Indiana Tribüne, Volume 6, Number 97, Indianapolis, Marion County, 24 December 1882 — Page 2

Nach uns dicMMutl). Noman ron Ew.l, an önl.

Noman ron Ewld Vugnft ttönlg. Erster ZZand, Erstes Kapitel. Apres nous le deluge ! Das Gründungssieber hatte -seinen Höhepunkt erreicht, es trieb die üppigsten Blüthen und das Hazardspiel an der Börse machte im Handumdrehen aus dem i Ort iirf. r I wagenoen meiner einen jous. n iener &11 uieii an einem lonmgen Sommertage vor dem palastäbnlichen 5)ause des Bankiers Hugo Schlichter eine offene Equipage, in der ein einfach, aber höchst elegant gekleideter Herr saß. ' ' : i . . r: 1 1 . . . cm yaax waz iiioerarau, ein grauer. zu beiden Seiten lang hinunter wallender Bart, der Kinn und Lippen freiließ, umrahmte ein ernstes, von der Sonne ge bräuntes Antlitz. Es lag ein harter, strenaer 3irn in mezem ein icnarr marnrier Zug, sT .r. 1. l . r . e .. . I der auf eine Vergangenheit voll harter Kampfe uno werer Sturme ehten llkß. Kühn und energisch blitzten die W rr mm - . I yeuen, uayigrauen Augen unter den DU cylgen Wimpern hervor, die letzt mit einem yalv sorgenden, halb germgscha. senden Blick auf dem goldgetreßten Por ner oes Vanliers ruhten. ,Herr Schlichter zu Hause V fragte er kurz. Das rothe Gesicht des Portiers verlor etwas von seinem bockmütbiaen Ausdruck, als er neben dem Kutscher einen Neger in reicher Livree gewahrte, der annsend ihm lein breites, blendend wei Bessiseorn zeigte; er onnele mit emer r m. JT . leichten Verneigung die Wagenthür und lnlte einem gallonnten Diener, der tra et näher kam. Der fremde Herr gab dem Diener seine Karte und folgte ihm m das Geschäfts kabinet des Bankiers, das mit verschwen derischer Pracht ausgestattet war. DerEhef des Hauses saß auf den schwellenden Polstern eines Sessels vor seinem legantenEylinderbureau, der aromatische Dust der echt lmporhrten Havanacigarre, 'die et mit sichtbarem Behagen rauchte, durchwehte das Gemach. Er war ein großer, stattlicher Herr, in feiner ganzen äußeren Erscheinung jeder Zoll ein Lebemann. Em dichter, schwarr Vollbart, durck den bereits einiae silbersäden sich zoaen, umschattete das leicht geröthete Antlitz, das den Ausdruck selbstbewußten Stolzes zeigte, klug und Tiurchdringend blickten die dunklen Augen unter der hohen Stirne, die sich in ihrer an;en Breite bis auf das 5)interhaupt erstreckte. . Neben ihm vor emem Schrelbpulte stand sein Sohn, eine hohe, schlanke Gestalt mit emem hübschen, etwas bleichen Antlitz, das ein blonder Knebelbart schmückte; er alich in seiner äußeren Er scheinung 'dem Vater wenig, aber auch ihm sah man es an, daß er vom Scheitel bis zur Zehe ein Lebemann war. Der Bankier hatte kciunu emen Blm auf die Karte geworfen, als ein leiser Ausruf der Ueberraschuna seinen Lippen entfuhr, zu gleicher Zeit glitt sein Blick verstohlen über den fremden Herrn, der, mit dem Hut in der Hand, in ruhiger ErWartung vor ihm stand. John Carlsen ? Sind Sie es wirkllch, liebster Vetter?" fragte er, indem er ihm beide Qande reichte. Mein Sohn Otto Herr John Carlsen, mein Bet ier!" stellte er, ohne eine Antwort abzuwarten, die beiden Herren einander vor, dann nöthigte er Carlsen, sich in einen Skjsel niederzulaffen. Daß Sie jemals von drüben zurückkehren würden, hätte wohl Niemand hier erwartet , suyr er fort. nackdem er ebenfalls wieder Platz genommen hatte, wie lange ist es her, daß Sie die Heimath verließen?" Beinahe vierzig Jahre", erwiderte Carlsen ruhia. während er einPorteseullle aus der Brusttasche holte. Ein langer Zeitraum, es Hai sich Vieles in ihm geändert." Seh? Vieles!" nickte der Bankier, Ich war damals noch em Knabe, und ich müßte lügen, wenn ich behaupten wollte, das; ick mich noch erinnern könnte, Werden Sie nun hier bleiben?" John Carlsen hatte seine seidenen Handschuhe ausgezogen und einige Papiere aus dem Portefeuille genommener kostbare Solitär an seiner linken Hand funkelte in allen Negenbogensarben, als er die Papiere entfaltete. Kennen Sie die Villa des Geheimratbs öaaedorn?" fraate er in seiner, ruhigen, gelaffencn Weise. Inder Nähe des Zoologischen Gariens V erwiderte der Bankier, dle Brauen .. 9t m m. er - 111 . hoch emporziehend. Sie ist eine der schönsten Villen unserer Residenz." Ich habe sie Mit dem gesammten Mo vmar gekaust. Gratulire, Herr Vetter ! Sie haben Familie?" Nur eine Tochter." Ah, ah, darf ich um die Ehre bitten, Sie meiner Familie vorzustellen ? Sie besteht aus meiner Frau, meinem Sohne und meiner Tochter; meine Damen werden sich außerordentlich freuen, Sie und bre ??räulein Tochter kennen zu lernen." Ich werde mir in den nächsten Tagen die Ehre geben", sagte Carlsen, indem er dem Bankier die Papiere überreichte, Mein heutiger Besuch gilt nur einer gefchästlichen Angelegenheit, haben Sie die Güte, diese Wechsel zu prüsen, die ich ät0 VI mir in New-York aus Ihr yauö ausltellen ließ." ?er Bankier warf nur einen kurzen, gleichgiltigen Blick auf die Papiere, die , in häutende tounttnc revra enunen, nn,"ls,?raal, er sie seinem Sohne. Das Geld steht zu JhrerVersügung", rs,ri r VMlm Sie nur. ob Sie VIVIVHIV V, W"7 ' s ?n WrthJcr ndtr In ttold zu erhalten wünschen .Ich möchte diese Summe in guten Werthpapieren anlegen' . , nnrr.ffn - mrf hft Bankier, wäbrend er seinem Gast eine . Cigarre anbot, Sie können dadurch diese Summe in kurzer Zeit verdoppeln. Ich stehe äugenirJ& im v,nrü m?A nn d strfiitdung einer Makler- und Effektenbank zu betheiligen, wir werden einbrillantes Geschüft damit machen, und wenn Sie sich meiner Führung anvertrauen wollen" Ich bedaure, Herr Vetter unterbrach KnrUtn ihn mit einer ablebnenden Sandk,weauna. ich habe mich von allen Ge ' ' V S.i schästen zurückgezogen. Haben Sie diej

Sfil,; wie Sie wollen ! fuhr der Ban.

Her achselzuckend fort. Das Geld liegt augenblicklich auf derStrae, man braucht sich nur zu bücken, um es aufzuheben ; wenn Sie es llegen lassen wollen, so ist das natürlich Ihre Sache. cni . er , - t.. ,jjwm vermögen i gros genug r .Ah, bah, man kann niemals zu reich werden ! Was aibt es V Die letzte Frage war an den eintreten den Diener gerichtet, der den Besuch des r - k tr . V . 1 " ea)tZanwalts Ladenburg meldete. ir lt willkommen," nickte der Ban kier. .Darf ick Sie bitten, noch ein Viertel stündchen zu bleiben, Herr Vetter ? Ich habe keine Geheimnisse mit dem jungen rw t a . . Aovokalen u verhandeln, er wiro mir nur die Annahme eines Borscklaa.es mel den. den ick ihm aemacht habe." Der Rechtsanwalt Eugen Ladenburg war inzwiscken eingetreten, mit unver kennbarem Woblaefallen rubte der Blick n . . " . ... iarl ens aus der , hohen, cylanlen (Äe stalt. auf dem männlich schonen, ernsten Antlitz. Sie nebmen an. Herr Doktor? fragte m - ... . der Bankier mit einem zuvernchtlichen Lacheln. Sie werden nckerllch 01c Bor theile erkannt haben" Verzeihen Sie, eben dieser Vortheile wegen muk ick ablehnen nel der Neckts anmalt ihm in die Rede, während er aus seinen Akten ein Papier hervorholte, das er auf den Tilck leate. .Die Gründer der neuen Bank nehmen da auf Kosten der Aktionäre einen Gewinn vorab, auf den ne nach meiner Ansicht keinen An spruch haben. ,Das ist so der Brauch, Eugen," .warf Otto ein, die Aktionäre machen trotzdem noch ein gutes Geschäft. Sollen denn die Gründer für ihre Mühe gar nichts haben? Daö wäre ein ungerechtes Ver langen !" .In der That, em sehr ungerechtes Verlangen fügte sein Vater hinzu, den die Weigerung Ladenburgs zu ärgern schien. .Sie kennen die Herren, die den Prospelt unterzeichnen werden, es ist kel ner unter ihnen, dem Sie den Vorwurf machen können, daß er sich jemals einer unehrenhaften Handlung schuldig gemacht habe. Nun wohl, wenn diese Herren sich nicht bedenken, ihren Antheil an dem Ge winn einzustecken, weshalb wollen Sie Bedenken heaen?" - Der Rechtsanwalt fuhr mit der feinen, aristokratischen Hand langsam übcr seinen langen, blonden Bolldart. Die Herren mögen darüber anders denken, als ich," sagte er, dem Einen kann ja erlaubt scheinen, was der Andere nicht billigt, die Ansichten sind eben ver schieden. Legen Sie denn so großen Werth aus memen Vlamtn ? as Uon sortium, das diese neue Gründung unter nehmen will, besteht aus reichen, angese henen Männern, was soll der Advokat unter ihnen V Sein Name soll den Aktionären Ge wißheit geben, daß ihre Rechte m zeder Weise gewahrt werden erwiderte der Bankier, seinem Vetter einen verstand nißvollen Blick zuwerfend. Sie - haben sich als Advokat binnen kurzer Zeit einen Ruf erworben, man kennt Ihren ' ehrenfesten Charakter, Ihre Energie, und .Ihre Tüchtigkeit und deshalb liegt es im Interesse unserer guten Sache, daß wir Sie im Verwaltungs- oder AufnchtsRath haben. Ich kann Ihre Bedenken nicht begreifen, bester Herr Doktor, ich biete Ihnen eine Sinekure an, die Ihnen ein großes Vermögen verschaffen kann, Sie können sich, dieselbe mit einem einzigen Federstrich) sichern und weigern sich, sie anzunehmen .".Eben weil sie eine Sinekure ist," ant wartete Eugen' Ladenburg ernst. Ich frage mich, aus welcher Tasche das Geld fllepen.wlrd, das ich, ohne dasur zu arba ten, emneaen soll !" Gütiger Himmel, wie skrupulös !" rief Otto mit spöttischem Lachen. Wenn man vor jedem Geschäst diese Frage auswerfen wollte, müßte man auf manchen Gewmn verzichten." Allerdings, vorausgeseyt, &a& man auf die Frage keine befriedigende Antwort findet," sagte der Advokat, während er den goldenen Kneifer auf dieNase klemmte und dem Freunde einen unwilligen Blick zuwarf. Und was speciell diese , Gründung anbetrifft, so muß ich mir sagen, daß sie, nur den Gründern selbst zum Vortheil gereichen wird. Ich zweifle nicht daran, daß das Publikum die Aktien zeichnen wird, es sind ihm ja im Prospekt hohe Dividenden in Aussicht gestellt, was' aber dann, wenn diese Dividenden nicht ge zahlt werden können ?" Der Bankier stieß die erloscheneCigarre in den Aschenbechen, Falten des Unmuths zeigten sich aus seiner Stirne. Mem lieber Doktor, em altes Sprich wort sagt : Den Letzten beißen die Hun de", erwiderte er Mit emem geringschätzenden Achselzucken. Ich mache mir wahrhaftig keine Sorge darum, was in späteren Jahren geschehen könnte, bah, we; wollte so thöricht sein, sich mit solchen Sorgen zu quälen! Ich will das Leben genießen und mir diesen Genuß nicht verkümmern lassen, meinetwegen mag nach meinem Tode die Welt untergehen. Im Uebrigen kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß Ihre Skrupel grundlos sind. wir haben Geld wie Heu, und auch diese neu zu gründende Bank wird glänzende Geschäfte machen. Ich will Sie nicht C . im? M M M M Orangen, gegen yre bessere ueverzeu gung zu handeln, ich hätte es gerne gese hen, wenn Sie dem Consortium beiaetre ten wären, nicht unseretwegen, sondern in 1 iii ciucucu o c iuüucji nicht, also müssen wir daraus ver zichten, wir werden sicherlich unter Ihren Serren Kollegen einen finden, der mit I ' m , Y L M Vergnügen darauf eingeht." Der Rechtsanwalt hatte bereits den .Aktenstoß unter den Arm geschoben und seinem ucuomm.n. Ich will die e Möglichkeit Nicht be streiten", sagte er gelassen, die Aussicht auf Gewmn ist.ja für Viele verlockend." ff . 's. ! L . M A IllUlAM !)HMIAItMA 1 r naym mu ci iiöuug Abschied und verließ das Kabmet und obgleich der Chef des Bankhauses sich den Anschein zu geben versuchte, alv ob diese Weigerung ihn sehr kal gelassen habe, sah man semer umwölkten Miene doch an, daß sie ihn ärgerte. i ' Mit einem Querkops kann man Nicht streiten," versehte er, da richtet man selbst ' . . . n - Xi..". . Sa ZKts ..? " Mll oen OCjiC vytwnwfcu

Die Gründe, die er geltend machte,

sind keineswegs so ganz zu verwerfen," erwiderte Carljen, leicht das graue Haupt wiegend, wenn diese Herrlichkeit einmal ein Ende nimmt, wird man diejenigen verantwortlich machen, welche die entwertheten Papiere aus den Markt gebracht haben. Daß es nicht bleiben kann, wie es jetzt ist, werden sie selbst zugeben müssen, und kommt einmal das Ende, so wird es nur ein Ende mit Schrecken sein." Dieses Ende wird wohl noch in sehr weiter Fern liegen," spottete Otto, die Aktien der Gesellschasten, die wir gegründet haben, steigen täglich, es sind solide Gründungen, die unfehlbar reinen Gewinn abwerfen müssen." John Carlsen sah wohl ein, daß er ebenfalls mit seinen Ansichten nicht durchdrang, da war es besser, dieses Thema fallen zu lassen. Ich erinnere mich des Namens Ladenbürg noch von früher her", sagte er, wenn ich nicht irre, wohnte damals ein Doktor Ladenburg hier in der Residenz, der den Ruf eines geschickten Arztes hatte." Ganz recht", nickte der Bankier, jener Doktor Ladenburg war der Großvater deö lungen Advokaten, sem Bater ist ebenfalls ein sehr tüchtiger und beliebter Ant. Und der tekige Doktor Ladenburg hat es trotz seiner großen Praxis nicht verstanden, ein Vermögen zu erwerben, obgleich seine Ehe nur mit zwei Kindern, emem Sohne und emer Tochter, gesegnet war und seine eigenen Bedürfnisse immer sehr bescheiden gewesen find. Man sagt, er gebe Alles, was er entbehren kann, den Armen,je nun, das mag schon und lobenswerth sein, aber ich betrachte es als eine Thorheit. Wem nicht zu rathen ist, dem kann man auch nicht helfen, ich wollte den mnaen Advokaten reich machen, weil er der Freund meines Sohnes und 'sein Vater unser Hausarzt ist. Sie haben gehört, welche Antwort er mir daraus gab." Wir werden unser Anerbieten nicht wiederholen." süate Otto hinzu, ' wir drängen uns Niemandem auf. Die größ ten 5)äuser schätzen es sich zur Ehre, mit uns in Verbindung zu stehen. Das hätte der Herr Rechtsanwalt wohl auch beden ken können." Haben Sie keine Lust, sich zu betheili gen, Herr Vetter ?" fragte der Bankier. Das Amt des Berwaltungsratyes wur de Jl;nen nicht viele Mühe machen, und wenn Sie mir die Wahrung Ihrer In teressen anvertrauen wollen, so bürge ich Ihnen dafür, daß Sie Ihr Vermögen, so groß es auch sein mag, binnen kurzer Zeit verdoppeln werden." Ich bedaure, die ablehnende Antwort, die ich Ihnen bereits gegeben habe, wie derholen zu müssen," erwiderte Carlsen kühl, ich bin zusneden mit dem, was ich besitze, und das Hazardspiel war niemals meine Pasnon. Sie hatten damals, als ich auswanderte, emen Bruder, lebt er noch?" Heinrich? Allerdings." -Was ist aus ihm geworden V Lieber Gott, was soll aus einemTräu mer werden, der keinen Unternehmungs geist besitzt ?" scherzte der Bankier. Er hat eine Zeit lang em kleines Geschäft ge habt, dann aber sein eigenes Vermögen und das Vermögen semer Frau m emen eisernen Geldschrank eingeschlossen. ' Da liegt es nun brach und mem guter Bru der lebt schlecht und recht von semen Zm sen. Nebenbei ist er Armenpfleger ge worden, ein Aemtchen, das außer vielen Scheerernen nichts einbringt, und zu . sei nein Unglück hat er keine Kinder." Weshalb bedauern Sie das r fragte Carlsen, der seine Handschuhe wieder an gezogen. . Wenn er Kinder hatte, so wurde er sich ihretwegen gezwungen sehen, semGeld besser anzuwenden, um seine .Einnahme zu erhohen, er wurde dann auch nicht so frei giebig zu den Armen sein, die ihn ja doch nur belügen und betrugen. Er hat aller dings einen Knaben angenommen, der letzt etwa zwanzig Jahre zählt, aber ich glaube nicht, daß er große Freude an ihm erleben wird. Es liegt ja auch - m. der Natur der Sache, daß ihm die Zukunft dieses angenommenenKindes nicht so große Sorge bereuet, als wenn der Knabe sein eigener Sohn wäre, und überdies sehe ich es noch kommen daß seme bodenloseGut müthigkeit ihn an den Bettelstab bringen wird. ' John Carlsen hatte sich' von - seinem Sessel erhoben, er naum mit emem and druck von den beiden Herren Abschied, ohne auf die letzte - Bemerkung etwas zu erwidern. - - - - - Ich werde mir in einigen Tagen, die Ehre geben, Ihnen meine Ellen zu vrm gen, jagte r ; bei dieser Gelegenheit hosse ich auch das Vergnügen zu haben. hre Damen kennen zu lernen." Der Bankier gab ihm das Geleite bis zur Thüreer sah bei dieser Gelegenheit auch den Neger, der von der Straßen jugend begafft an der Hausthüre die Rückkehr seines Herrn erwartete. Mit gedankenvoller Mien? kehrte er in dasKa bmet zurück, er zündete eine ' Cigarre an und wanderte aus dem weichen Teppich emlge illcal auf und nieder. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er sehr reich geworden sein muß," brach er endlich das Schweigen. , .Schade, daß er sein Glück nicht an der Börse versilchen will ! Je mehr Kapital wir dort haben. desto solider wird das Geschäft ; es ' läßt sich a nicht leugnen, daß zu viel Zweifel Haftes Element dort ist; 'Wenn I oie Ge schichte einmal zusammenbräche und die schwebenden Geschäfte abgewickelt werden müßten, dann könnten wir uns auf große Verluste gefaßt machen. Bah, bah, das und Dummheiten, wenn der Himmel em mal einstürzt, bleibt lein Spatz mehr am Leben ! . . Er lachte nach diesen Worten und irrt vor semen Schreibtisch, um .in den Pa Pieren, die dort lagen, zu blättern..' ' In welcher Weise ist dieser Jobn Carlsen mit uns verwandt ?"fragte Otto. Seine Mutter und die meinige waren Schwestern. ' Er hatte noch einen "Bru der, ich habe vergessen, mich nach dem Schicksal desselben zu erkundigen. , .Der -ik . . rr - -ir ... r.v?i. v . 3 - ane y.aricn iauinc uno naym siü), wenn ich mich recht erinnere, das Leben : gleich darauf wanderten die beiden .Söhne aus und seitdem waren sie verschollen. Es müffen damals allerlei Geschichten passirt sein, die das Tageslicht nicht ertragen konnten, ich entsinne mich ihrer nicht mehr; wie ich vorhin schon sagte, war ich noch

ein Knabe und in unserem Hause sprach man nicht gerne von diesen Verwandten.

Nun kehrt dieser Herr zurück, kaust gleich eine unserer schönsten Villen, fährt mit Vollblutpferden, läßt sich von einem Neger bedienen und präsenhrt Wechsel von bedeutenden Betragen sapperment, Otto, diesen Mann müffen wir uns warm halten. Ich werde mich gründlich nach ihm erkundigen und wenn seine Tochter em hübsches Madchen ist, dann wünsche ich sie bald als meine Schwiegertochter unter diesem Dache zu begrüßen." Otto hatte . die Wimpern gesenkt, er fühlte, daß der Blick des Vaters forschend r , , . 01if.. " aus iym ruyie, eme ielazle roiye, uoerzog seine Wangen. Ich furchte, daß dieser Wun ch nicht m Ersüllung gehen kann," erwiderte er. Kannst du die alberne Llebelel mit der Schwester deines Freundes noch immer nicht vergessen? fragte der Bankier spöt tisch. , .Hedwlg Ladenburg ist gewiß ein schönes und liebenswürdiges Mädchen, aber für dich ist sie keine Partie, mit ih'rem einfachen, bürgerlichen Wesen paßt sie nicht m dieses Haus, und eme reiche Mitgift ist doch auch nicht zu verachten ! Ach habe deinem Wunsche nachgegeben And den LadenburgS den Weg gezeigt. auf dem sie reich werden können, du hast gehört, wie mem Vorschlag aufgenommen worden ist. Der alte Doktor mit seinen spießbürgerlichen Ansichten steckt hinter der Weigerung, der Versuch, diese Philister belehren zu wollen, wäre nutzlose Mühe. , Wenn ich ihnen schwarz auf weiß beweise, daß ich sie binnen Jahres frist reich machen kann, sie glauben's den noch nicht." Sie glauben es wohl, aber sie haben ihre eigenen, barocken Ansichten über die sen Reichthum, der ihnen nur dann ehr lich erworben zu sein scheint, wenn sie ihn durch saure Arbeit erwerben können. .Und deshalb werden wir uns mit die sen Leuten niemals verständigen können", erwiderte der Bankier, der wieder lang sam auf und abwanderte. Du mußt diese Liebelei vergessen, Hedwig Ladenbürg ist keine Frau für dich. Ich verlange ja nicht, daß du eine reiche Frau heirathen sollst, wir Haben's nicht nöthig. daraus zu fehen, aber ich verlange eme Dame, die reprasennren kann, und dazu ist die Schwester deines Freundes nicht erzogen." Wir wollen dieses Thema nicht weiter erörtern," sagte Otto. Hedwig war mir in der Kindheit eine liebe Gespielin, das läßt sich so rasch nicht vergessen. Und was Fraulem Ellen Carlsen anbetrifft, so läßt sich wohl dann erst über diese Dame reden, wenn wir sie kennen gelernt haben." Der Bankier fand keine Zelt, eme Er widerung darauf zu geben, denn nach kurzem Anpochen wurde die Thür geöffnet. und es glitt em ärgerlicher Zug über sem Gesicht, als er in dem Eintretenden seinen Bruder erkannte. ' Der Rentner und Armenpflcger Heinrich Schlichter war ein großer, hagerer Mann, schlicht und etwas altmodisch gekleidet und in seinem Auftreten, wie in seinen Bewegungen ziemlich unbeholfen und linkisch. Sein Gesicht, das em kurz geschorener. borstiger Bart umrahmte, trug denStempel emer ehrlichen' Offenheit und der Gutmuthlgkeit, es lag em gütiger Zug voll herzlicher Menschenfreundlichkeit um seine Lippen, der Vertrauen einslolzen und auch den Zaghastesten zu einer Bitte ermuthigen mußte. Der Banner hatte den Grun semeS Bruders nur kurz erwidert, er suchte sich den Anschein zu geben, als ob er sehr beichastlgt sei, aber Heinrich Schlichter ließ sich dadurch nicht beirren. Komme ich ,wieder zu ungelegener Stunde V fragte er lächelnd, während er mit Otto, der ihm einen Sessel hinrollte, einen verstännißvollen Blick wechselte. Du darsst mir das nicht übel nehmen, Hugo" " " ' Ach was, du weißt selbst, daß du ' mir immer willkommen bist," unterbrach der Bankier ihn, wenn du nur nicht immer in der Geschäftszeit kommen wolltest ! ' Ja, aber wann soll ich -kommen? Außer der - Geschäftszeit bist du nie zu sprechen, entweder sitzt die Herrschaft zu Tisch, oder sie ist äusgefahren; im The ter und im Conzertsaal, kann ich dich doch auch nicht 'aussuchen, und wenn du in deinem eigenen Hause kein Fest gibst, so bist du irgendwo zu einem Fest eingelaten." ''Na, na, so schlimm ist es auch nicht, ich würde für dich immer ein Stündchen übrig haben, wenn du mir deinen Besuch vorher anzeigen wolltest." Hm, ja, aber nimm es mir nicht übel, ich suhle mich da oben in' deinen Prunk zimmern nicht wohl, ich habe da stets einen Reichthum vor Augen, der mich erschreckt." ' . Du könntest . ihn auch: haben,. Heinrich !" Wenn ich mich an. deinen -.Gründun-gen und Speculationen betheiligcn wollte? Du weißt wie ich darüber denke c3 kann Kein 'gutes' Ende nehmen. Den' fetten Jahren folgen die mageren " . s Bist du hierher' gekommen, um mir über dieses langweilige Thema eine Borlesung zu halten?" - f ? ; Nein, wahrhaftig ' nicht ;" fuhr der Armenpfleger in seiner milden, ruhigen Weise fort, ich weiß nur zu gut," daß alle Worte in den Wind geredet 'ivären. Du kannst dir denken, weshalb ich komme ; meine Kaste 'ist , wieder einmal -erschöpst, und ich habe da eine arme Familie, der ich gerne helfen möchte." . . . So ; wende dich doch an die Armenlasse!" ' ' ' Sie gibt wöchentlich nur einen bestimmten Betrag, über den -sie, nicht hinausgeht, und mit dem ich unmöglich ausreichen kann, wenn" ich gründlich helfen will. Man kann :dcr Stadt auch; nicht Alles ausbürden, die Privatwohlthätigkcit muß mithelsen." Und da hast du natürlich mich auser-sehcn-" Nt, J l --'r ? ; Nicht dlch'allcin, auch Andere, die das Geld, wie 'du, ohne Mühe' und scheffelweise verdienen, Hugo. ' Es muß Euch ja Vergnügen machen, mit Eurem Ueberfluß ein gutes Werk zu unterstützen !" Der Bankier hatte unwillig die Brauen zusammengebogen, er strich die Asche ab und blickte eme Weile sinnend in dieGluth seiner Cigarre. Ein feltsames Vergnügen !" sagte er achsclzuckeno. Weshalb arbeiten die

Leute nicht? Fleißige Hände werden

heutzutage überall gesucht, alle Arbeitslöhne sind gestiegen, es braucht Niemand zu verhungern, wenn er nicht faullenzen will. Gerade durch die Almosen wird die Faulheit großgezogen, das Vagabundenthum wächst mit jedem Tage." Es gibt auch Hände, die nicht arbeiten können, lieber Bruder !" .. Nun wohl, für sie wird die Armenkaffe wohl ausreichen. Bist du noch nie betro gen worden?- , O ja, aber das soll mich nicht irre machen. Die Armen, die Unterstützung fordern, haben'S noch lange nicht so schlimm, es gibt andere Arme, die sich schämen, von ihrem Elend und ihrem Hunger zu reden, und diese Unglücklichen auszusuchen und zu unterstützen, habe ich mir zur Aufgabe gemacht." . Eine sehr edle Ausgabe", erwiderte der Bankier in einem Tone, der scherzhaft klingen sollte, aber den Spott nur zu deutlich durchblicken ließ. Du opferst ihr deine Zeit und dein Geld und hast keinen Dank davon." , Wenn man nur feine Pflicht erfüllt, darf man dafür keinen Dank verlangen," fuhr sein Bruder mit unerschütterlicher Ruhe fort, uud die Opfer, die ich bringe, wollen wenig oder gar nichts bcdeuten ! Ich sinde einen hinreichenden Lohn für meine Mühe und Arbeit in dem Bewußtsein, einige Thränen getrocknet zu haben, und ich bedaure dabei nur, daß ich nicht über größere Mittel verfügen kann." Hm, das ist Alles recht schön, aber ledes Ding hat zwei Seiten, und so ruck haltslos, wie du es wünschest, kann ich dir nicht beipflichten." : Du wirst mir eine kleine Summe nicht VUiVll)UII. Das sagst du immer, lieber Bruder. Wenn ich diese kleinen Summen alle zusammenaddiren wollte" So würde die Gesammtsumme doch nur eine Bagatelle sein im Vergleich zu den Summen, die du .täglich an der Börse verdienst." Das mag sein, aber" Der Bankier wurde abermals unter brachen; der Kammerdiener hatte die Thüre weit geöffnet, Madame Schlichter, gefolgt von ihrer Tochter, rauschte her ein. Sie war in ihrer hochelegantenToilette noch immer eme schöne, stattliche Erschel nung, und der hochmüthige Ausdruck ih res Gesichts ließ nur zu deutlich erkennen. daß sie sich besten bewußt war. Von dieser Schönheit und diesemHoch muth hatte Hertha wenig oder nichts ge erbt, aus ihren ' etwas , eckigen Zügen sprach ein tiefsmnigesGemüth, man mußte das Mädchen beim ersten : Blick in die dunklen, feelenvollen Augen- lieb gewm nen. Die stolze Frau hatte nur mit ei nem kaum bemerkbaren 9?eigen desHaup tes den höflichen Gruß des Ärmenpslegers erwidert, Hertha aber reichte mit freundIlchen Worten dem Onkel die Hand. -Wir fahren aus, Hugo," wandte Ma dame sich zu ihrem Gatten, der ihre reiche Toilette mit prüfendem Blick musterte. hier sind die Rechnungen memer Modistin, soll ich das Geld mitnehmen, oder willst du es hinsenden ?" Wie viel beträgt die Summe V fragte er gleichgültig. Dieser sämmtlichen Rechnungen ? Du wirst auch eine Nota meines Juweliers darunter smden " ' Renne mir nur die Gesammtsumme !" Sechstausend dreihundert Thaler." Willst du dich selbst bemühen, das Geld hinzubringen?" Es wird mir keine Mühe machen, da ich die Leute ohnedies wegen neuer Einkäufe besuchen muß." , Lasse dir an der Kasse zehntausend Thaler in Banknoten auszahlen," wandle der Bankier sich zu seinem Sohne, der ohne Zögern das Kabinet verließ. Wenn du Zeit hast, Hermine, kannst du dir die neue Equipage ansehen, die ich gestern gekauft habe, die Nader sollen heute noch mit Gummi überzogen werden. Die beiden Apfelschimmel, die dazu gehören, stehen in demselben Hause, ich glaube, sie werden dir gefallen."' Madame hatte die Rechnungen wieder zusammengefaltet, und in ihr elegantes Notizbuch gelegt, mit dessen Ecken sie sanst den Rücken ihrer Adlernase rieb. . Ich werde, schwerlichZeit dazu finden," sagte sie, - wir wollen heute auch den neuen Flüc.el lausen, die erwartete Sendung von Steinway in New - Bork ist endlich eingetroffen." Nimm nur das Beste, auf den Preis kommt es ja nicht an." Und das Theuerste ist immer das Billigste", nickte sie, während sie dieBank noten, die Otto ihr überreicht hatte, ebenfalls in das Notizbuch legte. Wir werden den neuen Flügel durch ein großes Fest einweihen, ich bin mit den Vorbereitungen dazu schon beschäftigt. Der Mnsikdirektor der königlichen Oper hat sich auf meinen Wunfch bereits mit einer berühmten Sängerin in Verbindung gesetzt, die in unsern , Salons auftreten soll,'ich glaube, sie fordert für den Abend nur tausend Thaler,' und' die übrigen Künstler und' Künstlerinnen, . die ihr als Staffage dienen,, kosten noch weniger. Das Fest , muß Aufsehen erregen, und gleich nach demselben reise ich in's Seebad." Schon, schon", erwiderte ihr Gatte, vielleicht kaufe ich vorher noch die Villa, dann geben wir' in ihr 'ein großartiges Gartenfest."'.' ' - Dann müßte es bald geschehen. Huao ; Zch werde die abgebrochenen UnterHandlungen heute wieder, aufnehmen. Schade, daß die Hagedörn'sche Villa bereits verkauft ist, ich hätte sie vielleicht genommen." Sie war zu klein sür uns",, erwiderte seine Frau. Etwas klein allerdings, sonst aber ließ sie nichts zu wünschen übrig. Unser Vetter John Carlsen hat sie gekauft, Heinrich. Er muß als Crösus von drüben zurückgekchrt sein, er hat sogar einen veritabeln Neger mitgebracht. Er wird uns in den nächsten Tagen seine Tochter bringen, Hermine." Madame nickte herablaffend, als ob sie sagen wollte, sie gedenke das abzuwarten um . dann erst ihr Urtheil. zu fällen, und ohne den Armenpfleger noch eines Blickes zu würdigen, rauschte sie mit hoch erhöbe nem Haupte an ihm vorbei. Es zuckte ein eigenthümliches Lächeln um seine Mundwinkel, als er ihr nach-

blickte, dem Mädchen, das sich an der' Thüre noch einmal grüßend umwandte.

nickte er freundlich zu, dann fuhr er tief aufathmend mit der Hand überfeine treuherzigen Augen. Du mukt in der That enorme öuw inen verdienen, Hugo !" . rief er. Findest du, daß ich zu viel ausgebe ? fragte der Bankier kühl. Ich bin nicht berechtigt, dir Vorschristen zu machen, aber " Leben und leben lasten, das ist mein Wahlspruch. Wir machen uns das Leben angenehm, und die Handwerker sollen auch verdienen." Gewiß, aber auch die Armen und Hilfsbedürftigen haben ein Recht zu le ben !" Na, ja, wie viel willst du eigentlich wieder haben ?" erwiderte der Bankier in verdrießlichem Tone. Diesen Leuten ist ja doch nicht zu helfen, je mehr man ihnen gibt, desto mehr wollen sie." Wenn du mir hundert Thaler geben wolltest" Sapperment, das ist viel Geld!" - . Nur ein Prozent von der Summe, die du vorhin deiner Frau für ihr? Garderobe gegeben hast !" erwiderte der ArmenPfleger, drffen Ruhe und Sanftmuth nichts erschüttern zu können schien. . Wenn meine Frau diese Worte gehört hätte" So wäre ich vielleicht in ihrer Achtung noch etwas tieser gesunken, aber ich mache mir wenig daraus. Ich brauche ja nicht mit ihr zu leben, und wenn sie, wie heute, dei einer zusälligen Begegnung mich übersieht, so ärgert mich das weiter nicht." . - Der Bankier hatte die Schublade ausgezogen und einige Tresorjcheine herausgenommen, .die er seinem Bruder hinschob. Du' glaubst nicht, wie viele Ansprüche an unsereins aemacht werden," brummte er. Bald ist es eine neue Kirche, bald ein Denkmal für die gefallenen Krieger, bald Dies, bald Jenes, wofür gebettelt wird, wenn ich Jedem glauben wollte, mußte ,ch das Geld Mit . vollen Händen zum Fenster hinauswerfen. Du solltest das Amt niederlegen, es bringt dir nichts ein, als Aerger,-und dein bescheidenes Einkommen könntest du für dich bester verwenden. Ein neuer Anzug hat dir längst Noth gethan, und ich vermuthe" So bescheiden auch mein Einkommen sein mag, meine Bedürsniffe sind noch geringer", siel sein Bruder ihm in die Rede. Aus äußeren Schein lege, ich keinen Werth ; es ist eben der Fluch unsererZeit, daß man die' Menschen nur nach dem äußern Schein beurtheilt." Das ist immer so gewesen, und es wird immer so bleiben, bis die Welt untergeht." '' So wie es jetzt ist kann es nicht bleiben." Meinetwegen ! Apres nous le deluge, wenn ich nur verschont bleibe!" lachte der Bankier. Lustig gelebt und lustig gestorben, darin liegt die ganze Lebensweisheit, man muß freilich die Mittel haben, um lustig leben zu können." Und unsere Mitmenschen -kümmern uns weiter nicht?" fragte sein Bruder mit leisem Vorwurf, indem er sich erhob. Jeder ist sich selbst der Nächste. Goethe hat da? ganz vortrefflich ausgesprochen : Eines schickt sich nicht sür Alle, sehe Jeder, wie er's treibe, sehe Jeder, wo er bleibe, und wer steht, daß er nicht falle !" : : Goethe hat das wohl etwas anders gemeint " Nun, so deute ich es mir, wie es mir paßt! Es kann nicht Jeder an der Börse spekuliren, und große .Aktiengesellschaften gründen, wer aber-das Zeug dazu hat, der soll auch sein Licht lechten lassen. Das Geld liegt aus der Straße, aber man muß scharfe Augen haben, um es zu sehen. Na, leb' wohl, Bruder, ich muß zur Börse." Der Armenpsteger drückte ihm dieHand und nahm seinen Hut, Otto legte die Feder hin und begleitete ihn hinaus. Nimm das von mir," sagte er leise, indem er ihm'eine Banknote in die Hand drückte.' ich kann augenblicklich nicht mehr geben, denn meine Kaste ist stark in Anspruch genommen." - ' Besten Dank auch der kleinste Beitrag ist mir willkommen, erwiderte der Armenpflege "Lieber Gott, was ließe ich mit den zehntausend Thalern ausrichten, die deine Mama für die Toilette einer einzigen Saison ausgibt ! Zwanzig arme Familien könnte man cm ganzes Jahr damit ernähren, von aller Roth und allen Sorgen befreien" " Und wenn - diese Luxusartikel, nicht mehr gekaust würden, so müßten die Arbeiter, . die . sie anfertigen, entlasten werden. Nein, Onkel, leben und leben lassen, wie Papa sagt !" Ich will nicht mit Euch streiten. Recht würde ichi doch nicht bekommen. Aber wahre dir den ' guten. Kern,' der in dir steckt, Otto, das bischen Leichtsinn nehme ich dir nicht übel. Wenn die Sündfluth einmal kommt, die dein Vater so trotzig heraussordert, dann werdet - Ihr Euch meiner Warnung erinnern." . , : Ich will ste nicht vergessen, Onkel. Weißt du, ich möchte in Eurer traulichen Wohnung, noch einmal einen gemüthlichen Nachmittag mit dir und der Tante verleben."' . , ' .Mit oder ohne Hedwig Ladenburg V scherzte der alte Herr. ' "' ' : ' Wenn es. sein kann, natürlich mit Hedwig! Könnte es am Sonntag aeschehen?" ! . ;. ; 1 (Fortsetzung folgt. ' Studiensreiheit. . 'Wißt ihrs schon ? wir kriegen jetzt auch einen neuen Studienplan, wie die Studenten !" - -Ja, Peterl, was ist denn das ein Studienplan?" , Das heißt, das uns der Lehrer nicht mehr commandiren darf. Wir können jetzt lernen was wird wollen." Ah, das ist brav !" Jetzt weiß ich nicht, soll lch'8 ABC weglassen oder das Einmaleins Btttler-Stolz Bettler (zur Hausfrau, die ihm 1 Pfennig gegeben: Hier haben Sie noch einen Pfennig, damit Sie dem nächsten Armen wenigstens anstandiaßr Weife zwei Pfennig' geen könnend

2tn Ut deutfsen Ströme.

P fcil"& ;trXm Virtffir C5 rrll Akt lt VlUlUb vikvuti vvwi. 7 Wie segensreich war fönst doch Euer Walten: Fast 'aber scheint es, daß in jüngster s . Ztt! Ihr es vergessen habet. Maß zu halten. Bald seid so karg ihr, daß, im Lauf gc hemmt. Ungern daö Schiff sich muß vor Anker legen; Bald überschwänglich spendend über schwemmt Verderblich ihr daö Land mit euren Segen. Ihr achtet nich, was sorgsam die Natur Und Menschenhand gebaut, euch zu beschranken. Euch stürzend auf die wohlbestellte Flur, Ertränkt die Saaten ihr. statt ste zu tränken. Ihr übersteigt die Dämme, ihr durch- ' brecht Die Mauern, die sich euch entgegenstellen. Und was ihr findet, sonder Fug und ; ;! Vecht Tragt ihr eö fort auf räuberischen Wellen. Den Fruchtbaum spült ihr aus dem Grunde los. In dem. er steht, und führet ihn von ' bannen. Die Pfeiler treffend mit gewaltigem Stoß, Zerreißt ihr Brücken, die euch überspan- - nen. Die Städte, die sonst froh und wohl - . gemuth In eurer Fluthen Spiegel sich beschauen: Hineingeriffen in die wilde Fluth, ls:eyn zmernd t, von Furcht erfüllt und Grauen. ' Es flüchten angstvoll zu des Berges Höh' Empor die Menschen, die im Thale wohnen ; Kaum ragen weithin aus dem trüben See Der Hütten Dächer und der Bäume . Kronen. O deutsche Ströme, denen manches Lied Des Lobes voll, von Dichtermund ge- - -, sungen, Ist's recht wohl, daß ihr wie es nun geschieht Zerstörend einbrecht in die Niederungen?. Indeß, die Kunde kommt schon, daß ihr ' ' ,- weicht. Nachdem ihr manche Hoffnung jäh vernichtet. Zurücke tretend, werdet bald vielleicht Reuvoll ihr schauen, waS ihr angerichtet. Es thut euch leid ! . Ich hör' es, wie ihr sprecht: Laßt unS verständig handeln, uns zum Preise! Seid Menschen ihr maßlos und unge ; ' . recht ' Flußgöttern ziemt'S, gerecht zu sein und weise ! (Kladd.) Advokaten.Stückchen. In Gotha warf ein Advokat einen Bauern, desten Prozeß er nicht führen wollte, zur Thür hinaus, und übersendete ihm hernach eine Rechnung von zehn Sgr. sür Bemühungen".' Ein Anderer Ulan von einem Bauern einen Hasen als Geschenk zugesendet; er dankte demBauern dafür mit einigen Zeilen und schrieb ihm diese Denkzeilen mit acht Sgr. in Rech, nung.' Ein Dritter hatte für einen Handwerker, den die Gemeinde nicht aufnehmen wollte, eine fo ungeheuer lange und confufe Schrift gemacht, daß als dieselbe den Gemeinde Vorstehern bei Gericht vorgelesen werden sollte, di:se nach einer halbstündigen Anhörung aus einem Munde riefen : Um Gotteswillen, seien Sie still, Herr Amtmann ! seien Sie still Wir wollen den Kerl ausnehmen." In Hamburg an der Börse würde, ein Advokat von einem fremden gefragt: Nicht wahr, mein Herr ! dieser Dukaten ist acht Marf?" -Ja votzl," aate der Advo at. steckte den Dukaten ein und gab acht Schillinge yeraus ; . hier :ii das Uebrlge ; eme Frage kostet sieben Mark, acht Schil linge."-' Der sächsischeKinderliederPoet. (Herr Bäffchen aus Oschatz dichtend :) Knebbchen, Knebbchen, Knebbchen ! 'S regnet kleene Drebbchen! Bist de gut und brav gewesen, ttoos ich morgen Dir in Drüsen Ooch ä hibsches Debbchen, '.Knebbchen, Knebbchen, Knebbchen ! . . Mtfado. Zuwenig. Herr: Angebetete Lucie, erhören Sie meine treue 2tU und beglücken Sie mich mit dem Besitze Ihrer Hand Sie sind mein Alles ! Dame: Gerade deshalb muß ich Ihren Antrag zurückweisen. Die reicheSpeisekarte. Fremder (in einem Münchener Ease) : Ei, ei, Fräulein! was aben Sie da ei. ne reiche Speisekarte ! Außer Roastbeef und Filetbraten noch Beesstcak, Rump. steak und Entrecote ! Ist denn das auch wirklich alles da? Kellnerin (verschämt lächelnd) : No, i will's Ihnen söge : DSS Fleisch ist bei alle dem Zeig das nämliche : das Beef steak iS mit Zwiebel, das Rumpsteak is mit Sardellebutter und daö Entrecote iS mit Meerrettig. DieOhrringe. Sag mal, Tante Marianne, da hab' ich gestern im Zoologischen Garten einen ganz alten Mann gesehen,der hatteOhr ringe an. Der ist wohl früher mal ein kleines Mädchen gewesen ?" Der Mann ist ein Drama, besteht aus Handlungen und ist strengen Gesetzen unterworfen.