Indiana Tribüne, Volume 6, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1882 — Page 6
M Zeitalters Dynamits.
Dle ältesten Dokumente der Kultur. geschichte des Menschengeschlechtes, die uns erhalten geblieben sind, - theilen die vorgeschichtliche Zeit. d. i. die Zeit, ehe es eine geschriebene Geschichte gab.in drei Zeitalter ein, und die Dichte? Griechen lands benennen sie das goldene, das sii Uznt und das eiserne Zeitalter. Im goldenen Zeitalter soll ihrerBeschreibuna nach ein glückliches, friedliches und zu friedenes Leben der Menschheit sialtae. funden haben, alle Bedürfniffe waren im Ueberslusie vorhanden und, leicht zu er langen, und unter denMenschen herrsch, ten nur Liebe, Freundschast,Wohlwollen und gegenseitige Unterstützung. auch die Religionsbücher der versckiedensten Völker erwähnen dieses ersten glücklichen Zustandes der Menschheit, und die Hei liae Schrift der ?iuden. hna u " . . ' . S ' vvittncnt des Christenthums, beginnt mit dem glücklichen Leben der ersten Men schen im Paradiese. Nach dem goldenen Zeitalter sei das silberne gekommen, wo eö schon weniger friedlich und glücklich zuging und die erwachenden Leidenschalten die bisherige idvllilcke 9?uf hm Menschengeschlechtes störten. Diesem f T 1. Vuu t i -. ' luiyic uunn, naq oer rzäylung der Dichter, das eiserne Äeitalter.in mtl&tm die ersten Waffen geschmiedet wurden, .und die Kämvfe und Kriege begannen, mit deren Beschreibung dann dieMensck. heit in die geschriebene Weltgeschichte "nirai. CS ist merkwürd:. da& die SVorfdbirngen der jungen Wissenschaft der Anthro i. -1 cm... f i ; w . vuwqiz lenicyyettSlunoe) ebenfalls die vorgeschichtliche Zeit in drei Zeitalter ttt4fi5Ttt itnX ma rtjf. ..o vnitviivii utiu jjiuuv, iillfc UU9 UCtl Funden überzeugend nachweisen läßt, in die Steinzeit, die Broncezeit und die .Eisenzeit. Tiefes Dunkel herrscht über den An. fangen der Steinzeit; die ersten, dem Thierreich entstammenden Menschen standen roohl nicht viel höher, als ihre vr-r S 7 7 ' - aatmaitscgen Aynyerren, naclt aus der noch immer unter Umwäl,unaen rucken, ben Erde berumirrend. batten sie keine Werkzeuge und Waffen, als ihre Zähne v vi. ö.? 'V - . V 7 I uno oie rnnget lyrer uanoe. So waren sie preisgegeben allen Un vttden der Witterung und den Angriffen furchtbarer wilder Thiere; ihre Ernäh. rung hing vom Zufalle, von glücklich! Kunden ab ; denn es aab nock keinen Ackerbau, ja, nicht einmal die Viehzikcht der zahmen Thiere. Da aefckab es. nack wieviel Jahrtausenden rein tbieriscker Existenz wissen wir nicht, daß einer der 1 .rü ' i . . I 4icrncutucn eine niocuuna inatnie, eine - .1. - ' . i moeclung, damals großartiger, bedeu tender und folgenreicher.alses heutzutage Die Entdeckung der Dampfkraft, der Elec tricität u. f. w. geworden ist ; der Ur mensch, der zuerst entdeckte, daß, wenn - ' " . ' " tt seinen Arm durch ein Werkzeug ver längere, er dauut die doppelte, dreifache, ja zehnfache Kraft ausüben könne, der den ersten Hammer erfand, aus dem sväter das Beil bervoraina. saemöbnlick .diente der untere Kinnbacken des Höhlen- . . . a 2 baren als solches) der den ersten Hebel ersann, indem er einen Baumstamm um. stemmte, um eine schwere Last von der Stelle zu walzen, dieser erste Entdecker des WerkttuaZ , ist der eiaentlicke Adam. der wirkliche Urvater der jetzigen Mensch' beit. Denn das Ersinnen: und Verse:. tigen des ersten Werkzeuges setzt das gleichzeitige Erwachen des Denkens, also der Vernunft, voraus und mit der Ver nunft kam da? Bedürfniß der Mitthei. lung, also die Sprache, Alles, Werk. zeug, Denkvermögen und Sprache, roh, armselig, aber do$ der Anfang aller rr ' . p . ' rr . . rr ' p, I
Uiomiaiion, . Zwerrzeug, Jücrnunn v1""" . wnnunb Svracke sind von da an untren, brächen, beim Bohren von Tunnels u.
bare Rearisse. ?!n diesem Ur,ustande hatte der Mensch noch kein anderes ' 7 Material für seine Werkzeuge als Holz, Stein und die Knocke der Tbiere sami. die erste Svracke wabl nur aus
unartikuNrtm Gaumenlauten bestand diese weiche ölähnliche Flüssigkeit, welche und die Gedanken nicht'über den engsten ZarteDamen anwenden, um schöne wetGesichtskreis hinausgingen. ' che. Hände zu haben, aufgesprungene
Wie lange diese Steinzeit gedauert ' ' - - - v . . . 1 TYC& -..J Cfinrfimft nrnfcrr 5ik, ,nt.
hat, wie viele Jahrhunderte oder Jahr. rgn. . m tausend: vergingen, bis ein Zusall den verwendet -wird ? Nun,.dttses unschul.
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vki ii jj a w et v t , , , rr'm t-t.ii decken ließ, ist und bleibt uS unbekannt ; Welt, wirb mit in. Els geluhltn tondenn ts aab'd-nmls noch keine Zeittech. . 6 I
nun, sondern nur Tagt und Nächte die aukwander' solgten und nicht gezählt erde konnten, weil der Zahlen. sinn. Bit noch heulk bei den wilden bte&4ftasÄsi-Ä fess m s Zeme Werkzeuge und 2van.en uno oas N...:.m 0.: v;. rtfrtrftA nA IVUt Vii -ülUliU-O111 I rLnere artsckritte in der Vernunft und in der Svracke bervorrief. u j 1 Wieder nach einem langen Zwischen räum urde. als das Eisen bei den be schränkten Feuerapparaten nicht schmelr r ' tr. - V .. Jt. . I X 7n ' wollte, wahrscheinlich durch einen ' i) p '!7 . v? .1 1 ,,sn. ÖaS Smleoen oes VIllCNS CUlu 1 ' . . .v .'..- deckt und das Eisen verdrängte vaio oen Stein und die Sronce und wurde das Hauptmetall -der Menschheit in -der f m' Y- CEisnzeU,.die dann aumaauaj zu: I " i- w fi V V..! 4 m führte. Aver aucy oiqc nt"11 Geschichte der Völker, die ältesten Bücher der Juden und Inder, der Chinesen und. Sieroalsvbenschristen der Aegypter, dle eaellafeln der Babylonier und Assy. Ousiiutcn y - v . vw . .. tiet, die Au zeichnungtn c womm liche Gesülckte, wenigstens was man Neunte solcher versteht. 1tt;i:.(riirtAn So stimmen denn die alten Dichter mAs.mrn Antbrovoloaen dar. r,i .-,c.,.:n das dritte eitslter der Menschheit das eiserne gewesen sei. und ste mögen beide Recht haben, womit . jedoch nicht gesagt werden soll, daß die Steinzeit gleich bedeutend mit dem gol. 5z,it5lter aemesen sei. ?in der Steinzeit war der Mensch ahrscheinlich noch mehr Thier als denkendes Wesen; dr Selbsterhaltungstrieb war der ein ftat Beweggrund seines Seins, der Egoismus war seine einzige Tugend und n ,vpi fr!" llnmenfÄcnfaaco. nlltn so war wohl ihr erster und einzige nelcn, v w"k!rT's7.. li nxvfV ?
kntiniten rnent sagen uno aus 01m umumiuH . ui',i"n"a ffilnii' Mergtlchkiebene mündliche Dynamit' ist jey die lmM.fi ge.
prZarvater. ais mirr. orven. hji vyc iui,
der Kannibalen, wie man sie heute noch wfft, sind keine neue Ersindung, son dern Rechte auS jener schönen Zeit, und wo man sich noch todtschlug und auffraß, da kannte wohl von dem goldenen Zeit.
aiier uno, allgememer. Llebe, Freund schast und Vrüderlickkeit keine Rede sein' Aber auch die geschriebene Geschichte hat die Emtbiilung in verschiedene Zeitalter mehr oder minder beibehalten, und m unserer noch nicht zwei tausend Jahre anen Zettrechnung kennen wir die Zeit alter der Weltherrschaft Roms, der 285! kerwanderuna. die daS mächtige Rom m den Staub warf, das Zeitalter Karls. des Großen, welches in dem allgemeinen' tigaos Ordnung zu achen ansing, die 0!l-fl. . rrr tn. ouiuiici oer nerorellung oes iignn;en thumS über die alte Welt,' des Schieß Pulvers, womit das wüste Faustrecht gebändigt wurde, der Buchdruaerkunst, welche zuerst Wissen und Bildung allste mein verbreitete, der Reformation mit V nr . p . . i. sr-t in . . pi ocr.eyrernng oer meiner aus oem papsl lichen Joche, der despotischen Alleinherr schaft Ludwigs XIV., der den Aus spruch that: .Der Staat der bin ich !" , der fortschreitenden Ausklärung, dem das Zettalter der Revolution folgte. Dann kam die Zeit der napoleonischen rr r . 1 . rooerungsiriege uno nacy oem öiurze des Jmverators das Zeitalter der Sei ligen Allianz, mit den monarchischen Congressen, um die Völker wieder in die alten Ketten und Banden u schlagen. eö kam daS Zeitalter der Barrikaden, oie ais em unseylvares wcept gegen Unterdrückung und Tyrannei betrachtet wurden, das von 1830 bis nach 1848 k c . oauerlr, oann aoer, ais es cy nacy oem Staatsstreiche Louis Napoleon'S und stUf( ntSiP & b.rn flslriVn!fYitMS7 wit v. wvu vjuiiiuiiya ksmpse der Pariser Comune, nicht mehr ersolgreich bewährte, aufgegeben ward und an seine Stelle trat das Zeitalter des Petroleums, als politisches Angriffsund Zerstörungsmittel, und nun sind wir in allerneuester Zeit in das Zeitalter des Dynamits getreten, mit welchem je i ? p c "ici. p c nur paui uno iaoie, lonoem auch der Staat und die bürgerliche Ge sellschast, V bestehende Ordnung und die Civilisation zerstört und vernichtet --V c rr- v ci.n.i v . wclvru Ivurn, UN ucm JkttUiler oes furchtbaren Unbekannten Platz zu ma 9cn Was Zeltalter de3 Dynamits ! Da $m wären wir also mit unserer Jahr taufende alten Kultur glücklich gekom en. An die Stelle des ErhaltenS tritt das allgemeine Zerstören. Dynamit!! Wie einfach klingt die ses Wort, wie viel Schreckliches birgt st r( Xiiiih( itK X? Mi!tt. Vk vuMtu, uuv vu. -wuiujtui, vi. : . r tTri i rr i' cm r rw ole,es Wo unzayuge wait :m z.age gebrauchen, kennen dessen Bedeutung wlrlllcy. wit große cenge weis yocystens, daß Dynamit ein gefährliches Sprengmittel ist, und daß es in neuester r i . . . . w , , . r oi zu vielen Aroelien unier uno uoer er roe, iau oes isazlevpulvers, ver endet wird. Ist ja noch nicht einmal das grammatikalische Geschlecht des Dynamits festgestellt worden; die Einen sagen der Dynamit, die andern lv. ifs . Tl c Vf. rv p. pjr as gnamii uno oic ranzoen iqrci ben 1a vvoamito, die Dynamit. Der Dynamit ist in Wirklichkeit nur "n oroßiing oes surcyioaren spreng, ölS, Nitro-Glycerin benannt, welches vor 33 Jahren erst von Signo? Sobre ro,'Proseszor der Chemie in Turin, zu. fällig entdeckt wurde, wobei die Mischung explodirte und ibm bald beide Augen gekostet hätte. Dann bemächtigte sich der. schwedische Chemiker Nobel der neuen Ersindung, erzeugte das Nitro-Glycerin fabrikmäßig und bald wurde es überall ucrorcuci uno ais gemainges fSVivnAMlf T t 90 Vnaf n (t Im v s. w. verwendet. Die Zusammensetzung dieses epochemachenden Sprengöls ist I. y n x n . r v rv.i. n ne yocyr eln,acye, eoermann uicyi zu gängliche und schon darum höchst ge fährliche. Wer kennt nicht das Glycerin ii:uu. 1. ..i. ...v . ... . . u . jf n, lich gewordene Toiletteartikel der seinen i",u'iu,uf, -r "i? t "m'i 1 1 X D'e VerhSlln.sse d,e er M.schung und gefährlichen Zt Ueber mit Still. "KSSST SÄSaSäS -n"' . , licn nnoer. ' ,, , , . Der Dynamit ist nur eine mmderge fährliche Mischung des NitroGlycerin mit r Kieselguhr, welche die Manipula tion zmtt dem Nitro-Glycerm weniger qefahrlichi macht, da der Dynamit nicht r . . 1 ! . 1 . : r jt 1 . so .leicht . explodirt, wie daS ungemischte (II U.a. (nir I W t tmiiAic STprtH viuiu-vytywu.u. . ,ui vmjijji. 1 ov.i. .ttffc.,A.:M Nitro Glycerin auf einen Amboß, gebracht und mit emem Hammer daraus geschlagen, nrmgt schon eme Erplosion mit einem furchtbaren Knall hervor; lu' y " vv V- v'- 0 '5 . " - gen. Dttser Gefahr für dle Arbelter vorzubeugen, wurde der Dynamit erfun.. den, d. h. btc Mischung mit Kieselguhr. Aehnliche Präparate des Nitro-Glycerin r?v v . rr 11 n iL.t.ti..i. w . .w . . . Wendung des Nitro'Glycerin vorhanden war, ist beim Dynamit so ziemlichbeseltlgt; ja, man ann. veyauplen, vav das Arbeiten damit weniger gefährlich ist. als das Hantiren mit Schießpulver. In den Bergwerken und Steinbrüchen, in den Kohlengruben tragen die Arbeiter ihre Dynamitpatronen ganz ruhig in der Rocktasche, ost in derselben Tasche. in der sie ihre Cigarren haben; denn der Dynamit entzündet sich nicht am Feuer. Er verbrennt in derselben Art, wie er angezündet wird ; steckt man eine Dynamitpatrone mit emer brennenden Cigarre in Brand, so verglüht ste langsam wie eine Cigarre, zündet man ste mit einem Zündhölzchen an, so hrfr n tni rtn Uhhahm lam.
dirende Zündkraft, wie Knallsilber oder die Zündmasse der Zündhütchen, eine
Dynam.tpatrone entzundet.ersolgt, durch den hestigen Schlag, die Explosion. ES wird also bei der technischen Verwen dung deS Dynamits eme Zündkapsel mit der Patrone in Verbindung und die Kapsel durch eine Lunte zur Explosion gebracht; oder - aber, eS wtrd eme Pul. verpatrone an der Dynamitpatrone be festigt, das Pulver durch einen Lauffaden entzündet und der heftige schlag der Pulverexplosion macht das Dynamit explodiren. Ich habe .noch zu erklären, was Mit' selguhr" ist. .ES ist dies ein brauner Sand, em Feuerpeinstaub, der nur ln Deutschland, und zwar im Hannöver schen, gefunden wird. Dieser Kieselguhr besteht nur aus den schneckenhaus ähnlichen Schalen mikroskopisch kleiner Algen, die vor Milliarden von Jahren auf dem noch unfertigen Erdballe vege lirten, dann durch 'eine Erdrevolution untergingen und von den auf ste gelager ten neuen Schichten zu emer festen Masse zusammengedrückt wurden, indem ja auch die Kreide nur eine zusammengepreßte Masse von kleinen urweltllchen Schalthieren ist. Dieser poröse Sand, der Kieselguhr, saugt bei der Mischung daS Sprengöl begierig ein und bewahrt es m Millionen klemm Zellchen, wo durch es unschädlich wird, so lange nicht hestiger Stoß öder Schlag die Zellen zertrümmert und dadurch die Explosion herbeiführt. Von der Gewalt und ervloüven Kraft des Dynamits haben nur Wenige einen klaren Begriff; sie ist fünfzehn Mal stärker als die des Schießpulvers, und der stärkste Baum, der' an seiner Basis mit einem Kranze von Dynamit'Patro. nen umgeben wird, fällt, wenn diese zur xplonon gebracht werden, wie mit emer Sense abgeschnitten um. Eine hohe Mauer, die man an ihrer Basis der Länge nach mit Dvnamit - Patronen garnlrt, ,fl nach folgte? Explosion wie umgeblasen. Man wird sich noch an die furchtbaren Verheerungen erinnern. welche das mlt Dynamtt geladene Uhrwerk des verruchten Thomas in Bremerhaven hervorrief, wobei über hundert Menschenleben verloren gingen. In 866 flog im Safen von Asvinwall das englische Schiff Eurovean" in die Luft. das siebzig Kisten Dynamit an Bord hatte sechzig Menschenleben und eine Million Dollars an Werthen wurden dabei geopfert. In 1877 flog das französifche Fort L'Armont an der Schwei-zer-Grenze in die Luft, weil man mit zwei Fäßchen Dynamit, die aus der Schweiz elngefchwärzt und von den ZollWächtern mit Beschlag belegt worden waren, unvorsichtig umgegangen war. Dabei ist der Dynamit 'jetzt überall in Verwendung und daher in Jedermanns Hände. Man sprengt damit alte, un. brauchbar gewordene Kanonen. . svrenat Riesentunnels durch den St. Gotthardt, raflrt Wälder weg und im großen Schlachthause tn Jslmgton werden damit die Schlachtochsen getödtet, indem man eme Patrone von 23 Grammen an ihre Stirne befestigt, und wie . diese explodirt, stürzt das Thier todt zu Bo den, eine einfache, reinliche und billige TodeSart, Cito, tute et jueunae wie die Herren Medizmer sagen. Man yak sogar schon vorgeschlagen, die ReblauS durch unterirdische Dynamit erplosionen zu vernichten, und selbst ein Dynamit-Selbstmord ist schon vorgekommen, .ein überspannter Mensch hat sich eine Dynamitpatrone an die Brust gesteckt, die Lunte mit seiner Eigarre angezündet, und flog so während er rauchte und eine Ode von Viktor Hugo las in's Jenseits. Und dieses fürchterliche Zerstörung?. Mittel haben die Nihilisten Apolitischen Angrmswane gemacht und von Rukland ist eö nach Frankreich verpflanzt worden, wo die Anarchisten damit den Staat und die Gesellschaft aus den Angeln zu heben gedenken. - Schon hat es in den Provin zen unheilvolle Explosionen geg.eden und nun wird Paus selbst bedroht.' Seit zwei Wochen werden in Paris allnächt Uch bald in diesem bald m jenem Stadttheile, trotz aller Wachsamkeit der Poli. zeiV zahlreiche Proklamationen angeangeschlagen, die die Hauptstadt mit mit allgemeiner Zerstörung bedrohen. re o ' !v v . . v r 159 uucwi ungelunoigi, oaß oie kommende Revolution sich aus keine Barrikadenkämpfe und Straßenementen einlassen, sondern mit Dynamit- und Leuchtgas-Explosionen, mit Stickgasen und VlZten tyre Gegner aus d Welt schaffen, alle Archive und Aktensammlungen, alle Grundbucher und Eigen, thumsverträge vernichten will.' Die anarchistischen Journale bringen Tag sur Tag gleichlautende Drohungen. Blätter, wie der "Droit social', "L Etendard revolutionaire", ... A. lopiren, angeblich aus einem amerikam schen Blatte The Anarchist" (?) einen wuthschnaubenden. Artikel, worin den Revolutionären gerathen wird, die unterndischen- Absührkanäle . von- Paris mittels Dynamits in die Lust zu spren. gen und die Bevölkerung mittels eines gleichzeitig aufsteigenden Gases von. ariemlhaltlgen .ydrogen" zu betauben. Hierzu bemerkt der französische Ueber seher, man dürfe auch , die verderbliche Wirkung des Leuchtgases rncht vergeben, und sich das Beispiel vor Augen halten. wie-neulich em Haus m der Rue Frangois - Miron in Paris durch eine GaZkxplosion m öle Lust flog, - Unseren Brüdern Gasarbeitcrn" sagt der Redakteur . .empsehlen wir, dlee Frage gründlich zu studlren ; sie können damit der Bewegung von großem Nutzen sein, und werdeu im Augenblicke des Bedarfs als Prosefforen der Gas Pyrotechnik wichtige Dienste leisten können. Em anderes Blatt verlangt. es solle sogleich ein genaues' Verzeichniß aller Gerichtsvollzieher, Notare, Advokaten, Archivisten u.' s. w. aufgenommen werden und ebenso aller Kanzleien, in welchen Eigenthumstitel ausbewahrt werden, damit man im Augenblicke des LosschlzgenS nicht 'erst lange zu suchen habe, um alle diese Elgenthumsdocu mente augenblicklich zu vernichten. Fer ner solle ein Berzeichnitz aufgenommen werden von allen Läden oder Magazinen, wo brennbare Stoffe aufgehäuft sind, ebenso von allen Depots, in denen sich dle Stoffe zur Aerfertigung der Spreng mittel befinden. Ferner sollen die
Gruppen der anarchistischen Verbindung ihre Mitglieder in der Erzeugung aller dieser Zerstörungsmittel gründlich un terrichten, damit am Tage der Entschei dung Jedermann gehörig vorbereitet sei. m m m A e r Selige. tzumoreöke nach dem Ungarischen des Nlezan der lazS.
Vor vier Jahren beirathete ich. Au gust KovacS, freiwillig demissionirter MinisterialSecretär, eine liebenswür. dige, wohlbeleumundete Wittwe. Wenn ich hinzufüge, daß ich diesen Schritt aus Neigung gethan habe und bis über die Ohren in meine Frau verliebt war, so wird eö Niemand wundern, daß in meinem Hause 'schon nach einigen Tagen meiner jungen Ehe ein wirkliches Pantoffelregiment herrschte. Ich würde nicht die Wahrheit sagen, wenn ich behaupten wollte, daß diese Kette in den ersten Wochen mir unangenehm gewesen wäre. Einer Rosenguirlande gleich erschien mir dieselbe, und ihr Dust hielt mich in fortwährender Betäubung. Doch nach einigen Monaten schon be gann ich ihre Dornen zu suhlen und machte die unangenehme Entdeckung, daß die Kette eigentlich nicht aus Blumen, sondern aus Eisen geschmiedet sei, deren Last von Tag zu Tag unerträg licher wurde. Meine Frau wollte es nicht dulden, daß ich so viel Zeit außerhalb des Hauses zubringe. Und da unser gemein schastlicheö Vermögen sie besaß baares Geld und ich ein hübsches Landgut es erlaubte, daß wir mein Beamtengeholt in der Hauswirthschaft entbehren konnten, forderte sie, daß ich von meinem Posten zurücktreten solle, und ich gehorchte ihr, doch wurde mir der voreilige Schritt bald leid, da ich gar keine Beschäftigung hatte. Ich bekam Sehnsucht danach, die Wirthschaft meines Gutes persönlich zu führen. Auch dem widersprach meine Frau. Warum nicht gar ! Sie werde sich hüten, sich so jung zu begraben! Sie schien sehr verwöhn zu sein. Ihr erster Mann, Doktor der Philosophie und Professor an der Universität, mußte ein Weichling gewesen sein,. und so war sie selbstverständlich auch dort der Herr im Hause. Wenigstens behauptete es meine Frau fortwährend, indem sie mir ihren Seligen als Ideal und nachahmungSwerthes Muster ausstellte. Aber sei der erste Gatte wie immer gewesen, selbst wenn ich alle Lobpreisungen, mit welchen meine Frau, zu meinem nicht geringen Verdruß, ihn überhäufte, für wahr hielt,' ich hatte meine traurige Lage so satt, daß ich mich entschloß, dem um jeden Preis ein Ende zu machen. Aber wie? , , .. An einem traurigen Herbstnachmit tage saß ich in gedruckter Stimmung in meinem Zimmer, indem ich das Por. trait des ersten Mannes meiner Frau wüthend fixirte, für welches übrigens meine Gattin auch wohl einen geeigne teren Platz hätte wählen können, als ge rade mein Gemach. Nicht ohne Haß konnte ich auf dieses Bild blicken, da ich überzeugt war, daß dieser Mann die Ursache meiner sämmtlichen Leiden war. Und dennoch, er besitzt ein unschuldiges, einsältiges Gesicht. Wenn er, nur nicht ewig lächeln würde! Lacht er etwa, eil ich seine Wittwe zur Frau nahm ? Oder sindet er esgar so lustig, daß er nach dem Tode so sehr gelobt wird? Wie gut er gewesen war ! Liebevoll, aufmerksam, höflich und zärtlich ! Ein wahres Ideal und Musterbild ! Möglich, daß er e3 gewesen, und wenn es wahr, ist, womit seine Frau, eigent lich' meine Frau, mid) stets kränkt, so mußte er ein Pantoffelheld gewesen sein, der nie einen anderen Willen kannte, als den seiner Frau, . Wie? Ist das wahr ? Er antwortet nicht, sondern lacht nur! Von Emilie ist es nicht taktvoll, daß sie so 'viel von ihm spricht. Der Selige hier, der Selige dsrk, fo fprach der Selige, so that der Selige ! Ich öffnete das Zimmer meiner Frau und bot ihr einen .Guien Morgen !" Sie war schon aufgestanden, und wir trafen an der Schwelle zusammen. ! .Schon wieder. Du böser Mann !" sagte sie lächelnd. Du willst Dich also nie bessern? Wie ein Feuerwehrmann trittst Du em und schreckst emen aus !. Der Selige pflegte bei solcher Gelegenheit hübsch leise auf seinen Fußspitzen zum Sopha zu treten, sich behutsam zu bücken und mich mit eiem auf die Wange.oder Stirn gehauchten zärtlichen Kuß zu wecken. Findest Du nicht, lieber Freund, daß dies bedeutend poetischer und feinfühlender ist V Ich finde nur, meine liebe Emme," antmortete.ich übel gelaunt, daß es in Deiner Läge bedeutend zartsühlender und weiser sein würde, jenen Seligen nicht soost zu erwähnen." Du großes Kmd!- meinte sie kokett lächelnd .wer wird auf einen Todten eifersüchtig sein !" Ist es sur mich nu. gefährlich genug. daß er Präzedenzsälle geschaffen und Du Dich bei jeder austauchenden Frage auf ihn berufst ? Und dann, könnte ich mir nur Gewißheit verschaffen, was eigentuch wahr an dem Lobe ist, mit welchem Du ihn fortwährend überhäusst ! . - tWie? Du zweifelst noch an meinen Worten? .Das hat der Selige nie gethan!" " i,Jch glaube den Grabschriften und Leichenreden nicht. Dieselben lügen regelmaü'g. Aber jetzt beeue Dlch, Dlch anzukleiden, sonst versäumen wir die Oper ; .Es ist ja noch nicht einmal fünf Uhr," sprach sie schmeichelnd. .Komm, laß uns sitzen und ein wenig plaudern. Oder hast Du jetzt schon nichts mehr zu sagen übrig? O diese Männer! Solange wir aus sie nicht hören, haben sie immer so viel Stoff- zu reden, wenn wir jedoch wünschen, das; sie sprechen, können sie nichts mehr sagen. Ach! der Selige war auch n dieser Hinsicht eme Aus nähme. Er veränderte sich gar Tiicht nach der Hochzeit; höchstens daß er nur noch höflicher und zärtlicher wurde." , .Neugierig bin ich, was Dir der be rühmte Selige in meiner ugenblicklichen ? r .!v. f)u liualion lauen wuroe r .Ich will es Dir sagen. Vor Allem
würde er mir in die Augen sehen und sagen: so einen wunderbaren Glanz hätte er noch nie im Leben gesehen, und würde mich dann bitten, ausrichtig zu gestehen, welches wunderthätige Wasch, mittel ich besitze, das die Zartheit meiner Gesichtöhaut derart erhalten kann; würde dann schwören, daß er durch meine Nase sehen könne, so fein sei dieselbe. Was meine Lippen anbelangt, darüber würde er gar nichts sagen son dern. . . Und schalkhaft lächelnd, neigte sie mir ihre Lippen hin, und mir blieb nichts übrig als sie zu küffen. . .Würde er es so gethan haben V . .Ja ! So, jetzt habe ich Dich lieb. Jetzt bist Du dem Seligen ähnlich, und ich wünschte. Du möchtest es in vieler Hinsicht sein, dann wäre ich die glücklichste Frau auf Erden . Ich will Dir etwas sagen, liebes Kind. Alle Ehrfurcht den Schatten, aber Dein Seliger muß ein einfältiger, blöder Mann gewesen sein, daß er nicht mit gescheidteren Dingen seine Zeit aus. füllen konnte, als seiner eigenen Frau Komplimente zu machen." . .O, er hat auch von, praktischen Dingen mit mir gesprochen ! So zum Bei spiel sagte er zu mir: Apropos, meine Liebe, was sagst Du zu Elementinens neuem Hut ? Mir gesällt derselbe außer, ordentlich gut. Die Form ist elegant und ist gar nicht theuer, nur fünsundvierzig Gulden. Wenn derselbe Dir ge. fällt, so bestelle ich für Dich einen ganz ähnlichen. Nun? Läßt sich eine Auf. merksamkeit zarter denken V Und das nennst Du eine praktische Unterhaltung V - Bitte, ein. anderes Mal sprach er zu mir : Der diesjährige Sommer ist entsetzlich, die Gluth der Sonne unerträg lich. Was glaubst Du, würde es nicht gut sein, auf einige Wochen nach einem Badeort oder in den Schatten einer in den Tiefen der Wälder versteckten Quelle zu flüchten?" .Und was antwortetest Du?" fragte ich ironisch. Was meine ' Frauenpflicht gebot," sagte sie mit koketter Miene, .ich ant ortete : wie Du es willst, wie Du es befiehlst, mein Lieber!. . .. Aus alle dem könntest Du ersehen, daß es ungebührlich ist, den Seligen zu verleum den." .Gut. mein Kind, ich verstehe schon, ich habe vollkommen verstanden !" sagte ich, meine Aufregung kaum bezähmend. Aber, jetzt gehe endlich und kleide Dich an, denn wenn Du nicht eilst, werden wir vom ersten Akt nichts mehr zu hören bekommen; die Ouvertüre haben wir so schon verplaudert." Sie wünscht einen neuen Hut und sehnt sich nach dem Bade, das ist klar! Zu dieser Erkenntniß bedürfte es keines besonders scharsen Verstandes.. Aber ich habe ihr ja diesen Sommer bereits zwei neue 'Hüte gekaust. Freilich hat Clementine abermals einen neuen Hut und geht nach einem Bade! Wieder fiel mein Auge auf das Bild meines Vorgängers. Und dieser Mensch war Mitglied der Akademie und Professor der Philosophie an der Universität! Wenn Du ein Philosoph warst, weshalb duldetest Du die Uebergriffe Deiner Frau? Ein Esel warst Du, aber kein Philo soph! Dies ist mein Zimmer, hier dulde ich nur die Portraits solcher Männer, die ich achte, und Dich verachte ich ! Möge Emilie mit ihm machen, was sie will ! Hier wird er länger nicht geduldet! Fort mit ihm ! Damit riß ich das Bild zornig vom Nagel. Doch zu meiner Ueberraschung befand sich in der Wand ine Nische und darin Ein Buch ! Ah ! ! DaS Tagebuch meiner Frau ! ! ! Rasch hatte ich meine Zimmerthür ab geschloffen und begann neugierig zu blättern. . Vor Allem sehen wir dss letzte Datum nach, daS jedenfalls das Interessanteste sein wird. -..Freitag den 10. Dezember 1876." WaS, ist das? Heute haben wir ja erst diesen Tag!
.JulmS m lieb, gut, doch doch ein Mann wie die anderen, in seinem Glucke übermüthig,- zu Phlegma und Tyrannei geneigt. Ach diese Männer ! Ich fühle sehr oft Theilnahme für den Armen, da das bloße Wol .der Selige" auf chn stets unangenehm wirkt ! Aber was soll ich machen? Es ist eine Selbst. Vertheidigung. Eher fsll. er etwas lel den, als daß ich meine Macht über ihn verliere. Ich habe genug unter der Tyrannei meines ersten Mannes gelit ten, jetzt wenigstens entschädige ich mich." Träume ich? Ich bin ja vollstän. dig düpirt, zu' einer Puppe, zu einem Spielzeug herabgewürdigt.- Weiber, Weiber ! Wer wird Euch je ganz kennen lernen? - Doch sehen wir, was sie zu Lebzeiten ihres Seligen geschrieben hat. , Monwg den 15. Marz 1872. . . . '.Soeben find es sechs Wochen, daß ich frei bin. Und wenn auch nicht glück lich, so doch zufrieden !" .Glücklich? War ich eS denn je? Mit Ausnahme meiner Kindheit nie! Ohne Liebe, nur auf Wunsch meiner Eltern verhelrathete ich mich. Und mit welch einem Mann!" ; : Aha, jetzt beginnt dle Leichenrede ! l.'.Mit . einem düsteren, mürrischen, trockenen Gelehrten.-.' Was soll das heißen? - Der in feiner Art zwar ein guter Mensch gewesen- sein mag, jedoch der verkörperte Eigennutz und die Prosa selbst war." . Diese Scheinheilige, wie sie ihn vor mir stets lobt ! o .Stets und in Allem war seine Laune und sein Eigenwille maßgebend. Nie erfüllte er einen meiner bescheidensten Wünsche, und wenn eö ihn das geringste Opser kostete. Will ich nicht! Was denkst Du ! Laß mich in Nub ! Aus solch rauhe Weise pflegte er . trn .". r jt . . ' i nuinc ituunitgc zuruazuwei'en. UNO nicht nur saß er selbst immer zu Hause. wie ein Bücherwurm, sondern er erlaubte eS auch Nicht, daß ich irgendwohin ginge. sogar meiner emzigen Freundin Ele mentine verbot er sein Haus " Wie ich mich getäuscht habe ; der Alte
war ja em wahrer Philosoph.
Ich begann Gewissensbisse zu fühlen, daß ich bis jetzt gegen den braven Seli' gen so ungerecht gewesen war. . .Und ich traute mich nicht einmal zu antworten, da ihn der geringste Wider spruch reizte und s:in Zorn leine Grenzen kannte. Und wie er mich gekleidet gehen ließ! Großer Gott! In meinem Herzen ist eine Leere, welche das Gefühl der Unabhängigkeit nicht ausfüllen kann. Ich fühle, daß nur die Liebe mich glücklich machen kann. Das heißt, die Gegenliebe, da ich ihn ja wahr, und heiß liebe, und ohne ihn mein Leben seinen ganzen Werth verlieren würde! Aber er Wer ist dieser .Er?" Hier stehen sechs Fragezeichen, zehn AuSrufungszeichen und zwei Zeilen voller Punkte ! - Welch' eine , Freude, Julius liebt mich!!! Er ist so gut und edel!! ! 'Doch desto besser, wenigstens erziehe ich ihn mir zu einem folgsamen Mann." Das ist ja ein wirkliches mit System betriebenes Komplot ! In diesem Augenblick wurde an meine Thür geklopft. Warum hast Du Dich eingeschlossen ? fragte meine Frau. .Ich bin schon angekleidet !" Ich antwortete nicht. Also , in Allem soll ich dem Seligen ähnlich sein? Gut, meine Gnädige, es sei noch Ihrem Wunsche gehandelt! ),Bitte, mach' doch aus !" sagte meine Frau ungeduldig. .Warte ein wenig, schrie ich mit geheuchelte? Barschheit, in einem. Tone, in dem nach dem Tagebuch der Selige zu sprechen pflegte. Damit wandte ich mich an das Bild und sprach : 'Empfangen Sie den Beweis meiner Hochachtung und zugleich mein EntschuldiaungSgesuch, hochgeehrter Herr Professor l Ich war ungerecht g'.en Sie, da Sie klug und ein wirkli jer Philosoph gewesen sind. Von heute an erhalten Sie mit Recht den Ehrenplatz in meinem Zimmer, a!3 ein Mann, der im vollsten Maße meine Hochachtung geniekt " . . Damit hängte ich ds Bild auf seinen Platz, das Tagebuch jedoch steckte ich in meine Tasche 'Aber bitte, mach' endlich aus M xof derholte meine Frau ungeduldig. Erst nach' einer längeren Pause ließ ließ ich sie herein und sagte: Was willst Du?" Welche Frage ! ; Und welcher Ton ? Also Du hast Diö noch nicht umgekleidet?" ; .Nein, ich habe jetzt keine Lust mehr, in's Theater zu gehen !' . Welche neue Manier und tyrannische Launenhaftigkeit ist daö? Der Selige hat sich so was nie, nie erlaubt !" ' .Bitte also Deinen Seligen, daß er Dir den Arm reicht und Dich in' Tbea ter führt. Ich bleibe zu Hause, und ')a mit Punktum." Ich warf mich in einen Lehnstuhl. . Aber Julius, Du sprichst irre. Ele. mentine wartet aus uns !" .DeS Wartens wird . sie schon über drüssig werden. Uebrigens ist es gut, daß sie erwähnt wird. , Mir gesällt diese ' Frau nicht. Ich will nicht, daß Du mit ihr Freundschast pflegst. Verstanden ? Ich will eS nicht und verbiete es Dir !" Wortlos starrte mich meine Frau an, als ob sie sich fragen wollte : Was kann hier geschehen fein ? Als ob der Selige sprechen würde ? .Aber ich bitte Dich, mein Lieber, Du beurtheilst sie falsch !" Ach langweile mich nicht. Ich dulde es nicht; und damit Punktum ! Dann habe ich Dir noch zu sagen, daß wir in einigen Tagen aus's Laud ziehen wer den."
.Aus's Land ? .Jawohl, aus's Land und zwar sür immer. Ich tht xom oit Bewlrtlzschastung meines Gutes übernehmen !" Aber, lieber Mann, Du welkt, daß ich im Winter den Landaufenthalt nicht leiden kann. Ich werde dort vor der Zeit grau ! Du liebst mich nicht mehr ! Vielleicht liebtest Du mich nie. Du Herzloser !" rief sie weinend. . Wüthend warf ste daö Bild deS Seligen auf die Erde und suchte ihr Tage. buch in dem leeren Fach; und als sie es selbstverständlich Nicht finden konnte, überzeugte sie .sich; daß sie entlarvt war. Mit vor Scham und Furcht errothe ten Gesichte näherte sie sich mir. ihre von 'Thränen benetzten schönen Augen unschlüssig aus mich richtend. Zärtlich hob ich das Bild von der Erde auf und sagte: .So behandelst Du Deinen.Skllgek. ? DaS verdient er für sein Zartgefühl, seine Güte und Zu vorkommenheit ! Verzeihung, Herr Pro feffor, sür diese Behandlung ! Es wird nicht wieder vorkommen, das verspreche ich. Ihr Nachfolger! Von. diesem Augenbllcke an sind Sie mein Seliger r i Mein Tagebuch ! Wo i mein Tage buch?" schrie meine Frau sast außer sich. ,3h? Tagebuch? Das ist hier ! sagte ich'mit fanatischer Ironie, daffelbe zeigend. .Gieb es Mir zurück! Mein Tagebuch will ich wieder haben !" schrie sie, mit den Füßen stampfend. - Oho!" sagte ich, das Geforderte m die Tasche steckend. Erst will ich es genau durchlesen, studiren und zwar nur deshalb, damit ich dem berühmten Seli gen in Allem ähnlich sein kann. Du sagtest ja selbst, daß es Dein sehnlichster Wunsch -sei, und Dein Wunsch ist mir diesmal Beskhl !" Julius, kannst Du mir verzeihen V sagte sie, ihre Händchen faltend, und sah mich mit einem Blicke an, der Steine hätte erweichen können. - : .Wir werden sehen, wie Sie sich be tragen werden,-meine Dame !" Verbrenne wenigstens das abscheu
liche Tagebuch Ich schäme mich zu Tode!" I .Diese Dummheit werde ich nicht be gehen ; der Mensch soll die Rezepte nie vernichten, welche ihm nützlich waren. UebrigenS will ich mich ganz nach dem Muster dieses großen Mannes bilden, und dazu ist eö das beste Lehrbuch !" .Also Du willst es nie vernichten?" feuszte sie, meine Hand fassend. .Nach zehn Jahren !" .Das bedeutet ja so viel als nie !" Also nie! Ob ich tZ iedoch studiren werde, hängt ganzvon Dir ab !" Gott sei Dank,)aß ich es nie zu stu. diren brauchte!
Iudelekse5
Nnn NarlS welcki ttltttt Kunde f Freude rings ! Von Htt-:n?grc-7 jubeln Grevy und Duclerc : Heil! v haben Macht errungen sern am Coo, und gelungen ist Herrn Vrazza's kuh nesWerk! Ja, als Frankreichs Bannerträgertrug zu der Batekes-Neger Neich hcrr Brazza seinen Lauf. Neue schwarze Unterthanen schau'n entzückt zu Frcn! reich's Fahnen, zum Symbol der Größe aus. Dort, wo. in den trop'schen äuen Dsche und Jmpila mit Schäumen fluthen durch die Thäler froh, Ut Herr Brazza unverdrossen einen Staat--vertrag geschlossen mit dem Kö7.igMacoco ! Land und Leute reichlich kriegt er. Dank Herrn Brazza ! Herrlich s.egi' er ohne Schuß und Schwertcsschlz. Und zu Frankreichs Ruhm und Segen ward verbrieft von Staates cen und besiegelt sein Vertrag. Sonnig wird's am Eongo taen Freiheit, Licht und Bildung tragen wir in's Nkgerreich hinein. Grüß euch, schwarze Menschenbrüder ! Niemals soll der Zvittracht Hyder, nie die Zukunst uns entzwein! Gruß Dir, Frankreich! Neue Glcire" sproßt Dir auf in diefem Jahre dein .Prestige" ist wieder da! Was Dir bei Sedan zerronnen, ist in neuer Pracht gewonnen, Dir am Dsche und Jmpila ! Darum jauchzt die Presse heute undes schwimmen Land und Leute jetzt in dulci jubilo, unb von der Concordien'Piazza tönt'S durch Frankreich : Hoch, Herr Brazza, hoch der König Macoco !' (Kladderadatsch.) - Der Schnaps und dle Liberalen. Lied für RkxiilienkrZnzchen. Cs steht ein Wirthshaus an der Lahn, Da wird daS Geld in Schnaps verthan In dieser Branntwcinschänke Verkehren Liberale nur Und füllen Stilhl' und Bänke. Es steht ein Wirthshaus an der Spree, Da ist es ganz das Nämliche, Der Gilka fließt in Strömen Den Liberalen in das Maul, Sie sollten sich was schämen ! Es steht ein Wirthshaus an dem Main, Da gehen aus, da gehen ein Unb schütten den Wachholder In ihre Gurgel Tag und Nacht Liberale Trunkenbolder. Und also ist an jedem Strand Ein Branntweinhäuschen bei der Hand, Wo liberale Kreise' Den Cognac und den Anisette Verschlingen literweise. Da wird gewühlt uud agitirt Und gegen Bismarck conspirirt . Mit ssrtickirittlicken Vbrasen - Roth ist oer argen Gäste Sinn ... . - r m .f... uno roiy iino iyre vtatn. Es sitzt in irgend einer Eck' Ein Airchom oder Foröenbeck, Ein Hänel oder Richter Und präparirt für sein Mandat Das trunkene Gelichter. Es halten von dem Schnaps die Herr'n Drum auch die Steuern-sorgsam fern. Denn alle Branntweinschänken Smd .Herde der Agitation, Und das muß Jeden kränken. Dr. ReptiliuS. Müller: Was hat denn btxz von Giers in Varzin ejentlich jewollt ? Söulke: Was kann er denn iewollt haben ? DaS verfNht sich doch von selbst. was er jewo?t hat. .Muller: Na, wag denn ? Sckultze: Er wird natürliüBiSmarck'n haben fragen wollen : Wie denken Sie über Nußlano i Aas lS doch janz em fach.. Müller : Richlia ! Daran bab' ick iar nich jedacht. Des wird eö wohl jewefen sind. Ein Freudenrausch. Gensd'arme. .Ich globe gar Schul ze, ihr seid man schonst wieder besoffen ! jestern erst wieder aus dem Kasten und heute, wieder rin !" Schulze. I Jott, be bewahre mer, be bester Herr Gensdar Gens darmerie." Gens'darme. Nu aberscht ich dächte der Jang wäre man etwas unsicher?" Schulze. Glooben se des nich, ich kann mer blo blos, vor Fröde, daß ick ih ihnen wie wieder sehe, u und daß ick man nu wie wieder in meine Ordnung komme, kaum uf deBö Böne halten." Zur Würzburger Affa'.re. Wie mancher fröhliche Gesell, Dess? Blut zu rasch, best' Arm zu schnell, Ist schon geblieben im Duell? Glückt's nie, den Unfug auszutreiben. Den Ehren-Codex umzuschreiben. Wird cwig beim Duell man bleiben? Ein Zeit-Kind. Backsisch (zu einer Dame)': .Gehen Sie doch in die neue Operette, die ist ja reizend ! Daö sag' ich Ihnen aber im Voraus : Zwei Akte müssen Sie sich geniren, dann wird'S aber recht nett !" Aus der Rolle gefallen. (Ein Bürgermeister, der zugleichStandesbeamter ist, soll, direkt nach einer Gerichtsverhandlung, .ein Paar civiliter trauen.) .Wollen Sie. Marie Müller, den hier erschienenen August Lehman zum Manne ?- .Ja !" .Was habcn Sie darauf zu Ihrer Entschuldigung vorzubringen, Angeklagter V
Dekadenveise. Bei einer Vorinstruktion vor dem Divisions Kommandeur stellt der Lieutenant gelegentlich des Thema's .Compe tenzen des Soldaten" die Frage : Jn welcher Weise erhält der Soldat seine Löhnung?" Rekrut (gewichtig),: Dulatenweise.
