Indiana Tribüne, Volume 6, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1882 — Page 7

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Die deutsche Burschenschafter und die freiheitliche und nationale Wwe öung in Deutschland von 1815 biS 1843.

Ln Karl Oarwiburs. 1816- 18Z0. Cs gibt heut zu Tage viele Leute.wel che glauben, daß der Gedanke der deut ichen ReichS'Einhtit fix und fertig aus dem Haupte eines genialen Staatsman nes hervorgegangen sei, wie Pallas Athene aus dem des ZeuZ. In ihren Augen ist dieserStaatsmann der alleinige Urheber der deutschen Idee und zugleich der ausführende Meister, der ihr Gestal. tung und Form gab. Es starben und verdarben Hunderte und Tausende in harter Kampfesarbeit um die Wiederausrichtung beS Reichs.. Sie starben im Gefängniß, auf den Fe. stungen,auf dem blutgetränktenStraßen Pflaster. Sie verdarben hinter dem Zaun, im fremden Lande unter Hunger und Kummer. Napoleon I. war besiegt. Der Wie. ner Kongreß hatte die Länder und Völ . ker unter den Mächtigen der Erde neu vertheilt, Deutschland hatte man mit dem ' deutschen Bundestage beschenkt'. . . . Die damaligen deutschen Zustände waren sehr traurige. Der Krieg hatte die ganzen Kräfte des Volkes erschöpft. Die patriotischen Gefühle varen mit dem Ende des Krieges verflogen, das Volk war auch materiell durch die langen Drangsale und Kriegsjahre verarmt. Bürger und Bauer hatten Jahrelang zu thun, um wieder zu uur einigem beschei denen Wohlstand zu gelangen. Die Schriftsteller, die geistigen Pfadfinder der Nation, schwärmten für alte Burgen und Burgverließe, in welche sie gern je den hellen Kopf geworfen, für Kloster hallen und Alchymistenküchen, für Zau bergärten und mondbeglänzte Nächte in

i f ArmidenS Hainen . . . : ) tca v:. o.u :.

Es war die Zeit, in der die soaenann ten Romantiker ihre Triumphe frierten. In den Kreisen des Deutschen Adels sah es nicht viel ermuthigender aus. Der viel und hochbelobte Freiherr von Stein war mit den Jahren ein einseitiger Versechter der Adelskaste geworden . . . .Andere, wie der Fürst von Hohen lohe, spielten die Wunderdoktoren, wählend die Mehrzahl der hohen Geburts aristokratie nur Sinn sür die Erhal tung ihrer Standesrechte hatte und sich mit dem Gedanken der Mediatisirung so venig auszusöhnen vermochte, daß sie, wie die von SolmS und Wied im Na sauischen und die Herzöge von Aren berg und Bentenik in Rheinpreußen, Proteste über Proteste erließen und wie Souveräne angesehen zu werden be J gehrten. Der größte Theil des Beam tenthums war eingeschüchtert oder schlug sich auf die Seite Derer, denen 1815 wie ' 1306 Rube die erste Bürgerpflicht er! schien und welche die Ansprüche des! v Volkes aus Theilnahme an den öffent lichen Angelegenheiten als revolutionär betrachteten. Es waren jämmerliche Zustände, so jämmerlich, daß selbst ihre Schöpfer das Bewußtsein ihres deremstlgen ZuZam menbruchs hatten, wie aus einer Aeuße ?ung des Renegaten Friedrich v. Gentz hervorgeht, dieser rechten Hand des Fürsten Metternich: Mich und den Metternich hälts noch aus...." In dieser Zeit des politischen Nieder.

' ganges hätte die sreiheitliche und natio C i - o v . . x. . o .. rs.. x i k

naic oücc nur nvuj eine o"!"14 uui I den deutschen Hojschulen, bei den Stu V denten und SBrofefinrtn der Universi

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Cji ucuiuuc gu uiunumunc, uic iu l ger dieser nationalen und. freiheitlichen t Ideen bei den Regierungen' als Volks I Verführer zu verdächtigen und die Poli . zei und Strafrichter gegen sie in . Bewe ouna zusetzen. .-

Drei Universitäten waren die Mittel Punkte dieserJdeen.welche den allmächti gen kaiserlich'löniglichen Staatskanzler 7 und seine bundestäglichen Marionetten denn er lenkte sie nach kurzer Oppo sttion alle erzittern ließen : Berlin, Jena, Gießen. In Berlin hatte sich im Sommer 1816 eme studentische Verbindung gebildet, die den Namen Burschenschaft annahm, im Gegensatze zu den Landsmannschaften. Der eiaentliche Vater der deutschen Bur fchenschast war Fichte, der schon 1785 in Jena eine ähnliche Verbindung gestiftet hatte und später in Berlin in stuoenti ifien Kreisen dieSache wieder zur Spra -ic brachte und anregte, ohne aber deren Verwicklichung zu erleben, da er schon 1813 am Lazarethsieber starb. Was wollte die deutsche Burschen fcMi? Kurz und bündig ausgedrückt : Das ' Deutsche Reich mit freien und volle thümlichen Einrichtungen, die Erhaltung

l ' und Entwickelung deutscher Sitte, deut

I schenRechtS, deutscherVolksfreiheit. DaS

Uj diesen Plänen viel m Einzelnen unrel ll fes. Unfertiges, Phantastisches undSon

derbares anhastete, kann nicht bestritten werden. Indessen war daö Werk, welches die Diplomaten, die Staatsmänner von Fach am grünenTisch zusammengeschmie ' det hatten, der Deutsche Bund, nicht ebenfalls ein unreifes, halbes Ding, das kaum dreißig Jahre später unter dem t Sturm einer Volksbewegung zusammen ' siünen sollte, wie eine Marktbude im

I ' Herdstwinde? !, Aber bei aller Unreife und Phantasie xtx der polilischenPläne, welche die deut t ! ' icke Burschenschaft hegte, muß zugestan

N den werden, selbst von ihren Gegnern.

j daß sie da3 Feuer der Vaterlands und ' Jreiheitsliebe lebendig erhielt in Zeiten,

r( in denen die große Mehrheit des Volkes f i ; . c v rn AtiofixV

all oer JUNlUlisz vr -oiumuiiut: ii 'T tl. V - lauu(lMH VaIiiM T.f( 3tSeiClIv UNS in 5iuuif uuijiu wie. Die erste unogevung oer uriqen inf di ate ibre NarbeSckwar.!Rotb

: f Gold erkoren, fand am 18. Oktober 1817

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t i'kl fc jj -www - 7 der 500 Studenten und eine Anzahl Pro sessoren, die Letzteren weist aus Iena, die Studenten von fast allen deutschen Um versttäten hatten sich zu der Feier einge funden. DasFest galt dem viert.enJah restag der Leipziger Schlacht und dem . t , ci.-t.i s... v. cn . oreiyunoerljayrlgen uoiiauci oer jii sormation. - .

Als die offizielle Feier, bei melcher u. A. die Jenaer Prosefforen Fries und Kieser gesprochen, vorüber war, veran stalteten die Studenten und Maaßmann, derTurnmeister, demtzeinrich Heine spä ter so übel mitgespielt hat, ein Feuerge richt. Auf einem Scheiterhaufen wur den ein Zopf, ein Corporalstock, sowie deutschfeindliche und reaktionäre Bücher von Schmalz, Kamptz Kotzebue u. A. verbrannt. - Damit hatte die Burschenschaft eine mächtige Gegnerschaft herausgefordert, welche ihr ohnehin schon lange mit ver bissenem Groll gegenüber gestanden hatte. Um. die Bedeutung dieses Autodafes aus der Wartburg, welches an die Ver brennung der päpstlichenBannbulle durch Luther vor dem Wittenberger Thor er innerte, zu verstehen, muß daran erinnert werden, was der Geheimrath Schmalz in Berlin, ein Schwager des berühmten Generals Scharnhorst, in seiner die po Mischen Vereine" betitelten Brochüre ge gen die deutschen Patrioten ausgespro chen hatte. Er verdächtigte darin den unter der französischea Fremdherr schast gestifteten, auf die Befreiung Deutschlands von der Napoleon'schen Tyarnnei gerichteten Tugenbund als ei nen Bund revolutionärerUmstürzler und schilderte die deutscheErhebung mit ihren zahllosen Opfern an Gut und Blut, die besonders das preußische Volk gebracht hatte, als eine That der zum Gehorchen verpflichteten Unterthanen, die nur dem Befehle ihres Königs gefolgt wären. Eine derartige Sprache mußte natür lich bei den jungen erregbaren Männern, von denen, der größte Theil in den Be freiungskriegen mitgefochten hatte und von denen viele Inhaber des eisernen Kreuzes waren, die tiefsteErbitterung er regen. Schmalz und daö ganze Heer der An Hänger der alten absoluten Monarchie und Feudalzustände, denen der Gedanke an ein deutsches Reich mit einer Volks Vertretung ein Abscheu war, waren über das Feuergericht ganz außer sich. Herr v. Kampj schrieb eine Anklageschrift: Rechtliche Erörterung über die Verbren nung von Druckschriften, in welcher er ges gen die Studenten und Jenaer Profes soren losdonnerte; der immer matter und engherziger werdende Freiherr von Stein wetterte in einem Brief an den weimarschen Minister von Gersdorsf über Fies, Oken, Kleser, .welche Mord und Ausruhr und die Zerstörung alles Alten predigten", der fürstlich Metter

mch'jche offizielle Lohnschreiber Hofrath von Gentz in Wien, der früher feine Fe der in Tyrannenblut" getaucht, dann sich aber als literarischer Bravo gegen die freiheitlichen Ideen der Völker hatte kau fen lassen, schrieb eine Denunziation der Universität Jena Die Minister von Hardenberg und der österreichische Ge sandte van Czichy in Berlin wurden nach Weimar geschickt, um die dortigen Dinge zu untersuchen, und selbst die fremden Großmächte fanden den kecken Studen tenstreich fo hedenklich, daß der Herzog von Richelieu, der französische auswär tlge Minister, eme lange Note nach Ber lin schickte. Von dieser Zeit an datirt die Versol gung nationalen .und freiheitlichen Be strebungcn der deutschen studentischen burschenschastllchen Verbindungen. Man achtete sie und die schwarzrothgoldenen Farben. Die Ermordung Kotzebue's in Mannheim durch den Jenaer Student Karl Sand steigerte die Hetzjagd und umgab sie mit einem Recht des Scheins, obwohl die Burschenschafter als solche an der unheilvollen That unschuldig waren. Sand wollte an Kotzebue, den er als ei nen in russischem Sold stehenden Spion und Verräther betrachtete, an Beispiel statuiren und von seiner That hatte Nie mand vorher Kenntniß. . Aber gleichviel ! DaS böse Gewissen ließ den Fürsten Metternich und seine College nicht schwsen. Sie waren sich bewußt, die berechtigten Erwartungen der deutschen Nation getäuscht zu haben und ihre Angst ließ sie in jedem deutschen Burschenschafter einen Karl Sand er blicken. Als vollends einApothekerlehr ling. Namens Löhning, im BadSchwal bach auf den nafsauifchen Staatsrath von Jbell einen verunglückten Mordver such gemacht, da war die Verschwörung fix ud fertig wie 1850, als Manteussel, um die Fortdauer des Belagerungszu standeS zu rechtfertigen, in der preußi fchen Kammer eine bleierne Granate und eine rothe Schärpe zeigte, die von der Polizei bei einem Berliner Schuhmacher Hetze! gesunden worden waren. Metternich lud die Minister Preußens und der deutschen Mittelstaaten zu einer Conferenz nach KarSoad, wo die beruch tigten Conserenzbeschlüsse gefaßt wurden, unter denen die deutsche studentische Ju gend bis 1843 zu leiden hatte. AuSnah me. Maßregeln der schlimmsten Art. Ich übergehe hier die gegen die Preßfreiheit und VersassunSverhältnisse Deutsch landS gerichteten Bestimmungen und will nur die auf die Universitäten bezüg lichen Ordonnanzen hervorheben. Die burfchenschaftlichen Verbindungen wur den verboten, die Theilnahme an sol ch?n mit schweren Strafen bedroht, an den Universitäten unter dem Titel Re gierungS - bevollmächtigte höhere Po littibeamte. welche das Thun und Treiben der Studenten und Profes soren überwachen mußten, angestellt. Zur Untersuchung oer sogenannten oe maaoaischen Umtriebe d. h. der einheitli chen und fteiheitlichen Bestrebungen der 7 ... . i v. cm deutschen luoenien wuroe in 'lamz ci ne Eentraluntersuchungskommission nie dergesetzt. . . . Jetzt begannen die Ver solaunaen in großem Stil. Der Ber liner Professor der Theologie de Wette, der einen Trostbrief an Sand'S Mutter nach Wunsiedel geschrieben, wuroe avge setzt, die Papiere der Professoren Arndt und der beiden Welker in Bonn mit Be schlag belegt, der Turnvater Iahn und patriotische Männer wie Varnyagen van Ense in Untersuchung gezogen. GörreS rettete sich durch die Flucht nach vtraß bürg. Preußen hatte an der Mainzer Cen tralkommission nicht genug. Es etablir te eine besondere Untersuchungskommis sion in Körpernick bei Berlin.... Die verdächtigen Studenten wurden in Mas sen eingezogen. Es kann hier nur in ganz knappen Zügen die Geschichte dieser Verfolgungen gegeben werden, aber schon

diese kurzen Angaben werden zeigen, wie arg diese Verfolgungen waren. In Breslau wurden von 26 Angeklagten sechzehn zu 13 15 Jahren verurtheilt. Die Justizkanzlei in Güstrow verurtheilte den Student vonSprewitz zu 15 Jahren Festung. In andere!? 'Staaten waren die Richter milder, einsichtiger. So

wurden die desselben Verbrechens Ange klagten inWürttemberg, Baden, Kurhes sen, Hannover, Weimar mit 16 Iah ren bestraft. DaS OberappellationSge richt für beide Schwarzburg und Anhalt in Zerbst erkannte gar nur auf 3 Mo nate gegen den des Hochverraths ange klagten Burschenschafter Emil Schwarz, ein Urtheil, über dessen Milde der preu ßische Minister Schuckmarnt und Metter nich außer sich waren. Schuckmann schrieb an den preußischen Vertreter bei der Mainzer Central kommission, von Kenenberg, er möge beim Bundestag ein gleichförmiges Ge setz gegen daö Verbrechen des Hochver raths beantragen, und als Keisenberg diese Zumulhung ablehnte, wurde er auf Metternich's Antrieb abgerufen. Aber nicht blos die deutscheGesinnung und deren Kundgebung wurde geächtet. auch jedes äußere Zeichen, welches an die nationale Idee erinnerte, von der Poli zei unbarmherzig verfolgt. Die Bur fchenschafter trugen damals den altdeut schenRock mit darübergeschlagenemHemd rragen,schwarzeS Sammetbarett und um dieBrust das schwarzrothgoldeneBand. Diese Tracht wurde sür staatSgefährlich erklärt. Daraus bezieht sich folgender VerS aus einem Studentenliede iener Zeit: Schwarz Barett und Spitzenkragen Soll der Bursche nicht mehr tragen - Und den'Farben Schwarothgold Ist man in Berlin nicht hold Nach der neu'ften Mode. Das Lied hat sich lange erhalten und wir sangen es noch 1847 als junge Stu denten nach der Melodie .Die Hufjiten zogen vor Naumburg". Wohl hatten der Bundestag und die Negierungen die Auflösung der Bur schenschast beschlossen und formell fand dieselbe auch statt, aber insgeheim lebte dieselbe fort. Auf dem Marktplatze zu Jena fand die offizielle Todtenfeier statt: daö Grablied dazu hatte August Binger ge dichtet : Wir hatten gebaut! in stattliches Haus Und drmn auf Gott vertrauet trotz Wet ter, Sturm und Grau?. Wir lebten so traulich, so einig, so frer: Den Schlechten ward es graulich, wir hielten gar zu treu. Sie lugten, sie suchten nach Trug und Verrath, Verleumdeten, verfluchten die junge grü ne Saat. Das Band ist zerschnitten, war schwarz. roth und gold. UndGott hat eö gelitten ! wer weiß, was er gewollt s DaS Haus mag zerfallen, waS hat'S denn für Noth ? Der Geist lebt in uns allen, und unsere Vnrg i ott. Binger hatte Recht. Der Geist lebte fort und waS vorher am hellen lichten Tage vor der Welt Augen getreten war, das flüchtete sich jetzt in die Dunkelheit und das Geheimniß. Von bekannteren Burschenschaftern oder Demagogen aus jener Zeit will ich hier die Gebrüder Jollen, W. Snell, Völker. W. Wesselhöst, Eisenmann (der vor König Ludwig I. von Bayern zur Abbitte gezwungen wurde, 1848 Mit glied des Frankfurter Parlaments war, wo er dem linken Centrum angehört) Arnold Rüge nennen. -Auch an- Verräthern fehlte es den Burschenschaftern nicht. Einer der berüchtigten war der frühere Burschenschafter Witt von Döring, mit seinem Spitznamen der Glühende", wegen seines ansänglichen FeuerEiferö. Er gehörte zu den sogenannten Unbe dingten unter den Burschenschaftern, d. h. zu jener engeren Verbindung, die jedes gewaltsame Mittel zur Errichtung eines freien deutschen Nationalstaates sür gerechtfertigt ansah. Witt von Döring, angeblich durch die Ermordung des Herzogs von Berry zu der konser vatioorthodoxen Richtung bekehrt, setzte den Fürsten von Metternich von allen Vorgängen in Kenntniß und gab Anlaß zur beschlossenen Verfolgung. Auch ein bayrischer protestantischer Theolog NamensDiez, gleichfalls frühe rer Burschenschafter, wurde zum Ange ber, es sei dahingestellt, ob aus Schwä che oder anderen Motiven. Als Diez nämlich 1824 seinen geistlichen Amtöeid leisten sollte, jammerteer: er sei schon durch einen Eid gebunden. DieS wurde der Ansang seiner Enthüllungen. Au ßerhalb der studentischen Kreise hatten diese demagogischen Bestrebungen, wie wir sie mit dem traditionellen Ausdruck nennen wollen, wenig Anhänger. Zu diesen gehörten der ehemalige Müller Salomon, später Turnlehrer in Ersurt, und der dortige Platz'Jngenieur Major von Ferrntheil, der den phantastischen Plan hatte, die Garnison von Erfurt zu überrumpeln und aus der thüringi fchen Festung den Mittelpunkt eines re. volutionären und republikanischen Auf standeS zu machen Auch unter den Burschenschaftern gab es viele Republikaner, während Andere, wie z. B. Heinrich v. Gagern, der späte re Präsident des deutschen Parlaments, von einem Kaiserreich träumten und Manche unter ihnen in dem damaligen Großherzog von Weimar Karl Auaust den zukünftigen deutschen Kaiser erblick ten. . .. Aber die Masse des Volkes ließen MetternichS EinjchläferungSkünste und die Polizeidienste des Bundestags nicht zu politischen Fühlen und Denken kom men. .. s., i Es war die Zeit, in der Schauspieler und Tänzerinnen, Musiker und Säxge rinnen, ein Clauren'scher .Roman mit MimiliFiguren und Husarenlieute nants das große Publikum Deutschlands mehr fesselte, als alle politischen Fragen. Die Interessen des staatlichen Lebens überließ man den Regierungen und ihren Organen. Em PulZschlag der össent lichen Meinung war kaum fühlbar. In den Kreisen aber, in denen nan

sich für politische Dinge interessirte, hegte man wie schon angedeutet, die son derbarsten Illusionen. Während die Einen auf Karl August von Weimar, Andere auf den König von Württem berg blickten, setzten liberale Kreise in Bayern ihre Hoffnung auf den Krön Prinzen (Ludwig I.), der in Italien einen altdeutschen Rock, die Burschenschafter Tracht, trug und in Würzburg bei der Parade, wenn die Militärmusik die Melodie des Studentenliedes Rautschi Rauschitschi Revolution" spielte, dabei vergnügt den Takt mit den Händen schlug.... Heute wissen wir, daß die Enttäuschung gerade durch König Lud wig I. nicht lange aus sich warten ließ. Den liberalen Anwandlungen desKönigs folgte bald ein entschieden reaktionäres und ultramontanes Regiment. Ein Studentenkrawall in München, bei wel chem die dortige Burschenschaft Germa ia die Marseillaise gesungen hatte, rief sogar in seinen Folgen einen Ver fassungSkonflikt hervor. Der König Ludwig desavouirte in politischer Hin sicht den Kronprinzen Ludwig vollstän big. Der AuSgang seiner Regierung ist bekannt. Derselbe Monarch, welcher die Beleidi? seiner Person vor seinem

Bildniß Abbitte thun ließ, dankte ab in Folge von Ruhestörungen m seiner Re fidenz München, die durch sein Verhält niß zu der spanischen Tänzerin Lola Montez hervorgerufen worden waren. Wenn wir noch hinzufügen, daß .unter seiner Regierung die Prozesse gegen Behr und Dr. Wirth, um von Anderen zu schweigen, sich abwickelten, so glauben wir hinlänglich das politische System des Fürsten charakterisirt zu haben, in welchem vorübergehend die jugendliche Schwärmeret : einiger für ihr deutsches Vaterland begeisterter Jünglinge das zukünftige Reichkoberhaupt deutscher Nation erblickt hatte. DaSOewitter. Sine Hnmoreike von ?art Twain in seiner Ueber tragung. .HanS ! schrie eS, HanS!" und ich erwachte. Kaum hatte ich memeSmne ordentlich bei einander, streckte ich die Hand aus eS herrschte pechschwarzeFmstermß m die sem Moment und ich schrie nun mei nerseits : .Ernestlne, hast Du mich gerufen ? Was gibt'S? Wo steckst Du V .Hier, nebenan imCabinet, wo wir un ser Schuhwerk haben Sei doch ruhig und komm' hleher. .Hans!" .Um's Himmelswillen, Schatz, waS ist'S mit Dir V JBxt ? Du willst nicht aus dem Bette heraus V .Gewiß nicht." .Steh' augenblicklich auf. DaS ist doch wahrhaftig Deine Pflicht. Dich amLeben zu erhalten, wenigstens sür Deine Frau und Deine Kinder." .Aber Herzblatt " ' .So schweig' doch, Hans, Du weißt doch, daß es während eines Gewitters keinen gefährlicheren Aufenthaltsort gibt als dasBett; so steht eö in allenBüchern, und Du liegst da und streckst Dich, nur mir zu Leide " .Aber ln:S Teufels Namen, ich bin ja gar nicht mehr im Bette, ich bin. . . Der San wurde unterbrochen durch einen jähen Blitzstrahl, dem ein Angst schrei der Frau und ein mächtiger Don erschlag solgte. .Da hast Du eö, HanS. Und Du wagst in solchen Situationen noch zu flu chen !" .Ich habe ja gar nicht geflucht. .Wie man's nur fertig bringt, so zu lügen ! Du weißt, daß auf Deinem Hause kein Blitzableiter ist und daß Dei ne Frau und Deine Kinder keinen an deren Schutz als die gnädige Vorsehung haben. Du streichst wohl ein Zündhölz chen an? Bist Du verrückt V .Warum denn ? Hier ist'S ja so dün kel wie in einem Ofen." : , .Blase das Streichhölzchen aus und zwar sofort. Treibst Du absichtlich ein so frevles Spiel ? Du weißt, daß nichts so sehr den Blitz anzieht wie das Licht." Zwischen und dann feierlich rollender Donner .Hörst Du wohl? Siehst Du nun, waS Du angerichtet ?" .Ich fehe absolut nichts und eS kann auch nichts passirt sein." .Aber ich schwöre, daß der Blitz irgend wo einschlug. O, mir ist so schwer, ich sühle, daß wir den nächsten Morgen nicht mehr erleben werden Hans !" .Nun denn, waS weiter ?" .Ist eS nicht als komme Deine Stim me HanS, haft Du Dich vor dem Ösen postirt ?" .Ich schreite eben zu diesem neuen Verbrechen." .Fort von jener Stelle, oder willstDu ruchtloS uns alle opfern ? Ein offenste hender Osen ist der beste Leiter deS Strahls. Wo hältst Du Dich jetzt wie der aus ?" .Am Fenster." .Um aller Liebe willen bist Du von Sinnen ? Selbst den kleinsten Kindern ist eö bekannt, daß man sich während ei neS Gewitters nicht am Fenster aufhält. O, diese Nacht, sie wird meine letzte sein.... WaS war das wieder sür ein Geräusch V .Ich suche meine Hosen." . .Wirs sie rasch von Dir. DaS fehlt noch, daß Du Dich anziehst, während doch die Gelehrten längst darüber einig sind, das Wollenfiosse den Blitz anzie hen. . . .Aber singe doch nicht. Woran denkst Du eigentlich ?" .Schadet'S waS ?" . . .HanS, ich sagte Dir zum hundersten Male, daß das Singen Schwingungen in der Atmosphäre verursacht, welche den elektrischen Strom . unterbrechen. Ums Himmels willen, warum nun noch die Thüre öffnen ?" .Hol's der Teufel, wenn auch dies nicht recht ist !' .Es ist unser Untergang ! Alle, die sich mit dieser Materie beschäftigt haben, wis sen, daß man durch den Lustzug den Blitz förmlich lockt. . Schließ zu, schnell.O, eö ist scheußlich in solchen Augenblicken mit einem halb Wahnsinnigen eingeschlossen zu sein Hans, was ist denn schon wieder los?" .Nichts, ich drehe blos denWasserhahn. ES ist hier drückend heiß, ich muß mir da? Gesicht waschen."

.Da hört aber Alles auf. Nicht ein

Funken Vernunft ist Dir mehr geblieben. Der Blitz sährt immer ins Wasser. Schließ' den Hahn ! Ach wir unglückliche Menschen.... Hans, was war das ?" .Donnerwetter, em Tableau, an wel cheS ich stieß, ist heruntergefallen." .Du stehst also dicht an der Mauer. DaS ist nun gar das Schlimmste von Allem. Die Mauer ist der beste Leiter. Und Du haft noch den trauriaen Muth zu fluchen, wenn Deine Familie sich in solch gesährllcher Lage befindet. . .Komm doch zu mir hierher, in diesen engenRaum, bevor Du eine neue Dummheit begehst." Ich versuchte zu gehorchen, allem das enge Kabinet faßte uns Beide nicht.wenn man die Thüre zumachte. Ich entschlüpfte. .HanS," rief die Gallm, reiche m doch daö deutsche Buch auf dem Kaminge slmse und eme Kerze ; zünde . Mir aber diese nicht an, sondern gib mir ein Streichhölzchen, damit lch'S selbst besorge Dieses Buch enthält Vorschris ten...." Ich erwischte daö Buch, nicht ohne ei. nige Vasen und andere zerbrechlichenGe genstände zu zertrümmern, und meine Angebetete schloß sich ein mit ihrer Kerze. Für mich entstand dadurch eine ange nehme Pause. .Hans, wer macht diesen Lärm ?" .Die Katze." .Die Katze ? Schrecklich !" Packe sie und schließe sie in die Waschkommode ein, die Katzen sind übervoll Elektricität. Nur kem Verzug...." Ich hörte sie' schluchzen und fand mich dadurch bewogen, mein Bestes zu ihrer Beruhigung zu thun. Ich stolperte über alle Arten von Möbeln, stieß überall an, behielt aber den Sieg und kerkerte die Katze in die Kommode ein, worauf es aus dem Kabmet zu mir herüberllsng: .DaS deutsche Buch lehrt, daß Du Dich in der Mitte des Gemaches aus ei nen Sessel zu setzen hast. Die Füße des Stuhles aber müssen isolirt, das heißt auf Gläser gestellt werden Einige unserer Gläser gingen inScher den ; aus den Stuhl kam ich nicht. .Hier folgt eine höchst unklare, ver wickelte Stelle.... alle Zeitwörter kom men zusammen am Ende des Satzes. ." .Es ist immer so im Deutschen." .Offenbar ist die Sache so gemeint, daß man während eines Unwetters eine große Glocke zu läuten habe.... Hole doch die Eßglocke, sie ist draußen. Beeile Dich, Hans, sie kann uns retten." Unsere kleineSommerresidenz befindet sich auf der Spitze eines Hügelzuges, welcher ein Thal beherrscht. In der Nach barschast liegen verschiedene Farmen, die nächste ist einige hundert Schritte von uns entfernt. Wie ich die Glocke ca. 7 Minuten geschwungen, werden plötzlich unsere Läden aufgerissen und Jemand läßt den Schein einer Laterne aus uns fallen. .Was ist hier loö V .Es ist brave Leute.... es ist ein Gewitter," stammelte ich. Ich war daran den Blitz abzulenken." .Ein Gewitter ? Den Blitz abzulenken? In Ihrem Kops muß eine Schraube los gegangen sein. Die Nacht ist herrlich und sternenklar,von einem Gewitter keine Spur." Ich schaute hinaus und war so der blüsft, daß ich keine Silbe hervorbrachte. Endlich vermochte ich zu sagen : .Da hört freilich Alles auf. Durch die Vor hänge und Fensterläden hindurch ge wahrte.: wir deutlich das Leuchten des Blitzes und, ebenso hörten wir die Donnerschläge." Die Kerle draußen shüttelten sich vor Lachen. .Es ist Schade," versetzte einer derselben, .daß Sie nicht den Kopf hin ausgesteckt haben, um Kenntn'ß von der Situation zu erlangen. Sie haben Ka nonendonner gehört und was Sie sahen, waren Pulverblitze. Der Telegraph hatte uns um Mitternacht die Kunde von der Präsidentenwahl gebracht und wir haben dieselbe gleich durch einige Salven gefeiert. Iosua Itzigö Neise aus der Qtn dahn. .Soll mer doch aberscht Gott'S Blitz erschlagen, wenn ich Widder uf die Eisen bahn sahre. Do segt mir neilich meine Kalle, die Meiersch Jsabell ist'S 'de schäme Jsabell, um die geschmachtet han gewinselt ooch so ville seine Herrchens, und die I ch doch endlich davongetragen habe. .Du", segt se, .Iosua, mei Va ter het gesagt, mer kinne uns nicht ver heirothen, het er gesagt, aö bis de der hast in de Welt umgeschaut un de veeßt, wie mer'S. macht unter de Menschen." Na, schön, sag ich, Jsabellchen, morgen geiht'S fort, auf un dervon .Mit de Sterner in H Weite", denn fe liebt'S Poetische .Also, wie ich er hab versprecht, gei ich den Morgen mit de Post nach Erfurt ab un kimme ohne mer aach nur ergend ep' pes an'n Leibe . zerbrochen zu haben, werklich dort an. Wie ich nun do bin, na do gei ich in e WerthShauS un schrei be ennen riehrenden Brief an meine Kalle und stell' er drein recht ferchterlich vor, wie mer nun- schonst dorch so ville Länder vun enander getrennt fein. Dann gei ich an den Billetverkauf un verlange for mich en Eisenbahnbillet. .Wohin wünschen'S dann der Herr? frug mer der EisenbahnbilletverkSufer. Na, ich hatte Geld un sagte drimm ganz kihn eun : Na, wo werd'S hin sollen, aS nach Weimer, denn ich wullte 'S schiene Theater zu Weimer seh'n, weil mer mei ne Kalle schonst dervon erzählt hatte, wie'S so gruselig schön wäre, wenn der Leporello zu'n Herrn Gouverner sagt : Na, werscht de kimm'n, na, werscht de kimm?un der Herr Gouverner dann sagt : Jau,jau!" .Ich gebe nu mei Gepäck in'S Gepäck büro und stolzire nun majestätisch wie e Leewe dorch de Straßen un schau mer de schämen Freileins an, weil de Kalle nicht derbei war, un de schämen -Freileins schau'n mit Opernguckers runter un nicken un lachen, aS wollen se sagen : Schauts, geil do nich der schaine Jtzig, geiht do nich der. reiche Jtzig ? wie ich Widder nach den Bahnhof kimm Phieb geiht gerade der Zug ab. Ich schrei un winke, aberscht der grobe Füh rer von die Eisenbahn hält nich an, son dern feehrt ruhig veiter." ' ,Na, du sollst mich Widder kinnen.

denk' ich, un kaafe mer en neieö Billet for den nächsten Zug un arte, un warte, bis daß der nächste Zug kömmt un fahre nu endlich mit. Wie ich mer aberscht in Weimer nach mei Gepäck er kundig', das mit den erschien Zug von de Eisenbahn abgefahren war: WaS? sährt mer der grobe Mensch an, Ihr Koffer iS, weil Se nich do waren, widder zurückgeschickt worden." .Na, ich laß mer nich steeren, denn ich spiele gerne die Engländers nach, koof mer en nei Billet un fahre nach Erfort zurück. Wie ich mer dort erkundige, was warsch, do war, Gott straf mer, mei Gepäck Widder retour geschickt worden, weil ich nicht derbei war, un ich reise Widder nach Weimer un treffe gerade den Koffer, wie er will Widder adgein nach Erfort." .Also, wie ich nu sage, d'r Koffer iS mir, doo guckt mich der Eisenbahn mann an un fragt : Na, entschuldigen', wie heeßt denn Ihr werther Name V .Na, sag ich, wie soll 'r heißen ? Jo sua Jtzig, heißt'r." .Dann entschuldigen Sie, sagt'r, der hier geheert dem Herrn von Hirschfeld, der von Sie i5 schonst nach Erfort ab gegangen." .Donner.... Gott verßeih werde Sinde, hob ich gebrüllt, un bin Widder nach Erfort zurückgefahren un erwische aach glicklich mein'n Koffer. Nu kaafe ich mer Widder en Billet nach Weimer, un wie ich nu in's Coupe sitze, do nehme ich, wie ich mich denk?, eens von de frü her gebrauchte Billets un stecke mir da mit de Cigarre an. Wie mich nu der Condukteur nach mei Fahrbillet frägt, Gott strof mich, hab ich'S giltige Billet verbrennt un muß nu Widder rauß ans den Wagen un Pbiev geiht de Lo comotive mit mei Koffer hin. Nanu aber, denk ich, du kimmft mer widder un bleibe in Erfort, bis mei Koffer widder kimmt von Weimer un nu nehme ich den Koffer und stehe da, wie der Iosua, als er's Land Canaan betrat, un schwere bei'n Gott AbrahamL'S JsaakS un Ja cobs. nich widder uf das TeufelSwerk, die Eisenbahn, zu gehen, und werde meinen Schwur so sicher halten, als ich mit den besten Schnittwaren und Tü chern handle, mit welchen ich mich Je dermann gehorsamst empfehle." Eine tragi-komische Hotelgeschichte, welche einem Sänger während seiner letzten Anwesenheit in Wien passirte. wird gegenwärtig in Künstlerkreisen mit vielem Behagen kolportirt. Dieser Sän ger wir wollen ihn Leander nennen hatte sein Gastspiel an der Hofoper beendet und harrte an einem regnerischen Nachmittage desTheaterkassirerö, der ihm die HonorarAbrechnung ins Hotel zu bringen versprochen hatte. Aber Stunde um Stunde verging, ohne daß der Er wartete sich zeigte. Herr Leander, der sein Domizil trotzdem nicht verlassen wollte, wurde sehr ungeduldig und sann aus ein Mittel, die ihn quälende Lange weile zu bemeistern. Da erinnerte er sich einer Kollegin, einer ebenso hübschen als tugendhaften Kunstnovize sagen wirFräuleinHero , welche jüngsthin an der Oper Probe gesungen und bei dieser Gelegenheit die Bekanntschaft deS Sän gerS gemacht hatte. Sie wohnte mit ihrer älteren Schwester in demselben Gasthofe, nur einige Thüren von ihm entfernt wie wenn er ihr einen Besuch abstattete? Der Entschluß wurde auch sosort ausgesührt. Damit jedoch der Theaterkassirer sich nicht wieder ent ferne, wenn er bei feinem Eintreffen die Thüre gesperrt finden würde, heftete Herr Leander vorher an die letztere seine Visitenkarte und schrieb darauf: .Ich bin bei Fräulein Hero. Bringen Sie mir daö Gewünschte auf ihr Zimmer." Der Ersehnte schien aber sein Verspre chen gänzlich vergessen zu haben, und der

Sänger nahm, nachdem er gegen Adens seine Kollegin verlassen hatte, mißmuthig seinen Hut, um sich die Zeit aus der Straße zu vertreiben. Für den folgen den Tag hatte er einen Ausflug auf den Semmering in Aussicht genommen ; er kehrte daher zeitig heim und gab, bevor er zu Bette ging, noch den Auftrag, ihm den Kaffee um fünf Uhr Morgens auf fein Zimmer zu bringen. Unglückseliger weise vergaß er jedoch, die Karte von sei ner Thüre abzunehmen, und das sollte ihm verhängnißvoll werden. Als näm lich der Kellner in früherStunde mit dem braunen Tränke herbeieilte, las er das Aviso, machte Kehrt und stürmte mit sei ser Tasse pseilschnell in das Zimmer deS Fräulein Hero. .Der Kaffee sür Herrn Leander," rief er der auS dem Schlaf auffahrenden Künstlerin zu. .Unver schämler Mensch," schrie diese bebend und wies nach der Thüre. Der Kellner aber stammelte einige Worte, um den Sach verhalt aufzuklären. Fräulein Hero stand auf und eilte mit ihrer Schwester vor das Zimmer Leanders. An oer Tlzüre desselben klebte richtig die Karte mit der kompromittirenden Aufchrist. Die beiden Damen warfen sich in einen Fiaker, und eine Stunde später stürzte ein Verwandter derselben vor das Bett Leanders und forderte ihn auf Pifio len. Der Sänger hörte entsetzt, daß er den Ruf seiner Nachbarin vernichtet habe, und erst spät gelang es ihm, dem vü thenden Vetter eine bessere Meinung bei zubringen. Den Zug auf den Semme ring aber hatte er versäumt, und über die Häupter des Kellners wie des Thea terkassirerS entlud sich ein tüchtiges Don nerwetter Eigenthümliche P r ä s e n tati on. .Welch ein Glück,daß ich Dir begegne, lieber Adolph ; hilf mir, ihn nach Hause bringen, ich kann nicht mehr !" Der alte Herr : .W er ist denn der Herr ? lieber Louis !" .Ach, entschuldigen Sie, ich vergaß ganz (sie vorstellend): Mein Freund Adolph Müller. Student, mein seliger Herr Onkel, Mitglied des Mäßigkeitö vereinst Gerichtliches Versehen. .Do hat pH doch deS grundg'scheite Gericht a emol verschribe un geblamirt, do het's gschribe, daß den städtler Han delömann Krausch seine Waarenkisten : egen 5a1sum mit Beschlag belegt worden wären," anstatt : .wegen Umsal leS.nit Blech beschlagen porden wären

Der Ansang der Nevsttk. Wieder tönt aus rank.'s tf,,,

J mf Jener Weckruf : Volk erwache. rx t . . v ' nurie nly, um zu verhauen Deutschland an dem Tag der Rache! Und es hat der Patrioten Liga zu dem heiligen Werke Auch der Weiblein Kunst entboten. Nebst der Männer hoher Stärke. Sieh, die Jungsrau'n fleurettiren. Ihre blanken Degen zücken. Und die Knaben exerciren Mit entflammten Rächerblicken; Mit den ersten Höslein hängen Sie sich um die blanke Weh.e, Und die kleinsten Knirpse drängen Sich zur Heldencacnere! Nach zwölf langen, trüben Jahren Ist der erste Sieg errungen. Hat Paris die Turnerschaaren Deutschlands heldenhaft bezwungen. Und zur Rache sür die Todten, Wie ein großes Volk sie bietet, Haben Frankreichs Patrioten Deutschlands Turner ausgemiethet! Im Local, entweiht vom Klang der Wacht am Rhein bei Bier und Käse, Braust hinfort der Freiheitssang der Großen, heil'gen Marseillaise, Und kein .Schultze" soll, kein .Meier Deutschlands Fahne je entrollen Dort, wo Derouledes Leier Tönt wie fernen Sturmes Grollen. Näher rauscht der Sturm, ver zügelt Ihn, wer hemmt sein wildes Peitschen? Wenn 1a Trance die Deutschen prügelt. Wer ruft Halt ! und schirmt die Deut schen? Keiner, Keiner ! Die da singen Von der Freiheit Morgenröthen, G'rad die derbsten Knittel schwingen Mondscheindüstige Poeten. Wehrlos sind die deutschen Riegen, Harmlos ihre Festesfreuden. Dflrf) wn tfrnt 1 in 5N,. CXX - - . t gen" Wurde Frankreich fehr bescheiden. Und ihm giebt's ein stolz Genügen, Dars's ein Dutzend Deutsche Hetzen ; Laßt am kindlichen Vergnügen Kindlich sie sich drum ergötzen ! Ein Milderungögrund. Ein Bankerotteur der schlimmstenSorte steht vor dem Schwurgericht. In überzeugender Rede schildert derStaatS anvalt die Schuld des Angeklagten: der Eindruck dieser Aussührungen aus die Geschworenen und daö Publikum ift unverkennbar. Da erhebt sich der Vertheidiger. Auch er spricht glänzend; mit Genugthuung bemerkt er, wie eine ihm günstige Stimmung im Hause Plaj greist. Jetzt gilt es, den seither in Petto gehaltenen Haupttrumps auszuspielen! .Vergessen Sie nicht," rust er, de Schlüsse zueilend, aus, .vergesien Sie nicht, daß Ihnen in meinem Clienten kein Verbrecher, sondern ein Kranker, ein Unglücklicher gegenüber steht! Bedarf, es mehr, Sie sür Milderungsgründe zu gewinnen, als den Hinweis darauf, daß bereits Vater und Bruder des Ange Hantln Ynpfttn fi fritftr?r RfrrttS Wtjjv VVItHJJfctljUkll VUUtWtVtt bestrast sind ? Dieser Umstand beweist zur Evidenz, daß die That meines Kli enten nichts Andereö ist, als die Folge eines ErbundFamiliensehlers!" UeberrafchendeAntwort. Ein Gymnasiast, der gerne Verse machte, hatte seiner Schwester zu ihren einundzwanzigsten Geburtstag den Rernv gewidmet: Dreimal sieben ist einundzwanzig. Möchte bald Dir nah'n ein Mann sich l Das Verschen fand vielen Beifall, am meisten aber aetul es dem kleinen siebenjährigen Schwesterchen, welche? gerade am Einmaleins laborirte. DaS Kind sagte oder schrie den ReimverS an Geburtstag der Schwester wohl hundertmal. Nun traf pch's, daß eS a folgenden Morgen in der Rechenflunde von der Lehrerin gefragt wurde, wieviel drei mal sieben fei. Da erhob sich daS Kind freudestrahlend und schrie der acht undvierzigjährigen Jungfrau in's Ge sicht: Dreimal sieben ist einundzwanzig. Möchte bald Dir nah'n ein Mann sich r Unsere Bauern. Franz, der Sohn eines großen BauerZ, hat einem Hausirenden Juden heimlich zwei Pflugschaaren verkauft, die schon längere Zeit nicht in Gebraus waren. Eines Tages entdeckt der Vater den Abgang derselben und frägt seinen Sohn darüber : .Da schau her, da sind ja die Schaaren weg! Wo sind denn die hingekommen? Sohn: Die varenvorlges Jahr schon sehr verrostet; wahrscheinlich hat sie de? Rost vollends gefressen!" Der Weg zum Herzen. .Du, der junge Merecke gefällt mirdas ist ein netterMensch, mit dem möchte ich Freundschaft schließen ; wenn ich nur wüßte, wie ich' machen sollte, sein Ver trauen und seine Freundschast zu gewinnen !" .Das ist sehr einfach. Du rempelst ihn an, contrahirst und paukst mit ihta Ihr haut Euch die Gesichter auSein ander und seid dann die besten Freunde Von der Welt!" NegimentSBefehl. laut Besehl vom Sonnabend von Montag auf Donnerstag verlegte Mitt vochsparole sindet von jetzt ab Freitags und an Feiertagen am Dienstag statt. Gekränkt. Lehrer: .Nun, Ihr gratulirt mir nicht zu meiner Verlobung ! ? In Leipzig, wo ich vordem war, haben mir meine Schü lerinnen bei solchen Gelegenheiten immer gleich gratulirt." Den Londoner Damen. D2 soll der Wahrheitssreund nicht hadern : Schon giebt es blaugeschminkte Adern t Nun zweifl ich selbst mit bangem Muth Die Echtheit an vom blauem Blut. Inserat. ' Ein noch ziemlich gut erhaltener Sonn

lagvormlilag.ayeimvttivanzug ist vu lig zu verlausen.

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