Indiana Tribüne, Volume 6, Number 116, Indianapolis, Marion County, 14 January 1883 — Page 7

spielerin zu geben, welche den reichsten Liebhaber habe und man roundertsich, venn solche Figuren und Rollen, die im Flitter leben und sterben, von ihrenDar stellerinnen immer wahrheitstreuer gege den, mit immer größerem Prunke und immer höheren Schneiderrechnungen ausgestattet werden? Das Gegentheil wäre erstaunlich, unbegreiflich. (Wiener N. Fr. Presse.) m m Vayard über,.offielelleMäbkg keit".

Als 5ei Besprechung der Clvildienst Reformbill im Bundeösenate ein Amen dement eingebracht wurde, welches be stimmt, daß keine Person, welche übermäßigem Genusse KerauschenderGetränke ergeben ist, zu einem Amte ernannt oder in einem solchen belassen werden sollte, erhob stch Senator Bayard und erklärte, daß eine derartige Beifügung nur bekünden vürde,daß das ganze Gesetz nicht aufrichtig gemeint sei. Die packende Rede, mit der er diese Behauptung den Republikanern in's Gesicht schleuderte, liegt uns jetzt erst im Wortlaute vor,und wir entnehmen ihr Folgendes : .Wissen Sie richt, daß im Mißbrauche und nicht im Gebrauche dessen, was Gott unL ge geben, der Fehler liegt? Der Senator, der das Amendement eingebracht hat, sucht nicht den M'ßbrauch, sondern den Gebrauch zu verdammen, und ihm-ruse ich Zu : God is paid When man receives To eüjoy is to obey. Aber der Senator von Georgia beaa traate. dem Leute. weifte berausckende Getränke im Uebermaße genießen, und der Senator von Vermont, daß auch Solche, die .anderen Lastern" ergeben sind, zu keinem Amte zugelassen werden Zollen. Wie soll dieses Gesetz ausgeführt werden ? Ist es nickt aerade;u ein Schimpf für Diejenigen, welche bisher das rnennungsrecht geübt haben ? Ich sage Ihnen, daß Mißbrauch diesesRechts noch stets bestraft worden ist, und daß es nickt notbwendia ist. dak der ConareK hierfür ein Gesetz erläßt ich bin fest versichert, daß auch obne ein solches das Volk die Regierung stürzen wird, welche (sewohndeltsjäuser und sonstige unmo ralische Leute als Beamte auserwählt. Wird daS Amendement angenommen, so wird es nicht allein die CivildienstReform nicht fördern, sondern vielmehr höheren Beamten daS Mittel an die Hand geben, tüchtige Leute, . welche das Unglück (?) gehabt, sich ihnen mißliebig zu machen, aus den Aemtern fern zu halten. Man spricht hier von berauschenden Getränken". Giebt es nicht eine große Zahl anderer Stoffe, welche heimlich ge nossen werden und weit gefährlicher sind, als Wein oder Spiritussen? Ich mahne Sie an den Opiumgenuß, welcher dem Hirn und der Arbeitsfähigkeit weit gefährlicher ist, als irgend ein berauschendes Getränk, und der sich täglich weiter verbreitet was haben wir mehr zu fürchten: ihn, oder den Gebrauch von berauschenden Getränken? Wenn wir zwischen zwei Uebeln zu wählen haben, so laßt uns eher offene ehrliche Unmäßigkeit, als geheime, schlei chende Laster wählen. Ein Beamter, der sich öffentlich unmäßig zeigt, kann von jeder Regierung en:lassen werden, und das Volk wird sie hierin unterstützen, jede Regierung aber auch stürzen, wenn sie lasterhafte Beamte ihre Pflichten vernachlässigen läßt. Bestimmungen, wie sie das vorlie gende Amendement enthält, brauchen wir nicht sie sind inquisitorisch, tyran nisch. gestatten großen Mißbrauch und wären, wenn ernst genommen, auch un ausführbar. Hemmen Sie deshalb durch Annahme eines derartigen GesetzZusatzes nicht die Reform, die, wie Sie Alle w.ffen, zur Sicherheit, Ehre und Wohlfahrt der Regierung, unter der wir leben, unbedingt nothwendig ist." (B. Cor.) Der Luxus in Um Gefängnissen. k In der Sitzung des preußischen Ab geordnetenhauses bemängelte der Abg. Bödiker den vielfach zu großen Luxus, der in den Gefängnissen getrieben werde und sich namentlich in der Anschaffung von zahlreichen Seifennäpfen und Bett leinen zeige. Die Unterzeichneten haben es für ihre Pflicht gehalten, eine Untersuchung über die fraglichen Vzrhaltniffe anzustellen und sind hierbei zu dem Resultat ge langt, daß in den Gesängnissen aller dings ein übertriebener Luxus herrscht. Sie fanden zunächst in allen Zellen: ' Luft und zwar in Quantitäten, welche dem Zwecke der Strashast durch aus nicht entsprechen. Es ist nicht einzusehen, weshalb die Gefängnißdirektion in alle Ecken der Zelle, wo der Gefan gene mit seiner Nase absolut nichts zu suchen hat, Luft einpumpt. Ein Häft ling, der andauernd in Luft plauscht und dem Vergnügen des AthemholenS froh, nen darf, muß übermüthig werden, und von Befferung kann bei einem solchen nicht die Rede sein. Ferner wurde ge. funden: Sonnenstäubchen und zwar stellenweis in ungeheurer Anzahl. Dieser Luxus vereitelt offenbar die ganze Wir kung der Haft. Der Gefangene soll sich in seiner Zelle allein befinden und nicht in der angenehmen Gesellschastvon Kür pern, die zu Tausenden im Sonnen strahl ihre Tänze aufführen. Es wurde nachgewiesen, daß mancher Eingesperrte über mehr Sonnenstäubchen verfugte, als mancher verdienstvolle Beamte in seinem Bureau. Da darf man sich frei lich über die Rückfälligkeit der Verbre cher nicht wundern. Also Krieg dem Luxus in den Ge fängnissen ! D,e Hast Specialisten der Berliner Wespen. Selbst verschuldet.. Gast: Sören Sie 'mal, Kellner, die Semmel ist ja altbacken !" Kellner : .So? Ja warum sind Sie nicht gestern gekommen?-

Kenn Scheiöek's Aöenteuer.

Aon mttxt vk,5t?lch. .Wenn ich bei einer Sorte bleibe pflegteHerr Scheibele zu sagen, .kann ich fünf bis sechs Flaschen Wein in Gemüth, lichkeit hinabspülen ; wenn ich aber Ver fchiedeneS durcheinander gieße, dann bin ich schon beider viertenFlasche etwas un sichert In der Nacht ni.n, an deren Ende der Ansang der nachfolgenden Ge schichte sich ereignete, hatteHerr Schetbele an einer besonders ernsthaften Kneiperei theilgenommen, und er mußte Verschie deneö durcheinander gegoffen haben, denn als er in derMorgendämmerung mit fei rem Freunde Kuhlemich den Heimweg antrat, da war er in der That etwas un sicher. Die beiden Freunde gingen Arm in Arm und sangen recht sidele Lieder. Musikkenner würden vielleicht gesagt lja ben, die Freunde schrieen oder brüllten. Vielleicht war der Nachtwächter, der ih nen an der Ecke der FalkStraße begeg nete, auch ein Musikkenner, denn er vermies die beiden Freunde etwas unhöflich zur Ruhe. Das ging aber nur nicht so ohne Weiteres. Die beiden Freunde waren zu heiter angeregt, um ihreJröhlich keit von einem ganz gewöhnlichen Nacht Wächter auf diefe Weise zu- Schanden machen zu laffen. Kuhlemich ward grob, der Nachtwächter gröber und Scheibele am gröbsten. Da faßte der NachtniSch ter Herrn Scheibele beim Arm. .Was!" schrie Kuhlemich, .Sie alte Nachteule fassen meinen Freund an !" und dabei packte er selber den Arm des Nachtwächters! Dieser gab aber dem Kuhlemich einen Stoß, daß deffen ohne hin sehr fragwürdiges Gleichgewicht ganz in die Brüche ging. . Kuhlemich fiel in die Fensterscheiben eines zufällig in der Nähe - befindlichen kleinen Ladens, und ein Theil der Fensterscheiben sprang Hit rend auseinander. '.Sie sind arretirt rief der Nacht Wächter. So viel Besinnung wohnte noch im weindunstigen Schädel Kuhle mich's, daß er die Fruchtlosigkeit tine Widerstandes begreifen konnte. Unter einem etwas confusenRäsonnement folgte er dem Diener der weltlichen Macht. Wie nun aber Scheibele sah, daß sein Freund so schmählich abgeführt wurde. da kam ein ganz besonders desperater Geist über ihn. Herr Scheibele war in dem Stadium der Benebelung, wo man weiß, daß man eigentlich nicht allerSinne Meister ist, in dem man aber doch mit ei nige? Anstrengung ein paar Gedanken erzwingen kann. Sollte er seinen Freund, der doch ei gentlch seinetwegen von jenem Schergen forkgefchleift wurde, so schmählich im Stiche laffen ? Freilich, an Gewalt war nicht zu denken ; er hatte doch etwas zu viel durcheinander gegoffen. Plötzlich schoß ein Gedanke durch den Weindunst im Hirne des Herrn Scheibele. Mit ge waltiger Anstrengung bückte er stch, er griff einen ziemlich großen Stein von der Strafe, lenkte durch einen wilden Schrei die Aufmerksamkeit deS davongehenden Nachtwächters auf sich und schleuderte den Stein in die Glasscheiben der Stra ßenlaterne, die dicht : neben ihm stand. Diese empörende That brachte denNacht Wächter in solche Wuth, daß er wirklich sein erstes, minder schütt iges Opfer sah ren ließ, und aus unsern Herrn Scheibele losstürmte. Dieser aber hatte seine letzte Bestnnung und rast zusammen genom men und torkelte in höchst ungleicharti gen Schritten und Sprüngen um die Ecke.. . ... ' Das dritte Hau? war das seinige. Wenn nur die Thüre am Eingange offen stände, dann wäre Rettung möglich erst ausschlleßen muffen hiene sicheres Verder ben. Und die Haüsthüre stand offen; der Brödträger hatte sie aufgeschlossen. Scheibele torkelte hinein und versuchte in Hast die beiden Treppen hmaufzuklim men; er bewohnte nämlich die Seite der zweiten Etage. Wenn der Nachtwächter. erst um die Ese gebogen war, als Schei bele schon in dasHaugelangt,-dann warS er geborgen. Aber Scheibele hatte sich gar nicht umgesehen und wußte also nicht. wie er in diezem Falle dran war. Herr Scheibele war mit riesiger Anstrengung die beiden stttgen ylnausgellettert und stand jetzt vor der Etagenthüre. Wenn er sie nur erst aufgeschlossen hätte ; vsr allen Dingen,'wenn er nur erst wüßte, in welcher von seinen Taschen sich der be treffende Schlüssel befände. Da' hörte er berausch im Innern der Wohnung. Ein warmer Freudestrahl durchzuckte ihn. DaS Dienstmädchen war schon im Gan ge. Scheibele klopfte leise an dieThüre: seine schlummernde Gattin brauchte nicht zu erfahren, wie spät oder wie srüh er nach Yauje gekommen sei. DaS - Dienstmädchen öffnete, und es entspann sich zwischen diesem und Herrn SSeidele das solgenoe Zwiegespräch: .'n Morgen." .'n Morgen. Sie wünschen?. .Wünschen ist sehr gut ! Ruhe wünsche ich,?chlas wünsche ick, aber vielSchlaf! .Wer sind Sie? Was wollen Sie? frug jetzt das Madchen. .Wer ich bin?- Auch nicht schlecht! Lotte, Du bist wohl cm bischen angedu selt heute Morgen.-- . .Wer ist denn hier Ihre Lotte V . Jetzt sah Herr Scheibele das Mädchen etwas genauer an. Das war wahrhaf tig gar nicht feine Lotte. .Schon wieder ein neues Dienstmädchen r rief er. .Unglückliche, wie kommst Du in diese Drachenhöhle ? Wie heißen (tX Vnn Mim 5?5r5s.! 2 WIV Vfcllll, tun ijiuuiiiii " .Ricke! Aber wer sindSie denn eigent lich ?" .Ich bin hier der Herr, wenn meine Frau Nicht zu Hause ist." .Jh.- sagte erstaunt Lotte, die Ma dame ist verheirathet ? Sie hat mir ge sagt, als sie mich engagirte, sie wäre eine alleinstehende Wittwe." .Leider weiß ich das bester, Lotte !" ; .Ricke!" - ' .Meinetwegen Rieke Du bist' denn wohl erst seit gestern Abend hier, liebe Riese?" .Ja, gestern Abend bin ich zugegangen Der Herr scheint aber seit gestern Abend Nicht hlergewesen zu lein. .Ganz richtig, Rieke. Du erweck. Vertrauen, Lotte. SiehstDu, mernFräu lein, ich will mich Ihnen anvertrauen Ich habe nämlich ein bischen gekneipt die letzte Nacht, das heißt em bischen viel Meine Frau, hm, na, Du wirst sie ja

noch kennen lernen, meineFrau braucht

daS nicht zu wissen, verstehst Du V .Ich verstehe." .DaS ist nett von Ihnen, Rieke. Kannst Du schweigen, Lotte?" .Sie scheinen ja em ganz honetter Herr zu sein, und wenn sich'S um 'ne un angenehme Madame handelt, da bin ich gewiß kein Spielverderber. Also die Madame ist um elf gestern Abend zu Bette gegangen. Wenn Sie nun so vm Halbzwölf nach Hause gekommen wären, wie?" .Gut, sehr gut, liebe Lotte. Aber wenn meine liebe Frau nun nicht einge schlafen ist ?" .Sie haben ja so gräßliche Zahn chmerzen gehabt und sind bier imWohn zimmer geblieben, um die Madame nicht zu stören." .Lotte, Rieke, Du bist em Genie von Dienstmädchen ! Und Du beschwörst die ganze Angelegenheit 1" .Für ün Gro chen schwöre ich Ihnen die Haare vom Kopfe herunter. . Nu ge ben Sie mal Ihr Taschentuch her, das binde ich Ihnen um die Ohren, damit Sie em bischen, zahnfchmerzerllch ausse en. So!" - -Gleich darauf saß Herr Scheibele im großen Lehnstutzl mit verbundenemKopse, und wenige Minuten später lag er im rauschverwehenden Schlafe. Gegen sechs Uhr war Herr Scheibele entschlummert, und es war wohl unge ahr acht Uhr, als er wieder erwachte. Der Rausch als solcher freilich war ver flogen, aber unser Freund fühlte sich ämmerllch elend. Er hatte einen Kater der schlimmsten Sorte, einen Riesenkater, einen Angorakaler,' '. Es war ihm, als ob eine'Katze in seinem Magen" Junge a warfen, und als ob sich einNestRaupenin seinem Kopfe etablirt hätte. ES vergin gen nach dem Erwachen desyerrn Schtt bele noch Minuten, ehe er sich der ganzen Größe seines entsetzlichen Elends bewußt worden war. , Nach und nach erst kamen ihm' die Er lebniffe der letzten Stunden wieder in'S Gedächtniß, und wie er nun so sinnend die Blicke im Zimmer umherschweifen ließ, da schnellte er plötzlich in die Höhe. War daS denn sein Wohnzimmer? Er erin nerte sich ganz bestimmt, daß gestern sein Zimmer noch grau tapezirt war, und dieS waren rothe Tapeten. Und diese Mo bilien hatte er nie gesehen, und das alte Portrait dort an der Wand stellte eine ihm gänzlich unbekannte Persönlichkeit dar. ES war kem Zwettel. Herr Scher bele wohnte hier gar nicht; er war in eine fremde Wohnung gerathen. - Sobald unser Held das erste Entsetzen über seine Entdeckung Niedergekämpst, sprang er auf, um sich schleunigst aus der widerrechtlich betretenenWohnung zu ent fernen. Aber er hatte noch nicht die Thüre des Zimmers erreicht, als diese ge öffnet ward und Rieke, das resolvirte Dienstmädchen, hmemtrat. .Da ist Einer vom Amtsgericht, der Sie sprechen will," sagte sie zu Herrn Scheibele und sah ihn dabei auffallend scharf an. DaS Wort Amtsgericht war em Don erschlag für unsern Helden. Die zer trummerte Gaslaterne leuchtete wieder vor ihm aus. .Einer vom Gericht," stotterte Schei bele aber, wart' mal, hier muß ich. der Erzähler, erst eme kurze Zelt zurück gehen. Als nämlich die resolute Rieke eben den Kaffee fertig hatte, wurde an der Thür glocke geschellt, und als sie öffnete, Prä sentirte sich ihr ein Mann in Uniform, der die Madame zu sprechen verlangte. Daraus erwiderte Rieke, daß ihre Ma dame noch schliefe, daß aber ihr Herr, wenn eö fein müßte, zu sprechen sei. Nach dieser Mittheilung war derGerichtsmann in eme grone Ausregung gerathen. - .Waswas, was ist dies ?? JhrHerr? Wer ist Ihr Herr?" .Na, was haben Sie sich denn so ? Mein Herr ist der Mann meiner Ma dame." .So ? Un det sagen Sie so ianz ru hig ? Seit wann sind , Sie denn jesäl? ligst hier im Dienste?" . .Seit gestern Abend." .Na, denn wissen Sie wohl nischt von die niederträchtige Jeschichte. Ick bin nämlich hier, um der Madame Kniebel ihre Wittwenpension zu bringen. Ver steheSe, ihreWittwenpenston; die bring' ich ihr schon zwee Jahre, und nu iS se verheirathet? Da wird se den Staats anwalt kriegen statt de Pension." Rieke war halb erstarrt. .Herrjeh, deshalb sagte sie mir, sie wäre eme allem stehende Wittwe, und deshalb geht der Mann nur des NachtS aus r .Nennt sie sich denn immer noch Frau Kniebel k . fragte oerMann. . ' -.Jawohl, Frau Kniebel." .Denn is der pensionöberechtigteJatte jefälligst noch nich mal dodt .' Die Je meinheit is jroß! Bringen Se mich man mal jleich hin nach det . Fateum." Wie nun die Rieke den Gerichtsdiener bei Herrn Scheibele anmeldete, das habe ich schon erzählt. Gleich darauf trat die ser insZimmer und fragte im barschmög lichstem Tone: : . - , : : ' ' .Sind Sie Herr Kniebel ?" ; Unser Freund horchte hoch auf. Jetzt wußte er, wo er war. Er war ins rich tige HauS gekommen, aber in die unrich tige Etage, oder vielmehr an die unrich tige Seite derEtage. Eine Familie Knie bel war vor kurzer Zeit ihm gegenüber eingezogen. Seine Frau hatteeS ihm erzählt.. Wenn er nun Herrn Kniebel einstweilen als den nächtlichen Ruhestö rer gelten ließ? Der könnte sich ja nach her leicht herausbringen. Diese Gedan ken durcheilten schnell sein schmerzendes Gehirn, und Scheibele sagte zu dem Ge richtömanne : .Mein Name ist Kniebel." ,So? Na ja.Herr Kniebel, dann kom men Sie man jefälligst ein Bisken mit mich.' Ick bin von's Jerichte; dat je nügt Ihnen wol." .Mitkommen auf'S Gericht ? Um sol che Kleinigkeit? Ich erde mich selber melden." .Oh ja, daS wäre so waS. Kleinig keit nennen Se das ? Ick nenne daS die Obrigkeit anschummeln, versteheSe d?ö? Na, ja, und ob Sie da olle Backentuch nu noch so ville über'S Jesichte zieh, er stens kenn ich Sie doch wieder, und zwee tenö lass' ich Sie jar nicht erst loö. Sie sind mein Arrestant !" - .p- - HerrScheibele sah ein, daß er'auf diese Weise nicht los kommen könne und erbat

sich nur so viel Zeit, um sich etwas wa

chen und ankleiden zu können. Dann befahl er Rieken, ihm etwas frifcheSWas ser zu geben und verließ mit ihr dasZim mer, in der Hoffnung, mit Hülfe des iesolvirten Mädchens irgend einen Flucht plan ausführen zu können. Aber der stramme Gerichtsdiener litt gar nicht, daß die Stubenthüre geschloffen wurde und behielt so vom Zimmer auö den Etagen ausqang fest im Auge. Er versenkte sich m Gedanken darüber. ob er einen Verweis seines Vorgesetzten deswegen bekommen würde, daß er sich so lange von dem fälschlich verstorbenenDe sraudanten hatte betrugen lassen, oder eine Anerkennung, wett er den Betrug entdeckt hatte. Da trat plötzlich Frau Kniebel auS ihrem Schlafzimmer. Sie hatte ungewohnten Lärm und lautes Reden gehört. Als ste den bekannten Gerichtsdiener sah, sagte sie : .Sie kommen diesmal aber sehr früh. .Jlaube wol, daß ick Ihnen 'n bisken zu früh komme, Madameken. Na, wir haben ihn in derFalle,MadameKniebel; er will sick blos noch 'n Bisken rein waschen, wenn'S man jinge, nu denn nehmen wir 'n in die Klauen, Madame Wittwe ! Versteh Se?" - .Wie ? Wen, was meinen Sie?" -.Na, wem woll son als Ihren lieben Herrn Jemahl?" ' ' .Was unterstehn Sie sich? Lassen Sie meinen Mann ruhn !" .Ja, wir werden ihn schonst ruhen las sen, bei Wasser und Brod wer'n mer'n ruhen lassend- Madame, ick frage Sie jetzt als zuständige Jerichtsperson, sind Se wieder verheirathet oder ist Ihr erster Mann blos m betrugerncher Weise und Absicht verstorben? -ÄntwortenSie jefälligst!". ..... : .Sie sind em unverschämter Mensch !" .Waö! Was! Eene zuständigeObrig keit nennenSie ein unverschämterMensch! Habe ick Ihnen deshalb zwee Jahre lang die Penston in's HauS jebracht, wo jeder Andere sie sick selbst hatt' holen müssen. bloS wegen die paarJroschen Trinkgeld! ' .Aber, um'sHimmels willen, waS wol len Sie denn von mir?" ., .Sie beziehen seit zwee Jahre Ihre Wlttwenpension und sind lar keeneWitt we nich. Der todte Mann iö jefälfcht !' .Wie können . Sie sich unterstehn .Na ja, is schon gut ; rufen Se jefäl ligst malJhr Fräulein Köchin, die wirds Ihnen schon beweisen." -Frau Kniebel kreischte mit vor Aufre gung und Entrüstung zitternder Stimme das Dienstmädchen herbei. .Rieke, bin ich verheirathet habe ich emen Mann V .Ja, Madame, 'n Mann haben Sie, --HlX. - - i i. . : jcniicg, oo ie regeimeolsmaß'.g veryei rathet sind, dss weiß ich nicht." . ' .Infam ! Haben Sie meinen Mann gesehn V "Jawohl, Madame !" .Wo ?" .Hier." .Holen Sie 'n doch mal her!" sagte mit uberlegenemLä cheln der Gerichtsdiener. .Augenblick lich geht das wohl nicht gut," erwiderte Rieke, er zieht sich gerade um, imSchlas zimmer, Madame !" '.Ich bin das Opfer einer unerhörten Mystmcatlon," schrie Frau Kniebel .laufen Sie, eilen Sie," sagte sie zum Dienstmädchen, .holenSie alleNachbarn, die mich kennen, die sollen mir bezeugen, wie nichtswürdig ich hier behandelt werde." Rieke ging und ließ die Etagenthüre ein wenig offen stehen. Das sah Herr Scheibele, der in einer Ecke desCorridors gierig auf einen Moment zumEntwischen lauerte. Jetzt schlangelte er sich vorsich tig zum AuSgange, noch zwei kleine Schritte, er ist auf dem Vorplatze, dann noch einenSprung, und er ist an derThür semer eigenen Wohnung. Den emen der zwei kleinen Schritte hat er schon ge macht, hastig will er den andern thun, da prallt er auf einen schnell eintretenden menschlichen Körper und fährt, mit einem unterdruckten Fluche zurück - '.Scheibele !" ruft eS aus dem schnell eitretenden .'Körper... .Lene !" ' sagt tonloS Scheibele. ES war seine eigene Frau, die Nicke zum Zeugnißablegen herbelgerusen hatte. Wie ein Indianer aus dem Hinterhalt sprang der Gerichtsdiener auf unsern Scheibele loS, packte ihn ganz vorschrists mäßig beim Kragen und zerrte ihn wie der in die Wohnstube. t. . .Ick werde den Kerl datAuSreißen an streichen!" schrie er und schüttelte unsern unglücklichen Freund hin und her.' Frau Scheibele stand noch immer starr und sprachlos über die unerhörteBehand lung ihres Gatten, als Frau Kni. bel aus ste losstürzte : ..Ach, Frau Scheibele, helfen Sie mir. Ich habeJhnen doch gestern auf demGe müsemarkt meineLebensgeschichte erzählt. Ist nicht mein lieber Mann todt ? Bin ich nicht Wittwe?".' : - , .Ach wat," siel ihr der Gerichtsdiener in die Rede. .Jemüsemarkt ! Selbst Jemüsemarkt ! Wat jeht der zuständig Behörde der Jemüsemarkt an ! Dieser Mann hier is zu nachtschlafender Zeit in Jhrem Hause jesunden und. nennt sich Kniebel, det sagt jenug !" In den Augen der Frau 'Lene Scheibele stieg 'eine Furie auf. Augenschein lich war sie einen. Moment zweifelhaft, ob' sie sich zuerst auf den eigenen' Gatten oder auf die böse NachbarinKniebel stür zen sollte.- Sie -entschied sich - für das Letztere und schrie derarmen Frau die heftigsten Vorwürfe in's Gesicht, daß sie ihren Gatten verführt habe. , NachdemFrau Scheibeleder vermeint lichen Feindin' eine Fluth unverdienter Schmähungen entgegengeschleudert hatte, wandte sich ihr .Zorn gegen den' eigenen Gemahl. Aber der Gerichtsdiener, der noch eben hastig in den Armen hineinge redet hatte, streckte jetzt schützend denArm vor ihm aus und rief : ' ..Ne, von diesem Onkel lassen Se man jesülligst die jeehrte Zunge ab z des is mein Arrestant." DaS war nun wieder neue Nahrung für die Wuth der Frau Scheibele. .Ar restant ? Was hat er denn noch gethan, mein sauberer Herr Gemahl?" kreischte sie. ' - - ., ...... .Ihr Herr Gemahl?", gab der Diener der Gerechtigkeit höhnisch zurück. .Der Mann heißt Kniebel un lS her Mann von der Frau da, von der sojenovnten Wittwe. Un der Mann iS mein Arre stant, weil er zwee Jahre lang die Pen sion for feine Wittwe bezogen hat, ob

jleich er nich dodt is. Nich de Spur

dodt." Jetzt aber fprangHerr Scheibele in die Höhe. Das war ihm doch zu viel. Er schrie gegen den Gerichtsdiener an, und seine Frau gegen ihn selber und auch ge gen den Gerichtsdiener, und dieser schrie wieder gegen Beide an. Im Hinter gründe zankten sich Frau Kniebel und die resolute Rieke, kurz es war ein Mords Höllenspektakel. In das allgemeine Gekreische hinein tönte plötzlich die Glocke der Hausthüre. Rieke öffnete, und das Dienstmädchen Scheibele'S trat ein, um ihre Madame zu melden, daS Jemand von der Polizei da wäre, der nachHerrn Scheibele verlangte. Neues Entsetzen und Erstaunen. Frau Scheibele selbst holte den Polizisten her bei, und kaum hatte dieser unsern armen Helden erblickt, als er auch schon auf ihn zueilte, semen Arm ergriff und sagte : ,Herr Scheibele, Sie sind erkunnt, Sie haben in voriger Nacht eine Gaslaterne muthwillig zerbrochen , und den Nacht Wächter gefoppt; ich arretire Sie !" .Der Mann hemt Kniebel un is jefäl ligst schon von mich arretirt," sagte der Gerichtsdiener. .Der Mann heißt Scheibele, ich kenne ihn persönlich," sagte der Polizist und saßte Scheibele von Neuem beim Arm. .Dann arrenre tck ihn wegen Angabe emes falschen Namens gegenüber ener zu ständigen Obrigkeitsagte der Gerichts diener und packteScheibeles anderenArm. Inzwischen hatte die liebenswurdlgeGat' tin den Rockzipfel ihre? Mannes erfaßt. Kommen Sie gesälligst," sagte der Polizm und wollte Scheibele am rechten Arm mit sich ziehen. .Ne doch," sagte der Gerichtsdiener und riß unsernHelden am linken Arm zu sich herüber. .Der Mann iö meine Angelegenheit." Jetzt aber ward es dem armen . Dulder denn doch zu viel. Mit einer übermenschlichen Anstrengung schüttelte er tur emen Mo ment das ungeheure KaterElend von sich ab und riß sich gewaltsam von seinen Peinigern los. : .Wer mich anrührt, dem schlag ich die Knochen entzwei! Was wollen Sie von mir ?" .Sie haben sich falschen Namen euer zuständigen Obrigkeit legenüber bedient sagte der Gerichtsdiener, schon etwas kleinlauter. ' Zuständige Obrigkeit !" höhnteSchei' bele, .bringt denn die zuständige Obrig' keit die Wittwenpensionen gegen Trink' geld in's Haus ? Hab'S vorhin wohl at hört ; Sie zuständiger t- Und was wollen Sie mit der Gaölaterne?" wandte . sich Scheibele jetzt zu dem Poli zisten : .hier sind zwanzig Mark, und ich heiße Scheibele und ich vm hier Grund besitz und Bürger. Für zwanzigMark kann ich noch mehr Gaslaternen entzwei schlagen, und Sie haben'S nur anzumelden!". Die beiden Diener der Gerechtigkeit hatten sich entfernt, viel stiller als )t gekommen waren. Unser Freund Schei' bele hatte sie zu beschwichtigen verstanden. Seine Frau aber ? Lieber Leser, eS wäre em schlechtes Ende für eme Humoreske, wenn ich noch all die Prüfungen schildern wollte, die unserMärtyrer abseiten seiner Ehehälfte zu dulden hatte.' . Für ihn und uns giebt es nur emenTrost : HerrSchel bele hatte ein dickes Fell!, Der Himmel -t '.. . eryaiie es iym Die Beschichte von der gnttn Stund'. Von V. St. AsegStr. i Mein Vetter Filipp, der Bauer auf der Reuth, ist em gutmüthiger, , aber im Ganzen etwa? ernsthafter Mann.' Da her fiel mir, als wir uns vor einige? Zeit begegneten, daö überaus muntere Gesicht auf und der Himmel von Glückseligkeit. der. aus seinen veilchenblauen Augen auf micy yeriacyle. Aus dem Glase schöpft der seineFreu den nicht, dabei wird er nur nachdenk licher und verschlossener, zuhöchst, daß er em Zährlem vergießt über den Jammer der Welt. . - Sollte er einen guten Kühkauf gethan haben ? Das pflegt ihn sonst nur mäßig froh zu machen, denn sagt er ist der Handel für mich gar zu gut, so ist er für den Gegenmann nichts nuj, und das taugt Mir auch nicht. ,', . So packte ich ihn denn an: , . Dir muß eine gute Stund' vorn Himmel gefallen sein,- Vetter, weil Du heute gar so heiter drem schaust. -.Eine gute Stund', meinst," entgeg nete der Filipp, .das ist auch so, eS ist rein so. Eine gute Stund'!" Und dabei schaute er so seelenvergnügt vor sich , hin, wie man auf dieser Welt nur selten vor nch hmschauen sieht. . .DaS mußt mir lernen, Vetter," sagte ich, .und von dieser guten Stund' mußt Du mir ein Stualem geben." Weißt Du'ö!" flüsterte der Vetter und zog mich wegseitS, als sollten eS die alten Kiesern nicht hören dürfen, die da standen, .weißt es : mein Weib ist wie der out worden auf mich !" Ist sie nicht immer gut auf Dich ?" war meine Frage, als hatte er mich nicht schon längst in sein Vertrauen gezogen. ,.DaS schon, daS wohl., aber bisweilen sind wir halt bitter harb aufeinander. Und heute, denk' DiS, hem' ist sie so gut, so viel gut, daß ich den ganzen Tag in der Weite herumlausen 'möchte vor Freud', und daß ich mich gar nicht Iheim getrau 'S kunnt sonst wieder anderswerden." .Nicht heim," sagte ich, .soll manchmal das beste Mittel fem, um den HauSsne den zu erhalten." ' .Gestern," so fuhr der Filipp nun bästig fort und zog mich zu sich auf einen Reisighaufen, .gestern, da hat's bei uns wieder emmal was gejekt. ' Aha, jetzt ommt die Geschichte von der guten Stund', da will ich wohl still sein und horchen. Der Vetter begann. halb hauchend, halb schreiend, daber ge messen und nachgerade im Gleichakt, wie schon seine Art st, wenn er was Beson dereS zu erzählen, hat. , Da kommt bei dem sonst 'so gelassenen Mann eine eigenartige Lebhaftigkeit zum Vorschein, er thut auch mit den Händen mit, so daß es, wenn ihm em Wort Nicht gleich em fällt, mitunter ist, als wollte er es von der Lust reißen.

So begann er denn die Geschichte von

der guten Stund': 2. . t v - Gestern, sonntags, wie iq yeim komm' von der Vesper, haben ich und mein Weib halt wieder einmal sakrisch zu eng gehabt. Schon geschrieen und ! gescholten all zwei, daß die Fenster haben zittert, und alle Namen haben wir ein ander geschenkt, nur keinen guten. An beben, versteht sich, anheben thut sie. So sragt sie mich hantig (bitter) : Warum ich nicht heimginge?" Sag ich drauf: Da bin ich, nur daß ich beim Kreuzwlrty ein Seidel hab' trunken. Schau her da, ich hab' Dir ein Halber! mitbracht, . jr . ' r ?v .! J 009 iDias, wenn es ieer 10110 zmau geschickt. D'raus ste : Bm ich Dir zu schlecht. daß Du mich mitsührst in's Wirthshaus, so brauch' ich auch Demen Wem Nicht ! Und stoßt mir daö GlaS über den Tisch her, daß ich' kaum noch ersang' mit beid' Händen, sonst kunnt' icy's noch zahlen. Wenn Du ihn nicht magst, sag draus ich, so tnnk ich ihn selber ! Und denk' insgeheim bei mir .-.Filipp, herben (ärgern, zornig werden) thust Dich nicht heut', 's war' Schad' um ben wonn tag, und bin just gut aufgelegt. Eine Stund', die der Herrgott schenkt, muß man stch gönnen. Und setz' mich zum Glasel und trml' und sag': .Alte, geh' kost' ihn, ich hab' Dir einen einschenken lassen vom Bestem. Da kommt ihr die Hand aus, das Glas ist in Scherben. Jetzt, sagt sie. jetzt leck' Dir den Wein auf dem Flctz (Fußboden) zusamm'! Und betet mir vor eine. Heiligenlitanei, schon eine cu riose. Na, ich hör' ihr andächtig zu und denk'-bei mir selber : 'LiPP, herben thust Dich Nicht hcur! Auf emem Athem viel sagt sie, mem Wcibel, das kann sie ; gehört's her oder nicht, hat's einen Grund oder nicht, ist ihr e,n Dmg. Und wie sie eS Zetzt wahrnimmt, daß ich mich heut' nicht herb', da herbt sie sich noch mehr. Und wie ich'S derkenn', das, daß sie sich so herben thut, weil ich mich heut' nicht herb' da Hebt'S mich, da herb' ich mich auch. Ausprmg' ich wild und hau mit der Faust, daß die Tischplatte schrillt : Still bist. Du Hausdrach'!" WaS der Vetter sur em brennendes Auge hat, denke ich, wie er mich jetzt so anschaut, als sähe er in mir harmlosen Zuhörer den leibhaftigen Hausdrachen. Dann aber fuhr er m wehmüthiger Gelastenheit fort: .Und schau, Bruder seel', auf die Red' vom Hausdrach, auf die hat sie gewartet, und letzt hebt sie erst recht an ! , Kein einzig gutes Haar läßt sie an Mir, bm noch froh gewest, daß sie mii's nicht gar mit der Hand nimmt. Jetzt steigt'S in Mir aus, und ich, wenn ich in Zorn komm', es geschieht zwar nicht ost das, aber wenn ich in Zorn komm', da kenn' ich Mich selber nicht ! Frei die Welt möcht' ich zerreißen zu Fetzen, den Himmel zu Scherben zer schlagen. Im Rocksack vergraben muß ich die Fauste, daß sie mcht aussahren. Der Mund' hat zumUnglück keinen Beiß korb und laßt sich nicht bändigen ; und wie er auch sonst faul ist, wenn er ge scheidterweist' reden soll, im Zorn findet er akrat die schneidendsten Wort' und die spitzen. Und wohl thut Einem daö, wie ein Labtrunk im Heumahd so wohl. wenn man spürt, wie die grob' Red' dem Weib tie ins Herz geht." : .Vetter," sage ich, .wie das wahr ist ! Ich kenne das auch !" ... .O mein Lieber!" ruft der Filipp, .das kennen wir zwer mcht allem, such' Einen, der aäh ist in Freud' und Zorn, und der's nicht kennt ! Einen hab' ich gewußt, ein guter Kamerad war's, der hat in solchem Jähzorn anstatt ein schneidend Wort daS Messer erwischt.. ." .'s ist nur ein Schritt weiter " .Ich habe." fuhr der Vetter fort, .ich habe ja auch wieder andere Stunden, wo mir so warm ist in der Brust, daß ich alles Herbe und Harte auf der Welt weich machen möchte mit warmer Guth.Zt. Mein Weib, wie ost hab' ich sie gebeten in Gute : .Meine Mlrzel, Du kennst mich. Geh', thu' mich nicht rei zen, es kunnt sonst was geschehen einmal, das zeitlich und ewig unser Verder ben wär'. Schau, Du bist gut sonst und meinst eS mir recht, wie ich Dir's mein'. Ich will mich schon hüten, lieb Weib, daß ich Dir nicht zu grob komm', bedenken wir'S wohl : Der Jähzorn ist der Hacken, bei dem Einen der Teufel in die Hölle reißt. Da hätt' ich wohl recht, sagt sie drauf, wahr wär'S und richtig, sie wollt' sich schon hüten und bester! Und halst mich und herzt mich und weiß stch vor Gernhaben nicht zu helfen. Und kaum kaum daß ihr was über die Leber lauft, thut sie'S halt wieder und stupft und brummt und keift und reizt mich so lang', bis ich in die hitz' komm'." .In diesem Punkt sind die Zanksüch tigen alle gleich," wendete ich ein, .sie mögen sonst noch so gut und brav sein." .Denkst auf daS, wenn Du wild bist? Kommt'S Dir nicht vor, die Deine wär' die Schlimmste?" so der Vetter und fuhr fort : .Auch gestern ist's also ge Wesen. Und wie ich in der Hitz' bin und wild bin und sie ein schlechtes Leut' heiß', eine Biszurn und gar noch was Aerge reS, und ihr gleich allen Tod und Teu fel auf den Hals fluch' da lauf' ich da von und hinaus in den Wald, daß sie meinen sollt', ich kunnt mir waS cnthun. Ab.er ich denk' mir daS: wem das Weib so viel anthut, der braucht sich sel ber ' nichts anzuthun. Ich denk' nach und denk' nach; die gistigen Reden, die sie mir hat zugeschrieen, die hc m mich freilich geschmerzt, aber weher,weit weher gethan haben mir 'die zentnerschweren Wort', die ich zu ihr gesagt hab'. Schau, und so komm' ich in den Wald. Da ist'S stad. eS wird nachtig. Ich setz' mich auf einen Stein, stemm' den Elbo gen auf das . Knie, der Kopf ist mir schwer und glühheiß und will rasten. Die Bäum', recken ihre kohlschwarzen Wipsel zum Himmel, wo die Sterne steh'n 'S ist ruhsam im Wald. Unten im Thal rauscht das Master. Und wie ich so hintrüum'.und hoch über denhim mel eine Sternschnuppen abfließt, da kommt's. mir in Sinn: Auf der Welt, wie eS denn sein muß, daß Leut', die sich gern haben, einander so bitterlich kränken ! Wie lang' wird's denn dauern, so liegt eins von uns zweien in derTruhen. Noch feucht auf 'der Wang' unter den zudrückten Augen der Mund ewig stumm, die Händ' überkreuz auf dem

Herzen. . . . mit ein otctn und der schreiende Schmerz kann'S nimmermehr wecken. Die Leut' kommen her, schauen es an, sagen Dir ein gutgemeint Wort, tragen es weg aus dem Haus, senken eS nieder in's Grab, und scharren fest zu

und geh'n ihrem Geschäft nach. Und Du stehst allem und wirst eS auf einmal gewahr und schaust erschrocken im Um kreiS. Wer liebste Mensch aus der Welt ist verschwunden. Verschwunden auf Erd , Du kannst wandern und suchen mit blutigen Füßen und Herzen wirft ihn nimmermehr finden. Frei die Au aen weinst Dir blmd. und die bittersten Tropfen, die kostet der Gedanken,ie ost und wie ties, daß Du ihm hast weyge than...." Wunderlich war's, als er so sprach.der Vetter, leiS und langsam, wie träumend und in sich versunken. Vlfolich richtete -er sich auf und mit beiden Händen an r r. e 1. r temen xtio sayreno, agte er levyail : .So ist's mir gekommen die Brust hat 's zusammengeschnürt. Ich steh' auf und laus' heimzu, so schnell, als mich dieFuß' tragen wie wär's, wenn'Z schon zu spät wär'l" .Und?" war jetzt meine Frage, .Bet ter, und ?" .Ich komm', zu meinem HauS, da ist schon Alles in der Ruh'! Ich horch an ihrem Stübel, da ist mir, als wenn wer still bei sich weinen thät.Stad sazseich ich in'S Stübel. Sie liegt in ihrem Bett und thut die Augen zu. Ich schau sie noch an, gar lang' schau ich sie an und denl' : Wie Du blaß bist und arm bist, mein Weib ! Du kannst ja nicht anders sein, als Du bist und mußt deswegen doch so viel leiden. Nnr einmal werd' mir noch munter, 'ö wird nimmer ge schehen, was heut' ist gewest. Dann leg' ich mich hin in mein Btt und im Traum kommt'S mir vor, als wenn mir am Herzen ein Stein läg." Still ist er gewesen, der Vetter, und hat mit starren Augen binausgeschaut in die Lust, als sähe er noch das Traum bild. .Wenn man Herzweh hat." sagte ich. um nur etwas zu sagen, .so istderSchlaf der beste und mächtigste Freund. Wäh rend Dein Leib sich ausruht, räumt er die Trümmer deS zusammengestürzten Glückes weg, daß Du erwachend wieder frisch kannst anfangen zu bauen." Wfc ich aufwache," fahrt der Filipp fort, und feine Stimme ist weich und freudig, .wie ich aufwache, ist'S hellicht. Mein Weib ist schon bei der Arbeit ge west, macht Feuer auf .dem Herd, heizt mit einem Zündspahn in den Ofen, daß eS warm wird. Jetzt nehm' ich mir einen Anlauf und sag': Du, Mirzel, geh' sei so gut, reich' mir mein Pfeiflein, ,ch rauch' mir EinS an heut' im Bett. Hast recht, Filipp, sagt ste mit freundlicher Stimm', daß mir ist, ich müßt' jauchzen. Sie reicht mir mein Pseiflcin und bringt von der Herdgluth ein glühendes Köhlerl ich paff (sauge) und sie blast und ich pasf und sie blast, bis es brennt, drauf lacht sie mich an fein, draußen scheint die Sonne und hat mir vom Himmel die liebgute Stund' bracht " Das ist die Geschichte von der guten Stunde. Da in der sreien Weite ist'S freilich leicht gesagt." bemerkte ich nun in mei r.er etwas rostigen Weltanschauung, .aber wenn Du jetzt heimkommst, Vetter, uud bringst Deinem lieben Weib zur hol den Ueberraschung das Zeug für ein neues Taffenljöppel mit und ein Paar sammtene Schuhe und ein seidencSöalS tuch dazu, so daß ste in der erstenMinute eine unsinnige Freud' hat und in der zweiten schilt sie Dich einen Sparmeister und Knauser, daß Du ihr nicht auch " .Nein," unterbrach mich der Vetter, .einen Knauser wird mich mein Weib nicht schelten, aber einen schandbaren Geizhals wird ste mich heißen, daß ich ihr nicht auch Schürze und Küttel aus dem selben Stoff heimgebracht hab'." .Und was," so fragte ich nun, .was, Vetter, wirst Du drauf sagen ?" .Nichts."' .. ' Die .Vossische Zeitung" bringt folgendes launigesHeirathSgefuch: CYYs CsDIilfcMAM mV AmT aTI QtM an juiiyt njjmuiiu uiiv iwiiiiuiut 0u"t , srauen, die eS nicht länger zu blei ben gewillt sind. Die Hauptsach' für den Ehebund Ist wahre Herzensneigung. Doch Kapital kein Scheidungsgrund Nach meiner Ueberzeugung. Dieweil die Welt ein Jammerthal, So man sich nicht vermählt hat. Und ein Garcon ohn' Eh'gemahl Wohl den Beruf verfehlt hat. Such' ich im Jnseratentheil Der .Tante Vcß" mein künftig Heil. Ich bin nicht jung und auch nicht alt. Nicht reich, doch ohne Schulden. Nicht schön, nicht häßlich von Gestalt, Doch immerhin zu dulden. Bin Jude nicht, doch auch nicht Christ, Und meines Zeichens : Journalist. Mein Vater wn ein Offizier, Mein Ahn' sogar von Adel, Und ich bin gleichsallö Cavalier Ohn' Furcht und ohne Tadel. Man meint sogar ich hätte Geist Mehr als dies Inserat beweist. Drum Wittwen. Jungsrau'n ohne Kind, Die treulich mehr als greulich. Und häuslich mehr als häßlich find. Mehr lieblich, als abscheulich. Und die geneigt zum Eöebund, Thun gütigst mir daS Näh're kund. Zu weit'rer Vorbereitung Lud A. in dieser Zeitung. m Vater: .Ei, ei, einen Klavier stuhl hast Du für mich gestickt, liebe? tfinb, daS ist ja ein herrliches Weih nachtsgeschenk Will doch gleich ver suchen, wie" Emma: .Um Himmelswillen, Papa, Du wirst Dich doch nicht a:'.f die schönen Blumen setzen!?" Musikalisches. Dame : Ich habe gestern die .Schö pfung" von dem Haydn gehört; ich bin noch ganz ergriffen von der herrlichen Musik, so herzin.-.ig und voll Gottver trauen! Lieutenant: Donnermetter, daö sollte man von einem Heiden gar nicht ervar ten.