Indiana Tribüne, Volume 4, Number 453, Indianapolis, Marion County, 14 September 1882 — Page 2
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Zndicma Hribnne. FSgliHe- und Sonntagsansga)?. Ofsscr: 02. DclawareStr.
KnUinHl rä a,K?onl-clas3 matter at the foatotlUe at Indianapolis, IndUna.J AbonncmentZPreise : , , . ISgliche Ausgabe 12 ?ts. per Woch-. HonntagZan'gabe ö toi. ff summet. Beide zusammen 16 St-, per Loche. ßT Da Tagilatt erscheint jeden Nachmittag um 4 Ubr. Die Eonwgautgabe scheint tt Morgen. Tribune Publishing Company. Indianapolis, Ind.. 14 September '62. Demokratisches taats - TiiSet. F2r Staat. SekretZr: WilliamN.MYers,vonMadison. Für TtaatS.Auditsr: James H. Nie e, von Floyd. FI? StaatZ.Schatzmeister: I o H n I. C o o p e r, von Marion Zsür CtaatSSchulsuxerirtkndent: .'John SS.Holc ombe, von Porter. . . Fllr General'Anmalt: Iran tii T. Hor d, von Bartholomev. Für Tlkkk der Suxreme Court: Simon P. S h e e r i n, von Coß. $ür Richter der Suxreme-Tourt: 1. Distrikt W. E.Nib lack, von Kaox. 2. , G eorge V. H o w k, von Floyd. 8. Alle Zollars, von Allen. 19. Gericht.Bezirk. Für Richter: Alexander C. Ayres. ?ür StaatZ.Anwalt : Frank M. Wr'ght. Für kongreß. ?. Dlgrlkt. William E. Snglish. DmokrakschkA t5ountv-Tlck,t. Für Senator. Dr. W. 93. gleicher. Repräsentanten: Jtsse Whitsit, 3on R. Wilson, E. B. Howlaud, William D. Bhnun,, John C. Ferriter. County-CommissZre: 1. Distrikt Richard Sehnrur. 2. Henry unter. 3. m Joseph Lostln. lerk: Robert L. McOnat. . Sheriff: - ... Daniel A. Lemon. Cchatzmeifler: Sli Heinch. Auditor: Thomal H. Litzenberg. Recorder: Cornelius Kellev. Coroner: Dr. C.N. Metcalf. Eiiminal:Nichter: Pterce Norton. CurensrCourt Richter. N. B. Taylor, John A. Holman, Frederick Heiner. . Surveyor: ' D. B. Hoibrook. Gin Schuljungen Congrefz. Der 80jZbrige Victor öugo, der große französische Dichter und Romancier, Hai einer kürzlich in Bordeaux tagenden Versammlung von Gymnasiasten und Zög .lingen anderer Unterrichtsanstalten ge ' stattet, seinen. Namen als den ihres Ehren Präsidenten zu benutzen. Von den Verhandlungen dieser Versammlung zu lesen, erregt ein eigenthümliches In'teresse. Halbreife Knaben dedattirten in. ühreifer, kindisch'pedantischer Mo ' nier die Frage über die beste Methode, sie selber zu erziehen nd auszubilden. Einstimmig rügten sie an den Lehrplänen der französischen Gymnasien, daß den .alten Sprachen- zu viel Zeit zugewiesen sei; inZukunft solle der Unterricht in den looten .Sprachen fakultativ und es dem Ermessen der Herren Schuljungen überlassen sein, sich ausschließlich in den U denden Sprachen und deren Lrteraturen "unterrichten zu lassen. Die Werke des Ehren'Vrastdenten ssüen unter die classischen Erzeugnisse der französischen Lite ratur gerechnet und .die Pflege dieses Klassikers soll obligatorisch sein. In .-,den meisten französischen LehrAnstalten erhalten die Schüler in den letzteren zugleich Wohnung und Beköstigung. Die letztere muß wesentlich verbessert werden und mehrere der jugendlichen Pädagogen sprachen sich dafür aus, daß im Interesse der Entwickelung ihrer Gehirne ein grö ßerer Theil der Nahrung aus Fischen bestehe solle. Die Ausstattung der Schulttmmer wurde .als ganz mangel ' hast bezeichnet. Stühle mit bequemen 'Lehnen müssen die seitherigen ersetzen und Gemälde von künstlerischem Werthe zur Ausbildung des östbetischen Gefühls die Wände schmücken; ebenso ist eine größere Vielseitigkeit der Schulbibliothe ken eine dringende Forderung der Zeit. Körperliche Züchtigung wurde a:s ein abscheulicher Ueberrest barbarischer In stitutionen gebrandmarkt und die Ein sührung eines ganzen in die Mitte der Woche zu verlegenden Feiertags neben den Sonn und kirchlichen' Feiertagen gefordert; diese Feiertage wegen ord nungSroidrigen Betragens oder man gelnden Fleißes den Schülern zu entzie hen, würde gegen deren urewige Men fchenrechte verstoßen. In der besprochenen Angelegenheit hat uns unsere jungeSchwester.Republik schnell überflügelt.. Wir haben hier in den Verein. Staaten noch keine Ver fammlungen des heranwachsenden Ge fchlechts zu verzeichnen, in denen die Knaben oder die Mädchen die für die
Menschheit wichtigsten aller Fragen bis culircn. Und wir denlcn. die Mehrzahl unserer Bevölkerung ist nicht geneigt, in der: Zelbftstä?diq:n oder wohl richtiger
naseweisen Austreten der französischen. Schuljungen einen Vorzug vor unsern Schulverhältmssen zu erblicken. Für die öffentlichen Schulen kann nicht genug geschehen, in der Wahl einsichtsvoller und wohlwollender Scbülbehörden, in der Anstellung der besten Lehrer und Lehrerinnen, in dem 'auf jede Welse zu crmuntern'n Zusammenwirken zwischen Schule und Haus haben wir das Heil für unsere Schulen zu suchen, und gerade die Liebe zur heranwachsenden Jugend wird uns auch in Zukunft veranlassen, auf ijre auch nur berathende Mitwlr kung zu verzichten. (5.3 ist bei der be kannten . glücklichen Beobachtungsgabe der Jugend sehr wohl denkbar, daß Schüler oder Schülerinnen mitunter einen recht glücklichen Gedanken haben. Den Lehrern objr Eltern mitgetheilt, werden solche Gedanken für die Entwickelung unserer Schulen nicht verloren sein, aber für Schüler undSchülerinnen ziemt sich Führung und Leitung in gleichem Maße, wie für Mann und Frau möglichst uneingeschränkte Freiheit. Don den Hüten. Unsere Schädel werden immer kleiner und kleiner. Dies ist die neueste. Be Häuptling, welche Dr. Tuckett in London wie eine Bombe unter die englischen und europäischen Gelehrten geschleudert hat; er beweist dieselbe durch die Angaben der bedeutendsten Hutmacher in London, die auf'Grund ihrer Geschäftsbücher consta tiren, daß die jetzigen Hüte durchschnitt lich einen um drei achtel Zoll geringeren Umfang haben, als vor dreißig Jahren. Treiben wir wirklich dem Zustande der Mikrocephalen zu? Dr. : Roberts in London meint, daß sich dem Menschen, geschlechte eine so düstere Perspektive nicht eröffne, und daß das Kleinerwerden unserer Kopfbedeckungen, letzteres als eine Thatsache zugestanden, auf ganz andere Gründe zurückzuführen sei. Man trägt jetzt im Allgemeinen das Haar kürzer geschnitten und dichter am Kopfe anliegend, als vor 30 Jahren; die Ja gon der jetzt modischen Hüte verlangt, daß dieselben nur auf dem oberenTheile des Kopfes und etwas zur Seite geneigt getragen werden, während man vor 30 Jahren die Hüte bis über die Ohren herabzog. Ferner ist jetzt der Hut mehr das Gemeingut Aller geworden und wird sonach auch von denjenigen Berussclassen getragen, die ersahrungsmäßig kleinere Schädel haben, alsLeute die vorwiegend mit Kopfarbeit beschäftigt sind, und end lich schmiegt sich der mehr und mehr in Aufnahme kommende weiche Filzhut der Schädelform besser an und braucht daher nicht so umfangreich zu sein, wie die früher die inzige Hutform bildende Angströhre. ; ; Interessant ist eine Beobachtung, wel che Tr.'RobertS anführt. In den Iah ren 1833 und 187.3 wurden .sämmtliche in englischen Fabriken beschäftigte. Kln der gewogen und die Resultate . wurden unter genauer Angabe des AlterS der Kinder notut. Eme Aergleichung die ser Listen zeigt, daß 1873 die zehnjähri gen Kinder dasselbe Körpergewicht hat ten, wie im Jahre 1843 die elsjährigen. Von einigen allgemein bekannten Engländern ist die Weite ihrer Hute be kannt; Dean Stanley's Hut hatte einen Durchmeffer von Cj. Beaconssield'S von 7, des Prmzen von Wales von 7, Charles Dickens' von 7, John Brlghrs von 71, Lord Russel'S von 7, Macau ley?S von 7. Gladstone's von 7Z, .Tbackeray's von 7S. des Musikers Ju lien von 7s und oeS. ErzbischosS von Zs?5von8Zoll. Ci u romantisch. 11 5er die durch das K'bel geme'.deten Ntlssenveraistunaen in Unaarn hatten 3 t Wiener Zeitungen vom 25. August eine Meldung von nur wenigen Zeilen, wäbrend der .London Standard oefie! den Datums bereits die Einzelheiten und . . 01 p. w. eine auLsuyrücye V prequng oes grau naen Ve:dreckens entbielt. Dasselbe bestand bekanntlich der Hauptsache nach darin, daß die 70jähr,ige Zigeunerin Tyella Popsw aus Meience meyr ais hundert brauen der Umaeaend. die mit ihren Männern unzufrieden waren, und rtii i . v : . : i :t n:.tc. fielen xnaocucn, tue rnu lyrcu .ucuyu bern Streit aebabt batten. lanasam wir sende Gifte verkaufte. Zwei Jahre lang blühte das Geschäft, ohne daß sich emerdacht reale, bis endlich eine Toq ter der Giftmischerin diese dem .Gerichte anzeigte. Die bisherigen Untersuchun gen sollen. schon 35 Frauen so gut wie überführt haben. Augenblicklich werden die Llicken aller mutbmanlick vergifteten Ehemänner 'der Gegend ausgegraben. Symptome der 'Vergiftung sind g nicht zu erkennen, aber oer Magen tu ip vielen Fällen aSinlick weaaefresien. . Wie es möglich war. daß so . viele Frauen rn einem verhältnlßmäßig ilci nen Gebietstbeile zu Gattenmörderinnen werden konnten, läßt sich schwer erklären.' Die Gegend, eine der reichsten Ungarns, steht mit ihren Nebengelanden, ihren üvdiaen Feldern und berrlicden Wiesen, wie ein kleines. Paradies auS. Man sollte glauben, ' daß die Bewohner der selben ein Leben fübren. wie das. welches die Verherrlich Arkadiens geschildert -r haben, eiver aber stnv sie unwissenoe. roye yalvapalen, cagyren ver ge wöbnlicksten körte, deren MoralbeariNe äußerst unklar sind Ihre thierischen o- -t - rv v l. - t v , rr::t:z ' -tricuc jinu uvLiü) eine mnuc vj,iuuiu tion nur halb gezähmt, und 'die roheste Sinnlichkeit ist die oberste Triebfeder aller ihrer Handlungen. , . Und Alles, was von der ländlichen Bevölkerung magyarischer Abstammung gilt, das gilt von den halbcivilisirten osteuropäischen Stämmen überhaupt. Durch .die Be rührung mit der Cultur sind sie nur rasfinirter, aber nicht besser geworden. Ihre Jahrhunderte langen Kampfe mit den barbarischen Horden Asiens, mit
Mongolen, Tartaren und Türken, haben ihrem eigenen Fortschreiten im Wege ge-, standen, und als sie sich den westlichen Einflüssen nicht länger e.itiehcn kvnn ten, nahmen sie zwar die liuliur so r rn an, blieben aber dem Wesen dcr Ei vilisation, der Sittlichkeit au6 lf i fennt
nie und der Hüntanuiit, a. änlich fremd. Das magyarische Wcld wird ruiit chlecht dehanoelt und ist f. in Lastt'iicr. wie ihre slavisch Sw ster. Sie ist die Lebensefahriin ihres Gelter,, thcill nllc Genüsse Mit ihm und f)iil nur seli' N v'Ner seiner Brutalität zu leiden. Als ls ehnung gegen sürchtrrilche liniert, ü! kung also ist das Verbrechen dlejer dn dert Frauen ulcut zu rutciuijtcn. Die jenige von idnekdie zuerst mit der H fk mischerin zusammen . vertiiisiet wuroe. sagte zu Letzlerer im lcsannisse : .J? bin jung und hüdsch. ci ioat alt und häßlich. Warum sollte er mljl sterde r Aehnlich. wenr nicht gleich wer"en wohl die Molwe ocr anderen 'V,or0elinncn gewesen sciu Ihr Berrecheu entsprang der rohesten Sinneslust. Stand der Gatte dem Liebhaber im Wea, so mußte er .eben auS der Welt' geschafft werden. Für dttirnige, die beständig darüber klagen,' daß mit der Cultur da? Ver brechen zunimmt, itf das Ereignis, eine wichtige Lehre. So niedrige Moralbe griffe, wie in diesem ungarischen Kreise, gibt es in keinem wirtlich civilisirten Gemeinwesen. Die Sicherheirsornane sind in allen fortgeschrittenen Ländern so vervollkommnet, daß auch Verhältniß mäßig geringfügige Vergehen selten ungeahndet bleiben, und daher rührt es wohl zumeist, daß die Zahler Verbre chen zuzunehmen scheint. In Wirklich seit rammt der verbrecherische Hang um so meh: ab, je tiefer die Civilisation in einem Volke wurzelt. Polizeiliche Widersprüche. Die Mittheilung des Kabels, daß es der Wiener Polizei gelungen sei, einen nihilistischen Verschwörerherd zu ent decken, eine Bande von Communisten und Anarchisten, die Gelder für Agita tionszwccke zusammenraubte, erschien seiner Zeit wohl jedem amerikanischen Leser im HSchllen Grade befremdlich. Man weitz hier, daß Most, den die Wie ner Polizei dircct als den geistigen Ur Heber der angeblichen Beräubungspolitik nannte, allerdings den Fürstenmord pre digte, daß er z. B. die MSrderAlcxanders V W . . a W Ji . Q il. in giuoenoen Ausoruaen roore; aoer man hat noch nie gehört, daß er seine Anhänger ermunterte, Bürger zu berau ben ul.d zu ermorden, um Geld für Par teizwecke zu gewinnen. Was aber die parlamentarischen Führer der socialistischen Partei in Deutschland anbetrifft, so wigen eS selbst die österreichischen l .Y . et. i v . i ä. n:.i.o vpigel nicyr, ic irgeno roelluer r-oes gelüste zu verdüchtigtn. Wenn sie trotz alledem den ursächlichen Zusammenhang zwischen den socialistischen Lehren und den häufigen Raubanfällen in Wien und Umgegend nachzuweisen versuchten, so. . rn. mußre oas an einer surryierilqrn ia mage enden. - Thatsache ist, daß wirklich zwei socia listische Individuen verhaftet wurden. die einen wohlhabenden Schuhmacher Namens Merstallinger betäubten und ausplünderten. Wandten sie nun das geraubte Geld der socialistischen Kasse zu ? Gott bewahre, denn die Polizei sagt selbst in ihrem Manifeste : Das große Publikum wird aus den skinerzeitlgen Gerichtsverhandlungen deutlich ersehen können, daß die Anarchisten nichts wem ger als ideale Schwärmer sind, und daß es ihnen im vorliegenden Falle nix da rum zu thun war, sich aus gemeiner Hadsuchtlnden Besil) der Spar Pfennige eines redlichen und arbeitsamen Schuhmachers zu setzen". Somit wa ren also die Verhasteteten ganz gewöhn liche Verbrrcker, und die Thatsache, daß sie socialistische Versammlungen besuchten, beweist doch wahrhastig nicht, daß der Socialismi's gleichdedeutend mit Raub und Mord ist. Ebenso " gut könnte man die konservative, liberale oder ultramontane Partei für jeden Verbrecher verantwortlich machen, dcr auS ihren Reihen hervorgeht. Jage' cade der Umstand, daß die Entdeckung von zwei Verbrechern, die sich Nachweis lich, den Socialisten angeschlossen hatten, so viel Aufj:hen erregt, spricht sehr zu Gunsten der Letzteren. . Socialistische Verbrecher müssen' doch sehr selten sein, wenn die Polizei von zwei Individuen, die zugleich Socialisten und Räuber sind, so viel Aufhebens macht. Ihr Manifest ist denn auch auf keinen fruchtbaren Boden gefallen. Selbst focialistenfresserische Zeitungen in Deutschland und Oesterreich verweisen auf den Widerspruch, in den sie sich da durch verwickelte, daß sie die Verhafteten gleichzeitig als Beauftragte einer nihilistischen Verschwörung und als eigen nZtzige Verbrecher hinstellte. Es war offenbar darauf abgesehen, dem Spieß bürger wieder einmal das rothe Gespenst vorzuhalten, und allen Parteien einen Hieb zu versetzen, die der Regierung lei ne Willkürherrschaft einräumen wollen. Nach den Erfahrungen die man in Deutschland mit dem Socialistengesetz gemacht hat,ist man jedoch in den öster ttichischen Bürgerkreifen sehr voisichtig geworden. . ' Phil. Bappaport, Rcchtsanlvlilt und Notar, 2 Qüd Delaware Str., INDIAXArOLJS, IND. GODFBIED BICJM vexfeitiger vin Nrnnnen, ßisternen und Smks". 70 Süd Delaware Straße. Alle Arbeiten weiden gutauözrsHrt. Nexetatu ren tldcn p,ol !t dejorgt. - .
Ein Det ctiv.
Die-Lcvee" von Chicago steht mit. den glänzenden Häuserreihen an dem See und dem Flusse nicht in directer Verbindung. .Die Gebäude, welche sich an der Lcvee hinziehen, sind meist drei oder vierstöckig und machen in ihrem Aeußercn einen anständigen Eindruck. Anders sieht .es aber im Innern dtrsel den auS. In den Souterrains befinden sich ckinesische Wäschereien, die schmutzigen Wohnungen italienischerLeierkasten spiele? und Harfenisten unlOpiumhöh len. In den Erdgeschoffen dringt der Fuselgeruch aus den Kneipen, lauern die Pfandleihe? -wie die Spinnen im Netze auf ihre unglücklichen Opfer, wechseln schlechte Theater mit ordinären Museen und Tingel'Tangels ab, ertönen die Stimmen betrügerischer Auctlonäre. In den übrigen Stcckwerkcn hat sich das Elend ung ücklicher Frauen eingenistet, theils noch geschminkr, in- seidenen Ge wandern, schimmernd und glänzend. theils schon krank und dem endlichen Schicksale all:? dcr Aermstcn veifallcn. Und unter ihnen wohnen die nerworfe ncn Männer, die von dem Verdienste der? bemitlcidens rerthen Frauen leben. Am Tage geht cS meist ruhig und still zu in jenerGcgend. die ein übernächtiges und verlebtes Aniehen tragt. Am Abend flammen zahlreiche.Lil)ter auf. Brüllen und krcliiende Stimmen schallen aus den Lokalen auf die Straße, die Ausru fer laden zu dem Besuche ihrer Etadlis sements ein, vor denen sich wüstes Gc sindcl in immer dichteren Schaarcn drängt. Die Poliz'stcn machen dort nur pai.cwcise ihre Runden und die nächllickxe Orgie endet erst, wenn das Frübroth den östlichrn Horizont zu sär den beginnt. Da wälzt sich plöölich dcr Menschen ström in einer bestimmten Richtung v?c wärts und macht vor einem Strolch, der auf eine dcr Schrmvbudikcn zuschreitet, respektvoll Platz. . EZ ist Bob Ford, der Mörder des Banditen Jeffe Jamcs. Wie sich die 12 bis 15jährigcn Jungen in die Nähe des Helden drangen, wie aus den Augen der Straßendirnen die Begierde brennt, ihm den Rest des Blut geldcS. der $10,000, verehren zu helsen, wie alle die Vagabunden und Tespe rados bewundernd auf den jugendlichen Verbrecher blicken, dcr bei einem einzig: Morde 510.0O0 gemacht- hat ! Die Gebrüder Ford kamen im Mai d. I nach'Chicago und harrn dort mit kurzen Unterbrechungen gemohrt. Sie leben ausschweifend, aber ihr Geschmack ist nur aus die wohlfeilsten Genüssege richtet und sie leben nicht blos von ihrem Blutzeldc, sondern dczichen auch gewisse Einnahmen aus den Theatern, in wel chen sie uls .Attraclio-ien ersten Ranges" auftreten. Ein Stück, Der lödtliche Schuß, oder Charli y's, des Klumpfußes, letztes Opfcr" hat demBesitzer des Thca ters an der Statcstr. viel Geld cinge tragen. In diesen Slückcn wird alles bis aus einen Helden abgeschlachtet und die Fords machen auf dcr Bühne densel ben durchaus ordit ären Eindruck, wie auf der Levee von Chicago. Neulich war Bod wegen viehmaßiger Betrunkenheit verhaftet worden und, bei der Visitation halte man natürlich ver borgcne Waffen vorgefunden. Wegen der ersteren Anklage wurde er um 55 gestraft und wegen Tragens verborgener Waffen kounte er nicht verurtheilt wer oen, weil er, als im Dlei.ste d?r Ge Heimpolizei stehend, hierzu berechtigt ist; daß dem so sei', mußte dcr Plizeijupe intendent vor Gericht bestätigen. Die Gedr. Ford, waren bekanntlich an mehreren Verbrechen dcr Jn:csBande betheiligt, da abe.- dieses Geschäft in der letzten Zeit wenig abwarf, wandten sie sich durch eine ihnen bekannte Frauens Person mit dcr Anfrage an den Gouvcr neur Crittenden, was sie für die Aus lieserung der Leiche des Jcsse James er halten würden. Das Angebot von jl.0,000 und die zugesichert? Straflosig keit hatte das bekannte Resultat, daß ein Verbrecher durch den andern abge than wurde. Der Detccliv Bob Ford ist inzwischen in eine der Gifchülten an der Loee von Chicago eingetreten und zahlreiche Hal. loh's, sowie Einladungen zu einem "drrnk" dringen aus die Straße. ufhörcn der Neplllkenprcsse Vor Kurzem wurde in Münster ein Zeitungsredakteur in Anklagezustand versetzt, weil er in einem Feuilleton die katholische Kirche auf das G.mcinste t schmäht, alle P.iest.'r Pfaffen genar.nt und' ihnep den guten Rath gegeben hatte, nach dem Pfefferlande auszuwandern. Diese'Vime'kungen erregten deshalb ein .peinliches Aussehen", weil daß bctrefsende Blatt, die-.Westsalisch: Provincial-zeitung-, als O'gan der Regierung galt. Letztere durfte, natürlich nicht den Ver dacht auf sich sitzen lasten, da sie dcrar tige Auslastungen billige und ging dem indiskreten Schreiber a.r den Kragen. Sie erklärte ferner, d.,ß sie dem Blatte jede moralische Unterstützung entzogen habe. Darauf schickte dcr verfolgte Redacteur ein Richtertigungsschreiden an alle her vorragenden Blätter, das ihn allerdings nicht rechtfertigte, ab:r sehr dankens werthe Enthüllungen brachte. Zunächst erzählte er, daß sein Blatt von der Re gierung mit jahrlich 9000 Mark sub ventionirt", und inFolge dessen regicrungssreundlich war. Nach einer ministeriellen Verfügung höre jedoch die Subvenlionirung von Z'itungcn vom letzten September d. I. ab im ganzen Umfange der preußischen Monarchie aaf. Bis dahin sei die Unierstützung schon im Voraus bezahlt. So l nge er übrigens die Redaction sührtc, vom 1. April d. I. ab, sei dem Blatte niemals ir aeiid welche Information bezüglich der Absichten der Regierung vzngegangen, wobl aber habe der ultramontane .West sälische Merkur" zuweilen Artik.l ge br ht. die nur aus R.'gicrungskreisen stammen konnten. ES ist hieraus ?rsi!lich. daß die Re. glerung jedesmal log, wenn sie die seier
liche Versicherung, gab, daß sie den Wel fenfond nicht dazu verwende, die Unter stützung von Zeitungen zu erkaufen. Sie muß lhatsächlich Organe unterhalten hoben, die sie nicht etwa dazu benutzte, ihre Ansichten vor daS Volk zu bringen, sondern denen sie lediglich die Ausgabe zuwies, alle ihre Handlungen zu ver lheidigen. Solche Preßknechte stellte sie fast ausschließlich in ullramontanen Ge genden an, und da sie die clerikalePartei jetzt nicht mehr als reichsseindlich brand markt, so braucht sie auch die Reptilien in jenen Kreisen nicht mebr. Sie hat sih aber noch in der letzten Reichstags Atzung geweigert, Aufschluß über die dem Könia. Georg abgenommenen Gelder zu geben. Folglich muß sie dieselben in anderer Weise zu verwenden bcabsichti' gen, vielleicht zur Bekämpfung der neuen Reichsfeinde, dcr liberalen Parteien.
Das fünfjährige Töchter chen der Frau Berger in apfank, N. I., fand Ende voriger Woche ihre Mut ter an einem Stricke im Keller ihrer Wohnung häng'n uid hatte die für ein Kind diescs'Alters gewiß außerordent liche Geistesgegenwart, den Strick durch zuschneiden und hierdurch das Leben ihrer Mutter zu retten ; Eifersucht hatte die letztere zu dem Seldstmordvcrsuche veranlaßt. In Ncw tyoxt ist bekanntlich und icutr der Selbstmordversuch strasbar. tmjf ulanve. Zu San Antonio, T e x., i st der jüdlse Piandirilier Herr B. Schwarz, einer der ältesten Bürger der Stadt, in seinem Lokale 'von einem Un bekannten erdolcht mordcl. Man rühmt dem Verstorbenen strenge Rech!l,chkeit, Wohlthätigkeit und thatkräftige Unter stützung deutscher Bestrebungen nach. Er hat wahrscheinlich unter Pfandgegen ständen, die ihm überdracht wurden, ge stohlene Waaren entdeckt, wollte Lärm schlagen und wurde, deshalb von dem Diebe oder besten Helfershelfer nieder stoßen. Die größte Brücke d'erWelt, über den KinzulaStrom, nahe Brad ford, McKean Co.. Pa.. ist jetzt vollen rct. Sie ist aus Eisen. 20L0 Fuß lang, und der mittlere Träger hat eine Höhe von 8QL Fuß. Sie ward in Phönix ville erbaut. Mit dieser Brücke ist eine Verbindung zwischen der New Vork, Lake Erie & Western 8ahn und den Kohlenfeldern des westlichen Pennsylva nicn's hcrge tüt worden. John Saunders wandte stch vor 40 Jahren von Kentucky nach dem Wcslcn und sagte seinerBraut beim Ab schiede, sie solle nicht zu lange auf ihn wnrten, denn entweder werde er als Millionär zurückkehren oder nie. Nach vielen mißglückten Versuchen ließ sich Saunders in Montana nieder und hier hatten seine Unternehmungen Erfolg. Vor Kurzem hatte er Gelegenheit, seinen Grundbesitz günstig z verkaufen und nachdem er seinen gesammten Besitz zu Geld gemacht hatte, fand er sich im Be sitze von etwas über einer Million Dol lars, Er k hrte nach Kentucky zurück, traf mit seinem alten Schatz zusammen und hat denselben vorige Woche gehe! rathet. Der junge Ehemann ist 08, die junge Frau Gi Jahre alt. Die im Haufe des Kauf man ns Putnam in Brooklyn, N. Y., in Dien sten stehende Mary Heany wurde Ende voriger Woche wegen einer groben Dienstvernachlässigung, deren 'sie sich schuldig gemacht hatte, früh am Morgen veranlaßt, das HauS sofort zu verlas sen. Das. Mädchen packte seine Sachen zusammen und empfahl sich mit dem Be merken, man würde ihrer gedenken. Kurz daraus wollte Frau Putnom nachsehen, ob ihre beiden kleinen Kinder erwacht seien. Auf der Treppe glaubte sie Spu ren von Rauch , wahrzunehmen und die Thür zum Schlafzimmer fand sie per schloffen. Sie rief ihren Mann herbe' und den Eltern gelanges, die Thür ein zubrechen. Dichter Rauch drang ihnen aus dem Zimmer entgegen und unter dem Bett, in dem beide K:nder lagen, brannte ein großer Hausen Papier und Kleid r. Die Kinder waren dem Tode nahe und konnten . nur durch ärztliche Hilfe vor völliger Erstickung gerettet werden. Die Heany wurde unter der Anklage versuchter Mordbrennerei ver haftet. - In Massachusetts trat am 26. August , ein neues Gesetz in Kraft, welches den Verkauf gefälschter Nah rungsmittel und Droguen verbietet und bestrast. Dem Staats Gesundheits amte sind jährlich tz3000 zur Verfügung gestellt, um das Gesetz wirksam zu ma chen. DaS verdient Nachahmung in allen Staaten. In Sauk C o u n t y, dem Hopfengarten von Wisconsin, haben Jnsecten fast die ganze Ernte zerstört. DeT Farmer Woodward und dcffen Weib standen seit Jahren in gro ßem Ansehen bei allen ihren Nachbarn in Franklin Co., Maff. Ihr Anwesen be stand nur aus einem kleinen Hause mit Garten und, da die Leute gut lebten, glaubte man, daß sie vermögend sein müßten. Kürzlich wurde ihr einziger Sohn bei einem Einbruch.Diebs.ahle er tappt und bei der Untersuchung seiner Wohnung im Hause der Eltern, fand man, daß solches mit Werthgegenstän den vollgestopft war, die im Laufe der Jahre durch Raub und Einbruch in jener Gegend die Besitzer gewechselt hatten. Weitere Untersuchungen haben bereits ergeben, daß die biedere FarmerFamilie feit langer Zeit ein einträgliches Geschäft im Hehlen und Verwerthen gestohlener Sachen getrieben hat. Frau H un ter, eine wohl conditionirte Wittwe in Albany, N. Y., begab sich' dieser Tage nach dem Dampf schiffe, um Verwandte in Newburgh zu besuchen. Sie hatte schwer an zwei Bündeln zu tragen und ein unbekannter, äußerst anständig aussehender Mann bat sie, ihn die Bündel tragen zu lasten und er brachte solche glücklich nach dem Gchiffe. Hier stellte sich der Mann als
Mister Snyder, Wittwer und'wohlha bender Farmer aus Ulster County seiner neuen Bekanntschaft vor. Beide wurden schnell bekannt und nach kurzem Schwei gen. fragte Mr. Snyder MrS. hunter, ob sie ihn heiralhen wolle. .Die Frau bat sich Vedenkz'it aus. Gewiß, ts widerte Snyder bis Rcwburah." Beide verhielten sich schweigend, als aber in Newburgh die Lausplanke auf dns Schiff geschoben wurde, sagte die dübsche Wittwe : JZ) will". ' Bclde licßcn sich bei dem nächsten Friedensrichter trauen und Snyder stellte seine Frau deren Verwandten als Mrs. Snyder vor. . Beider Vornahme von Erd arbeiten auf dem Grundstücke von Wm. T. Baily in Breezy Point aus Long Island stieß man in einer Tiefe von vier Fuß auf acht männliche und ein weidli. ches Skelett. Man vermuthet, daß die selben theils von Personen herrühren, welche vor langer Zeit von Indianern getödtet wurden, theils von Indianern selbst. Die Ausstellung in Denver hat auch den General I. W. Denver, der jetzt ruhig in Ohio lebt, zum Besuche in jene Stadt gesührt, die von ihm ihren Namen entlehnt hat. Denver war früher Gouverneur, des Territorium Kansas und hat sich um die Erforschung und Entwickelung des nachmaligen Cen tennialStaatcs Colorado große Vn Dienste erworben. Ein Arzt in Virginien sagt: es sei in seiner zwanzigjährigen Vraxis nie vorgekommen, daß Jemand, der an den Genuß von Tabak in irgend welcher Form gewöhnt gewesen, von Typhus befallen worden- sei. Derselbe fügt hinzu,' daß selbstverständlich andere Krankheits.Erscheinungen mit dem un mäßigen Tadakgenuffe verbunden seien. Ein Philanthrop in A r i zona befolgt eine neue Methode, für mildeStiftungen zu sammeln. Er schließt sich den Leuten, denen er aus der Land straße begegnet, an. und bittet um Bei träge für ein Waisenhaus. Dabei spielt er in so auffülligerWeise mit eincmRcvo! ver, daß sich Niemand nach dem Namen der Anstalt erkundigt und dem unheim liehen Bittsteller einen namhaften Bei trag behändigt. Bei d,. Restauration des alten StaatshauseS in Boston. Mast,, sind auch die verwitterten britischen Wappenthiere, der Löwe und das Eich Horn, wicöer ncu hergestellt -und ganz der ursprünglichen Form entsprechend an der Facadc angebracht worden. Die Figuren sind von Holz und mit Bleisar ben angestrichen. Jn NewVork herrscht ein solcher Mangel an öffentlichen Schulen, daß in me.-r.'ren derselben die eine Hälfte dcr Kinds? an den Vor, die andere an den Nachmittagen unteirichtet werden MiiB. ' Vom uvlanv. In der Nähe vonNikola jew (Südrußland) wurde dirscr Tage ein Räuber, Namens Mamaj. ergriffen und im Nikolajewer Geiängnisie inter nirt. welcher wegen '73 verschiedener Verbrechen bereiiö sünsmal nach Sibi rien deportirt wurde und von dort stet entflohen war. Das lctztemal ging Ma maj nicht aus Sibirien, sondern aus dem Nikolajcwer Kerker im October vo rigcn Jahres durch, indem er sich -Kleider eines Polizeibeamten zu verschaffen wußte irnd in denselben zum Gesäng N'ßthore hinausging, worauf er in der Stat die PolizeiBcamtensUniform gegen einen Bauernanzug umtauschte. Als Bauer veilleidet, ging Mamaj nach Cherson, von wo er sich in die be nachbaiten Dörfer begab. Hir warb er elf Raubgenossen, mit denen er,' mordend und plündernd, umherzog. - Zum Andenken an die Wi derherstellung der portugiesischen Vcrfaffung, welche am 29. April 18:6 von Pedro IV. dem Lande gegeben, am a0. Juni 1728 von Dom Miguel gebrochen und am 8. Juli 1832 nach Besiegung Dom Miguel's erneuert wur de, hat jüngst die Stadt Oporto ein großes Fest veranstaltet, dem der König Dom Luis beiwohnte. Der König beantwortete den aus ihn und seine Fami lie ausgebrachten Toast mit einer Rede, aus welcher einige Sätze reproducirt zu werdet verdienen. 'Für mich und mci
ne Familie sagte er, ist die Freiheit eiu GlaiO, ein Credo, sowie meine Pflicht als konstitutioneller Monarch, und diese Pflicht werde ich stets mit vol Ux Gewiffcnhastigkcit erfüllen, wi: eine wahrhaftige Rctigion. Glücklich sind die Herrscher, welche ohne jeglichen Schutz durch die Menge ihres Volkes schreiten können, wie eö mir und n?einer Familie .während der jüngsten Reise durch das V! vergönnt war. 2Lcnn es aucu ici Leben der Monarchen Augenblicke der Trübsal und Bedrängniß gibt, so gibt es auch Augenblicke .des unendlichen Glückes, welche jene mit Wuchcrzins ver güten, das sind die. wo bin: Könige die Beweise der Liebe seines Volkes entge gengetragen werden. Das Scepter der Könige ist heute daS Her; des Volles, ich würde eS lieber.niedcrUgen, als mei ne Pflicht umgehen und meinem Gewis sen untreu werd::,." Der König. Dom Luis, der am 11. November 1861 den Thron bestieg und 1862 sich mit Victor Emanuels Tochter Pia vermählte, hat bis jetzt in gutem Einvernehmen mit seinem V lke das Land regiert. Auö Ragusa. wird ge schrieben: Am Sonntag den 13. Aug. wurde wählend de Gottesdienstes in der Domkirche der die Mcffe celebrirende Priester, dem Jesuitenorden angehörend. Von einem Mädchen mit fünf Meffer stiche getödtet. DaS Publikum stürmte in größter Aufregung aus dcr Kirche, während die Altentäterin festgenommen wurde. Die Erregung theilte sich bald der ganzen Stadt mit. Durch mehrere Tage war Militär consignirt. da man Demonstrationen gegen die Ptreö. welche vor Jahren bereits einmal aus Raguja vertrieben worden sind, besürch Ute, . ....
