Indiana Tribüne, Volume 6, Number 116, Indianapolis, Marion County, 14 January 1883 — Page 2

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Nach uns die Sündstuth.

Roman ton Cto&lt ugnft König. (4. Fortsetzung.) Der alte Herr mußte diesen Cchztten wohl bemerkt haben. .Sie denken sicherlich, das sei ein selt James Siegel für einen reichen Mann, lernte er mit einem ileincn Anflua von Ironie. Ein Wappen wäre allerdings zweck entsprechender zu nennen", erwiderte der junge Advokat. Vorausgesetzt, daß in dem Wappen schilde ein goldenes Kalb sigurirte", spot tete Carlsen. Kennen Sie die öedichte von Theodor Korner 's". Ich habe in meiner Jugend für sie geschwärmt. Vielleicht erinnern Sie. sich noch des Gedichtes ? Durck)! Körner bemerkt bei diesem Gedichte, , ein Petschaft mit einem Pfeil, der auf eine Wolke zufliegt, und mit der Unterschrift : Durch !" habe ihn Gelegenheit zu demselben gegeben. Ich will aber nur folgende Verse aus ihm titircn: ' Nein, frisch ! Ein freudig Siegen Kommt nur nach heißer Schlacht. Seht Ihr den Pfeil dort fliegen ? Der bricht der Wolken Nacht. Durch muß er, durch ! der Bogen Schonte die Sehne nicht; Der Pfeil ist durchgeflogen. Schwimmt nun im Sonnenlicht! : An diese Berse erinnerte ich mich, als ich den Entschluß faßte, den Kampf mit den Machlen des Schmials aufnehmen, um die Ehre meines Vaters zureiten. Ich ließ mir noch vor einer Abreise von hier em ähnliches Petschaft anfertigen, das mich unausgesetzt an mein Vorhaben erinnern soll. V--Und dieseZPetschaft besitzen Sie noch?" fragte Eugen.' , - - Jawohl.? . Sie haben.es auch in den Taaen der Noth nicht von sich 'gegeben?" Nein, ich betrachtete es gewissermaßen o o-: v.rr. o-m u! einen Talisman, ocjeit eng mir eine bessere Zukunft verhieß. Ueberdies konnte auch die Noth mich nicht zwingen, es zu verkaufen, denn es war für jeden Andern völlig werthlos und ich würde keinen Cent dafür erhalten haben." Die beiden hernn hatten während die fer Unterredung den Salon verlassen, sie schritten langsam aus dem breiten Kies' wege durch den sorgsam gepflegten Garten dem Gitterthore zu. V " ' ' Hinter jenem Thore standen einige Spaziergänger, die neugierig in denGarten hineinblickten ; als der alte Herr sie bemerkte, blieb er stehen. Lassen Sie mich noch einmal.dieHoff nung aussprechen, daß ich recht bald wieder das Vergnügen haben werLe, Sie in meinem Hause zu begrüßen," sagte er, indem er dem jungen Nechtsanwalt die Hand bot. Ich bedauere, daß ich in meiner Jugend nicht das Vergnügen hatte. Ihren Herrn Vater kennen zu ler- . . -T. f .1. Öff. m r. , i . r -. um, uuyiciu; v2JiDjcaicr unier Hausarzt war, ich würde im andern Falle mir die Ehre geben, ihn zu besuchen, um die Bekanntschaft zu erneuern. Nun, es sin det sich wohl einmal eine Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Sie wohnen ja doch wohl im elterlichen Haufe, nicht wahr ?" . ' Ja, allerdings, 'und wenn Sie mich einmal mit Ihrem Besuche beehren, sei es auch nur in unseren geschästlichen Angelege'nheiten so wäre c? möglich, daß ich bei dieser Gelegenheit Ihnen meinen Vater vorstellen könnte. Ihnen und Ihrer Fräulein Tochter aber danke ich nochmals herzlich siir die liebenswürdige Ausnahme, die ich hier gesunden." Sie haben zi solchem Dank keine Urfache, w?r uns mit Vertrauen und Offen heit erlgcgenkoml'.lt, darf sich stets einer ftkundichcn Aufnahme- versichert halten. 5!cben Sie oh! und vergessen Sie Thercse Stalls: ::icht." Aittlks sxttef. Kampf u m 's .D a f e i n. Der Bicich einem Träumer hatte Eugen die'i Villa verlassen. Er wagte Nicht, über die süß?n, beseligenden Gefühle nachzudenken, die so plötzlich sein Inneres durchströmten und die er nie zuvor gekannt hatte. Ihm war, als hätte ein wunderbarer Traum seine Sinne besangen, und diesen Traum weiter zu träumen, niemals aus ihm zu erwachen, war der einzige Wunsch, den er hegte. Wie ein Gebild aus Himmelshöhen !" Er hatte über diese Worte des Freundes gelacht, und nun sprachen seine eigenen Lippen sie aus, und er fand nichtsLächerliches in ihnen. Ob auch Ellen sich jetzt noch mit ihm beschäftigte? Ob auch in ihrem Herzen die Liebe schon erwacht war? Ja, wer ihm diese Fragen hätte beantWorten können ! Er begriff nicht, wie das Alles so rasch, so plötzlich gekommen war. Er eriunerte sich dunkel, daß er einmal tmt Geickickte aeleien batte. in der eine so plötzlich erwachende Liefe geschildert norden war, und daß er darüber aespottet hatte. Nun erlebte er diese Geschichte selbst, und an der Möglichkeit konnte er nicht langer zweifeln. Aber er hatte damals auch gelesen, daß dkese Liebe in derselben Stunde erwidert worden war, und er fragte sich nun selbst. ob auch er tht aus Erwiderung hosten dürfe? Weshalb sollte er daran zweifeln, zu mal der Glaube an diese Erwiderung sein Glück erhöhte? ' Hatt; er nicht dvs Errothen deS schö nen Mädchens gesehen ? Hatte sie ihn Wi aebeleu, bald und ost wiederzukom-. ' i rnen ? Ja, er wollte nun recht ost h'mgehen,dle Auftrage ihres Vaters boten ihm ja Gelegenheit genug dazu. Als er sich bei diesem Entschluß ertappte, entdeckte er plötzlich, daß er noch immer vor dem Eisengitter stand und in den Garten des Amerikaners hineinschaute er befand sich wirklich in einem Traum, und unwillkürlich mußte er über sich selbst lachen. . . . .Wie kann nur ern Jurist solch' em verliebter Narr sein !" brummte er. Menn Paul mich hier ertappt hätte, des Spottes wäre kein Ende gewesen." , Er schob die Akten fester unter denArm. lernte das goldene Lorgnon auftieNase fciVirai de7. cforsej an.

Was mochte der Vater nur gegenCarlsen haben? Weshalb hatte der Name und das Siegel dieses Mannes einen so gewaltigen beunruhigenden Eindruck auf ihn gemacht ? Es existirte schwerlich ein zweites Petschaft dieser Art und es konnte auch mit diesem Petschaft kein Mißbrauch getrieben worden sein, Carlsen hatte es ja nie aus den Händen gegeben. Ob aber der Verdacht seines Vaters be gründet war, darüber konnte und wollte Eugen nicht entscheiden. Mußte er diese Frage bejahen, so unterlag es wohl kaum einem Zweifel, daß John Carlsen ein Verbrecher war, die Aeußerungen des Vaters deuteten zu deutlich darauf hin; und dieseEntdcckung würde alle Illusionen Eugens zerstört, alle seine Hoffnungen vernichtet haben. Was sollte er nun dem Vater sagen, wenn dieser ihn fragte? Jedenfalls wollte er in seinen Mittheilungen sehr vorsichtig sein und dem alten Manne d n Verdacht auszureden suchen. Dabei mußte er natürlich das Erwachen seiner Liebe verheimlichen, von Ellen durste er nicht allzuviel reden, sonst verlor seine Vertheidigung jeden Werth. Er dachte noch darüber nach, als er plötzlich, aus seinem Sinnen ausschauend, seinen Vater t?or 'ch sah. Der Doktor saß auf einer Bank, die der städtische Aerschönerungsvercin zuNutz und Frommen der müden Wanderer hier aufgestellt hatte, sein zerknitterter Stroh-

Hut lag neben ihm und er selbst stützte das graue Haupt aus den Elsenbeinknops seincs spanischen Nohrstockes. Ich habe auf Dich gewartet," sagte er trocken, als Eugen vor ihm stand, dann erhob er sich' und den Hut in die Hand nehmend, schritt er neben seinem Sohne daher. Ich kam vorhin an der Villa Hagedorn vorbei," fuhr er fort. Sahst du mich an dem Thore stehen V . : Nein", erwiderte Eugen überrascht und sein Blick streifte dabei voll banger ErWartung den alten Herrn, der mit seinem seidenen Taschentuch rastlos über die nasse tirne fuhr. - , Na, mag sein. . Jedenfalls aber hat er mich gesehen, denn , er .machte sofort Kehrt und ging in's Haus zurück." . Vu glaubst, er habe dich erkannt V Gewiß," nickte der Doktor, .er ist derselbe John Carlsen, der mir drüben begegnete. Er ist seit jener Begegnung ein Greis geworden, aber ich erkannte ihn augenblicklich." Eugen war stehen geblieben, seinePulse pochten sieberhast,,es wurde ihm unsagbar schwer, jemer Erregung zu gebieten. .Und willst du .mir nun saen. Aklage du gegen Diesen Mann erhebst V fragte er mit gepreßter Stimme. . Sage du mir vorab, waZ er von dir verlangt hat," erwiderte der Doktor. .Etwas, was ihm selbst nur zur bö'chsten Ehre gereichen kann. Sein Vater hzt vor vierzig Jahren Unalück aebabt, er machte Bankerott und dieGläubiger konnten aus der Masse nicht be mdiat werden' John Carlsen hat mich nun beauftragt. allen Gläubigern . seines Vaters nachzuforschen und ihre Forderungen nebst den Zinsen ihnen zu zahlen. Ich habe die nöthigen Papiere bereits mitgenommen und irre ich nicht, so sah ich auf der Liste der Gläubiger auch unsern Namen.", ,öin, das nennt man Sand in die Augen streueu !" brummte der alte Herr achr.r , C' nr i n . n eizuaeno. viu anoerer eu.te eoer äßt sich gut Riemen schneiden ; übrigens vüßte ich nicht, wie unser Name auf die Liste kommen sollte." ' ' ' Dem Vater war Hausarzt seiner Elern." Hat er dir das gesagt ? Ja, und er bedauerte dabei,' dich nicht zu kennen." Wie schlau!" spottete der Doktor. Man merkt die Absicht und wird ver timmt ! Das war nur ein Fingerzeig für mich, der durch deine Vermittlung an die richtige Adresse gelangen soll." ,Jch.vcrstehe das Alles nicht sagte Eugen kopsschüttelnd, willst du dich nicht deutlicher ausdrücken?" Jetzt noch nicht." Aber du behauptest doch nun volleGeoißheit zu haben?" . Jawohl, die habe ich. indessen ist es nicht immer rathsam Alles auszuplau dern, was man weiß, und ich werde Mich hüten, eine Anklage zu erheben, die ich letzt, nach so langer Zeit, unmöglich noch beweisen kann." ,Du konntest wenigstens mit sie mit theilen." Wurdest du den Auftrag, des du von Carlsen erhalten hast, gerne 'zuriickgeben ? Wenn dies der Fall ist und du nur nach einem passenden Vorwande suchst, dann kannst du es mir überlassen, ihm die Papiere zurückzuschicken." Nein, das will ich nicht, erwiderte Eugen rasch. Hätte ich den Austrag nicht gerne übernommen, so würde ich ihn ab' gelehnt haben und, aufrichtig gesagt. Mir gesallt dieser Amerikaner. Sage mir, was du gegen ihn hast, wir wollen dann gemeinsam erforschen, ob deine Vermu thungen begründet sind. Ich habe bereits volle Gewißheit, also kann von Vermuthungen keine Rede mehr sein. Wenn ich dir Alles berichten wollte, so würdest du in deiner Entrüstung ihm bie Akten vor die Füße wersen, und ich weiß nicht, ob daS nicht schlimme Folgen für mich haben konnte. Ich .bin keine furchtsame Natur, aber ich will gerne mit allen Menschen in Frieden leben, und ich habe die Verwegenheit jenes Mannes kennen gelernt. Es mag sein, daß er jetzt nicht mehr zu fürchten ist, wenn man nicht seine Feindichast und seinen Haß herausfordert, er ist ja nun, wie es scheint, reich genug und man wird sich hier wenig darr . t t vr c um lMw.krn, aus wkiazem zege und durch welche Mittel er seinen Reichthum. erworben hat." Deine Worte sind mir noch immer Räthsel," sagte Eugen mit einem liefen, schweren Athemzuge. Wenn John Carl sen sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat, dann wäre eS ja auch für mich rathsam, die Verbindung mit ihm abzubrechen." Freilich, freilich," nickte der Doktor; aber sie ist nun einmal angeknüpft, und er würde sofort die Ursache des Bruchs errathen und auf mich seinen Haß wersen. Du hast den Austrag übernommen, so führe ihn auch'auS, magst dabei immerhin den Mann beobachten, und mir später noch einmal dein Urtheil über ihn mittheilen.'

Und du willst mir wirklich dieses dunkle Räthsel nicht lösen?" Jetzt noch nicht, ich will abwarten, ob deine Ansichten über diesen Mann sich ändern."

Zeugt es nicht von Ehrgefühl, daß ttl die Gläubiger seines Vaters befriedigen will? Nichts verpflichtet ihn dazu, die Schuldforderungen sind längst verjährt, und unter all' diesen Gläubigern ist sicher lich nicht ein einziger, der an jene Förderung noch denkt." Ich wiederhole dir, damit, streut man den Leuten Sand in die Augen." . Wozu hätte er das nöthig, Papa ? Er brauchte ja nicht hierher zurückzukehren, er war auch drüben ein geachteter, angesehener Mann" Weißt du daS so gewiß?" Die Reichen sind überall angeschen !" Na, na, es gibt auch Ausnahmen von der Regel ! Ich keizne hier manchen reichen Herrn, der 'trotz seines Reichthums nichts weniger als geachtet und angesehen ist, es kommt viel daraus an, wie man die Schätze erworben hat. Und wir beide wissen nicht, ob dieser John Carlsen nicht drüben sich unmöglich gemacht htte, hier kennt-man die Geschichte seines E:werbes nicht, und dadurch, daß' er sofort eine Summe .Geldes opfert, um. die alten Schulden zu tilgen, trotzdem er nicht dazu verpflichtet ist, erwirbt er sich Anspruch aus den Namen eines Ehrenmannes." ', ' Er will ja nicht einmal, daß öffentlich davon geredet wird." : - Pah,.es kommt doch unter die Leute und dann natürlich auö) in die Zeitungen," spottete der Doktor, ein solcher Akt von Großmuth kann kein Geheimniß bleiben. ,Jch ikenne meine Pappenheimer, und ich warne dich noch einmal, sei vorsichtig, später sollst du das Weitere ersahren.".. j Er war an der Ecke einer schmalen, wenig belebten Straße stehen geblieben, und er nahm jetzt Abschied von seinem Sohne, ohne zu ahnen, welchen Stachel seine Worte in der Brust seines Sohnes zurückließen. .. . An jener Straße lag das klein e,freundliche Haus, das der Armenpfleger Heinrich Schlichter mit seiner Ehefrau und seinem Adoptivsohne bewohnte, und in dieses Haus trat der Doktor. Das Ehepaar saß in dem kleinenGarten hinter dem Hause, wenn man einen kleinen Rasenplatz, einen hohen Birnbaum und eine von wildem Weine umrankte Laube einen Garten nennen durste. Mit der langen Tabakspfeise in der Hand kam Schlichter dem Doktor entgegen, und so herzlich wie er, begrüßte auch seine korpulente Frau den gern gesehenen Gast. . Ich will mich nur nach Ihrem Besinden erkundigen," sagte der Doktor, nachdem er in der Laube Platz genommen undsich durch eine Prise aus seiner silbernen Dose erquickt hatte. . Sie wird jeden Tag dicker," klagte der Armenpflege? mit einem schmerzlichen, bedauernden Blick aus seine Frau, deren fettes Antlitz in Schweiß gebadet war; wir werden uns doch wohl entschließen müssen, nach Karlsbad zu reisen, denn so kann es nicht fortgehen." Es hätte längst geschehen sollen!" brummte der Doktor. , Ob die Kur helfen wird, wissen wir auch nicht mit Sicherheit," sagte sie mit einem Lächeln, das den Arzt wegen Nichtbesolgung seines Rathes um Verzeihung bitten zu wollen schien. Die Badereise wird eine großeSumme kosten" ... Licbr Gott, Sie haben ja wS Geld," warf der Doktor ein.' 5 ;r Je nun, wir könnten eS am Ende erübrigen, aber unsere Armen würden dabei zu kurz kommen." Wen es sich um die eigene Gesundheit handelt, müssen alle andere Rücksichten schweigen.. Fassen Sie einsn Entschluß und reisen Sie so bald wie möglich ab ; wenn Sie die Kur gründlich 'gebrauchen, so bürge ich für den Erfolg." Mein Mann kann auch so schlecht abkommen." Er wird gewiß einen Vertreter für einige Wochen finden." Aber ob dieser Vertreter in seinem Sinne handeln wird" Alle diese Wenn und Aber haben keine Berechtigung, wenn es sich, wie gesagt, um die Erhaltung der Gesundheit und des Lebens handelt," erwiderte der Doktor ärgerlich. Was etwa versäumt werden sollte, kann spater nachgeholt werdenund da es cur der Hauptsache, dem nöthigen Gelde, nicht fehlt, so gibt eS keinenGrund für Sie, die Besolgung meiner Vorschrift zu verweigern." Sie haben Recht," nickte Schlichter, dessen: borstiges Haupt die RauchwoUen immer dichter umhüllten, wir werden in der nächsten Woche reisen, Marie." Und wo soll Rudols bleiben ?" Wo er auch jetzt ist, in unserm Hause." Allein mit der Magd V rief Frau Schlichter aus, nachdem ihr Gatte vorgeschlagen hatte, während ihrer Badereise den jungen Herrn Rudolf zu Hause zu lassen. , Reden Sie einmal tnit Ihrem Herrn Bruder, bemerkte der Doktor, vielleicht nimmt er ihn so lange in sein Haus." Ich glaube das. nicht", .erwiderte der Armenpfleger, und offen gesagt, wünsche ich eS auch nicht. ' Rudolf hat ohnehin schon große Rosinen im Sack, er würde sich später in unseren bescheidenenRäumen nicht mehr wohl sühlen. Im .Comptoir meines Bruders sieht er nichts von all' dem Luxus, der in der Privatwohnung herrscht, und wie gesagt, es wäre auch sehr fraglich, ob meine Schwagerin ihm ein Zimmer und einen Platz an ihrer Tafeleinräumen würde. Ich habe in früheren Jahren manche beißendeBemerkung e rJ c . . . - 1 . IC Uver 01C vl00piirung.oc9 naocn vvn iyt hören müssen, ich möchle ihr nicht noch emmal Gelegenheit dazu geben." Und ich will Ihnen von Herzen wünschen, daß Sie für diese edle That nur Dank ernten mögen," sagte der Doktor ernst. ' Zweifeln Sie daran ?" fragte Frau SäUickter. Hm, aufrichtig gesagt, glaube ich, daß Sie es manchmal an der nöthigen Strenge fehlen lassen. Der junge Herr spielt mir zu sebr den Lebemann, er darf sich an den Söhnen unserer Gründerund Börsensürsten kem Beispiel nehmen. 'Ick alaube auch nicht, daß er. das thut." erwiderte der Armenpfleger in zuversichtlchem Fsne. .Die Jugend will

genießen, und wenn dies mit Maß geschieht, so läßt sich ja nichts dagegen einwenden. Etwas Leichtsinn ist mir lieber, als ein Duckmauser, und ich habe noch nicht gesunden, daß Rudols darin zu weit geht." . . Ueber daS kluge, treuherzige Gesicht des Doktors glitt flüchtig ein ironisches Lächeln. Sie müssen das ja am besten. wissen," sagte er achselzuckend, ich urtheile nur nach dem äußeren Auftreten .des jungen Herrn. . Und wenn Sie ihn während Ihrer Abwesenheit nicht gerne allein im Hause lassen .wollen, so finden Sie wohl eine rechtschaffene ältere .Frau, die für eine geringe Vergütung gerne so lange hier wohnt und Ihre Magd beaufsichtigt." Da haben Sie Recht," nickte Schlichter. Dieses' Auskunstsmittel lasse , ich mir gesallen; ich werde mich nach einer solchen Frau umsehen., Wenn die Wittwe Neuber nicht krank wäre" ' Sie müßte ihre hübsche. Tochter mitbringen, und das hieße den Bock zum Gärtner machen," unterbrach seine Frau ihn. " , - . . Hm, 02S ist auch wieder wahr, aber da wir gerade von dieser Wittwe sprechen, dürste ich Sie um einen recht großen Gefallen bitten, Herr Doktor?" Sie wünschen, daß , ich die Frau 'in Behandlung nehme?" .. . Das kann ich nicht verlangen, ' denn Sie sind nicht Armenarzt. Aber wenn Sie nur einmal sie besuchen .und .nach sehen 'wollten, ob sie' richtig' -behandelt wird " , r? r r . ...... ; ' ' ' Sapperment, alter Freund,' was ich thue, das thue ich auch ganz !. Wohnt sie weit von hier?" . Ji , j ,v; Nein, sehr nahe sogar, und doch habe ich sie erst gestern entdeckt. Die alte Geschichte, Sie wissen ja, falsche Scham ! Sie fürchte; sich zu entehren, wenn sie sich beim Armenpfleger melden und wenn derHunger sie später dennoch dazu zwingt, dann kommt in vielen Fällen die Hülse zu spät." .. , , Furchten Sie, daß dies auch hier der Fall ist?- - ' Nein, aber besser wäre es ganz gewiß gewesen, wenn sie früher sich Vertrauensvoll an mich gewandt hätte." .Na, wenn Sie mich begleiten wollen, fo gehe ich sogleich hin," sagte derDoktor. Wer hat sie bisher behandelt ?" Der Armendoktor unseres Stadtviertels. will Ihm , gewiß nicht Z. Böses nachsagen, aber ich denke mir manchmal, daß er das Pulver gewiß nicht erfinden würde, und daß er darum auch keine Berechtigung hat, seine Patienten so grob zu behandeln." Grobheit muß manchmal das Wissen ersetzen!" Das ist leider nur zu wahr, und es mögen ja? auch manchmal unverschämte Anforderungen an einenArmenarzt gestellt werden, gegen die er nur durch Grobheit sich wehren kann, aber wenn er dabei öfter betrunken, als nüchtern ist, so finde ich dasür keine Entschuldigung." Das wissen Sie bestimmt?" fuhr der Doktor entrüstet ans. Ich bin zu oft Aenge gewesen" So zeigen Sie es beim Vorstande der Armenverwaltung an." Ich habe es bereits zur Sprache gebracht," erwiderte der Rentner, in seiner ruhigen Weise, man zuckte dicAchseln und meinte, so lange er ftine Pflichten nicht vernachlässige, könne man ihm nichts anhaben. Und dann meinte man auch, es finde sich nicht so leicht ein anderer Arzt, der für das geringe Honsrar das mühsame Amt übernehme. Nun, die Herren müssen es ja wissen, sie haben die Verantwortung zu tragen. Bleib nur ruhig hier, Marie, wir finden schon den Weg ohne dich." Ganz gewiß!" nickte derDoktor, indem er der korpulenten Frau die Hand reichte und sie sanst aus ihrm Sitz zurückdrückte, bei dieser unmenschlichen Hitze muß Ihnen ja jede Bewegung qualvoll seiu. . Alss treffen Sie Ihre Vorberei tungen sür die Badereise, Sie werdeu mir später dasür danken, daß ich nicht nachgelassen habe, bis Sie in's Bad gegangen sind." Er nickte ihr noch einmal freundlich zu und folgte dem Armenpfleger, der in'einem sehr bescheidenen, aber dennoch traulich eingerichteten Zimmer den Rock gewechselt hatte und sich zum. Ausgehen rüstete. Ihre Wittwe Neuber hat wohl einen Stall, voll Kinder, wie es ja in der Regel sein pflegt?" Nein, nur eine Tochter." ; Eine erwachsene Tochter ?" Jawohl, ein hübsches Mädchennickte Schlichter. Sie denken wohl, dann sei es schwer begreiflich, daß dieses Mädchen seine Mutter nicht ernährt V. Wenn auch nicht gerade das, so meine ich doch, die Armuth könne so sehr groß nicht sein. DaS Mädchen wird doch ir

gend etwas gelernt haben ' und fleißige Hände finden meipenthells immer Arbeit." . ; . . -j . ;, Sehen Sie, so dachte ich auch, als ich gestern dieBeiden zum erstenmal sah. Das blühende, krästige Mädchen könnte genug verdienen, sagte ich mir, indessen urtheilte ich doch etwas anders, als ich die Geschichte dieser Unglücklichen vernommen hatte.Wenn Sie noch Zelt genug haben,mlr diese Geschichte zu erzählen " ; Gewik, Sie müssen sie hören, damit auch Sie sich kein falsches Urtheil bilden. Neuber war Kassenbeamter, seine Wittwe nndet, wenn auch keine Rechtfertigung, so' doch eine Entschuldigung dann, daß sein Gehalt sehr genng gewesen ist. ch habe ihr den Trost gelassen und nichts dagegen gesagt, wozu auch! Das Geschehene wird durch Vorwürfe nicht ungeschehen gemacht, und einen Todten im Grabe noch zu stei nigen, ist nie meine Sache gewesen. Sie müssen im Großen und Ganzen auch ein glückliches Familienleben gesührt haben. wenn auch manchmal Schmalhans skuchenmeister gewesen ist. Dem Armen bleibt die Versuchung selten fern, sie trat auch an Neuber heran, und er hatte nicht die Kraft, ihr zu widerstehen. . Was ihn zur Untreue verleitet hat. ob Schulden, .oder Genußsucht oder andere Ursachen ihr zu Grunde lagen, weiß ich nicht, ich habe auch nicht danach gesragt, an der Thatsache selbst ändern sie ja nichts. Die Unterschlagung wurde bei einer außergewöbnlichenKassenrevision plötzlich entdeckt. Neuber, der sofort verhastet werden sollte, erschoß sich noch in derselben Stvndt.

Die Wittwe hatte natürlich keinen Anspruch aus eine Pension, und dasWenige, was sie noch besaß, holten, die Gläubiger, die auch kein Mitleid mit den Angchörigen eines Verbrechers empfanden. Sie hat diesen furchtbaren Schicksalsschlag nie überwunden. Ihr einziger Sohn manderte aus, um ihr nicht zur Last zu fallen, er fand hier keine Arbeit, alle Thüren waren ihm verschlossen. Und . was aus ihm geworden ist, mag der Himmel wissen, er wird wohl, wie so viele Andere, drüben verdorben und gestorben sein. Helene, die Tochter, war noch ein Kind, sür dessen Erziehung auch noch gesorgt werden mußte. Nun, den Muth verlor die Wittwe nicht, sie wär in feinen Handarbeiten sehr geschickt und nach langem Suchen fand sie endlich einen Kaufmann, der ihre Arbeiten verwerthete Viel kam dabei nicht heraus, trotzdem die Frau bis in die Nacht hinein arbeitete, aber es genügte zum täglichen Leben und es konnten im Laufe der Jahre sogar kleineErsparnisse gemacht werden. Später half die Tochter ebenfalls, und sie glaubten nun ein - sorgenfreies Dasein sich gesichert zu haben. ES sollte anders'kommen. DieMutterkrän. kclte schon lange, sie konnte nicht, mehr ausgehen, die Tochter mußte also die fertigen Arbeiten fortbringen. Der Kaufmann hatte einen Sohn, dem das hübfche Mädchen gesiel-na, das Uebrige können Sie errathen. Heirathen wollte der liederliche Bursche nicht er ' verfolgte das ehrbare Mädchen unablässig und als er für seine Wünsche keine Erfüllung fand, rächte er sich in der niedrigsten Weise. Er . . itm . r. r . , -

vericumoeie 'luuer uno .ocyler, vecne noch emmal all' die Schmach auf, bic der Todte mit iiVs Grab genommen hatte. Er brachte es fertig, daß die lohnende Arbeit ihnen entzogen wurde, und er wußte es auch zu verhindern, daß sie anderswo Arbeit fanden. Die beiden Unglücklichen waren zu schwach, mit einem ...solchen Schurken den. Kamps aufzunehmen Freunde, die sie schützen und' vertheidigen konnten, hatten sie nicht, sie schwiegen und lebten von ihren Ersparnissen, und . als diese aufgezehrt waren, verkauften sie von dem, was sie besaßen, em Stuck nach dem andern. Und wie ich Ihnen schon sagte. sie glaubten sich zu entehren, wenn sie um Unterstützung baten, trotzdem die Mutter nun schon seit Monaten bettlägerig gewesen ist." . Heinrich Schlichter war vor einem aroßen, kasernenartigen Hause, stehen geblieben, aus dessen offener Thür ihnen eine dumpse Moderlust entgegenwehte. ' Also m die em Hau e wohnt duWlttwe?" Machen Sie sich auf steile Treppen gefaßt, bis unter's Dach müssen wir hinaufsteigen." Feucht und unsauber waren die Treppen und die Wände, und die Luft, die hier wehte, beengte den Athem. , Hohläugige, in Lumpen gehüllte Gestalten huschten mit scheuem Blick an den beiden Herren vorbei. Einige grüßten mit trotziger Miene oder mit kriechender Unterwürfigkeit, und man sah es Allen an, daß der Gruß nicht von Herzen kam. Dieses Haus ist das schlimmste von allen," sagte Schlichter leise, ich habe vielen Bewohnern die Unterstützung verweigern müssen, weil sie nicht berechtigt waren, sie zu fordern. Sie werden nun diese feindseligen Gesinnungen begreisen, denen wir hier begegnen, und es sollte mich nicht wundern, wenn dieselben dadurch, daß. ich mich der Wittwe Neuber annehme, noch gesteigert werden. Man nennt Helene Neuber hier nur die hochmüthige Prinzessin, weil das Mädchen sich eben nicht dazu verstehen kann, mit diesen Wölfen zu heulen." Sie waren umer demDache angelengt. der Armenpfleger . klopfte, an eine Thür, eine silberhelle Stimme forderte ihn auf. einzutreten. Es war eine Niedrige, halk dunkle aber ziemlich geräumige Kammer, in die der Doktor seinem Freunde folgte, sie enthielt nichts als einen kleinen Tischauf dem eine kleine Stickerei Im, zwei Stuhle Mit holzernem Sitz und einen kleinem Schrank. . Ewige L'.thokiraphien . und em Handsviegel schmückten die Wände, auf einem Stuhle lag ern schneeweißes Gardmchen, das beim Oeffnen des kleine Mansardensensterö abgenommen war. . . Das Alles fah der Doktor beim ersten Blick, und was ihm sofort wohlthuend auffiel, das war die peinliche Sauberkeit, nicht nur der Kammer selbst sondern auch der schlichten Kleidung, in der das wirk lich hübsche Mädchen vor chm stand. ' Jchbrmae Ihnen da emen guten Freund, den Herrn Doktor Ladenburg,sagte der Armenpflege? mit einem sorschenden Blick aus die haZb offene Thür der Nebenkammer, er xciU den Zustand Ihrer Mutter untersuchen und sich ihrer annehmen." Der Doktor bot dem Madchen dleyand. sie legte ihre kleine schmale Hand hinein r Ql i r ? . uno em oanlvarer Btt irasiyn aus iyren dunklen Augen Gott möge es Ihnen lohnen", sagte sie mit vibrirender Stimme. Muth und Vertrauen, liebes Kind," erwiderte er, lassen Sie nur den Kopf nicht hängeir. Wollen Sie mich zu der Kranken fuhren r , Kommen Sie nur, Herr DoZtor," rief eine malte Stimme aus dem Aebenzim mer, der Himmel segne Sie und Ihren Freund, es gibt doch noch gute Menschen. aus dieser Erde !" Sie müssen viel Ungemach erlitten haben, wenn Sie daran zweifelten", antwortete der Doktor, während ,tx in den NebTnraum trat, der ebenso kahl und armlich ausgestattet, aber auch ebenso peinlich sauber war. Er nahm neben dem armseligen Lager auf einem Stuhle Platz und heftete mit einem gütigen Lächeln de Blick auf das schmale bleiche Antlitz der Leidenden, das immer noch die Spuren früherer Schönheit zeigte. . i Sie beantwortete die Fragendie er an sie richtete, und ihre schmalen Lippen um zuckte ein mattes, ungläubiges Lächeln,als er sie zu trösten versuchte. . - Ich kenne mein Leiden," flüsterte sie, während er sich zu ihr nieder neigte, um ihren Pulsschlag zu prüfen, es ist unheilbar, aber ich bitte Sie, lassen Sie meinem armen Kinde einige Hoffnung. Wenn ich nur noch vor meinem Ende das Mädchen versorgt wüßte!Das ist dereinzigcWunsch, den ich noch hege." - - - . . ;, r Na. na, machen Sie sich nur keine unnöthigen Sorgen, liebe Frau," erwiderte

der Doktor in seiner derben Weise, schlimm, wie Sie glauben, ist eS nock lange nicht. Und dann bedenken Sie auch, daß 'der Arzt erfolgreicher wirken kann, wenn das Vertrauen und die Hoffnungen des Patienten feine Bemühungen unterstützen. Ich werde Ihnen eineArznei verschreiben, die Sie regelmäß'g nehmm müssen, und was außerdem für Sie geschieht, darum kümmern Sie sich weiter nicht, verstanden? Nur keine falscheScham, ich kenne Ihre Geschichte und finde darin nichts, woraus Ihnen ein Vorwurf gemacht werden könnte. Ein - kann Unglück haben, man darf darum nicht verzagen, es müssen ja auch wieder bessere Tage kommen." . .Das wolle unser. Gott geben," seuszte die Kranke Tausend Dank sür Ihre Güte!"" ' . . ' Danken Sie mir nicht," polterte der Doktor, indem er fich erhob, 'ich liebe das nicht; sorgen Sie mit mir, daß Sie bald wieder gesund werden, dann wollen wir weiter reden." , . ' . - Er verließ das Zimmer und zog die Thür leise hinter sich zu. , Helene rückte ihm einen Stuhl an den Tisch und wollte die Stickerel fortnehmen, er legte seine Hand darauf und betrachtete mit prüfendem Blick die feine geschmack volle Arbeit. ' ' - Haben Sie das gemacht?" fragte er in gütigem!Tone. ' Sie nickte bejahend, die Nöthe der Verlegenheit überzog ihre Wangen. ' ' - Und Sie wissen nicht, wie Sie eö rerwerthen sotlen.?1 . . i Augenblicklich, nichts der Kaufmann.

der mir früher . solche Arbeiten abgekaust yni , . , .Ich weißlich weitz. liebesKind, solche:, Demüthigungen dürfen und sollen Sie fick nicht mehr j aussehen.' 1 Haben Sie noch nicht daran gedacht,' sich an reiche Damen -. . . , 9i zu loenveii , . ' .,Nein, Herr Doktor, ich habe keine Bekannte in ienen, Kreisen, ich müßte also gewissermaßen' mit meinen Sachen von Thur m Thür gehen und dam' kann ick. mich nicht entschließen." 7 . Na, ich will- sehen, was ich thun kann, um Ihnen lohnende Beschäftigung zu verschaffen." saate der Doktor nack kunem Nachdenken, während er ein Blatt aus jemem cotlzvucy nahm und das Rezept schrieb. Lassen Sie diese Annei in de? Apotheke bereiten und achten Sie'daräuf, oan aue-meine-orschriften genau befolgt werdend Vor allen Dingen thun kräftige Speisen lind ein gutes Glas Wein Notb.-. wandte er sich zu dem Armenpfleger, Sie verstehen mich,' das Weitere' können' wir draußen berathen.". '. : ; . ; Darf ich die Frage an Sie richten ob Sie glauben, daß meine gute Mutter genesen wird ?" nahm Helene, nock. einmal das Wort. Und wie sollen , wir uns verhaltenwenn Ihr' Herr College morgen früh nachsieht und Ihre Arznei entdeckt?" ' ' ' " Sagen Sie ihm nur, ich habe die BeHandlung der Kranken übernommen," erwiderte der Doktor läckelnd. ick denke, er wird dann. gern darauf verzichten, die vielen Treppen hier hinaufzusteigen. Und was die Frage der Genesung betrifft, so wollen wir oas ejte Hollen; besolgcn(-?le nur meine Vorschriften und flößen Sie der Patientin Muth ein. so scdlimm iii Ihr Zustand noch lange nicht, daß wir keine Hoffnung mebr hatten. Ick danke Ihnen von aanzemHenen " sagte sie, und Thränen schimmerten in ihren Augen, mir ist, als sei plötzlich ein Lichtstrahl in die trostlose Nacht gefallen. die vor uns lag." : Der Doktor, der sich wieder mit de? Stickerei beschäftigte, während Scklickta die Photographien an der Wand betracht tete, erhob sich hastig von semem Sitz und nahm leinen ut. Ich will Ihnen etwas saaen. liebes Kind," erwiderte er den derben Ton wie der anschlagend, aus dem zu v:el Treuberuakeit wrack, als dak erhalte verlckeo können, ich will Ihnen und Ihrer Mutter helfen, soweit ich es vermag, aber Sie dürfen mir nun auch die Besuche bier nickt verleiden, dadurck.' dem Sie mir für tlni einfache Pflichterfüllung jeden Äugenblick Danken. Ich verlange oas nicht und ich wünsche es! nicht und damit Gott befohL r.t. . ; . v :en, morgen icye icy nueoer nacy. Er reichte ihr die Hand und eilte hin aus, und er war. bereits auj der Treppe, als der Armenpskcger nun auch mit cinigen Worten. Abschied nahm. ' öelene sank aaf einen Stuhl nieder und faltete die Hände, heiße Thränen entn i , it rtf . . . ' ... "t v '1 . . luümun lyccii nagen, ivareiio ryrc lppen ein Dankgebet flüsterten. Mama liebe Mama, nun werden bessere Zeiten komuien, sagte- sie mit freudebebender Stimme, als sie bald darauf irr das Nebenzimmer trat, ad sie neigte sich über das- schmale bleiche Gesicht und küßte es auf die Stirn. ' Der Herr Dokwr will mir Arbeit verschaffen, er kennt sicherlich viele- reiche Dame, und ein Min wie er hält, was er verspricht." Ja, er scheint ein guter MensH zu sein," erwiderte die Kranke leise, ich glau be, ich wäre schon längst wieder gssund, wenn er mich von Ansang an besudelt hätte."' ; .Du wirst es nun werden." .Der Himmel gebe es." Und Herr Schlichter ist auä ein guter Mensch." sagte Helkne,"er hakunaufgefordert uns seine Hilfe angcboe.n, er hat den braven Arzt gebracht " Und das Alles ist doch cur Almosen aus öffentlichen Mitteln uuterbrach die Mutter sie in bitterem Tone. ' Helene blickte sie befremdet arL sie begriff diefe plötzliche Bitterkeit ncht. die an Undank grenzte. ' .Sabe ick Unreckt V 5ubr, die Kran?, fort. Ist Herr Schlichtcnicht' der Armenpfleaer dieses Bezirks ? War er -nickt' in dieser amtlichen tzigenschast hier, nr uns cmt Yllse anzubeten ? O Kind, Kind, es ist bitter, solches Brod effen zu müffen l Wer uns das vor einem Jahre noch vorausgesagt hätte !" ; , Fortsetzung solgt.). H an s Schl au kops. Hanö Schlaukopf. nahm ein Weib, Blos weil es ihn verdroß. So oft er einen Knopf Mußt' nah'n an Rock nnd tf . . "Wie hat er sich getauscht! . z Will er nicht gleich zum Schneide . So muß er Knopfe nöh'n Auch noch an ihrKl?'.??.

Ueber die Farben dei menschlichen Haares. Die körperliche Schönheit wird nicht unwesentlich durch daS Colorit des . Haupthaares beeinflußt. Der deutschen Jungfrau sittiger, blinder Zopf wer könnte sich ein Gretchen mit anderen als blonden Haaren denken daS weiche, kastanienbraune Haar der schönen Cir kassierin und das im tiessten Schwarzer glänzende Haargelock der heißblütigen Tochter des Süden? alle diese Haar artikel concurriren in Musen-Almana-chen auf das Lebhafteste mit dem blauen Auge", dem holden Stern", und wel cher anderer Prädilektion-Gedilde unseres Körpers sich die Herren Poeten sonst noch mit Vorliebe anzunehmen pflegen. Auch die Schönheiten mit röthlichem Haarschmuck fanden begeisterte Barden schon im grauen Alter thume, und in manchen vielgelesenen Romanen der Neuzeit treibt die Frau mit dem goldenen Roth im Haar ein dämonisches Spiel mit Männerherzen. Eine Zeit lang geschmäht, feierte das Roth von neuem Triumphesorgien in Jungbabylon an der Seine zur Zeit des zweiten Kaiserreiches. Die allgemeine Herrscherin Mode, nicht zufrieden damit, in den verschiedensten Figuren, ihrer manchmal tollen Laune die Zügel schießen lassen zu dürfen, hat auch mit Glück' versucht, die Farbe der Haare ihren Sklaven und Sklavinnen zu diktiren. Bei den Persern verlangt es die Sitte, daß vom Kindes- bis zum Greisenalter die Haare schwarz "gesärbt werden, und gi': dort das Tragen heller Haare für eine Schanden ; Wie in Frankreich die Dam:nwelt in jüngster Zeit sich die Haare roth färben ließ, um die Mode mitmachen zu können, haben wir schon oben angedeutet. Ge genwärtig,' schreibt Dr. G. Letzel in der Augsb. Äbendztg.". gilt es in manchen Gesellschaftskreisen sür fashicnable, gelbblonde Haare zu tragen eine Mode, die in dem Zeitalter der Surrogate, in dem wir doch nun einmal leben, gewiß noch nicht die unberechtigtste und gefchmack loseste ist, zumal es leicht gelingt, rothe, stark ans Unangenehme streifende Haar Nuancen mittelst eines ganz unschädlichen chemischen Präparates in ein nicht unbemerkt bleibendes angenehmes Blond zu verwandeln." . Die ersten grauen Haare, welche die zärtliche Gattin dem Hausväterchen auS Bart und Schläsen zupft, sind für beide liebende Seelen ein Object stiller Weh muth. Leise spricht's in Beider Herzen: DeS Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder." ' Frühzeitiges Ergrauen der Haare ist manchmal Familienerbtheil. So sah Dr. Russ einen völlig ergrauten, vier zehnjährigen Knaben, dessen Vater auch schon vor seiner Verheirathung grau war. Dasselbe soll bei einem Bruder und dem Vater desselben der Fall gewesen sein. Auch nach erschöpfenden Krank heilen, wie Typhus, Scharlach. Diph theritiS u. f. v. bemerkt man deS Oef teren bei jungen Leuten ein Grauwerden der Haare. So zeigte z. B. ein 21 Jahre aller Scharlachkranker, der vor der Erkrankung braune Hautfarbe und ' braune Haare hatte, nach Ablauf des Scharlachsiebers fast milchweiße Haare und ebensolche Haulfärbung. Gewöhn lich bleibt dieses frühzeitige Ergrauen für immer bestehen, doch sind auch Fälle be kannt, in denen bei völlig wiedererlang ten Kräften, nach dem Ausfallen dieser grauen Haare, wieder normal gesärbteS Haar nachwuchs. Später zeigten Groß, mama und Großpapa glänzende? Sil berweiß auf den ehrwürdigen Häuptern. Auch selbst hierbei soll das schwächereGeschlecht einen gewissen Vorzug-Haben, indem Frauen später, seltener und ge wöhnlich auch nicht so intensiv- ergrauen wie Männer. Ich beobachtete des Oef teren ältere, ja auch ganz alte Damen mit prächtig erhaltenem Haarkolorit. Die Würde dieser Damen und ihr Alter verbot mir, an eine Färbung zu denken, aber der Geist, der gern vernemt, wollte sich nicht recht . damit zufrieden geben. Auffallend ist der Einfluß, welchen sehr häufig geistige Erkrankuigen auf die Beschaffenheit der Haare äußern. Bei Tobsüchtigen sieht man das vorher wei ehe, glatte Haar starr, borstig werden ; bei Trübsinnigen bemerkt man nicht sel iten auffallend rasch ersolgendesSrgrauen m & . " l

em Beweis oafur, wie innig oas .Wachsthum der Haare mit dem Suftau de des Nervensystems zusauuuenhangt. Auch einzelne Büschel des Haupthaares werden manchmal grau, und sieht man diesen Zustand auch häufig angeboren. Bei einem bleichsüchtigen jungen Mäd chen sah marr daS Haar von der Wurzel aufwärts zwei Zoll grau, wL.hrrnd der obere Theu des Haares normal war. Bei einern blutarmen jungen Manne hatten einzelne Haare stellenweise ihre Farbe verloren, ss daß sie vie schwarz und weiß, gesprenkelt aussahen. Alle diese Zubände verdanke ihre Entste hung einer mangelhasten Ernährung deS Haarbonns, - a dieselbe durch Blutarmuth (wie sie auch u. A. erschöpfenden Krankheiten nachfolgt) oder durch tiefere Erkrankungen des Nervensystems be dingt. I der Literatur finden wir vieleBei spielt von plötzlichem Ergrauen der Haare, welches nach heftigen Nervener schutterungen (Gemüthsbewegungen :c.) aufgetreten sein soll. Gewichtige Stim men von Männern der Wiffenschast, wie die des verstorbenen Proseffors Hebra m Wien und Anderer, sprechen sich entschie den gegen die Möglichkeit eines derart! gen Vorganges aus und betonen dab besonders, daß sie in allen derartigenBe richten einen Punkt vermissen, auf den eS bei vorliegender Frage hauptsächlich an komme, nämlich die Angabe, ob dieHaare des angeblich plötzlich Ergrauten am Tage vorher von ei.em zuverlässigenUn tcrsucher genau betrachtet und dunkel ge särbt gesunden worden wären. Nach den Untersuchungen Hebra'S und deS Haarspecialisten Dr. PiniuS in Berlin ergrauen die Haare nur innerhalb des Zeitraumes.welchen ihr normalesWachs thum erfordert also ziemlich langsam und zwar werden sie von unten (vom Haarboden auS) nach oben zu grau. Allerdings stehen diesen Angaben auch Beobachtungen anderer gubwürdigcr