Indiana Tribüne, Volume 4, Number 456, Indianapolis, Marion County, 17 September 1882 — Page 2

Das Dm-Kimigm-Hau!

Slonan in zirei Zbiheilungen und vier Bänden von Skn Basque. ? fSnrtiffcnrm Vi u""ry""av Als nach Tisch die Stunde herannahte, ivo Fra:i von Embden auszufahren pflegte, da begab Urban sich nach einem ' mit Baureihen bepflanzten Platze in der Näüc des Drci-Königen-Hauscs. Öier mußte dck Wagen Julias vorüberkomen,um mich den öffentlichenPromenaden fahren, die sich rings un; die Stadt hinzogen und zugleich die einzige, :u derartigen Spazierfahrten gceigneteGeiegenheit boten. In einer Aufregung, wie er sie wähnte ie empfunden zu haben,Zchritt er die 53r.unircihen aus und ab. Gnbliu) endlich -rasselte ein Wagen heran. In langsamem Trab kamen die . beiden Giuschinm'.el auZ der Nebenstraße hervor, und in der offenen Equipage lag nachlässig l instrctft eine Dame. Es war Frau van (imbde'n seine Julia. Wohnte seinem Blicke eine magische Kraft inne oder ahnte das glänzendeAuge Julias dieNähe des ehemaligenGeliebten? (Zs mußte fast so sein, denn plötzlich hefteten ihre suchenden Blicke sich in die sei nizen sie hatte ihn erkannt, und wie ein Schlag durchzuckte es ihren ganzen Körper, rer sichtlich zusammenfuhr und us seiner nachlässigen Lage emporschnellte. Ihr Antlitz war plötzlich bleich geworden, und nun glühten die dunkeln klugen erst recht aus ihm hervor und in die Urban's. der jetzt stehen geblieben z?ar, um durch keine Bewegung das Bild, 'welches Julia ihm bot. zu stören. Doch schon im folgenden Augenblick kehrte ihre frühere -lebcnswarmc Nöthe zurück, ihr Starren und Staunen wandelte sich un ier einem tiefen Aufathmcn in ein entzückendes Lächeln,, das den unbeweglich dastehendem Leonard zu grüßen schien dann war ihre Erscheinung an ihm vorübergeflogen. Je!-: en't kern wieder Leben in Urban's Gestalt, mächtig hob und senkte sich seine Brust, und triumphirend blitzte, sein Auge uf. Der letzte Blick, der ihm geworden, der tief in seine Seele gedrungen, hatte ihm Erfüllung seines 5)osfens verkündet. Urban iäumte keinen Augenblick, das bereits Erreichte zu verfolgen und auszunutzen. Er dürfte annehmen, daß er eine' Stunde vor'sich hatte, denn so lange mochte die. Spazier und Rundfahrt dau r tvX-.M"f Si Xiim 'O nanitnav 1.1, uuv uiiuy, vuj) ytuuyiii ivürde, seine noch nöthigen Vorbereitungen zu Ende zu führen. "; Rasch kehrte er in die Wohnung Tex tors zurück, dieser, von, der Straße aus betrat. Sie war leer, und auch in der Küferei wie- auf-dem Hofe sah er Nie anand. Dennoch stand der Keller weit offen. Er mußte hinein, auf die Gefahr hin, den Küfer darinnen zu finden. Doch nas thars ? Er hatte ja ein Recht, dort zu weilen und zu Hantiren, machte er doch Gefchäftc für den Schwiegervater und Bevollmächtigten des Herrn van Emb ien. Wenige Augenblicke später befand er ch in dem Gewölbe, das er rasch durcheilte. Die Verbindungsthür lag nur im Schloß, und sicher, als ob's Heller Tag gewesen wäre, schritt er durch das Dunkel des zweiten Kellers auf die Treppe zu. ajönc teilen erreichte er ne, 0 feu yane er sich Richtung und Entfernung ringe räzt. Oben angelangt, horchte er hin4er der Thür, d'er Treppe eine ganze Weile gespannt in den Flur hinein, doch hörte er keinerlei Geräusch, das ihm Besorgniß hätte einflößen können. Jetzt öffnete er behutsam die Kellerthür, trat auf die Stufen hinaus, und, den Eingang nur anlehnend, erstieg er unhörbar dieTreppe. Auf der ersten. Etage angelangt, flüchtete er ohne Aufenthalt in- das Dunlel des Corridor?,' hier 'zum ersten Male wieder frei und tief aufathmend. Hier muß sie vorüber, hier muß es sein! hatte er sich mit keckem, trotzigem Muthe gesagt, und obgleich es die allergefährwichste SttuTtoar"" unter ihm das ' Comptoir und die Dienstboten, über ihm . . : . r. r r i r , . oie oewonme läge , u ooi ne iiqi .dort auch wieder durch ihre Oede, ihre Dunkelheit die beste Sicherheit, wie es zugleich auch bie einzige war, auf welcher er Julia überhaupt begegnen konnte. Im ganzen Hause war es still. Das leichte Geräusch, welches in größern pausen aus der obern, von der, alten Frau Andrea und Wlenand van Embden be.wohnten Etage oder von unten aus der -fernabliegenden Küche an sein Ohr tönte, war nur geeignet, diese tiefe Stille um so mehr hervortreten zu lassen. .Auf den Zehen, den Athem angehalten, näherte Urban sich den Thüren, erfaßte, die Hand mit einem Tuche schützend, die staubigen -Drücker von alter Form, vorsichtig ver suchend, ob' ei ner d er Eingänge sich öffnen ließe.' Vergebens ! Alle Thüren waren seft verschlossen.' Schon hatte er die Runde über den 'ganzen langen Corridor gemacht, kleine und größere Eingänge in . ziemlicher Anzahl untersucht, ohne an iraend einer Stelle etwas erreiüt m baben. Dabei batie seinAuge sich mehr und mehr on das Dunkel des Ortes gewöhnt, und min gewahrte er hier etwas, das ihm früher entgangen ' war. Die eine Ecke Eorridor? dort' einen scharfen Winkel bildend, fand sich hier abgestumpft, und bei näherer. Untersuchung entdeckte er zu seiner Ueberraschung auf dieser stumpfen Fläche eine kleine Thür, die sich durch nichts, weder durch ein: Vertiefung, noch durch eine Leiste von .der Wand abhob. Auch weder Drucker, noch Schloß oder Schlüsselloch war zu- finden, der kleine Eingang', konnte nur von innen, etwa durch einen Riegel, geschlossen sein. Ur bau. in seinem Eifer zu forschen, irgend etwas zu entdecken, drückte von allen Seiten wider diese verdächtige Thür, "da . rrrif YiTnf.strf in ' f (trrPTibf r ??ffTnst der, wenn auch nicht stark, doch eigen- . thümlich durch dieRäume zu hallen schien, unb zugleich öffnete sich die schmalePforte. Der Eingang in die längst verschlossenen, geheimnißvollen Räume stand dem kecken Eindringling offen. ' Tiefes, nachtschwarzes Dunkel umfing ;f,n. keine Vorttelluna mockte er sich von dem Orte zu macyeu, wo er neu vesano. Jetzt tastete er mit den Händen umher und fand eine glatte Mauerfläche, , mit dichtem Staub bedeckt. Diese verfolgend, mußte er eine Wendung machen ;uno gewahrte nun, wie in weiter Ferne, eine unatte Helle. Nun hatte die andere su- ' " ' '..' V i

. chende Hand auch eine Mauer berührt.

und er wute jetzt, etwas erleichtert uud aufathmend, daß er sich in einem schmalen Gange befinde. Rasch bewegte er sich auf die Helle zu; die Lage des Hauses,die Richtung, in der er dahinschritt kennend, glaubte er endlich auch zu wissen, wohin er gelangen würde. Er täuschte sich nicht, denn bald nahm der Gang ein Ende und Urban sah sich vor einer steinernen Wendeltreppe, die abwärts führte. Er befand .sich in.dem Thurm, der, obgleich höher als die Etage und das Haus, sich über seinem Haupte zu einer Decke wölbte. Urban setzte seinen Weg fort. Die Treppe stieg er hinab und stand nun vor der Pforte des Thurms, die nach dem Hose hinausführte und die er fo oft von draußen gesehen hatte, ohne irgend etwas Besonderes dabei zu denken. Ein mächtiges Kastenschloß schloß die Pforte, und in ihm steckte ein Schlüsiel. Behutsam zog er ihn hervor und betrachtete den plumpen, einmal eingeschnittenen Hakenbart. Dann trat er den Rückweg an. Ungefährdet gelangte Urban zu der kleinen Pforte, die aus den Eorridor führte, doch nicht trat er auf diesen hinaus draußen herrschte noch immer die frühere Ruhe und Stille , sondern, durch seine Erfolge kühn gemacht, setzte er seine, Untersuchung fort. Tastend folgt er nun der Waud des tiefdunkeln Raumes, der sich bald zu eincm Gelaß erweitert. Jetzt berührt - er einen Drücker, den feine Hand in Bewegung setzt, und leise knarrend öffnet sich eine kleine Thür, die in ihrer Form und Anlage Aehnlichkeit mit der Gangthür haben muß. Er befindet sich in einem Nauine, der zwei große Fenster hat, die, wie Urban sich sagen muß, nach der Straße hinausgehen. Denn durch die klaffenden Ritzen der Bohlenläden, welche dieFcnstcr schließen, dringt so viel Licht in die Oede ein, um den Ort und auch seinen Inhalt nothdürstig erkennen oder doch ahnen zu laffen. Vielerlei seltsam geformte Möbel glaubt er ZU errathen, und besonders bemerkt er ein großes kastenartiges Stück, das weit in das Zimmer hineinragt, mit Säulen an den Enden.die oben eine Decke zu tragen schienen. Es kann nur ein Himmelbett von alterthümlicher Form sein. Doch was ist das ? Dort an der Wand scheint ihm durch das Dunkel ein Gesicht eine Gestalt in seltsamer Tracht entgegen zu schauen nun eine zweite eine dritte ! Fast hätte er aufgeschrieen vor wirklicher Furcht, doch saßt er sich noch zur rechten Zeit und sagt sich, daß die unbeweglich bleibenden Gestalten nur Bilder an den Wänden oder alte Figurentapeten sein können. Schon will er die Wahrheit seiner Vermuthung durch eine genauere Untersuchung bestätigen, als er draußen aus der Gasse das ferne, doch langsam näher kommende Rollen eines Wagens vernimmt. Wie aus einem berückenden, märchenhaften Traum erwacht, horcht Urban zusammenfahrend auf.. Sie ist es, Julia, die heimkehrt, in wenigen Minuten das Haus, die Treppe betreten muß. Er hat sie, von dem Zauber des unheimlichen Ortes gebannt, vollständig vergessen, und auch, weshalb er sich hier befindet. Doch nun ist der Bann gelöst, und nur an sie, die Ersehnte denkend, arbeitet er sich hastig durch das dunkle Gelaß wieder hinaus auf den Corridor. Jetzt bat Julia die erste Etage erreicht. Wie von Unruhe und Aufregung überwältigt, hemmt sie ihren Schritt und stützt sich, lief athmend, auf den TreppenPfosten, der den Löwenwächter trägt. Da tritt Urban aus dem Dunkel des Corridors, wider dessen Wand er fich gelehnt hatte hervor und steht plötzlich vor Julias Blicken. Diese will im ersten Augenblick entsetzt aufschreien, doch vermag sie es nicht, die Kraft fehlt ihr dazu. KeinenLaut oder wir find alle beide verloren ! keucht Urban ihr mit heißem Tone zu. Komm, folge mir! Folge mir, wiederholt er mit wildem Drohen, als Julia zaudert, der Hand, die fie gefaßt hat, zu folgen oder es geschieht ein Unglück! Ich bin zu allem entschlossen, verderbe mich und dich mit mir ! ' Willenlos vor Schreck und Entsetzen läßt jetzt Julia alles mit fich geschehen. Urban zieht sie rasch nach dem Ende des Corridors, dann durch das so glücklich entdeckte Psörtchen in das dunkle, öde Gelaß. Zu dem Schreck gesellt fich bei Julia nun auch noch die Furcht vor etwas Ungeheuerlichem, denn beim Ueberschreiten der Schwelle weiß fie, daß ihr Fuß die unheimlichen, vcrjchloffenen Gemächer betritt. Dies wirkt so unerwartet und übermächtig auf sie ein, daß ihre Sinne zn schwinden beginnen und fie mit einem leisen Aufschrei in den sie haltenden Armen Urban's zusammensinkt. Heftig preßt dieser dicHalbbcfinnungslose wider sein stürmisch schlagendes Herz, ihre Lippen, Wangen und Augen bedeckt er mit seinen glühenden Küsten, die Julia endlich wieder vollends in's Leben zurückrufen. Unter Küssen erwacht sie, und ihre erste Bewegung ist ein Umschlingen des Geliebten. Kein Wort vermag sie zu reden, doch der Druck ihrer Arme, die Gluth ihrer Lippen sagen mehr gls alle Worte. Ihr jahrelanges, heimliches Sehnen hat , sich endlich erfüllt, und in einer Weise, die ihr keine Wahl, kein Zaudern gestattete. Ohne Uebergang war es geschehen, in fast gewaltsamer Weise, und ein banges Zurückhalten, eine ängstliche Unentschlossenheit, jetzt noch, wäre Thorheit gewesen. Der Schritt war nun einmal gethan, unwiderruflich; die Folgen, wie sie auch kommen konnten, hatte Julia zu tragen, und deshalb durste mußte sie nach dem Erreichten sich mit Herz und Seele hingeben. Erst nach einer Weile,nachdem der erste Rausch vorüber war, die Gegenwart, Ort und Zeit wieder klarer vor ihrem Geiste aufzutauchen begannen, da mußte der Sinnenreiz schweigen und alles Denken auf den Augenblick gerichtet sein : was nun noch geschehen müsse, ihrem Thun schlimme Folgen zu ersparen und das Errungene zu sichern. Laß mich, Leonard, und eile hinweg ! flüsterte Julia endlich, sich Urban'sArmen entwindend.' Auf welchem Wege du hierher qekommen bist,, weiß ich nicht, ein sicherer wird's gewesen sein, und unbemerkt wirst du dlch auch wieder entfernen können sonst wäre es mein Unglück. Geh, ich beschwöre dich!

Niemand hat mich gesehen noch wird mich sehen, entgegncte Urban gleich hastig und mit einer wilden Energie. Doch gebe ich nicht eher von dir, als bis du mir gesagt haben wirst, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Es muß geschehen und bald, oder ich suche dich aus in deiner Wohnung an seiner Seite, weigerst du mir meinen Willen. Halt cin'und höre! klang es jetzt in einer so schnellen Redeweise an das Ohr Urban's, als ob die Sprecherin nicht nach einer Eingebung des Augenblicks rede, sondern längst alles wohl überlegt hae. Daß du bei meinem Vater wohnst, weiß ich. Kehre dorthin zurück und verlaß das Haus, wenn möglich, heute nicht mehr, auf keinen Fall lasse dich im Hofe sehen. Morgen nach Tisch erwarte mich. Ich werde bei meiner Ausfahrt meinen Vater auf eine halbe Stunde besuchen, und diese gehört dir. Der harrende Wagen wird mir als Sicherheit dienen. Dann mußt du fort hier oder sonstwo im Hause dürfen wir uns nicht mehr sprechen. Wann und wie es geschehen kann, wollen wir morgen überlegen. Nun gehe, ich beschwöre dich um des Himmels willen. Man wird mich vermissen, jeder Augenblick vergrößert die Gefahr für mich. Letztere Worte hatte sie in ängstlicher Aufregung hervorgeprcßt und dabei versucht, ihn. fortzudrängen. Eile zuerst die Treppe hinaus ; bist du in Sicherheit, verschwinde auch ich. Rein, nein, wer weiß, was geschehen könnte geh ! sagte Julia nochmals und umschlang zugleich Urban leidenschastlich ZU. einem letzten Abschicdslussc. 'Doch noch bevor ihre Lippen die seinigen berührten, schrak sie jäh in seinen Armen auf. Hörtest du nichts ? flüsterte fie erbleichend und mit weit aufgerissencnAugen in das Dunkel starrend. Es war, als ob eine Thür geöffnet wurde, dort dort in der Ferne. Es mußte in der That also gewesen sein, denn auch Urban horchte gespannt nach den räthselhasten Räumen hin, die sich vor ihnen nach zwei Seiten hin ausbreiteten. Athemlos standen beide da, sich jedoch wie zum Schutz einander fest umschlungen haltend. Da da ertönte der verdächtige Schall ein zweitesMal und den Entsetzten näher. Es war nicht zu verkennen : eine schwere Thür wurde langsam geöffnet und dort, aus den Gemächern zu ihrer rechtenHand, kam es her. Fort! wollte Julia keuchen, doch das Wort erstarb ihr auf den Lippen, denn nun wurde ein anderes Geräusch in den unheimlichen Räumen laut. Es klang wie langsam näher kommende schlürfende Schritte. ZuTode erschrocken,t?at?n beide hinaus aus den Eorridor, um zu gleicher Zeit, nur an die eigene Sicherheit denkend, zu fliehen. Doch neues Entsetzen ! Aus der oberen Etage kam Jemand, ein Liedchcn trällernd, die Treppe hinab. Das Klirren der Vorplatzthür und .der Ton der Stimme hatten Julia sofort gesagt, daß es Lisa, ihr Stubenmädchen, sei, welche die Wohnung verlassen und wohl in der Küche zu thun hatte. Kaum noch ihrer Sinne mächtig, warsen beide sich in ihr Versteck zurück. Doch es war zu spat, das Mädchen mußte im Dunkel des Ganges irgend etwas Verdächtiges gesehen haben, denn plötzlich brach mit einem leisen Schrcckensschrei das Trällern ab und die Person flog mehr als sie lief die Treppe hinab, um in dem untern Flur hinter einer laut schallcnd in's Schloß fallenden Thür zu verschwinden. Jetzt war kein Augenblick mehr zu verlieren, denn von allen Seiten drohte Gefahr, hier waren es die unheimlichen, fast spukhast klingenden Schritte und unten wurde Lärm in der Küche hörbar, wo das Stubenmädchen Lisa wohl ihr flüchtiges Erlebniß auf dem verdächtigen Corridor als eine, trotz des hellcnTages, schreckliche Gespenstergeschichte erzählte. Allem trotzend, flohen Urban und Julia nun wirklich. An der Treppe bei dem Löwenwächter angelangt, folgte noch ein letzter flüchtiger Kuß, in der Todesangst kaum empfunden, dann flog Urban die Treppe hinab. An den Pfosten geklammert, horchte Julia athemlos seinen Schritten. Jetzt verhallten diese eine Thür mnßte hinter ihm leise in's Schloß gefallen sein genau in dem Augenblick, wo die Thür, welche nach der Küche führte, lärmend aufgeriffen wurde, aus der das Dienstpersonal, der Koch an der Spitze, hervorbrach, um dem Spuck, den gesehen zu haben Lisa geschworen hatte, ans den Leib zu rücken. Nun wandte sich auÄ Julia, um die Treppe hinaus in ihre Wohnung zu fljegen. Doch nur 'eine Bewegung machte sie, um zugleich einen gellenden, entsetzlich klingenden 'Schrcckensschrei auszustoßen, mit einem Ruck wie am Boden gebannt stehen zu bleiben und mit weit ausgcrisse nen Augen eine Erscheinung anzustarren, die urplötzlich vor ihr aufgetaucht und diesmal wohl eine wirklich spukhafte war. In einer Thür der geschaffenen Etage, dem Treppeneingang grade gegenüber, die sich geöffnet . hatte, während Julia athemlos dieTreppe hinab den verhallenden SchrittenUrban's nachgehorcht,stand, von dem matten Dämmerlicht des Orts unheimlich erhellt, eine hohe weiblicheGe statt, in schwarze Gewänder gekleidet, mit bleichem Antlitz, großen grauen Augen, deren Blicke mit zürnendem Ernst unverwandt aus Julia gerichtet blieben. Der Körper der jungen Frau begann unter der Macht dieser kalten Augen, die sie in ihrer furchtbaren Aufregung nicht zu erkennen vermochte, zu schwanken. Keuchender wurde ihr Athem,dabei streckte sie die Hände wie abwehrend gegen die unbeweglich bleibende gespenstische Erscheinung aus und fiel dann plötzlich mit einem wehen Seufzer besinnungslos zu Bodens . In diesemAugenblick hatten dieDienstboten, von dem Koch angesührt, die obern Stufen der Treppe erreicht, doch auch sie fuhren bei dem unerwarteten Anblick der düstern Gestalt, in der offenen Thür mit lautem Aufkreischen zurück. Doch hatten fie bald die Erscheinung erkannt, und ihre Furcht,' ihre Aufregung begann fich in Beschämung zu verwandeln. Jetzt trat Frau Andrea van Embden, denn fie war. es, einen Schritt auf den Corridor hinaus, und, auf die wie leblos auf dcnTreppenstufen hingestreckt liegende

Gestalt deutend, sagte sie kalt und eintönig : Bringt die Gattin eures Herrn hinauf in ihre Wohnung. , Mein unerwartetes Erscheinen hat ihre Seele mit Schrecken erfüllt. Daß sie Ursache hatte, mich zu fürchten, mag Gott ihr vergeben. Letztere Worte sprach sie finster vor sich hin, während die Dienerschaft und vor allen das Stubenmädchen Lisa sich der jungen Frau van Embden näherten, die sie bis jetzt vor jähem Schreck nicht bemerkt hatten. Wehklagend versuchtcn'sie die Ohnmächtige aufzurichten und die Treppe hinaufzuschasfen, was ihnen erst nach einiger Mühe gelang. Doch als die Leute sich wieder nach Frau Andrea umsahen, war diese verschwunden. Die Thür der geheimnißvollen Räume fand sich wieder geschlossen, und der Corridor der ersten Etage lag da, düster, öde und unheimlich wie früher. 1Z. vapitcl. - Vcrsltiicdknartigt Folgen )cl !pukh!te VrsNtO. Auf dem Sofa ihrer Wohnstube lag Frau Julia van Embden gebettet, umstanden von ihremGatten und denDienstboten, die voller Angst auf ihr Wiedererwachen und zugleich auf den Arzt warteten, nach dem Herr Winand gesandt, sobald er das Vorgefallene erfahren hatte. Julia athmete, sogar recht regelmäßig, und dennoch wollten die geschlossenen Augenlider sich nicht heben, die Arme, der Körper keine Bewegung machen. Der plötzliche Anfall war gewiß vorüber und die scheinbar Ohnmächtige auch wohl kräftig genug, sich zu erheben. Doch war das Vorgefallene für sie sehr ernst, und bevor sie darüber reden durfte, mußte sie wiffen, was die Leute des Hauses, die sie so unerwartet auf den Treppenstufen gefunden, äußerten und dachten. Und die Kluge täuschte sich in ihrer Voraussetzung nicht. Da ihr Zustand kein gefährlicher mehr war, worauf alleAnzeichen deuteten, sondern gewiß nur noch eine übergroße Mattigkeit ihre Sinne umfangen, ihre Augen geschloffen hielt, so konnte Herr van Embden dem Dränge nicht widerstehen. Näheres über das Geschehene zu erfahren, was ihm bis jetzt nicht möglich geworden war. Ohne feine ängstlich-sorgende Aufmerkfamkeit von Julia abzuwenden, begann er hastig und flüsternd die ersten Fragen zu stellen, und nun war es Lisa, das Stubenmädchen, welche mit einer wahren Gier die Führung der Beuchterstatter übernahm und erzählte. Nichts Böses ahnend sei sie die Treppe herabgekommen, leise ihr Leibliedchen singend.als sie'plötzlich nn fernen Dunkel .des unheimlichen Corridors gesehen, wie eine der großen Thüren wie von unsichtbaren Händen weit geöffnet worden sei. Nun wäre eine weibliche Gestalt, von Kopf bis zu Fuß in weiße Gewänder gekleidet, mit einem Angesicht, so schön, doch auch so bleich wie das Gewand, vorgetreten, unhörbar über den Gang geschwebt und in der gegenüberliegenden Thür, die sich ebenfalls von selbst vor ihr ausgethan habe, verschwunden. Dies alles habe sie mit ihren eigenen Augen klar und deutlich gesehen urd wolle es mit Hunderten der heiligsten Eide beschwören. Nun kamen die andern an die Reihe, und nach einigem wirren Durcheinander behauptete der Koch siegreich das Feld. Er berichtete von der zweiten Erscheinung, die alle gesehen hätten und beschwören könnten. Dieselbe habe aber kein weißes Schleiergcwand, sondern ein schwarzes Seidenkleid angehabt und sei auch nicht, wie man ansänglich mit Entsetzen geglaubt, ein Spuk, sondern die alte Frau Andrea van Embden gewesen, die aus einer der stets geschlossenen Thüren hervorgetreten und auch hinter derselben wieder verschwunden wäre. Dann erst habe man die junge Frau van Embden ohnmächtig aus der Treppe liegen gesehen und sie' sofort ohne weiteres Fragen und Forschen glücklich hinausgeschafft. Sinnend hörte Winand die Reden der Leute an, und ernste Blicke streiften dabei seine noch immer regungslos daliegende Gattin. Sonderbar höchst sonderbar! sagte er sich mit argwöhnisch bangem Sinnen. Was mag da vorgegangen sein? Meine Mutter wird es wiffen, sie will ich fragen. Bald befand Winand sich in der ber seinign gegenüberliegenden Wohnung und in dem Zimmer seiner Mutter. Seit seiner Verhcirathung hatte er derselben nicht wie sonst seine rcgelmäßigen Besuche abgestattet, sondern immer größere Pausen waren dazwischen entstanden. Die gemessene, , frostige Aufnähme, welche er mit Julia bei ihr fand, vermochte letztere auf die Dauer nicht zu ertragen, und kein Hehl machte sie ihrem Gatten aus dem Widerwillen, den sie deshalb gegen die alte, ernste Frau emPfand. ' ' ' Frau Andrea empfing ihren Sohn, wie immer, in ihrem großen Lehnstuhl : fie schien ihn erwartet zu haben, denn kein Staunen über die ungewöhnliche Zeit seines Kommens- drückten ihre Mienen aus. , - Frau Andrea hörte der Rede des Sohnes zu, und keine Miene ihres Angesichts veränderte sich. Als er zuEnde war und, eine Antwort erwartend,zu ihr aufschaute, da sagte sie ausweichend mit scheinbarer Gleichgültigkeit : . Du bist der Herr des Hauses und mußt wissen, was um dich vorgeht ich weiß es nicht und will es nicht wiffen.. Mutter, keine Ausflüchte,' keine UnWahrheit, die doppelt häßlich und sündig von deinen Lippen klingt ! rief Winand in plötzlicher Aufwallung. Nur du .allein kannst wiffen, was vor einer Weile im Hause geschehen ist, und dein Sohn .hat ein Recht, danach zu fragen. Wüßte ich es, ich sagte dir es nimmer ! klang es mit festem Ton ihm als Antwort entgegen. ; . , So gieb mir einen Grund dafür an, damit der Sohn seiner Mutter glauben kann. Du bist unglücklich genug ich will dich nicht noch unglücklicher machen. Worte,Mutter, salscheVoraussetzungen, entsprungen deinem Vorurtheil gegen mein armes Weib ! Liefere mir nur einen Beweis für die Nichtigkeit deinesDenkens, und ich will mich dir beugen. So sprach Winand mit tiefem Ernst, dann aber, als Frau Andrea schwieg, fuhr er mit hell aufloderndem freudigen Gefühl fort : O, wie irrst du dich, Mutter ! , Ich bin glücklich wie nimmer ich es zu werden

gehofft, noch verdient. Meine Julia liebt mich, ob mit glühendem Herzen oder nur aus Mitleid, ich weiß es nicht genug, sie liebt mich, und diese Gewißheit ist hinreichend, mich glücklich zu machen ! Verharrtest du nicht ihr und dem Glücke deines Sohnes gegenüber in einer solchen unnatürlichen Kälte, du müßtest es wisseil und von deinem finstern täuschenden Vorurthcil zurückkommen. Wohl dir, mein Sohn, daß du dies glaubst, entgegnete Frau Andrea diesmal mit bebender Stimme. Erhalte dir diesen Glauben, so lange du kannst nur frage mich nichts mehr. Sprich nur dann mit mir darüber, wenn du den Trost der Mutter bedarsst ; er soll dir werden, wie ihre Liebe dir bleiben wird. Ich werde nie in solchem Sinne Trost und Hülfe snchend zu dir kommen glaube bestimmt dies aussprechen zu dürsen. Dasür wird ebenso gewiß eine Zeit herannahen, wo du dein Unrecht einsehen, dein Vorurtheil verdammen und dich dafür an dem Glück deiner Kinder erfreuen wirst. Bis dahin wollen wir nie mehr über Glück oder Unglück meiner Ehe reden. Willst du es also halten, Mutter ? Wenn du es willst.mein Sohn, mag es geschehen. Ich werde der Stunde entgegensehen, und sie wird kommen. Ich hoffe es, und meine Worte wird sie bestätigen ! rief Winand mit Ueberzeugung und ergriff zugleich die Hand der Mutter, welche er heftig preßte, dann mit ehrfurchtsvoller Liebe an seine Lippen führte. . Damit endete die Unterredung zwischen Mutter und Sohn, welche letztern vollständig beruhigt hatte, wenn sie auch die Entfremdung zwischen ihnen nur vergrößert zu haben schien. Wie von einer drückenden Last erleichtert, kehrte Winand in seine Wohnung zurück. Seine frohe Miene schien belebend auf Julia zu wirken, und noch im Verlauf des Abends wurde sie so heiter, als ob nichts Auffallendes sich ereignet habe. Sie vermochte sogar über den Vorfall und die Vision der Lisa, welche sie von Mademoiselle Seraphine gehört haben wollte, zu scherzen, und Winand mußte, trotz seines Ernstes, endlich auch darüber lächeln. Da Julia , fich andaucrnd von ihrer liebenswürdigsten Seite zeigte, so fand der verhängnißvolle Nachmittag für die beiden Gatten, befonders aber für Winand, einen beffern und viel angenehmern Abschluß, als man nach dem Geschehenen wohl hätte erwarten dürfen. In der Küche aber, die am heutigen Abend denVersammlungsplatz desDienstPersonals des Hauses bildete, wurde das räthselhafte, nein, wahrhaft spukhaste Abenteuer, . die Erscheinung der weißen Gestalt, sowie die der alten finstern Frau Andrea in den geheimnißvollen Räumen des ersten Stockwerks, lebhaft besprochen. Das Schlußergebniß der Besprechung, die trotz ihres unheimlichen Gegenstandes bei Allen ein recht angenehmes Gefühl gruseligen Behagens hervorgerufen hatte, war natürlich der Beschluß gewesen, morgen zu gleichem Zwecke fich wieder zu versammeln, und zugleich auch die allgemein ausgesprochene feste Ueberzeugung, daß es so nicht bleiben dürfe, daß die gefchlossenen Thüren sich öffnen müßten, solle man serner ohne Gesahr für seine Ruhe und seine arme Seele in dem Hause bleiben können. Am andern Tage herrschte indeffen in demDrei-KönigeN'Hause wieder die vollständigste Ruhe, es war,als ob gar nichts Ungewöhnliches geschehen sei. Nach Tisch erhielt der Kutscher von Frau van Embden Besehl, bei der Wohnung ihres Vaters vorzufahren, und als der Wagen vor dem bekannten Haufe in der stillen Gasse hielt, entstieg Julia ihm und trat in das Haus. Jean hatte lange zu'warten und auf seinem Bock volle Zeit, über das ungewöhnliche Thun seiner Herrin sich den Kopf zu zerbrechen. Hatte diefe Geschäfte mit ihrem Vater, oder wollte sie ihn überreden, sie auf ihrer Spazierfahrt zu begleiten ? Der Kutscher vermochte es nicht zu errathen,auch meinte er, Herrn Textor im Comptoir gesehen zu haben, doch konnte er sich irren. Auf alle Fälle mußte Frau van Embden Wichtiges zu besorgen haben, denn erst nach einer vollen halben Stunde erschien sie wieder, doch ohne den Vater, und befahl die Weiterfahrt in gewöhnlicher Weise. Am . andern Tage wiederholte sich daffelbe. Diesmal geschah es jedoch, um den alten Buchhalter wirklich zur. Spazierfahrt abzuholen, indeffen brauchte Frau Julia den Wagen nicht zu verlassen. Tcxtor in seinem bestenSonntagsstaat erwartete bereits das Gefährt, und ohne den geringsten Ausenthalt ging es weiter. Der Alte bettete sich mit einer üppigen Behaglichkeit in die weichen Kissen der Equipage, und .sein hageres Gesicht ; strahlte in einer stolzen Freude, die einen hämisch triumphirendcn Ausdruck annahm, wenn sein Blick dieTochter streifte. Diese saß da mit einem erzwungenen Lächeln das nur zu schlecht den Aerger verbarg, , den sie über die vnwillkommen? Begleitung empfand, - welche sie sich lange genug - fern zu halten gewußt und endlich - doch hatte erdulden müffen. ' Herr Winand van Embden hatte am vorhergehenden Abend das' Vorhaben Julias, den alten Vater dann und wann auf ihren Spazierfahrten mitzunehmen, ruhig gebilligt und Textor somit einen doppelten Sieg errungen : er durfte am Nachmittag dem verhaßten Comptoir fern bleiben und sich dafür in der Equipage seiner Tochter einen Vorgeschmack der Freuden und Genüffe gönnen, die ihm nun nicht mehr würden entgehen können, wie er meinte. Er glaubte, endlich das Spiel gewonnen zu haben,das er so lange vergebens gegen sein trotziges Kind gespielt hatte, und dünkte sich jetzt schon Herrn der Lage. Von Urban hatte man nichts mehr gehört noch gesehen. Unerwartet war er auf dem Klosterhof bei den Seinigen angekommen, und nichts von alledem, was er befürchtet hatte, erfolgte. Mit dem Vater hatte er ruhig und vernünftig über die Geschäfte gesprochen, und wo Fehler sich ergaben, sich freiwillig derselben angeklagt, und gegen sein krankes Röschen erwies er sich freundlich und theilnehmend,sodaß ein neues kurzesGlück der Armen erblühen zu wollen schien. Dies alles erzählte Huppertz des genauern dem Gevatter Textor, als er in der dar auffolgenden Woche gekommen, seine Ar beiten wieder aufzunehmen. Doch eine

neue Ueberafchung erwartete ihn hier. Textor horte seinen Bericht mit einem fast gleichgültigen Lächeln an, dann hielt er dem Gevatter eine längere Rede, in der er ihm ziemlich trocken, doch auch recht deutlich erklärte,daß die geplante geschastliche Angelegenheit eine ganz ändereWeudung genommen hätte. Der Küser sei seit einigen Tagen wie umgewandelt, an seiner Arbeit wüßte er jetzt nichtZ mehr auszusetzen noch zu verbeffern, und der Weinverkauf ginge wie am Schnürchen, in wenigen Wochen würde alles vorüber sein. Der Gevatter solle sich deshalb nicht mehr hierher bemühen, dafür seine eigenen Arbeiten fördern Und bei seinem kranken Kinde bleiben, was allen Theilen am angenehmsten und zuträglichsten sein dürste.. Also habe Herr van Embden Gemeint, der seinem ehemaligen Küfer recht sehr für freundliche Hülse und gut'.n Willen danken lasse. 14. apittl. in rab. da fl f liefet, und ein 8, raö gköslnkt vlrö. Für die Bewohner des Klosierhoses war eine scheinbar bessere Zeit, doch auch in dieser zweifelhaften Form frohbegrüßt, herangekommen, denn Leonard Urban schien seit seiner plötzlichen Heimkehr wie umgewandelt zu sein. Diese Freude wurde indeffen wieder getrübt durch den Zustand des armen Röschens, der immer bedenklicher sich gestaltete. Es war, als ob ihr freudiges Aufleben bei der sorgenden und scheinbar liebevollen Annäherung des Gatten nur ein letztes Ausflackern ihres Lebenslichtes sein sollte, denn von nun an vermochte sie ihr Lager nicht mehr zu ver! ffcii. s uhlte Urban ein augenblicklichesMitleid mit der unrettbar einem baldigen Tode Verfallenen, trotzdem er sie betrog ? Es war vielleicht also, und sein Herz war nicht derart verhärtet, daß er ein solches Leid ungerührt hätte mit ansehen können, welches zu lindern ihm so leicht wurde. Oder dachte er, daß die Stunde der Erlösung bald kommen werde, die ihn von dem 'Zwange, den er sich auferlegte, befreien würde? Genug, er beharrte bei seiner einmal dargethanenenAusmerksamkeit für die Kranke. Der armen jungen Frau ward dadurch eine letzte Lebensfreude, die sie nimmer gehofft, für die im stillen den Mann segnete, an dem ihr Her; mit solcher innigen Liebe hing. Dabei nahmen die Arbeiten für den bevorstehenden Herbst ihren ungestörten Fortgang, und Urban betheiligte sich in regster Weise an ihnen. Da auch hierbei ihm alles wie von selbst von der Hand ging, so trug auch dies zur Zufriedenheit in der Familie bei; man überfah die kurzen Ausflüge nach der Stadt, welche Urban im Jntereffe des Geschäfts, wie er angab, allwöchentlich machte. Wenn Huppertz ihn bedeutete, doch davon abzulassen, indem jeder Tag, den er fern von Röschen zubringe, ein Verlorner für die Kranke sei, die leider wohl nur noch eine kurzeLebensdauer zu hoffen habe und kein Geschäft der Welt dies vergüten könne, so entgegnete Urban unwirsch, daß er solcher Abwechslung bedürfe, folle er das Leid, den Jammer um ihn her ferner ruhig zu ertragen im Stande sein. Dennoch mußte Urban in der Stadt manche Unternehmungen in Gang gebracht haben und solche durch die'Hand Textor's gehen sie standen wohl mit den Weinvorräthen des van Embden'schn Hauses in Verbindung, wie Huppertz sich dies zu erklären versuchte , denn oft langten in einer Woche Briefe an Urban an, deren Adressen die wohlbekannte Handschrift des Buchhalters zeigten. Urban beantwortete sie sofort, doch ohne auch hierbei feinem Schwiegervater nur eine Andeutung über den Inhalt dieser sichtlich wichtigen geschästlichenEorrespondenz zu geben. So war der October vergangen, die Zeit der Weinlese herangekommen, und wohl noch nie hatte diese fröhliche Zeit auf dem Klosterhofe so traurige Menschen gefunden, wie diesmal. Die junge Frau war immer matter, hinfälliger geworden, bleich, mit eingefallenen Wangen, abgemagert und kaum noch Kraft genug fühlend, irgend eine Bewegung auszuführen, lag sie auf ihrem Schmerzenslager, ein Bild des Jammers. An einem solchen Tage war es, daß Urban wiederum einen Brief aus der Stadt erhalten hatte und nach deffen hastiger Durchsicht, allerdings ein wenig verwirrt, erklärte, hin zu müffen, weil Wichtiges auf dem Spiele stände. Vergebens versuchten Huppertz und Frau Nettchen ihn, den bedenklichen Zustand Röschens bang betonend, von der Reise abzuhalten; die Kranke selbst saqte kein Wort, nur war es, als ob eine thräne in ihrem Auge schimmerte. Urban mußte sich abwenden und stumm verließ tx das Zimmer, doch blieb es bei dem gefaßten Entschluß. - Als er am Abend reisefertig in das Krankenzimmer trat, um Abschied zu nehmen, wurde er von den Eltern mit einem dumpfen Schweigen empfangen.' Röschen blickte matt, doch mit ebensoviel Trauer als Ergebung zu ihm auf, dann gab sie Frau Siebold ein Zeichen, und diese holte den kleinen Johanne? aus der Nebcnstube herbei, wo das Kind bereits in seinem Bettchen lag, um zu schlafen. Der krästige Knabe,plötzlich wieder munter gemorden, begann seme lebhaften Bewegungen, als Frau Siebold ihn aus das Bett der Kranken gelegt. Nach dieser streckte er verlangend die Aermchen aus und blickte die Mutter so freundlich an, versuchte dabei durch allerlei kräftige und hcitcr klingende Laute dem, was er wohl empfinden mußte, Ausdruck zu geben,sodaß Röschens bleiches Gesichtchen zu lächeln begann. Die Thränen, welche in ihren Augen standen, ließen diese in einem fast verklärten Glänze erstrahlen. Es war die reinste, heiligste Mutterliebe und Freude, die aus ihnen sprach und die sie für den Augenblick alles Traurige, was sonst in ihr leben mochte, vergessen ließ. (Fortsetzung folgt.)

Der neueHerrDecan. Jetzt ist ja JhrHerrDecan gestorben. Helfer, da wird man Ihnen bald zu ei ner Beförderung gratuliren dürfen . Nein, Herr Löffle?, eö sind Aeltere und Gelehrtere da, hinter denen ich weit zurückstehen muß . Löffler: .O, an dem vorigen Decan soll auch nit grad' viel gewesen thS

Daö petttiföze Wirtyöhauö an der Lahn.

C EtiMRungSbild euS der Ztit ror dcn Wahlen. Es steht ein Wirthshaus an der LahnFrau Wirthin ist ultramontan; Herr Windthorst ist ihr Götze, Vom Morgen bis zum Abend schimpft Sie auf die Maigesetze. Frau Wirthin hat auch einen Mann, Der agitirt, so viel er kann, Besonders vor den Wahlen; Im Uebrigen gehört er zu Den Nationslliberalen. Frau Wirthin hat auch einen Sohn, Der hält sich zur Secession Mit sehr entschiede? Miene ; Bamberger ist sein Ideal, Sein Leibblatt die .Tribüne". Frau Wirthin hat au h einen StiesSohn, der ist freicons. rvativ. Doch sonst von guter Führung; Er liest die .Post", u.id meistentheils Geht er mit der Reglerung. Frau Wirthin hat 'nen Bruder, der Ist durch und durch reactionär. Wenn ich nicht sehr mich täusche. So ist er Stöckers Intimus Und hält die .Neue Preuß'sche". Frau Wirthin auch nen Schwager hat. Der liest's Berliner Tageblatt". Von nichts als Fortschritt spricht er, Macht immer Opposition Und schwärmt für Eugen Richter. Frau Wirthin hat auch einen Knecht, Dem ist im Staate gar nichts recht. Er möcht'' ihn ruiniren ; Die Socialdemokratie Zählt drum ihn zu den Ihren. Wenn sie nun All' beisammen sind. Natürlich bald sich Streit entspinnt, Drauf kann man sicher bauen ; Wer Abends nach Glock' Sieben kommt. Sieht, wie sie sich verhauen. (Kladderadatsch.) Herr von Lesseps Herr von Leffeps will nun mal. Daß sich niemals im Eanal Herr John Bull als Herr gerirt, Herr von Leffeps protestirt. Herr John Bull kehrt sich nicht dran. Rückt mit seinen Schiffen an, Manövrirt und bombardirt, Herr von Leffeps protestirt. Herr John Bull sperrt draus in Ruh' Den Canal von Suez zu. Daß kein Andrer nicht passirt, Herr von Leffeps protestirt. Herr John Bull thut, was er will. Lärmend oder mäuschenstill. Thut ganz, wie's ihm convenirt, Herr von Leffeps protestirt. Und so leben froh und frei Bei einander diese Zwei : Herr John Bull flott annectirt, 5err von Leffeps protestirt ! Sommerbild aus Deutsch land. Es regnet, was herunter will. Es regnet, was es kann; Und wenns genug geregnet hat. Dann sängt's von vorne an. An Parsifal. ! Willst Du nicht außerhalb BayreuthS erscheinen. So kommt uns dies begreiflich vor. Man soll von Dir ja allerorten meinen Und sagen, daß Du bist : Der reine Thor. Eun unmaßgöblicherVor schlagßurGüte. Sollte ös dör alleueuligen Zoll- und Handelspolitik nücht eunigermaßen eat sprechend erscheunen, wönn wür dü ün Deutschland hüneunflüßenden Waffermöngen dör Oelbe, Oder, des RheunS u. s. w. von jötzt ab müt eunem Eungangsßoll belögen würden? Sollten ötwa dü betröffenden Lönder ßu streuten gedönken, so könnte man ja, statt jönen Flüffen, dü Möngen dös Waffers vcrstaatlüchen. ßu wölchem wöhrend dör tätzten Jahre üm deutschen Reuch so Vü les, wü ßum Beuspül das Tabaksmonopol, geworden üst; so hötte vs doch wönügstens eune ßwöckmrßige Vervön dung gesunden. Zwickauer. R e v.a n ch e. Zu einem Apotheker schickt ein Seiler meister, der in seiner Wohnung sehr von Ratten und Mäusen geplagt ist, um recht starkes Gift' für dieselben. Der Apotheker läßt du7ch den Boten dem Seilermeister sagen, er bedauere sehr, ihm keln Gift geben zu können, da er befürchte, der Herr könnte sich vergiften. Nach einiger Zeit läßt der Herr Apothe ker in seinem Hause im oberen Stocke etwas repariren. Zum Hinaufziehen der Balken bedarf er starker Seile. Der Seilermeister, vom Apotheker um solche ersucht, erwidert einfach : eö thäte ihm sehr leid, aber Stricke könne er nicht her geben, er befürchte, der Herr Apotheker würde sich aufhängen. Höchste Sparsamkeit. Frau: .Du trinkst jetzt schon zum vierten Male, das ist doch die reine Ver schwendung !" Mann: ,Na, das Waffer kostet doch nichts!". . Frau : .Aber das Glas wird abge nützt ! Gekränkt. " Lehrer: .Nun, Ihr gratulirt mir nicht zu meiner Verlobung ! ? In Leipzig, wo ich vordem war, haben mir meine Schü lerinnen bei solchen Gelegenheiten immer gleich gratulirt - Ein Helfer aus der Noth. Wirth: .Kramer, wie geht's Dir?" Krämer: Mei' Gott schlecht ! I' komm' aus den Schulden nimmer 'rauS, eS giebt jetzt halt viel zuviel neue Krämer! Wirth : Schau', machst halt a klein'S Gcnterl!"