Indiana Tribüne, Volume 6, Number 27, Indianapolis, Marion County, 15 October 1882 — Page 6
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OasOajlnmyl des FnnakcZio - Mit den Eroberungen in Griechenland .Und Asien begann in Rom unaushalt sa!n der Versall der Sitten. Man be . tafigtc sich nicht mehr mit einfachem Äehlbrei und grüem Gemüse, sondun die römischen Feinschmecker .lieben sich von ihren Köchen und Küchenjungen - Mahlzeiten bereiten, der sich heutzutage lein Kaiser und kein König würde zu schämen haben. Indessen zeigte sich der Luxus nicht etwa in einer Versemerung des Geschmacks, sondern vielmehr in ei ner wahrhaft unsinnigen , und : viderli chen Schlemmerei. Ivelcher, die '. in einem Zeitraum von 131 Jahren achtmal er feuerten AusOandSgesetzjnur , einen schn?achen und kurze Zeit - andauernden Damm entgegenzusetzen vermochten.- - Von dem unglaublichen Rassinement, velches die römischen Schlemmer bei ih ren Gelagen zu entwickeln verstanden, giebt uns PetoniuS in seinem niiri con" ein interessantes Zeugniß. Das .Satiricon ist eine, Erzählung, welche durch die Schilderung schlüpfriger und lustiger Erlebnisse den Leser nicht nur unterhalten, sondern ihn auch durch eine lebendige Schilderung der Sitten jener Zeit über die damaligen Zustände in Rom belehren soll. Trimalchio, der Gastgeber, ist ein reicher Parvenü, weleher aus einem elenden Sklaven durch Elücksfälle und gewissenlose Spekulation zu einem unermeßlich reichen Manne ge worden ist, der aber von der Rohheit und Gemeinheit seines früheren Standes nichts eingebüßt und nur ine prahlerische Großthuerei und die lächerliche Manit, trotz aller Dummheit gebildet zu er scheinen, sich dazu erworben hat. Unter "den Gästen des Trimalchio ist ein gewis ser Encolpius, welcher von Petronius redend eingeführt wird, und welcher nun . Lber-das Mahl seines Gapgebers die folgenden ungeheuerlichen Dinge erzählt: Der Gastgeber war noch nicht schienen, als bereits die Triclinien (Speise bänke) bis auf seinen Platz besetzt waren. Schon wurde die Vorkost ausgetragen; in Esel von korintischem Erz mit zwei Säcken, worin aus der einen Seite weiße.
us der anderen Sette schwarze Oliven sich befanden. Den Esel bedeckten zwei Schüsseln.auf deren RändernTrimalchioZ Name und ihr Silbergewicht bemerkt war, und auf welchen Haselmäuse, mit Honig und Mohn Übergossen, lagen. Außerdem waren siedende Würste auf einer silbernen Roste und unter der Roste syrische Pflaumen mit Granatäpselkernen. Während die Gäste anfangen, sich mit diesen Delicatessen zu beschäftigen, wird Trimalchio hereingetlagen, eine lachenerregende Figur, deren geschorenes Haupt aus einem um dasselbe gewundenen .scharlachrothen Tuch hervorguckte, wäbrend von dem mit Tüchern umwickel ten Halse eine breite mit Purpurstreifen, Franseln nnd Troddeln geschmückte Serviette herunterhing und Ringe und Spangen seine Hände und Arme schmück ten. Ganz gegen die feinere Sitte, jedenfalls aber dem Charakter der Gesell fchaft entsprechend, nahm er den ersten . Platz an der Tafel ein. Unterdessen wurde ein Speisebrett mit einem Korb hereingebracht, worin eine hölzerneHenne mit ausgebreiteten Flügeln saß, wie die Hennen beim Brüten zu thun pflegen. Sogleich traten unter Musik zwei Sclaven hinzu, singen an das Nest der Henne zu untersuchen und brachten von Zeit zu Zeit Psaueneier hervor, die sie unter, die Gäste vertheilten. Trimalchie . wandte seine Augen auf diese Scene und sagte: Freunde, ich habe der Henne Pfaueneier unterlegen lasien, und ich fürchte wahrhastig, sie sind schon bebrü tet ; doch wir vollen versuchen, ob sie sich noch anschlürfen . lassen.- Wir bekam en, erzählt EncolpiuS ueiter,LSffel, die nicht weniger als ein halbes Pfund wo gen, und durchstießen die Eier, die aus Mehl gebildet waren. Ich hätte meine Portion beinahe weggeworfen den es sah ir aus, als hätte sich inwendig schon ein Junges gebildet. Als ich aber einen al ten Gast sagen hörte : dahinter muß et was Gutes stecken, lüftete ich die Schale veiter und fand eine fette Schnepfe, mit gepfeffertem Eidbtter umgeben. Auf ein von der Musik gegebenes Zeichen wurden -nun die Vorkostaufsätze von einem sin genden Chor schnell weggeräumt. In diesem Getümmel siel ein silberner Teller uf die Erde, und einSclave hob ihn auf, aber kaum hatte Trimalchio dies bemerkt als er ihm t mit einer Ohrfeige verwies und den Teller wieder hinwegzuwerfen befahl. ,Bald darauf trat ein Kammer sclave ein und kehrte unter anderemKeh richt auch jenes Silbergeschirr mit dem Besen aus. Nachdem man Flaschen, die sorgfältig vergipst waren, und an deren Hälsen Etiquette mit der Inschrift: Ovi nianischer hundertjähriger Falerner hm gen, gebracht hatte, erschien eine Tracht 'von Speisen, deren Größe unserer Er Wartung entsprach, deren Neuheit jedoch " unsere Augen aus sich zog. Aus einem runden Speisebrelt waren. nämlich die zwölf Zeichen des Thierkreises ringsum vertheilt und über jegliches hatte derAn richte? eine entsprechende Speise gesetzt; - über den Widder Widdererbsen, über den Stier ein Stück Rindfleich, über den Krebs einen Kreis von Krebsen, über den Löwen eine afrikanische Feige, über den Wassermann eine GanS, über die Fische zwei Barmen :c. In der .Mitte war ein Stück ausgegrabener Rasen, woraus eine Honigwab lag. Auf die Aufforderung des Trimalchio entschlosien wir uns, von diesen einfachen Speisen zuzulangen, als vierSclaven herbeieilten und den oberen tl des Aufsatzes abhoben, worauf wir darunter auf einem zweiten Speisebrett Geflügel, Sauenter und einen Hasen er blickten, der in derMitte mit Flügeln gt schmückt war, daß er wie einPegasus aus sah. Wir bemerkten auch auf den Ecken des SpeisebrettS vierMarsyaffe (Frauen), . us derenBäuchengepsefferteCaviarsauce sich überFische ergoß, die in einem künst lich angebrachten Teich schwammen. Ein Beifallssturm der Gäste bricht los, 'die sich lachend über diese auserlesenen Dinge hermachen. Die Scene verändert sich. Diener traten ein und legten Teppiche vor die SophaS, voraus Jagdnetze und Jäger uf dem Anstand mit Jagdspießen und dergl. geflickt waren. Wir wußten, fährt Cncolpius fort, noch nicht, was wir da on denken sollten, als außerhalb M
Speisesaals sich ein gewaltiges Geschrei erhob, und siehe da, es kamen spartani sche Hunde herbei und singen an, um die Tische herumzulaufen. Auf sie folgte eine Maschine, woraus ein Eber lag und war mit einem Hut auf dem Kopf; an seinen Hauern hingen 2 auö Palmzwei gen geflochtene Körbchen, von denen daö eine mit Datteln, daö andere mit theba Nischen Nüssen gefüllt war. ' Kleine Fer kel auS Kuchenteig, die rings umherla gen, gaben zu erkennen, daß ti eine Sau mutter sei, und zwar waren diese zum Einstecken und Mitnehmen bestimmt. Zum Tranchiren des Ebers kam ein gro ßer bärtiger Kerl im Jsgdcostüm7 Mit einem Jogdmeffer schnitt er die.' Seite des Schweines auf, und aus dieserWun de flogen Drosseln heraus, welche Vogel fänger mit Leimruthen einsingen. Nach dem die Tische unter Musik gereinigt wa ren, wurden die weißen Schweine in den Speisesaal geführt, mit Bändern und Schellen geschmückt. Trimalchio ließ den Koch rusen und hieß ihm da Aeltere in der Küche schlachten. Kaum hatte er ein kurzes Gespräch mit uns gesührt, so kam daS Speisebrett mit einem unge Heuren Schwein auf . den Tisch. Was, ruft Trimalchio plötzlich aufgebracht, dos Schwein ist nicht ausgeweidet. - Beim Herkules, das ist zu arg. Schafft mir den Koch, den Spitzbuben herbei ! , Der Koch kommt und bekennt mit einem Arm sündergesicht, daß er das Ausweiden vergeffen'habe. Trimalchio will ihn erst hart bestrasen, verzeiht ihm aber und be fiehlt ihm daö Ausweiden. Mit zit ternder Hand schneidet der Koch den Bauch des Schweines auf. Dieser er weiterte sich sehr bald durch die von innen andrängende Wucht, und heraus stürzten Würste und Carbonaden. Auf einmal sing die Decke zu krachen an, und der ganze Speisesaal erzitterte.- Be stürzt sprang ich auf aber siehe da, das Getäfel thut sich auseinander.und es senkt sich plötzlich ein ungeheurer Reisen von einem großen Weinsaß herab, an wel chem rings umher goldene . Kränze und alabasterneSalbenflaschen hingen. Wäh rend man uns diese Dinge zum Mitneh men einstecken heißt, blicken wir auf den Tisch, und da stand schon wieder ein Aussatz mit einer Figur, die in ihrem sehr umfangreichen Schooß Obst von allen Arten und Weintrauben trug. Begierig streckten wir die Hände darnach aus, und sogleich ging ein neuer Scherz in Scene.
Denn aller Kuchen und jedes Stück Obst ließen bei der geringsten Berührung Sasran, der sich bis dicht an uns ver breitete. Hieraus folgten einige Lecker bissen, die mich noch in der Erinnerung entzücken. Statt Drosseln wurden ge mästete Hennen herumgegeben, jedem eine, und Gänse-Eier. Nach einiger Zeit befahl Trimalchio, den Nachtisch zu brin gen; derselbe bestand aus Drosseln mit Krastmehl, Rosinen und Nüssen gesüllt ; danach folgten Granatäpfel, die ringsum mit Stacheln bedeckt waren, so daß sie Igel bildeten. Aus eine gemästete Gans, die aufgetragen ward, Fische und Vögel um sie herum, wies Trimalchio mit den Worten : das Alles hat mein Koch aus Schweinefleisch gemacht. ES kann sei nen preiswürdigeren Menschen geben ; verlangt man es, so macht er auS Speck eine Taube, aus einem Schinken eine Turteltaube, aus Ochsenfüßen eine Henne. Auf einmal traten zwei Skla ven ' herein, die sich zu zanken schienen und thönernde Krüge trugen. Bestürzt über die Unverschämtheit der Trnnkenen sahen wir genauer hin und bemerkten, daß aus dem zerschlagenen Bauche der Krüge Austern und Kammmuschew her ausstürzten, die ein anderer. Sklave auf fing und auf einer Schüssel herumtrug. Zugleich trug der Koch zischende Schnek ken auf einer silbernen Roste auf. Nun brachten Knaben, mit langen Haaren Salbe in einem silbernen Becken und salbten die Füße der Daliegenden, nach dem sie vorher Schenkel, Füßen und Fer sen. mit Kränzen umwunden hatten. Dann wurde von derselben Salbe auch etwas in daS - Weingesäß und in die Lampe gegossen. - Mit allgemeiner Betrunkenheit endete das luxunöse Mahl. Emil Walter. Triest. . Die allergetreueste Stadt", welchen Ehrentitel Trieft seit dem Jahre 1819 führt, bat in de? neueren Äeit viel von sich sprechen gemacht. Nicht etwa, daß ihr Handel, den so sehnlich erwünschten Aufschwung genommen, oder daß jhre Schiffahrt in eine neue Epoche derBlüthe getreten, sondern o:e Anlässe, durch wel che sie die Aufmerksamkeit aus sich lenkte. waren polmscher Natur. Triest hat, wie fast alle, österreichischen Städte mit italienischer Bevölkerung, eme nationale Partei, welche als rhr letz tes Ziel die Vereinigung mitJtalien an strebt. Früher, als es noch kein König reich Italien gab, nannte man die An Hänger dieser Partei Jtalienissimi", welchen Namen man den Nadualen in Italien überhaupt gab ; seit aber die ita tienischen Hitzkövfe die Jtalia irredenta im Gegensatze zu der Jtalia unita" auf gebracht haben, gibt es in Trieft auch eine Jrredentlstenpartel, welche bet nder Ge legenheit demonstrier, daß Triest zu dem unerloflen' Jtauen gehöre. In diesem Jahre findet die Erinne rungsfeier an die vor sünshundert Iah ren erfolgte Einverleibung des Triester Gebiets in Oesterreich statt. , Zu dieser Jubiläumsfeier ist eine Jndustrieausftel lung veranstaltet worden und aroßeFeste vorbereitet. Natürlich sind alle diese patrlotlschen Kundgebungen m den Au gen der Jrredentisten ein Greuel und sie suchen dieselben so viel als möglich zu hintertreiben. Am Tage der Eröffnung der Industrieausstellung wurde eme so genannteOrstnibombe unter die über den Corso ziehen, AolkSmenge geschleudert und wurden ein paar Menschen getödtet. andere schwer verletzt. Kurze Zelt da rauf consiSzirte die Polizei aus einem auS Italien gekommenen Dampfer emenKos fer, der mit Bomben, Petarden und auf rührerischen Proklamationen angefüllt war. Der BeweiS deSEmverständniffes zwischen der Jrredentlstenpartel ln Ita !ien und Triest schien dadurch erbracht. wenn auch der Jndepedente , daS Or gan der Nationalen, dagegen remonstrir te. DaS energische Vorgehen der Poli zei hatte Kur Folge, daß die Bomben
swleudererNcb" verkroSen": sie oaben
Furcht bekommen. ES ist daS eine Ei genthümlichkelt der ltalienischenBerschwörer, daß sie so diel auf einen sicherenVer steck halten und sich nur anSLlcht getrauen, wenn keine Gefahr ist. . . In ten ältesten Zeiten hatten keltische und illyrische Stämme daö Gebiet inne, wo das heutige Friest fleht, denn als die Nomer Aquileja gründeten,, was 181 Jahre v. Chr.' geschah, hatten sie mit die sen Stämmen Kämpfe zu bestehen... Die vortheilhaste Lage des Ortes erkennend, gründeten die Römer daselbst, nne'.Colo nie, die sieTergeste nannten und die bald sehr bedeutend wurde. Zur Zeit, der Völkerwanderung wurde Tergeste, von nordischen , Barbarenhorden .wiederholt heimgesucht und 373 n.Chr. von denQua den und Markomannen total zerstört. Im Jahre 948 gehörte Tergeste zu Ita lien : als aber KSnia Lothar die. Stadt sammt Umgebung dem dortigen Bischos verlieh, der .sich. nun Graf von. Triest nannte, erhlelt.es Zeme öselbststandigkelt. Es solaren nun bald Zwistiakeiten :mit denPatriarchen vonAquiteja undQuado, dann mit der Republik Venedig. Der Macht der letzteren war Triest natürlich nickt aewachsen und imJahre 1203 muß te es sich dem Markuslöwen unterwerfen. rr . w . n r 1 V.lo C.il. Ch-I.n Kinaz ocfl id. zayryunvrils yirnc -triqi wieder eine gewisse Selbständigkeit er lanat. dann aber aerietb eS bald. in' den Besitz der Patriarchen, bald in den ,93e vedigs ; im Jahre .1380 besetzten sogar die Geunesen die . Stadt. . Durch den Frieden von Turin erlanate Triest zwar wieder seine Unabhängigkeit, allein das Vertrauen in seine : eigene Machte und Widerstandsfähigkeit war so gering, daß es sich 1382 freiwillig unter Oesterreichs Schutz stellte. Den Kämpfen mit Ve nedig wurde jedoch, dadurch kein Ende gemacht; im Jahre. 1463 belagerten die Venetianer Triest und zerstörten die Salinen von Zaule. Die Türken, welche 1470 76 Jstnen verheerten, kamen nur bis in die Nähe von Trieft,, dasür ward eS 1481 von .den . Ma gyaren heimgesucht. In den Kriegen Max 1. mit der epudlik, Venedig ward es nochmals von venetianiscken Truppen besetzt Diesem Gange der Dinge mach te der Friede von Noyon im Jahre 1481 ein dchnitwes lnde. fcs liegt aijo lerne einzige geschichtliche Thatsache vor, welche Triest a!S slavischen Ort erschei nen ließe. - Hingegen ist eS unvestrettbar, das Triest einen entschieden italienischen Ebarakter trägt ; der Typus der Be völkerung, die Anlage und Bauart der Häuser, die Umgangslpraäze, die e benSweise, das ist alles durchaus italie nick. Auck die öandelSsprache ist die italienische und die Zahl der deutschen ffirmataseln ist.eme verschwindend kleine. Die Eontadini, welche zu Hause slove uisch sprechen, bedienen sich, wenn sie ihre Produkte zu Markte bringen, der italienischen Sprache, und selbst die putschen, diese österreichischen Jaku ten, welche den wustesten und unsrucyt barsten Theil des Karstes, bewohnen. sprechen, wenn t lyre yolzroyien uno ihren Essig nach Triest bringen,- so gut sie können, italienisch. Es ist soaach ein lächerliches Bemühen, Triest seines italienischen Charakters entkleiden und es als Polyglotte . Stadt hinstellen zu wollen: mit demselben Rechte könnte man von Wien sagen,' es sei keine deut sche, sondern eme Polyglotte Stadt. Daß in Tnest viel griecyiscv, turlilcy, enalisck und sranzösisch gesprochen wird. ist erklärlich, dafür ist es Seehandels stadt und wenn das deutsche Element einen starken Prozentsatz der Bevölke rung bildet, so hängt daö mit der eigen thümlichen Stellung Trieft's zum Reiche zusammen. DaS GroS der Bevölke rung hat auch gar keine Lust von Oester reich abzusallen und namentlich die zahl reiche Arbeiterklasie Facchine sind öfter reichish? gesinnt, was jedoch nicht viel bedeuten will, denn diese Leute hängen dem ander ihnen Brod gibt. -;' f Haben sich die politischen und sozialen Verhältnisse TriestS in den letzten : fünf zehn Jahren wenig verändert, so hat dasür die-Stadt selbst, dasür bedeuten dere.-Veränderungen' auszuweisen: 'Es ist auch inTrieft sehr viel gebaut worden und einzelne Stadttheile, wie beispielö wette.dtt Piazza grande ist ar nicht witvn zu erkennen. Nach der- Seeseite zu ift der Platz jetzt durch eine Parkan läge abgejchlofsen;: an .Stelle deö alten Municipal Gebäudes ist ein palastartiger Bau entstanden; dort wo die Lo conda grande stand, jenes alte Gast haus, in welchen Winkelmann ermor det wurde, erhebt sich jetzt ein prächtiger Neubau; das berühmte Cafe specchii hat in dem Ease Litke am Municipalpa last einen Rivalen, gefunden. ' . Wer Triester Jrredentisten sehen will, findet dieselben im Cafe Litke, - da auch bei dem letzten Bombenattentate eine Rolle spielte. ' Die meisten und großartigsten Ver Änderungen und Umgestaltungen ge wahrt man aber im Bahnhose, und im Hasen. Früher war zwischen dem Bahn hose und dem nächsten Orte St. Borlo lo ein großer. Tunnel, den die Triester .das große Loch, welches nach Deutsch land fährt," nannten. : Das große Loch" ist zwar noch da, allein die Züge fahren nicht mehr durch dasselbe. Das ganze Areal des Triester Bahnhofs .umsaßt jetzt 25,000 Quadr.'Mtr. Bis vor wenigen Jahren hatte Triest keinen eigentlichen Hasen, sondern nur eine offene, durch eine - wenige Moli nothdürstig geschützte Rhede, die den Anforderungen an ein großartiges ' Em porium nicht entsprach und bei Bora stürmen den Schiffen wenig Schutz ge währte, so das ez sehr oft zu Havarien kam. Diese Uebelstände veranlaßten die Regierung, Abhilse zu schassen und einen Hasen zu bauen. Der neue Hafen besteht aus zwei BafsinS, von denen jedes einen FassungS räum für 28 Segelschisse und 18 Dam pser, und einem Petroleumbassin, daS für 10 Segelschiffe Raum hat zusam men also sür 33 Segelschiffe und 18 Dampfer. Längs der Ufer sind geräu mige Lagerflächen, die Bassins werden durch drei Mol! geschieden, breit genug, um Waarenschuppen, Geleise und Stra ßen aufzunehmen. Ein Hafendamm (Wellenbrecher) ist quer vor die Bassios gelegt; derselbe befindet sich in einer Wagertiese von 16 Mtr. unter dem
Nullpunkte. Die Aüösührung desselben hat 6 Jahre beansprucht- und nicht weniger al? 870,000 Kbm. ' Material ; erfordert, ! - -, ? , ,; Der Raum zwischen dem neuen Hafen und dem Molo S. Teresa, an dessen Spitze sich der ..Leuchtthurm befindet, nimmt die alte Rhede ein. So bemer kenswerth und nützlich der neue Hasen
auch sein mag, interessant ist doch nur die alte Rhede. Hier findet der eigent Ilche Verkehr statt, vier kommen und gehen die Dampsschifse des Lloyd, von hier laufen die Küstenfahrer aus, hier nimmt man die Barken, um nach Mira mar, Muggia .u. a. O; zu rudern, hier ist das eigentliche Hafenleben, hier be findet sich auch das Gebäude der Cen tralSeebehörde, daS Hafenamt (Sani ta) u. s. w.. .Der alte Fischmarkt, wel cher früher- die halbe Neustadt verpestete, ist jetzt in einen geschlossenen Raum hart am Zl?!eere verlegt, und belästigt jetzt die Nasen der; Fremden nicht mehr. -Längs deö ganzen ' Quai's der alten Rhede läust jetzt die-Tramway, , welche über Haupt eine Errungenschast für Triest ist, denn sie verbindet die - interessantesten Punkte der. Stadt. Auch -der Umni busverkehr hat sich gehoben und beides, Tramway und Omnibusse, sind bil lig. ... Der meist besuchte Ort um Triest ist gegenwärtig die Südspitze der terrassen sörmigen Gartenanlagen von San An drä zwischen Leuchtthurm und Lloyd arsenal am Beginn der Bucht von Mug gia, denn dort besinden sich die Hallen und Pavillons der gegenwärtigen In dustrie und landwirthschastlichen . Aus stellung. Einen schöneren - Platz hätte man für diese Ausstellung schwerlich sin den können. Wahrhaft malerisch prä sentiren sich die verschiedenen, , aus . dem Grün, des .'Gehölzes hervorblickenden Pavillons mit den langgestreckten In dustriehallen zu Füßen, die auf einem Quai errichtet sind, der erst dem Meer abgewonnen werden mußte. Die Triester leben wie die Italiener überhaupt, sehr sparsam und mäßig, sie bedenken sich lange, , bis sie sich zu einer Ausgabe von etlichen . Gulden entschlie ßen ; die ärmere Bevölkerung, die mehr als 10 pCt. der Gesammtbewohner auS macht, darunter mehr'al510,000 Fac chine oder Lastträger, lebt Don der Hand in den .Mund, und kann nicht einmal zwanzig'Kreuzer des täglichen Crwerbes entbehren. Es war deshalb-erklärlich, daß die Tageseinnahmen den-gehegten Erwartungen nicht; entsprachen. Um füns Uhr werden die Ausstellungsloka litäten geschlossen und um sechs Uhr wird der Park zur geselligen Unterhal tung gegen ein Entree von 20 Kreuzern geöffnet. Da kommen die Triester schon zahlreicher, um bei einem Glase guten Bieres in Triest eine Rarität und bei den Klängen der Musik die kühle Seeluft zu genießen. Der erste Anblick desGolfes vonTriest gehört zudem Ueberaschendsten, was Seegestade überhaupt zu bieten, vermö gen. Am schönsten nimmt er sich von Obtschina, einem auf der Karsthöhe lie gendenDorfe gesehen, aus. Allein auch dem mittelst Bahn über den Karst Kom menden präsentirt sich gleich hinter Na bresina das Meer iu seiner ganzen Herr lichkeit. Der Reisende sieht mit einem Male die Veite, hellblaue Spiegelfläche mit hellen Fischersegeln darauf tief unter sich. Er hat dabei allerdings nicht. den Eindruck des scheinbar. Endlosen, denn der Golf von Triest ist von Bergen ein gerahmt. Im fernenDämmer sieht man die Stadt Triest nur matt sich abheben vom Seespiegel i gibt wenigStädte, die eine so malerische Lage haben wie Triest, aber man erkennt das mehr, wenn man zur See ankommt. Da baut sich Triest terrassenförmig auf, vorne dasGe wirre von Masten undSegeln.hoch oben die Citadelle, dahinter die wunderbar ge färbten Wände des Karstes, und links in der Ferne die schneeb'cdectten Häupter der Venetianer und. Karnischen ' Alpen, ein wahrhast entzückendes Bild. Ueber die Staubvestandtheile der Atmosphäre. Auf dem in Eisenach jüngst abgehaltenen Congresse deutscher Naturforscher, hielt Dr. Aßmann, Direktor der Wetter warte in Magdeburg, einen Vortrag über die Staubbestandtheile der Atmo sphäre und gab einen Ueberblick über daö, waZ bis jetzt über die Meteorolog! schen, morphologischen" und sanitären Eigenschaften derselben bekannt ist. Die Staubpartikeln,. die .sich in der Atmo sphäre überall in großer Menge vorsin den, sind von der mannigfachsten Ver schiedenheit hinsichtlich ihrer Größe und ihrer physikalischen Beschaffenheit. Ruß körper von mehreren Millimetern Durch messer, Moorrauch, empörgerissenePflan zentheilchen und kosmischer Staub, der von Verbrennung der Meterroiden her rührt, bilden hervorragendeBestandtheile des Staubes der' Atmosphäre.- Unter sucht man srischgefallenen Schnee, so sin det man in demselben Bestandtheile aller existirenden Organismen. Die Wüsten des Erdballes sind vornehmliche, Quellen des atmosphärischen Staube, und 'an der Westlüste Afrikas wird den Seefah rern der Anblick .der Küste oft meilen weit von einem zimmlsarbenen Staube verhüllt, der, da. ihn die .Passatwinde von der. Wüste' herführen, . Passatstaub genannt wird. -Aehnliche Erscheinungen finden sich in fast aZen am .Mittelmeere gelegenen Ländern , Eine andere Quelle des atmosphärischen Staubes sind die thätigen feuerspeienden Berge.' , Zu einer der bekanntesten Verunreinigung der At mosphäre gehört der Moorrauch, der sich bis nach . Westfalen, .Braunschweig, Schleswig.Holstein, ja bis nach Baden, Württemberg, Böhmen und nach Ruß land erstreckt, und. der Unsitte seine Ent stehung .'verdankt, daß in Nordwest deutschland Moorflächen durch Brand kultur ertragsfähig gemacht werden. In Rußland werden in ähnlicher Weise und auch zu Culturzwecken Stoppelfelder und Steppenflächen angezündet, waö natür lich auch die entsprechende Verunreini gung der Atmosphäre durch trockene Ne bel zur Folge hat. Nicht zu unterschät zen sind in ihrer Wirkung bezüglich der Verunreinigung, der Luft alle Feue rungsanlagen, deren Einfluß verständlich wird, wenn man bedenkt, daß z.B. in
London jährlich 150 Millionen 'Centner Steinkohlen verbrcmnt werden. . Man hat vielfach die Menge der in der Atmosphäre füöpendirten Staubbestand theile gemessen; i Tissandier ln PariS fand in einem Cubikmeter Lust 23.Ml ligramm. feste Bestandtheile, 'nach einem Regen dagegen nur 6 Milligramm. Aus dem Lande ist das Verhältniß; etwas günstiger wie in den großen Städten und nach Regen bedeutend günstiger wie nach'trockenem Wetter, da die Regent tropfen die Staubbestandtheile der Lust mit, sich zu Boden reißen. AuS einem Liter Regenwasser fand Tissandier 120 Milligramm - feste Bestandtheile, .aus Schnee-113. Milligramm und aus dem sväter-gefallenen nur 66 Milligramm. Was die , Wirkung der Staubdestand theile der Atmosphäre betrifft so steht in meteorologischer Hinsicht fest, daß die Wirkung.; des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme durch dieselben eine Ab' schwächung erfahren, sicher wird auch, die Condensation. der Wasserbämpse - durch den atmosphärischen Staub befördertja derselbe ist sogr sür die erstere ein nothwendiges Desiderat. ' Es gibt Meteoro logen, die behaupten, daß ohne atmo sphärischen Staub weder Nebel noch Regen möglich sein würde. Experimente mit zwei großen Glasballons, deren ei ner mit atmosphärischer, der ande mit filtrirter Luft gesüllt waren, haben auch ergeben, daß einströmende Wasserdämpfe in dem mit atmosphärischer Lust gefüll ten Nebelbildung veranlaßten, in dem anderen nicht. . Durch die Ablagerung der festen Be standtheile der Luft wird die Physiog nomie d?r Oberfläche ganzer Länder be einflußt. ' : Als Wirkungen der staubsörmigen Bestandtheile der Luft auf die organische Welt sind Rost, Mehlthau und . Brand deö Getreides zu nennen, die auf die Zu führung von Pilzsorten beruhen. Eben so bekannt sind die mechanischin Reizun gen der Schleimhäute des Mundes und der Nase und schließlich dars nicht verges sen werden, daß die Ansteckungskeime ei ner Anzahl von Krankheiten ihren Weg durch die Lust nehmend
Sin fescher Brasilianer Vor sechs Monaten traf in Paris ein junger Brasilianer ein, 'der nach seinen eigenen Angaben einer' vornehmen Fa milie in Rio de Janeiro angehörte und bald mit der hiesigen brasilianischen Co lonie sehr vertraut wurde. Dank den ihm überreichten ausgezeichneten Em pfehlungöschreiben wurde er daselbst so wie in den aristokratischen französischen Kreisen mit offenen Armen ausgenom men. Ein unermüdlicher Tänzer, ein angenehmer Plauderer, mit einem höchst sympathischen Aeußern ausgestattet, nahm der interessante Fremde an allen Reunions Theil und war in den Clubs ein gern gesehener Gast, woselbst er beim Spiel vom Glücke außerordentlich be günstigt ' wurde. Die Manieren des Fremden waren untadelhaft, nicht min der untadelhaft das an den Schläfen auffallend glatt gescheitelte Haar. Am 16. September speiste nun der Brasilia ner mit einem Freunde-und in Gesell schast zweier Damen in dem großen Saale eines renommirtesten Restaurants von Paris, als plötzlich ein Herr, wel cher den Fremden zuvor längere Zeit mit Aufmersamkeit betrachtet hatte, aus denselben zuging und, anscheinend trun ken, durch dessen wohlgepflegtes Haar mit der Hand suhr. Der Brasilianer gerieth in Wuth, der Andere ging sich aber, wobei er anscheinend nur zu lallen vermochte, in unzusammenhängenden Entschuldigungen und verschwand dem nächst. Während des Restes deö Sou pers blieb der Gastgeber stumm, obgleich die Gesellschaft ihm begreiflich zu machen suchte, wie harmlos der ganze Vorgang wäre. Die Aufklärung sollte Tags darauf erfolgen, als ein Polizeicommis sär bei dem Brasilianer erschien und denselben in seiner Rue Washington belegenen Wohnung verhaftete. Der Be' trunkene vom hervorgehenden Tage ge hörte in Wirklichkeit der Polizei an und hatte in dem Brasilianer einen auS Neu Caledonien entwichenen Verbrecher zu erkennen geglaubt, bezüglich dessen er sich erinnert, daß er an der einenchlüfe eine große Narbe als Kennzeichen auf weise. Um sich nun zu überzeugen, ob seine Annahme völlig begründet wäre, hatte der Beamte dann, sich trunken stel lend, daS Haar des Fremden zurückge Streift und die verrätherische Narbe ge unden. Bei seiner Verhaftung ver mochte der Brasilianer zwar allerlei Pa Piere vorzulegen, die seine brasilianische Nationalität bekunden sollten. Er wur de jedoch noch von mehreren anderen Polizei-Jnspectoren recognoscirt, die sich minder leichtgläubig erwiesen, als die vornehme Welt von Paris, welche dem entsprungenen Deporzirten ihre SalonS so gastlich erschlossen hatte. Ein e Badereise comms il saut. Ein Wiener, der im August die Ausstelluug in Tnest besucht hatte, schrieb nach seiner Rückkehr einem Freunde : Rach meiner Ankunft in Triest war eS mein Erstes, mich in die Fluthen de: Adria zu stürzen und mich vomStau be der Reise zu befreien. Dann kam die Ausstellung an die Reihe Ich fuhr soh.in nach Eilli und nahm in der Schnelligkeit ein Bad in der Save; dann gings nach Marburg, und wieder war es mein Erstes, in der Drau ein er frischendes Strombad zunehmen. Von Marburg machte ich einen Abstecher nach Klagensurt und zum Wörthersee. Es war mir ein Hochgenuß, hier in den be rühmt linden Wellen unterzutauchen. Von Klagenfurt ging die Reise nach Graz, wo ich mich sofori in die freund liche Mur vertiefte. Nach Wien zurück gekehrt, suhr ich noch am selben Tage zur Reichsbrücke hinab, um in den mäch tigen Wellen der Donau einen gehöri gen Abschluß meiner Reise zu machen Tugenden der Ehemänner. Die Ehemänner müssen gute Zähne haben, um Alles verbeißen zu können; gute Finger, weil sie oft durch diese schauen müssen ; einen guten Rücken, um Alles zu ertragen ; einen guten Magen, um die härtesten Brocken verschlucken zu können; gute Achseln, um sie recht oft zucken zu können ; gute Füße, weil sie der . Schuh oft drückt.
ine unsuld,g Hingerichtele nay 250 Jahren rehavitttirt.
Eine merkwürdige ossiciell kirchliche Rehabilitirung einer unschuldig hi:ge richteten Frau fand am-10. September zu Tangermünde in der St.- Stephans kirche statt.?' Am Sonnabend nach Ma rien- (13. September) -1617 ist die alte Stadt durch eine furchtbare Feuers brunst fast ganz vernichtet worden. ' Al lein 486 Wohnhäuser brannten nieder. Am 22. März 1619 sind aus rechtskräs tigeS Urtheil, des SchöppenstuhlS zu Brandenburg mehrere Personen als Brandstifter hingerichtet, darunter als eigentliche Anstisterin eine jugendliche Frau, die Enkelin eines Tangermünder Patriziers, Grete Minden (Margarethe v. Minden) und ihr Ehemann AntoniuS Meilahn. . Sie wurden an hce Psähle mit eisernen Ketten geschmiedet und langsam zu Tode' .geschmökt, nachdem ihnen zuvor mit glühenden Zangen die sünf Finger der rechten Hand abgezwackt und Arme und Brust zerrten waren. Seit 1619 ist nun alljährlich jeden Sonntag nach Marien in Tangermünde die Brandpredigt gehalten. Darin ist die verruchte Grete Minden, die nur aus Rache, weil ihr der Rath der Stadt (wie sie meinte, zu Unrecht) daS (irbtheil ih res Vaters vorenthielt, die Stadt mit Hülfe einer Anzahl geworbener Genossen in Brand gesteckt hat, als das entsetzlich fle Scheusal, als ein Auswurf des Menschengeschlechts"? den Einwohnern der Stadt dargestellt worden. Vor wenigen Jahren indessen istGrete Minden, die um ihr Erbtheil betrogene Patriziertochter, die aus Rache ihre Hei mathstadt anzündet, die Heldin einer herrlichen Dichtung geworden. Theodor Fotane läßt in seinerNovelle das arme, von grausamen Verwandten fast todt gehetzte Weib in wilder Verzweiflung die Stadt anzünden nd selbst in derFeuers gluth untergehen. Neuerdings sind nun die alten - Untersuchungsacten - wieder aufgefunden worden. ' Sie gelangten in die Hände eines Juristen, des mit einem Werke über die Altmark beschäftigten Reichstagsabgeordneten LudolfParisiuS.' Dieser hat nun aus diesen Akten und den noch in Brandenburg vorhandenen Akten des Schöppenftuhls den vollgülti gen Beweis erbracht, daß Grete Minden unschuldig war, und daß an ihr ein grausiger Justizmord verübt ist. Am Sonnabend nach Marien (9. Septem ber) dieses Jahres sind wieder Nachmit tags von 4 bis 5 Uhr alle Glocken der alten Stadt Tangermünde zur Erinne rung an die Schreckensstunde, wo das Feuer aufging, geläutet worden. Aber als am Sonntag, den 10. September, die 264. Gedächtnißpredigt gehalten wurde, verkündete der Oberprediger Lampe den versammelten Andächtigen, daß nach den neuesten zuverlässigen ErMittelungen GreteMinden an der furcht baren Feuersbrunst vem 13. September 1619 unschuldig gewesen sei und schuld loö den Feuertod erlitten habe ! Der böseDruckfehlerteu fel hateinemBerlinerKapellmeifler jüngst einen recht fatalen Streich gespielte Zur Feier deö Stiftungsfestes eines Vereins hatte der junge talentvolle Musiker ein vierstimmiges Lied sür Ehor componirt, an welches er all sein Talent, seinen gan zen Fleiß und Eiser verwendet hatte. Er hatte daS Lied zur Feier des Tages sauber und kunstreich ausgeführt drucken lassen und, um eine gehörige Wirkung hervorzubringen, darüber gesetzt: Sanft mit Gefühl und Nachdruck !" Das Lied war erst kurz vor Beginn der Festlichkeit im Druck fertig geworden, und der Eom ponist empsing dasselbe, als die Stif tungsfeier bereits im vollen solennen Gange war, und sollte sein Lied nun mehr den Glanzpunkt derselben bilden. Nichts Böses ahnend, vertheilte er so gleich die Exemplare des Liedes an seine Sänger, sowie an da Publikum. Doch was geschah? Schon als er das Zeichen zum Anfang des Liedes, gegeben, hörte er auf dem Orchester sowohl wie imPub licum Flüstern und ein unterdrücktes La chen, welches sich nach und nach, wäh. rend das schöne Lied gesungen wurde, so sehr und allgemein steigerte, daß daö Tonstück ganz und gar verunglückte und der arme Maestro in Verzweiflung ge rieth. Und die Schuld an dem ganzen Unglück trug ein kleiner, unansehnlicher Buchstabe, ein nmgekebrtes n Der Setzer hatte nämlich gesetzt: Sauft mit Gefühl und Nachdruck!" Ein gefährlicherGauner. Ein junges Ehepaar aus Berlin kam kürzlich von einer Hochzeitsreise durch die Schweiz zurück. In Basel hatte sich in daö Gasthoszimmer, welches das junge Paar bewohnte, ein Dieb eingeschlichen, der sich, während jenes schlief, bereits der Brieftasche deö Herrn M. mit 4000 M. Inhalt, sowie seiner Uhr mit Kette und des gesammten Schmuckes der jungen Frau bemächtigt hatte und damit schon daö Weit? suchte, als er zufällig durch einen in der Nacht in das Hotel zurück kehrenden Reisenden angehalten wurde. Der Diebstahl kam un den Tag, und es stellte sich heraus, daß man 'hier einen äußerstgefährlichenund rassinirten Dieb gefangen hatte. Emil Schmidt aus Salzwedel, nannte sich der Industrie ritter, gehört zu einer Klasse von Vr brecherndie in einer ganz' bestimmten Specialität arbeiten". Er hat sein Augenmerk vorzugsweise aus junge Ehepaare gerichtet; er logirt sich in den größeren Städten in den Gasthöfen er sten Ranges ein und beobachtet mit Ken nerblick. diejenigen unter den ankommen den Gästen, die .in den Flitterwochenreisen, denen er dann die jungen Freuden des Ehestandes gründlich verdirbt. So entwendete er in Frankfurt a. M. in ei nem Hotel einem jungen Ehepaare wäh rend-des Schlafes 480 2ft: nebst golde ner Uhr mit Kette, in Brüssel einem englischen Ehepaare 7ö0 Psd. St., in Köln einem Flitterwochenpaare ein Por temornaie mit 300 M. Unter dem Na men Karl Mayer setzte er sein Geschäft, in welchem wenigstens System liegt, in Stuttgart, Mainz, Metz und verschiede nen andern Städten mit ungeschwächten Kräften und gleichem Erfolge fort, bis ihm endlich .bei unserem Berliner Ehe paar die Nemesis ereilte.
Protest gegen die elnseltige.WeUaN'
' schaüung Ben ANva'ö.' ' von Tagebrt Olhnsri-d. I Wie ? Alles sei schon dagewesen ? In frechen Lettern stets zu lesen, ' Nein, in der That, ich muß gestehn. . .. Wenn je ein Wort mich alternte. Fürwahr, so Manches Eombinirtc Hat doch die Sonne nie gesehn.' ; il". Ei''. Schas im Schmuck, der Glanzgalo : schen. Das lächelnd seinen letzten Groschen Den Schulen widmet zu Athen, Und dann mit Hummeln rings im - Bunde Kartoffeln beut dem kranken Hunde : Das hat die Sonne nie gesehn. -III Studenten, die aus allen Vieren Mit Lord und Lady kokettiren. Wo sern des SamumS Dünste wehn. Und zu AegyptenS jähem Schrecken Der Sphinx den..Marmorschn?e:f be - lecken Das hat die Sonne nie gesehn. IV. Mandrile, die mit vollen Backen Kometen flott wie Nüsse knacken. Und selbst sich um die Achse drehn. Indeß betrübt die Wandelsterne Auf Stelzen wackeln durch die Fern .' : Das hat die 'Sonne nie gesehn. . " " V. Poeten, die in Mädchenkleidern Schwimmhoscn für die Amseln schnei ' dern. Und gut sich aus die Naht verstchn, Indeß die heit'ren Kannibalen Sich Leyern'auf die Schenkel malen Das hat die'Sonne nie gesehn. ' L - ' . VI. Mich, Dagobert, den heitren Sänger, Als gr'amzerfressnen Grillensänger Vom Kirchthurmknopf herniederkrähn. Indeß mir lächelnd Posilippa Am Stiefel hängt, mitsammt der Pippa: Das hat die Sonne nie gesehn. Nunne. Alleweile jeht die Zeit los, wo die Wahlausrufe in die Welt jeschickt werden, und wenn man liest, wie so'n Schriftstück abjefaßt is, denn 'muß man denken, das die Kandi Daten der Jezenpartel lauter Sch'blacks, Bei.üjer, Bauernfänger und Msrdbren ner sind. Es is ja jedenfalls janz vor theilhaft, daß man bei Zeiten an die 'AZah! der Btttreter für Z"as Abjeordnetcnhaus ieht. vorher aber mü'te man unbedingt Jn Bisken an die Wahl der Ausdrucke lehn, die mau ln Bnua auf den politischen Jejner anwenden will. tl wurde vlcueicht jer keen übles Re sultat erjeben. Ick hcb't aber immer jesagt, bei diepolitischenParteicn kommt eS weniier auf den A b stand von ein ander an, als aus den A n stand j e j e n einander. Angesichtsder gerade jetzt sich ununterbrochen solaendcn und bau senden Tage, Congresse :c. könnte man lich versucht suhlen, den bekanntem Aus spruch : Nulla dies sine linea ! umzukehren in Nulla linea sine die ! m deutsch : auf der ganzen Linie wird g e
tagt. Am 21. September war Walter Scott's fünfzigjähriger TodeZ tag. Der berühmte und überaus popu lare schottische Romanschriftsteller war im Herbst 1831, Genesung von einer schweren Krankheit suchend, nach Italien gereist und kehrte im April dcS folgen' den Jahres durch Deutschland nach sei ner Heimalb zurück. Unterwegs traf ihn auf der Waal der Schlag; zwar er' holte er sich und erreichte Edindura, we nige Monate später aber am 2L Sep tember 1832 ereilte ihn der Tod aus seiner Besitzung zu Abbotsford. In DryburghAdbey liegt er begraben. Sei' ne Kenntniß der deutschen Sprache und Literatur und der unvcrlennbareEinfluß, den das Studium deutscher Geisteshero en auf seine Produktion - geübt ein zelne deutsche Balladen und dramatische Werke hat er sogar übersetzt oder wenig stens in freier Nachbildung bearbeitet sicherten und sichern ihm ebenso jehr daö Interesse der deutschen Leserwelt, wie die allgemeinen Vorzüge seiner Romane; seine treffliche Charakterschilderung,seine bis in die kleinsten Details bestirnmte und wahre Zeichnung, die klare und le dendige Anschauung und Darstellung vergangener , Zeiten, die anmuthige Schilderung landschaftlicher Schönhei ten und die reiche Quelle von Humor, die sich mit größtem sittlichen Ernst und tiefstem Gefühle paart. Sein dankba res Vaterland hat dem Dichter zahlrci che Monumente gesetzt und " wird den heutigen Tag zweifellos festlich begehen; und auch in der deutschen Leserwelt wird man des Sängers von Abbotsford heute mit warmem Interesse gedenken. I nternationales Schach tournier 1883. Auf Anregung des Troicoupian Schachclubs in London treten demnächst sämmtliche in dem ver einigten Königreiche existirenden Schach associationen zu einer Versammlung zu sammen, welche die Organisation eines großen im nächsten Jahre in London ad zuhaltenden internationalen SchaStur niers berathen wird. Die Clubs in den Provinzen werden in dieseVersammlung eigene Vertreter entsenden oder sich durch von ihnen erwählte Mitglieder derLon doner Clubs vertreten lassen. Nachklang vom Antisemiterl c o n g t e ß. Ich bin es allein, welcher prositirt Von Eurem Lärmen und komischen Schrei'n, Ich habe bis jetzt nur im Winter regiert. Nun herrscht' ich im Sommer noch oben drein. Ihr halst mir vergrößern mein Herr schaftZgebiet Mit Eurer Debatten thörichtem Schwall, Euch, die Ihr Euch also sür mich be müht. Euch dank' ich ergebenst. Prinz Carneval.
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