Indiana Tribüne, Volume 4, Number 452, Indianapolis, Marion County, 13 September 1882 — Page 2

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Zndiana Hnblms, FägkZlZe- und Snutsgsausgaöe.

Ofsice: 62?. "SelatvareStr. IKntcrcd as econd-cl?.s3 matter at the fostofficc at Indianapolis, Indiz na. AbonnementZ-Preife: Tägliche Ausgabe 12 Cts. pe: Woche. EonntagkanSzabe ö Cts. perNumme?. Vewe zusammen. Iß etS. per Woche. ßT" Da Tagblatt scheint jeden Nachmit. tag um 4 Uhr. Die SonutagS ausgebe erscheint Iti Morgen. Tribune Publishing Company. JndianapoliZ, Ind., 12. September '8 qo Arf. Demokratisches Staats - TitZet. F2r StaatS.Sekretär: W i l l i a m N. M h e r s, von Madison. F2r StaatS.Audttor: i IamesH.Rice, von Floyd. Für StaatZSchatzmeister: I o h n I. Co o p e r, von Mario. 5?ür CtaatS'Lchulsuxerintendenk: ' - John W.Holc ombe, von Porter. Für General'Anwalt: FranciS T. Hord, von Bartholomew. Für Gleis der Cuxreme.Court: Simon P. Sheerin, von Caß. Für Richter der Suxreme-Court: 1. Distrikt W. E. N i b l a ck, von Knox. 2. ,.' George V. Ho'w k, von Flohd. 3. XI licn 3 o 1 1 i von ;wicn. 10. Gerichts.Bezirk. Für Richter: Alexander (5. NhreS. Für CtaatS-Anwalt : Frank M. Wright. Für TongreS. 7. Distrikt. William E. English. . Demokratisches k5ounty'Tlc?et. Für Senator. Dr. W. V. gleicher. Repräsentanten: Jesse Whitsit, John R. Wilson, - E. B. Howlaud, William D. Bynum, John C. Ferriter. County- Commisslre : 1. Distrikt Richard Seynour. 2. 0 Henry Gimbcr. 3. 0 Joseph Loftin. Elerk: Robert L.McOuat. ' . ' Sheriff: Daniel A. Lemon. Schatzmeister: Eli Heinch. - Auditor: Thomas H. Litzenberg. Recorder: Cornelius Kelley. Coroner: Dr. C.N. Metcalf. Erimwal:Richter: Pierce Norton. Surerior-Court Richter. N. B. Taylor, John A. Holman, Frederick Heiner. Surveyor: D. B. HoSbrook. XU DienstdoteN'Fragc. Vor dem amerikanischen Vereine für Socialvissenschasten, welcher dieser Tage seine Jahresversammlung in Saratoga adkielt. verlas Mr. Walter Kuannina von Boston ejne Abhandlung über den Wirkungskreis der Sanitätsbehörden. Erhob hervor, daß diese Behörden einen beilsamen Einfluß üben, die Lehrer und Rathgeber des Aotteö sind, die Abstellung von Uebelständen bewirken und sich überall fechr vortheilhast erweisen. Trotz dem hätten sie noch eine große, riesige Arbeit zu bewältigen, waS durch die große Kindersterblichkeit in New Z)or! und anderen Städten diesen Sommer demonstrirt wurde. Er sprach dann von der großen Zunahme der Nervenkrank heiten. Die Erforschung der Ursachen derselben erfordere ein Studium der amerikanischen Gesellschaft und der Le bensgebräuche. Es stehe fest, daß uns von Jugend an eine zu schwere Last aus gebürdet wird. Man werde dies in den Schulen gewahr, wo das Eintrichte rungs'System vorherrscht. Man sollte der physischen Ausbildung der Kinder, namentlich der Mädchen, mehr Ausmerk samkeit widmen. Die Erziehung, welche die unteren Volksklassen in den Schulen erhalten, überbürde nicht nur da? Ner vensystem, sondern bewirke eine Ausbil dung, welche über die Lebenssphäre jener Leute hinausgeht.' Daher komme es, daß die amerikanischen Mädchen Küchen arbeit als unter ihrer Würde betrachten; sie huldigen der Ansicht, daß sie eine zu gute Erziehung genossen, um ihre Zeit Hausarbeiten zu widmen. Dieser falsche Stolz sei als ein großes Unglück zu betrachten, da dadurch der ehrlichen, gesunden und lucrativen Be . schästigung Tausende von jungen Mäd chen entrückt werden, welche Beschäfti gung als Fabrik oder Ladenmädchen suchen, schlecht bezahlt und der 33er 'suchung nahe gebracht werden. Die Dienstbotenfrage sei eine der schwierig sten Fragen der Jetztzeit, und es stehe zu befürchten, daß dieselbe nicht eher gelöst erde, bis wir lernen, gesellschaftliche Unterschiede klarer zu begreifen, und un sere junaen Mädchen lernen, daß häus liche BeschästiguLg eine respektvolle und würdige ist. Ohne einen Comrnentar zu dem an sich interessanten Vortrage geben zu wollen, glauben wir bemerken zu müssen, daß die amerikanischen Mädchen Küchen arbeiten wenigstens nicht ausschließlich auö dem Grunde als unter ihrer Würde erachten, weil sie eine Ausbildung er halten, welche .über ihre Lebenssphäre

hinausczeht." Wir sehen, daß amerika msche Mädchen selbst die schlechteji 'U zahlte Fabrikarbeit, die doch ebenfalls der über ihre 'Lebenösphäre angeblich binausgehenden Bildung nicht entspricht, häuslichen Beschäftigungen vorziehen und die Abneigung gegen letztere muß daher offenbar andere Gründe haben, als ihr: Bildung. Eine über die Le benssphäre hinausgehende Bildung ist überhaupt ein durchaus unklarer Begriff und das Beispiel Deutschlands lehrt, daß dort selbst ein sehr hoher Grad von Bildung das weibliche Geschlecht-denGe schästen des Haushaltes nicht entfremdet.

Z7u6)öjagdcn. Eine große Anzahl Badegäste aus New Jork haben in Newport die engli schen Fuchsjagden fashlonabel gemacht ünd üben solche mit einer Arroganz und Frechheit aus, als ob nicht nurNewport, sondern der ganze Staat Rhode Island ihr unbestrittenes Eigenthum sei. Jene aufgeblasenen und ungebildeten Jüng linge und Jungfrauen der New Jorker jeunesse d'oree benutzen nicht nur die Landstraßen und etwaige unbebaute Flächen zu ihren Ritten, sondern durch Fruchtfelder und Gärten geht die wilde Jad, die Früchte des Fleißes der Far mer vernichtend. In ganz Rhode Island ist das Geschlecht des Meister Reinecke selten und die Liebhaber des Sport las sen daher Fuchse durch die Eypreßgesell schasten kommen, setzen solche in der Um gebung von Newport aus und folgen dem gequälten Thiere, bis es, nachdem es wacker für sein Leben gelaufen, von den Hunden zerrissen wird. An diesem Anblick sich zu weiden, ist der Schlußact des ritterlichen Waidmanns Vergnü genS. Alle Volstellungen der Farmer, die oft sehr beträchtlichen Schaden erlit ten, hatten seither keinen Erfolg und so haben sich die Letzteren jetzt zu dem Zwecke vereinigt, den Jägern und Jäge rinnen das Betreten ihrer Grundstücke mit Gewalt zu verwehren. Vorige Woche hatten die Freunde des barbarischen Sports einen Fuchs auf der Landstraße ausgesetzt und das Thier war in einem Maisfelde verschwunden. . Die Hunde folgten der Spur aber der zahlreichen berittenen Gesellschaft traten ein alter Farmer, mit einer Schrotstinte und deffen beide Söhne, mit Heugaheln bewaffnet, entgegen. Erst lachten die vornehmen Herrschasten zu den Drohunhungen der drei Männer, als diese je doch zu einem wirklichen Angriffe über zugehen drohten, fanden sie es für bester, nach der Landstraße zurückzureiten. Ein anderer Fuchs wurde ausgesetzt und es gelang, diesen wirklich so lange zu Hetzen, bis er von den Hunden zerrissen wurde. Aber der Jäger wartete noch eine Zurechtweisung an jenem Tage. Auf dem Rückwege kamen sie an einer Quelle vorüber, die unweit der Straße aus einer Wiese hervorsprudelte. Die Kalvalcade war durstig, wollte selbst trinken und die Pferde tränken. Kaum waren sie jedoch von der Straße abge bogen, als ihnen ein alter Quaker ent gegenkam und zurief, er lasse keinen Ar men ungelabt von seiner Schwelle, aber Leuten, die an Fuchsjagden Gefallen fänden, gestatte er noch nicht einmal ei nen Trunk auö der auf seiner Wiese be sindlichen Quelle. Die Farmer in der Nähe von New Port sind fest entschlossen, ihre Grund stücke gegen daS freche Eindringen der Jager ünd Jägerinnen zu vertheidigen und sie sind hierbei vollkommen in ihrem Rechte: jedes Mannes Haus ist seine Burg und zu dem Hause gehören die dasselbe umgebenden Grundstücke. Die brutale englische Unsitte der Fuchsjag. den verdient am wenigsten von unserer Aristokratie nachgeäfft zu werden. v Gray Fall itt Tuvltn. Bekanntlich ist da? Parlamentsmlt Zlied Gray aus Dublin wegen Mißachtung des Gerichtshofes zu drei Mona ten Gefängniß und einer schwcren'Gcld strafe verurtbeilt worden. Herr Gray, der zugleich Qbersherig ist, hatte in sei nem Blatte einer Einsendung Raum ge geben, welche die Anklage gegen die in dem Mordproccsse Hynes beschäftigte Jury erhob, daß sie in der Nacht, ehe sie ihr Todesurtheil aussprach, eine wahre Sausorgie feierte. ES hieß in dem be treffenden Artikel, daß die Geschworenen die dem Gesetze nach rsolirt hätten blei ben sollen, in ihrem Hotel Billiard spiel ttn, sich bei dieser Gelcg7nbeit sürchter lich betranken, in fremde Zimmer ein drangen und das ganze Hotelpersonal in Schrecken setzten. Uebrigens würd dem Mordprocesse gegen HyneS in Irland eine politische Bedeutung beigelegt, denn es handelte sich um einen sogenannten agrarischen Mord. Der Angriff auf die Jury, ob berechtigt oder unberechtigt, hatte also in den Augen der Engländer ebenfalls einen politischen Charakter. Ob'sich der Richter bei seiner Verurthei lung des Herrn Gray von diesem Ge danken beeinflussen ließ, ist natürlich nicht festzustellen, doch wird sein Ver fahren von den juristischen Zeitschriften in England als berechtigt hingestellt. Zunächst wird die Rechnung des Herrn beigebracht, in dessen Hotel die Jury den Skandal aufgeführt haben soll. Aus derselben geht hervor, daß zehnGcschwo rene, zwei sind Tempcrenzler, an dem bezeichneten Abend zusammen 3 Glas Bier, 13 Glas Rothwein, 7 Glas Shcrry und C Glas Schnaps tranken. Wenn sich das so vcrhält, können sie schwerlich viehisch betrunken gewesen sein. Wäre aber die Beschuldigung wahr, dann hätte sich Herr Gray eines strafbaren Berge hens schuldig gemacht, denn als Ober sheriss war es gerade seine Pflicht, daö zu verhindern, was in seinem Blatte der Jury zur Last gelegt wurde. Das, so wie die Stellung Gray'S als Parla mentsmitglied, betonte auch der Richter als besonderen Grund dasür, daß er die Strafe so hoch bemaß. Gegen die Ent scheidung giebt es keine Appellation, und die Gemeindeversammlungen, welche den

Richter durch Resolutionen tadeln, wcrder. vom London Law Journal daran erinnert, daß ein solches Tadelsvotum als Verbrechen gelte. Die Krone kann sich zu Gunsten Eray's einmischen, d. h. denselbe.: begnadigen, doch ist es zwei felhast, ob sie das thun wird. ' Sie wird vicrnehr wahrscheinlich darauf warten, daß eine Anklage gegen den Richtcr erHoden wird, um dann zu beweisen oaü

dccrselbe im Rechte war. Der Fall an und für sich würde kaum eint eingehende Besprechung verdienen, wenn er nicht in Irland eine Aufregung erzeugt hätte, die nur mit großer Mühe zu bändigen war. Auch nach amerika nischem Rechte wäre Herr Gray strafbar gewesen, und vielleicht auch bestraft wor ded, wenn auch sicherlich nicht so schwer. Die Irland cbr erblicken in ihm einen Märtyrer sür ihre große Sche und in dem Richter ein Werkzeug der britischen Verfolgung. Gladsione würde jeden falls viel darum geben, wenn sich der Richter nicht auf den starren Rcchtsstand Punkt gestellt und es der Presse überlas sen hätte, die Beschuldigung gegen die Jury klarzustellen. Freilich wird in Großbritannien die Preßsreheit ost ge nug beeinträchtigt. Wafserschktt. Der dieser Tage erfolgte Tod des' Herrn George A. Rteves, Sprechers des Repräsentantenhauses von Texas, an der Wasserscheu scheint die Annahme zu bestätigen, daß irgend ein. wirksames Heilmittel dieser entsetzlichen Krankheit noch heute nicht bekannt ist. Herr Reeves lebte in Verhältnissen, welche es gestatteten, theils die bedeittendsten Aerzte an sein Krankenbett zu rufen, theils die Gutachten weit entfernt woh nender Mediciner einzuholen, aber keine der angewandten Curmethodcn hatte auch nur den mindesten Erfolg. Das belanntc' englische Fachblatt Lancet" enthielt zur Zeit, da Herr Reeves von der Krankheit befallen war, eine Ab Handlung, in welcher Dr. Decroix die Resultate der Untersuchungen und Be obachtungen bespricht, die von einer von der rnedicinischen Facultät in Paris er nannten ärztlichen 'Commission in den letzten acht Jahren in Betreff der BeHandlung der Hundswuth gemacht wor den sind. Der Bericht dieser Commis sion kommt zu dem Resultate, daß die Anwendung irgend welcher Mittel gegen die Hundswu.h ral)i63 c$inina nicht zu empfehlen sei, da solche ohne Aus nähme den ParoxyNnus und somit den Tod beschleunigen. Dagegen constaiirt der Bericht, daß vollkommene Heilung von der Hundswutb in vielen Fällen ohne die Anwendung irgend welcher Arz neimittel. eingetreten sei und empfiehlt, die Kranken physisch zu beruhigen, hu man zu behandeln, von jedem Geräusch und jeder Ausregung fern und in ver dunkelten Räumen zu halten und nur im äußersten Falle zu narkotischen Mitteln, wie Chloroform ' und dergl., seine Zu flucht zu nehmen. . Ein Fall, der durch den rapiden Verlauster Krankheit interessant ist, wird aus Reading, Pa., gemeldet. Die 40jährige Frau Elisabeth Guckert wurde vor zehn Wochen von ihrem Hunde in den Arm gebissen. Die Wunde heilte gut und schnell und die Frau befand sich vollkommen wohl. Ende voriger Woche wurde sie, während sie bei einer befceun deten Familie zu Besuch war, plötzlich krank, verfiel in Convulsionen, schnappte nach Allem, was in ihre Nähe kam und war trotz sofort herbeigerufener ärztlicher Hülse in wenigen Stünden todt. Mehr Einquartlernng. Zur großen Freude ihrer Unterthanen hat die preußische Regierung resp. MU litärvcrwaltung entdeckt, daß die Bele gungsfähigkcit- der Ortschaften bri den Manövern bisher noch zu gering veranschlagt worden ist. Mit anderen Wor ten heißt daS, daß die Leute noch nicht genug Einquartierung erhalten. Die Truppen müssen znweilen vom Manö verterain aus große Entfernungen nach den Einquartirungsplätzen zurücklegen, und um daö zu verhüten, müssen eben die näher liegenden Ortschaften noch stärker als bisher belegt" werden. Der Anfang ist schon in diesem Herb ste gemacht worden. In den Kreisen, wo Manöver stattfinden, werden Com Missionen der Ortsbehärden gebildet.die mit Hülfe von Officieren jeden im Orte verfügbaren" Raum zu ermitteln ha ben. Dann wird noch - die Steu?rliste zu Rathe gezogen und auf Grund der Gebäudesteuer eine Durchschnittszahl der einzuquartirenden Mannschaften und Pferde festgesetzt. Daß bei dieser Gele genheit recht gründlich zu Werk gegan gen wird, dafür bürgen die beigegebenen Osficiere, die bei den Ortsbehörden keine Schwäche aufkommen lassen werden. Mehr Soldaten, mehr Steuern, mehr Einquartierung und weniger Verdienst! Kein Wunder, daß auch in den früher nicht .angesteckten" altpreußischen Pro vinzen das Auswanderungßsieber in ei nem die Regierung heänstigenden Grade um sich greift. PIiiL Eappaport, Ncchtsanlvalt.und Notar, 02 Süd Delaware Str., INDIANAPOLIS, IND. GODFBIED Verfertiger von Brunnen, Zisternen und Sinüs". 170 Süd Delaware Straße. Alle Arbeiten erden gut ausgeführt. Rexatu ren erden proast tJort.

Volksschulen in Frankreich. Seit einem Jahre bereits wird der Unterricht in den französischen Volks schulen unentgeltlich ertheilt, aber erst in diesem Herbste tritt das Gesetz in Krast, welches , die Schulen consessionslos macht und den Schulzwang einführt. Es wird somit das amerikanischeSystem mit dem deutschen verbunden, denn wäh rend in den Ver. Staaten die Confcs sionslosigkeit Regel ist, der Schulzwang iber nur stellenweise besteht, herrscht in Deutschland der Zwang, aber nicht die Confessionslosigkeit vor. Man hat in Amerika ohne den Zwang großartige Resultate erzielt, und namentlich in den nördlichen Stqaten läßt der freiwillige Besuch der öffentlichen Unterrichtsan

jtalten kaum etwas zu wünschen übrig; in Frankreich dagegen hat der Staat allem Anschein nach thatsächlich seine EeIa'.t aufzubieten, um der Unwissen heit der Bevölkerung ein Ende zu machen. Wenigstens haben bis jetzt die t)5me:nocn eine Nachlassigkelt an den Tag gelegt, die einem civilisirten Lande zur Schande aereicht. Sie babcn noch nicht einmal für Schulhäuser gesorgt. und man kann sich also emen-Begrrff machen, wie wenig sie sür den Unterricht selbst gethan haben müssen. Um das Gesetz über die allgemein: Schulpflicht durchführen zu können, ver anstaltete der Unterrichtsminister eine Untersuchung darüber, wie viele der 36,000 Gemeinden Frankreichs SchulHäuser besitzen. In 60 Departements welche ungefähr zwei Drittel des ganzen Landes bilden, ist diese Untersuchung bereits beendet, und sie hat ergeben, daß der Staat wenigstens 480 Millionen Francs ausgeben muß, um auch nur den bescheidensten Anforderungen zu ent sprechen, die aus der Unterbringung der schulpflichtigen Kinder erwachsen. In den noch übrigen Depertements ist das Verhältniß nicht besser, so daß sich der Minister auf eine Ausgabe von rund 700 Millionen Francs gefaßt macht, um die Kosten für die erste Einrichtung der Schulen zu bestreiten. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die Reactionäre, denen die Unwissenheit des' Volks sehr gut in den Kram paßt, übe? diese V?r schwendung- ein großes Gezeter anstim men. t Hat aber Frankreich erst eine ge blldetere Bevölkerung, dann wird es den Verlockungen der Abentheurer weniger zugänglich sein und nicht so cft in Revo lutionen gestürzt werden. Hätte es frü her gute Schulen gehabt, dann wäre ihm die schwer erkämpfte republikanische Staatsform nicht so ost wieder verloren gegangen. Das FrauenstimmreÄt. Massachusetts scheint der erste alte Staat zu sein, in welchem die Frauen stimmrechts'Frage ' practischeu Einfluß auf die Politik ausübt. Die Legislatur dieses Staates wird in ihrer nächsten Session darüber abzustimmen haben, ob ein Zusatzantrag zur Konstitution des Staates, welcher das Frauenstimmrccht einführt, dem Volle zur Entscheidung vorgelegt werden soll. Eine Fraktion der republikanischen Partei in dem genannten Staate agitirt für die Nomination des Herrn Bishop als Candidaten für das Gouverneurs Amt, die andere für die Nomination des Herrn Cropo. Von den Gegnern des ersteren wird namentlich geltend gemacht, daß er ein Gegner desFrauenstimmrechts sei und daher einem der Einführung desselben günstigen Beschlusse der Lcgis latur oder, wie s in Massachusetts heißt, General Court seine Genehm! gung versagen werde. Nun wird zwar, um diesem Einwürfe zu begegnen, von den Freunden des Herrn Bishop geltend gemacht, daß nach der Constitution des Staates ein Zusatz. Antrag nur dann dem Volke zur Ent scheidung vorgelegt werden könne, wenn er in zwii auseinanderfolgenden Sitzun gen der Legislatur von einer Mehrheit des Senats und einer ZweidrittelMehr UM der in beschlußfähiger Anzahl an wcscndcn Mitglieder des Repräsentan tcnhauses angenommen worden ist, dann aber auch vorgelegt werden müsse; jeden falls aber beweist der Umstand, daß der Frauenstimmrcchts Frage in einem der Neu.England-Staatcn ein Einfluß auf die Wahlen zugeschrieben wird, die wach sende Bedeutung und .Lebensfähigkeit dieser Frage. LoS V.'gaö. Seit Vollendung der'AtchisonTopeka und Santa FeEisenbahn hat Los Vegas in New Mexico einen wunderbaren Aus fchwung genommen, grühcx ein kleines mexikanisches Städtchen, daS lediglich aus halbverfallenen, braunen Adybe Häusern bestand und von einer apathi schen Bevölkerung bewohnt war, die Rindvieh und Schafzucht im kleinsten Maßstabe betrieb, hat sich Los Vegas jetzt zu einer betriebsamen und blühenden Htadt pon 9,000 Einwohnern entwickelt. Breite Straßen, elegante Häuser aus Bruch oder Ziegelsteinen, großartige Hotels, ausgedehnte Geschäfte, Zeitungen, Gas und Wasserwerke, höhere Lehranstalten und Schulen sind Zeichen eines Aufschwunges, der hier mitten zwi schen und unter den trägen Mexicanern doppelt auffallend hervortritt. Es steht jetzt schon fest, daß LoS Veas der ge schäftliche Mittelpunkt von 9Zcw Mexico ist und stets in noch höherem Grade wird. . Sechs Meilen nordwestlich von der Stadt strömt der Gallinas River aus einer Schlucht der Felsengebirge in die Ebene und dort befinden sich die heißen Quellen, welche schon von den Mexica nern und eingeborenen Indianern wegen ihrer heilkräftigen Wirkungen geschätzt waren. ' Diese Quellen wurden in neu erer Zeit gefaßt, mit Badehäuscrn und Park-Anlagen umgeben und in der Mitte derselben erhebt sich das großartige Montkzuma-Hotel". .Die Temperatur der Quellen schwankt zwischen 110 und 140 Gr. frundjkoj.

Hyden, einer der bedeutenduen iyemi ler in den Ver. Staaten, bat'drch Ana lysen der verschiedenen Quellen ftstg: stellt., daß dieselben diejenigen Jnqrc diiNzLN in glückiicherMischung cntbattez. auf denen die Heilsamkeit heißer Quellen namentlich beruüt. Die. unmittelbare Umgebung der Quellen bietet Gelegen beit zu den mannichfachste.t Ausflügen, Jagd und Fisch - Excursionen, und so ist mit Bestimmtheit zn erwarten, daß Los Vegas c.rch als Badcpla einer sto! zcn Zukunft entgegengeht.

Die W !en er Presse" brachte vor Kurzem die kaum glaubliche Nach richt, daß in einem rumänischen Bezirke ein Stcuercinnchmer die Arbeitskraft von achtundzwanzig Bauern, welche ihre Steuern nicht zahlen tonnten, öffentlich versteigert hatte. Der Bukarestcr Mo nitorul" sieht sich nun genöthigt, die Thatsache zuzugeben. Das amtliche Blatt schreibt : In Folge der an Ort und Stelle vorgenommenen Untersu chung hat sich das Ministerium über' zzugt, d-ß die Thatsache richtig ist, hat demgemäß den Steuereinnehmer abge setzt und verfügt, daß dieUntersuchungsalten der- Justiz übergeben werden. Gleichzeitig wurde auch der Controleur Jonescu abgesetzt, welcher durch seine Nachlässigkeit derartige schwere Miß bräuche möglich gemacht hat. Vom Inlande. In New Vork kam dieser Tage eine Zigeunerbande an, welche den Weg von Philadelphia dahin zu Fuß, resp. aufKarren und Wagen zurückgelegt hat ; sie besteht aus 44 Erwachsenen und Kindern, führt 14 Pferde, 8 Zelte, sowie die erforderlichen Wirthschaftsgcräthe mit sich und wird in den demnächst in Booths Theater siattsindenden Vorstel lungen von The Rornany Rye" mit wirken. Das siebenjährige Müd chen, welches laut telegraphischen Be richts in Newport, R. I., an der asiati schen Cholera gestorben ist, ist die Toch ter des Henry B; Aüchinclaö in New Yörk. Dr. Fisher und Dr. Rankin versichern übereinstimmend, daß ein Fall wirklicher asiatischer Cholera vorliege; ersterer hat mehrere Jahre in Japan practicirt und dort Hunderte von Pa tienten, die von dieser Krankheit befallen waren, behandelt.. In Philadelphia fand so eben auch ein Elsässer Fest (8ociete Alsatienne) statt. Der Aufenthalt ihrer k ön. Hoheit der Prinzeß Louife und ihres Gemahls, des Lord Lorne in Chicago ist nicht ohne einige fatale Zwischensälle vorübergegangen. . Der Mayor Cater Harrison hatte bereits unterm 5. ds. Mts. von Dublin aus an den städtischen Controleur Gurney telegraphirt : Ver sichern Sie Louise und Lorne meines tiefsten Respects. Lassen Sie sich aus meiner Bibliothek meine gaelische Gram matik und aus meinem Kleiderschranke ein paar Hosen ohne Kniee und meinen schottischen Schurz holen." Diese De pesche kam erst am Freitag an. Am Donnerstag war ihrer königl. Hoheit kleiner weißer Pudel Fido" abhanden gekommen. Die sämmtliche Wiener schast des Palme? Hauses-, alle Detec tivs und Polizisten der Gartenstadt such ten Stunden lang vergeblich. Endlich stellte sich Fido" von . selber wieder ein; er hatte in einer Vorstadt Chicago's eine ganz plebejische Bekanntschaft anzu knüpfen versucht. Seiner Kugel ledig. D e r. Matrose Wm. R. Longsord des Bundcskriegsschiffes Cumberland" wurde beim Ausbruch des Rebellionskrieges bei der Festung Monroe, Va., von einer, eine Unze schweren MinieeKugel in der rechten Schulter getroffen und zwar in der Nacht vom 21. April 1861. Die Aerzte konnten die Kugel, welche einen Knochen gestreift hatte, nicht finden und die Wunde heilte zu, ohne Longford Schwierigkeiten zu machen. In letzter Zeit fühlte Longford, der jetzt städtischer Wägemeister ' in Buffalo ist, jedoch Schmerzen im Rücken und vor einigen Wochen machte sich eine Anschwellung in der rechten LendenGegcnd bemerklich. Die Anschwellung wurde schlimmer und öfters erweicht. Sonntag den 31. Juli machte Frau Longford einen Einschnitt mtt einem eoermener; Ne lad einen dunklen, harten Gegenstand, schnitt wei l 1? ter und die Kugel siel heraus. Sie war ein wenig breit geschlagen, und wird von Longford, der sie 21 Jahre lang im Kör per trug, als Andenken aufbewahrt. Longsord fühlte sofort nach Entfernung der Kugel Erleichterung und befindet sich jetzt wieder wohl und munter. Das gelbe Fieber in Teras. Hr. A. I. Bloomberg von der Firma Bloomberg & Raphael in Brownsville veranstaltet geaenwärlig in New Nork unter seinen dortigen Geschäftsfreunden für die :n seiner yermathsstadt am gel ben Fieber Erkrankten Sammlungen. Laut feiner Angaben sind vom 25. Juli, an welchem Tage der erste. Krankheitsfall porkam, bis zum 6. August über 1200 Erkrankungen und einige 70 Todesfälle vorgekommen, öuu Personen lagen zu Ansang dieses Monats krank darnieder und 50 bis 100 neue Erkrankungen wer den täglich berichtet. Hr. Bloomberg entwirst ein schauerlich düsteres Bild von den Leiden der Bevölkerung; er sandte bereits tz920 nach Brownsville ab und seine Sammlung macht gute Fortschritte. In Jersey City hat sich die ser Tage ein Vorfall zugetragen, welcher fast den bekannten Ausspruch Ben Aki baß-zu widerlegen geeignet ist. General Sewell ist als Vertreter der Pennsylva nia Eiscnbshngesellfchaft vor der Steu ercommission in New Jersey erschienen und hat sich erboten, der Stadt Jersey City 30.000 jährlich mehr an Steuern zu bezahlen, ckls es dcS Gesetz vor schreibt. Er hat hinzugefügt, diese5 Anerbieten erfolge nicht, weil irgend ein Anspruch der Stadt auf das Geld aner kannt werde, sondern aus Gerechtigkeitsgefühl und um einer moralischen Ver

pflichtung zu genügen. Was rnaz die Elseübhngcselljchast bei diesen groß müthizn Anerdiet?n wchl sür eine Ne benabstcht verfolgen? Erzitt're, Welt, ich bin die Pcst und kom5l' in alle Lande. Mein Blick ist Fieber, feuerfest ich richte mir ein großes Fest und schwarz ist mein Gewände.' So führt sich in Hermann LingJ's Gedicht der schwärze Tod ein, welcher seitdem seine Mission an Cholera und gelbes Fieber Überträgen hat. Die beiden Mcnschenwürger sind ggcnwär tig wieder uuf der Wanderschaft, die Cholera auf Manilla, in Japan und Indien und das gelbe Fieber in Akre ri!.', im fernen Süden son ur s. Glück licherweise ist die Seuche in Brownsville, Texas, diesmal so jpat im Sommer aufgebrochen, daß eine weite Vcrbrci tung es sei denn, daß die Witterung außerordentlich heiß blcide wohl kum zu befürchten ist. Das am .4. A n g u si i n K r a f t getretene Chincsengcsetz richtet sich gegen die Einwanderung von Bürgern des chinesischen Reiches". Jctzt beanspruchen aber Chinesen, welche in Wcstindien das britische Bürgerrecht erlang?, ;aben. Einicß in die Äer. Staaten, ds sie Bürger des britischen und nicht ded chinesischen Reiches seien. Würde das Odergericht in diesem Sinne entscheiden, so könnten auch die vielen Chinesen in BritischCo lumbia r.ach Erlangung des britischen Bürgerrechtes in die Ver. Staaten ein wandern. Die Weizenernte von Kan sas beträgt in diesem Herbste 35,000,000 Busheis und die Maisernte wird auf 150 bis 1O0 Millionen Bushels ge schätzt. Die Entwicklung des Ackerbaus in diesem Staate in den letzten 13 Iah ren wird aus einem Vergleich mit der Ernte von 1869 ersichtlich, welche nur 2.850.000 Bushel Weizen u 4.000.(00 Bushel MaiS betrug. D er n eue japanesisch e G esandte in Washington. Herr Terashima, ist ein Gelehrter und spricht neben ande ren lebenden Sprachen vor.refflich eng lisch. 'DreiderberüchtigtstenEin brecher und Bankräuber der Ver. Staa ten, MeKay, McVride und John Flar. nigan, welche in dem Gesängnisse in Moutreal, Can., ihrer Processirung we gen dort begangener Verbrechen entge gensahen, sind auögebrochen und haben si wahrscheinlich, da sie im Westen der Ver. Staaten sehr bekannt sind, nach dem Osten gewendet. Sie hatten das Gitter vor dem Fenster ihrer Zelle durch sägt, sich an einem aus ihren Betttüchern hergestellten Seile 40 Fuß in den Ge fängnißhos hinabgelassen und dann noch eine 15 Fuß hohe Mauer überklettert. Ter Wärter Riaby steht im Verdachte, ihnen bei der Flucht bchülftich gewesen zu sein, und ist verhaftet.

Oom rluklande. t- Paris zählt nach der neuesten Statistik 82.352 Häuser, wälz rend es im Jahre 1 87 deren nur 71,873 besaß. In fünf Jahrend sind also 10. 479 neue Häuser gebaut wo?den. Die Durchschnittsziffer der Bewohner eineö Pa?iser Hauses beträgt 2627. Die Berliner Antisemi. ten lassen für die bevorstehenden Land lagswahlen eine Statistik über die Ber liner Häuser und deren Besitzer anferti gen, 'ebenso betreffs der Anzahl der Ge schäste, welche sich in den Händen der Juden befinden. Es.soll diese Statistik in WählcrVersammlungen verwerthet werden. In einer auf dem Bock" statt gehabten Artisemitcnversammlung führte Dr. Henrici Klage darüber, daß auf die dem Reichskanzler s. Z. übermittelte Antisemitenpetition bis jetzt !?ine Ant wort erfolgt sei. Die Antisemiten vür den aber nicht eher ruhen, als bis der letzte Jude den deutschen Boden verlas sen. EineReise mit dem Vierer zug von Rom nach Wien ist im Zeitalter der Eisenbahnen ein Ereigniß, daS dc merkt zu werden verdient. Baron Rai mund Fronchctti, Schwager des Barong Rothschild in Wien, der vor einigen Ta gen aus 'Rom in dcr österreichischen Hauptstadt eingetroffen ist, hat dieFahrt dahin mit einem prächtigen Viererzuz zurückgelegt. Wie lange er , dazu ge braucht hat, wird leide? nicht gesagt. vtr..A t (. ( n . tt . r . u v t y i u u t i u vyiu liehest Westmcath in Irland wird ein .SiAliiitir.jt ... v. c : c i . n . ...v . , &uuituu ju uui uciuguucu L'iuucs'schen Erscheinungen in folgender Weise berichtet: .Eine außerordentliche Sensation ist am hiesigen Orte durch eine übernatürliche Erscheinung in der Fran ciSkanerkirche verursacht worden. Ge rade als der Priester seine Predigt ge endet hatte, so wird mitgetheilt, strahlte ein brillantes Licht von dem Dache herab , über die Bildsäule der Jungfrau Maria. Ein Sternenregen ergoß sich über daö Haupt der Figur, deren Augen weit ge öffnet waren und hin und her rollten, während die Hände eine Bewegung mach ten und sich erhoben, wie um der Ge meinde ihren Segen zu ertheilen, woraus die ganze Gestalt die frühere Form wie der annahm. Ueberrascht von der Er, scheinung, entstand unter den Anwesen den die größte Aufregung, fo daß der Gottesdienst unterbrochen wurde. Doch blieb die Kirche bis zu später Stunde noch von Menschen angefüllt. Als der Kafser Cetewayo bei seiner Anwesenheit in London von der Königin yon England wieder als König von Zululand eingesetzt wurde, beeilten sich -zahlreiche Deputationen, sowie auch hochgestellte Persönlichkeiten, ihn zu besuchen. Auch eine' Deputation der Temperenzliga erschien in seiner Wohnung, um ihn zu ersuchen, unter seinen Unterthanen die Sache der Mä bigkeit zu fördern: Cetewayo ließ der Deputation sagen, er könne sie nicht empfangen, weil er zu einem Portrait sitze, welches für die Königin von Eng land in deren Austrage gemalt werde. Als die Deputation auf eine? Audienz, bestand, ließ er ihr sagen, er könne den Wunsch der Königin nicht hintansetzen.