Indiana Tribüne, Volume 6, Number 103, Indianapolis, Marion County, 31 December 1882 — Page 6
Der' Zauberer von ßairo.
Vsn ZAUt. 'Meint Uhr ist fort!' Die Ccschei. ung-H'z. meines Cairiner Hauszenos sen, der mit den obigen Worten mein Schlafzimmer betrat, fügte sich so gut -in den Rahmen des MargentraumeZ, daß ich nach einigem Zwinkern wieder die Augen schloß; dieselben Worte ein dringliche? wiederholt, machten mich indessen bald vollend wach, auch der Sinn derselben wurde mir gar schleunig klar, denn H. stand vor meinem Bette, in sei nem gewöhnlichen Mangel an Morgen Costüme, in dem er nach dem allmor gentlichen Bade hinter den, Vorhängen unseres BalcönZ. seine Schaukelübungen vornahm in der Schwimmhose, die krausen Haare vom Kopfe abstarrend, den Kneifer aus der. Nase und blickte sinster im Zimmer umher. . t .Wissen Sie nicht, wo meine Uhr ist ?f ragte er, 'als ich das Mo-quitoneZ aus hob, ich habe sie gestern Abend wie ge wöhnlich auf. den Sessel' vor mein Bett gelegt, und eben 'jeZt, wo. ich nach der Stunde sehen wollte, finde ich sie nicht, sie. ist fort! hab' sie noch gestern Nachts, als die Salan-Uhr Zwölf schlug, ge richte; ; jetzt ist sie gestohlen !" So schien es 'allerdings ! Aber wer war der Dieb ? Sicherlich Jemand, der mit der Oertlichkeit unserer Wohnung und mit den Gewohnheiten. Hs ver traut war, sonst hätte er versucht, statt auf Umwegen durch die Salonthür, direkt durch die Gangthür in Hs Zim vjtz zu treten, an die stets ein Stuhl so gelehnt war, daß. er bei der geringsten Bewegung des Thürflügels polternd zur Erde fallen mußte, den Eindringling verrathend. Also ein HauZdieb ! Sollte vielleicht unser berberinischer. Diener Selim ? Wir begaben uns. laut lo's in die Küche, wo der Diener schlief; ruhig schnarchend lag er auf dem Bett gestelle von Palmcnrippen die weiße Fatieh aus dem kahlrasirten Schädel und, wie alle Eingeborenen, die Kleider, die er bei Tage getragen, noch am Leibe. .Verstellte er sich oder ließ ihn sein weißes Gewissen den Schlummer so un gestört genießen ? Er war allerdings ein Jahr erst in unseren Diensten, aber wir hatten ihn schon häusig auf verschie dene Art erprobt und seine Ehrlichkeit eine bei den Berberinern sehr sparsam gesäete Tugend bestätigt g. funden. Wir zogen uns zurück und beobachteten ihn heimlich durch die Thürspalte eine geraume Zeit nein, der schlief unbe kümmert sort. Selim, steh' auf!" Selim sprang -wie alle Diener, wenn sie ihren Herrn vor sich sehen, rasch aus seine Beine, den Schlaf noch, in den Augen. Herrn H.'s Uhr ist verschwunden I" Selim blickte mit einem vagen Blick von Einem zum Andern. Wie ist das möglich, fyztC Das komme ich eben, dich zu fragen. Hast du vielleicht heute Nacht irgend einen deiner Landsleute bei dir beher bergt?" Nein, Herr, schon viele Wochen nicht. Aber sie kann nicht fort fein, wer sollte sie genommen haben? Laß mich suchen!" Selim durchforschte mit dem gleichen negativen Resultat alle Winkel der Wohnung, dann setzte cr sich auf sein Bett, naym den Kops zwischen beide iSfinh itnX in firtr ttrtfM f f ttt tst V W MIIV; VIIV ItM j Ul lktlViiVWii Sprache etwas murmelnd, blickte er aus die Skeinstiesen der Küche. Der Aoad (Hausmeister), ebenfalls ein Bcrberiner, ein ältlicher Mann, des sen dunkles Gesicht ein grauer Bart umsäumte, schaute uns erschreckt an, als wir ihm alles mittheilten, er hatte niemand Unbekannten kommen oder gehen ge ehen, und Niemand hatte sich, so lange er die Thür bewachte, über einen Dieb stahl zn beklagen gehabt. Das ist Alles recht schön und gut, .aber da die Uhr nicht von selbst wegge flogen ist, so hat sie Jemand gestohlen, gehe zu? Zabtieh (Polizeigesängniß) und hole einen Schanisch (Polizeisoldaten) !" Der Boab war sichtlich alarmirt, als - er von 'Zäbtieh und Schanisch hörte. Herr, thu' uns das nicht an, lasse die 5lcbtie& in Frieden, sie wird dir nicbls delsen, dich nur Geld kosten, mir und Selim Schlage eintragen, und die Uhr bleibt doch gestohlen. Schicke doch lieber -um den Schech Assuri, der ist ein Rau dani (Magie:) und wirb Dir genau sagen, wo das gestohlene Gut sich desin .dct. Bei deinen Augen, Herr, laß ihn kommen, ,nd nicht den Schanisch." Der Schech , soll Anderen seinen Hokus'Pokus vormachen; jallali, spute dich zur Zabtieh !" Eingeschüchtert zog sich der, Boab zu rück. Seiim's. Hadseligkeiten wurden inzwischen einer genauen Prüfung unterzogen,' die ebenso wenig ergab als ; die Leibesvisitation deS armen KerlS, - der Alles geduldig über sich ergehen ließ. ES klopste.. Statt des erwarteten Poli zeibeamlen trat unser Hausherr, von dem Boab aefolatbei uns ein. 'Er war in syrischer Christ, ehemaliger Kauf mann der sich aber vom Geschäft zurückaezoa'en und im Stockwerk über unö ein besSaulickes Leben führte. Auch er rieth, durch einen Nauhani dem Tbäter auf die Spur zu kommen. Nauhani? Sie glauben doch nicht, . . . r . : r? i bau 1012) ein umvugcr iaaue ist Fragen Sie nur herum in der Stadt und Man wird Ihnen sagen, was der Schech Abu Laban vermag. Jedensall mehr als alle Polizei." Die traurige Aelfzssung des ägypti schen Polizciversahrcns war uns nur zu gut bekannt; wir beschlossen daher, einen Rauhani zu consultiren; sollte das sei nen Elfolg haben, so blieb uns ja noch immer der Weg zur Zabtieh offen. Es war inzwischen 8 Uhr geworden, und da Schech AbuÄaban, der in unserer Näöe. nicht weit vsn der Gama el Abar (der moslimifchen Universität), nchnte, in der er, wie man uns sagte, Vorlesungen hielt, um diese Stunde schon Besuch empsing, wurde der Boad entsendet, um ihn zur Stelle zu bringen. Nach einer halben Stunde erschien er. Der hagere Magie? mit der Gesichts färbe eines AbeNnniers trat 'stummem und bearüöte umit der Taimineh, d. i. dem Berühren der Lippen und der Stirne mit semer Rechten. Sem aus - ä '. t . - . - ?
oruasvouer ops war mir oer von mi
ßem Turbantuche umwundenen Stroh kappe, wie sie die Araber des rothen Meeres , tragen, bedeckt, ebenso war die übrigr Kleidung der Tracht jene? Stäm me entsprechend, die nackten Füße trugen mit Perlmutter und Elfenbein eingelegte Sandalen, mit geflochtenen Riemchen am Fuße 'befestigt, und unter der leuch tend rothen Gibdeh glänzte der gelbsei dene gestreifte Kastan mit den weit über die - Finger ' fallenden .offenen Aermeln. Im Gürtel, in einem um den Leib ge wundenen indischen Shawl, .stak sein Abzeichen, die Eawajeh, das gelbe Mes singtintenfaß, in deffen langem Behälter die Rohrfedern aufbewahrt sind. Auf meine Einladung setzte er sich auf einen Stuhl, und einen prüfenden Blick um sich werfend, fragte er : "Na'arn", was ungefähr bedeutet : Womit kann ich dienen?" ' i Einer kurzen Darleauna des Vorfal
Ilts lauschte er unbeweglich, seine Augen Vk . C . ! . - i n r imvicii u.uun nur von c zu Jeil nao ! i . r : V . L w - .. r r ciim, ver nie oie Anoern mix icyeuer Miene den geheimnißvollen Schech be trachtete. Ohne ein Wort zu verlieren, zog er dann sein Tintenfaß aus dem Gürtel, holte eine Feder aus dem Be HZlter und verlangte ein Stück Papier, das er in einen langen Streifen faltete. Der wievielte ist heute im Monat?" fragte er. - Der achte Fahi acher", beeilte sich der Hausherr zu antworten. Aber Laban murmelte etwas, aus dem ich nur das Wort Ilatur entnehmen konnte, der coptische Name eines Monats, nach wel chem die arabischen Astrologen ihre Be rechnungen anstellen; auch auf seine Uhr blickte er und schien Alles, Datum und Stunde, zu notiren. Hierauf machte er neun Punkte in wagrechter Richtung, was er, eine Reihe unter die andere fetzend, neunmal wiederholte, fo daß ein Quadrat von 81 Punkten sich ergab. Wieder murmelte er unverständliche Worte, dabei die Punkte einer Reihe miteinander verbindend, jedoch nicht alle, in mancher Reihe ließ er einige unver bunden, worauf er an der Seite dersel den arabische Buchstaben schrieb; drei solcher Punkt-Quadrate setzte er auf dem Papierstreifen untereinander, dann er griff er ein frisches Blatt und Quadrat ziehend,- theilte er es durch je zwei Quer striche in neun kleine Quadrate, in die er Ziffern schrieb. In das mittlere Viereck ließ er jedoch, nachdem er die Fedcr tief in's Tintenfaß getaucht, so viel Tinte ausfließen, daß ein starker hoher Klecks entstand, in den er zu starren begann, dabei murmelnd : O, du Oeff ner o, du Wnjer öffne meine Au gen, daß sie sehe,' waS fern' ist und nah' was geschieht, geschehen wird und geschah. O, du Oesfner, o, du Weiser Seine Stimme verlor sich in ein leises Flüstern, das er schließ lich unterbrach, um auszublicken, wobei er sagte : Ich habe die Uhr gesehen, sie ist weit von hier, ein Berberi trägt sie in seiner Brusttasche. ' Wer ist der Berberiner ?" Abu Laban blick. e in seinen Tinten klecks. Ein junger Bursche, ein Die ner." Wo befindet er sich?" Abu Laban befragte seinen Zauber P . v i r vyi M ipiegei: oeim xaaner, oelm Azajler; am Nil, in Bulak" (Nil-Hafen Eairos) - Villa!) !" Welches Wunder !" Gott sei Dank !" diese Ausrufungen entflohen den Lippen der gläubigen Zu Hörer. Ich muß sagen, daß die mit einer solchen Sicherh'it gegebenen Aus uziste mich einigermaßen stutzig mach en; sollte der Mann wirklich über eine geheime Kunst verfügen ? Oder war er m m er em einsamer Bttruger, oer du Dummheit und den Aberglauben der MosltmZ dazu benutzte, um die Gloriole übernatürlicher Verbindungen um seine Person zu weben ? Ich wollte mir Ge wlßheit verschazsen. Kannst du uns wieder zur Uhr ve? helfen.' Schech ?" Allah ist allwissend, ich aber bm nur ein blinder Knecht." Wenn du sie zu Stande bringst, soll eS dein Schade nicht fem." " Ich diene Gott, mem Wissen kommt von ihm und was er thut, ist gut. Sld Schech,' nimm' cte chande von uns," bat der Boab, als Diebe zu gel en, beim Grabe deines Vaters !" ' Der Schech erhob sich. Ich werde die Sterne fragen und wenn sie günstig stehen, so komme lch zum Maghreb Sonnenuntergang) wieder; seid be reit !" Und mit dem gleichen stummen Gruße, mit dem er eingetreten, verließ er das Zimmer. Es war gegen 7 Uhr Abends, kurz vor Sonnenuntergang, als der - Magier Schech Abu Laban wieder bei uns er schien und, nachdem er Platz genommen, nach dem Diener verlangte. . Segne den Propheten !" nes er ihn an. als jener vor ihm stand, eine Jnvo cation, die bezwecken soll, den Geist des Angeredeten auf Gott zu lenken. ;j ;o Gott, segne ihn lm war Seltm'S Antwort.' , r '. .Ji! dein freund Surur. der Don golaui, jetzt draußen in der Berberei Herberge rn Bulak ?", Ja, .Schech, um diese Zelt ist er immer dort, wenn er keinen Dienst hat." ' ! Gut. Nimm einen Esel und begib dich hinaus in jene Herberge und erzähle Denen, die sich dort besinden, von dem Diebstahk, und daß der Schech Abu Laban weiß, wo die Uhr ist. Lasse aber Keinen fort von Denen, die draußen sind ! Nun geh' !" Selim eilte fort. Nach einer halben Stunde, während welcher wir mit. dem Schech über mdifferente Dinge gespro chen, erhob ' er sick und sagte, daß auch wir nun hinaus nach Bulak retten muß ten. Äor dem Thor wartete sein gro ßer weißer Esel, auf welchem der Ma gier sich äußerst stattlich und für Mos lims edrfurchtaeöietend ausnahm. Die Sonne war untergegangen, die Nackt sank rasch über die Khalifenstadt, knarrend kamen, die niederen kleinen 9astwaaen uns entgegengefahren, die letzte Bürde dieses Tages vom Hafen bringend; laut schwatzend zogen du Arbeiter aus der Stadt hinaus, zum Hasenviertel mit seinen billigen 'Woh nungen, und der nubische Gaslampen änmnder eilte gespenstig mit seiner spieß artigen Zündvorrichtung in schnellem ickiack vor unk her.' ' ' Durch enge, winkelige Gäßchen zog sich
unser Weg, in denen das Gewirre zu dieser, Zeit ost unauflösbar zu werden schien ; vor dem weißen Esel deS Schech aber schoben sich die Gestalten in den blauen Hemden zur Seite, und cs hätte gar nicht der unaushörlichenO'a'Ruse unserer Eselbuben bedurft, um uns rasch Paffage zu verschaffen. , Endlich hielten wir vor der Wukalet el Barabra", der Herberge der berberi nischen Diener, stiegen dort von den Reitthieren und betraten, aus dem Gange rechts abbiegend, einen Raum, , in wel chem sechs bis sieben Berberiner auf den Strohmatten saßen, hingegeben- dem Vergnügen oes Maukalah. Spieles und die Kauri'Muscheln auö , einer Höhlung des Brettes in die andere werfend. ..Bei unserem Erscheinen horten wir sagen : Das ist Abu Laban." worauf Alle sich ehrerbietig erhoben. Die offene Fsamme des kleinen Petroleumlämpchens beleuch tete mit rothen flackernden Streiflichtern die dunkeln Gesichter, die erwartungs voll nach dem Schech . gerichtet waren. Der Schech musterte die stumm Da stehenden, und als sein Blick aus den Nebenmann von Selim siel, in dem ich sofort den früheren, wegen Unehrlichkeit entlaffenen Diener Surur erkannte, der scheu blinzelnd zu Boden sah, belebte sich für einen Moment sein dunkles Auge. Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Huldreichen" sprach da mit tiefer Stimme der Schech Allah hat meinen Augen Licht verliehen und den unsichtbaren Geist des Said el Ha labi, der Alles sieht und dem Nichts ver borgen bleibt, an meine Rechte gestellt; hier in diesem Raume befindet sich die goldene Uhr, welche heute Nacht die bösen Geister aus der Tasche dieses Franken entwendet haben, und ich werde nun den H6gal" (Zauber) vollbringen. Boad" wandte er sich an den in der Thür stehenden Thürhüter bringe eine noch ungebrauchte Gulleh und einen Tar vom Kaffeehause drü ben !" ., j Ich war sehr begierig, waS er mit den beiden Objekten beginnen würde. Die Gulleh ist ein aus porösem Nilthon ge fertigteS Waffergefaß mit breitem Halse, in welchem daS Trinkwaffer durch Ver dunsten eine angenehme Kühle erhält; und der Tar ist eine Art großen Tamburins, in dessen Holzreifen leichtbeweg liche Metallplättchen angebracht sind, die bei der geringsten Bewegung aneinan derklirren. ' , - -- ' Der Schech hatte sich inzwischen in der Nähe der Lampe. niedergclaffen, holte die Dawajeh aus s:inem Gürtel, die auch eine Scheere enthielt, und schnitt einen schmalen Streisen Papier in acht gleiche Theilchen, acht Berberiner waren an wesend die er dann mit einem arabi schen Worte beschrieb. Der nun erschei nende Boab brachte- die gewünschten Gegenstände, worauf ihm der Schech ge bot, mit einer Matte den gegen Osten gerichteten Winkel deö Raumes zu ver hüllen. - Nachdem dies geschehen war, brach der Magier die in dem Halse der Gulleh befindliche siebartige Thonab theilung, die das Hineinkriechen von Insekten verhindert, nnd begab sich mit derselben hinter die Matte, wo er sie
aufstellte, dabei irgend eine Beschmö rungsformel' murmelnd. Hervorkom mend, vertheilte er die beschriebenen Papierschnitzel unter die Berberiner mit dem Bedeuten, daß auf seine Aufforde rung einer nachdem andern hinter die Matte zu treten und den Zettel m die Gulleh zu werfen habe. Wieder setzte er sich mit unterschlage nen Beinen auf den Boden, jedoch diesmal im Winkel, der gegenüber der ge heimnißvollen Gulleh lag, recitirte dort mtt lauter Stimme die Fathha, d. l. das erste Capitel des KoranS, und den har renden B:rberinern winkend, zu beginnen, ergriff er den Tar und rief mit lau er Stimme und unter dem, raffelnden Geräusch des Tamburins die neunund W V? ... m . neunzig tzpttkzeta Gottes, oazwijchen häufig das Wort "iVIeded"; aussto ßend. Einer nach dem Andern traten die Berberiner hinter' die Matte, und Sngst schon hatten Alle lhre Zettel in daS orakelhaste . Thongefäß - geworfen. ehe Schech Abu Laban ' mit den neun undneunzlg Benennungen fertig wurde. Bedächtige erhob, er sich' hierauf und ieierlichen Schrittes die Gulleh hervor holend, schüttete er deren Inhalt in seine Linke; raffelnd kam etwas Schweres herausgerutscht,' unsern . erstaunten Bli cken bot sich die unversehrte Uhr. Kette und Verlognes meines Freundes H. dar. Ruhigen Gesichtes, und' als ob er es nicht anders erwartet hätte, übergab der Magier das. Kleinod dem Besitzer, barg die' Zettel, welche die Gulleh enthalten. n semer Brüstend schritt ?u? Thür hinaus. ' Wir folgten ihm,! H. erging sich in DankcSworten, die der Schech mit demselben Gleichmuth hinnahm wie das Goldstück, daS'H. ihm reichte. ' Wir konnten' 'uns lange nicht von der verblüffenden 'Thatsache, -vordie unS Schech Abu adan 'aeficllt, erholen. .V. Dennoch "war ' Alles auf" erklärlichem Wege- zugegangen. Der Rauhanl Abu Laban war ein Mann, dessen Geist leicht und sicher combimrte." In den Tausen den von Fällen in denen et . um Rath angegangen worden, hatte er eme ge naue Kenntnis des BolkScharakterS sich angeeignet, au' die Schliche und Selten spränge kennen gelernt, 4 auf denen sich das im Diebstahl noch wenig rafsinirte Gehirn des dortige Landbewohners ergeht für alles Uebrige sorgte der Aberglaube. - 'Die Gilde der Masier genießt im ägyptischen' Volke große Verehrung, die mit banger Scheu gepaart ist, denn sie sind im Bunde mtt den guten und bölen Gurrn" (Gelstern). Der allgemeine Zug des Aegypters zum Mysticismus, sowie der durch den Koran gebotene Glaube an gute und böse Geister, lassen eme ge glückte Intervention eines solchen Man neS zu einem Mythus von seiner Be gabuna mit allen übernatürlichen Eigen schasten anwachsen, und der Aberglaube macht seine Person zum Schrecken aller gläubigen Uebelthäter. Bon den tau send Fällen, in denen man vergeblich Zuflucht zu seiner dunklen Kunst nimmt. schweigt der Volkömund, weiß doch der schlaue und biegsame Kenner seiner Landöleute so einzurichten, daß selbst beim Mißlingen kein Zweifel an seiner Berufung als Ilwi (Hoher) auf
kommt; er zieht sich stets mit Anstand aus der Affaire. , Was mir' bei reiflicher. Ueberlegung aussiel, war Abu Laban's Kenntniß von dem Namen unseres früheren Dieners Surur. den wir wegen Mausere: ent lassen hatten.'. Von wem konnte :r ihn erfahren haben?. Nur von dem Boab, der ihn geholt und mit dem er eine halbe Stunde allein geblieben war. Auf die Frage, was sie miteinander gesprochen, meinte Boab! Nichts"; erst als ein Silberstück vor seinen Augen glänzte, belebte sich seine Erinnerung und er er zählte, daß der Schech ihn um Manches gefragt, wer wir seien, wie unser Diener hieß, wie lange er bei uns, ob häusig Freunde zu uns und zum Diener in's HauS kamen, ob nicht manchmal ein Bekannter beim Diener die Rächt zu bringe, wie der frühere Diener geheißen, warum er entlasten worden u. f. w. Aus diesen Fragen erfuhr er, daß unser frühe' rer Diener Surer, seit einiger Zeit ohne
Dienst, manchmal die Nachte der Selim verbracht hatte; ferner, daß man aus unserer Küche durch eme Fallthur m elnen Äorratysraum gelangen lonnie, der durch eine Thür mit dem untern Flur communicirte. Abu Laban's Geist schweifte unver züglich dorthin, wo er den arbeitslosen Diener sicher wußte in die Herberge nach Bulak. Was er uns vormachte mit semen astronomischen Berechnungen und dem algebraischen Tintenklecks war eitel Schauspielkunst und Handwerksdunst, das hielt ihm die Neugierigen recht vom Leibe, weckte die nöthige Scheu vor sei nem Thun. Sem Gebahren m Bulak jedoch war schlaue Berechnung und Aus nützung des Aberglaubens und der Furcht. Es bot. dem Thäter die Mög llchkett, sich deö gestohlenen Objektes bei Gelegenheit des Gottesgerichtes mit den beschriebenen Zetteln ungesehen zu ent ledigen, daher die Gulleh hinter' der Matte. DaS Bearbeiten des Tambou rins und daS laute Rufen sollte das Geräusch übertönen, welches die in den Krug gleitende Uhr und Kette machen mußten. Und hätte der Thäter die Uhr schon beseitigt gehabt, er würde nicht gewagt haben, den ihm eingehändigten Zettel in die Gulleh fallen zu lassen, der Aber glaube und die-Furcht vor den Ginn, (Geistern) xt unter dem Volke zu groß auch dann wäre es dem Sckech ge hingen, den Dieb sicher zu bezeichnen. weil er wahrscheinlich seine. eigenen Er kennungszeichen aus den Zetteln vorge merkt und die Reihenfolge behalten hatte, wie er sie vertheilt hatte; dieser hat das Papier nicht hineingeworfen: aus die Zabtieh mit ihm. Sollte schließlich das Gottesgericht ganz mißlingen, nun dann waren unbezwingbare friclf (Teufel) mit im Spiele oder - die Constellatlon der Sterne hatte sich plötzlich ungünstig ver ändert, oder die Geschworenen versagten den Dienst, weil Ungläubige anwesend waren kurz irgend eme billige Aus flucht war bald gesunden, mit der sich der' Magier unsichtbar macht.... In unserem Falle hatte der Schech richtig gerathen und klug berechnet, und der Aberglaube verhalf Freund H. wie der zu feiner werthvollen Uhr. Es stellte sich später heraus, daß Surur mit einem Selim entwendeten Schlüsiel die Thür der Vorrathskammer geöffnet und auf jenem Wege die diebische That voll bracht hatte. Deutsche WeiSnachtssxieke' aus alten Tagen. Bester als alle allgemeineren Betrachtungen es zu thun vermöchten, wird der Charakter der Weihnachtsspiele sich uns enthüllen, wenn wir uns dieselben näher betrachten. Wi? wählen dazu eine Ausführung 'der Weihnachtsgeschichte von Seiten deutscher Bauern, welche noch heut in dem Dorfe Oberufer bei Preß bürg gebräuchlich ist. In dem erblichen Besitze des' Bauers Malatitsch, dessen Vater bereits einer der .Lehrmeister" des Spieles war, benndet sich Kostüm und Apparat dieser . WeihnachtSaufsührung. - Z?rüdtettla, zu Ende des Herbstes, be ginnen bereits die Vorübungen und das Emstudnen. Em merkwürdiger Nefl deS Alterthums ist es, daß die Mitspie linden sich wahrend dieser Zeit zu einem höchst ehrbaren Leben verpflichten müssen; Niemand von ihnen darf weltliche Lieder singen ; im ganzen Dorfe hört man zu. dieser Zett weder eme Drehorgel, noch eine P seife. Mit höchstem Ernste geben die Mitspieler sich ihrem Studium hin. So geht es fort bis zur Adventszett. Jetzt ist die .Kumpanei-. bereit ; alle Zuruflungen stnd im besten Stande. Vom Hause des Lehrmeisters aus halten die. Theilnehmer am 1.-Advent einen feierliche,! Umzug durch daS 'Dorf. Ihnen voran wird der 'Baum des Mrtv.ih?,?, nrnnn: 1 in -Wdhl I J 0 . u wm ß Hoher Nranevittstrauch) mit flatternden ,. h. Wchhslder. r ' . . 3 Bändern und Aepfeln behängen. Hin terher folgt der reichvergoldete 'Stern, welcher wohl zwei Fuß Durchmester be sitzt.-. Er wird auf emer hölzernen Scheere getragen, welche beliebig bis zur Länge einer Klafter ausgedehnt werden kann. Diesem Stern und semem Tra ger schließt sich ein Gesolge an, in wel chem in bunter Reihe der löngel Gabriel, Josef und .Maria, der Hohepriester und die Schristgelehrten, Wirten, Haupt leute, Soldaten und Juden erscheinen. Auch die weiblichen Rollen werden von jungen Burfchen gespielt.. Im Wirths haus befindet sich der Spielsaal der Numpanel. Em Vorhang verhüllt den Raum, in welchem sich die Darsteller an kleiden ; die Scene selbst befindet sich innerhalb der Bänke, welche m Hufeisen form an die drei übrig bleibenden Sei ten des Wirthshaussaalcs vertheilt sind. Höchst primitiv und altcrthümlich ist die Ausstattung der Scene. Steht ein Stroh fiel in der Mitte, o ist Jerusa lem als Schauplatz gedacht ; setzen sich die Spieler aber aus den Schemel, so ist Bethlehem der Ort der Handlung. und Joseph trägt, um dies anzudeuten. ein Häuschen von Stroh m seiner Hand. Jedwedes Menschenkind im, Dorfe sieht der Eröffnung der .Kumpanei- mit größter Spannung entgegen. Endlich
ist der festgesetzte Tag, der erste Advent, gekommen; auf der Straße vor dem Spielhause haben sich die Zuschauer ver sammelt; da tritt die Gesellschaft der Spieler auf, sie grüßen" nach alter, ! frommer Weise zuerst die Heiligen, dann den Grundberren und die Richter, sowie die ganze ehrsame Gemeinde. Durch die Verse klingen hochalterthümliche Re miniscenzen hindurch. So z. B. durch die Anrede: . . Wir grüßen euch durch Sonn' und Mondenschein, Der leuchtet . über's Meer und über' i. . Rhein! Wi: grüßen euch durch Laub und Gras; Der heil'ge Regen mach' uns alle naß!- ' Ein jeder der Begrüßten nimmt den Hut ab, zuletzt thut's die ganze Gemein de. Wer etwa von ihr noch nicht er schienen ist, der wird noch einmal ge laden und zwar durch den schwarz costü mirten und mit Schwanz und Hörnern ausgestatteten. Teusel, welcher in jedes Haus hineinrust oder die langgezogenen Töne eines Kuhhorns erschallen läßt. Bald sind die Bänke dicht besetzt, es ist drei Uhr Nachmittags, daZ Spiel be ginnt. j Mit dem Liede : Unsern Eingang segne Gott!" zieht die Kumpanei aus; sie singt einen Prolog, dann tritt sie wieder ab. Nur Maria bleibt zurück; ste ist nonnenartig in Weiß gekleidet, trägt eine Krone und wartet der himm lischen Botschaft, welche Gabriel ihr überbringt. Auch der Engel ist gekrönt; er neigt sein Scepter, einen mit lang herabsallendcnSeidenbändern geschmück
ten Stab, vor der Jungfrau. Nach einem Zwischenliede des Chors solgt o eph's Rette nach Bethlehem. Der alte Hi sieht sich plötzlich in größter Verlegenheit; er hat nicht emen Gro iqen, um die Schätzung zu bezahlen. Maria will das Geld bei einem freunde des Hauses borgen; Joseph aberzieht ein echölem aus dem Stalle, um dasselbe zu Bethlehem zu verkausen. Die Scene ändert sich auf die vorher ange gebene Weise; wir sind zu Bethlehem. Jetzt sucht das heilige Paar eine Unter runft. Aber die Wirthe bereiten aller et Schwierigkeiten ; RuttnuS bat fein Quartier bereits über und über mit Gästen besetzt; ServitiuS weist die o en Bettelleute" mit schnöden Worten von der Thür. Maria fürchtet, vor Kalte und vunaer zu sterben : da nimmt der Wirth TituS das Paar mitleidig auf. Jetzt spricht die Jungfrau : Die Zeit ist schon vorbanden. Daß ich erlöset werd' von Fruchtcs Banden!" und alsobald symbolisirt das Wort Jo le s: Und ward gebot'n ein Kindelein l" btn Vorgang der Herabkunft des gött lchen Erlösers auf die Welt. Gleich daraus hält die .Kumpanei" einen Umzug, was jedesmal geschieht, so oft eine neue Scene eingeleitet wird. Jetzt treten drei Hirten auf. Sie süh ren gar seltsame Namen, GalluS, Sti chel und Wtdoö. Bitter beklagen sie sich über die Schätzung, welche CyreniuS dem Lande auferlegt habe; Bitter schil dern sie die Roth der Armuth. O nahte doch der Erloser, bei besten Ankunft alles Elend sich wenden ' soll ! .Da er halten sie die Offenbarung seines Er schlenenseins ; sie fallen mit einem Schlag der Länge nach auf den Boden, und über sie schreitet der Engel Gabriel hin, das "Gloria in exceisis!" sin gend. Er fordert die Männer auf, mit Pfeifen und Schalmeien zu dem Kind lein zu eilen. Uralte, kindlich fromme Lobgesänge schließen diese Scenen. Die nächsten Scenen bringen die An betung der Heiligen drei Könige, Mel chert, Walthauser und Kaspar, denen der Mathematikus Viligrazia folgt, so wie die Zurüstungen des HerodeS zum Kindermvrde. Jetzt tritt der Teusel in sem Recht ; er ruft m HerodeS die furcht bare Entschließung hervor, alle zweijäheigen Knäblein in Juda tödten zu lassen. Während die heilige Familie aus den Räth des Engels Gabriel nach Aegypten zieht, wird unS in drastischer Weise der bethlehemitische ttmdermord vorgeführt. Nicht weniger als 4000 Knechte soll der mit Ausführung des Blutbefehls be. traute Hauptmann mit sich nehmen, so ordnet's HerodeS an; und wenige Au genblicke später ist der Krieger wieder da und. meldet, er habe mit eigener Hand 100.000 Kinder ermordet ! Die Scene ist für ' die' ländlichen Zuschauer um so wirksamer, als. jeder der 'rlegSknechle auf der Spitze des Schwertes eine Puppe herbeibringt und dieselbe dem König Herodes zu Füßen wirst, woraus jedes mal: ein . klagender Jude erscheint, die Puppe aufnimmt und, dieselbe küssend. sich wieder, entfernt. Aber das Gericht über HerodeS-naht. Engel erscheinen und übergeben den wahnsinntg gewor denen Bösemicht 'den höllischen Mächten. Zwar machen die Kriegsknechte Miene, ihren Herrn und KSmg zu vertyeidlge; aber draußen' tönt berettS das uyyorn des Teufels, der nun mit Macht herein bricht. Umsonst fleht HerodeS um Scho nung; der Teusel wirst ihm eme eiserne Kette um und schleppt ihn hinaus. Damit hat das Christlindelspiel sein Ende erreicht : eS folgen gewöhnlich nun noch ein '.Paradiesesspiel in welchem der Sündensall . gleichsam das Ge genstück .der Erlösung aufgeführt wird, und ein lustiges Fastnachtsspiel, m welchem ein Schuster zu einem zärt lichen Stelldichein bei einer Schneiderin sich einstnhet. von den Nachbarn aber verrathen sich vor: dem wuthenden Schneider nur dadurch rettet, daß er die Rolle eines Geistes übernimmt. Man sieht, der Humor verlangte auch bei die sen Spielen sem gutes Recht ; bemer kenswerth aber für die Gesinnung der deutschen Bauern zu Oberufer ist es, daß sie m diesem Schwanke kemen jener Männer mitspielen ließen, welche an der Aufführung der vorangegangenen Volks thümlichen Mysterien betheiligt waren. Mit der Zeit war es an vielen Orten Sitte geworden, daß die Kinder schon am St. Nikolaustage (6. Dezember) sich einen Bischof, wählten, welchen eine ganze Schaar von niederen Klerikern umgab. In Hamburg zog dieser Km derbischof sogar einst in den Dom ein ; er hielt wohl auch, wie'? in Italien heut
noch üblich ist, eine Predigt, und Mag' kenzüge von Kindern fanden unter sei nem Vortritte durch die Straßen- statt. In Frankreich gestaltete sich das Kinder fest nach und nach zu einem Feste der Narren und Esel." Denn daS Grau thierlein Bileam'S, welches nach der kirchlichen Austastung den Stern zu Bethlehem vorher erblickt hatte, spielte allenthalben bedeutsam mit. Die Kleri-
ker, vor Allem m Frankreich, wählten sich einen Narrenbischof, welchen sie unter lächerlichen Ceremonien zu seinem Amte weihten, und welcher in kirchlichem Schmucke eine Messe hielt oft genug nichts weit:r als eine wüste Orgie. Bei biesem Narrenfeste fanden im Gottes hause dann allerlei Maskeraden statt, und es fehlte, wie Walter Scott im Abt vortrefflich beschrieben bat. selbst an der Herabwürdigung besten garnicht, waS sonst dem Volke daS Ehrwürdigste war. Natürlich fand die Ausgelassen heit des vierten Weihnachtstages in den Rittersitzen und in den Königspfalzen des Mittelalters bereitwillige Aufnahme ; der englische Lord der Ungebühr" steht noch heut in schlimmem Andenken. Züchtiger ist die Sitte in den bürger lichen Kreisen geblieben. Wir erinnern an die belgische Weihnachtsfeier. Am 25. Dezember dürfen in jedem Hause die VI. " k. , ftiii rr r nlnver vie zerren pieien. 'lll u::jer und fröhlichen Muthes putzen sie sich als Papa oder Mama heraus. Des Vaters oder Großvaters Weste, Schlafmütze, Rock und Stock, das Morgenkleid der Mutter, ihre Haube und Schürze fowie ihr Schlüstelkorb werden flugs von den Kleinen erbeutet, Dann laufen die Kinder treppauf, treppab ; sie schelten die Dienstboten und walten in Küche und Keller. Das jüngste Mädchen ord net als Haussrau die Mahlzeit an, wel che unfehlbar aus Reisbrei, Pfannkuchcn und Waffeln besteht. Die Kinder der Armen ein schöner Zug halten eine reiche Ernte, indem sie, mit einem Korbe versehen, an jeder Thür ihr: Junge Frau, Mutterchen und Vä terchen sind da!" ertönen lasten und Lebenömitteln einsammeln. Die Frei heit des Tages erstreckt sich sogar bis auf i. or . & . oie Pensionale und Nonnenkloster. In den letzteren trägt an diesem Tage die jüngste Nonne die Schlüstel; ste darf die Oberin spielen, und. in den Pensio naten wechseln Schülerinnen und Leb rerinnen die Rollen. Bis auf diese und ähnliche aer'ma sügige Bestandtheile ist das reiche dra matl che Leben, welches die Altvordern einst zu Weihnachten e:baute, erfreute und mit fröhlicher Zuversicht erfüllte, erloschen und es wird schwerlich wieder eine Auserstehung erleben. Aus der, der Tiefe des religiösen Empsindens ent. sprostenen Welhnachtsfeler von ehedem ist ein liebliches Familienfest geworden. Oskar Schwebe!. I einem itaticnischen Bagno. Ein Franzose besuchte vor Kurzem da italienische Bagno Porto Ferrajo aus einer der kleinen Inseln m der Nahe des tosksnischen Festlandes' und entwirft eine interessante Schilderung von dem Ausenthaltsorte der Kettenflrästmge und von einigen der bekanntesten Verbrecher. Der erste der Verbrecher, den er zu sehen bekam, war Passanante, welcher oa3 At. tentat auf König Humbcrt in Neapel unternahm. Gleichgiltig verschlosten. wenig redend, mit einem Anschein von Irrsinn, verbringt Paffanante seine Ta ge an der 'Kette. Sein mageuö, einge fallencs, alt aussehendes Gesicht läßt nicht erkennen, daß er erst 33 Jahre zählt. Doch ist scme Phyuognomie eher sanft als bart. Zwei Jahre hindurch. von 1879 bis 1881, verblieb Paffanante in horizontaler Lage. Die Kzrze seiner an der Mauer befestigten Kette gestattete ihm nur, auf feiner Matratze zu liegen oder zn sitzen. Er zog es vor, liegen zu bleiben. Seitdem erlaubte man ihm, täglich durch drei Stunden Bewegung zu machen, aber er macht nur selten Gebrauch von dieser Begünstigung. Sein Kerker enthält nichts als die Kette und die Matratze ; weder Tisch noch Strhl, noch irgend ein Möbelstück. Unausge setzt ist er dabei überwacht. Er betheuert immer seine Unschuld und in der Nacht hören seine Wächter ihn manchmal die Worte sprechen : Gott, die Bibel, Brü der, Volk, Allgemeine Republik und der gleichen. Er scheint em Fanatiker vom reinsten Wasser zu sein.-Einer der furcht barsten Mörder Italiens, eme Bestie m Menschengestalt, befindet sich ebenfalls m Porto Ferrajo. In emer Jsolirzclle deS Bagno liegt Jranzzois Rojsignol an der Kette, em Franzose von Geburt, der in Turin mit einem Frauenzimmer lebte, von welcher man nicht wußte, ob eS seine Geliebte oder seine Schwester war. Da? Weib, 'von einer bestrickenden Schönheit, zog im Theater die Blicke auf sich, suchte sich ein Opfer aus, lockte es in'S Freie., verschwand in einer verdäch tigen Gaste und uek sich in em Haus versolgen, wo Rojsignol dasselbe nwar tete.' Begabt mit einer herkulischen Kraft, die. ihm. gestattete, eine Konone spielend zu heben, fiel er über über den Fremden her, um ihn zu erwürgen. ES sollen ihm sunszehn Mordthaten nachge wiesen worden sein. Die fünf Jahre an der Kette sind ohne Einfluß auf seinen eisernen Korper geblieben. Em dritter berühmter" Keltensträfling liegt in ei ner Jsolirzell', es ist : Cipriano.La Gala, der legendenhafte Brigand ici lienS. Er befehligte seinerzeit mit sei nem Bruder Giona eine Bande von 4000 Mann. Seit zwanzig' Jahren schon ist er lm Bagno. . Er wurde von Frankreich, wohm er geflohen, an Jta lien ausgeliefert, unter der Bedingung. daß er nicht zum Tode verurtbeut wer den solle. Er wird als daS Haupt der Sträflinge betrachtet, trotzdem er mit den . andern keinen Umgang hat. I Ganzen befinden sich 600 Gefangene in Porto Ferraia. Heimweh. Mutter: ' Merkwürdig, feit wir hier aus dem Lande sind, schreit das Kind immer. Wenn ich nur wüßte, ob.es Leibschmerzen hat. oder Kopfweh, oder schon Zahnweh . . . Dienstmagd (eben erst in den Dienst getreten): .Gnädige Frau, vielleicht hat'S auch daS Heimweh !
OricntalisSze Oebete.
Allah, Dank dir, daß umsonst nicht Ich zu dir in Nöthen schrie. Ja, du hast erhört das Flehen Deines Knechtes Arabi. Allah, Dank! Vom Born der Gnade Hab' ich Freude neu geschöpft. Nicht gehängt und nicht erschossen. Nicht vergiftet, noch geköpft. Allah, Dank dir, daß beendet Plötzlich des Prozesses Qual Was bisher er hat enthüllet.' War mir wirklich recht fatal. Als Rebell ist jetzt mein frecher Feind gethan in Acht und Bann. Allah, nimm die Dankesopfer Deines Knechtes Tewsik an ! Allah, Dank, daß in Eairo Ging zu Ende die Geschicht'. Manchmal schien miYS fast, olS faß' man Ueber mich auch zu Gericht.' Mir ist wohl und dem Rebellen Wurde Gnade jetzt für Recht. Allah, sei auch serner' gnädig Abdul Hamid, deinem Knecht. (Kladderadatsch.) Gefälschte Alterthü. mer. Es ist bekannt, daß antike MS bel, zwei oder dreihundert Jahre alt, jedes Jahr in großen Mengen von Den jenigen ans Tugeslicht gebracht werden, die sich auf das Geschäft verstehen. Alte Uhren, alte Toiletten, alte Bettstellen auch wenn erst gestern gearbeitete, haben großen Werth in den Äugen Vieler, die sich mit einem alterthümlichen Aeußern begnügen. Jetzt schwärmt man für wurmstichige Möbel. Derartige Stücke werden durch ein paar Schüsse Schrot leicht hergestellt. Alte Häuser, die ein gerissen werden, liefern das vurmpi cbige Holz, aus welchem Möbels die von Philipp von Spanien gebraucht wurden, gemacht werden. Frankreich erzeugt al tes Rouen und Sevresporzellan' in Massen; LimogeEmail ist reichlich ver treten. Das Neue (fast alles ist neu) wird einen Monat in feuchte Erde gelegt und dann je nach Bedürfniß des Käufers 300 oder 400 Jahre zurückdätirt. Im Alter hat er das Aussuchen. Die berühmten Qtndt aus der Zeit Heinrichs II. werden das ganze Jahr ' fabricirt. Mit Fluorwassersäure behandelt, werden sie in kurzer Zeit antik. In Berlin kann man sich römische Tongesüße aus derZeit aller Kaiser massenhast verschaffen. Der Hosenbandorden. Ge wöhnlich wird die Entstehungsgeschichte dieses höchsten englischen Ordens auf ein Strumpfband zurückgeführt, welches die Geliebte Eduard's III., die schöne Gräsin Salisbury, aus einem Ball beim Tanzen verloren habe. Der König, heißt es, hatte das blaue Band schnell ausheben wollen, dabei das Kleid der Dame berührt und, um sie vor Spöttereien zu schützen, ausgerufen : "Ilony soit qui mal y pence !" (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!) Bekanntlich bilden diese Worte die Inschrift des Ordens. Weit wahrscheinlicher ist, daß daß er nach dem Siege Eduard's bei Crecy (1316) über die Franzosen gestls tet worden. Die englischen Soldaten legten auf Befehl ihres königlichen Füh rers vorder Schlacht ein Srohband als Feldzeichen um das linke Bem, die Franzosen höhnten darüber, die Briten jedoch riesen ernst zurück : "Iloiiy soit qui mal y penso !" und als sie den Tag gewonnen, rief Eduard zu? Erinnerung den Orden in'J Leben. Der Sultan ist an einem HalSleiden erkrankt. Dasselbe soll Haupt sächlich darin bestehen, daß ihm die ewi gen PizZastintriguen und Eifersüchteleien unter seinen Günstlingen und Ministern nachgerade zum Halse herauswachsen. Minnesang. Ich ging mit blassen Wangen Im Walde sonder List; . Da kam des Wegs gegangen Ae kleener Bandagist. - . - . ..: ' . Der Nase edler Bogen Hat schrecklich mich gerihrt Und seine liffgen Ogen, Die haben mich versihrt. 'Doch bringt mich'S nich in Rage, Wenn's Herz verwundet ist : Er sorgt schon sür Bandage Mei kleener Bandagist. P e s st m i s m u s. Schulinspeltor: Wer sind denn die Besten in Jörcr Klasse?' Lehrer : Ach, Herr Schulinspiktor, Beste find gar nicht darin : Sächsische.Schnad ahüpsel. - In Gasthaus zur Ente Da sitzt ä Schdudende ; : ' Das lvddrige Laster ., ' . Drägt kreizweis .ü.Pffaster. Un wenn ich en frage, WaS dies nu besage, . Un er nischt Gescheit's weiß : Da sagt er:Ja,5reizweiS! Mojho logisch es. Cohn - Lächerlich von dem alten Ro senthal! Fünfzkg Jahr heißt'r mit saim Vornamen Hirsch, und nu brmgt'n sei junge Frau daz:i, daß er sich muß schreiben Heinrich. Levi: Bah, in 'nen Hirsch kann sie ihn immer wieder verwandeln. Bibelfest. Man gießt nicht neuen Wein in alte Schlauche !" sagte der Enkel. ' Da nahm er seinem Großvater das GlaS Most auS der Hand und trank es selber auS. Sonderbare Begründung. Ab Mutter, jetzt soll ich mit dem HerrnSchmückle tanzen, und daö ist doch ein ganz alter Mann'.- ' .Ach was alter Mann ! Hab' ich nicht selbst in meinen ledigen Jahren ost und viel mit ihm getanzt , und mich nie um sein Alter bekümmert Z" Die Jreundschast gleicht dem'ttaffee; taugt nichts wenn sie kalt ist.
