Indiana Tribüne, Volume 4, Number 456, Indianapolis, Marion County, 17 September 1882 — Page 3

HpaziergSnge durch Am sterdam. Ben Alfres SKtiB.

Ein Settenstück zur Fahrt durch den Canal Grande von Venedig ist unstrei tig eine Fahrt auf der Vinnenamstel. und kau?, minder vergnüglich. An Stelle der roniantisch unpraktischen Gondel tritt der moderne kleine Dampfer mit seiner bequemen Cabine, der Dampf ersetzt das Ruder. Wir fahren vom Rokin, dicht Leim Dam" aus, und wenn wir auf dem Wege keinen blauen Himmel über uns und keinen Blick auf Marmorpaläste ha den, so ist doch rechts und links so viel Eigenthümlichkeit zusammengedrängt, daß unser ganzes Jntttcsse in Ausre gung kommt. So viel Originalität ist nieines Wissens, in unserem civilistrten und uniformirten Europa nicht wieder zu finden. Man hat das Bild eines bür gerlichen und germanischen, aber leben digen und stetig fortentwickelnden Vene dig vor sich. Venctianisch ist auch der Duft, der aus dem Wasser emporsicigt, venctianisch sind die Schnaken, vor denen man immer auf der Huth sein muß. Es ist eine gar trübe Wasserstraße, die wir hinabgleiten, und trüb, grau, regnerisch ist dcrJulihimmel, der auf uns niederdliöt. Rechts und links vom Rokin steigen die Zeilen der hohen, breitgiebeligen, tiefen, aber fchmalsr!ntigen Häuser empor, dann und wann unterbricht ein größeres Gebäude im originellen holländischen Styl des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts ihre grotesken Reihen, endlich erscheinen große moderne Paläste Aber keine melancholische Einsamkeit umfängt uns, wie auf demCa.ialGrande, im Gegentheil, es pulstrt allenthalben, auf dem Lande wie auf dem Wasser, das regste Leben. Rechts und links ist jedes Haus Comptoir und ein gefülltes Waarenmagazin ; in den Palästen schenBank Institute und Handcsgesellschaften oder es sind moderne Hotels. Das Trottoi? ist voll hastiger, in Geschäften hineilender Menschen. Nun überholt das. kleine Stoomboot die daneben fahrende Tramway. Dieses Hasten und Treiben gibt ein Bild der größten Thätigkeit; die Concurren; von Schiff und Wagen in nerhalb derselben Straße kommt meines Wissens sonst nirgendwo vor. Lange sind wir zwischen ausgemauerUn Kais hingefahren, die vonvaarenbe lasteten Booten dicht besetzt sind. Der kleine Schlott des Dampfbootes hat im mer wieder herabgelassen werden müssen unter niedrigen Brückenbogen, und wir unter denselben unsere Kopse geduckt, wenn es auch nicht nöthig war. Da verbreitert sich der (Sanas, es öffnet sich die Ansicht auf immer neue, die Haupt Iinie kreuzende Grachten urö aus die großen, luftigen eleganten Stadttheile, die in jüngster Zeit in der Nahe des Frederiksplein entstanden sind. Dem Waffer und demSumpse den Boden abgewinnen ist ja die eigenthümlichste Kunst und das specielle Genie des Holländers, seine Thätigkeit ruht nicht, und heidenmäßiges Geld macht das Unglaubliche möglich. Wir streifen von Ferne das Quartier der Millionäre. Diese sind in Amster dam so zahlreich wie anderswo die kleinen Rentiers. Die Colonisten und Plan tagenBesitzer bringen aus Java unge heures Vermögen heim. Die Rheder und Bankiers sind, ohne Amsterdam zu verlaffen, Millionäre geworden. Wie viel Tonnen hat dieTochter V fragt man und bezeichnet mit dem alten Ausdrucke die runde Summe von zehntausend Gulden. .Zehn, zwanzig, dreißig Tonnen ist die Antwort. Dennoch halten sich diese vielfachen Millionäre von dem pro tzenhasten Luxus ferne, dem man in an deren Hauptstädten begegnet. Ihre Häuser sind nicht ungewöhnlich groß, sie taufen sie nicht Palais, sie geben ihnen keine prunkvolle Einfahrt, die Livreen ich rer Dienerschaft stechen nicht hervor. Der Reichthum liebt es nicht, Lärm zu maeben. In der Stille häuft sich Gold auf Gold ; es herrscht nach Außen hin eine große Zurückhaltung, ähnlich wie in der Schweiz. Immer breiter wird die Wafferstraße, wir gelangen in das breite, großartige Bett der Binnenamstel. Wie .langsam sie sich bewegt, zeigen die großen schwim menden Wiesen vonWafferlinsen. Das palastartige neue Amstelhotel steigt linker Hand vor uns empor, rechter Hand in der Ferne erblickt man .mächtige Baum krönen, die sich im schmärzenWajser spie geln : man ahnt das Ende der Stadt. Der Steuermann spricht mich als Landsmann an, er ist ein Mannheimer und möchte wiffen, ob sich seine Vater stodt stark verändert hat. Aber bei acht zehnjährigem Dienst auf Schiffen hat er sein Deutsch so sehr vergessen, daß ich ihn kaum verstehen kann. Weit draußen ' ich glaube, eS ist die vorletzte Station auf der Bahn, die das kleine Stoomboot, durchmißt steht mit ten in der Amstel ein BadhauZ, das zu gleich, wie hier öfter vorkommt, ein Kaf feehaus ist. Vorn auf dem Altan ist die Wirthschaft, seitwärts von der Treppe liest man : Toegang tot de Badenund Zwemeinrichting (Zugang zur Vade Schwimmenanstalt). Der aller liebste Punkt ist unbegreiflich wenig be sucht. Lieblich ist es Hier nach genommenem ' Bade daß das erstemal allerdings ab schreckend ist : dasWasser der Amstel Hat, in ein Gefäß geschöpft, die Farbe gelben österreichischen Weines aus der osfe nen Holzgalerie zu sitzen, von reinenLüf ten erquickt, mitten im mächtigen, kaum bewegten Strom, aus dem die Wider spiegelungen der schönen breiten Baam krönen heraufschimmern. Die Verbins dung von Waffer und Vegetation ist von höchstem Reize, ein seltenes Bild. Man ist völlig der Stadt entrückt und doch ihr nahe. In venigen Minuten kann man mitten in ihrem bewegtesten Leben stehen. Die Holländer sind das merkwürdige Äolk, das, nur drei Millionen an Zahl, mindestens sechzehn Millionen Untertha nen in anderen Welttheilen beherrscht. Natürlich sind die Blicke der Holländer fortwährend denEolonien zugekehrt : aus dem Gedeihen derselben beruht zum gro ßenTheile das Gedeihen Hollands. Im Vordergrunde des Gesichtskreises steht Rederlandsch Jndie ES hat seine Ei senbahnen, seme eigene Presse, seine

Kriegsmarine, seine eigene Armee all jährlich geht von Holland einEontingent auS, die Lücken auszufüllen, die das ver verbliche Klima in dieReihen reißt. Aber das sind freiwillige und geworbene Sol daten; hier muß nicht wie im übrigenEu ropa da Princip der allgemeinenWehr Pflicht für alle wöglichenEroberungSzwe cke herhalten und damit eine neue Form der Sclaverei schaffen ' Einen Blick in die fernen, mit allenReichthümern und Zaubereien, aber auch mit allen Schreckniffen ausgestatteten Jnselparadiese ge winnt Jeder, der die herrlichen zoologischen Gärten Amsterdams besucht; dort kann er die seltsame Thierwelt vonJava, Sumatra, Borneo, Celebes. die phan tästischen. juwelenfarbigen Vögel, die grausigen Fledermäuse, die furchtbaren Schlangen alle beisamen sehen. AlsBe Herrscher dieser Länder, die ihm theils schon ganz gehören oder über die er bereits seine Hand gelegt, hat der Hollän der Fragen vor sichvon denen wir uns nichts träumen lassen. Wie die ReisErnte, die Kaffee.Ernte aus den Feldern um Sämarang ausgefallen, wie sich die Dyaks von Borneo zur Regierung siel len, ob der mahomedanische Geist sich in denBevölkerungen de-Archipelagus regt, und was die Chinesen treiben, das sind hier wichtige Fragen. Die Verbindun gen der Colonien"r.-.it dem Mutterlande immer fester und regelmäßiger zu geshl ten, ist ein scharf ins Auge gefaßtes Ziel. Schon jetzt verbindet ein regelmäßiger Dienst Amsterdam mit Batavia ; jeden Dienstag'und Mittwoch kann man draußen am I, in den Ritlanden, die ungeheuren ostindischenDampser besuchen und sie abfahren sehen. Die alte Holland! sch: Marine, einst eine von alten See wölsen gesührtc Kriegsflotte und die stete Sorge Englands, ist eine großartigeCo lonial-Marine geworden. An der Börse vorübergehend, finde ich, daß es an ihr im B:rglerche mit uns ra hig hergeht. Und doch höre ich, daß dort nicht selten binnen cinerStunci an sechs malhunderttausend Ballen Kaffee verkauft werden. Das sind doch Geschäfte, vor denen die binnenländischen zu Krämergeschasten herabschrumpsen .... AIlerdings haben Assecuranz, Dampf und Telegraph die alte , Kaushausromantik gründlich zerstört. DeraufgeregteKauf Herr aus dem Droma oder dem älteren

M , ' der von seinen Schissen keine hat. im Verlause zweier Acte vom Millionär ein Bettler wird, um, wenn ihm der Dichter wobl will, im letz ten Act: wieder ein reicher Mann zu werden, ist eine Figur aus alter Zelt. Alles geht jetzt .ruhige? zu. DcrDamps hat nicht blos die Entfernungen' abgekürzt, er hat ' auch die Möglichkeit geaeben, fast auf denTag dasFintreffen derWaare zu bestimmen. Der Telegraph' bringt eine Nachricht, die sonst Monate brauchte, in kaum so vielen Stunden. Und sie ist kein Geheimniß mehr, sie ' ergeht an die gesammte )andclswelt. Und so beschränk: sich der heukige Kaufmann da' raus, die Bedürfnisse des Konsums zu decken. Dabei mag sich behaglicher und ruh'ge: mit Schiffen auf der See leben laffen, als dies in alter Zeit der Fall war. .In Amsterdam treffen die Fahrzeuge, welche aus verschiedenen Wafferwegen den Rhein herab- oder herausgeben, mit den überseeischen zusammen. Höchst intereffant für den Binnenländer ist eine Wanderung am Hafen, sei cs zu Fuß an der Buitenkant (Außenseite), wo sie Stunden in Anspruch nimmt, sei es in Absätzen mit dem kleinen Steamer, der vom Damrak ausgeht. In den grandiosen Bassins an der Ost- und West feite des hasens, welche durch mächtig starke lange Dämme vom getrennt sind, liegen Tausende von öchiffen ne ben einander. Dieses Tauwerk, das sich vor dem Blicke in einander zu verschlingen scheint, dieserMastenwald, die weißen und rothbraunen Segel, diese flatternden Wimpel, daneben die Comptoirs, Magazine, alle von der Thätigkeit der Menschen belebt, geben ein merkwürdiges Bild. Barke liegt an Barken auch drei mastige Schiffe werden .Bark"' genannt jedes hat seine Waare ; hier wird ausgeladen, hier aufgenommen. Man sieht Berge von exotischem Nutzholz, riesige Ladungen von Petroleumfäffern, hier spanisches Rohr, hier Getreide aus Rußland, hier schwedisches Eisen. Die holländischen Schiffe, die so proper und blank genutzt sind, erkennt man sofort. Nicht alle machen Seereisen, wir sind ja im Lande, wo aller Transport zu Wasser besorgt wird. Der Gärtner bringt sein Gemüse, der Milchverkäuser seine Milch in der Barke in die Stadt ; auch der Umzug von einem Stadttheile in den andern findet zu Waffer statt. Zahlrei che Familien haben gar kein festes Haus, sondern leben im Boote. Diese sind wohnlichst eingerichtet. Aus den kleinen grünen oder roth bemalten Cajütenfenstern mit rein gewaschenen Vorhängen blicken Kindergesichter, die Frau kocht lhnen auf dem Verdeck den Nachmittagskaffee. Man sieht selbst kleine GSrtchen und Blumentöpfe mit all:rlei Gewächsen auf den Barken. Weit draußen, gegen den Doorvaart (Thorwart) zu, zeigt sich der SchreiersToren (der Schreierthurm), jetzt Bureau des Hasen- und Dockmeisters. Er liegt an der Werft, von welcher die Schiffe in alle Weltgegenden fahren, und hat seinen Namen vou dem Geschrei, das hier Weiber und Kinder bei der Abfahrt ihrer Gatten und Väter erhoben. Ich habe in den Ritlanden größeren Abfahrten beigewobnt, als es damals gab, aber kein lautesGeschrei, höchstens leisesWeinen vernommen. Ist die Menschheit gesühlloser geworden oder hat sie sich mehr zu beherrschen gelernt ? Der sinkende Abend führt mich nun langsam schlendernd zu Vondel'S Park hinaus. Auf einem Terrain entfumpf ter Wiesen ist hier seit den letzten Iahren eine Anlage entstanden, die ihresgleichen sucht. Im Mittelpunkte -Herr-licher Anpflanzungen, durch die sich stille Waffer fchlängeln, ist das colossale Standbild Joost van Vondel's aufgestellt des holländischen Dichters, dessen Name jeder gehört, deffen Werke aber Niemand gelesen hat ringsum ziehen sich schattige Ulmen-Alleen. Tausende von Menschen bewegen sich heute in denselben vorwärts, von den Klängen der Militär-Capelle angezogen, die in

einem Pavillon aus einer kleinen, aus einem klaren Teiche hervorragenden Insel spielt. Indeß ziehen, unbekümmert um die Musik, Reiter vorbei, Kidr fahren in eselbespannten 'Kutschen, ganz kleine mit einem Gespann weißer Ziegenböcke. Vornehme Equipagen halten vor der Treppenflucht des großen KaffehauseS. Wie einsam . kühlte ich mich in diesem Gedränge, seit zwei Tagen hatte ich kein deutsches Wort vernommen. Ich schritt über Brücken von leichter Eisenconstruction, die über die sich schlängelden Wasser fuhren, und stand endlich gegenüber dem kleinen See, in weldem die Wipfel der Bäume und Tausende von fröhlichen Menschen sich spiegelten. Juffrauv. wenn es ihnen beliebt,,.

wendete ich mich an ein schönes Kind, das dicht vor mir den Klängen einer liedartigen Compositio mit unverkennbarem Wohlgefallen ugehört hatte, können Sie mir vielleicht den Namen des hübschen Musikstückes nennen, das man soeben gespielt hat?" ' Es ist die heimliche Liebes Mynheer," war die srcundliche Antwort in gutem Deutsch, die heimliche Liebe, von roth cher Niemand etwas wiffen darf. Mich wundert, daß Sie das Lied nicht kennen, denn ?s ist fo sehr populär. So viel ich weiß, kommt es aus Wien." - Es ist ein allerliebstes Lied, mein Fräulein, ein Lied das mir noch lange im Kopfe herumgehen wird;' ich hörte es heute zum ersten Male. Aber auch die, die es mir genannt, werde ich sobald nicht vergeffen." Dazu, Mynheer, müßte doch unsere Bekanntschast minder flüchtig- sein " Es läge nur an Ihnen, mein Fräu lein, ihr eine längere Dauer zu geben M So gab ein Wort das andere, und nicht mehr ganz einsam wandelte ich von da ab durch Joost van Bondens Park, ohne mich durch den Dichter einschücktern zu laffen, der mich von seinemPostamte herad mit strenger Miene ansah. Aber vergebens sieht man sich bei Rückkehr aus diesem reizenden Orte nach ei nem Wagen um.' Diese sind überhaupt in Amsterdam eine Seltenheit. In alter Zeit war der Wagenvcrkehr hier so gut wie verboten, man besürchtete, daß das Rollen der Räder die Fundamente der aus Piloten gebauten Häuser erschüttern könne. Nur den höchsten Staatsbeamten und den Aerzten war das Halten eines Wagens gestattet. Die Fortschritte der Baukunst mögen diese 5orge unnüh gemacht haben, aber traditionell scheint man den Wagen heute nock für entbehrlich zu halten. So ahlt man sür die Rückkehr die Tr.mway. und anch solche Fahrt ist nicht ohne Reiz. Min sitzt unter lustl am Dache,in geräuschvoller Gesellsckast allein. Die Giebel ragen so seltsam in d:e mondklare beacht, äuc Kanuten kreuzt mön auf einer Brücke einen Ca nal und sieht im schwarzen Waffer die endlosen Zeilen der Zaslaternen sich spiegeln. Die Kaufgewölbe funkeln, trotz der vorgerückten Stunde noch in vollem Glänze, ich kenne überhaupt keine Stadt, in welcher, wie in Amsterdam, die Nacht zum Tage geschlagen wird. Von zehn Uhr an steigerr sich das Straßenleben zu immer lärmendere? Bewegung. Ich rede da gar nicht von den schlimmen Quartieren, in welchen zu dieser Stunde ein wahres Blocksbergs treiben sich entbindet. Auch in den desseren Gaßen der sogenannten Neß treibt sich das Volk umher, die Mädchen ziehen jchaarenweise wie in London, aus den Cafes cliantants heraus hört man die gellenden Stimmen bänkelsängernder Französinnen. Noch um Mitternacht strömen Herren und Damen in die großartigen, von Edison'Lampen taghell erleuchteten Räume der Restauration Krasnapolsky, hie? Kras genannt. Erst mit der Polizeistunde, 2 Uhr, nimmt das Alles ein Ende... Wie man die Haare veha ndeln rnnü Langes und dichtes Haar wurde von jeher für eine ganz besondere Schönheit bei Männern und Frauen geschätzt, aber leider findet sich diese Schönheit immer seltener und seltener, besonders in den höheren Ständen vielleicht weil die Haare derselben durch zu viel künstliches Frifiren, Flechten und Brennen und die zu reichlich angewandte Pomade leiden. Bei den Damen findet man noch häufig genug einen reichen, oder doch wenig flens ziemlich vollen Haarschmuck, aber die Herren, ach, da sieht es traurig auS, und eö ist wohl nur zu wahr, wenn die Behauptung aufgestellt wird, daß man bei dem Blicke von der Gallerie, in einem Ballsaal wenige Männer über 30 Jahre sieht, die nicht ein nahezu kahles leS Haupt, oder wenigstens den Anfang dazu haben.' Man schiebt'den schweren Kopfbedeckungen einen Theil der Schuld hiervon z, aber dieser Grund will nicht Stich halten, wenn man bedenkt, daß die Ritter des Mittelalters, die noch wuchtige Eisenhelme trugen, so langes und dichteS Haar besaßen, daß es oft wie ein Mantel im Winde flatterte, wenn sie in den Kampf zogen Kurzgeschnittenes Haar galt damals, für ein Zeichen der Knechtschaft, und die Friseure hätten zu jene? Zeit wohl schlechte Geschäfte, gemacht indessen mögen die Herren Ritter auch wohl zuweilen etwas unordentlich und struwelpeterartig ausgesehen haben, und so venig wir uns überHaupt nach jener guten alten Zeit" des Faustrechts zurücksehnen, so wenig verdenken wir eS unseren Zeitgenoffen,venn sie ihr Haar nach Belieben kürzen und kräuseln laffen. Die Farbe der Haare richtet sich stets nach dem Teint des Menschen, theils wird sie durch dasKlima bedingt, in dem er lebt, theils gehört sie ganzen Volksstämmen und Menschenracen als Eigenthümlichkeit an. Die Mannigfaltigkeit der Haare trifft man eigentlich nur bei der kaukasischen Race an, die ohne Unterschied schwarzes, braunes, blondes und rotheS Haar hat, während alle die anderen Racen fast durchgängig nur schwarzes, mehr oder weniger krauses oder schwarzes Haar besitzen. Da wir hier aber nur mit der kaukasischen Race zu thun haben, sprechen wir natürlich auch blos von dieser, was' die geehrten Mongolen-, Malaien', -Neger- und In-

dianerherren und Damen uns nicht übel nehmen mögen.

Jede Haarfarbe paßt stets vollkommen zu der Hautfarbe, und die altrömischen Damen mit ihrem bräunlichen Teint müffen sich seltsam genug ausgenommen haben, als sie die Mode einführten, über ihr schwarzes Haar Perrucken von dem röthlich-blonden Gelock der barbarischen Deutschen zu tragen, weil ihnen diese Haarfarbe ebenso schön als merkwürdig erschien. Es steht auch Niemanden gut, wenn er sein Haar färbt, denn da die Farbe des Haares und der Haut stets harmonisch übereinstimmen, so wird durch daS Färben der Haare dem Gesichte eben jene Harmonie geraubt, eS verliert denStempel der Einheit, den die Natur jedem Gesicht ausdrückt etwas Fremdartiges, Ungehöriges starrt -daraus, jedem Beschauer entgegen, was sehr unangenehm berührt und so den Zweck der Veränderung vereitelt. Zudem sind die meisten der vielfältig als ausgezeichnet gerühmten HaarfärbeMittel äußerst schädlich für die Gesund heit und führen nur zu leicht Kops- und Gesichtsrose, Ausfallen derhaare, Kopfgicht, Entzündungen :c., wenn nicht schlimmere Uebel herbei. Dies erklärt sich leicht dadurch, daß sie sehr scharse oder gistige mineralischeSubstanzen enthalten, wie z. B. gelöschten Kalk, Bleiglätte, Minium, und besonders Höllenstein, welche zuweilen in so starker Dosis vorhanden sind, daß deren Gebrauch Wahnsinn hervorrufen kann, wie dies erwiesenermaßen schon mehrmals vorgekommen ist. Eines der besten und unschädlichsten Mittel soll darin bestehen, , daß man 2 Loth Schwefelleber mit 6 Loth reinem Weingeist begießt, öfter umfchüttelt und dann die Flüssigkeit noch 2448 Stunden in eine wohlverschloffene Flasche füllt. Hierauf löst man 1 Loth Höllenstein in. 3 Loth Salmiakgeist, verfetzt dies mit einigen Loth Roffenwasser und gießt dies zusammen in ein zweites Fläschchen. Zuerst trägt man die erste Lösung mittelst eines feinen Bürstchens auf die von allen fettigen Substanzen befreiten Haare auf, ohne die Kopshaut damit zu berühren ; sind dann die Haare getrocknet, fo bestreicht man dieselben mittelst eines anderen Bürstchens mit der Höllensteinlösung, wäscht nach ungefähr drei Stunden den Kopf mit Seifenmaffer und reibt die Haare mit Oel oder Pomade ein. Wir wollen damit diese Methode durchaus nicht empfehlen, da sie auch tausenderlei Unannehmlichkeiten mit sich bringt und wenigstens alle' vierzehn Tage wiederholt werden rnu&. Dazu verdirbt die Schwcselleberlösung sehr leicht und gibt dann eine sehr häßliche Farbe überhaupt wirken die Färbemittel nicht überall in gleichem Maße und Mancher erhält dadurch anstatt der gewünschten schwarzen röthllch'vlolette, bläuliche oder, grünliche Haare, was ihn unwiderruflich für alle Zeiten lächerlich macht. Das Ausfallen der Haare ist ein Gegenstand vielseitige Klage und rührt aus den verschiedenartigsten Ursa chen her; theils ist es die Folge einer überstandenen schweren Krankheit, als z. B. des Typhus, der Kopfgicht, Kopfrose, Gehirnentzündung :c., und dann thut man am klügsten, wenn man die Haare sammt und sonders ziemlich kurz abschneidet. ' Man kämmt deren dann täglich nicht so viele auS, als wenn man sie lang läßt und die neuen, wachsenden Haare haben Zeit, länger zu werden, ehe die alten ausgefallen sind, wodurch man wenig stcns den Kopf fortwährend bedeckt und von kalten Stellen freihält. Mit der zunehmenden Kräftigung des Körpers wachsen dann auch die Haare .ohne weitercs Zuthun und mit sichtbarer Schnelligkeit. Verliert man dann die Haare in Folge eines vorübergehenden Uebels, wie nervöser Kopfschmerzen, so suche man erst dieses Uebel zu beseitigen, eh; man dem Ausfallen der Haare steuern kann, sonst nützen natürlich alle Mittel ri t , n . . n t. mcr.:$. Aieie verlieren ieoen yerozi oie Haare regelmäßig theilweise, besonders wenn 'der Sommer sehr warm gewesen ist: in diesem Falle rathen wir zu einer kräftigen Pomade mit China und Arak oder zum Waschen der Kopshaut mu Nothwein, worin Hopfen gekocht worden ist, oder mit Eierdotter, Einreibungen mit rohem Rmdsmark, Cttronensast. oder dergleichen zusammenziehenden Mitteln. Häusig werden auch Ameisenspiritus, Franzbranntwein undandere starke geisti ge Flüssigkeiten angewendet; doch rathen wir, dieselben allemal mit Wasser zu verdünnen und mit einem kleinenSchwamm auf die Kopfhaut aufzutragen, weil durch ihre unvermischte Anwendung die Haare leicht grau werden. Bon den berühmten Wundermitteln und Haarbalsamen rathen wir entschie den ab, weil sich in der Regel nur eine Geldprellerei dahinter verbirgt und sie im besten Falle meistens nicht helfen. wenn sie nicht gar schaden. So wie man den Haarwuchs auf dem Haupte zu krafttgen wünscht, so gibt es auch wieder Stellen, wo man ihn ent fernen möchte, denn so pikant und oriai nell auch zuweilen ein leichter schwarzer Schatten über dem Munde einer Dame gesunden wird, so wächst dieser Schatten zuweilen doch mit der Zeit zu einem veritablen Schnurrbärtchen, das wirklich fatal aussieht. In diesem Falle verdenken wir es keiner Dame, wenn sie zu emem sogen. Enthaarungsmittel areift. nur muß sie sich vor dem allzuscharf ätzenden hüten. Ein unschädliches Mitiel hierzu ist eine Mischung von drei Theilen Schwefelnatrium, zehn Theilen gebranntem Kalk und zehn Theilen Vtarlemehl: von diesen gut durcheman der gesiebten Pulver vermischt man et was mit Wasser zu einem Brei, streicht diesen auf die fragliche Stelle, läßt ihn fünf Minuten liegen, wäscht die Stelle dann mit Wasser ab und bestreicht sie mit etwas Cold-Cream. Was die Pflege der Haare an und für sich betrcht, so ist auch hierbei wie bei dem ganzen übrigen Körper des M:n schen die Sauberkeit eine Hauptsache. Man wasche den Kops zuweilen muSel fenwasser, nehme sich jedoch in Acht, beim Abtrocknen die Haare durch Reiben zu sehr zu verwirren und tupfe sie lieber mit emem seinen Tuche trocken im Uebr:

gen versteht es sich von selbst, daß man sie täglich kämmt und bürstet : doch hüte man sich vor zu häufigem Anfetten der selben mit Oel und Pomade, weil dadurch leicht die Poren der Kopfhaut verstopft werden und die Haare dann euSfallen. Sind die Haare nicht von . Natur außerordentlich trocken und struppig, so genügt es vollkommen, wenn man sie gewöhnlich zweimal pomadisirt. Manche haben die Gewohnheit, die Haare bei dem Kämmen mit Wasser anzufeuchten, doch ist dies durchaus nicht rathsam; sie werden dann sehr trocken, verlieren die Farbe und den Glanz, werden strei fig und erhalten einen unangenehmen Geruch, und dann zieht man sich leicht Erkältungen zu, wenn man in Wind oder Zugluft kommt. Bei dem Frisiren sehe man sehr: daraus, daß man die Haare nicht zu scharf anzieht bei dem Binden oder Flechten, weil dadurch die Haarwurzeln leicht ausgesprengt werden und kahle Stellen entstehen, die nie wieder bewachsen. Auch hüte man sich vor

dem häufigenBrennen und Kräuseln der Haare, die stets dadurch leiden, und bei dem Einwickeln derselben vermeide man gleichfalls das zu feste Anspannen. Brennt man die Haare in seltenen Zwischenräumen einmal, ' so mag dies wohl nichts schaden, doch darf das dazu gebrauchte Eisen nicht so heiß sein, daß weißes Papier dadurch gelb gesengt wird, welche Probe man nie versäumen möge. Der Suezkanal eine Idee Goetye'S. Man bringt neuerdings wieder die Thatsache in Erinnerung, wieFerdinand von Lesseps vor einigen dreißig Jahren mit seiner Idee einer Durchstechung der Landenge von suez gar graujam ver spottet wurde. ' Und doch war dieseJde schon zur Zeit keine ganz neue mehr ; ja die Möglichkeit, daß der genlale, Iran zose von dem größten Deutschen Dichter, von unserem Goethe, die Anregung zu seinem unsterblichen Werke, gerade so wie durch Alexander von Humboldt die Anregung zur Durchstechung des Isthmus von Panama erhalten, liegt durchaus nicht außerhalb der Grenzen der Möglichkert. In dem dritten Bande seiner Gespräche mit Goethe erwähnt Ecker mann folgendeAeußerungen des Dichter surften : Bei Goethe zu Tische. Er sprach viel und mit Bewunderung über Alexander von Humboldt, dessen Werk über Cuba tznd Kolumbien er zu lesen angefangen, und dessen Ansichten über das Proiekt emeS Durchstiches der Land enge von Panama für ihn ein ganz be sonderes Interesse zu haben schienen. . . . Es ist ferner vorauszusehen (o fuhrGoe the fort), datz an der ganzen Küste des stillen Oceans, wo die Natur bereits die geräumigsten und sichersten Häfen gebil dct hat, nach und nach sehr bedeutende Handelsstädte entstehen werden, zurBer Mittelung eines aroßen Verkehrs zwi schen China nebstOstindien und denVereinigten Staaten, In solchem Falle wäre es aber nicht blos wünschenswerth, sondern fast nothwendig, daß sowohl Handels als Kriegsschisse zwischen der Nordamerikanischen westlichen und östlichen Küste eine raschercVerbindung UNterhielten als es bisher durch die lang weilige, widerwärtige kostspielige Fahrt um das Cap Horn möglich gewesen. Ich wiederhole also : eS ist für die Vereinigten Staaten durchaus unerläßlich, daß sie sich eine Durchfahrt aus dem Mexi kanischenMeerbusen in denStillenOcean bewerkstelligen, und ich bin gewiß, daß sie erreichen,... Dieses möchte ich erleben ; aber ich weide es nicht. Zweites möchte ich erleben, eine Verbindung der Donau mit dem Rhein hergestellt zu sehen. Aber dieses Unternehmen ist gleichfalls su riesenhast, daß ich an der Aussührung zweifle, zumal in Erwägung unserer deutschen Mittel. Und endlich drittens mächte ich die Engländer im Be sitz eines Kanals von Suez sehen. Diese drei großen Dinge mochte ich erleben, und es wäre wohl der Mühe werth, ihnen zu liebe es noch einige füiiszig Jahre auszuhalten So Goethe am 21. Februar des Jahres 1827 ! Krise der Gegenwart. Es spukt so toll in jedem Hirne, Ein Jeder fühlt sich krank und matt. Die Gegenwart gleicht einer Dirne, Die etwas unter'm Herzen hat. Sie weiß nicht, was ihr fehlt, und zaget Und ahnet bänglich hin und her, Ihr ekelt'S, wo'S ihr sonst behaget. Und lachen kann sie gar nicht mehr. Ihr löstet jenes bald, bald dieses. Was ihr geboten, schlägt sie aus. Selbst in der Luft des Paradieses Hielt dieses Weib es nicht mehr auS. Ihr zweifelt noch ? Die Zeit ist fchwanger, Sie ist'S gewiß, kein Redeschwulst, Die Seufzer tönen immer banger Und immer matter schlägtder Puls. Das Beste mag erwarten Jeder, Ich aber will zur Ruhe geh'n. Ich hoffe nichts, ich sah die Väter, Und fürchte mich, das Kind zu feh'n. Kölnische Funken. Von den ehemaligen kölnischenStadtsoldaten, den heute nur im Karneval wieder austauchenden. Funken", erzählt Venedey eine sür die kleinstaatliche Landesvertheidigung ebenso bezeichnende als lustige Anekdote, welche in seinen Jugendjähren umlief. Zwei dieser tapferen Strumpfstricker- sie faullenzten nämlich nicht beim Postenstehen, sondern strickten fleißig Strümpfe für die Familie standen bei irgend einer bedrohten Oertlichkeit auf Vorposten. Auf einmal hörten sie einen Schuß. Pitter, ich gleuf et schües't!" Da psisf auch eine Kugel am zweiten vorbei: DrickeS-, ruft der andere aufspringend, ich gleuf, se scheeße scharf !" Heda ! ruft der Peter ebenfalls aufspringend und den Hut gegen die feindliche Patrouille schwingend, heda ! Soht er denn nit, dat Lück he stöhn " Als diese Warnung nicht half und eine zweite neue Kugel psiff, liefen Beide mit Zurücklas. sung ihrer vorsichtig ins Wachthäuschen gestellten Gewehre davon, den Strickstrumpf aber retZeten Beide.

Qin Tellator.

Der alte Korbmacher von Obernermn , m r v f . gen nanv im Begrisje, oiezes no!i.cye Jammerthal zu vertauschen mit dem Lande, wo man keine Körbe mehr macht, weil man keine mehr braucht. Er hatte ehrlich und redlich sich durch dleWelt geschlagen, bald aus seinem Metier gearbeitet, bald . auch sich versucht in andern sreienKünsten,als da sind : Drahtziehen, Wahrsagen, Neuiahrwunschen, Ansprechen. Finden u. dgl., und war dabei manchen Arrestationen und andern Angriffen auf seine persönliche Freiheit auögesejt gewesen ; nun aber psiff er auf dem letzten Loche, und Weib und Kinder standen wemend um sem Lager. Wohl wissend, daß für den Tod kein Kraut gewachsen, hatte er Doctor und Apotheker ungeschoren gelassen und sich auch in der letzten Klemme blos an daS Mittel gehalten, das ihm lange Jahre die Last des Lebens versüßt hatte, nämlich das edle aqua vitae, sonst Schnaps genannt. Eben hatte er wieder eine nicht gerade mit dem' Eßlöffel gemessene Dosis seines Heiltrunkes zu sich genommen ; wunderbar dadurch gestärkt, richtete er sich auf. gebot Stille und that in Nachfolgendem feine letzte Willensmeinung kund. Horch, Susanna, ich spüVs, mit mir geht's stark dem grasigen Weg zu, und bis morgen wird sich viel zeigen ; deßwegen vernehmet, was ich Euch noch zu sagen hab'. Viel hinterlassen kann ich Euch nicht, das wißt Ihr ja selbst schlechte Zeiten und füns Kinder auferziehen, ist keineKleinigkeit aber etwas Rechtes hab' ich Euch lernen laffen. und das werdet Ihr mir noch unterm Boden danken. Ihr könnt Alle, was ich kann, und hab' ich mein, Auskommen dabei gefunden, so werdet Jhr's auch finden. Dem Joseph' saget Ihr, er solle nur Soldat bleiben ; er hat so nie 'ne rechte Freud' an unserm Geschäft gehabt und hat jetzt schon dasHerrenbrod verschmeckt; sür den' brauch' ich also nimmer zu sorgen. Du, Jonathan, kriegst zu Dei'm Betrieb das unter' Enzthal,von hier bis Besigheim; wenn Du Dich umthust, kannst auch noch am Neckar hinunterGeschäste machen, aber nimm' Dich in Acht vor dem Oberamt in Besigheim. Du, Paul, erhältst's ober' Enzthal, über Mühlacker hinaus bis gegen Pforzheim ; 's ist aber besser, wenn Du im Land bleibst, in's Badische hab' ich mich nie recht getraut. Du Heiner, schlägst Dich in's Gau, bis LudrJigsburg und Leonberg; aber bleib' mir von Stuttgart weg, es hat so vieleLeute d'rin mit zweierlei Tuch am Kittel. Und Du, Hannesle, bleibst bei Deiner Mutter und frequentirst den Strom- und Heuchel berg, und wenn sie einmal stirbt, gehört die ganze Gegend Dir allein. Rierxingen behaltet Ihr gemeinschaftlich miteinander, und was ich. Euch sage, lastet einander ni.i)t stecken, wenn Einem oder em Andern etwas vassirt. So. iekt j ,eid JhrAlle versorgt und ich kann ruhig Ilerben !" Sprach's, legte sich aus's Ohr und entschlief zu seinen Vätern. Seine Söhne aber theilten sich im Frieden in das Land, so ihnen der Vater zum Erbe hinterlaffen hatte. - . m m m Ueber ein amüsantesEx periment, welches vor Kurzem in dem prächtigen Aquarium zuReapel angestellt worden ist, wird Folgendes berichtet: Das Etabliffcment ist am Rande des Meeres gelegen, besitzt jedoch auch Süß-waffer-Bassins, in denen Flußfische gehalten werden. In einem derselben befand sich ein Hecht, den man mit lebendigen Grundeln fütterte, die man in fein Bafsin warf. Als er sich eines Tages müde und satt nach der Jagd in einen Winkel zurückgezogen hatte, ließ man langsam zwischen ihm und den noch übn' gen Grundeln eineSchcioewand aus unbelegtem und vollkommen durchsichtigem Spiegelglas herab. Sobald sich bei Meister Hecht der Appetit wieder zu regen begann, versuchte er es, nach seiner Gewohnheit, sich auf die Grundeln zu stürzen, stieß jedoch mit dcrNase heftig ge gen das Glas; er zauderte ein wenig, dann machte er neue Angriffe und holte sich stets einen neuen Pusf. Endlich zog er sich in seinenWinkcl zurück, schien seine sonstige Gesräßigkeit gänzlich aufgegeben zu haben, denn er machte keinen weiteren Versuch, die Grundeln zu behelligen. Nach einigen Tagen zog man die Scheidewand ebenso sachte wieder heraus, und die Grundeln, die nun Raum spürten, verbreiteten sich im ganzenBassin. Einige kamen dem Hecht in nächste Nähe, der ihnen nicht nur nichts that, sondern sich schleunigst zurückzog und sorgfältig der ganzen Brüt auSwich, der er ohne Zweifel die Püffe zuschrieb, die er auf die Nase erhalten hatte. Es dauerte mehrere Tage, bevor ihn der . Hunger endlich zwaug, zu seinen altenGewohnheiten zurückzukehren. Als Zeichen der Ueberlegung bei Thieren, die man im Allge meinen einer tieferen psychischen' CombiNation nicht für fähig hielt, ist der Vorgang jedenfalls bemerkenswerth. Zu denGebräuchen des spanischen Hoses gehörte es, daß man nach der Niederkunst der Königin den Namen des neugeborenen Prinzen oder der Prinzeffin von Asturien das Beiwort der krästige" oder die kräftige" vorsetzte. Eines Tages aber wurde ein Prinz von Asturien geboren, welcher todt war. Der Hofmarschall zeigte dem Volke diesen Vorfall durch eine Zeitungsnotiz an, die folgendermaßen abgefaßt war : Ihre MajestSt,die Königin von Spanien haben einem kräftigen Prinzen von Asturien das Leben gegeben, der nur wenige Augenblicke gelebt hat SpeculativerGeist. Aber, Vorsteher, bei.Euch zu Land muß eS doch viel Gesinde! geben, da fast keinTag vergeht, ohne daß eine Gerichtscommifsion hierher kommt, um Augen schein wegen Einbruchs und dergleichen einzunehmen !" Vorsteher : So arg, Herr, ist'S doch nicht; aber'S Ländle ist schlecht und man könnt' nicht leben davon. Nun ist's so eingeführt, daß immer wer ein Fenster oder eine alteThür' einschlägt ; dies zeigt man an, dann werden Zeugen vernommen, und so hat man doch noch einen kleinen Nebenverdienst mit Zeugengebühren, die der Staat bezahlen muß, wenn nichts aufkömmt

Der Kellnerin Qtlbstvcrthkiöiauns. Da macht der Wirth ein groß Halloh Und kann sich gar nicht fasten. Dieweil ich conmi pubheo . Mich habe küssen lassen ! ' Zank' er nur zu! Mich stört's nicht groß Ich werd' nicht prüde zaudern ! Man hat den Mund ja doch nicht blos Zum Trinken und zum Plaudern. Nein, darum ist man noch nicht schlecht .

Wenn mal ein hübscher Mann kommt. Und mir ist längst nicht Jeder recht, Herr Wirth, der hier so 'ran kommt. ' Köm' mir ein Eonfection5co:7.mis ' Wie Thekla's stille Liebe, Dem schrieb' ich man sollt's börcn. wie . Ich's hinter' Ohr ihm schriebe ! Und fritc.se mich ein Kahll V?. it. rr . ' LCi1 sst' xüic iyn amlua ycilte. Den ersten besten schäb'gen ez! Göss ich ihm aus die Platte. Mit Gretels blondem Ncferendär Könnt ich mich eher necken. Würd' auch, wenn's Frieda'5 .Doctor wär'. Den Kopf nicht höher recken. Käm Jda's Lieutenant, pokc!emcnt ! Beugt' ich den Kopf auch medcr -Und küßt mich gar mein Corpsstudent,. -Kriegt er zwei Küste wi:dcr. Herr Wirth, fei'n Sie kein Sdclkff Um der drei Küste wegen ; Küßt' ich Sie selber, ach Herr Chcs, Sie hätten Nichts dagegen ! Und wär's dem lieben Gott ein Graus, Mem Kosen und mein Küsten, Hätt' er 'ne Fürstin.Wittwe aus Mir werden lasten wüsten. Georg Juraschek. - m Aus Neapel werden in jde? Woche neue Aauv- und Mordanfälle an hellerlichtem Tage und auf ostener Straße gemeldet. Man UoxtWt wobl be! diner MtcMtV lichen Unsicherheit das Sprüchwort: Neapel sehen und sterben". Gegenseitiges M i ß v e r st ä y 11 X N i H. (Zwei Herren sehen stch an einen sau bcr qesegtcn Tisch, sichtlich erfreut über die Reinlichkeit desselben. Die Kellnerin will mit einer ziemlich schmutzigen Serviette aufdecken.) Herr : Oh, las sen Sie doch, wir brauchen feine Ser öiette." Kellnerin : ,Ja. dceS glaub' i' schon, wegen Jhna g'schieht's auch net, soudern wegen dem sauber'n Tisch. ': Energische Ablehnung. Der Herr Bankier Cordcl-'wimer, ein getauster Jude, sucht mit peinlicher Vor sicht seine jüdische Abstammung zu ver heimlichen. In einer klcincn lLzsell schast, wo lebhaft über Architektur ge sproiten wird, richtet eine Dame ganz harmlos an den Herrn BanliirGordelSheimer die Frage :Sind Sie nicht auch' der Meinung, dak die Synagoge in ein Meisterwerk ist zumal das Jnnere?" 5 Wie heißt ?" ruft Herr Cordelshei . w Avtiwtr44. f1 .4i4 .! o in it. tiiiiu uci , ,uuu iüj uju uic uu ii ben eine Synagoge betreten!- " V e r f e h l t e B e st i m m u n g. Der Herr Referendar Vär, bei denr Herrn Commerzicnrath Cohn zum the dansant eingeladen, zieht sich .vorn. Tanze zurück und vergnügt stch amBüff-t rjr. :.v w - - n - oei oc Dcriajuocnen orien oes !Ze frorenen. Cohn, der es bemerkt, tritt zir ihm hin und meint : .Aber Herr Bär ich f abc Sie doch nicht als Eisbär gela den : Erfüllen Sie doch Ihre Pflichten, als Tanzbärs . Ein gewaltiges Donnermetter. Wenn ihr mir noch einmal solche Mttt4tt tnAtt ist (hiAiii2lC. ;umuiuiiii uiuii, it u,iuiiuujiy er, so last' ich Jedem vier Wochen Dunkel arrest geben, oder mich soll gleich -ein Dor.nervetter 14 Tage über die Ewig keit hinaus verschlagen !" Gewohnheit. A. : Wie können Sie nur daS Gestüt gel so mitleidslos abschlachten .' B. : Im Ansänge ward ich fast ohn machtig, jetzt treib' ich's aber gegen zehn Jahre, und da ist's das Geflügel schon: gewohnt. Ungilti ges Zuge stand n iß. Aber Karl, gestern bist Du wieder einmal in einem höchst unpasienden Zustande nach Hause gekommen !" Was?, ich, li'be Mama? Ich war.doch nicht betrunken ?" , Ach, geh' mir weg mit Deinem Leug nen. Du hast's ja selbst zugkstanden!- , Was zugestanden ! Das gilt nichts, denn das ist in der Besoffenheit geschehen !" Neue Industrie. Weib, ich geh' jeht hinunter zum Karpfen ; schick' nachher bz Kinder hinunterzum Betteln. Ich si$' . dort bei den Stammgästen, lauter guten Bürgern und ich steh' Dir gut dasür, daß sie da ein gutes Stück Geld bekommen. Wenn die Kinder an den Tisch kommen, will ich sagen, daß ich ihren Vater kenne, einen braven und fleißigen, aber uno.lücklichen Mann, der wohl Unterstükung. verdiene. Und glaub' mir, ich werde das nicht umsonst sagen !" Kleider machen Leute. Ein Fremder kommt in ziemlich desek--ten Neisekleidern in den Kursasl undsagt zu dem Kellner, der ihn mißtranisch ansieht: Eine Flasche Rheinwein,' Kell ner i Kellner: Ja. solche Lumpen trin ken Rheinwein ! Hier ist nicht der Ort für Handwerksburschen ; mach' Er, daß Er fortkommt!" Der Fremde entfernt sich) kehrt aber bald, sehr elegant angezogen, zurück. Sämmtliche Kellner stürzen auf ihn zu. Kellner: Was befehlen der Herr Graf?' ' - ' Fremder : ..Geben Sie mir einen, Schnaps !"