Indiana Tribüne, Volume 6, Number 106, Indianapolis, Marion County, 4 January 1883 — Page 2
CW?fift v &wmm GiwiuH. Fägklche- tr 5untsKSL;l v5. CffTc ttSS. Dela'tZrc ?tp. Snbianafeoliv, 'V'd, AVnuar 1 tintft ad: im Jahre iststs. Da abgelcus?ne Jahr hat o -.5 de? Kohlengruben Pennsy'.vaniens rnechi Glanz öletfcaitfohle Kch!:nb nde zu Tsge gefordert, als irgend tu :r feiner Vorgänger. 20,300,000 Tonnen betragt in runderSumme die Ges -.rami Förderung, eine Million Tonne i mehr ej im Iah-? 1881. Und hätt: nicht die außerörden:!iä?e Trockenheit i ;i Gebiete des Echuy'.ktll wiederholt di Ein stellung der Arbeiten nöthig genic g", so würde die Production die Hö e von 30.000,000 Tonnen erreicht habe: . An einen derartigen Ertrag hat noch vor zehn Jahren kein Enthusiast selbst in sei nen kühnsten Träumen gedacht. DaL günstige vJic)::lUt der Kohlenförderung hat auf alle Geschäftszweige im Lkohlengebiete seinen segensreichen Einstun geäußert L-nd gleich günstig sind die Ans--sichten Zur das begonnene Jahr. Im Lackawar.na-D istritte hat allein die De lawarc, Lackanna und Western Eisenbahn -l,60O,O'.O Tennen Hartlohle verladen, 250,000 Tonnen mehr, als im vsrigen Jahre in jenem Districte gesör dert worden sind. Die Erweiterung der genannten Bahn von Ainghamton nach Äusfalo, und die 6:sch!ics;ung neuerDis tricte im Westen für den Kohlcuconsum lassen eine wesentliche Steigerung dcZ Geschäfts in diesem Jahre erwarten. Die Delaware und Hudson Bahn, sowie die Pennsylvania iical Eo. haben ebenfalls großartige Gesckäste gemacht und gute j Auksichten für 1SS3. Die Kessil-Explo-' ston in den Werken" der letztgenannten ' Eompagni?, von welcher vor acht Tagen! der Telegraph berichtete, hat kcine so! lange Unterbrechung der Arbeiten zur. Folge g 'iöt, als man im Ansängefurchte!?. Die Aidchnur-g d:ZGcschäftL n Anthracit Ui gcrt-dczii Staunen erregend. Noch Jyre 1812 dct:ug die Aus Leute i:.: av.:zcn pennsylvanischen Koblenaebicle 1,000.000 Tonnen. Vor 10 Jahren glaubte man, da') es bei Anle-! . - iv i x ! gung (ituncrcu acaptiai-ä mogiicy lern ' werde, den jährlichen Betrag aus 20,' j 000.000 To.ir.en zu bringen. Damals -behauptete at!cWe!r,ei:!e größere Quan- j tiat von Ko'cn könne der Markt in ei- j nem Jahre r.iilji csnsuniren.. Im Jahr? 1S72 halte vzu es ans 10,00.776 ! Tonnen glbrach?. Im letzten Jahre! wurden na! ezu ..OOO.COO Tonnen gefördert, und wer Ist im lande zu veranschlagen, welchen Umfang diese Production in weiteren zehn Jahren angcnommen haben wiro Million. n an Kcrital find in den Gruben cr.aeleat, Tausend: von Arbei ! tern in denselben beschäftigt und einzelne Eisenbahnen sind hauptsächlich aus den Transport der Kohlen angewiesen, Stiidke sind in den Lkohtenregisneu entstanden und diese Industrie hat andere in'ö Leben gerufen, an die ror zwanzig Jahren noch Niemand gedacht hat. Man kann im Durchschnitt annehmen, daß sich die Förderung des Anthracit jährlich um 10 Prozent gesteigert' hat, doch war die Production deZ Jahres 1881 schon so bedeutend, daß sie von derjenigen des vorigen JahreZ nur um o Prozent übertroffen nmo. Ein Stillstand der gegenwärtigen Pcoduction ist bloß sür den Fall zu fürchten, daß wir eine für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperatur behalten. In den ersten beiden Wochen des gegenwärtigen Monats wird die Förderung in allen Minen ein gestellt, um die überall nöthigen sJitparaturen vornehmen zu können. A!ö?dcritz cdcr t:iH:5 Ein schauerliches Begräbnis fand Ende voriger Woche in Fishli, N. ZZ , statt. Man brachte den hochgeachteten Schissecapitän David W. Payi aus dem Jriedhosc zwischen FiZhlill und Mateawan zur lrt::i iKuhv. Unter dem zahlreichen Leicheugesolge befand sich die jugendliche u::d schöne Wittwe deö Acr florbencn, die mit ihren beiden alteren Schwestern in einem Wagen fuhr. Ne den diesem schritt ein Polizeibeamter, der die Wittwe nicht aus den Augen ließ. 5r folgte ihr in die Kirche und nahm, als die Leidtragenden Pl.tz genommen batten, hinter ihrem Stichle Ausstellung. Als nach beendetem Trauergottcsdlenste die Verwandten des Todten an den Sarg herantriten, um noch einen letzten Blick aus die Leiche u weisen, mußte die Wittwe Llis ihrem Stuhle sitzen bleiben, denn die Brüder ihres Gatten hatten ihr erklärt, wenn, sie'' die Frechheit so weit treibe, an den Sarg ihres satten heranzutre!en,wü:dcn sie dieselbe zurückreißen und vor einem Scandake in de? Kirche ni',t zü'.ück'chnckcn. Auch an da? Grab d tste die Wittwe nicht folgen, und cU sie sich mit ihren Schwestern au? der jiin;: nach ihuai Wagen begab. . nahm Nr Plinst mit in solchem P'aZ) und lie. j'.'. In ihm theilten Znstruclion g:;;1;, Z )ause nicht ., den Augen. Vlr.r der Wittwe ruht der Verdacht, daß sie ihren Gatten vergiftet habe. Schwer liegend in der .That sind die V::dac'z!:rü''de, die sich seither herausgestellt k'iden. Dr. Tiel von Mat teawan hei rs::.(SGpitiiii in dessen letzter Krsnlhn! l. ':fcivMt. Am lD.vor.Mo nats jchöi?l: er Veidach!, daß der Kranke Arsenik er'.a'Z'N habc; die Entzündung ker Eirgewk'de, an welcher er litt, war keine piß-, wie sie spontan einzutreten pstzgt. Am nächst: Tage brachte er den Dr. Wilsoii mit zu dem Franken; und dieser tni'.ie nach genauer Untersuchung dcS Patienten den Verdacht der Vergifkk.n.' Die Aerzte fragten den Cap'.tän, cr es s.':r möglich halte, das; er vergif'.et worden sei und derselbe ant ortete: Ich habe Niemandem mit Bissin Unrecht gethan, aber ich kebe'un-
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cl:L!i:u) mit r:c:cr ra; dc dren- j Tier js ijc...t v-i mria:u. zzuk cei;'ur;e ich zuerst; al5 ich ein Glas Wasser getrunken und vi?n einem Apfelkuchen gecessen hatte, was beide mir von meiner Fra:r verabreicht worden ist." Die Aerzte stellten nunmebr eineWär terin an ud machten dem Capitän zur Pflicht, nur aus d:n Handen derselben irgend etwa? zu g.nießen. Der ;an5 arzt gab dem Kranken, beror er sich entfernte, ein Dov-'rsches Pulver, das ihm gut ticken ; in der Nacht gab das Weid de? Kranken, das sich trotz der Anwesenheit der Wärterin nicht aus dem Zimmer entfernte, dem Eopitän ein weitere- Do ver'scheS Pulver, welches dieser im Zustände der Schwäche bereitwillig nahm; kurz daraus verschlimmerte sich der Zustand des Patienten ausfallend. Am nächsten Morgen traf ein auswärts woh nender Bruder des Capitäns aus die Knnde von der Erkrankung des letzteren bei diesem ein; ihm theilte der lkranke seinen Verdacht, daß seine Frau ihn vergistet habe, offen mit. Bei dieser Gelegenheit ließ er sich sein Taschenbuch von dem Bruder reichen, öffnete eS, fand $20 darin vor und sagte : Siehe, sie hat mich schon wieder destohlen." In dem chemisch untersuchten Magen der Leiche sind mittels des Marsh'schen Verfahrens Spuren von Arsenik entdeckt worden. Die Wittwe ist schon seit ih ren Mädchenjahren schlecht beleumundet; sie stammt ans Byrnesville,dort wohnen Verwandte des Kapitäns, und als dieser das schöne Mädchen heirathete, wurde er von seinen Verwandten, mit denkn er bis dahin in größter Freundschaft gelebt hatte, bedeutet, er möge sich niemals einfallen lassen, seine Frau in ihr Haus zu bringen. Die des furchtbaren Verbrechcns verdächtige Frau wird polizeilich überwacht. (U NLicit 2 et Taubst ttMttlttt. Unter den lausenden von Festlichkeiten, aus btv.in sich in der vergangenen Woche die Menschen ihres DoscinS gefreut tjalen, hat wohl keine auf den Beobachter iinen so gleichzeitig wehmüthigen und doch sröh!ich:n und erhebenden Eindruck gemacht, als der Ball der Taubstummen, )en die .Manhattan Literarn Association" in dcr Lyric 5)ell in New Z)or! abgehalten hat. Als Mittel der Verständigung war nicht die künstliche Lautsprache, sondern des allgemeineren und gleichmäßigeren Verständnisses halber die Zeichensprache gewählt worden. Und während in an deren Ballsälen ein Stimmengewirr den Raum anfüllt, die Lippen sich regen und die Gesichter den Wechsel der Empsin düngen widerspiegeln, so herrschte in der genannten Halle, so ost die Musik schwieg, völlige Lautlosigkeit, aber statt dcr Lippen waren die Finger thätig und geschäftig, und in den Mienen der Ball gäste wechselten Ernst, freudig erregte Stimmung und der Ausdruck herzlichen Lachens ad. Dieselben Aall.Prototypen traten dem Beschauer unter den Taub stummen gerade so gegenüber, wie unter den übrigen mit den Gaben des Gehörs und der Sprache gesegneten Menschen lindern. Da stand ein jugendlicher Tänzer seiner Dame gegenüber, lächelnd und besangen, und nur selten und mit Mühe ein paar Worte mit den Fingern zusammenstoppelnd. Da handhabte ein anderer junger Mann die Zeichensprache mit solcher Äcwandtheit,'Sicherheit und Selbstzufriedenheit, wie nur ein geist-reicher-Reise-Onkel die Volubilität seiner Zunge spielen lassen kann. Einzelne Gäste huschten durch die Reihen, Aller wel:s-Leute, Allen bekannt und nach ihrer Ansicht bei Allen beliebt, und tele graphirten Jeder und Jedem den schön ften guten Abend, oder ein verspätetes niciry clirihtmas zu. Und die Da wen i Das stereotype Ball'Lächeln war allen eigenthümlich, aber bei Jeder zuck ten die Finger in den weißen Glacees verschieden. Die alten Damen garnirten die Wän de, und ihre Finger erzählten dieselben Geschichten, welche die redegewandten Sprachwerkzeuge anderer Ballmütter auch erzählen, die alten Herren schrit ten mit Gönner-Mienen patronisirend durch die Reihen der Jüngeren, es hatte ihnen eigentlich nichts an dem Balle gelegen, aber sie mußten sich doch zeigen." (in paar alte Junggesellen und ein paar weder taube, noch stumme Reporter stan den am Schanktische, uud Stumme und Sprachbegabte bewiesen gleich energisch, daß wir den Mund nicht blos zum Sprecken haben. Die ' eingeladenen Gäste ließen in ihrem Verkehre mit den Taubstummen Notizbücher und Bleistifte cursiren, und ein angesehener Geistlicher machte die Bemerkung, es sei auffallend, um wie viel knapper, bezeichnender und schneller die Taubstummen ihre Gedan len schriftlich ausdrücken kö.rnten, als andere Leute. Getanzt wnrde nach ge öhnlichcr !)aömustk und es war inte--.-eant zu it'V, zz iei Beginn eine neuen Tanze einige der gewandtesten Paare einen einzigen Augenblick die Musiker beobachteten und dann im richtigcn Tacte dahinflogen; alle anderen Paare fanden sich dann sofort in den Rhythmus des betr. Ganzes. Selbst dem bösen" Walzer" dem Feinde der Frau Generalin Sherman, wurde mit Vorliebe gehuldigt. Während der Tänze fanden Vorträge mittels der Zeichensprache statt und da? patriotische Lied : The slar-spanglcj Uanner" sprach durch die Finger ge sprachen so laut zu den Herzen der Taub stummen, als von den Lippen des DirectorZ der Taubstummen'Anstalt Dr. Jsaac Peet, zu den Hörenden. Ein ähnliches Ballsest wurde voriger Woche auch den Taubstummen in Philadelphia veranstaltet. Gewiß war e5 ein wehmüthiger Anblick,so vieleMenschen zu sehen,denen die Welt vollkommen tonlos erscheint, welche der Welt stumm gegenüberstehen; gewiß aber erfüllt .eö auch jedes Herz mit crhebender Freude, daß Wissenschaft und Menschlichkeit das Loos aller derer besser und freundlicher gestaltet, die von der Natur piesmüttttltch behandelt würd?.
VrchNzje ZtVütins?.
Mit einem Gesühle der Erleicht:ri:ng und Befriedigung haben.in voriger Wo che Tausende in T rentot?, N. I., die Leichen dc? Zwillinge Jäco'c- nid William Nu! in in County-Motgue li:gen seh:i;. Die 26jährigen Verbrecher hatten ihre wunderbare Ähnlichkeit, die sie noch dadur?? erhLH!?n,dasz sie stets völlig gleiche Kleid?? trugen, oft dazu benutzt, in den gegen sie anhängigen Untersüchnz?r die Zeugen zu verwirren und hierdurch den Maschen des Gesetzes zu entschlüpfen. Im Tode trat diese Aehnlichkeit noch auffallender und in solchem Grade hervor, daß die eigene Mutter nicht im Stande war, di: Kerle von einander zu unterscheiden. Ueber den Lebenslauf der Zwillinge genüge es, zu sagen, daß es kaum ein Verbrechen giebt, dessen sich dieselben nicht schuldig gemacht haben. Im Jahre 1L60 organisirten sie die berüchtigte Bande der Wliile FawnV, die, nachdem sie bis aus sechs Mitglieder zusammengeschrumpft war, besser unter dem Namen der (iiily six" bekannt war. Die beiden Führer sind todt, zwei der Mitglieder sind im Gesängnisse, zwei warten noch darauf, daß ihr Schicksal sie ereilt. Ein Mord wr die Veranlassung zum Tode dcr Zwillinge. Am Weihnachtstage hatten sie in Philadelphia einen Polizisten ongegriffen und durch Stiche in den öiücken und Unterleib lebensgesührlich verwundet. Von 'Philadelphia begaben sie sich nach Trenton und fanden imHause eines Verwandten, James Mills, Ausnahme. Am . Mittwoch suchte sie .dort ihre Schwägerin Sally NnSk aus und diese theilte ihnen mit, der Polizist sei gestorden. Die Frau hatte in Philadelphia so gehört und hielt die Nachricht für wahr, während der Verwundete that sächlich noch zwischen Leben und Tod schwebt. Die Zwillinge verließen das Haus nicht, riefen in der folgendenNacht gegen 1 Uhr, während alle Hausbewoh ner schliesen, ihre Schwägerin 'in ihr Zimmer und tbcilt'en dieser mit, sie seien entschloffen, zu sterben, ihreLeichen werde man im Eanale in der N'ähe ihrer Kl dcr finden, sie möchte sür ein anständiges Begräbniß sorgen. Sally Aus! suchte den Zwillingen ihr Vorhaben auszurcden und sie zur Flucht zu bewegen ; da die Brüder bei ihrem Vorhaben verblieden, da sie aus Erfahrung wußte, daß dieselben noch nie einen Vorsatz freiwillig aufgegeben, und da sie denken mochte, daß der Tod der beiden Schwäger gerade kein Unglück sei, so nahm sie das Geld, welches ihr die letzteren gaben, in Empfang und zog sich in ihr Zimmer zurück. Am nächsten Morgen wurden die Leichen im Eanale gefunden ; sie weitn an den Füßen und Handgelenken an einander glfeszelt. Der letztere Umstand erregte zunächst die Vermuthung, daß beide bei Ausführung d?s Selbstmordes fremden Beistand gehabt habcn müßten, Sally RuSl erklärte jedoch, es sei eine der besonderen Gcschicklichkciten der Zwillinge gewesen, künstliche Zknotcn zu schlingen und solche mit den gefesselten Händen wiederum zu löfen. Znsam men geboren und zusammen gestorben, und mitten inne ein gemeinsam verlebtes verfehlte Leben ! Alte Landen. Nach der Darstellung des Finanz Ministers Tirard ist die Lage der sran zösischen Finanzen allerdings schlecht, aber keineswegs verzweifelt. Es sin hauptfächlich die Ausgaben für öffentliche Bauten und für die Organisation des Schulunterrichts, welche das Deficit vergrößern, und deshalb sind die Aus sichten für die Zukunft besser als in srü heren Jahren. Frankreich hat früher zu viel verschwendet, um zu glänzen. Es muß es sich jetzt etwas kosten lassen, um seine vernachlässigte innere Entwickelung zu beschleunigen. Darum rieth der Fi nanzminister auch nicht,- die begonnenen Arbeiten einzustellen, aber er warnte vor Ueberstürzungen und versicherte, daß mit einiger Mäßigung der Fehlbetrag leicht zu verwischen sein werde. ES unterliegt in der That keinem Zweisel, daß die Republik eigentlich sür die Sünden früherer Geschlechter büßt. Frankreich suchte bis vor Kurzem vor allen Dingen durch seinen Reichthum zu glänzen. Es erkaufte sich häusig mit schweren Opfern einen, höchst sragwür digen Ruhm und bezahlte Schriftsteller, um die etwas schattenhasten Lorbeeren in Helles Licht zu setzen. Die Beamten wurden wesentlich bester besoldet, als in den übrigen Festland-Staaten, und die Zahl der unproduktiven Prachtbauten aus öffentliche Kosten war weit größer, wie anderswo. Mit dieser Verschwen dung des Staates hielt aber der Aus wand und die Glanzsucht der Privatper fönen gleichen Schritt, und die Folge davon war, daß die Nation überhaupt, einen zu großen Theil ihres Vermögens in unfruchtbaren Werken anlegte und die produktiven vernachlässigte. Das wegen seiner Armuth verachtete Deutsch land verbesserte in erstaunlicher Weise seine natürlichen und künstlichen VerkehrSstraßen und führte den Volksunterricht auf eine verhältnißmaßig hohe Stufe, wiewohl allerdings Beides vor wiegend im Interesse des Militarismus geschah. In Frankreich entwickelten sich während desselben Zeitranmes'in den großen Städten feinere Sitten, aber 25 Procent der Mannschaften des Heeres konnten weder lesen noch schreiben, und die Verkehrsstraßen geriethen in die Hände eigensüchtiger Monopolisten. Handel und Industrie leiden unter der engherzigen Oligarchie der großen Bahngesellschasten, und selbst der Staat, wenn er eine Eisenbahn baut, wird -durch eine Art. von Verschwörung der großen Compagnien im Schach gehalten, so daß er fast immer Geld beim Betrieb zusetzt. Die Seehasen und Einäle entsprechen nicht den nwdernen Ersorderniss?n. und die franz?;isch? Kav'ffahrtei - Schiffahrt ist se b r hl ru?! lrrgl l o m m 'n. - Mit ciirnn Schlag: wollte d e Rpu blik Besserung schaffcn."'DLs Ministe rium Freycinet schlug Straßen, Bahn, Canaldzulen u. j. w. vor, deren Aus-
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kührung in y.l ' ?arn etwa y Milliar .:tn verziann nan 1 9 n v i i.wiu. vjiui: strich einige Pos'c:: ab, doch bleibt noch immer so viel rbri.?, daß mindestens 500 Millionen jährlich sür diese Zwecke .allein zu beschanen sind. Dann ging' man da'n, überall im Lande Volkespulen zn errichten und stieß schon im reichen Paris aus solche Schwierigkeiten hinsichtlich er Geld'-e'chc's'un, d-ß 'n?n auf sreien Plätzen Bretierhütten aus stellen mute, in d:nen jetz Uut.rricht er'heilt wird. Noch tühlbarer ist natür lich der Mangel in der Provinz, und es dämmert den Volksvertretern endlich ein, daß sich die Sünden ganzer Geschlechter nicht im Handumdrehen verwischen lasten. Nur der Anhang des Hrn. Gambetta ist mit der von Tirard cmpsohlenen Mäßigung nicht einverstanden. Diese Leute wollen die alte Glanzpolitik verfolgen, dem Auslande gegenüber nicht cingestehen, daß auch Frankreichs Reichthum Grenzen hat, Eroberungen machen, in Ruhm schwelgen. Sie sind gegen jed. Einschränkung deS Budgets und möchten d:n Credit dcs Staates in Anspruch nehmen, bis nur noch ein Krieg nach Außen die Unzufriedenheit im In r.ern niederhalten kann. Zum ,,Ve.iuSVnrchganz". PkLssor Asaph Hall, der Direktor oer Marine Sternvartc in Washington, der Leiter der Expedition zur Beobachtung des Venus-Durchganges in San Antonio, Texas, hat den Eintritt der VenuS in die Sonnenscheibe nicht, da gegen die weitere Entwickelung der Erscheinung ziemlich gut beobachten können. SIM pkotographijche Aufnahmen der Sonncnscheibe zur Zeit des Vorüberganges sind meist gut gelungen. Prof. Hall glaubt, die Astronomie werde in Zukunft zur Berichtigung der Entfernung der Erde von der Sonne auf die Durchgänge des Merkur wiederum grö ßere Gewicht legen müssen ; er ist der Ansicht,- daß Laplace's Annahme jener Entfernung, welche ans den Merkur basirt ist, noch heute sich mehr derWahrheit nähert, als irgend eine dcr in den letzten Jahren ausgestellten Berechnungen. Bei dem Observatorium in Washington gingen seither Berichte über dieResnltate sol g?nder Erpedilioren ein : Lieutenant Norris und Pros. Eastman hatten von Eedar Keys, Ky., aus eine günstige Be obachtung des Phänomens in seinem ganzen Verlause. Dasselbe melden Prof. Baß und die deutsche Erpedition, die in Santiago de Ehile stationirt tue ren. Lieutenant Bern in Santa Cruz in Patagonien war ebenfalls vomWetter begünstigt. .Pros. Newcomb hat vom 5kap der guten Hoffnung auö den höchst bedeutsamen Eintritt in die Sonnenscheide und den Vorübergang an einem Viertel der letzteren sehr gut beobachten können; der weitere Verlauf der Er scheinung war von dem genannten Kap aus wegen dessen geographischer Lage nicht sichtbar. Prcf. Smith konnte von Neu-Seeland aus weder den Eintritt noch den Austritt der Venus beobachten, hat aber in der Zwischenzeit werthvolle Obfervationen gemacht. Herr Davidson, von unserer KüstenvermessungsBehörde, war in Fort Salden, N. M., außerordentlich vom Wetter begünstigt. Eö wird interessant sein, die Ansichten anderer Astronomen über die größere oder geringere Wichtigkeit der MerkurDurchgänge" zu derr.ehmen. Vom Anlande. Ein zwölfjähriges M ä d chen in Houma, La., hat einen hellblon den Schnurbart von 2 Zoll Länge. Bei S n n p p in Ward ru ff Co., Ark., liefert eine stark fließende Quelle einen Säuerling, der so essigsauer ist, daß die Nachbarn ihren Salat damit anmachen. Ein vor zwanzig Jahren ausgestelltes Fahrbillet, das zur Fahrt von Hartford nach Boston berechtigt, wurde dieser Tage dem Eonducteur ab gegeben und von diesem ohne ein Wort des Widerspruchs oder auch nur der Verwunderung angenommen. A u f d e nt'ji ü ck e n e i n e s F r ä u lein Dclia Moncriess in Boston befindet sich die bis in da kleinste Detail genaue Abbildung einer breitäfligcn Ulme ; die junge Dame hatte während eines Gewitters unter diesem Baume Schutz vor dem Regen gesucht, als ein Blitz den Baum traf. Fräul, Moncricff wurde sonst durch den Blitz nicht im mindesten beschädigt. Die S a l v a t i o n Arm y" b e absichtigt, die Ver. Staaten auch inOstindien lächerlich und den dortigen Be kennern Buddha'S und Mohammed's klar zu machen, daß sie doch nicht so ver rückt sind, wie viele Leute, die sich Ehristen nennen. "Josevb Rote bewerkstel ligte - seine Flucht auS dem Zuchthause ! m Baltimore und wurde, eine Aleue von dessen schützenden Mauern entfernt, erfroren aufgesunden. HlllllllUttWI 1-. , , . h 6 ,1 c a 9 0 hat das e u e Jahr
na einet Kenn towuw angetreten ; , der Kaiser ton Rußland. .Ä anders aui) schon vorgekommen ggZZark täglich. Der Sultan er'"'i .... . . ,s . . hält 72,000 Mark laglich. Der Kaiser . a 1,, " b ' l '' m " n O sterreich 40,000 Mark taglich, d er Haupwad Menco sle.gt schnell ,m deutsche Kaiser 32.800 War, täg. Pre ,e. E.n Gebäude a, der .de. MB England 25. Mo SiroBe. b Ansangs ..g n os'0 mxf , Der Präsident der
U( eiBBioen uroe, i lel'T t.M .im a. ivni Ui(i4iaM IC rt tr i tt t jefet von einer französischen Compagnie sür.8000 angekauft worden. Dasselbe wird zu einer dauernden AuSstel lung französischer Industrie Producte verwendet werden : durste sich sür unsere Industriellen zur Nachahmung empselj kkn. .. ' -
Die Toüter eines r e i ch e n ' ttn Ver. Staaten abgeschlollen. Etwa Mannes in Bnssalo, N. verließ in von. diesen AuZwandttern verden Folge eines Zwistes mit ihren Eltern och im Monat ntmUt b SReife u6 deren 5)auö. Der Vater setzte eine hohe den Ocean antreten. Der. bnge Thl Belohnung sür Denjenigen aus, der ihn fxb von Beginn 1883 an in Bremen n von dem Ausenthalte seiner Tochter in. Zuge trchen, dre sich über den SomKenntniß setzen würde. Einem Detectiv mer verthellen. In den genannten Ge. gelang es das Mädchen in einer ange- genden gra strt gegenwartlg die AuS sehenen Famitie in Detroit als Köchin andkrungSluft so s;hr,da anzunehmen aufzufinden; dasjelle willigte einluden ist. die oben angeführte Zahl werde l:ch Elttrn zu!ückzukehren,.und dieFaniilie in eher vergrörn als vermindern.
Delroit versichert, :if) n:e ein so rn!
i . ' rt,i,,.-,ntp2 ir.n,..s(.v. ti J iiiiii.avuyiii, eine io v3-'-:ieT!ichJ ttochin gehc.bt zu haben. Dem S t a d t r a t h e in Chicg' liegt der Antrag zur Verhandlung ro. ,die städtische Licenz sür den Betrieb tl 'ner Wirthschaft aus jährlich $500 zn t: Höhen. Ein Photograph in I l i i no's versah die Bilder von Ballettän.z? -ri..nen mit den Porträt zweier dur5besondere Schönheit ausgezeichneter junger Damen, die sich bei ihm hatten pho -tographiren lassen; einer derselben wurde auf ihre Klage ein Kapital von $10,000 als Schadenersatz zugesprochen. . Dcr General Tom Thumb und seine Gemahlin sind schon längn nicht mehr die kleinsten Menschenkinder der Welt; sie haben kürzlich ein Mu seum in Chicago eröffnet und machen bekannt, daß in solchem zwei Zwerge zu sehen sind, die nur Dritte! ihrer eigenen Körper!5.n" Daß Gelehrsamkeit selbst daö Verhalten verliebter Personen reguliren sollte, lehrte am Neüjahrstage ein junger Arzt in New Bork. Er war von den Eltern seiner Braut zum Mit tagcssen eingeladen und gratnlirte der letzteren, die ihn freudestrahlend em psing, herzlich aber blos mündlich oder vielmehr sprachlich. Und keinen Kuß sür mich V fragte verwundert die Braut. Nicht jetzt", versetzte der Jünger AeScu lapö, die Lippen, kommen mit dem Speichel inBerührung und nach Papeur ist der Speichel hungriger Personen giftig, derjenige gesättigter Personen aber völlig harmlos. Ich bin furchtbar hungrig und darum wollen wir unser holdes Geschäft lieber bis nach dem Essen aufschieben, dann aber auch das Versäumte doppelt nachholen." Eine seltene Heldenthat hat dem Feuerwehrmann George Hut chinS in' Boston eine goldene Ehren Medaille eingelrngen. Ein Gewehrladen stand in Flammen, das Publi kum drängte sich um die Brandstelle und in dem an den L 'den ansto ßenden, von außen nicht zugänglichen Raume lagerte in zwei kupfernen Behältern eine große Quantität Pulver. HutchinS kletterte durch da Ladenfenster, gelangte geblende! und halberstickt in den Hintcrraum, schlug ein 'Fachwerk durch und besbrderte die beiden kupfernen Behälter in den Hof ; die letzteren waren bereit so heiß, daß sie demManne die Hände verbrannten. Im Hose schleuderten die Spritzen Wasser aus das Pulver und zahlreiche Menschen waren aus drohender Gefahr gerettet. A u ch i n N e m $ o r k war die Mäste der Geschäfte, welche die Post in den letzten J i Tagen des abgelausenen Jahres 311 bewältigen hatte, wesentli.1) geringer als im Voljahre. In Philadelphia beabsichtigen mehrere Apotheker, junge Mädchen zu Pharmaceutinnen auszubilden, da Projekt ist aber an dem Widerstande dcr Apothekerinnen gescheitert. Besondere Gründe der Boreingenommenheit gegen weibliche Gehilfen und Provisoren wer den nicht angegeben und die ärztlichen Zeitichristen empfehlen ziemlich allgemein, den Apothekerbcruf dem weibliche!: Geschlechte zu eröffnen. Der vierzehnjährige Haut; Brockman, dessen Eltern in der nnmit tclbaren Umgebung von Paterson, N. I., wohnen, war vorige Woche beim Schlittschuhlaufen auf dem Hohokus durch das Eis gebrochen und seine Leiche wurde erst nach fünfstündigem Suchen gesunden. Das Leichengesolge war am Donnerstag im Hause der Eltern versammelt; als Pastor Haß von der ref. .Kirche an den offenen Sarg trat, stutzte er, denn er sah, wie sich eine schwache Röthe über daö Gesicht des Knaben ver. breitete. Die Leiche wurde in ein Bett gebracht und, während dieß geschah glaubte die Mutter ein leichtes Zittern im Körper zu verspüren. Der Leichenwagen wurde fortgeschickt und die . Leidtragenden fuhren in ihren Kutschen heim. Der herbeigeholte Dr. Vandenbylardt untersuchte den Knaben und erklärte sofort mit Be stimmtheit, derselbe sei absolut todt ; es komme bei Ertrunkenen, namentlich jwenn solche in jugendlichem Alter stan I t r m c . r t t. oen, leyr yausig vor, oaß na) naa) eingetretenem Tode ein rother Schimmer über den Körper verbreite ; die Wahr nehmung der Mutter beruhe aus ei nem Irrthume. Diesmal hatte sich die Wissenschaft nicht getäuscht; auch die dem Laien verständlichen Zeichen des Todes traten bald ein und der Knabe wurde zwei Tage spater zur Erde bestat let. Durch gegenwärtige Mittheilung wird nichts an der Thatsache geändert, )aß Fälle von Scheintod häufiger vor kommen, als Z .-mristrn Lcule' glauben. Vom Nuslande. I n Barmen und Elber feld war neulich durch Ankleben an An schlagsäulen und Gebäuden zolgenoes 1 ' ' " ,. . -fc. Z5luablatt- verirti et : Tagelöhnk der j 'UB"?M g,.. ,?n Ufitn , ipw, Republik erhält 20.000 I W 11 r . Mark und sind noch Relsekoflen und Vif benauSgaben bei Letzterem einbegriffen Der Norddeutsche Lloyd Hai einen Contrakt wegen Besörderui'g i -ÄÄ--ks.Ä,--. v r . ä von vis Personen au? i Ungarn, Galizien und Rumänien nach
' DieZahl der Millionäre i in Preußen beträgt im Ganzen 1G2;. i Davon sind 'Thalermillionäre und ! 1411 Markmillionäre. Ven den Tha ' lermillionären wohnen 82 in Berlin, im ' ö.egierungsbezirk Wiesbaden II, imRe I g'crunasbezirk Köln 19, im NegierungS j b zirk Oppeln 11, im Regierungsbezirk Breslau ö ; Markmillionäre zählt Ber ' r a FW , . a. . - . . rX" L
u:; ökoln lüü, VreSlau i:;:','cagoe bürg Z)O, der Regierungsbezirk WieLba-d-n 89, der Regierungsbezirk DüsZel dorf 80. Der Verband deutscher Müller hat einen Preis von tausend lark ausgesetzt sür die Aulsindung eines Verfahrens, durch welches Weizen und ?.oggenmehl auf etwaige Beimischungen v.n Jedermann leicht und zuverlässig n.rtersucht werden kann. Die betreffen dn Arbeiten sind versiegelt und mit Motto versehen bis zum 15. Mai 1885 an den Vorsitzenden Herrn Jos. I. van den Wyngaert in Berlin Xi., Bülow strahe 151, zu senden. Die Vewerbung ist international. Die K u r i o s i t ä t e n s a m m ler finden im lieben deutschen Vaterland überall viel Stoss zum Einverleiben in ihre Mappen verhältnismäßig am mei sten rjbtt in Mecklenburg. Bei de? Er Öffnung des Landtags in Malchin wurde Z. B., wie in früheren Jahren so auch diesesmal, jedem Schüler der drei oberen Klassen der Stadtschule ein Schilling eingehändigt, idamit dieselben sich während des Landtages der möglichsten Ruhe besonders in den Morgenstunden beflei ßigten. Jeder Lehrer erhielt 2 Mark, um nach dieser Richtung hin seinen Einstuß auf die Jugend geltend zu machen. In Mailand ist gegen wartig eine interessante Frage an der Tagesordnung. Ein Theil der Arkaden des Domplatz'es ist mit elektrischem Lichte beleuchtet, und die Gesellschaft hat ihre Werkstätten an der Stelle errichtet, wo früher das Theater Santa Radegonda gestanden. Run erhebt sich aber über diesen. ein hoher Kamin, um den Rauch abzuführen, der, vom Winde getrieben, die Spitzsäulen deö Domes schwärzen und dieses großartige Monument ent stellen würde. Es ist deshalb eine Cnquete - Commission aufgestellt worden, und man steht vor der Alternative, ent weder den Dom schwarz werden zu las. sen wie eine alZe Pseise, oder auf daö elektrische Licht zu verzichten. Der .Manufakturer und Builder" beschreibt eine sonderbare Krankheit, welche in den Chromsabriken, insbesondere bei Erzeugung des Bichro mates von Potasche, nicht selten ist. Das Uebel hat ein: eigenthümliche Wirkung auf die Rase und manisestirt sich auch ausschließlich auf der Nafenscheidewand. Dort bildet sich ein kleines Loch, welches sich so lange vergrößert, bis dieser Theil, mit Ausnahme der untersten Partie, gänzlich verschwunden ist, so daß der oberflächliche Beobachter nichts Auffälltges bemerkt, als etwa eine kleine Ein stülpung an der Rase. Sobald die Rasenscheidewand zerstört ist, scheint der KrankbeitSprozeß beendet, und weder Lungen noch AthmungSwerkzeuge oder Kehle werden auch nur im Mindesten an gegriffen. Einige Arbeiter in den Chromfabriken von Rußland sind jedoch schon seit mehr als zehn Jahren in Ver Wendung, ohne von dieser Krankheit behelligt zu werden, während sich bei anderen daS Loch in der Rase schon nach einem Monat einstellt. Die ersten Symptome bestehen in einem leichten Jucken, worauf eine schmerzlose Blutung folgt, wie überhaupt der ganze Zerstö rungsprozeß ein vollständig schmerzloser, ist. Daß dem Uebel mehr als indivi duelle Disposition zu Grunde liegt, ist dadurch erwiesen, daß mehr als 50 pLt. Ur Arbeiter zerstörte asensch?idewä:,de huben. Ueber die neueste Wiener Revolre wird gemeldet : Im alten Poli zeigcsaugenhause, welches als Asyl sür Obdachlose dient, batten sich am 1. Dec. ungefähr "(X) Personen unter standsloS gemeldet. Jede derselben er hielt ein Laib Brod und in einem Blech gcsärirre ein? Einbrcnnsuppe". Währen des Abspeisn? meldete sich der Tagelöhner Ostler unterstandsloS, und dieser ging, ohne sich ärztlich visitiren zu lassen, wie vorgcschriebcn, in das ehe mslige Slokhau5zimmer und begann mit einiaen oer dort befindlichen Ob dachlosen zu raufen. Der Amtrdiencr Dreßler forderte Ostler auf, sich in die Kanzlei zu begeben und dort die zweite ärztliche Vite abzuwarten. Ostler widersetzte sich jedoch und vergriff sich , thätlich an dm Amtsdiencr. Dreßler rief die Wachleute herbei. Die Unterflandslosen nahmen jedoch Partei für Ostler, welcher den Leuten znricf: Wca ner, verlaßt ini nit, nieder mit der. Wache!" Diese Aufforderung war das Signal zu dcr Revolte, welche, wie eruirt, verabredet und vorbereitet war. Das Gesindel bombardirte die Wachorgane zuerst mit den Blechgeschirren, dann mit Steinen und Kolh. Dreßler wollte sich Ostler's bemächtigen, doch in demselben Augenblicke versetzte ihm dieser mit einem gro sten Messer einen Stich in das Gesicht. Die Wache,' in die Enge getrieben, sah sich nun genöthigt, vom Leder zu ziehen und schlug mit der flachen Klinge auf die Excedenten ein. Unterdeß war der echtzehnjährige Bäckergehülfe Sigmund mit einer Anzahl gleichgesinnt Leute in die Frauenabtheilung im zweiten Stock hinausgeeilt und rief : Weiber aussi,wir zünden Alles an !" Gleich nachher dran gen Rauchwolken und Flammen aus den Fenstern in den Hojraum. Unter fürchterlichem Geschrei eilten die Frauen, abgehärmte, in Lumpen gehüllte Gestal ten, aus den Zimmern in den Hosraum, in welchen unterdessen sich auch an hun dert Männer geflüchtet hatten. Die Revoltirenden zertrümmerten sämmtliche Mobilien, die Oesen, Fenster und Lam pen, und warfen brennende Strohsäcke aus die Gänge. Im kritischsten Momente erschienen indeß 50 Sicherheit? Wachleute, und nach Lerlanf einer hal bcn Stunde war die Ordnung hergestellt und das Feuer unterdrückt.
