Indiana Tribüne, Volume 6, Number 48, Indianapolis, Marion County, 5 November 1882 — Page 4

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Unter dieser Ueberschrist bringt der .Ansiedler in Wisconsin den folgenden höbschen Artikel: Ich wohne in der Millionenstadt New York, so man auch daS moderne Sodom und Gomorrha und noch öfter .Gotham" nennt. Mein Nachbar zur Rechten ist ein Bäcker, Deutscher von Geburt. Er kam vor circa 10 Jahren mit seiner Familie nach Amerika, fing hier ganz klein als Ge selle in seinem Beruse an, arbeitete sich durch Fleiß gar schnell zum Vormann hinaus, lebte sparsam, erübrigte sich da durch ein gut Stück Geld und kaufte später die Bäckerei seines Brodherrn. Er macht gut aus, wie er selbst zu sa gen pflegt, nennt Amerika .ein einzig schönes Land" und segnet den Tag, an den er herüber kam und der ihn zum glücklichen,sorgenfreien Menschen machte. Mein anderer Nachbar wohnt mir zur Linken. Er ist ebenfalls ei Deutscher und kam gleich dem Bäcker vor circa 10 Jahren nach Amerika. Er ist von HauS aus ein gelernter Kaufmann, oder viel mehr .Krämer" und hier zu Lande ist er schon alles Mögliche gewesen. Zuerst wurde er Kellner, dann Barkeeper, spä ter Clerk bei einem Grocer, darauf .La gerd!erSaloonJnh'aber. und als auch das. Trinkgeschäst nicht gehen wollte, versuchte er eS mit Süßigkeiten und miethete einen Candy Store. Aber auch hierin hatte er kein Glück, wie er sagt. Er wurde später Fabrik arbeite? und nachdem er etliche Dollars in der .Louisiana-Lotterie gewonnen, kaufte er sich ein Expreb'Geschäft, bei dem er auch auf keinen grünen Zweig kam. In dieser letzteren Eigenschaft als Elpreßmann lernte ich den noch jungen und rüstigen Mann kennen. Er war verheirathet und besaß ein braveS, flei ßigeS Weib und mehrere Kinder. .Ich weiß nicht, wie es zugeht," meinte der Mann mir gegenüber, ich mag an fangen, was ich will, nichts geht. Ich habe einmal kein Glück in Amerika." Ich suchte ihn zu trösten und rieth ihm, wenn eS durchaus nicht in . New Jork mehr gehen wolle, so möge er doch mit seiner Familie nach dem Nordwesten gehen, ich könne ihm aus eigener Ersah rung versichern, daß dort jeder fleißige Mensch sein gutes Auskommen hätte, und nebenbei wären die Lebensmittel, Miethen u. f. w., dort auch bedeutend billiger als in New Jork. DaS von mir Gesagte schien dem Manne einzu leuchten und' ich war ganz erstaunt, als nach kaum einer Woche, wo ich mit ihm gesprochen, er zu mir kam, mit der mich völlig überraschenden Erklärung: .Mor gen reise ich mit drei Freunden nach Wisconsin !" Der Mann bat mich um Auskunft betreffs der Eifenbahnroute dorthin und in welcher Weise er eS am zweckmäßigsten und billigsten ermögliche, sich in Wisconsin gutes Land zu einer Farm zu kaufen. Ich gab ihm nach bestem Wissen und Willen hierin unparteiischen Rath, und er schied von mir mit dem meinerseits ausgesprochenen Wunsche, aus seine und seiner Familie glückliche Zukunft in Wisconsin. Zehn Tage waren hiernach verstrichen. Da kommt meine Tochter von einem Spaziergang zu Hause und sagt: .Papa, der Expreß suhrmann von Wisconsin ist wieder hier, ich hab' ihn soeben gesehen " Ich ant wartete darauf: .Kind, Du mußt dich geirrt haben ; das ist ja rein unmög lich." . . Und trotzdem meine Tochter bei ihrer Behauptung blieb,' der Expreßsuhrmann sich aber bei mir nicht sehen ließ, so glaubte ich dennoch, daß hier ein Irr thum obsaltete. Da habe ich einige Tage später einen GeschäftSweg zu machen ; ich biege um den nächsten Stra ßenblock, von meiner Wohnung aus, und wen sehe ich ? meinen Expreß suhrmann aus Wisconsin, im Gespräch mit einem Andern. Er wird verlegen und roth im Gesicht, als er mich erblickt; ich will, indem ich ihn grüße, erst vorbeigehen an dem Mann, dann aber besinne ich mich doch, und bitte ihn um ein paar Worte Gehör. Er geht auch bereitwilligst darauf ein, verabschiedete sich von dem Mann, mit dem er eben sprach, und nun befragte ich ihn: .Sind Sie wirklich in Wisconsin gewesen und schon wieder zurück?" .Ja wohl," lautete die. Antwort. .Haben Sie eS denn dort so gefunden, als ich Ihnen gesagt?" .Jawohl!" .Konn ten Sie nicht überall lohnende Arbeit finden und sind die 'Lebensmittelpreise und Miethen nicht bedeutend billiger als hier?" .Jawohl." .Ist dort nicht ein herrliches Land und suhlen sich die deutschen Farmer dort nicht sehr glück lich?" .Jawohl." .Hat's Ihren drei Freunden in Wisconsin nicht gefallen und sind sie schon wieder zurück ?" .Nein, denen gefällt'S dort, sie find ge blieben in Wisconsin und wollen sich auch im Urwald Land kaufen! .Und Sie ? Wesbalb kommen denn Sie ei gentlich wieder zurück V .Ich möchte in Wisconsin nicht bleiben," stotterte der ExpreMhrmann; .well ich doch an New Bork gewöhnt bin. Man geht den Abend doch gerne auö zu B: kannten in's Wirthshaus ode? zum Theater, Picknick und dgl., und im Wis consiner Urwald da ist'S so einsam, die Paar Nachbarsleute auf der Favm oder im nächsten Orte, nein, daS ist mir zu langweilig. Ich bin eben an die große Stadt gewöhnt." .Und in der großen Stadt wollen Sie auch zu Grunde ge hen ?" antwortete ich ihm darauf. Er erzählte mir noch des Weiteren, daß ihn die Reife durchaus nicht gereue, hätte er doch das schöne Milvaukee, die große Stadt Chicago und den Niagara zu sehen bekommen. Ich verabschiedete mich von dem Manne, er war mir durch dieses kurze Gespräch ein Greuel gewor den. Vergnügen, nichts als Vergnügen, war also des Pudels Kern ! Dieweil er sich den Niagara und Chicago und Mil waukee besah, 'und sich, amüsirte, darbte die arme Frau mit ihren Kindern zu Hause. -Und da will so ein Mensch noch sprechen : .Ich habe kein Glück jn Ame rika !" Ja freilich, das fehlte - noch ge ?ade, wenn allen solchen Menschen,' die leine Lust zur Arbeit und nur als Faul lenzer durch's Leben gehen wollen, Ame rika eine glückliche Heimath werden sollte! Und solche Leute bringen dieses schöne Land in Verruf und schreiben nach Deutschland, als ob es hier eben so

schlecht als Drüben wäre und der fleißige Mann auch hier zu nichts kommen könne. Ja, wenn es Jedem so leicht gemacht würde, ohne Arbeit hier ein gutes Aus kommen zu finden, dann könnte Amerika alleS europäische Gesinde! sich auf den Hals laden. Was mögen unsere alten, deutschen Pioniere, die noch heutigen TageS in Amerika ansässig sind und je den Fuß breit ihreS jetzigen Wohlstandes undReichthumes durch jahrelange schwere Arbeit und Strapazen jeglicher Art sich haben erobern müssen, wohl denken, wenn sie heutzutage es sehen und erle ben, wie die jetzige junge Generation der Einwanderer meistens ohne Arbeit, nur als .Genuß"Menschen durch? Leben gehen will. Da hat die moderne Hu manität viel Schuld, denn sie hat in mehr als einer Beziehung das deutsche Volk verhätschelt und auS kastigen selbstbewußten und arbeitsamen Wen schen reine Marzipanpuppen gemacht. .Leichte Arbeit," das ist jetzt daS Geschrei der meisten Einwanderer. Während unsere deutsch. amerikanischen Pioniere zu ihrer Ueberfahrt in einem elenden Segelfahrzeuge 58 Wochen . Zeit ge brauchten, und die Beköstigung und der Schlafplatz auf solchem Schiffe daö Erbärmlichste war, daS man sich nur den ken kann, fährt jetzt Alles mit den großen Schnelldampfern der Hamburger und Bremer Postdampferlinien. Man hat seine gute Beköstigung und eine anstän dige Schfafstätte an Bord, kommt schnell und gefahrlos herüber und die Deuster Bill sorgt neuerdings dafür, daß den Emigranten auf der Herüberfahrt auch nicht ein Haar gekrümmt werden darf. . Hier angekommen, suchen die weibli chen Einwanderer nur noch Stellen zur .Stütze der Hausfrau" oder bei einem einzelnen Herrn als Haushälterin bei liebevoller Behandlung und hohemLohn, oder als Gesellschafterinnen, Bonnen und wie all das dumme Zeug sonst noch heißt. Als Köchin oder Dienstmädchen vollen die wenigsten hier eine ehrbare Stellung einnehmen. Ach nein, pfui ! Lieber gehen sie auf schlechte Wege, wer den Fabrikmädchen bei schlechten Löhnen und angeln nebenbei Männer. Und der männliche Einwanderer? AH, daß sich Gott erbarme ! Farmer werden, da muß

er ja tüchtig arbeiten, wenn er zu Wohl stand gelangen will. Arbeit zahlt ihmaber nicht, da wird er lieber Kellner, Bierwirth oder dergleichen. Er hat in dem gebildeten Deutschland und in un serer modernen Zeit Alles gelernt, was in denMenschen entsittlichende und sünd liche Begierden hervorruft, aber nicht gelernt, sich genügen zu lassen und durch ein arbeitsames, rechtschaffenes Leben in die Höhe zu kommen, und getäuschte Hofsnungen führen nur zu leicht aus den Weg des Lasters undVerbrechens. Dann heißt'S aber nicht, wie eS von RechtSwe gen sich gehört, .ich bin die Schuld an meinem Unglück," sondern: .Ich habe kein Glück in Amerika !" VllS ich in sttierislJer Mundart reiste. Lon y. St. Rosesgtk. Erlebt habe ich doch wahrlich schon mancherlei. DaS allerunglaublichste wäre mir gewesen, wenn vor dreißig Jahren Einer gesagt hätte': .ES wird einmal eine Zeit sein, da der Waldbauernbub' im Lande umHerreisen wird und sein Ge dichtetes vorlesen?" Die Zeit ist gekommen. Und nicht die unangenehmsten Ferien sind eS, nicht die unbedeutendsten Tage der Zerstreuung und Erholungen allen schönen Städten mit allerlei freundlichen Menschen zu sammenzukommen und ihnen Erheite rung zu bieten und mit ihnen munter zu sein. . Nur soll man die Sache nicht zn ernst auffassen am wenigsten eine so heitere Sache, wie es die humoristischen Vor tröge in steierischer Mundart sind. Als vor dreißig Jahren der Nachbar sagte : .Peter. Du schreist zuviel beim Vorlesen, wir sind ja nicht therisch (taub) und Du mußt Dir nicht einbilden, daß Du in einer Kirche predigst !" da verdroß mich das Ding. Ich klappte die .Hei ligenlegende" zu und murmelte : .So lese ich gar nicht mehr." Heute habe ich mir vielleicht schon ganz andere Kritiken gefallen lassen müssen, und ich lese doch immer noch weiter. ES ist aber eine heikle Sache. Die Mundart des Landvolkes ist wie ein Schmetterling, der ist nur schön und echt, so lange er frei herumfliegt, sobald man ihn sängt, um ihn genau zu besehen und zu mustern, ist der Goldstaub weg. Ganz richtig kann der Bauern dialekt nur von Dem gesprochen werden, der keinen andern kann. Der Hochdeutschgebildete, er mag die Mundart noch so genau kennen, er mag über jede eigenartige Satzwendung, über jeden AL-druck, über jede Tonart noch so ge diegene Rcchenschast zu geben wissen, es mag rym oer ganze rnoogermamscye Sprachenapparat zu Gebote stehen, er kann doch die Mundart nicht sprechen, wie sie gesprochen wird. Ich sage nicht, wie sie gesprochen wer den muß, denn hier gibt es kein Müssen, sondern wie sie ist und gesprochen wird. Gerade die Absicht, den Dialekt genau wiederzugeben, ist schon eine Neigung über die Linie. Und kommt nun das Bestreben dazu, einem größeren Publi kum den Dialekt verständlich zu machen, oder demselben die Eigenthümlichkeiten derMundart recht zu betonen, dann ist eS auö mit jener Echtheit und Natur Wahrheit, in welcher allein der eigentliche Werth liegen kann. So ist es 'mit dem Plattdeutschen, so ist es mit dem Alle manischen, so ist eS mit dem Oberdeut schen. ES ist wohl wahr, die Eigenart und der Reiz eines Dialekts liegen mehr in der Satzbildung, als in den .einzelnen Worten und Silben: aber, tue c satz bildung müßte ganz unbefangen, ja mit aller Weihe der Naivetät wiedergegeben werden. Wer kann daS in fremden Kreisen? Nur der gottbegnadele Kunst ler allein. Darum habe ich mich nicht lange ge weigert, den Lockungen und Aufsorde runaen. im steierischen Dialekt Vorle sungen zu geben, . nachzukommen. . Erst r tf- vw . V . : - V lg lcy vorie, wie anoere incinc Uiltttu artlicken Dicbtunaen lasen, und kein einziger der Fehler ausblieb von allen, die kommen mußten, da dachte ich, von

mehreren Uebeln sei das kleinste am besten, und ließ mich verleiten. Der Zweck, blos zur Ergötzuna einer

.lachlustigen Menschenmenge im Vergnü gungslokale etwas zum Besten zu geben, ist der Mühe nicht werth. Bald jedoch kamen die Vertreter von verschiedenerlei WohlthatigkeitS Anstalten, und mir wurde gesagt, ich könne diesem oder je nem Vereine durch einen Vortrag Hunderte von Gulden ' einbringen. Ein Gauch, der das kann und nicht thut ! Zu dieser Zeit war's, da mein steierischer Dialekt salonfähig wurde. Ich las die Bauernnöthen und die Bauernspüsse im Frack und mit der weißen Cravatte. Der feinste Saal der Stadt war dazu gewählt und daS Publikum kam heran mit jener Weihestimmung, die eö etwa den Beethoven'fchen Symphonien oder dem Requiem von Verdi mitzubringen gewohnt ist. Und bei dem ersten fremdartigen, grobkörnigen Laut, wie zuckte da manche zartnervige Dame erschrocken zusam men ! Die nicht immer schönen Töne der Volksmundart, die nicht immer seinen Gedanken und Auösprüche des Alpen bauerS mit allerlei Hinterhältigkeiten und verschlagenen Schalkheiten passen schlecht zu de feierlich beleuchteten Saal und seinem pathetisch gestimmten Publikum. Dann kamen Dinge zum Lachen; manches Fräulein lugte verstöhlen nacb der Nachbarschaft, als woll te es anfragen : darf man denn hier la chen ? Nun ja, das wird zugegeben. Da ist wieder eine andere Hörerin in Verle genheit, nicht genau zu wissen, wann ge lacht werden soll, denn die steierischen Dörser sind ihr eigentlich böhmische Dörfer. Um so fröhlicher wirkt der volksthüm liche Vorirag am rechten Ort, unter heiteren, ungezwungenen Menschen. Da rum liest fich'S stets am besten in großen Städten, denn je größer die Stadt, de sto unbesangener das Publikum. Jn der großen Stadt geht ohneRücksicht auf Anderes nur Der in den Vortrag, den die Sache interesiin. Freilich ist es in einer großen Stadt, unter den Hunderterlei von Akademien, Conzerten, Vorträgen u. f. w. um so schwerer,sich bemerkbar zu machen,seinem Publikum zu sagen, daß man da ist. Das muß man in dem Lärme einer sol chen Stadt aber sehr laut sagen. Da heißt's, durch Gassen und Straßen ge hen und die Trommel wirbeln ! Wer das nicht will, nicht mag, der wird sich stets zu beklagen haben über die .Theil nahmslosigkert des Publikums". Als ich Anstalten traf, die ersten Vor lesungen in Wien zu halten, schrieb mir ein Freund daselbst : .Mein Lieber, daö thut sich nicht so einfach. Sie müssen wenigstens acht Tage vor Ihrer Vorle sung nach Wien kommen, von ZeitungS Redaction zu Redaction gehen und den Herren die Notizen vorlegen, die über Sie in die Blätter müssen. Erste No tiz, daß Sie nach Wien kommen werden. Zweite Notiz einen Tag später, daß Sie gelegentlich Ihres Aufenthaltes in Wien auf vielfaches Verlangen Ihrer Verehrer einen Vortrag in steierischer Mundart halten werden. Eine dritte Notiz hat Ihre kurze Biographie zu ent halten, mit Angabe Ihrer Werke. Eine wertereNot z weise auf die Eigenheit und Vorzüge Ihrer Vortrüge hin; ist auch gut, wenn Sie hier irgend eine günstige Besprechung Ihrer Vorlesungen, welche schon erschienen, abdrucken lassen wollen. Man wird sich vielleicht in den Redac tionen etwas ablehnend verhalten, denn die Herren werden überlaufen und mit Zumuthungen überschüttet; aber lassen Sie sich nicht schrecken, klopfen Sie im nur wieder an, bis alle Notizen von al len Blättern abgedruckt sind. Vortheil hast wäre eö, wenn Sie in den Kunst Handlungen Ihre Photographie aus stellen lassen würden. Und am Tage der Vorlesung selbst müssen alle Blätter noch einmal das Resume aller früheren Notizen bringen dann wird JhrSaal überfüllt sein. Derlei, lieber Freundest unerläßlich. Andere thun es auch ; das ist noch anständige Reklame und gehört zum Geschäft." Ich war über dieses Schreiben etwas verstimmt. Dafür, daß man sich herbei läßt, zu . wohlthätigen Zwecken einen Vortrag zu halten, soll man sich auf die Notizenjägerei verlegen? Wer könnte es, ohne vor den Journalisten und vor sich selbst schamroth zu werden ? Ich ließ eö gehen, wie es Gott gefiel. Einen Tag vor der Vorlesung ging ich nach Wien. Mein Freund rief mir so gleich zu: .Ich bedaure, Sie haben mel nen Rath nicht befolgt, Sie werden eins leeres Haus haben. Was thut man ? Man zuckt die Ach seln. Mein auter Freund hatte schon eine Schaar von armen Studenten, schön geistigen Commis, dürstigen Hausleh rern u. f. w. bei ammen, mn denen er im Nothsalle die ersten Sitzreihen des Saales ohne Unkosten beredt hätte. Aber schon um drei Uhr Nachmittags kamen von den .Kartenverschleißern die erfreulichsten Nachrichten, und als ich Abends acht Uhr m denSaal trat, tönte mir daö Geräusch einer großen Men schenmenge entgegen. ' Eine sehr peinliche Viertelstunde ver lebte ich bei einer Vorlesung in Prag. Da ließen es sich die Blätter angelegen sein, mich warm und liebevoll bei dem Publikum' einzusühren. Als ich jedoch Abends um acht Uhr, als zur angekün digten Zeit des Beginnes derVorlesung, ins Haus trat, war Alles in jener idyl lischen Ruhe, die ich unter anderen Um ständen so sehr liebe. Ich guckte durch die Thürspalte in den großen hellerleuch teten Saal und sah da drinnen acht oder zehn Menschlein sitzen. Allsogleich ließ ich mir in mein Cabinet ein GlaS Wein bringen, und ich glaube, ich wäre in mei ner Desperation im Stande gewesen, einen so guten Schluck zu thun, daß sich die Anwesenden vor meinen Augen we nigpenö verdoppelt hätten. Da ging draußen allmälig das, Rücken der Sessel an und nach einer Viertelstunde war der Saal übersüllt. Moral, daß sich der Vorleser in Prag nicht nach der wahren Grazer Zeit, sondern vielmehr nach der wahren Prager Zeit zu richten hat. Einen unvergeßlich . trüben Eindruck habe ich von meiner Vorlesung in der allzeit getreuen. WienerNeustodt. Dort las ich einen Tag nach dem Ring-

theaterbrand in Wien. Als ich am Nachmittag des Vortcagstages nach Neustadt, kam, wollte ich die Vorlesunz absagen lassen, doch die Karten waren

verkauft, ein großer Theil derselben nach den Ortschaften der Umgebung ; es war rem Mittel vorhanden, die Leute zu ver ständigen. Sie kamen Abends im Vor tragSlokal zusammen, ich mußte lesen. Ich stellte frei, ob ich in Anbetracht der Katastrophe von dem lustigen Programm absehen und ernste Sachen zum Vortrage bringen oder ob ich die ursprünglich vor bereiteten munteren Dinge geben sollte. Man entschied sich für das Lustige und mir ging an demselben Abend jedes dadurch veranlaßte Gelächter wie ein Messerstich durch'S Herz. Das mir nach der Vorlesung veranstaltete Banket und die frohe Gesellschaft konnte ich nicht mehr genießen ; Mb ohnmächtich tau melte ich auf mein Äimmer mit dem Vorsätze, in unmittelbarem Angesichte eines großen Unglücks nie mehr den Spaß spielen zu lagen. Als Vorleser kam ich nebst Anderem zur Ueberzeugung, wie unberechenbar das Publikum ist. Ein gutes Stücklein ist nicht überall ein gutes Stücklein, so wie umgekehrt mitunter das Unbedeu tendste zu ehrenvollem Erfolge kommt. Bisweilen übersehen die Leute daö Ge diegenere und lassen sich von der nichtig sten Kleinigkeit bethören. Einmal, in einer Stadt Oberösterreichs, wollte eS mir nicht gelingen, das Publikum zu erwärmen, trotzdem ich lauterDinge vor trug, die sonst in der Regel gezündet hatten. Da wollte eS der Zufall, daß ich während des VortragS Niesen mußte. Nach landesüblicher Weise sagte einer im AuditOnum: .eis Gott !" worauf ich pflichtschuldigst mein .Vergelt'S Gott!1 antwortete. Dieses kleine Extemporalia erweckte einen Lach und Beifallssturm und die Herzen waren offen. Jn Norddeutschland wehte mir nach den Freuden in Oesterreich eine wohl thuende Kühle entgegen; die Blätter sprachen von einem .süddeutschen Fritz Reuter", vuhielten sich aber des Weite ren durchaus reservirt man würde ja sehen. Und als ich in Berlin im Hotel de Rome unter den Linden in den Saal trat, da mußte ich mir wohl sagen: Hier bist Du fremd, hier hat man keinen Grund, nachsichtig und wohlwollend zu sein gegen den, der eigentlich gekommen ist, um ihrem klassischen Lieblingsdichter Fritz Reuter Concurrenz zu machen. Hier mußt Du Dir jeden Centimeter Men schenherz erst erobern ! Menschenherzen erobert man durch die Liebe. Es war ein Kunstgriff, den An dere auch getroffen hätten. Ich begann mit dem Gedichte, daß .der Herrgott das Dirndl weg'n dem Büabel gemacht hätte." DaS haben sie Alle auf'S Wort geglaubt und ich hatte die Lacher auf meiner Seite. Ich wurde kühn und mißbrauchte die Geduld der Berliner durch manches Stücklein, das ihnen ferner liegen mußte, aber sie blieben mir freundlich und sie lachten. Und wag mich ganz besonders freute, sie lachten nicht zu den trivialen Ausdrücken und groben Späßen, die in der Mundart eben unvermeidlich sind und die anderswo nur allzuhäufig als die eigentlichen Pointen angesehen wer den; sie lachten zu den feineren Wen düngen und richteten ihre Aufmerksam keit'besonderS auf die eigenartigen Vor gänge des naiven bäuerlichen Seelen lebens. Auf diese Weise gewann für sie der Vortrag an psychologischem und kul turellem Interesse, welches allein derlei Dlalektvortrage vor einem gebildeten Auditorium rechtfertigen kann. Die BerlinerBlätter sagten mir aller lei Artigkeiten ; nur eines war darunter. daS machte sich den Spaß und erklärte allen Ernstes den steierischen Dialekt, als das Idiom der .Kommunisten". DaS genirte insofern, als ich an'demfelben Abende in der aristokratischen Kaufher renstadt Magdeburg lesen mußte. Wenn man hier die allpatriarchalische Sprache aus denAlpen wirklich für dleAusdrucks weise des rothen Janhagels hielt, so war ich verloren. Es war wenige Monate nach den Attentaten auf KaiserWilhelm, da daö Wort .Socialcommunist" allein schon rm Stande war, eine ganze Kauf Herrenstadt aufzuregen. Doch dieMaz deburger waren so höflich, zwapplaudi ren und gelangten bald zur Ueberzeu gung, daß ich mit meiner steierischen Mundart das Petroleum nicht ersua den habe, und sie wurden warm und zu traulich, wie man es von braven Alt märkern nur verlangen kann. Da ich endlich meine damalige Route als .Apostel des Steirerthumö , wie mich ein Leipziger Spaßvogel nannte. geschlossen hatte, mußte ich mir gestehen, daß die Erfolge zwar über alle Ervar tung groß gewesen, daß ich aber doch mit mir nicht ganz zufrieden war. Indeß hat darüber daö liebe Publi kum zu urtheilen. Ist eS ihm recht, wie ich'S kann so freut'S mich. Ich treib'S eben ohne Kunst und eS ist auch ganz leicht aber lernen kann man's nicht. Oersiywundea. Zlu den Londoner Serichttleben. Im April dieses Jahres erschien in den Zeitungen Londons die folgende Anzeige: .Fünfzig Pfund Belohnung. Am Anfang November letzten JahreS verschwand auf unerklärliche Weise von seiner Wohnung, 136 Lever Street, City Road, Urba'n Napoleon Stanger,Bäcker meister, Bürger von Kreuznach, Deutsch land. Wer Mittheilungen zu machen im Stande ist, welche zu seiner Aufsin dung führen, erhält obige Belohnung. Wendel Schere?, ' Privat Auskunsts Agent. 28 Chepötow Place, Bayswater, London W." Urban Napoleon Stanger ist noch heute verschwunden. Dagegen hat der Staatsanwalt Schritte gethan, die möglicherweise an's Licht bringen, was aus ihm geworden ist,, wenn man ihn auch nicht mehr lebend ausfinden, kann. Obige Anzeige wurde in die Zeitungen eingerückt von den Testamentsvoll streckern; denn Stanger hatte sich die Mühe gegeben, seine weltlichen Angele genheiten in Ordnung zu setzen, bevor er sich an'S Verschwinden machte. Und das Testament konnte nicht rechtskräftig vollstreckt werden, ehe man Schritte ge

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tban batte, den Tkstator i.:ifiuftnden. Daher die A'NSnce. Stange war, für seine Stellung tttd Beschäftigung, ein wohlhabender Maun. Sein Hauö und Geschäft wurden auf 1500 englische Pfd. geschätzt. Aus der Bank hatte er in lau fender Rechnung ein Guthaben von über 400 Pfd., er war Aktionär einer Bau gesellfchaft, und seine Schulden beliesen sich aus höchstens 300 Pfd. Solche Leute verschwinden gemeiniglich . nicht ohne Grund, besonders wenn ne, wie das mit Stanger der Fall war, gemüth lich und jung find. Er war auch kaum 35 Jahre alt, und seine Frau ist etvaö jünger. Diele Frau nun ist dem Wortlaut des Testamentes nach Erbin des Vermögens, unter gewissen Bedingungen. .Seine theure Frau," so nennt er sie in diesem Dokument, .soll sein Vermögen erben, , so lange sie sich nicht wieder verheirathet oder mit einem anderen Manne cohabi tirt." Für das Ableben des TestatorS war ebenfalls der Verkauf des Bäckerei geschSftS vorgesehen worden. Augen scheinlich wünschte er nicht, daß sie eö fortbetreibe. Im Uebrigen ist daS Ak tenstuck im üblichen herzlichen Ton aV gefaßt. Im Falle ihres Todes würden die Brüder und Schwestern des Napo leon Stanger, die noch jetzt in Kreuz nach und Saardrücken leben, die Erb schast erhalten. Für eine sichere Anlage des realisirten Vermögens in Hypotheken waren außerdem Instruktionen ge geben.' Dieses Testament war im Juli 1881 aufgesetzt worden. Im September des selben Jahres begab sich U. N. Stanger nach Deutschland, um seine Verwandten zu besuchen, und aus dieser Reise beglei tete ihn ein gewisserFranz FelixStumm, der Angeklagte vor dem Polizeigericht und jetzige Inhaber des Geschäftes in 136 Lever Str., City Road. Stanger wünschte von diesem Mann begleitet zu sein,' .damit er über seine Frau beruhigt sein könne". Jn der That ist Elisabeth Stanger, Frau oder Wittwe des Tests torS, gleichfalls auf der Anklagebank vor dem LondonerPolizeigericht. Diese Frau selbst war ewige Zeit vorher ebenfalls in Deutschland gewesen, und während ihrer, temporären Abwesenheit hatte Stanger noch sein Geschäft erweitert und an seinem Hause Kostspielige Ver besserungen und bauliche Veränderungen vorgenommen. Nach einem kurze:: Be such in Deutschland kam Stanger nach London zurück und lag ruhig seine? Le schästigung ob. Am 12. Norember wurde er von verschiedenen Bekannten zum letzten Mal gesehen.'' Am 13., an einem Sonntag, war er verschwunden. Am selben Tage erschien der oben er wähnte Franz Felix Stumm im Geschäft in Lever Street und führte dasselbe seit her, erst unter dem Namen der Wittwe (?) Stanger, schließlich unter seinem ei genen Namen fort. Anfangs erregte, das Verschwinden Stanger'S durchaus kein Aussehen. Stumm war keine fremde Erscheinung hinter dem Ladentisch, und obschon ge chwätzige Zungen über die Beziehungen zwischen ihm und derBäckerksrau allerlei munkelten, it nun, er war ebenfalls ein verheirathet Mann, und das Geschäft ging unter ihm jedenfalls nicht zu Grun de. Wenn man im Laden nach dem Meister Stanger fragte, so war er zu weilen mit der Antwort bereit : .Oh,der Meister ist in Deutschland bei seinen Verwandten." Anderen Neugierigen theilte er mit. Stanger. sei todtkrank. .Er speit Blut, wißt ihr daö nicht? Lange kann er eö nicht aushalten." Un ter den Bekannten, welche sich zuweilen nach dem Befinden des Verschwundenen erkundigten, waren natürlich auch die Testamentsvollstrecker. Johann Georg Grißel undWilliam Evans. Diese schei nen sich mit der Auskunft, die ihnen Stumm gab, zufrieden gestellt zu haben, um so eher, alö Grißel eines Tages sogar einen Brief auSKreuznach mitStan ger'S Unterschrift erhielt. Grißel war ein Geschäftsfreund deS TestatorS, er ist . ein Mehlhändler in Fonthill Road, Finsbury Park. Er behauptet außerdem, von Stumm öfters die Adresse des Abwesenden verlangt zu haben, aber umsonst. Stumm theilte ihm blos mit. Stanger sei krank, sei ir gendwo aus dem Lande. Ein anderer Bekannter, ein gewisser Jakob Piroth, 44 Wellsstreet, Oxford Street, der wohl von der Abwesenheit deSStanger gehört hatte, begab sich nach Kreuznach im Ja nuar 1882 zu der Leichenfeier seines Va ters, und hörte damals, daß Stanger seit September 1881 in Kreuznach nicht gesehen worden sei. Dasselbe berichtete auch ein Polizetagerii Rudke, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kreuz nach und Saarbrücken besucht hatte. Felix Stumm jedoch war inzwischen nicht unthätig. Während Stanger an ti3. '" o T , ' k ii'mr x r Bank auf 11 Pfund zusammen. Drei lrk..... , .zs.,:.t M;t ii m Cheques wurden präsentirt, mit U. N. Stanger'S Unterschrift, einer davon fo ungeschickt ausgestellt, daß er erst retour nirt werden mußte, und zur gleichen Zeit eröffnete Stumm selbst in einem Zweig bureau derselben Bank einen Credit, der sich Ende Dezember auf über 900 Pfund belief. Unter den Einzahlungen befand sich auch ein Cheque für 76 engl. Pfund zu Gunsten des F. Stumm mit Stan ger's Unterschrift, und diese Unterschrist gefälscht zu haben, bildet vor der Hand einen Theil der Anklage der Staatsan valtschaft gegen Stumm." Kaum sieben Tage nach dem Verschwinden deö Stan ger sprach Stumm bei einem Notar vor und gab Instruktionen zur Errichtung einer Hypothek- im Betrage von 650 Pfund zu Gunsten eines gewissen Clarke, als Faustpfand sigurirte daö Geschäft in 136 Leverstreet. An der angegebenen Adresse ist aber Clarke unbekannt. Die Fälschung dieses. Dokuments bildet den zweiten Anklagepunkt.- ' Mittlerweile war auch daö Leben in 136 Leverstreet kein absolut idyllisches. Stumm hatte seine Frau und Kinder im Stich gelassen, um in uneigennütziger Weise daö Geschäft seines Freundes und Landsmannes zu führen, allein eines Tages erschien seine Schwiegermütter auf der Scene und verlanate in so ener gischen Ausdrücken zu wissen, was aus

ibrer Tochter geword! sei, daß dir f&vZtM helle Saufen vce d n Bäckerladen drängte, Die Folge dieser häuslichen Auseln-ndersepng tlr c tnkt Tage darauf Frau G?unnttt ttn Ladentisch erschien knd ewige Wochen später Elisabeth Stanaer Sachen zusammenpackte undrschnd. Aber nicht tarioi

maqen. öen u; r - - ----dem Backerladen in Leverjireet der Name F. F. Stumm, mit einer kurzen Unter brechung, und daS war, a Mäub V? Stanger'S für ihr Guthaben l daS Geschäft als Faustpfand in Besitz nahmen und den Namen ausmalten. AllemStumm war auch darauf vorbereite:. Er legte seine Hypothek vor, und seme angeblichen Ansprüche beliefen sich m . n . .if x. - m nn Wanzen aus cie paiuuyi 1500 Pfund. So kam er wieder in den Besitz des Geschäftes, sein Name prangte nUrmnXn in Bellen Farben und selten Buchstaben über dem Fensterladen und zur Stunde noch bedient MrS. Stumm hinter dem Ladentisch, wahrend ihr Mann im Gefängniß das ejiuiai oer wegen Fälschung gegen ihn angestreng ten Untersuchung abwartet. Daö Testament selbst, seit Hauö und Habe in fremde Hände üicrgegangen, ist kein sehr bedeutendes Aktenstück mehr, war von Sir James Hannon auf .Er klärung der Testamentsvollstrecker und anderer Zeugen hin, daß U.5?. Stanger feit dem November 1881 verschwunden sei, in bester Form bestätigt worden. DaS war am 18. Juli d. I. geschehen. Aber wie ging das Verschwinden vor sich. Glaubwürdige Zeugen erklären eid lich, daß sie U. N. Stanger am Abend des 12. November 1881 in sein HauS treten sahen. DieS zu untersuchen hat zwar die Staatsanwaltschaft noch nicht unternommen, allein eS wird ohne Zwei fel den Mittelpunkt fernerer Utersu chungen bilden. C. C. Scher dt. A Weaner WüsHermadl Vor dem Bezirksgericht zu Prag svielj, sich kürzlich folgende amüsante Gerichts Verhandlung ab. Auf ergangene Vpr ladung erscheint als Angeklagte die 24 jährige Wäscherin Katharina Kleebinder von Wien vor den Schranken deö Ge richt. DeS Mädl'S Kleidung ist zwar einfach, aber sie umschließt den schönge formten Leib fesch und keck, und ist rein und zierlich geordnet. Mit einem Wort, ein echte Wiener Kind, ein fescheS sau bersMadl. Vors.: Sie heißen? Ana.: Kathi haß i, die ttleebinderkathi. Vors. : Haben Sie eine Beschäftigung ? Ang. : No sö san's so guat, Herr Gerichtshof! Gott sei's Dank, mir haben no zu leben. Vors. : Also Ihre Beschäftigung ? Ang. : A Weaner Wäschermadl bin i und glau benö mr, wann i a Kragel wasch, so iS dös a Kragel, aber kan Ai'.rkreuzerstrick, via maS hierzu Lande tragt. Vors.: DaS gehört nicht hieher. Ang.: DSS glaub i, so waS g'HSrt nur in d' Kaiser stadt. Vors. : Sie sind wegen köiper licher Beschädigung angeklagt. Ang.: Hat denn döS Krippelgespül von an Mann, den i mein Pegeleisen um' Blutzer g'haut hab', a an Körper, der iS ja a reiner Hartmuthbl:stist Nr. 2. Vors. : Bekennen Sie sich zu der That ? Ang. : Und ob i mi dazu bekenn', denn hätt' ich'S nit than, wär i a ehrloses Madl gewesen. Vors.: Also eS ist Thatsache, daß Herr Bezänek Sie insul tiren wollte? Ang. : WaS döS iS, lin surtiren oder wia sie'S haßcn, d!S waS i nit, aber uoS der auSgevundene Krippenreiter, der ung'saizene Matjeöharing vollen hat, linnen'S ihn denkn. Vors. : Könnten Sie, uaS Sie hier aussagen, venn Sie hi: nicht als Angeklagt: ständen, auch beschwören? Ang.: Beider heiligen Katharina, meiner Schutzpatro nin, bei der Treu', di'i für mein guaten Schu'.schel in Wien im Herzen trog. Vors.: (zum Amtsdiener). Lassen Sie den Herrn Bezänek kommen. Der Gerichtödiener verschwindet und erscheint alsbald mit einem hageren nnd auffällig herausgeputzten Stutzer, der sich Bezä nek - nennt, und der Sohn 'ines Hausbesitzers' ist. Vors.: Können Sie diesem Mädchen hier in's Gesicht sagen, daß Sie ihr keine Gewalt an thun wollten ? Bez.: Auf Ehr', Herr Präsident, ich habe daS Mädchen nicht angerührt. Ang.: (in höchster Erre gung). Was ? aus Ehr' sogen's a noch ? ! sö Powidelritter, sö og'schmalzener Herr gottschn?tzer von Oderammergau, glei verden's dö Wahrheit sogen oder i pick, ihner Partezettelg'stöll an d' Wand, wie a Anschlagzettel von Gschvantner. Bez.: (mit angstvollem Seitenblick nach derSprecherin) : Ich ich hab, nur die Wahrheit gesprochen. Ana.: Jetaberschauen'S, daß vom Schauplatz ver schwinden oder mir bleibt nichts ander's über, als mi anihna zuvergreisen und i 0 Mld'N Thitt chlltzv lfl6cn Mg.s . YxJt yuvci,. -oui.. iicyc lernn Anständ' zu streng). Ich ver biete hier alle Insulten ! Ana. : ler. regt). Ich bitt' Jhna, Herr Gerichts Hof, fangen Sö a noch an mit Jhr'n dalkat'n Fremdwort, i bin e vor laute? Zur'n schon auS'm Häusel. Vors.: WaS untersteh' Sie sich ? ! Ang. : Ah' s' a wohr, i bin a arm'S Madl und hab' nichts als mei Ehrbarkeit und werd' da no so g'martert, weil i than hab, waS a jed'S urndlicheS Madl than hätt', wann ihr a Elender die Ehr rauben will. Wanen kunt ma, bitt're Thränen wa nen mir wird nit glaubt und dem ölendigen Haderlumpen, den g'schnigel ten Spinairitter da glaubt man All'S, selbst wann er sogen thet, daß der heilige Petrus mit Brennhaßen umahausiren gangen iS im ProdLrpern. (Wirst sich aus einen Stuhl und weint bitterlich). Sehr lange dauert die Einvernahme der Zeugen, bis endlich der Gerichshvf die Ueberzeugung gewinnt, daß ))ie Ange klagte nur einen Akt der Nothwehr W S -ngen und dieselbe freispricht,' Freu dlg erreg! verläßt das wackere Wiener kind, in Begleitung ihrer alten Mutter die sie in einer schweren Kraßheit zu Pflegennach Prag gekommen, den Ge nchtssaal. Sehr zerknirscht, in äußerst respektvoller Entfernung abr und bela den mit den schweren ttUi;ts.fN. kZlgt.ihr der Hrt!5uth'Iche Bleistift 7!o. 4ä