Indiana Tribüne, Volume 6, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1882 — Page 7

Wolfökinder. Dle sanstmüthige Wölsin, welche einst Romulus und RemuZ aufsäugte und so die Stammmutter des römischen Volkes wurde, ist von den dankbaren Nachkammen ihrerSäuczlinge durch die Ehre eines Standbildes ausgezeichnet. Sie lebte aber in einer gar zu mythischen Zeit und hat trotz ihrer unbestreitbaren Verdienste den Ruf ihrer Sippschaft nicht wesentlich aufzubessern vermocht. Und doch scheint jene achtbere WöifinAmme mit ihrer freundlichen Gesinnung gegen heranwachsende Menschenkinder nicht ganz so allein zu stehen, wie man gewöhnlich glaubt. Auf der indischen Misstonssta tion Sccundra, nahe bei Agra, soll nach den Versicherungen englischer Zeitschrift ten noch heutzutage ein Kind leben, welches, von einer Wölsin fortgetragen und aufgenährt, später gesund roredergesun den wurde. In den Provinzen des uordwestlichen Indiens werden die An stedelungen der Eingeborenen sehr häufig von Wölfen heimgesucht und oft genug kommt es vor, daß kleine Kinder bei die sen Raubzügen als Beute mitgeschleppt werden. Die Hindus, abergläubisch,' wie sie sind, ertragen nicht bloö diese Beraubung mit der pessimistischsten Ge lassenheit, die ihnen durch ihre Religion anerzogen' ist, sondern beklagen sogar diejenigen, welche unglücklich genug va ren, einen Tropfen Wolfsblut zu genießen. ' Folgende angeblich sicher verbürgten Berichte über die Auffindung von Wolfslindern dürsten vielleicht aus In tereffe Anspruch machen. Eines Tages ritt ein Herr H., der in

dem Etawah-Wittrilt vas Amt einer Magistratsverson bekleidete, aus die .Jagd aus. In der Nähe , des JlusseS Jumna traf er zwei halbausaewachsene junge Wölfe und in ihrer Gesellschaft ein elt am aussehendes Geschöpf, wel ches den ersteren beiden langsam und merkwürdig unbeholfen folgte. Herr H. und seine Diener begannen sofort die Verfolgung diefer Kreatur, hatten aber i . , cm ir.- v Die größte cuye, oieieioe teoeno einzu sangen; denn das Hindukind als sol ches hatten sie es bald erkannt bib um sich, kratzte und suchte sich auf alle Weise seinen Verfolgern zu entziehen. Endlich gelang der Fang, und man nahm daS Kind mit in Herrn H.'S Behausung. ES war em Knabe, dessen Alte? man aus 9 Jahre schätzen konnte. Das Aussehen des unglücklichen Geschöpfes war sehr abschreckend, seine Gesichtszüge stumpf und yashch, der Ausdruck entschieden thierisch. In seinen Gewohnheiten ahmte es aanz und gar em wlldes Thier nach. In Folge sorgfältiger Nachforschungen, . welche Herr H. in der ganzen Umgegend anstellen ließ, gelang eS, endlich die EI xern des vormals geraubten mdeS her abzufinden. Sie erkannten es an ei nigen Merkmalen auf der Brust und an den Schultern, und sagten uns, vag es ihnen im Alter von etwa zwei Jahren geraubt sei. Selbstverständlich benahm sich das beoauernswettye escyops gegen seine Eltern gerad so wild und ungeber dig, wie gegen andere Menschen. Ost in der Nacht heulte und stöhnte es nach Art eines wilden Thieres. Trotz auf merksamer Pflege gelang cö nicht, den Knaben über einige Jahre hinaus am Leben zu erhalten. Er magerte ab und verschied, ohne auch nur einen einzigen menschlichen Ton gelernt zuhaben. Das zweite derartige Kind, über wel ches zuverlässige Nachrichten vorliegen, starb Ende August 185o bei einem eng lischen Offizier, Namens Nicholetts, der in Sultanpore ein Eingeborenen Regi ment commandirte. Das Kind aß nach Verlauf einiger Zeit alles, was ihm vor gesetzt urde, am liebsten rohes Fleisch. Einen baumwollenen Rock, den man ihm -in der kalten Zeit gab, zerriß es und afr Stücke davon mit seiner übrigen Mahl zeit auf. Gegen menschliche Wesen ver hielt sich auch dieser Knabe stets ableh. nend, nur Hundeu und anderen Thieren erlaubte er, mit ihm von einer Schüssel zu essen. Nie hat man von ihm eine lächelnde Miene gesehen) er verstand nur wenig von dem, vas man ihm sagte und verhielt sich allen äußeren Eindrücken gegenüber apathisch. Er verfügte nur über wenige Zeichen, durch die er seine Wünsche kundgab. Gegen Kälte, Hitze und Regen war er gleich unempfindlich. ZveiIadre lang blieb er in Kapitän N cholets -Pflege, aber niemals hörte man von ihm ein Wort, außer wenige Minuten vor seinem Tode, wo er.die Hand zu Kopfe führte und fagte, es thue ihm dort weh. Als dieses Wolfslind eilige fangen wurde, hatte es ein Alter von ungefähr 10 Jahren. '-- Höchst räthselyaft bleibt es, wie m-n sich den Umstand erklären .soll, daß iit angeborene Mordgier einer Wölfin zu wellen vor einem hilflosen. Kmde Halt machen könne.- Vielleicht hatten diese kleinen Geschöpfe die Erhaltung ihres Lebens ledtalich dem Zufall zu verdan ken. der es fügte, daß die Wölfin in ei nem Ueberschmall von Zärtlichkeit auch dem jungen Fmdling dte Gunst des Be leckens zusendete und später auS Grün den wölfischer Etikette die-Verwechslung repectirte. ' ' . . V ' ' , .. T Tte Geschichte ver Krönungen. Als die Staaten anfingen, sich in ih rer jetzigen Gestalt zu bilden, wurden die ronungstage neuer Herrscher zu össent lichen Volksfesten, wobei das größte Ge Dränge entfaltet zu werden pflegte. In den ersten Zeiten der Monarchien kannte man die Krönung der Feierlichkeit nicht, wie sie denn auch in Griechenland und Rom nicht üblich war. Die aermani schen Stämme kannten zwar schon zur Zeit der, Völkerwanderung die Krone als Machtzeichen ihres Oberhauptes, dock geschah die Einsetzung in die Herrschast nicht durch die Krönung, sondern dadurch, daß man den Erkorenen bei der großen Volksversammlung auf einem Schilde dreimal unter großem Freudengeschrei um das Lage? herum trug und ihm dann das Schwert, die Streitaxt und die Lanze feines Vorgängers überreichte. Die christlichen Könige der Franken wurden vom Bischof mit geweihtem Oel gesalbt, eine Sitte, die von den Anderen bald nachgeahmt wurde. Ueberhaupt vergrößerte sich der mt dieser Feierlich keit verbundene Pomp immer mehr. Der Thron wurde aus em Gerüst gesetzt, und

der König, mit der goldenen Krone auf

dem Haupte , und den Jnsigrnen seiner Macht angethan, nahm feierlich Besitz davon. Darauf folgten Gastmäler für die Vornehmsten der Nation. Zwanzig Wappenherolde mit goldenen und sil bernen Schalen in den Händen warfen Geld unter das Volk, nachdem ne drei mal laut verkündet hatten, daß dies die milde Hand des neuen Herrschers spende. Die deutschen Könige ließen sich, zuerst, mit Ludwig dem Frommen beginnend, in Aachen krönen, sie hatten aber seit Otto I. (962) auch Anspruch auf die römische Kaiserkrone, welche der Papst in Rom selbst dem dazu Berechtigten auf's Haupt zu setzen pflegte. Daraus ent wickelte sich mit der Zeit das päpstliche Recht der Kronverleihung, woraus so viele MißHelligkeiten entstanden. Fried rich III. war der letzte deutsche König, der 1452 in Rom gekrönt wurde, wäh rend mit Karl V. 1530 die Reihe der Herrscher abschloß, welche die Krone aus der Hand des Papstes empfingen. Maxi rnilian I. nahm bereits den römischen Kaisertitel an, ohne dort gekrönt zu sein,. Ferdinand I. war der letzte Monarch,der 1531 in Aachen die Herrscherwürde er hielt. Seitdem wurde Frankfurt a. M. die Krönungsstadt. Die mit der Krö nung verbundenen Feierlichkeiten aber nahmen nun die äußerste Ausdehnung an. Schon vorher hatten religiöse Symbole eine Hauptrolle dabei gespielt.Als dabei z. B. Jsabella von Baiern, die Gemahlin König Karl's VI. von Frankreich ihren Einzug in Paris hielt, hatte man einen Triumphbogen errich tet, aus welchem die heilige Dreifaltigkeit in einem sternenbesäten Himmel thronte. Eine Schaar Kinder, als Engel gekleidet, saß darunter und spielte ein Konzert auf. Die Königin kam in einer offenen Sänfte unter das 'Thor dieses Himmels und sogleich stiegen zwei Engel herab, die ihr eine goldene, mit Edelste! nen reich besetzte Krone singend aus's Haupt setzten. Das Merkwürdigste bei diesem Jeste.war aber die außerordent liche Kühnheit eines Mannes, der als Cherub- sich an einem Seile von der Thurmspitze der Kirche Notre Dame herabließ, unten die eigentliche Krö nungsceremonie vornahm und alsdann wieder in die Höhe gezogen wurde. Auch im Volke selbst herrschten gewisse Ge. wohnheiten bei Krönungösesten. So war eö in Frankreich eine ZeitlangSitte, an diesem Tage allen Stubenvögeln, die in Käfige gesperrt waren, die Freiheit zu geben. Ekgenthumltche symooltscheyand lungen waren serner mit der Krönung der Könige von Spanien verbunden, die in jedem Erbkönigreich auf verschiedene Art erfolgte. In Leon zum Beispiel, wo der Erzdlschos von Toledo dle Cere monie verrichtete, mußte der König den mm m . m & M oniaseid aus xeimrutoen uns aus un Schloß ablegen, zum Zeichen, daß er in der Folge nicht nach Willkür herrschen dürfe. Dann schwenkte der älteste Grande eme Fahne über dem Haupte des Königs und ueß Weizen unter das Volk werfen. Alexander der Große als Knabe. Wie früh in Alexander's Geist der Gedanke, dieWelt zu erobern, rege ward. das oeht aus, einem 3ae hervor, den die erwachsenen Augen- und Ohrenzeu gen nur für kindliche Wißbegier auslegten. Sein Vater Philipp war einst ab wesend, als persische Gesandte den mace donlschenKönlgshos besuchten; der kleine Prinz empfing sie mit größter Zuvor kommenhelt und sorgte für eine so prach tige Tafel, daß die Perser höchst ver gnugt darüber waren; am meisten aber wunderten sie seine Fraaen, denn er er kündigte sich nach dem ganzen Gang ihrer Reise, nach der Entfernung eines OrteS vom anderen, nach. dem Weae, den man nehmen müsse, um Asien zu erreichen, ferner nach ihrem König, sei ner Persönlichkeit und wie er seineFeinde behandle, zuletzt aber, woiin die Macht und Stärke der Perser hauptsächlich ve stände. Die Gesandten gaben demKinde ohne Arg gesällig Auskunft und priesen seinen Drang nach Belehrung ein Jahrzehnt später jedoch wurden fie mit Schrecken inne, welchen Zweck der Knabe dabei gehabt, sich Kenntniß von Asien und asiatischen Verhältnissen zu schassen. Der Ehrgeiz wuchs mit Alexander von Jahr zu Jahr, ja' et gmg so wett, das Nachrichten von Siegen, die der Vater errungen, den Sohn in Betrübniß stürz ten und er fein Gefühl gegen die Kinder, die mit ihm . erzogen wurden, unterSeus zen ausließ:.O, meine Fieunde, mein Vater wud mir noch Alles wegnehmen und mir nichts Schönes, Glänzendes und Denkwürdiges übrig lassen, das ich mit Euch verrichten könnte!- Inder That war Philipp's Ruhm so groß, daß die Griechen bei seinen Lebzeiten den künstigen Thronfolger nur gering achteten ; doch jobald Alexander zur Herr schast gelangte, zeigte er ihnen, wie sie sich geirrt. . Die Thebaner hatten einen Ausruhr erregt, die Athenienser schlugen sich zu ihnen, Alexander marschirte gegen Theben und sagte zu seinen Begleitern : D Redner Demosthenes nannte mich, da ich noch in Jllyrien war, ein Kind; da ich in Thessalien war, nannte er mich einen jungen Menschen; 'jetzt vor den Mauern von Theben muß ich ihm dem nach zeigen, daß ich ein Mann bin! Postvesen der Alten. Wer unser heutiges großartig eingerichtete, zuverlässiges und sicheres Post wesen mit dem des Alterthums vergleicht, ujnrd unwillkürlich zum Lächeln gezwun gen. Damals lag die Post einzig und allein in den Händen laufender oder höchstens in denen berittener Boten. Als Dionysius der Jüngere, der Tyrann von Syrakus, im Jahre 336 v. Chr. nach Unter-Jndien gereist war, und während dessen sein ehemaliger Freund und Lehrer Dion nach Sizilien ka n, um die Herrschast des ausgearteten Zöglings in Syrakus zu stürzen, schickte Timolra teS, der Schwager des Dyonisius, ge schwind einen Boten an diesen ab mit Briesen, worin er ihm Dions Anwesen heit und Absichten meldete. Der Bote war über die Stadt Rhegium hinaus, als ihm ein Mann begegnete, dcr Fleisch von geopferten Thieren nach Hause trug. Einem Religionsgebrauch gemäß ließ der Bote sich ein Stück davon geben und

band es oben auf sein Felleisen. Bis 4 or r . . a i r v

lies in tue vcacqi vorroaris aujcnu, konnte er endlich vor Mudiaim nicht weiter und legte sich in einem Gehölze am Wege nieder, um ein wenig zu schla sen. Ein Wolf, der keine vceliglons aebräucbe kannte, sondern blos seiner Nase solgte, ward durch den Geruch des Fleisches angezogen und trug es lammt dem Felleisen von dannen, ohne daß der Schläfer den 'Raub merkte. Bem kr wachen- suchte er nun allerdings aufs Gunafle danach, da er aber den Äanun durchaus nicht fand, dachte er mit Ent setzen an die Strafe, die ihn treffen wurde, well er sich die wichtigen Brrefe hatte entwenden lassen, und hielt es sür's Beste, sich nicht vor Dyonisius zu zeigen. Als der Tyrann nach längerer Zeit durch Andere ersuhr, was in Sizilien vorge gangen, war eS bereits zu spät, gegen Dion einzuschreiten,, die Absetzung des Herrschers war vollendete Thatsache, er durste nicht wagen, nach Syrakus zu kückzukehren und floh in die unteritali enische Stadt Lokri. Die Schuld der Er eignisse fiel lediglich .der mangelhasten Post zur Last. ?yre dem Ehre gebührt. - HumoreS!?. Martin Bäumle ' war Maler. Er hatte Talent, aber leider noch mehr Durst. Dieser große Durst, welcher ihn die völlige Ausbildung seines Ta lenteS verkümmern ließ, trieb ihn . end lich über das weite Weltmeer nach Ame rika. Leider wurde bei der hier Herr schenden größeren Hitze sein Durst noch größer, sein Talent noch weniger er giebig. Martin Büumle verzweifelte nicht. Eben warder große Krieg zwi schen Nord und Süd ausgebrochen und wurde für Tausende von zweiselhasten Existenzen der Rettungsanker; er wurde es auch für Bäumle. Soldat in einem Jnsanterie Regiment, socht dieser für die Erhaltung der Union, hatte manche Fährlichkeit mitgemacht und man konnte nicht sagen, daß Martin Bäumle kein tapferer Mann wäre. Er hatte sich zwar nirgends hervorgethan durch beson dere Tapserkeit, aber auch das Gegen theil war niemals vorgekommen. Seine äußere Erscheinung ließ aus einen tap feren ja verwegenen Mann schließen. Entschloffene Miene, scharf geschnit teneS Gesicht, und vor Allem ein wirk lich martialischer Schnurrbart gaben sei ner, wenn auch nur mittelgroßen Person einen entschieden kriegerischen Charak ter. Dazu kam noch dle merkwürdige Schlagsertigkeit seiner Zunge. Wehe dem, der es gewagt hätte, irgend eine seiner militärischen Aktionen bezüglich seiner persönlichen Tapserkeit zu bezwei sein ! Er hätte ihn vernichtet mit seiner Suada. Allem an der That war den noch die Vorsicht seine bedeutendste mili tärischeTugend ; dabei besaß er aber Geistesgegenwart, List und Keckheit trotz einem gewiegten Diplomaten. Diese letzteren Eigenschaften nun waren es, die ihm dann doch den Ruhm eines tap feren Helden verschafften. Und dies eben soll hier erzählt werden. Eines TageS wurde ein Gefecht gelie fert am Rande eines Urwaldes. Der UnionSkrieger Bäumle, welcher sein Le den diesmal möglichst wenig zu gesähr den beschloß, wußte es in seiner unbe greiflichen Schlauheit so einzurichten, daß er von seinem m's Feuer marschirenden Regiment wegkam. Er trat sofort einen strategischen Marsch in den Wald an, um daselbst das Weitere abzuwarten.Bäumle war auch Philosoph. Er war sich des Bedenklichen seines Schrittes wohl be wußt. Er wußte, wie schwierig eS sein könnte, wieder in schicklicher Welse zu sei ner Truppe zu gelangen; es war ihm klar, daß diesmal der Glaube an' seinem Muth leicht bedeutend erschüttert, wenn nicht schmachvoll vernichtet werden könnte. Wie gesagt, er wußte dies Alles, aber Bäumle war Philosoph ; er wartete ru hig ab. Indem er nun diesen in seinen Moti den verdammenswerthen. in seinem Aus gang höchst ungewissen Marsch durch den amerikanischen Urwald fortsetzte, gerieth er aus einmal in eine rutschende Beweg ung. Er war an den schräg abwärtsfal lenden Rand einer tiefen Mulde gelangt und kam nach einigen Rutschen aus dem Boden der Mulde wieder auf die Füße zu stehen. Run , dachte Baumle,nach dem er sich ein wenig umgesehen, hier kann ich ja vorlausig bleiben und ab' arten !" str finlf ftA !Af Trtf nemnriet indem er dem Donner der Kanonen und Y vv IIVI llllj. Uil4V VjV vut vt den Knattern der Gewehre lauschte, als er plötzlich am entgegengesetzten Ende der Mulde em starkes Rascheln m dürren Lanbe vernahm. Zu semer Ueberräsch ung sah er zwei bewaffnete Rebellen in die Mulde herunterrutschen, ganz wie es ihm selbst ergangen war. Das ist , in der That nicht übel." dachte Bäumle bei sich selbst, .nun gibt's am Ende da UN ten eine zweite Schlacht, und dabei sind diese verwünschten Rebellen m der Mehr zahl !" Die zwei Rebellen, die sich eben falls umblickten, waren nicht minder er staunt, hier einen Unionskrieger und zu mal einen so martialisch dreinschauenden anzulassen. Unwillkürlich faßten die .drei Krieger ihre Gewehre sester und maßen sich mit den Blicken. Sie fanden wohl alle Drei die Situa tion höchst sonderbar. Für möglich mußte jeder Theil eS halten, daß der andere Theil sich absichtlich von seiner Truppe verloren habe, um sein Leben den. Gefahren eines Gefechts weniger auszusetzen. Dies war geeignet, um die Sache minder gefahrlich erscheine-' zu lasten. Aber es war ja auch mö y daß man durch Zufall in eine solche age kommen konnte, und Jener dort, der so martialisch dreinschaute, sah nicht aus wie em Durchbrenner. Dle zwei Rebel len es waren dem Anschein nach Jr länder sahen auch nicht aus wie Ha sensüße. Solcherlei Ueberleauna ward auf beiden Seiten gepflogen ; Bäumle war es, der zuerst zu einem Entschluß kam. .Wie kalkulirte er, soll hier unten eme zweite, eine gleichsam unter irdische Schlacht geschlagen werden ? Ist es nicht genug,daß dort oben Blut fließt? Die JungenS scheinen mir Jrländer z'l sein, mit denen läßt sich reden ! Aber impornirt scheine ich ihnen doch zu haben! Diese Beobachtung schmeichelte ihm nicht wenlg.

Ich will mal den Burschen zeiaen.

daß ich nicht so fürchterlich bin, wie ich aussehe!" Damit stellte Bänmle, der Unionsoldat, entschlossen sein Gewehr an die Wand der Mulde, trat ruhig auf die zwei ob solcher Furchtlosigkeit ver wunderten Rebellen zu, salutirte und sagte : .Jungens, laßt uns diesen höchst seltsamen Fall in aller Ruhe besprechen !" Damit nestelte er se:ne Branntwelnflasche von der Seite, nahm einen tüchtigen Schluck (zum Zeichen naturlich, datz kein Gift darin wäre) und bot dem ersten die Flasche dar, indem er bemerkte : Ausge zeichnet Whisky !" Wenn vorher noch Zweifel darüber obwalten konnten, ob die zwei Rebellen wirklich Jrlände.r wa ren oder nicht, ihr freundliches Schmun zeln beim Anblick der dargebotenen fletsche bewies es auf's Augenscheinlichste, daß es in der That Söhne der grünen Insel wären. Im Ru lehnten auch sie ihre Gewehre an die Wand, und Einer nach dem Andern nahm einen derSitua tion entsprechenden tiefen Schluck, nicht ohne vorher den höfllichen Gegner re spektvoll salutirt zu haben. JungenösuhrBäumle in der freund lichsten Weise sort, JungenS, waö habt Ihr denn noch zu effcn in Eurem Lager?- Diese Frage worunter den Kriegsverhältnissen, wo es oft lange er bärmlich mit der Verpflegung bestellt war, eine außerordentlich natürliche Kräckers, nichts als KrackerS ! Schon feit Wochen!" erwiderte der Eine der Rebellen. .Nichts als diese verdammten Kräckers!" bekräftigte der Andere, in dem er dabei einen sehnsüchtigen Blick aus die Branntweinflasche warf, welche mittlerweile wieder in die Hände Bäum le's zurückgewandert war. Als Bäumle die Unzufriedenbeit be merkte, mit welcher die beiden .Rebellen von ihren Kcäckers berichteten, da kam ihm plötzlich eine Idee; er hatte den Ausweg aus diesem fatalen Labyrinth gefunden, und einen höchst ehrenvollen Ausweg! Aber diplomatisch mußte er dabei verfahren, höchst diplomatisch! JungenS sagte er feierlich, wir haven Kräckers und Speck !" DaS Wort Speck betonte er ganz besonders, ja er sprach es mit einer Art Ge ühl aus. Dabei dachte er aber schelmisch. .Mit Speck fängt man die Mäuse 1" Er hatte sich nicht ge irrt. DaS Wort Speck wirkte, sichtlich. Den armen Kerls lies ossenbar daö Was ser im Munde zusammen bei dem Ge danken an ein gehöriges Stück Speck. Schon wochenlang nichts als Kräckers ! Und Whisky gerade genug ! setzte Bäumle hinzu, indem er so in diploma tisch berechnender Welse die Wirkung seiner vorigen Worte noch gewaltig stei aerte. Die beiden Rebellen führten eine Zwiesprache mit ihren Augen ; sie hatten beide offenbar denselben Gedanken, näm ' f t m v V i V c in - o lilli ven : er ornrn vori vruven i bester !" Bäumle errieth ihre Gedanken und beeilte sich, die Sache zu einem sür alle Betheiliaten befriedigenden Ende zu bringen. .Jungens," sagte er in den herzlichsten Tönen, die ihm zu Gebot standen. Junaenö, daS Schießen da oben läßt nach; die Zeit drängt, wir müssen einen Entschluß fassen!" Wie beiden Rebellen sahen sich . an und nick ten. Es wird schwierig sein, wieder zu un serer Truppenabtheilung zu gelangen, und dann man . könnte uns ja sür AuS reißer halten, und das Gesetz läßt in diesem Falle nicht mit sich spaßen ! Ihr wißt das so gut a!S ich!- Die Redellen nickten wieder und ihre Gesichter wurden sichtlich einige Schattirungen ernster. .Jungens," fuhrBaumle sort, .wir mus ten ein Theil den anderen gefangen neh men, also Ihr mich oder ich Euch! Dann lst.belden Theilen geholsen.7 Die Gesichter der beiden Rebellen fingen an. sich wieder aufzuheitern. Der Bor schlag leuchtete ihnen offenbar ein. .Da Ihr nun nichts m Eurem Lager habt als Kräckers, wir aber Kräckers und Speck und Whiskey dazu so kalkulir' ich, es wird das Beste sem, Ihr geht mit mit als meine Gefangenen !" Die beiden Rebellen sahen sich wiederum uberwle gend an, und Bäumle beeilte sich, die Branntweinflasche m diesem Momente denselben nochmals darzureichen. Zwei tiese, herzhafte Schlucke und die Sache war entschieden. Sie krochen also alle drei aus der Mulde heraus. Oben angelangt, marschirte der Trupp in militärischer Ordnung, die beiden Rebellen einige Schrtttt voraus, dem Lager der Unionisten zu, welches sie auch ohne weitere Fährlichkeit erreichten. Bäumle marschirte stolz an den Standort seiner Kompagnie und meldete sich mit zwei Gefangenen beim Kapitän. .Er habe sich verloren, sei auf zwei Rebellen gestoßen und habe dieselben sofort ge fangen genommen und in das Lager ge bracht Allgemeines, frohes Erstau nen ! Der Kapitän hatte Bäumle fchon als schnöden Ausreißer verloren gege ben, und nun stand er da mit zwei Ge fangenen ! Der Kapitän fühlte in sich die Verpflichtung, Bäumle sür die -vor gefaßte üble Meinung zu entschädigen und er that dies in einer sür Bäumle höchst ehrenvollen Weise, indem, er ihn der Kompagnie mit den Worten vor stellte: .Wir begrüßen Sie mit Freu den ! Sie sind ein Tapferer !" . Bäumle stand da wie eine Säule und machte sein allermartialischsteö Gesicht dazu; selbst die beiden Gefangenen schienen stolz darauf zu sein, von einem solchen Tapse ren besiegt worden zu sein. Wir aber sagen : Ehre dem Ehre gebührt, sei es wegen Tapferkeit oder wegen Schlau heitl Ein verlöumverischeS ttunststü. Es ist ein iiemlick erbeiternderAnblick. einen Vrestidiaitateur aus der Nase eines Amateurs eine Orange, einMeerschwein. chen oder irgend emen anderen sonderba ren Gegenstand ziehen zu sehen. Das Kunststück ist so alt. wie die Welt den. noch macht es immer lachen. Gewöhn : x. :a s cv v r.:u. crn. v ia) i uct xjiciiuiuiyc, vet iciucji xmnu, seine Nase oder seine haare demZauber künstle? überantwortet, der Erste, der über die Unzahl von Dingen lächelt, die auS ihm heraus produzirt werden. Ganz anders verhielt sich die Sache jedoch bei einem auten Landbewobner. welcberörn. Tristan vor dem Correctionsgerichtshose des eineWepartemenls oer Verleumdung beschuldigt hat. Die Scene, die zur Anklage führte, spielte sich illReuilly

ab. Wir sind in der Schaubude eines

Taschenspielers. Die zerbrochenen und im Mörser zerstoßenen Uhren sind un versehrt ihren Eigenthümern wieder zu rückerstattet worden, die imhute bereitete Omelette hat bereits die Runde gemacht, die auS dem Nichts hervorgezauberten Blumen und Bonbons sind vertheilt worden, und das gesammte Publikum ist einig darüber, daß Tristan ein sehr ge schickt Mann ist. Wir stehen nun vor der großen Ueberraschung", die seit 14 Tagen an allen Straßenecken angekün digt war. Tristan hatte, wie erwähnt, alle Nummern seines, gewöhnlichen Re pertoirS abgespielt, . als einige guthmü thige Bauern, offenen MundeS und nicht ein Wort von seinem Geschwätz verste hend, zu ihm emporblickten. Tristan fixirte sie und fand ein Gesicht, welches ,hm besser als alle anderen zu seinen Ex perimenten zu taugen schien; er lud den glücklichen Träger desselben em, dieStu sen zu seinem Heiligthum emporzuschrei ten, was dieser auch mit der nöthigen Grandezza, stolz aus die ihm gewordene Auszeichnung, that. . Tristan hieß ihn Platz nehmen, und nachdem er ihn einige Male an der Stirne berührt hatte, rief er m schmerzlichem Tone auö : ' .Mein Herr, Sie sind verheirathet V Ja Warum ?" .Armer Freund, armer Freund ! .WäS ist....?" Sie sind verheirathet, -mein Herr ! Ich bedauere Sie, denn Sie sind. . . . Ich bin, ich bin. . . .was denn V - .Sie verstehen nicht ? Warten Sie emen Augenblick. . . . Und indem er so sprach, .streicht der Gelehrte mit der Hand über die Stirn des Patienten und förderte plötzlich ein niedliches Hörnchen zu Tage. .Dieses., sagte er, .datirt vom 1. April 1881.-. .Vom 1. April? Das war ja acht Tage nach meiner Hochzeit r .Was wollen Sie ! Das ist nun ein mal der Weltenlaus! Doch beruhigen Sie sich. Der Schmuck ist nur sehr klein eS kann nicht Großes vorgegan aen sein. Etwa nur ein Kuß, obzwar sehr zärtlich. Doch warten Sie, ich will nachsehen, ob ich nicht noch andere Be weise finde. Teufel ! Schon wieder eines ! Jetzt halten wir beinahe bei tu nem Fehltritt." Und unter allgemei nem Gelächter zog er dem grenzenlos Verblüfften ein in seinen Dimensionen enormes Horn aus der Stirne. Man kann sich die Wuth des armen Ehemannes vorstellen, der die ganze Ge schichte, so unglaublich dies auch klingt, höchst ernst nahm. . Er eilte nach Hause, fiel über seine Frau her, und es setzte harte Reden und noch härtere Püffe. Doch einige Tage später verklagte er Herrn Tristan wegen Berlaumdung sei ner Gattin, und nur der Milde des 'Ge richtshoseS hatte eS der Störer des ehe lichen Friedens zu danken, daß er mit emer Geldstrafe davonkam. Gin StüSSen aus der tollen Zeit in Weimar. Unter der tollen Zeit find die Jugend jähre des Großherzogs Karl August und die .Suiten" zu verstehen, die er mit seinem Liebling Goethe gemacht. In gar mancher Wmternacht wurden die guten Welmaraner, die streng ihre Bur gerstunde hielten, aus dem ersten sansten Schlaf plötzlich ! durch Peitschengeknall, Schellengeklmgel und Hundegebell auf geschreckt, wenn die lustigen Herren vom Hofein sausenden Schlitten von einer Landpartie heimkehrten! In Sommer und Herbstnächten ersetzten raffelnde Jagdwagen und Histhorntöne die Weck' uhr. Bei einem solchen Jagdausfluge kamen der Fürst und sein Dichter zusäl lig vom Gefolge ab und kehrten in ein einsames Bauerngehöft ein, um ihren Durst zu löfchen Eine' ländliche Ms trone stand am Butterfaß in voller Thä tigkeit, unterbrach dieselbe jedoch sofort aus Bitten der Gäste, und holte ihnen frische 7 Milch aus, der Kammer.. Den Landesherrn verkannte dieselbe keines wegS im unscheinbaren IagdroS, ihre Dienstwilligkeu galt nur den beiden ver schmachteten und verirrten Menschenkin dern. Kaum hatte fie die Stube ver lasten,' als der Großherzog - einen feisten Kater, den er schon vorher aus der Ofen dank bemerkt, mit raschem Griff beim Fell nahm, m das Buttersaß stopfte, den Deckel darüber stülpte und seine schwere Waldtasche auf diesen warf, so daß der unglückliche Hinze sich unmöglich befreien konnte. Die Bäuerin trat arglos wie der ein, reichte den -Jägern den Labe trank und wurde von -Beiden Wechsel' weise, bis die Gläser geleert waren, der gestalt mit Fragen nach allerlei üher häust, daß sie weder ihren Kater ver mißte, noch Zeit gewann, nach dem Butterfaß zu schauen. Dann empfahlen sich die Nimrode aus's Geschwindeste und vergnügten sich in dem Gedanken, welche Augen ihre Wirthin bei der Entdeckung des geliebten HausthierS in dem impro visirten Käfig machen würde. Bei nach ster Gelegenheit sollte die biedere Frau reichlich sür den Butterverlust entschädigt werden, nahm Karl August sich vor. Wenige Wochen später, als wieder eine Jagd in der Gegend stattfand, suchte er absichtlich mit Goethe das abgelegene Häuschen auf. Ei Herr je rief die Besitzerin ihnen entgegen, .das sind ja die Herren .Die Euch fiel der Großherzog ein. damals den kleinen Schabernack ge spielt, Mütterchen, aber hier nehmt Euren Entgelt dafür, mit der Butter konntet Ihr dochNtcyts mehr anfangend Die ehrliche Alte strich zunächst fchwel gend das dargebotene Goldstück, ein, dann blinzelte fie schlau und erklärte lächelnd : .Die Butter ist an den Hof von Weimar gekommen, da freten (freffen) sie Alles!" Einen Moment standen die Hörer starr vor Ueberraschung Einer sah den Andern stumm an, bis Karl August chaudernd sich schüttelte, Freund Wol gang aber mit tragischem Pathos das einzige Wort sprach : Remests ! . Blutegel und eigennützige Freunde' fallen ab, wenn sie. ihre Bestimmung erfüllt haben; die Blutegel, wenn sie satt find, die eigennützigen Freunde, wenn

j nichts nieyr da lp.

Honoratiorenlied.

Stolz braus' dahin, du hohes Lied Der Honoratioren! Wer nicht mit deinen Klängen z'.eZt, Wär' besser nie geboren. Es spitze ieder Bürgersmann Die unterthän'gen Ohren: Wir fangen Eins zu singen an. Wir Honoratioren! Allmächtig ist die Brüderschaft . Der Honoratioren; Wer Geld hat ist mit jeder Kraft Und Wissenschaft geboren; Er ist zu eitel Heil und Lust Vom Himmel auserkoren; Drum tragen wir so stolz die Brust, Wir Honoratioren! Wir leben so vergnügt oNhier, Wir Honoratioren! Des Dunkels Mantel ziehen wir Hoch über unsre Ohren. Und sterben wir, so rust mit Macht An seinen Himmelsthoren Der heil'ge Petrus: .Platz gemacht Für Honoratioren!" Äerbotner Eingang!" steht gewiß An eines Saleö Thoren, Wo Petrus Niemand eingehn ließ Als Honoratioren. Da sind wer selig ganz allein. Fern von gemeinen Thoren Wie könnten wir sonst selig sein. Wir Honoratioren V Der N o m an einer Der lenschnur. Vor einigen Tagen erschien bei einem Juwelier in Wien eine junge Dame behufs Verkaufs emer kostbaren Perlenschnur. Der Juwelier erklärte. den Schmuck nicht kaufen zu können, doch erbot er sich, denselben in Commission xu übernehmen, womit die Dame schließlich einverstanden war. Kürzlich nun erb elt die Besitzerin jenes Schmuckes von dem Juwelier eine schriftliche Aufforderung. sofort im Palais der alten Gräsin in Angelegenheit der Perlenschnur zu er scheinen. Dieser Aufforderung kam die Dame unverzüglich nach. Im Palais der Gräfin wurde fie von dieser soaleicb in eine Art Examen genommen. Hierzu bemerkte vleGrasin streng: Ich ließ Sie deshalb zu mir bitten, weil diese Per len nur, die von Ihnen zusällia mel nem Juwelier in Commission gegeben und von demselben mir zum Kaufe an geboten wurde, ein? mein Eigenthum war. Vor vier Jahren wurde sie mir aus meiner stets versperrt gehaltenen Schmuckchatulle entwendet, und jede Nachforschung nach dem Tbäter blieb vergebens. Ein Irrthum bezüglich des Schmuckes ist ausgeschlossen. Aus der Innenseite des Schlosses ist mein Wav. pen eingravirt, was Ihnen bisher wohl entgangen sem durste." In der Tbat von diesem eingravirten Wapven hatte die junge Dame auch nicht die leiseste Ahnung. Wenn die Sache sich so verhalt, wie Frau Gräfin behaupten", erwiderte das Fräulein. Jo muk ick aller dings der strengsten Wahrheit gemäß emaesteden dak ich diese Perlenschnur vor etwa vier Jahren, also zur Zeit, da ich noch beim Theater war, von einem meiner Verehrer, einem jungen Grafen, als Geschenk erhalten habe." DaSräu lein war in der Lage, diese Anaaben vollgiltig und unzwelselhast durch einen Brief zu bekräftigen, der dem werthvol len Cadeau beigelegt war. Die Gräsin wars nur einen Blick in da? Schreiben. Eine Ecke desselben trug dasselbe Wap. pen, wie die Innenseite des Schlosses der Perlenschnur. Die alte Dame zuckte nervös zusammen und bezahlte schwei gend dtn sür die Perlenschnur aeforder ten Preis. Ein sonderbarer Pro ttß schwebt gegenwärtig in Paris zwi chen den Herren Wissenbaus und Nla. ten, von denen der Erstere den Letzteren beschuldigt, daß er ihm seine Flö5e gestohlen habe. Vor einigen Wochen konnte' man nämlich auf der Place de Grenelle zwei Buden sehen, auf deren Fasade mit großen Buchstaben zu lesen war: .FlohCircus. Die eine gehörte Herrn Wissenhaus, welcher behauptete. em :- directer Nachkomme des Erfinders dieses interessanten Schauspiels zu sein, die andere desak der noch unberübmte Direktor Platen. Das Theater Wis ienyaus erfreute ncy ver Gunst des Pu blikums; man sah dort wir schreiben das Programm ab Flöhe als Arres tanten; einen Leichenzug von sechs Flö Yen gezogen; emen amerikanischen Tanz, ausgesührt von einem sechsfüßigen Bal letcorps: zwei goldene Mitrailleusen mit vier Flöhen bespannt; die Prrduction aus dem tzsette ezecutirt von Fräulem Blanche (dies der Name d?s weibli.lzen ttunstlerflohes) u. s. w. Sr. Wissen Haus hatte es sür gut gefunden, amEnde der Annonce hinzuzufügen: DaS Pub licum ist vor Deserteuren sicher." Nichts desto weniger waren eines Taaes die vier vorzüglichsten Künstler des Herrn Wistenyaus verschwunden, und er glaubte sie unter der Truppe des Herrn Platen wiedererkannt zu haben. In dem bierauS entstandenen Prozeß verlangt er die be schewene summe von 100,000 Francs Schadenersatz. Der Gerichtshof erster Instanz hat Hrn. Wissenbaus mit einer Klage abgewiesen, dieser aber hat die Berufung angemetdet. Von derMünü ener Klee. tricitätöausstelluna wird folaendes 5lm promptu eines Fachmannes aus Tirol gemeioet: . .Da streiten sich die Leut' herum Wohl um den Werth des Lichts. Der Eine nennt den Andern dumm. Zuletzt weiß Keiner nichts; Ob Gas- ob Glüh und Bogenlicht . Aus Straßen und im Haus Das Schicksal kümmert keines nicht. Es löscht einst alle aus." Wenn man den Menlcken den 9?ntS I 7 - v rMp giebt, sie sollten in ihrem eigenen Herzen lesen, so emvsteblt man de nickt gerade eine sehr erbauliche Lectüre. Ebre kaun man rnftt für siwh 9 " V fniifn. dnA ist ss? nU für M.l f;r ,.. - I -r - 7 1 I vi'v.fc zu verlausen. Ost aber heißt Ehre le htrtTttft fnis $roHn ; vtg.M, kJltltl llll VUUliUUUil, . : .n..i...u . . t ti. ti ein ii(tuuiuu( uns uainiUi; VStCCN Sie uns bald wieder die Ehre, so heißt das : Geben Sie uns bald ieder Ihr Geld ! , - - - -

I ilGine Prophezeiung.

M!.4 Aristobulo?, Der heilige Seher, Dcr gottgcseihte. Er lehnte sinnend Gesenkten Auges Am Heerdgemäuer. Da schritt ein Pärchen Beglückter Kinder, Ein jugendschönes, Ein lichtumwalltes Holdschönes Brautpaar 1 Wohl durch die Halle, Und nahte grüßend Dem Schlcksalswäger. Heil Dir, Du Edler, Du Fernhindenker, DuNacht.Enträthsler! Nun sollst Du künden Mit klangbeseelter Prophetenstimme, - Was uns die Zukunft Im dunkeln Schooße birgt! Aristobuloj , B Der heilige Seber. v. Beschaute träumend Das weiße, weiche. Wonnige Handchen, Das ihm die süßel Blonde Aglaia Entgegenstreckte Und ernst und ernster Und wehmuthövoller Ward ihm zu Sinne. Ihr holden Kinder, ' Jhrfrühlingsfrischen, : 'vl -n; . .. i a ' ' ' 1 ' 1 Irju ' -J - o ipraq er trauernd, Ihr kennt daö Leben, Ihr kennt die Welt nur Von Hörensagen ' Des dunkeln Daseins Schrecklicher Wahrspruch Erklang Euch niemals Im Grund der Seele Und jetzt begehrt Ihr Das Wort zu hören. Das Euch der Zukunft Nebelumfluthete Pforte entriegelt? Laßt ab, Ihr Guten ! Laß ab, 0 Kleon, . Du Kraftbeseelter! Laß ab, Aglaia. Du Wonnereiche ! Der Götterwille, Der ewig-gleiche Verschleiert gnädig, DasUnerlebte .... Aristobulos, Du gottgeweihter. Was spricht die Lippe Des heiligen Sehers? Bei Aphrodite, Dein Wort erschreckt uns. Und mehr als jemals Entbrennt d oc ' . Der Zukur-Zt jcT r Hlnwegzulüf.en! Vorausoerkünds Osprich, e redWelch trübes chicksal. Von Zeus gesendet, Welch sondres Unheil Dräut uns Zermalmung? Da sprach der Seher : Kein sondres Unheil Doch grausenhaster. Als das besondre, Ist sür die Menschheit Das allgemeine Dieß holde Antlitz, Es wird verwelken. Dies süße Lächeln, Es wird erstarren. Dein voller Busen, Er wird verdorren. Dein lichtes Auge, Es wird sich tcüben. Der holden Jugend Dräuet als ewig Zuvorbestimmtes, Gräßliches Unheil : Der fluchbeladene, Liebreiztödtende, Glückvergifteude, SchSnheitsmo'.'dende Jammer des Alters. k ' i'.ii Epigramm. ' Seit Doktor Mor, Geheimerath, Dem Bacchus sich ergeben, Läßt er, was nüchtern nie er that,' All' seine Kranken leben. Die tragische Heldin. Die Heldin wechselt neunmal, ihre Klei der s:-r In diesem Stück; warum, so frag ich Euch, ' Gesällt sie nur in diesem Stück? Ah leider, Zu bessern Rollen hat fie nicht daS Zeug. , Sachsische Kinderliedchen. Nich' weit vom Kölner Dom Sitzt os en' Babbclboom. A kleener hibscher Wiedehopf, , , Der wackelt schrecklich mit dem Kopf' Und lächelt wie im Drom. Juchhe! Im Wirthshaus dort zum Kranz Sitzt eene kleene GanS, Die frißt 'ne halbe Bemmchen-. auf. . ('s liegt ooch ä' bissel Käse d'raus) Und wackelt mit dem Schwanz. , Juchhe ! Wikado. Zuvorkommend. Herr: Johann, wie ost sollich Dir'S denn noch wiederholen, daß Du um 9Uhr Abends immer zu Hause sein sollst ? Diener: Ganz nach Belieben, Euer Gnaden. Scharssinnig. Der Direktor aiebt in der NrZm lateinischen Aussätze zurück. Direktor schmelst wüthend dem Pri r Hahn das Buch hin) - Schämen' Sie sich, Ihren Aussatz von Knipke a' . zuschreiben. , ..... ' Hahn: Ich habe nicht abgeschrieben! Direktor : Soll etwa umgekehrt der Knipke von Ihnen abgeschrieben haben ? Das zu behaupten werden Sie nicht die Frechheit besitzen, denn Knin? tmt

I " w i ,..,,T... l uber Ihnen !