Indiana Tribüne, Volume 6, Number 1, Indianapolis, Marion County, 19 September 1882 — Page 2

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ts r nana Hrwlme. ' t - JtkU I . . 'gliche- uud SenntagsansgaLe. Offfcc: DelawareStr. IKoral gecond-clas3 matter at the rtKtosiiee at Indianapolis, Indiftiia.J Abonnements-Preise : Tägliche luSgbe.. 12 Ctt. per Woche. TonntagöanSgabe Cts. perRummer. Tr'uze zusammen .16 Ct. her Woche. DaS Tadlet! erscheint jeden Nachmit. tag nm 4 Uhr. Die ConntagS.uigab? erscheint deS Morgen. Tribune Publishing Company. JnspoliS, Ind., 19. September '62. Demokratisches .Staats - Zi&ei. Fär StaatZSckrtr: WilliamN.MtzerS,bonMadison. Für StaalS.Audttor: JameS H.Nick, vZn Flcyd. Für LtaatZchZmkister: 2 o h I. C o o p e r, don Manou. Zür TtaatS?chuIsuVeri"tendent: John W.Holc ombe, Von Port:?. Für General'AnniLlt: Fran ciS T. Hor d, don Sartholomew. Für Eier! der Suxreme. Court: Simon P. Sheerin, don Csp. Für Richter der Tupreme-Court: 1. Distrikt W. (5. Ni b l a ck, von Knor. 2. , -G e o r g e V. H w k, von Flohd. i. A I l e n Z o l l a r k, von Allen. I.Kerlcht.Vezirk. Für Richter: Alexander C. Ayreö. Für CtaatZ-Arwal! : Frank M. Wr'ght. Für Kongreß. ?. Diftrlkt. William E. Snglish. Temokratlsbks Founty.Tlktet.' Für Senator. Dr. W. B. Flctcher. Repräsentanten: Jesse Whitsit, John R. Wilson, G. B. Howlaud, William D. Vynnm, John C. Fttriter. County-Commisslre: Z. Distrikt Richard Seynrur. 2t 3. Henry Eimbcr. Joseph Lostin. Clerk: Robert L. McOuat. Sheriff: Daniel A. Lemo. CchatzNeifler: Eli Hein:h. Lluoitor: Thomaö H. Lihenbeig. Neeorder: Cornelius Kellch. Coroner: Dr. C.N. Metcalf. Erimwal:Nichter: Ptkrce Norton. SureriorCourt Richter. ' N.B.Taylor, John A. Hslman, Frederick Heiner. Surver)gr: D. B. HoSbrook. XXt Stimme der Vernunft Es konnte nicht ausbleiben, daß der anständige Theil der Pariser Levölkerung sieh des wahnwitzigen Treibens schämte, durch welches die sogenannte Patriotenliga tit Hauptstadt des Erd rundes" geschändet hat. Auf die Ausregung, welche der beabsichtigte Sturm aus den deutschen Turnverein hervorrief, .folgte die kuhlere Ueberlegung, auf den Auebruch der Leidenschaft die Scham. Der FrauJais" brachte einige Auszüge aus der deutschen Presse und gab der Patriotenliga den Rath, sich lieber schleunigst auszulösen, als uns so dum me Händel zuzuziehen." Gemäßigte republlkanische Blätter singen an, langsam abzuwiegeln, und der als reaktionär gel tendeFigaro" führte sogar einen Haupt schlag gegen die Hetzer. ( Ist es möglich, rief das Blatt verwundert aus, daß vernünftige Menschen glauben könncn.die jungen Leute.die aus Mainz, Frankfurt, Dresden oder Berlin hierherkommen, um unseren Handel, un sere Industrie, unsere Sprache zu studi ren, seien sämmtlich Spione? Die deutsche Colonie besieht hauptsächlich aus Handlungscommis und Commission Häusern. Jene Commis sind fast sammt lich junge Leute; sie beziehen von ihren Familien einen Zuschuß, mit dessen Hülfe sie zwei oder drei Jabre in Frankreich verbringen u. französisch lernen können; sie arbeiten billiger als die Franzosen, und so tragen dle französischen Prinz! pale kein Bedenken, sie zu beschäftigen. Schickt doch Eure Kinder nach Deutsch land, daß sie dort Deutsch lernen, statt fortwährend über die preußische Spio nage zu jammern, die ja doch nur ein Mythus, gut sür die Maulasfen ist! Heißt eS nicht, die Pariser eine sehr im edle Rolle spielen lassen, wenn man sie als pointers hinstellt, die immer aus dem Sprung sind, über den ersten Deut schen, der ihnin begegnet, herzufallen? Nehmen wir uns ein Beispiel an den deutschen Qssizieren, an der militari schen Zucht, vielleicht sogar an der Gesetzgebung Deutschlands, ein Beispiel an ihrem Eisenbayndienste und anderen Dingen! Gehen wir zu ihnen, um sie an Ort und Stelle zu studiren; sie wer den unS nicht anklagen, ih e Gespräche zu behorchen und sich vielmehr nur uzun dern, daß wir an ihnen nur irgend ein Interesse nehmen ! Schicken w:r unsere Söhne auf achtzehn Monate nach Deutschland, ehe wir sie mit sieben Iah ren RechlSstudium,acht Jahren Medizin oder fünfundzwanzig Jahren Bureau

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kratie verdummen. Das wird sür unser Land bessir sein, als von den Dächern bcrab gegen den preußischen Spion zu schreien! Die Billigung, welche dieser Wor te, ollgemein gesunden haben, läßt daraus schließen, daß die Vernunft wie der einmal durchgebrochen, ist. In Teutschland wird man sich nur der Ju denhehe zu erinnern brauchen, um die französischen Fremdenhehen etwas mil der zu beurtheilen. Von Vciirringen ist kci:?e Nation frei, und gewissenlose DcmLkzogcn rissen sich dieselben überall zu Nagen zu machen.

Oaö nti Cylnkfcn-Gcsel; schreibt bekanntlich var, daß nach Ablauf von 90 Tagen, von Pasiilung des Gesetze an gerechnet, chinesischen Arbeitern, die aus irgend welchen auslänoischen Häfen kommen, das Landen in einem den Ber. Staaten gehörigen Hascn nicht gestattet sein soll; daLZelbe macht die Ca pitäne der Schisse, auf denen sich chine sische Arbeiter befinden, für die Durchführung dieser Maßregel verantwortlich und bedroht diese eventuell mit hohen Strafen. Im Mai d. I. ließen sich mehrere Chinesen, die damals in San Francisco sich niedergelasien hatten, als Matrosen d!Z amerikanischen Dampfers City of Pydney" anwerben, machten mit diesem Schisse eine Reise nach Australien und kehrten mit demselben am 8. Aug. d. I. nach San Francisco zurück. An diesem Tage war'daö Anti Chinesengesctz be reits in Krast getreten, und der Capitän verweigerte mit Hinblick aus den Wort laut des Gesetzes und die'ihm nach sol chcm drohenden Strafen den Chinesen die Erlaubniß zur Landung. Die Chi nesen wurden klagbar, und daö Bundes kreisgericht von Calisornien hat jetzt wie solgt entschieden : 1. Hat ein Chinese das Recht, sich innerhalb der Ver. Staaten aufzubetten, auf Grund des Vertrages rnitChina erworben, so wird er dieses Rechtes da durch nicht verlustig, daß er sich in einem amerikanischen Hasen sür ein amerikanisches Schiss anwerben läßt, mit diesem die Reise nach einem ausländischen Ha fen lnacht und sodann auf solchem in einen Hafen der Ver. Staaten zurück kehrt. 2. Dieses Verhältniß wird durch den vorübergehenden Ausenthalt im Aus lande dadurch nicht verändert, daß der Chinese während solchen Aufenthaltes sich mit Erlaubniß des Capitäns nicht auf dem Schisse befunden und an den Verrichtungen der Schisssmannschast nicht Theil genommen hat. 3. Hat der Chinese dagegen in einem ausländischen Hafen sein Verhältniß zu dem amerikanischen Schisse in irgend einer Weise gelost, so kann er in Ge mäßheit des Gesetzes weder mit diesem Schisse aus Grund eines neuen Vertra ges, noch mit irgend einem andern Schisse in die Ver Staaten zurückkeh ren und dort landen. 4. Aus diesen Gründen ist den klä gerischen Chinesen zu gestatten, daß dieselben in San Francisco an' Land ge hen und dort, oder sonstwo in der Ver. Staaten wiederum ihren Ausenthalt nehmen. Das Gericht bemerkt in den Entschei dunasaründen noch: Wollte man das in Frage kommende Gesetz anders auslegen, so wurde man ln den Fehler zenes eng lischen Richters verfallen, der einen Ge fanaenen. welcher das brennende Ge sängniß verlassen hatte, aus den Grunde begraste, weil daS Gesetz das Verlassen des Gesänanisses ohne Erlaubniß der Gesangnißbehörde ganz allgemein mit Strafe bedroht und für den Fall, daß eine Strafanstalt in Flammen steht, keine Ausnahme festsetzt. Eruttdftcuer-Erhebuttg. In Masjachuszlts sowohl, als in Pen::sy!van:en wurde früher die Grund steu?r tn der Weise ' erhoben, daß man die uf den Grundstücken aushastenden HypothekenschuZden von dem Steuer werthe der Grundstücke abzog und dafür die Steuern von den durch Hypothek sicher gestelltenCapitalicn von.dcnEigen thümcrn der lctz:eren erhob. Das des sallsize Gesetz wurde aufgehoben und zur Zeit werden die Steuern nach dem vollen Steucrwcrthe und ohne Rücksicht .auf ouflzastende Lasten erhoben. Wenn also früher eine Farm $3,000 werth" und beispielsweise im Interesse der Steuererhebung zu 5L,000 abgcschätz! und gleichzeitig mit einer Hypothek von U,000 belastet war, so hatte der Eigen khümer des Landes die Steuern nur von ..0.0 zu entrichten, während die Stcuern von dem Capitale der $,0C0 von dem Inhaber des letzleren wirklich oder angeblich erhoben wurden. Diese Art der Steuererhebung war sür den Staat mit Weiterungen verbunden, erleichterte die Steuerhinterziehung und wurde nach vielfachen Verhandlungen aufgehoben. Unmittelbar darauf stellte sich heraus, daß die von den Schuldnern an ihre Gläubiger zu entrichtenden Zinsen um denjenigen Betrag abgemindert wurden, welchen dieGrundbesitzer nach dem neuen Gesetze an Steuern mehr zu erlegen hat ten. Damit war der Beweis gesührt, daß die angebliche Absicht des alten G? setze, den Schuldnern eine Erleichterung zu verschossen, durch solches in keiner Weise erreicht worden war. Trotzdem macht sich gegenwärtig, na mentlich in Massachusetts, eine Bewe gung geltend, zu dem alten Gesetze zu rückzukehren. Die Befürworter dieser Maßregel heben namentlich hervor, daß man die aimen verschuldeten Grundbe' sitzer vor jeder Ausbeutung durch die reichen Kapitalisten, die nur zu häufig herzlofeWuchercr seien, so sehr als mög lich schützen müsse. Es klingt ur.glaub lich, daß selbst Juristen und Leute, die etwas von volkswirthschastlichen Lehren zu verstehen vorgeben, nicht' einsehen sollten, daß die reichen Capitalisten" die Zinsen von ihren Capitalien sofort mindestens um denselben Betrag erhöhen

würden, den ihre Schuldner an Grund' steuern weniger zu bezahlen haden würc.en. Dies kürde nur in den äußerst seltknen Fällen nicht eintreten, in denen durch bestehend? Verträge Darleiher an einer Erhöhung der Zinsen, resp. aneiner Kündigung der Capitalien verhindert

find, und in di Vn Falle wurde dasGc setz eine Ungcr.lgleit gegen die Darleiher enthalten. Es ist eine lännst als richtig anerkannte Thatsache, daß der istaat feinen Buraern die Rcaeluna lb rer gegenseitigen PrivaZverhältnisse am denen sel-dzt uberlänt und nur da ordnend und regelnd eingrelst, wo dies im Jnterejje der Gesammtheit notbwendiq lst. Der Boston Trantscript" weist nach. da, so lanae das Gcscn bestand. w.lchcs die Grundsteuern tbcils len Ei' : .. . . k;entyuln:rn des Grund und Bodens, lykllv den ndabern der Hypolkenf?r derunaen auferteate. von Ledkecen allsährliÄ 1.0(10,000 weniger an Steuern bezahlt worden sind, als unter da Heu schoft des neuen Gesetzes ; hieldci ist die durch Erhöuuna dsr Abjchäsun.isiummc eingetretene Erhöhung dcö Steuerbetrug ges deruckstchttgt. Drcse vier Millionen jährlich blieben in Folg: Steuerhinler zleyung ln den laichen der Capltalltten, und hierin liegt der eigentliche Grund für die angeführte Agitalion, für welche man humane Biflledungcn lediglich zum Borwande nimmt. TtfferenzgeschAfte. Mehrere biedere Geschäftsleute inChi cago, die lediglich das höchst reelle Ge biet der DifferenzGeschäste cultiviren, sind bemüht, die Handelskammer zu be stimmen, daß sie bei der Legislatur um den Erlaß eines Gesetzt einkommt, wel cheö vorschreibt, daß Forderungen aus Disscrenzgeschästen nicht eingeklagt wer den können. Juristisch wäre der Erlaß eines derartigen Gesetzes völlig gerecht fertigt, denn die gewöhnlichen Liefe rungsgcschäste aus Zeit sind absolut nichts anderes als Hazardspiel, und so wenig Spielsorderungen eingeklagt werden können, so wenig sollte dies bei Forderungen aus Disserenzgeschästen zu lässig sein. Aber auch aus Volkswirth schaftlichen Gründen sährt die Chic. Trib." ironisch fort empfiehlt sich der Erlaß eines solchen Gesetzes, denn wenn auch die Thätigkeit jener soliden Geschästsleute .nicht dircct der bürgerlichen Gesellschaft zu Gute kommt, so gereicht sie doch ihnen selbst zum Nutzen, und da sie einen nicht unbedeutenden Theil der hentigen Gesellschaft bilden, wenigstens mittelbar der letzteren. Endlich leidet unsere Zeit bekanntlich an Ueberproduc tion ; werden jene würdigen Geschäfts lcute nicht geschützt, so liegt die Gesahr nahe, daß sie sich ebenfalls einem pro ductivin Geschäfte, vielleicht sogar der Landwirthschaft, zuwenden und hierdurch würde die Ueberproduction nur noch in empfindlicher Weise vermehrt werden. Ein gewisser Schutz" kann daher weder in dieser, noch in mancher anderen B ziehung entbehrt werden. Neue Vrsinvnng Der Maschinist Hildenbrand in New Bork hat eine Erfindung gemacht, welche im Betriebe der Brauereien, des Destil lations und Wcingcschästes, sowie der Wirthsch asten eine kleine Revolution hervorbringen wird. Er hat eine eiserre Hülse hergestellt, welche mit hermetischem aber drehbarem Verschlüsse versehen, in dem Zapfloche des Fasses befestigt wird An dem messingencnHahne,wie er allent halben von Wirthen benutzt wlrd,brachte er zwei Stiste an und verwandelte denselben durch diese einfache Vorrichtung gewissermaßen in einen Schlüssel. Die beiden Stiste correspondircn mit zwei in der Hülse angebrachten Rinnen, und zum Anstecken eines Fasses bcdars man nichts weiter, als den Hahn gleich einen Schlüssel in die Hülse zu stecken, im kurze Drehung zu machen und denHahn zu össnen. Die Manipulation ist eine so leichte, daß sie jedes Kind verrichten kann. Nach einer halben Drehung nach links kann der Hahn wieder ebenso einfach aus dem Fasse entfernt werden, und damit ist dos 5och gleichzeitig wie der hermetisch verschlossen. Dieser neue Verschluß macht sonach die Korke über flüssig, erleichtert das Anstecken, das bei großen Fässern häusig nicht ungefähr lich und immer mit Flüssigkeitsverlust verbunden ist.u. ermöglicht es.die Gefäße jeder Zeit wieder hermetisch zu verschlie ßen. Die Ersparniß an den Korken allen geht in Brauereien und Weingeschasten in die Tausende. Richter Tilton, welcher kürz lich die Einladung des Bankier Seliaman von New Vork zu einer von diesem . Ja fl 4 mi . ln dem Grano Unton yotel veranstalte ten Festlichkeit ausschlug, weil Selig man ein Jude ist,.hat jetzt der israeliti schen Hülfsgesellschast für die russischen Flüchtlinge einen Beitrag von tz10,000 onernt. Andere lsraelttl che Wohlthä tigkeitsgesellschasten haben seither die zhnen von se!tgman angebotenen Ge schenke stets zurückgewiesen. Der Jew ish herald" bespricht die Angelegenheit und ist der Ansicht, daß die israelitische Huljesellschast dle Gabe . annehmen solle. Phil. Rappaport, Ncchtsanlviilt und Notar, . 2 Sud Dclaware Str., INDIANAPOLIS, IND. GODFRIKD verfertiger von ZZmnnen, Zisternen und Smüs". 70 Ottd Delavare Straße. Alle Arbeiten werdkn gut auöLesührt. Rexeiatu ren erden fiowu besorgt.

Wtedcr ci!;e Tchen5n7:g.

Durch die Entscheidung d?s Vrcslauer Fürstbischofs hinsichtlich der gemischten Ehen ist die preußische Regierung bcwo gen worden, der Centrumspartei abermals dcnKrieg zu erklären. DieSprache, de das BiZmarck'sche Leiborgan, die Nordd. Allg. Ztg.". führt, erinnert an die wildesten Zeiten des Culturkampscs. Obwohl es leicht nachzuweisen ist, daß die Mitglieder der clcricalen Partei im Reichstage, wie im preußischen Landtage die Aussöhnung mit Rom freudig her beisühren halfen, obwohl es sicher ist,daß sie den Erlaß des Dr. Herzog bedauern, gefällt sich die Regieru. darin, ihnen die Schuld daran bcizumesien, daß der ccnfessionelle Frieden abermals gesähr dct erscheint. Durch die neuen Kirchen gesetze, sagt sie, habe sie daS katholische Volk versöhnen wollen, nicht aber die Politiker dcS Centrums, welöe nicht die Beilegung, sondern die Fortdauer dcS Cultullampscs wünschen. Des clerical konservativ!: Vündniß sei nicht im Stande, eine Regierungspartei zu bil den, obwohl es sich gelegentlich bemüßigt sindc, der Regierung seine Politik auf drängen zu wollen, lleberhaupt brauche man in Preußen gar keine Rcgierungö Partei, sondern eine starke Regierung.die ganz nach Belicdcn bald rechts, bald links gehen könne, wie die Verhältnisse eö erheischen. Damit ist die Katze aus dem Sacke. Vismarck läßt die dünne MaLke gänzlich fallen und erklärt, im Anschluß an den bekannten königlichen Erlaß vom 4. Januar, daß das Parlament in Preußen sowohl, als im Reich: ein gänzlich über flüssiges Möbel ist. Gleichviel, welche Parte: die Mehrheit hat und was sie beschließt, die Regierung geht immer ih ren eigenen Weg. Ehrlicher ist diese Erklärung jedenfalls, als das abwech sclnde Liebäugeln und Zanken mit den verschiedenen Parteien. Das Volk weiß dann wenigstens, ob es absolutistisch oder parlamentarisch regiert wird. LZnö dem süvlu. Wenn die Angaben eines Artikels der Sun" über die Zustände in Virginien, Nord- und Süd-Carolina richtig sind, so ist in den genannten Staaten nichts von dem Ausjchwunge zu erblicken, von dem aus anderen südlichen Staaten bcrichtet wird. In den drei genannten Staaten hat die farbige Bevölkerung feit der Beendigung des Rebellionskrtkgcs fast gar keine Fortschritte aus dem Wege zur Civilisation gemacht und, wcnn auch ein sehr kleiner Bruchthcil der jugendlichcn Farbigen sich als strebsam und bil dungssähig erweist, so sind doch mindestens neun Zehntel selbst der farbigen Jugend um nichts besser, als diese Ju gend vor dem Kriege war. Man kann in jenen Staaten sehr ost hören, wie die alten Neger sich die Sklaverei geradezu zurückwünschen. Damals hatten wir zu essen, Kleidung und Wohnung, mußten arbeiten, wenn wir gesund, wurden verpflegt, wenn wir krank waren ; jetzt ha den wir oft, und wenn wir auÄ arbei ten wollen, keine Arbeit und fallen dem äußersten Mangel anh:im." Ausfallend sind die Verbrechen unter dcm sarbigen Elemente in der Zunahme begrisjen. Bei Raleigh wurde das größte Zucht Haus, das im ganzen Süden rristirt, so eben erst vollendet, und schon j:!jt ist dasselbe sür die Ausnahme sämmt'licher Gefangenen viel zu klein. Hunderte der letzteren werden an die Eisenbahn Compagniecn vcrmicthet und von diesen mit unmenschlicher Härte behandelt. In den Gesängnisien werden die Insassen gut behandelt, und viele Gefangene machen gegen das Ende ihrer Strafznt nur aus dem Grunde Fluchtversuche, um sich hierdurch einen verlängerten Aufenthalt in der Anstalt zu verschaffen. Die Strafgesetz: sind in allen drei Staaten von drakonischer Strenge; kleiner Diebstah! wird mit mehrjährigem Gcfängniß und Brandstiflung mit dcm Tode dcstrcsk; letzteres gilt auch von dem Einbruch dlebstahle, salls der Einbruch zur Nacht, zeit in ein bcwohatls Hausstattsand. Weißen begegnet man in den Strafen stalten nur selten. Maisbrod und Speck bilden die aus schließlichc Nahrung sür die Arbeiter in NordCarolina ; die Arbeiter an den Eisenbahnen erhalten täglich 00 bis 70 Cents und müssen hiervon sichernd cven luell ihre Familie erhallen. "Geschickte Plnntagen'Arbeitcr erhalten monatlich N0 bis $12 Lohn und srcieBeköstigung. Es giebt nur zweimal im Jahre sür uüc Arbeiter ausreichende Beschäftigung, zur Zeit der Bestellung der Baumwollfelder und des Pflückcns der rciftn Baumwolle. Während des Pflrnzens der Baumwolle erhält der Arbeiter 10 bis 50 Ccnls Tagelohn und Beköstigung oder G0 bis 70 Cents Lohn ohne Kost. Zum Baumwollpflückeu rücken ganze Familien in die Felder und geübte Arbeiter können bis zu 51.25 täglich verdienen. In diescm Jahre haben viele Plantagenbc sitzer zum ersten Male nicht ausschließ lich Baumwolle, sondern auch Brod früchte gebaut und der Viehzucht einige Aufmerksamkeit zugewendet, und zwar ohne Ausnahme mit gutem Erfolge. Das Creditsysiem ist im ganzen Süden nirgends so ausgebildet, als in den ge nannten drei Stanten und gereicht selbstverständlich den Pflanzern zum größten Nachtheile. Vrvo stchcudc Entdüllungen. Der Jubel und die Freude, welche die Heimkehr des Chcs'Jngenieurs Melville und der Seeleute Nores und Ninder mann nach New Vork hervorgerufen bat, ist dadurch einigermaßen becintrachti worden, daß Lieutenant Dannenhauer durch sein Augenleiden bthindert w)r, an den Feierlichkeiten Theil zu nehmen. Mitglieder der geographischen Gesell schast in New Vrk, die viel mit Dannenhauer verkehrten, sind der Ansicht, daß die von dem Congresse angeordnete Untersuchung aller dicErpedition derJcanette" bctrcssc7.d:n Vorgänge zu peinli

chenEnthüllungen führen wl?o. Ber aller! Anerkennung, die De Long's heroischem Verhalten gebührt, soll diese: doch däusig

unzweckmäßige Anordnungen getrosten haben. De? lange Aufenthalt dcrSchiss brüchigen auf Bennett's Island wird als ein argrr MißgriN bezerchnet; ferner hatte De Loi'.g c:n viel bcjseres Boot aus oer sinkenden Jcaett:" zurrickgclasscn, als dasjenige war, welches Lieutenant Chipp mit seiner Mannschaft bestieg. Auö früheren Berichten ist erinnerlich, daß in der Nähender aufgefundenen Lei chen zahlreiche Spuren von chncehüh nc:n gcschcn wurden ; De Long hatte, eUs die Lenke nichr mcr im Stand waren, die Gerochre zu tragen, befohlen, daß A!ex.i. der noch am kräftigsten war, nur seine Büchse behielt.' Seine Schrot siinte und Milti!t:o:.'dat.c Alexia zurück lassen müssen; man glaubt, daß es,' im Besitze der lctzier'N. gnug Schneehühner hätte erlegen können, die chissbrüchiAen mit Nahrung zu - v rschc'n Melville hat b?i dem Ausfindeu der Leichen nur De Longö Tagebuch einer flüchtigen Durchsicht unZerziehen können; ec glaubt. daß sich unter den an das Marineministerium in Washington gesandten Effecten ein Bericht des Corrcspondenten Collins befinden müsse; dieser war ein ausgezeichneter Beobachter und einer der letzten, die dem Tode erlagen ; in seinem Berichte hofft man werthvolle Aufschlüsse zu finden. Bom Jnlande. Als Melville kurz naü.sei ner Ankunft im Hafen von New Jorkzu einem dirniV1 eingeladen wurde, äu ßerte er : Ich trinke ganz gern einmal einen Schluck amerikanischen Whiskey, denn ich sage mir, daß ich hierdurch zur Verminderung der Schulden der Ver. Staaten beitrage DerPräsidenthat kürzlich bei Robeson gespeist; vorlaute Zeitun gen werfen die Frage auf, wann er bei Dorsey speisen werde. Der 83 j ä h r i g e W m. I o u n g. der erste Ansiedle? in Sangomon Co., Jll., hat kürzlich in einem Ringkampfe einen ?4jährigcn Mann geworfen; während der in.vorüzcr Woche in Lincoln abgehaltenen Fair ist derselbe eine Meile in 5 Minuten gelaufen. . ., Ex -Senator Barrett von Tennessee befindet fich in Bolivar unter den Kettcn-Züchtlingen. Seltsam ist dabei nicht, daß er schuldig geworden, sondern daß er wirklich bestraft ist. Wir erfahren aus der Lon doner Times-, daß die reichen Amcrikancr, welche fich zum Besuch oder auf die Dauer in Deutschland, oder in Eu ropa überhaupt, aushalten, fast überall mittels der atlantischen Kabel, die ihnen eine schöne Einnahme verdanken, an der New Yorker oder Chicagoer Börse spe. culircn. Es wlirde ihnen die rechte Würze des L bens fehlen, wenn fie nicht kagtäglich Glücksspiele treiben könnten. Eine neuePartei, die Peo ples Party" hat fich in New Bork eta dlirt, welche der Herrschaft der reichen Klassen ein Ende machen und eine gleich mäßige Verthcilung des Reichthums her beifüdren will. Das Volk soll die Ge sctzgeber in Washington anweisen, ein Gesetz zu erlassen, welches die tcstamen tarische Verfügung überVcrmögen regelt, und zwar der Art, daß keine Perfon mehr als $50,000 erben oder ein größe res Jahres Einkommen als 6 Procent Dieses Betrages haben darf. Die Wittwe Callahan in Texas ist die größte Schäferin im Staa tc. Sie züchtet 50.000 Stück veredelte Schafe, gekreuzt aus mexikanischen Schafen und Vermontcr Merinos. Die Hand elöbilanz für das Fiscaljahr. 188' bis 1882 liegt jetzt specialisirt vor und weist den Ausfall im Waaren - Export, die Steigerung des Zmports und das Wiedcreintreten des Gold - Exports im Detail nach.' Die Vermehrung der Einsuhr vertheilt sich namentlich auf Chemicalien, Baumwoll Waaren, mit Ausschluß der trumpf Waaren, Lederfabrikatc, Früchte, Pelze, Salz, Zinn und Ho'z.' An Strumpf Waaren aus Baumwolle wurden sür $7, 501,000 gegen $8,391,010 im Vorjahre, an solchen aus Wolle für $797,000 gegen $1,000,000 im Vorjahre importirt. An Eisen- und Stahlwaaren wurden sür $50.000.000 .eingeführt ; hiervon entfallen $7,147.000 auf Stahlschienen. An Kartoffeln wurden 8,189,000 Vushel eingeführt und stellte sich derPre'.s durchschniitlich auf 53 Cents pro Bushel. Der Mayor v.on Busfalo hat ein Com?te ernannt, welches mit dem sür denselben Zweck ernannten Ausschuß der Handelskammer Propaganda für freie Canäle im Staate New Zork ma chen foll. Bekanntlich kommt im Herbst ein die Erhaltung der Canäle durch den Staat verfügender Zusatzantrag zur Bersassung zur Volksabstimmung, und in vielen Counties ist die Stimmung diesem Amendement ungünstig, weil die Lcute sür den wohlthätigen Einfluß freier Canäle. auf Handel und Gewerbe kein Verständniß haben und eine Erhöhung der Staatsstcuern fürchten. Außerdem ist es selbstverständlich, daß die Eisenbohnmon.opolzstcn gegen das Amendement agitiren. Die New Yorker .Times" veröffentlicht eine Correfpondcnzkarte, sie ihr am 9. Juni, alfo kurz nach Beginn des Sternpostprozesses, zuging, folgenden Inhalts: .Ich wünsche die Prophezeiung zu machen, daß wenig stens ein Mitglied der Jury im Stern postproccß zu Gunsten der Angeklagten entscheiden wird. Es ist dies der Claim ''tgcnt Dickii-n, der sich sein ganzes Leben lang mit Erlangung von Geld aus dem Lundcsschar.e tefaßte.' Die Nothwendigk it einer pfrcn.lorischcllBearstandung tu seinem J..lle. leuchtete sofort jedem Freunde der Regierung ein. War es Dummheit oder was war es, daß er nicht beanstandet wurde ? Und weshalb wurde nicht eine Jury aus unseren soli den Geschäftsleuten, welche die Regie-

rung nicht aufsaugen, ausgewählt? Wa5 Dickson anbelangt, so könnte ein Engel vom Himmel ihm nicht die llebezeugang beibringen, daß die Regierung nicht das geeignete Opfer ist. .Grabfche Alles, wus sich erhäschen laßt ist sein Wahlspruch. (Gcz) Ncmo." Mit dcm Dampfer W y o-ming-langten dicfcr Tage nicht weniger als Gl( Mormonen in 'New Jork an. darunter 200 Engländer, 292 Scandi navier und 51 Deutsche und Schwerer, welche sämmtlich mit der Erie-Bahr. nach Utah wciker reisten. Das fünf Wochen iti Thä ligkcit gewesene SommcrSanitÜtscorps in New Zork hat seine Arbeiten einge stellt. re Aerzte haben 24,588 Tennemcnthäuser. l49.723gamilien besucht, für 3.330 Patienten Recepte verschrie den und 5.036 Freibillets für Exkursionen vertheilt. In welch' a u s g e d e h n t , m Maße das Telephon in den Ver. Slaaten bereits im Gcbrvuch ist, g'ht aus den nachstch ndcn Angaben hervor, die Elisha Gray, ein bekannter Elcctrikcr von High'.and Park, nahe Chicago, unlängst gemacht hat. Hm' Gray erklärte, es seien gegenwärtig über 22n,u00 Te'ephonJnstrumente in den cr.Staalen im Gebrauch und die Zahl derselben nehme über 5000 Stück monatlich zu. In den New England-Staatcn seien die meisten, Städte und Flecken bereits kele phonisch mit einander verbunden und binnen Kurzem würden die Bewohner ?on New ?)ork und Chicago per Telc phon mi: einander sprechen können. Die Herstellung der, TelephonJnstrumente, iowtc das Recht zur Benutzung derselben ,st zu einem riesigen Monopol an?cwachien. indem einige Compagnien alle ein schlägigen Patente aufgekauft und nun das Publikum vollständig in ihrer

' Gewalt haben. I n C a i r o, I ll., h a t m-a n die Arbeiten an dcm artesischen Brunnen daselbst eingestellt ; in einer Tiefe vrn 209 Fuß halte man noch immer weißen Zand ud Gerölle zu durchbohren. Die K i r. d c r 2 o c o m o t i t e n scheinen nicht viel ungefährlicher zu sein, als die Kinderpistolcn. Ein Knabe in Gencsce, Mich., wurde dieser Tage durch sie Explosion einer solchen Locomotive gefährl.ch verletzt. ' Bei Oxford, Ind., siel kürz lich ein Knabe ins Wasier, wurde' aber herausgezogen und kam mit nassen Kleidern heim. Seine Mutter äußerte im ersten Aerger, es wäre ihr lieber, der Zunge wäre gleich im Wasser geblieben. Der kleine Kerl nahm sich dies so zu Herzen, daß er fortlief, in dei: Fluß sprang und glücklich ertrank. Ein Sonnenrosen st ock in Danville, Va , trägt zur Zeit 85 Blü then. Deutsche Local-Nachr.chten. T e p l i tz, 30. August. Nach langen schweren Leiden starb letzte Nacht Bür germeister Karl Uherr im 00 LebenS jähre. Uherr gehörte nahezu 26 Jahre dem Stadtrathe an, wovon er 19 Jahre an der Spitze der GeschäftLleitung stand und diesen Ehrenposten in einer den In tercssen des Kurorts fördernden und eh renvollen Weise vertrat. D a n z i g, 29. Aug. Wegen Fahnen flucht wird ein hiesiger höherer Ossizier von der Militärbehörde verfolgt. Der Grund der Flucht liegt in einem von dem Flüchtigen begangenen Sittlichkeitsvcr brechen. Der Flüchtling soll, wie es heißt, sich nach Aegypten gewandt haben, um event!, dort an der kriegerischen Operation theilzunehmen. H a m b u r g, 31. Aug. Die französische Regierung hat in Anerkennung der Rettung der Besatzung dc5 im No vember 1681 verunglückten sranzösischen Schisfcs .Onclc Felix' auS Hnvrc dem Cavilän und Rheder des hiesigen Schisfeö Iido" H. Hinfch, ein DoppelMarineglas mit Widmung, dcm ersten Steuermann Ferd. Renner eine goldene Ehrenmedaille nebst Diplom und jedem der Seeleute T. H. Waldema? und Joh. Ohlsen eine silberne Ehrenmedaille nebst Diplom verliehen. Hr. I. h. Dubbers aus Bremcn Associe der hiesigen Firma I. H. Dubbers 6c Hcmpell, eine an der Börse sehr beliebte Persönlichkeit, ist in Luzern plötzlich am Schlagfluß vcrstorden. Hubert us bürg (Sachsen), 2. Sept. Die kgl. Blindenvorschule soll von hier nach Muritzburg verlegt und mit der dortigen Filiale der Dresdner Landesblindenanstalt vereinigt werden. Das dann hier freiwcrdende Anstaltsgebäude wird zur Unterbringung der jetzt in Königswartha befindlichen Staatsanstalt für Epileptische Verwendung finden. Erd in g (Bayern),!. Scpt. Jwischen Fürstberg und Stubenberg hat ein Erdrutsch stattgefunden. An 20 Taq werk Wald sind vernichtet. Die Ortschaft' Steinberg lst in großer Gesahr. Fü r t h (Bayern), 1. Sept. Seitens der Stadt ist der Höfener Wald oberhalb der Epgelhardt'schen Fabrik arge kauft worden, um ein neues Spital dort zu bauen. Neudietendorf (Thüringen), 1. Sept. Letzter Tage sind biersclhst die durch ihren Liqueur .Aromatiqu bekannt gewordenen beiden Apolhckcr Lappe, Vater und Sohn, gestorben. Neustadt a. d. H a i d e (Thörin-' gen), 1. Scpt. Zum hiesigen Bürgermeister ist einstimmig Syndikus Kühlmann aus Fulda gewählt, worden, und zwar aus vier Jahre. Neustadt a. d. Orla (Thüringen), 1. Scpt. In Köfllitz wurde der junge Walkgehülfe Gundermann, als er um Mittcrr.acht vom Tanzlokale heim kehrte, überfallen' und erhielt dann, jedenfalls don einem Maurer Namens Büttner, eine Stichwunde in die Innenseite des Oberschenkels, an welcher er sich verblutete. Wahrscheinlich ist Eiscrsucht der Grund zu der That gewesen.

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