s zu entdecken. Auf einem Bette lag ein großer starker Mann, der ebenfalls eine Halbmaske vor dem Gesichte trug und dessen Oberkörper unbekleidet war. Mein Führer deutete aus ihn und sagte in befehlendem Tone : Holen Sie die Kugel heraus und kümmern Sie sich nicht um das Gesicht oder die Gestalt des Verwundeten. Ich trat hinzu und untersuchte die Wunde; die Kugel war in die Schulter eingedrnngen, und das Wimmern und Stöhnen des Mannes bewies mir, daß er große Schmerzen litt. Ich holte mein Besteck heraus und begann meine Arbeit. Es gelang mir bald, die Kugel zu finden, aber in dem Moment, in dem ich sie herausziehen, wollte, riß der- Verwundete mit einem furchtbaren Schmerzensfchrei die Maske vom Gisicht und wurde gleich darauf bewußtlos. Der kurze Augenblick hatte mir genügt, John CaZlsen zu erknnen, und mein Blick, der' starr auf dem todesbleichen Gesicht ruhte, verrieth mich. Als ich ausjchaute. sah ich die funkelnden Augen meines Führers durchdringend auf mich geheftet, ich fühlte, daß ich verloren war, weil ich duich einen unseligen Zufall das Geheimniß erfahren hatte. Und in diesem Augenblick erst entsann ich mich der Schußwaffe, die ich selbst .sür alle Fälle in der Tasche trug. Sie war im nächsten Moment in meiner Hand, und mit einem raschen Sprunge stand ich an der Wand, so daß ich einen Angriff von hinten nicht zu fürchten hatte. Meine Herren, sagte ich mit scharfer Betonung, es war nicht meine Schuld, daß ich etwas entdeckte, - was Sie mir aeheim halten

j wollten; ich kenne Sie Alle nicht, aber ich renne vlen zerwunoettn und wenn Sie mir nicht auf Ihr Ehrenwort zusichern, daß Sie mein Leben nicht antasten'werden, so bin ich entschlossen, es theuer zu erkaufen. Ich werde zwei von Ihnen niederstrecken, ehe Ihre Dolche mich erreichen, andererseits bin ich bereit, Ihnen Verschwiegenheit zu versprechen. Die Vermummten standen mir in ruhiger, entschloffener Haltung gegenüber, meine Worte schienen gar keinen Eindrllik auf sie gemacht zu haben. Das genügt! erwiderte mein Führer, wir werden später darüber reden, beenden Sie vorerst Ihre Arbeit. . Nicht eher, bis Sie mir das Versprechen gegeben haben ! rief ich. Er gab es ohne Zöger, und ich hatte nun meine Arbeit rasch beendet. Nachdem die Wunde gereinigt und der Verband angelegt war, wurde ich in das große Gems.ch zurückgeführt und ich mußte hier wieder Platz nehmen und ein Glas Wein trin'en. Man fragte mich, ob die Wunde lebensgefährlich sei, sie war es nicht, man ersuchte mich, die nöthigen Verhaltungsreaeln zu geben, die mein Führer niederschrieb,damit sie genau befolgt werden konnten. Und nun hören Sie mich, sagte er mit gehobener Stimme, nachdem dies Alles geschehen ar, prägen Sie meine Worte Ihrem Gedächtniffe ein und vergeffen Sie keins von ihnen. Ihre Schußwaffe kann uns mahrastig nicht einschüchtern, ich brauche Jhn.en wohl nicht zu sagen, daß wir Alle einen sol-

chen Spielzeug schon t oft gegenüber gegenübergestanden haben, irod daß wir mit leichter Mühe Sie entwaffnen könn-

teu. .Wir sind allein in .diesem Hause und das HauS liegt ernjam, der Schuß würde nur von uns gehört werden, -aus Hilft von außen dür'.en Sie also nicht rechneu. Und glauben Sie mir ferner, wenn vorhin der Schß gefallen wäre, so würden Sie jetzt ein todter Mann sein. Sie. kennen, den Verwundeten, was gedenken Sie nun zu thun ? Es gab aus, diese Frage nur eine ' einzige .?lntwort, wenn ich .mein eigenes Leben rett:n wollte ich hatte sie mir bereits überlegt, und ich gab sie, ich fegte, daß ich schweigen würde. Es ist das Einzige, was Sie thun können, - fuhr der Vermummte fort, indem er mein Glas noch einmal füllte, betrachten .Sie dieses Versprechen als einen unverbrüchlichen Schwur, den Sie uns geleistet haben; wenn Sie ihn brechen, wenn .Sie nur eine Sylbe von dem verrathen, was Sie hier gesehen und gehört haben, so schließen. Sie Ihre Rechnung mit dem Leben ab, denn wo Sie auch sein mögen, unsere Rache wird Sie erreichen nnd vernichten.- Denken Sie nicht, wenn Sie New 9)orI verlassen, würden Sie aller Gefahr entronnen sein, Sie werden unausgesetzt beobachtet, und ich versichere Sie, daß unsere Macht weiter reicht, als Sie ahnen. Wo und bei welcher Gelegenheit unser Freund verwundet worden ist, .dies werden Sie wahrscheinlich ; durch die Zeitungen erfahren, und sollten Sie später ja einmal wieder mit ihr.? zusammentreffen, 'so wagen Sie es nicht, ihn an diese Stunde zu erinnern. Wenn sein Zustand sich .verschlimmern sollte, so werden wir uns gezwungen sehen, Ihren Beistand noch. einmal in Anspruch zu nehmen, wieSie nun überhaupt -unser Arzt geworden sind. Der Arzt, den wir bisher hatten, ist leider vor einigen Tagen von der Cholera hin weggerafft worden, wir würden Sie sonst nicht belästigt haben, tx hat von uns sürstliche Honorare empfangen, die Sie ebenfalls erhalten werden, wenn Sie klug und verschwiegen .sind. Glauben Sie auch nicht, daß es .Ihnen durch Verrath gelingen würde, uns zu beseitigen, wir sind gewarnt, noch ehe die Polizei einen Schritt gegen uns unternommen hat, und .in derselben Stunde schon, in der wir gewarnt werden, ist Ihnen der Rächer auf der Ferse. Haben Sie das Alles verstanden? Vollkommen, erwiderte . ich, und ich werde nicht der Narr sein, eine Gefahr heraufzubeschwören, der ich unter allen Umständen unterliegen müßte. - Gut, nickte er, sind Sie nun bereit, den Heimweg anzutreten? Natürlich war ich es; ich mußte mir das Haupt wieder verhüllen lassen, die Rückfahrt erfolgte in derselben Weise wie die Hinfahrt. Als der Wagen hielt, befanden wir uns genau auf derselben Stelle, auf der wir ringestiegen waren, mein Begleiter forderte mich auf, den Wagen zu verlassen und erinnerte mich noch einmal in ernstem Tone an mein- Versprechen. Völlig betäubt langte ich in meiner Wohnung an, ich warf mrch aufs Bett und schlief sofort ein. Mir war nur kurze Rast vergönnt, der anbrechende Tag rief mich zu neuer Arbeit. Ich hatte noch keine Zeit gefunden, über die Ereignisse jener furchtbaren Nacht nachzudenken, als mir ein Brief überbracht wurde, der am Thor der Anstalt sür mich abgegeben war. Das Couvert trug genau dasselbe Siegel, welches wir heute Mittag aus dem Couvert des Amerikaners sahen, den Pfcil mit dem Worte : Durch ! Ich öffnete es ; es enthielt zwei Fünfzigdollarnoten und ein Blatt PaPier, auf dem nichts weiter geschrieben stand als : Klug und verschwiegen ! Ich holte nun auch die Goldrolle hervor, sie enthielt hundertundsünfzig Dollars, es war in der Wahrheit ein fürstliches Honorar, aber ich hätte gerne auf all dieses Geld verzichtet, wenn dadurch das Geschehene ungeschehen worden wäre. Denn obgleich ich mein Versprechen hielt und ängstlich aus meine Worte achtete, um keine Silbe zu verrathen, glaubte ich doch immer die Verfolger hinter mir zu hab?. In jedem Unbekannten sah ich einen Spion, der mich beobachtete, und sogar meinen Freunden ging ich aus dem Wege, weil ich fürchtete, . daß auch unter ihnen ein Mitglied jener Bande sein könne. Am Tage darauf erfuhr ich die Ursache jener Verwundung. Die Zeitungen brachten einen aussührlichen Bericht über einen abermaligen verwegenen Einbruch, bei dem einige Mitglieder der räthselhaften Verbrecherbande beinahe erwischt worden wären. - Man hatte es diesmal auf die Diamanten einer reichen Dame abgesehen. Das Kästchen, welches die Edelsteine barg, stand im Schlafgemach der Dame, und diese letztere war gegen Mitternacht plötzlich erwacht und hatte einige vermummte Gestalten mit schwarzen Masken im Zimmer entdeckt. Sie war eine beherzte Frau und verlor selbst in diesem Augenblick is'it Geistesgegenwart nicht, ohne Verzug riß sie an dem Glockenzug, der neben ihrem Bette hing. Ein Schlag auf den Kopf betäubte sie, die Diebe fanden nach kurzem Suche.i das Kästchen uno eilten damit von dannen. In der Treppe warfen zwei bewaffnen Diener sich ihnen entgegen, der eine von ihnen fand lben noch Zeit, einen Schuß abzufeuern, als ein Dolchstoß ihn niederstreckte, der andere, ebenfalls von einer Dolchklinge durchbohrt, lag bereits in seinem Bitte. Gleich darauf war ein Wagen, de? in der Nahe des Hauses gehalten hatte, abgefahren und die herbei eilenden Wächter fanden keine Spur, die sie Verfolger konnten. Man wußte aber, daß der Scjuß den Einbrecher getroffen hatte,und alle Aerzte und Chirurgen wurden aufgefordert, jede Schußwunde, die zu ihrer Keikntniß kam, der Polizei anzuzeigen. Ich hatte nun genügenden Aufschluß; ich wußte, daß John Carlsen jener Verbrcchcrbande angehörte, und ich konnte mit Sicherheit den weiteren Schluß ziehen, daß seine vornehmen Freunde seine Genossen waren. Dieser Schluß war um so wahrscheinlicher, weil alle jene Freunde ein verschwenderisches Leben führten'und wie man zu sagen pflegt: das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus warfen. Wohl wäre ich vcrpflichtet gewesen, der Polizei die erbetene An zeige zu machen, aber that ich es, so durfte ich mich auf meinen Tod gefaßt machen, denn ich hatte die Bande zurGenüge

kennen gelernt, um zu wiffen, daß jeder von ihnen entschloffen war, die Drohun gen aufzuführen. Und was hätte ich angeben können, um diese Bande dadurch unschädlich zu machen, daß ich sie der Polizei überlieferte? Ich kannte nur den Namen C'arlsens, aber das Haus, in dem der Verwundete lag, konnte ich nicht bezeichnen, und selbst wenn eö der Polizei gelang, Carlsen zu sinken und zu verhaften, so hatte sie nur diesen Einen, und es war nicht zu erwarten, daß er seine Genassen verrathen würde. Ich hätte seine Freunde als verdächtig bezeichnen können, aber genügte das, sie zu verhaften ? Sie hatten sich sicher aus alle Fälle vorgesc hen. und wenn nur ein einziger von ihnen auf freiem Fuß blieb, so übernahm er es, den Verräther zu bestrafen. Was' also hätte ich durch diesen Verrath erreichen können ? Nichts, und ich selbst hing zu sehr am Leben, als daß ich es hätte verlieren mögen. Als ich, darüber nachdenkcnd, kurz darauf eines Abends die Stra ße durchwanderte, hörte ich' plötzlich eine Stimme hinter mir, . die mir zuraunte: Hüten Sie sich vor Verrath, Sie werden scharf beobachtet! Ich blickte mich erschreckt um, der Warner war verschwunden. Du wirst begreisen, daß ich unter solchen Umständen vorzog, mein Verspre chen zu halten, aber der Aufenthalt in New Jork war mir durch diese Geschichte doch verleidet worden, und ich würde auch ohne das plötzliche Ableben meines Vaters bald nachher die Heimreise angetreten haben Der Doktor schwieg,es war imZimmer dunkel geworden, Tante Lorchen erhob sich mit einem tiefen Athemzuge . und zündete .die Lampe an. Das war eine häßliche 'Geschichte sagte sie, ich begreife nun, daß du keine Lust haben konntest, sie zu erzählen. Du hast jenen John Carlsen seitdem', nicht wieder gesehen?" Nein, die Bande nahm mich nicht mehr in Anspruch Und die Einbrüche ? Wurden die fortgesetzt?" , Ich habe nichts mehr davon ' gehört, und das brachte mich im Laufe der Zeit auf die naheliegende Vermuthung, daß John Carlsen das Haupt der Bande gewcsen sein mußte. Nach seiner Verwundung fehlte das Haupt, indessen werden sie spater wohl ihre Geschäste wieder ausgenommen haben Hättest du nicht nach deiner Heimkehr von hier aus der Behörde in New York Mittheilunaen' machen können?" Und was würde ich dadurch erreicht haben? Hatte man mir nicht gedroht, daß ich auch dann noch in der Gewalt der Bande bleiben werde, wenn .ich New Jork verlassen habe ? Könute nicht auch hier ihre Rache mich erreichen ? Und was soll te ich berichten? Ein Abenteuer, das den Nachforschungen der Behörde nicht eliimal einen sicheren Haltpunkt bot Das ist freilich wahr nickte die alte Dame, du würdest nur dich selbst großen Unannehmlichkeiten und Gefahren ausgesetzt haben, und du hattest dazu um so .weniger Veranlaffung, als damals die Sorge für deine Familie dich ganz in Anspruch nahm. Dein Vater hatte ungeordnete Verhältnisse hinterlassen Ja, ja, ich hätte an andere Diuge zu denken, die mir näher lagen unterbrach er sie, während er die Dose unablässig in den Händen drehte, und nachher, als ich meinen eigenen Hausstand gründete, war die ganze Geschichte bald vergessen. WaS lag mir an John Carlsen und seine Bande ! Ich hatte dem Manne geholfen und war dafür bezahlt worden, und bei Lichte betrachtet konnte mich die Polizei auch nicht verpflichten, ihr die Dienste eines Spürhundes zu leisten. Wenn ich ihr jenes Erlebniß berichtete, so lud sie mich vielleicht ein, noch einmal herüber zu kommen, um vor dem Richter Zeugniß abzulegen, und dazu konnte ich wahrhaftig keine Lust haben ' Wenn das auch nicht der Fall gewesen wäre, so hätte man dir doch hier durch gerichtliche Vernehmungen Scherereien machen können Und es wäre trotz alledem eine zwecklose Geschichte gewesen, abgesehen davon, daß die Bande möglicherweise den Rächer herübergeschickt hätte, um mir den Mund für immer zu schließen . Du hast auch später keine Nachrichten mehr empfangen, die auf jene Geschichten Bezugnahmen?" Doch, eines Tages las ich in einer amerikanischen Zeitung, es seien einige angesehene Personen verhaftet worden, die einer Reihe von Verbrechen beschuldigt wurden, unter ihnen befinde sich ein Deutscher, Namens Carlsen, der im Spiel betrogen hatte, und der Verichterstalter der Zeitung sprach in diesem Artikel den Wunsch aus, daß dieser Carlsen gehangen werde. Ob der . fromme Wunsch in' Ersüllung gegangen, war, wußte ich nicht, denn ich hörte nichts mehr davon, aber ich glaubte es und tröstete mich mit dem Gedanken, daß dadurch auch die früheren Sünden gesühnt seien. Nun kehrt dieser John Carlsen ,als Millionär zurück, kauft hier die schönste Villa und bestellt sofort meinen Sohn zu seinem Nech.s niwalt. Was soll man dazu sagen ? Nachdem er sich selbst durch Raub Mord,. Betrug und Fälschung bereichert hat, kommt er hierber,' um die Schulden seines vor vierzig Jahren verstorbenen Vaters zu tilgen ! ES ist eine tolle Geschichte .So scheint eZ allerdings sagte Tante Lorchen, während sie ihren Strickstrumpf der Lampe näherte, um eine fallengelassene Masche auszunehmen, aber eben deshalb möchte ich vor allen Dingen dich noch einmal fragen, ob du volle Sicherheit hast, daß dieser John Carlsen derselbe ist, dem da dumals die Kugel aus der Wunde holtest?"' ; Ja, diese Gewißheit habe ich Dann freilich muß ich dir Glauben schenken. Du sagtest vorhin, John Carlsen habe drüben nie mit . dir über die Heimath gesprochen, er wußte also nicht, daß er dich hier wiederfinden würde, und vielleicht hat er auch nicht einmal erfahren, daß du ihn in jener Nacht behandelt hast. Es ist ja möglich, daß er dich nicht erkannt hat, da er bewußtlos wurde An diese Möglichkeit glaube ich nicht. Lorchen; hat er mich auch nicht erkannt, so haben ihm doch seine Genossen später meinen Namen aenannt

Nun wohl, so ahnte er nicht, daß du.

jetzt hier wohntest. Nachdem er ein reichcr Mann geworden war, lehrte cr in die öeimath zurück, 'und daß er hier nun mit seinem Reichthum prunken will, kann man ihm auch nicht übel nehmen. Was geht es dich an, wie er seinen Reichthum erworben hat? - Du persönlich magst ihn verachten, aber du hast keinen Grund, ihn anzugreifen und ihn hier an den - Pranger zu stellen. Was er drüben vcrbrochen hat, hätte er anch drßben sühnen müssen, unsere Gesetze hier können ihn nicht bestrafen. Und Beweise hast Du auch nichtJeremia. Wenn dieser Mrt lionär auf deine Anklage erwidert, sie sei eine Lüge, und du habest sie nur ersonnen, um dich selbst interessant zu machen, so gebe ich dir mein Wort darauf, daß der große Haufe ihm glauben wird. Ein reicher Mann hat immer viel voraus, na-

'mentlich dann, wenn cr er mit seinem Gelde nicht kargt, undoyn aren oeweij't, daß dies. nicht in seiner Absicht liegt. Dadurch, daß er die Schulden seines Vaters tilgt " Das ist es ja eben was ich den Leuten Sand in die Augen streuen nenne ! ' siel der Doktor ihr in die Rede. Ich sehe darin keine Pietät sür das Andenken des verstorbenen- Vaters, sondern nur schlaue Berechnung." . ' Mag fein, aber einem solchen Manne. und noch dazu ohne greisbaren Beweise, feindlich entgegentreten zu wollen, wäre Thorheit erwiderte Tante Lorchcn ernst, du bättest nur Aerger davon.Das sage ich mir auch." , Nun, so laß die Dinge einstweilen ihren Gang gehen, und ze, brich dir nicht länger den Kopf darüber, ob du zur Enthüllung deines Geheimnisses verpflichtet bist oder nicht ! Ich möchte auch über Hedwig einige Worte mit dir reden. Jeremias." , So sprich, das Mädchen ist seit einiger Zeit auffallend still und träumerisch, ich vermuthe, sie laborirt an einer heimlichen Liebe. , Ist es nicht so ? ,Alt genug wäre sie dazu, und wenn ich .mit ihrer Wahl mich einverstanden ' erklären kann. so werde ich sicherlich Nicht ihrem Gluck in den Weg treten Und wenn nun ihre Wahl auf Otto Schlichter gefallen wäre?" fragte Lorchen, mit einem erwartungsvollem Blick zu ihm aufschauend.' ........ Der alte Herr zog die buschigen Brauen zusammen, die Schatten, die ohnehin schon seine Stirn umwölkten, wurden dunkler. ' ' Also' doch brummte er unwillig. Ich hatte' mich bereits der , Hoffnung hingegeben, daß diese Jugendeselei zu Ende ei" So wegwerfend, darfst Du nicht darüber urtheilen, JerenuaS, die Liebe wurzelt fest und tief in dem Herzen Hedwig's ' ' . - Auch in seinem Herzen ?" ; 'Das eben weiß ich nicht Und ich glaube es nicht. Lorchen, ich halte diesen Windbeutel keines tiefen Ge fühls fähig. Und daß er Hedwig glücklich machen könnte, glaube ich nicht, wenn sie auch seine Gattin würde. Hedwig ist eine, ernste, sinnige Natur,, ihr wurde das Leben m Saus und Braus, wie es in jenem Hause geführt wird, uicht behagen,, und sie selbst würde auch nicht :n den ttrels dieser oberflächlichen, nur dem Genusse huldigenden Menschen pas sen . Ich habe freilich auch mein Bedenken, Hedwig müßte sich den Verhältniffen anbequemen, und das dürfte ihr am Ende nicht schwer fallen, der Reichthum hilft ja über Manches hinweg Denkst du denn, die reichen Leute seien alle glücklich ?" Gewiß nicht, aber in vielen Fällen schaffen sie ihr Unglück sich selbst, indem sie Wünsche hegen, deren Ersüllung nicht in der Möglichkeit liegt. Und dazu ist Hedwig zu klug, . sie wird zufrieden fein mit dem, was sie hat, und sie kann es sem. . Ja, wenn es ein solider Reichthum wäre! Diese Gründerwirthschast kann nicht lange mehr dauern, das ist das einstimmige Urtheil aller verständigen, einsichtsvollen Leute ! Und das Ende trägt die Last Ich bin darin ganz mit dir einverstanden, aber ich bin auch überzeugt, daß Herr Hugo Schlichter, ; wenn das Ende kommt, die Last von sich abwälzen wird Und nennst Du das ehrenwerth?" fragte der Doktor fcharf. Ich gewiß nicht, aber die Geschäftsleute nennen eö klug und finden nichts darin, ' was auf ihre Ehre einen Makel werfen könnte." Das mag sein, aber schon aus diesem Grunde würde ich es nicht gern sehen, wenn Hedwig in jenes Haus hineinheirathete. Die Sache kann überdies auch anders kommen, die gewagten Speculationen können plötzlich ein schieses Ende nehmen und den Banquier an denBettcl stab bringen . ; 'io schwarz darf man auch nicht sehen!" ' ' , Im Gegentheil, Lorchen, mit den gegebenen Factoren muß man rechnen! Vor einigen Jahren noch war die Firma Hugo Schlichter ein solides Bankhau?, dem man volles Vertrauen schenken durste. heute ist sie es nicht mehr, und ich möchte ihr meine Ersparnisse nicht anvertrauen..! Mein Kind aber gilt mir weit mehr, als meine Ersparnisse." Ich will das Allcs zugeben, aber wenn der schlimmste Fall eintreten sollte, dann wird Otto drum, nicht untergehen. Er mag gegenwärtig etwas leichtsinnig sein, aber es steckt , ein.' gesunder Kern in ihm m . ' ; " - . Dann möchte ick in seinem ' eme,',,, Interesse wünschen, - daß dieser Kern endlich keimen und die 5)ülle svrenaen IVVUUt sfu " (Fortsetzung solgt.) .Frage: .Wissen Sie, warum Chr. llchkeit am längsten währt?" Antwort : .Weil , sie Niemand 'gebraucht j- ':'; zGuteDef iniNon. Ein Dorsschulmeisier lehrt: Salz, meine lieben Kinder, ifitln Q5t. würz, das die Speisn verdirbt, wfnn es Wt hinzugejban vtrd !"

Käseproduktton in Frankreich.

Die Kaseproduktion in Frankreich ist eine sehr bedeutende, wenn sie auch nicht den ganzen Bedarf des Landes zu decken vermag. Es werden ca. 7 Millionen ' Pfund jährlich ausgesuhrt, wogegen der Import jedoch ca. 21 Millionen Pfund. also das Dreifache, veiragi. ie in außerdem in hohem Maße vielseitig; sott jedeGeqend produzirt eine ihr eigenthümliche Sorte, welche sie zur höchstmöglichen Vollkommenheit zu bringen sich bestrebt. Vorzugsweise ist cs der nördliche und deN östliche Theil des Lan des, welche Milchwirthschast treiben, während im Süden und Westen der Weinbau vorherrscht. Es giebt bet den größeren Käsehändlern Kataloge, welche uver 60 elnhelmtsche Sorten enlyauen. Das Quantum des Bedarss ist vollstandia der Mode unterworfen, da der Iranzofe nicht, wie wir, Jahr aus Jahr ein . . r . . r r - w einen uno oenieiven nat ii, lonocrn beständig mit den Sorten wechselt. Das französische Fabrikat ist ebenfalls nicht jederzeit gleich gut in Qualität, und ge nießt man dasselbe deshalb zu der Zeit, in welches eS am besten ist. Die Sor ten theilen sich in Folge dessen in Früh jahrS-, Herbst- u. f. w. Käse. Diese Sitte hat sowohl ihre Nachtheile, wie auch ihr Gute ; sie erleichtert zwar nicht den Fortschritt in rer Produktion, an derntheils aber erhöht sie das Quantum des konsumirten Produkts um ein Bedeutenocs. Die Hauptfabrikation erstreckt sich, dem Hamburger Korr." zufolge, ai-j den Gruyere- öder Emmenlhaler Käfe, wovon außerdem große Mengen aus der Schweiz importirt erden. Derselbe ist jedoch eigentlich nicht mehr so recht in der Mode und wird namentlich von den Mittelklassen konsumirt. Sodann kommt der Cantal-Käse, ein Konsum - Artikel hauptsächlich der geringeren Gesellschastsktassen. Der Roquefort. Käse ist sehr belizbt und trug eine Zeit lang den Namen des König der Käse" ; die mankelmüthige Mode jedoch hat denselben in der letzten Zeit sehr vernachlässigt und wendet sich mehr und mehr den zarterc.i" Vertretern des Käsegeschlechts zu. Als Hauptrepräsentanten der französischen Produktion nennen wir hier den Schweizer, den Arie '(Fromage de Brie) und den Roquefort-Käse. Der Schweizer - Käse (Fromage double creme) wird vorzugsweise in zwei Ge nossenschast-Meiereien angesertigt, welche in und bei dem Orte Gournay (nordwestlich von Paris) belegen sind und jährlich für circa 1 Millionen Mark produziren. Die eine diefer Meiereien liefert ausschließlich nachParis, während der Absatz der zweiten nur nach dem übrigen Frankreich exklusive Paris statt findet. Der Käse wird aus gleichen Theilen Milch und Rahm hergestellt, und gerinnt unter einer sehr niedrigen Temperatur (ca. 15 IlZ Grad R.) Die Milch wird in hoben, nach unten spitz zulaufenden Blechgefäßen gekühlt, welche ca. 40 Liter fasien können, jedoch nur bis zur Hälfte gefüllt werden. Nach stattgefunden?? Abkühlung werden die Gefäße mit Rahm angefüllt und fo viel Lab hinzugethan, daß der GcrinnungsProzeß einen Zeitraum von 30 bis 4S Stunden in Anspruch nimmt und feste Käsekörner vermieden werden. Der In halt eines jeden Gesäßes wird dann in ein großes Leintuch geschlagen und dieseö, sorgfältig zusammengepackten einen Rahmen gelegt, welcher auf einem Tische steht. Die Molken träufeln nun durch oie Poren des Tuches, während die zu rückbleibende Käfemasse hin und wieder gekehrt und schließlich auf einen Tisch gegössen wird, tso man sie, einen dicken Brei, mit den Händen durchknetet, bis sie zu einer durchaus gleichartigen, milden Masse, etwa wieGraßbuttcr, geworden. Sodann wird der Käse in kleine Stücke Papier gepackt, in welche man denselben derart einrollt, daß er etwa die Fason einer dicken Cigarette erhält. Diese kleinen Käse, welche ungesähe 1J6 Pfund wiegen, legt man auf Stroh in Kästchen, die 12 Stücksassen, etwas Papier darüber, und der französische Schweizerkäse" ist versandtbereit. Die ausschließlich nach Paris liefernde Fabrik besorgt das letzte Kneten nicht selbst, sondern versendet die Käsemasse in ihrer Leinumhüllung nach Paris. Während des Knetens wird, wenn der Käse zu trocken erscheint, etwas Rahrn oder geronnene Milch hinzugethan. Die am Nachmittage fabrizirten Käse müssen bereits am nächsten Vormittage sich im Besitz der Detaillisten befinden, da sie natürlich alles Andere, nur nicht als Dauerwaare bezeichnet werden können, und muß deshalb die Expedition mit größtmöglicher Schnelligkeit vor sich gehen. Diese Sorte von Käsen ist äußerst beliebt, besonders im April, ehe frische Erdbeeren da sind; in diesem Monate liesern beide Fabriken täglich circa 35,000 Stück derselben, welche dann mit circa 19 Pfg. pro Stück oder circa iMk. 15 Pfg. ,in Pfund bezahlt werden. Außerdem werden in Paris selbst sehr bedeutende Mengen fabrizirt. Der Käse stoss in denselben erfährt durchaus keine Veränderungen, sondern befindet ficd in einem so sein vertheilten Zustande, daß '.r wie uller aus oer Junge schmilzt: Au8 40 Pfund Milch und 40 Pfund Rabm erhält man circa 39 Pfund Käse. Der Brie-Käse (fromage de Brie) ist ebenfalls ein weicher Kaie, jedoch bedeutend consistemer, als der eben ge nannte. Seine Hauplproductionsqegend befindet fich im Osten und Nordcsten der Hauptstadt, einer gewellten, berglosen Gegend, so daß man seine Eigenschaften vorzugsweise der ZubereitungSmethode zuschreiben muß. Man stellt ihn in klcincn Einzelmeiereien her. Seine Con sumjionszeit fallt hauptsächlich in den Herbst und Winter, und die Production deöhalb in die Monate November bis Januar, im Februar nimmt dieselbe ab und beträgt im Juli nur ungesähr ein Vierthett der eines Wintermonats. Der Bric-Käse wird von ganzerMilch zubereitet, zu welcher bisweilen eine Kleinigkeit abg'iahmtcr Milch .Hinzugethan wird, um etwas Säure hinkinzubringn. Die Milch wird in ein großes Gesäß gethan, etwas Lab hinzugesetzt und umgerührt, sodann jedoch möglichst rasch in kleinere Gesüße vertheilt, damit alle Käse aleich fett werden. Die Lab-