Indiana Tribüne, Volume 6, Number 13, Indianapolis, Marion County, 1 October 1882 — Page 2

Das Drci-Königcn-Hau!

&atan i.i zwei Abtheilungen und vier Bänden von Gm Pasque. (9. Fortsetzung.) - Am Abend erklärte er ebenso freimüiljtg, daß er dies Leben keine vierundzwanzig Stunden mehr aushalten könne und Beloni ausschicken würde, in den größeren Städten, doch weit in der Runde, damit die Reise lange dauere und ihn zer streue, Concerte zu veranstalten. Sie wollen uns schon wieder verlassen, schrie Urban, nach solcher Rede sich ver geffend, mit einem jähen Schreckensschrei auf, dabei sich jedoch nur an die Bram bella wendend. Diese lächette in eigenthümlicher Weise und machte ein verneinendes Zeichen mit dem Kopfe. Zugleich hatte Pietro, noch bevor stine Gattin hatte ein Wort reden können, gerufen : Nein, nein, Teresa bleibt hier ! Sie will sich erholen und hat der Ruhe nöthig wozu wären wir auch sonst hierher in diese kaum glaubliche Einsamkeit gekom en? Ich allein werde reisen, concertuen und wieder hierher zurückkehren, um dann einen Ausflug nach einer andern Him inelsgegend zu machen, wo Beloni nur Concerte zu veranstalten vermag, und dies so lange, als meine Bellissima Te. resa es für gut sinket, hier zu bleiben aber es bei euch aushalten kann. Wie Pietro gesagt, so geschah es. Am ndern Morgen reiste der Secretär Beloni ab und wenige Tage später folgte ihm der Virtuose. Urban war mit der schönen Italienerin allein auf dem Klosterhof sein Knabe und die alten Schwiegereltern schienen für. ihn nicht mehr vorhanden zu sein, ben so wenig wie. die bisherigen .wichtien Geschäfte-, die er in der Stadt haben sollte. Er kehrte vorderhand nicht mehr dorthin zurück. Dafür wurde die Cor ?espondenz eine immer regere, dies jedoch nur von der anderen Seite, denn im Laufe der Wochen langten weit mehr Briefe an. als Urban abschickte. Hup pertz sah dies alles wohl, doch eingednk seines dem Gevatter Textor gegebenen Versprechens und überhaupt wieder in etwas beruhigt beachtete er. das Thun seines Schwiegersohnes nicht und ainq seinen eigenen Geschäften nach. Es gab eine Sage von einem Felsen, emporsteigend aus der grünen Fluth,auf dem ein dämonisch schönes Weib sitze und wunderbare Lieder singe. Jeden, der sie höre, erfülle ihr Sang mit einer Wonne, und ziehe ihn zugleich unwiderstehlich über den Strom der Zauberin, bis er in dem Wirbelnde? Wasser, die ihren Felsen umfluthen, nur ihren verlockenden Liedern - horchend, versinkt für immer. Die fremde Sängerin in ihrer berü denbn Schönheit mit ihrem mächtigen Sänge, glich der Zauberin der Sage, Leonard ihrem Opfer. Stand sie auf dem Vorsprung der Terrasse, das Gewand noch spät Abends vom Winde flatternd bewegt; erschallte ihrer Lieder be zaubernder Klang weit durch die nächtliche Stille über Höbe und Fluthen, so hätte er sich ihrzu Füßen selbst in den Strom stürzen mögen, wenn es ihm da durch möglich geworden wäre, nur die kleinste Gunst von ihr zu erringen. Doch tx wagte es nicht wagte kaum zu athmen, während sie sang, um keinen ihrer rri Zaubertone zu verlieren, in lyrem ;05ogi laut zu schwelgen und zu vergehen. Ver stummte ihr Singen und näherte er sich dann zagend der seltsamen Frau, so achtete diese meistens nicht auf seine geflü fierten Worte der Bewunderung und Anbetung. Die Tage vergingen in ungestillter Sehnsucht und der Angenblick des Ab - schieds war plätzlich erschienen, ohne daß Urban nur daran zu denken gewagt hat te. An einem Morgen war ein Brief r - v' -"-: o- .r cn . angelangt sur oie ignora -teiqa ram ' Csf. iX ! Cfifii rti Srt ?? XTt TO.. VCUU, UUU VI. I -,lUfc llUUUb ll Vlil wohnern des Klosterhofs, daß sie morgen abriisen werde. Ihr Gatte habe ihr ge schrieb., daß er im Laufe des andern Tages anlangen und beide dann ohne Aufenthalt mit demselben Wagen Weiterreisen würden. Umsonst beschwor Leo nard Urban die Schwägerin, doch min fcftn5 noch min nnt mt hrm Nri'pr VVjlVIl fcllVJV -lV V t Der lynen zu oieioen. Doch eine Wonne wurde Urban in dem kaum zu unterdrückenden Schmerze des Abschieds zutheil. Pietro sagte seinem Bruder in einer so leichten Weise Lebe zvohl, als ob nicht eine unendliche Län derstrccke sie fortan vielleicht für das Leben trennen sollte. Teresa aber flü sterte dem Schwager beim Abschiedskusse ein leise gehauchtes : .Aus Wiedersehen in Florenz" zu. Dann fuhr der Wagen mit den beiden Künstlern unter lusti gen Horntonen des Postillons den Berg .binab und das Märchen der berückenden Eangessee war vorüber, ihr Opfer hatte sie gefunden. 17. apittl 5?aXoistllt phlne. - Während der ersten Tage nach der Ab reise des Virtuosen und seiner Gattin ging Urban wie ein Träumender daher, sür das, was um ihn vorging, hatte er weder Auge noch' Sinn, denn sein ganzes . Denken, sein Empfinden galt dem Erleb ten. Er sab nur sie. die scböne Zauberin. er hörte nur ihren berückenden Sang und immerfort ihre letzten Worte : Auf Wie dersehen in Florenz ! Nur langsam, nach Tagen Wochen, kam er wieder zu sich, und als ihn endlich ein unerwarteter Schlag traf, der ihn gewaltsam weckte und der Gegenwart zurückgab, da war es " ihm, als habe er nur geträumt. Ein von ihm ausgestellter Wechsel, den der Jnha ber schon früher Huppertz signalisirt, den .Urban. auf irgend einer Weise zu prolon ahtn rerouBi hatte, war wiederum fällig geworden, ohne daß der träumend Da . kinledende seiner gedachte. Wieder voll ständig erwacht und Herr skiner selbst, fühlte er auch die frühere Energie, und - sofort begann er mit 5)uppertz zu vcrhan Dein. Vieler ichlug ihm rundweg jede Hülse ab, und Urban, dadurch wüthend ' gemacht, warf nun jede Rücksicht beiseite und erklärte drohend, daß er von jetzt an von seinem Rechte als Vater des Knaben iino hjm cti inienacnjchaft Röschens Gebrauch machen werde. Auch in die Häuslichkeit, das Fami Zienle'ben von Embdens war zur selben Zeit mit der heitren Laune der jungen Frau die frühere Ruhe wieder zurückge lehrt, die mehrere Wochen hindurch einem

unleidlichen, kaum noch u crtraaenden

Zustande hatte weichen müssen. sticht ganz so stand es bei den übrigen Hausgenossen und besonders bei den Personen, die in fast unmittelbarer Nähe Julias zu weilen hatten. Ein jeder wollte Verdächtiges, Unerhörtes wissen, entdeckt, beobachtet, sogar gesehen haben, und dies alles wurde natürlich in kühnster Weise ausgeschmückt und vorgetragen. Man durste sich ein solchrs Vergnügen auch schon gönnen, denn man war unter sich, kein Verräther nahm Theil an den heim lichen Verhandlungen der Küche. Und all dieses boshafte Geschwätz voll Aerger niß, diese Anklagen, diese Entrüstung der reinern empörten Seelen galten Frau Julia und der eigentlichen und vermeint lichen Ursache ihrer schlechten und jetzt wieder so guten Laune. Von den keck sten Mitgliedern des Complotts wurde schließlich die Frage ausgeworfen, ob es nicht Pflicht wäre, Herr van Embden das was man wahrgenommen habe und wisse, oder doch zu wissen glaube, mitzutheilen? Doch hier waren die Meinungen getheilt, es blieb nur bei dem wohl kühnen Ge danken, denn ihn auszuführen hatte keiner den Muth. Es wäre auch nicht gut mög lich gewesen, indem ein überzeugender Beweis der Anklage aus dem Fuße hätte folgen müssen, und ein solcher fehlte just den Küchenverschworenen. Nur einer, oder vielmehr eine von ihnen dachte an ders, doch sagte sie nichts davon. , Es war die französische Kammerfrau Sera phine. Diese hatte schon längst seit ihrem Ein tritt in den Dienst, und dazu noch am härtesten von den Launen Julias zu lei den gehabt, denn für sie gab es keinen Sonnenschein, nur immerwährenden Sturm und Gewitter. An ihr ließ die Haussrau ihren Zorn aus für allen Zwang, den sie sich anderwärts anlegen mußte, für jede Widerwärtigkeit, die ihren Willen, ihre Pläne durchkreuzten. Um sich hierfür zu rächen, nahm sich Sera phine vor, ihre Herrin auszuspioniren. Ein solches Thun wurde ihr indessen nicht leicht, denn ein kleiner Salon, den Frau Julia stets geschlossen hielt, trennte ihr unheimliches Schlaszimmer von dem ihrer Herrin. Die nächtliche Lauscherin glaubte in dem Zimmer der Frau van Embden außer der Stimme ihrer Dame noch eine andere eine Männerstimme zu vernehmen, und diese war nicht die des Herrn van Embden. Sie konnte sich ge täuscht haben, und diese Zweifel bereite ten der Rachsüchtigen neue Pein. Den noch spornte der Vorsall sie an, weiter zu forschen, und zweifelte sie nicht an einem endlichen wirklichen Erfolg,den sofort und in bester Weise auszunutzen sie sich in grimmig gelobte. Eine solche Genugthuung sollte ihr denn endlich auch werden, und wenn da bei auch nicht alles in Erfüllung ging, was sie davon erwartete, so durste sie doch mit dem Erreichten zufrieden sein. Es war zur Zeit, als Leonard Urban den Klosterhos seiner Geldangelegenhei ten wegen verlassen hatte und bereits seit einigen Wochen, unbekümmert UM die Semtgen, m der Stadt weilte, da klopfte j es an die Thür des großen, prächtigen Raumes, den das Ehepaar van Embdm als Wohnstube benutzte. Frau Julia, die hier gewöhnlich ihren Gatten, dessen erster Gang dem Comptoir galt, zum Frühstück erwartete, war noch nicht er schienen, und durch einen Zufall befand sich nur Mademoiselle Seraphine in dem Zimmer. Als diese überrascht Herein! rief, wurde der Eingang langsam und leise geöffnet und Siebold schaute sich mit : einem derben Lächeln in das Zimmer um sofort, nachdem er die Kammersrau er sannt hatte, eine Miene komischer Ent täuschung anzunehmen. Mit größter Freundlichkeit und dem allerschönsten Lächeln, daß sie noch im Stande war aufzutreiben, fragte sie : Wen sucht ihr, Siebold? Herr van Embden ist noch im Comptoir. Mit ihm hab ich nichts zu schassen, brummte der andere und wollte sich wie der zur Thür, die er noch halb geöffnet hielt, hinausdrücken. Madame wird sogleich hier sein ! rief Mademoiselle Seraphine hastig und stand im folgenden Augenblick auch schon neben dem Manne, ihm den Thürflügel zuvorkommend aus der Hand nehmend und schließend. .Madame würde gewiß sehr ungehalten sein, wenn ich euch weg ließe ; lhr kommt naturlich von ihrem Va ter mit einem Auftrage Errathen, schöne Mamsell, ich habe ei nen Brief sür die junge Frau. Einen Brief für Frau von Embden von ihrem Vater, der sie doch zu jeder Stunde sprechen darf ? Jawohl, Geheimnisse, Mamsell, die größten Geheimnisse! flüsterte Siebold mit einer übertriebenen Wichtigkeit. Daß eine so gescheite Person, wie ihr, nicht gleich erräth, was der Alte seiner Tochter zu schreiben hat ! Natürlich nichts anderes, als was er ihr nicht sagen kann. Er braucht wohl Geld, und so etwas läßt sich leichter schriftlich anbringen als mund lich, besonders wenn es schon so oft ge wesen sein wird. He? So wird's sein. Wißt ihr was, Sie bold, gebt mir den Bries, Madame könnte noch eine Weile fortbleiben, dafür Herr van Embden kommen und dann gab's ein Unglück. Ich werde ihr den Brief ganz heimlich zustecken. . Ihr könntet wohl Recht haben, entgeg nete der andere nun seinerseits nachden kend. Bei euch wäre das Ding gut auf gehoben und warum sollte ich nicht? Versprecht ihr mir, ihn heimlich und gut zu besorgen? Und, setzte er mit einem n .. jt c . frechen acyein mnzu: oars uu imeoer kommen? Ich verspreche es euch, Siebold, der rrrw'e ' ii. cm.lf. 1- VI. Vrles ou aus oie retgic ;ucic m uic Hände von Madame gelangen, nes Se raphine hastig, zugleich den Bries Sie bold aus der öand nehmend, und wir se hen uns bestimmt wieder nur nicht liier! Etwa eine Stunde später saßen Herr und Frau van Embden in dem großen prächtigen Wohngemach beim Kaffee. Da trat unerwartet Mademoiselle Sera phine in das Zimmer, ein Brieschen zwi schen ihren schmalen Fingern, die nur ein ganz klein wenig zitterten, und sich ihrer Herrschaft nähernd, legte sie dasselbe auf den Tisch uieder, sodaß es Herrn Winand viel näher lag als dessen Gattin. Zu gleich sagte sie fo unbefangen als mög lich:

Siebold war vorhin da und hat es sür Madame abgegeben. Julia erbleichte sichtlich und wollte die Hand nach dem verhängnißvollen Brief ausstrecken, doch Winand hatte ihn schon gesaßt und betrachtete erstaunt und prü send die Aufschrift. Von deinem Vater es ist Textors Hand. Sonderbar! Eine Eorrespon denz zwischen ihm und dir ! Was hat das zu bedeuten? Wir werden es erfahren, entgegnete Julia, an welche die letzten Worte direct gerichtet gewesen, fast tonlos, wenn du mir den Bries geben willst. Julia hatte große Mühe, ihre Fassung nur einigermaßen zu behaupten, nicht ohnmächtig hinzusinken. Sie durfte nicht unterliegen, denn sie wußte, daß für sie alles auf dem Spiele stand. Mit einer fast übermenschlicheu Gewalt sich bezwin gend, versuchte sie zu lächeln, auf ihre ge wöhnliche schmeichelnde Weise durch Bit ten ihren Willen durchznsetzen und den entsetzlichen Brief in ihre Hand zu be kommen. Eine Weile lich Winand dies geschehen. Er sah mit befremdenden Staunen den Kamps Julias um das Blatt, erkannte nur zu klar den Wider spruch, der zwischen ihrem Thun und ganz ungewöhnlichen Ausregung lag. Dann aber, die schlimmen Folgen fürchtend, welche dies sür seine Gattin haben könnte, reichte er ihr endlich den Brief und sagte: Oeffne lies ihn, doch erwarte ich, daß du mir seinen Inhalt mittheilst,meine nur zu begreiflichen Zweisel zu lösen. Mit einem leisen Seufzer der Befried! gung empsing Julia den Brief, indeß Mademoiselle Seraphine kaum imstande war, einen Laut des Zorns zu unterdrü cken. An ihre Anwesenheit hatte man nicht gedacht, jetzt erst bemerkte Julia, die ausgestanden war, die Kammerfrau wie der und eine heftige gebieterische Geberde wies sie aus dem Zimmer. Mit einem höhnischen Lächeln entfernte sich Made moiselle, natürlich nur, um hinter der nächsten Thür zu horchen, wie die hübsche Scene, welche sie eingefädelt, weiter erlaufen würde. Juliu war an eines der Fenster getreten, hatte abgekehrt den Brief erbrochen, dann mit fieberhafter Hast einen zweiten und diesen gelesen. Nur wenige Augen blicke irrte ihr Auge über die Zeilen, dann ballte sie plötzlich Eouveri und Brief zu sammen und schob alles tief in die Tasche ihres Kleides. Julia ! rief zugleich Winand mit einem ernsten, vorwurfsvollen Zürnen.

Schon lag sie an seinem Halse, und nun löste sich ihre furchtbare Aufregung in Thränen auf. Ein krampfhaftes Schluchzen überkam sie, das Winand zu beruhigen trachten mußte, bevor er es wa gen durste, weiter zu fragen. Voch es kam nicht' dazu, denn schon flüsterte Julia ihm abgerissen, wie ihr heftiges Weinen es nur zuließ, ins Ohr: Du darfst den Brief nicht lesen oder ich würde sterben vor Scham. Was mein Vater mir schreibt, ist unwürdig sei ner und unser. Er ist krank kann sein Zimmer nicht verlassen und verlangt von Mir Weiter kam sie. nicht, denn mit einem wehen seufzer sank sie wie ohnmächtig auf das breite Sofa zurück. Doch hatte sie dabei nicht vergessen, die linke Hand in der Tasche ihres Kleides zu lassen, die das gewiß unselige Schriftstück barg. Wmand war entsetzt aufgesprungen und hatte eine Glocke in Bewegung ge setzt. Der Zustand Julms besierte sich in dessen sehr schnell, denn noch vor dem Mittagessen war sie imstande, über den Hos in die Wohnung ihres kranken Va ters zu eilen, wohl nur, um sich über des n .e v. ri-.-v ... . c sen vseiunoyellszuiiano zu eriunoigen. Eine ganze Weile blieb sie bei ihm, dann kehrte sie langsam, hocherhobenen Haup tes in das aus zurück, um bei Tnch ih rem Gatten, noch bevor dieser eine Frage über den seltenen Ausflug an sie gerichtet. nes gerührt ihre Wahrnehmungen über. den traurigen, bedenklichen Zustand des j Vaters mitzutheilen. Wmand horte sie schweigend an ; sein Argwohn mußte noch nicht verschwunden sein, doch beschloß er seinerseits Erkundigungen einzuziehen. Eine andere that dies bereits für ihn, denn hinter ihrer Thür, zu der sie sich aus den Zehen geschlichen, hatte Made moiselle Seraphine die ganze Unterhal tung mit angehört und war dann hastig nach dem Hofe geeilt, um sich von der Wahrheit oder der Unwahrheit der Aus sage von Madame zu überzeugen. Sie brauchte hierzu nur bis in die Nähe der Wohnung Textors zu gehen, denn unter den letzten Bäumen des Gartens, wo sie nach' Siebold spähte, vernahm sie lustiges Gläserklingen und lautes Lachen, das aus dem Zimmer des kranken" Buchhalters deutlich vernehmbar hervortönte. Zwei Stimmen unterschied sie, die eine war die Textorsund die andere sie glaubte deren Klang schon einmal vernommen zu haben in einer Nacht in jenem Zim mer ah ! . Nur zu bald sollte dieses Siegesgesühl in ein solches der Niederlage wandeln, denn sie wurde zu ihrer Herrin, befohlen, die in ihrem Schlafzimmer weilte und der Kammtrjungfer, ohne diese nur eines Blickes zu würdigen und ihr irgend einen Grund anzugeben, ankündigte, daß sie ihres Dienstes enthoben sei und heute noch ihr HauZ zu verlassen habe. Das war ein Donnerschlag für das arme, al ternde Frauenzimmer, das hier einen sehr guten Posten gefunden hatte, der ihr an derswo wohl nicht mehr werden würde. Wankend, wie betäubt kehrte Mademoi selle in ihr Zimmer zurück, das sie plötz lich ungemein schön und gleich interessant fand, um sich hier ihrem Schmerz zu überlassen. Eine lange Weile kauerte sie heftig weinend in einer Ecke, dann aber wurde sie ruhiger und begann nachzusin nen. Plötziich schnellte sie, als ob sie mit ihren Gedanken ins reine gekommen wäre von ihrem Sitz empor, und den Blick drohend in der Richtung nach dem Zim mer Julias gewandt, flüsterte sie : Gut denn, so will ich auch keine Rücksicht mehr nehmen und sagen,was ich erfahren habe. Zu Herrn van Embden ! Wenige Augenblicke später stand Se raphine vor Herrn van Embden in dem Privat-Eabinet des Comptoirs, dem sie all ihre Wahrnehmungen und Beobach tungen mittheilte. Mit einem Seufzer sank der Kovf Wi nands tief aus die heftig arbeitende Brust nieder. . , '

Was Sie mir mitgetheilt, ist es Wahr heit? Stände es anders,so wärenSie eine schwere Sünderin, eine Verbrecherin, die ihrer Strafe nicht entgehen würde. Mtf tausend Eiden will ich es beschwö ren, klang es hastig und leize als Ant wort. Üebrigens können Sie sich ja selbst überzeugen, Herr Textor wohnt ja nicht weit von hier. Ob der andere jetzt noch bei ihm sein wird, kann ich natürlich nicht sagen. Sie haben ihn nie gesehen kennen seinen Namen nicht haben ihn nie ge hört? Ich sah und kenne ihn nicht und habe nur seine Stimme gehört, deren Klang ich nicht vergaß und nicht vergesien werde. Wieder entstand eine Pause, dann sag te Winand wie nach einem langen, schwe ren Kampfe : Glauben Sie imstande zu sein, ihn zu sehen, ohne daß es auffällt seinen Na men zu erfahren ? Gewiß, wein Herr, nur müßte ich den rechten Augenblick dazu abwarten können. Gut, so kehren Sie in Ihr Zimmer zurück und bleiben Sie in meinem Hause,

doch ohne Ihren Dienst bei meiner Frau wieder aufzunehmen, der Sie über Haupt nicht zu begegnen brauchen. Ich danke Ihnen. Herr van Embden, entgegnete Seraphine mit einer ungeheuchelten freudigen Rührung, denn ihr war es, als ob durch die Worte des Hausherrn eine Lebensfrage zu ihren Gunsten gelöst worden wäre. In seinem Comptoirstuhl blieb Herr van Embden unbeweglich sitzen, die Hände in einander gesaltet, sagte er endlich vor sich hin : Was ich thue, ist entwürdigend, doch so wahr mir Gott helfe, ich kann nicht an ders. Wahrheit muß ich, will ich ha ben um jeden Preis, und dann entschei den handeln. Bis dahin mag mein Glaube derselbe bleiben wie bisher, es wäre Sünde Frevel, ohne volle Ue berzeugung ihn zu zerstören, mich und andere sür ewig elend unglücklich zu machen. 18. npitel. cktaftrophe. Die bisher erzählten Vorgänge nahen ihrem vorläufigen Abschluß. Frau Julia hatte keine Ahnung von dem, was hinter ihrem Rücken gegen sie ins Werk gesetzt wurde. Ueberzeugt von dem blinden Glauben ihres Mannes an sie und ihren Aussagen wie hätte es auch anders bei seiner und ihrem klugen, be rückenden Gebühren sein können? be harrte sie auf dem einmal eingeschlagenen Wege. Ihren kranken- Vater besuchte sie noch einige Male, dann schien der Ar me wieder besser geworden zu sein, und nun war er es, der seine Tochter täglich heimsuchte, da diese bald ihr Gemach nicht mehr verlassen durste. Eines Morgens und nach einer Nacht voller Aufregungen durchhallte das Drei Königen-Haus die Nachricht, daß Frau Julia van Embden ihrem Gatten eine Tochter geboren, doch dabei selber beinahe das Leben eingebüßt habe. Aerzte und Herr Winand waren zur Stelle, im Nebenzimmer harrte der alte Textor, fahl und zitternd, ein Bild des Jammers. Mane Siebold, welche man längst als Amme des erwarteten Neugeborenen er sehen hatte, war mit ihren Kindern her übergeholt worden und theilte nun in mütterlicher Liebe ihr Herzblut zwischen den beiden Kleinen. Frau Julias Leben schwebte lange in Gefahr, doch erholte sie sich endlich wieder. Indessen erachteten die Aerzte es Herrn van Embden gegen über sür ihre Pflicht, diesem zu erklären, daß die Besserung nur eine scheinbare sei und ein Wunder geschehen müsse, sollte seine Gattin ihm erhalten bleiben. Mehrere Tage währte dies peinvolle Hangen und Bangen,das sich allen Haus genossen mitgetheilt hatte, da wurden ei nes Morgens plötzlich wieder die bedenk lichsten Gerüchte laut und man gerieth in neue Ausregung. Wie ein Blitz fuhr es dabei durch das Hirn Seraphinens, die ihr Vorhaben nur ausgeschoben, mcht aus gegeben hatte. Das war eine Gelegen heit, um zu ungewöhnlicher Stunde in die Wohnung Textors zu dringen, die ernste Nachricht entschuldigte alles. Es war noch früh am Tage, und bar gen Textors Zimmer Verdächtiges, wie Seraphine es ahnte, so wollte sie es er fahren. Der Wohnraum', welchen Ma demoiselle zuerst betrat, war leer, doch welche gräuliche Unordnung zeigte sich hier ihren - Blicken ! Speisereste mannig facher Art, leere und halbgefüllte Flaschen standen und lagen umher. Endlich nä herte sie sich instinctmäßig der Thür, wel che der Straße zunächst lag und hinter welcher sie, Geräusch zu vernehmen glaub te. All ihren Muth zusammennehmend. öffnete sie mit raschen Druck den Eingang und trat in das Zimmer. Zugleich ent fuhr ein leichter Ausschrei ihren Lippen, denn sie befand sich in einem Raume, der offenbar als Schlaszimmer gedient hatte, und stand nun vor einem Manne, der im Begriffe war, sich vollends anzukleiden, und den sie niemals im Hause gesehen hatte. Der Fremde schien eben so erstaunt und erschrocken zu sein wie sie, doch mußte ihn auch ein Zorn überkommen über das gewiß unliebsame Erscheinen einer frem den Person in seinem Wohngemach, denn mit flammendem Blick rief er Seraphine drohend zu : Was wollen Sie hier? Wen suchen Sie? Die Mademoiselle erzitterte bei diesem brüsken Anfahren bis in ihr Innerstes, doch jauchzte es auch wieder in ihr auf, denn er war es, es war seine Stimme! So rasch es ihr in der Aufregung nur möglich wurde, entgegnete sie abgerissen und nach Athem ringend : Ich suche Herrn Textor er muß sogleich hinüberkommcn, denn mit Mada me geht es schlecht man befürchtet das Allerschlimmste! Der Andere stieß erbleichend einen lau ten Schreckensrus aus, da tönte aus dem Nebenzimmer,-dessen Thür halb offen stand, die Stimme Textors, dtr schlaf trunken rief : Was gibt's, Urban ? Wer ist bei dir? Verdammt! knirschte dieser in ohn mächtigem Zorn gegen den noch halb trunkenen Buchhalter, der da zu so ungc legener Zeit seinen Namen genannt hatte. Ohne Seraphine anzusehen, sprang er in das Nebengemach, dessen Thür er hinter sich zuschlug, und wo man ihn nun leise, doch heftig mit Textor reden hörte. In seiner zornigen Aufregung hatte er

nicht den leisen Aufschrei gehört, den Mademoiselle unwillkürlich ausgestoßen, als sein Name genannt worden war. Nun sah er auch nicht, wie diese, deren Auge schon bei ihrem Eintreten das Ge mach in allen seinen Theilen scharf über flogen hatte, mit kecker Hast ein leicht zu sammengeballtes Papierstück, das wohl ein Briefcouvert sein konnte, vom Boden ausraffte und in die Tasche ihres Kleides schob. Es war in der That ein Briefcouvert und enthielt, als Adresse nur. die Aus schrist : Leonard Urban." Nun schaute sie genauer hin. Die Schrift war die einer Frauenhand und von ihr, von Julia von Embden ! Aller Haß erwachte jetzt wieder in dem Herzen Seraphinens und mit einem tri umphirenden Blick in der Richtung nach dem Zimmer, wo sich die Kranke befand, schritt sie auf das große Wohngemach zu, wo sie hoffen durste, Herrn van Embden zu finden. Die Anne bald gekreuzt, bald die Hände wider die Stirn gepreßt, den Blick zu

Boden gerichtet, ging Wmand van Emb den in einer Aufregung, die ihn darnie der zu werfen drohte, in dem Gemach aus und nieder, eine Nachricht der Aerzte er wartend, die immer noch nicht kommen wollte. Da öffnete sich die Thür und stehen bleibend, hob er den Kopf. Es w.ar nicht der ersehnte Arzt, sondern die Kammerjungfer seiner Frau, die er seit jener verhängnißvollen Unterredung, die seinem Verdacht nur einen festern An Haltspunkt gegeben, nicht mehr wiederge sehen, sogar vermieden hatte. Nun stand sie vor ihm und er wußte, was erfolgen würde, daß jetzt sein Schicksal sich er füllte. Keine Frage vermochte er an Sera phine zu richten, er schaute die Eingetre tene nur mit starren Blicken an, da sprach diese, so gelassen es ihr nur möglich wurde : Ich komme aus Textors Wohnung und habe den Fremden gesehen, ein noch jun aer stattlicher Mann mit braunem Locken haar, habe mit ihm gesprochen es war die Stimme, die ich gehört und auch jetzt wiedererkannte. Herr Textor nannte ihn Urban. Ein keuchender Laut entrang sich der hestlg arbeitenden Brust des armen ver krüppelten Mannes. Seine Finger um krallten die Tischplatte mit fast über menschlicher Kraft, denn er wollte nicht niedersinken m den Sessel hinter ihm ; ein Todesschauer schüttelte seinen ganzen Körper bet diesem Gedanken. Wie kam er dorthin ? fragte er wie ab wesend und mit aller Gewalt die Worte hervorstoßend. Er scheint bei Herrn Textor zu woh nen. Lüge ! fuhr Winand auf, die Rede Seraphinens abschneidend. Diese trat auf ihn zu und legte als Antwort das Bnescouvert vor den Er regten auf die Tischplatte mit den Wor ten: Dies hier fand ich auf dem Boden sei nes Wohnzimmers. Herr van Embden warf einen Blick da rauf : er las die Aufschrift : An Leonard Urban" er erkannte die Handschrist semer Frau und vor semen Blicken be gann es dunkel zu werden. Zuckend fuhr die linke gegen Seraphine gerichtete Hand in heftig abwehrender Bewegung durch die Luft und ohne weiter ein Wort zu sprechen, entfernte sich die Französin. Kaum war die Thür hinter ihr ins Schloß gefallen, da schwanden die letzten Kräfte Winands, und die Hände vor das Gesicht geschlagen, stöhnte er mit dumpfem Tone: Verrathen gerichtet! O, Mutter, Mutter ! Dann sank der Arme, überwältigt von feinem grausamen Weh und nicht mehr Herr seines Willens, schluchzend in den verhängnisvollen Lehnstuhl zurück. Urban hatte seine Wechselangelegen heit zu ordnen, die in drei Tagen erle digt werden mußte. Bei den Vorfällen, die ihn hier im Hause fesselten, war es ihm nicht möglich geworden, daran zu denken, und nun stand der Verfalltag wie ein drohendes Gespenst vor ihm. Es war eme große Summe, runde dreitau send Thaler, die er in drei Tagen zu zah len halte, uno zahlte er sie mcht, so war es um seine Freiheit geschehen oder er hätte dann fliehen müssen, woran er übn gens nicht im Entferntesten dachte. Er hatte ja ein sicheres Mittel in Händen,sich von der Schuld zu befreien, durch em energisches, rücksichtsloses Geltendmachen seiner Rechte als Verwalter von seines Knaben Erbe. Doch dazu hätte er spä testenö heute Nacht abreisen müssen, denn nur der folgende Tag blieb ihm, seine Schritte bei dem Gericht, dem der lo sterbof unterstand, zu thun. Endlich fuhr er in den Klosterhof. Huppertz empsing Urban kalt und nrlt einer Gleichgültigkeit, als ob er seine An Wesenheit nicht bemerke. Kaum würdigte ! er ihn eines Blickes, eines Wortes. Er, Urban, möge sich nur an den Notar des Herrn van Embden wenden, der auch seine, Huppertz, derartige Angelegenheit besorge, oder, wenn es ihm gar so sehr Pressire, direct an das nächste Stadtgericht woselbst man ihm bestimmt die gebüh rende Auskunst geben würde. Damit drehte er ihm den Rucken uno ging da von. Urban bedürfte eine Weile, sich von seiner Ueberraschung zu erholen, dann aber loderte sein Zorn Hellaus, und die geballte Faust drohend gegen den Alten ausstreckend, schwur er ihm mit grimmen Worten, sich zu rächen, und dies auf der Stelle. Schon eilte er keuchend wieder den Berg hinab und in dem Wirthshause, das zu gleich die Poststation war, fand er auch ein Pferd, das man dem bekannten Man ne bereitwillig überließ. Wie verschieden von diesem raschen, stolzen Ritt war am Abend Urbans Heim kehr! Es schien, als ob Urban sein Urtheil empfangen hätte, und es war in der That also. Was er aus dem Stadtgericht ver nommen, richtete ihn und vernichtete zu gleich all sein Hoffen, sogar seine ganze bisherige bürgerliche Existenz. Denn eine Rückkehr, eine Versöhnung mit seinen Schwiegereltern war nach alledem, was da vorgegangen, nicht mehr möglich und sein Lotterleben zu Ende. Er hatte erfahren, worum er sich früher in seinem Leichtsinne nie bekümmert, was ihn anfangS wie ein Traum dünkte und woge

gen er sich dann, doch vergebens, als eine

Unmöglichkeit sträubte. Der Richter hatte ihm die ganzen Vermögensverhält msse seines Schwiegervaters berettvllllgst und klar auseinandergesetzt, ihm darge than, daß der Klosterhof mit seinem Zu behör an Weingärten und Aeckern eine Schenkung des früheren Eigenthümer? an den ehemaligen Küser Huppertz sei. In neuester Zelt hatten die Bethettlgten )les notariell dahin abgeändert, daß das Weingut nunmehr unantastbares Eigen thum des Enkels des gedachten Huppertz geworden, dem zugleich auch, mit Umge hung des Vaters des Kindes, die alleinige Verwaltung des Erbes zustehe. Eine schlaflose Nacht brachte er in dem schlechten, ungewohnten Bette zu, ohne einen Ausweg aus seiner entsetzlichen Lage finden zu können, wie sehr er auch sein Hirn abmühte. Noch vor Tagesgrauen war er schon wieder aus den Beinen, um heimlich zu fliehen, wenn etwa die Post heute schon seine Verfolger dahersuhren sollte. Diese suhr endlich in den Ort em und hielt vor dem Wirthshause, die Pserde für die Welterfahrt zu wechseln. Nur ein Passagier verließ den Wagen, und was war das? Er hörte dessen Stimme, denn der Mann sprach fast überlaut, und er erkannte sie es war Siebold. Mit einem Freudenruf verließ er seinen Lauscherposten und eilte binab in die Wirthsstube. Dort saß in der That Siedold bereits hinter einem Tische, in übermüthig lusti ger Weise ein Frühstück bestellend, das Beste, was weit und breit aufzutreiben sei. Kaum hatte er den eintretenden Ur ban erblickt, als er einen Ruf freudiger Ueberraschung ausmen und rief: Ihr kommt wie gerufen, Herr Urban, c v , rw oenn nur aus aner ÄNyanallcvleit an euch und als Erkenntlichkeit für das lu siige Leben in letzterer Zeit, welches ich euch verdanke, habe ich meine groe Reise über das elende Nest hier, das Gott ver dämmen möge, angetreten ! Ihr erspart mir den Weg nach dem langweiligen Klosterhof, lauter Prosit! Setzt euch her zu mir und theilt mein Frühstück, wie ich so ost hinter eurem Rucken das eunge ae theilt! Ich habe euch sehr viel sehr viel zu erzählen. Was ist geschehen? fragte Urban, des sen Unruhe sich rasch steigerte. In der vorletzten Nacht, nach dem Ta ge, an dem ihr ohne Abschied aus unserm Hause verschwandet, ist Frau Julia van Embden selig gestorben, wie man zu agen pflegt. Urban stieß bei diesen rohen Worten emen jähen Schrei aus, dann zuckte sein Oberkörper zusammen, und. das Haupt auf die Brust sinken lassend, murmelte er fast tonlos vor sich hm : Todt todt! Der andere beachtete diese so natürlich scheinende Regung nicht, sondern fuhr in gleicher Weise m semen Hiobsbotschaften fort: Zugleich ist auch mein kleines Mädchen wieder davonaeaanaen dem armen Ding ist's wohl ! und heute sollen beide, Frau Julia und das Kind meiner Frau, begraben werden. Wollt ihr da bet sein, so mukt ihr euch beeilen, mit Extrapost könntet ihr wohl noch zur rech ten Zeit anlangen. Urban entgegnete nichts. Unbeweglich saß er da, eme letzte Regung tiefern Ge fühls trieb ihm Thränen in die Augen, denn er hatte die Todte wohl wirklich ge liebt, doch biß er die Lippen fest aufein der, um ihrer Herr zu werden. Jetzt aber aufgepaßt ! Nun kommt das Angenehme. Mein Weib, die Marie, welche mir ihr ganzes Leben lang nichts als Aerger bereitet, hat zu guter Letzt mir noch das Gluck im Schlafe wahrhaft! im Schlafe zugeführt. Sie ist Amme bei dem Kinde der van Embden geworden, l soll fortan nnd für immer, so lange es nämlich dauert, bei ihm bleiben, und da ich dabei sehr im Wege sein würde, denn ich passe nun einmal nicht in die Gesell schast, so muß ich fort. Ich war mit Freuden. dazu bereit aber billig hab ich's nicht gethan ! Dreitausend Thaler at mir der Alte auszahlen müssen für meine Freiheit und mein Weib die deren nicht dreie werth ist, haha damit gehe ich vorerst nach Havre und dann nach Amerika. Dreitausend Thaler gerade so viel als ich nöthig hätte. Wer es glaubt ! Ihr habt mehr Geld als ich, seid Herr des Klosterhoss, und der ist denn doch noch etwas mehr werth. Der Klosterhof gehört dem Huppertz und meinem Jungen, autwortete Urban tonlos, ohne seine sinnende Stellung aufzugeben. Ich habe nichts, bin ärmer als ihr es je gewesen seid. Dazu habe ich noch Schulden morgen ist ein Wechsel fällig von dreitausend Thaler, und löse ich ihn nicht ein, so Nun was danr. mit mir geschehen wird, werdet ihr euch schon denken können. Ah! riesSiebold langgedehnt undstau nend. Dann laust davon. Wohin? Selbst zur Flucht fehlt mir das Geld. Eine Pause entstand. Wißt Ihr was, Urban? Geht mit mir ! Ihr seid ein ganzer Kerl, in Geschäften geriebener als ich es bin. Vereint finden wir beide in Amerika sicher unser Glück, und das Nöthige dazu habe ich in der Tasche. Jetzt schaute Urban wieder auf. Ihr habt es sa gehört, ich bin ohne aüe Mit tel, sagte er dem andern gespannt in das Antlitz schauend. Ich sorge für Alles! zahle Alles! schlagt ein! Urban zauderte, die dargereichte Hand Siebolds zu ergreisen. Der Gedanle war wohl noch zu neu für ihn oder hatte er sich einen etwaigen Plan noch nicht völlig zurechtgelegt? Langsam und ausweichend erwiderte er : Es wird nicht geben denn laufe ich davon, so muß noch Jemand mit. (Fortsetzung solgt.) D er rei ne Wein. Eiv Weinhändler, Besitzer eines gro ßen WeinlagerS, liegt in den letzten Zü gen. Der Arzt verordnet zur Aufrich tung der Kräfte ein Glas reinen alten Weins. Holt den Wein beim Nachbar Löwen wirth!" lispelt der Sterbende mit schva cher Stimme, seiner KeIersünden (i$ bewußt. l' C".

Moderne Schule.

Sie singen von vollen Fässern, Vom Weine, vom Becherklang, Vom Spiele, von heiteren Reden, Von fröhlichem Burschensang. Von ewig borgenden Wirthen, Die stets mit der Kreide zur Hand ; Der Wirthe holdselige Töchter Die kennen sie alle im Land. Die lieben sie, küssen sie munter Im Zimmer, im Keller, im Flur ; Der spröden Wirthestöchr QJiedrs ihnen wenige nur. Sie singen von lustigen Fahrten, Sie stürmen hinaus in die Welt ; Sie steigen bis über die Alpen, Und haben doch niemals Geld. Sie loben das fröhliche Wandern Und sitzen doch immer zu Haus ; Sie schwärmen ron Liebe doch spottet Das albernste Gänschen sie auö. Sie singen von Scherzen, Umarmen, Von seliger Liebesgluth Und haben, ein Mädchen zu küssen, Doch leider nur selten den Muth. Sie schwelgen in schäumendem Weine, Sie zechen im Liede so frisch Und schon beim dritten Glase Da sinken sie unter den Tisch. So singet im neuen Germanien Ein junges, modernes Geschlecht : fli Ü.ttlJC. f. c m , vimc iicoiicg Hingen ote 2octe, Doch sind die Gesühle nicht echt. Als Kaiser NapoleonIII. noch Präsident der Republik war, bat ihn einst eine Dame, das Tabakrauchen zu verbieten, da dieses doch nur ein Laster sei. .Ich gebe Ihnen zu, daß eS ein Laster ist sagte der Präsident, der eben seine Cigarre weggelegt hatte; aber dies Laster bringt Frankreich jährlich 100 Millionen Franken ein. Dem ohner achtet aber will ich es verbieten, sobald Sie nur dieGüte haben wollen, mir eine Tugend zu nennen, welche dem Staate eben so viel einzubringen verspricht. Naive Angst. Sieh, Papa, den Storch da droben auf dem Kirchthurm ! Wie leichtsinnig ! Wenn der herabfällt, bricht er doch sicher den Hals ! Geniale Entschuldigung. Professor: .Meier, wo ist lhr Scrip tum " Meier : .Ich glaube, Sie haben es da gerade in der Hand." Professor . .So ! Wann haben Sie es denn geschrieben?" Meier: .Sonntag Morgen beim Frühstück oder vielmehr gleich nach her." Professor: .Ich sehe hier aber gar keine Arbeit. Wollen Sie sich überzeu gen ; das Heft ist leer !" Meier : Donnerwetter, ds hab' ich aus Versehen statt ins Tintenfaß in? Milchglas getunkt!" Sonst und Jetzt. Dame : Es ist doch seltsam, jetzt wird so viel von Ventilation und Diät geredet und geschrieben, in meiner Jugend kannte man dieses nicht, und doch leb ten die Menschen im Allgemeinen länger wie jetzt. Doctor: Dafür waren sie aber bis zu ihrem Tode mit allen möglichenKrank heilen behaftet. Bestrafter Eigennutz. Em Zlmmermann und ein Chirurg gingen eines Abends spazieren, als sie plötzlich Feuerlärm aus ihrem Wohnort ertönen hörten. Sie wandten sich um und sahen, daß ein Haus in vollen Flammen stand. .Hurrah, da blüht mein Weizen!" schrie der Zimmermann, und vor lauter Vergnügen machte er einen Luftsprung. Dabei hatte er aber das Unglück, hinzu stürzen und ein Bein zu brichen. .Und der meinige ist schon reif, sagte der Chirurg, indem er den Verletzten untersuchte. Zuviel verlangt. Ein Bauernmädchen kommt mit ei nem Anliegen zum Dorfpfarrer. Pfarrer: Wie heißen Sie denn? Bauernmädchen: Kennen Sie mich denn nicht mehr, Herr Pfarrer? Sie ha ben mich ja getauft ! Dummer Kerl. .Dummer Kerl ! Wenn ich einen Efel hätte schicken wollen, so konnt' ich selber, hingehen !" Der Bescheidene. Köchin (zu ihrem Schatz) : .Da ist nett von Ihnen, Karl, daß Sie sich 'mal wieder sehen lassen. Sie trinken wohl ein kleines Gläschen Bier?" Soldat (bescheiden) : .O bitte !" Köchin: .Aber ein kleines Butterbrödchen werden Sie doch essen?Soldat (noch bescheidener) : .O ich danke !" Köchin : .Na, aber einen kleinen Li queur dürfen Sie mir nicht abschlagen Soldat (zärtlich flüsternd) : .O, eö braucht ja nicht Alles klein zusein!" Schmeichelhaft. Schauspielerin: ...Eines gefällt mir doch an Ihnen, Herr Baron.Baron : .Wohl meine aufopfernde Hingebung r Schauspielerin : .O nein !" Baron : .Sondern ? Schauspielerin : .Daß Sie meinen Großvater so ähnlich sehen." Die Vorbedingung. Frau v. P Nun, Fritz, waren Sie endlich beim Dlenstmann Müller? Fritz: Jawahl, gnädige Frau, aber er war leider nicht zu Hause. 3'st" v. P.: Nun,' da haben Sie wohl die Bestellung bei dessen Frau oderToch ter hinterlassen ? F"tz: Nein, das that's nicht : es war Alles ausgegangen ? Frau v. P.: Dacht' ich's doch ! Sie gehen mir sofort noch einmal hin! Jetzt verlange ich aber gute Bestellung Fritz: Jawohl, gnädige Frau ; . aber wenn ich nur erst mal genau wüßte, wo der DienpmannMüller eigentlich wohnt.