Indiana Tribüne, Volume 4, Number 449, Indianapolis, Marion County, 10 September 1882 — Page 3
Neue Erfindungen und HutturfortsSritte. (?!e tzanallstruna der HkeKtchttät. - Arkaud und seine ZSasserKrSfte. Zer tUUziffy Harlenösu. Hin Vrovze schtff. Esndenstrter rauöensaft. Assesnrrogat. ßine Ausgaöe für Aäkschcr.) Der Franzose Deprez hat einen voll ständigen Plan zur Kaualisirung der Elektrizität ausgearbeitet und gedenkt diesen.Plan zunächst in Paris zur Aus führung zu bringen. Hier handelt eS sich natürlich nicht um Kanäle und Röh ren im gewöhnlichem Sinne, sondern um eiserne oder kupserne Leitungsdrähte, welch das elektrische Fludium durchstießen soll : es gilt ein dem Telegraphen ähnliches System, mittelst welchen die Seinestadt mit Licht und Triebkraft versehen wird. Herr Deprez ist in Folge seiner scharfsinnigen Untersuchungen zu dem Ergebniß gelangt, daß ein gewöhn licher Telegraphendrabt zehn Pferde fräste 50 Kilometer weit zu übertragen vermag. Damit entkräftete er aller Dings die Behauptung eines anderen berühmten Elektrikers, als genüge ein Draht von 13 Millimeter, um die ganze Kraft des Niagarafalls beliebig weit zu transportiren ; andererseits machte er aber die Annahme zu Nichte, als übe die Entfernung einen wesentlichen Einfluß auf die elektrische Kraftübertragung. Die Entfernung sp!elt,Herrn Deprez zu folge, nur eine geringe Rolle ; es kommt hauptsächlich auf eine genügende Dicke und Jsolirung der Leitung an. Hossent lich hören wir bald von der Jnbetrieb fetzung einer elektrischen Centralkraft stelle nach Deprez'schem System. Der Zufall spielte uns einen Bericht aus ein:m Lande in die Hände, dessen Leistungen in der Technik nicht gerade zu den dekarmtesten gehören. Wir meinen Irland. In einer Versammlung dortiger Ingenieure behandelte nämlich ein Herr Grierson die Erzeugung des elektrischen LichteS nicht mittelst Dampf oder Gasmaschinen, sondern unter Be Nutzung der meist unbeachteten Kraft der Bäche und kleinen Flüsse. Manche Kleinstadt in Irland, die jetzt mit Oel oder Petroleum, wenn der Mond nicht im Kalender steht, kümmer lich beleuchtet wird, weil die ersten An lagekosten zu einer Gasanstalt zu hoch, die Kohlen zu theuer und die Zahl der Abnehmer zu gering ist, .kann unter der Benutzung der zur Verfügung stehenden Wasserkräfte bei sehr geringen Kosten zu einer elektrischen Beleuchtung kommen." In England, wo die Kohle vor der Thüre liegt, wurde die Dampfmaschine erfunden, während Frankreich mit seinem Kohlenvorrath und den beträchtlichen Wasserkräften die Turbine ersann. Nun, Irland soll es den Franzosen nachahmen. Die grüne Insel besitzt nach genauer Schätzung 1 Millionen Pserdekräste in ihren Wasserläufen, die ausreichen wür den, um die sämmtlichen Städte zu be leuchten und mit Betriebskrast zu ver sorgen. Man greife also nur zu. So weit Her? Grierson. Was aber von Irland gilt, findet selbstverständ lich aus Deutsckland und noch mehr aus die Schweiz und den Ver. Staaten An Wendung. Bei diesem Anlasse sei erwähut, daß die Direktion der MainNeckarbahn sich neuerdings geweigert hat, die aus den preußischen Staatsbahnen mit großen Kosten durchgeführte Beleuchtung der Wagen mit FettgaS nach Pint'schem System ewzusühren, weil die elektrische Beleuchtung doch in nächster Zeit zur unbedingten Herrschaft gelange. Bis dahin sei es also besser, sich mit den bis herigen Oellampen zu behelfen. Bevor wir das Gebiet der Elektrizität verlassen, wollen wir noch über die Er
gebnisse der Pariser Versuche mit dem elektrischen Gartenbau kurz berichten. Herr Deherain, der diese Versuche im Jndustriepalaste aus Anlaß der Aus, ftellung unternommen hatte, ist zu kei nem nennenswerthen Resultat gelangt, offenbar weil er über genügende Mittel nicht verfügte und die schlechte Lust im Ausstellungsgebäude deu Pflanzen un gemein geschadet hat. Dieses Fehl schlagen steht somit mit dem Gelingen der unter den günstigsten Verhältnissen unternommenen Siemensschen Experi j menten nicht im Widerspruch und wir sind nach wie vor zu der Hoffnung be rechtigt, daß es dereinst gelingen werde, ' den elektrische Strom zu einem virkli chen Gehilfin des Obstgärtners zu erhe ben. Die sogenannte Phosphorbronze sin det bekanntlich wegen ihrer ungemeinen Härte und nicht blos in der Geschützzie ßerei. sondern auch bei der Ansertigung von solchenMaschinentheilen ausgedehn te Anwendung, die stark in Anspruch ge -nommen werden. Neuerdings werden aus diesem Material auch Telegraphen drähte, sowie kleine Dampfer und Tor pedoboote angefertigt. Solche Fahr zeuge kommen zwar theuerer zu stehen, als selche aus Eisen oder Stahl, sie sind aber dauerhafter und leichter, was eine höhere Geschwindigkeit ermöglicht; auch sind sie dem Oxidiren nicht ausgesetzt. Die Herstellung der Phosphorbronze beschäftigt auch in Deutschland, beson ders in Jserlohn, viele Stände. Bekanntlich hat die zunehmende Nach frage nach Wein und andrnseitig das Umsichgreifen der Reblaus nicht nur die berüchtigte Kunstweinfabrikation, son dern auch eine vermehrte Einsuhr von getrockneten und frischen Trauben zur Weinerzeugung zuwege gebracht. Wäh rend aber der Wein aus getrockneten und frischen Trauben Manches zu wün schen übrig läßt, ist der Transport der frischen Trauben ein sehr umständlicher und theurer, weil er eine große Schnel ligkeit bedingt. Diese Uedelstände sind, der .Deutschen Jndustriezeitung zufol ge, der Anlaß zu einer bedeutsamen Entdeckung gewesen, die wir dem Dr. Springmühl (Wo! in Leipzig?) ver danken. Diese? Techniker hat nach vie len Versuchen im größten Maßstabe end giltig festgestellt, daß eS möglich sei, dem Traubensast vor Eintritt der Gährung das Wasser zu entziehen, und daß dieser Prozeß den Most nicht verändert und ihn unbedingt haltbar macht. Nachdem das Wasser wieder zugesetzt und die Gährung eingeleitet worden, erhalte man einen Wein, der mit dem nach alt
gewohnter Weise dargestellten völlig identisch sei. Die Traubenperlen wer den von den Stengeln getrennt und zwi schen Porzellanwalzen zerquetscht, wo rauf die Hülsen dann in einer tXtntrisu galmaschine völlig ausgetrocknet werden. Die Entziehung des Wassers erfolgt durch Luftpumpen. In Folge dieser Operation nimmt der Saft eine fyrupartige Konsistenz an und ist in dieser Gestalt versendungsfähig. Die Hülsen werden selbstverständlich zu gleich versandt, weil sie dem Wein die ihm eigenthümliche Farbe und Geschmack verleihen. Das Verfahren wird natür lich nur in solchen Ländern, vie Italien und Spanien, Anwendung finden, die Wein im Ueberfluß sabriciren ; es er möglicht den Weinhändlern in Frank reich und überhaupt im Norden conden sirten Traubensaft zu beziehen, und je nach Bedarf wirkliche Originalweine daraus herzustellen. Wir hoffen es auch, vorausgesetzt, , daß die betreffenden Weinhändler Wein aus norditalie nischem Traubensast nicht sür Cha teau Lafitte ausgeben, sondern den Ur sprung nicht verheimlichen. Nicht in gleichem Maße einverstanden sind wir mit dem patentirten Verfahren zur Erzeugung eines kaffeeähnlichen Ge tränkeS aus der Frucht des Caroben baumeS und dem Samen der Wicke, in dem dieses Versahren uns mit einer neuen Auflage des Sichorien resp. Feigen kaffeeS bedroht. Der Ersinder, Herr A. I. M. Bolanachi in West.Dulwich (England) behauptet zwar, sein Getränk gleiche im Geruch und Aussehen dem Kaffee, übertreffe denselben aber betreffs des Nahru.igswerthes und der gesund heitssörderndenEigenschasten ; wir trau en aber, den Frieden nicht. Ganz be sonders bedenklich ist die Stelle der Pa tentschrist, wo von der Vermischung des neuen Productes mit Kaffee die Rede ist. Das Patentamt trifft hier kein Vor Wurf. Dem Gesetze gemäß hat es jedes neue Versahren, unbekümmert um die Conseauenttn. ;u süüken. und müßte
z. B. ein Mittel zur Darstellung von Brod aus Straßenschmutz, wenn neu, patentiren. Interessant und nützlich ist hingegen das patentirte Sicherheitspapier von Francis Nowlan in London. Dieses Vavier besteht aus mti aufeinander? klebten Lagen von möglichst durchsichti gem Papier, von denen eine aus der rnneren Seite mit dem Schema der An Weisung, Wechsel u. s. w. und zwar in zwei verschiedenen Farben bedruckt ist, welche sich gegen Chemikalien verschieden verhalten. Außerdem wird die Ober fläche des Papiers an den Stellen, wo Summe und Unterschrist zu stehen pfle gen, mit einer Masse bedeckt, welche bei Anwendung vou Chemicalien, welche die Tinte vernichten, sofort ihre Farbe ver ändert. Endlich kann man die obere Papierlage mit Ausschnitten versehen, so daß diese Lage in Stücke zersällt,wenn versucht wird, die beiden Blätter zu trcn nen. Werden Radirungen vorgcnom men, so wird das Papier dünner und die Schrift darunter tritt deutlicher he? vor, während Chemicatt.n unfehlbar durch die obere Lage dringen und die Farbe der darunter besindttchen Schrift verändern, resp, zum Auslaufen veran lassen Wir sind neugierig, ob die Her ren Urkundenfälscher nicht doch noch schlauer sein we,den, als der Erfinder des SicherheidSpapisreS. V. M. Gesellschaftliche Strafpredigten. Vernünftige Gedanken eines Junggesellen. Erst vor einer Stunde hatte mich mein alter Freund, der Dr. W. verlassen, mit welchem ich das alte und doch ewlg neue und schöne Thema des Heirathens be sprachen, und zwar gründlich besprochen habe. Ja, meine Damen, obwohl Sie es mir kaum glauben werden dieser Gegenstand wird doch von uns Jungge sellen außerordentlich ost erörtert. Weshalb hcirathen Sie nicht? fragte ich den Doktor. Weil die Damen zu viele Ansprüche machen, und ich wohl eine bescheidene Frau, nicht aber eine Modedame ernäh ren kann. Drei moderne Ballroben von Gerson und ich könnte meine Jnsol venz anzeigen ! Freilich, wenn ich eine finden könnte, die über hunderttausend Thaler verfügt. ... Pfui, Sie materieller Mensch, Sie. Warum nehmen Sie nicht ihre reizende Nachbarin ? Die Kleine ist Ihnen gut ; das welk ich ganz bestimmt. .So? Na, die ist so bleichsüchtig. dak .... .Mit Ihren medizinischen Geschichten bleiben Sie mir gefälligst vom Leibe. DaS fehlte auch gerade noch, daß jede HerrathScandidatin .Und doch-, fiel mir W. in die Rede, .ist die Gesundheit das höchste Gut. Doch Spaß bei Seite; ich kenne zu we nig Damen, um mir ein Urtheil bilden. geschweige denn, um mir eine Lebensge fährlin wcihlen zu können." Da erschien ein Patient mit dem Arm in der Binde und entführte mir den Cö libatär. J-ch aber blieb in Gedanken versunken im Lehnstuhl sitzen. Vor mehreren Jahren las ich in der .Gegenwart war es wohl einen Ar tikel von Hedwig Dohm über das Hei rathen. Die Verfasserin schob alle Schuld aus die Männerwelt.. Wären die Männer weniger egoistisch, sagt sie unter Anderem, und dächten sie nicht im mer an ihr Glück und an ihre Be haglichkeit wie. wahr! rufen Sie, meine Damen, im Chorus dann würde es viel veniger alte Jungfern geben, als so, leider Gottes, vorhanden sind. Wenn die Männer, fährt Frau Dohm fort, sich gewöhnen könnten, ihr allem Familien leben abholdeö WirthZhauSgehen auf ,uaeben. auf die zahlreichen kleinen Zer streuunfen des JunggesellenthumS zu verzichten, und statt dessen daran dächten, ' f-.jtrx er :f:-f.t. oay zu einem gilllllilen tjumuiuucui r l r ' ' CS 1 L nimi erforoerila) , eine niu rv ßem Vermögen, sondern ein wirthschaft lich erzogenes, tüchtiges, geistig regsames Mädchen zu heirathen dann würde es besser m der Welt aussehen und man ches glückliche Ebevaar mehr erlmren. .Mir aus der Seele gesprochen ruft eme Leserm, und der Chor klatscht Bkl fall.
Was die bekannte und von mir sehr verehrte Schriftstellerin sagt, ist . ganz richtig vom weiblichen Standpunkte aus. Aber audiatur et altera pars! Was sagen denn die jungen Manner? . Nun, diese geben meistens den Damen die Schuld. Ja, heißt es, , wenn unsere Damen weniger für .Putz und Vergnü gungen und mehr sür das HauS erzogen wären, dann könnte man schon heira then, auch ohne auf Vermögen zu sehen, aber bei den Ansprüchen, welche selbst die sogenannten wirthschastlich Erzöge nen machen nein, da bleiben wir lieber ledig. Wie garstig, nicht wahr, liebeLeserin ? Doch es scheint nur so. Thatsächlich kenne ich viele junge Männer, die gern heirathen möchten Die Namen, die Namen! rufen die Schwiegermütter in spe ungeduldig. Nomina sunt odiosa, meine Damen! Doch ich fahre fort. Die jungen Män ner haben nämlich meines Trachtens nur zum Theil Recht; ebenso wieHedwig Dohm. Der wahreGrund, weshalb das Standesamt von den besseren Gesell fchastsklassen so selten behelligt wird, ist ein ganz anderer. Glauben Sie mir, wir Junggesellen wissen die Annehm lichkeiten des Familienlebens in hohem
Grade zu schätzen. Wenn der verheira thete Kaufmann oder Beamte nach des Tages Last und Hitze Abends Erholung sucht und suchen kann lm Kreise derSei nen wie glücklich ist er, wie wird er von uns beneidet! Wir finden daheim ein dunkles, kaltes oder auch überheiztes Zimmer: em häßliches altes Dienstmäd chen besorgt uns mürrisch den ellabend lchen Thee, einsam und öde ist es um uns her. Keine freundliche weibliche Hand glättet uns die sorgenvollen Fal ten von der Stirn, oder streichelt uns das dünner werdende Haar; werden wir alt oder krank doch daran mag ich gar nicht denken. .Onkel heißt man günstigen Falles Dieses aber ist auch Alles", singt Wilhelm Busch.-Daß dieses Le ben auch seine Lichtseiten hat, wer möchte da? bezweifeln? Aber man stumpft allmählich dagegen ab; nament uch wenn man schon an die sulszigJahre als Junggeselle vegetlrt hat. .So heirathen Sle doch , ruft der Chor der Schwiegermütter. Mit Vergnügen, meine verehrten Damen, wäre ich dazu bereit, wenn ich nur und nun passen Sie, bitte, ganz genau aus junge Damen kennte." .WaS, Sie, der Sie noch iungst aus dem Kasinoballe der Löwe des Abends waren, von einer Dame zur andern flat terten, ini Damenwalztanz halb todt ge tanzt wurden, im Cotillon' mit Orden bedeckt waren, Sie, Sie sollten keine Damenbekanntschaften haben ? O gehen Sie doch; Sie belleben zu scherzen." .Nicht im Geringsten. ES ist mein voller Ernst; und nuu gestatten Sie mir, mich einmal ruhig auszusprechen. Der Grund des Ueberhandnchmens der Ehelosigkeit liegt in unseren gesellschast liehen Zuständen. Denken Sie sich, ein junger Beamter oder Kaufmann oder was er sonst sem mag, furj emHelrathS oser oocy Äertovungscanoioal im oeuen Smne des Wortes, findet m irgend ei ner Stadt sein Domicil. Nachdem er zwei'Wochen sich imWeich bilde aufgehalten, denkt er daran, Be fuche zu machen. Hier giebt er einen . r t t. 1 c mpseyiungsories, oorr cinc arie ao; angenommen wird er fast nirgends. Nach Verlauf von einigen Wochen 'empfängt er eine Karte : Herr und Frau Z. geben sich die Ehre u. s. w. Der festliche Abend naht heran, .unser Freund wird von den Gastgebern, die er noch aar müt oder dock nur ubr ober flächlich kennt, freundlich empfangen und den anwesenden Geladenen vorgestellt. Mit graziös übereinandergesetzten Füßen trinkt er eine Tasse Thee, mustert dttGe sellschast, und dann geht eS zu Tische. Unser Freund ist ein tre flicher Ge ell schafter und weiß seine Nachbarin, ein niedliches junges Dämchen mit Pracht vollen echten Zöpfen, vorzuglich zu un terhalten. Der Abend geht zu Ende, dle Tafel wird aufgehoben und männig lich geht nach Haufe. Der junge Mann macht im Laufe des Winters noch zahlreiche Abendgesell schaften, Bälle, Schlittenpartien und dergleichen mit. Der Sommer kommt. Ein zweiter, dritter, vierter Winter folgt und wir finden unsern Freund im mer noch unter der 5UM der Iunaaesel len. Wie geht das zu? Er ist kein schlechter Gesellschafter, zählt dreißig Jahre, lebt in normalen, geordneten Verhältnissen und ist dem anderen Ge schlechte durchaus nicht abhold Ja, und doch noch nicht in Amors Netzen ? Wie geht das zu ? Längst schon hat er eine stille Neigung zu einer hübschen Blondine aesaßt, welche ihm gewiß keinen Korb geben würde aber, und darin liegt daS ganze Geheim niß er kennt sie, d. h. ihren Charakter, ihr ganzes Sein und Denken zu wenig, und blind daraus los zu heirathen, dazu ist unser Freund zu vernunstlg. Freilich hat er sich mit der jungen Dame aus vielen Bällen getroffen, mit ihr getanzt, sie zu Tische gesührt, auch sogar schon ein Vielliebchen an sie verloren aber die Damen (und wie ich gern einräume. auch die Herten) sind andere bet glän zenden Festen, andere ,am stillen Heerd zur Winterszeit-. WaS war es, daS Werther an Lotte so sehr entzückte ? Ihr stilles, köstliches Wirken im häuslichen Kreise. Da.lst die Heimstätte der Frau, da kann, da soll und wird ne sich zeigen, wie ne ist. Wenn unser Freund seine Angebetete nur einmal im HauSkleide oder mit der Küchen schürze angethan in ihren vier Wänden sehen könnte ! Wenn, wie in manchen kleinen Orten, die schöne Sitte existirte, daß Bekannte des Hauses, auch ohne sich in große Toilette zu werfen, eine Familie einmal an einem schönen Nachmittage sans gene aufsuchen und die Töchter deS auseS kennen lernen dürsten in ihrem ureigensten Wesen und Sinn, statt in der trügerischen Maöke der Weltdame dann, so behaupten wir ganz bestimmt, dann würde es ganz anders werden. Solange aber em tun ger Mann die heirathssähigen Damen nur aus dem Balle und bei glänzenden Festen sieht, so lange es ihn unmöglich
ist, seine zukünftige Hausfrau als solche
ennen zu lernen, so lange wird noch manche Knoöpe, die es welth wäre, von den Edelsten, unseres Geschlechts gepflückt zu werden, verblühen und verwelken. Schont statt der glänzenden Feten einen gemüthlichen häuslichen Kreis und laßt die jungen Männer bei Euch familiär verkehren dann braucht Ihr Euch um die Zukunft Eurer Töchter keine Sorge zu machen, und die Standesämter wer den mit Dampfkraft arbeiten muffen, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Freilich müssen dann unsere Damen häuslich erzogen sein, muffen wiffen, daß man das Kochen nicht lediglich von Hen riette Davidis lernen kann und daß zu einer tüchtigen Hausfrau mehr gehört, als Romane lesen, Perlenkanten sticken. und das Gebet der Jungfrau oder besten Falles Chopins ü-rnoU Ballade aus dem Pianino spielen. ' Wenn Ihr aber tüchtig erzogene Töch ter habt, dann braucht Ihr Eltern auch nicht den beobachtenden Blick der hei rathslustigen Junggesellen zu scheuen. Letztere aber wenigstens die einsichts volleren unter lhnen werden dann trotz der materiellen Richtung unserer Zeit gern ihr Cölibat aufgeben und unbe kümmert um die Größe der Mitgift sich unter den Töchtern des Landes daS wählen, was ihnen noththut, nämlich eine treue Lebensgesährtm und tüchtige Hausfrau. Und nun gute Nacht und Gott befohlen! Auf Wiedersehen im Familienkreise! , Randglossen Gestützt auf daS Studium der Leih bibliotheken theilt der .P. L." in einem ängeren Aufsätze folgende intereffante Beobachtungen mit: .Auch daS Publikum krümmt sich. wenn es getreten wird, ja es sticht den Peiniger sogar empfindlich in die Ferse. Da die meisten Leser bis zu einem ge wiffen Grade auch schreiben können, so bewaffne sie nicht nur ihre Augen, son . V . . cr v oern auch lyre ano, wenn t em Vvcy ausschlagen. Mit gezücktem Bleistist, ja mit eingelegter Stahlfeder traben sie durch den Zeilenwald, wie auf Aben teuer, und wehe dem Versaffe?, wenn er ihnen darin zu böser Stunde begegnet ! Em Buch, das von Vielen gelesen wor den, birgt mancherlei kritische Hierogly phen, und wenn die Pompejanischen Wandkritzeleien ihre Literaturgeschichte haben, warum sollte man nicht einen Blick werfen dürfen auf die Randbemer kungen des lesenden Publikums? Die Unschuldigsten sind jene' Kieselake, welche auf der Tafel jedes gelefenen Buches ihren Namen verzeichnen muffen. Klügere machen auf dem Titelblatt eine kurze Notiz: Zu lesen angefangen den 25. Dec. 1873" und am Schluffe : Ausgele en den 12. März 1874. Ge wöhnlich ist ein nicht unbedeutenderZeit räum zwischen diesen beiden Daten zu constatnen. Auf manchem Buchdeckel findet man eine Bemerkung wie : .Die ses Buch ist sehr schön", oder : .Dieses Buch ist sehr dumm. Die erstere For mel zeigt meist weibliche, die letztere kaufmännische Schristzuge. Manchmal ist die Form, in der solche unklare Em psindung ausgedruckt wird, etwas mdi vidueller; auf Hackländers .Neuem Don Quixote z.B. sand ich das Bekenntniß: .Der alte ist mir lieber! Von anderer Hand stand freilich dicht darunter ge schrieben: .Den haben Sie gar Nicht gelesen, Sie Dmg, Sie ! Denn der artige Kritik ist zweischneidig und rust ost eine Antikritik hervor, die sich der Kritikus schwerlich an denSpiegel stecken wurde. Andere Leser haben eme un widerstehliche Neigung zum Unterstrei chen. Der Tiessinn solcher Sätze braucht Nicht grok zu sein ; ich sand auch folgende Sätze herausgestrichen : .Ach, derWinter kommt nur zu buld : Lust und Leid sind Tag und Nacht des Herzens. .... .Es giebt nichts Seligeres als den Frieden eines guten Gewissens. Hctu figer noch als die Unterstreicher mit ihrer horizontalen Kunst sind aver lene An streichergenies, die ihren Beisall durch senkrecht Striche am Blattrande aus drücken und ein halbes Buch anzustrei chen im Stande sind. Ein merkwürdi geö statistisches Talent entdeckte ich in emem Exemplar von Jean Pauls.Qum tus Fixtein; der Mann hatte berechnet. dan m dem Buch 1-195 .S sehlen, die jenigen nämlich, welche Jean Paul in semen zusammengesetzten Wortern (Rechtanwalt, Himmelkörper u. dergl.) halsstarrig wegläßt. Und dabei stand noch die Bemerkung : .Er schreibt aber doch HauSbuch und Nicht Haubuch. Eine eigenthümliche Existenz ist auch die des Ergänzers. Er sticht die halben Citate heraus und setzt die fehlende Hälfte seitlich an. 5oer Versasser hat z. B. eine psychologische Excursion mit den klassischen Worten geschlossen: .Der Wahn ist kurz; unser Ergänzer schreibt an den Rand dazu: .Die Reu' ist lang Sah ich doch selbst in Goethes .Faust einmal bei der Stellt : .Wer sie nicht kennte, die Elemente , belgeschneben : .mnig gesellt; Goethe, mit Schiller qe flickt, das muß doch halten ! Noch andere Schreidleser haben den Sport, aus die Fragen des Verfassers zu antworten. Er schreibt z. B.: .Ist eS möglich, daß ein gebildeter Men ch so ties sinke ?" Ei ner, der Alles weiß, schreibt dazu : .O ja l" Besonders verletzend ist dies für den Verfasser, wenn er sich mit seiner Frage dnect an den Leser gewendethat, z. B.: .Du möchtest wohl' wissen, lieber Leser, ob...." c. Ein unangenehmer Mensch schreibt dazu : .Bin gar nicht neugierig.In .Jane Eyr schreibt die Verfas serin einmal : .Wir überspringen nun zehn Jahre" ; ich sah von zarterDamen Hand dabei dieWorte stehen : .Springen Sie nur allein, ich will nicht im Hand umdrehen so alt werden." Ueberhaupt ist eö merkwürdig, wie leicht die Leserin nen sich von der Lektüre beleidigt suhlen. .Die geneigte Leserin," dieser Ausdruck kommt in einem Caroline Pichler'schen Romane öfters vor; er war in dem Ex emplare, das ich durchblätterte, jedesmal kritisirt. DaS erste Mal stand dabei: .Sie halten mich wohl sür bucklig?" DaS zveiteMal war.geneigte" gestrichen und statt dessen .schöne" deigeschricben. In einem Romane von Clauren, wo der Leser sortwährend mit .Du" angeredet wird, sand ich jedes .Du", in .Sie" um
gewandelt: die weiblicke fiand war un
verkennbar. Vollends, wenn es sich um !' o .'s .ii - v fi oliellensaqen yanoeil: In nmgel stedt's .Amazoneheißt es von der Hel din,sie habeHandschuh No. 6Z gebraucht. Eine Dame schrieb mitzornigenSchrift zügen darunter : .5j, Sie Tr m Sie machte aber keine Vunkte. sondern schrieb das Wort deutlich aus." Wom Seestrand. Poetische Tagebuchblätter, von Fräulein Amanda Echulze tZrerFreundin Jtuna Müller gewidmet. Wer hätte wohl gedacht, daß ich noch einmal eine Dichterin werden würde? Die See hat mich unwillkürlich dazu ge macht. Wenn man so im Sande liegt und an gar nichts denkt, dann kommen Emem allerler Gedanken, und lm viu m ein .Gedicht fertig, das manchmal gar nicht fo übel ist. Mein erstes betitelt sich natürlich emfach .Dle See" und lautet : Wie ist die See so blau, so blau ! Man kann nicht mehr verlangen ; Es steht darin die Badesrau, Um Trinkgeld zu empsangen. Wie ist die See so schön, so schön, Und wird tagtäglich blauer ! Doch, ach, die Tage, sie vergehn. Was ich ausrichtig bedauer'. O See ! Wie schön und blau bist du! Wie werd' ich dich schmerzlich missen ! Vielleicht legt Vater acht Tage zu ; Allein wer kann das wissen ? WaS sagst Du, Jduna, zu dieser Probe? Meinst Du nicht auch, daß sie zu dem Bessern gehört, was bisher über daS Meer gedichtet worden ist? Ich verlange ein unparteiisches Urtheil von Dir. , . . Ich komme immer mehr in das Dich ten hinein. Heute habe ich ein längeres Gedicht verfaßt, welches, wie ich glaube. dem Genre des Idylls angehört. ES könnte überschrieben werden .D 1 1 L a u s ch e r i n" oder .DaS v e r r a thene Geheimniß". ES lautet: Ich hatt' am Strand mich in den Sand gebuddelt Und ruht' und träumte. Ueber meinem Antlitz, Es zu beschirmen vor der SonnePfeilen, Lag von der Tante Voß das dritte Bei vlatt, Mit dem ein schmeichlerischer Zephyr spielte. Da gingen plötzlich, ohne mich zu sehn. Zwei Jünglinge zugleich an mir vorbei; Der Eine war aus emem Lackgechast, Der Andre aber von der Gummibranche, Und was sie sprachen hört ich ganz ge nau. .Ich lieb' Amanden !" sprach der Eine. -.So?" Versetzte daraus der Andre. .In der That," , Bestätigte der Erste und vorüber Im eifrigen Gespräche gingen sie. Ich that, als ob ich schlief'; doch zum Zersvrmgen In meinem Busen klopste mir das Herz, Und eine Welt von Wonne ging mir au?. Der Zephyr aber unbekümmert spielte Indessen weiter mit der Tante Voß. Ist das nicht ganz gut im Ton ge troffen, und ist nicht besonders derSchluß originell? Aber ach, Jduna, ich will Dir nur gestehen, daß die Sache m Wahr heit sich theilveise ganz anders verhielt, und daß ich mich einer ziemlich starken poetischen Freiheit bedient habe. Aller dings fingen die beiden Jünglinge an mir vorüber, aber auch nicht einmal im Vorübergehen sprachen sie von mir. Vielmehr sagte, wahrend sie vorbetgin gen, der Eine : .Ich wäre der reine Thor, wenn ich mich um Jduna be mühte." Worauf der Andere erwiderte: .Na, so blau !" O Jduna, es wäre mir sehr schmerz lich, wenn ich erfahren müßte, daß von Dir die Rede gewesen ist. Heute hatte ich wieder einen sehr gu ten Dichtta. Die Versfüße liefen mir ordentlich zu, und die besten Reime stell ten sich ungesucht ein. Du kennst, Jduna, meine Leidenschaft sür Choco lade. Dieselbe begeisterte mich zu dem kleinen Gedicht. Der Jungfrau Wunsch. Soviel Tropfen sind im Meere, Soviel Blümlein auf der Au, Soviel Nadeln trägt die Föhre Soviel Perlen hat der Thau, Soviel Körnlein sind im Sande, Soviel Würmlein sind im Käs : Hätt' ich soviel Pralines O wie wär' ich froh ! Amande. In dem Gedicht gefällt mir nur die .Föhre" nicht, weil bei uns kein Baum so genannt wird. Aber Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer oder Birnbaum paßte nicht in den Reim. UebrigenS kommt die .Föhre" auch bei anderen guten Dich lern vor. Mein jüngster Bruder lernt am Strande das Rauchen, wozu Papa 300 Stück Straßburger Cigarren mitgenom men hat. Das Resultat ist, daß sämmt liche Mücken sich von hier verzogen ha ben. Nicht eine einzige läßt sich sehen, während sie sonst hier milliardenweise vorkamen. Ich versuchte die Sache poe tisch zu verwerthen, scheiterte aber da mit ; der Stoss erwies sich als zu pro saisch. Außer den Mücken sind auch Meyers und andere Bekannte fortgezo gen, weil sie es auch nicht aushalten konnten. O M O Heute ging eS wieder bester. Ich habe die See noch einmal als solche behan delt und zwar' von rein Wissenschaft lichem Standpunkte aus. Das Gedicht lautet : Die See besteht im Allgemeinen Aus Wasser und ist naß darum ; Auch salzig muß sie uns erscheinen. Denn sie enthält Chlornatrium. Und außer Natrium und Chlor, Kommt Jod, doch nur in Spuren, vor. Dies Gedicht, von dem ich viel hielt, theilte 5ch den jungen Doctor N. mit, der seit einiger Zeit bei uns verkehrt.
und bat ihn um sein Urtheil. Zu me!
ner großen Enttäuschung mußte ich er fahren, daß ihn das Gedicht nicht voll ständig befriedigte. .In der Form" fagte er .m es za vollendet und hat auch fönst große Vorzüge; wag ihm fehlt, ist Handlung, und diese nachträg lich hineinzubringen, dürfte nicht, leicht sem." Dann fuhr er fort : .Bei Ihrer offenbar eminent großen dichterischer. Begabung, mein Fräulein, würde ich Ihnen rathen, sich aus das Romantische zu werfen. Das ist das Feld, auf dem Tie am meisten Ausucht haben, Lorbee ren zu erwerben. Versuchen Sie es doch .? c rwi m einmal mii oer aernixe r O ch Ich nahm mir deu Rath des DoctorS zu Herzen und verfertigte heute VormZt tag, wahrend ich lm Sande lag. folaeu des Gedicht: Die Wassernixe. Die Wassernixe taucht empor Aus kühler Meereswell'; Sie lauscht und spitzt ihr Muschelohr Es spielt die Badecapell'. Ach, hätte sie nur ein Programm! Doch Keiner bringt's ihr dar; Indessen mit dem Gummikamm Kämmt sie ihr grünes Haar. Die Nixe lauscht mit feuchtem Blick. Das Spiel gefallt ihr gut ; Dann taucht tiesseuszend sie zurück Wohl m die flundrige Fluth. Als ich dieses Gedicht dem Doctor mit theilte, sagte er nichts weiter als : .DaS ist etwas !" und versenkte eS offenbar uderrafcht und bewegt, m seme Brief . tascye. .ES ist allerdings" sagte er nach emer Weile .das KammMo!iv aus der .Loreley" genommen. Aber das thut nichts. Es ist doch wesentlich modificirt, und überdies ist Kämmen immer gut. .Flundrige Fluth" aber ist geradezu unübertrefflich." Du glaubst nicht, liebe duna. wie diese feine Bemerkung und die einfachen Lobesworte: .Das ist etwas !" mich be sengt haben. Es liegt so viel darm. ch ch - ch Ich Habeheute eine Lallade zuStande gebraut, welche heißt :.DerAalund die Flun der." Sie lautet: Ein Aal liebt eine Flunder Im tiefen blauen Meer; Das ist ja gar kein Wunder Und wenn es auch eines wär'! Wie ist es ihnen ergangen, . Der Flunder und dem Aal? Sie wurden Beide gefangen. Beide mit einem Mal. Dann wurden zusammen Beide Geräuchert schön und braun ; So konnten sie mit Freude Noch einmal einander schau'n. Dann wurden sie aufgegessen Auf einmal, wie es scheint; Es war ein tüchtiges Essen Nun sind ge Zwei vereint. Von diesem Gedicht war der Doctor ganz entzückt und schrieb es sich zweimal hinter einander ab. Ich habe ihm jetzt alle meine früheren Sachen gegeben mit Ausnahme des Gedichts von den beiden Jünglingen. Er spricht davon, einen HekauSgeber suchen zu wollen. Wir haben bereits sür das kleine Bändchen, wenn es wirklich erscheinen sollte, den be scheidenen Titel .S a n d k ö r n e r" ge wählt. ch ch ch Einige Tage später. Der Doctor hat sich mehrere Tage nicht seben lassen. Öeute erfabre ick. daß er meine Gedichte in einer Kneipe vorgetragen und sich selbst nebst all' den Anderen darüber schief gelacht hat. Mö gen sie schief bleiben ! Dann wird ihnen das Lachen wohl vergehen. Papa will morgen fort. .Gustav" sagt er .rann tp rauchen; oenöschnu pfen haben wir Alle, und das Wetter wird doch nicht besser. Was sollen wir also noch hier ?" Ich bin damit einverstanden. WaS soll ich noch hier? Ach, Jouna, muß die Poesie immer unglücklich machen? Muß das Genie immer ein Fluch sein ? Ich sitz' bei der BadeAnstalt Und dicht' ein trauriges Lied ; Die Welle kommt und bricht sich. Indem sie vorüberzieht. Die Möve flattert da,über, Ihr ist es einerlei. Ach, wie so schön war AlleS, Und nun ist AlleZ vorbei ! Einem längst gefühlten Bedürfnis abzuhelfen, ist endlich zum Wohle der Menschheit auch ein poetisches Kochbuch erschienen. Die folgende schöne Arie von der &f rösteten Kalbsleber diene als Probe. Mtl.: .Wir sitzen so fröhlich ieisammcn.Damit die Begierde der Gäste Im Anfang nicht werde zu laut, Entschäle geschwind, meine Beste, ' Der Leber des Kalbes die Haut. Zerschneide die Leber in Stücke, So breit und so dünn es kann sein. Und schneide mit trockenem Blicke Hernach eine Zwiebel sehr fein. Jetzt nimm vomSchmalze, dem schönsten. Ein Stück wie ein Hühnerei groß Und lasse dle Zwiebel gelbrösten 'In der Pfanne erglühendem Schbvß. Nun schütte die Leber zu diesen. Und säe noch Mehl darauf herum. Und wende sie ohne Verdrießen Mit fleißiger Hand um und um. So lässest dieselbe Du braten. Nicht hart, poch genugsam, dann thu' Vom Salze, nach eigenem Berathen Und Essig ein wenig dazu. Berühre ein paar Mal Besagtes Und richt' auf der Platte es an. Dann streu' noch ein venig zerhacktes Eitronengefchäle daran. Viel Klagen höre ich erheben Vom Hochmuth, den der Große übt ;. Der Großen Hochmuth wird sich geben. Wem- unf're Kriecherei sich gibt. - . - -
I öcr Hunde-Ctammrnki7 Mit gesenkten Trauerwedeln Saßen an der Tafelrunde -All' die schwergeprüften, edeln. Jetzt so tief betrübten Hunde, ' Und kein Trank will ihnen schmes Keine Speise schasst Behagen, Angstvoll nur die Köpfe stecken Sie zusammen, um zu klagen : Wehe, was soll aus uns werden Wenn die Zeiten also bleiben. Will man grausam von der örde Uns denn ganz und gar vertreibe? Unerträglich ist der Zustand, Den man hat für uns bereitet l VssHrh hin n nr v. "JS
owt.v Vkllil ÜM IH-yt lilliyfe j stand Unser Leben hingeleitet? An die Leine uns zu legen, Das beschädigt uns're Rechte Giebt's denn nichts, was man l):r!f Mit Erfolg beginnen möchte Sollten wir petitioniren, Listen circuliren lassen, Oder mind'stens Protestiren Und Resolutionen fassen? Doch der Teckel und der Pintschcir Fangen höhnisch an zu lachen? -'-V Das wär' wahrlich rechter lind'schnr Unsmn, den nur Menschen machen Z Nein, mit uns'ren scharsen Zähne Woll'n wir die Tyrannen packen Und sie, ohne daß sie's wähnen. Heimlich in die Waden zwacken. Selbst zu Haus die kleinen Kindkr Die sonst harmlos mit uns spielen Soll'n aus Rache jetzt nicht minder Schmerzlich uns're Bisse süblen. Ja, so meint das ganze Rudel, . Dies erscheint als das ü ewährt'ste Z Doch da nahm das Wort der Pude Wohl von allen der gelehrtste : Sebt. so svrack er. dier i. lesen Ist es in dem Zeitungs'olatte, Durchaus nöthig s:i's gewesen. Daß man dies verordnet hatte. Denn man habe Wind bekommen Daß sich einige uns'rer Sippe Geradezu wie toll benommen. , Daher das Gebot der Strippe! Stets muß ia dos Ganze leiden. Wenn sich Einzelne vergingen. Doch nun lakt uns Alles meiden. - Was uns könnt' noch SchliMm'lkZi aen. Laßt uns uns'ren Groll ersticken Ächtung gilt's vor dem Gesee ! . Nichts von Beißen, Nichts von ZwiO Keine wüste Menschenhetze ! Deutlich klar m& es sur künftige Seiten werden einem Jeden. Daß wir durch und durch vernünft'L? llranstano'ge Quadrupeden. Menschen allerdings, die würden . Dem Gesetz Gehorsam weigern Und der Spannung last'ae Bürders . Leichtsinnig aus's Höchste steigern. Aber das sind eben Menschen Mögen sie vom Hals uns bleiben 5 Wie sie in den vaterländischen Gau'n ihr wildes Wesen treiben Wir dagegen, mit vier Beinen, bmo geschnitzt aus bkssrem Hol;? Vfot' aus's 6rn. ich sollte meinen. Das berechtigt uns zum Stolze. Warum höret meine Bitte, Seid gesaßt und laßt das Trauen? , Wahrt die angestammte Sitte, Lange wird's ja wohl nicht dauern. Gebt der Mitwelt davon Kunde. Männiglich zu Nutz und Frommen. Daß trotz schlimmer Zeit wir Hund' Noch nicht auf den Mensch gekommer: 11 Unter den bewandten Dingen Setzten sie nach kurzer Pause Sich den Maulkorb auf und ginr An der Leine still nach Hause. cmr. Ein Bismaröfeink g &x-z. absonderlicher Art haust in Potsdi: Derselbe hat sich durch Flei und S;,--samkeit vom einfachen Maurergehü.' allgemach bis zum behäbigen Sftesir und mehrfachen Häuserbesiker tiapsrc? arbeitet und sein Glück hat während neS ganzen Lebens eigentlich nur ihn: einzigen fötnfe frlittpn : dieser trr Schlag war um so furchtbarer, oziFeldzuge von 1870 siel nämlich sein tzsziger Sohn, die Hoffnung seines Alt, und von da her datirt denn auch di:Of ganz seltsame Weise sich Lust machQ?. Feindschaft des Mannes gegen fcn:Reichskanzler Fürsten Bismarck. S ner Meinung nach ist dieser an Zrni' Ausbruche jenes Krieges und somit Qh an dem Tode seines Sohnes schuld, rifcdafür rächt er sich nun auf fol&roriginelle Weife. Auf dem Frieö zu Potsdam besitzt seine Famili rii Erdbegräbniß. Dies hat er noch S riUn t2 ,,, 5nm hrSif'i-i mm... cwi ui; wviti:? iiiiiki tunt.u,Mausoleumausgebaut, auf der Szi desselben abttt eine schöne gemei?Eule, welche ihre Krallen in ollnlüGewürm schlägt, und diese Eule attzz fsf riht fiff hrtn ihrtSrtlriebfn ntt?V- . .VV. f w f jj f " - T ' M dadurch, dak sie statt des Eulenko einen sprechend ähnlichen Bismarckkf mit den üblichen drei HakTS iVuri Einige Jahre darauf baute uns?r Mtaa.. ein Hau?, auf d-r ganzen Froi?t it-. dassetde über jedem Fenster einen KSi marckkopf, aus welchem die drei S$guzx: in Gestalt von Kanonenröhren emp starren. Kürzlich hatte der wunder?,Mann abermals ein Haus gebaut, zsZ abermals schmücken es BiZmarckkö diesmal mit der Abänderung, d Ttzi drei Haare als sich ringelnde Schk.77 dargestellt sind. Man ist nun 'n t$ dam nicht wenig gespannt darauf, beim nächsten Hausbau zum Vois. kommen wird. Abgesehen von fci:seltsamen Marotte ist der Bismari' r rt m . c . . oui IN Poisoain im reize seiner -Zc kannten allgemein beliebt und seines raden, offenen Wesens wegen gesch27. JnCngland wirdbe-i Einführung von Augengläsern sür cr englische Armee wohl dieErwägung gebend gewesen sein, daß der fcnl: Löwe sich durch Brillen bemerkbar xzzi chen müsse. Schreckliches L 0 0 5.. Während seiner Re'ie wird ein NeZd. tagskandidat gewahr, daß unter den tzz sammelten Wählern eine Anzahl zzzzz Postbeamten sich befindet. Sofort zzA er aus : ja, meine Herren, ." auch für die Postbeamten muß btsfer 5?srnt werrn 1 stur ,;., Tf.V-r Postbeamten, bei denen der Tag Stoßens anfängt und Abends au'hört. .- O Vtl Viilljlf !.,
