Indiana Tribüne, Volume 4, Number 456, Indianapolis, Marion County, 17 September 1882 — Page 6
VJ
I , ' : ' 1 , ' ' . L K G
x . Der Sund des Adjutanten.
&m Citat KlauKmann. Sämmtliche Kynologender Welt hat ten pch ihre gelehrten Köpfe vergeblich darüber zerbrochen, welcher 'Hunderace .Pedros der Hund des Herrn Bataillons Witanlwroosx zuzuzählen sei. ' Er hatte Merkmale vomWolsshund, vom 'Leonierger, vom Neufundländer, von ltz Ulmer Dogge und schien eigentlich . eine Kreuzung aller dieser Raccn zu sein, boshafte Naturvissenschaftler behaupte ten allerdings, .Pedro" sei eine Kreu. zung von Rambouillet - Schaf und Ich ZltUMVN. Soviel steht fest,' Pedro" war ein Ausbund vor. Häßlichkeit und seine Cxi penz konnte man nur um seiner Farbe nd Zeichnung willen verzeihen. Pe dro's molliges Fell zeigte . nämlich eine gleichmäßig kaffeebrauneFarbe, während .die Ohren, und zmar diese allein tief schwarz, steif an dem Kops in die Höhe standen. Wenn nun allerseits sowohl Ciril als Militär der guten : Garnison stadt L. darin übereinstimmte, , daß J$f bto ein Scheusal in de3 Wortes schön per Bedeutung sei, so warder Besitzer des edlen Thieres, Lieutenant Probst, - doch gänzlich andererMeinung. Er war 'bereit, wenn nothwendig, mit allen dis oniblen Mannschaften des Bataillons dafür jederzeit einzutreten, daß .Pedro" der schönste, klügste und gelehrigste Hund des Erdballs sei.. .Pedro" that aller, .dings durchaus nichts : dazu, diese felsenfeste Ansicht seines Herrn zu nterstiitzen, er biß ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes Alle, was ihm in den Weg kam, beging Diebstähle bei Schlächtern und Bäckern und brachte es ollmälig dazu, den Kindern der Stadt L. ein Schrecken, denErwachsenen einGreuel zu sein. .Pedro's" letzte Schandthat war in deß folgenschwerer, als je eine der vor hergehenden, es wurden wenigstens eine Menge unschuldiger Menschen durch den Eeniestreiü des Musterbundes in Mit leidenfchaft gezogen. Die Garnison L. besaß außer dem einzigen komfortablen Hotel nur noch elne einzige VlerMoe,,n der es sich behaglich leben ließ, ein Local, indem die beste .Gesellschaft" verkehrte und der Stoff" ein höchst anerkcnnens Verther war.- Bei .Hahn" trank Morgens und Abends Alles seinen Schop Jien, was sich zu den Honoratioren von L. Zählte, auch die Osficiere des Bataillons und ebenso die zwölf. Einjährig Freimilligen. Friede und Harmonie herrschten zwischen Civil und Militär, prächtige Stunden verlebte man hier ach dienstschwcrem Tag, und all die Herrlichkeit sollte durch .Pedro" min ei nem Schlag zu Grabe getragen werden. Der alte Hahn" hatte für eine Gruppe von Specialfrcuuden undSpecialstamm gästen ein kleines Souper arrangirt, von dem bei dem Mangel anderweitigen in teressanten Unterhaltungsstoffes sämmtliche auch unbeteiligten Stammtische schon tagelang sich unterhalten hatten. Leider sollte diese so wichtige Festlichkeit nicht ohne Weiteres gefeiert werden. Pedro", dessen Herr in demselbenHause wohnte, in welchem sich die Hahn'scheNe fiauration befand, und zu den eifrigsten Besuchern derselben gehörte, .Pedro" war in die Küche gerathen und, unbeab sichtigt, wie die piece de resistance des Soupers, ein prächtiger Hase war, wurde sie die Beute des sreßlustigenHundes. Kleine Ursachen, große Wirkungen. Die Folgendes Diebstahls .Pedro's" varen außerordentlich weitgehende. Die erste Folge war die, daß das mit so gro ßer Spannung erwartete Souper nicht stattfinden konnte, die Folge davon war eine furchtbare Wuth des .alten Hahn", die Folge davon eine große Skandal szene, die er dem im Local sitzendenLieu tenant Probst maHte, .eine Scene, bei . elcher der gekränkte Herbergsvater über 'die Grenzen des Erlaubten hinaus ging. Die Folge dieser Scene war, daß Lieu tenant Probst und seine Cameraden das Local verließen und die Einjährig.Frei billigen es für das Beste hielten, zu sol 7&trt. Die letzte Folge war die, daß das Officiercorps ob des unqualisicirbaren Betragens des Wirthes das Local in den großen Bann that und den Einjährig. Freiwilligen freundlich aber sehr deutlich und energisch der Wunsch kundgegeben vurde, sich dem Consortialbeschluffe des Officiercorps anzuschließen, d. h. das Hahn'sche Local nicht mehr zu besuchen. , . Eine Menge friedlicher Freuden und harmloser Vergnügungen war .durch ZieseFolgen zerstört; besonders den Einjährig - Freiwilligen, die ja bei den vier verschiedenen Compagnien des Bataillons vertheilt waren und den Tag über kaum zusammenkamen, fehlte es jetzt an einem Orte zu fröhlicher, kameradschaft licher Vereinigung. Die Bürgerschaft Vahm wiederum was thut man in ei nix kleinen Stadt nicht Alles aus Princip den Beschluß des OsficiercorpS krumm und verkehrte gerade jetzt bei Hahn und nicht in dem einzigen Hotel .zum Stern", wo die militärischen Ho noratioren sich jetzt allabendlich allein langseilten. .. Keiner jedoch war von traurigen ol gen der letzten Schandthat Pedros" so schwer betroffen worden, als der Ein Zahrig.Freiwillige Klein, ein sonderbares Mensckenkind. unter dessen Uniformrock ein naives Kindersherz schlug, und der 'Mit mädchenhafter Zaghastlgtett uns Scheu, mit gesellschaftlicher Unbeholfen heit und männlicher Entschloffenheit den absoluten Mangel irgend welcher Begeisterung ffir fcrtß nldatenleben verband. , Man mird es selbstverständlich finden, daß Klein, schon in Folge jener Charak tereiaenickastkn. ütUt. ickücktern liebte. unglüälich liebte und zu seinem Pech die . X. r 1 fff . f 5-vqier even jenes unsellgenGastwirlyes, Über dffipn VW! tnfcn hi 9Tfflt tinh I VVVU VVVkl -W9W mmwm uberait verbann ?isirhn tnar. Mie tin Donnerschlag traf Klein dieNachricht, Su!s "Zu: unmogllÄ machte, sorran oem (aensiande seiner beimlicken Liebe au nahen. Ja, heimlich war die Liebe, , ober dafür, wie schon daS Sprüchwort sagt, heißer als Feuer und Kohle; nie yatte iwm es gewagt, rrgenojemanoem leine Gefühle zu offenbaren, am aller wenigsten dem Gegenstande derselben. cur oer wono uno eu-e täglich an um f:ng zunehmende Gedichtsammlung, ei
genes Fabricat Klelns, waren seine Ver
trauten; Liebe zieht aber bekanntlich, um ein vulgäres Wort zu gebrauchen, stärker. als eine Locomotive, und an mäch tigsten ist die Sehnsucht der heimlichen Liebe, von derKeiner nichts weiß. Was half es Klein, daß er sein Sehnen in Verse goß, helmlich Nachts sein Kovfkis sen mit Thränen benetzte, im Compag niedienst so unaufmerksam war, daß fast täglich ein hauptmännischeS Gewitter s . f M . 9 V uoer seinem gejcnnen, sqmerzgeveugttn Haupte herniederging? das. Alles stillte doch das schmerzliche Sehnen in seiner Brust nicht, sie zu sehen, die Holde, die Liebliche, den Engel feines Daseins. Liebe aber macht nicht nur Selbstmöider, sondern auch Helden, sie verzweifelt, saßt aber auch heroische Ent schlösse. Koprowolskl !" sagte Klein eines Mittags zu seinem polnischen Puükame raden (einen Burschen hat derEinjährio rw . . f freiwillige rncDij, scoprowoisri, öie könnten mir einen großen Gefallen thun. Bringen Sie mir, wenn es dunkel wird, Ihren fünften Rock und Ihre fünfte M'-tze mit ! Ja, feien Sie so freundlich!" .Ja woll! Herr Einjähriger sagte KoprowolLki, obgleich es ihm gänzlich unbekannt war, was sein Einjähriger mit dem fünften Rock ansangen wolle. Der fünfte Noö ist daS' Ideal emcS sparsamen Eampagniechefs und der Schrecken iedes Eorporalschaftssuhrers ; der fünfte Rock ist ein Conglomerat von Tuchfetzen,' die eigentlich nur noch aus purer utmuth:qke:t zusammenhängen. Der fünfte Rock ist die schlechteste Uni form des Soldaten, die er zur Arbeit, zum Turnen und zum Dienst innerhalb des verschwiegenen CasernenhofeZ trägt; auf die Straße darf er für gewöhnlich mit dem arauarünblau schillernden Rocke, an dem das ehemalige Roth ein rosa schimmerndesGrau bildet, sich nicht wagen. Klems Feldzuasplan war folgender: Er konnte sich in das Haus des alten Hahn nicht wagen ob des Verbotes und weil der Adjutant eine Treppe doch wohnte, dem ein Einjahrig-Freiwilliger sofort aufgefallen wäre; wenn Klein sich aber die schlechteste Garnitur seines Putzers anzog und die im November srüh hereinbrechendeDunkelhcit benutzte, dann fiel es gar nicht auf, wenn er un'Haus flur oder Hof sich fo lange herumdrückte. bis cZ ihm gelungen, die Gellebte, wenn auch nur auf einen Augenblick, zu sehen. s dunkelte stark, alsötlem, der m oim fürchterlichen fünften und dito Mütze al lerdings gar nicht wiederzuerkennen war, sich an den Häusern entlang bis zum Hahn'schen Restaurant schlich. Vor der .hur machte er noch emen Augenblick zögernd Halt, dann schlüpfte er rasch hinein, um sofort mit irgend einer Per son in höchst unangenehmer Weise zu karamboluen. .Sie Heupferd, Sie !" hörte Klein den Bataillonsadjutanten, LieutenantProbst wüthend schreien, Sie Heupscrd, Sie! Haben Sie keine Augen ? Sie Esel!" Schrecken und Furcht vor Entdeckung hielten Kleins Zunge gleichmäßig ge bannt, verzweifelt druckte er sich an die Wand des Hau-flurs und erwartete je den Augenblick eine Katastrophe, herbei - .e-.t. v v o i ...... en r n c geiuyri curcu oen leuienani Proozl, oer vor ihm auf einem Beine stand, das Schienbein des erhobenen Beines fortwährend mit der Hand reibend. Aber auch diese Anast ging zu Ende, denn Lieutenant Probst sagte plötzlich ziemlich liebenswürdig': Haben Sie Zeit, Sie ungeschickter Kerl r .Zu Besehl, ja!" preßte Klein mühsam hervor. Dann können Sie meinen Pedro eine Stunde lang spazieren führen !" Halboetäubt folgte Klein dem Adjutanten nach seiner Wohnung, nahm hier im dunklen Entree den an der Leine rei ßenden und zerrenden Hund in Empfang, und ehe er noch recht zur Besinnung ge kommen war, befand er sich, bereits auf der Straße alsHundeführer. In Kleins Kopf kreuzten sich eine solche Menge Gedanken, daß es ihm fast un möglich schien, einen davon festzuhalten; aber soviel Besinnung blieb ihm doch noch, sich zu, sagen, daß ihm Spott, Un annehmlichkeiten aller Art und wer weiß, welche Umständlichkeiten bevorstanden, wenn einer seinesVorgefetzten oderCame raden entdeckte, der Füsilier im sünsten Rock, der den wohlbekannten Hund des Adjutanten spazieren sührte, sei eigent lich der EinjährigFreiwillige Klein. Dort hinter der alten Stadtmauer führte eine einsame Promenbe, die jetzt, in der . Dunkelheit gänzlich menschenleer war ; dorthin flüchtete Klein mit dem sich vergeblich sträubendenHunde. Nach wen! genSchritten ließ er sich aus , einer Bank nieder, das Winseln Pedro's nicht ach tend,dem dasStillsltzen durchaus nichtde hagte. Wuth und Schmerz rangen in Kleins Seele um die Oberhand, Wuth über die lächerliche Situation, in die er gerathen war, Schmerz über das Miß lingen seiner Expedition. Dann fiel es ihm plötzlich ein, daß Pedro" die Schuld an dem ganzen Unglück trage und daß dieser Unglückshund jetzt in seine Hände gegeben sei. Fürchterliche Gedanken stiegen in Kleins Seele auf : einen Au genblick dachte er daran, Pedro" im be nachbarten Flusse zu ersäufen, aber Sen timentalität und Energielosigkeit ließen den Mordplan nicht zur That rei fen. Klein begnügte sich damit, dem Hunde einen wohlgemeinten Fußtritt zu versetzen, für welchen sich Pedro" durch einen Biß in Kleins Bein revanchirte. Eine Stunde mochte ungefähr vergangen sein, als Klein mit Pedro" wie der sich dem Hahn'schen Hause näherte. Hoffnung, daß er ohne erkannt zu wer den, Pedro" seinem Herrn zurückzulie fern, Hoffnung, daß er die Geliebte fei neö Herzens, die herrliche Emilie, wie sehen würde. Seine Hoffnungen sollten sich erfüllen. Leise fchlich er durch den unterenHauS flur, leise die Treppe zum ersten Stock hinauf, seine Schritte machte die Decke, welche auf der Treppe lag, , unhörbar. Plötzlich blieb sein Fuß gebannt, er ver nahm Flüstern, ein kurzes Auflachen und dann das Geräusch einer, mehrererKüffe. Bestürzt schaute er empor und d'rohte umzusinken. Dort oben auf dem Kor ridor der ersten Etage, er konnte es trotz der schwachen Korridorlampe deutlich er
kennen, dort oben standLieutenantProbst, in seinen Armen aber lag Emilie Hahn, daS heimliche Idol Kleins, und ließ ganz barbarisch ohne jedes Sträu ben sich küffen. ,. ,, - Klein ließ Pedro" loS, der mit einem Freudengeheul zwischen. daS zärtliche Paarsuhr; der unselig Liebende aber stürmte unerkannt die Treppe hinab, warf die . Hausthür in daS Schloß und rannte hinaus in die schweigende Nacht. Menschenkind ! Äus Sie wird noch was, wenn Sie noch gröber werden!" sagte acht Tage später der Sergeant Donner, der Zeuge davon war, wieKlein einen malpropren Mann der Korporal schaft, die er hilfsweise suhrte, bis in den Abgrund der Hölle verfluchte. Men schenkind, mit Sie ist eine große Verän derung vorgegangen !" Er hatte Recht, der SergeantDonner, In Klein war eine ungeheureUmwälzung des Inneren vorgegangen, .an die er selbst fast nicht geglaubt hätte. ' Aus dem sentimentalen, mädchenhastenJüng ling war ein wüthender, sackgrober jun ger Mann geworden. Der Schlag, der Klein getroffen, als er jene unselige Entdeckung auf der Treppe machte, war so schwer, daß in dem Gemüthe des Zaghaften eine voll kommene Reaktion eintrat. DerSchmerz verwandelte sich in Wuth, die sich wie derum im Dienst austobte, dem Klein plötzlich Reize abgewann. Als am Ende deS Jahre's Klein den Unisormrock wieder ablegte, innerlich ein ganz anderer Mann geworden als bis her, da fühlte wenigstens ein Mensch Sympathien und indirekten Dank für Pedro", den Hund des Adjutanten.
Ire Krde vom Saturn aus gesehen. Ein Stück umgekehrte Astronomie. Die Erde würde ein Astronom deö Saturn sagen, wenn er seinen Mitbur gern einen populären Vortrag über un seren Planeten hielte, ein Astronom, bei dem wir übrigens eine weit stärkere Seh kraft voraussetzen müssen, als wir Erd menschen besitzen die Erde ist ein Gestirn von bläulichem Lichte, welches man stets in der Sonne sieht. Nach seiner scheinbaren Größe und seinem Glänze ist dieses Gestirn beinahe der Venus gleich. Ebenso wie diese ist auch die Erde . bald Morgen, bald Abendstern. Wenn sie ihre größte Entfernung von der Sonne erreicht hat, bleibt sie einen Augenblick lang unbeweglich am Himmel stehen, be ginnt dann ihren Lauf wieder in entge gengesetzter Richtung,. nähert sich der -Sonne und geht in westlicher Richtung um eben so viel darüber hinaus, wie in östlicher. Ihre Scheibe erscheint uns bald vollständig, hell, bald nur theilweise erleuchtet, bald gänzlich verfinstert. Man muß die Erde nach den allge meinen Proportionen unseres Systems als derSonne sehr nahe betrachten, denn sie ist nur - um das - Hundertsache des Durchmeffers derselben von ihr entfernt. Diese Nähe ist der Grund, weshalb sie ihren Umlauf um die Sonne im Ver hältniß zu unserem geliebten Planeten so rasch vollendet, theils weil ihre Bahn eine geringere Ausdehnung hat, als die unsere, theils weil sie sich in derselben mit größerer Schnelligkeit bewegt. Ihre Jahre sind noch nicht . einmal so lang, als die Hälfte eines unserer Saturn Monate und man zählt auf der Erde beinahe ein Jahrhundert, während wir erst drei Jchre zurückgelegt haben.Wenn aber das Jahr auf der. Erde so kurz ist, so sind dagegen die Tage dort zwei und einhalb Mal länger als bei uns, so daß. ganz verschieden von unserem Jahre, welches mehr als vierundzwanzigtausend Tage zählt, das Erdjahr deren Nur un? gefahr drcihundcrtsunfundsechzig ein schließt. Dieselbe Zahl von Tagen, die bei uns nur den sechsten Theil des Mo nats bildet, macht daher sür die Bewoh ner der Erde die ganze Summe eines Jahres auZ. Es scheint, als ob dieRatur sich darin gefallen hätte, alle Verhältnisse dieses Gestirns nach einem ungemein winzigen Maßstabe zu regeln. Es ist so klein, daß es kaum verdient,mit den großenPlaneten in eine und dieselbe Klasse gezählt zu werden. SeinUmfana beträgt nur den tausendsten Theil des unsern, der wieder um nur den tausendsten Theil des Um fangs der Sonne ausmacht. Es ist mit der Gestalt der Erde, wie mit der der meisten Planeten man geht auf den Ursprung des Gestirns selbst zurück, wenn man auf die Umstän de zurückgeht, aus welchen diese Gestalt hat entstehen können. Man kann sie als ein geometrisches Symbol betrachten, aus welchem man mit genügendem An scheine vonGewißheit schließen kann, daß die Planetenmasse weiter nichts ist, als das Ergebniß der Verdichtung eines früheren Chaos von Weltenstosf.' Um zu wissen, daß diese Verdichtung all mählig vor sich gegangen ist,' braucht man nicht einmal 'ist den Fuß anf die Erde zu setzen, um ihre Construktion in der Nähe zu studiren. Die Beobachtung der Bewegungen deSMondes zeigt schon, daß der KSrver des Gestirns aus con zentrischen Schichten besteht, deren Dich tigkeit von der Oberfläche an nach dem Mittelpunkte immer mehr zunimmt, sei es nun, daß diese Schichten von ver schiedenerBeschaffenheit sind oder daß die Vermehrung ihrer Dichtigkeit einfach die Wirkung des Druckes ist, den sie ausge halten haben. Wie dem aber auch sei, so scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, daß die Erde ursprünglich sich im flüssigem Zu stand besunden hat, wenigstens aus ihrer Oberfläche und bis zu einer . gewissen Tiese. Dies ist in Beziehung auf uns auch die Hauptsache, da, weil wir von ihrem Kerne nichts , wiffen können, die Geschichte ihrer Oberfläche die einzige ist, die wir mit einigen Strichen zu skizziren versuchen können. Diese Geschichte ist auch die interessanteste, den es ist nicht wahrscheinlich, - daß der Kern der Erde ein bewohnter Ort sei,' während eS im Gegentheil außerordentlich' Wahlschein lich ist, daß daS wirkliche Gestirn, das heißt der Wohnort der Wesen, deren Leben an die Erde gebunden ist, durch die durchsichtige Substanz gebildet wird, welche den festen Kern umgiebt.
Die ältesten Beobachtungen, über wel . che wir Nachricht besitzen, bezeugen, daß' in den ersten Zeiten die Erde nicht wie jetzt periodische Lichtveränderungen sehen ließ. Ihr Glanz war lebhafter, als er es später geworden ist. Ein durch den allgemeinen Brand der Oberfläche un terhaltener helleuchtender Tag herrschte hier fortwährend. Die- Atmssphäre selbst war blendend und 'ihre Feuer strahlten weit in den Raum , hinein. Seit diesen Zeiten sind große Verände rungen auf der Erde vorgegangen, da wir sehen, daß ihre ! feste Maffe sowohl als ihre Atmosphäre die leuchtenden Eigenschaften verloren haben, welche sie früher besaßen und daß :mit Ausnahme einiger seltenen Funken, die 'sich dann und wann noch bemerklich machen, das Gestirn sich überall, wo die Sonne nicht hintrifft, in Nacht - verliert. Es scheint sonach keinem Zweifel unterworfen zu sein, daß das Feuer der Erde erloschen und ihre Masse erkaltet und dunkel ge worden ist, so daß sie dasselbe Schicksal gehabt zn haben scheint, wieviele andere Gestirne, von welchen unsere astronomi scheu Annalen eine ähnlicheVeränderung berichten. Auf der Oberfläche der Erde herrscht ein unaushörlicher Kampf zwischen zwei Prinzipien, dem festen und dem flüsiigen. Beide machen sich gegenseitig die Herr schaft streitig, das flüssige im Namen der Sonnenwärme, der hauptsächlichen Ur sache seiner Bewegung und deren Macht es durch seine Thätigkeit repräsentirt; das seste im Namen der Planetenwärme, welche es ebenfalls repräsentirt, weil es ihm seine Form verdankt. Die Ersah rung aber, welche uns zeigt, wie dieKon tinente dem Meere von Zeit zu Zeit im mer mehr wieder abgewinnen, als dieses ihnen genommen hat, und ihre Siee in einer Reihenfolge entwickeln, worin die Geschichte der nacheinander pattgehabten Niederlagen deö Flüssigen sichtbar ge schrieben steht, zeigt uns dadurch auch, wie groß das Wirkungsvermögen der Erde ist. Es fragt sich nun, ob dieses Wirkungsvermögen, welches bis jetzt so siegreich gewesen, auch ebenso dauernd ist, als das der Sonne. Nimmt es nicht vielleicht nach einem raschern Gesetze wie der ab? wird es nicht vielleicht eine Zeit geben, wo die Sonnenwärme die Ober Hand gewinnt und genug Kraft behält, um das ganze Meer in flüssigem Zustande zu erhalten, so daß die Kontinente immer mehr an Umfang verlieren, bis sie endlich ganz von der Flüsiigkeit über schwemmt werden? Und wenn die Sonne selbst erkaltete, wird es dann nicht eine audere Zeit geben, wo, nachdem der allgemeine Ocean sestgeworden, die Erde ihr vollkommenes Gleichgewicht erhält und alle Geschöpfe dem Tode und der Vernichtung anheimfallen? Dies sind die in die Augen fallendsten Wirkungen, welche für die Erde aus den drei großen Viränderungsprinzipienher vorgehen, - welchen diese Erde unterwor fen Ist die Schwerkraft der Planeten wärme und der Sonnenwärme. Dabei aber sind diese drei Veränderungsprinzipien fest mit einander verbunden und es besteht zwischen ihren Wirkungen kleine absolute Trennung. Das Erkalten der Masse und folglich ihre Form und ihre oberflächliche Cirkulation steht in Verbin dung mit der Entfernung von der Son ne, während andererseits die Cirkula tion, die in gewiffen Beziehungen zur Form fleht, wiederum diese in einer ge wissen Abhängigkeit erhält. , Dabei aber ist dennoch klar, daß die Erde in den Er
scheinungen, welche ihren Grund in dem Gesetz derSchwerkrast haben, gleichzeitig aktiv und passiv, in den aus dem Prin zip der eigenen Wärme hervorgehende Erscheinungen aktiv und in den aus der Sonnenwärme sich ergebenden bloß Pas siv ist. Die auf jedes dieser drei Prin zipien sich beziehenden Phänomene, von welchen mehrere vielleicht sogar be deutende uns vielleicht wegen der Unvollkommenheit unserer Sinne entgehen, bilden daher ohne Zweifel die ganze astronomische Geschichte des Himmelskörpers, aus welchen wir jetzt unsere Blicke hcsten. Sehr gern möchten wir nun. noch et was über die Wesen hinzufügen, welche ihr Schicksal in jene Welt führt und dort der Herrschaft der Umstände und Veränderungen unterwirst, welche wir in Vorstehendem kurz nach einander be rührt haden. Wären wir mit einem schärseren Gesichtssinne ausgestattet, so wäre es uns vielleicht möglich, diese We sen deutlich vahrzuuehmen und aus diese Weise aus unseren astronomischen Beo bachtungen die interessantesten Themata über die Personen zu schöpfen; leider aber müffen wir uns in dieser Beziehung nur auf die Conjekturen beschränken, die wir auf . den physischen Zustand ihres Planeten gründen. . Die erste, die sich uns ausdrängt, ist, daß, da die Erde, , wenigstens auf ihrer Oberfläche, nicht in physische,, einander vollständig fremde Regionen abgetheilt ist, in welchen daS Leben wesentlich ver schiedenen Bedingungen unterworsen wäre, alle sich hier, vorfindenden leben digen Körper selbst indem Meere, wel ches eigentlich nur eine seuchte Art At mosphäre ist, durch allgemein ähnliche Gesetze mit einander verbunden sein müssen, denn sie sind, durchgängig nur der Ausdruck der verschiedenen Entwicke lungsstusen.in ihrer verschiedenen An Passung an alle Gattungen des irdischen Seins von einheitlichem Typus, welcher der physischen Einheit der Welt entspricht, der er angehört. Aber von welcher Art ist die eigentliche Natur der Bewohner dieses Planeten? Hat die Reihe der organischen Entwicke Iungen hier einen Punkt erreicht, der hoch genug ist, um den intelligenten und ver vollkommnungssähigen Geschöpfen ' zu gestatten, festen Fuß zu fassen? Oder enthält sie bis jetzt nur die Keime zu sol chen Wesen? Die Erde scheint schon seit so vielen ihrer Jahrhunderte zu einem Wohnplatze tauglich zu sein, daß man vielleicht annehmen kann, es lebe dort ein Geschlecht, welches nicht mehr aus der untersten Stuse der Entwickelung steht. Aber in welchen Verhältnissen des Doseins befindet sich diesesGeschlecht? Wo le'it es ? Schwimmt es von seiner specifischen Leichtigkeit getragen unter den Wolken ? Bewegt es sich frei in den Tiefen des flüssigen Raumes ? Oder wandert es im Gegentheil durch feine Cl 4yvA X1ZTll.L a..(Vu (.0HQ:iÄi.aH9 UjlUtlC-ÜClUJiilJl, UU UCil CilllUlUU(U7
Oder ist es, sei es nun durch seine natürliche Beschaffenheit oder durch eine Erfindung seines Scharssinnes, in ' den Stand gesetzt, alle diese Räume nachBe lieben zn bewohnen? Von welcher Art ist endlich sein Zusammenleben? Besteht eö nur aus einander gleichen Geschöpfen oder aus einer Zusammensetzung solcher, die sich durch ihre Organisation, durch ihre Einsicht und durch den Adel ihres Charakters zugleich oder bloß durch das eine oder andere dieser Dinge von ein ander unterscheiden ? Gewisse Veränderungen, die sich seit mehreren Jahrhunderten auf der Oberfläche der Erde wahrnehmen lassen und die weder durch physische Erscheinungen noch durch die des Instinkts er klärlich scheinen, verrathen das Dasein eines Geschlechts, welches mit hinreichenden Fähigkeiten begabt ist, um sich Ver Hältnisse zu denken, die seinem Wohlbefinden mehr zusagen, als die natürlichen, und um diese Verhältnisse auch zu verwirklichen. Da diese Bevölkerung im Verhältniß zu dem Alter des Planeten noch ganz neu ist, so ist es nicht wahrscheinlich, daß sie schon zu ihrer Reife gelangt sei. Sie hat sich nur allmählich vervielfältigt und verbreitet. Vom Süden der großen nördlichen Erhöhung hat sie sich über den mittleren Theil dieser Region verbreitet und hier die größten und verän derlichsten Niederlassungen gegründet, die man bis jetzt auf der Erde gesehen. Lange Zeit hindurch hatten sich diese be merkbarstenSpuren aus diesen beschränk ten Umkreis concentrirt, bis man plötz lich ähnliche Spuren auf Erhöhungen der zweiten Hälste wahrnahm, wo sie sich bis dahin kaum hatten vermuthen lassen, und deshalb ist zu glauben, daß die Be völkerung, indem' sie sich fortwährend vermehrt, nach und nach die ganze Oberfläche dieses Gestirns bedecken wird. , Sonach befindet sich ein vervollkommn nungZsähiges Geschlecht schon jetzt im Besitz dieses Wohnortes und bildet eine Gesellschaft, welche, nach verschiedenen Einzelheiten zu schließen, ' in einem noch nicht weit vorgeschrittenen Zustande von Harmonie lebt. Indessen da es noch so neu ist, denn es ist, seitdem es zum Vor schein gekommen, noch lange nicht die Hälste einer jener obengedachten Perioden von 25,000 Jahren abgelaufen, so darf man sich nicht wundern, wenn die Gruppen sich noch nicht nach einem endgültigen Plane neben einander geordnet haben. Uebrigens wissen wir auch nicht, mit welchen physischenSchwierigkeiten, abgesehen von den moralischen, diese Be wohner zu kämpfen haben. Wir können uns davon nicht einmal annäherungsweise einen Begriff machen, denn diese Schwierigkeiten hängen nicht von der astronomischen Organisation des Plane ten, sondern von der Beziehung ab, welche zwischen dieser Organisation und derjenigen der Einwohner besteht, vor Allem aber von , der Herrschaft, welche die Intelligenz dieser ihnen über die Na tur giebt. Diese verschiedenen Erhöhungen, welche uns so nahe an einander zu liegen scheinen, wie die Theile einer und derselben Stadt, sind vielleicht sür jene Wesen nicht bloß ungeheuer groß, sondern auch ungeheuer weit von einander entfernt, in welcher Beziehung dann ganz andere Verhältnisse eintreten wer den, sobald die Bewohner Mittel finden, sich leichter und schneller von einem Orte zum anderen zu bewegen. . Ebenso ist es mit allen anderen Zu ständen. welche wir hier flüchtig unter
sucht haben. Nur durch das Studium der auf diesem Planeten einander solgenden Generationen könnte man die praktische Beschaffenheit dieser Zustände ermitteln und erfahren, ob die Bevölke rung der Erde auf einer höheren oder tieferen Stufe steht als wir Saturnbe wohner. Wahrscheinlich ist das Letztere der Fall. , Hunger und Liebe. Novkllktte vonMaurus Jokai. Meine Gnädige ! Sie weisen seit zwei Jahren mein getreues Herz zurück; ich kann diese Qual nicht länger ertra gen. Sie lachen mich aus, und ich leide. Ich habe mir sest vorgenommen, dieser ein Ende zu machen undSie noch einmal, und zum letzten Mal, zu erweichen zu su chen. Sie wissen, wie sehr ich Sie liebe!" Ich weiß es nicht, ich habe es schon vergessen." Obgleich ich es jeden Tag wiederhole. Sie haben vor sich weinen sehen !. .Auch wüthen ! Der heruntergebrochene Henkel einer Porzellanvase giebt Zeugniß davon." Und wie viele habe ich seitdem schon gekaust V Jedoch ich habe dieselben nie angenommen!" 'Weil Sie mich quälen wollten. Aber damit ist eö zu Ende. Ich bin hieher gekommen, um vor Ihren Augen zu perben, wenn Sie mich nicht erhören." Wie ost haben Sie das schon gesagt; wenn Sie es nur endlich einmal thun möchten." Bitte darüber nicht zu lachen. ES ist nicht so, wie Sie es denken. Freilich, wenn ich eine Pistole gegen meineStirne erheben würde, so würden Sie bis zu dem Momente lachen, in welchem ich meinen Schädel zerschmettere; was würde mir aber dann Ihre Theilnahme und Ihr Bedauern nützen. Hierfür danke ich, so war es denn doch nicht gemeint. Ich werde eines langsamen Todes vor Ihren Augen sterben, in Ihrem Zimmer will ich des Hungertodes sterben, damit Sie die freudige Genugthuung haben, vonStunde zuStunde zu sehen, wie ihr getreuester Anbeter geendet." Damit setzte sich der verliebte Selbst mordkandidat auf ein Sopha und schwur hoch und heilig, von diesem Augenblick keinen Bissen Nahrung zu sich zu nehmen und auch aus diesemZimmer sich nicht zu entfernen. Klarissa, die reizende Wittwe, lachte herzlich über diesen bizarren EinsaU und ließ lachend ihren Anbeter in dem Zimmer zurück, indem sie wohl wußte, daß er, sobald die Zeit des Abendbrodes kommen würde, seinenPlotz schon verlassen werde. Sie selbst machte eine Promenade und kehrte spät des Abends zurück. Die Kammerzofe meldete, daß dertzerr sich noch immer hier befinde. . .
Klarissa gerieth jetzt in Zorn und trat zu dem Herrn. Aber, mein Herr, sind Sie toll ge worden ? Wollen Sie hier schlafen ?" Hier will ich sterben, wie ich schon gesagt habe!" Gut, dann s;:he ich vom Hause weg!" DaS thut mir leid, aber ich bleibe dennoch hier." Klarissa wollte nicht grob werden und ging deshalb lieber zu einer Freundin übernachten, indem sie ihren verstockten Anbeter in ihrer Wohnung zurückließ. Am nächsten Morgen kamsie nach Hause und hoffte, daß der schlechieScherz bereits sein Ende gefunden habe.- Doch der Selbstmörder saß noch immer aus demselben Fleck. Mein Hur, daS ist eineUnverschämt heit! Sie drängen mich aus meiner ei genen Wohnung heraus, vernichten mei nen Ruf und machen mich ganz nervös. EntfernenSie sich, bevor ich wirklich böse werde." Ich habe schon gesagt, daß ich hier sterben will." , Zum Kukuk auch, aber nicht bei mir. Wenn Sie durchaus sterben wollen, dort ist die Donau, nur verlassen Sie mich !" Nein, ich will hier sterben." Hier ist ein Federmesser, schneidcnSie sich den Hals durch, wennSie schon ster den wollen, nur machen Sie es rasch !",
Nein! Ich will den Hungertod erlei den." Klarissa lief wüthend us ihrem Zim mer und schloß die Thüre ab. DerHun ger, dachte sie, wird ihn schon durch das Fenster ins Freie treiben. Bis zum nächsten Morgen kümmerte sie sich nicht weiter um ihn. Doch gegen Mittag wurde sie unruhig. Für einen Scherz ging die Sache doch zu weit. Sie suchte ihn auf und fand ihn erschöpft auf seinen Sessel gelehnt. Schon seit zwei Tagen hatte er nichts gegessen. Unser Herrgott segne Sie, lieber Freund, was treiben Sie sür entsetzliche Geschichten. MachenSie schon derSache ein Ende!" - Meine Dame, ich habe Ihnen bereits gesagt, was ich thun will," und damit schloß er 'ermattet dieAugen. Klarissa wußte nicht, was sie thun sollte. , Wie vermochte sie diesen entsetz lichen ' Entschluß zu verhindern? ' Am dritten Tag stieg ihre' Unruhe auf daS höchste und sie brachte selbst eine Schale Suppe dem ungebetenen Gast. Hier, Lieber Freund, eine Schale Suppe, bitte, genießenSie davon. Hm! Suppe?" sprach er .geringschätzend. Brauche ich eineSuppe? Sterben will ich !" .Und inWirklichkeit, er konntesich schon kaum rühren,' seine Augen waren einge fallen, sein Gesicht blaß. ,' ' Der vierte Tag brach an, und der Selbstmörder beharrte noch immer bei seinem Entschluß. Eine eigenthümliche Kriegführung, wo der angreifende Theil hungert, damit er die Festungswache zum Kapituliren zwinge. Klarissa war der Verzweiflung nahe. Der Selbstmörder athmete schon kaum. Was sollte sie mit ihm beginnen? Wenn er hier, in ihrerWohnung sterben würde? Welch entsetzlichen Scandal würde dies verursachen! Ein Mann mordet sich vor ihren Augen durch den langsamen Tod des Verhungerns ! Wie kann dies ihr Gewissen ertragen ? Wie kann ne den Gedanken ertragen, einen Menschen vier Tage sterben zu sehen und ihm keine Hilfe zu reichen ? Aber sie würde ihm ja gern die besten Speisen vorsetzen, wenn er nur nicht Alles zurückwiese ! Ein seelenstarker, seltener, Charakter muß er sein, wenn er aus verzweifelter Liebe einen solchen heroischen Entschluß ausführen will ! Er liefert den Beweis der größten Leidenfchaft ! Schließlich ist man gezwungen, emen solchen Menschen zu achten, und nicht zu gestatten, daß er den Selbstmord ausführe. Diese Gedanken peinigten die arme Klarissa so lange, bis auch sie einenEnt schlußsaßte. Sie suchte den Halbtodten aus und sprach : Nun, lieber Freund, ich bringe Ihnen noch einmal Suppe, öffnen Sie den Mund, damit ich Ihnen dieselbe langsam einflöße!" Der unglückliche Anbete? schien nicht mehr sprechen zu können und nickte blos mit dem Kopfe, daß er nichts mehr be dürfe. Aber me!n Gott! Nehmen Sie doch Vernunft an, ich will nicht, daßSie ster ben!" Der Selbstmörder zuckte die Achsel, als ob' er andeuten wollte, daß er seine Meinung schon längst geäußert. habe. Klarissa setzte sich neben ihn aus das Sopha und faßte seine Hand. Bitte, seien Sie gescheut und hören Sie ein vernünftiges Wort." Der Angesprochene verzog seine blas sen Lippen zu einem schmerzlichen Lä cheln. Mein Gott, ja doch, ich liebe Sie ja, und " Damit beugte sich Klarissa über ihn, und, um seine Lippen zum Oeffnen. zu bringen horribile dictu küßte sie dieselben. Und derSelbflmordkandidat nahm sei ne letzten Kräfte zusammen und küßte die Besiegte, dann aber beeilte er sich, die Suppe auszuessen. Nach einer Woche wurde er hergestellt, und drei Wochen später wurde die Hoch zeit gefeiert. Klarissa ward es nie leid, daß sie sich besiegen ließ, nur kam ihr manchmal der Gedanle, ob ihr Gatte nicht simulirt und im Ein.ierständniß mit der Zofe gehandelt habe, was jener na türlich hoch und theuer verneinte. Der abgeschreckte Patient. Ein Gutsherr mochte seinen Spazier ritt und begegnete dabei einem alten Förster, der in die Stadt fuhr. Auf des Erstern Frage, wohin er fahre? sagte Letzterer : Ich fahre in die Stadt, den Arzt zu besragen,da mir sehr schlecht ist." Heimkehrend traf der Gutsherr wieder den Förster, der ebenfalls aus der Stadt heimkam,und fragte ihn nach dem Ausspruche des Arztes. O," war die Antwort, ich begegnete ihm schon unter dem Stadtthore, der sieht aber noch schlechter aus, als ich, darum fragte ich ihn gar nicht, sondern kehrte so wieder heim!"
Besiegter Amor.
Amor stritten sich unt Bachus, Wer die besten Waffen hätte; Amor lobte seiner Pfeile Spitz und Schneid' und Glanz und Glätte. Und, eh' BachuS sich'S versehen. Saß ihm das Geschoß im Herzen, Schus dem jugendlichen Gotte Viele Pein und große m Schmerzen. Doch, als sie darauf selbande? Bei dem Wein der Lust gepflezen, Hat er sich den Stahl des Amor Lächelnd aus der Brust gezogen. Amor aber trank, und tiefer Schaut er in den Krug und tiefer. Und gebeugt auf feinen Bogen Und auf feinen Köcher schlief er. Endlich siel er gar zu Boden, Und in seinem Leide staken Weh', o Weh'-die süarsen Pfeile Mit den bösen Wiederhat:. . . ; . ' - ' . . ..... Merl' dir's, kleiner Herzensräuber, Immer nur gewohnt V- sie' .:: In dem Kampfe mit dem Bachu , o 9 Muß selbst Amor unterliegen. Schuleonferenz. Der Professoren feierliche Schaaren Sind heut versammelt zu gar ernsten: Treiben; Schon wischt Herr Wild, das Zrotocoll zu schreiben. Die Feder aus an seinen langen Haa ren. Nun wünschen wir von Ihnen zu er fahren," Rust Rcctor Klein, was die Primaner treiben ! Ich bitte, ganz genau uns zu beschrei ben, Herr Mathematilus, ihr schlimm Ge bahren!" Herr Mayvald sprach: Um zwölf Uhr gestern Äbcnd, Als noch 'nen Gang ich durch dieStraße machte. Hört' ich, wie Scholz in einer Kneipe lachte; Trat ein und fand ihn, sich an Bier er labend." Da stand der Rector auf, um cZnzuspre chen : So spät, College, geben Sie noch zechen V Au? Pompeji wird über eine Entdeckung berichtet, die nicht verfehlen kann, unsere Theilnahme und un ser Mitgefühl in hohem Grade wachzu rufen. Beim Ausgraben einer Straße stieß man auf den Leichnam eines Kin des, von dem man in der öfter schon ge schilderten Weise (durch Eingießcn von Gyps in die aufgefundene Ocffnung) einen Abguß zu machen versuchte. Wenn es auch icht ganz, gelang (das eine Bein und ein heil der rechten Hand sind ausgebliebe.i), so genügt das Er haltene doch um zu erkennen, daß das Kind, welches den linken Armin eine Toga gewickelt zeigt, mit der rechten Hand den Mund bedeckte, um sich gegen das Einathmen der bösen Dünste zu schützen. Der Leichnam wurde dicht bei einerFensterössnung gefunden, innerhalb deren man auf das Gerippe einer Frau stieß, die nach den bei ihr gefundenen Schmucksachen einer vornehmen Familie angehört; sie hatte die Armenach dem Kinde hin ausgestreckt. Man nimmt wohl mit Recht an, daß dc? Kind das ihrige war, und daß sie es entweder in der leßten Agonie fallen . ließ, oder daß sie es auf die Straße setzte, um wenig stens dem Kinde noch die Rettung zu ermöglichen. Sie trug an jedem Arm ein Armband aus massivem Golde und an den Fingern zwei goldene Ringe mit kostbaren geschnittenen Steinen ; auf dem einen Stein ist Merkur dargestellt auf dem Felsen sitzend, mit Beutel und Heroldsstab in den Handen, auf dem andern ist ein Füllhorn eingeschnitten. Eine neue Geschichte von Wünschen. AuS dem Elsak wird folgende Geschichte berichtet: Kürzlich trug sich zwischen zwei von einer Kirch weihe heimkehrenden Bauern ein ergötz licher Vorfall zu. Beide traten etll,as angeheitert und ziemlich fpät auf qemein schaftlichem Wagen die Heimreise an; der Himmel war sternhell, und stumm saßen beide nebeneinander, in die Schön heit der Natur versunken. Plöich hub der eine an und sagte: Dü, Sepp, i wott mer nix winsche, als e Matt (Wiese) so groß wie's Firmament do owe." Un ich," sagte der andere, ich wott, i hätt' so viel Küh und Schoof als Starne do owe blinzle." Geh, dummer Dei sel, was wottscht dann mit so viel Vieh mache? Du hättscht jo mt Fuetcr genü." Ei", erwiderte der ondere und lächelte verschmitzt dabei, ich daht se uff dinni Matt sihre." Ja nadirli, i glaub Dü meinsch, i daht der au lihde, däumer Simbel" :c.; ein Wort gab das andere, und die beiden, sonst die besten Freunde, prügelten sich gegenseitig weidlich durch. Die Sache wäre nicht ruchbar geworden. hätte Nicht der eine klagend vorgehen wollen, bei welcher Gelegenheit diesache an den Tag kam. Obwohl beide außer zerschlagenen Köpfen weiter keinen Scha den davontrugen, brauchen sie doch für Spott nicht zu sorgen. Ein Herr Müller in Eott bus bat eine neue Erfindung auf dem Gebiete der Theatersicherheit gemacht. Er construirt die Wände der Th:ater corridore aus Papier mach und schreibt mit selbstleuchtender Schrift darauf: diese Wand ist bei Feuersgefahr zu durchbrechen." Vielleicht läßt sich derselbe Effect auch bei den alten gemauer ten Wänden erzielen. Es müßte nur dafür gesorgt werden, daß sich unter den Zuschauern stets einige Spiritisten oder ähnliche Individuen befinden, mit denen man Wände einrennen kann. In Paris ist neuerdings eine Klavier virtuosin ausgetreten, welche mit den Füßen spielt. Ihre LieblingLstück: dürsten wohl Composition?n in Z e h Dur sein.
1 ff o F."
i
'
