Indiana Tribüne, Volume 6, Number 68, Indianapolis, Marion County, 26 November 1882 — Page 6

- Der Mond. von . rs. rüymacher. ,111. ' Lange Zeit hindurch var die' Ansicht die vorherrschende, daß auf dem Monde schon alles zu? Nuhe gekommen sei, eine Meinung, die sich auf die Autorität MSdlersstM, aber sie ist nachdem Vorhergehende doch nur in so weit richtig, als sie sich auf größere Gebilde, Lttoggebirge und dergleichen beschränkt. Und in diesem Sinne gilt dasselbe auch von unserer Erde. Auch die Ninde im sereö Erdballes ist schon dick genug, um jjr Bildung so großartigerer Gebirgs vassen vie der Alpen oder der Anden ode? auch nur kleiner PlateauZ uumög lich zu machen. Die vulkanische ThS tigkeit der Erde ist für jetzt nur noch im Stande, Veränderungen niederer Qrd innig an ihrer Oberfläche hervorzubrin gen. Die größten vulcanischen Ereig. niste, velche durch unsere Geschichte beglaubigt sind, würden sich, vom Monde nZ betrachtet, der sicheren Wahrneh Oung entziehen. Wenn man jedoch den Mond LZittelst krastvoller Instrumente und eine hinreichend lange Zeit hindurch oufmerksam beobachtet und das Wahr genommene einer kritischen Prüsung untervirft, so muß man nothwendiger Weife zu der Ansicht kommen, datz der Mord noch heute physischVeneränderun. gen unterworfen ist, hinter welchen die jemgen auf unserer Erde weit zurück, bleiben, und daß, wenn auch der Mond in der EntvicklungSphase weiter borgt schritten ist als die Erde, die in ihm thä ligen Krasteoch noch nicht alle in das Stadium der Ruhe eingetreten sind, daß vielmehr ein Theil jener Kräfte, welche einst seine bielfach zrrklüstete und zerrissene Oberfläche hervorbrachten, auch heute noch theilweise wirksam ist. Schon mit einem mittelmäßigen Fern ivhre bemerkt man aus der Mondober fläche merkwürdige Lichtstreisen, von welchen einige vereinzelt sich hinziehen, deren größte Zahl aber zu nahe regel äßigen Strahlensystemen geordnet tu scheint. Besonders in die Augen fallend ist das Streifensystem des Tycho: von diesem großen Ringgeblrge erstrecken sich Strahlen nach allen Seiten hin. Man 5ann sie weder für Erhöhungen noch sür Vertiefungen halten, denn sie zeigen an ihrer Grenze nicht die. geringste Spur von Schatten, und sie treten fast immer so glänzend auf, daß sie die Formen der Gebirgsgegenden, durch deren Gebiet sie sich hinzieben, ost durch ihre blendende Helle in der Wahrnehmbarkeit bee'm trächtigen. ES macht den Eindruck, als seien aus den Kratern, welche den Kno tenvunkt . genannter Strahlensysteme

bilden nach allen Seiten hin Lavaströme ußgeflossen, deren Breite bis zu 4 Mei Un beobachtet wird. Die raumlicheAuS dehnung der Lichtstreifen ist weder- durch Gebirge noch durch Thäler begrenzt, sie ziehen vielmehr ohne Rücksicht auf die Bodengestaltung über weite Flächen der Mondscheibe hinweg, über Hochgebirge, durch Ebenen, ohne ihre Gestalt und Äichtung zu ändern. Die wisjentschastllche Erklärung die ser Streifen bot lange große Schwierig leiten dar ; .der Eine hielt sie für Berg ketten, der Andere sür Lavaströme, aber beide Deutungen entsprachen den Beobachtungen nicht! Bergketten können es nicht sein, weil sie keinen Schatten werfen, ebensowenig Lavaströme, weil sie, unbekümmert um die bedeutendsten Unebenheiten des TerrainS, in grader Richtung sortlausen. Mädler giebt da rüber solgende Erklärung : Nimmt man an, daß der Mond seine Oberflä chengestaltung durch vulcanische AuS brüche erlangt habe zu' welcher Au ahme man durch die Form-seiner Berge genöthigt ist so ist leicht zu erachten, daß nicht alle Auöbrüche vom Centrum ausgingen und senkrecht auf die Ober PSche trafen, sondern häusig unter schie fen, sehr kleinen Winkeln. Denkt man sich einen stark erhitzten Gasstrom nahe unter der Oberfläche hinstreichend, so wird er die Struktur derselben . und solglich auch die ReffexionZfähigkeit der selben verändern, cr wird die Massen der Oberfläche, je nach ihre? Beschaffenheit, verkalken oder verglasenund die je 53 erLnderung wird eine bleibende sein, die selbst durch nachherige Ausbrüche und Umwälzungen nicht wesentlich betroffen wird. Vielleicht zogen solche Ströme Don allen Seiten einer einzigen großen Csse zu, die sich ihnen an der Stelle des Letzkgen RinggebirgeS darbot und auf ihrem ganzen Laufe verglasten sie die über ihnen befindlichen Oberflächen theile. - Eine. Bestätigung dieser Erklärung pndet sich in denjenigen Kratern, die ehne ein eigentliches Strahlensystem von Hellen Streifen ringsum einen außeror deutlich hellen, weißglänzenden Schlm er verbreiten, der noch in einiger Eat fernung bisweilen unter der grauen Färbung der maro"-. durchzuschim er scheint, oll ob meilenweit um ei nen solchen Krater dw ältere Decke' zer Pört worden sei. Elne nicht minder räthselhaste For ation als die erwähnten Lichtstreifen Pud die sogenannten Rillen. E3 sind dieZ lange, gradlinig und schmal verlau sende arabenartiae Vertiefungen, die durch Ebenen wie durch Gebirgsgegen deii sich hinziehen und oft die Wände der Ringgeblrge durchbrechen, ein' Be weis, daß die Rillen späteren . Ursprung haben als die GebtrgSeryeoungen. Durchkreuzungen oder Verzweigungen der Rillen sindet man äußerst selten, schlänaelnde Krümmungen, wie etwa bei unseren Flüssen beobachtet man nur bei m.i cix rt.ci rr ler einzigen, xami icyi ic u cuuyui Stellen Üu dreien und vieren neben' ein der hinlaufen. Berge von bedeutender Steilheit und Höhe werden von ihnen bkrchsehi. ohne daß sie 'für gewöhnlich Breite merklich änderten. Schmidt Zj? gegen 300 solcher Rillen auf dem JBJ'O V . w 1 ... -onoe veovachtet und gezeichnet, oa ??ter, auch die geschlängelte. welche sich i inßßtMrae Herodotnahe dei Art Zlarch besindet. Schmidt glaubt bzmer lenzu mufiea. bnfc fci kuid Uristarch eine uuäuZgesejte nf mlL antet seitens der Beobachter verdiene Er ave.vv.,r oem 10. Mai 1862 westlich vom genannten Ringgebirge 15 Ril , ulfcuno uns wnppt ltemer Krater aus gejuaden, hinsichtlich deren es nerkwü?

dig sei, daß weder er selbst noch irgend ein anderer Astronom sie früher gesehen babe. Ihre Länge beträgt 4 bis 20 Meilen. Da der Mensch nur zu seh? geneigt ist, an alles Außerirdische den Maßstab des ihm von der Erde her Bekannten an zulegen, konnte es natürlich nicht aus bleiben, specizelle Aehnlichkeiten zwi schen Erde und Mond bemerken zu wol len, -und so hat man denn diese Rillen bald sür künstliche Eanäle, bald für Landstraßen angesehen. Aber man müßte doch in der That den Problemati schen Mondbewohnern eine' exceffive Neigung zu Thorheiten zumuthen, fctrni was sollten sie mit Eanälew oder Stra ßen von so kolossalen Dimensionen, die schnurgrade über Berg und Thal lausen, um dann ost plötzlich in dem dunklen Schlunde eines Kraters zu endigen? An Flüsse ist hier auch nicht zu denken, denn einerseits ihr schnurgrader Lauf, ander seitZ die Beobachtung, daß diese Gebilde auch zu den steilsten Höhen sich hinauf ziehen, wiedersprechen ganz und gar die ser Annahme. WaS die wahre Natur der Rillen be trifft, so stellt Mädler darüber folgende Hypothese auf, die von Schmidt, dem genauesten Kenner der Mondoberfläche, vielfach bestätigt wird. Es heißt in die ser Erklärung : .23im AuSbruch" das rechte Wort ist, wodurch im Ganzen und Großen das Wirken der die Oberfläche des Mondes gestaltenden Kraft bezeich net wird, so wird i darauf ankommen zu untersuchen, ob auch in Beziehung aus alle einzelnen Bildungsformen jene An nähme eine genügende Erklärung dar biete, und wie man sich den Ausbruch modificirt denken müsse, der eine gege bene besondere Art dieser Formen her vorgebrachthat. Eine vom Innern e! neS kugelförmigen Körpers nach außen hinwirkende Krast, 'ihre primitive Ur sache sei, welche sie wolle, wird am häu sigsten nach der Linie des kürzesten 2öiVerstandes wirken, ja sie würde dieser Richtung ausschließlich solgen, wenn die Dichtigkeit und Eohärenz der wider stehenden Massen nach allen Richtungen hin dieselbe wäre. Wirkt sie also von Innen her senkrecht gegen die Ober fläche, so muß sie die Homogenität der betreffenden Massen vorausgesetzt im Falle deS wirklichenAuSbruches einen kreisförmigen regelmäßigen Krater, im Falle des zu starken Widerstandes hin gegen einen rundlichen Berg bilden, und beide Formen sind, wie man leicht sich überzeugen kann, auf der Mondfläche überwiegend häufig. War indeß die durchbrechende Masse nicht homogen, zeigte sich aus der kürzesten Linie in Folge dieser Ungleichheiten der Wider

stand stärker als aus einer anderen län geren, so ersolgtenAuöbrüche in anderen Richtungen ; die Krater wurden läng lich, die Höhe ihres Walles ungleich, die Kraft zersplitterte . sich und bildete naheliegende Oefsnungen von ungleichen Dimensionen.- Man kann annehmen, daß die.Rillen deS Mondes der spätesten AusbildnngSprnode auf der Mondober PSche angehören, man muß sich dieselben vorstellen alS die Wirkungen elastischer Kräfte, die aber, ' anstatt vormal gegen die Oberfläche durchzubrechen, durch Lo calumstande gezwungen, sich parallel un ter der Oberfläche fortbewegten und den Boden der Länge nach spalteten, wenn eS auf andere Weife nicht möglich war durchzubrechen. Es würden somit Licht preisen und Rille auf dieselbe Ursache zurückzusühren sein. ' Vorher waren die Hohen, ewiger Mondberae angegeben" worden, und eS dürfte daher nicht unangemessen erschei nen, über die Art und Weise derartiger Bestimmungen einige Andeutungen zu geben. Eine Karte des Mondes kann nur die Scheibe des Vollmondes dar stellen, aber zur Beobachtung der elnzel nen Partien eignet sich der Vollmond durchaus nicht. Die unzählige Menge von umsangreicherrn Gebirgen und Kra tern, die man bei der Sichelgeflalt in der Nähe der Lichtgrenze zwischen dunklem und erleuchtetem Theile sieht, sind deim Vollmonde beinahe unkenntlich, wen bei dieser Stellung des Mondes gegen die Sonne der Schattenwurf, die sür die Sichtbarkeit der Mondgebilde günstige Bedingung ein minimaler ist. Daher vlrd der Astronom, welcher Hihenmes sungen vornehmen oder eine Karte des MondS zeichnen will, nicht die Zeit des Vollmondes wählen, sondern jede Ge gend des Mondes zu einer Zeit besbach ten, wo sie unmittelbar oder nahe am Rande des erleuchteten Theils sich besin det. Und eine solche Epoche tritt sür jede Mondlandschaft zwei mal während eines Mondtages ein, d. h. zwei mal im Verlause von ungefähr 29 Erdentageu ; einmal nämlich, wenn für die betreffen de Landschast die Sonne eben ausgeht, also bei zunehmenden Monde, und zum .weiten male, wenn sür dieselbe die Sonne eben untergeht, bei abnehmend Monde. ; Mit nur müßigen Fernröhren bemerkt man schon, daß die Sichtgrenze seine gleichmäblg verlaufende Linic ist, fen dem daß dieselbe vielfach ausgezackt er scheint in Folge der Unebenheiten auf der Mondoberfläche. Man bemerkt auch in dem dunklen Theile des Mondes viele isolirte, hellglänzende Punkte, die wie kleine lichte Inseln auS dem Dunkel her vortreten. Diese hellen Punkte sind NicktS anderes als Aeraaivsel. die von der auf und untergehenden Sonne be leuchtet werden, während ihre tieferen Partien noch nicht oder nicht mehr von den Sonnensteahlen getroffen werden. Dasselbe sehen wir ja auch aus unserer Erde,' wir sehen vor Aufgag oder nach Untergang der Sonne die . Spitzen höherer Berge in rosensarbigem Glänze schimmern, während uns selbst in der Ebene nächtliches Dunkel umfängt. Es ist klar, daß eine Bergspitze desto früher von den Strahlen der' aufgehenden Sönne erreicht werden wird, , je höl)er sie sich erhebt, und hieraus ist wieder erficht lich, daß diejenigen Berge an der Licht grenze deS Mondes die höchsten sein werden, deren hellglänzende Sipsel am weitesten von der Sichtgrenze entfernt liegen, oder am weitesten in die Nachtseile des MondeS hinein, sich erstrecken, und ihre Entfernung von der Begren. zung des lichten und dunklen Theiles der Mndlckkibe aitht uns ein Mittel, ein l Maß sür ihre ' größere oder geringere Höhe zu gewinnen.

Eine bei weitem bequemere und ge nuere Methode der Messung der Mond berge beruht aus der Messung der Schat tenlängen. Jedermann weiß, daß der Schatten eines Gegenstandes desto län ger ist, je höher der Gegenstand oder je kleiner die Höhe der Sonne ist. Ist nun aber die scheinbare Winkelhöhe der Sonne über dem Horizont bekannt, so läßt sich leicht aus der Länge des Schat tens die Höhe des schattenwersenden Körpers bestimmen. Nun kennt man die Sonnenhöhe sür jede Mondgegend genau aus der gegenseitigen bekannten Stelluug von Sönne uud Mond, man bat also nur nöthig mittelst einer am Fernrohr angebrachten Mikrimetervor richtung die Länge des Schattens eines Berges zu messe, um damit seine Höhe zu bestimmen. Man könnte diese Me thode auch bei Höhenmessungen auf der Erde anwenden, aber bei weitem nicht mit dem Grade von Genauigkeit, wie eS auf dem Monde möglich ist. Wegen der Lichtzrstreuung unserer. Atmosphäre nämlich sind die Begrenzungen der Schatten nicht völlig scharf und unzuei felhaft, sondern mehr oder weniger ver waschen ; auf dem Monde dagegen sind sie auS weiter unten erwähnten Gründen nicht nur viel dunkler, sondern auch der artig schars begrenzt, daß ihre Messung mit aller nur wünschenSmerthen Präci ßsn auZgesührt werden kann.

Javanische Höllenbveughel. Im Berliner Kanstgewcrbe Museum sind gegenwärtig, japanische Malereien ausgestellt. Von den altern Gemälden ist eines der wertvollsten daSBildBudd ha'S aus dem elften Jahrhundert. Diese Darstellung unterscheidet sich wenig von den byzantinischen Heiligenbildern- deS MittelalterS. Der großeReligionöstister schwebt auf einem dichtenWolkenring, ein gülden Gewand umhüllt seinen Leib, selt sam verdrehte braune Hände erheben sich als wollten sie Segen spenden, der mäch tige Kopf ist von Ringen umgeben, wel che an die Aureole christlicher Heiligen erinnern. Buddhistische Gottheiten sin den wir in großer Menge dargestellt : zumeist singer blickende, drohende und groteske Gestalten, welche zu einerWan derung ins Jenseits wenig ermunternd wirken. Die Maler im .fernen Osten scheinen, ganz wie ihre mittelalterlichen Kollegen imWesten, ihre Kunst Vorzugs weise dazu verwendet zu haben, den gläubigen Buddhisten vor den Hollen strasen im Jenseit3Grausen einzuflL ßen. Da sehen wir ein jüngstes Gericht, wie es entsetzlicher kaum gedacht werden kann. . Der Gott, welcher zu strasen und zu rächen kommt, hat in diesem Gemälde ein Gesicht so roth wie Blut und weiße Tigerzshne und semeAugen blicken furchtbar drohend.' : . , , ; Ihm zur Seite sitzen Schreiber Mit büreaukratischen Gesichtern, welche das Sundenkonto . der armen Seele nach schlagen. Vom hohen Gerichtshof ver den Verurtheilten durch Teufel in den flammenden Höllenpfnhl hinabgestoßen und , dort zerschlagen, ml glühenden Zangen gezwickt, in Itn spanischen Bock gespannt und mu allen Finessen gequält, welche die Henker der Inquisition in Spanien zur Zelt der. Herenverfolgung anwandten. Die' Zahl der chinesischen und japanesischen Höllen BreughelS scheint Legion zu fem, denn eine wahre SchreSensgalene von ollenbildern thut sich vor dem Beschauer auf. Aber auch eine Art von Fegefeuer wurde dem An scheine nach im buddhistischen Himmel zur Seelenreinigung etablirt. Wenig stenZ hat ein Maler arme Sünder dar gestellt, welche m der Tttse gequält und geschmort werden, dann höher steigen, durch Schwefeldämpse und Wasserflu then gehen und endlich von einem rosen rothen Berggipfel aus mit dem Himmel emporschweben. Bon den Göttern ist Jurosin, der Gott des langen Lebens, eine der fragwürdigsten erscheinungen. Dieser Gott wird als ein wohlwol lender Greis mit langem weißem Bart dargestellt, der sich auf einenHirsch stützt. Wie die Götter, so werden auch die Hel den so dargestellt, daß sie dem Beschauer schrecklich erscheinen. Der Held Schoki ist ein furchtbarer Riese mit blutrothem Tigergesicht, dem ein affenartiger Diener ein Riesenschwert nachträgt. Eine freund liche Erscheinung, die der Künstler flott und in anmuthigen geschwungenen Li nie gezeichnet hat, ist Seobe, eine my thischeDane. Oerliner OerichtSszene. Eiveschvierige-VerHand lung. Vorsitzender: Angeklagter Lehmann Sie werden an besten daran thun, sich schuldig zu bekennen. Angekl. : Nee, ick kenne ihn überhaupt nich, nur des eenzigste Mal hab' ick ihn jesehen alS-er mit muh krarehlle. Vors.: Sie hören wohl etwas schwer? Angekl.: Ja, ick kann die reene Wahrheit beschworen. Vors. (zum Gerichtsdiener) : Rusen Sie mal dem Angeklagten recht laut ins Ohr, er möge sich auf die Anklage auslassen. Genchtödiener (ziemlich laut) : Sie sol len sich auf die Anklage auslasten. . An gekl.: Ist, Männeken, lasten Sie mir man raus, ick habe hier doch nischt ver jesten. (Will die Anklagebank verlas sen, wird aber vom Gerichtsdiener zu rückgehalten und bedeutet, das; er sich da rüber äußern solle, ob er sich schuldig suhle oder nicht.) Angekl.: Ach so! Wo werd', ick mir denn schuldig sühlen ? ErschtenS hat er. mir zuerscht beleidigt, und dann kann man doch nicht Jedem an die Rase ansehen, da er een Staats gevalt is. Wenn ick uf die Treppe vor die Hausthür vor meinem Hause, wo ick drinn wohnen dhu, in eene schöne Som mernacht een biöken indrustelle, denn jeht des 5eene Staatsgewalt und och keenen Nachtwächter nich, wo ick noch nich gevvßt habe, deß det eene StaatSge walt, der man keenen Widerstand nicht leisten darf, iö, an.' Und anfassen laste ick mir nich. ooch nich von een Vertreter von die Staatsgewalt. Vors.: Der Nachtuächter hat Sie aber nur inhJrem Interesse geweckt, damit Sie nicht im Schlase bestohlen werden. Angekl.: Ja, ja, er sagte zu mich, ick könn: ihm gestohlen werden. Vors. (mit sehr vernehmlicher Stimme): Angeklagter wie es scheint, läust die ganze Geschichte auf ein Mißverständniß hinaus, dem

wiederum Ihre Schwerhörigkeit zu

Grunde liegt. Der Nachtsachter hat es jedensalls gut mit Ihnen gemeint. Angell, (unterbrechend) : Nee, er hat in's janze Revier keenen Freund, weil ihn Alle vor eenen Grobian kennen, rVors.: Lassen Sie mich erst ruhig aus reden. Angekl.: Nee, nee, das sind hier keene Ausreden. Vors.: Wir werden, wie es scheint, mit einander nicht fertig werden, und werde ich nun mehr zur Vernehmung deS Zeug:n schreiten. Anqell.: Nee, nee, darüber brauchen wir uns nicht zu streiten; er hat mir anjefaßt, und des lasse ick mir von keene Menschen nich jesauen, und nu jab eS Senge. Wenn Sie mir da vor verknacken wolleg, denn jehc ich bis ans Kammerjericht, denn een anständl aer Burjer braucht sich nicht ausästen las sen und ooch von die Staatsgewalt nich, und wenn die StaatSjewalt von eenen ruhigen Bürjer wat will, muß sie et doch erscht sajen, ehe sie Eenen anfassen darf, und wenn man noch halb un DrusZel is und nich sehen kann, ob eene Staatsje walt vor Eenem fleht und langt ihr nun een paar Ordentliche 'runter, denn kann des doch keen Widerstand jejen der Staatsgewalt rnch jenannt werden. Vors.: Sie sollen aber auch, nachdem Sie den Nachtwächter bereits erkannt hatten, ihm Grobheiten gesagt und, als er Sie nach der Polizeirevierwache tranö portirte, sich widersetzlich gezeigt haben. Angekl.: Er kann mir jar nich zeijen, wat gesetzlich is, deS weeß ick alleene. Vors,: Schweigen Sie nun, wir werden jetzt den Zeugen hören. Angekl.: Na, ick kann doch nich davor, deß ick nich jut hören kann, und det is doch keene Schande nich, wenn es ooch manchmal een Unjlück is. und zeijen kann mir doch davor keen Mensch wat. Der Herr Vorsitzende läßt den Angeklagten ruhig weiter schwatzen und vernimmt den als Zeuge vorgeladenen Nachtwächter, der sehr bestimmt bekundet, Angeklagter kenne ihn sehr genau und habe ihn auch sofort erkannt, als er von ihm aus dem Schlafe gerüttelt und aufgefordert wor den fei, sich in seine Wohnung zu bege ben. Er habe sich vom ersten Augen blicke an renitent gezeigt und thätlich gegen ihn vergriffen. Da Aussage gegen Aussage stand, und -der Singe klagte ein noch unbescholtener Mensch ist, so wurden mildernde Umstände als zulässig erkannt. - Er kam daher mit ei ner Geldstrafe von 30 Mark davon. Als der Herr Vorsitzelide dem Angeklagten, welcher den Wortlaut des Urtheils wahr scheinlich nicht verstanden hatte, zurief, daß er jetzt nach Hause gehen könne, ant wertete dieser vergnügt : Na ick wußte ja jleich, daß sie mir nich hier behalten würden." ' Lelehrte Frauen aus früherer Zelt. Gelehrte. Frauen sind keineswegs eine spezielle Erscheinung deS modernen Zeit alters ; auch frühereJahrhunderte hatten Damen auszuweisen, die mit ihrem Wis sen Aussehen erreglen. Besingen, Toch ter des berühmten Juristen Johann An dreä, Gattin des ProsefforS Doktor Jo hann de S. Gregorio Bologna, war in der Rechtswistenschast so bewandert, daß sie, wenn ihr Mann krank war oder sonst Abhaltung hatte, öffentlich austrat und an seiner Stelle vor der Studentenschaft Vorlesungen hielt. An derselbe Uni versität erhielt eine gelehrte Jungfrau, Baltizia Gozadina, die juristischeDokto renvürde und wurde mit einer Prosestur betraut. In Padua fand am 2ö. Juni 1678 die feierliche Promotion der ge lehrten Lucrezia Helena Cornara PiS copia in der Domkirche , statt, weil die Hörsäle der Universität dem Andränge der Zuhörer bei diesem feierlichen Akte nicht genüg! hätten. Eine andere zu gleich durch Schönheit ausgezeichnete Gelehrte, Taryuinia Molsa mit Namen, wurde von. der Stadt Nom zur Ehren bürgerin ernannt. Dieselbe sprach die altklassischen Sprachen geläusig. war in der Mathematik, Grammatik, Rhetori, völlig heimisch, disputirte mit großer Gewandtheit über die schwierigsten wis senschastlichen Fragen und musicirte obendrein zum Entzücken. In derUr künde des römischen Senats, in welcher ihrer Geschicklichkeit und Verdienste ruhmvoll gedacht wird, wurde sie mit dem Beinamen der' .Einzigen" beehrt. Margaretha Sybilla v. Löjer, geborene v. Einstedeln, Gemahlin des kursächst schen Kammerraths K. v.LSser, wird als ein Ausbund der Gelehrsamkeit geschil dert ; sie soll in vier Fakultäten bewan dert gewesen sein. Sie sührte den Bei namen Minerva Soxonica- und starb 1690, Beinahe noch höher steht das umfassende Wissen der Anna Maria v. Schürmann, geboren 1607 in Köln, ge storben als 71jährige Greisin 1678 in Vinwarden. Sie wird von den be rühmtesten ihrer Zeitgenossen als das Wunder ihres Jahrhunderts bezeichnet ; nicht weniger als vierzehn alte und neue Sprachen verstand sie, dabei malte und sang sie, verstand sich aus Kupserflecher kunst, Mathematik, Astronomie, Philo sophie und Theologie, und war im Diö putiren den gelehrtesten Männern ihrer Zeit überlegen. Politische Gewissens bisse. Kaiser Karl V. machte sich bis weilen Gedanken über das Königreich Navarra, daS erse!ber für keinen ganz rechtmäßigen Besitz seines Hauses halten konnte. Aber raS Land schlechtweg herauszugeben, war er trotzdem nicht ge neigt. So suchte er denn einen Mittel veg, der sich darbot, wenn Karl's Sohn Philipp . die legitime Erbin Navarra'S, Jeanne d'Albret, heirathete. Dies Ehe Projekt zerschlug sich indetz.und daS Ende war : der Kaiser behielt Navarra. Doch als er dem Thron entsagte, übergab er, um sein Gewissen zu beschwichtigen, sei nem Sohne ein versiege.tes Schreiben, worin er ihm empsahl, sich des ungerech ten Guts zu entäußern. Philipp las und dachte : .warum soll ich'S nicht ma chen, wie mein Vater V Er behielt Na. varra, so lang er lebte, und binierließ seinem Nachfolger ebensallS versiegelt die Ermahnung zur Herausgabe. Dieser Philipp I1I..hätte wahrscheinlich dasselbe Verfahren beobachtet, wie fein Vater lud Großvater, wäre Spanien nicht in zwischen, unglücklich im Kriege gegen Frankreich gewesen, so daß es Navara an Heinrich IV. verlor

D i e N a s e. Ein wissenschastliches Blatt, die Ey giene practique", widmet der Nase eine physiologische Studie nach denPrin cipien LavaterS. Wenn die Sprache dem Menschen gegeben ist, um seine Ge danken zu verbergen, so ist, nach dem Versasser jener Monographie dieNase da, um der Wahrheit wieder zu ihrem Recht zu verhelsen. DaS Gesicht täuscht manchmal,dieNase nie : Zeige mir Deine Nase und ich will Dir sagen, wer Du bist. ' DaS Zeitalter Ludwig'S XIV. mit seinen großen Männern, vornehmenDa men, großen Dichtern und großen Pre digerx war daS Zeitalter der großen, majestätischen, römischen Nasen. Das achtzehnte Jahrhundert dagegen mit sei nen zierlichen gedrechselten Marquis, seinen hübschen, leichtfertigen Gräfinnen, seinen kleinen Romanen, kleineniäusern, kleinen Soupers war das Zeitalter der kleinen aufgestülpten, schelmischen und verliebten Nasen. Eine Nase mit breitem Rücken, mag sie nun gerade oder gebogen sein, deutet aus hervorragende geistige Fähigkeiten (Tizian, Earracci. Lucas von Leyden, Luther, Swist, Cäsar Borgia, Cas stni ,c.) Alle großen, regelmäßigen, auZdrucks vollen Nasen, die sich von der Wurzel an krümmen, lassen einen gebietenden, zu hohen Dingen berufenen Charakter er kennen, welcher mit Festigkeit dem er saßtenZiele nachstrebt (Alexander,Cäsar, AugustuS, Aristoteles, MoseS,Mahomed, Napoleon). -' Nasen ohne bestimmtenCharakter,ohne Biegung, ohne Grundlinie kennzeichnen Personen ohne Energie, ohne Jntelli genz, ohne Talent. i Die leicht aufgestülpten, an der Wur zel mit einer merklichen Vertiefung ver sehenen Nasen lassen aus einen natür lichen Hang zur Sinnlichkeit schließen. . ! Die geraden Z!asen deuten aus Ernst, die spitzen Nasen, von eleganter Form, mehr auf Verstand, als auf Weisheit. Diejenigen Nasen, die sich oberhalb der Halste des Profils krümmen, ver rathen Dummheit, Geistesschwäche. - !Die kleinenNascn sind gewöhnlich daS Zeichen eines sansten und duldsamen, nachgiebigen und' gelehrigen Charakters. Kleine Nasenlöcher lassen eine schüchterne Person erkennen, die niemals das Ge ringste wagen würde. Die Menschen, deren Nasen nach dem Munde zu herunterhangt, flnd weder wirklich gut, noch wirklich fröhlich ? ihre Gedanken sind prosaisch, sie sind kalt, ge fühlloS, egoistisch,wenig mittheilsam und ost hypochondrisch. Personen mit ge raden. Nasen , gehen in der Regel direkt auf ihr Ziel los,diejenigcn mit StUmpf nasen laviren fast immer. : Betrachten wir dle.Alten : Cicero hat eine ausdrucksvolle und intelligenteNase; Cäsar eine unternehmende Nase; Bru tus eine Nase, welche eine unerschütter liche Festigkeit anzeigt; Plato eine träu merische, Homer eine erhabene'Nase.

Lieder aus dem Süve. Von Thesbs r trchh f. I. Am Tangipaho - (in ZktZMpplZ. Wo die blinkenden Wellen wallen Am murmelnden Tangipaho, In des Urwalds dämmernden hallen. Da well' ich so gern, so sroh. Flüchtiger Goldstrahl blinket Selten durch'S grünende Dach ; Unten im Grunde trinket Froh ihn der plätschernde Bach. Im Schatten der Sycamoren, ' Am moosbehangenen Baum, Da steh' ich, in Träumen verloren. Und blick' in den Wellenschaum. Wallet, ihr Fluthen, sachte, . . Wall't leiser dahin ! Traun, an die Heimath dachte Eben mein irrender Sinn. AuS dunkelndem Laubcezelte Der stolzen Magnolie tönt . (to Sang, wie Spott undGeschelte, Durch neckende Liebe verschönt. Vöglein, deine Gesänge Sprächen mit Zaubergewalt. . 'Wären's der Nachtigall Klänge, Jauchzend im deutschen Wald ! Doch lustig in Urwalds Hallen, Du Vögelein, keck und froh. Laß hell deine Freude erschallen Am murmelnden Tangipaho ! Sind deiner Schwester Lieder Wonne dem trunkenen Ohr, Schmettern die deinen wieder Freiheitsjubel empor. II. Nebelnacht auf de m Ten n e s s 1 1. O, wunderschöne Nebelnacht Am alten Kentuck'flrande ! Gehüllt in weiße Schleierpracht Ruh'n träumend ring? die Lande. Kein Lüstchen weht. Im Nebel wallt'S Mit silbergrauen Wellen; Wie dumpser Geister Ruh' erschallt'S AuS schwarzen Stromesschnellen. AuS dunklem Urwald hebt sich dort Des Mondes rother Bogen. Ich schau' herab vom Dampserbord Auf.die bewegten Wogen. De? Tennessee rauscht wild empor ;, Im Walde schrei'n die Unken. ' DaS Schiff bricht durch den Wolkenflor, Umwogt von FeuerSfunkea. III. Sommernacht im Süden ia TenneffeeZ. . Du zaubervolle Sommernacht In Südens mildem Glanz, Wie hält mit Wonne deine Pracht Mein Herz gefangen ganz! Still Alles rings! Nur selten schallt Der Drossel scherzend Lied, Und aus dem moosverhang'nen Wald Der Chor der .Katydid-. Gleich leuchtenden Gestirnen glüh'n ! Die Käser dort und hier; . ' Lichtschwellend und verlöschend zieh'n - ' Sie durch ihr Nacht.Revier. i Aus dunklem Wald und Heller Flur , Liegt klar des Vollmonds Licht;. -

ES ist, als träumte die Natur Von hehrem Glanzgesicht. Die laue Luft, wie Lenzeshauch, Küßt meine Stirne mild. Mein Herz ist voll. Ich träume auch Van serner Hcimath Bild. Die zehn Gebote des Bierbrauers. Du sollst . Gott GambrinuS über Alles lieben Und seine Ehre nicht durch schlechtes Bier betrüben. , Du sollst keine anderenGStter neben ihm verehren. Und nicht durch Chemikalien deinSut vermehren. Du'sollst unter der Woche guteS'Äier ' brauen. Daß sich Sonntags das Aokk kann er bauen. Du sollst Vater Hopsen und Mutter Gerste achten. Und sie als Schöpser deines Wohlstands nur betrachten. Du sollst nicht tödten Mit Bier von Schwerenöthen. Du sollst mehr aus deine Gaste sehen. Als aus Mädchen die vor'm Schalter stehen. Du sollst nicht gehlen dem Volk das Geld auS der Taschen, Und mit Wasser süllen Jäster und Flaschen. Du sollst nicht falsches Zeug unter daS , Bier mischen. Und verdorbenes nicht als gute auf tischen. Du sollst vom zolk nicht mehr. begehren, als dein Bier w:rth. Weil an seinem Mark ohnehin schon ge genug zehrt. Du sollst nicht begehren, daß deines Nächsten Hausfrau, Magd undKnecht, Dein Bier trinkt, wenn es verdotben ist, leicht und schlecht.. Morgen sindet die Hochzeit des bewährten ComplottschmiedS Cassetout statt. Die Braut erhält, wie wir ersah, ren, eine stattliche Dynamitgist. Eine Traurede wird nicht gehalten: werden, und zwr aus den ausdrücklichen Wunsch des Bräutigams, dcsten Devise ist: Reden ist Knallsilier, . Schicigen ist Knallgoid. ." : Idiosynkrasie. Der ange borene und unbesiegbare Widerwille mancher Menschen gegen gewiss: Thiere, Pflanzen oder todte Gegenstände, den man eben als Idiosynkrasie" kennt.triZft merkwürdigerweise, nicht nur solche Dinge, die allgemein sür häßlich gelten, so dern mitunter sogar solche, derenSchön heit in der ganzen Welt anerkannt ist. Wer sollte glauben.dsß selbst die .Koni gin der Blumen- Verächter und Feinde hat? Dennoch ist es Thatsache, daß Maria von Medici, die Gemahlin Ludmig'S XIII. von Frankreich, keine Rose sehen koonte,nlcht einmal gemalt,obschon sie alle anderenBlumen sehr liebte. Beim Chevalier de Guise ging dieJdiosynkra-

.sie noch weiter: Der Anblick der Rose machte ihn ohnmächtig. Das ist, so ko misch es klingt, immerhin noch glaublich. Unglaublich hingegen und wie ein bloßes Märchen erscheint, waS von einem russischen Großfürsten aus dem 1?. Jahr hundert berichtet wird : er sei in Ohn macht gesallen, sobald ein weibliches Wesen, in seinen Gesichtskreis gekom men. D ie.L Swen des Ta geö in Paris sind augenblicklich zwei junge RS mer, die Herren Barucci und Ferrari, zwei Koryphäen des Rudersports, welche in ihren winzigen Schvcrtdootcn vom Tiber aus längs der italienischen Küste nach Marseille und von dort durch den Rhonk, die Saone und deren Berbin dungskanäle bis in die Seine und nach Paris gerudert sind. Bei. ihrer Ankunst am Quai de la Rapee, wo sie von Tau senden, von Neugierigen erwartet wur den, fand eine Begrüßung seitens ihrer in Paris lebenden Landsleute statt. Seit dem Jahre 1867, um welche Zeit der Engländer Macgregor in. seinem .Seelenverkäufer RobRoy durch . den Canal herüberkam, um sodann den ge sammten Continent rudernd zu durch streifen, ist ein ahnliches Wagniß nicht ehr gesehen wordin. Die Galanterie des Blitzes. Ein französischer Gelehrter Namens Boudin hat sich in neuerer Zeit damit beschäftigt, statistische Tabellen über die vom Blitz getödteten Personen zu entwerfen. Er erklärt. Frauen hät ten weniger Ursache als Männer, sich vor dem elektrischen Funken zu fürchtenden aus hundert Mcnner kämen erst achtund zwanzig Frauen, die vomBlitz erschlagen worden seien. Der Blitz Hut entschie dene Vorliebe sür , das männliche Ge schlecht, und wenn ein Mann uud eine Frau nebeneinander gingen, so werde der Mann, nicht die Frau erschlagen. Boudin beschränkt sich darauf, die That sache mitzutheilen, ohne einen Versuch zu machen,eine Erklärung dieser bemerkenS werthen Naturerscheinung anzustellen. I T r o k!. ..Herr Kranzler, helsen Sie mir doch mit eine? Kleinigkeit, ich bin so arm und hab' heute noch nichts gegesten überall hab' ich eS schon versucht, aber verge benö. die Wohlthätigkeit ist eine Lotterie ich habe überall Nieten gezogen. Doch jetzt gebe ich mich der Hoffnung hin .Soll daö etwa eine Anspielung aus mein Lotteriespielen sein V .O nein, o nein, im Gegentheil. Sie gewinnen noch ganz gewiß l" .DaS läßt sich hören hier haben Sie einen Lotteriezettel, heut über acht Tage ist Ziehung. Wenn Sie gevin nen, haben Sie ein Ambo za neun Gul den ! 'Aber heute heute ich kann mich doch nicht mit der Hoffnung speisen ? !" - .Warum denn nicht? Ich speise mich schon zehn Jahre mit der Hoffnung, Sie . V . n r . fc . r , irccracn rs uiiu wuui ami jaat auguai teil können? !" '

AUS Lyoner Auarchisken-BlSttern.

Das Elend in hiesigen Nrbcüer kreisen spottet jeglicher Beschteibunz. Wir selbst besuchten gestern eine Mansarde, besten Bewohner schon längst die nöthigsten Sprengstoffe entbehrt, und desten Dynamitlosigkeit alle Begriffe übersteigt. Es schnitt uns in's Herz, als wir es anhören mußten, wie die Kinder der Bedauernswerthen nach Pulver schrieen. Hier thut schleunige Hülse noth ! An Euch wenden wir uns, die Ihr mit Explostonsstoffen reich gesegnet seid, mit der Bitte um schleunige Unter stützung. Auch die kleinste Patrone wird dankbar angenommen. Zum Besten des Agitatior.4sond5 werden wir in. der kommenden Woche eine Lotterie veranstalten, in welcher sich solgende Hauptgewinne besinden : 1 prachtvollts Nitroglycerinnkccsta'.re. 1 Sprengölgemälde, eine Barrikade darstellend. Mehrere Bombenieren und gefüllte' S ?tarden. Mit Bedauern ist zu constatiren, daß die persönliche Sicherheit onf den Straßen und öffentlichen Plätzen von Tag zu Tag größer wird. Mehrere Freunde des Präsidenten gingen in der letzten Zeit spazieren, ohne daß ihnen der Kopf vor die Füße gelegt worden ist. Wenn dieser unnatürliche Zustand nicht bald ein Ende nimmt, so werden wir die Namen der verruchten Lebenlaffer an den Pranger stellen. (Wespen.) Anzüglich. Lieutenant Schvörinsky fährt an des Königs WeburtstagSsest tüchtig angehei tert vom Casino nach Hause U7.d erblickt einen Soldaten, der betrunken im Stra ßengraben liegt. Da nist der Herr Lieutenant den Soldaten zu : .Heda, warum liegt Er da im Straßengraben, Er besoffener Schweinekerl, Er?- .Der Herr Lieutenant werden verzeihen, aber ich tonn mich. eben nicht heimfahren las sen, wie der Herr Lieutenant !" ' ' Aufmunterung. Ihr seid wahrhastig die glößten Dummköpfe vom ganzen Regiment, und doch, wenn sich Einer unter euch nur ein bischen gut hielte, so wär's kein Wunder, wenn er 's bis zum Seroean ten brächte, wie ich!" Der grollende Arbeiter. Arbeiter (zu einem anderen): Ick weeß man jar nich, was det heile mit mir eigentlich is, ick habe solchet Magendrü cken, det ick mir schon den janzen Tag die Kaldaunen schalten habe; det kommt aber ellenS noch von dem Jcldzug; da hat sich j:der eenen Knox jeholt. (Nach einer Weile, sich besinnend): Es könnte aber occh davon kommen, dat ick heite zum Frühstück dritthalb Pfund Leber vurscht zu schnell rinjesreffen habe. D e r g r o b e I si d o r. Frau Meier: Bor de Leut warste wieder mal flegelhast grob zu mir, und jetz, wo mer allein pn.kommste un willst mit wer schäkern ! Schäker mit mir vor de LklU'. und de Flegel mach' jrht ! ' Grausam. Erster Strolch: .Host'Du's schon gehört, den Messerfritze haben ste wegen Einbruchs und Mordes zum Tode und zu zweijähriger Zwangsarbeit verur lh-ilt V Zweiter Strolch : .Der arme Kerl! Aljo nicht einmal nach seinem Tode will man ihm Ruhe gönnen V Inte resscte Beziehungen. Eine junge Dame sucht stch bei einer Modistin einen Sommerhur auS. Zu dringlich knüpst die Ledere - eine Unter Haltung an. ' Modistin : . Wie befindet sich Ihre werthe Frau Mama, die Frau P'roscffo rin? D; ich kenne Ihre Frau Mama sehr wohl. Dame (knapp) : So? Modistin : Wüsten Se, persönlich ne rade nicht, aber ich hatte die Ehre, seit acht Jahren immer zu gleicher Zeit mit der Frau Prosöstor in den Wochen zu liegen.. Der Paß. Herr Hasebala, Fabrikant in einer kleinen sächsischen Stadt, wünscht eine Geschäftsreise nach England zu unter nehmen, und meldet sich bei dem Herrn Bürgermeister zur Auksertlgung emeö Paffes.' . Wa wollen Se denn hinreisen, Herr Hasenbala?" .Nach Queensborough..Wohin vollen Se?. .Noch Queenkboroug.h.Hären Se, mei gutestcr Herr Hasen balg, da veeß ich Sie gar nich, wie sich das -schreibt.' .', könnten Se nich viel leicht wo andersch hin reisen V Sächsisches Sch na d ah ü p fe l. Ich kenn Sie enne Dichtern, Ich glsob, sie heeßt Richtern,.. D is-Sie nich schichtern. Die dicht' Sie als nichtern! Doch hat se gegeffen. Dann iö se beseffen, . Gleich dbut'S ihr dann Keener : Dann dicht' se noch scheener ! Aus dem Geschäftsbetrieb der. St raßburger Tabaks - Manufaktur. cni-,A. A.r . crr - : n : . nrrr vMimumi , iau ii in üciiujcc Monat eingegangen? ' Buchhalter : Außer einigen Filialen nichts von Belang. ' Kindermund. Der kleine Fritz (auf dem Knie seines .OnkelS reitend) : In Berlin ober, im Zoologischen Garten. da hab' ich auf einem noch viel größeren Kameel geses sen, und das hat aber erst ma schön ge schaukelt! Anzüglich.-. Metzzermeifler (in einer kleinen Uni verfltätsstadt) : W enn . nur r die langen Herbstserien nicht wären. Wenn die Zerren Profefforen frrt sind, das macht sür mich gleich um ein Paar Ochsen tre Niger