Indiana Tribüne, Volume 4, Number 456, Indianapolis, Marion County, 17 September 1882 — Page 4
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Som Bodensee zum Comersee.
Seitdem die Locomotive durch den Gotthard pfeift, kann der nordische Fremdling an Einem Tag vom schsu menden Rheinfall in die lachenden Ge filde Italien? kommen. Vielleicht sah er den Mond in der Dämmerung im Vierwaldstätter See sich spiegeln, und wenn der Morgen graut, grüßt ihn schon der Marmorbau des Mailänder Doms und schaut denFremden an, er weiß nicht wie. Da wird dann wohl eine Alpen straße um die andere vereinsamt; nur selten wird ein deutscher Wanderer, ein jugendsrischer Musensohn auf der Rö mersahrt mit Wanderstab und leichtem Ränzlein die kühnen Höhen erklimmen, um erst die Schrecken der Alpenwelt zu schauen, ehe der milde, warme Himmel und die bunte Farbenpracht des Südens seine Blicke und Gedanken fesseln. Dann wird außer dem einheimischen Bewohner der Berge nur hie und da ein Fremder jene Straßen vilgern, etwa ein armes, heimathloses Kind der oberital. Ebene, das mit seiner geringen Habe auszieht, um fein Glück zu suchen im fernen, kalten Land. Auch die vornehmen Karossen und gefüllten Postkutschen werden seltener werden, an der Via mala oder an der Teuselöbrücke lenkt der Wagen um; es gehen ja andere, kürzere . Wege in'S schöne Land des Südens. Diese Ver änderung der Art zu reisen thut sicherlich Jedermann leid, welcher selbst schon ein sam oder in froher Gesellschaft mit leich tem Muth und steigender Lust die liebli chen Thäler der Schweiz durchwandert hat und dann auf einer der großartigen Völkerstraßen in die herrliche Gebirgsvelt eingedrungen ist. Denn wennauch, wag hinter den Bergen liegt, das Ziel der Reise, Italien mit seiner zauberhaften Natur und den göttlichen Schätzen seiner Kunst, zuerst die wilden Felsthä ler und schäumenden Bäche der Alpen aus dem Sinn verdrängt, zu Hause, wenn man die wechselvollen Genüsse der Reist an sich vorüberziehen läßt, tauchen doch neben derberückendenPracht desSü denS auch die zum Himmel ausstrebenden Schneeriesen mit ihren Häuptern in kla rer, srischerLust, neben den lebhaften,aus regenden Südländer auch die freundlichen Bewohner der Berge ins Gedächtniß wie der auf. Ja, dann preist gewiß Jeder eben dies als die letzte Erinnerung, daß die man nigfaltigen Reize der Natur nach .und nach, jeden Tag wieder nu, an Herz und Auge vorübergezogen sind, daß die Gestalten und Sitten der Leute in aller Muße aufgefaßt, das Volk selbst in sei nen Gesprächen belauscht werden konnte. Eine Fußreise über die Alpen nach Jta lien ist ein Genuß, von dem derjenige keine Ahnung hat, welcher, rm eilenden Wagen eingeschlossen, das Schöne über all nur halb, das Schönste gar nicht sieht, in endloser Besorgniß ist, daß er die Zeit nirgends verfehle und zuletzt nicht weiß, was ihm widerfahren ist, wenn er vielleicht plötzlich im fremden Lande erwacht. Für eine Fußreise über die Alpen in die oberital. Ebene möcht ,i die folgenden Zeilen Nachahmer ausru fen. Der kürzeste Weg ist durchS Rhein thal über den Splügen an den Comer fee. Allmählig naht man sich vom Bo denfee aus den schneebedeckten Bergen der Alpen; zuerst verschwindet die kühne Form des Säntis wieder, welche man vom Spiegel des Bodensees uS erblickt, aber nach kurzer Wanderung rheinauf wärts durch die liebliche Gegend von Rheineck und Altstetten erblickt man ihn wieder, neben den andern Fürsten des Appeyzeller Landes, Altmann, Kamor, mit ihren blmkenden Hörnern. Drüben aber aus dem rechten User des Rheins erheben sich die rauhen Felsen des Vor arlberger Geblrgslandes, welche nur einmal aus dieser Seite durchbrochen sind, bei Feldkirch, wo die Jll durch ihr schwarzes Thor aus den Bergen hervor stürzt. Gehen wir weiter aus der öfter reich. Seite durchs Landchen Liechten stein mit der hübschen Residenz Vaduz, welches alle Jahrhundert .viermal seinen Herrscher sieht, so kommen wir zu einer überaus lieblichen Stelle an der Krüm mung des Thals, nach Balzers, wir ver lassen die breite Thalsohke und kommen durch ein frisch grünes Seitenthälchen auf den Sattel, welcher die Felswände der Tiroler Alpen mit dem Bergvor sprung gegen den Rhein hin verbindet. ' Auf der Jochböhe liegt Luziensteig, eine alte Beste, von der aus ein prächti ger Blick aus die rebengeschmückten Hö hen des oberen Rheinthals bei Mayen feld, Jenins u. s. w., besonders aber auf das stattliche Ragatz vor der wilden Ta minafchlucht sich darbietet. Die Wan derung im Thal selbst bis nach Chur ist etwas einförmig, , in Chur aber werden wir durch die von allen Seiten sich her andrängenden finsteren Berge auf die Schauer vorbereitet, die sich noch vorder Höhe des Splügenpasses unö offenbaren sollen. Zunächst allerdings kommt erst ein lieblicher Eingang, daS Domleschger Thal, welches zwei Stunden oberhalb deZ Vororts von Graubünden sich öffnet. Die stosze Festung Rhäzüns, e.Mens Zollern'sches Eigenthum, ist der Schlus sel zu dem drei Stunden langen anmu thigen Thälchen, welches man das Ge aenstück zu der Strecke Main-Koblen nennen könnte: aus ieroen Selten ist der iunge Nhem von belebten Bergzugen begleitet, aus dem frischen Grün, das die Höhen ziert, schauen zahlreiche Rui nen, liebliche Dörfer lagern sich an den sanften Abhängen. In Thusis endet dieses fröhliche Blld, es beginnt das Fel senthal der Via mala. Der Eindruck, welchen dieser rasche Wechsel hervor bringt, mußte etwa entstehen, wenn man sich aus einem glücklichen Frühlingstag mit ememmal in einen kalten, unsreund lichen Novembermorgen versetzen könnte. Jetzt ist nirgends mehr der liebliche, le dendige Teppich der grünen Wälder und Matten, steile Felsen steigen himmelhoch an und lassen nur oben eine schmale Spalte, durch welche das Licht herein fällt, um die düsteren Felswände zu er hellen. Vergeblich sucht das Auge eine Milderung der unheimlichen Szene, die venigen Fichten, welche aus'den Ritzen oer eljen hervorragen, fristen em kum merliches Leben. Den schweren Eindruck erhöht das oumpte Tojen des Nhems, der weit unten dahinbraust über wild umherlie gendes Gestein; das Rauschen der (3?
wässer, doppelt stark zwischen den hohenFelswänden, übertönt das Geräusch des Steins, welcher in die schwindelnde Tiefe geworfen wird. Nur einmal un terbrechen heitere Töne das schauervolle Bild, etwa in der Mitte der Schlucht öffnet sich ein lieblicher Thalkessel mit grünen Matten, die sich an den Abhän gen und auf den Bergterrassen ausbrei ten, am Wege stehen freundliche Hauser, es ist die Poststation Rongrllen. Hier mag der Wanderer die biederen Bewoh ner Graubündens kennen lernen; sie sind nicht so zutraulich und offen gegen Jedermann, wie die Landleute des Rheinthals zwischen Chur und dem Bo densee, ein rauher Gesichtszug will so gar abstoßend wirken, aber wackere Leute sind es doch, ehrliche Schweizer. Be sonders gilt dies von den Bewohnern des kleinen Schamser Thals, welches uns nach etwa zweistündiger Wanderung durch die Via mala aufnimmt und mit seinem schmucken Dörfchen fast denselben Gegensatz zu der wilden Felsenscene bil det wie das Domleschger Thal. Beim Austritt aus der Via mala winkt das entzückende Oertchen Zillis mit seinem uralten Kirchthurm, darüber droht eine Ruine, Fardün, welche von den muthi gen Thalbewohnern gebrochen wurde; bekannt ist, wie dem tyrannischenGrasen von einem Bauer vergolten wurde : der Graf war in eine Bauernstube getreteu und spie in den Brei, welcher eben auf dem Tische stand, der entschlossene Land mann aber drückte dem anmaßenden Zwingherrn den Kopf in das dampfende Muß und erstickte ihn. Wir nähern uns der Höhe, schon beginnen die kühnen Wendungen der Straße, die Lust wird reiner, frischer, die Gegend wilder. Noch einmal kommt ein wildes Felöthal, die Rofflaschlucht, über ihr .ragen bereits die Spitzen der Berge, welche die Kamm Höhe bilden. Am Weg steht man zer trümmerte Steinhäuser, welche einst der Raub der Lawinen geworden sind. Die Vegetation wird spärlicher, von Feldbau sieht man nichts mehr, ausge nommen hart vor Splügen, dem höch sten Ort unserer Straße ; hier gedeiht noch ein wenig Gerste. Die Bewohner, welche wir zu Gesicht bekommen, beson derö die Männer, haben ein unsreundli cheres Aussehen als die Leute von Thu sis und Zillis, ihrer Sprache nach, wel. che schon ganz welsch klingt, scheinen sie bereits italienisch, aber in Beziehung auf Naturell und Sitten sind sie noch ganz deutsch. Nord nnd Süd reichen sich hier die Hand, gehen aber nicht in einander über. Noch ist durch den wach' senden Verkehr mit Italien nicht herbei geführt, vor was eine Inschrift an der Straße oberhalb Zillis warnt: Nun
steht der Weg offen für Freund und Feind: Seid auf der Hut, Rhätier! Einfache Sitte und treues Zusammen halten wird das Land der Väter erhal ten. Von Splügen ist die Paßhöhe in 2 kleinen Stunden zu erreichen. Das Thal, durch welches die Straße sich zieht. ist öde, von unfreundlichen, kahlen Ber gen eingeschlossen. Droben auf. dem schmalen Joch zwischen den zackigen Hö hen steht der Grenzstein: SvizzeniItalia. Lange verweilt man hier nicht gerne, es weht ein scharser Wind, zu se hen ist nicht viel, Italien zu ein ödes Felsenthal, weiter unten schmutziggrüner Wiesengrund, es führt sich übel ein, das Land der Feigen und Citronen ! Aber die Leute ! Wer wird uns zuerst begeg nen? Da, 10 Minuten unterhalb steht schon em Haus, bald erscheinen mehr, eine steria auf dieser Höhe ! Wir ha ben leider nicht Zeit, die fremden Leute näher kennen zu lernen, und gehen wel ter, aber halt! deutscher Wanderer, hast du vergessen, daß du über die Völker grenze gegangen bist ? Da steht mit großen Lettern an einem Gebäude : Dogana, zu deutsch Zollhaus, ein Beamter in Uniform kommt herzu und hält eine Rede so schnell, daß man sie unmöglich verstehen kann, aber seine Geberden sind deutlich, er will wissen, ob du nichts im portirst ! Jetzt versteht man auch die Worte zucclien), tabacco, die ersten italienischen Worte ! Der ganze italienische Wortschatz ist vergessen, du stehst blöd vor dem lebhas ten Zollbeamten. Der liest dir freilich an den Augen ab, daß da kem aefahrlt ches Individuum über dieGrenze kommt. em Blick m oeme Seltentasche, aus der ein Stück rauhes Alpenbrod hervor schaut, flößt ihm gar Respekt ein und er laßt dich nach einer höflichen Verbeugung weiter gehen. Die Straße senkt sich rasch, in endlosen Windungen, zumThei! durch Galerien zieht sie sich an den stei len Abhängen der felsigen Berge hinab, rechts schäumt im tiefeingeschnittenen Thal das wilde Wasser, zu welchem die milchweißen Bäche von denyohen herab stürzen. Mit jeder Viertelstunde wird die Luft merklich müder, das finstere Ge wölk über den Spitzen der Berge folgt uns nicht, wir gehen unter dem klarsten Himmel. Schon kleiden sich die Berge mit dem hellen Grun der Kastarnenwäl der, welches zu dem saftigen Wiesen gründ im Thale einen so lieblichen Ge gensak bildet. An der Straße trifft man Arbeiter, meist unhelmllcheGesellen; bald komme.y wjr durch das erste. Dorf, welch' ärmliche Hütten oder besser Höh len ! Vor dem Dorfe begegnen wir ei nem Bauern mit seinem meirädriaen Karren, den em. Mautthier zieht, faul liegt der Beutzer droben, den Kops be quem auf den Arm gestützt, und schaut den Fremden verwundert an : .wie man um diese Zeit gehen mag V Wenn überhaupt etwas, so denkt dies auch der Nobile, der m eleganter Kutsche denBerg hinauffährt, eine echt südländische Ge stalt mit weinrothem Gesicht und der heitersten Miene von der Welt. Die schwarze Dame ihm gegenüber wirst ei nen forschenden Blick über den einsamen Wanderer. Also das sind die Züge der italienischen Frauen, blasseGenchtssarbe, seines Profil, dunkle Augen mit stechen dem Blick ! Die Sonne scheint wärmer. doch unangenehm wird sie noch nicht. wir freuen uns der hübschen Kastanien Wälder, welche die Dörflein umgeben. der zierlichen, fauberenKlrchen, der sröh lichen, halbnackten Kinder, die am Wege spielen. Jetzt taucht aus der Ferne ein mittel hoher Berg auf mit den herrlichsten Um rissen, in tiefes Blau getaucht, von Wäl dem und Reben bewachsen, zwischen welchen weiße Putte, wohl Villen oder
Winzerhäuschen, Herausblicken, der klare, milde Himmel darüber und unten das
anste Thal, wahrlich eine prächtige Landschaft ! In einer kleinen Stunde entfaltet sich das. Bild fchöner, wir sind in einem Thalkessel, den Nebenhügel rings umschließen, wir hören von den Bergen frohe Stimmen, auch Gesänge, man beginnt schon die Weinlese; welch' prächtige Früchte von den Geländen herabhängen ! Und jetzt wird das alte Stadtchen sichtbar, Chlavenna, das alte Cläven. Hier hat Barbarossa einst ge ebt, man sieht die Ruinen seinesSchlos es über den Häusern, dies also die er ten Spuren unserer Ahnen im fremden Lande. Aber das Interesse ist jetzt ganz aus das Leben m der Stadt gerichtet. Es ist Nachmittags gegen ö Uhr, die an genehmste Lust, prächtig beleuchtet die Sonne die ringsum liegenden Huael. In den Straßen ist ein Leben, vor den sreundlichen, bunt bemalten Häusern stehen allerwärts Gruppen m eifriaem Gespräch, vor dem offenen Eingang zu den Handwerköbuden und Kaufläden sitzt sast die 'ganze Familie; der Vater arbeitet unter der Thüre mit seinen Ge sellen, die Mutter, den Liebling auf dem Schooß, ist umgeben von Freundinnen aus der Nachbarschaft und scherzt mit ihnen. Noch lebhafter ist es auf dem Marktplatz, die feiernden Arbeiter stehen umher und plaudern mit einander oder sie sitzen bequem auf den Stufen des großen Brunnens in der Mitte des Platzes. Mit behendem Schritt kom men die Mägde mit ihren Eimern, von Weitem hört man ihre Holzschuhe auf dem Steinpflaster klappern. Lange sieht man dem bewegten Treiben zu, die Sonne geht unter, kaum merklich war er Uebergang von Tag und Nacht, die Gaslichter beleuchten dieselben Gestalten, nach Hause gehen die Leute ja erst, wenn es die Zeit ist zu schlasen. Der Fremde, müde vom Wandern, mag sich in dem Garten seines GasthosS an em lauschi geS Plätzchen setzen, um die Eindrücke des vielbewegten Tages an sich vorüber ziehen zu lassen. Morgen aber gehts weiter nach Süden, dem ComerSee zu uns da solls noch schöner werden. Aegypten. . (üS dem Kladderadatsch.) Die Augen der ganzen Welt sind au genblicklich auf Aegypten gerichtet, wo bedeutende Ereignisse im Begriff sind sich zu vollziehen. Dieser Zeitpunkt scheint uns angemessen, um für diejenigen un serer Leser, welche nicht ganz au lait sind über Lage, Natur, Bewohnerschaft und Geschichte dieses merkwürdigen Landes, aus den besten zuverlässigsten Quellen das Nothwendigste zum Ab druck zu bringen. Alter des ägyptischen Volks. Die Aegypter sind ohne Zweifel das älteste Volk der Erde, denn ihre Ge schichte beginnt bereits -758-A Jahre vor der Entlassung des Finanzministers Bitter und zieht, sich seitdem fast unun terbrochen durch die Jahrtausende hin. Man versuche nur einmal, sich so weit zurückzudenken, und man wird bei einer Zeit ankommen, in welcher Mecklenburg sich noch ohne Rothvein behelfen mußte und im ganzen übrigen Deutschland we gen Mangels aller Cultur der Cultur kämpf noch nicht erfunden war. Kurzgefaßte Geschichte -Aegyptens. Die Aegypter begannen, wie die mei sten Völker, ihre Geschichte . damit, daß sie sich beherrschen ließen, und zwar zu nächst von einheimischen Fürsten, welche den Titel Pharao" sührten. Durch ihre großartigen Bauten, in denen sie die Einkünste des Reiches verquackelten, und durch das, wie Manche behaupteten. nach ihnen benannte, immer noch beliebte Hazardspiel, ist ihr Gedächtniß bis aus unsere Zeit gekommen. Man theilt sie der Uebersichtigkeit halber, ohne viel da mit zu erreichen, in einige dreißig Dy nastien. Sie fanden ein Ende durch die Perser, denen wieder Alexander der Große ern Ende machte. Es folgt dann die Herrfchaft der Griechischen Nationa lität unter' den Ptolemäern, die beson ders durch ihre wohlklingenden, wenn auch nicht immer zutreffenden Namen (Soter, Euergetes, Philopator, Philo metor u. s. w.) sowie durch die Ersin dung des Ptolemäischen Lehrsatzes aus gezeichnet sind. Dann wurdewdie Grie chen durch die sehr gerissenen Araber abgelöst, die Araber wieder durch die Mameluken, welche zwar Muth zeigten. mUebrigen sich aber nicht durchGehorsam auszeichneten und sich überhaupt etwas rüde benahmen. Auf den Mameluken folgte der Türke, mit dem unbewußt so cialdemokraiischen Grundsatz : Es muß Alles rulntrt werden!" Dann kam, kurz vor Schluß des vorigen Jahrhunderts, der bewaffnete Besuch Napoleons I. Da raus begann in diesem Jahrhundert mit Mehemet Ali die Herrschast der Khedive, und mit des Genannten vierten Nach folger, Ismail Pascha, die unter dem Tewfik Pascha fortgesetzte A?ra der Eu ropäisirung und des Schuldenmachens. Bei dem Krach derselben sind wir so eben angelangt. So vergingen Aegypten im Umsehen die bis jetzt verlebten praeter propte? achthalb Jahrtausende. V on Ramses II. Ramses II., von den Griechen Se sostris genannt, war einer der berühm testen Pharaonen Aegyptens. auSgezeich net als Eroberer sowie als Gründer mo numentaler Bauten. Sein Gesicht zeigt auf den zahlreichen von ihm Vorhände nen Abbildungen etwas entschieden Ramsnasiges, wenhalo er auch neuer dings von Herrn Otto Glagau jüdischer Abkunst bezichtigt wird. Von ihm rührt das noch .immer sehr beliebte Spiel Rams" oder Ramsch- her. Von der Cleopatra. Eine der berühmtesten Pharaonessen war Cleopatra.- Leben und leben laf fen" hieß ihr Grundsatz, wenn bei ihr überhaupt von Grundsätzen die Rede sein kann. Ihre SommernachtSseste, die sie unter der Bezeichnung EinAbend, eine Nacht und ein Morgen am schönen Nil- veranstaltete, wurden von Lebe Männern und Frauen gern besucht und m den Blattern der damaligen Zeit von j dem damaligen L. P. ausführlich be
schrieben. Sie ist die Erfinderin des Perlen-LiqueurS, von dem i Liter 7 Millionen Mark kostete. Was sie allein
an Lau de Cologne verbrauchte, über steigt jede Vorstellung. Erst siebzehn iShria, machte sie schon die Bekanntschaft deS großen, leider zu früh verstorbenen Julius Cäsar, als derselbe in Geschäften Alerandrrn besuchte, moem fle sich als Postpacket in seinen Palast tragen ließ. Nachdem sie darauf den hochbegabten aber leichtsinnigen Antonius in ihreNetze gelockt und rumnt hatte, versuchte sie es auch noch mit dem geriebenen Octavia nuS, späteren AugustuS, mußte aber ei nen harten Absall erleben. Nun blieb br nichts ubng, als zur Schlange zu greifen was sie dann auch that. Räch Makart, der uns ihr Bildniß in ganzer Figur aufbewahrt hat, war sie ein wenig verwachsen und hatte einen leidenden Ausdruck. Aegypten un d der Nil. Aegypten ist ein Geschenk des Nil!" so sagt schon ein altes Wort; immer edoch ist die Frage noch nicht entschieden. wem der Nil eigentlich Aegypten geschenkt hat. Was der Nil für Aegypten ist, weiß wohl Jeder, und nr es nicht weiß, dem ist nicht zu helfen. Er hat mit den modernen' SpeculationS Papieren die Ähnlichkeit, daß er abwechselnd steigt und fällt. Er thut es aber, im Gegen satz zu den genannten Papieren, mit ei ner gewissen Regelmäßigkeit, wodurch das Productengeschäst in Aegypten eine angenehme Sicherheit erhält. Er ent springt aus dem blauen und weißen Strom (Bahrelazra! und Bahrel byad), was insofern von particularisti schem Interesse ist, als durch den Zu sammmenflun der beiden Quellenströme die Bayerischen Landesfarben hergestellt werden. Die Quellen sind uoch nicht bekannt; doch steht zu erwarten, daß an der einen bald Herr Schweinsurth, an der andern Herr Nachtigall als der be kannte Knabe sitzen wird. Eigenthümlichkeiten der Aegypter. Die. alteu Aegypter waren eins der konservativsten Völker und daher leicht zu regieren. Die Wahlen fielen in der Regel nach Wunsch der Regierung aus. Sie erfanden den GeheimrathStitel (den u. A. der Semitische Joseph bekam), den Doppeladler (der einfache war schon vor her dagewesen) und (schon lange vor den Chinesen und Deutschen) den osfiaösen und Kanzleistyl. Ebenso sind sie Erfin der der Grund und der classificirten Einkommensteuer. Auch der ihnen waren das Militär und die Geistlichen der be vorzugte Stand. Vegetarier waren sie nie, vielmehr bekannt wegen ihrer Fleisch töpfe. Mehrere tausend Jahre vor Wickersheimer verstanden sie sich schon auf das Conserviren Verstorbener, wo durch eine große Menge von Katzen, Hunden, Krokodilen und anderen werth vollen Geschöpfen ihrer Zeit uns als so geaannte Mumien erhalten geblieben sind. Die Aegyptischen Götter. Die alten Aegypter hatten so viele Götter, daß es ihnen schwer war, sich unter denselben zurechtzufinden. Um wie viel mehr uns, die wir der Sache noch ferner stehen ! Der Hauptgott hieß Ammon, welcher der Kurze halber auch einfach Ra genannt wurde. Ueber Isis und Osiris ist das Nähere aus der Zauberflöte" bekannt. Interessant erscheinen in den verschie denen auf alten Denkmälern erhaltenen Abbildungen die Trachten der Aegypti schen Götter. In höchst einfachem aber ebenso geschmackvollem Costume tritt der Gott Ptah auf. Um so zusammengesetzter ist der Spazierstock, welchen er in der Hand hält. Stock, Regenschirm, Korkzieher, Uhrenschlüssel, Hausschlüssel und Violinschlüssel scheine,: in demselben mit einander verbunden zu sein. Einen noch eigenthümlicheren Eindruck macht das Bild des Osiris. ES hat etwas ent schieden Internationales. Gesichtsaus druck und Knuten deuten aus Rußland, der Schlafrock auf die Türkei, der drei fache Cylinder auf Frankreich oder auch auf Rom hin. An England und Deutsch land nur wenig in seiner Erscheinung. Hochinteressant sind die Kopftrachten der Aegyptischen Götter. Dieser trägt emen Sperber, Jener emen Ibis-, der Dritte einen Schakals, der Vierte gar einen Affenkopf. Bei Göttinnen war der später ganz unbeliebt , gewordene Katzenkops besonders stark imSchwung. Nachdem Franzosen und Engländer in die Aegyptischen Angelegenheiten ein aeariffen, hat die Religion der Aegypter sich wesentlich vereinfacht. Man behielt zwar den alten Ammon bei, setzte ihm aber ein M" vor, woraus der noch jetzt dort rn Geltung stehende Mammons dienst hervorging. Aegypten und dieJuden frage. Schon lange vor Stöcker beschäftigten sich die klugen Aegypter mit der Lösung der Judensrage. Bekannt ist, wie zuerst der zu emem Schleuderpreise verscha cherte Joseph, darauf aber das ganze HauS Jakobsohn von dem betreffenden Pharao m Aegypten ausgenommen wur de. Bekannt ist auch, welche hervorra aende Stellung Joseph einnahm, nach dem er sich glücklich aus dem Proceß Potiphar losgewickelt hatte, und welchen großen Dienst er dem Pharao in den Nothjahren durch Auskaufen der kleinen Grundbesitzer leistete. Er war nach dem Bild, das Alma Tameda uns von ihm überliefert hat, der geborne Beamte, m dem er eine ungemein krause Tolle be saß, welche zum Einstecken deS Stahlse derhalterS wie geschaffen war. Als dann der Pharao kam Meneph tha heißt er in den Urkunden der von Joseph nichts mehr wußte, wurde von der ägyptischen Regierung der erste Ver such angestellt, die Juden an Handwerks mäßige Arbeit zu gewöhnen, und zwar wurden sie zu dem-ebenso unterhalten den ulS einträglichen Ziegelstreichen commandirt. Man weiß, daß sie leider kemen Geschmack daran fanden,. sondern unter Versetzung verschiedener Plagen sich auS Aegypten empfahlen. Die gol denen und silbernen GerSthe, die sie vor ihrem Abzug von allen Seiten her zu sammenliehen, sind bis jetzt ihren legiti men Eigenthümern noch nicht wieder zu gestellt worden. - "
Berühmte Bau und Kunst
werke Aegyptens. 1. Die Pyramiden. Sei esnun' daß sie von ihrer pyramidalen Form so genannt sind, odu daß sie ihren Namen von PyramuS, dem unglücklichen Ge lebten der Thisbe, haben genug. Je dermann kann sich von ihnen leicht ein Bild machen. Schon Napoleon I. machte die Bemerkung, die von anderen Beobachtern nachher bestätigt wurde: daß vier Jahrtausende von ihnen herab cbauen. Wer ne m den beiken Tagen besteigt, erwarte aber nicht, daß er oben Weißbier vorfindet; man thut vielmehr. wenn man es nicht entbehren kann, gut daran, es im Elstormster Mitzunehmen. Eine dünnere Spielart der Pyramide ist der Obelisk. 2. Die S pH inre. Auch ihr Aus sehen ist durch Photographien bekannt, ihr Geschlecht aber verschieden, je nach dem es die oder der Sphinx heißt. Die klugen Aegypter verwendeten dieSphinxe besonders zur Anlegung von Alleen, wo zu sie sich weit mehr als die Linde, die Rüster, die Platane und die Kugelakazie eignen, wen sie weder durch das Gas noch durch die Canalisation leiden, son dern höchstens der Versandung ausgesetzt rnd. Es empfiehlt sich daher, die immer wieder ausgehenden Bäume unter den Linden in Berlin durch Sphinxe zu er etzen, und die Strane dem entsprechend umzutausen. 3. DaS Labyrmth. War nach Ver icherung der Alten das altägyptische Reichstagsgebäude. Wunderbar, daß bei der Concurrenz um den Deutschen ReichstagSbau Niemand daran gedacht hat, es zum Vorbild zu nehmen ! Nach Herodot enthielt es 3000 Zimmer. ES wurde also, auch wenn die Spaltung in Parteien noch bis zu den Grenzen äußer ster Möglichkeit fortschritte, doch in ei nem, nach alt'ägyptischem Muster ange egten Relchstagslabyrmth Raum genug für die einzelnen Fractionen zu ihren Separatsitzungen vorhanden sein. Die geheime ReichsarchitectenCommisston sei darauf aufmerksam gemacht. Merkwürdiges aus Aegyp tens Fauna. 1. DaS Nilpferd oder der tzippopo tamus. Es gleicht dem gemeinen Pfer de darin, daß es auch vier Fuße und einen Kopf hat. Dagegen geht es weder ein noch zweispännig, ist auch zumRennen nicht wohl zu brauchen. Inder Freiheit trägt eS rn der Regel kemBruch. band. Es sieht im Allgemeinen so auS wie Dr. Faust'S Pudel, als derselbe hm ter dem Ösen hervorkam und unver hältnißmäßig groß geworden war. 2. Der Vogel Phönix. Em sehr son derbarer Kunde ! Er tritt nur alle 600 Jahre auf, verbrennt sich und schwebt als ob nichts vorgefallen wäre, wieder auS der Asche empor. Dichtern und Zeitungsschreibern ist er unentbehrlich. Bei uns wird er im nüch sten Frühjahr, wenn die Hygiene wieder ausgebaut ist, durch alle Blatter stiegen. 3. Das Krokodil. Bekannte.Schup pen'Eidechse. Wird leicht gerührt und vergießt dannThranen, auf welche nichts zu aeben ist. Nährt sich von Eingebo renen, die in's Wasser fallen, und braucht, wenn das Fleisch derselben auch noch so zähe ist, trotz seiner vielen Zähne kemen Zahnstocher, wett ihm der kleme Vogel Trochylus aus Gefälligkeit statt eines solchen dient. Den Aegyptern galt es für heilig, wie denn ähnliche Naturen überall leicht in den Geruch der Heiligkeit kommen. 4. Der Ibis. Ein heiliger Bogel, der ja nicht mit dem Apis, dem heiligen Stier, verwechselt werden dars. Der Apis unterscheidet sich dadurch von ihm, daß er übrigens schwarz ist, aber auf der Stirn und aus dem Rucken emen wel ßen Fleck hat. Dagegen hat der Ibis emen langen gebogenen Schnabel, wel cher wiederum dem ApiZ abgeht. Merkwürdiges aus der Flora Aegyptens. 1. Die Loto s b lu me. Sie ist in beständiger Angst vor der Pracht der Sonne, wahrend sie zu dem Mond schon eher Vertrauen hat. Die Samenkörner sind eßbar. 2. Der Papyrus. Aus ihm ver fertigten die Aegypter, wie schon der Name sagt, das gute alteBütterPapier, welches neuerdings durch das schlechte, bald zerfallende Papier aus Holzfaser stoff verdrängt worden ist. Aus russischen Klöstern. Die liberalen russischen Organe be ginnen jetzt auch die Mysterien der russi schen sttöster , an's Tageslicht zu ziehen. Die Redielia" beschreibt das Jurewski kloster (im Gouvernement Nowgorod) wie folgt : Dieses Kloster ist sehr alt und war bis in die zwanziger Jahre die ses Jahrhunderts arm und verwahrlost. Dank dem fanatischen Prior, welcher emen historischen Ruf bekommen hat. begann das Kloster reich und bekannt zu werden. Die reiche Gräfin Jungfrau Anna" war dem Priyr mit Leib und Seele ergeben, ließ das Kloster neu aus bauen, errichtete eine Kirche mit veraol deter Kuppel, , legte Werkstätten und Stallungen an, kaufte von den benach barten Gutsbesitzern das an das Kloster grenzende Land, legte Gärten an und versah das Kloster mit allen möglichen Schätzen. Für sich selbst erbaute sie am Fuße des Klosters eine Villa und wollte ein Frauenkloster gründen. Das dies bezügliche Gesuch der Gräsin wurde je doch von der obersten Behörde mit fol gender Resolution der Bittstellerin p rückgestellt : Das Frauenkloster wird unter der Bedingung bewilligt, wenn zwischen beiden Klöstern ein Findelhaus errichtet wird." Die Lebensweise im genannten Kloster schildert das genannte Blatt wie folgt : Die Mönche sind größ tentheils Bauern, welche arbeitsscheu sind. Im Kloster wird gar nicht gear deitet, dagegen gut gespeist, gut getrun ken, spaziert und geschlafen. Ein Kloster Eleve, der sogenannte Potschtar-(Post böte) sährt täglich in die Stadt, um die Brkfe Don der Post und Schnaps zu holcn. Zu. diesem Kloster und dessen Umgeaend wallfahren deS Sommers die Stadtbewohner, um frische Lust zu scbövfen. wobei sich folgendes Bild dem Beschauer darbietet : Der Gouverne 1. . A .. . , - y- ' " " " "
mentökassirer, ein biederer Grautop f, durchwandert die Straße. An seiner Seite kankanirt die Fraid seines Gehil. fen und hinter diesem Pärchen schwankt deren Gatte und ein ArtillerieOsficier, Beide berauscht. Sn einem der Gärten Platz nehmend, stimmt diese lustige Ge sellschaft Lieder an. Manchmal gesellt sich zu ihnen der Klubälteste und gleich zeitig Chef der Arrestanlenrotte. Er genießt den Ruf eines talentvollen Man nes, weil er s) hübsche Geschichten erzählt von den Prügelscenen, die unter seiner Leitung sich abspielen, und weil er so packend zu schildern weiß, wie die Ar restanten unter den Knutenhieben schreien, und so fort mit Grazie. Eine an dere Gruppe zeigt die Mitglieder deS KreiSgerichts, welche den melancholischen Lauten, die der Prokureurgehilfe einer Flöte entlockt, lauschen.. Der Lehrer deS Gymnasiums und der Inspektor (ein Böhme) spielen die ganze Nacht hindurch Karten. So lebt man im Kloster und so lebt die Intelligenz in der Provinz.
Die Greuel von Valta vor dem RiSterstuhl. Bei der Verhandlung über das Ju benmassacre in Balta, welche vor dem Kreisgericht daselbst stattfand, hielt Fürst Urusson ein Plaidoyer, welches wegen feiner Unparteilichkeit in den Annalen der forensischen Beredtsamkeit und me gen seiner gerechten Würdigung der Be drängten auch in den Blättern der Cul turgeschichte emen dauernden Platz verdient. Besonders die folgenden Stellen des Plaidoyers haben auch nachtraglich noch einen Anspruch aus Wiedergabe: Sehen wir uns zunächst den Ort an. wo das Verbrechen verübt wurde. ES geschah dies in der Colonie Abasowka, die von jüdischen Ackerbauern bewohnt wird, und in deren unmittelbarer Nähe sich das Dorf Korvtuje befindet. Wir sehen also hier jüdische und christliche Bevölkerung im besten Einvernehmen neben einander wohnen, und es wird von sämmtlichen Milchen und chnstli chen Zeugen ausgesagt, daß zwischen der Colonie und dem Dorfe die freund schädlichsten Beziehungen bestanden hat ten, so daß ein Uebcrfall von Seitender freundschaftlich gesinnten Nachbarn un möglich schien. Dies widerspricht selbst verständlich der landläufigen Phrase von emem eingewurzelten Hasse, der zwischen beiden Consessionen bestanden haben soll. Eine weitere als unumstößlich geltende Redensart ist folgende : Die Juden be reichern sich, indem sie die Bauern aus saugen und sie zu Grunde richten " Hören wir nun, was - die Zeugen über die Verhältnisse in Abasowka und Korv tuje aussagen. Sie berichten, da die Bauern des Dorfes Korvtuie vohlha bende Leute seien, die sich mit Ackerbau, Fuhrwesen ic. beschäftigen und von kelner Noth wissen. Dies sagt uns der Schulze Joseph Elent, ein Mann, der schon lange in der Colonie wohnt. Er behauptet, es sei in diesem Dorfe noch me zu emer Feubmung wegen Steuer rückständen gekommen. Wenden wir unsere Blicke der Colonie Abasowka zu, so tritt uns auch hier ein Widerspruch mit den bereits erwähnten Vorurtheilen entgegen. Wir haben immer gehört, daß die Juden für den Ackerbau nicht geeignet sind, und sehen aus cinmal eine Kolonie, die von jüdischen Ackerbauern bewohnt wird. Die erste Regung einer solchen Erscheinung wäre die der Freude. Wenn wir aber etwas tieser blicken, ersehen wir zu unserer nicht geringen Ueberraschung, daß diesAckerbauer ganz eigenthümlicher Art sind, nämlich. Ackerbauer ohne Acker. Vor zehn Jahren, ungesähr im Jahre 1872, fand dort eineLandmessung statt, über welche uns die Zeugen leine Details geben können, die aber derart war, daß der ganze Boden dem Dorfe zufiel, während den jüdischenKolonisten Ackerbauern nichts übrig blieb, als die Häuser und die Lust. Bis zumJahre 1881 war es ihnen überlassen, , die Lust ungehindert einzuathmen; von da ab wurde ihnen auch die Lust streitig ge macht.", Fürst Urussom schloß sein Plaidoyer mit den mahnenden Worten : .Meine Herren Richter ! Indem ich darauf be stehe, d".ß Ihr Urtheil wenigstens in schwachem Maße Diejenigen entschädige, deren Verluste vielleicht unersetzbar sind, konnte ich meine Aufgabe nicht als er füllt betrachten, wenn ich am Schlüsse nicht noch eine Bitte an Sie richtete. Nicht Rachedurst, nicht Feindschaftsein, gedungen, nicht der Eiser eines Mieth lings und nicht die Beschränktheit eines Fanatikers dürfen aus der Rede des Vertheidigers sprechen. Ta er vor al lem im Dienste der Gerechtigkeit und des Gesetzes stellt, kann er auch jene allge meinen Ursachen des Ihrem Urtheil un terbreiteten Verbrechens nicht außer Acht lassen. Das Gefühl dr menschlichen Solidarität verbindet uns auf gleiche Weise mit den Beschädigten wie mit den Schuldigen, und im Namen dieser menschlichen Solidarität erlaube ich mir, meine Herren Richter, die Bitte an Sie zu richten, die Sie mir gewiß nicht ver weigern werden. Diese Bitte lautet : Seid barmherzig!" Praktisch. Wenn jeder Mann eine so brave und sparsame Frau hatte, wie die Frau Draelhuber in Wie eine ist. Die begegnet nach den Weihnachtsseiertagen ihrer guten Freun dm, der Frau Stangelmayer, und wird gefragt : Womit haben Sie dennJhren Mmn bescheert, roenn man sragen ds.rf?" O sagt die Frau Draxel hzber, ich laß mich nicht soppen, ich muß mir's freilich von meinem Wirthschasts gelv absparen, aber was sein muß, das muß sein. Wissen's, mein Mann ist ein leidenschaftliche? Raucher, nichts geht ihm über ein gutes Cigarr'l. Da hab ich ihm halt drei Monat lang jeden Abend aus der Cigarrentasche heimlich eine herausgenommen, und wie ich 100 Stück beisammen gehabt, hab' ich sie schön in ein Kistel gelegt und hab ihn dann am heil'gen Abend damit überrascht. Hätten's sehen sollen, was für a närrisch' Freud' der Mann gehabt hat
